afrika

Wenig Trauer – Rhodesiens ehemaliger Premier Ian Smith gestorben

Dr. Alexander von Paleske – Heute verstarb in Kapstadt der ehemalige Premier Rhodesiens Ian Smith im Alter von 88 Jahren. Das wäre normalerweise keine Zeile wert gewesen, denn Ian Smith war ein Rebell gegen die britische Krone indem er im Jahr 1965 die einseitige Unabhängigkeit Rhodesiens erklärte (UDI). Freie Wahlen gab es nur für die weiße Minderheit, die 1 Prozent der Bevölkerung ausmachte und der mehr als 70 Prozent des fruchtbaren Bodens gehörte.

Die Folge war der blutige Befreiungskampf der schwarzen Befreiungsbewegungen ZAPU und ZANU, der 1966 begann und 1980 mit der Unabhängigkeit und dem Wahlsieg Robert Mugabes und seiner ZANU-Partei endeten.

Doch die Nachricht vom Tode des Ian Smith lief heute über alle Nachrichtenkanäle. Der Grund dafür heißt Robert Mugabe.


Ian Smith führte nach der Unabhängigkeit die weiße Opposition an, aber seine ständigen Angriffe gegen Robert Mugabe und seine Regierung waren nicht mehr als die Ausbrüche eines alternden Rassisten, den niemand mehr ernst nahm.
© Foto: Robin Wright / Alicia Patterson Foundation, New York.

Die Versöhnungsrede des Premiers Mugabe nach seinem Wahlsieg 1980 überzeugte die Mehrheit der Weißen, die bereits für den Umzug nach Südafrika, England und Australien gepackt hatten, dazubleiben und das neue Zimbabwe mit aufzubauen.

Ian Smith nutzte die Zeit, um neben seiner Farm sich um das Buchschreiben zu kümmern. Heraus kam das Buch „The Great Betrayal“, der große Verrat, ein Angriff auf Mugabe und der Versuch einer nachträglichen Rechtfertigung seiner einseitigen Unabhängigkeit.

Als das Buch im Jahre 2001 herauskam, hatte der Niedergang Zimbabwes begonnen, heute liegt das Land wirtschaftlich in Trümmern, und dies ohne einen Bürgerkrieg.

Also schien der alte Smithy, wie er genannt wurde, doch recht gehabt zu haben? Davon kann jedoch keine Rede sein. Es war die Politik des Ian Smith und seiner Rassisten in der Rhodesien-Front, die den blutigen Bürgerkrieg, der 30.000 Menschen das Leben kostete, zur Folge hatte.

Wäre Robert Mugabe 1965 auch Premier geworden, wenn das Land ordnungsgemäß wie die anderen Kolonien Englands unabhängig geworden wäre? Die Frage kann mit Nein beantwortet werden. Es wäre entweder Joshua Nkomo, der Führer der Zapu oder aber Leopold Takawira, der überragende und im Gefängnis unter Ian Smith 1970 verstorbene Gründer der ZANU geworden.

Mugabe kam erst zum Zuge, als Herbert Chitepo, der Nachfolger Takawiras, auf Anweisung von Ian Smith im sambischen Exil mit einer Autobombe ermordet wurde.

Es gibt keinen Grund, Ian Smith nachträglich zu rechtfertigen.

Die Geschichte Zimbabwes wäre wohl anders, auf jeden Fall unblutig und vermutlich ohne diesen wirtschaftlichen Niedergang gelaufen.

Bad News und Sad News
Derweil sinkt das Land immer weiter. Die Geschäfte sind leer, Güter sind praktisch nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. Die Inflation liegt bei 13.500 Prozent und das Monatsgehalt eins Lehrers reicht für 4 Brote. Die Folge ist ein Massenexodus der Lehrer in Nachbarländern und der Kollaps des Schulwesens, einst das Aushängeschild mit der niedrigsten Analphabetenrate in Afrika.

Die Opposition verhandelt derweil unter der Schirmherrschaft des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki mit der Regierung Mugabe über die Teilhabe an der Macht. Die tief gespaltene Opposition ist unfähig, die Unzufriedenheit in einem Massenprotest zu bündeln und Mugabe davonzujagen.

Und Thabo Mebki sucht vor der ANC-Konferenz im nächsten Monat in Polokwane, wo er sich zur Wiederwahl gegen starke Konkurrenz stellt, dringend nach einem außenpolitischen Erfolg, nachdem seine seinerzeit von ihm lautstark verkündete „Afrikanische Renaissance“ wegen des Niedergangs in Zimbabwe ebenfalls in Trümmern liegt.

Es läuft gut für Mugabe, nicht jedoch für die gequälte und hungernde Bevölkerung der einstigen Kornkammer des südlichen Afrika.

afrika

Zurückgestellter Traum – Biografie des südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki

Dr. Alexander von Paleske – Rechtzeitig zu der alles entscheidenden Konferenz in Polokwane, dem ehemaligen Pietersburg im nächsten Monat, auf der die Wahl des Präsidenten der Regierungspartei ANC – African National Congress – ansteht, und zu der 3‘500 Delegierte anreisen werden, ist die erste umfassende Biografie Thabo Mbekis erschienen, von Mark Gevisser: „A Dream Deferred“.

Anders als das Jubelbuch des Suresh Roberts – „Fit to govern“ – , das auf Druck des Mbeki-Vertrauten und Staatssekretärs im Präsidentenamt Essop Pahad von einer südafrikanischen Bank finanziert wurde und bestenfalls als Propagandamachwerk bezeichnet werden kann, verbunden mit einer gehörigen Portion von schwarzem Rassismus, bemüht sich Gevisser auf mehr als 800 Seiten Licht auf die Persönlichkeit Thabo Mbekis zu werfen.

Gevisser hat in 8 Jahren den Präsidenten interviewt, aber vor allem Dutzende von Interviews mit politischen Weggefährten Freunden und Gegnern geführt.

