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Ägypten, die Sicherheitskonferenz und der EU Gipfel

Dr. Alexander von Paleske—4.2.. 2011 — Tag für Tag sehen wir die Bilder von den Massendemonstrationen in Ägypten. Demonstranten, die auch der Gewalt der Mubarak-Anhänger nicht wichen, und auf der Abdankung des Diktators Mubarak bestehen. Und das Regime wankt.

Eine Konferenz in München
In München findet derweil die jährliche Sicherheitskonferenz statt.
Die Tagesordnung musste kurzfristig geändert werden, denn Ägypten stand bis vor zwei Wochen, und Tunesien bis vor zwei Monaten, noch gar nicht auf der Tagesordnung.

Jedoch, jetzt ist in Wirklichkeit Ägypten das Hauptthema bei dem Stelldichein von Regierungschefs, Militärs und Top-Diplomaten in der bayerischen Landeshauptstadt geworden.

Unter anderem werden bis zum Sonntag US-Außenministerin Hillary Clinton, Bundeskanzlerin Angela Merkel, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton in den Bayerischen Hof kommen.

Die Frage stellt sich, ob und ggf. wie die westlichen Regierungen die Demonstranten, die nach Demokratie rufen, und endlich den Diktator Mubarak loswerden wollen, unterstützen wollen.

Es sind Demonstrationen die an Ungarn 1956, Prag 1968, an Osteuropa 1989, und die Massenproteste in der ehemaligen DDR im gleichen Jahr erinnern.

.Hören wir, was Deutschlands schneidiger Verteidigungsminister Baron K.T. von und zu Guttenberg zu sagen hatte:

.„Die Forderungen der ägyptischen Demonstranten sind legitim, Europäer und Amerikaner könnten sie nur unterstützen .

Die westlichen Demokratien, müssen und dürften in der Region selbstbewusst auftreten, denn die Menschen in Ländern wie Tunesien und Ägypten wüssten sehr wohl, welche Staatsform attraktiver sei als Tyrannei.
Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, uns wären autoritäre Regime lieber als Regierungen, die frei abgewählt werden können

Und weiter:

„Dieser Tage merken wir einmal mehr, dass wir vor Überraschungen nicht gefeit sind. Ich kenne jedenfalls niemanden, der die Entwicklungen in Tunesien und Ägypten so vorausgesehen hätte“.

Dass Ägypten ein Unrechtsstaat ist, der Menschenrechte mit Füssen tritt, Oppositionelle verfolgt, foltert und ermordet, das sagte Guttenberg nicht. Auch nicht, dass westliche Regierungen die Regierung Mubarak gepäppelt haben, über 30 lange Jahre.
.
Überrascht zeigt sich der schneidige Guttenberg davon, dass das ägyptische Volk sich (schon) nach dreißig Jahren dagegen zur Wehr setzt:. Aber dann Guttenberg weiter:

Sorgen um die Stabilität in der Region sind jedoch berechtigt. Ich habe vor allem Verständnis für die Sorgen Israels. Die Friedensverträge Israels mit seinen Nachbarstaaten Ägypten und Jordanien müssten in jedem Fall Bestand haben, und dass die Europäische Union (EU) in der Region eine aktive Rolle spielen sollte. Europa besitzt in diesen Ländern Einfluss – und wir sollten ihn nutzen“

Das fällt ihm reichlich spät ein, denn irgendeinen Einfluss auf die Regierung Mubarak zur Einhaltung der Menschenrechte in den vergangenen Jahren lässt sich nun wirklich nicht feststellen. Mubarak war sowohl in Bonn, als auch in Berlin ein immer gern gesehener Gast.

Was Guttenberg nicht sagte: dass Waffenlieferungen in großem Ausmaß von Deutschland nach Ägypten gingen, die USA gar 1,5 Milliarden US Dollar jährlich an Militärhilfe leisteten. Nicht etwa um Ägypten gegen Israel aufzurüsten, sondern um das Militär als Stütze der Regierung Mubarak auf hohem Niveau lebensfähig zu erhalten, und den Offizieren gute Gehälter und Privilegien zu verschaffen.

Die EU-Regierungschefs forderten in Brüssel in einer Erklärung den sofortigen Übergang zur Demokratie in Ägypten.

Einen sofortigen Rücktritt von Mubarak forderten auch sie nicht. Sie möchten ganz offensichtlich für eine Übergangszeit einen Mubarak „light“.

Bunga Bunga statt go go
EU- Bunga-Bunga Mann Silvio Berlusconi , dem die Staatsanwaltschaft in Italien nachsetzt, weil er Sex mit einer minderjährigen Prostituierten namens Ruby aus Nordafrika hatte, war da weit offener: Mubarak muss bleiben („weiser Mann“) und das hätte er dem bedrängten Diktator auch telefonisch mitgeteilt.

Vielleicht kann Mubarak dem Bunga-Berlusconi die voluminöse Pornografiesammlung des 1952 gestürzten ägyptischen Königs Faruk zur Verfügung stellen – so noch vorhanden – als Dankeschön sozusagen.

Ägypten: Welch ein Mut. Welche Ansteckungsgefahr

Zu Berlusconi
Berlusconi, die Mafia und ein Gerichtsurteil

Zu Guttenberg
Meuterei auf der Gorch Fock – bald auch in Afghanistan?

Satire zu Guttenberg
Tagesbefehl des Selbstverteidigungsministers von und zu Guttenberg vom 22.1. 2011
CSU-Seehofer mailt an Frontbesucher und Vorneverteidigungsminister Baron von und zu Guttenberg
Minister Guttenbergs Tagesbefehl
Verteidigungsminister gratuliert Schlag-Raab
Minister Guttenberg gratuliert Supertalent Lena Meyer- Landrut

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Ägypten: Welch ein Mut. Welche Ansteckungsgefahr

Dr. Alexander von Paleske — 29.1. 2011 — Die Bilder, die uns aus Ägypten erreichen, sind bewegend:


Kairo heute. Screenshot Dr. v.Paleske

Da macht sich ein Volk auf, die Demokratie einzufordern. Es sind vor allem junge Menschen, denen das Regime Mubarak nicht nur die Demokratie verweigert, sondern sie auch ohne jegliche Hoffnung für die Zukunft lässt.

Es sind Bilder, die an den Aufstand in der Technischen Hochschule von Athen im Jahre 1974 erinnern, an die Nelkenrevolution des gleichen Jahres in Portugal, an die Massenbewegungen gegen die Regime in Osteuropa und an die Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR des Jahres 1989.

