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Niger: Ein afrikanisches Land hungert

Dr. Alexander von Paleske — Es sind nicht die Nachrichten, welche Schlagzeilen machen, aber es sind gleichwohl Katastrophennachrichten: Nein es geht nicht um eingeschlossene Bergleute, sondern „nur“ um fast die Hälfte der Bevölkerung eines ganzen Landes, die hungert: In Niger einem westafrikanischen Land der Sahelzone.


Niger

Erst kam die Dürre und nun der Regen als Überschwemmung, der 200.000 Menschen obdachlos gemacht hat.
Kleinkinder sind am schwersten betroffen. Knapp 1 Million Kinder unter 5 Jahren leiden an schwerer Unterernährung.

Es sind gleich mehrere Faktoren die zu dieser Katastrophe geführt haben:

– Klimawandel mit Dürre und Überschwemmungen

– Hohe Nahrungsmittelpreise

– Politische Apathie

Hunger ist nichts Neues in Niger, einem der ärmsten Länder der Welt. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nicht einmal im Hungerjahr 2005. Und immer kommt die Hilfe zu spät.

2/3 der Bevölkerung Nigers existiert unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Selbst in einem „normalen“ Jahr sterben 20% der Kinder vor Erreichen des 5. Lebensjahres
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Bereits im Oktober vergangen Jahres zeichnete sich ab, daß Niger ohne Hilfe nicht über die Runden kommen würde. Aber die damals angeforderte Hilfe wurde nur völlig unzureichend gewährt.

Von den 190 Millionen US Dollar, die benötigt wurden, kamen nur 60% und auch erst nach mehreren Monaten zusammen, als die Krise ihrem Höhepunkt zusteuerte.

Nur nach Medienberichten
Gelder fließen leider immer erst dann , wenn die Medien wie CNN aufmerksam werden, aber die Medien interessieren sich erst dann dafür, wenn die Krise ihren Höhepunkt erreicht hat.

Nun werden aber statt der 190 Millionen 371 Millionen benötigt.
Allerdings ein Kleckerbetrag, wenn man sieht, welche Milliardenbeträge gerade mal wieder in die Pleitebank Hypo-Real Estate gepumpt werden – 40 Milliarden Euro – um einen Kollaps zu verhindern.

Es ist nicht alleine der Mangel an Nahrungsmitteln, die oftmals auf den Märkten erhältlich sind, es ist die Armut der Bevölkerung aus den Hungergebieten, die keine Mittel haben, um sich die Nahrungsmittel zu kaufen.
Eine direkte Nahrungsmittelhilfe, wie sie die USA oftmals gewähren, und womit dann gleichzeitig die US-Farmer gestützt werden, ist hier wenig hilfreich. Vielmehr sollten die Hilfsorganisationen finanziell in Stand gesetzt werden, die vorhandenen Nahrungsmittel, soweit sie lokal oder regional erhältlich sind, aufzukaufen.

Hunger kann nur langfristig beseitigt werden, wenn die entsprechenden Investitionen in der Landwirtschaft vorgenommen werden. Aber dafür ist noch weniger Geld vorhanden. Und so geht es weiter, von Krise zu Krise.

Und gerade meldet die Medizinzeitung Lancet in ihrer Ausgabe vom 28. August, dass das Welt Food Program (WPF) die Nahrungsmittelhilfe für Niger drastisch kürzen musste, weil nicht genügend Hilfsgelder von Geberländern bereitgestellt wurden. Nur Familien mit Kindern unter 2 Jahren bekommen jetzt noch Nahrungsmittelrationen.

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Die Afrikaner nennen sie Ma Khumalo – Besuch bei einer außergewöhnlichen Ärztin

Dr. Alexander von Paleske — 5.9. 2010 — Jeden Dienstag findet in Bulawayo die ärztliche Fortbildung in der Mittagspause im Ärztehaus statt. Dabei ist fast immer auch die 92 jährige deutsche Missionsärztin Dr.Johanna Davis-Ziegler, die ich bereits kurz nach meiner Ankunft in Bulawayo im Jahre 1987 kennenlernte, und die die damals noch die Leiterin des Missionskrankenhauses St. Lukes auf dem Weg nach Victoria Falls war. Ein Krankenhaus, das sie 1950 gegründet und bereits 37 Jahre geleitet hatte, weitere 13 Jahre sollten noch folgen.

Dr. Johanna Davis-Ziegler – Foto: Dr. v. Paleske

Nach wie vor interessiert Dr. Davis-Ziegler sich dafür, was sich im Bereich der Medizin tut, obgleich sie selbst nicht mehr als Ärztin praktiziert.

Szenenwechsel. Im Jahre 2003 kontaktierte mich der ehemalige Botschafter Deutschlands in Simbabwe , Dr. Werner Kilian, um mir mitzuteilen, daß er Dr. Davis ermutigt habe, ihre Memoiren zu schreiben.
Ich meinte nur, daraus würde wohl nichts, da müsse er schon selbst hinfahren und sie interviewen. Und so geschah es dann auch. Fast drei Wochen lang nahm er ihre Erzählungen auf Tonträger und schrieb sie dann nieder.

Früher Entschluss: Missionsärztin
Heraus kam die faszinierende Lebensgeschichte einer Vollblutärztin, die bereits in ihrer Schulzeit den Entschluss gefasst hatte, Missionsärztin zu werden.

Davis-Ziegler, Johanna. Heimat unter dem Kreuz des Südens. Erinnerungen einer Missionsärztin in Simbabwe. (Mariannhiller Mission)

und an diesem Entschluss festgehalten und ihn mit einer bewundernswerten Energie durchgehalten hat, bis sie sich im hohen Alter von 82 Jahren dann von der Leitung des Krankenhauses St. Lukes zurückzog und nun in einer Wohnanlage der katholischen Diözese in Bulawayo lebt.

Dort besuchte ich sie vor zwei Wochen. 92 Jahre alt, das Gedächtnis scharf und präzise, führte sie mich noch einmal auf die Ursprünge zurück: der Pfarrer Hugo Pfeil in ihrem Heimatdorf Humes bei Illingen im Saarland, der sie als Gymnasiastin ermutigte.

Ein Pfarrer, der während der Nazizeit nicht mit „Heil Hitler“ grüßte, sondern mit „Grüß Gott“, der sich weigerte an den Scheinwahlen 1936 teilzunehmen und daraufhin von Hitlers SA-Schergen physisch gezwungen wurde, ins Wahllokal zu gehen. Ein Pfarrer, der 1939 predigte, dass der Angriff Polens eine Propagandalüge sei, vielmehr Hitler den Krieg mit Polen vom Zaun gebrochen habe und dafür ins KZ Dachau, in den sogenannten Pfarrerblock eingeliefert wurde, aber das KZ überlebte.

Dr. Davis-Ziegler nahm schon als Gymnasiastin an den Sommercamps der Organisation „Missionskreuz Studierende Jugend“ teil, auf denen sie Gleichgesinnte traf. Einige traf wieder, als sie in Würzburg in das Missionsärztliche Institut eintrat, den Missionseid ablegte und im Jahr 1938 das Medizinstudium aufnahm, einzig zu dem Zweck, wie sie sagte, um Missionsärztin zu werden und schloss das Studium 1943, mitten im Krieg, erfolgreich ab.

