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Fußball-WM 2010 nicht in Südafrika?

Dr. Alexander von Paleske – 2004 war die zweite Bewerbung Südafrikas als Austragungsort der nächsten Fußball-WM erfolgreich. Bereits im Jahr 2000 hatte sich Südafrika beworben, aber Deutschland machte schließlich das Rennen. Groß war damals die Enttäuschung auf dem schwarzen Kontinent. Nicht nur in Südafrika ist Fußball ein Massensport, sondern überall in Afrika. Aber im Jahre 2004 war dann die Freude umso größer.

Diese Freude könnte bald der Enttäuschung Platz machen, denn es ist nicht mehr sicher, ob die WM wirklich in Südafrika ausgetragen wird. Der Grund: Mangelnde Vorbereitung.

Die Fifa, der internationale Fußballdachverband, hat der südafrikanischen Regierung klare Zielvorgaben gesetzt; die einzuhalten dürfte nun sehr schwierig sein. Bisher sind alle Stadionneubauten und Renovierungen bestehender Stadien nicht über die Planungsphase hinausgekommen. Gleiches gilt für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in den Austragungsorten. Und dies zwei Jahre nach Erteilung des Zuschlags.

Machtkampf wichtiger als WM
Thabo Mbeki, dessen reguläre Amtszeit im Jahr 2009, also ein Jahr vor der Weltmeisterschaft, ausläuft, hatte wohl damit gerechnet, über eine Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit zu kriegen, so dass er als Staatschef die Ernte der Planung und Vorbereitung der WM selbst eingefahren hätte und nicht sein Nachfolger.

Anstatt die WM zur Chefsache zu machen und alle Energien in die Vorbereitungen zu stecken, ist der Präsident in einen Machtkampf mit seinem ehemalige Vize, Jacob Zuma, verwickelt, den er wegen angeblicher Korruption selbst gefeuert hat und der nach wie vor der Nachfolger von Mbeki werden will im Jahre 2009.

Nachdem es vor einiger Zeit ganz so aussah, als verschwinde Zuma in der politischen Versenkung, hat sich da Blatt mittlerweile gewendet. Mit Hilfe der Gewerkschaften und der kommunistischen Partei legte er ein starkes Comeback hin.

Als kürzlich der Staatschef Mbeki seinen indischen Amtskollegen Manmohan Singh zu einer Massenversammlung anlässlich des 100. Jahrestages der von Mahatma Gandhi ins Leben gerufenen Freiheitsbewegung in ein Stadion in Durban einlud, da begannen die nicht gerade zahlreich erschienenen Besucher mit Buhrufen, als sie hörten, dass Jacob Zuma nicht sprechen würde und verließen dann das Stadium. Mbeki und sein Gast standen vor leeren Rängen. Eine Blamage für Mbeki.

Aber nicht nur die Zuma-Affäre, sondern auch sein konspirativer und diktatorischer Regierungsstil hat den Unmut an der Basis des ANC wachsen lassen, und nicht zuletzt die Behandlung der AIDS-Seuche. Auch wenn Mbeki von einer weiteren Amtszeit träumen mag, diese erscheint gegenwärtig so gut wie ausgeschlossen.

Ein weiteres Problem plagt Südafrika, das bis zur WM zumindest teilweise eingedämmt werden müßte: Die Kriminalität. Und auch hier hat die Regierung Mbeki bisher versagt.

Die ausufernde Kriminalität hat mittlerweile ein solches Ausmaß erreicht, dass die führende Sonntagszeitung, „Sunday Times“, am 1. Oktober den Leitkommentar auf Seite 1 setzte.

„This is a crisis, not just a problem“
Nahezu 19.000 Morde pro Jahr. 55.000 Vergewaltigungen, 120.000 Raubüberfälle, das macht Südafrika weltweit zu einem Spitzenreiter. Erschreckend ist auch die Brutalität, die einen Richter jüngst bei seiner Urteilsbegründung nach der Todesstrafe rufen ließ.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über neue äußerst brutale Morde und Raubüberfälle in den Medien berichtet wird, und der Ruf nach Aufrüstung der Polizei und dem Einsatz der Armee wird immer lauter. Gesteigert wird die Kriminalitätsrate noch durch die Krise im Nachbarland Zimbabwe. Mittlerweile leben mehr als zwei Millionen Zimbabwer in Südafrika, viele davon illegal und viele landen in kriminellen Banden. Und auch hier wiederum zeigt sich das Versagen der Regierung Mbeki, die sich nicht aufraffen konnte, die Verhältnisse in Zimbabwe als das zu beschreiben, was sie sind, eine brutale und menschenverachtende Diktatur, und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Und während der Finanzminister Trevor Manuel, vor einer Woche erst, die viel zu knapp bemessenen Mittel für die notwendigen Investitionen zur WM freigab, läuft die Zeit davon.

