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Simbabwe: Mugabe feiert wieder mal Geburtstag

Dr. Alexander von Paleske — Gestern wurde Simbabwes Herrscher, Robert Gabriel Mugabe, 86 Jahre alt, er würde eher sagen: nicht alt sondern jung.

Für Mugabe deshalb kein Grund, das Szepter aus der Hand zu geben. Im Gegenteil: Er macht weiter. Und das Höchstalter, um an ein internationales Gericht wegen Menschenrechtsverletzungen überwiesen zu werden, hat er auch schon überschritten, das liegt nämlich bei 85 Jahren.

Glück gehabt ist man versucht, ihm zuzurufen.Nein, würde er sagen, das hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit Intelligenz.
Und davon besitzt Mugabe reichlich, jedenfalls mehr als fast alle seine Konkurrenten in der eigenen Partei , und die fast alle Mitglieder der einstigen Oppositionspartei MDC, Finanzminister Tendai Biti einmal ausgenommen.

Ehemalige Opposition darf lauschen
Die MDC darf zwar jetzt mit am Regierungstisch sitzen, aber zu sagen hat sie dort wenig.Devise Mugabes: Die MDC nimmt teil an der Unterhaltung durch Zuhören.

Das Politbüro von Mugabes ZANU-PF – Partei ähnelt mittlerweile, von der altersmässigen Zusammensetzung her, etwa dem des Sowjetherrschers Breschnew kurz vor dessen Tod.

Nächstes Wochenende soll in Bulawayo die Geburtstagsparty steigen, natürlich unter weitgehendem Ausschluss des gemeinen Volkes.

Geburtstagsfeiern Mugabes haben sich noch nie an der sozialen Lage des Volkes orientiert, eher schon standen sie dazu im umgekehrt proportionalen Verhältnis.
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Chinesen zeigen wie man’s macht
Vergangenes Wochenende haben die Chinesen gezeigt, wie man den Geburtstag eines afrikanischen Herrschers so richtig feiert. Da wurde nach dem opulenten Essen nicht nur eine riesengrosse Geburtstagstorte aufgefahren, sondern die Botschaftsmitglieder sangen zusammen anschliessend die simbabwesche Nationalhymne, die einige Anklänge an das deutsche Lied „Wenn alle Brünnlein fliessen“ hat.
Ziemlich korrekt sogar sangen die Chinesen.Nicht etwa in Englisch, sondern in der Stammessprache Shona.

Das chinesische Engagement kann man verstehen, Simbabwe hat reichlichst Bodenschätze, vor allem Platin, Kupfer, Zinn, Kohle, Nickel und viel Gold, und nun wurden auch noch Diamanten gefunden. Nur die Bevölkerung spürt davon herzlich wenig.

Mugabe revanchierte sich, indem er in seiner Dankesrede das Treffen des US-Präsidenten Obama mit dem Dalai Lama kritisierte. So etwas freut die Abgesandten aus dem Reich der Mitte.

Im April steht der 30. Jahrestag der Unabhängigkeit Simbabwes an. Mit Wehmut erinnern sich viele an den Optimismus und die Aufbruchsstimmung, die damals herrschte. Davon ist praktisch nichts mehr übrig geblieben. Die politische Elite ist damit beschäftigt, sich die Taschen vollzustopfen. Das Volk ist damit beschäftigt, zu überleben. Irgendwie.

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Zwei Jahrestage im südlichen Afrika

Dr. Alexander von Paleske — In diese Woche fallen zwei Jahrestage im südlichen Afrika.
Vor 20 Jahren, am 11.Februar 1990 kurz nach vier Uhr nachmittags, wurde Nelson Mandela nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Hand in Hand mit seiner damaligen Frau Winnie und von Millionen Menschen in aller Welt am Bildschirm gesehen, führte sein langer Weg endlich in die Freiheit .

Drei Stunden später sprach er auf einer Kundgebung in Kapstadt, an der 60.000 Menschen teilnahmen.


Ansprache Nelson Mandelas, Grand Parade, Kapstadt, 11.2. 1990

Seine Rede begann mit den Worten:

Friends, Comrades and fellow South Africans. I greet you all in the name of peace, democracy and freedom for all.
I stand here before you not as a prophet, but as a humble servant of you, the people. Your tireless and heroic sacrifices have made it possible for me, to be here today. I therefore place the remaining years of my life in your hands. On this day of my release I extend my sincere and warmest gratitude to the millions of my compatriots and those in every corner of the globe, who have campaigned tirelessly for my release.

Zweite Reise ins Gefängnis
Damit begann Mandelas Reise in sein „Zweites Gefängnis“ wie er seine Zeit als Präsident Südafrikas scherzhaft zu bezeichnen pflegte.
Im Jahre 1994 nach langwierigen Verfassungsverhandlungen und Störversuchen rechter Apartheid- Anhänger wurde er am 9.5.1994 vom Parlament nach den ersten freien Wahlen zum ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas gewählt.

Lebende Legende
Längst ist der 91 jährige eine lebende Legende geworden. Und obgleich Mandela die Mammutaufgabe der Versöhnung der scheinbar rettungslos verfeindeten Bevölkerungsgruppen in Südafrika mit Bravour erledigte, konnte er sich bei der Wahl seines Nachfolgers – Mandela wollte den ANC-Politiker Cyril Ramaphosa, der erfolgreich die Verfassungsverhandlungen geführt hatte als seinen Stellvertreter und damit Nachfolger – gegen seine eigene Partei, den ANC, nicht durchsetzten.

Stattdessen wurde Thabo Mbeki, der Sohn seines Robben-Island Mithäftlings Govan Mbeki, sein Stellvertreter und 1999 sein Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten.

Rückblickend muss man sagen, dass Mandela sich besser für eine zweite Amtszeit zur Verfügung hätte stellen sollen. Aber er wollte endlich Zeit für seine Familie haben.

Unfähiger Nachfolger
Sein Nachfolger Mbeki, paranoid was angebliche Verschwörungen gegen ihn anging, AIDS Leugner,ausserdem Unterstützer des simbabweschen Präsidenten Robert Mugabe und mit einem Schuss schwarzem Rassismus, konnte deshalb nicht an die Erfolge Mandelas anknüpfen. Er wurde vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit von seiner eigenen Partei zum Rücktritt gezwungen.

Der jetzige Präsident Jacob Zuma macht vor allem duch seine Polygamie und weitverzweigten Vaterschaften von sich reden. Aber die Probleme AIDS und Kriminalität werden immerhin angepackt.

