kultur

ensuite kulturmagazin k-notes:

Lukas Vogelsang – was das januar-loch nicht hingekriegt hat bei uns, ist dafür im februar spürbar geworden. es ist schon beängstigend still in bern. das grau hängt über den köpfen und der stadt. es ist zeit, dass es frühling wird. uns wird langweilig…

und diese langeweile hat sich auch in der internationalen presselandschaft breit gemacht. anstatt zu recherchieren und journalistisch zu brillieren, wurde das wort PRESSEFREIHEIT durch PRESSEFRECHHEIT ersetzt. die verleger haben im karrikaturenstreit das geld gerochen und die auflagen gesteigert, als wäre dies eine lösung. ich meine nicht, dass die diskussion nicht stattfinden sollte. aber so? das ist gefährlich. vor allem jetzt.

die gesellschaftliche moral hat wohl eine babypause. wir hatten doch immer definiert, dass eine einigermassen realistische moral, das totale menschliche chaos zurückhalten wird. eine intakte moral hält uns im gehege und gibt uns einen sinn. aber seit einigen jahren liegt diese moral auf der intensivstation der weltreorganisation. eine besserung ist nicht in sicht dafür freies geleit auf die visionslosigkeit.

hoffen wir also, dass diese karikaturen-diskussionen nur ein unabsichtlich ausgerutschter rülpser der geschichte ist und in den geschichtsbüchern keine erwähnung finden wird. wie erklären wir dies sonst unseren kinder?

kultur

Hochwürden sind Sie besessen?

Stephan FuchsReverend Beat-Man, seit drei Tagen habe ich keine Angst mehr vor dem Tod! Ist das normal?

Reverend Beat-Man: Oh ja, keiner sollte sich vor dem Tod fürchten. Was nahm Ihnen denn die Angst?

Die Platte „
Flammend’ Herz“ von „The Dead Brothers“, die in Ihrem Label „Voodoo Rhythm“ erschienen ist. Die Musik muss an meinem Begräbnis gespielt werden. Hoffentlich live, auch wenn die Herren bis dahin alt und grau sind.


Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch…

Ich verstehe. Die Band ist wirklich gut. Die Musik kommt auch von tief, tief unten, aus dem Grabe sozusagen. Sie hören der Band zu und es ist als ob Sie mit am Piano sitzen und mit einer Bande von Gipsys in der Hölle musizieren würden.

Ja, aber ich mein das ernst. Wissen Sie, täglich kreuzen mich Gangster, Agenten und Politiker. Manchmal kommt es hier und da auch zu klandestinen Treffen… und Reverend, ich habe mich vor diesen Treffen nicht gefürchtet. Nie! Und trotzdem, wohl unbewusst, ängstigte mich der Gedanke eines plötzlichen Todes. Stellen Sie sich das vor, erschossen zu werden und keiner spielt am Grab des geschundenen Körpers. Grässlich! Ich bin überzeugt, dass der, der sich vor dem Tod fürchtet, auch das Leben fürchtet. Was meinen Sie? Fürchten Sie sich vor dem Leben?

Nein! Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch… und der Tod… ich denke er ist das grösste Glück, die Erlösung unserer irdischen Form oder ein neuer Anfang, das Licht von etwas Neuem. Verstehen Sie? Angst ist etwas für die Ratten die sich im Dunkeln tummeln, die sich des Lichtes wegen ängstigen. Das Leben aber ist umwerfend. Und gerade des Todes, des Lichtes wegen haben wir Menschen im Leben nichts zu verlieren, nichts zu sündigen. Wir sind doch frei von Sünde.

Mein lieber Schwan! Sie sprechen hier vom Teufel, von Fleisch, von Sünden…

Genau! Ich spreche deutlich vom Leben. Hier und jetzt. Leben! Ich habe die Bibel ausführlich gelesen und ganz klar, die Bibel ist eines der absolut grossartigsten Bücher. Nur: Die Bibel lesen ist eine wunderbare Sache… die Bibel leben ist etwas anderes. Wer LEBEN als solches versteht, der lebt automatisch nach dem Buch der Bücher. Wer lebt, der kann gar nicht schlecht sein. Satan, der Vater… diese Dinge sind für die Ängstlichen, für die, die ohne Weisung nicht klarkommen; die Diktatur ist dann wohl nicht fern. Jesus lebte gefährlich, er lebte mit dem Fleisch, er hatte eine Vision, er hatte Leidenschaft, für die er offenbar starb. Sein Vater richtet nicht, wie das viele glauben. Der Vater hat vielmehr verziehen. Jedem. Dem Massenmörder genauso wie dem Weib, welches sich schindet und sich für ihre Kinder aufopfert. Das ist für mich die Bibel. Die Bibel muss man nicht lesen, die muss man leben. Und das kann jeder. Das ist noch nicht mal christlich, das ist menschlich, oder?

Reverend, Ihre Freundin Scarlette Fever aus L.A. ist Burlesque-Tänzerin; Tänzerin der legendären Velvet Hammer Tanzrevue. Varieté, Moulin Rouge, Erotik… und entschuldigen Sie… damit verbunden ist die Sünde. Wie können Sie hier sagen das sei „ok“?


Burlesque ist Geschichte, Spannung, Theater, Varieté. Foto: Manuel Vason

Burlesque, Moulin Rouge, das ist Leidenschaft, das ist nicht Cüplisex und da geht es nicht um Geld und Dollar Noten, die man einer Tänzerin in die Strapse steckt, in der Hoffnung sich deren Schenkel auf dem Schoss zu wiegen. Burlesque sind Geschichten, Spannung, Theater, Varieté. Burlesque ist eine sehr, sehr menschliche Geschichte, dazu noch mit Charme. Auch da geht es wieder um Leidenschaft. Die Frauen sind nicht doof, das ist nicht Prostitution. Scarlette Fever ist auch Journalistin, sie arbeitet für den L.A. Weekly, sie war Art & Lifestyle Editor des L.A. Reader, sie ist Grafikerin des Los Angeles Zoo und des botanischen Gartens. Valentina und Scarlette sind mit ihrem Programm „A Boozin’ Burlesque Explosion“ die Königinnen des Old-School-Striptease. Gehen Sie sich das mal anschauen und Sie werden sehen, mit Sünde hat das gar nichts zu tun.

Reverend, sind Sie eigentlich besessen?

Ja bestimmt! Von guter Musik, schlechtem Geschmack, guten Partys und guten Geschichten. Besessen zu sein ist ein guter Antrieb Dinge zu leisten, die ein nicht Besessener nie tun könnte.

Sie waren aber auch handfest besessen: Von dunklen agressiven Mächten in Form einer mexikanischen Wresting Maske, durch die Sie geistig und körperlich fast zerstört wurden. Dem Tod entronnen, quasi als Wiedergeborener, ziehen Sie nun predigend durch die Welt. Sie gelten als Priester des „primitive Rock’n’Roll“.

Ja, ich habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Ich war damals Jahre lang als Ein-Mann-Band unterwegs. Ich habe mir diese mexikanische Wrestler-Maske über mein Gesicht gezogen und habe auf der Bühne „Appartment-Wrestling“ gemacht. Ich habe mich tatsächlich mit meiner Gitarre und dem Publikum, vor allem aber mit mir selber geprügelt, wobei ich glücklicherweise immer als Sieger hervorging. Einige Zeit lang war das lustig, doch die aggressive Maske nahm überhand und immer öfter war nicht ich der Sieger, sondern eben die schwarzen Mächte der Maske. Es war furchtbar… ich habe mich selber auf der Bühne so verprügelt, dass ich mir die Nase, den Arm brach, schlussendlich hab ich mir beinahe den Rücken gebrochen, musste ins Spital, viel ins Koma und sah das Licht.

Reverend…!

Ja, ich sah das Licht, voller Freude habe ich mich darauf zu bewegt. Am Ende des Tunnels sah ich Screamin Jay Hawkins, den legendären Musiker… ich fiel auf meine Knie und weinte. Ich weinte wie ich in meinem ganzen Leben noch nicht geweint habe. Ja, ich wollte zurück. Zurück auf den Planeten des Hasses, zurück zu meiner Musik. Und glauben Sie mir, Hawkins half mir. Er sagte: „Beat Man, wir haben gesehen was du auf dem Planeten des Hasses gemacht hast, die Menschen brauchen dich dringend. Geh zurück und predige… PREDIGE!! Erzähl’ den Menschen die Geschichte über Primitive Rock’n’Roll, die Geschichte über Blues Trash und Gospel Trash.“ Augenblicklich erwachte ich aus dem Koma und ich wusste, was zu tun war: Ich verbrannte meine Maske, packte meine Gitarre und das Kick-Drum in mein altes Auto, fuhr von Stadt zu Stadt und… predigte!

Das war die Geburt von Reverend Beat Man. Sie touren Japan, Amerika, Südamerika, England, den Kontinent… Sie sind ein Star!

Ich bin Musiker und Priester, habe ein eigenes Label, eben Voodoo-Rhythm und verdiene mit meinen Shows kein Geld. Es ist mein Herzblut, mein persönliches Flammend’ Herz. Lohn bekomme ich vom Publikum. In Form von Briefen, von… Danke Reverend. Sie schätzen was ich mache… aber vor allem bin ich Vater.

Ein sehr liebender, Zeit Investierender – wie ich sehe.

Mein Junge ist mir das wichtigste. Er ist es, der jetzt da ist, er hat ein ganzes Leben vor sich, und da will ich ihm ein guter Vater sein. Mein Leben ist da nicht mehr so wichtig.

Werden Sie alt, Reverend?

Ha, nein! Aber ich bin weniger auf Tourneen. Obwohl, morgen geh’ ich wieder mit den „Monsters“ auf Tournee durch Frankreich, Deutschland, Holland und die Schweiz. Einzelne ausgesuchte Auftritte als Reverend Beat- Man mache ich schon auch, aber ich kümmere mich nun mehr um mein Label, dadurch gibt es viel Arbeit zu Hause die sehr wichtig ist, den Geist des Primitiv Rock’n’Roll weiter zutragen. Es ist auch wichtig für meinen Sohn. Er braucht mich, er braucht ein Zuhause und er braucht eine Familie, die ihn liebt und ihn auf seinem Weg unterstützt. Das ist meine wichtigste und grösste Show, die ich je haben werde!

Reverend, Sie sind ein richtiger Kerl…

Das denken wohl nicht alle. Wer mich nicht kennt der schaut lieber weg, der grüsst mich nicht, schenkt mir kein Lächeln. Mein Lebensinhalt hat mich vielleicht zu einem Outlaw gemacht. Aber eben, es ist mein Weg, mein Leben und ich bin stolz darauf.

Sie dürfen auch stolz auf ihr Label sein nicht? Ihr Label „Voodoo Rhythm“ gilt als Ground Zero für Primitive Rock’n’Roll, Slopabilly und die nie gehörten Sounds aus allen Schichten menschlichen Wahnsinns. Was fehlt Ihnen noch im Repertoire?