Herausgekommen ist eine beachtliche Biografie, die sämtliche Stationen den politischen Lebens Thabo Mbekis umfasst. Und die vor allem versucht, Entscheidungen und Verhaltensweisen des Präsidenten vor dem Hintergrund seiner politischen und persönlichen Erfahrungen verständlich zu machen.

Vor der anstehenden Konferenz in Polokwane reduziert sich allerdings alles auf die Frage, die Ronald Suresh Roberts in seinem Buch glaubt beantwortet haben: Fit to Govern?

Und gerade da lässt die Biografie erhebliche Zweifel aufkommen.

Weiterhin HIV-AIDS-Leugner
Sowohl in der Biografie selbst, aber auch in Interviews nach der Veröffentlichung seines Buches macht Gevisser klar, dass Mbeki nach wie vor den absurden Theorien der HIV-AIDS-Leugner anhängt, die AIDS nicht als Folge der HIV-Infektion ansehen, sondern als Folge von Unterernährung, Medikamentenmissbrauch etc. Und damit die HIV-Infektion verharmlosen und AIDS durch ordentliche Ernährung als vermeidbar darstellen.

Mbeki, auf dringendes Anraten seiner Berater, hält sich mit eigenen Äußerungen zurück, nach dem Interview mit der Washington Post im Jahre 2003, wo er sich dazu verstieg zu behaupten, er kenne niemanden, der an AIDS verstorben sei.

Und so ist es seine Gesundheitsministerin, Alkoholikerin und wegen Diebstahls an Patienten in Botswana vorbestraft, die öffentlich als AIDS-Dissidentin in Erscheinung tritt, aber die volle politische Rückendeckung des Präsidenten hat. Und es ist gleichzeitig seine Achillesferse für die Konferenz in Polokwane, denn es dürfte kaum einen Delegierten geben, in dessen Familie nicht bereits jemand an AIDS erkrankt bzw. an dieser Krankheit verstorben ist.

Und so nimmt es auch nicht Wunder, dass Tokyo Sexwale, der gegen Mbeki antritt, vor einer Woche erklärte: „Nicht einmal ein Tyrann kann mich zwingen zu akzeptieren, dass HIV nicht AIDS zur Folge hat“. Ein Frontalangriff gegen Mbeki und seine Gesundheitsministerin.

Und so bringt der Präsident wieder seinen Schreiber Ronald Suresh Roberts in Stellung, der in einem Leitartikel der größten Tageszeitung Südafrikas, STAR, am 15.11. 2007 in einem Leitartikel verkünden durfte: „Denialist label has no basis“ und damit wahrheitswidrig sich auf Gevisser bezieht. Ein Leitartikel, der nicht einmal den einfachsten Regeln des Journalismus Genüge tut.

Zweifel an der Persönlichkeit
Aber es sind noch andere Ereignisse, die an der Persönlichkeit Mbekis Zweifel wecken. Gevisser weist nach, dass Mbeki seinerzeit den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei im Jahre 1968 begrüßte.

Und schlimmer noch, als sein Vater mit Nelson Mandela und anderen ANC Persönlichkeiten in Robben Island inhaftiert, er aber im Exil in England studierte, da erklärte er gegenüber Freunden, er werde der erste Präsident Südafrikas nach Abschaffung der Apartheid werden. Welch eine Hybris und Fehleinschätzung.

Man möchte meinen, dass Tokyo Sexwale ein besserer Kandidat ist.

afrika

Gehen Botswana die Diamanten aus?

Dr. Alexander von Paleske – Das möchte man glauben, wenn man die Tageszeitung „Die Welt“ vom 3.11. aufschlägt. Der Präsident von Botswana, Festus Mogae, befand sich auf Einladung von Bundespräsident Köhler gerade in Deutschland. Für den Welt-Reporter Knemeyer war dies Grund genug, Botswana die „Afrikanische Krankheit“ anzudichten, nämlich politische Apathie verbunden mit AIDS und Arbeitslosigkeit.

afrika

Tuberkulose: In Europa ein Problem, in der Dritten Welt eine Katastrophe

Dr. Alexander von Paleske – Am 22. Oktober fand in Berlin ein Treffen von 300 Delegierten des WHO Ministerforums „Gemeinsam gegen Tuberkulose“ statt. Ziel war es, die Tuberkulose in Europa stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, die Krankheit in Europa unter Kontrolle zu bringen und schließlich zu besiegen.

In Europa leiden 445.000 Menschen an Tuberkulose mit 55.000 Todesfällen im Jahre 2005. In der Dritten Welt sterben 1,5 Millionen Menschen jährlich an TB, doch dies spielte auf der Berliner Konferenz eine, wenn überhaupt, völlig untergeordnete Rolle, obgleich die Tuberkulose ein globales Problem ist. Und so griff bereits im Vorfeld der Konferenz die hoch angesehene Medizinzeitung „LANCET“ diese Engstirnigkeit an.

Wirksame Medikamente versagen

Die Geißel Tuberkulose kann erst seit 50 Jahren wirksam mit Medikamenten behandelt werden. Thomas Mann beschreibt in seinem Buch „Zauberberg“ anschaulich, wie die Tuberkukose ehemals mit Liegekuren, kalorienreicher Ernährung und einseitigem Lungenkollaps höchst unzureichend behandelt wurde. In den 60er und 70er Jahren kam es dann – jedenfalls in Europa – zu einem weitgehenden Rückgang dieser Erkrankung, von Alkoholikern, Obdachlosen und Immunsupprimierten einmal abgesehen, die nach wie vor häufig betroffen blieben.

Auch in der Dritten Welt wurde die Tuberkulose Dank des Einsatzes wirksamer Medikamente erfolgreich bekämpft und ging in vielen Regionen kontinuierlich zurück. Das hat sich mittlerweile völlig geändert. Insbesondere in Afrika ist es zu einem dramatischen Anstieg der Tuberkuloseerkrankungen gekommen. Der Grund: Die Immunschwächeerkrankung HIV/AIDS. Als weitere begünstigende Faktoren kommen Mangelernährung und Erkrankungen wie Diabetes hinzu.