Jahrestag auch in Simbabwe

Der zweite Jahrestag betrifft die Regierung der nationalen Einheit in Simbabwe.
Vor einem Jahr wurde eine Regierung der nationalen Einheit in Simbabwe gebildet, Mugabe blieb Staatspräsident, sein Herausforderer Morgan Tsvangirai wurde Premier.

Von nationaler Einheit kann allerdings wenig die Rede sein. Mugabe, nachdem er und seine ZANU-PF-Regierung das Land wirtschaftlich zugrunde gerichtet hatten, verbunden mit innenpolitischem Terror, hatte die Parlamentswahlen am 29 März 2008 verloren und die Präsidentschaftsstichwahlen nur gewinnen können, nachdem seine Schergen vor allem die ländlichen Gebiete mit Terror und Einschüchterung überzogen hatten.

Sein Konkurrent Morgan Tsvangirai stieg deshalb aus dem Rennen aus, um dann ein Jahr später doch in eine Regierung der nationalen Einheit einzusteigen.

Wenig Einheit
Viel zu sagen hat er dort allerdings nicht. Mugabe benutzt jede Gelegenheit, um ihn zu demütigen. Wichtige Vereinbarungen vor Bildung der Regierung werden nicht eingehalten, darunter die Ablösung des Notenbankchefs Gideon Gono. Der hatte durch wildes Gelddrucken dafür gesorgt, dass ein Laib Brot zuletzt 1 Milliarde Simbabwe-Dollar kostete.

Im Juli 2008 lag die Inflationsrate in Simbabwe bei unvorstellbaren 231 Millionen Prozent.


Südafrikas Wochenzeitschrift Mail and Guardian, diese Woche

Hoffnung nach Jahren der Hoffnungslosigkeit
Der neue Finanzminister Tendai Biti, ein Anhänger Tsvangirais, hat mit durchgreifenden Massnahmen dafür gesorgt, dass die Gelddruckerei und damit die Inflation, zum Ende kam.
Zahlungsmittel sind jetzt nur noch der südafrikanische Rand und der US-Dollar. Die Folge: Die einstmals leeren Geschäfte haben sich wieder mit Waren gefüllt, ein bescheidenes Wirtschaftswachstum konnte erzielt werden, und seit Jahren gibt es in der Bevölkerung erstmals wieder Hoffnung.

Die weitere Folge: Würden heute Wahlen stattfinden, dann könnte Mugabes Partei ZANU-PF bestenfalls mit 10-20% der Stimmen rechnen. Mugabe weiss das durch seine allgegenwärtigen Geheimdienstmitarbeiter nur allzu gut. Wahlen stehen für ihn deshalb überhaupt nicht zur Diskussion. Sein Ziel ist es, Tsvangirai und seine Leute durch permanente Nadelstiche und Demütigungen zu zermürben und blosszustellen.

Südafrika macht Druck
Wahlen sollen eigentlich im nächsten Jahr stattfinden, aber erst nach Verabschiedung einer neuen Verfassung. Also sabotiert Mugabe und seine ZANU-PF , soweit sie das können, den Prozess einer neuen Verfassungsbildung. Und hier macht nun Südafrika Druck.

Der grösste Unterstützer Mugabes, Thabo Mbeki, ist nicht mehr im Amt und der jetzige Präsident, Jacob Zuma, hat gegenüber Mugabe eine andere Gangart eingeschlagen, und das nicht nur, weil eine seiner Töchter mit dem Sohn des Mugabe- Opponenten Welshman Ncube verheiratet ist.

30 Jahre Unabhängigkeit
Im April feiert Zimbabwe 30 Jahre Unabhängigkeit. Die Feiern sollen ausgerichtet werden von einem Mann, der schon einmal durch seine Unterdrückung der Pressefreiheit verbunden mit Propagandaoffensiven sich einen Namen gemacht hatte, aber wegen einer vorfristigen Nachfolgediskussion sich bei Mugabe schliesslich unbeliebt gemacht hatte: Professor Jonathan Moyo, mit Spitznamen auch Goebbels-Moyo genannt.
Und während es wirtschaftlich etwas aufwärts geht, liegt eine politische Erholung in Simbabwe noch in weiter Ferne.

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Heute vor 20 Jahren – Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika

Dr. Alexander von Paleske —–2-2. 2010 — Für das südliche Afrika aber weit darüber hinaus war es ein historisches Datum wie der Tag des Mauerfalls, der 9. November 1989 in Berlin. Und beide Daten haben etwas miteinander zu tun.

Historische Rede im Apartheid-Parlament
Am 2. Februar 1990 hielt der damalige südafrikanische Staatspräsident de Klerk eine historische Rede im Apartheid-Parlament in Kapstadt.

Viele hatten ein paar Reformen erwartet und die Freilassung Nelson Mandelas. Die Rede war aber ein Paukenschlag, und in den Inhalt weihte er auch fast niemanden ein, um einen Putsch rechter Generäle zu verhindern.

Alle Verbote schwarzer politischer Organisationen, an der Spitze der ANC, wurden mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Freilassung Nelson Mandelas angekündigt. Es war der Anfang vom Ende der Apartheid.

De Klerk, einstmals treuer Anhänger des Apartheidregimes, hatte sich vom Saulus zum Paulus gewandelt.
Allerdings hatte der Aufstand der Schwarzen in den Townships, die längst unregierbar geworden waren, dem Apartheidsystem schwere Schläge versetzt. Der Fall der Berliner Mauer tat ein Uebriges.Er zerstörte das Feindbild, das Südafrika immer als Rechtfertigung gerade auch seines Krieges im Innern aber auch gegen Angola und Mozambique gedient hatte.

Bereits vorher hatte Südafrika mit Kuba, den USA und der Sowjetunion den Abzug der Kubaner aus Angola vereinbart, im Gegenzug konnte Namibia nun endlich seine Unabhängigkeit erlangen.

Es sollte aber noch vier weitere Jahre dauern, bis Nelson Mandela nach den ersten freien Wahlen 1994 zum Staatspräsidenten gewählt wurde.

Das Blutvergiessen, was sogenannte gut informierte Beobachter angesichts des Hasses auf beiden Seiten erwartet hatten, fand nicht statt. Nelson Mandela schaffte den Hass ab.

Und heute?
Gerade hat Bayern München Boss Uli Hoeness davon abgeraten, nach Südafrika zu reisen. Es sei zu gefährlich. Die Wahl Südafrikas sei die grösste Fehlentscheidung des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter gewesen.

Africa Can
Beleidigen kann er, dieser Hoeness. Gerade sind die Stadien in Südafrika fertiggestellt, eine Augenweide. Auch deren rechtzeitige Fertigstellung wurde seinerzeit in Zweifel gezogen.