Klassik! Das wäre für mich ein Geschenk. Ich bin fasziniert von klassischer Musik. Sie ist dem Wahn näher als man denkt und in einer emotionalen Tiefe… Klassik ist wirklich faszinierend.

Also keinen Grund vorzeitig zu sterben. Haben Sie eigentlich eine Funeral-Band, die an Ihrem Begräbnis spielen wird?

Ich möchte für mich selber spielen. Vielleicht find ich da irgendwie irgendeine Möglichkeit. Die Welt ist doch bunter und runder als sie scheint.

Sie haben mit meiner Funeral Kapelle „The Dead Brothers“ ja auch einen dicken Fisch im Korb nicht?


Leidenschaft für richtige Kerle

Das werden wir sehen. Die Platte „Flammend’ Herz“ ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film in einer schweizerisch-deutschen Film Produktion. Es ist ein Zeitdokument dreier Hamburger Freunde. Das sind drei alte Männer um die Neunzig, aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen. Was sie verbindet ist einzig die Leidenschaft für Tätowierungen. Richtige Kerle. Die drei sind geeint im Willen nur so zu leben, wie sie wollen. Ihre Häute sind Geschichtsbücher, Biographien ihrer eigenen bewegten Geschichte, gezeichnet in blauer Tinte. Was für ein Reichtum!

Na, dann wohl auch ein finanzieller Reichtum für Sie, Reverend?

Pa! Muss es das? Ist das so wichtig? Wer weiss. Sicher, ich hätte Freude für meinen Sohn, dem ich die Schule, seine Ausbildung bezahlen könnte. Schauen Sie, ich habe mit allen Bands unter meinem Label ein Gentleman Agreement. Wir haben keine Verträge. Wir sind Jungs, die für die Musik leben und mit ihr sterben. Wir sind Gentleman und bauen an derselben Kiste. Verstehen Sie?

Ja, die Sprache versteh’ ich. Es gibt zu wenige aus diesem Holz. Kerle, die ranstehen, die aus Leidenschaft machen, sich gegenseitig aus der Patsche hauen und sich anschliessend `ne Zigarre anzünden.

Ja, das sind Dinge die im Leben zählen. Die Nacktheit der Ehrlichkeit, die Leidenschaft. Die Momente in denen sich die Nackenhaare sträuben, sich die Nasenflügel blustern und man für eine kleine Insel kämpft. Frauen und Männer die zusammenstehen, die gute alte Mafia, welche die Insel und die Familien vor den Banditen und den Aposteln der Geldgierigen schützt.

Reverend, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Herzlichen Dank, dass Sie mich empfangen haben. Bitte beten Sie für mich, die alten Familien und unseren Kampf um die Insel.

Die PDF Datei finden sie im PDF Archiv unter: Hochwuerden sind sie besessen?
Der Berner Musiker Reverend Beat Man betreibt sein Label Voodoo Rhythm seit 1992.
Foto: Yoshiko Kusano

kultur

Tratschundlaber

Sonja Wenger – Wieso steht in den Zeitungen eigentlich immer, wirklich immer, das Alter der Leute in einer Klammer? Das ist doch eine total sinnlose Information. Gemäss Hofberichterstatter Blick werden am Tag der Frau, am 8. März, die sexy Money-Girls bei «Deal or No Deal» durch Money-Boys ersetzt. Quoten ahoi! Das ist ein Akt der wahrhaftig nackten Verzweiflung. Und wer denkt dabei an die Moderatoren? Beni Thurnheer (56) ist ja jetzt schon von seinen Stars überfordert. Erst ein aalglatter Robbie (32) im Dezember und nun die mit Eros Ramazzotti (42) turtelnde Anastasia (32). Was muss er denn noch alles ertragen?


Fleischgewordener Klingelton (25)

Auf der Webseite von 20 Minuten kann man jetzt die sogenannten «Gähn-Stars» ansehen. Ausserdem sind sie mal wieder so richtig gemein mit Paris Hilton (25). Ein Medienexperte (55) bezeichnete sie übrigens als einen „Fleischgewordenen Klingelton”. Laut einer Studie der Uni Basel habe man bislang unterschätzt, in welchem Ausmass «Ängste unseren Kindern den Schlaf rauben». Na kein Wunder bei so viel Blödheit in den Medien. Ein Beispiel. Mister Schweiz Renzo Blumenthal (29) wünscht sich ja nichts sehnlicher (…), als «dass es mal so richtig funkt und lodert. Und ich löschen darf!» Renzo (eben, 29) ist Mitglied einer Elite-Truppe der Feuerwehr. Darum ist der Feuerwehr-Kommandant (50) auch so richtig stolz auf seinen schönen
Offizier.

Miss Schweiz Lauriane Gilliéron (21) ist auch ganz bodenständig – gegroundet sozusagen – und hat nun den Führerschein gemacht. Der Fahrlehrer (37) meinte dazu ganz jovial: «Sie ist intelligent und hört sehr genau zu, wenn man ihr etwas erklärt.»… Dafür macht die Vize-Miss-Schweiz Melanie Meier (24) nun Werbung für Gilette und darf für den ersten «vibrierenden Nassrassierer» werben. Das steht da so im Blick! Sie ist die «Schaumfrau». Der Ruhm ist eben nicht nur Schall und Rauch, sondern auch Schaum.

Der Fotograf ist übrigens 33. Und der letzte Schrei? Es gibt nun WC-Papier mit dem Bild von berühmten Personen. Man kann sich also den Hintern abwischen mit dem Konterfei von George Dabbelju Bush (59). Ein Dutzend Rollen kosten circa US$ 50 inklusive Versand in die Schweiz. Günstiger ist allerdings, einfach alten Zeitungen zurechtschneiden. Die Front und Auslandsseiten sind meistens sehr ergiebig, und auch abwechslungsreicher. Da hat man dann nämlich auch noch andere Diktatoren zur Auswahl.

kultur

ensuite kulturmagazin k-notes:

Lukas Vogelsang – Von Januarloch kann bei uns nicht gesprochen werden. Obwohl die E-Mails und Telefonleitungen erstaunlich ruhig waren, haben wir einen fast 80 % Werbezuwachs zu verzeichnen. Es ist klar spürbar, dass der 4. Jahrgang nicht nur viel arbeit hinterlassen hat, sonder auch einen „brand“ – also eine Marke, die sich jetzt etabliert hat und anerkennend angenommen wird.

Das klingt alles etwas sehr marktorientiert, doch wer unsere Geschichte mitverfolgt hat, weiss, was dies bedeutet. das unternehmen „ensuite“ hat in den letzten 4 Jahren über 800’000 Franken in dieses kulturmagazin investiert. Es ist klar, dass wir grundsätzlich kein Interesse haben, diesen „Markt“ ohne Gegenleistungen abzugeben. Über 30 Menschen möchten eine finanziell gesicherte Zukunft oder einfach einen lohn beziehen können…

Unsere strategische Ausrichtung wird für dieses Jahr also noch mehr in den eingeschlagenen weg konzentriert. das bedeutet, dass wir uns dafür einsetzen, dass Kulturgeld nicht in die Werbung, sondern Werbegelder in die Kultur fliessen! Die Kultur in Bern hat Finanznotstand. Wenn alle Kulturprojekte und Institutionen so finanziert werden sollten, wie gewünscht, so muss der Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Doch dieses Geld ist in absehbarer Zukunft nicht vorhanden. Weder bei den steuern noch bei der wirtschaft. Bern hat ein Problem.

Die Verhandlungen um die neuen Kulturverträge der Stadt Bern mit den subventionierten Kulturinstitutionen haben deswegen eine besonders heikle Dimension angenommen. Der städtische Kultursekretär will die Institutionen ab 2008 „zwingen“, Werbegelder in eine gemeinsame Kulturpromotion zurück zu investieren. Das heisst, Kulturgeld in die Werbung zu investieren. Damit verschliessen sich aber die Möglichkeiten, die wirtschaft in sachen Sponsoring und Kultur zu sensibilisieren und reaktivieren. nachhaltig wird die zwangs-lösung also keine Sparvariante mit Rücklauf, sondern ein Verlust zur folge haben. Natürlich nur bei den nicht-subventionierten Betrieben, Companies, Künstlern und Artisten.

Eine Lösung habe ich auch nicht parat und es ist auch nicht unsere Aufgabe, diese zu liefern. Doch scheint mir, dass mit dem gewünschten Geld auch die Probleme wachsen. Wer die Vergangenheit analysiert, bekommt ein Verständnis, warum wir hier angelangt sind und kann die Zukunft ändern. die Vergangenheit hat uns ohne grosses Geld bis hierher gebracht. Soziale Aspekte sind also zentraler zu gewichten und die Kultur bleibt der Leim der Gesellschaft. Und das muss auch in Zukunft unsere kulturelle Ausrichtung sein.

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Glut der Freiheit

Stephan Fuchs – Andra Borlo überschreitet Grenzen. Die ehemalige Berner Sängerin der Rockformation k’daar und Menschenrechtsaktivistin gibt mit „New York Diary“ ihr Solo Debüt. Das in ihrer zweiten Heimat Brooklyn aufgenommene akustische Album besticht mit klever arrangierten Songs und überschreitet mit Oboe, Geige, Bass, Piano und Drums auch musikalische Grenzen. Sie nennt ihre Musik „alternative acoustic pop“ und singt nebst englischen Songs erstmals auch einige Songs in deutscher Sprache. Stephan Fuchs sprach mit Andra Borlo über die Glut ihrer Stimme und ihre Arbeit als Politologin.

Andra Borlo ihre Stimme hat die Glut der Freiheit, sie berührt das Knochenmark in ihrem sensibelsten Bereich. In einem anderen sensiblen Bereich sitzen Häftlinge und warten auf die Exekution. Sie berühren beide Punkte mit der gleichen Leidenschaft…


„Die Gefängnisse sind inzwischen eine ganz wichtige Industrie der amerikanischen Wirtschaft. Sie müssen voll sein.“

Ich versuche, alles in meinem Leben mit Leidenschaft zu machen. Es freut mich, dass Sie diese Intensität in meiner Musik wahrnehmen.

In ihrer Stimme höre ich auch die ungehörten Schreie dieser Menschen. Sie haben durch Ihr Engagement das Leben nahe an den Tod geknüpft. Wie machen Sie das, ohne zu verbittern?

Das ist sicher für alle Menschen eine grosse Herausforderung. Wir haben nur eine Chance, wenn wir nie den Blick auf die positiven Entwicklungen und Momente verlieren. Und diesen Blick habe ich über die Jahre trainiert. Für meinen Alltag kann ich persönlich viel relativieren. Ich fühle mich vom Leben sehr beschenkt und spüre eine tiefe Dankbarkeit.

Verstehen sie Musik als Ventil?

Ja, die Musik ist für mich ein wichtiges Ventil, um Erlebtes zu verarbeiten –auch im Bereich meines Engagements gegen die Todesstrafe. Das heisst nicht, dass ich nur solche Songs schreibe. Auf meiner neuen CD sind vor allem Songs, in denen ich von Liebe singe, oder von Abschied und Verrat. „Das ist der Ort“ ist ein Stück, welches ich nach einem Gefangenenbesuch im texanischen Todestrakt geschrieben habe. Ich brauchte einen Weg, dieses Gefühl von absoluter Ohnmacht und Trauer loszuwerden.