Nach außen tut die FIFA so, als sei alles unter Kontrolle, aber, wie zu hören war, hinter verschlossenen Türen werden längst Eventualpläne gemacht: Die Verlegung nach Australien. Die Enttäuschung über den Verlust der Austragung der WM in Afrika wäre grenzenlos.

Fussball-WM 2010 in Südafrika ungewiss

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HIV kein Virus oder harmloses Virus?

Dr. Alexander von Paleske — 23.10. 2006 — – HIV ist ein Virus, HIV führt zu AIDS und die HIV Krankheit ist behandelbar. Das waren bisher die gesicherten Kenntnisse in der Medizin.


Unter dem Elektronenmikroskop: HIV-Virus.
© hiv.ch

Seit geraumer Zeit melden sich aber Kritiker zu Wort, die diese Erkenntnisse nicht nur in Frage stellen, sondern Gegenthesen aufstellen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

„HIV ist gar kein Virus, da man es bisher noch nicht im Elektronenmikroskop gesehen hat.“

„Selbst wenn es ein Virus ist, dann ist es nicht für AIDS verantwortlich.“

„AIDS ist keine Viruserkrankung, sondern eine Intoxikationserkrankung, hervorgerufen durch Genussgifte bei Homosexuellen und Drogen bei Drogensüchtigen und antiretroviralen Medikamenten bei Blutern.“

In den USA werden diese Thesen von Professor Duesberg von der Berkeley Universität vertreten, in Deutschland von Dr. Claus Köhnlein und in Österreich von Dr. Christian Fiala. Um sie herum hat sich eine Fangemeinde gebildet.

Claus Köhnlein, Internist und Onkologe hat zusammen mit dem Journalisten Torsten Engelbrecht, der früher bei der FTD arbeitete, gerade ein Buch herausgebracht, in dem die herrschende Auffassung in der Schulmedizin attackiert wird, „Virus Wahn“.

Nun könnte uns Ärzte dies in Afrika, dem Kontinent, der von HIV am schwersten heimgesucht wurde, ziemlich kalt lassen, wenn jene Herren nicht gleichzeitig zu dem Beraterkreis des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki gehörten und wohl auch noch gehören, der auf diese abweichende Meinung gestützt die Behandlung von HIV-Kranken für überflüssig und zumindest nicht dringend hielt und hält und durch die Verharmlosung des HIV-Virus der Ausbreitung der HIV-Krankheit erheblichen Vorschub geleistet hat. Und dies in einem Land, das den stärksten Neuzugang an HIV-Infektionen verzeichnet und wo monatlich Tausende der Krankheit erliegen.

Versuchen wir also die Wahrheit unabhängig von dem „Virus unter dem Elektronenmikroskop“ in den Tatsachen zu suchen, und zwar dort, wo es weder Drogenabhängige in nennenswerter Zahl, noch Genussgifte wie bei Homosexuellen, noch Vorbehandlung mit antiretroviralen Medikamenten, wie bei Blutern gab, nämlich in Afrika, genauer: In Zimbabwe und später in Botswana, wo ich seit 1987 als Internist und Haemato-Onkologe eine Abteilung für Hämatologie und Onkologie leitete und leite.

Herr Fiala behauptet, und mit ihm Köhnlein, dass in Afrika eine Umklassifizierung von Krankheiten stattgefunden habe, also Tuberkulose, Malaria und Durchfallerkrankungen nunmehr als AIDS bezeichnet werden, also ein Etikettenschwindel, hinzukomme, dass ein HIV-Test nicht verfügbar sei. Mit anderen Worten: „AIDS gibt es gar nicht in Afrika“.