Südafrika und mit ihm Afrika, der Kontinent, der so geschunden wurde, freut sich nicht nur auf die Fussball-WM, sondern auch auf viele Gäste. Yes, Africa Can. Nicht nur die Stadien bauen, sondern auch den friedlichen Ubergang von Apartheid zu Nichtapartheid meistern.

Und die Kriminalität?
Ja, die gibt es, aber sie wird zu Zeiten der WM geringer sein, dafür sorgen schon die Grossaufgebote der Sicherheitskräfte.

Und wer in Rio de Janeiro war, der kann sich in Punkto Kriminalität kaum noch etwas Schlimmeres vorstellen. Merkwürdigerweise war Herr Hoeness mit der Wahl Brasiliens als nächstem Austragungsort der Fussball-WM einverstanden.

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Manto Tshabalala-Msimang – Tod einer AIDS-Leugnerin

Dr. Alexander von Paleske – 22.12. 2009 — Eigentlich halte auch ich mich an den Grundsatz “ De Mortuis Nihil Nisi Bene“ – Nichts als Gutes über die Toten. Aber hier geht es um eine Person, die direkt und indirekt für den Tod von Tausenden von Menschen verantwortlich ist. Und die Mitverantwortlichen sitzen nicht nur in Südafrika, sondern auch in Deutschland – straffrei versteht sich.

Schlagzeilen machte die 1940 geborene südafrikanische Gesundheitsministerin als „Dr. Beetroot“. Statt antiretroviralen Medikamenten propagierte sie rote Bete (Beetroot) Gemüse, Olivenöl, Knoblauch und afrikanische Kartoffeln als Mittel gegen die HIV-Krankheit.

Mit Gemüse zur Lächerlichkeit
Auf einer internationalen AIDS Konferenz in Toronto im Jahre 2006 packte sie sogar diese Produkte auf einen Stand und gab damit sich selbst und Südafrika der Lächerlichkeit preis.

Schlimmer noch: Mindestens 30.000 Südafrikaner – nach Schätzungen von Forschern der Harvard-Universität aber 350.000 – könnten heute noch leben, wenn Manto ihren medizinischen Sachverstand benutzt hätte, statt papageienartig das nachzuplappern, was Südafrikas damaliger Präsident Thabo Mbeki – ohne jeglichen medizinischen Sachverstand – falsch vorsang. Sie hätte dem Präsidenten Mbeki die Leviten lesen sollen, als dieser anfing, die abstrusen Thesen der internationalen AIDS-Leugner aufzugreifen, zu denen auch der Kieler Internist Claus Koehnlein gehört, und diese Herrschaften dann auch noch zu seinen Beratern machte.

Manto lieferte aber pseudowissenschaftliche Schützenhilfe, statt medizinischem Allgemeinwissen.
AIDS wurde nun – wider alle wissenschaftliche Vernunft – als eine Folge von Unterernährung angesehen und damit leicht behandelbar. Schlimmer noch: Die AIDS-Seuche wurde mit den uverantwortlichen Stellungnahmen des Präsidenten Mbeki verharmlost. Und dies in einem Land, wo 10% der 50 Millionen Einwohner mit dem HIV-Virus infiziert sind.

Ein deutscher Mitstreiter namens Dr. Matthias Rath
Ausserdem liess Manto Tshabalala Msimang umstrittene Personen wie den Deutschen Dr. Matthias Rath ins Land, der seine Pillchen und Nahrungs-Ergänzungstoffe, für die er in Grossanzeigen warb, an HIV-Kranke verhökerte.

Und beide, Rath und Manto, ermutigten Patienten, die bereits mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, die Einnahme von Anti-Aids-Medikamenten zu stoppen und auf Raths Zeugs umzusteigen, mit katastrophalen Folgen.

Waffen ja, Medikamente nein
Schliesslich behauptete Manto noch, Südafrika habe nicht genügend Geld für die Behandlung von HIV-Kranken, wies aber gleichzeitig eine Geldspende zur Behandlung Aids-Kranker in Höhe von 75 Millionen US-Dollar zurück.

In der Folgezeit wurden dann zwar jede Mengen hochmoderner Waffensyteme für Südafrika in Europa eingekauft, noch dazu unter skandalträchtigen Umständen, aber nur unzureichend antiretrovirale Medikamente importiert.

Erst mit der erzwungenen Abdankung Thabo Mbekis im Jahre 2008 kam der Spuk zum Ende. Manto wurde als Gesundheitsministerin abgelöst.

Das tragische Ende
Es ist das in gewisser Weise tragische Ende einer einst mutigen jungen Frau, die sich dem ANC, der jetzigen Regierungspartei und damaligen schwarzen Oppositionspartei Südafrikas, anschloss, und von ihr zusammen mit Thabo Mbeki und anderen zum Studium ins Ausland geschickt wurde.

Manto studierte Medizin in Moskau und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Danach arbeitete sie als Aerztin unter anderem in Botswana, aber da wurde sie straffällig. Sie stahl Wertgegenstände von Patienten und Krankenhausinventar. Ein Gericht in Botswana verurteilte sie dewegen zu einer Geldstrafe und verwies sie für 10 Jahre des Landes.

1990 kehrte Manto nach Südafrika zurück, wurde nach den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 Parlamentsabgeordente und machte sich im Parlament einen Namen für ihren Sachverstand im Gesundheitsausschuss. Im Jahre 1999 wurde sie Gesundheitsministerin.
Manto Tshabalala-Msimang starb am 16. 12. 2009 an den Folgen einer im Jahre 2007 durchgeführten Lebertransplantation, auch diese skandalträchtig, da sie die Warteliste übersprang und als chronisch Alkoholkranke ohnehin ein ungeeigneter Kandidat für eine Transplantation war.

linkKampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome
linkDas Ende einer Rath-Fahrt – Pillensendung in Südafrika beschlagnahmt
linkWelt AIDS-Tag – ein Blick nach Südafrika
linkSüdafrika – Mbeki-Nachfolger Kgalema Motlanthe vereidigt
linkSüdafrika, 46664, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
HIV kein Virus oder harmloses Virus ??
Sehr geehrter Herr Engelbrecht

Zu den Waffengeschäften mit Südafrika
Der Airbus–Militärtransporter-Deal mit Südafrika – Ein bitter notwendiges Ende
Deutschland, Südafrika und ein Waffenskandal ohne Ende
Südafrika – Auf dem Weg in eine Bananenrepublik?