Amerika versteht sich als zivilisierteste und demokratischste Gesellschaft der Welt.

Und dennoch warten Tausende von Menschen auf ihre Hinrichtung – viele davon sind unschuldig zum Tode verurteilt. Die Gefängnisse sind inzwischen eine ganz wichtige Industrie der amerikanischen Wirtschaft. Sie müssen voll sein.

Sind die Menschen im Todestrakt die Monster wie sie uns von den US Medien präsentiert werden?

Die meisten zum Tode verurteilten sind Afroamerikaner, Latinos oder Weisse aus den ärmsten Einkommensschichten. Viele davon waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie landen im Todestrakt, weil sie sich keinen privaten Anwalt leisten können. Viele davon sind unschuldig. Selbst wenn sie schuldig sind: hätten sie Geld, würden sie nicht zum Tode verurteilt. In den Medien werden sie als Monster dargestellt und nie gefragt, warum jemand eine bestimmte Tat begangen hat. Es ist, als hätten viele Amerikaner die Idee, dass Menschen gut oder schlecht geboren werden. Darum ist das Justizsystem nicht auf Prävention und Rehabilitation ausgerichtet.

Vielleicht ein Todeskult?

Ich glaube nicht. Eher eine Verquickung der amerikanischen „erst schiessen – dann fragen“ Mentalität, des biblischen „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ Gedankens und einer guten Portion Korruption, welche der Gesellschaft einen Schuldigen, vor die Beine werfen muss um…

…um das System am Leben zu erhalten?

Ja, den Glauben daran, die Rache sei Gerechtigkeit. Aber Rache ist nur Selbstzweck, damit alle an ihrem Platz bleiben. Im Falle der Todesstrafe ist das eine Fortsetzung der Lynchjustiz.

Sie haben über das Gefängnis ihre Stimme als Instrument entdeckt…

Das war vor sechzehn Jahren. Mein damaliger Freund war als Dienstverweigerer in einem Schweizer Gefängnis. Ich wollte mit ihm sprechen und habe deshalb in einer Privatwohnung gegenüber dem Gefängnis geklingelt. Einer liess mich rein und so konnte ich, quer über die Strasse hinweg mit meinem Freund sprechen. Ich musste brüllen, damit er mich versteht. Meine Stimme hallte in den Gassen, eine gute Akustik… Sein Zellenpartner war Gitarrist und war von meiner dunklen, kratzigen Stimme fasziniert. Er lud mich ein, nach seiner Haftzeit in seiner Band zu singen. Ich tat es und habe so meine Leidenschaft zum Gesang entdeckt.

Sie sind schwer in eine „Kiste“ einzuteilen. Sie sind Sängerin und Menschenrechtsaktivistin, arbeiten als Politologin selbständig an diversen Projekten im Menschenrechtsbereich, wohnen in Bern und seit einigen Jahren mit zweitem Wohnsitz in Brooklyn. Dass Sie keine Grenzen kennen, zeigen Sie nun auch mit Ihrer „New York-Diary“ Tour. Dazu haben sie Bryonn Bain eingeladen. Ein Hip-Hop Künstler aus Brooklyn. Das ist seltsam, Musik die Gewalt zelebriert?

Ich kannte Hip-Hop auch nur in dieser Form vom Radio her. Gewalt. Drogen, Bandenkrieg. Bis ich Bryonn Bain kennen lernte. Ich lud ihn als Referent zu einem Medienevent ein, welches ich für Nanon Williams organisiert hatte. Bryonn hat mich dann in die Kultur des „Spoken Word“ eingeweiht, welcher von starken Texten lebt – von Poesie bis zu politisch anspruchsvollen Inhalten. Bryonn gehört zu einer in den USA immer grösser werdenden Gruppe von Künstlern, welche Hip-Hop wieder zu seinen Wurzeln zurückführen will, zu Texten, welche soziale Veränderung bewirken. Bryonn hat Literatur studiert, dann Jura in Harvard abgeschlossen, ist Literaturprofessor, Journalist, Poet, Bürgerrechtsaktivist und eben Musiker. Diese Kombination gibt ihm eine konstruktive Explosivität. Er kämpft mit Geist, Herz und Brillanz. Sein erster Artikel in der New Yorker Zeitung Village Voice hat 100’000 Leserreaktionen ausgelöst. Das hatte es in derer Zeitungsgeschichte bis dahin noch nie gegeben.

Musik als Nachrichtenmedium?

Das ist richtig. Schauen sie, was Bryonn passierte ist klassisch für Amerika. Es nennt sich „racial profiling“: Bryonn wurde von der Polizei im Auto angehalten, man fand unter seinem Namen ein Strafregistereintrag, das irgendjemand bei den Behörden gepflanzt hat der ihm schlecht wollte. Sie fragten wer er sei. Er sagte er sei Harward Law School Absolvent, habe eine Professur für Literatur, sei Poet und Hip-Hop Künstler. Sie haben Bryonn in die psychiatrische Abteilung des Gefängnisses verfrachtet. Sie haben ihm schlicht nicht geglaubt und ihm eine Schizophrenie attestiert. Ein 27 jähriger Schwarzer, dachten die, kann doch nicht Professor sein und in Harvard studiert haben! Einem Weissen wäre das nicht passiert. Weder die Verhaftung noch der Unglaube, dass er eine gute Ausbildung hat.

Bryonn ist ein Dorn in den Augen konservativer Politiker?

Ja und dazu ein begnadeter Musiker, der eben mit dem Hip-Hop das Publikum erreicht welches für Nachrichten wie sie Bryonn in seinen Spoken Words erzählt, empfänglich ist. Mit seinen politischen und literarischen Texten setzt er einen Kontrapunkt zum kommerziellen Hip-Hop. Bryonn Bain spricht die kontroversen Themen der USA wie Chancenungleichheit oder das marode Justizsystem an.

Bryonn stand in den letzten Jahren mit Leuten wie Maceo Parker, the Last Poets, Amiri Baraka, oder dead prez auf den Bühnen. Warum kommt er mit Ihnen auf die Bühne? In der Schweiz, wo wir ganz andere Themen haben?

Bryonn hat zwei Songs auf meiner CD vertont und dabei den Narren an meiner Musik gefressen. So entstand die Idee, dass wir zusammen auf die Bühne stehen. Er ist ein unglaublich charismatischer Performer. Ich möchte diese Kunst dem Schweizer Publikum zeigen. Und „seine“ Themen haben wir hier auch. Vor allem Rassismus, den ich in der Schweiz als immer stärker werdend empfinde. Ein guter Nährboden für die menschenverachtende Asylpolitik der SVP. Ein düsteres Kapitel in der Schweizer Politlandschaft. Es gäbe noch viel zu den Missständen in der Schweiz zu sagen.

Und dazu kommt auch KuttiMC als Gast auf die Tour?


„Ich glaube, wir glühen alle auf der Bühne – die Mühle ist aus Holz, das kann gefährlich werden!“

Ja genau. Darüber freue ich mich besonders! So überschreiten wir wieder eine Grenze. Hip-Hop ist nicht nur in den USA lebendig, sondern eben auch in der Schweiz. Ich freue mich extrem, die beiden gemeinsam auf der Bühne zu haben und zu einem Rap-Duell in Schweizerdeutsch und Englisch antreten zu lassen. Das wird lustig, weil Bryonn die Mimik von KuttiMC lesen muss und kein Wort versteht! KuttiMC hat mit dem Rap eine Form gefunden, seine guten und originellen Texte in eine anmächelige Form zu verpacken. Der Rap steht im gut!

Aber sie selber sind keine Hip-Hop Künstlerin! Sie haben eine Stimme der Leidenschaft, sie machen guten Pop und groovigen Jazz.

Ich habe keine Berührungsängste. Ich finde es spannend! Das Programm „New York Diary“ wird als Delikatesse den akustischen Pop mit Hip-Hop verknüpfen. So steht ein Hip-Hop Künstler mit Oboe, Bass, Violine, Drums und Piano auf der Bühne. Wir bleiben akustisch, trotz Hip-Hop Elementen. Diese musikalische Zusammenarbeit ist eine Premiere. Es war gar nicht so einfach, in der Schweiz Musiker zu finden, die so vielseitig sind, dass sie klassische, jazzige, rockige und popige Sounds und Grooves spielen können. Vor allem für Oboe, Geige und Bass war das knifflig. Mit Mathias Z. Bühler, Simon Heggedorn und Richard Pechota habe ich grosses Glück gehabt. Auch Schlagzeuger Adrian Christen ist sehr vielseitig und Pianist Philippe Kuhn, der meine CD produziert hat, ist für mich sowieso ein musikalisches Wunder!

Hat die Glut ihrer Stimme genügend Platz in dem Programm?

Auf jeden Fall. Ich werde alle 12 Songs meiner neuer CD– drei Songs mit Bryonn als Ergänzung, performen. Dann gibt es einen Block mit Songs von Bryonn und KuttiMC, bei dem ich mich als Background-Sängerin versuche und ja vielleicht auch glühen kann…Apropos Glühen: ich freue mich sehr auf die Stimme von Jamie Wong-Li. Jamie hat einige Backing Vocals auf meinem Album gesungen und wird das auch in der Mühle Hunziken tun. Und sie wird auf jeden Fall auch ein Solo singen. Ich glaube, wir glühen alle auf der Bühne – die Mühle ist aus Holz, das kann gefährlich werden!

Andra Borlo, ich bedanke mich für ihr Engagement für die Menschlichkeit und wünsche ihnen und den Musikern einen guten Tourstart.

Andra Borlo ist mit den Gästen Bryonn Bain und KuttiMC vom 8. bis 19. März 200 auf Schweizer Tournee. CD Taufe: 12. März in der Mühle Hunziken, Bern / 20:00 Uhr
Andra Borlo
Bryonn Bain

Weiterführende Artikel:
The execution of mentally ill offenders
Gründer der Crips Hingerichtet
Am Gittertor von San Quentin
Schwarzenegger in Fahrt
Tausende nahmen Abschied von Stanley „Tookie“ Williams

kultur

ensuite kulturmagazin ohne Defizit

Lukas Vogelsangensuite – kulturmagazin kann im 2006 weiter produzieren. wir haben alle schulden abbezahlt und das gesamte defizit von 3 jahren gedeckt! dies wurde möglich durch einen grosszügigen förderungsbeitrag vom kanton bern, amt für kultur und privaten und anonymen spendern! wir starten somit in den 4. jahrgang ohne altlasten und schreiben schwarze zahlen. für ein medienunternehmen ist dies wie eine geburt!

etwas befremdend sind aber die töne des städtischen kultursekretären, christoph reichenau, im editorial der letzten ausgabe der berner kulturagenda. ohne grund oder öffentlichen äusserungen von unserer seite her, mitten in den neuen gesprächen um eine zusammenarbeit von der berner kulturagenda und dem ensuite – kulturmagazin startet er eine attacke gegen ensuite – kulturmagazin. das ist umso erstaunlicher, da der kanton bern, amt für kultur, für das jahr 2006, eine finanzielle unterstützung nur dann garantiert, wenn beide hefte eine zusammenarbeit oder eine klare aufgabenteilung finden – so wurden die bedingungen bei uns deponiert. wir sind nach wie vor offen für eine zusammenarbeit und der meinung, dass es auf platz bern nur eine kulturagenda braucht.

was aber wirklich erstaunlich ist: dass wir in den 3 jahren ohne doppelten boden einen medientitel geschaffen haben, welcher in sachen kultur und gesellschaft die leserInnen gewinnen konnte. so zählen wir statistisch über 25’000 leserInnen und sind im ganzen kanton bern als gratiszeitung und abozeitung vertreten. unser engagement für eine unabhängige und wertfreie kulturpromotion hat uns in den letzten 3 jahren zum grössten kulturdienstleister vom kanton bern gemacht. unser unternehmen wächst von monat zu monat.