Zimbabwe hat bei seinem Bluttransfusionsdienst im Jahr 1986 als erstes afrikanisches Land routinemäßig den HIV-Antikörpertest eingeführt. Auf der Suche nach Spendern wurde dann festgestellt, dass die HIV-Inzidenz bei den Fabrikarbeitern in der Hauptstadt Harare bei etwa 1 Prozent lag und in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt, bei 0,5 Prozent. Inzwischen liegen beide Städte gleichauf bei rund 23 Prozent.

Allerdings war die Inzidenz damals in bestimmten Gruppen wie Polizei und Militär erheblich höher, etwa um 25 Prozent.

Vollbilder von AIDS mit so genannten opportunistischen Infektionen wie Pneumocystisinfektionen der Lunge oder Hirnhautentzündungen mit dem Pilz Cryptococcus waren eher selten.

Die Tuberkulose (TB) wurde natürlich öfter diagnostiziert, aber die Tendenz der 20 Jahre von 1967 bis 1987 war deutlich rückläufig.. Heute sind mehr als 60 Prozent der Aufnahmen in der Medizinischen Klinik durch HIV verursachte opportunistische Infektionen und natürlich TB.

Von Umklassifizierung der Malaria und anderen Erkrankungen als AIDS ist also keine Rede.

Gleichzeitig kam es zu einem massiven Anstieg der Tuberkuloseerkrankungen.

Ganz ähnlich sah es in der Krebsabteilung aus: Während vor der HIV-Epidemie bei Männern das Prostata-Karzinom der häufigste Tumor war und bei Frauen der Gebärmutterhalskrebs, ist es nun bei Männern und Frauen das Kaposi-Sarkom, ein durch die HIV-Immunsuppression bedingter durch ein Herpesvirus verursachter Krebs, der an mehreren Stellen der Haut zugleich auftritt und oftmals auch innere Organe, bevorzugt die Lunge, befällt.

Gleichzeitig hat die Anzahl der Krebsfälle rasant zugenommen. Eine Krebsstatistik wird in Zimbabwe seit 1968 geführt.

Das Kaposi-Sarkom war auch vorher in Afrika vorhanden, sein Anteil an den Krebserkrankungen lag in Zimbabwe und Botswana bei unter 1 Prozent.

Die Virusleugner können natürlich auch nicht erklären, wie es zur Übertragung des HIV-Virus von der Mutter zum Kind kommt.

Die Kinderstationen sind überfüllt mit Säuglingen und Kleinkindern, die nicht gedeihen wollen und eine Infektion nach der anderen haben. Auch hier hat sich das Krankheitsspektrum in Laufe der letzten 20 Jahre völlig verschoben. Diese Kinder sind fast ausnahmslos HIV-positiv. Wobei das Virus in der Mehrzahl der Fälle während des Geburtsvorgangs übertragen wurde, denn die Mütter der HIV-positiven Kinder sind immer HIV-positiv.

Die Übertragungsrate liegt unbehandelt bei etwa 40 Prozent.

In Botswana gelang es durch das Programm „Prävention of Transmission from Mother to Child (PMTCT) mit dem Einsatz antiretroviraler Medikamente, diese Transmissionsrate von 40 Prozent auf etwa 6 Prozent zu senken.

Durch die Etablierung eines umfassenden Programms zur Behandlung von HIV-Patienten ist es in Botswana auch gelungen, viele Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung erfolgreich zu behandeln. Mehr als 30.000 Patienten werden zurzeit mit einer Kombination antiretroviraler Medikamente (HAART) behandelt.

Auch die Behauptung, dass es sich bei AIDS um eine Unterernährungserkrankung handelt, wird den Tatsachen hier in Afrika in keiner Weise gerecht. Die Mehrzahl meiner HIV-bedingten Krebskranken ist gut genährt. Richtig ist allerdings, dass die Progression von HIV zu AIDS bei Unterernährung schneller voranschreitet.

Nein, diese Wahnfreaks und Leugner der HIV-Epidemie wie Köhnlein, Engelbrecht et al. suchen nicht die Wahrheit in den Tatsachen, sondern leugnen sie. Sie müssen sich vorwerfen lassen, durch die Verharmlosung von HIV der Epidemie Vorschub zu leisten.