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Dumela Ngaka 2. Folge: Meine Freunde, die Botschafter der Bundesrepublik

Dr. Alexander von Paleske — 6.11. 2009 — – Bevor ich weiter über die Gesundheitsversorgung in Botswana berichte, will ich etwas abschweifen und meine Erfahrungen mit deutschen Auslandsvertretungen mitteilen. Nicht immer positive Erfahrungen.
Als Deutscher in einem Land der Dritten Welt kommt man zwangsläufig mit den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik in Berührung. Sei es, dass man einen neuen Pass braucht oder eine amtliche Bescheinigung zum Beispiel über einen deutschen Führerschein.
Oder die jährliche Einladung zum deutschen Nationalfeiertag am 3.10.

Nicht zu vergessen die Einladung zum Bankett, sollte der Bundespräsident mal zur Staatsvisite kommen und man zu dem ausgewählten Personenkreis gehört, der eine Einladung „verdient“.

Ein Arzt als Info-Quelle
Meine erste unerfreuliche Auseinandersetzung mit einer deutschen Botschaft datiert bereits auf das Jahr 1987, kurz nach meiner Ankunft in Simbabwe.

Ich brauchte von der Botschaft in Harare eine Stellungnahme zu einem Antrag für eine Förderung duch eine Unterorganisation der GTZ (Gesellschaft für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit).
Ein Botschaftsmitarbeiter des gehobenen Dientes, namens Aidnik, sagte mir eine rasche Bearbeitung zu, wollte aber im Gegenzug Informationen aus dem Krankenhaus bekommen, die er auf offiziellem Weg nicht erhalten konnte. Es ging um die mysteriöse Erschiessung von zwei Deutschen auf dem Weg nach Victoria Falls im Jahre 1987.

Die polizeilich angeordnete Sektion hatte in meiner zukünftigen Arbeitsstelle, dem Mpilo-Hospital in Bulawayo, stattgefunden. Das simbabwesche Aussenministerium gab, trotz mehrfacher Anfragen, keine für die deutsche Botschaft ausreichenden Auskünfte, aus welchen Gründen auch immer.

Ich fand dieses Anliegen empörend, weil es praktisch auf Aufforderung zum Ausspionieren hinauslief. Der Botschaftsmitarbeiter wollte nämlich, dass ich mir eine Kopie des Sektionsprotokolls besorge und ausserdem mehr über den Vorfall an meiner neuen Arbeitsstelle in Erfahrung bringe, insbesondere welche weiteren Feststellungen der sezierende Arzt sonst noch gemacht hatte.

Um meinen Antrag nicht zu gefährden, liess ich mich zum Schein darauf ein. Nachdem der Antrag durch war, beschwerte ich mich offiziell. Der Beschwerdebrief schlug wie eine Bombe in der deutschen Botschaft ein.

Ein windelweicher Antwortbrief, in dem ausgeführt wurde, ich sei doch nur gebeten worden, mich aus allgemein zugänglichen Quellen zu informieren, war die Antwort. Allgemein zugängliche Quellen? Welche die Botschaft, da offenbar allgemein zugänglich, nicht selbst anzapfen konnte?

Aber es gibt auch lobenswerte Beispiele: die Botschafter Flimm und Kilian, beide waren in den 90er Jahren Botschafter in Harare

Besuche, die nicht stattfanden
Man sollte eigentlich erwarten, dass die deutschen Auslandvertretungen ein Interesse daran haben, zu erfahren, was Deutsche, zumal in leitender Position, dort eigentlich tun, ggf. sie auf iher Arbeitsstelle im Laufe ihrer normalerweise dreijährigen Dienstzeit als Botschafter zu besuchen. Denn auch wir stellen ja eine Art „Botschafter“ für Deutschland dar. Also eine Begegnung von Botschafter zu Botschafter sozusagen.

Insbesondere dann, wenn die Residenz des deutschen Botschafters in Botswana, wie in meinem Falle, schlappe 800 Meter von meiner Arbeitsstelle, dem Princess Marina Zentralkrankenhaus, entfernt liegt, wo noch ein weiter deutscher Kollege, führend in der AIDS Forschung, arbeitet..

Die Realität sieht allerdings völlig anders aus. Ein wirkliches Interesse aller deutschen Botschafter während meiner immerhin achtjährigen Dienstzeit in Botswana, war nicht erkennbar.

In Botswana habe ich mittlerweile deren drei erlebt. Einzige Besuchs-Ausnahme: Eine deutsche Parlamentarierdelegation, die 2005 nach Botswana kam und auch dem Princess Marina Krankenhaus einen Besuch abstattete. Da musste der deutsche Botschafter zwangsläufig mitkommen.

Bemerkung meinerseits zu dem MdB Hartwig Fischer: „ Jetzt hat der Botschafter wenigstens auch mal Gelegenheit, die onkologische Abteilung zu besuchen“ Antwort Fischer: „Was, der war noch nie hier?“

MdB Fischer war regelrecht empört und wollte dem Botschafter gleich mal ordentlich Bescheid sagen, wovon ich ihn jedoch abhielt, wegen Hoffnungslosigkeit der Aktion.

Dem jetzigen Botschafter schlug ich nach seiner Amtsübernahme vor 2 1/2 Jahren einen Besuch vor .
Ja, Ja, er habe grosses Interesse und würde bald mal vorbeischauen. Er kam nie.
Er geht nun bald in den hochverdienten Ruhestand und meine Arbeit in Botswana ist zum Abschluss gekommen.

Die Botschafter, die sich immer gerne noch als Gesandte und nicht als Geschickte, also nicht als Teil eines Dienstleitungsbetriebes ansehen, tingeln offenbar von einem Botschaftsempfang zum nächsten. Sehr anstrengend.

Haben sie es erst einmal zum Botschafter geschafft , manche im höheren Dienst des AA schaffen selbst das nicht, dann haben sie ihr Lebensziel erreicht.

Allerdings ist eine Botschaft in einem relativ, aus deutscher Sicht gesehen, unbedeutendem Land wie Botswana, ohne politische Spannungen, entsprechend „schlecht“ in der Besoldungsgruppe eingestuft: A16, und oftmals für die nicht so grossen „Leuchten“ im AA dann auch gleichzeitig die berufliche Endtsation. Das Motto dann offenbar entprechend: Warum sich vor dem beruflichen Ende noch gross anstrengen, wenn es auch anders geht? Meine Pension bekomme ich doch so oder so.

