kultur

Von Königen, Rittern & anderen Helden

Nebel wird aufziehen und das schnauben der Streitrosse wird zu vernehmen sein. Unbehaglichkeit, Untertänigkeit, vielleicht gar Furcht wird sich verbreiten dann, wenn sich von den Rossen die Mannen in ihren schweren Rüstungen vom Sattel stemmen um sich schweren Schrittes in die Gewölbe zu begeben und ausgerechnet auf den Bänken neben ihnen Platz zu nehmen.


Strenger Geruch nach alter Suppe

Heldenhafte Ritter, Kämpfer und Abenteurer, vielleicht gar König Ludowich wird sich zu ihnen gesellen. Ein strenger Geruch nach alter Suppe, Urin und Schweiss, gepaart mit Pferdescheisse und altem Moder wird ihr Näschen brüskiert sein lassen. Von weit her werden die schwarzen Horden mit ihren Burschen, Fahnen und Schwertern gekommen sein, einige flüstern sich auch die unverhoffte Ankunft der Ritterschaft Otto des III. von Grandson zu, sie seien unweit vor den Toren des Berner ONO an der Kramgasse 6 gesehen worden.

Ob die Melder dies anhand der ranzigen Burgsuppe von Grandson gerochen haben, die an den Rittern klebt wie das Blut auf den Schlachtfeldern, ist noch nicht klar.

An zwei Tagen wird die Streitschar und ihr Gefolge die Suppenkessel im ONO aufstellen und den alten Balladen von Angelo Nef und Luzi Rohner lauschen. «Von Königen, Rittern und anderen Helden» berichten die beiden. Die klassischen Erzählgedichte stellen bald eindringliche Dramen, bald satirische Grotesken dar. Kunde aus fernen Schlachten, fernen Landen und Herren wird zu vernehmen sein, Balladen von Lenau, Uhland, Schiller, Heine, Mörike und dazu Klavierstücke von Prokoreff, Zimmermann, Diestel und Schubert, gespielt von Andreas Wittner. Liederabende wie diese, man hörte einiges aus fremden Burgen, arten auch schon mal wüst aus. Dann, wenn die Ritterschaft, oder gar Otto der III, nicht mehr recht wissen wie die Ballade nun eigentlich gemeint ist.

Nehmen sie sich in Acht, die Burschen verstehen manchmal keinen Spaß außer, derjenige handle über den Thurgauer Walter von Klingen. Mutig sind die beiden Lyriker, erzählen sie doch über das Drama des problematischen König- und Kaiserseins und um die Sehnsucht nach Heldentum. Herrscher tauchen in den Geschichten auf, die sich den niedrigsten Machttrieben hingeben, gar mancher wird sich dabei ertappt fühlen um wutentbrannt aufzustehen. Die Balladen sprechen auch von jenen ruhmsüchtigen Abenteuern, die der Glorie der Mächtigen blind nacheifern und dabei werden mittelalterliche Hahnenkämpfe gleichermaßen vorgeführt wie halsbrecherische Mutproben.

Aus weiter ferner Lande berichtet die Ballade «Schlachtfeld bei Hastings» von Heinrich Heine, in der es um die Suche des gefallenen Königs auf dem Schlachtfeld geht. Dabei nimmt ein Botenbericht zweier Mönche die vom Überfall der Normannen auf Britannien berich- ten, seinen skurrilen Lauf. Dies, ein tragisch – bizarres Szenario, eines typisch mittelalterlichen Dramas, denn auf dem Schlachtfeld der Männer, bleibt es danach den Frauen vorbehalten die geschundenen Leiber zu bergen. Von Kunde aus irischer Erde weiß die «Traurige Krönung» zu berichten. Ein Machtbesessener hat in Irland die Krone an sich gerissen, dabei hat er nicht vor Mord zurückgeschreckt! Ein raunen wird wohl durch den ONO Keller gehen, die Bänke werden näher herangezogen, die letzten Helmvisiere werden aufgeklappt. Angelo Nef und Luzi Rohner erzählen, was einige Ritter lieber nicht hören wollen: Offensichtlich dringt ein Geisterchor in einer der nächsten Nächte in die Gemächer des irischen Meuchelkönigs und hält ihm den Spiegel seines Gewissens vor Augen! Einige Visiere im ONO Keller schnappen sicher unweigerlich wieder zu und es wird leise mit den tapferen Streitern.

Doch damit noch nicht genug der Wunder; die Balladen berichten noch von anderen Ungeheuerlichkeiten. Bischoff Kletus fordert den vor Reichtum strotzende Kaiser auf, sein rücksichtsloses Ausbeuten des Volkes niederzulegen. Jetzt stehen sie aber auf, die nach Burgsuppe stinkenden Ritter. Genug ist genug schreien einige, doch sie werden flugs wieder zur Raison gebracht, denn was wahr ist, ist wahr: Bischof Kletus bewies dem König nämlich, dass sein Vermögen auf Blut und Tränen aufgebaut ist. Unter uns EnsuitlerInnen, die Kriegermänner müssen ja nicht wissen, dass der gute Kletus eine kleine Wundertat gewirkt hat… oder war es doch anders?

Weich geworden von den Darbietungen, kommt es den Rittern wohl auch nicht mehr darauf an, dass die beiden Lyriker die Dreistigkeit besitzen, den Willen zum Widerstand zu stärken und offen plädieren für die Freiheit der Unterdrückten zu kämpfen. Kein Wort, kein Faustschwert das sich in den steinernen Boden rammt um das Treiben der beiden Vortragenden zu unterbinden, denn zu wahr ist deren Kunde. Geschichten von gestern – für Ohren von heute! Die Ritter aus dunklen Zeiten sind nicht ausgestorben, sie sind unter uns! Die teilweise schaurig – gruseligen Erzählgedichte von machtgierigen Herrschern und ritterlich– heldenhaften Kämpfern gemahnen an gegenwärtige Ereignisse, die uns in ihrem Anachronismus, in ihrer Mittelalterlichkeit, erschrecken… noch werden Machtkämpfe mit rüden Methoden durchgeführt, noch sind fanatische «Helden» und «Kämpfer für das Ehere und Grosse» wie die Rattenfänger unterwegs. Das Mittelalter will kein Ende nehmen.

Dieser Artikel erschien im Berner ensuite – Kulturmagazin. Die PDF Datei der Printausgabe finden sie unter: Von Königen, Rittern & anderen Helden

kultur

Kulturelles Beben in Bern

Von der schleichenden Verbrachung der Berner Theaterlandschaft.
Ein paar schnelle Gedanken zur angedrohten Verschränkung von Dampfzentrale und Stadttheater

Urs Rietmann – Plötzlich geht alles sehr schnell. In der Dampfzentrale, einem von den Nachwehen der bewegten 80-er Jahre-Szene erstrittenen Kulturzentrum, soll neuerdings Berns Schauspiel stattfinden. „D’Wäut schteit uf em Chopf“ war die Botschaft, mit der damals Züri West den Hansdampf in die noch rauen und ungepflegten Turbinen- und Kesselräume entliessen.

Rechtzeitig zum 18. Geburtstag der legendären Besetzung im Mai 1987 wird die Dampfere unerwartet beschenkt: Die Neubesetzung von Betriebsleitung an der Aare und Intendanz am Kornhausplatz wird zum Anlass genommen, alte Ideen wiederauferstehen zu lassen: Das seit Jahren serbelnde Berner Schauspiel soll ein eigenes Haus bekommen. Mit Strukturkorrekturen soll ein weiteres Mal versucht werden, alten Wein in neue Flaschen zu füllen. Die Welt steht auf dem Kopf. Noch immer.

Angeregt wurde die momentane Raum- und Geldsorgendiskussion von jenem Mann, der seit nunmehr 14 Jahren mit Erfolg verhindert, dass im Zusammenhang mit dem Schauspiel des Stadttheaters auch nur ansatzweise über Inhalte, politische Ausrichtung oder Gesellschaftsrelevanz gesprochen wurde. Diese Auseinandersetzung findet in Berns Theaterlandschaft vor allem im Schlachthaus statt und von der leidenschaftlichen und klugen Leitung des Festivals <auawirleben>.

Man wird, daran besteht kein Zweifel, Beatrix Bühler, Sandro Lunin, Reto Clavadetscher und einigen Exponent/innen der von Intendant Gramss zweckdienlich als ‚talentiert’ bezeichneten freien Szene versichern, dass die Dampfere auch unter dem Dach eines vorläufig nicht näher definierten festivalkompatibel und gastspielfähig bleibe. Man wird dies gutgläubig annehmen, mit dehnbaren Begriffen in einer Leistungsvereinbarung festschreiben und anschliessend zur Tagesordnung übergehen.

Die Dampfzentrale war in den vergangenen Jahren in verschiedner Hinsicht keine blühende Frühlingswiese. Genauso wenig war sie ein im Zusammenhang mit dem unfreiwilligen Abgang von Christoph Balmer aber der gern beschriebene Gemischtwarenladen auf desolatem Niveau. Sie war u.v.a. Austragungsort von Blickfelder, Afrique Noir, Ya’salam!, Theaterfrühling, Tanztagen, auawirleben, Steps, Clubnächten, Festen. Das Potential und die Bedeutung dieses Zentrums wird, man darf dies aus den reanimierten Fusionsplänen schliessen, mehr als unterschätzt: Es wurde bislang, nimmt man die Subventionsbereitschaft der öffentlichen Hand als Massstab, schlicht ignoriert. Ein paar in ihren Konsequenzen unbedachte Intendanten-Bemerkungen zur Auslagerung einer Sparte kann dies in wenigen Tagen ändern.

5 Millionen Franken kostet ein stadtschauspielgenehmer Umbau des Hauses, so eine Schätzung im vergangenen Jahr, als die Fusion von Dampfzentrale und Stadttheater noch aus gutem Grund verworfen wurde. Dies wäre, wird frohlockt, die Basis, um in Bern endlich auch Schiffe zu bauen. In Anbetracht des Leistungsausweises derjenigen Institution, deren Begehrlichkeit in absehbarer Zeit ein für Berns Kulturleben wichtiges Zentrum zu schleifen droht, ist dies ein seltsamer Vorgang. Erstaunlich ist auch, dass die Stadt, deren Geduld und Langmut durch die hartnäckige Nicht-Entwicklung am Kornhausplatz offenbar noch nicht ausreichend strapaziert wurde, dieses Ansinnen stützt.

Als Meret Matter und Samuel Schwarz kürzlich auf einer schlecht, weil parteiisch moderierten Podium im Schlachthaus Theater die Frage nach der Kompetenz der Findungskommission für die zu besetzende Intendanz stellten, taten sie in der Art und Weise, wie das geschah, den Anliegen und Hoffnungen einer engagierten Theaterszene zwar keinen Gefallen. Die zwei teilweise gehässigen und streitkulturlosen Diskussionsstunden aber machten immerhin deutlich, wo hinsichtlich der Situation am Stadttheater im Moment tatsächlich und einigermassen dringlich Handlungsbedarf besteht. Es sind nicht primär Strukturprobleme, es sind der hinsichtlich Transparenz, Kommunikation und Gesprächsbereitschaft hoffnungslos überforderte Verwaltungsrat und eine ideen- und visionenarme Findungskommission, die keine vermittelbaren Vorstellungen hat, wer die jährlich über 20 Kulturmillionen unter welchen Prämissen verwalten oder besser: künstlerisch nachhaltig investieren soll.

Die vorschnelle Überantwortung der Dampfzentrale an ein bislang in keiner Weise skizziertes Vorhaben entspricht einem nicht sehr verantwortungsbewussten Umgang mit der andernorts gerne zitierten Hauptstadtkultur. Vielmehr bedeute dies purer Opportunismus und damit die schleichende Verbrachung der Berner Theaterlandschaft. Das Schauspiel am Stadttheater soll seine Chance nutzen dürfen. Dafür hat es Geld und Räume. Was es zudem braucht, sind Innovation und Phantasie. Das Fehlen dieser Kompetenzen an Strukturen festzumachen, ist billig und letztlich nur geeignet, sich in Huhn oder Ei-Querelen zu ergehen.

Die Dampfzentrale ist weiterhin und verschärft profilfähig. Das wollte der Vorstand mit der Besetzung eines neuen Betriebsleiters beweisen. Es wäre klüger, diesen Versuch ideell und materiell zu stützen als Hand zu bieten für die in ihrer Konsequenz zweifelsohne unfreundliche Übernahme des Berner Schiffbaus durch eine Handvoll hinsichtlich ihrer Seetauglichkeit mehr als zweifelhafter Kapitäne.

Was hier nahe in den Bereich von Polemik rückt, hat seinen Ursprung nicht in einer grundsätzlichen Ablehnung neuer Konzepte und frischer Ideen. Vielmehr hat es zu tun mit einem beträchtlichen Unbehagen ob der Art und Hauruck-Weise, wie in den vergangenen Wochen und Monaten die Kommunikation der Besetzung wichtiger Entscheidungsträger geradezu verschlampt und die Mitbetroffenheit weiter Kreise ignoriert wurde. Ignoranz statt Sorgfalt, Geheimnishuberei statt Transparenz, Realitätsferne statt Aufmerksamkeit: Dies ist nicht vertrauensfördernd oder ermutigend.

Die kommenden Argumente der Übernahme können unschwer vorausgedacht werden. Man wird beruhigen, beschwichtigen, später abfinden und trösten. Vagheit und Unverbindlichkeit werden mithelfen, die Angelegenheit aussitzenderweise in die gewünschte Richtung zu bewegen. Diese Perspektive ist entschieden unerfreulich: Bevor nicht der wirkliche Tatbeweis eines ernsthaften und sorgfältigen Dialogs geleistet ist, sind den fusionswilligen Anstrengungen mit der gebotenen Vorsicht zu begegnen und diffuse Konzepte abzulehnen.