Ich empfehle ihnen, zwei Monate hier in Afrika zu arbeiten, dann würden sie von ihrem Irrglauben vermutlich schnell geheilt.

Leserbriefbeantwortung von Dr. Alexander von Paleske

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin, Hämatologie Head, Department of Oncology am Princess Marina Hospital in Gaborone/Botswana und Ex-Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt/M

Sehr geehrter Herr Engelbrecht
HIV kein Virus oder harmloses Virus?
Kampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome
Machtkampf am Kap

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Botswana, Survival International, Leonardo DiCaprio und die Buschmänner

Dr. Alexander von Paleske – Wo viel Licht ist, da ist natürlich auch Schatten, etwas Schatten im Fall von Botswana: Es handelt sich um die Buschmänner (Basarwa), ein Stamm, der im Central Kalahari Game Reserve lebte. Und zwar wie in der Steinzeit und mit Pfeil und Bogen auf die Jagd ging; fantastische Fährtensucher in den Zeiten der Satellitennavigation.

Dies stellte die Regierung von Botswana vor ein Dilemma: Alles so lassen oder Integration in den Mainstream – also Umsiedlung, finanzielle Entschädigung und Infrastruktur im Umsiedlungsgebiet, der Bau von Schulen und Krankenhäusern.

Die Regierung Botswanas entschied sich für Mainstream, also für die Umsiedlung und die damit verbundenen Ausgaben finanzieller Mittel, denn in der Kalahari ließ sich keine vernünftige Infrastruktur aufbauen. Doch leider ohne gründliche Diskussion mit den betroffenen Basarwa wurde das alles im Ruck-Zuck-Verfahren abgewickelt. Aber im Ruck-Zuck-Verfahren lassen sich nicht mal eben Menschen in die Jetztzeit katapultieren; es hätte also besser laufen können. Und so stellten sich Probleme ein – Probleme die lösbar sind, aber deren Lösung schwieriger wurde, weil nun auf einmal eine Organisation auftauchte, die das Volk der Buschmänner dahin haben möchte wo sie herkommen, in dem Kalahari Game Reserve. Zurück in die Steinzeit mit Pfeil und Bogen.


Buschmann Roy Sesana schrieb Brief an Leonardo DiCaprio. Fotos und Zeitungsausschnitte: © Reuters / „Sunday Independent“

Putzig für Touristen und damit lukrativ fürs Image von Survival International (SI), aber letztlich perspektivlos für die Basarwa, das Volk der Buschmänner. Also auf der einen Seite stand nun die Regierung von Botswana und auf der anderen Seite SI mit dem nimmermüden Stephen Corry. Und der startet gegen besseres Wissen eine internationale Kampagne gegen die Regierung von Botswana mit der Behauptung, die Regierung wolle die Buschmänner der Diamantensuche wegen umsiedeln und nur deshalb müssten sie weichen. Es gab den SI-Boykott-Aufruf Botswana nicht mehr zu besuchen:

„Die Ghana und Gwi Buschmänner Botswanas kämpfen um ihr Leben. Zuerst wurden sie wegen ihrer Jagd auf Tiere, von denen ihre Ernährung abhängt, verfolgt und gefoltert. Dann vertrieb sie die Regierung von ihrem angestammten Heimatland im ‚Zentralen Kalahari Wildreservat’ und schob sie in Zwangsansiedlungslager ab, in denen sie Alkoholismus, Prostitution und HIV/AIDS zum Opfer fallen. Ihre Heimat preist die Regierung nun als Touristenattraktion an. Auch aus anderen touristischen Zielgebieten, z.B. den Tsolido Hills, wurden die Buschmänner vertrieben.“

Zuletzt schrieb Roy Sesana, der Chef der Buschmänner, der selbst längst im Mainstraem lebt, mit seinem BMW X5 durch Gaborone fährt und dessen Kinder eine Privatschule besuchen, an den Hollywood-Darsteller Leonardo DiCaprio, der in seinem neuesten Film einen Diamantenhändler in Sierra Leone spielt. Dort, in Sierra Leone, konnte man im Gegensatz zu Botswana bis vor kurzem zu Recht von „Blutdiamanten“ reden. Er bat um Unterstützung für das Anliegen seiner Basarwa und behauptete erneut, die Buschmänner müssten auf Anordnung der Regierung der Diamantensuche weichen. Dieser Brief wurde in einer Anzeigenkampagne von Survival international bekannt gemacht.