Webseite zum Amüsieren
Die Website des AA seinerzeit unter dem J. Fischer war seinerzeit auch eine Quelle des Humors – unfreiwilligen Humors, Humor unter meinen Kollegen.
Dort fand sich ein Bild J. Fischers, mittlerweile als „Klinkenputzer“ für Siemens und BMW unterwegs, und darunter sein Lebenslauf: Nach seinem Geburtsjahr 1948 folgte dann als nächster Eintrag das Jahr 1982: Der Eintritt bei den Grünen. 34 Jahre fehlten. Ich zeigte es meinen Kollegen.


Auswärtiges Amt – Lebenslauf des Joseph Martin (Joschka)Fischer mit 34 leeren Lebens-Jahren

Als ich ihnen erklärte, dass der Herr Aussenminister Fischer seine Vergangenheit wie das Ungeheuer von Loch Ness habe verschwinden lassen, brachen sie in schallendes Gelächter aus.

Wird fortgesetzt

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Rassismus in Südafrika – 15 Jahre nach Beginn von Nelson Mandelas Versöhnungspolitik

Dr. Alexander von Paleske – Im März 2008 berichteten wir hier über schockierende rassistische Vorfälle in Südafrika. Es handelte sich um Studenten in einem Hostel auf dem Gelände der Free State Universität in Bloemfontein (UoFS).

Eine Gruppe von weissen Studenten, RC Maherbe, Johnny Roberts, Schalk van der Merwe und Danie Grobler hatten es sich in dem „Reitz-Hostel“ gemütlich gemacht. Dort wurde nicht nur Afrikaans gesprochen, dort ließ man nicht nur die weiße Vergangenheit hochleben, sondern die nähere Umgebung des Hotels wurde zu einer „No Go Zone“ für schwarze Kommilitonen erklärt. Wer es als Schwarzer wagte, näher zu kommen, wurde mit übelsten rassistischen Schimpfworten bedacht.

Ein rassistisches Video
Aber damit nicht genug, die „Reitz-Crew“ drehte ein Video in dem unter anderem die schwarzen Bediensteten gezeigt werden, wie sie Essen einnehmen, auf das vorher einer der Studenten uriniert hatte. http://www.youtube.com/watch?v=F4jq_sucA34
Und jede Menge von rassistischen Sprüchen und Szenen können dort bestaunt werden.
Das Video landete zur besseren Verbreitung im Internet und der Skandal war perfekt. Die Studenten flogen nach einem internationalen Aufschrei der Empörung von der Uni.

Knapp 18 Monate später sind sie wieder da. Der Rektor der Universität, Professor Jonathan Jansen erlaubte ihre Rückkehr, und nannte seine Handlung einen Akt der Versöhnung.
Versöhnung würde aber doch wohl voraussetzen, dass diese Studenten sich zu einer Entschuldigung aufgerafft und die gedemütigten schwarzen Bediensteten um Verzeihung gebeten hätten.

Aber davon kann keine Rede sein
Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich näher auf dem Campus umschaut, wie es die Journalistin Theresa Oakley-Smith getan hat (The Star, 21.10.2009, S.12) und feststellte, dass dort auf dem Campus und in den Studentenwohnheimen Rassentrennung die Regel ist.

Es gibt „schwarze“ und „weisse“ Wohnheime. Und dies, obgleich die Studenten unter der Versöhnungspolitik von Nelson Mandela aufgewachsen sind. Sie leben in Parallelwelten.

Auch hätte man erwarten können, dass der Rektor vor seiner Entscheidung die von den Studenten gedemütigten schwarzen Beschäftigten angehört hätte. Diese berichten nun, dass sie nach wie vor an diesem Trauma litten.


Wo die Vergangenheit immer noch Schatten wirft – STAR vom 22.10.2009. Das Bild zeigt die Opfer des Rassismus.


Kritik an der Entscheidung des Rektors der UoFS – STAR vom 22.10.2009

Rassismus ist nach wie vor ein grosses Problem in Südafrika. Aktionen wie die des Rektors der UoFS sind nicht geeignet, dem Rassismus die Stirn zu bieten. Eine falsche Form der Versöhnung.

Südafrika – Ende der Regenbogen-Nation?

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Südafrika: Neue Statistiken zur Kriminalität – Gewaltverbrechen auf dem Vormarsch

Dr. Günter Pabst – Jedes Jahr im September werden sie der Öffentlichkeit serviert: die Statistiken zur Kriminalität für ein Jahr, jeweils vom April bis März. Im September ist das schon ferne Vergangenheit. Besonders, wenn eine neue Verwaltung im Amt ist – ein neuer Präsident, ein neuer Polizei-Minister, ein neuer Polizei-Chef.

Sie alle haben der Kriminalität den Kampf angesagt, so wie das alle Vorgänger auch getan hatten. Sie werden nun gemessen an den Statistiken für den Zeitraum April 2008 bis März 2009. Und niemand in der Regierung oder in der Polizei-Spitze muss sich für diese aktuellen Zahlen verantworten. Und sie sind erschreckend!

Man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass in Südafrika täglich 50 Menschen ermordet werden, in weiteren 50 Fällen ein Mord versucht wird, über 450 Raubüberfälle stattfinden und rund 1.500 Mal eingebrochen oder ein Auto geklaut wird. Und immer wieder glauben die Menschen in diesem Land, dass es nicht schlimmer werden kann. Wird es aber.

Zwar ist die Zahl der erfassten Morde zurückgegangen – um 300. Jetzt werden also nicht mehr im Durchschnitt 51 Menschen am Tag ermordet, sondern nur noch 50. Das sind immer noch insgesamt 18.148 Morde. Und wenn man sich die letzten sechs Jahre anschaut, kann man feststellen, dass sich Mord auf hohem Niveau als Verbrechen etabliert hat.

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Richtig alarmierend ist aber, wie sich Raub als neuer Verbrechenstrend entwickelt hat. Ich hatte in einem Beitrag am 24. Juli 2009 hiervon berichtet, ohne Zahlen an der Hand zu haben, einfach gestützt auf das, was eigentlich jeder Beobachter wahrnehmen konnte. Die Zahlen liefern nun eine deutliche Bestätigung: Gegenüber 2007/08 sind Raubüberfälle in Wohnimmobilien um fast 28% gestiegen – von 14.481 auf 18.438. Betrachtet man hier den Sechs-Jahres-Zeitraum 2003 bis 2009 liegt der Anstieg bei 97% – eine Verdoppelung. Und im Western Cape hat es in dieser Zeit sogar eine Verdreifachung gegeben – +205%.