über 91 % erneuern das abonnement. wir produzieren keine wegwerfartikel und im gegenteil, ensuite – kulturmagazin wird gelesen – und wie. unsere planung hat uns recht gegeben. pro tag erreichen uns noch immer 2 – 3 neuabonnenten (trotz gratiszeitung!), und die rückmeldungen sind fantastisch. im neuen jahr werden wir mit dem projekt «kulturweb bern» für bewegung sorgen. zum einen produzieren wir die grösste online-eventdatenbank für den kanton bern (www.kulturbern.ch), haben einen eigenen kulturellen nachrichtendienst aufgebaut (www.kulturnachrichten.ch), einen buchverlag (edition ensuite), art ensuite, eine kunstbeilage und zukünftig als galerielabel unterwegs, und als nächstes folgt das musiklabel «ensuite le son» . man darf gespannt sein.

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Firmenkultur, Stammesrituale & Guerillataktik

Stephan Fuchs – Geht es Ihnen auch so? Acht Stunden am Tag sitzen sie in ihrem Büro, starren die weiße Wand vor sich an und denken dabei: „Ja, das kulturelle Leben findet definitiv ohne mich statt.“ Kultur scheint immer dort zu geschehen wo wir nicht sind. Hand aufs Herz, wir sind nicht die einzigen. Zehntausenden geht es auch so.

Wußten sie das, laut einer Shell Studie, rund 80% aller Entlassungen aus kulturellen Gründen erfolgen? Wohlgemerkt; konjunkturbedingte Kündigungen ausgenommen. Sehen sie! So genommen sitzen sie unmittelbar am Puls der Kultur. Das hat eine gewisse Tragik, denn eine Kündigung reißt bei vielen enorm am Selbstwertgefühl und zieht in einigen Fällen eine regelrechte Depression nach sich. Die wenigsten sind sich nämlich bewußt, daß eine Kündigung in seltenen Fällen mit dem Mangel an fachlicher Kompetenz zu tun hat, als vielmehr ein ganz einfacher Grund aufweist: Sie passen nicht in die Stammesrituale ihrer Firma.

Jede Firma, ob Einzelfirma oder ein multinationaler Konzern hat eine eigene Stammeskultur, oder eben in dem Sinne eine Firmenkultur. Symbole, Logos, Interieur, Dreßcodes, Kommunikationsformen, Ordnung, Glaubensbekenntnisse gegenüber dem Produkt etc. sind Manifestationen dieser Kultur.

Ich habe sie nun bewußt mit „sie“ angesprochen. Ein simples Beispiel, aber von entscheidender Bedeutung, denn Aufgrund dessen wie sie das „sie“ in ihrem Kulturfenster auffassen bin ich bei ihnen unten durch, oder eben nicht. Das saloppe „du Chef, ich hab hier mal ein Problem“, funktioniert sicher in vielen amerikanischen Firmen und in trendigen dotcoms. Nicht aber in einer Genfer Privatbank, oder einer Bundesbehörde.

Die Situation ist bekannt: Sie sind neu in der Firma und voller Tatendrang und Elan. Ihr Rüstzeug, Top Ausbildung, sicheres Auftreten und knackige Witze haben den Chef überzeugt. Nicht aber den Mob in der Abteilung. Man empfindet sie als Chefschleimer und Emporkömmling, zudem gelten sie als peinlich. Resultat: Sie werden gemobbt. In einer anderen Firma, die vielleicht allgemein knackiger ist, wären sie die Ideale Ergänzung für ein innovatives, schlagkräftiges Team. Fazit: Der Chef der ersten Bude hat keine Ahnung über die Firmenkultur seines Unternehmens. Er ist es, der eigentlich ausgewechselt gehört.

Eine andere Situation: Sie arbeiten seit Jahren in derselben alteingesessenen Schweizerfirma. Sie haben ihre Jaßabende mit den Arbeitskollegen, sie haben seit Jahren korrekt und zuverlässig gearbeitet. Sie sind nicht der schnellste, aber ohne sie wäre vieles schlichtweg in die Hose gegangen. Man schätzt sie. Jetzt wird ihre Abteilung im Zuge einer Reorganisationsmaßname ausgegliedert und in ein Unternehmen aus Berlin neu integriert. Der neue Chef wirbelt rein und sagt: „Tach ma, ik bin der Jens, jetzt machen we hier ma richtich det Bär los und kiken ma wat da aus euch rauskommt!“

Jens denkt das sei ein lustiger Witz, zumal er jetzt in Bern stationiert ist. Alles geht drunter und drüber, neue Computerprogramme werden im Zweimonatsrhythmus neu eingeführt, es gibt innovative Powermeetings und selbst ein Erfolgsbonus wird auf ende Monat ausbezahlt. Sie kriegen Magenschmerzen, schlafen schlecht, mögen mit ihren Arbeitskollegen nicht mehr Jassen gehen und sie sind müde. Jens, der neue Chef bestellt sie zu sich: „Wat is denn los mit dir? Haste jute qualifikationen und spielste hier wat rum, oder wat is denn!“ meint er zu ihnen lässig und das „du“ vertragen sie von dem jungen Kerl sowieso schlecht.

Dennoch versprechen sie die Leistung zu verbessern. Auf Weihnachten haben sie die Kündigung, obwohl sie nur noch 5 Jahre vom wohlverdienten Ruhestand entfernt gewesen wären. Fazit: Sie haben nicht in die neue Firmenkultur gepaßt. „Inkompatibler Mitarbeiter“ nennt man diesen tragischen Fall.

Firmenkultur ist der „Spirit“ eines Unternehmens und umfaßt die Denkhaltungen und Grundüberzeugungen innerhalb einer Firma. Jens, in Berlin sicher der Beste am rechten Ort gewesen, bringt es sehrwahrscheinlich nicht fertig seine Firmenkultur im Schosse der behäbigen alterwürdigen Bernerfirma durchzusetzen außer, er wechselt sukzessive die gesamte Belegschaft aus und züchtet seine eigene neue Kulturversion nach.

Es ist ein Kampf der Kulturen der da tobt. Faktisch wirkt die Firmenkultur wie eine Lupe. Durch sie hindurch wird definiert was im Unternehmen wichtig ist, wie das Unternehmen sich zelebriert und wohin es steuert. Vielfach ist Firmenkultur schlecht zu erkennen und schlummert unter einer dicken Eiskruste. Trotzdem wird sie unbewußt wahrgenommen. Man fühlt sich wohl, gefordert, akzeptiert und integriert, oder eben nicht.

Firmenkultur ist genau so wichtig wie jede andere Form von Kultur. Interessanterweise verhält sich die Firmenkultur beinahe parallel zur Freizeitkultur Musik, dem Schauspiel oder dem Tanz und ähnlichen kulturellen Zweigen. Einige Manager und Firmenleiter arbeiten sehr konkret und bewußt mit ihrer Firmenkultur, gehen feinfühlig mit ihren Stammesritualen und den Stammesmitgliedern um, indem Mitarbeiter gefördert und gestärkt werden und die stärken wie auch die schwächen der einzelnen Mitarbeiter konstruktiv genutzt werden. Andere wiederum beeinflussen dynamisch, indem verschiedene Kulturrituale zelebriert werden und zum Teil auch gezielt Subkultur, ja sogar Gegenkultur eingegliedert wird um am Puls der Zeit zu bleiben. Guerillataktik sozusagen.

So kann das kraftgespannte Powerteam in der Entwicklung, der Werbung und dem Verkauf versus das etablierte Produkt, wie zum Beispiel das einer Uhr oder Mode durchaus stimulierend sein. Die Spielereien sind vielschichtig und würden den Rahmen hier sprengen. Ein Beispiel aus der Kleiderbranche: Innovative Mode, junges Publikum, fetziger Sound im Laden und ziemlich sexy daherkommend, das Management wird jedoch wie ein Ritterorden mit sehr dogmatischem Kodex geführt. Solche Spielereien machen natürlich vielfach Sinn.

Gerade da, wo das Management über die Straßenkultur erhaben ist und sich allein mit dem Produkt den jeweiligen Trends unterwirft, überlebt die Unternehmensführung mit der Ritterkultur sämtliche kurzatmigen Modegags. Die Firmenkultur führt entweder zum systematisch nachhaltigen Erfolg, oder in den garantierten Abstieg. Weder das Beharren an Traditionen die sich neuen Entwicklungen dogmatisch verschließen, noch das Zerstören von Glaubensbekenntnissen, die für alle Leistungsträger die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellen, sind geeignete Ausprägungen einer Firmenkultur. Nicht alle, aber viele Manager wissen darum. Gehen sie doch in ihrem Büro mal auf Kulturreise, da macht das arbeiten gleich viel mehr Spaß. Fazit: Kultur ist spannender.

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Félix Duméril’s Seismographs kommt in St. Petersburg zur Aufführung

Stephan Fuchs – Im Rahmen des Seventh International Winter Festival Arts Square in St. Petersburg kommt Félix Duméril’s Ballett Seismographs zur Aufführung. Das Festival vom 28. Dezember bis zum 07. Januar 2006, widmet sich ausschliesslich dem russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch.

Félix Duméril, ehemaliger Ballettdirektor am Stadttheater Bern, choreographierte Seismographes als abschliessende Aufführung seiner 4 jährigen Zeit als Ballettdirektor. Das Stück arbeitet mit Symbolik und dem Archetypus, ein Stück das die Berner und die Medien bewegt und inspiriert hat.