Doch dafür gibt es keine Belege. Aber für S.I. macht es sich gut, falsche Behauptungen für einen angeblich guten Zweck zu verbreiten; immerhin wurde SI als internationale Menschenrechts-Organisation bekannt gemacht. Und entsprechend dem Motto „schlagt die Regierung von Botswana dort, wo es ihr am meisten schmerzt“ tauchen Buschmänner nun, von SI eingeladen, bei Diamantenausstellungen auf und behaupten, dass es sich bei Botswanas Diamanten um „Konflikt- oder Blutdiamanten“ handelt. Eine glatte Lüge.

Das Ziel von SI ist, durch den Rückgang der Diamantenverkäufe, die 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen und damit all die notwendigen und guten Projekte des Landes finanzieren, massiven Druck auf die Regierung auszuüben, sie letztlich in die Knie zu zwingen.

Die Einkünfte aus den Diamantenverkäufen finanzieren das einzige umfassende Anti-Aids-Programm in Afrika. Mittlerweile werden mehr als 30.000 Patienten mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Und es gibt mir die Möglichkeit, meine Krebspatienten zu behandeln, bzw. zur teuren Behandlung nach Südafrika zu schicken, natürlich auch Patienten der Basarwas.


Längst in der Zivilisation Botswanas angekommen: Roy Sesana ohne seine „Arbeitskleidung“, dem Trachtenanzug der Buschmänner. Soll auch er nun – ohne Brille – zurück in die Wüste? Foto: © Mmegi

Letzlich sind Survival International die Folgen dieser Kampagne für die breite Bevölkerung egal, solange es nur dem Ziel dient, bei der Rückführung der Buschmänner voranzukommen.

Auch auf den Ausgang des Rechtsstreits, der am High Court in Lobatse in dieser Sache anhängig ist – die Basarwas haben die Regierung Botswanas auf Rückführung verklagt – will SI offensichtlich nicht warten, obgleich die Urteilsverkündung für Dezember dieses Jahres angesetzt ist.

Etwas Schatten fällt also auf die Feiern zum 40. Jahrestag der Unabhängigkeit Botswana – allerdings nicht, was Survival Intarnational versucht daraus zu machen; nämlich eine totale Sonnenfinsternis.

And the Final Winner is Botswana
Buschmänner gewinnen Prozess in 1. Instanz
Botswana, Survival International, Leonardo DiCaprio und die Buschmänner
Survival International, Leonardo diCaprio and the Bushmen

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Geburtstagsfeier in Afrika – Botswana wird 40

Dr. Alexander von Paleske – —- 2.10. 2006 — Der britische Imperialismus im südlichen Afrika hatte einst auch das Betschuanaland erfasst. Doch das ist lange her. Die Tswana, wie das vielstämmige Volk das dort lebte, genannt wurde, fühlten sich von ihm zwar bedroht – noch mehr jedoch von den damals neu gegründeten Burenrepubliken in Südafrika. So rückten die Tswana-Stämme im Betschuanaland stärker zusammen und bildeten als Gesellschaften eine Allianz.

Am 30. September 1885 wurde das Betschuanaland von der britischen Regierung zum britischen Protektorat erklärt. Es wurde damit als „Schutzgebiet“ zum teilsouveränen staatlichem Territorium: Deren Verwaltung, auswärtige Vertretung und Landesverteidigung unterstand aber weiterhin der britischen Krone. Bis zum 30. September 1966 hatte Großbritannien diese „Schirmherrschaft“, das Protektorat, übers Betschuanaland. An diesem Tag wurde dann aber die Fahne Großbritanniens eingezogen und die Fahne eines neuen afrikanischen Staates gehisst: Die Republik Botswana war geboren, ein demokratischer Staat.

Zuvor hatte es schon demokratische Wahlen gegeben. Gesiegt hatte die Botswana Democratic Party (BDP) unter ihrem Vorsitzenden Seretse Khama. An diesem Geburtstag, dem 30. September 1966, wurde er als erster Präsident dieses neuen Staates auf sein Amt vereidigt.

Aber in welchem Zustand war Botswana damals?