Der Zusammenbruch des Immunsystems als Folge der HIV-Erkrankung macht den Körper wehrlos in Hinblick auf körpereigene Abwehrmechanismen. Entweder kommt es zu einer Reaktivierung der nach einer früher durchgemachten TB Infektion noch im Körper vorhandenen, jedoch normalerweise von einem intakten Immunsystem in Schach gehaltenen Tuberkelbakterien, oder aber von außen zu einer Neuinfektion. In Südafrika ist die Tuberkulose mittlerweile die häufigste Todesursache der HIV-Krankheit.

Regelmässige Medikamenteneinnahme erforderlich
Die Tuberkulose kann medikamentös nur erfolgreich bekämpft werden, wenn die Medikamente absolut regelmässig und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten eingenommen werden. Erfahrungen hier vor Ort zeigen jedoch, das diese Prämissen kaum zu erreichen sind, wenn der Patient mit den Medikamenten für jeweils einen Vierwochen-Zeitraum versorgt wird. Es hat sich gezeigt, dass dann die Medikamente in vielen Fallen nicht regelmäßig eingenommen werden und sich als Folge Resistenzen unter der Therapie bilden. Somit bleibt nur die überwachte tägliche Einnahme und setzt ein organisiertes Gesundheitssystem mit vielen lokalen Kliniken voraus. Doch genau daran mangelt es in vielen Ländern, selbst in Schwellenländern wie beispielsweise Südafrika.

MDR und XDR
Die Folgen einer unregelmäßigen Einnahme zeigen sich in zwei Resistenz-Typen: zum einen in der Multidrugresistenz (MDR), die Tuberkulosemedikamente erster Wahl wirkungslos macht und zur Umstellung auf (teure) Medikamente der zweiten Wahl zwingt. Zum anderen in einer völligen Resistenz (XDR), gegen die keine wirksamen Medikamnte mehr verfügbar sind. Folgen der XDR-Resistenz sind der Tod des Patienten, der in mehr als 95 Prozent aller Fälle innerhalb von wenigen Wochen eintritt.

Im Jahre 2006 wurden weltweit bei untersuchten Proben in zwei Prozent der Fälle eine XDR festgestellt. Südafrika ist dabei Spitzenreiter mit 200 Fällen in der Problemprovinz KwaZulu-Natal. Eine Provinz, die auch die höchste Zahl an HIV-Infizierten hat. Die Ansteckung findet dabei vorwiegend im Krankenhaus statt. Während in Europa derartige Patienten strikt isoliert werden, liegen sie in Südafrika – aber nicht nur dort – oftmals auf einer internistischen Allgemeinstation und stecken weitere Patienten an.

Keine Problemlösung von der Berlin-Konferenz
Zu all diesen Problemen hatte die Konferenz in Berlin nichts an positiven Lösungsvorschlägen beizutragen. Dies, obwohl klar ist, dass die XDR, einmal richtig in Schwung gekommen, bei Mobilität und dem Tourismus keinen Bogen um Europa machen wird. In Kapstadt findet an diesem Wochenende eine internationale Konferenz statt, die sich – anders als die Konferenz in Berlin – genau diesen Themen annehmen will und an der 3000 Teilnehmer über Lösungswege diskutieren wollen.

Solange nicht die erforderlichen Mittel in die Erforschung neuer TB-Medikamente fließen, wird die Katastrophe weitergehen. Und solange HIV Infizierte keine Behandlung mit Anti-AIDS (antiretroviralen) Medikamenten erhalten, wird sich die Tuberkulose weiter ausbreiten. Bisher sind für eine positive Wende keinerlei Anzeichen erkennbar. Wenn mit XDR infizierte Patienten nicht isoliert werden können, wird sich XDR weiter ausbreiten – mit zunehmender Geschwindigkeit.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin, Haematologie. Senior Consultant and Head Department of Oncology (Krebsabteilung) am Princess Marina Hospital Gaborone/Botswana.

Videostatement: Cancer surge overwhelms AIDS-struck Botswana
AFPTV voiced report – Doctors in Botswana are already battling one of the world’s highest levels of HIV infection and now they also face a dramatic rise in cancer cases as a result of the epidemic. The disease is putting extra pressure on the country’s overstretched health system.

afrika

Helen Suzman: Das liberale Gewissen Südafrikas feiert Geburtstag

Dr. Alexander von Paleske – Austeilen kann Helen Suzman, die während der Apartheidszeit in Südafrika das liberale Gewissen der Nation war, noch immer – trotz ihres hohen Alters. „I can give anybody a good kick“, sagt die nunmehr 90-Jährige, denn ausgeteilt gegen Ungerechtigkeit und Rassenwahn hat sie ihr ganzes Leben lang.

Und so prangerte sie auch vor zwei Wochen in einem Interview mit einer südafrikanischen Wochenzeitung an:

Die Demokratie in Südafrika funktioniert nicht so, wie sie sollte. In wenigen Wochen werden in Polokwane etwas weniger als 3500 Delegierte der Regierungspartei ANC mit der Wahl eines neuen Präsidenten der Partei auch über die Zukunft von 47 Millionen Südafrikanern entscheiden, das ist keine Demokratie.

Nelson Mandela hätte sich für zwei Amtsperioden zur Verfügung stellen müssen, um sein Versöhnungswerk zu vollenden, nicht nur für eine.

Thabo Mbeki mag seine Verdienste haben, was die Wirtschaft angeht, aber ich kann ihm nicht verzeihen, was er in Sachen AIDS angestellt hat: diese Verleugnung.

Mbekis Vermittlungsbemühungen in Sachen Zimbabwe und Robert Mugabe sind ein Disaster.

Die Kriminalität in Südafrika ist schrecklich, gerade auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit und die Regierung unternimmt im Bildungssektor nicht genug. Es fehlt an Fachkräften, an Architekten und Ingenieuren.

Von der Universität ins Parlament
Als Tochter eines jüdischen Immigranten aus Litauen, der in Südafrika zu Wohlstand gekommen war, studierte Helen Suzman an der Witwatersrand Universität, allgemein „Wits“ genannt und wurde nach Abschluss ihres Studiums dort Dozentin. Zu ihren Studenten gehörten Joe Slovo, ANC-Persönlichkeit und späterer Minister unter Nelson Mandela, sowie Eduardo Mondlane, später Führer der Befreiungsbewegung Frelimo in Mozambique.

Politisch fühlte sie sich verbunden mit der United Party des Generals Jan Smuts, der Südafrika an der Seite Englands im Kampf gegen Adolf Hitler in den zweiten Weltkrieg führte und dessen Truppen entscheidenden Anteil an der Niederlage von Rommels Afrikacorps 1942 in El Alamein hatten: der ersten großen Niederlage Hitlerdeutschlands noch vor Stalingrad. Doch Jan Smuts verlor die Wahl 1948 und es kamen die Nationalisten mit ihrer Apartheidspolitik unter Magnus Malan ans Ruder. Helen Suzmans erste Reaktion darauf war, eine Auswanderung ins Auge zu fassen, da sie mit mindestens 40 Jahren Alptraum rechnete und damit ziemlich richtig lag.

Ab 1953 Abgeordnete
Ihr Mann, ein Arzt, den sie mit 20 Jahren geheiratet hatte, lehnte ab und so entschloss sie sich, etwas gegen diese Regierung zu unternehmen und kam 1953 als Abgeordnete der Oppositionspartei ins Parlament. Dort sollte sie bis zum Jahre 1989 auf der Bank der Opposition bleiben. Von 1961 bis 1974 ganz allein und immer wieder die Stimme erheben, gegen Apartheid und Ungerechtigkeit und für die Menschenrechte. Unbarmherzig und mutig geißelte sie die Taten der Regierung. Sie kämpfte gegen die Todesstrafe, als Südafrika Weltmeister in Sachen Hinrichtung war und sie ging in die Townships und die Gefängnisse.

1967 besuchte sie Robben Island. Die Gefangenen dort, unter ihnen die Führungsspitze des ANC mit Mandela, Sisulu und Mbeki, hatten ganz besonders unter einem sadistischen Aufseher namens van Rensburg zu leiden, der regelmäßig neben das Essen der Gefangenen urinierte und sich einen Spaß daraus machte, die Gefangenen wo er nur konnte zu schikanieren. Seine Arme zierten Tätowierungen mit Hakenkreuzen. Helen Suzmans Besuch hatte immerhin die Ablösung van Rensburgs sowie kleinere Erleichterungen zur Folge.

Ombudsmann der Stimmrechtlosen
Sie wurde zu einer Art Ombudsmann für all die Menschen, die kein Stimmrecht und daher auch keinen Abgeordneten hatten. Die verzweifelten Hilferufe, die täglich auf ihren Schreibtisch landeten, nannte sie „die Ernte der Apartheidsaat“. Manchmal konnte sie helfen, oftmals jedoch nicht. Als Steve Biko ermordet wurde und Polizeiminister Jimmy Kruger erklärte, dass ihn der Tod Bikos „kalt lasse“, da äußerte sie im Parlament: „The world is not going to forget the Biko affair and we will not forget it either“.

1989 schied sie aus dem Parlament aus und bedauerte, dass sie ein Jahr später nicht dabei war, als alle Gesetze, die sie jahrzehntelang bekämpft hatte, allesamt aufgehoben wurden. In ihrem letzten Antrag im Parlament hatte sie die Ablösung eines Richters gefordert. Dieser hatte eine lächerliche Strafe gegen einen weißen Farmer verhängt, der zwei seiner schwarzen Arbeiter zu Tode geprügelt hatte.

Im Jahre 1997 verlieh ihr Staatspräsident Nelson Mandela den goldenen Verdienstorden Südafrikas. Insgesamt wurden Helen Suzman 27 Ehrendoktorwürden verliehen, darunter von Harvard, Oxford, Cambridge, Columbia und Yale. Ihre Stimme zeugt von tiefster Menschlichkeit und Mut, die bis heute nicht aufhört, sich zu Wort zu melden.

afrika

Südafrika, 46664, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS

Dr. Alexander von Paleske —- 1.11. 2007 — Zum fünften Mal wird ein Benefiz Rock-Konzert mit internationaler Starbesetzung in Südafrika veranstaltet, dessen Einnahmen ausschliesslich dem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit AIDS dienen. Es findet unter der Schirmherrschaft Nelson Mandelas, und mit dem Logo seiner Gefängnisnummer 466 aus dem Jahre 1964 – oder kurz 46664 statt.

Zugesagt haben Annie Lennox, Corinne Bailey Rae, Ludacris, Peter Gabriel, Razorlight, Jamelia and the Goo Goo Dolls sowie aus Südafrika Johnny Clegg, Arno Carstens, Loysio, Yvonne Chaka Chaka, The Parlotones, der Soweto Gospel Chor, der kürzlich auch in Deutschland auftrat, und einige mehr.

Nachholen von Versäumten
Bei der Vorstellung der Künstler vorgestern im Ellis Park Stadium in Johannesburg war auch Boris Becker dabei. „Sport und Musik gehören zusammen“, wie er meinte. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Boris Becker 1986 in Sun City, dem Casionoparadies im damaligen Apartheid-Homeland Bophutatswana, an einem Tennis-Derby gegen viel Bares teilnahm, und damit den Sportboykott gegen Apartheid-Südafrika ignorierte – als Nelson Mandela noch im Gefängnis sass.

Aber auch ein Herr Becker kann ja dazulernen.