Danach Dienstverpflichtung und nach dem Kriegsende Arbeit im Krankenhaus Düsseldorf. Zäh hielt sie an ihrem Plan fest, Missionsärztin zu werden.

Scheinehe für einen guten Zweck
Zwei Jahre nach dem 2. Weltkrieg, im Jahr 1947, gab es allerdings keine Möglichkeit, als Deutsche nach Afrika zu gehen. Aber Dr. Davis fand einen Ausweg, sie nahm die englische Staatsbürgerschaft an – über eine Scheinehe mit einem britischen Staatsbürger, dem Schwager ihrer in England verheirateten Tante. Ein Mann, der bereit war, bei diesem Schwindel mitzumachen.

Scheinehemann für einen guten Zweck, Mr. Davis links im Bild.

Eine vorübergehende Arbeit als Ärztin in Großbritannien war ausgeschlossen, da die deutschen Examen damals nicht anerkannt wurden, und so jobbte sie um nebenher etwas zu verdienen.
Ein Jahr später, nun englische Staatsbürgerin, war sie bereits auf dem Weg nach Afrika, in das damalige Rhodesien, heute Simbabwe.
Aus dem Nichts baute sie, nachdem sie ihre ersten Erfahrungen als Ärztin gemacht hatte, das Missionskrankenhaus St. Lukes auf. Und machte daraus in den darauffolgenden Jahren ein Krankenhaus mit 250 Betten und einer Schwesternschule.


St. Lukes Hospital, weitere Bilder hier

Und sie begann sofort mit etwas, was heute – nicht aber damals – selbstverständlich war: Outreach.
Wir müssen zu den Patienten in die Dörfer gehen und dort behandeln, nicht umgekehrt, war ihr Credo.

Es gibt praktisch keine Erkrankung, die sie nicht gesehen und behandelt hat , einschließlich der Pest.
Auch die AIDS-Epidemie erlebte sie aus den ersten Anfängen mit.

Während der heißen Phase des Unabhängigkeitskriegs von 1972-1979 kamen Kämpfer auch in ihr Krankenhaus. Ihre Loyalität aber bestand nicht gegenüber einer Regierung, sondern nur zu ihrem Hippokrates-Eid. Und so behandelte sie unterschiedslos, und stellte keine Fragen.

Das galt nicht nur vor der Unabhängigkeit, sondern auch danach, als die Massaker im Matabeleland stattfanden und Dr. Davis sich persönlich bei Regierungschef Robert Mugabe beschwerte, wir berichteten darüber.

Bei der Geburt von Tausenden von Babys hat sie assistiert, und so etwas wie ein „Burnt out“ habe bei ihr eigentlich nie gegeben, wie sie mir versicherte..

Viele Ärzte hat sie kommen und gegen gesehen, viele, die, wie sie selbst, helfen wollten, aber auch eine Reihe von Safari-Ärzten deren Interesse das „Exotische“ galt. Und die dann oftmals nach kurzer Zeit wieder verschwanden.

Den Medizinbetrieb in Deutschland heute sieht sie eher kritisch. Trotz der Ärztedichte viel zu wenig Zeit, um mit den Patienten zu reden.

Ma Khumalo, eine Ehrenbezeichnung für ein Mitglied der Königsfamilie, das ihr die Einheimischen verliehen. Aus Dankbarkeit, aber auch deswegen, weil sie in jedem Patienten den Menschen sah, dem sie als Ärztin in bester afrikanischer Tradition mit Respekt begegnete.

linkSimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
link 30 Jahre Simbabwe, 30 Jahre Robert Mugabe

Mehr aus Afrika
linkAfrikanische Lebensreise – Erinnerungen einer Auswanderin wider Willen
linkDr. Maria Eder – Nachruf auf eine außergewöhnliche Ärztin

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Demokratie bleibt ein Fremdwort in Ruanda

Dr. Alexander von Paleske –31.07. 2010 —– Am 9. August sollen Wahlen in Ruanda stattfinden – Präsidentschaftswahlen 16 Jahre nach dem Genozid.

Der Gewinner dürfte bereits feststehen, denn der alte Präsident wird auch der neue sein: Paul Kagame.

Schon im Jahre 2003 erhielt er 93% der Stimmen, ein Ergebnis, wie es in Demokraturen sich gehört.

Zur Zeit ist er offenbar damit beschäftigt, sich seiner Gegner zu entledigen – durch Mord.


Paul Kagame, TV-Screenshot vom 1-8- 2010, Dr. v. Paleske

Paul Kagame war der Führer der Rwandan Patriotic Front (RPR), die den Genozid beendete, aber, wie es nun aussieht, dem Land keine Demokratie brachte, im Gegenteil.

Die internationale Gemeinschaft, von Dänemark und Schweden abgesehen, unterstützt Kagame, ebenso die deutsche Bundesregierung.

Auch Minister Niebel – Kennzeichen: Bundeswehrkappe – liess es sich nicht nehmen, auf seiner Afrika-Reise bei Kagame vorbeizuschauen. Sie ignorieren die willkürlichen Verhaftungen von kritischen Journalisten und Mitgliedern der Opposition.

Ausschluss und Mord
Wenig Freude bei dem Blick auf Ruanda empfinden allerdings Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) wie Amnesty International.

Schon bei den vorausgegangenen Wahlen im Jahre 2003 kam es zu erheblichen Unregelmässigkeiten, und dieses Jahr sieht es keineswegs besser, sondern eher schlechter aus.

Alle drei Oppositionsparteien, die Democratic Green Party of Rwanda, FDU-Inkingi und PS-Imberakuti wurden kurzerhand von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen.

Aber nun ist offenbar noch der politische Mord dazugekommen.
Auf den ehemaligen General Kayumba Nyamawasa, der sich mit Paul Kagame zerstritt und ins südafrikanische Exil ging, wurde ein Mordanschlag veuübt.

Ein ruandischer investigativer Journalist namens Jean Leonard Rugambage wurde ermordet. Ermordet wurde ebenfalls Andre Kagwa Rwisereka von der Green Party. Er wurde offenbar mit einer Machete hingerichtet.

Ruandas Studenten werden quasi genötigt, Mitglieder der Regierungspartei RPF zu werden, wie die südafrikanische investigative Zeitung Mail and Guardian berichtete.

Keine guten Aussichten.

Die Kongo-Plünderer
Reichtum, Armut, Krieg – Demokratische Republik Kongo
Im Interview: Sir Ketumile Masire zur Lage im Kongo
Kongo: Warlord Laurent Nkunda benennt „Kriegsziele“
Kampf um Kongos Ostprovinzen
Wohin treibt der Ost-Kongo oder: Krieg ohne Frieden

Grossphilosoph Peter Sloterdijk antwortet FDP-Westerwelle

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Happy Birthday, Madiba – Nelson Mandela feiert 92. Geburtstag

Dr. Alexander von Paleske —–18.7.2010 ——
Viel ist an diesem Tag gesagt worden, über diesen aussergewöhnlichen Staatsmann und seine Leistungen.