Noch steht nicht fest, ob die Bewegung ihr Ziel erreichen wird, wie viele Menschen für den Kampf gegen Mubarak noch sterben müssen, es sind jetzt bereits mehr als hundert.


Getöteter Demonstrant – Screenshot: Dr. v. Paleske

Aber die Hoffnung hat Platz gegriffen. Von Tunesien hat diese Bewegung ihren Ausgang genommen, und Ägypten ist sicherlich nur eine Etappe. Andere arabische Länder leiden genauso unter der Knute von Herrschern wie Mubarak.

Keine Freude
Da müsste doch eigentlich allen demokratischen Politikern in Deutschland das Herz höher schlagen.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es herrscht vielfach pure Angst, dass Mubarak und sein Regime fallen.

Ein Regime, das nicht nur Scheinwahlen abhielt, sondern das auch vor Folter und brutaler Unterdrückung politischer Gegner nicht zurückschreckte, ohne dass dies Proteste von Politikern der westlichen Welt zur Folge gehabt hätte.


Brutaler Herrscher – Freund des Westens: Mubarak gestern bei seiner Ansprache. Screenshot: Dr. v. Paleske

Schauen wir kurz, was Deuschlands zur Zeit beliebtester Politiker, Freiherr von und zu Guttenberg, zur Zeit beim World Economic Forum in Davos, von sich zu geben hatte:“ Besorgnis“ über die Demonstrationen.

Reuters meldete:
German Defence Minister Karl-Theodor Guttenberg said on Friday he was concerned about the risk of a „infectious momentum“ developing as unrest spread in the Middle East.
„There is a risk of an infectious momentum,“ Guttenberg told Reuters at the World Economic Forum in Davos in response to a question about the protests in Tunisia and Egypt.“

Also eine „Krankheit“ mit Ansteckungsgefahr.

Und weiter.

„And from a German perspective we are looking very closely, we are concerned, that’s for sure.“


Besorgter Demokrat. Screenshot: Dr. v. Paleske

Deutlicher wird da schon der ehemalige israelische Minister Ben Eliezer:

„Ich halte eine Revolution in Ägypten für unmöglich, die Lage dort wird sich beruhigen
Wir können ohnehin nichts tun, außer Mubarak unserer Unterstützung zu versichern und darauf zu hoffen, dass die Geschehnisse in Ruhe an uns vorüberziehen“, schließlich sei „Ägypten Israels wichtigster Verbündeter in der Region“.

Und Eli Schaked, Ex-Botschafter israels in Kairo, wird noch deutlicher:

„Demokratie ist etwas Wunderschönes. Trotzdem ist es für Israel, die USA und Europa von höchstem Interesse, dass Mubarak an der Macht bleibt.

Stimmt, aber nur für Israel und Politiker wie Karl Theodor von und zu Guttenberg. Nicht für die Ägypter.

Und Schaked weiter:

Sollte sich in Ägypten ein Regimewechsel ereignen, würden die Muslimbrüder dort das Ruder übernehmen, und das hätte für die Region unkalkulierbare Folgen
Es ist eine Illusion zu glauben, der Diktator Mubarak könne von einer Demokratie abgelöst werden. Ägypten ist noch nicht demokratiefähig. Die Muslimbrüder seien die einzige reelle Alternative, mit verheerenden Konsequenzen: „Sie werden ihre anti-westliche Haltung nicht ändern, wenn sie an die Macht kommen.“

Die Moslembruderschaft ist zweifellos eine starke, aber keine führende Oppositionsgruppe. Sie wird erst so richtig stark, wenn es Mubarak gelingen sollte, die spontane und keineswegs von der Moslembruderschaft initiierte, sondern spontane Volksbewegung niederzuschlagen.

Die Menschen in Ägypten wollen Demokratie, kein Kalifat, keinen neuen Mubarak im frommeren Gewande.

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Illegal Immigration: Should I stay or should I go

Onlineredaktion – On the desolate beach of Sidi Salem, in the eastern suburbs of Annaba, a dozen young Algerian males alternate between kicking a soccer ball and working on several small, unmarked wooden boats. Each week, several boats leave from this beach, filled with a cross-section of frustrated young Algeria — doctors, lawyers, dropouts, the unemployed.

They set out across the open sea, usually 10 or 12 to a boat, armed with water, food, blankets, a small motor and GPS tracking device, headed for the Italian islands of Lampedusa, Sicily or Sardinia. They are the harraga — literally, „one who burns“ identity papers and vital documents before departure — and over 90 percent of them will either die at sea, be arrested and detained indefinitely in Tunisia or Libya, or be returned by the Algerian, French, Spanish or Italian coast guards.

Across the street from Sidi Salem beach is a police precinct, whose officers idly watch departure preparations knowing that they may be asked to arrest these same harraga upon their return. The issue has paralyzed the Algerian government, which vacillates between criminalizing the activity by arresting returning harraga and a more conciliatory approach by offering token financial incentives tied to political support for President Abdelaziz Bouteflika. Anything to make a highly unpopular and emotional issue go away.

But the problem is growing, and hundreds of departures from Algeria’s eastern and western beaches each month no longer carry exclusively the poor, under-educated, young male stereotype. The harraga have become a fixture in the Algerian media, popular music and daily conversation, a symptom of a society in which entertainment is limited, the education system does not link to the job market, and the doors of opportunity are closed but to the well connected.

Many dead
The June 15 edition of the French-language daily Tout Sur l’Algerie featured 24 harraga who departed from Oran and were promptly arrested by Algerian authorities upon their return. The front page of the June 18 edition of the French-language daily Le Jeune Independant told of a larger boatload of some 150 clandestine immigrants en route from Libya to Italy that was wrecked at sea, with over 40 dead.

Of these, according to quoted survivors, at least 17 were Algerian. Although statistics are hard to verify, the article cited Spanish and Italian authorities who stated that roughly 16,500 clandestines attempted to arrive in Italy from Algeria and Libya in 2007, with another 31,000 departures from western Algeria bound for the Spanish coast.

Last November 11 the French-language daily El Watan corroborated those figures, counting 12,753 migrants arriving in Sicily during the first nine months of 2007, a 20-percent increase over the previous year.

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Ugandan Girls Entering Juba Prostitution Racket

Florence Ogola – Growing concern that vulnerable youngsters being trafficked or lured by promises they can make good money across border in Sudan.

Mother-of-four Acullu Rose has not seen her daughter since the 13-year-old left the family home in Atiak, northern Uganda, to travel to Sudan two months ago.

Rose fears the teenager has been lured into a life of prostitution by a merchant from Sudan who was doing business in Atiak, a trading centre only 50 kilometres south of the border.