Bern am 3. Mai 2005
Urs Rietmann

Mehr Information bei ensuite -kulturmagazin
STADTTHEATERDEBATTE / DOSSIER

kultur

Freie Sicht aufs Mittelmass

Klaus Bonanomi – Die banale Bemerkung drängt sich auf: Das beste Theater in Bern wird derzeit nicht auf der Bühne, sondern hinter den Kulissen gespielt… im Stück «Habemus Intendantem?» Noch ist kein weisser Rauch aus dem Konklave aufgestiegen, noch haben Berns Theater-Kardinäle keinen Nachfolger des Anno Domini 2007 zurücktretenden «Pontifex Maximus» Eike Gramss erkoren. Bei Redaktionsschluss dieser Nummer war jedenfalls die Ausgangslage um das Stadttheater Direktorium noch offen.

«Was für ein Stadttheater will Bern?» Ein Podiumsgespräch mit diesem Titel brachte Mitte April im Schlachthaus ebenfalls keine Klärung. Henri Huber, Stadttheater-Verwaltungsrats- Präsident, kam zehn Minuten zu spät und musste sich in einem bühnenreifen Sesseltanz seinen Stuhl auf dem Podium von Samuel
Schwarz, einem der abgelehnten Intendanz- Kandidaten, erobern; der Bund ortete «Beamte im Agitationstheater», die BZ titelte zu Recht: «Die Positionen bleiben hart.» War am Ende die Frage falsch gestellt? Müsste Bern sich nicht fragen, was für ein Stadttheater, sondern: ob es überhaupt noch eines will? Warum soll sich eine mittelgrosse Provinzstadt wie Bern ein Stadttheater leisten, das mit rund 24 Millionen jährlich subventioniert wird, was zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben ist?

Zwar unterstützen Stadt, Kanton, Burgergemeinde und die Agglomerationsgemeinden jeden Theaterbesuch mit 200 Franken (das Stadttheater rühmt auf seiner Homepage den «beachtlichen Eigenfianzierungsgrad von 27 Prozent» ) – doch selten bringt das Stadttheater damit etwas zustande, das über Bern hinaus zur Kenntnis genommen wird. Ob Sprechtheater, Tanz oder Oper: andere sind besser, haben mehr Geld oder mehr Pfiff als der bernische «Theaterschlafsaal», der «sein Publikum nur selten aus den süssen Operetten- Träumen gerissen» hat, wie die NZZ am Sonntag erfrischend respektlos schrieb. Freie Sicht aufs Mittelmass.

Natürlich gibt’s nicht nur das «Wiener Blut» von Johannes Strauss (letztmals am 1. Mai): Derzeit wird auch «Der Mitmacher» gegeben, das ist – immer laut Stadttheater-Eigenwerbung – «Dürrenmatts wohl erfolgloseste Komödie»; oder die italienische Burleske «Das Vergnügen, verrückt zu sein», die sogar dem Blick
eine wohlwollende Besprechung unter dem Titel «Verrücktes Vergnügen» wert war. Leute wie Lukas Bärfuss oder Grazia Pergoletti, die in der freien Szene gross geworden sind, stehen dieser Tage im Kornhaus auf der Bühne oder führen Regie; und man kooperiert auch beim «Auawirleben»-Festival mit der freien Szene.

Doch was die Ausstrahlung auf der nationalen oder gar internationalen Ebene betrifft, kann Bern nicht mithalten. Zürich hat auch in der Ära nach Marthaler die Nase vorn, schon nur was die Spielstätten betrifft – mit dem Schiffbau fürs aktuelle und dem Pfauen fürs traditionelle Theater – und erst recht, wenn’s ums Geld geht: Man kann sich an der Limmat für das aktuelle Stück «Oblomow» ohne weiteres den Star-Architekten Peter Zumthor als Bühnenbildner leisten, auch um den Preis, dass wegen dessen grossangelegtem Dekor viermal weniger Zuschauer als üblich Platz finden. Und ihren Operndirektor Alexander Pereira halten die Zürcher so in Ehren, dass ihn auch die Mailänder Scala nicht wegzulocken vermag. Zur Tanzhauptstadt taugt Bern ebenfalls nicht, zu klein ist das Berner Ballett und seit Martin Schläpfers Abgang vor Jahren zu unbedeutend; eine Stunde Fahrzeit entfernt gibt’s bei Béjart in Lausanne mehr zu sehen. Und während Bern immer noch versucht, allen ein bisschen etwas von allem zu bieten, kultivieren andere Städte ihre jeweiligen Spezialitäten: Für klassische Musik ist Luzern mit seinem weltweit erstklassigen Konzertsaal im KKL die erste Adresse, Solothurn hat die Film- und die Literaturtage, Neuenburg sein Centre Dürrenmatt, und der beste Fussball nationwide wird immer noch in Basel zelebriert…

Das Stadttheater Bern «hat es bisher nicht in eine Liga mit überregionaler Ausstrahlung geschafft», wie die BZ richtig bemerkt. Und daran wird sich unter den gegebenen Bedingungen auch nichts ändern. Deshalb der radikale Vorschlag: Schliessen wir das altehrwürdige Haus im 102. Jahr seines Bestehens – und verwenden wir das freiwerdende Geld anderswo, wo es mehr nützt. Nutzen wir die Chance, um mit dem neuen Paul-Klee-Zentrum zu einer erstklassigen Ausstellungs-Adresse für moderne und zeitgenössische Kunst zu werden. Oder gönnen wir es unseren Wappentieren, befreien sie aus dem engen Bärengraben und bauen wir trotz Mehrkosten jetzt erst recht das neue Gehege an der Aare…

Stephan Fuchs – Spricht seit dem Artikel in der NZZ am Sonntag jemand über den Theaterschlafsaal und das Schnarchtheater, so weiss jeder, um was es geht: um das Berner Stadttheater. So gesehen hat Bern eine Superlative: das teuerste, subventionierte Stundenhotel der Schweiz, das den Steuerzahler insgesamt 23 Millionen pro Jahr kostet. Ob die Darbietungen als Schnarchtheater gelten, sei dahingestellt. Die künstlerische Leistung wird, besonders die des unterdotierten Balletts, gelobt. Dem Schauspiel wird keine grosse Chance eingeräumt und die Oper dümpelt nicht weit über die Aare, obwohl Eike Gramss jährlich ca. 4 Inszenierungen selber macht.


Kleines feines Ballett (Hildur Óttarsdóttir)

Die Verantwortlichen haben geschlafen und das seit 1991. Eike Gramss, Intendant des 300 Personen Betriebes hat es in seiner Ära nicht geschafft sein Dreispartenhaus in ein innovatives, populäres Haus umzubauen und eine neue Generation für das Haus der Götter zu begeistern.

Kurz bevor der Vorhang fällt kommt die Frage auf: «Was für ein Stadttheater will Bern?» Zeit genug hätte er gehabt, aber quasi in letzter Minute verteilt er Schuldzusprüche an die Wirtschaft und schimpft über die zu kurz gehaltenen Subventionen. Klingt nach Hemden waschen. Der Unmut und die unterschwellige Kritik gärte allerdings schon lange, von den finanziellen Sorgen wusste man. War da nicht letztes Jahr noch eine Notspritze von 500‘000 Franken zu bewilligen? Spätestens seit der Freistellung des ehemaligen Ballettdirektors Duméril, unter dem Vorwand, der Fortbestand des Ensembles könne aus ökonomischen gründen nicht garantiert werden, hätten Signale gesetzt werden können.

Aber nicht nur Gramss, sondern auch die Theatergenossenschaft unter dem alten Regime und Henri Huber, der neue Theatergenossenschaftspräsident haben verschlafen. Sie hätten erkennen müssen, wo die Welt «änet» der Aare steht und was früher oder später in Bern erwartet werden musste. Selbstverständlich haben auch wir, die Medien gut geschnarcht. Es wäre an uns gelegen zu recherchieren anstatt Hofberichterstattung zu schreiben. Und nicht nur wir, die Medien, sondern auch die BesitzerInnen des Theaters, die Steuerzahler, hätten Forderungen und Fragen stellen sollen anstatt nach Basel, Zürich und Luzern zu reisen – oder eben zu schlafen. Bern ist wirklich vereint und stark. Wir werden unserem Namen gerecht und nicht umsonst nennt und kennt man Bern vom Appenzell bis nach La Chaux-de-Fonds als die Schlafstadt par excelance.

Foto: Phillip Zinniker


Der Artikel erschien in der Mai Ausgabe von ensuite kulturmagazin. Die PDF Datei der Printausgabe finden sie im PDF Archiv unter: Freie Sicht aufs Mittelmass

kultur

Hoch fliegender Kübel

Unweit von der Berner Uni Tobler, an der Ecke Freiestrasse und Muesmattstrasse steht er, der weisse Kübel. Als ehemaliger Kiosk war der Kübel wohl Schnittpunkt täglicher Auseinandersetzung, Mittler kurzer Gespräche und Zentrifuge vieler Gedanken, die sich um Götter, Frauen und die Nachbarn kreisten. Eine Austauschkiste sozusagen. Freilich, der Kiosk ist Vergangenheit, die Kiste nicht. Es scheint, als gehe es nicht um den Inhalt der Kiste, als vielmehr um die Kiste selber, denn noch immer ist sie unübersehbarer Mittelpunkt und Anker der streng frequentierten Fussgänger Ecke im Universitätsquartier. Die Kiste, irgendwie passt sie da gar nicht hin und doch gehört sie frappant scharf ins Bild, zieht diesen langen Faden nach sich, dem selbst Skater nicht widerstehen und dem zufällig um die Ecke arbeitenden „Pfleger magischer Wesen im Garten“ ein tägliches Vergnügen verheissen. Wenn der Faden klebt, bleibt die Zeit still.


Anschlag auf die Zeit

Reality Hacking – Es mag dieser kurze Augenblick sein der in der fanatisch schnellen Hektik des Tages gefesselt wird, die Gedanken kurzzuschliessen vermag einzig um sich festzuklammern an einem Objekt das nicht sein kann, eben an jenem weissen Kübel. Ein Anschlag auf die Zeit, ein rauswerfen aus dem Trott, nur für einen Augenblick… Vorher, das heisst jetzt, war die Kiste die Station Marks Blond, eine Bushaltestelle mit allem was dazu gehört. Wartebank, Blumenkistchen mit ein bisschen grün darin und die typischen Sonntagszeitungsbehälter vor der Station inklusive Imbissbude, denn da, ob dem Fenster steht „Quick Express Buffet“. Die meisten gehen hin, schauen was die Aufmerksamkeit derart brüsk zu manipulieren vermochte, mal reinschauen durch das grosse Kübelfenster. Es geht eben doch auch um den Inhalt, jener will erforscht sein. Doch der Raum dahinter ist leer und verlassen, drin ist nichts. Nicht jetzt. Vielleicht ist das Quick erst kürzlich geschlossen worden, vielleicht hält doch bald ein Bus… Der Bus wird jedoch nie kommen, das Quick kennt keiner, einer, der Passant setzt sich auf die Bank. Er wird zur Kunst, zum Theaterspieler auf der Bühne, ohne es zu wissen. „Reality Hacking“ nennt es Georg Keller, der Kreator der Station Marks Blond, die Busstation, die es nie gegeben hat und nie geben wird.

Rennender KübelMarks Blond ist die unangenehmste Galerie die es im Moment in Bern gibt und es gibt sie noch nicht lange. Seit Mitte Juni 2004 existiert das Marks Blond Project r.f.z.k. (Raum für zeitgenössische Kunst) und man sieht, hört und liest mehr von Blond als von den meisten anderen Berner Galerien. Blond verwaltet nicht Kunst sondern betreibt, erfindet und erforscht Kunst immer wieder neu. Wöchentlich peitscht Marks Blond auf einer Fläche von 3.5m x 3.7m Installationen und Kunstinterventionen durch und zeigt so jährlich rund 40 Ausstellungen, pusht ausgewählte Künstler, verlinkt, kommuniziert und kreiert die Kunst von morgen in einem Höllentempo, dem kaum einer folgen kann. Tempo, das Spuren hinterlässt und Narben reisst im winzigen Kübel. Der Kübel mit seiner ewigen inneren Baustelle muss frisch gestrichen werden und es ist nicht das erste Mal. Doch das macht nichts. Während Marks Blond in Polen ist, wird die Kiste wieder zum „white cube“.


Das Experiment ist die Kunstform an sich (1)

Arbeiten – endlos Sie arbeiten schnell und das am Puls der Zeit und eines ist sicher: die Blond Macher schlafen nicht. Sie sind am verknüpfen, am fordern und vor allem am arbeiten – endlos. Die Vision dieses Kunstprojekts liegt im Versuch philosophische, gesellschaftliche und politische Aspekte zu prüfen und in einen Bezug zur Gegenwart zu stellen. Indes geht es dem kollektiv nicht primär um Kommerz, sondern um die Aktion, das Experiment und die Kunstform an sich. Diesen Anspruch nehmen Daniel Suter und wohl auch seine Vertrauten, Radwina Saga Seiler und Yves Ackermann locker auf sich. Kunst lebt! Kunst bewegt. Während die meisten Galeristen Kunst verwalten und in gesitteten Bahnen Kunst zu verhökern versuchen, rennt Marks Blond mit seinem weissen Kübel, den Suter fast schon zärtlich „small white cube“ nennt, die Spitzen rauf und runter.

Marks Blond rennt nicht nur nach Polen, Marks Blond rennt an der Cart Kunstmesse in Zürich, macht Art Exchange in Mazedonien mit dem Federal Departement of Foreign Affairs, sie hüllen den White Space Zürich zum Dark Room und sind am Betonsalon in Paris eingeladen. Unter anderem, denn Marks Blond bewegt einiges. Dass sich der horrende Rhythmus noch beschleunigen lässt, bewies das Projekt vor kurzem in Zürich: In zwei Ausstellungsräumen bot das Kollektiv mit täglich wechselnden Ausstellungen, Performances und Filmvorführungen einen Einblick in seine kuratorische Praxis.