Dazu meinte Duméril: In diesem Stück geht es um Grundfragen die bewegen. Dabei spielt der Schmerz in diesem Stück sicher eine große Rolle. Der Schmerz wird auch zum Opfer… zur Leidenschaft… Wie kann ein Mensch wie Dmitrij Schostakowitsch, der Komponist der Choreographie „Sismographes“, unter so viel Schmerz und Machtmissbrauch den er erlebt hatte, etwas so überaus schönes produzieren? Es ist die Schönheit, die man mit einem nassen und mit einem trockenen Auge genießen kann… Doch Schmerz kann auch Passion sein, wie in religiösen Bekenntnissen. Dabei lastet auf dem Menschen ein unvorstellbarer Druck. Wie viele Kriege wurden aus Vergeltung gefochten? Jeder ist sensibel auf Schmerz und Schmerz kann in der Masse gezielt in das Böse umgewandelt werden. Durch Propaganda, Massenbewegungen, Hetze. Durch Auswüchse wie sie in Nürnberg während des dritten Reiches zur Blüte kamen. Mit Fackeln, Fahnen und Symbolen wie dem Hackenkreuz den archetypischen Implikationen. Dem ganzen Irrsinn, wie er noch heute angewandt wird.

Dass das Stück nun unter der Leitung von Duméril mit dem Jakobson‘ Ensemble in St. Petersburg zur Aufführung kommt ist eine Krönung. St. Petersburg ist die Heimatstadt von Dmitrij Schostakowitsch. Unter dem Abendtitel Three One-Act Ballets kommt Seismographes zusammen mit „Wedding Cortege“ und „Klop“ von Leonid Yakobson im Mussorgsky Opera and Ballet Theater zur Aufführung.

Hinter Schmerz wohnt Schönheit
Seventh International Winter Festival Arts Square
Swiss Embassy in Moscow

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Bimmerl Bammerl Weihnachtsmannderl

Stephan Fuchs – Viel weiss keiner über den Weihnachtsmann. Im 4. Jahrhundert, vermutlich war er Bischof, lebte er wohl im türkischen Myra und ist etwa zwischen 345 und 352 in den Himmel gekommen, nachdem er damals schon einige Wunder vollbrachte. Drei armen Mädchen schenkte er reichlich Gold um ihnen die Heirat zu ermöglichen. Er rettete drei Unschuldige vor dem Blutrichter und soll drei zerstückelte und eingepökelte Schüler wieder zum Leben erweckt haben.

Handfest erinnert an ihn nur ein Sarkophag in der Basilika, obschon die Gebeine verschwunden sind. Einzig ein paar Skelettreste werden noch im nahen Antalya aufbewahrt und ob die wirklich vom heiligen Nikolaus sind vermag wohl niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Und doch: im kleinen Park von Myra, umgeben von Bäumen, Fächerpalmen und Rosen, steht er auf einem runden Sockel, hat einen Vollbart und einen langen Mantel mit Kapuze. Einige Kinder schmiegen sich an ihn und wer weiss, vielleicht sind es die zum Leben erweckten eingepökelten, aber auch das weiss keiner so recht. Eines ist sicher: er zeigt sich als der den wir alle aufs innigste lieben: Nikolaus der Weihnachtsmann, in voller Pracht. Aber, der Mann hat’s Faustdick hinter den Ohren.

Tausendsassa der Wandlung
Der Weihnachtsmann ist ein Tausendsassa der Wandlung. Die Katholiken von heute kennen ihn als Christkind, paradoxer weise als eine Schöpfung von Martin Luther. Zu Luthers Lebzeiten wurden Kinder am 6. Dezember, dem eigentlichen Nikolaustag beschenkt. Da eilten Nikolaus und seine Gehilfen von Haus zu Haus und verteilten Birnen an die übers Jahr als brav aufgefallenen und für die bös gefallenen, gab es die Rute. Die grosse Bescherung, so wie wir sie heute kennen, existierte damals noch nicht und die Protestanten lehnten die katholischen Heiligen fundamental ab.

Damit war das Problem freilich nicht aus der Welt und schon gar nicht im Himmel, denn die Protestanten wollten vom Nikolaus-Brauch, wohl aus einem praktischen, pädagogischen Aspekt nicht abrücken. Luther der Schlaumeier, ersetzte deshalb den Nikolaus durch den Heiligen Christ bzw. das Christkind, das an seinem Geburtstag, dem 25. Dezember, Geschenke an die braven Kinder verteilt.

Im 19. Jahrhundert wurde das Christkind dann von der katholischen Kirche übernommen, während es im protestantischen Weihnachtsbrauch eine immer geringere Rolle spielte, sich quasi aus dem Staub machte und langsam vom säkularisierten Weihnachtsmann verdrängt wurde. So kommt das ursprünglich protestantische Christkind heutzutage vor allem in katholischen Haushalten vor. Ob Katholik oder nicht, der Weihnachtsmann, der liebe Opa mit der lustigen Zipfelmütze, ist ein Zwitter.

Die strafende Rute
Dargestellt als freundlicher alter Mann mit langem weißem Bart, gehüllt in seine rote, mit weißem Pelz besetzter Kutte, über seine starke Schulter gestemmt den prall gefüllten Geschenk-Sack und in seiner Hand, es ist dies in der Regel die Rechte… die strafende Rute. So bringt er den lieben Kindern in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember Geschenke und bestraft die bösen.

Bei der Gelegenheit erinnere ich mich, wie ich als Kind tatsächlich angsterfüllt unter das Bett gekrochen bin. Das schlechte Gewissen, übers ganze Jahr sukzessive aufgebaut, muss sich wohl auf einen Schlag in Angst und Entsetzen umgewandelt haben. Der Weihnachtsmann vereinigt merkwürdigerweise die Eigenschaften des gutmütigen Sankt Nikolaus und seines strafenden Knechtes Ruprecht, der die Ruten verteilt oder noch schlimmer dem Krampus, der damit auch häufig kräftig zuschlägt.

Die europäischen Auswanderer schließlich, brachten den St.-Nikolaus-Brauch quasi als blinden Passagier mit nach Amerika. Insbesondere in den holländischen Kolonien um New York, wurde das Sinterklaas feest gefeiert und aus Sinterklaas wurde Saint Claus und schließlich Santa Claus. Im Jahre 1823 wurde daraus eine ganze Armada von Renntieren die einen sagenhaften fliegenden Schlitten hinterher zogen. Im Gedicht A Visit From St. Nicholas, von Major Henry Livingston Jr. wurde diese Geschichte zum ersten Mal veröffentlicht. Durch diese Geschichte erst, kam der Santa Claus richtig in Fahrt:

Rauschender Bart & Speed
Heimlich steigt er nun durch die Kamine in die Häuser, macht sich auf die Suche nach Socken und, heute wäre das ja umgekehrt, er nimmt nicht etwa Wertsachen mit, sondern bringt Geschenke. Seine Renntiere, Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen, warten derweil beim Kamin auf die Rückkehr des Helden. Und so zieht der Santa Claus, vom hohen Norden her kommend mit einer Schar stolzer und mutiger Renntiere von Haus zu Haus. Ab 1862 bekommt der Himmelsreiter, stets in höllischem Tempo unterwegs, vom deutschstämmigen Cartoonist Thomas Nast für die Zeitschrift Harper’s Weekly einen rauschenden Bart um sein Kinn. Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht und Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Dies war also der Moment, als Santa Claus zur DIN Norm wurde, den kindlichen Träumen und Vorstellungen entrissen und als Produkt auf den freien Markt geworfen wurde. Vermarktet wurde der gute alte Mann aber erst richtig 1931.

Damals beauftragte die Coca-Cola Company den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom den Santa Claus für eine winterliche Werbekampagne zu zeichnen. Sundblom schuf einen sympathischen, knudligen „Weihnachtsmann zum Anfassen“, ziemlich genau so wie er heute durch die Kamine steigt. Seine Vorlage war das Gesicht eines pensionierten Coca-Cola Fahrverkäufers und seit dem waren manche sicher, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung von Coca-Cola. Was für eine Strategie!

Aber da muss mehr als Coca-Cola dahinter stecken. Wenn wir den Weihnachtsmann auf seinem Schlitten, im Höllenritt gezogen von 8 wilden Renntieren, seinen Rauschebart heroisch wehend über unsere Gassen und Dächer flitzen sehen, dann ist das der pensionierte Coca-Cola Fahrverkäufer, auf… Speed? Muss er! Wie sonst sollte er die über 93 Millionen europäischen Haushalte beliefern und dann das ganze noch einmal – plus einige Haushalte mehr – in Amerika. Wohl gemerkt einen Tag später. Damit aber nicht genug, denn bekanntlich gibt es ja noch einige christliche Enklaven im Süden und im wilden Osten und in Asien, wo ebenfalls brave Kinder auf einen grossen Lego-Baukasten, einen Game-Boy, oder eine Barbie-Puppe warten.

Die meisten von ihnen allerdings, warten wohl leider das ganze leben, aber da kann der liebe Weihnachtsmann natürlich nichts dafür. Auch wenn der Weihnachtsmann in einigen Ländern Probleme mit den Einreise-Bestimmungen bekommen würde, keinen gültigen biometrischen Ausweis vorzeigen könnte, beim Drogen-Test positiv auffallen könnte, seines Bartes wegen als verkleideter Taliban durch Spezialisten auf geheimen Stützpunkten verhört würde, oder schlicht durch Flak- Feuer getroffen notlanden müsste, der Weihnachtsmann ist ein armer, gestresster Kerl.

Für jede Familie hat er nämlich, Anfahrt inbegriffen, nur mal knapp eine tausendstel Sekunde Zeit. Da bleibt nicht viel zum plaudern und schon gar nicht zum prügeln. Aus Kinderaugen betrachtet, ist die zeittechnische Situation in Kinderheimen natürlich interessanter.

Offensichtlich gibt es da einen Quantums -Zeit -Rabatt, was dem Weihnachtsmann wirklich hoch angerechnet werden kann. Naturgemäss müssten dem Kinder Held eigentlich solche Visiten besser behagen, doch seine Verpflichtung will möglichst breit gestreut sein. Wenn also jedes Kind ein mittelgrosses Lego-Set bekommen würde, welches in etwa einem Kilogramm entspricht, sofern sich das die Zulieferer des Weihnachtsmannes nach den Steuern und Krankenkassen Prämien noch leisten können, dann hat der Schlitten ein Gewicht von sagenhaften 378.000 Tonnen. Für den Transport dieser gewaltigen Tonnagen an Legos würde er 210 000 Rentiere und entsprechend viele Schlitten benötigen. Mindestens 120 Millionen Kilometer müsste er so, man beachte, der Erdumfang liegt bei etwa 40’000 Km, in rund 36 Stunden zurücklegen. Das würde die 4000fache Schallgeschwindigkeit erfordern. Beim Anfahren müssten er und seine Rentiere das 17 500fache der Erdbeschleunigung aushalten – da kommt jede Zipfelmütze ins glühen.

822,6 Besuche pro Sekunde! Man stelle sich das mal bildlich vor! Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, sofern Klettern hier noch in Frage kommt, die Socken füllen, sofern sie nicht versteckt sind, die übrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, wenn er denn da unter den Baum kommt und sortiert nach Name, alle übrig gebliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, man denke an den Bauch, den Schornstein wieder raufklettern, wenn er denn noch rein passt, reingehechtet in den Schlitten, wenn die Renntiere noch am stehen sind und hopp zum nächsten Haus geflogen.