Die Initiative 46664, von Mandela ins Leben gerufen, ist auch Mandelas Nachholen von Versäumtem. Denn während seiner Regierungszeit ignorierte er das Thema AIDS weitgehend, was er später zutiefst bedauerte.

Mittlerweile gibt es in Südafrika 1500 Neuinfektionen und 950 AIDS-Tote – täglich.

Thabo Mbeki, der Mandela nachfolgte, hatte nichts besseres zu tun, als sich die Irrlehren von HIV-AIDS Leugnern sich zu eigen zu machen und sich dann auf eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS zu begeben, wir berichteten mehrfach darüber, die vielen Menschen das Leben kostete und noch kosten wird.

Selbst in seiner diesjahrigen Rede zu den Plänen für seine vorläufig letzten zwei Jahre als Staatspräsident, kam das Thema HIV/AIDS praktisch nicht vor, und dies angesichts der Tatsache, dass rund fünf Millionen Südafrikaner mit dem Virus infiziert sind.

Neues Buch berichtet Details über den Beginn der Wahnfahrt
Der ehemalige Parlamentsabgeordente der Regierungspartei ANC, Andrew Feinstein, hat gerade ein Buch herausgebracht, „After the Party“, in dem er beschreibt, wie seinerzeit, am 28 September 2000, Mbeki die Wahnfahrt in Sachen AIDS vor der ANC Parlamentsfraktion startete und begründete.

Zitate:
„Die internationalen Wissenschaftler haben Quatsch über Ugandas Erfolg im Kampf gegen AIDS berichtet“
„Impfen wäre keine Lösung, weil Impfen neue Krankheiten hervorruft“
„Wenn wir sagen, dass HIV AIDS erzeugt, dann müssen wir auch von Medikamenten und damit von Pharmakonzernen reden, denn die können ihren Kram nur verkaufen, wenn AIDS die Folge der HIV Infektion ist“
„Es gibt eine ganze Reihe von anderen Faktoren und Bedingungen, die Immunschwäche erzeugen, die USA leugnen das, weil sie uns ihre Pillen verkaufen wollen“ .

und so weiter.und so weiter. Antiimperialistische Phrasen gegen solide wissenschaftliche Erkenntnisse,
Worthülsen gegen eine katastrophale Epidemie.
Feinstein war fassungslos, die Masse der ANC Kader war begeistet und rief „Viva Mbeki“.

Von Mandela zu Mbeki oder: vom Debattierzirkel zum Gesangsverein
Erschreckend ist auch, was Feinstein über den Verlust des politischen Diskurses berichtet. Während unter Mandela die leidenschaftlichen politischen Debatten an der Tagesordnung waren, gab es nun unter Mbeki Parteidisziplin, die politische Ausrichtung, das Absterben der Debatten, die Parlamentarier darauf bedacht, sich strikt auf der politischen Linie Mbekis zu bewegen, und in ständiger Furcht vor ihm.

Neuer Kandidat für Mbeki-Nachfolge benannt
Cyril Ramaphosa, seinerzeitiger Wunschkandidat Nelson Mandelas für seine Nachfolge, ist nunmehr vom ANC-Kapstadt als Nachfolgekandidat nominiert worden. Es ist aber noch unklar, ob er sich als Kandidat neben Jacob Zuma, Tokyo Sexwale, und Thabo Mbeki zur Verfügung stellen wird.

Mittlerweile werden Stimmen laut, die sowohl Mbeki als auch Zuma auffordern, nicht für die ANC-Präsidentschaft im Dezember zu kandidieren. Bei Thabo Mbeki werden sie da auf taube Ohren stossen.

Der Führungszirkel des ANC hat derweil beschlossen, dass das Tragen von T-Shirts mit dem Konterfei von Politikern auf der entscheidenden Konferenz im Dezember dieses Jahres untersagt ist. Abgesehen natürlich von dem Konterfei Thabo Mbekis. Weil sonst die Einheit der Partei nicht gewahrt sei. Auch eine Form der Demokratie.

Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag.
Der Freie Fall eines Erzbischofs.
Simbabwe: Putschversuch – Polizisten quittieren Dienst, Hunger allenthalben
Südafrika: Thabo Mbeki auf dem Kriegspfad
Südafrika: Tokyo Sexwale kandidiert
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Machtkampf am Kap
Bulelani Ngcuka and his Apartheid Soldiers
Simbabwes 27. Geburtstag: Kein Grund zum Feiern, außer für Mugabe und seine Lakaien
SIMBABWE – Polizei mordet, Minister buddeln nach Diamanten
Machtkampf am Kap
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Simbabwe – Katholische Bischöfe warnen vor Massenaufstand
Simbabwe – Streiks im Öffentlichen Dienst
Söldner für das letzte Gefecht – Angolanische Crack-Unit kommt nach Simbabwe“
Erzbischof greift Südafrikas Haltung im Simbabwe-Konflikt an
Simbabwe – Regierungsterror ohne Ende
Simbabwe vor Bürgerkrieg
Präsident der Afrikanischen Union distanziert sich von Mugabe
Simbabwe: Oppositionspolitiker schwer gefoltert
Mugabes Ende naht, Polizei schiesst mit scharfer Munition.
Zimbabwes Diktator Mugabe feiert seinen 83. Geburtstag – und sein Volk hungert
Ob die Israelis noch zuhören? Seht euch Zimbabwe an!
Zimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
Südafrika: Thabo Mbekis Abschlussplan ohne AIDS

afrika

Auswärtssieg im Rugby, und Heimniederlage der Demokratie – Südafrika in der vergangenen Woche.

Dr. Alexander von Paleske – Das südafrikanische Rugby-Team besiegte im Endspiel der Weltmeisterschaft England. Erinnerungen werden wach an den Weltcup 1995, der auch von Südafrika gewonnen wurde. Und trotzdem war es nicht mehr dasselbe.