Das Land war eingeklemmt zwischen dem Apartheid-Südafrika und dem Siedlerregime Rhodesien im Osten, dem von Südafrika illegal besetzten Namibia im Westen und hatte nur eine schmale gemeinsame Grenze im Norden mit dem unabhängigen Sambia. Botswana hatte nur eine einzige Asphaltstrasse und die war gerade einmal 400 Meter lang. Die restlichen Schotterpisten waren in der Regenzeit oftmals unpassierbar. Die Hauptstadt Gaborone war nicht mehr als eine Ansammlung von Hütten und ein paar Gebäuden. Das Budget wurde anfangs noch von der ehemaligen Kolonialmacht England finanziert.

Seretse Khama, verheiratet mit der Engländerin Ruth Williams, die er während seines Jurastudiums England kennen gelernt hatte, war gleichwohl optimistisch, und er hegte keinen Groll gegen die ehemalige Kolonialmacht England, die ihn von 1951 bis 1956 dort interniert hatte. Der Grund: Die Apartheid-Republik Südafrika nahm Anstoß an der Ehe eines Schwarzen und einer Weißen, und da Khama als Chef eines Stammes anstand, verlangte Südafrika von England, ihn „aus dem Verkehr zu ziehen“, was auch prompt befolgt wurde.

1967 wurden im Boden von Botswana Diamanten gefunden, und dies sollte sich, anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern, nicht als Fluch, sondern als Segen erweisen.

Zornig wies der Präsident Khama nach dem Beginn der Förderung alle Vermutungen zurück, demnach diese Diamanten nur einer kleinen Schicht die Taschen und ausländischen Bankkonten füllten; das Gegenteil war nämlich der Fall. Die Einnahmen wurden in die Infrastruktur gesteckt.


Inzwischen begehrtes Sammelobjekt: Botswana erster Präsident, Seretse Khama, auf einer Briefmarke zum 10. Jahrestages des Staates.

Heute hat Botswana 10.000 Kilometer Teerstrassen – alles selbst finanziert. In Sachen Korruption spielt es in der Liga der am wenigsten korruptesten Staaten der Welt mit und damit nicht sehr weit in der Korruptionstabelle von Deutschland entfernt. Das Gesundheitswesen kann sich sehen lassen.

Und die Präsidenten folgen einander, immer nach demokratischen Wahlen: Auf Seretse Khama, der 1980 einem Krebsleiden erlag, folgte Quett Masire, der aus Altersgründen später nicht weiter machte. Ihm folgte der jetzige Präsident Festus Mogae.

Auch der Umgang mit der HIV-Epidemie ist vorbildlich. Das Land hat eine Gesamtinfektionsrate von etwa 18 Prozent. Allerdings liegt sie in der Gruppe der 17-34-jährigen wesentlich höher, etwa bei etwa 32 Prozent.

2001 erklärte der Präsident der Krankheit AIDS den Kampf. Referenzlaboratorien, in denen Viruslast und CD4-Zellen gemessen werden können, wurden aus dem Boden gestampft und ein umfangreiches Behandlungsprogramm gestartet. Kooperationen wurden mit der Harvard Universität und der Bill Gates Foundation eingegangen. Kubanische Ärzte kamen im Rahmen von Abkommen ins Land. Allein in Gaborone werden 10.000 Patienten behandelt.

Wie wenig selbstverständlich dies ist, zeigt der Blick ins benachbarte Südafrika, wo der Präsident Mbeki und seine Gesundheitsministerin abstrusen Theorien anhängen und ausschließlich Vitaminpillen und Knoblauch als Behandlung von AIDS empfehlen.

Nur wenig Schatten fiel kurzzeitig am 22. September auf Botswana – so kurz vor den Feiern zum 40. Jahrestag der Unabhängigkeit: Eine partielle Sonnenfinsternis. Doch besser hätte es das Land nicht treffen können als von solch einem astronomischen Ereignis geehrt zu werden, denn eine Sonnenfinsternis hat immerhin auch ein absehbares Ende und die Rückkehr des vollen Lichtes könnte als Symbol verstanden werden – gäbe es nicht ein Dilemma. Doch darüber mehr demnächst in einem weiteren Artikel…

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Survival International, Leonardo diCaprio and the Bushmen