Hut ab, denn das ist ein Wunder! Doch ist das zulässig? Aus rein menschlich-ethischen und aus Gründen des Tierschutzes müsste man nämlich konsequenterweise scharf für eine Kriminalisierung der Kinder und Jugendlichen plädieren in der Hoffnung, der Weihnachtsmann könnte dadurch ein bisschen entlastet werden. Doch wollen wir das? Hand aufs Herz, zu uns Erwachsenen kommt der Weihnachtsmann ja nur nicht, weil er durch seinen Stress keine Zeit dazu hat um uns mit der Rute zu prügeln.

kultur

Harold Pinter – Nobelvorlesung

Kunst, Wahrheit & Politik

Harold Pinter – 1958 schrieb ich folgendes:
„Es gibt keine klaren Unterschiede zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist. Etwas ist nicht unbedingt entweder wahr oder unwahr; es kann beides sein, wahr und unwahr.“

Ich halte diese Behauptungen immer noch für plausibel und weiterhin gültig für die Erforschung der Wirklichkeit durch die Kunst. Als Autor halte ich mich daran, aber als Bürger kann ich das nicht. Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist unwahr?

Die Wahrheit in einem Theaterstück bleibt immer schwer greifbar. Man findet sie niemals völlig, sucht aber zwanghaft danach. Die Suche ist eindeutig der Antrieb unseres Bemühens. Die Suche ist unsere Aufgabe. Meistens stolpert man im Dunkeln über die Wahrheit, kollidiert damit oder erhascht nur einen flüchtigen Blick oder einen Umriss, der der Wahrheit zu entsprechen scheint, oftmals ohne zu merken, dass dies überhaupt geschehen ist. Die echte Wahrheit aber besteht darin, dass sich in der Dramatik niemals so etwas wie die eine Wahrheit finden lässt. Es existieren viele Wahrheiten. Die Wahrheiten widersprechen, reflektieren, ignorieren und verspotten sich, weichen voreinander zurück, sind füreinander blind. Manchmal spürt man, dass man die Wahrheit eines Moments in der Hand hält, dann gleitet sie einem durch die Finger und ist verschwunden.

Man hat mich oft gefragt, wie meine Stücke entstehen. Ich kann es nicht sagen. Es ist mir auch völlig unmöglich, meine Stücke zusammenzufassen, ich kann nur sagen, dies ist geschehen. Das haben sie gesagt. Dies haben sie getan.

Die meisten meiner Stücke entstehen aus einer Textzeile, einem Wort oder einem Bild. Dem gegebenen Wort folgt oft kurz darauf das Bild. Ich gebe zwei Beispiele für zwei Zeilen, die mir urplötzlich einfielen, danach kam das Bild und dann ich.
Es sind die Stücke Die Heimkehr und Alte Zeiten. Der erste Satz von Die Heimkehr heißt: „Was hast du mit der Schere gemacht?“ Das erste Wort von Alte Zeiten lautet: „Dunkel“.
Das war alles, was ich jeweils an Informationen besaß.

Im ersten Fall suchte jemand offenbar eine Schere und wollte von jemand anders, den er verdächtigte, sie gestohlen zu haben, ihren Verbleib erfahren. Aber irgendwie wusste ich, dass der angesprochenen Person die Schere ebenso egal war wie die Person, die danach gefragt hatte.

„Dunkel“ verstand ich als Beschreibung der Haare einer Person, der Haare einer Frau, sowie als Antwort auf eine Frage. In beiden Fällen musste ich der Sache nachgehen. Dies geschah visuell, ein sehr langsames Überblenden vom Schatten ins Licht.

Wenn ich ein Stück beginne, nenne ich die Personen immer A, B und C.

In dem Stück, aus dem Die Heimkehr wurde, sah ich einen Mann in ein kahles Zimmer kommen und seine Frage an einen jüngeren Mann richten, der auf einem hässlichen Sofa saß und eine Rennzeitung las. Ich ahnte irgendwie, dass A der Vater und B sein Sohn war, aber ich besaß keinen Beweis dafür.

Meine Vermutung wurde allerdings kurz darauf bestätigt als B (der spätere Lenny) zu A (dem späteren Max) sagt: „Ich würde jetzt gerne das Thema wechseln, ja, Dad? Ich möchte dich was fragen. Unser Essen vorhin, was sollte das darstellen? Wie heißt so was? Warum kaufst du dir keinen Hund? Der würde so was fressen. Ehrlich. Aber du kochst hier nicht für ein Rudel Hunde.“ Da B also A „Dad“ nennt, schien mir die Anna hme vernünftig, dass es sich bei ihnen um Vater und Sohn handelte. A war auch eindeutig der Koch, dessen Kochkünste offenbar keine hohe Wertschätzung genossen. Bedeutete das, dass es keine Mutter gab? Ich wusste es nicht. Aber, so sagte ich mir, anfangs wissen wir nie, worauf alles hinausläuft.
„Dunkel“. Ein breites Fenster. Abendhimmel. Ein Mann, A (der spätere Deeley), und eine Frau, B (die spätere Kate), sitzen und trinken. „Dick oder dünn?“ fragt der Mann. Von wem red en sie? Aber dann sehe ich am Fenster eine Frau, C (die spätere Anna ), sie steht in einer anderen Beleuchtung, mit dem Rücken zu den anderen, ihre Haare sind dunkel.

Es ist ein merkwürdiger Moment, der Moment, in dem man Personen erschafft, die bis dahin nicht existierten. Was dann kommt, vollzieht sich sprunghaft, vage, sogar halluzinatorisch, auch wenn es manchmal einer unaufhaltsamen Lawine gleicht. Der Autor befindet sich in einer eigenartigen Lage. Die Personen empfangen ihn eigentlich nicht mit offenen Armen.

Die Personen widersetzen sich ihm. Es ist schwierig, mit ihnen auszukommen, sie zu definieren ist unmöglich. Vorschreiben lassen sie sich schon gar nichts. In gewisser Weise spielt man mit ihnen ein endloses Spiel: Katz und Maus, Blindekuh, Verstecken. Aber schließlich merkt man, dass man es mit Menschen aus Fleisch und Blut zu tun hat, mit Menschen die einen eigenen Willen und eine individuelle Sensibilität besitzen und aus Bestandteilen bestehen, die man nicht verändern, manipulieren oder verzerren kann.

Die Sprache in der Kunst bleibt also eine äußerst vieldeutige Angelegenheit, Treibsand oder Trampolin, ein gefrorener Teich, auf dem man, der Autor, jederzeit einbrechen könnte.
Aber wie gesagt, die Suche nach der Wahrheit kann nie aufhören. Man kann sie nicht vertagen, sie lässt sich nicht aufschieben. Man muss sich ihr stellen und zwar hier und jetzt.
Politisches Theater stellt einen vor völlig andersartige Probleme. Moralpredigten gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Objektivität ist unabdingbar. Die Personen müssen frei atmen können. Der Autor darf sie nicht einschränken und einengen, damit sie seinen eigenen Vorlieben, Neigungen und Vorurteilen genügen. Er muss bereit sein, sich ihnen aus den verschiedensten Richtungen zu nähern, unter allen möglichen Blickwinkeln, sie vielleicht gelegentlich zu überrumpeln, ihnen aber trotzdem die Freiheit zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das funktioniert nicht immer. Und die politische Satire befolgt natürlich keine dieser Regeln, sie tut tatsächlich das genaue Gegenteil und erfüllt damit ihre eigentliche Funktion.
In meinem Stück Die Geburtstagsfeier lasse ich, glaube ich, in einem dichten Wald der Möglichkeiten einer ganzen Reihe von Alternativen Spielraum, bevor schließlich ein Akt der Unterwerfung in den Brennpunkt rückt.

Berg-Sprache behauptet einen solchen Spielraum nicht. Das Stück bleibt brutal, kurz und hässlich. Aber die Soldaten im Stück haben ihren Spaß. Man vergisst manchmal, dass sich Folterer rasch langweilen. Sie müssen etwas zu lachen haben, damit ihnen die Lust nicht vergeht. Die Ereignisse in Abu Ghraib in Bagdad haben das natürlich bestätigt. Berg-Sprache dauert nur 20 Minuten, aber es könnte Stunde um Stunde immer so weitergehen, nach demselben Muster, immer so weiter, Stunde um Stunde.

Asche zu Asche andererseits scheint mir unter Wasser zu spielen. Eine ertrinkende Frau reckt durch die Wellen die Hand nach oben, sie versinkt, sucht nach anderen, aber sie findet dort niemand, weder über noch unter Wasser, sie findet nur treibende Schatten, Spiegelungen; die Frau, eine verlorene Gestalt in einer ertrinkenden Landschaft, eine Frau, die dem Verderben, das nur anderen bestimmt gewesen zu sein schien, nicht entrinnen kann.

Doch so wie sie starben, muss auch sie sterben.

Politische Sprache, so wie Politiker sie gebrauchen, wagt sich auf keines dieser Gebiete, weil die Mehrheit der Politiker, nach den uns vorliegenden Beweisen, an der Wahrheit kein Interesse hat sondern nur an der Macht und am Erhalt dieser Macht. Damit diese Macht erhalten bleibt, ist es unabdingbar, dass die Menschen unwissend bleiben, dass sie in Unkenntnis der Wahrheit leben, sogar der Wahrheit ihres eigenen Lebens. Es umgibt uns deshalb ein weitverzweigtes Lügengespinst, von dem wir uns nähren.

Wie jeder der hier Anwesenden weiß, lautete die Rechtfertigung für die Invasion des Irak, Saddam Hussein verfüge über ein hoch gefährliches Arsenal an Massenvernichtungswaffen, von denen einige binnen 45 Minuten abgefeuert werden könnten, mit verheerender Wirkung. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak unterhalte Beziehungen zu al-Qaida und trage Mitverantwortung für die Gräuel in New York am 11. September 2001. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak bedrohe die Sicherheit der Welt. Man versicherte uns es sei wahr. Es war nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Die Wahrheit hat damit zu tun, wie die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der Welt auffassen und wie sie sie verkörpern wollen.

Doch bevor ich auf die Gegenwart zurückkomme, möchte ich einen Blick auf die jüngste Vergangenheit werfen; damit meine ich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Ich glaube, wir sind dazu verpflichtet, diesen Zeitraum zumindest einer gewissen, wenn auch begrenzten Prüfung zu unterziehen, mehr erlaubt hier die Zeit nicht.
Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz Osteuropa während der Nachkriegszeit passierte: die systematische Brutalität, die weit verbreiteten Gräueltaten, die rücksichtslose Unterdrückung eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich dokumentiert und belegt worden.

Aber ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind. Ich glaube, dass dies benannt werden muss, und dass die Wahrheit beträchtlichen Einfluss darauf hat, wo die Welt jetzt steht. Trotz gewisser Beschränkungen durch die Existenz der Sowjetunion, machte die weltweite Vorgehensweise der Vereinigten Staaten ihre Überzeugung deutlich, für ihr Handeln völlig freie Hand zu besitzen.