Erzbischof Desmond Tutu hat dies seinerzeit auf die kurze Formel gebracht:

If this man wasn’t there, the whole country South Africa would have gone up in flames.

Die Versöhnung ist ganz zweifellos das überragende Verdienst, das in dieser Glaubwürdigkeit auch nur von ihm zustande gebracht werden konnte.

Der Film Invictus beschreibt einen Teilaspekt sehr eindrucksvoll.

Die gelungene Fussballweltmeisterschaft war sicher das schönste Geburtstagsgeschenk für ihn, auch wenn sie überschattet war von dem tragischen Tod einer Grossenkelin.

linkEine Ikone wird 90 – Nelson Mandela feiert Geburtstag
linkNelson Mandelas Geburtstag – Ein Nachtrag

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Demokratische Republik Kongo – 50 Jahre Unabhängigkeit. Grund zum Feiern?

Dr. Alexander von Paleske — 1.7. 2010 — Gestern feierte die Demokratische Republik Kongo (DRC) 50 Jahre Unabhängigkeit mit grosser.Miltärparade..Eine Reihe von Staatsgästen war gekommen, darunter auch der belgische König und Simbabwes Präsident Robert Mugabe.


DR Kongo. Das Land hat etwa die Grösse Westeuropas

Ein Bild, das um die Welt ging
Vor 50 Jahren ging ein Bild um die Welt, geschossen von dem damals unbekannten und späteren STERN-Starfotografen Robert Lebeck: Ein Kongolese schnappt sich den Degen des belgischen Königs Baudouin, als dieser im offenen Wagen durch das damalige Leopoldville, heute: Kinshasa, fuhr.

Ein symbolträchtiges Bild: Dem ehemaligen Kolonialherren wird die Waffe abgenommen, er wird scheinbar entmachtet. Es sollte sich als Täuschung herausstellen..

Ein Blick zurück
Die Geschichte des Belgisch-Kongo, wie er nach der Berliner Afrika-Aufteilungskonferenz von 1885 genannt wurde, war zunächst eine Privatkolonie des belgischen Königs, was zur Folge hatte, dass die Bevölkerung unter den schlimmsten kolonialen Verhältnissen zu leiden hatte.

Kautschuk für die aufkommende Reifenindustrie wurde angebaut, und wer nicht auf die Kautschukplantagen wollte, dem hackte eine Privatarmee, die sich „Force Public“ nannte, kurzerhand die Gliedmaßen ab.

Zwischen 5 und 15 Millionen Einwohner verloren in der Zeit 1877 bis 1908 das Leben – bis schließlich der belgische Staat die Kolonie übernahm. Joseph Conrads Novelle „Herz der Finsternis“ schildert die Zustände in dieser grauenvollen Periode.

Mit der Erlangung der Unabhängigkeit im Juni 1960 hatte der Kongo nun eine eigene Regierung unter dem populären Premier Patrice Lumumba, der versprach, die Kupfer- Kobalt- und Uranminen in der Provinz Katanga zu verstaatlichen.

Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit besass der Kongo aber kaum Infrastruktur, eine ausgebildete Mittelschicht fehlte völlig. Gleichzeitig war das Land mit natürlichen Reichtümern so gesegnet, dass die Belgier den Reichtum an Rohstoffen einen „geologischen Skandal“. nannten..

Armut trotz Reichtum
Die Demokratische Republik Kongo (DRC) hat nämlich riesige Rohstoffreserven von geschätzten 27 Billionen (27.000.000.000.000) US-Dollar, insbesondere Diamanten, Kassiterite (Quarzstufe mit Zinn) Kupfer, Kobalt, , Zink, Niob, Gold, Uran, Eisen und Silber.

Das Land besitzt 80 Prozent der weltweiten Coltan (Columbo-Tantalite) Reserven, ein Material, das in der Herstellung von Handys und Laptops wegen seiner Korrosions- und Hitzebeständigkeit verwendet wird.

Die DR Kongo besitzt 10 Prozent des weltweiten hydroelektrischen Potentials, außerdem genügend landwirtschaftliches Potential, um das gesamte Westafrika mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Aber die ehemalige Koloniamacht Belgien, zusammen mit den USA, setzten nach der Unabhängigkeit seinerzeit alles daran, weiter die Macht in der Hand zu behalten, um insbesondere weiter die Bodenschätze des Landes ungestört ausbeuten zu können.
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Mobutos Diktatur
Was sich nach der Unabhängigkeit abspielte, war dann ein von Belgien und den USA inszeniertes Chaos.
Zunächst lief das Neo-Kolonalisierungs-Progamm über den Sezessionisten Moise Tshombe in der rohstoffreichen Provinz Katanga.Dort hatte weiterhin der belgische Minenkonzern Union Minere (jetzt: Umicore) das Sagen. Tshombe war seine Marionette.

Der weitere Verlauf war gekennzeichnet durch das Auftreten von Söldnern einschliesslich des Deutschen Kongo-Müller, die Ermordung des Premiers Patrice Lumumba, bis schließlich Mobuto Sese Seko 1965 mit Unterstützung des CIA putschte und eine Diktatur errichtete.


1961, Protest in New York nach der Ermordung Lumumbas

Gekennzeichnet war diese Diktatur durch die brutale Unterdrückung jeglicher Opposition, und das Desinteresse, die enormen Resourcen für die Entwicklung des Landes zu nutzen.

Die Einkünfte aus den Rohstoffverkäufen landeten stattdessen vorwiegend auf Mobutos privaten schweizer Bankkonten, mehrere Milliarden US-Dollar, man spricht von 4 Milliarden,
Nicht zu vergessen das „Versailles im Urwald“ namens Gbadolite, seinem Heimatdorf, wo er einen zweiten Regierungssitz mit allem Drum und Dran baute, einschließlich mehrerer Paläste, und einem Staudamm zur Elektrizitätsversorgung.. Ein Projekt, ohne jeglichen Nutzen für das Land, das aber etliche Millionen Dollar verschlang.

Unterstützt wurde Mobuto, der einen stramm antikommunistischen Kurs fuhr – trotz all der von ihm verübten Verbrechen, der permanenten Missachtung der Menschenrechte, der Misswirtschaft und der allgegenwärtigen Korruption – von westlichen Demokratien wie den USA, Frankreich, Großbritannien, Belgien aber auch der Bundesrepublik Deutschland. Die sahen in ihm einen „Stabilitätsfaktor“ im postkolonialen Afrika, wo bis dato Nationalisten und Panafrikanisten wie Kwame Nkrumah aus Ghana, Yomo Kenyatta aus Kenia und Sekou Toure aus Guinea das Wort geführt hatten.