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Geradezu verheerend sind die Zahlen zu Raubüberfällen auf Geschäfte und Betriebe. Hier verzeichnet die Statistik einen Anstieg von 41% in nur einem Jahr und von 287% in sechs Jahren; im Western Cape gab es zwischen 2003 und 2009 sogar eine Steigerung von 870%.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Man kann es wohl so formulieren: Es herrschen kriegsähnliche Zustände; es gehört viel Idealismus dazu, in Südafrika freiwillig zu leben und Geschäfte zu machen, oder Ignoranz, oder beides. Denn diese nun statistisch erfassten Verbrechen sind alle verübt worden, nachdem die Menschen in ihren Häusern und Betrieben mit viel Geld schon kräftig aufgerüstet haben im ihrem Versuch, nicht ins Fadenkreuz des Verbrechens zu gelangen. Sie werden noch weiter aufrüsten und die Verbrecher werden neue Nischen aufspüren und ihrerseits an der Rüstungsspirale drehen.

linkDieser Artikel wurde durch Capetown-online ermöglicht

linkDr. Günter Pabst hat in den letzten Jahren zu verschiedenen rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen und politischen Themen in Fachzeitschriften und Magazinen Beiträge veröffentlicht. Mehrfach wurde er eingeladen, vor Wirtschaftsdelegationen in Südafrika und auf Seminaren und Workshops in Deutschland Vorträge zu diversen Südafrika-Themen zu halten. Dr. Papst ist Rechtsanwalt, seine Hompage finden sie unter Pabst & Pabst Consulting.

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Rainbow-Nation, oder was?

Klaus D. Doll – Das Thema Rassismus bewegt nicht nur die Menschen in Südafrika und es verdient jede Aufmerksamkeit. Zwei der jüngsten Beispiele für Rassismus im Zusammenhang mit Südafrika zeigen plastisch und auf gegensätzliche, in beiden Fällen höchst fragwürdige Art, wie tölpelhaft und leichtsinnig noch immer mit der Karte Rassismus gespielt wird.

Irgendwie schade, denn der von Desmond Tutu 1994 geprägte Begriff der „Rainbow-Nation“ sollte doch das Nach-Apartheid-Südafrika als friedliches Land der unterschiedlichsten Rassen charakterisieren. Nun beginnen wir uns langsam zu fragen, was aus dem Regenbogen von Bischof Tutu geworden ist.

Da ist die Geschichte um den weißen Südafrikaner Brandon Huntley aus Kapstadt. Anfang September berichteten die internationalen Medien über kanadische Behörden, die Brandon Huntley als Flüchtling anerkannt haben. Er sei ein Opfer seiner Rasse, behauptete dieser und erklärte den Behörden eilig, dass Weiße in Südafrika das Ziel schwarzer Krimineller seien und dass die Regierung nichts unternehme, um sie zu schützen. Die Einwanderungsbehörde befand den Angaben zufolge, dass Huntley „eher ein Opfer wegen seiner Rasse als ein Opfer von Kriminalität ist“. Weitere Stellungnahmen gab die Behörde nicht zu dem Fall, der auf höchst dünnem kanadischen Eis gebaut ist. Brandon Carl Huntley gab weiterhin an, sieben Mal von Schwarzen überfallen worden zu sein.

Südafrika ist zurecht empört und ein Sprecher des südafrikanischen Einwanderungsministeriums erklärte schnell und recht unglücklich, die Aussagen des Mannes würden „den guten Namen schwarzer und weißer Südafrikaner beflecken und sind rassistisch motiviert“. Die Regierung arbeite hart daran, die Kriminalität zu bekämpfen, kontert der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) nicht minder ungelenk. Dessen Sprecher meinte zudem, die Aufnahme führe dazu, den Rassismus in Südafrika zu zementieren.

Und schon haben wir den rassistisch angemachten Salat und allseits wird darauf hingewiesen, dass schon seit einigen Jahren zunehmend mehr weiße Bürger Südafrika verlassen, weil sie dort immer häufiger Opfer von gewalttätigen Übergriffen werden. Bei all der Aufregung wird schnell vergessen, dass Rassismus und Kriminalität aus zwar grundsätzlich schlechten, aber doch unterschiedlichen sozialen Kinderstuben kommen.

Der zweite, aber nicht minder miese Fall einer schlecht gespielten Rassimuskarte bewegt sich im Umfeld der umstrittenen Sportlerin Caster Semenya. Schnell und ungefragt meldeten sich da die Politprofis, wie Winnie Mandela: „Steckt euch eure wissenschaftlichen Test sonst wo hin. Wir haben die Rassentrennung besiegt und wir werden wieder siegen.“ Natürlich darf der Scharfmacher Julius Malema vom Jugendverband des ANC nicht fehlen: „Wir sind für den Sieg geboren. Wir haben das sinnloseste Regime der Welt bezwungen und das hier ist ein leichter Sieg.“ Und weiter war von ihm zu hören, man werde Geschlechtertests von Caster Semenya genauso wenig wie Rassismus akzeptieren. Ich verweise hier gerne auf die sehr guten Artikel von Wolfgang Drechsler: „Rassistisch und selbstgerecht“ vom 27.09.09 im Tagesspiegel und ebenso auf Dr. Pabst in seinem Artikel: „Das Gold der Caster Semenya, Empfindlichkeiten, Peinlichkeiten + verbale Entgleisungen„, vom 10.09.09, für capetown-online.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um Rassimsus weiter entwickeln wird und die unterschiedlichen Lager agieren werden. Ich wünsche mir mehr geschichtliches und verantwortliches Bewustsein für dieses Thema auf allen Seiten und mehr Respekt vor so klugen und hoffnungsvollen Menschen, wie Desmond Tutu und Nelson Mandela.

linkDieser Artikel wurde durch Capetown-online ermöglicht

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Südafrika: Das Gold der Caster Semenya, Empfindlichkeiten, Peinlichkeiten & verbale Entgleisungen

Dr. Günter Pabst – Selbst in Südafrika kannte sie vor dem 19. August 2009 kaum einer, die 18-jährige Caster Semenya. Was sie dann plötzlich weltweit in die Schlagzeilen brachte, war weniger der Titelgewinn über die 800m-Strecke bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin oder die neue Weltrekordzeit von 1:55,45.

Es war die Nachricht, dass sich Semenya auf Verlangen der International Association of Athletics Federations (IAAF) einem Geschlechtstest (gender verification) zu stellen habe.

Kontroversen über das Geschlecht von Athleten, die in Frauen-Wettbewerben antraten, hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Durch Tests flogen einige auf; bei anderen genügte die Vorladung und sie wurden nie wieder bei einem Wettkampf gesehen. Innerhalb des IAAF hatte sich in den letzten Jahren eine gewisse Zurückhaltung solchen Tests gegenüber entwickelt. Sie sind ein „heißes Eisen“, das nur mit größter Zurückhaltung angefasst wird. Die Medien nahmen sich des Themas denn auch mit einer gewissen Sensibilität an; kritisiert wurde insbesondere der Zeitpunkt, zu dem die IAAF-Forderung bekannt geworden war – wenige Stunden vor dem Lauf.

Und dieser Umstand hat in Südafrika bei einigen Zeitgenossen zu Überreaktionen geführt, deren Schwung immer noch Momentum hat. Da geht es schon lange nicht mehr um die Athletin; das Thema lautet: Die IAAF ist eine weiße, rassistische Organisation, die unserem „Golden Girl“ die Goldmedaille nicht gönnt, weil sie schwarz ist. Und die Medien spielen kräftig mit. Ich werde auf einige dieser Ergüsse noch eingehen. Zunächst einmal müssen aber die Fakten auf den Tisch. Denn erst dann zeigt sich, wie sehr daneben viele erzürnte Kommentare liegen.

Caster Semenya startete bei den Afrikanischen Junioren-Meisterschaften, die Ende Juli 2009 auf Mauritius stattfanden, über 800m und 1500m. Sie gewann beide Titel in Zeiten, die bemerkenswert waren. Mit 1:56,72 über die 800m war sie um 7,5 Sekunden schneller als neun Monate zuvor; über 1500m verbesserte sie ihre Bestzeit sogar um 25 Sekunden auf 4:08,01. Solche Quantensprünge mussten zu einer Reaktion bei der IAAF führen; das roch nach Doping.

Und tatsächlich zeigte sich bei der routinemäßigen Dopingkontrolle nach den Läufen ein Testosteronwert, der dreifach über dem Grenzwert lag. Da es bei so einem hohen Wert auch eine andere Erklärung als Doping geben kann, bestand die IAAF auf einen Geschlechtstest. Dem hat sich die Athletin auch unterzogen, und zwar gleich nach den Meisterschaften auf Mauritius – in Südafrika. Gesagt hat man ihr das aber nicht. Sie wurde in dem Glauben gelassen, ihre Untersuchungen seien reine Dopingtests. Und da die Auswertung von Geschlechtstests einige Wochen dauert, nahm das Unheil seinen Lauf.

Der südafrikanische Leichtathletik-Verband (ASA) schickte mit Caster Semenya eine Athletin nach Berlin, die mitten in einem Verfahren zur Überprüfung ihres Geschlechts stand (und dies gar nicht wusste). Das Verfahren wurde sowohl bei der IAAF als auch bei ASA diskret behandelt; an die Öffentlichkeit wurde nichts gegeben. Irgendwo gab es dann aber eine undichte Stelle; am 19. August 2009, dem Tag des Finales, machte die Nachricht die Runde.

Also: Die IAAF hat den Test nicht erst in Berlin gefordert, sondern schon Wochen zuvor. Und dies nicht als Reaktion auf den Weltrekord-Lauf, sondern wegen Indizien, die man nur schwerlich ignorieren kann. Die IAAF hat das Verfahren auch nicht publik gemacht, sondern es erst bestätigt, nachdem die heiße Nachricht schon in der Welt war. Wo die undichte Stelle ist, bleibt unbekannt. Da man bei ASA Bescheid wusste, kann die Indiskretion genauso gut von dort oder von einer anderen südafrikanischen Quelle stammen. Und schließlich: So sehr man einen Geschlechtstest unter persönlichkeitsrechtlichen Aspekten als bedenklich ansehen kann, ist ein solcher Test doch nach den IAAF-Regeln möglich.

Es gibt dazu ein auf der Homepage zugängliches Dokument, in dem Details zu Voraussetzungen und Verfahren dezidiert geregelt sind. Denn unter Sportmedizinern ist unstreitig, dass es seltene biologische Konstellationen geben kann, bei denen eine Frau genetische Vorteile gegenüber Geschlechtsgenossinnen besitzt, die einen fairen Wettbewerb nicht zulassen. Nüchtern betrachtet ist also der Fall Caster Semenya eigentlich ziemlich unspektakulär, auch wenn das ganze Verfahren für die junge Athletin belastend ist. Wer sich im Hochleistungssport bewegt, wird die Regeln zu akzeptieren haben.

Wenden wir uns nun einigen Reaktionen in Südafrika zu. Präsident Jacob Zuma hielt sich noch vergleichsweise zurück; für ihn sind das „Gerüchte, die falsch und geistlos“ seien. Dicker aufgetragen haben da schon einige Minister. Nkosazana Dlamini-Zuma (Home Affairs) spricht von „einer Schlacht, die gegen Semenya geführt wird“; Edna Molewa( Social Development) findet „die Zweifel nicht fundiert; die werden von den Verlierern gestreut.“

Die Regierungspartei ANC entdeckt „üble Motive“ bei denen, die den Geschlechtstest betreiben. Und das Parlament hat eine Beschwerde an die UN-Menschenrechts-Kommission gerichtet, weil man in der Behandlung der Athletin „einen schweren Verstoß gegen die Menschenrechte und eine Verletzung der Privatsphäre“ sieht. Und mal wieder sind es zwei Populisten der politischen Szene, die „Volkes Stimme“ artikulieren. Julius Malema, seines Zeichens Vorsitzender der ANC-Jugendliga, spielt bei der Rückkehr der Mannschaft nach Südafrika die Rassenkarte. „Die weiß kontrollierten Medien sind mal wieder im Unrecht“ (mit der Art und Weise, wie sie über den Fall Semeya berichten).

Winnie Madizikela-Mandela, Ex-Frau von Nelson Mandela und so etwas wie die ungekrönte Königin der Herzen in den schwarzen Townships, lies verlauten: „Niemand hat das Recht, unser Golden Girl anzutasten. Wer das tut greift uns alle an.“ Den Medien schreibt sie ins Stammbuch: „Macht von der Pressefreiheit, die wir Euch gebracht haben, korrekt Gebrauch, sonst nehmen wir die Euch wieder weg.“ An der Spitze mit den verbalen Injurien aber steht Leonard Chuene, Präsident von ASA. „Wie können sich Weiße Fragen nach der biologischen Konstellation einer schwarzen Frau erlauben?