Die direkte Invasion eines souveränen Staates war eigentlich nie die bevorzugte Methode der Vereinigten Staaten.

Vorwiegend haben sie den von ihnen sogenannten „Low Intensity Conflict“ favorisiert. „Low Intensity Conflict“ bedeutet, dass tausende von Menschen sterben aber langsamer als würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht. Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt es läuft auf dasselbe hinaus und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet. Das war in den Jahren, auf die ich mich hier beziehe, gang und gäbe in der Außenpolitik der USA.

Die Tragödie Nicaraguas war ein hochsignifikanter Fall. Ich präsentiere ihn hier als schlagendes Beispiel für Amerikas Sicht seiner eigenen Rolle in der Welt, damals wie heute.
Ende der 80er Jahre nahm ich an einem Treffen in der amerikanischen Botschaft in London teil.

Der Kongress der Vereinigten Staaten sollte entscheiden, ob man die Contras in ihrem Feldzug gegen den nicaraguanischen Staat mit mehr Geld unterstützt. Ich gehörte der Delegation an, die für Nicaragua sprach, doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father John Metcalf. Der Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach dem Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter). Father Metcalf sagte: „Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden Nicaraguas. Meine Gemeindeglieder haben eine Schule gebaut, ein medizinisches Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt. Vor einigen Monaten griffen Contratruppen die Gemeinde an. Sie zerstörten alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das Kulturzentrum. Sie vergewaltigten Krankenschwestern und Lehrerinnen, schlachteten die Ärzte aufs brutalste ab. Sie benahmen sich wie Berserker. Bitte fordern Sie, dass die US-Regierung diesen empörenden terroristischen Umtrieben die Unterstützung entzieht.“

Raymond Seitz besaß einen ausgezeichneten Ruf als rationaler, verantwortungsbewusster und hoch kultivierter Mann. Er genoss in diplomatischen Kreisen großes Ansehen. Er hörte genau zu, zögerte und sprach dann mit großem Ernst. „Father“, sagte er, „ich möchte Ihnen etwas sagen. Im Krieg leiden immer Unschuldige.“ Es herrschte eisiges Schweigen. Wir starrten ihn an. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
In der Tat, Unschuldige leiden immer.

Schließlich sagte jemand: „Aber in diesem Fall waren die ,Unschuldigen‘ Opfer einer durch Ihre Regierung subventionierten, entsetzlichen Gräueltat, einer von vielen. Sollte der Kongress den Contras mehr Geld bewilligen, wird es zu weiteren Gräueln kommen. Ist dem nicht so? Macht sich Ihre Regierung damit nicht der Unterstützung von Mordtaten und Vernichtungswerken schuldig, begangen an Bürgern eines souveränen Staates?“

Seitz ließ sich durch nichts erschüttern. „Ich bin nicht der Auffassung, dass die vorliegenden Fakten Ihre Behauptungen stützen“, sagte er.

Beim Verlassen der Botschaft sagte mir ein US-Berater, er schätze meine Stücke. Ich reagierte nicht.

Ich darf Sie daran erinnern, dass Präsident Reagan damals folgendes Statement abgab: „Die Contras stehen moralisch auf einer Stufe mit unseren Gründervätern.“

Die Vereinigten Staaten unterstützten die brutale Somoza-Diktatur in Nicaragua über 40 Jahre. Angeführt von den Sandinisten, stürzte das nicaraguanische Volk 1979 dieses Regime, ein atemberaubender Volksaufstand.
Die Sandinisten waren nicht vollkommen. Auch sie verfügten über eine gewisse Arroganz, und ihre politische Philosophie beinhaltete eine Reihe widersprüchlicher Elemente. Aber sie waren intelligent, einsichtig und zivilisiert. Sie machten sich daran, eine stabile, anständige, pluralistische Gesellschaft zu gründen. Die Todesstrafe wurde abgeschafft.

Hunderttausende verarmter Bauern wurden quasi ins Leben zurückgeholt. Über 100.000 Familien erhielten Grundbesitz.

Zweitausend Schulen entstanden. Eine äußerst bemerkenswerte Alphabetisierungskampagne verringerte den Anteil der Analphabeten im Land auf unter ein Siebtel. Freies Bildungswesen und kostenlose Gesundheitsfürsorge wurden eingeführt. Die Kindersterblichkeit ging um ein Drittel zurück. Polio wurde ausgerottet.

Die Vereinigten Staaten denunzierten diese Leistungen als marxistisch-leninistische Unterwanderung. Aus Sicht der US-Regierung war dies ein gefährliches Beispiel. Erlaubte man Nicaragua, elementare Normen sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit zu etablieren, erlaubte man dem Land, den Standard der Gesundheitsfürsorge und des Bildungswesens anzuheben und soziale Einheit und nationale Selbstachtung zu erreichen, würden benachbarte Länder dieselben Fragen stellen und dieselben Dinge tun. Damals regte sich natürlich heftiger Widerstand gegen den in El Salvador herrschenden Status quo.

Ich erwähnte vorhin das „Lügengespinst“, das uns umgibt. Präsident Reagan beschrieb Nicaragua meist als „totalitären Kerker“. Die Medien generell und ganz bestimmt die britische Regierung werteten dies als zutreffenden und begründeten Kommentar. Aber tatsächlich gab es keine Berichte über Todesschwadronen unter der sandinistischen Regierung. Es gab keine Berichte über Folterungen. Es gab keine Berichte über systematische oder offiziell autorisierte militärische Brutalität. In Nicaragua wurde nie ein Priester ermordet. Es waren vielmehr drei Priester an der Regierung beteiligt, zwei Jesuiten und ein Missionar des Maryknoll-Ordens. Die totalitären Kerker befanden sich eigentlich nebenan in El Salvador und Guatemala. Die Vereinigten Staaten hatten 1954 die demokratisch gewählte Regierung von Guatemala gestürzt, und Schätzungen zufolge sollen den anschließenden Militärdiktaturen mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Sechs der weltweit namhaftesten Jesuiten wurden 1989 in der Central American University in San Salvador von einem Batallion des in Fort Benning, Georgia, USA, ausgebildeten Alcatl-Regiments getötet. Der außergewöhnlich mutige Erzbischof Romero wurde ermordet, als er die Messe las. Schätzungsweise kamen 75.000 Menschen ums Leben. Weshalb wurden sie getötet? Sie wurden getötet, weil sie ein besseres Leben nicht nur für möglich hielten sondern auch verwirklichen wollten. Dieser Glaube stempelte sie sofort zu Kommunisten. Sie starben, weil sie es wagten, den Status quo infrage zu stellen, das endlose Plateau von Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung, das ihr Geburtsrecht gewesen war.

Die Vereinigten Staaten stürzten schließlich die sandinistische Regierung. Es kostete einige Jahre und beträchtliche Widerstandskraft, doch gnadenlose ökonomische Schikanen und 30.000 Tote untergruben am Ende den Elan des nicaraguanischen Volkes. Es war erschöpft und erneut verarmt. Die Casinos kehrten ins Land zurück. Mit dem kostenlosen Gesundheitsdienst und dem freien Schulwesen war es vorbei. Das Big Business kam mit aller Macht zurück. Die ‚Demokratie‘ hatte sich behauptet.

Doch diese „Politik“ blieb keineswegs auf Mittelamerika beschränkt. Sie wurde in aller Welt betrieben. Sie war endlos. Und es ist, als hätte es sie nie gegeben.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten die Vereinigten Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden.

In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts.

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.

Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die größte Show der Welt ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos, aber auch ausgesprochen clever. Als Handlungsreisende stehen sie ziemlich konkurrenzlos da, und ihr Verkaufsschlager heißt Eigenliebe. Ein echter Renner. Man muss nur all die amerikanischen Präsidenten im Fernsehen die Worte sagen hören: „das amerikanische Volk“, wie zum Beispiel in dem Satz: „Ich sage dem amerikanischen Volk, es ist an der Zeit, zu beten und die Rechte des amerikanischen Volkes zu verteidigen, und ich bitte das amerikanische Volk, den Schritten ihres Präsidenten zu vertrauen, die er im Auftrag des amerikanischen Volkes unternehmen wird.“

Ein brillanter Trick. Mit Hilfe der Sprache hält man das Denken in Schach. Mit den Worten „das amerikanische Volk“ wird ein wirklich luxuriöses Kissen zur Beruhigung gebildet. Denken ist überflüssig. Man muss sich nur ins Kissen fallen lassen.

Möglicherweise erstickt das Kissen die eigene Intelligenz und das eigene Urteilsvermögen, aber es ist sehr bequem. Das gilt natürlich weder für die 40 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, noch für die 2 Millionen Männer und Frauen, die in dem riesigen Gulag von Gefängnissen eingesperrt sind, der sich über die Vereinigten Staaten erstreckt.

Den Vereinigten Staaten liegt nichts mehr am low intensity conflict. Sie sehen keine weitere Notwendigkeit, sich Zurückhaltung aufzuerlegen oder gar auf Umwegen ans Ziel zu kommen. Sie legen ihre Karten ganz ungeniert auf den Tisch. Sie scheren sich einen Dreck um die Vereinten Nationen, das Völkerrecht oder kritischen Dissens, den sie als machtlos und irrelevant betrachten. Sie haben sogar ein kleines, blökendes Lämmchen, das ihnen an einer Leine hinterher trottelt, das erbärmliche und abgeschlaffte Großbritannien.

Was ist aus unserem sittlichen Empfinden geworden? Hatten wir je eines? Was bedeuten diese Worte? Stehen sie für einen heutzutage äußerst selten gebrauchten Begriff – Gewissen? Ein Gewissen nicht nur hinsichtlich unseres eigenen Tuns sondern auch hinsichtlich unserer gemeinsamen Verantwortung für das Tun anderer? Ist all das tot? Nehmen wir Guantanamo Bay. Hunderte von Menschen, seit über drei Jahren ohne Anklage in Haft, ohne gesetzliche Vertretung oder ordentlichen Prozess, im Prinzip für immer inhaftiert. Diese absolut rechtswidrige Situation existiert trotz der Genfer Konvention weiter. Die sogenannte „internationale Gemeinschaft“ toleriert sie nicht nur, sondern verschwendet auch so gut wie keinen Gedanken daran. Diese kriminelle Ungeheuerlichkeit begeht ein Land, das sich selbst zum „Anführer der freien Welt“ erklärt. Denken wir an die Menschen in Guantanamo Bay? Was berichten die Medien über sie? Sie tauchen gelegentlich auf – eine kleine Notiz auf Seite sechs. Sie wurden in ein Niemandsland geschickt, aus dem sie womöglich nie mehr zurückkehren. Gegenwärtig sind viele im Hungerstreik, werden zwangsernährt, darunter auch britische Bürger. Zwangsernährung ist kein schöner Vorgang. Weder Beruhigungsmittel noch Betäubung. Man bekommt durch die Nase einen Schlauch in den Hals gesteckt. Man spuckt Blut.