“I have looked for my daughter and many people tell me that she is in Juba (the capital of South Sudan) working as a prostitute,” she said. “What can a young girl like mine be doing in such kind of business? I know that I am poor – this war has really affected us – but I have tried my level best to provide for all my children.”


Activists say more than half of all Ugandan prostitutes in Juba come northern Uganda, and that many of them are young girls. (Photo: Stein Ove Korneliussen)

Child prostitution is already commonplace in Atiak, where girls as young as 11 can be seen selling their bodies on the street to survive. Typical of many border locations in Africa, travellers moving between the two countries fuel the sex industry.

Now officials and activists are concerned that vulnerable youngsters, some of whom are already prostitutes, are being trafficked to Juba or, seeing their friends return with fancy mobile phones and smart clothes, enticed away by promises that they can make good money in the South Sudan capital.

At the child protection unit in the Atiak sub-county local government, 15 parents have reported that their daughters have gone to Sudan and are calling on the authorities to intervene. The girls are aged between 11 and 17; only one has since returned home.

Okongo Gabriel, who is in charge of the unit, believes that there could be many more children who have left home for Sudan, but parents are afraid to come forwards because of what the community might say about them and their family.

Onekgiu Roman, an official in the community liaison department of the central police station in the northern Ugandan town of Gulu, blames officers at the border post for not spotting children crossing over to Sudan.

“We have links with the police in Atiak and, yes, there are cases where girls from here have gone that far for prostitution,” he said. “Most of them are told that through this ‘business’, they are able to earn three times as much as they could in Gulu.”

The immigration officer in charge of the Nimule border station, between Uganda and Sudan, declined to comment on concerns over children crossing the frontier.

Ojok Felix, a social worker with the NGO War Child Holland, says that his organisation has been meeting parents and sub-county authorities in order to find a way forward, and have located some of the girls whose families have reported missing to the police.

“According to our investigations, five girls have been spotted on the streets of Juba, one has since returned,” he said. “We are working with friends and relatives in order to bring the girls back.”

Cathy Groenendijk, the director and founder of a small Juba-based NGO, Confident Children Out of Conflict – one of the few organisations catering for young girls at risk of sexual exploitation in South Sudan – says more than half of all Ugandan prostitutes in Juba come from Gulu and Lira, also in norhern Uganda, and that many of them are young girls.

With the streets of Juba a dangerous place for young girls, where they risk gang violence as well as sexual exploitation, she warns that little is being done to assist these children.

“There is not so much help for children at risk,” she said. “We take all sexually-abused girls between the ages of 6 and 18, when they are willing to go to school. They have breakfast, lunch and supper at our centre. They wash and go to school, do homework and keep their books at the centre.”

Back in Uganda, D’Andrea Weeks, a senior programme advisor with the NGO Child Voice International in Gulu, also says that the sexual abuse of children is a legacy from the days of the country’s civil war.

“During the times when people were in the IDP (internally displaced people) camps, the cases of children being sexually abused were so rampant we still see it now,” he said. “Many young girls prostitute themselves for food, money or security.”

Janet, not her real name, has been working as a prostitute ever since she was thrown out of her family home, aged 11. She is now 16 and can’t see a future outside the sex industry.

“I did not choose this as the way I wanted to earn a living,” she said. “But the conditions I had been living under forced me to move to the streets to sell my body. After my grandmother died, my uncles refused to pay to send me to school and then threw me out of the house. So what was I to do with my life?”

Janet’s grandmother took care of her after her mother died when she was just five years old.

But her uncles never looked upon her as one of the family, because of the way she was conceived; her mother had been raped by a soldier when she was a refugee in an IDP camp. They chased her away and told her to go and look for her father.

Janet says that men sometimes abuse her and she is constantly worried about contracting sexually-transmitted diseases.

“Some men don’t want to use condoms and I have to give in because I need the money,” she said. “Others use you and refuse to pay or give you less money than you agreed.”

She adds that, if you object, they beat you up.

Lira district police commissioner, Azuk Maruk, who heads up efforts to crack down on child prostitution in Lira, acknowledges that there are a high number of underage sex workers on the streets, but insists this is changing.

“When I joined Lira central police station in 2009, the level of prostitution in the town was alarming, involving underage girls who [should instead] study and become better citizens,” he said. “We found that the level of crime, such as robbery and rape, was closely linked to the presence of the prostitutes.”

Maruk says that he responded by rounding up child prostitutes and offering them counselling. Those who had relatives were returned home, while others were taken into community care.

“But this has not been easy,” he added.

Eric Odong, programmes director of Child Voice International, says that underage prostitution is a particular problem in Gulu and Lira. The community and the district authorities are aware of the issue, but despite much discussion have done little to address it, he added.

“When you go to the nightclubs in town, you see young girls hanging around,” he said. “Some of them are children under the age of 18, selling themselves for whatever reasons.”

And Sarita Hartz Hendricksen, the founder and director of the NGO Zion Project, an organisation in Gulu that gives assistance to young girls and women who were once involved in prostitution, notes a depressing generational legacy amongst sex workers.

“We work with women and girls who were once involved in the sex industry,” Hendricksen said. “Most of them are young girls under the age of 18 who were either forced by their mothers, or abused by the clients of their mother.”

About the authoress
Florence Ogola: As a student of mass communications at Kampala International University, she carried out detailed research on what the media did to promote human rights issues during the LRA insurgency in northern Uganda. Her case study was a radio station in Gulu known as Mega FM. Ogola decided to train at the radio station. She worked as journalist and a presenter in 2007. While carrying out her research she had to visit internal refugee camps almost every day. IWPR has given Florance Ogola the chance to campaign for the rights of the people of northern Uganda. Through their training, she have been able to improve the quality of journalistic work, in particular she learned to appreciate the importance of structure in story development.

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Aufruf zum Diamantenboykott – Survival International startet neue Kampagne gegen Botswana

Dr. Alexander von PaleskeSurvival International (SI), eine in Großbritannien beheimatete Organisation, die sich für das ungestörte Überleben indigener Völker in ihrem Habitat einsetzt, hat eine neue Kampagne zum Boykott botswanischer Diamanten gestartet.

SI will auf diesem Wege die Regierung in Gaborone zwingen, die indigenen San (Gana und Gwi) besser bekannt als Buschmänner, im Central Kalahari Game Reserve (CKGR) Zugang zu Wasser zu verschaffen, ihnen zu erlauben, dort Vieh zu halten, und auf die Jagd zu gehen.

Eine Gruppe von Filmstars hat sich aus Protest gegen die Behandlung der Ureinwohner in Botswana dem Boykott von Diamanten aus dem Land angeschlossen.