Exit Mobuto

Als dann der Ost-West-Konflikt vorbei war, konnte man den alternden Mobutu fallen lassen, und ein neuer Mann wurde auf das Schild gehoben: Laurent Kabila. Der hatte im Osten des Landes über 30 Jahre ein bisschen auf Opposition gemacht, hielt sich aber häufig in Rotlichtbezirken, z.B. in der tansanischen Hauptstadt Dar-es-Salaam, auf, so dass der legendäre Che Guevara nach seinem afrikanischen Revolutionsversuch im Jahr 1965 nur Verachtung für diesen Gelegenheitsrevolutionär übrig hatte.
1996 marschierte Kabila , mit Unterstützung Ugandas und Ruandas nach Kinshasa. Mobuto verschwand.
Aber Laurent Kabila dachte nicht daran, die seinerzeit Ruanda und Uganda gegebenen Versprechungen zur Neuaufteilung des Kongo zu erfüllen.

Und so begann im Jahr 1998 der zweite Kongokrieg, ruandische und ugandische Söldner standen kurz vor den Toren Kinshasas, mehr als 1500 Kilometer von der eigenen Grenze entfernt, nicht um Rebellennester zu zerstören, sondern um Kabila zu verjagen. Der aber sicherte sich die Unterstützung Simbabwes, Angolas und Namibias. Deren Truppen warfen die Invasionstruppen zurück in den Osten. Kabila versäumte es aber auch nicht, die Hutus auch zum Kampf gegen die Invasionstruppen zu ermutigen, obgleich Zehntausende von ihnen bei seinem Marsch auf Kinshasa 1996 ermordet worden waren.

Der Krieg ging weiter und kostete direkt und indirekt schließlich rund 4 Millionen Menschen das Leben, mehr als der erste Weltkrieg an Opfern gefordert hatte. Kabila wurde im Jahr 2001 ermordet, sein Sohn Joseph der Nachfolger.

Ein bisschen Frieden
Unter Vermittlung des ehemaligen Staatspräsidenten Botswanas, Sir Ketumile Masire, wurde dann im Jahr 2003 in Sun City/Südafrika ein Frieden ausgehandelt. Ruanda und Uganda zogen sich zurück, nachdem sie über die Kriegsjahre die Rohstoffe des Ostens der Demokratischen Republik Kongo geplündert hatten; nämlich Diamanten, Coltan Gold und Tropenhölzer, wie ein UN-Bericht im Jahre 2002 feststellte.

Ruanda und Uganda konnten diesen Krieg nur führen, weil sie massive Unterstützung seitens Großbritanniens und der USA erhielten – logistisch, militärisch und finanziell – während Frankreich die Regierung Kabila unterstützte. Insoweit war auch dieser Krieg in gewisser Weise ein Stellvertreterkrieg.

Der Krieg geht weiter
Der Rest ist bekannt, Kabila wurde als Staatspräsident gewählt, die UN hat eine Friedenstruppe dort und gleichwohl geht der Krieg im Osten der DRC auf kleinerer Flamme weiter, was das Elend nicht kleiner macht. Zehntausende sind auf der Flucht, Tausende gestorben, die UN-Friedenstruppe unfähig, die marodierenden Milizen, zu entwaffnen. Und die Regierung der DRC verlangt nun den Abzug der UN Truppen..

Und nun China

Nachdem die alten Plünderer abgetreten sind, über die wir in einem ausführlichen Artikel berichteten, ist jetzt die Volksrepublik China auf den Plan getreten.

Gewaltige Schürfrechte, vorwiegend, aber nicht ausschließlich, in der Bergbauprovinz Katanga, gegen die Entwicklung der infrastruktur,.also Bau von Eisenbahnen, Hospitälern, Straßen und Schulen.
Die chinesische Regierung stellte im September 2007 dafür 3,5 Milliarden US-Dollar bereit. Die chinesische EXIM-Bank stellte weitere 8,5 Milliarden US-Dollar bereit zur Rehabilitierung der Minenindustrie und weitere Kredite wurden im Oktober 2007 mit der chinesischen Development Bank unter Dach und Fach gebracht. Es dürfte Addio heißen für eine ganze Reihe von Firmen, die zurzeit den Kongo plündern. Das Geschrei in Europa und den USA ist entsprechend. Ob die Chinesen nur die Plünderei fortsetzen, wird sich zeigen.

Schlimmer als es ist, kann es eigentlich nicht werden, nur besser.

Zum Feiern besteht allerdings wenig Anlass. Denn trotz allen Reichtums ist die DRC eines der schlimmsten Armenhäuser Afrikas gekennzeichnet durch Krieg, Hunger, fehlende Infrastruktur und hohe Mütter- und Kindersterblichkeit.

Die Kongo-Plünderer
Reichtum, Armut, Krieg – Demokratische Republik Kongo
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Ein Tag wie jeder andere – In einem Krankenhaus in Simbabwe

Dr. Alexander von Paleske —21.5. 2010 — Ein Wintertag in Simbabwe, in einem Winter der kein wirklicher Winter mehr ist, denn nachts wird es seit ein paar Jahren nicht mehr richtig kalt, Klimaveränderung auch hier.

Konsil auf der internistischen Frauenstation C3 des Mpilo-Krankenhauses in Bulawayo. Es geht um eine 23 jährige Patientin, Endstadium der HIV -Krankheit, bisher nicht behandelt mit antiretroviralen Medikamenten. Ihr Zustand würde selbst den Hartgesottensten rühren.

Tuberkulose und HIV
Ich wurde gebeten, eine Knochenmarkspuktion vorzunehmen, die Vermutungsdiagnose: Tuberkulose, eine Krankheit, die längst hier zur Epidemie geworden ist.

Der Zusammenbruch des Immunsystems im fortgeschrittenen Stadium der HIV- Krankheit ist ein Brandbeschleuniger für eine Krankheit, die vor dem Ausbruch der HIV-Epidemie Jahr für Jahr an Zahl abnahm – das war bis 1985 – seither geht es immer schneller bergauf mit den Krankheitsfällen.

Die Tuberkulose war seinerzeit in Europa vorwiegend eine Erkrankung der Armen, der Schlechternährten, der in engen Behausungen Zusammengepferchten. Hier in Afrika kann sie jeden treffen, ob arm oder reich, dessen Immunsystem durch die HIV-Krankheit schwer geschädigt ist.

Meine Patientin auf der Station C3 kann sich kaum bewegen, hat starke Schmerzen , und so nehme ich die Punktion am Bustbein vor, ein Ort, der fuer Knochenmarkpunktionen zu Recht nicht als am besten geeignet angesehen wird, weil die grossen Gefässe bzw. der Herzbeutel direkt dahinter liegen, und beim versehentlichen Durchstechen des Brustbeins leicht verletzt werden können. Aber der Zustand der Patientin lässt mir keine andere Wahl.

Ich nehme den Eingriff mit einer einfachen Injektionsnadel vor, eigentliche Knochenmark-Punktionsnadeln, die normalerweise Verwendung finden, sind nicht vorhanden, und als sie vor Jahren noch vorhanden waren, da reichten sie für die bis zu 7 Punktionen pro Tag nicht aus, also muss ich mir sich mit dem behelfen, was vorhanden ist, eine 18er Nadel.