Gift mit Gift bekämpfen. (2)

Offener Kübel – Das noch immer hohe Tempo welches die Berner ihrem weissen Kübel in Bern abverlangen, kann auf Unverständnis stossen… Wer hat denn schon Zeit sich all die Ausstellungen anzuschauen lautet die Kritik, wer soll bei dieser Masse an Kunst noch Qualität erkennen? Suter sieht das ein bisschen gelassener: „Der „small white cube“ steht im Raum, in der Nachbarschaft. Er ist absolut öffentlich. Jeder der hier vorbeikommt kann Teil werden, kann reinschauen, kann sich dazu Gedanken machen. Die Qualität steht immer auch im Zusammenhang und Wissensstand des Betrachters. Manche sehen hier nichts, andere sehen hier alles. Was wir zeigen sind Möglichkeiten und Situationen, und die sind endlos weit gefächert. Der Schaukasten öffnet die Sicht nach Aussen, aber auch nach Innen und stellt so die Kunst in einen sozialen Kontext.“ Ideen und Künstler werden den Blond Machern auch in ihrem rasanten Tempo wohl nicht ausgehen. In den rund 40 Ausstellungen zeigte das Kollektiv eine eindrucksvolle Breite spannendster moderner Künstler aus Israel, Deutschland, Frankreich, aus den USA, Österreich und natürlich aus Zürich und Bern. Es ist Ziel von Marks Blond, dass die Zusammenarbeit sowohl mit örtlichen, als auch überregionalen und internationalen Kunstschaffenden angestrebt und umgesetzt wird. Dies haben sie sicher erreicht.

Vielleicht ist dies der Trick am Drill mit dem Tempo. Gift mit Gift zu bekämpfen. Vielleicht gibt uns Marks Blond einige Spiegel mit an der Ecke, beim alten Kiosk im Uni Quartier, dann, wenn wir vorbei rennen und aus dem Augenwinkel merken, dass da etwas anderes steht, etwas das nicht in unser tägliches Konzept passt. Manchmal sind dies die Augenblicke die bewegen, die kommunizieren und am leben Teil haben lassen.

Dieser Artikel erschien zum ersten mal im Berner ensuite kulturmagazin. Die PDF datei der Printausgabe finden sie im PDF Archiv unter: Hoch fliegender Kübel

Bildlegenden:
1: daniel suter “ verena“ paris 2004 fotoinstallation
2: daniel suter „look me“ bern 2003 performance installation

kultur

Windiges Hackbrett

Eine Reise mit Gilbert Paeffgen führt zu Klang-Erlebnissen die überraschen. Seit Jahren schon mischt der deutschstämmige und in Bern lebende Schlagzeuger und Hackbrettspieler Gilbert Paeffgen in den oberen Rängen der Schweizer Jazz-Szene mit und was dabei entsteht heisst mitunter „Neue Volksmusik“.


Geschlagene Engel in einem neuen Kleid. Treibend, groovig, tanzbar.

Das international bekannte Trio, welches sich vor allem auch mit der viel beachteten CD „Sketches From Europe“ hervortat, gibt Einblicke in verschiedene Genres akustischer Welten. Mit dem Bassisten Urban Lienert vermischt Paeffgen Jazz, keltische Musik und Sequenzen aus Bass- ’n‘- Drum turnarounds dezent mit impulsivem Schlagzeug, Jungle und Ambient Sounds, und darüber biegen und winden sich die Melodielinien des Klaviers zu einem geschmackssicheren und unverwechselbaren Trio Sound.

Paeffgen Trio eben. Ohne Zweifel, Paeffgen ist eine kreative innovative Musikerpersönlichkeit, der heute zu den Exportartikeln der Schweizer Jazz Szene gehört. Spannend an seinem Trio und seiner Arbeit ist, dass er ein uraltes Instrument einer jungen Generation wieder nahe bringt. Mit dem Engelsinstrument, dem Hackbrett, lässt er Klänge erklingen, die sich vorzüglich in sein musikalisches arbeiten mit dem Trio einfügen. Nun hat er mit dem ursprünglich aus dem persisch – indischen Raum stammende Hackbrett eine weitere CD produziert. Joran.

Joran ist gewöhnungsbedürftig. Der Klang des Instruments ist windig, ist sicher vielen noch unbekannt und wird vielfach skeptisch belächelt, allen voran es stark mit der Appenzeller Ländler Musik assoziiert wird. Jene Musik übrigens ist auch nicht zu unterschätzen und hat durchaus seinen Reiz. Gilbert Paeffgen indes, spielt auf Joran keinen Appenzeller schottisch, er zeigt die geschlagenen Engel in einem neuen Kleid. Treibend, groovig, tanzbar.

Aber nicht nur: Er zeigt sein Instrument auch von einer verklärten und subtileren Seite. Und so ist Joran zum verweilen, zum hören, zum träumen. Die neue CD ist nicht vergleichbar mit seinem Trio Sound, er spielt nicht den Jazz. Viel Raum lassend und viel klingend, das Hackbrett ist keine einfache Geliebte, zeigt sich Paeffgen von einer anderen, spannenden Seite, zum Teil durch Gesang und Bass ergänzt. Paeffgen und andere Musiker am Hackbrett tragen im Moment eine Menge zur Wiederbelebung und Bereicherung unseres Kulturgutes bei, wurden die Trapez Engel aus dem frühen Persien doch beinahe vergessen und feiern heute Renaissance.

GILBERT PAEFFGEN – Joran – 2005 / Vertrieb: „Karbon


kultur

Warum schreiben und nicht töten?

Nicht nur an der Themse, sondern von Arosa bis Weinfelden wird gemordet, verbrochen, geschwindelt und betrogen, kräftig gefeuert und einiges gerächt. Wie sollte es denn anders sein, auch in der Schweiz klaffen die Abgründe verworrener Psychen tief, führen zu erschreckenden Handlungen und beweisen: Schweizer Krimi ist gut.


Grösster literarischer Anschlag den die Schweiz je erlebte

Schweizer Krimi wird Salonfähig. Um es spitz auf den Punkt zu bringen: schreiben macht offensichtlich mehr spass als töten. Dies demonstrieren die zwei neuen Bücher von und mit Paul Ott, dem Berner Hauptverdächtigen für Kriminalroman Liebhaber und dem Initiator der Mordstage 2005. Eine Leseveranstaltung in 16 verschiedenen mittelgrossen Schweizer Städten. Krimis mit Bezug zum Ort, das Verbrechen in ihrer Nachbarschaft.

Obwohl die Mordstage noch nicht ganz vorbei sind, ein Delikt steht in der Thalwiler Mordsnacht vom 3. September noch aus, zieht Paul Ott durchaus positive Bilanz. Und in der Tat, man staune: in den 15 bisher erfolgten Lesungen wurden 1680 Personen (lebende) gezählt. Und das Netto, also ohne kumulierte Schummler. Dies ist der flächendeckend grösste literarische Anschlag den die Schweiz je erlebte, mit durchschnittlich 112 Besuchern ein Erfolg den die Beobachter von den Medien, den Verlagen und selbst Ott verblüfft hat.

Otts Arbeit hat massgeblich dazu beigetragen, dass sich die schreibenden Kriminalisten nicht mehr im Schatten ihrer Selbst bewegen müssen und, der Erfolg tut gut, hat ihn über die schlaflosen Nächte und stressvollen Tage vergessen lassen. Er munkelt sogar von weiteren Mordstagen. Paul Ott als Einzeltäter abzustempeln, würde ihm und den Mordstagen selbstverständlich nicht gerecht werden. Spräche man von Bandentum, wäre dies sicher zutreffender: Gemeinden, Vereine und Kulturkommissionen, Autoren und Autorinnen haben mit ihren Finstrigkeiten zum grossen Coup beigetragen. Ohne ihre tatkräftige Hilfe wären die Mordstage Schweiz nicht so glatt über die Bühne gegangen.

Mit ihren Kurzkrimis entstand auch „Tatortschweiz“, eine Sammlung krimineller Geschichten, herausgegeben von Ott. Jene Geschichten, die in den Städten gelesen wurden. Mit ihren Texten zeigen die AutorInnen die erstaunliche Vielfalt der Deutschschweizer Krimi – Literatur mit so viel Ortsgenauigkeit und Aktualität wie nie zuvor in der Deutschschweizer Krimiszene auf.

Da Kriminalliteratur von der öffentlichen Kulturförderung und von der Kritik oft herablassend behandelt wird, müssen sich die Autoren selber zu helfen wissen, auch wenn das im „literarischen Kalender“ nicht wahrgenommen wird. Nebenbei gemerkt, verbindet sich hier ein Phänomen, das auch der schottische Schriftsteller und ensuite kulturmagazin Gastautor Donal McLaughlin im Interview erklärte: „Locker. So sollte Literatur sein. Öffentlich. Zugänglich. Literatur ist lebendig, darauf kommt es an.“ Siehe hierzu ensuite kulturmagazin Nr 9 2004. Ein ähnliches Prinzip verfolgten die Kriminalautoren: Das Attentat kommt zum Publikum und das wird vom Publikum offensichtlich auch in der Schweiz hoch goutiert. Dazu kommt, dass für viele Menschen – insbesondere Jugendliche – Unterhaltungsliteratur den Einstieg in die Welt des Lesens überhaupt bedeutet. Der Krimi ist die Einstiegsdroge par excellence. Insofern haben die „Mordstage“ eine wichtige Aufgabe im Literaturbetrieb die nicht zu unterschätzen ist.

Nebst dem zu den Mordstagen begleitenden Buch „Tatortschweiz“, erschien auch „Mord im Alpenglühen“, eine erstmals umfassend präsentierte Geschichte und Erklärung der Schweizer Kriminalliteratur zusammengestellt von… Paul Ott. Ein Lese – Wissens Buch, das in jedes Lesezimmer gehört dessen sich eines Kriminalliebhabers erfreut. Das Buch, eine Sammlung aus frühen Gerichtsreportagen und Verbrechensberichten um 1800 bis zur heutigen Vielfalt fiktiver Kriminalromane liefert eine fundierte, beinahe vergessen gegangene Enzyklopädie des literarischen Verbrechens in der Schweiz. Die furchtbar fruchtbare Wechselwirkung zwischen einheimischen und ausländischen Autoren sowie zwischen Literatur und Film werden dargestellt, ergänzt durch Stefan Brockhoffs „Zehn Gebote für den Kriminalroman“ und die darauf von Friedrich Glauser verfasste Antwort. Exemplarisch sichtbar wird die letztlich gescheiterte Existenz von Glauser in „Matto regiert“, wo Wachtmeister Studer, der behäbige, Brissago rauchende Kommissär der Berner Kantonspolizei, Ordnung in das Leben der Menschen bringt. Dürrenmatt übernimmt Glausers Konzept mit seinen drei Kriminalromanen aus den Fünfzigerjahren und seinem Kommissär Bärlach, bis hin zu Sam Jauns Abgründe der beschaulichen Provinz.

Interessant ist die Ausführung zu den welschen KollegInnen. Sie kennt man in der Deutschschweiz relativ schlecht und sie verfügen offensichtlich nur über eine lose Kriminal – Autorenszene. Leider wurden bisher wenige der französischen Werke übersetzt, die Schriftsteller sind aber nicht ohne, zeigen eine differenziert andere Schreibform, sind schneller im Erzählstil und kosmopolitischer. Mit Jean-Jacques Busino, Autor von „romans noirs“ schliesst „Mord im Alpenglühen“ ab. Busino bewegt sich auf musikalischem und philosophischem Gebiet ebenso gewandt, wie in der verlorenen Psyche, wenn er das langsame abgleiten seines Pommard in den düstersten Abgrund skizziert: Er masturbiert vor dem Bildschirm mit Fotos von Leichen zur Musik von Frank Zappa. Und das ist erst der Anfang… Schweizer Krimi wird in Zukunft wieder gelesen werden.

  • Das Buch zu den „Mordstagen 2005“, das alle dafür geschriebenen Kurzkrimis sammelt:
    Paul Ott (Hrsg.): Tatort Schweiz – ISBN 3-85791-477-7 – Limmat Verlag

  • Paul Ott: Mord im Alpenglühen. Der Schweizer Kriminalroman – Geschichte und Gegenwart – ISBN 3-935421-14-1 – NordPark Verlag – Reihe KrimiKritik

kultur

Das Bild und das Wort

Marcel Pinon, Paris – Unsere Welt, schon bald der Elektronik ausgeliefert, scheint von Bildern und Worten in immerwährender Bewegung besetzt, deren Kraft und tägliche Allgegenwart (die Last der Worte, der Schock der Fotos) den vergänglichen Charakter oder die allzu oft kommerzielle Botschaft nicht verwischen können. Wir sollten weder den Platz der Worte und der Bilder vernachlässigen bei der Etablierung unserer sensiblen Beziehungen für die Kenntnis des Anderen; des Universums oder uns selbst; noch die Wichtigkeit dieser zwei spezifischen Charakteristika in der Entwicklung der Menschheit.


Eines Tages stellt sich das Bild in den Dienst des Wortes, um die Schrift zu bilden und erlaubt dem Menschen in die Geschichte einzutreten.

Das menschliche Wesen könnte definiert werden durch seine Fähigkeit Bilder hervorzubringen und Worte durch eine artikulierte Sprache auszustoßen. Die Erfindung des Werkzeugs und die Zähmung des Feuers können nur das Ergebnis einer Kette von konkreten Erfahrungen sein, um mit einer fast animalischen Fähigkeit die Kräfte der Natur zu bändigen. Es scheint nützlich, ja sogar notwendig, dem Bild und dem Wort ihren Sinn oder ihre ursprüngliche Funktion zurückzugeben, die in der Erscheinung der Kunst, der Spiritualität und der Wissenschaft entscheidend ist.

Gewiß ging die Rede dem Bild voraus, unterstützt durch eine körperliche Fähigkeit und dank der lautmalerischen Töne, die nach und nach in Worten Form annahmen und in ein mehr und mehr rationales Wortsystem eingefügt wurden. Das lateinische Wort „muttus“ bedeutet auch murren. Der Schrei und der Ausruf sind wohl dem Wort voraus gegangen, das – wie das Bild und das Wort übrigens später auch das Bild – im Blick, der Grimasse, der Haltung und in der Geste gründete (vielleicht auch in der Berührung und der Liebkosung).

Noch heute hängt das Verständnis des Wortes häufig von seinem hör- und sehbaren Zusammenhang ab. Dieses Zusammenspiel von Ton und Rhythmus läßt sich zu allen Zeiten in der Poesie, im Gesang und im Tanz erleben. Ein viel größeres Geheimnis umhüllt die Erscheinung des Bildes: der Widerschein, der Schatten, eine Spur oder eine Prägung. Die schweigende Bewegungslosigkeit des Kadavers konnten einen Prozeß einleiten, der zum Auftauchen der neuen Fähigkeit führte, die Umwelt mit einem wieder erkennbaren Zeichen zu versehen: Bild, Repräsentation, Wiedergabe, Entwurf, Marke, Bezugspunkt; später Allegorie, Emblem, Symbol, Code – siehe Fotografie, Kino, Hologramm… Eines Tages stellt sich das Bild in den Dienst des Wortes, um die Schrift zu bilden und erlaubt dem Menschen in die Geschichte einzutreten.

Die Schrift – und die Schriften – berichten von Rivalität zwischen dem Bild und der Rede, kaum ist ihre Verbindung in den Dienst der Bezeichnung getreten! (Über die Frage des Ursprungs der Beziehung zum Transzendenten, der Teilung zwischen dem Menschsein und dem Göttlichen) Von Gilgamesch zu Mohammed haben sich unerschöpfliche Quellen theologischer Streitereien vorbereitet. „Menschengott“ oder „Gottmensch“? Bilder und Worte einmal im Dienst erhofften Ruhmes, ein andermal im Dienste der unerbittlichen Verbote.

Aber wie viel Wunderbares – Monumente der Menschheit – wie viele oft grundlegenden oder erhabenen Werke sind noch erhalten durch die Magie des Bildes oder des Wortes, das in den Stein, den Ton, das Holz oder auf das Papier gezeichnet wurden. In diesem neuen Jahrtausend sind Wort und Bild durch Slogans und Logos skrupellos entwertet, in den Rang eines raffinierten Köders für fügsame Konsumenten degradiert. Führwahr, mehr denn je können das Wort und vor allem das Bild, das vielleicht universeller und absoluter ist, den Zugang zum Wesentlichen des Menschen wieder öffnen. Dort, wo Schönheit und Weisheit sich offenbaren, bestätigt die Kunst die symbolische und mittelnde Kraft des Bildes. Das Wort, das uns stets zu entgleiten droht, begleitet uns dennoch auf diesem Weg zu uns selbst und entzieht uns vielleicht ein wenig dem bequemen Schutz endgültiger Meinungen.

Marcel Pinon,« Passé Conseiller Fédéral de la Grande Loge De Françe », ist Chemiker und Alchemist. Er gilt als ausgezeichneter Kenner der Symbolik. Für ensuite – kulturmagazin und journalismus – nachrichten von heute schreibt er in lockerer Folge eine Trilogie. Die erste Folge: „ Das Bild und das Wort“, gefolgt von „Symbole“ und schließlich „Totentanz“.

Bild: Francois Bucher; Luzern & Burgund. Ohne Titel

kultur

How Black is Black Metal?

Kevin Coogan – Lords of Chaos (LOC), a recent book-length examination of the „Satanic“ black metal music scene, is less concerned with sound than fury. Authors Michael Moynihan and Didrik Sederlind zero in on Norway, where a tiny clique of black metal musicians torched some churches in 1992. The church burners‘ own place of worship was a small Oslo record store called Helvete (Hell). Helvete was run by the godfather of Norwegian black metal, 0ystein Aarseth („Euronymous“, or „Prince of Death“), who first brought black metal to Norway with his group Mayhem and his Deathlike Silence record label.


A kick in the back

One early member of the movement, „Frost“ from the band Satyricon, recalled his first visit to Helvete:

I felt like this was the place I had always dreamed about being in. It was a kick in the back. The black painted walls, the bizarre fitted out with inverted crosses, weapons, candelabra etc. And then just the downright evil atmosphere…it was just perfect.

Frost was also impressed at how talented Euronymous was in „bringing forth the evil in people – and bringing the right people together“ and then dominating them. „With a scene ruled by the firm hand of Euronymous,“ Frost reminisced, „one could not avoid a certain herd-mentality. There were strict codes for what was accept-ed.“ Euronymous may have honed his dictatorial skills while a member of Red Ungdom (Red Youth), the youth wing of the Marxist/Leninist Communist Workers Party, a Stalinist/Maoist outfit that idolized Pol Pot. All who wanted to be part of black metal’s inner core „had to please the leader in one way or the other.“ Yet to Frost, Euronymous’s control over the scene was precisely „what made it so special and obscure, creating a center of dark, evil energies and inspiration.“

Lords of Chaos, however, is far less interested in Euronymous than in the man who killed him, Varg Vikemes from the one-man group Burzum. Vikemes, a church burner who dubbed himself „Count Grishnackh“ after an evil ore in Lord of the Rings, is now serving a 21-year sentence – Norway’s toughest penalty – in a maximum security prison for brutally stabbing Euronymous to death on 10 August 1993. After his arrest just seven days later, the Count justified himself by claiming that Euronymous was a communist „queer“ who had cheated him out of Burzum royalties. He also claimed that Euronymous was plotting to kill him. After being ostracized from the black metal community, Vikemes announced that he was now no longer a black metal Satanist, but rather a Nazi Odinist because the Jews had „killed my father Odin.“


explosive Molotov cocktail

If Lords of Chaos were only about the antics of the most extreme wing of black metal, it would be an informative and entertaining look at pop culture Grand Guignol. The book, however, suggests that the events in Norway reflect a growing tendency among alienated youth from Miami to Moscow, who are now allegedly blending black metal, Satanism, and currents of fascism into a culturally explosive Molotov cocktail. Vikemes, however, is really famous for murder, not music, while the overwhelming majority of black metal musicians and fans are not, and are not likely to become, church burners, murderers, or Nazi Odinists.

To buttress its thesis, LOC points to metalheads turned murderers, including „Belfagor“ from the Swedish Satanic band Nefandus, who attacked a black man in a self-described „niggerhunt“; Bard Eithun („Faust“) from the Norwegian group Emperor, who murdered a gay man that sought to seduce him; and Jon Nodveidt from the Swedish group Dissection, who butchered an Algerian immigrant. LOC even devotes an entire chapter to an obscure two-man German band called Absurd, who coldly executed an annoying fellow high school student . Although the members of Absurd are self-pro-claimed Nazis and Vikernes fans, even they reported that they committed the crime for personal, not political, motives.

LOC also dwells on the activity of otherwise highly obscure fascist propagandists with no direct ties to black metal who are nevertheless trying to recruit its followers into their cause. It even adopts a far right spin on Jungian theory when it suggests that Vikernes may have tapped into an anti-Christian racial/cultural archetype that is allegedly still aglow in the Norwegian collective unconscious. The book also profiles racist killers with no known ties to black metal, such as the Florida youth clique called the Lords of Chaos. Before being dethroned by LOCal police, the Lords burnt down a church, murdered a gay teacher, and were planning to slaughter black visitors to Disney World with silencer-equipped automatic weapons.

LOC culminates with a paean to the „fire“ which, it claims, bums bright inside the black metal under-ground despite the attempts of mysterious unnamed „forces of finance and materialism“ to „root it out and stamp it out.“ If the jailed murderer Faust is to be believed, however, just the opposite has occurred. In a recent interview in the top Norwegian black metal zine Slayer, Faust complained:

As for the black metal scene, it is not really interesting anymore…! mean there must be over a hundred underground labels releasing albums of every immature, pre-ready band around. I’m amazed about the absence of every little sign of a critical attitude from record labels.

When asked if all this bothered him, Faust replied: „Not really, it is just a normal development. We saw the signs already in ’93. As soon as the arrests were made and when people saw the publicity the happenings made, they thought ‚Hey, maybe I can make something out of this too-‚“ If anything, the „forces of finance and materialism“ have used the events of 1993 to mass market black metal. Lords of Chaos’s publisher, Feral House, itself distributes one of Vikernes‘ Burzum CDs, Filosofem.

NORWAY’S FAR RIGHT
Despite its apparent fascination with elements of fascism, LOC studiously avoids comparing black metal to „white power“ music, a sound much beloved by real Scandinavian fascists within a certain age group. A longtime leading Norwegian far rightist named Erik Bliicher, who currently controls a major white power label called Ragnarok Records, is only mentioned once in passing. LOC also ignores Norway’s right populist Progress Party, which won 25 parliamentary seats in the 1997 elections with a pumped up anti-immigrant, anti-welfare state, and anti-Lapp platform, even though Vikernes seems to have shared many of its prejudiced beliefs. He even justified murdering Euronymous because he „was half Lappish, a Sami, so that was a bonus.“ When it does briefly mention Norway’s right, LOC admits that the links between the goose steppers and the ghouls are extremely tenuous. Indeed, with its white corpse paint, medieval Viking imagery, and industrial strength angst, black metal seems, if anything, overtly anti-political.

LOC has generally been perceived as an expose of a colorful music sub-culture, and it does indeed provide much valuable information about an otherwise inaccessible scene. Yet what really makes the book fascinating is that its main author, Michael Moynihan, is himself an extreme rightist whose fusion of politics and aesthetic violence shapes a not-so-hidden sub current that runs throughout LOC. The book itself, however, is not a „fascist“ tract in the strict sense of the term, in part because Moynihan co-wrote the book with Didrik Saderlind, a former music critic for a mainstream Norwegian paper who is now an editor at Playboy. Moreover, Feral House editor Adam Parfrey clearly wanted to publish a popular book on the strange universe of black metal rather than a political polemic. Nor does Moynihan himself fit easily into the more conventional definitions of fascism. LOC is best characterized as a palimpsest with the author’s own political ideology at work just’ below the surface of a text ostensibly devoted solely to analyzing an extremist musical sub-culture.

THE ABRAXAS AXIS
Michael Moynihan is an interesting fellow. Some might argue that he is actually three people -„Michael Jenkins,“ „Michael Moynihan Jenkins,“ and „Michael Jenkins Moynihan“ – since all three monikers have graced his projects. In 1989 the youthful Bostonian joined forces with the San Francisco-based Abraxas Foundation, which he described as an „occultist-fascist think tank“ linked to the Church of Satan. Moynihan dubbed his own wing of the Abraxas Foundation „Axis Sanguinaries“ [Blood Axis) because:


It is the key fluid of history…

Blood can be seen as LIFE, and at the same time it can be equated to DEATH. It is essential to violence in almost all instances. It has powerful sexual connotations. It is the key fluid of history… [Axis]. highlights the genetic aspect of blood, bound together in the will of a people or race. It describes allies of mind and blood, mobilized for total warfare. It also reiterates the pivotal nature of blood in human existence, both personal and world-historic.

According to some reports, Moynihan’s blood fetish included drinking (non AIDS-infected) blood. He was also suspected of setting fire to a manger scene on the Cambridge Commons, just across from Harvard University, in 1987. A note left by the firebug at the smoky scene the day after Christmas asked: „How many more fires before you realize your gods are dead? DEAD!“

As for the Abraxas Foundation, it was founded by another blood fetishist named Boyd Rice in 1984. The name came from Abraxas, a Gnostic deity that combined within itself the forces of light and dark-ness, good and evil. Rice hoped that his foundation would help create „a new demographic of people who are into the occult, Fascism, and Social Darwinism. It’s out there as an alternative for kids who are growing up and need that information.“

Both Rice and Moynihan came out of the „industrial“ music scene. Rice, who calls his musical project NON, released his first self-produced „noise music“ Black Album in the late 1970s. As for Moynihan, he created his own one-man „power electronics“ group called Coup De Grace in 1984. In the summer of 1989 Rice invited him to come to Japan, where Rice was doing a NON tour. That same year Moynihan renamed his project Blood Axis.

THROBBING GRISTLE
And then you have hypocritical people who use this kind of [total-itarian/fascist] imagery and then claim they’re against all the things they’re singing about which has always bothered me…they’re using these fascistic, totalitarian, disciplined tactics and there’s an inherent irony in that. The people in these bands use this incredible level of violence, and yet claim they’re in favor of peace and are opposed to violence. What I liked about the black metal people that I saw right away was that they seemed totally unhypocritical…Because you’ll see these other bands like TG [Throbbing Gristle] who were also in a lot of ways using really violent imagery and ultimately you have someone like Genesis P-Orridge being some hippie, flower child in reality. – Michael Moynihan

The chain of events that led Moynihan and Rice to an eccentric and avant-garde form of cultural fascism that would have made Hitler himself apoplectic began in the „industrial culture“ movement of the late 1970s, and particularly with the seminal British industrial band Throbbing Gristle (TG). Boyd Rice and TG played together at Rice’s first London concert in 1978, and then again later in Berlin. TG’s Industrial Records even agreed to release a Boyd Rice LP before he signed up with Mute. TG and Rice were also lauded by Re/Search in its influential 1983 „Industrial Culture“ issue.

TG’s most important member, „Genesis P-Orridge“ (a pun on General Post Office),legally changed his name from Neil Megson after becoming active in the mail art movement of the early 1970s. He also did extreme performance art with his then-girlfriend „Cosey Fanni Tutti“ under the name C0UM Transmissions. Their shows incorporated whipping, self-mutilation, masturbation, enemas, and vomiting. C0UM Transmissions lasted until 1976 when GPO, Cosey, and their friend „Sleazy“ (Peter Christopherson, who had joined COUM in its last year) created TG with electronics wiz Chris Carter to reach a broader audience.

Boyd Rice recalled that when he and GPO first met in London in 1978:

I played Gen an early NON concert tape and he played me an early T.G. tape. We both agreed that there were some amazing similarities not only in the musical (if you can call it that) direction we were exploring, but also on a personal level – a lot of shared interests. I had no idea what T.G. was when I went around to look up Gen, all I knew is that he was an artist who was very into Manson and Hitler. Back then. NO ONE was into that sort of thing…In those days. Gen still wore swastikas and would tell anyone who’d listen (and many that wouldn’t) what a great guy Hitler was. Uncle Adolf he called him. But that was a long time ago.

GPO’s interest in Hitler was not unique. British punks often incorporated swastika imagery and Malcolm McLaren’s Sex boutique sold Nazi symbols side-by-side with S/M and fetish gear. More than just a cheap shock, the swastika deliberately mocked the ideals of the 1960s, the era of long hair, free love, and flower power.

Nor could English swastika wearers be completely oblivious to the fact that the racial populist National Front (NF) was then polling at an all-time high. The NF took 18.5% of the vote in the Leicester by-election in the summer of 1976, and it appeared likely that it would win its first seat in the House of Commons from the Hackney section of east London. To the aesthetically rigid NF and its „John Bull“ allies in the neo-skinhead/soccer hooligan scene, however, punk was too mockingly anti-patriotic and nihilist, just one more symptom of England’s sad decline.

TG, the linchpin of the post-punk „industrial“ turn, dressed in camouflage gear decorated with an SS-looking lightning bolt patch, and issued songs like „Zyklon B Zombie“ and „Salon Kitty“ (named after an SS-run brothel in Berlin). The cover for the TG song „Discipline“ on Fetish Records showed the group outside the former Nazi Ministry of Propaganda building in Berlin. TG called their Hackney-based recording studio the Death Factory, and its Industrial Records logo was an unidentified picture of Auschwitz. Many punks despised TG as misogynist „death art“ fascists. At a 6 July 1978 con-cert at the London Film Co-op (where Boyd Rice also appeared), a fight even broke out between TG and members of the Rock Against Racism-allied bands the Slits and the Raincoats.

T(ECH)G(NOSIS)
TG’s fascination with violent totalitarian imagery, however, had its roots not in politics but in industrial culture. At a time when disco celebrated the body, sensuality, and mindless pleasure, industrial culture had an almost Gnostic contempt for the flesh. Believing that rock music had turned into yet another pop culture narcotic, TG’s sound was deliberately abrasive. The Beatles pro-claimed: „All you need is love.“ TG mockingly defined its sonic assault mission as „Entertainment through pain.“

Beginning with Lou Reed’s „Metal Machine Music“, industrial culture demanded sounds that screamed about meaningless life lived inside concrete boxes in decaying cities. Like the Futurists of the early 1900s, it was obsessed with the tradition-smashing technological wonders of modem life – the roar of jet engines, the wail of air-raid sirens, and the screech and sparks of subway cars all served as sources of aural inspiration. Cosey Fanni Tutti later recalled that for TG industrial „wasn’t just [about] the music. It was a philosophy. It was a serious-ness of what life is about. That has nothing to do with what is called industrial now. It was so anti-music to call something industrial.“ Unlike their optimistic and Utopian Futurist forebears, however, TG and their fans were filled with pessimism about the future.

These dystopian British „industrialists“ saw mass consumer society, the Situationist „society of the spectacle,“ as -to quote from Guy Debord – a „permanent opium war“ that reduced all who were trapped inside it to docile sleepwalkers. To anyone who wanted to break the stranglehold of media high priests over the imagination, providing „entertainment“ was viewed as collaboration with the enemy. The artist’s mission was to short-circuit the psychic control machine by breaking cultural and social taboos. For just this reason, TG also toured with bands like SPK, whose live performances included eating raw brains from recently opened sheep skulls.

The industrialist fascination with taboo breakers extended to charismatic leaders like Hitler and Manson, who became iconic figures in a world where evil, was more real than good, and hate more strong than love. Yet because they, like the Marquis de Sade before them, were also fearless disrupters of middle-class morality, a Hitler or Manson were also, in a sense, perverse role models. The sheer bleakness of industrial culture also provided fertile ground for future misanthropy. If evil was more powerful than good, evil was also more natural. In a truly Hobbesian world the Social Darwinists and the Malthusians were right when they argued that only the strong could and should survive.

„COUNTERCULTURAL FASCISM“ AND THE RADICAL EVOLANS
The sense of despair felt by industrial culture was not unique. A similar heroic/pessimistic worldview appeared in Europe after World War I. In the early 1920s there arose what I shall call „counter-cultural fascism.“ More a sensibility than a movement, it fused Friedrich Nietzsche’s idea of the individual will-to-power and his contempt for middle-class morality with Oswald Spengler’s belief in the imminent downfall of the West. Artists like Futurist founder Filippo Marinetti, Ezra Pound, Gabrieie D’Annunzio, and Ernst Jiinger viewed traditional forms of conservatism with the same contempt that they felt for social democracy, rationalism, and the Enlightenment. While GPO was not really a counterculturat fascist, TG stood on the cusp of a revival of a „counter cultural fascist“ turn in segments of haule bohemia.


„Herbert Marcuse“ of the postwar European far right.

Another set of ideas associated with the Abraxas network had earlier been promoted by a radical Italian fascist named Franco Freda. Freda, who advocated a combined right-and left-wing terrorist assault on the middle class Establishment, first outlined his ideas at a 1969 meeting of the far-right European Revolutionary Front in Regensburg, Bavaria. In his talk, which was later published as La disintegrazione del sistema [The Disintegration of the System], Freda argued that the „nervous system of the bourgeois world“ had to be disrupted with utmost violence by far right „political soldiers“ working in an alliance with the far left.

Freda derived essential parts of his strategy from the Italian conservative revolutionary theorist Julius Evola, the „Herbert Marcuse“ of the postwar European far right. Evola argued in books like Cavalcare la tigre (Riding the Tiger) that the total collapse of modern mass society was something to be welcomed, not resisted. Radical Evolans like Freda believed that violent shocks to the system could only hasten the inevitable collapse of the hated modern order.

OVER THE TOPY
GPO chose art and music, not pistols and plastic explosives, as his „aesthetic terrorist“ weapons. He declared that he and his supporters were „waging war on mass culture. That’s our job. The bottom line is to always keep destroying the status quo.“ In his continual quest for cultural electroshock, he had no qualms about making inflammatory statements. In his article „Giftgas“, for example, he wrote:

When you kill someone, you affirm your own existence. You heighten your perceptions… Killing puts your social intentions into perspective. If you can kill some-one with the correct altitude, you can do anything. You realize the hidden fear of retribution which has informed every action.

Such ideas were later to be reprised by the countercultural fascist milieu within which Michael Moynihan operated.

TG split up in the summer of 1981. CPO and Sleazy then formed the music group Psychic TV along with the Temple of Psychic Youth (TOPY). GPO’s idea for TOPY came from one of his heroes, Aleister Crowley. Crowley, a British sex magician dubbed „The Most Evil Man in the World“ by the tabloid press, led a purported magical order called the Ordo Templis Orientis [OTO). He used drugs, ritual magic, sadomasochistic sex, homosexuality, and anything else he could think of in order to magically transform his and his followers‘ mundane consciousness, GPO saw TOPY as an aesthetic/magical/paramilitary/political order, a new improved OTO. TOPY also fetishized Charles Manson, Jim Jones, the Process Church, and Adolf Hitler, whom GPO viewed as a powerful magician not unlike himself:

I mean, at least somebody like Hitler had vision! And did some-thing pretty exciting…you can maximize the chance of things happening if you have a vision. And I think that’s what happens with people like Hitler…they apply the forces of magick without understanding all of them…But that’s how someone like Hitler could get so much done in ten years. He kind of went from cavalry to space travel in ten years! …So he was applying the laws of magick completely, but he was misapplying them, because he wasn’t genuinely concerned with everybody else. And that’s where the big break comes…Basically he was probably very much like we are, bat he chose the political arena. And when you choose the political arena…very weird things happen, because it’s on such a scale that you can’t control it – That’s why I’m interested in the individual and not the mass. And precisely why I’ve been interested in the individual is anti-fascist. And it’s always accused of being fascist, and I always think that the mass is what is fascist – mass movements and mass systems of thought.

TOPY was also meant to act as a seed crystal for a rejuvenated youth culture. GPO, however, always remained an „aesthetic terrorist.“ Moynihan was in a way right when he lambasted GPO as „some hippie, flower child in reality“ because, for all his excess, GPO saw his project as anti-fascist. Boyd Rice, however, clearly took a page from GPO’s idea of an aesthetic/political order when he formed Abraxas.

CRUEL COOL
Imaginary evil is romantic and varied; real evil is gloomy, monotonous, barren, boring. Imaginary good is boring; real good is always new, marvelous, intoxicating. – Simone Weil

Industrial culture in the United States never attained the brooding complexity of its British cousin. In America it remains jumbled up with a salmagundi of styles that include John Waters‘ consciously anti-political „trash aesthetics,“ slasher movie Grand Guignol, and the deconstruction of highbrow academia by Parisian postmodernism. The French invasion was closely tied to the cultural left through intellectual icons like Michel Foucault. Unlike the bleak British industrialists, transgressive leftist „art workers“ like Karen Finley wanted to epater les bourgeois and promote good causes like feminism and gay liberation.

Since all good transgressives used drugs, liked porn, and despised „middle America,“ Norman Rockwell, Jesse Helms, and Pat Robertson, a natural alliance existed between the West Side liberals at MOMA and the downtown avant-garde at La Mama. Small group of mostly straight white male scenesters, however, used transgressive tactics to attack what they saw as the therapeutic left’s hegemony over bohemia. Unapologetic bad boys in search of an aesthetic that couldn’t be co-opted, they turned to cult leaders like Manson and Jim Jones, serial killers like John Wayne Gacy, violent images of deformed or dismembered bodies, weird conspiracy theories from the far left and far right, UFO abduction tracts, and hate rants by black nationalists and Klansmen.

Some wanted to “épater les communists” because they believed that artists should not live in a world of self-imposed censorship for fear of violating every leftist and feminist dogma de jour. There was also the fear that bohemia, long a bad boy Shangri-La for sex, drugs, and rock ’n roll, was turning into a therapeutic „No Smoking“ zone. And what better „in-your-face“ way to say „fuck you“ to the sissies, parlor pinks, and Feminazis than to play the ace card of transgression-aesthetic fascism.

EXIT
The new hip regime of mean was exemplified by the infamous Los Angeles Amok catalog. Amok Press‘ bestseller Apocalypse Culture, a collection of rants, raves, conspiracy theories, and aesthetic terrorist tracts, was another key text. Adam Parfrey, owner of Amok and later Feral House, first entered the scene in 1980 with IDEA, a southern California-based Re/Search-type journal about punk culture. He then moved to New York where he met the art designer George Petros. Parfrey also became friends with Joe Coteman, a painter and performance artist once famous for biting the heads off live mice and blowing himself up on stage.

In 1984 Parfrey and Petros created Exit, a New York-based journal heavy on graphic design. Exit also drew on contributions from „Cinema of Transgression“ film makers Richard Kern, Nick Zedd, and actress/musician Lydia Lunch, as well as from artists and musicians like Joe Culeman, Jim Thirlwell (Foetus), Genesis P-Orridge, and Boyd Rice. Exit even included drawings by convicted murderers Mark David Chapman, John Wayne Gacy, Charles Manson, and the „Night Stalker“ Richard Ramirez. It used strong psychedelic-like designs, cartoons, totalitarian agitprop images, photos of Hitler, and John Heartfield-style collages to punch outraged readers in the eye.

Parfrey worked with Petros on the first three issues of Exit before leaving to create Amok Press. Once a success de scandale. Exit’s increasing fascination with fascism doomed it to just six issues. Issue five, for example, featured a particularly rancid piece of anti-Semitism entitled the „Execution of Carl Jung“, which was „conceived by George Petros“ with „text researched by Robert N. Taylor,“ a former paramilitary Minuteman leader turned racial Odinist. The final 1994 Exit included contributions from Michael Moynihan and James Mason, an American Nazi whose book Siege was published by Moynihan, While producing Exit, Petros also served as an editor at Seconds, an eclectic New York-based music magazine that Moynihan, Rice, and Parfrey regularly write for.

ENTER SATAN
The new glorification of the instinctual and the barbaric, the belief in the survival of the fittest, and the hatred of both Christian morality and liberal humanism were all music to the ears of Anton LaVey, the founder and head of the San Francisco-based Church of Satan. Not surprisingly, Boyd Rice developed close ties with LaVey in the early 1980s. In 1984, Rice set up the Abraxas Foundation as a „social Darwinist think tank.“ An Abraxas tract called WAKE pro-claimed „Long Live Death!“ and hailed Malthusianism as „Nature’s Eternal Fascism.“ (The Church of Satan also maintained close ties to TOPY. ) Today Rice is himself a member of the Church’s governing inner circle, the Council of Nine. He also conducted the last interview with LaVey for Seconds prior to LaVey’s death on 29 October 1997.

LaVey, who is often only seen as just a libertarian maverick, called for a new kind of fascism in a 1994 interview with Michael Moynihan in Seconds, Moynihan’s essay, „The Faustian Spirit of Fascism,“ was also published in the Church of Satan’s magazine, The Black Flame. LaVey even contributed an introduction to a new edition of „Ragnar Redbeard’s“ Might Is Right, a Nietxschean and Social Darwinist tract first published in 1896 which LaVey had liberally plagiarized in his own book. The Satanic Bible. The editor of the new edition of Might is Right is listed as Katja Lane. She is the wife of David Lane, an Odinist leader of the high-profile far right paramilitary group called the Order, who is now serving a life sentence for conspiring to murder a Denver radio personality named Alan Berg.

The author of Might’s after word is, arguably, even more „devilish“ than LaVey. He is none other than George Hawthorne, head of the white racist musical group RaHoWa (Racial Holy War) and founder of Resistance Records, whom Michael Moynihan interviewed for Seconds and The Black Flame. Moynihan is also thanked in the new edition of Might Is Right for helping make the book possible.

MANSON/MASON
In the mid-1980s Adam Parfrey formed Amok Press, the precursor to Feral House, with Ken Swezey of the Amok catalog. Amok’s first book, Michael, was an English translation of Nazi Propaganda Minister Joseph Goebbels‘ sole novel. Parfrey’s next book. Apocalypse Culture was followed in 1988 by The Manson File, which was edited by Nikolas Schreck (the boyfriend of LaVey’s daughter Zeena) in collaboration with Boyd Rice and others. Rice regularly visited Manson, and even campaigned to get him released from jail through an Abraxas spin-off called the Friends of Justice.

Via Manson, the Abraxas circle came into contact with James Mason, a former member of George Lincoln Rockwell’s American Nazi Party (ANP) and the eccentric head of the National Socialist Liberation Front (NSLF). Mason had established contact with Manson in the early 1980s through an NSLF member named Perry „Red“ Warthan. Warthan later murdered a 17-year-old high school student in Oroville, California, because the boy told police that Warthan had been distributing racist literature.

In the late 1980s Rice got into hot water due to his friendship with Robert Heick (aka „Bob Blitz“), Heick is the leader of a skinhead group called American Front that once attacked the San Francisco anarchist bookstore Bound Together Although he denied having any political ties to Heick, the growing unpopularity of Abraxas in San Francisco led Rice to decamp to Denver, Colorado.

As for Parfrey, he first moved his publishing operation from New York to Los Angeles. After the LA riots, he reLOCated to Portland and then returned south to Venice, California. While in Portland, Parfrey (whose own mother is Jewish) hired the late Keith Stimely, an openly gay former editor of the journal of the Institute for Historical Review, the world’s leading HoLOCaust-denial outfit, to write Feral House press releases. Stimely’s name also appeared on a leaflet, along with that of Moynihan and Portland artist Diabolos Rex, as part of a Boyd Rice/NON „Total War“ performance in that city.

SIEGE
Michael Moynihan was Boyd Rice’s Denver roommate in 1991. That summer their apartment was visited by men who first said they wanted to talk to Moynihan because, as he later recalled, „they believed 1 had witnessed the murder ‚of a black man.'“ The visitors, who turned out to be Secret Service agents, next accused the stunned Moynihan of plotting with some Manson followers to assassinate then-President George Bush during a visit to Denver!

One year later, Moynihan was more preoccupied by literary than legal matters. His Denver-based Storm Press published Siege, a 400-page anthology of the writings of James Mason, the Nazi fan of Charles Manson. In his acknowledgments, Moynihan („Michael M. Jenkins“) thanked (among others) both Adam Parfrey and Anton LaVey • for their help in facilitating Siege’s publication.

Mason argued in Siege that National Socialism had lost its violent, revolutionary edge. „We want to see crime and chaos rise to such a degree where the System becomes no longer viable and falls apart,“ he wrote. In a tract called „Smashing the Pig System,“ he growled: „If a bunch of Black Nationalists rob a Brinks truck, if they kill some System Pigs, WHO CARES??!!“

Siege also paid homage to white racist „lone wolf“ assassins like Mason’s former ANP colleague Joseph Franklin, who specialized in shooting interracial couples („race traitors“); and James Huberty, who massacred a largely Hispanic clientele at a McDonald’s restaurant in San Diego. Mason felt that the lone wolves were merely expressing healthy „Viking berserker rage“ against „Big Brother.“ He especially liked the fact that, since they acted alone, these lone wolves were very difficult to catch. Siege also glorified Charles Manson. Mason even created a Manson-inspired successor group to the NSLF called the Universal Order in an effort to transcend the traditional „left-right spectrum.“

In his introduction to Siege, Moynihan also highlighted Mason’s call for a unity of extremes against the System:

AC this point in history there were no such things as „innocent bystanders.“ The degeneration and decline of the West had long since passed the point where such ideas had any meaning. Now it all boiled down to whether you were working „for“ or „against“ the System, and anything which helped further augment instability in society – no matter what comer it came from, or what „opposing“ (i.e.. Left Wing or Marxist) group might be responsible. The break with conservatism and „Right-Wingism“ (the categories most people invariably believe Nazism falls into) had now been made once and for all…Mason will reiterate that he wishes the best of luck to anyone willing to attack the System head-on.

For all its crudeness, Siege echoed Franco Freda’s radical Evolan call for total social disruption in La disintegrazione del sistema. Storm also plans to issue the first English translation of Evola’s 1953 book, Gli uomini e Ie Rovine (Men Among the Ruins).

In August 1993, one year after Siege was published. Varg Vikernes murdered Euronymous. Although Moynihan was not a black metalist, the lure of Norway’s new Charles Manson was too much to resist since

Varg Vikemes serves the rote of a pariah and heretic (o Norwegians, similar on a number of levels to that of Charles Manson in America. Both profess a radical ideology at odds with, and at times unintelligible to the average citizen. Both insist they have done nothing wrong. Both espouse a revolutionary attitude with strong racial overtones. Both have become media bogeymen in their respective countries, and both knowingly contribute to their own mythicization. Both also under-stand well the inherent archetypical power of symbols and names – especially those they adopt for themselves.

BOMBING BLITZ HOUSE
In LOC Moynihan suggests that Vikernes is an avatar of a long-repressed Odinist archetype analogous to what -lung claimed for Nazi Germany in his famous 1936 essay on Wotan. Moynihan clearly believes in racial archetypes and told Ohm CLOCk: „racial achievements are distinctive between different races and I think that culture is based on race. I don’t understand why it’s a taboo topic to discuss.“

In LOC Moynihan relies upon „Kadmon,“ editor of a Vienna-based journal called Aorta, to bolster the racial archetype thesis. Kadmon argues that Norwegian black metalists are modern day examples of an ancient martial/mystical band of Werewolf-like „berserker“ warriors known as the Oskorei. No disinterested scholar, Kadmon is also a political supporter of Vikernes as well as Moynihan’s collaborator. His band Allerseelen, for example, put out a joint CD with Moynihan’s group Blood Axis. A blood fetishist, Kadmon named his journal Aorta because it is „a blood-red cycle. In Aorta there is my blood. The blood of the poet, the blood of the magician, the blood of the warrior.“ Kadmon also devoted one issue of Aorta to „the Odinist Norwegian composer Varg Vikernes…who is currently in prison due to his Viking ethics.“

But should Odin take the rap for Vikernes‘ „Viking ethics“? LOC offers strong evidence that Vikernes, who came from a divorced family and was raised by his mother Lene Bore, was a fascist well before he became a metalhead. Vikernes reports that his mother „was actually afraid that I was going to come home with a black girl! She’s very race-conscious…She could just as well be my friend as she is my mother.“ He also said about his acts:

It’s not a rebellion against my parents or something, it’s serious. My mother totally agrees with it. She doesn’t mind if someone bums a church down. She hates the church quite a lot.

Few doubt the truth of Vikemes‘ remarks, especially after Lene Bore was arrested in 1997 for giving close to $20,000 to a neo-Nazi clique that wanted to break her son out of jail. Her racialism clearly affected her son who „insists his racial/nationalist feelings have been present since childhood.“ Vikernes also said: „I was a skinhead when I was 15 or 16. Nobody knows that. People say that I suddenly became a Nazi, but I was actually a skinhead back then. It was in waves -in 91′ I was into occultism, in „92 Satanism, in 93′ mythology and so on, in waves.“

Vikernes recalled that when he was a skinhead, „there were these Punks – that was more the reason I went over to the other side. But of course the main reason is weapons: German SS helmets, Schmeizers [sic] and Mausers and all these weapons. That’s what they shot the British and Americans with, great – we hated British and Americans.“ In January 1993, some months before his murder of Euronymous and at a time when Vikernes wasn’t openly identified with fascism, a photo taken in his apartment displayed his Nazi memorabilia.

Given how much valuable information LOC does present, it is some-what incredible that the book fails to note that at the time that Vikernes murdered Euronymous, he was also planning to destroy an Oslo-based punk anti-fascist squat called Blitz House. After his arrest for murder, the police discovered that he had about 330 pounds of stolen dynamite in his possession. Vikernes may have felt that he had no choice but to kill Euronymous before bombing Blitz House because „the Communist“ would almost certainly have opposed such an act- Recall in this context that Vikernes also claimed that Euronymous had been plotting to have him killed- It may well be true that Vikernes really did murder Euronymous for petty personal reasons. By refusing to even mention Blitz House, however, LOC glides over another potentially highly relevant motive.

LOC also ignores another obvious cultural influence on Vikernes, the Abraxas network’s glorification of killers like Charles Manson! Vikernes‘ home town, Bergen, is also home to Jan Bruun’s Hypertonia World Enterprises. Bruun is a major distributor of Charles Manson memorabilia like „Watching Satan -the Legacy of Charles Manson-“ He knows Moynihan and interviewed him for an Italian journal aptly named Healter Skelter. Moynihan also thanks Bruun, an avowed social Darwinist and Malthusian, in the acknowledgements to LOC. It seems almost impossible to believe that Vikernes would not have known about Hypertonia World Enterprises, especially since Bruun was in contact with Euronymous and even sold Mayhem LPs.

THE ASATRU CONNECTION
Despite his use of Kadmon’s theories, Moynihan claims in LOC that „there is absolutely no specific connection“ between practitioners of Nordic religion and the black metal scene. „In fact,“ he writes, „public assumptions that such a link would exist have been a severe liability to these groups.“ Moynihan, however, neglects to mention that he himself is a leading member of a U.S.-based racialist „Old Norse and Germanic religion“ movement called the Asatru Alliance of Independent Kindreds (AA), which is headquartered in Arizona.

The AA evolved out of a 1960s Odinist/Nordic revival movement called the Asatrii Free Assembly. The AA faction argued that a Norse religious movement should only include people of Northern European descent. It also publishes a journal called Vor Tru which is edited by Robert Ward, the former editor of a rightist music zine called The Fifth Path. He is also almost certainly the „R, Ward“ thanked by Moynihan for his typesetting contribution to Siege. Another AA leader, „Valgard“ (Michael) Murray, was a former member of Rockwell’s American Nazi Party.

Moynihan’s close friend Robert Nicholas Taylor, who publishes an Odinist journal called The Continuing Clan, is yet another AA bigwig with a far right bio. The rightist music journal Ohm Clock reports that during „a 12-year stint as a national spokesman for the Minutemen, he [Taylor] went on to become Director of Intelligence and set up the first guerrilla training schools ever to exist in the United States.“ Taylor’s call for the racial balkanization of America, an argument associated with the late „Klanarchist“ leader Robert Miles, was also featured in the last issue of Exit.

BYE BYE BOYD
Moynihan now lives in Portland, where he moved in order to work for Feral House. He also left Colorado after a falling out with Boyd Rice. In an interview in Momentum, Moynihan announced that Blood Axis „will not ever work with Boyd Rice again, due to personal differences.“ He also told Heater Skelter: „I don’t have any contact with Boyd Rice anymore, mainly because we just went our separate ways.“

Unlike Moynihan, Rice is usually quite careful to call himself a fascist only in aesthetics and not in politics. He did, however, tell Seconds: „I think basically I am a Fascist, because I do think there is a hierarchy, and there are people that are stupid, and there are people that are clever,“ a definition so bland that it hardly does justice to the complexity of fascism as a political ideology and the extremism of fascism as a political system.

Moynihan clearly seems fed up with Rice’s bob and weave. In the Momentum interview, he groaned:

I’m sick of people saying they’re „not political,“ as I think this is a cup-out…If you’re going to espouse „fascist“ ideas, then I believe you have to accept some of the responsibility for their application in the real world; otherwise what is the point of espousing them in the first place?… Terms which are bandied about like „occult fascism“ don’t have any tangible meaning as far as I can tell, though they sound impressive.

Moynihan apparently feels that „occult fascists“ like Rice „cop out“ when they refuse to carry their „aesthetic“ agenda to its real world conclusions. For the same reason Moynihan hates black metal bands that don’t use violence because they fear it might prevent them from becoming rock stars.

THE FAR RIGHT AND BLACK METAL
True to his principles, Moynihan is quite active in the propaganda support network for Vikernes. He is, for example, a leading contributor to a rightist journal called Filosofem, which is published by a group also called Blood Axis. Filosofem is LOCated at 5 Rue Gabriel Price in Metz, France. This same address is the source of a series of pro-Vikernes leaflets which carry the name Cymophane on them. Filosofem also takes its name from a Burzum CD that Vikernes recorded in 1993 while out on bail. That CD is currently being jointly distributed by Misanthropy Records, Cymophane Productions, and Feral House Audio.

LOC also contains an interview with Kerry Bolton, a New Zealand-based Satanist who is trying to popularize fascism inside pop culture with a series of small journals like Key of Alocer, The Nexus and The Flaming Sword. His essays have also appeared in The Black Flame and Filosofem. In one of his writings Bolton even calls the Futurist (and later Fascist) Filippo Marinetti a forerunner of „Industrial Culture“. His publications also feature Moynihan, R. N. Taylor, Boyd Rice, Kadmon, and others like them.