Hintergrund eines Konflikts
Die Regierung Botswanas hatte die San, die vor Urzeiten im Kalahari Game Reserve siedelten, beginnend im Jahre 1997, ohne große Konsultationen umgesiedelt in einen Ort außerhalb des Central Kalahari Game Reserves namens New Xade, dort Unterkünfte gebaut, ebenso Schulen und eine Krankenstation.

Die San waren mit dieser Maßnahme nicht einverstanden, und protestierten, da sie sowohl ihre natürlichen Jagdgründe nicht mehr benutzen, als auch nicht in der Nähe der Gräber ihrer Ahnen wohnen durften.

Statt der von der Regierung Botswanas erwarteten Eingliederung in den Mainstream Botswanas breiteten sich unter den Umgesiedelten Depression, Alkoholismus und Prostitution aus.

Die lokale Menschenrechtsorganisation Ditshwanelo nahm sich der Sache an, verhandelte mit der Regierung, die offenbar den Plan verfolgte, den ökologisch fragilen Wildpark dem Tourismus zugänglich zu machen.

Erstmals trat Survival International im Jahre 2002 in dem Konflikt auf den Plan, schob die lokale Nichtregierungsorganisation Disthwanelo wegen angeblicher Unfähigkeit beiseite, und machte sich zum Sprecher der San. Genauer gesagt zu 300 der insgesamt 900 dortigen San. In Botswana leben insgesamt etwa 40.000 San.

Boykottaufrufe und Konflikteskalation
SI eskalierte im weiteren Verlauf die Auseinandersetzung und rief zum Boykott der Diamantenkäufe auf. Begründung: Die Buschleute seien umgesiedelt worden, um Platz für eine Diamantenmine zu schaffen

SI rückte die Diamanten Botswanas in die Nähe von Blutdiamanten. Eine abenteuerliche und absolut unzutreffende Behauptung zur Stimmungsmache.

Das Kalahari Game Reserve hat etwa die Grösse Dänmarks, selbst wenn dort Diamanten geschürft werden sollten, was bis heute nicht der Fall ist, dann hätte eine derartige Mine nicht einmal die Ausdehnung Kopenhagens, wie die anderen Minen Botswanas in Jwaneng und Orapa nur allzu deutlich zeigen, wo es ebenfalls zu unwesentlichen Umsiedlungen kam.

Survival International nahm die First People oft he Kalahari, wie die San sich jetzt nannten, finanziell unter ihre Fittiche und ließ deren Sprecher Roy Sesana publikumswirksam in traditioneller Tracht vor Juweliergeschäften und de Beers Niederlassungen in London auftreten und zum Boykott aufrufen.

Aus de Beers Werbespruch „Diamonds are forever“ wurde der Slogan „ Bushmen are not forever“

De Beers betreibt in Botswana über die Firma Debswana die beiden großen Diamantenminen: Jwaneng und Orapa. Die Einkünfte aus den Diamanten tragen zu mehr als zwei Dritteln zum Staatseinkommen Botswanas bei.
Mit dem Boykottaufruf war deshalb eine weitere Verschärfung des Konflikts vorgezeichnet.

Blick auf Botswana
Botswana, unabhängig seit 1966, hatte zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit keinerlei Infrastruktur, 400 Meter Teerstrasse.
Der erste Präsident Botswanas, Seretse Khama, war von 1951 bis 1956 in Grossbritannien auf Betreiben Apartheid Südafrikas interniert worden, weil er die weisse Engländerin Ruth Williams geheiratet hatte.

Die 1967 gefundenen Diamanten ermöglichten die Entwicklung einer – für afrikanische Verhältnisse – hervorragenden Infrastruktur, auch entlegene Gebiete wurden über Asphaltstrassen erreichbar.

Das Straßennetz umfasst jetzt rund 9000 Kilometer Asphaltstraßen.
Weite Teile des Landes sind mit Elektrizität versorgt.
Das Gesundheitswesen ist vorbildlich, die Versorgung der HIV-Kranken mit antiretroviralen Medikamenten gesichert.

Botswana ist auch das afrikanische Land mit der geringsten Korruptionsrate, es wurde zur Schweiz Afrikas.

Diese Punkte sind für Survival International total irrelevant. Die von ihr vertretenen 300 San sind allemal relevanter als ein Staat mit einer Bevölkerung von 1,7 Millionen.
Hinzu kommt: Afrikaner lassen sich nur ungern von Organisationen, die in der ehemaligen Kolonialmacht, in diesem Fall Grossbritannien, beheimatet sind, vorschreiben, wo es langzugehen hat, zumal auch wenn man die seinerzeitige Internierung Seretse Khamas mit berücksichtigt.

Ein Prozess um die Rückkehr
Die San trugen den Konflikt vor Gericht, vor den High Court in Lobatse.

Die San gewannen, jedenfalls teilweise.

Am 13 Dezember 2006 fand nach mehrjähriger Verhandlung die Urteilsverkündung statt.
Ausschlag gab das Votum der Richterin Unity Dow die auch als Schriftstellerin in Deutschland bekannt wurde.

In ihrer Urteilsbegründung hieß es:

“The case was ultimately about people demanding dignity and respect. It is a people saying in essence: Our way may of life may be different, but it is worthy of respect, we may be changing and getting closer to your way of life, but give us a chance to decide, what we want to carry with us into the future.” – (Im vorliegenden Fall ging es letztlich um das Verlangen nach Achtung der Menschenwuerde und Respekt. Grundsätzlich ist es das was der Volksmund sagt: Unser Lebensweg kann unterschiedlich sein, aber ist es wert, geachtet zu werden, wir können uns ändern und Eurem Lebensweg näher kommen, aber gebt uns eine Chance ueber das Wie und Wann selber zu entscheiden.)

An die Adresse von Survival International gerichtet, die Organisation, die in aller Welt die Lügen verbreitete, Botswanas Diamanten seien Blutdiamanten und die Buschmänner seien wegen der Diamantensuche umgesiedelt worden :

“While diamond mining as a reason for the relocation of the bushmen might be an emotive rallying point, evoking, as it does images of greedy multinationals snatching land from, and thus trampling on the rights of small indigenous minorities, the case before this court does not fit that bill. It would be completely dishonest of anyone to pretend, that this is the case before this court.” – (Während es sich gut macht, die Diamantenförderung als den Grund für die Umsiedlung der Buschmänner anzugeben, mit der Darstellung von habgierigen, Land raubenden, multinationalen Konzern die auf diese Art auf den Rechten von kleinen einheimischen Minderheiten herumtrampeln, so trifft dies im vorliegenden Fall keineswegs zu. Es wäre völlig unehrlich dies zu behaupten.)