Die Patientin lässt den schmerzhaften Eingriff klaglos über sich ergehen, er dauert glücklicherweise weniger als als 2 Minuten.

CDC weiss es besser – oder?
Knochenmarkpunktate werden von mir seit 1990 routinemässig auf Tuberkelbakterien untersucht. Als ich damit anfing, und die ersten positiven Befunde hatte, musste ich mir von einer Abgesandten des Centers for Disease Control (CDC) Atlanta, USA anhören, das würde nichts bringen, sie hätten damit genügend negative Erfahrungen gemacht. Ein Blick durch das Mikroskop konnte sie eines besseren belehren

Am Nachmittag, nach Färbung der Präparate, die Diagnose: Miliare Tuberkulose, also eine Tuberkulose, die von der Lunge ausgehend sich in entfernt liegende Organe ausgebreitet hatte.
Fortgeschrittene TB, fortgeschrittene HIV-Krankheit, ein zu oft zu tödlicher Cocktail, und so hat auch meine Patientin eine extrem schlechte Prognose.


Tuberkelbazillen (rot) im Knochenmarkausstrich der Patientin

Zurückgekehrt in mein Behandlungszimmer warten drei weitere Patienten auf Punktionen, diesmal Lymphknotenpunktionen , zwei haben Tuberkulose, der dritte leidet an einem hochgradig malignen Non-Hodgkin Lymphom. Alle leiden auch an der HIV-Krankheit im fortgeschrittenen Stadium.

Die Behandlung der HIV-Infizierten mit antiretroviralen Medikamenten ist nötiger denn je, damit es gar nicht erst zum Zusammenbruch des Immunsystems kommt.


Lymphknotentuberkulose. Zusammengebrochene Immunabwehr. Statt käsigem Material werden grosse Mengen an Eiter aspiriert, unter dem Mikroskop übersät mit Tuberkelbakterien (rot)
Fotos: Dr. v. Paleske

Nicht besser, sondern schlechter
Aber die Behandlungslage für die HIV-Kranke wird sich in den nächsten Jahren nicht verbessern, dank der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, und der Milliarden, die zur Stützung des Euro jetzt in den Finanzmarkt gepumpt werden.

Die Administration des US-Präsidenten Funds PEPFAR (President’s Emeregency Plan for HIV/Aids Relief) ), eine der wichtigsten Geldquellen zur Behandlung dieser Menschenplagen, hat bereits einige Länder aufgefordert, die Zahl der Neuzugänge zur Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten (ARV’s) gegen die HIV-Krankheit zu begrenzen, da es im Jahre 2011 nur eine Erhöhung der Zahlungen von 2% geben werde. Zieht man die Inflation ab, beibt es beim Vorjahresstand.

Um den Global Fund zur Behandlung und Bekämpfung von AIDS, TB und Malaria sieht es noch schlechter aus. Dem Fund, zu dem eine Reihe von Industrieländern beisteuert, fehlen zur Finanzierung seiner beschlossenen und laufenden Programme 10 Milliarden US-Dollar. Ein vergleichsweise niedriger Betrag, verglichen mit dem, was jetzt zur Stützung des Euro lockergemacht wird, aber hier, bei der sogenannten Entwicklungshilfe, lässt es sich eben am „problemslosesten“ sparen, da der Widerstand am geringsten ist.
Beide Programme , Global Fund und PEPFAR, haben bisher dafür gesorgt, dass täglich 5000 Menschenleben gerettet werden konnten.,
Der ehrgeizige Plan, statt jetzt 42%, in der Zukunft 80% aller Patienten, die ARV’s benötigen, zu behandeln, wird unter diesen Umständen Makulatur werden.

Uganda: Patienten werden weggeschickt
In Uganda werden bereits jetzt 800 neue behandlungsbedürftige Patienten monatlich von den Kliniken weggeschickt, weil nicht genügend ARV’s verfügbar sind, wie die südafrikanische Zeitung Mail and Guardian vor einer Woche berichtete.

70% der ugandischen Patienten haben entweder nur ein Minimaleinkommen, oder gar keins, und bekommen die ARV’s deshalb kostenfrei, finanziert durch PEPFAR. Nur wenn ein Patient stirbt, oder aus der Therapie aussteigt, kann ein neuer Patient in das Behandlungsprogramm aufgenommen werden.

Und so kann sich, angesichts der Nchtbehandlung der HIV-Krankheit auch die Tuberkulose ungehindert weiter ausbreiten. Und damit auch die Multidrug-Resistant -TB (MDR) und die völlig medikamentenresistente Tuberkulose (XDR).

In Südafrika wird bereits jetzt 60 % desTuberkulose- Behandlungs-Budgets zur Behandlung der MDR-TB, verbraucht, obgleich bisher „nur“ 8000 der insgesamt 460.000 neu diagnostizierten TB-Patienten daran leiden.

72 US Dollar kostet die Normalbehandlung der TB, bei der MDR-TB sind es dagegen schon 1200 US Dollar und bei der XDR 7200 US Dollar, jeweils pro Patient und Jahr.

Damit wird bereits die MDR in den meisten Ländern Afrikas unbehandelbar, von der XDR ganz zu schweigen.

Medizinisches Personal gefährdet
Das medizinisches Personal ist ausserdem einem erhöhten Risiko ausgesetzt, sich nicht nur mit TB, sondern gleich mit MDR-TB bzw. XDR-TB zu infizieren, da sie mit diesen Patienten täglich umgehen und geeignete Schutzmassnahmen (Laminar Flow etc.) in den meisten Krankenhäusern, selbst in Südafrika, nicht vorhanden sind.

So ist es dann kaum eine Ueberraschung, dass die Häufigkeit von MDR-TB in dieser Personengruppe sechs mal höher liegt, als in der Normalbevölkerung.

Trotz all dieser enormen und wachsenden Probleme, werden sich die Länder Afrikas auf weitere Kürzungen einstellen müssen.

Keine guten Aussichten.

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Erinnerungen einer Auswanderin wider Willen (4.Teil)

Dr. Alexander von Paleske

Zum Beginn hier

Heirat auf Befehl
Unser Leben hatte sich nach dem Tod meines Vaters völlig verändert, denn meine Mutter beschloss nun, nach Deutschland zurückzukehren und dort von der Pension meines Vaters zu leben.

Ich sollte Bob heiraten, was ich eine Woche zuvor gegenüber meinem Vater noch strikt abgelehnt hatte. Aber meine Mutter befahl jetzt: „Du musst“ und so blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu fügen.

Wir heirateten am 31. Oktober 1933 in einer kleinen Einheimischen- Kirche. Anwesend war, neben dem Pastor nur meine Mutter und ein Trauzeuge . Die Zeremonie dauerte 10 Minuten – für eine Ehe, die 28 Jahre dauern sollte.

Unser gemeinsames Haus war eine Hütte in Ivuna, wo wir schliesslich ankamen, nach Dutzenden von platten Reifen begleitet von dem Gebrüll der Löwen.