Das ist Folter. Was hat der britische Außenminister dazu gesagt? Nichts. Was hat der britische Premierminister dazu gesagt? Nichts. Warum nicht? Weil die Vereinigten Staaten gesagt haben: Kritik an unserem Vorgehen in Guantanamo Bay stellt einen feindseligen Akt dar. Ihr seid entweder für uns oder gegen uns. Also hält Blair den Mund.

Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von internationalem Recht demonstrierte. Die Invasion war ein willkürlicher Militäreinsatz, ausgelöst durch einen ganzen Berg von Lügen und die üble Manipulation der Medien und somit der Öffentlichkeit; ein Akt zur Konsolidierung der militärischen und ökonomischen Kontrolle Amerikas im mittleren Osten unter der Maske der Befreiung, letztes Mittel, nachdem alle anderen Rechtfertigungen sich nicht hatten rechtfertigen lassen. Eine beeindruckende Demonstration einer Militärmacht, die für den Tod und die Verstümmelung abertausender Unschuldiger verantwortlich ist.

Wir haben dem irakischen Volk Folter, Splitterbomben, abgereichertes Uran, zahllose, willkürliche Mordtaten, Elend, Erniedrigung und Tod gebracht und nennen es „dem mittleren Osten Freiheit und Demokratie bringen“.

Wie viele Menschen muss man töten, bis man sich die Bezeichnung verdient hat, ein Massenmörder und Kriegsverbrecher zu sein? Einhunderttausend? Mehr als genug, würde ich meinen. Deshalb ist es nur gerecht, dass Bush und Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof kommen. Aber Bush war clever. Er hat den Internationalen Strafgerichtshof gar nicht erst anerkannt. Für den Fall, dass sich ein amerikanischer Soldat oder auch ein Politiker auf der Anklagebank wiederfindet, hat Bush damit gedroht, die Marines in den Einsatz zu schicken. Aber Tony Blair hat den Gerichtshof anerkannt und steht für ein Gerichtsverfahren zur Verfügung. Wir können dem Gerichtshof seine Adresse geben, falls er Interesse daran hat. Sie lautet Number 10, Downing Street, London.

Der Tod spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Für Bush und Blair ist der Tod eine Lappalie. Mindestens 100.000 Iraker kamen durch amerikanische Bomben und Raketen um, bevor der irakische Aufstand begann. Diese Menschen sind bedeutungslos. Ihr Tod existiert nicht. Sie sind eine Leerstelle. Sie werden nicht einmal als tot gemeldet. „Leichen zählen wir nicht“, sagte der amerikanische General Tommy Franks.

Ganz zu Beginn der Invasion veröffentlichten die britischen Zeitungen auf der Titelseite ein Foto von Tony Blair, der einen kleinen irakischen Jungen auf die Wange küsst. „Ein dankbares Kind“, lautete die Überschrift. Einige Tage später gab es auf einer Innenseite einen Bericht und ein Foto von einem anderen vierjährigen Jungen, ohne Arme. Eine Rakete hatte seine Familie in die Luft gesprengt. Er war der einzige Überlebende. „Wann bekomme ich meine Arme wieder?“ fragte er. Der Bericht wurde nicht weiter verfolgt. Nun, diesen Jungen hielt auch nicht Tony Blair in den Armen, weder ihn noch sonst ein anderes verstümmeltes Kind oder irgendeine blutige Leiche. Blut ist schmutzig. Es verschmutzt einem Hemd und Krawatte, wenn man eine aufrichtige Ansprache im Fernsehen hält.

Die 2000 toten Amerikaner sind peinlich. Sie werden bei Dunkelheit zu ihren Gräbern transportiert. Die Beerdigungen finden dezent statt, an einem sicheren Ort. Die Verstümmelten verfaulen in ihren Betten, manche für den Rest ihres Lebens. Die Toten und die Verstümmelten verfaulen beide, nur in unterschiedlichen Gräbern.

Dies ist ein Stück aus einem Gedicht von Pablo Neruda: „Erklärung einiger Dinge“:

Und eines Morgens brachen die Flammen aus allem,
und eines Morgens stiegen lodernde Feuer
aus der Erde,
verschlangen Leben,
und seither Feuer,
Pulver seither,
und seither Blut.
Banditen mit Flugzeugen und Marokkanern,
Banditen mit Ringen und Herzoginnen,
Banditen mit segnenden schwarzen Mönchen
kamen vom Himmel, um Kinder zu töten,
und durch die Strassen das Blut der Kinder
floss einfach, wie das Blut von Kindern.
Schakale, widerwärtig für einen Schakal,
Steine, auf die die trockene Distel gespien hätte,
Vipern, die Vipern verachten würden!
Vor euch habe ich das Blut
Spaniens aufwallen gesehn,
euch zu ersäufen in einer einzigen Woge
von Stolz und Messern!
Generäle
Verräter:
seht mein totes Haus,
seht mein zerbrochenes Spanien:
doch aus jedem Haus schiesst brennendes Metall
anstelle von Blumen,
aus jedem Loch in Spanien
springt Spanien empor,
aus jedem ermordeten Kind wächst ein Gewehr mit Augen,
aus jedem Verbrechen werden Kugeln geboren,
die eines Tages den Sitz
eines Herzens finden werden.
Ihr fragt, warum seine Dichtung uns nichts
von der Erde erzählt, von den Blättern,
den großen Vulkanen seines Heimatlandes?
Kommt, seht das Blut in den Strassen,
kommt, seht
das Blut in den Straßen,
kommt, seht doch das Blut
in den Strassen! 1

Ich möchte ganz unmissverständlich sagen, dass ich, indem ich aus Nerudas Gedicht zitiere, keinesfalls das republikanische Spanien mit dem Irak Saddam Husseins vergleiche. Ich zitiere Neruda, weil ich nirgendwo sonst in der zeitgenössischen Lyrik eine so eindringliche, wahre Beschreibung der Bombardierung von Zivilisten gelesen habe.
Ich sagte vorhin, die Vereinigten Staaten würden ihre Karten jetzt völlig ungeniert auf den Tisch legen. Dem ist genau so. Ihre offiziell verlautbarte Politik definiert sich jetzt als „full spectrum dominance“. Der Begriff stammt nicht von mir sondern von ihnen. „Full spectrum dominance“ bedeutet die Kontrolle über Land, Meer, Luft und Weltraum, sowie aller zugehörigen Ressourcen.

Die Vereinigten Staaten besitzen, über die ganze Welt verteilt, 702 militärische Anlagen in 132 Ländern, mit der rühmlichen Ausnahme Schwedens natürlich. Wir wissen nicht ganz genau, wie sie da hingekommen sind, aber sie sind jedenfalls da.
Die Vereinigten Staaten verfügen über 8000 aktive und operative Atomsprengköpfe. Zweitausend davon sind sofort gefechtsbereit und können binnen 15 Minuten abgefeuert werden. Es werden jetzt neue Nuklearwaffensysteme entwickelt, bekannt als Bunker-Busters. Die stets kooperativen Briten planen, ihre eigene Atomrakete Trident zu ersetzen. Wen, frage ich mich, haben sie im Visier? Osama Bin Laden? Sie? Mich? Joe Dokes? China? Paris? Wer weiß das schon? Eines wissen wir allerdings, nämlich dass dieser infantile Irrsinn – der Besitz und angedrohte Einsatz von Nuklearwaffen – den Kern der gegenwärtigen politischen Philosophie Amerikas bildet. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass sich die Vereinigten Staaten dauerhaft im Kriegszustand befinden und mit nichts zu erkennen geben, dass sie diese Haltung aufgeben.

Abertausende wenn nicht gar Millionen Menschen in den USA sind nachweislich angewidert, beschämt und erzürnt über das Vorgehen ihrer Regierung, aber so wie die Dinge stehen, stellen sie keine einheitliche politische Macht dar – noch nicht. Doch die Besorgnis, Unsicherheit und Angst, die wir täglich in den Vereinigten Staaten wachsen sehen können, werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schwinden.

Ich weiß, dass Präsident Bush zahlreiche ausgesprochen fähige Redenschreiber hat, aber ich möchte mich freiwillig für den Job melden. Ich schlage folgende kurze Ansprache vor, die er im Fernsehen an die Nation halten kann. Ich sehe ihn vor mir: feierlich, penibel gekämmt, ernst, gewinnend, aufrichtig, oft verführerisch, manchmal mit einem bitteren Lächeln, merkwürdig anziehend, ein echter Mann.

„Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation. Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer. Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergesst das bloß nicht.“

Das Leben eines Schriftstellers ist ein äußerst verletzliches, fast schutzloses Dasein. Darüber muss man keine Tränen vergießen. Der Schriftsteller trifft seine Wahl und hält daran fest. Es stimmt jedoch, dass man allen Winden ausgesetzt ist, und einige sind wirklich eisig. Man ist auf sich allein gestellt, in exponierter Lage. Man findet keine Zuflucht, keine Deckung – es sei denn, man lügt – in diesem Fall hat man sich natürlich selber in Deckung gebracht und ist, so ließe sich argumentieren, Politiker geworden.

Ich habe heute Abend etliche Male vom Tod gesprochen. Ich werde jetzt ein eigenes Gedicht zitieren. Es heißt „Tod“.

Wo fand man den Toten?
Wer fand den Toten?
War der Tote tot, als man ihn fand?
Wie fand man den Toten?
Wer war der Tote?
Wer war der Vater oder die Tochter oder der Bruder
Oder der Onkel oder die Schwester oder die Mutter oder der Sohn
Des toten und verlassenen Toten?
War er tot, als er verlassen wurde?
War er verlassen?
Wer hatte ihn verlassen?
War der Tote nackt oder gekleidet für eine Reise?
Warum haben Sie den Toten für tot erklärt?
Haben Sie den Toten für tot erklärt?
Wie gut haben Sie den Toten gekannt?
Woher wussten sie, dass der Tote tot war?
Haben Sie den Toten gewaschen
Haben Sie ihm beide Augen geschlossen
Haben Sie ihn begraben
Haben Sie ihn verlassen
Haben Sie den Toten geküsst 2

Blicken wir in einen Spiegel, dann halten wir das Bild, das uns daraus entgegensieht, für akkurat. Aber bewegt man sich nur einen Millimeter, verändert sich das Bild. Wir sehen im Grunde eine endlose Reihe von Spiegelungen. Aber manchmal muss ein Schriftsteller den Spiegel zerschlagen – denn von der anderen Seite dieses Spiegels blickt uns die Wahrheit ins Auge.

Ich glaube, dass den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig.
Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben – die Würde des Menschen.

1.aus Pablo Neruda: Dritter Aufenthalt auf Erden, 1937/1947.
Übersetzt von Erich Arendt, in Der unsichtbare Fluss – ein Lesebuch herausgegeben von Victor Farias. Luchterhand, Hamburg, 1994.
2. aus Harold Pinter: Krieg. Übersetzt von Elisabeth Plessen und Peter Zadek. Rogner und Bernhard, Hamburg, 2003.

Übersetzung von Michael Walter
© DIE NOBELSTIFTUNG 2005