In his interview in LOC, Bolton denounces Christianity in classic „right meets left“ jargon as:

One product of the Magian [i.e. Jewish-KC] infection of Western culture, the others being plutocracy, liberalism, globalism, egalitarianism. and so forth…Since the thrust of the present civilization in its phase of senility is towards a global plutocracy, with the plutocrats and globalists utilizing con-sumerism and multi-culturalism to break down the different nations and cultures and archetypes upon which they are based, it is fitting that „new“ forms of Satanism are emerging with a nativist heathen basis to challenge this globalism.

Bolton also leads an overtly fascist magical sect called the Black Order. The Black Order’s New Zealand address is conveniently reprinted in an illustration in LOC.

A French far rightist and OTO leader named Christian Bouchet also pops up in LOC. Along with publishing his own occult journal Thelema, Bouchet helps lead Nouvelle Resistance, a fascist „third way“ grouping whose journal Lutte du People he edits. Bouchet advocates an alliance with the far left, applauds Castro for resisting American imperialism, and praises the French nineteenth century anarchist Pierre-Joseph Proudhon. He even offered a eulogy for the German ultra-leftist Ulrike Meinhof, a leader of the terrorist Rote Armee Fraktion, RAF. Nouvelle Resistance is also behind a pro-Vikemes music fanzine called Napalm Rock, whose editor LOC interviews.

Given his own background and publicly proclaimed political’ views, it seems fairly obvious that Moynihan would not be terribly distraught if a new wave of „berserker youth“ chose to follow in Vikernes‘ path – regardless of whether or not he holds the Count’s most extreme political statements in high regard. Although Vikemes was later ostracized for killing Euronymous, LOC claims that black metalists who act out their violent fantasies gain „a perverse form of credibility over the bands who merely sing and dream of empty morbid fantasies.“ Speaking to Ohm Clock, Moynihan was even more explicit:

I would see these forms of music and expression talk about violence, people who were clearly obsessed with violence, but never would actually go out and do what they were talking about. They never take the logical step…If you’re going to sing songs or record entire records about killing people then after a while it gets silly when it’s just fantasy. I think that’s why a lot of the death metal stuff got really cartoonish and stupid. Then the black metal phenomenon superseded death metal and basically wiped it off the map. They actually did some-thing more than just release records for their friends to buy. The others had been doing a disservice to themselves by not actually going out and committing the act.

For much the same reason LOC highlights non-black metal killers like Florida’s Lords of Chaos or the teenager in France who stabbed an elderly Catholic priest to death. They too are part of the fiery youth of the future, in whom „rebellious embers grow brighter.“

CONCLUSION
Lords of Chaos contains a good deal of fascinating information about both black metal and cultural fascism. But does it all add up? While one could persuasively argue that church burnings per se might well arise from black metal’s dime store satanic ethos, LOC’s musings about fascism and black metal largely hang on a thin evidentiary thread, Varg Vikemes. Yet when Moynihan replaces his steel helmet with a reporter’s fedora, LOC shows that Vikemes had been a far rightist well before he became a black metalist. After his murder of Euronymous, Vikemes lost almost all his credibility in a scene where the old timers still mourn for the „Prince of Death“.

LOC gives an especially clear, even restrained, summary of its core thesis in the following paragraph:

There are many divergent political views found across the spectrum of Black Metal musicians and fans (the communism of Euronymous provides a prime example of some-one taking leftism to its utmost extreme), but no one will deny that right wing attitudes have become a natural extension of the interests of some involved.

But just how many black metal „fascists“ are there? Ten? One Hundred? One Thousand? LOC doesn’t tell us. And are these unnamed fascists the natural children of black metal? For all its cleverness in seeking to portray Varg Vikemes as the Charles Manson of the Marilyn Manson Gen-generation, LOC fails to make a convincing case that black metal and fascism walk hand in hand.

LOC may even get the story of Norwegian black metal backwards. There really was a small clique of black metal Satanists whom Euronymous dominated. Vikemes made his mark in the scene by torching a church, an act so extreme that Euronymous had little choice but to go along or be revealed as a con man or a coward. After Vikernes killed Euronymous -for whatever reason- the subsequent wave of arrests decimated the underground. Nor did massive press coverage spawn a new wave of Vikemes copycats. The exact opposite seems to have occurred: a poseur takeover by would-be rock stars blathering about Satan. Far from symbolizing black metal’s metamorphosis from guitars to gasoline, Vikemes actually helped to rob black metal of its dark soul. Since then, it has largely been just show biz and record deals.

Since Euronymous‘ murder still haunts Norway’s metal scene, it seems appropriate to give the last word to „Son of Satan,“ who writes in the most recent Slayer:

Welcome to Norway, the Black Metal center of the world. Never has such a small country spawned such a big amount of bands in a somewhat limited genre. Yeah, that’s cool…or is it? The scene is unique and so on, but there is a but… Shouldn’t there be something more? Shouldn’t also Black Metal be extreme? Something went wrong somewhere. In between all bands signing to major labels I think something disappeared. There is [sic] not many in Norway who puts [sic] Satanism before Black Metal in our scene…Everyone has his or her definition of Satanism but at least you can say the extremity is gone. I think many just dress in black because everyone else does it, wearing pentagrams without knowing its potential danger… But nothing is really happening in Norway now as in regard to anti-Christian action. People say that there will be no more church fires which of course is a sad thing. No matter what, the church burnings were great. Even if it didn’t really help in the war against Christianity I thought it was a great thing. A hail to those who committed those deeds. But nothing like that happens now; there is not even proper violence. Everything is so nice up here.

Credits:
The absolutely fantastic pictures were taken from the band Gorgoroth, photographed by Peter Beste. The band Gorgoroth is NOT mentioned in that report. The pictures were chosen only for illustratative reasons.

Notes:
There is an enormous scholarly an. popular literature on fascism, but much of it is sadly deficient. The best general history of fascism is undoubtedly that of Stanley Payne, A History of Fascism, 1914-1945 (Madison: University of Wisconsin. 1995). For the best introductions to „classical“ fascist ideology, see Eugen Weber, Varieties of Fascism: Doctrines of Revolution in the Twentieth Century (New York: Van Nostrand Reinhold, 1964); the many studies by Israeli scholar Zeev Stemhell, including ‚Fascist Ideology“, in Fascism: A Reader’s Guide, ed. by Walter Laquew (Berkeley: University of California, 1976), La droite révolutionnaire, 1885-1914: Les engines françaises du Fascisme (Parts: Seuil, 1978), and Ni gauche, ni droite: L’ideologie fasciste en France (Paris: Seuil. 1983); Emilio Gentile. Le origini dell’ideologia fascista, 1919-1925 (Ban: Laterza, 1975); and A. James Gregor, The Ideology of Fascism: The Rationale for Totalitarianism (New York: Free Press. 1969). All of these works rightly emphasize the left-wing and anti-capitalist features intrinsic to fascist ideology, especially in its earlier ‚movement phase“. Far more on these elements, com-pare Paul Mazgaj, The Action Francaise and Revolutinary Syndicalism (Chapel Hill: University of Horth Carolina, 1979); David D. Roberts, The Syndicalist Tradition and Italian Fascism (Chapel Hill: University of North Carolina, 1979); Remo De Felice, Mussolini il rivoluzionario (Turin: Einaudi, 1965), the first of many volumes of De Felice’s comprehensive biography of Mussolini; Reinhard Kühnl, Die nationalsozialistische Linke, 1925-1930: Eine Untersuchung über Geschichte, Struktur, und Ideologie der Strasser-Gruppe (Meisenheim: Hain, 1966); Patrick Moreau, Nationalsozialismus von links: Die „Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten“ und die „Schwarze Front“ Otto Strassers, 1930-1935 (‚Stuttgart: Deutsche, 1985); and Rainer Zitelmann, Hitler: Selbstverständnis eines Revolutionärs (Stuttgart: Klett-Cotta. 1990).

Needless to say, the term ‚fascist“ has nowadays become a general epithet used by all sorts of people to smear their political and ideological opponents, so much so that its actual meaning has become hopelessly corrupted and confused and it has been trans-formed into a virtual synonym for absolute ‚evil“, not to mention authoritarianism, genocide, and militarism. (Why the same fate has not befallen the word ‚communist“, a political ideology and system which shares many of the same characteristics and has been responsible for an equal measure of human misery and even more genocidal murders, is a subject worthy of serious study.) Far good surveys of the contemporary Euro-American radical right see Paul Hainsworth. ed.. The Extreme Right in Europe and the USA (New York: St. Martin’s, 1992); Ludano Cheles & others, eds.. The Far Right In Western and Eastern Europe (New York Longman. 1995); and Jeffrey Kaplan & Leonard Weinberg, The Emergence of a Euro-American Radical Right (New Brunswick Rutgers University. 1998).

For an introduction to Julius Evola’s thought, see Richard Drake. ‚Julius Evola and the Ideological Origins of the Radical Right in Contemporary Italy“, in Political Violence and Terror: Motifs and Motivations, ed. by Peter Merki (Berkeley: University of California, 1987), pp. 61-89: and Franco Fenwesi. Threats to Democracy: The Radical Right in Italy after the War (Princeton: Princeton University, 1996), pp. 43-50. For contemporary Far the continental European neo-pagan, anti-American, and ‚metapolitical“ New Right (i.e., the Nouvelle Droite) -which must be carefully distinguished from the conservative, pro-free market Anglo-American New Right- see especially Pierre-André Taguieff, Sur la Nouvelle Droite: Jalons d’une analyse critique (flans: Descartes, 1994).

This Article first appeared at the Print Magazine HITLIST
February/March 1999, Volume one, Number one, Berkeley CA, USA &
Oraclesyndicate.org

PDF Print Version: how black is black metal1 (pdf)
Kevin Coogan is the Autor of: Dreamer of the Day: Francis Parker Yockey and the Postwar Fascist International

kultur

…und ging des Weges.

Stephan Fuchs – Meine Vermutung einen sterbenden Dinosaurier anzutreffen hat sich nicht bestätigt. Christoph Balmer, noch Betriebsleiter der Kulturhallen Dampfzentrale in Bern ist ruhig, gelassen und zuversichtlich. Im Gespräch mit ihm lässt sich sogar heraushören, dass Begeisterung aufkommt. Dann, wenn sich für ihn die Dampftüren Ende April zum letzten Mal schliessen werden.


Balmer ohne Groll

Ich bin doch kurz irritiert. Wie kann ein Mann, der 12 Jahre Kultur veranstaltet hat und meines Erachtens öffentlich skandalös demontiert wurde, keinen Groll haben? Ist es möglich, dass ich mich mehr geärgert habe als Balmer? Vielleicht nicht, aber offensichtlich hat Balmer einen besseren Charakter als ich. «Ich habe überhaupt keinen Grund meine 12 jährige Dampfgeschichte mit Groll oder gar einem gebrochenen Rücken zu beenden» sagt er in einem ruhigen überlegten Ton. Christoph Balmer ist nicht einer der den Hampelmann spielt, ist nicht einer der auf dem Ego Trip segelt und sich bei jeder Gelegenheit selbst zelebrieren muss. Das unentwegte schrillen und summen seiner Telefone irritiert ihn nicht, er hört meinen Fragen zu, überlegt… das Telefon schrillt… und er gibt in zwei Sätzen eine klare Antwort. 12 Jahre Dampfzentrale machen wohl gelassen. Ich bin erstaunt, der Mann muss einen Stahlrücken haben, man sieht ihm die Jahre der Kulturarbeit nicht an.

Er, als Betriebsleiter, hat die Dampfzentrale da hin geführt wo sie jetzt vom Publikum geschätzt wird. Die öffentliche Institution ist ein Markenzeichen des kulturellen Lebens in Bern, mit einer breiten Palette an Darbietungen. «Wir bringen hier Klassik mit Experimental Groove, Schauspiel mit abstrakten Tanzvorführungen und Cybertech Sounds mit Brunch-Symphonie zusammen. Das ist eine Herausforderung, die verschiedene Sprachen voraussetzt, um den weiten Spagat zu kommunizieren. Töchter und Söhne gehen hier nach einer Veranstaltung raus, am nächsten Morgen kommen deren Eltern und geniessen ein Streichquartett. Interdisziplinär. Das Haus bringt Leute und Kulturen zusammen, die sich sonst nicht treffen. Das Haus verbindet.» Ist das tatsächlich so?

«Nein natürlich nicht!»
Es sei schwierig das Ausgehpublikum für ein Theater zu motivieren. Dann kämen die Theater Liebhaber und fänden es sei zuviel Ausgehkultur und die Klassikfreunde scheuen sich, weil die Dampfzentrale auch als Hotpot Sound Tempel gelte, meint Balmer. Tatsächlich aber ist die Dampfzentrale ein Mehrsparten-Haus, durchaus vergleichbar mit einem Stadttheater. Nur, dass die Aareluft die Kreativität zu beflügeln scheint. Balmer verneint: «Das war nicht ich. Die Leute hier sind professionell, zuverlässig und wir haben ein gut funktionierendes, eingespieltes Team. Ich muss nicht einem Stempelkissen für die Kasse nachrennen und ich muss nicht um zwei Uhr morgens kommen, um Kleingeld zu wechseln. Wir machen unsere Jobs und wir machen sie gut.»