So sah mein neues Zuhause aus: 1 Tisch, drei Stühle, einer davon hatte nur drei Beine, ein Bett aus Baumstämmen hergestellt mit einem Moskito-Netz.
Die Küche bestand aus einer Benzin-Tonne als Tisch und zum Kochen hatte ich drei Töpfe.

Meine Mutter liess alle Haushaltsgegenstände bei ihrer Abreise nach Deutschland zurück und mit der Hilfe von weiteren Benzin-Tonnen richtetete ich unser Heim ein.

Vom Kochen hatte ich wenig Ahnung, und unsere Hauptnahrungsmittel bestanden aus Fisch, Süsskartoffeln, Eiern, Honig, Flusspferdfleisch und Elefantenfett, was wir alles von den Einheimischen kauften..

Für mich war das Leben wenig aufregend, manchmal ziemlich langweilig, ich hatte keine Nähmaschine und die nächsten Geschäfte waren 400 Kilometer entfernt in Dodoma.

Ich verkaufte Salz an die Einheimischen , die zum Teil Hunderte von Kilometern zu uns kamen. Das Salz benötigten sie für ihr Vieh „Salt Lick“ -.

Nun begann ich mich plözlich krank zu fühlen, vor allem morgendliche Uebelkeit, ich wusste aber nicht, was der Grund war, und hatte niemanden, mit dem ich über meine „Gesundheitsprobleme“ sprechen konnte.

Da bekamen wir Besuch von einem Deutschen, der mit einer grossen Zahl Vieh zum Verkauf auf dem Weg nach nach Lupa sich befand.. Er blieb ein paar Tage bei uns, und, da er Butter und Käse dabei hatten, bereicherte er unseren Speisezettel.
Als er mitbekam, dass ich mich krank fühlte, lachte er nur und sagte: Du bist schwanger.

Mir verging das Lachen da ich keinerlei Erfahrung mit und Wissen über eine Schwangerschaft hatte, und es würde eine ganze Weile dauern mit einer Frau darüber sprechen, der ich mich anvertrauen konnte.

August 1933
Wir ziehen von Ivuna nach Mbeya um. Ich bin nicht sonderlich begeistert, in meiner Situation 100 Kliometer zu marschieren. 25 Einheimische transportieren all unsere Habseligkeieten einschliesslich einer Katze und eines Hundes mit 7 Welpen.

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem schattigen Platz , der von den Einheimischen tagsüber benutzt wurde, um Affen von ihren Maisanpflanzungen zu vertreiben.

Unsere Lastenträger machten ein grosses Feuer und liessen uns dann alleine, weil sie ins benachbarte Dorf gehen wollten, und die neuesten Neuigkeiten zu erfahren
Wir badeten im Fluss und wollten dann schlafen, aber Löwen hatten die Witterung aufghenommen und so verbrachten die Nacht damit, durch Trommeln auf Benzintonnen Krach zu machen und sie so auf Distanz zu halten.

Am nächsten Tag erreichten wir eine Missionsstation namens Gagula , dort fanden wir einen Lastwagenfahrer , der uns nach Mbeya mitnahm, wo wir für einige Tage Rast in einem Hotel machten.

Weiter ging es dann nach Mbozi, wo wir in einem einfachen Haus mit Fenstern und und Türen unterkamen.Dort verbrachten wir unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest. Selbst an einem Weihnachtsbaum mangelte es nicht.
Wenige Tage vor dem Fest erhielt ich ein kleines Zebra das ich aufzuziehen versuchte. Einen Schnuller , hatten wir aus einem alten Fahrradschlauch hergestellt, aber das Zebra vertrug keine Kuhmilch, litt an Durchfall und starb schliesslich daran.

Wie gewöhnlich hatten wir kaum Geld, und so warteten wir ungeduldig auf das Ende der Regenzeit, um zur Salzpfanne zurückzukehren, unserer Einnahmequelle. Wir engagierten jemanden, uns ein Haus in Ivuna zu bauen.
Meine Schwangerschaft machte weitere Fortschritte, aber ich war ängstlich , weil ich keine Frau gut genug kannte, der ich mich anvertrauen konnte.

Eines nachts kam ein Leopard in unser Haus und schnappte sich unseren Hund , der unter unserem Bett lag. Wir sprangen aus dem Bett uind schafften es, den Hund aus dem Maul des Leoparden zu befreien.

Fortsetzung hier

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30 Jahre Simbabwe, 30 Jahre Robert Mugabe

Dr. Alexander von Paleske — 19.4. 2010 — Gestern feierte Simbabwe (Zimbabwe) seinen 30. Geburtstag. Am 18 April 1980 um Mitternacht wurde der Union Jack eingeholt und die Fahne des neuen Staates Zimbabwe gehisst.

Der Jubel der schwarzen Bevölkerung war grenzenlos. Mugabe, der Führer der Befreiungsbewegung ZANU wurde Ministerpräsident, Canaan Banana Staatspräsident.

Nicht nur die Begeisterung war enorm,sondern auch die Hoffnungen, welche mit der Unabhängigkeit verbunden waren.

Robert Mugabe, von den weissen Rassisten und Siedlern als Terrorist portraitiert, entpuppte sich als Staatsmann. In einer Ansprache rief er zur nationalen Versöhnung auf.

Viele Weisse, die schon auf gepackten Koffern sassen, um nach Südafrika , Australien oder Grossbritannien zu emigrieren, blieben.

Vielversprechender Start
Der Start war vielversprechend, alle Sanktionen wurden aufgehoben, das Land erlebte einen Boom.

Die Startbedingungen hätten nicht besser sein können: Simbabwe war die zweitstärkste Wirtschaftsmacht Afrikas, nach der Republik Südafrika, mit einer starken exportierenden Landwirtschaft, Mineralien galore, und einem florierenden verarbeitenden Sektor.

Davon ist heute wenig übrig geblieben.

30 Jahre danach

Die verarbeitende Industrie ist auf 1/3 geschrumpft, das Land kann sich, dank einer miserablen Landreform, die einzig politischen Zwecken, aber nicht einer gerechten Landverteilung diente, nicht mehr selbst ernähren. Die Arbeitslosenrate liegt mittlerweile bei etwa 90%.

1/3 der Bevölkerung hat das Land verlassen, um anderswo Arbeit zu finden, in Australien, Südafrika, Botswana und Grossbritannien.

Kurz bevor der völlige Kollaps eintrat wurde im Februar 2009 eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, nach Parlamentswahlen und einer Präsidentschaftswahl im Jahre 2008, in der unbeschreiblicher Terror herrschte, vorwiegend in der Präsidentschaftsstichwahl und vorwiegend von Seiten Mugabes und seiner Gefolgsleute, und vorwiegend auf dem Lande.

Denen ging es um zweierlei: Ihre Machtposition zu halten und die zusammengerafften Reichtümer nicht zu verlieren. Das Wohl der Masse der Bevölkerung ist ihnen herzlich gleichgültig.

Dabei hatte Mugabe in den Anfangsjahren nach der Unabhängigkeit wirklich etwas vorzuweisen, wenn man von dem Genozid im Matabeleland absieht. Das Schulsystem und das Gesundheitswesen waren Vorzeigeprojekte, die Analphabetenrate die niedrigste in Afrika, südlich der Sahara.