1995 konnte, nach dem Ende der Apartheidzeit, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Nelson Mandela und damit dem Ende des Sportboykotts , Südafrika der Welt zeigen, welch ein Weltklasse Rugby es spielen konnte und auch die hoch favorisierten All Blacks aus Neuseeland an die Wand spielen. Nelson Mandela, der sich von Kapitän Pienaar die Mütze und das Jersey ausgeliehen hatte, überreichte den Cup. Der Jubel, auch gerade unter den hart gesottenen rechtslastigen Provinz-Buren Südafrikas, war unbeschreiblich. Mandela war jetzt auch ihr Präsident.

Schwarz und Weiss feierten gemeinsam.
Zum jetzigen Finale reiste der Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, an, aber der Jubel hielt sich in Grenzen. Zu schwer wiegen die Probleme, die sich mittlerweile angehäuft haben und die Mbeki offenbar unfähig ist, zu lösen. Im Gegenteil: Er schafft neue Probleme.

Tod eines Reggaesängers
Lucky Dube war nicht nur in Südafrika bekannt, sondern weltweit. Einer seiner „provokativen“ Songs lautete:

„ Do you ever worry about your house broken into
do you ever worry about your car being taken away in broad daylight down highway 52
Do you ever worry about your wife becoming a woman in black
do you ever worry about leaving home and coming back in a coffin with a bullet
through your head
So join us and fight this crime and corruption”

Vergangenen Donnerstag schossen Autoräuber ihm in den Kopf, um seinen VW-Polo zu bekommen. Ohne vorherige Androhung wie in Südafrika oft üblich. Er kam in einem Sarg nach Hause und seine Frau trägt jetzt schwarz. Mitte der achtziger Jahre wurden seine Alben „Think about children“ „Slave“ und ”Prisoner“ Welterfolge.

Seine Musik beschäftigte sich auch mit der HIV-AIDS Problematik, „Number in the Book“ die Thabo Mbeki versuchte mit obskuren Persönlichkeiten unter den Teppich zu kehren. Wir hatten mehrfach über die ständig steigende Gewaltkriminalität berichtet, die Präsident Mbeki gerne als „ von Weißen aufgebauscht“ bezeichnet.

Ein Polizeipräsident und die Unterwelt
Der Oberste Chef der Polizei (Police Commissioner) Südafrikas ist Jackie Selebi. Er soll beste Kontakte zu und Freunde in der Unterwelt gehabt haben, unter anderem zu einem angeblichen Mafiaboss namens Glenn Agliotti. Der wiederum soll die vom Opfer erbetene Ermordung des Minenmagnaten Brett Kebble organisiert haben. Ein Fall, der so bizarr ist, als sei er von einem Buchautor erfunden worden.

Kebble, in Milliardenbetrügereien verwickelt,, war offenbar ein Visionär und Betrüger und Auftraggeber seiner eigenen Ermordung in einer Person. Da Jackie Selebe, ein Freund und Verbündeter Thabo Mbekis ist, Kebble aber ein Förderer und Freund von Mbekis Gegner und Feind Jacob Zuma, stellen sich hier Fragen über Fragen. Die Scorpions Südafrikas, vergleichbar dem FBI in den USA, hatten offenbar genug Verdachtsmomente gegen Jackie Selebi, dem sie Korruption, Behinderung der Justiz und Betrug vorwarfen, um ihn zu verhaften.

Das verhinderte Selebis Freund, der Staaspräsident Mbeki, und suspendierte stattdessen den Boss der Scorpions, Vusi Pikoli. Getreu dem Motto „Was schert mich die Gewaltenteilung der Demokratie“

Nun soll die ehemalige Parlamentspräsidentin Frene Ginwala alles aufklären, eine Frau, die sich zu fein war, auf einem einfachen Abgeordnetensitz Platz zu nehmen, als sie als Parlamentspräsidentin nicht wiedergewählt wurde. „What a fine mess“

Manto-Saga geht weiter
Aber auch der Skandal um die Kleptomanin cum Alkoholikerin und Gesundheitsministerin Südafrikas, Manto Tshabalala-Msimang geht weiter. Die Oppositionspartei Democratic Alliance wollte einen Untersuchungsausschuss, um die „Fitness“ der Ministerin zu klären.

Das wurde von der Regierungspartei ANC erwartungsgemäss als „Majestätsbeleidigung“ abgelehnt. Es könne nicht angehen, dass eine Ministerin einer solchen Niederträchtigkeit ausgesetzt würde. Die Ministerin hatte in Botswana Patienten bestohlen und war deswegen rechtskräftig verurteilt und 10 Jahre des Landes verwiesen worden, wir berichteten darüber.

Sex- Pest kommt zurück
Ein Mann namens Mbuelo Goniwe, ehemals „Einpeitscher“ der ANC Fraktion im südafrikanischen Parlament, der ein enger Freund Mebekis ist, sich aber einer Dame allzu aufdringlich angeboten hatte, und deswegen aus dem ANC ausgeschlossen wurde, soll auf Befehl Mbekis wiederkommen. Mbeki braucht ihn auf der alles entscheidenden Konferenz im Dezember, wo er sein eigener Nachfolger werden möchte.

Er hat daher ein Komitee beauftragt, die Ausschlussentscheidung zu überprüfen, mit aufschiebender Wirkung der Suspendierung.
Ein wahres Tollhaus möchte man meinen. Aber wenigstens der Rugby-Weltcup, wenn schon keine richtige Demokratie

afrika

Ein Besuch in Afrika

Dr. Alexander von Paleske – Bundeskanzlerin Merkel besucht dieser Tage einige wenige Staaten in Afrika. Äthiopien, Liberia und Südafrika stehen auf dem Reiseprogramm. Nach Ghana braucht sie nicht, deren Präsident Kufuor, der auch derzeit Präsident der Afrikanischen Union ist, kam nach Äthiopien.

Was hat Frau Merkel im Gepäck? Da lohnt es sich das Interview in der Wochenzeitung „ZEIT“ zu lesen. Dieses lässt sich auf drei Eckpunkte reduzieren.