Das ist Rassismus – schlicht und einfach. In Afrika schauen sich Eltern ihr Kind an und wissen genau, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Nun sagt man uns, dass dies nicht so einfach sei. Die Europäer werden unsere Kinder aber nicht definieren.“

Alles gesagt, Mr. Chuene – was die ewigen Kolonialisten da doch wieder für Unruhe stiften. Dabei lässt sich doch auch im 21. Jahrhundert die Welt ganz einfach in weiblich/männlich und schwarz/weiß einteilen – oder?

linkDieser Artikel wurde durch Capetown-online ermöglicht

linkDr. Günter Pabst hat in den letzten Jahren zu verschiedenen rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen und politischen Themen in Fachzeitschriften und Magazinen Beiträge veröffentlicht. Mehrfach wurde er eingeladen, vor Wirtschaftsdelegationen in Südafrika und auf Seminaren und Workshops in Deutschland Vorträge zu diversen Südafrika-Themen zu halten. Dr. Papst ist Rechtsanwalt, seine Hompage finden sie unter Pabst & Pabst Consulting.

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Südafrika: 100 Tage Präsident Jacob Zuma

Dr. Günter Pabst – Da gab es Tausende in Südafrika, die verkündet hatten, das Land verlassen zu wollen, wenn Jacob Zuma (67) Präsident werden sollte. Sie konnten sich nicht vorstellen, von einem Mann regiert zu werden, dem ein so negatives Image anhing. Die meisten haben ihre Koffer wieder ausgepackt.

Nicht etwa, weil Zuma über Nacht zum Saubermann geworden ist. Auch nicht, weil er sie mit einer neuen Politik überzeugt hätte. Die große Absetzbewegung fiel aus, weil Jacob Zuma sich seit dem Wahlsieg des ANC erstaunlich ruhig im Hintergrund hält. Man merkt kaum, dass da ein Wechsel im höchsten Staatsamt stattgefunden hat. Und bei vielen waren die Auswanderungsgelüste wohl auch eher unterentwickelt.

Das Fazit der ersten 100 Tage kann am besten so formuliert werden: Es gibt nichts weltbewegend Neues in der Politik. Die neue Regierung hat keine wirklichen Akzente gesetzt. Der Präsident gibt sich zurückhaltend, mehr wie ein Staatsoberhaupt als ein Regierungschef. Oberste Devise ist: Nur keinen Fehler machen und nicht unangenehm auffallen. Die scharfen Töne überlässt man wie so oft anderen, nämlich dem Gewerkschaftsverband COSATU und der Kommunistischen Partei SACP, den beiden Allianz-Partner des ANC.

Dabei hatte die Konfiguration der neuen Regierung durchaus Akzente versprochen. So gibt es zwei strategisch wichtige Ministerien in der Präsidentschaft, eines für Nationale Planung, geführt vom Star der letzten Regierungen, Ex-Finanzminister Trevor Manuel (53). Das andere nennt sich Ministerium für Monitoring + Evaluation, also so etwas wie der Watchdog des gesamten Regierungsapparates bis hinunter in die Gemeinden, geführt von Collins Chabane (49), ein der breiten Öffentlichkeit bisher unbekannter Parteisoldat. Auch das Wirtschaftsressort ist aufgewertet worden. Es gibt – wie bisher – Trade + Industry, jetzt mit Rob Davies (61) an der Spitze, einem Führungsmitglied der SACP mit allerdings pragmatischen Zügen; er war im letzten Kabinett stellvertretender Wirtschaftsminister.

Neu ist Economic Development, geführt vom Ex-Gewerkschaftler Ebrahim Patel (47), bekannt für seine stramme Linksausrichtung. Zwei Linke also in den Wirtschaftsressorts; keine andere Besetzung im Kabinett macht so sehr deutlich, dass ein stärkerer Linkskurs unter Zuma zu erwarten ist.

Für Überraschung hat gesorgt, dass Tokyo Sexwale (56) bereit war, als Wohnungsbau-Minister in die Regierung einzutreten. Er war lange von vielen als Kandidat für die Präsidentschaft gehandelt worden und hat es mit Immobiliengeschäften und im Bergbau zu Milliarden gebracht – ein Vorzeige-Unternehmer und sicher eine Bereicherung für die Politik. Der Rest des Kabinetts ist eine Mischung aus alten Hasen, zum Teil in neuen Ämtern, und Newcomern, die bislang nicht im Rampenlicht gestanden waren.

Die nennenswerten Entwicklungen im Land fanden außerhalb der Politik statt. Es gab mal wieder eine Welle spektakulärer Streiks, wie immer begleitet von Gewalt und mit hässlichen Szenen. Aber sie waren aus Gewerkschaftssicht durchaus erfolgreich, sehr sogar. Der Öffentliche Dienst brauchte nur eine paar Schwerpunktstreiks, um nach geforderten 15% mit 13% nach Hause gehen zu können.

Die Bauarbeiter konnten 12,5% Lohnanhebungen durchsetzten, weil sie ein wertvolles Faustpfand geschickt eingestzt hatten: die Baustellen für die 2010-Infrastrukturmaßnahmen. Da gab es viel Schützenhilfe für die streikenden Arbeiter von ansonsten unbeteiligten Dritten, die um das Milliardengeschäft FIFA-Worldcup 2010 besorgt waren. Nach gut einer Woche sind die Bauarbeiten wieder ins Laufen gekommen; der Zeitplan ist nicht gefährdet. Vorläufig nicht. Denn es würde nicht überraschen, wenn dieses Faustpfand nicht noch ein weiteres Mal benutzt wird, bevor die 2010-Baustellen abgearbeitet sind und die Bauindustrie dann in der Rezession versinken wird.

Wenn man sich die Inflationsdaten (Juni 2009: 6,9%) ansieht und sich weiter vor Augen führt, dass auch Südafrika in einer tiefen Rezession steckt, müssen solche Tarif-Abschlüsse mit Sorge zur Kenntnis geommen werden. Und beim Abschluss im Öffentlichen Dienst kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätte die Arbeitgeberseite, natürlich dominiert von ANC-Getreuen, den Gewerkschaften ein Dankeschön für deren Wahlhilfe spendiert.

Jacob Zuma hat auch einige personelle Weichen in Schlüsselpositionen gestellt. So hat er einen neuen Polizei-Commissioner ernannt, den kommenden Chief-Justice nominiert, eine neue Gouverneurin der Zentralbank benannt und den „Hawks“ ihr Leben eingehaucht, der neuen Spezialeinheit für die schwierigen Kriminalfälle. Ein geschicktes Händchen scheint er dabei gehabt zu haben. Denn jetzt ist sogar sein wohl schärfster und meistgeachteter Kritiker auf Schmusekurs gegangen – Ex-Erzbischof Desmond Tutu (77) sieht das Land nun auf einem guten Weg unter Jacob Zumas Führung. Das kommt einem Ritterschlag gleich.

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