Und auch Roy Sesana, der von Survival International gepäppelte Sprecher der Buschmänner, der überall mit massiver finanzieller Unterstützung durch Survival Internationals Spendengeldern in der Welt herumreiste, um die Lügen über die angeblichen Blutdiamanten zu verbreiten und zum Boykott von Botswanas Diamanten aufzurufen, bekam die scharfe Zunge der Richterin zu spüren:.

“He had a lot to say outside the court, but to this court he said absolutely nothing. Outside court, through the media and without the limitations of an oath to tell the truth he had plenty to say, some of which, sadly, was pretty ridiculous.” (Er hatte viel außerhalb des Gerichtes zu sagen, aber zu diesem Gericht sagte er absolut nichts. Außerhalb des Gerichtes durch die Medien und ohne die Beschränkungen eines Eids um die Wahrheit zu sagen, sagte er eine Menge von dem was unglücklicherweise ziemlich erbärmlich war.)

Trotz Urteil: der Konflikt geht weiter
Damit war prinzipiell der Weg für eine Einigung frei. Die San, jedenfalls die, welche geklagt hatten, durften zurückkehren.

Sesana, auf die fehlende Infrastruktur (keine Schulen, keine Krankenstation) angesprochen, antwortete dass dies überflüssig sei, geflissentlich vergessen machend, dass seine eigenen Kinder auf eine Privatschule in der Provinzstadt Ghanzi gehen.

Der damalige Präsident Festus Mogae fuhr nach dem Urteilsspruch nach New Xade, um mit den San den Weg vorwärts zu besprechen.

Sesana hielt es nicht für nötig, an dieser Besprechung teilzunehmen, er habe „Wichtigeres“ zu tun.

Die Regierung Botswanas hielt sich an den Urteilsspruch, aber strikt an den Wortlaut, und auch an die Entscheidung, dass die Regierung nicht verpflichtet sei, Infrastrukturmaßnahmen dort durchzuführen.

Mehr noch, die Regierung ließ die Wasserstelle der San versiegeln, sodass die dort lebenden San das Wasser aus mehr als 100 Kilometer Entfernung herbeibringen müssen. Das ursprüngliche Habitat wird damit bestenfalls zu einer Art Ausflugsort für sie.

Parallel dazu trieb die Regierung den Tourismus dort voran. Eine Luxuslodge der Firma Wilderness Safaris wurde eröffnet.. Survival International rief prompt zum Boykott des Tourismus in Botswana auf.

Und so stehen sich die Positionen der dortigen San, 900 an der Zahl, die in den Nationalpark zurückwollen, und die Position der Regierung Botswanas , die den Staatshaushalt durch den erneuten Boykottaufruf von Survival International bedroht sieht, unversöhnlicher denn je gegenüber.

Botswana betrachtet das Vorgehen von Survival International als neokolonialen Erpressungsversuch.

Wenn etwas feststeht, dann ist es, dass Survival International nichts zur Lösung des Konfliktes beigetragen hat, und beitragen wird, diesen vielmehr enorm verschärft hat.

Eine Lösung dieses Konflikts kann nur innerhalb Botswanas selbst gefunden werden, aber nicht durch einen erneuten Boykottaufruf.

Unity Dow – Portrait einer afrikanischen Richterin
And the Final Winner is Botswana
Buschmänner gewinnen Prozess in 1. Instanz
Botswana, Survival International, Leonardo DiCaprio und die Buschmänner
Survival International, Leonardo diCaprio and the Bushmen

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Südafrika: Ende einer starken Dienstfahrt – Barbara Hogan verabschiedet sich aus der Politik

Dr. Alexander von Paleske — 12.11. 2010 — In Südafrika bildete Präsident Jacob Zuma sein Kabinett um. Damit kam auch für Barbara Hogan das Ende ihrer Ministerkarriere. Eine starke Frau, die nicht nur für ihre politischen Überzeugungen durch Wort und Tat eintrat, dafür 8 Jahre im Apartheid-Gefängnis saß, Parlamentsabgeordnete nach den ersten freien Wahlen 1994 wurde, und schließlich Ministerin. sondern immer wieder aneckte.


Barbara Hogon, Foto: gov.za

Aneckte, weil sie den Unfug des HIV-Aidsleugners und ehemaligen Präsidenten Südafrikas, Thabo Mbeki, angriff, weil sie sich für die rückhaltlose Aufklärung des Waffenskandals einsetzte, in den angeblich auch die deutsche Firma Thyssen Krupp samt der Blohm & Voss-Werft verwickelt waren.

Sie räumte Schaden beiseite, soweit das überhaupt noch ging, den Deutsche wie der Kieler Internist Claus Köhnlein und der Vitamin-Pillenvertreiber Matthias Rath bei HIV-Kranken angerichtet hatten:
Köhnlein, indem er dem seinerzeitigen Präsidenten Thabo Mbeki unwissenschaftlichen Quark über die HIV-Seuche ins Ohr träufelte, Rath, indem er mit der seinerzeitigen Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang HIV-Kranken von der Einnahme antiretroviraler Medikamenten abriet, und stattdessen zu seinen Nahrungsergänzungsstoffen und Vitaminchen zuriet, was vielen Menschen die Lebenszeit drastisch verkürzt haben dürfte.

Wer ist Barbara Hogan
Die 1952 geborene Barbara Hogan, im Jahre 2009 von der TIME zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gezählt,, ist eine südafrikanische Anti -Apartheid Veteranin und stammt aus einer weißen Arbeiterfamilie.

Sie schloss sich dem ANC im Jahre 1976 nach dem Soweto-Aufstand an, und landete 1981 wegen ihrer politischen Aktivitäten erstmalig im Gefängnis. Schließlich wurde sie wegen Hochverrats angeklagt.

Der Staatsanwalt forderte eine langjährige Gefängnisstrafe auch deshalb, um zu verhindern, dass sie jemals Kinder zu Welt bringt, und diese dann politisch gegen das Apartheidsystem erzieht.

Barbara Hogan wurde dann im Jahre 1982 zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, und im Jahre 1990 zusammen mit all den anderen noch einsitzenden politischen Gefangenen entlassen.
Im 1994 zog sie nach den ersten freien Wahlen in Südafrika als Parlamentsabgeordnete für die Regierungspartei ANC in das südafrikanische Parlament ein.

Barbara Hogan ist eine unabhängig denkende, starke Frau, und deswegen wurde sie von dem Präsidenten Thabo Mbeki auch ins politische Abseits befördert. Hogan wurde gleichwohl nicht müde, Mbeki wegen seiner Haltung in Sachen HIV/AIDS anzugreifen, als eine der ganz wenigen ANC -Parlamentarier

Präsident Motlanthe holte sie, nach dem Rücktritt Mbekis im Jahre 2008, als Gesundheitsministerin in sein Kabinett.
Als erste Amtshandlung versöhnte sie die von der Vorgängerin Tshabalala-Msimang angefeindete Treatment Action Campaign (TAC) mit der Regierung. Immer wieder hatte die TAC die Behandlung der HIV Infizierten mit antiretroviralen Medikamenten gefordert.

Das Selbstverständliche nachgeholt

Damit hatte Südafrika das Selbstverständliche nachgeholt und die absurden Verschwörungstherorien und HIV-Aids-Leugnereien des Thabo Mbeki dorthin befördert worden, wohin sie von Anfang an gehörten: In die ideologische Abfalltonne.

Barbara Hogan stellte damit das durch ihre Vorgängerin, die in Botswana wegen Diebstahls von Patienten vorbestrafte Manto Tshabalala- Misimang zerstörte Vertrauen in das Gesundheitsministerium wieder her.

Mit dem Amtsantritt von Staatspräsident Jacob Zuma im Jahre 2009 wurde sie Ministerin für Staatsbetriebe.
Dort sorgte sie für Transparenz und Verantwortlichkeit gegenüber dem Parlament, und für Stellenbesetzungen von Führungspositionen durch kompetente Bewerber, was nicht selten für Ärger sorgte.

Nun also zieht sie sich ins Privatleben zurück, um mehr Zeit mit ihrem Lebenspartner Ahmed Kathrada zu verbringen.

Kathrada ist, neben Nelson Mandela der einzig noch Lebende aus dem Rivonia-Prozess,, in dem er 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1989, nach 26 Jahren, aus der Haft entlassen wurde.

Die Welt wäre ärmer ohne solche Politiker wie Barbara Hogan, die leider in viel zu geringer Zahl anzutreffen sind: prinzipienfest, nicht korrumpierbar, mit einer Vision.

linkKampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome
linkDas Ende einer Rath-Fahrt – Pillensendung in Südafrika beschlagnahmt
linkWelt AIDS-Tag – ein Blick nach Südafrika
linkSüdafrika – Mbeki-Nachfolger Kgalema Motlanthe vereidigt
HIV kein Virus oder harmloses Virus ??

Zu den Waffengeschäften mit Südafrika
Der Airbus–Militärtransporter-Deal mit Südafrika – Ein bitter notwendiges Ende
Deutschland, Südafrika und ein Waffenskandal ohne Ende
Südafrika – Auf dem Weg in eine Bananenrepublik?

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Wohin treibt Simbabwe?

>>Onlinedienst — 20.10.2010 —- Zu Zeit blühen die Jacarandabaüme und tauchen die Straßen der Städte in Simbabwe in ein verschwenderisches Lila.Es sind die Boten des Frühlings,welche die Hoffnung auf einen regenreichen Sommer nähren, und auf eine friedliche Zukunft.


Strasse in Bulawayo im September 2010 Foto: JNVH

Der Schein trügt
Simbabwe ist weitgehend aus den Weltnachrichten verschwunden, was jedoch keineswegs bedeutet, dass die schwerwiegenden politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes gelöst sind.

Seit 18 Monaten ist eine Regierung der nationalen Einheit im Amt, die auch unter Druck Südafrikas und anderer Länder der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (Southern Africa Development Community, SADC) zustande kam.

Ein Blick zurück
Im März 2008 fanden in Simbabwe Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, die von der Regierungspartei ZANU PF mit dem Präsidenten Robert Mugabe verloren wurden. Die Oppositionspartei Movement for Democratic Change unter ihrem Chef Morgan Tsvangirai gewann die Mehrheit der Parlamentssitze.

Tsvangirai, als Kandidat der Opposition für die Präsidentschaft, musste aber zu einer Stichwahl antreten, da er die vorgeschriebenen 50,1 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang nicht erreicht hatte.

Terror wie gehabt
Was nun folgte war eine Terrorkampagne der Regierungspartei, die wir seinerzeit nicht nur vorausgesagt, sondern auch reichlich dokumentiert hatten.

Das Ergebnis: Der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai stieg aus der Stichwahl nach einigem Hin- und Her angesichts der Gewaltausbrüche aus. Mugabe blieb Staatspräsident. Rund 200 Menschen verloren in dem Terrorwahlkampf ihr Leben, mehr als tausend wurden verletzt.

Mugabe war nun weiter Präsident, aber Präsident eines Landes, wo die Bevölkerung nicht nur hungerte, sondern die Inflationsrate im Millionenbereich lag.

Mugabe wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis es zum Kollaps und zu massiven Unruhen kommen würde.
Für ihn war klar: Die Opposition musste ins Boot – vorübergehend – auch das hatten wir zutreffend prognostiziert.

Halb geschubst, halb umgefallen
Und die Opposition stieg ins Boot, halb wurde sie von Südafrika dahin geschubst, halb fiel sie um. Eine Regierung der nationalen Einheit wurde gebildet.
Was die Opposition aber nie verstand: Die Denkweise Mugabes und seine Pläne.

Dem 86 jährigen Veteranen aus der afrikanischen Befreiungskampfära ging und geht es darum, mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben, alleine, also ohne die Opposition.

Die Opposition sollte, ins Boot geholt – vorübergehend – eine Weile mitrudern, quasi als Steigbügelhalter dienen, Kredite und Entwicklunsghilfegelder ins Land bringen, also die Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen, und dann: Raus-

Ein gemütlicher Herr ohne politischen Durchblick
Der neue Premier Morgan Tsvangirai ist ein gemütlicher Herr, mit einigem Mut, aber ohne das, was in der Politik, zumal in einem solchen Umfeld, benötigt wird: Seine Opponenten kennen, und richtig einschätzen, und danach Taktik und Strategie ausrichten.
Und er genießt die bescheidenen Privilegien, die mit seiner Rolle als Premier verbunden sind, in vollen Zügen.

Zu sagen hat er aber fast gar nichts mehr. Durchgreifende Konsequenzen daraus, abgesehen von Geschimpfe und Gezetere, zieht er aber nicht.

Der Finanzminister Tendai Biti, auch er aus den Reihen der Opposition kommend, räumte immerhin im Finanzministerium auf, und schaffte die wertlose Landeswährung erst einmal ab. Der südafrikanische Rand und der US Dollar wurden zu Zahlungsmitteln.