Heute, 30 Jahre danach, ist von diesen Hoffnungen nichts mehr übrig geblieben. In den 30 Jahren ist eine neue Generation nachgewachsen, die den Kolonialismus nur vom Hörensagen kennt, und für die es seit 12 Jahren in Simbabwe nur eine Richtung gab: Abwärts.

Recht zügig wurden aus den Pflugscharen wieder Schwerter, diesmal eingesetzt gegen den Minderheitenstamm der Ndebele im Westen und Süden des Landes. 20.000 Menschen fielen dem Genozid in den 80er Jahren zum Opfer.

Aber es sollte nicht das Ende derGewalttätigkeiten sein. Wir haben das hier alles schon einmal ausführlich dargestellt.
Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es nun wieder mal eine Regierung der nationalenEinheit.

Dier erste gab es 1987 zwischen den beiden Befreiungsbewegungen ZANU und ZAPU. Sie brachte dem Land immerhin 13 Jahre Frieden.

Die zweite Regierung der nationalen Einheit gleicht eher einer zerrütteten Ehe, als einem halbwegs harmonischen Zusammenwirken. Mugabe möchte sie lieber heute als morgen loswerden, aber er kann es zur Zeit nicht. Also verfolgt er eine Politik der Nadelstiche und des Nichteinlösens von einstmals gemachten Versprechungen.

Immerhin hat der neue Finanzminister, Tendai Biti, aus dem Lager der Opposition, dafür gesorgt, dass mit der Abschaffung der lokalen Währung und Ersatz durch den südafrikanischen Rand und den US Dollar eine gewisse Geldwertstabilität zu verzeichnen war. Die Inflationsrate lag zum Schluss im Miilionenbereich.

Parallel damit kam es zu einer bescheidenen Wiederbelebung der Wirtschaft.

Grosse Feier
Gestern fand die grosse Jubiläumsfeier im Nationalstadium in Harare statt. Mugabe beschwor die Einheit des Landes und forderte zum Gewaltverzicht auf. Diese Forderung dürfte wohl nur an die Opposition gerichtet sein, denn dass aus dem Wolf nun ein Schaf wird – nach einer 30-jährigen Geschichte der Gewaltausübung – darf man mit Recht bezweifeln.

Simbabwe, quo vadis – das weiss im Moment niemand so genau, ausser dem 86-jährigen Mugabe selbst.

Uebersichtsartikel
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DS (Gast) – 20. Apr, 00:16
Schade
Die haben das Know-How enteignet. Ich habe waehrend meiner Zeit in SA einige ehemalige Farmer aus Zimbabwe kennengelernt. Britischer Abstammung. Das waren keine Rassisten, ganz im Gegenteil, die haetten alles Geteilt. aber leider ging es um Hautfarbe, oder auch nicht, keine Ahnung.

Hartmut Barth-Engelbart (Gast) – 20. Apr, 08:59
Zimbabwe! Simbabwe ist die neokoloniale Schreibweise
Es heißt ja auch nicht Sapu und Sanu/PF, auch nich asania sondern Azania, nicht Tansania sondern Tanzania. Ab den Mitt70ern konnte man genau verfolgen, ob eine Stellungnahme aus der riedrich-Ebertstiftung, Konrad-Adenauer, Naumann-Stiftung, von der FAZ, der FR oder von der Seite der Zimbabwer kam : man konnte es am S oder Z erkennen. Ansonsten wird hier kaum kaschierte Hetze gegen Zimbabwe betrieben, die ja auch gut sekundiert wird von ehemaligen Freunden Zimbabwes oder „Freunden“, die jetzt in der Heinrich-Böll-Stiftung und im Think-Tank des Außenamtes führende Rollen spielen, Und der mediale Haupt-Dieterich zur Öffnung des Kontinents schreibt regelmäßig im schützengraben und U-Boot-kombatiblen ZentralOrkan des „widerstandskämpfers und retter jüdischen eigentums“ Alfred NevenDumont – in der FRontschau.
Dagegen schreibe ich seit Jahren an und liebe Menschen aus dem Dunstkreis von indymedia und (anderen) IsraelFanclubs schreiben, ich würde vom „simbabwischen“ Geheimdienst finanziert oder vom chinesischen (wegen meiner Tibet-Beiträge)

einfach bei mir im Archiv wühlen unter Zimbabwe: http://www.barth-engelbart.de

onlinedienst – 20. Apr, 09:55
Hetze?
Ich habe – im Gegensatz zu Ihnen – das alles aus naechster Naehe erlebt, seit 1987. Ich gehe mal davon aus, dass sie keinerlei direkte Kenntnisse besitzen. Eine Bezahlung durch den simbabweschen CIO unterstelle ich Ihnen nicht, einfach nur Unwissenheit.

Dr. v. Paleske

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Südafrika: Jugendführer Julius Malema “ Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los“

Dr. Alexander von Paleske –3.4. 2010 — Während Südafrika die letzten Vorbereitungen für die in zwei Monaten stattfindende Fussballweltmeisterschaft trifft, macht sich dort ein politischer Feuerbrand breit, den die Regierung unter Jacob Zuma vermutlich lieber heute als morgen loswerden möchte. Doch hängt er ihr wie ein Klotz am Bein. Die Rede ist von Julius Malema, seines Zeichens Chef der ANCYL, der Jugendorganisation der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC).

Malema gehörte und gehört zu den größten Unterstützern des jetzigen Präsidenten Zuma. Dieser war seinerzeit von Thabo Mbeki, seinem Vor-Vorgänger im Amt des Staatspräsidenten, als Vizepräsident abgesetzt und in die politische Wüste geschickt worden. Zuma musste sich wegen Vergewaltigungs- und Bestechlichkeitvorwürfen vor Gericht verantworten.

Malema, Zumas treuer Unterstützer
Malema organisierte Demonstrationen vor den Gerichtsgebäuden und kreierte eine Website „Friends of Jacob Zuma“, auf der Unterstützungsadressen abgeladen werden konnten. Einen nicht geringen Teil seines politischen Comebacks verdankt Jacob Zuma somit Malema, der auch weiterhin sein treuer Unterstützer bleibt.

Zur Zeit fordert er unter anderem auch, dass Zuma für eine zweite Amtszeit als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung stehen müsse. Dies allein wäre noch kein wirkliches Problem. Wer Malema allerdings heute reden, besser gesagt geifern hört, könnte glauben, er und nicht etwa Mandela und seine Mitstreiter seien die schlimmsten Opfer des Apartheid-Regimes gewesen.

Malema, nunmehr 29 Jahre alt, hat jedoch die Freilassung Nelson Mandelas und damit das Ende des Apartheid-Regimes als zartes Kind im schulpflichtigen Alter erlebt. Die meiste Greueltaten des Apartheid-Regimes kennt er nur vom Hörensagen und die ausgezeichneten Ergebnisse der Versöhnungspolitik Nelson Mandelas scheinen ihn herzlich wenig zu interessieren.