Dr. Alexander von Paleske – Survival International and it’s recent questionable international campaign to get the Basarwa relocated into the Kalahari Game Reserve in Botswana

Survival International has started yet another campaign to get the Basarwa (Bushmen) relocated into the Kalahari Game Reserve by prortaying the Botswana Diamonds as conflict- or blood diamonds. The latest is an appeal by the head of the Basarwa, Roy Sesana, to Hollywood actor Leonardo diCaprio to support their campaign for relocation, claiming, that the alleged planned prospecting for diamonds was the reason for their removal from the Kalahari Game Reserve. Di Caprio is starring in a movie about a blood-diamond dealer in Sierra Leone. Sesana’s letter was advertised widely by Survival International.

The Basarwa have taken the Government of Botswana to court and the case has been heard in the High Court in Lobatse, Botswana. Judgement day is set for December this year.

Whatever the case of the Baswara (Bushmen) is, right or wrong, it has absolutely nothing to do with the mining of the Botswana diamonds. Botswana’s diamonds are not conflict or blood diamonds and Survival International knows this only too well.

Botswana diamonds, unlike the diamonds in Sierra Leone, Angola, Namibia and Democratic Republik of Congo are not surface diamonds, which can basically be mined with simple equipment by anybody. Botswana diamonds are deep underground and require massive investment into the mining plant. On the other hand the area of mining is therefore relatively small and does not require large tracts of land being sealed off as it is for example the case in Namibia.

First of all it is extremely doubtful, whether diamonds are in the Central Kalahari area at all, there isn’t much indication to that, but even if it would be, then the required land for mining would be less than 1% of the Kalahari Game Reserve. Survival International and it’s Stephen Corry know all this.

The reason, why they continue to disseminate the false information about Botswana’s „conflict diamonds“ is the pressure, they want to mount with a sales boycott of diamonds against the Botswana Government, regardless what the consequences for the people of Botswana in the present and future are. The sale of Diamonds contributes more than 70% to Botswana’s GDP

Botswana, celebrating it’s 40th anniversary of independence on 30th September this year , is a democratic country. Stephen Corry was allowed to enter the country, despite his campaign against the Government, and put his points across locally.

The discovery of diamonds , which are mined in two big mines in Orapa and Jwaneng, have enabled the country, at independenece one of the poorest in the world, to become the real success story of Africa.

The income from the sales of diamonds has enabled the country, ravaged by HIV diesease, to run the only comprehensive anti-Aids program in Africa, 30.000 patients have been started on antiretrovirals, free of charge. And the income from the sales of diamonds enables me to treat my cancer patients, some of them being sent for a very costly treatment to South Africa, including memebers of the Basarwa. The income from the sales of diamonds has been put to good use during all the years, resulting in a superb infrastructure.

Survival International and it´s Stephen Corry do not care about all this, anything goes, as long as it serves their campaign.

I therefore regard his campaign, irrespective what good intentions they might have, as utter shameful.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

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Machtkampf am Kap

Dr. Alexander von Paleske – Thabo Mbeki, der Nachfolger von Nelson Mandela, hat noch nicht einmal die Hälfte seiner zweiten Amtszeit hinter sich gebracht und schon ist der Kampf um seine Nachfolge zwischen zwei sich nunmehr feindlich gegenüberstehenden Lagern mit aller Heftigkeit entbrannt. Die südafrikanische Verfassung sieht, wie in den USA, eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten nur einmal vor.

Auf der einen Seite der Präsident Thabo Mbeki.

Er diente zunächst unter Nelson Mandela als Vizepräsident, aber er war nicht die erste Wahl Nelson Mandalas für dieses Amt, sondern die Wahl des ANC, der sich Mandela beugte. Seine erste Wahl wäre Cyril Ramaphosa gewesen, der erfolgreich die Codesa-Verfassungsverhandlungen managte, die zu einer neuen Verfassung und den ersten freien Wahlen in Südafrika im Jahre 1994 führten. Er ist heute erfolgreicher Geschäftsmann ebenso wie viele andere seiner früheren Mitstreiter und hat sich weitgehend aus der Politik zurückgezogen.


Jakob Zuma: Schoß erst mal Eigentore. © „The Star“, Johannesburg.