Geldscheine mit astronomischen Zahlen aus dem Jahr 2008. Foto: JNVH

Die Folgen sind allenthalben zu spüren. Die Wirtschaft zeigte bescheidene Erholungstendenzen, Schulen öffneten wieder, es fand wieder Unterricht statt, in den Krankenhäusern gibt es wieder eine bescheidene Krankenversorgung. Hilfsgelder flossen wieder in das Land, die Geschäfte, die praktisch leer waren, füllten sic h wieder mit Waren.Es stellte sich gebremster Optimismus ein.

Langsam Zeit für Mugabe, die einstige Opposition zu demontieren.
Das Mittel: Politik der Nadelstiche und Demütigungen. Vorführung der MDC-Minister als Nullnummern, indem Entscheidungen einfach an ihnen vorbei gemacht werden.
Dazu gehörte:

– Besetzung von Botschafterposten ohne die in dem seinerzeitigen Koalitionsabkommen festgelegte Konsultation

– Besetzung der vakanten Provinzgouverneurstellen ohne Konsultation und natürlich ausschließlich mit Leuten der Mugabe-Partei ZANU / PF

– Besetzung der freiwerdenden Richterstellen an den Obergerichten in der gleichen Weise.

– Nichtablösung des Chefs der Notenbankl Gideon Gono, der für den wirtschaftlichen Niedergang und die Hyperionflation durch bedenkenloses Drucken von Geld – wie Klopapier – mitverantwortlich zeichnet.

– Nichtvereidigung des stellvertretenden Landwirtschaftsministers Roy Bennett.

Und hinzu kommen noch eine Reihe von kleineren „Gemeinheiten“, die vor allem ein Bild in der Öffentlichkeit vermitteln sollen: Die Leute aus der Oppositionspartei sind Hanswurste, weil sie sich das alles gefallen lassen. Einzig und allein Mugabe hat das Sagen.

Mugabe weiß genau, wie weit er mit diesen seinen Nadelstichen gehen kann, ohne dass es vorläufig zum Auszug der Opposition kommt. Denn deren Abschiebung hat er wohl erst für die Zeit nach den nächsten Wahlen geplant.

Es spricht für die Blauäugigkeit des Oppositionsführers, dass er damit offenbar nicht gerechnet und sich nicht entsprechend vorbereitet hat. Er kann sich ganz einfach nicht in Mugabes Denken hineinversetzen. Jetzt ist er empört und zetert.

Zeterei ohne Kenntnis und Plan
Morgan Tsvangirai suchte um Unterstützung bei anderen Ländern nach, in denen die neuen Botschafter akkreditiert werden sollen. Er bat, die Akkreditierung zu verweigern, weil sie angeblich gegen die Verfassung verstoße.


Bericht in der Presse über die Auseinandersetzung

Auch schrieb er an den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma und beschwerte sich massiv.

Die Akkreditierung kann natürlich nicht verweigert werden, weil sie, anders als Tsvangirai in seiner offenbaren Unkenntnis der Dinge meint, nicht gegen die Verfassung verstösst, sondern gegen ein politisches Abkommen, den seinerzeitigen Koalitionsvertrag.

Und so werden die betreffenden Länder sich hüten, die Akkreditierung zu verweigern, weil es sich um eine rein innerstaatliche simbabwesche Auseinandersetzung handelt.

Südafrikanische Vermittler abgefertigt
Südafrikas Präsident Zuma schickte in der vergangenen Woche ein Vermittlungsteam nach Simbabwe, das von Mugabe recht barsch abgefertigt wurde, mit dem Hinweis, dass er bei der Ernennung von Botschaftern und Provinzgouverneuren keineswegs gegen die Verfassung verstoßen habe, was zutreffend ist.

Das Vermittlungsteam reiste unverrichteter Dinge wieder ab.
Tsvangirai fehlt bisher der Wille, inner-simbabwesche Probleme innerhalb Simbabwes zu lösen, und sei es notfalls auch durch den Austritt aus der Regierung.

Zu sehr klebt er offenbar mittlerweile an seinem Sessel. So ein Mann ist aber bestenfalls ein Sparringspartner für den mit allen politischen Wassern gewaschenen Mugabe.

Wahlen nächstes Jahr
Und so steuert das Land auf Neuwahlen und ein Verfassungsreferendum im nächsten Jahr zu.

Mugabe tritt erneut als Präsidentschaftskandidat an.

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Nachricht über die Kandidatur Mugabes

Mugabes Terrorkämpfer wie Jabulani Sibanda und Joseph Chinotimba sind bereits wieder unterwegs, um der Landbevölkerung – das sind 70% der Gesamtbevölkerung – nahezubringen, wer in Simbabwe die richtige Politik macht.

Die latente oder offene Drohung mit Gewalt und Einschüchterung ist Teil des Programms, wie bereits in den unabhängigen lokalen Medien berichtet.

Parallel dazu laufen im Stundentakt Clips im Fernsehen, die ganz auf Mugabe und den Befreiungskampf, der vor 30Jahren zu Ende ging, zugeschnitten sind.

Mehr noch: Mugabe wettert gegen die gegen die von der EU und den USA verhängten Sanktionen, wobei er in diesem Punkte sicher recht hat: Diese Sanktionen sind nicht nur unwirksam, sie liefern nicht nur Mugabe und seiner Partei Munition, nämlich die wirtschaftlichen Probleme als Folge der Sanktionen anzuprangern, was sie ganz zweifellos nicht sind.

Die Sanktionen sind vielmehr ein Hohn angesichts der seinerzeit ausgebliebenen Sanktionen gegen Apartheid Südafrika, die auch Mugabe, gerade von der britischen Regierung, immer wieder gefordert hatte.

Auch ein Blick nach Ruanda, wo Präsident Paul Kagame, der Darling der EU und der USA, unliebsame Widersacher offenbar vor den Wahlen umbringen liess, und die Wahlen selbst herzlich wenig mit „frei“ und „demokratisch“ zu tun hatten, zeigt nur überdeutlich, dass hier mit zweierlei Mass gemessen wird.

Simbabwe geht offenbar erneut einer ungewissen Zukunft entgegen.

link 30 Jahre Simbabwe, 30 Jahre Robert Mugabe

Übersichtsartikel
linkSimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies

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afrika

Tony Buckingham: Afrika-Söldner, Ölsucher und nun ugandischer Steuerbetrüger?

Dr. Alexander von Paleske — 14.10. 2010 — Anfang Mai 2007 fand im Serena-Konferenzzentrum der ugandischen Hauptstadt Kampala ein opulentes Abendessen statt. Eingeladen hatte der Ex-Afrika Söldner Tony Buckingham und seine Ölfirma.

Gefeiert wurden die erfolgreichen Ölbohrungen der Firma Heritage Oil am Lake Albert im Westen Ugandas, hart an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRC).


Uganda

Erschienen war auch der ugandische Staatspräsident Yoweri Museveni. Seine Tischrede endete mit den Worten: Heritage – approved.

Vorbei
Heute würde er vermutlich stattdessen seine Polizei schicken, um Buckingham zu verhaften

Der geschäftsführende Direktor von Heritage Oil und substanzieller Aktionär ist der britische Ex-Afrika-Söldner Tony Buckingham, einst Inhaber der Söldnerfirma Sandline.

In dieser Söldnerfirma arbeitete auch der Chefsöldner Tim Spicer, Gründer und Chef der Söldnerfirma Aegis, und der Putschist Simon Mann, der zusammen mit dem missratenen Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, Mark Thatcher, vor 6 Jahren den ölreichen afrikanischen Staat Äquatorial Guinea erobern wollte (Wonga Coup).

Nach der Söldnerei die Ölsuche
Buckingham wandte sich von der Söldnerei ab und der Ölexploration zu. Er investierte in Uganda insgesamt 150 Millionen US Dollar über 10 Jahre und verkaufte jetzt, nach der erfolgreichen Exploration, den Uganda-Laden an die irische Ölfirma Tullow Oil für 1,5 Milliarden US Dollar. Das entspricht etwa der Hälfte des Haushaltsvolumens des Staates Ugandas für das laufende Jahr.
Macht einen Profit von fast 1000% also fast 100% pro Jahr.

Phantastische Profite, herrliche Zeiten
Herrliche Zeiten, für Buckingham, seine Firma und deren Aktionäre. Uganda sollte erst von den Öleinnahmen selbst profitieren.
Aber das heutige Afrika ist für derartige Plünderer auch nicht mehr das, was es einst war, denn nun schlug Ugandas Präsident Museveni zu.Schließlich liegt das Öl unter der ugandischen Erde, also verlangte die ugandische Regierung eine Kapitalvermehrungssteuer in Höhe von 450 Millionen US Dollar, wir berichteten darüber. Davon bezahlte Buckingham aber nur 128 Millionen US Dollar.

Außerdem war die ugandische Regierung extrem verärgert darüber, dass man sie vor dem geplanten Verkauf nicht einmal konsultiert hatte.

Buckingham und seine Leute hatten sich aber rechtzeitig aus dem Staube gemacht. Die hätte man deshalb in London vor einem Schiedsgericht auf Zahlung verklagen müssen: zu hohen Kosten und mit ungewissem Ausgang.

Ugandas Regierung schlug einen anderen Weg ein, sie besetzte das Kingfisher-Ölfeld, wo Tullow Schürfrechte besitzt und verlangt nun von Tullow, die fällige Capital Gains Tax zu bezahlen. Im Gegenzug könne Tullow ja dann bei Buckingham und seiner Firma Rückgriff nehmen.

Die Rechte aus der Steuerforderung würde man ihnen insoweit abtreten. Und eine Frist von 14 Tagen wurde den Iren gesetzt, die am 6. Oktober ablief.

Die Iren verhandelten, und es wird wohl letztlich darauf hinauslaufen, dass sie zahlen, denn ein weiterer Stein hängt über ihnen: Sie wollen ihre weiteren Schürfrechte in Uganda an die Ölfirmen Total (Frankreich) und CNOOC (Volksrepublik China) zum Preise von 3 Milliarden US-Dollar verkaufen

Auch hier soll nach den Plänen der Regierung Museweni dann wieder eine Capital Gains Tax für den ugandischen Staatssäckel fällig werden.

Die ugandische Regierung hat Tullow schon gedroht, ihnen die Schürfrechte zu entziehen und zu versteigern. Interessenten aus China, Südafrika und Indien stehen bereits Schlange, darunter auch die Firma eines Neffen des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, Medea Development S.A.

Im Jahre 2011 sind Präsidentschaftswahlen in Uganda. Die Zeit drängt. Und die ugandische Regierung kann sich im Recht fühlen

Mittlerweile darf sich auch die konservative Partei Grossbritanniens über Tony Buckinghams Geldsegen freuen. Er spendete ihnen im Mai diesen Jahres, kurz nach deren Wahlsieg, 50.000 britische Pfund. Wie schön.

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afrika

Desmond Tutu: Genug ist genug – Eine moralische Instanz feiert Geburtstag und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück

Dr. Alexander von Paleske —8.10. 2010— Er gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts, die in das nächste reichten.


Desmond Tutu – Screenshot Dr. v. Paleske

Er bekämpfte die Apartheid in Südafrika mit friedlichen Mitteln, und wurde für seinen Einsatz 1984 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Er war Priester und stieg zum Erzbischof auf. Die Verfechter der Apartheid hassten ihn, für ihn selbst war Hass eine Teufelsgabe, mit dem christlichen Glauben unvereinbar.

Er war das Symbol der Hoffnung für die Unterdrückten neben Nelson Mandela, und beide verband das Ziel, einen friedlichen Übergang nach dem Ende der Apartheid zu erreichen, gerade angesichts des vorhandenen Gewaltpotenzials auf beiden Seiten.

Er leitete die Wahrheitskommission nach den ersten freien Wahlen in Südafrika und dem Amtsantritt Nelson Mandelas, in der die Opfer der Apartheid bzw. deren Angehörige zu Wort kamen, und über die unfassbaren Verbrechen und das unsägliche Leid berichten konnten.
Er litt mit ihnen, bis an die Grenze dessen, was ein Mensch aushalten kann.

Er hörte die Geständnisse der Täter, die auf Amnestie hofften und bereit waren, sich seiner Kommission gegenüber zu öffnen.

Aus christlicher Überzeugung vergab er den reuigen Tätern, auch wissend,, dass die Vergebung unabdingbare Voraussetzung zur Versöhnung ist, und nur Versöhnung den Weg für eine bessere Zukunft freimachen konnte.

Für ihn gab es keine „schwarze Kameraderie“, und so scheute er sich auch nicht, Simbabwes Robert Mugabe eine „Schande für Afrika“ zu nennen, einen Mann, den er einst als Freiheitshelden bewundert hatte.

Nun feierte Desmond Tutu gestern seinen 79. Geburtstag, und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück .

Südafrika schuldet ihm unendlichen Dank, für die Welt bleibt er eine moralische Instanz und ein nachahmenswertes menschliches Vorbild..

linkEine Ikone wird 90 – Nelson Mandela feiert Geburtstag
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linkSimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
link 30 Jahre Simbabwe, 30 Jahre Robert Mugabe