Gerade hat er einen alten Anti-Apartheids-Song wieder populär gemacht: „Kill the Boers“ – Tötet die Buren“. Ein wahrlich vortrefflicher Einladungsgesang zur Fussballweltmeisterschaft, der sicherlich auch bisher noch Unentschlossene überzeugen dürfte, die Reise zur Fussball-WM zu buchen.

Aggressives Verhalten und eine Show in den Medien

Das Absingen wurde Malema mittlerweile gerichtlich untersagt. Sein aggressives Auftreten als Anwalt der Benachteiligten erfuhr eine empfindliche Delle, als sich herausstellte, dass er neben seiner anstrengenden Tätigkeit als Volkstribun auch noch einen Posten als Direktor einer Firma innehielt, die auf zweifelhafte Weise Regierungsaufträge zugeschanzt bekam. Zudem nennt Malema selbstverständlich nicht einen sozialen Brennpunkt sein Zuhause, sondern eines der besten Wohngebiete in
Johannesburg.

Nachdem sein einstiges Ziel, Zuma aus der politischen Wüste heraus zu helfen erreicht war, verspürte Malema das dringende Bedürfnis, weiter seinen Namen in den Medien zu finden. Und zwar möglichst häufig, am besten täglich. So fiel er vor allem durch Stellungnahmen auf, die zumeist nicht nur der offiziellen Linie seiner Mutterpartei widersprachen, sondern sich vor allem durch Unwissenheit – um nicht zu sagen Kreuzdummheit – auszeichneten, gepaart mit einem kräftigen Schuss Aggressivität.

Zunächst avancierte er deshalb zu einer Art Witzfigur. Der renommierte Journalist Max du Preez brachte ein Buch der gesammelten Sprüche dieses Herrn heraus, nach Themenbereichen geordnet.


Das Buch löste große Heiterkeit aus und der berühmte Cartoonist Jonathan Shapiro (Zapiro) ließ es sich nicht nehmen, Malema ordentlich mit seinen Zeichnungen durch den Kakao zu ziehen.

Mit der Propagierung des Songs „Kill the Boers“ hat sich Malema allerdings von einem Clown zu einem gefährlichen Hasspropagandisten gemausert, zumal nach wie vor weiße Farmer ermordet werden, 3000 sind es mittlerweile seit 1994.

Großer Bahnhof für einen Troublemaker
Gestern nun traf er in Simbabwe ein, um den Jugendbrigaden Mugabes seine Aufwartung zu machen. Vier Tage soll die „Staatsvisite“ dauern. Diese Jugendbrigaden sind insbesondere für unzählige Gewalttaten verantwortlich, die von einfacher Körperverletzung über Vergewaltigung bis zum Mord angeblicher oder tatsächlicher politischer Gegner reichen.

Mugabe und seine Mannen sind begeistert über diesen Besucher. Endlich kommt einer, der diese „revolutionäre“ Politik vorbehaltlos unterstützt. Ein „Großer Bahnhof“ zum Empfang war vorbereitet.

Es bleibt die Frage: Wann endlich distanziert sich Zuma von diesem Troublemaker?

Nachtrag vom 5.4. 2010
Auch in Harare, wo Tausende ihm auf einer Kundgebung lauschten, stimmte er unter grossem Applaus den Song „Kill the Boers“ an. Gleichzeitig rief er dazu auf, den politischen Kampf mit Ueberzeugungsarbeit, und nicht mit Gewalt zu führen. Dafür erheilt er von den zur Gewaltausübung erzogenen Jugendlichen der Regierungspartei ZANU verständlicherweise keinen Beifall.


Malema in Harare im Mugabe-Outfit – Zimbabwe Standard, 4.4. 2010

Am darauffolgenden Morgen (4.4.) wurde in Südafrika der Oberrassist und Rechtsradikale Eugene Terre’Blanche auf seiner Farm ermordet aufgefunden.

„Die ich rief die Geister …..“

Dieser Beitrag schien erstmalig bei spreerauschen.net

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Südafrika: 50 Jahre nach Sharpeville

Dr. Alexander von Paleske — 22.3. 2010 — Gestern vor 50 Jahren , am 21. März 1960, fand in Südafrika die erste grosse Demonstration gegen die verhassten Passgesetze statt. Gesetze, welche die schwarze Bevölkerung zwangen, ständig einen Pass mit sich herumzuführen, der sie praktisch zu Fremden im eigenen Land degradierte, und ihre Bewegungsfreiheit einschränkte.

Das Massaker von Sharpeville
In Sharpeville, einem Vorort von Johannesburg, versammelten sich Tausende von Demonstranten vor der Polizeistation, um die Pässe zurückzugeben
.
Die Polizei reagierte brutal, sie feuerte mit scharfer Munition in die friedliche Menge, 69 Menschen starben, 178 wurden verletzt.


Nach dem Massakler


Eines der vielen Todesopfer in Sharpeville

Das war das Signal für landesweite Massenstreiks und Ausschreitungen . Pässe wurden öffentlich verbrannt.


Walter Sisulu verbrennt seinen Pass

Fünf Tage später, am 26. März 1960, setzte die Regierung die Passgesetze vorübergehend aus, aber das half nichts. Am 30 März 1960 wurde landesweit der Notstand ausgerufen, politische Organisationen wie ANC und PAC verboten..

Mit äusserster Repression antwortete die Regierung auf die Proteste. Aber auf Dauer liess sich die schwarze Mehrheit nicht unterdrücken.

Turning Point Sharpeville
Sharpeville war auch der „Turning Point“ .
50 Jahre hatte die schwarze Bevölkerungsmehrheit – der ANC wurde 1910 gegründet – friedlich für den Uebergang geworben und demonstriert. Nun setzte sich die Einsicht durch, dass nur mit Gegengewalt eine durchgreifende Veränderung erreicht werden konnte. Es war die Geburtsstunde des gewaltsamen Widerstands.

Aufstand in Soweto
16 Jahre später, im Juni 1976, kam es erneut zum landesweiten Aufstand, der mit Schülerdemonstrationen in Soweto seinen Ausgang nahm, und wieder kam es landesweit zu Ausschreitungen, Erneut feuerte die Polizei mit scharfer Munition. Aber anders als 1960 mündeten die Proteste nun in einen Zustand permanenter Unruhe, bis 1990 die Apartheidgesetzte schliesslich abgeschafft und die politischen Gefangenen, darunter Nelson Mandela, aus der Haft entlassen wurden.

Und heute?
Wieder finden Demonstrationen in den Townships statt.

Nach der Abschaffung des Apartheidstaates und den ersten freien Wahlen im Jahre 1994, geht es heute um die Vernachläsigung der Townships: Mangelnde Afallbeseitigung, hohe Kriminalität, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit.

In den Townships wartet die Bevölkerung auf die Erfüllung von Versprechungen der Regierung, die soziale Lage zu verbessern. Mit immer grösserer Ungeduld.

Zwei Jahrestage im südlichen Afrika
Heute vor 20 Jahren – Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika