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Zu Besuch im Ministerium für Wahrheit

Seit dem internationalen Krieg gegen den Terror peitschen die meisten Staaten im Eiltempo Gesetze durch, die der demokratischen Zivilgesellschaft den Boden rauben.

Die „Defense Advanced Research Projects Agency“(DARPA), die Avantgarde amerikanischer Kriegstechnologie, lässt erkennen welche hohen Ziele in der Terrorbekämpfung zu Gunsten der Freiheit aufgegeben werden. Das Projekt nennt sich „Total Information Awarness System“ TIAS. Wie das federführende „Information Awarness Office“ (IAO) andeutet, handelt es sich um ein futurologisches Projekt, das die gegenwärtigen Aufklärungssysteme in das Altenheim verabschieden wird.


Geheimdienst wittert Morgenluft

Die Meldungen des weltweiten Terrors überschlagen sich in bisher nicht gekannter Dramatik. Über die ganze Welt brennt ein Scheusal, dessen Hirn scheinbar nur durch modernste, innovative Technologie erkennbar wird. Während der Krieg gegen den Terror und die erwartete Invasion im Irak für besorgte Köpfe sorgt, werden unbeachtet der breiten Öffentlichkeit Vorkehrungen getroffen, Gesetze geschaffen und Techniken entwickelt, die beängstigend sind und dem wahnwitzigen Wettrüsten der 60/70 und 80er Jahre in nichts nahe stehen. Die Falken der Geheimdienst und Sicherheitsdienste wittern Morgenluft. Die totale Überwachung, die selbst forensische Orakel beinhaltet und Terroristen vor derer Tat überführen soll kann nun ohne grösseren Widerstand kultiviert werden.

Steven Spielbergs neuster Kinofilm „Minority Report“, die Geschichte eines fiktionalen Überwachungsszenarios im Jahr 2054, in dem Menschen bereits dann aus dem Verkehr gezogen werden, bevor sie überhaupt ein Verbrechen begehen konnten, scheint früher oder später Realität zu werden. Die veranschlagte Forschungs- und Erprobungsphase des „Information Awarness Office“[1] erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ab 2005 sollen einsatzfähige Prototypen aller Projektbereiche zum Einsatz kommen, die danach nur noch verfeinert werden. Die Ausnahme bildet das GENOA System, dessen Entwicklung bereits im Jahr 2000 begann und sich in praktischer Erprobung bei der „Defence Intelligence Agency“ DIA befindet.

Genesis
Das Zentrum des TIAS Systems bilden die Projekte GENESYS, GENOA I und GENOA II. Wohl abgeleitet vom Begriff Entstehung, hat das GENESYS Projekt zum Ziel, riesige Datenbestände, die Informationen aus allen erdenklichen Quellen beinhalten, zu errichten und den Zugriff darauf zu organisieren. Die Datenbestände sollen in einem alles abdeckenden Datenbanksystem gebunden werden, das alle relevanten Informa-tionen enthält um potentielle Terroristen und ihre möglichen Unterstützer, ihre Aktivitäten, Operationspläne und mögliche Ziele zu identifizieren. Solche enormen Mengen an Daten Schnipsel sinnvoll zu organisieren war bislang nicht möglich.

Das GENOA I Projekt hat eine neue „thematische“ Suchmaschine entwickelt, die, ergänzend zu herkömmlichen Suchmaschinen den Benutzern des Geheimdienst-netzwerkes INTELLINK erlaubt, systematisch und schnell Informationen in großen und fremden Dokumentsammlungen und Datenbanken zu finden. GENOA I sorgt damit für den Input an Daten, die in das GENOA II und GENESYS System einfließen. Komponenten von GENOA sind bereits bei der „Joint Counter-Intelligence Assessment Group (JCAG), einer Behörde der Spionageabwehr im Einsatz.

GENOA II konzentriert sich auf Informationstechniken wie sie von Geheimdienst-analyseteams und von Polizeibehörden benötigt werden. So sollen Teamprozesse durch Automatisierung unterstützt werden um mehr Informationen verarbeiten, mehr Hypothesen bilden und untersuchen, mehr Modelle aufstellen und bestätigen können. Weiter bietet GENOA II eine kognitive Unterstützung, die es Mensch und Maschine erlaubt, in Realzeit gemeinsame Überlegungen zu komplizierten Problemen anzustellen. Über diese drei Systeme würden Datenbanken und Quellen, die sich außerhalb der Geheimdienstbereiche befinden mit den geheimdiensteigenen Ressourcen zu einem riesigen, „intelligenten“ zentralen Datenbanksystem verschmelzen.

Materia Prima
Zum anhäufen der elektronisch relevanten Daten, welche als chaotisches Ausgangs-material aus dem gigantischen Meer der Informationen gefischt werden muss, sollten verschiedene Systeme zum Einsatz kommen. Das sind die Begleit Systeme Bio Surveillance, Human ID, EARS und Future MAP.

Über das „Bio Surveillance System“ werden dem Mutter System TIAS unkonventionelle Datenquellen über tierische Hinweiszeichen, Verhaltensindikatoren und prädiagnostische, medizinische Daten zufließen. Das Bio System überwacht und wertet per Data Mining die einkommenden Informationen aus, um autonom mittels spezieller Algorithmen zur Erkennung eines biologischen Angriffs die Daten abzugleichen und das Ergebnis mit Katastrophenmodellen zu verbinden. Als Ergebnis liegen Indikatoren vor, die eine frühzeitige Identifizierung einer unnatürlichen Veränderung im Gesundheitszustand der Bevölkerung, die nur auf einen Bio-chemischen Angriff schließen lassen, ermöglichen. Die Projektbeschreibung lässt den Rückschluss zu, dass die gesamten Daten des amerikanischen Gesundheitssystems dem TIAS System zugänglich gemacht werden soll.

Das „Human ID at a distance System“, ein Forschungsprojekt des Georgia Tech Research Institut soll Menschen anhand ihrer Gangart auf eine Distanz von bis zu 152 Metern klassiefizieren und identifizieren. Tageszeiten und Wetterbedingungen sollen keine Rolle spielen. Dabei sollen Video, aber auch Radarbasierte Systeme eingesetzt werden. Radar Geräte versprechen eine Treffergenauigkeit von 95-99%. Automatisierte, biometrische Identifikationssysteme sollen es erlauben, Menschen auf große Distanz zu identifizieren, zu erkennen und aufzuspüren. Bereits wird geforscht, wie sich kriminelle Menschen bewegen und somit an deren Gang erkennbar wären. Raytheon, eine Rüstungs- Firma, die sich auf allerlei Kriegs- und Überwachungsgerät spezialisierte und sich auch an einer Firma beteiligt hat, die implantierbare Chips herstellt, ist in der Radar Technik zur Lokalisierung von Menschen bereits weit fortgeschritten. Special Forces im Krieg gegen den Terror gebrauchen solche Ortungsgeräte um allenfalls versteckte Terroristen aufzuspüren. Die Techniken sollen als Früherkennungssysteme für den Schutz von Einsatzkräften und die Verteidigung des amerikanischen Territoriums gegen terroristische, kriminelle oder anderer durch Menschen ausgelöste Bedrohungen sorgen und so die Erfolgsaussichten solcher Angriffe vereiteln oder verringern.

EARS dient der Entwicklung einer „Sprache-zu-Text“ Technik zur automatischen Sprach-erkennung und Übersetzung. EARS soll automatisch Dialoge menschlicher Konversationen erkennen und die als wichtig erachteten Informationsinhalte so extrahieren, zusammenfassen und übersetzen, dass ein direktes Abhören durch einen menschlichen Operator unnötig wird. Dazu gesellt sich das EELD System, welches alle Arten offen zugänglicher und geheimer Quellen auswertet. Dazu zählen die gespeicherten Inhalte von Webseiten, E-Mails, Textdokumente, Finanztransaktionen, Reisebuchungen, Arzneimittelverschreibungen und alle möglichen Dinge die sich elektronisch tätigen lassen und somit eine Datenspur hinterlassen. Die Auswertung dient der automatischen Erkennung, Extrahierung und Verknüpfung spärlicher aber relevanter Hinweise für terroristische Aktivitäten und Beziehungen, die sich in großen Ansammlun-gen von Datenquellen verbergen. Aus der Verknüpfung dieser Datenschnipsel sollen sich die Beziehungsnetze und Strukturen einzelner Personen, Organisationen und stattfindender Aktivitäten ergeben, die potentielle terroristische Gruppierungen und Aktionen identifizieren. Darüber hinaus soll das System in Selbstlernprozessen Muster und Erkennungsmerkmale entwickeln, die dem EELD ermöglichen neu auftretende, terroristische Organisationen und Bedrohungsformen zu erkennen.

Zu guter letzt gehört zum Materia prima das „Future MAP“. Das Programm soll sich Analysetechniken aus der Wirtschaft zunutze machen, die der Beurteilung und Abschätzung der Wahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse in politischen, wissenschaftli-chen und wirtschaftlichen Bereichen dient. Zu diesem Zweck werden Bewegungen, Reaktionen und Quellen der Finanz-, Technologie- und Informationswerke, Experten-befragungen sowie Forschungsresultate und Technologieprogramme analysiert und überwacht, um einerseits ein Frühwarnsystem einzurichten, das Beeinflussungen oder Bedrohungen der nationalen Sicherheit durch wahrscheinliche, terroristische Aktivitäten erkennen lassen. Andererseits soll das Programm Informationen liefern, mit deren Hilfe die Märkte beeinflusst werden und zwar möglichst unbemerkt, damit das Zusammenspiel der Marktkräfte nicht gestört wird.

Opus Magnum
Letztendlich lassen sich alle digital erfassten Merkmale eines Menschen zentral sammeln und das sind einige. Anhand des Beispieles Schweiz, kann in etwa erkannt werden wie der Mensch zur alphanumerischen Nummer wird. Bis zum Jahr 2006, sollte jeder Person eine eigene PIN- Nummer, der „Eidgenössische Personenidentifikator“ zur Verfügung stehen.[2] Diese Nummer soll bereits bei der Geburt oder der Einreise zugewiesen werden und die ganze berufliche Karriere hindurch unverändert bleiben. Mit diesem PIN würde die Person in allen Verwaltungsdatenbanken-, Einwohner-, Zivilstands-, Stimmrechts- und Steuerregister-, aber auch mit den Datenbanken der Sozialversicherungen und AHV korrespondieren. Mit dem PIN Identifikator, lässt sich mit jeder Nummer auch eine Wohnung verknüpfen, da jedes Haus und jede Wohnung ebenfalls eine Nummer hat.[3] Anhand der digitalen Rechnungen erhält man Einblick auf den Stromverbrauch, Gasverbrauch, Heizkosten, Verbindungsdaten des Telefon oder Internetanschlusses die Kreditkartennummer, medizinische Informationen, die Sozialversicherungsnummer, was in den Einkaufskorb kommt, Arbeitsweg, Reisen, über den neuen Fahrausweis wer wo falsch geparkt hat. Über den neuen Reisepass, der den Schweizern ab Januar 2003 zur Verfügung steht, wird jeder und jede in die Datenbank des ISA (Informationssystem Ausweise) eingespeist, über die alle Kantone mit dem Bund vernetzt sind. Der Bund und zum Teil auch die Kantone haben Zugriff auf die Zentralen Polizeicomputer, die SIM Karte des Handys hilft bei der Lokalisierung einer Person und so weiter und so fort, von da geht’s möglicherweise ins bernerische Heimenschwand und dann im ECHELON Packet rüber zum Allsehenden Auge des TIAS Systems. In die Datenerfassung einbezogen werden auch biometrische Signaturen und DNA Daten, Verichip Daten, Satellitenbilder die Nummernschilder von Autos lesen können, Videokameras an neuralgischen Orten wie sie in der City von London im Kampf gegen die IRA aufgestellt wurden, die Liste ließe sich spielend um einiges verlängern. Glasig wird’s…

Das Opus Magnum der Überwachung wird gewiss keinen Terroranschlag verhindern und wird den Terrorismus nicht auf den Schutthaldenberg der Geschichte verbannen. Denn kein Terrorist lebt normal, als er eben bewusst den Untergrund beherrscht, was vom normalen Bürger mit seinen zeitweise obskuren vorlieben und Ideen nicht behauptet werden darf. Wie amerikanische Geheimdienste mitteilten, ändern die Terroristen nun einfach die Kommunikationswege und entwickeln ein enorm ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Unter diesem Gesichtspunkt, darf man sich sicher die Frage stellen ob Regierungen vor Terroristen Angst haben oder eher vor dem Bürger.

Sciencia Est Potentia…lautet der Schriftzug mit dem göttlichen Auge im Signet der DARPA Behörde IAO. Der Direktor hat mit Göttlichkeit an sich nicht viel gemein. Es ist der alte Bekannte aus „Das Imperium schlägt zurück“, John M. Poindexter. Poindexter war eine Schlüsselfigur der Iran-Contra Affäre und vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, zusammen mit anderen Agitatoren aus dem Eisschlaf erweckt worden um sie, zum erstaunen vieler, in Schlüsselpositionen zu setzen. Von 1983-1985 war Poindexter stellvertretender, ab 1985 bis 1986 der Nationale Sicherheitsberater von Ronald Reagan und neben Oliver North der Hauptverantwortliche der Iran-Contra Affäre. Poindexter hatte, offiziell ohne Wissen des Präsidenten und des Kongresses, den Verkauf von Raketensystemen an den Iran organisiert und mit den Gewinnen die Contra Guerilla, also je nach Zeitgeist Terroristen, im Kampf gegen die damalige sandinistische Regierung, auch je nach Zeitgeist Terroristen, unterstützt. Deswegen und weil er Ende 1986 versuchte, zusammen mit Oliver North, an die 5000 belastende E-Mails zu vernichten wurde er seines Amtes enthoben und wegen Konspiration, Betrug und unwahren Aussagen vor dem Kongress verurteilt.[4] Die Verurteilung war allerdings später widerrufen worden, weil ihm Immunität zugesprochen wurde. Nebst der konspirativen Tätigkeit hatte er beim Star Wars Programm SDI, der Grenada Operation und bei dem Vergeltungsschlag gegen Libyen mitgewirkt.

Eine neue Anstellung fand Poindexter bei der Firma Syntek Technologies, die Produkte für die DARPA und verschiedene Geheimdienste entwickelt.[5] Dort zeichnete er von 1996 bis 2002 als Seniorvizepräsident verantwortlich, unter anderem auch für ein Projekt das eine der Kernkomponenten des TIAS Systems darstellt – GENOA. Poindexter, ist folglich gewiss ein Mann, der am richtigen Ort sitzt.

„Wissen ist Macht“ heißt schlussendlich überhaupt nichts. Denn was in dem ganzen Gewusel aus Informationen anfällt, sagt höchstens etwas über den Staat und sein äußerst gestörtes Verhältnis zum Bürger aus, als über die Bürger selbst. Wenn der Staat dermaßen paranoid und unmündig ist, verbaut er sich mit Bestimmtheit das Vertrauen zivilisierter Menschen am Beginn des dritten Jahrtausends.

Quellen:

Dieser Artikel erschien erstmalig in Factum Magazin

Grafik
GENESYS; Ruedi Blättler, 2002 Zug Schweiz; Oraclesyndicate.org

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Verichip geht ins All.

Verichip hat die Partnerschaft mit Orbcomm bekannt gegeben. Durch die Zusammenarbeit mit dem Satelliten Betreiber Orbcomm wird nun wohl die GPS Tauglichkeit des reiskorngrossen implantierbaren RFID Chips in Angriff genommen. die amerikanische Firma Orbcomm garantiert durch 35 Microstar low earth orbit (LEO) Satelliten in Umlaufbahnen auf 775 km Höhe die weltweit flächendeckende Verfügbarkeit der Daten. Pegasus Raketen, welche von Flugzeugen aus gestartet werden, befördern gleichzeitig 8 Orbcomm Satelliten in die Umlaufbahnen. die Partnerschaft wird Anwendungen im militärischen, sowie im sicherheits- und im gesundheits- bereich anbieten. dadurch können medizinische Daten von Verichip implantierten Patienten, aber auch die Lokalität von Verichip implantierten Personen garantiert werden.

OHB“>Fuchs Gruppe, sowie eine Gruppe von Finanz -Investoren. Orbcomm wird in Europa durch die Fuchs Gruppe in Bremen vertreten.

Weiterführende Artikel:

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Die große Welt der kleinen Chips

In Chicago fand zwischen dem 15. und 17. September die erste Konferenz zur „Vernetzung aller Dinge“ statt. Gastgeberin war das Auto ID Center, ein Konsortium von führenden Firmen und dem Massachusetts Institute of Technologie getragen. Das Konsortium will die Vernetzung sämtlicher Dinge des alltäglichen Lebens. Vom Müsli zur Rasierklinge, mittels „Radio Frequency Identification“ Chip RFID. Folge davon sind Massenentlassungen, aber auch eine latente Gefahr des Missbrauchs.

Im Wal-Mart, dem Einkaufszentrum von Kimberton, einem kleinen Nest unweit von Philadelphia, hat die Zukunft bereits als Pilotprojekt begonnen. Rund zwanzig Kassenstationen mit zumeist farbigen Kassiererinnen und zu jedem Check Out die dazugehörende Einpackerin, kämpfen sich Stunde um Stunde durch die riesigen Mengen an Lebensmitteln, die von Kunden auf ihre Fliessbänder gelegt werden. 24 Stunden und 365 Tage ist Wal-Mart geöffnet. Alleine an den Kassen bietet Wal-Mart wohl an die 60 Jobs. Schlecht bezahlt und wer nicht lächelt fliegt, aber immerhin ist da ein Brotverdienst für Leute die keine Aussicht auf bessere Arbeit haben oder neben der Ausbildung jobben. Auf der einen Seite des Centers, weckt eine zügig voranschreitende Kolonne meine Aufmerksamkeit. Tatsächlich gehen da die Kunden mit ihren überdimensionierten Einkaufswagen durch das Tor der Zukunft. Auf einem Schild steht da: „To make shopping friendlier and easier for our customers“.

RFID heißt das Zauberwort. Der Einkaufskorb wird, dank der kontaktlosen Radiofrequenz Technik automatisch gescannt, beim einführen der Kreditkarte wird der Kassenzettel ausgedruckt und fertig. Kein mühsames ausladen und auftürmen auf dem Fliessband, kein erzwungenes Lächeln, kein Smalltalk mehr. Für die Kassiererinnen wird es sich über kurz oder lang ausgelächelt haben. Millionen von Jobs werden der Vergangenheit angehören. Alternative? Wohl keine.

Wal-Mart in den Staaten und Tesco in England, sind Einkaufsketten der Superlative und Mitglieder des Auto ID Centers[1] die für das Konsortium Feldversuche mit den Chips machen; auch im Bereich Überwachung. Davon ausgehend, dass tagtäglich Ware gestohlen und veruntreut wird, ist der Kunde nicht mehr König, sondern potentieller Dieb und zwar solange, bis der Chip die Meldung an den Zentralcomputer des Geschäftes „Gegenstand vom Kunden bezahlt“ weiterleitet. Als Beispiel dient Gillette.[2]

Männer wissen es, eine Packung mit vier MACH3 Klingen für die tägliche Rasur ist unglaublich teuer. In England und den USA fast ein doppelter Stundenlohn, in der Schweiz mehr als ein Kioskverkäufer in der Stunde verdient. Nimmt der Kunde innerhalb 34 Sekunden drei oder mehr solcher MACH3 Packungen vom Regal, geht unverzüglich eine Meldung an den Computer das hier etwas unerhörtes geschieht und der Kunde mit 70%er Wahrscheinlichkeit ein Dieb ist. Automatisch zoomt die nächstgelegene Kamera auf den Kunden. Der Kunde geht nun zielstrebig zwischen den Regalen Richtung Ausgang, passiert weitere RFID lesende Schranken, die wiederum eine Meldung machen. Die Chance ein Dieb zu sein erhöht sich auf 75%. Bevor sie die Kassen passiert haben werden – die Chance eines Diebstahls ist nun auf 85% gestiegen – wird der Computer bereits einen Wachmann avisiert haben, der weiß wie sie aussehen und darauf wartet ob sie die Klingen ordnungsgemäß bezahlen oder nicht.[3] In einem Zukunftsladen in Rheinberg – einem Gemeinschaftsprojekt von Metro, SAP und Intel, das Ende April startete – kommen die smarten Regale erstmals auch in Deutschland zum Einsatz und kommunizieren dort mit Rasierklingen, Shampoo und Frischkäse.

Soho in Lower Manhatten N.Y. Der lauschige Altstadtteil der Millionenweltstadt hat den Ruf der extravaganten jungen Designermode, das neuste und frechste im Trend. Einer der Läden, wartet mit einem speziellen Gag der RFID Technologie auf. Sobald ein Kleid in die Garderobe mitgenommen wird, präsentiert der Fernseher in der Garderobe das Designerstück von verschiedenen Models vorgeführt, zeigt die dazupassende Unterwäsche oder Krawatte. RFID macht’s möglich.

Irgendwo im Hintergrund, vom Kunden nicht einsehbar, werden Daten ausgetauscht. Was der Kunde in die Hand nimmt, ob der Kunde ein potenzieller Dieb ist was er anprobiert und anschließend kauft. Mittels einer Datenbank ließen sich alle diese Informationen zu detaillierten Kundenprofilen verdichten. Vorstellbar ist, dass dies zu Szenarien führt wie sie der Zukunftsforscher Kevin Kelly für den Film „Minority Report“ entworfen hat: Dort wird Protagonist Tom Cruise bei einem Gang durchs Shopping Center ständig mit Werbebotschaften beballert, die auf seine Konsumgewohnheiten zugeschnitten sind. Technisch durchaus möglich. Was für Tom Cruise nach 145 Minuten zu ende ist, beginnt für die Bürger, nicht nur in den Industrienationen, gerade erst Realität zu werden.

Die Transponder sind schon längst im Alltag integriert. Seit in Europa eine elektronische Wegfahrsperre Pflicht ist, stecken in den meisten Neuwagen Chips in den Autoschlüsseln und funken ein Echtheitszertifikat ans Zündschloss. Sie leisten ihren Dienst in Millionen berührungsloser Chip-Karten mit denen die Bürger Londons, Sao Paulos, Bombays, Pekings, des Ruhrgebiets und früher oder später auch auf den SBB Strecken, den öffentlichen Verkehr nutzen.[4] Die meisten Einwohner Hongkongs besitzen eine kontaktlose Karte für Transport und Einkauf, in Moskau dient ein ähnliches System zusätzlich als Gesundheitskarte, in Beijing wird damit bei den Parteitagen überwacht, ob die 30’000 Mitglieder nicht schummeln. Sie stecken in Handys, in Uhren, an Brieftauben, Skipässen und im Fleisch der Familie Jacobs aus Florida, die RFID lesbare Chips mit ihren medizinischen Daten von Verichip implantieren ließ.[5]

RFID ist, laut Auto ID Center, die neue industrielle Revolution, die den mittlerweile gut akzeptierten aber „dummen“ Barcode ablösen wird. Ein „Internet aller Dinge“ soll es werden frohlockt Kevin Ashton, exekutiv Direktor des im Massachusetts Institute of Technologie MIT in Cambridge Boston integrierten Auto ID Centers. Das Center versteht sich als globales Forschungshirn mit der Mission jedes Etwas das irgendwo, irgendwann, gefertigt, verschifft, verladen, verkauft und gekauft wird, automatisch identifizieren kann. Das Center arbeitet weltweit mit sechs führenden Universitäten zusammen. Unter anderem mit dem am 8. April 2003 neu gegründeten M-Lab an der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich.[6] Zu den 90 Sponsoren der Denkfabrik gehört Kellogg’s und Kodak, Metro und Wal-Mart, Coca-Cola und Pepsi, Gillette und Nestlé, Intel, SAP und IBM. Die illustre Runde hat dem Center den Auftrag erteilt, mit Hilfe der Funk-Chips „an der Vernetzung von einfach allem“ zu arbeiten. Seine Mitarbeiter nehmen das wörtlich: „Mit 54 Bit können Sie jedes Reiskorn durchnummerieren, das auf der Welt produziert wird“, rechnet einer vor, „mit 138 Bit jedes Molekül auf der Oberfläche des Planeten.“ Eine Art individueller Funk-Barcode für einfach alles wäre so gesehen kein Problem. Selbst dümmste Chip-Karten haben heute einige Tausend Bits an Bord und eine große Anzahl an High-tech Firmen experimentiert mit den verschiedensten Spielereien der RFID Technik.

Die kontaktlose Datenübertragung durch RFID Technologie ist ein einfaches Konzept mit enormen Auswirkungen. Mit Hilfe eines Transponders, eines Mikrochips mit Antenne, der auf einer Dose Cola, einer Hose oder einer Fahrzeugachse platziert wird, ist ein Computer plötzlich imstande diese Gegenstände zu „sehen“. Platziert man nun auf jeder Dose Cola, in jeder Hose und auf jeder Fahrzeugachse einen solchen Transponder weiß man zu jeder Zeit, wo sich was und wie viel befindet. Keine Warenbestandesaufnahme mehr, keine verlorenen oder fehlgeleiteten Versandposten, kein raten darüber, wie viel Material innerhalb einer Lieferkette im Umlauf ist oder die Regale des Geschäfts füllt. Das Auto ID Center betreibt den Bau, die Überprüfung und den Einsatz einer globalen Infrastruktur – einer weiteren Schicht oberhalb des Internets -, die es ermöglichen wird, dass Computer überall auf der Welt in Sekundenschnelle identifizieren können. Die Vision ist einfach: Eine Welt, in der jeder produzierte Gegenstand durch preiswerte RFID Transponder gekennzeichnet werden kann und sich sein Aufenthaltsort mit Hilfe eines einzigen globalen Netzwerks über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg bestimmen lässt. Das Herzstück des neuen Netzwerks ist der elektronische Produktcode EPC. Wie ein Barcode verwendet der 96-Bit-EPC eine Kette von Ziffern, um den Hersteller und die Produktkategorie eines Artikels zu identifizieren. Der EPC fügt jedoch eine dritte Ziffernfolge hinzu- eine Seriennummer, die jeden einzelnen Artikel bezeichnet. Diese Nummer stellt die einzige auf dem Mikrochip des RFID Transponders gespeicherte Information dar. Der EPC kann jedoch mit enormen Mengen von Daten innerhalb einer Datenbank verknüpft werden. Wo und wann der entsprechende Artikel hergestellt wurde, sein Verfallsdatum, wohin der Versand erfolgen soll usw. Die Daten lassen sich in Echtzeit aktualisieren, während der Artikel verlagert oder weiterverarbeitet wird.

Das Auto ID Center hat, um das schlechte Image der Technologie zu verbessern, extra eine der führenden Public Relation Firmen angeheuert. Fleishman & Hillard, zu deren Kunden die größten der Pharmaindustrie und das Department of Defense zählen, kam zum Schluss, dass die Technologie für den Bürger ein rotes Tuch darstellt. So erwartet der Bürger vor allem von den Firmen offensichtlich keine Rücksichtsnahme was die Privatsphäre betrifft. Im Weiteren machen die Fleishman Experten Vorschläge, wie man das lästige Problem beseitigen kann: „Die RFID Opposition gilt es zu neutralisieren.“ Dazu sollten der Öffentlichkeit in steter Regelmäßigkeit Anwendungsbeispiele präsentiert werden, denn „keine Nachrichten sind schlechte Nachrichten“. Es müsse gezeigt werden, wie RFID Behinderten, alten Menschen oder Kranken helfe – bedenken tragende Datenschützer sollen dadurch ins Abseits manövriert werden. Ein weiterer Baustein der Fleishman Truppe ist gezielte Desinformation.[7] RFID soll dem Bürger als Barcode II verkauft werden, oder gar als Green Tag, um dadurch das Umweltbewusstsein der Bürger zu aktivieren, was in der Regel funktioniert.

Die deutsche Firma Flexchip, eine jener Technologiefirmen die dem Auto ID Centers angeschlossen ist, hat die positiv Image Werbung wohl richtig verstanden: Big Brother, Staffel II. Im Originalwortlaut der Münchner Firma heißt es da:

„Webcams im Wohn- und Gartenbereich zeigen, was im Big-Brother-Haus abgeht. Doch diesmal gibt es für Voyeure einen besonderen Service. Über den so genannten Locator lässt sich jederzeit nachvollziehen, wo sich die zwölf neuen Kandidaten gerade aufhalten. Vorbei sind die Zeiten, wo Fans hofften, Sabrina unter der Dusche zu sehen und die Webcam dann doch nur eine leere Nasszelle präsentierte.
Die Webseite zu Big Brother zeigt ab sofort nicht nur den Grundriss des Hauses mit den Webcam-Positionen. Im Locator, einem separaten Fenster, das einen verkleinerten Grundriss des Big-Brother-Hauses abbildet, sind die Kandidaten als farbige Lichtpunkte zu sehen. Eine Namensliste unter dem Locator erschließt, welche Person sich hinter welchem Farbpunkt verbirgt. Die Daten werden alle 15 Sekunden aktualisiert, so dass Fans die Bewegungen der Container-Bewohner fast in Echtzeit verfolgen können. Wer auf diese Weise seinen Lieblings-Kandidaten aufgespürt hat, klickt jetzt im großen Grundriss des Big-Brother-Hauses die Webcam an, die diesen Bewohner gerade im Bild hat.“[8]

Ähnlich aber weniger spielerisch geht es in der Realität amerikanischer Gefängnisse zu und her. Die beiden großen Firmen Wackenhut Corporation und Correction Corporation of America, welche private Gefängnisse betreuen und leiten, schwören auf RFID Technologie um Sträflinge zu überwachen. Diese Technik wird von Alanco Technologies angeboten.[9] Laut Firmenschrift, funktioniert das System bei „markierten“ Personen folgendermaßen:

– Bestimmung des Aufenthaltsortes aller markierten Personen im 15 Sekunden Takt.
– Zählung aller Markierten im Sekundentakt und Auslösung des Alarms wenn jemand fehlt.
– Auslösung des Alarms, wenn die Markierung abgenommen oder manipuliert wird.
– Auslösung des Alarms wenn ein Insasse eine verbotene Zone betritt.
– Identifizierung und Nachverfolgung von Individuen, die sich während einer Alarmauslösung in der Nähe befunden haben.
– Lokalisierung von Individuen auf Anfrage.
– Identifizierung von Insassen, die Versuchen sich im Essensraum zweimal zu bedienen.
– Identifizierung von Insassen beim Einkauf im Anstaltsshop.

Die Firma ist Inhaberin der US Patentnummer 5.218.344 mit dem Titel „Methode und System zur Überwachung eingegrenzter Individuen“ und ist Lizenzträger bei Motorola Inc. für die „Technologie zur Lokalisierung mittels Raiofrequenzen, mit exklusivem Recht auf dem Gebiet des Strafvollzuges“. Dazu kommt ein Lizenz Patent von BI Inc., das bei einer mutwilligen Entfernung, Manipulation oder gar der Zerstörung des Chips einen Alarm aussendet.

Checkpoint Erez, zwischen dem Gazastreifen und Israel.
Die israelische Firma OTI On Track Innovations Inc.[10] installiert hier das Basel Grenzprojekt. Das Projekt, das vom Israelischen Verteidigungsministerium und der Israelischen Polizei unterstützt wird, ist das erste Grenzkontrollsystem der Welt, das sowohl biometrische Hand- als auch Gesichtsmerkmale in Verbindung mit der kontaktlosen Chiptechnologie zur Identifikation einsetzt. Die Basel Lösung gewährleistet höchste Sicherheitsstandards und kann in verschiedenen Formen, auch als Aufkleber, eingesetzt werden um beispielsweise vorhandene Reisedokument wie Pässe oder Visa zu ergänzen. Die für diese Technologie anwendbaren Applikationen können ausgedehnt werden auf Zutrittskontrollsysteme, auf nationale ID-Karten-Programme sowie auf Ausweise, die mit der SmartID-Lösung zur Identifikation nach biometrischen Merkmalen auf kontaktloser Basis ausgestattet sind. Nach der vollständigen Installation wird das System die Ein- und Ausreise von täglich etwa 120.000 Arbeitern überwachen, wobei eine absolut sichere und außerordentlich schnelle Abfertigung ermöglicht wird. 1993 erhielt OTI ein US-Patent für „System und Methode der kontaktlosen Übertragung von Daten“ und damit eine Schlüsselstellung.

Beijing, China.
Auch im Milliarde Menschen zählenden Land wird OTI’s Hilfe gebraucht. Bis ins Jahr 2006 sollen hier sämtliche, zurzeit noch auf Papier gedruckte Ausweise digitalisiert und als SmartCard neu herausgegeben werden. Ein Markt von sage und schreibe 1,26 Milliarden Menschen und die Verdoppelung sämtlicher sich zurzeit im Umlauf befindenden SmartCards. Der Glücksschrei kam nicht nur von OTI sondern auch vom französischen Rüstungsunternehmen Thales SA. Die beiden Firmen sind auserkoren den riesigen Markt zu befrieden. Im Juni 2001 gründete Thales SA ein Tochterunternehmen mit dem amerikanischen Rüstungsgiganten Raytheon namens ThalesRaytheonSystems TRS. Das Konsortium fertigte das Air Command Systems International (ACSI) für die NATO und das Luftverteidigungssystem FLORAKO für die Schweiz. Raytheon seinerseits, gilt als eine der dunkelsten Rüstungsbuden der Welt. RaytheonMicroelectronics Espana, zum Beispiel ist der Produzent des implantierbaren Chips DigitalAngel von Applied Digital Solutions Inc.

RFID Technologie wurde ursprünglich für militärische Bedürfnisse entwickelt. Bereits im zweiten Weltkrieg vermochten die alliierten ihre heimkehrenden Kampfflugzeuge von Freund und Feind zu unterscheiden und RFID ist noch immer in der Hand des militärisch industriellen Komplexes. Wer hat schlussendlich die Kontrolle über diese Daten? Wer garantiert dem Bürger dass FLORAKO in einem Kriegsfall nicht von „außen“ übernommen werden kann? Wer garantiert, dass RFID Chips und die Daten in international vernetzten Computern in Verwaltung und Polizei nicht einem orwellschen Diktat unterworfen werden?

Dieser Artikel erschien zum ersten mal im FACTUM Magazin

[1] http://www.autoidcenter.org/
[2] http://www.boycottgillette.com/letters.html
[3] http://www.autoidcenter.org/media/fmi_2002.pdf
[4] http://www.aimglobal.org/technologies/rfid/casestudy/Swissrailway.htm
[5] http://www.wired.com/news/privacy/0,1848,50187,00.html
[6] http://www.m-lab.ch/press/PressRelease01.html
[7] http://www.privacydigest.com/2003/08/08
[8] http://www.flexchip.de/deutsch/News/Frame/newframbigbr.html
[9] http://www.tsilink.com
[10] http://www.oti.co.il

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Der implantierbare Chip erreicht die Schweiz

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Stephan Fuchs – In einer Presserklärung vom 10. November 2003 gab Applied Digital Solutions Inc., eine Hightech Firma aus Palm Beach USA bekannt, dass ihre Tochterfirma Verichip Corporation einen Kaufauftrag über 400 implantierbare Chips und 34 Scanner erhalten habe. Käuferin ist das schweizerisch russische Unternehmen RussGPS, mit einem exklusiven Verkaufsrecht des implantierbaren Chips für die Schweiz und Russland.


Gläserner Mensch?

Verichip ist der erste implantierbare Mikrochip in Form eines Reiskorns, der einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Nach Mexiko, Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Uruguay und Spanien und einer groß angelegten Werbetour in Nordamerika, wird Verichip nun also auch in der Schweiz und in Russland aktuell. Alleine in den Südamerikanischen Absatzländern werden in den nächsten vier Jahren 135’000 Chips und 7.650 Scanner ausgeliefert. Eine Risikomanagement Gruppe, die Metro Risk Management Group mit Sitz in Miami beliefert in diesen Ländern den Markt. Die Firma wurde 1998 von Sicherheitspersonen aus CIA und FBI gegründet und spezialisierte sich auf Antiterrorismus, Geiselbefreiung und Überwachungsfragen.

Der schweizerische Vertragspartner von Verichip ist RussGPS, ein Tochterunternehmen von Russline.ru. Die Firma Russline.ru, ist ein Joint Venture russischer Investoren und dem schweizerischen Internet Service Provider SwissWeb GmbH in Zürich. RussGPS, mit Büros in Moskau und Zürich hat sich auf die Lokalisierung von Fahrzeugen und Personen spezialisiert. In einer ersten Tranche verpflichtete sich RussGPS zum Kauf von insgesamt 1000 implantierbaren Chips sowie 100 Scannern. Über die nächsten fünf Jahre, so der Deal, verpflichtet sich RussGPS zu einem Ankauf von mindestens 51’000 Chips und 2’600 Scannern, um die Exklusivverkaufsrechte über den schweizerischen und russischen Markt behalten zu können. RussGPS möchte Verichip vor allem im Sicherheits- und Identifikationsbereich anwenden.

Die Technologie an und für sich ist nicht neu. Schon lange werden Kühe, Katzen und Hunde mit Chips implantiert, doch die Implantation beim Menschen weckt Ängste.

Noch 1999 frohlockte die Firma Applied Digital Solutions ADS mit einem Produkt namens „Digital Angel“. Angekündigt wurde dabei ein Chip, der unter die Haut des Menschen implantiert werden kann und einer Vielzahl von Zwecken dienen sollte. Als primäre Anwendung sah ADS den E-Commerce, da mit solchen Chips jeder Anwender zweifelsfrei seine Identität ausweisen könnte und über das vom Militär gebaute und nun auch zivil nutzbare Satelliten-Ortungssystem GPS lokalisierbar gewesen wäre. Richard Sullivan, Vorsitzender der Firma, prophezeite sich und den staunenden Medienvertretern einen Markt von 100 Milliarden Dollar allein in Nordamerika.

ADS-Entwicklungschef Peter Zhou verglich „Digital Angel“ damals mit einer Impfung: „Beide retten Ihr Leben. Als die Impfungen aufkamen, waren die meisten Menschen dagegen. Aber heute verschwenden wir keinen Gedanken mehr darüber.“ Zhou orakelte gar, „Digital Angel“ werde eine Verbindung bilden vom Menschen zur elektronischen Welt: „Er wird Ihr Beschützer sein. Wir werden eine Hybride sein zwischen elektronischer Intelligenz und unserer eigenen Seele.“

Zhou war zu euphorisch. Der Chip für unter die Haut stieß auf harsche Kritik. Unter dem lauten Protest verschiedener Bürgerrechts- und besorgter christlicher Gruppen musste ADS den „digitalen Engel“ schnell wieder in der Schublade verstecken. Die Firmenleitung dementierte dann plötzlich, dass sie je ernsthaft über die Implantierung des Produktes nachgedacht hatte. In sozusagen abgespeckter Form ist der „Engel“ zurzeit nur als Armbanduhr oder Fußfessel für flügge Kinder, leichte Sträflinge und Alzheimerkranke zu haben.

Doch inzwischen hat sich die Situation wieder geändert. Seit das Sicherheitsbedürfnis der Bürger durch die terroristischen Aktionen in Amerika überbordete, ist auf dem Sicherheitssektor alles möglich und die führenden Köpfe bei ADS witterten Morgenluft.
Verichip ist ein in Glas gehüllter Mikrochip, der 12 Millimeter lang, 2,1 Millimeter im Durchmesser und unter der Haut eingepflanzt wird. Der Winzling in Form eines Reiskorns kann mit einem alpha-numerischen Identifikationscode zur sicheren Identifikation des Trägers und mit lebenswichtigen Informationen geladen werden, die bei einem Unfall einem Arzt schnelle und richtige Hilfe erlauben könnten.

Als Erstes dachte man an die Feuerwehrleute von New York, das Militärpersonal und alle andern, die mit „Verichip“ ein größeres Sicherheitsgefühl entwickeln möchten und gerne bereit sind, sich einen Chip implantieren zu lassen. Die Prozedur wird ambulant getätigt. Ein kleiner Pieks und ein Pflaster, fertig ist das Implantat und selbstverständlich ist es freiwillig.

Interne, also im Chip integrierte Energie, braucht der „Verichip“ nicht, denn er lässt sich lesen, sobald er von einem Scanner erkannt wird und somit der unauslöschliche Identifikationscode auf dem Display des Scanners erscheint … ähnlich wie in der Migros.

Gefertigt wird der Verichip von Raytheon Microelectronics Espãna S.A., eine Tochterfirma einer der weltgrößten Rüstungskonzerne, Raytheon. Zwei Drittel des Firmenumsatzes kommen aus den verborgenen Ecken der verschiedenen Nachrichtendienste wie der National Security Agency NSA und des Verteidigungsministerium.

Vom implantierbaren Chip für Tiere zum Verichip ist es ein kleiner Schritt. Die Firma Destron Fearing, die seit den fünfziger Jahren auf dem Gebiet der Tieridentifikation arbeitet, vermarktete bereits 1987 implantierbare Chips für Tiere. 1991 wurde deren Radiofrequenz Identifikations-Technologie von Hughes Aircraft Corporation gekauft, eine auf Kampfflugzeug- und Weltraumtechnik spezialisierte Firma in Amerika.

Hughes Aircraft modifizierte den Chip in der auf Zugangsberechtigung spezialisierten Abteilung „Hughes Identification Devices“ zum Humanimplantierbaren Chip. Die Ausweitung der Anwendung vom Tier zum Menschen geht patentrechtlich relativ einfach. Man stützt sich auf die evolutionistische Biologie, wo der Mensch als höheres Säugetier eingestuft wird, und schon ist das Problem gelöst. Don Small, Vizepräsident von Hughes Identification Devices: „Definieren wir ein Tier als Säugetier, schließt dieser Begriff den Menschen selbstverständlich mit ein.“ Der für Menschen modifizierte Chip wurde schließlich 1997 von Raytheon aufgekauft und Hughes Microelectronics Espãna S.A., da wo die Chips hergestellt werden, wurde nun zur Raytheon Microelectronics Espãna S.A. umbenannt und beliefert Destron Fearing, die mittlerweile mit Applied Digital Solutions fusionierte, welche eben den „Verichip“ anbietet.

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