China und Afrika.
Langsam dämmert es auch der deutschen Regierung, dass Europa und Deutschland gegenüber China ins Hintertreffen geraten. China leistet in grossem Umfang Entwicklungshilfe und hat seit dem Bau der Tazara-Eisenbahn, eine 1850 km lange Eisenbahnstrecke die Dar-es-Salaam/Tansania mit dem Kupfergürtel Sambias verbindet, enormen „Good Will“ in Afrika. Die Strecke wurde vor 32 Jahren nach zehnjähriger Bauzeit von zehntausenden chinesischer Arbeiter und Ingenieure zusammen mit zehntausend afrikanischen Arbeitern fertiggestellt, zu einem Zeitpunkt, als China selbst noch ein Entwicklungsland war.

China hatte darüber hinaus konsequent alle Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützt und verfolgte und verfolgt eine strikte Politik der Nichteinmischung. Der legendäre tansanische Staatspräsident Julius Nyerere war insgesamt 13 mal zu Staatsbesuch in China.

Das Interesse an Afrika konzentriert sich in erster Linie auf die Rohstoffe, wobei an der an der Spitze Erdöl, Eisenerz, Kohle, Coltan und neuerdings wieder Uran stehen. In zweiter Linie dann als Absatzmarkt.

Die Antwort der USA, die 25% des international geförderten Erdöls für sich verbrauchen, auf diese Herausforderung kennen wir: Es ist eine militärische Antwort und heisst Africa-Command (Africom), zur Zeit noch in Stuttgart- Möhringen, das aber jetzt aber nach Botswana verlegt werden soll.

Mittlerweile liefert Angola einen erheblichen Teil seiner Erdölausfuhren nach China und hat dabei insoweit Saudi-Arabien überholt.

Europa und Afrika
Im Dezember soll die Europäisch-Afrikanische Konferenz in Portugal stattfinden, ein Gegenstück zu dem chinesisch-afrikanischen Gipfeltreffen im November letzten Jahres in Beijing.

Hier macht allerdings der britische Premier Gordon Brown Probleme, weil er auf gar keinen Fall mit Simbabwes Diktator Robert Mugabe zusammentreffen will.

Das verwundert, denn Grossbritannien hatte sich ja auch nicht gescheut, über Jahrzehnte das Apartheidregime in Südafrika zu unterstützen und Sanktionen strikt abgelehnt, von den guten Kontakten zu Zaire’s (heute Demokratische Republik Kongo) seinerzeitigen Präsidenten Mobuto Sese Seko ganz zu schweigen. Da ist Frau Merkel einfach pragmatischer: Wir können wegen Robert Mugabe doch Afrika nicht einfach China überlassen.

Klimaschutz
Hier hätte man gerne gehört, wie dem Treiben der internationalen Holzkonzerne, die jetzt in Angola und im Kongo, aber auch in Westafrika dem Tropenwald den Garaus machen, Einhalt gebieten will, zum Beispiel durch das Verbot oder zumindest die Beschränkung der Einfuhr dieser Tropenhölzer. Leider Fehlanzeige.

Südafrika und DIE ZEIT
Zu Südafrika findet sich ein längerer Artikel von Bartholomäus Grill, dem ehemaligen Südafrika-Korrespondenten der ZEIT . Der Artikel überrascht, weil er Thabo Mbeki über den grünen Klee lobt und gleichzeitig das Gespenst einer drohenden Nachfolge durch den ehemaligen Vizepräsidenten Jacob Zuma an die Wand malt.

Vergessen machen will der Artikel, der vor allem auf das gute Wirtschaftswachstum Südafrikas unter Mbeki verweist dass

Mbeki eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS hinter sich hat, die vielen Menschen in Südafrika das Leben gekostet hat und noch kosten wird.

Mbeki seine Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang , die wegen Diebstahls an Patienten in Botswana vorbestraft ist und dort für 10 Jahre des Landes verwiesen wurde, statt zu feuern oder auf das Altenteil zu schieben, politisch massiv unterstützt hat. Die ausserdem Südfrika durch die Propagierung von Knoblauch und Rote Bete als Mittel gegen AIDS sich und Südafrika der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

Mbeki die stellvertretende Gesundheitsministerin Madlala-Routledge, die ein vernünftiges Programm gegen AIDS auf die Beine stellt hatte, als die Gesundheitsministerin wegen alkoholbedingtere Leberzirrhose sich einer Lebertransplantation unterzog, unter fadenscheinigen Gründen gefeuert hat.

Mbeki gegen den ausdrücklichen Rat seines Vorgängers Nelson Mandela, statt Cyril Ramaphosa den angeblich korrupten Jacob Zuma zum Vizepräsidenten machte, der, so lamentiert Herr Grill, nun Präsident werden könnte. Mbeki schlug den Rat Mandelas in den Wind und suchte stattdessen einen schwachen Vizepräsidenten und fand jemanden, von dem er glaubte, dass er nach seiner Pfeife tanzen würde. Ein grosser Irrtum

Die Kriminalität, vor allem die unbeschreibliche Gewaltkriminalität, unter Mbeki massiv weiter angestiegen ist und damit viele Professionals ins Ausland treibt.

Das Problem Robert Mugabe im heruntergekomenen Nachbarland Simbabwe, trotz siebenjähriger diplomatischer Bemühungen Mbekis keinen Schritt einer Lösung näher gebracht wurde. Ein Kollossalversagen Mbekis, des Mannes, der gerne Shakespeare zitiert wobei ihm offenbar der „ Hamlet“ nicht so geläufig ist „Es ist etwas faul im Staate ….“

Afrika erwartet von der EU keine Belehrungen, sondern den Abbau der Zollschranken, das ware der beste Beitrag zur Uberwindung der Armut, aber so etwas hat Frau Merkel natürlich nicht im Gepäck, obwohl es Bundespräsident Köhler dieser Tage ja wieder gefordert hat.

Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag.
Der Freie Fall eines Erzbischofs.
Simbabwe: Putschversuch – Polizisten quittieren Dienst, Hunger allenthalben
Südafrika: Thabo Mbeki auf dem Kriegspfad
Südafrika: Tokyo Sexwale kandidiert
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Machtkampf am Kap
Bulelani Ngcuka and his Apartheid Soldiers
Simbabwes 27. Geburtstag: Kein Grund zum Feiern, außer für Mugabe und seine Lakaien
SIMBABWE – Polizei mordet, Minister buddeln nach Diamanten
Machtkampf am Kap
Tokyo Sexwale nächster Präsident Südafrikas?
Simbabwe – Katholische Bischöfe warnen vor Massenaufstand
Simbabwe – Streiks im Öffentlichen Dienst
Söldner für das letzte Gefecht – Angolanische Crack-Unit kommt nach Simbabwe“
Erzbischof greift Südafrikas Haltung im Simbabwe-Konflikt an
Simbabwe – Regierungsterror ohne Ende
Simbabwe vor Bürgerkrieg
Präsident der Afrikanischen Union distanziert sich von Mugabe
Simbabwe: Oppositionspolitiker schwer gefoltert
Mugabes Ende naht, Polizei schiesst mit scharfer Munition.
Zimbabwes Diktator Mugabe feiert seinen 83. Geburtstag – und sein Volk hungert
Ob die Israelis noch zuhören? Seht euch Zimbabwe an!
Zimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
Südafrika: Thabo Mbekis Abschlussplan ohne AIDS

afrika

“Land unter muss keine Katastrophe sein”

Dr. Alexander von Paleske – Unter dieser Schlagzeile berichtete Safari-Reporter Wim Dohrenbusch aus seinem regensicheren ARD Studio in Nairobi über “in Wirklichkeit segensreiches Wasser“ das den Hilfsorganisationen angeblich nur dazu dient, um die Kassen zu füllen.

Also nicht spenden? Sind die Hilfsorganisationen nur darauf aus, mit Tatarenmeldungen die Spendenfreudigkeit zu erhöhen? Hier hätte man eigentlich eine vernünftige Analyse erwarten dürfen.

Richtig ist, dass es regnet, und zwar so stark, dass es zu schweren Überschwemmungen gekommen ist, gerade auch in Gebieten, die sonst nicht von Regenfällen verwöhnt werden. Richtig ist auch, dass der Regen prinzipiell ein Segen ist. Von da ab lässt der Bericht aber alles vermissen, was eine Analyse ausmacht.

Abholzungen verhindern Pufferung
Durch die ausserordentlich starke Abholzung der vorhandenen Waelder sind nicht nur viele Teile in Afrika auf dem Weg in die Wueste, sondern der Puffer, den diese Waelder dargestellt haben, ist weggefallen. Das Wasser laeuft also sofort ab, die ausgetrockneten Baeche werden zu reissenden Stroemen, treten ueber die Ufer und wenn der Regen vorbei ist, dann ist auch das Wasser nach kurzer Zeit verschwunden.

In Simbabwe führen selbst grosse Flüsse, wie die Save, oftmals nur noch in der Regenzeit Wasser. Das war vor 40 Jahren noch ganz anders. Damals reichten die Wälder bis an den Fluss, der Fluss fuehrte das ganze Jahr über Wasser und es gab einen reichen Fischbestand. Heute ist weitgehend alles abgeholzt, der Fischbestand unbedeutend und wer beispielsweise im mittleren Savebereich die Ufer anschaut, der glaubt auf eine Mondlanschaft zu blicken.

Verheerende Überflutungen
Die jetzige Uberflutung ist gerade in den Laendern verheerend, in denen es ausserhalb des normalen Regenzyklus regnet, denn damit wird auch die naechste Ernte hinfaellig. Durch die jetzigen Regenfalle wurden ganze Dorfer werden unter Wasser gesetzt, die Nahrungsmittelvorraete zerstoert, Hunger und Seuchen drohen. Hier ist Soforthilfe nötig mit der Betonung des Wortes „Sofort“!

Auf diese Veränderungen des Klimas, die zweifellos vorliegt, konnte und kann sich die Bevölkerung so schnell nicht einstellen. Das Beispiel Aethiopien greift daher aus einer Vielzahl von Gründen überhaupt nicht.

Langfristig kann nur eine intelligente Aufforstung helfen, die, wenn die Bodenerosion erst einmal stattgefunden hat, sehr schwierig ist. Den Wasserpuffer mussen dann Staudämme übernehmen, die es aber bisher nur in völlig unzureichender Form gibt. Und zwar nicht die Staudamm-Grossprojekte, sondern eine Vielzahl von kleinen und mittleren Dämmen, auch in den Gebieten, in denen es normalerweise nicht stark oder wenig regnet. Also auch dort, wo es sich angeblich nicht „lohnt“.

Die Abholzung des wenigen Waldbestandes geht derweil unvermindert weiter, groesstenteils als Feuerholz verwendet, aber auch die Holzgiraffen, die Touristen gerne mit nach Hause bringen, fordern ihren Tribut. Und wo noch reicher Waldbestand vorhanden ist, da sind die kommerziellen Holzfaeller aus Ubersee unterwegs.

Zyklone sind kein Segen
In Mozambique und Madagaskar haben wir es darueberhinaus nun mit einer ganz anderen Form der Unwetter zu tun, die aus der Karibik nur allzu bekannt sind, naemlich Zyklone. Deren Zahl und Heftigkeit hat in den letzten Jahren staendig zugenommen, ähnlich wie in der Karibik. Hier kann wohl kaum das Wort „Segen“ benutzt werden.

So ist also neben der Soforthilfe eine langfristige Hilfe erforderlich, bei der die Hilfsorganisationen wiederum eine wichtige Arbeit leisten können. Und nicht zu vergessen der Klimaschutz.

Verharmlosungsberichte gehen daher völlig an der Sache vorbei.