Kultur ist gratis
Geld ist ein gutes Schlagwort, dacht ich mir, das muss ihn ins schwitzen bringen. Was sind denn all die Vorwürfe in der Presse? Geld Probleme? Balmer schwitzt nicht. «Ich bin froh, dass sie das erwähnen, das liegt mir wirklich am Herzen», meint er. «Wir haben nie ein Budget überschritten, wir haben die nötigen Finanzreserven, das Unternehmen Dampfzentrale steht auf gesunden Füssen da.» Geld ist natürlich ein Thema, denn die Dampfzentrale bekommt öffentliche Gelder und ist somit auch in öffentlicher Verantwortung stehend. Der Kulturtempel bekommt Geld von der Stadt, dem Kanton, der Burgergemeinde und aus dem Mirgros Kulturprozent und trotzdem ist die Dampfzentrale gezwungen einen relativ hohen selbstfinanzierungsgrad bereitzustellen. Kunst kostet Geld, grosse Namen kosten grosses Geld und dabei wird die Sitzplatz Kapazität verständlicherweise nicht grösser. Einerseits will man qualitativ Grossartiges zeigen, es darf aber nichts kosten. Um trotzdem die guten Namen auf hohem Niveau zu bekommen ist die Dampfzentrale somit gezwungen mehr Party Events zu machen, mit dem Resultat, dass das Haus zu einem Discotempel werden könnte, der ab und an mal eine Lesung macht. Die Situation ist paradox.

«Kann dies das Ziel sein?»
Kann nicht. «Jene die meinen Job übernehmen werden, müssen sich überlegen wie sie die Dampfzentrale positionieren wollen. Ich hoffe die Strukturreform kommt zu einem positiven Ende». Balmer hat recht, denn selbst bei Partyanlässen sind die Zeiten vorbei, als der Veranstalter einem DJ 200 Franken in die Hand drückte und er sich danach mit Geld zählen auseinander setzten konnte. «Wirtschaftsponsoren?» fragt Balmer. Ich nahm einen Schluck Bier, in der Hoffnung er möge sich selber antworten und er macht’s: «Nein! Die Wirtschaft investiert nicht mehr in die Nischenkultur, auch wenn sie sich eigentlich etabliert hat.» Er weiss wovon er spricht, Balmer hat’s versucht und er ist nicht der einzige. Die grosszügigen Sponsoring Quellen sind versiegt, doch das ist offensichtlich noch nicht in aller Munde.

WC putzen ist auch gratis
Balmer, der den Betrieb 1993 übernommen hatte, krempelte den Laden zum Güte Siegel um. Mit ihm wurde der ganze Betrieb professionalisiert. «Ohne Professionalisierung hätte die Dampfzentrale den steigenden Bedürfnissen des Publikums und den Künstlern nicht gerecht werden können. » Ich muss ihm das bestätigen: Denn die Dampfzentrale wird bei Promotern und Künstlern in ganz Europa als eine Hochangesehene Gaststätte mit kompetentem Personal geschätzt. Trotz gutem Leistungsausweis und erfolgreichen Veranstaltungen, wird ihm vorgeworfen sein Betriebskredit von 400‘000 Franken hauptsächlich in Lohnkosten verheizt zu haben. Das wären 10 Personen Entourage zu Mikrolohn. Plakataushang, Technik, Kasse, Sicherheit, WC Putzen, Licht, Backstage, Büro etc. Aufwendiger wurde die Professionalisierung 1999, als die Dampfzentrale eine eigene Haustechnik erhielt. «Eine komplexe Angelegenheit. Wir haben ein gutes System, das den Anforderungen grosser Produktionen gerecht wird. Es hat aber auch Tücken. Unser Licht ist auf 9 Meter Höhe. Stellen sie sich vor: wir können nicht verantworten, dass irgendwelche halbseidenen da mit weiss was im Kopf rumrutschen.» Wer auf Stage gearbeitet hat, der weiss wie der Schweiss trieft. «Dies soll nicht Fronarbeit sein, ganz bestimmt nicht. Meinen sie, am Sonntagmorgen, nach langer Tanznacht des Ausgehpublikums die WC Anlagen zu putzen sei lustig?» Das ist nicht lustig…

Das Ass von der Planke stossen
12 Jahre schlimmer Balmer. Offensichtlich ist man nicht zufrieden mit seinen Leistungen. Er sei nicht dynamisch, nicht engagiert, man schenke ihm kein Vertrauen. Nach zwölf Jahren, nonstop Einsatz, die meisten Wochenenden dazu, ein kläglicher Versuch einer Demontage. 12 Jahre beweisen das Gegenteil. «Windwechsel» sagt Balmer ohne Groll. «Es habe natürlich schon mit dem Weggang von Bejazz und dem Konkurs des Restaurants und der eingeleiteten Strukturreform zu tun. Wenn man jene wirklich Umsetzen will, dann ist es die richtige Entscheidung mich von der Planke zu stossen.» Und doch wurde Balmers Arbeit vorher gelobt. «Ja, natürlich, sonst wäre ich kaum 12 Jahre mit ähnlichem Produkt hier gewesen oder?» Balmer sieht sich nicht in der Rolle des Opfers. «Nein, die Opferrolle spiel ich nicht mit. Ich weiss was ich hier geleistet habe, was ich gutes gemacht und… stellen sie sich vor, ich weiss auch ganz genau was ich nicht gut gemacht habe. Klar! Ich gehe mit einem geraden Rücken und freue mich auf meine dampflose Zeit.»

Balmer schaut mich an. Ich klopf mir auf das Bein und denk: Der Kerl ist ein Ass, sein Weggang ein Verlust für die Kultur Bern.

Bild: Christoph Balmer
Foto: Pierre Marti

…und ging des Weges erschien in der April Ausgabe von ensuite kulturmagazin

Zur Dampfzentrale:
Die Kulturhallen Dampfzentrale liegen direkt an der Aare auf dem Areal des Marzilibads. Ihre Geschichte beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Elektrizitätsbedarf Berns sprunghaft anstieg und das bestehende Flusskraftwerk Matte bei geringer Wasserführung zu wenig Strom lieferte.

1904 baute der Architekt Eduard Joos, der sich zuvor mit dem Bau des Uni-Hauptgebäudes auf der Grossen Schanze einen Namen gemacht hatte, im Auftrag des Elektrizitätswerks der Stadt Bern das thermische Kraftwerk. Die kohlegefeuerte Dampfzentrale sollte diese Lastspitzen decken. Per Schiff gelangte die Kohle, die in der Brienzersee-Region abgebaut wurde, zur Dampfzentrale. Im Kesselhaus wurden die Heizkessel eingefeuert und im Turbinensaal standen die Drehstrom-Turbinen, die elektrische Energie erzeugten.

1924 wurden die Kohlenkessel durch Dieselaggregate ergänzt. 1939 wurde der Kohlebetrieb eingestellt und das weithin sichtbare Wahrzeichen der Dampfzentrale, ein 50m hoher Kamin, abgebrochen.

1973: Mit der Demontage der Dieselaggregate wurde die Dampfzentrale zur Industriebrache und mehr schlecht als recht als Lager genutzt. Nach der Stilllegung der Kraftwerkräume gab es Projekte für neue Schwimm- und Turnhallen. Die Dampfzentrale wäre abgerissen worden, wenn 1981 nicht die Denkmalpflege eingegriffen hätte.

Mitte der achtziger Jahre war das Veranstaltungsangebot der Bundesstadt äusserst bescheiden. Die freie Tanz- und Theaterszene suchte nach Auftrittsorten. Die Reitschule war verbarrikadiert, die Hüttensiedlung Zaffaraya niedergewalzt, Kulturorte wie Wasserwerk, Stufenbau, Cinématte etc. noch in den Sternen.

1986 gründeten aus dieser Notsituation heraus verschiedene kulturelle Organisationen der Stadt Bern den Verein Dampfzentrale. Mit dem Ziel, die Dampfzentrale kulturell zu nutzen, reichten sie ein Gesuch beim Gemeinderat der Stadt Bern ein.

1987: Im Mai kam es für eine Nacht zu einer inzwischen legendären Besetzung. Züri West machten darüber den Song «Hansdampf»: «D Wäut schteit uf em Chopf u dräit sech überem Parkett, 1000 Bärner dräie mit u i schtah irgendwo ir Mitti, u cha nid gloube, was i gseh.» Was Kuno Lauener 1987 nicht glauben wollte, war tatsächlich ein kleines Wunder. Denn es hätte auch anders kommen können.

19.10.87: Der bürgerliche Gemeinderat sah Handlungsbedarf und bewilligte den Versuchsbetrieb der Kulturhallen Dampfzentrale. Gleichzeitig beauftragte er das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger, ein Projekt zur Renovation und Neunutzung des geschützten Industriebaus auszuarbeiten. Im bald eingespielten Dauerprovisorium bespielte zeitgenössiche Kultur die Kraftwerkhallen.

1995: Die Dampfzentrale-Crew war hungrig und der Sandwiches überdrüssig. Es geisterten erste Ideen zum Bau eines Restaurants in den Köpfen herum, die bald konkreter und zu handfesten Plänen wurden.

1997: Im September war es soweit: Das Restaurant Dampfzentrale wurde eröffnet. Zu Beginn fanden eher wenig Menschen den Weg in die Beiz fern der ausgetrampten Pfade. Doch bald sprach sich herum, dass hier in besonderer Atmosphäre fein gespiesen werden kann. Das Restaurant ist aus der Dampfzentrale nicht mehr wegzudenken.

1997, zehn Jahre nach Aufnahme des Kulturbetriebs, sprach der Berner Stadtrat einstimmig 4.1 Mio. Franken für die Sanierung der Kulturhallen Dampfzentrale. Das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger passte das Renovationsprojekt von 1992 an und führte – in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsleiter Christoph Balmer – von September 1998 bis August 1999 die Gesamtsanierung durch. Der Kulturbetrieb war während dieser Zeit eingeschränkt, jedoch keineswegs lahm gelegt.

1999 startete die Saison in den frischen Hallen. Die Gesamtsanierung hievte die Kulturhallen Dampfzentrale in höhere Gefilde. Die Räume blieben in ihrem Charakter erhalten, die technische Infrastruktur jedoch den Bedürfnissen eines zeitgemässen Kulturbetriebs angepasst. Sichtbarste Veränderungen sind die neue Bühne mit einer Zuschauertribüne für 400 Personen im Turbinensaal und ein grosses Foyer mit Bar. Das «Foyer International» wurde dank der besonderen Atmosphäre bald zum einzigartigen Veranstaltungsort, wo häufig Konzerte, Lesungen, Dancefloors und Lounges stattfinden.

Seither ist der Kulturbetrieb in allen Dimensionen gewachsen. Derzeit arbeiten der Vorstand, bestehend aus einem 6-köpfigen KünstlerInnengremium, zehn fest Angestelle und zahlreiche freie MitarbeiterInnen und externe VeranstalterInnen für jährlich über 500 öffentliche Anlässe mit 2000-3000 beteiligten KünstlerInnen. Daneben gibt es Probelokale und Probebühnen für regionale TäterInnen.

2002 erhalten die Kulturhallen Dampfzentrale den mit 100’000 Franken dotierten Kulturpreis der Burgergemeinde Bern. Danke! Damit wird KD-Digital lanciert, ein Internet-Projekt, das den Kulturbetrieb um eine Dimension erweitert – die digitale. Auf der Internetbühne werden Bild- und Tonübertragungen von Liveanlässen ins Internet möglich und die Artmap ist ein Kunstprojekt, das die digitale und die analoge Welt verbindet.


kultur

Marcel Leemann’s Balamouk

Im Bern Ballett schlummerte ein Kokon der sich, im mittlerweile renommierten Luzerner Theater LaFourni, entpuppt hat. Das Quintett Marcel Leemann, Silvia Aure, Chantal Claret, Abigail Cowen und Peter McCoy, verbindet Energie, Perfektion, Schnelligkeit und elegante Ruhe. Sie alle waren in dieser Saison bei Félix Duméril dem mit spannendem Programm und Bravour bestandenen Direktor des Bern Ballett, zu sehen. Im gut besuchten Luzerner Theater präsentierten die fünf TänzerInnen das Stück „Balamouk“ von Marcel Leemann; Initiator, Choreograph und selber Tänzer des Quintetts.

Leemann, der bereits bei Richard Wherlock eigene Stücke choreographierte, verzeichnet eine eindeutige Steigerung in der Architektur seiner neusten Produktion. Die einzelnen Bewegungsbilder sind im neuen Stück „Balamouk“ zu abgeschlossenen Einheiten geworden, die er intelligent verknüpft und daraus eine fließende Komposition geschaffen hat. „Balamouk“ zeigt die Einfachheit des sich Treibenlassens. Das Stück versucht, die in der Tiefe versteckten Wünsche von Harmonie in der Einfachheit zu sehen, es zeigt die geglückte Reise des weitergekommenen Seins.

Mit offenen, geschmeidigen Bewegungen punktiert er den Raum, zum Teil mit fernöstlich geprägten Kampfformen, die er mit ästhetischer Leichtigkeit wieder auflöst. Seine Produktion überrascht mit Pas-de-deux und Solo Kombinationen die nicht wie sonst üblich in Konkurrenz ausgetragen werden, sondern persönliche Eigenständigkeit und Charakter beweisen. Tänzerisch, lassen sie den Zuschauer in eine Traumwelt sinken, die das Tor zur Schönheit des modernen Tanzes öffnet.

Daß der gelernte Zimmermann klare Vorstellungen hat wie Bühne, Licht und Organisation zusammenspielt, beweist er auch durch die jiddisch gewählte Musik, das dezente aber ausdrucksstarke Ausleuchten der Bühne und den vier asketisch im Raum stehenden und schwebenden Säulen. Somit lässt er dem Zuschauer Raum, symbolische Gedankenwelten entstehen zu lassen, getragen von den am Boden stehenden Tempelsäulen, „Jachin“, (er lässt feststehen) und „Booz“ (In ihm ist Kraft) und den beiden schwebenden Feuer- und Wolkensäulen die das Volk Israel durch die Wüste führten. Zumindest hat Marcel Leemann sein Quintett innerhalb einer Woche Trainingszeit nach Luzern geführt und das verdient Respekt für diese tänzerisch anspruchsvolle Produktion. Aus Leemann’s Mitte wird sicher ein Schmetterling geboren werden und man darf gespannt sein, was er 2001 in Bern zeigen wird.