Thabo Mbeki ist der Sohn des legendären Govan Mbeki, einer der alten Männer der Freiheitsbewegung ANC, der 25 Jahre lang zusammen mit Nelson Mandela auf Robben Island und in anderen Gefängnissen eingesperrt war.

Konspiration und verdecktes Arbeiten.
Für den Sohn Thabo war das weitere Leben vorgezeichnet. Nach dem Schulabschluss wurde er vom ANC zum Studium nach England geschickt und machte seinen Abschluss in Betriebswirtschaft an der Universität von Sussex. Sein militärisches Training erhielt er in der Sowjetunion.

Konspiration und verdecktes Arbeiten waren Teil des Überlebenskampfes der ANC Kader innerhalb und außerhalb Südafrikas und einiges davon hat sich bei Thabo Mbeki festgesetzt.

Nelson Mandela, der seine Präsidentschaft scherzhaft als seinen „zweiten Gefängnisaufenthalt“ bezeichnete, lehnte eine zweite Amtszeit strikt ab. Und so wurde Thabo Mbeki 1999 der zweite frei gewählte Präsident Südafrikas.

ANC, Afrikanischer Nationalkongress, kontrolliert mehr als 60 Prozent der Sitze im Parlament. Die Regierungspartei ANC, eine Dachorganisation verschiedener Strömungen innerhalb der schwarzen Widerstandsbewegung deren Hauptziel die Herstellung demokratischer Verhältnisse in Südafrika war, hat mehr als 60 Prozent der Sitze im südafrikanischen Parlament gewonnen. Zu seinen frühen Mitgliedern gehörte übrigens auch Mahatma Gandhi, später der erste Präsident Indiens. In diesem Nationalkongress finden sich die Kommunistische Partei Südafrikas, der Dachverband der Gewerkschaften, COSATU, aber auch Liberale. Auf deutsche Verhältnisse übertragen entspreche dies einer Allparteienregierung im Deutschen Parlament unter Einschluss von der PDS.

Das war zweifellos seinerzeit erforderlich, um alle Kräfte im Kampf gegen das Apartheidsregime zu bündeln, aber auf Dauer wäre es schwierig geworden, diese widerstrebenden Richtungen zusammen zu halten, und das zeigt sich jetzt mit aller Deutlichkeit.

Mann der Wirtschaft.
Präsident Thabo Mbeki ist der Mann der Wirtschaft geworden. Von den Anfängen, als die erste Delegation von Wirtschaftsleuten Kontakte mit dem ANC noch in der Apartheid Zeit knüpfte in Senegal im Jahre 1988, wuchs mittlerweile ein enges Vertrauensverhältnis. Dies musste ihn zwangsläufig in Gegensatz zu der Gewerkschaftsbewegung COSATU und zur kommunistischen Partei bringen, aber das war zunächst einmal kein Problem, weil der Vizepräsident Jacob Zuma deren Sprachrohr war. Dieser ließ keinen Zweifel an der Loyalität zu Mbeki, wenn auch er mit ihm in vielen Punkten nicht übereinstimmte.


Die Zwei: Zuma und Mbeki © „The Star“, Johannesburg.

Die Wirtschaft brummte in den letzten Jahren, dank gestiegener Rohstoffpreise und des Vertrauens, das die Wirtschaft in Mbeki – nicht aber in Zuma hatte.

Und es wurde eine Black Economic Empowerment (BEE)- verabschiedet. Sie verpflichtete die Firmen 30% ihrer Besitzanteile an Schwarze, die ehemals benachteiligt waren, zu übertragen. Diese Gesetzgebung änderte wenig in den Townships wo nach wie vor Armut herrschte, aber sie machte viele ehemalige Spitzenfunktionäre wie Cyril Ramaphos, Tokio Sexwale, Valli Moosa und Bulelani Ngcuka innerhalb kürzester Zeit sehr reich.

Aids wütet wie ein Raubtier.
In den Townships gibt es jetzt zwar Wasser und Elektrizität, aber dort wütet AIDS; die Schere zwischen Arm und Reich wird indessen immer größer. Normalerweise wäre es zwar zu Spannungen innerhalb des ANC gekommen, jedoch nicht zum Bruch.

Aber Mbekis Regierungsstil, der sich krass von dem Mandelas unterschied, sorgte für Ärger. Er scharte eine Art Küchenkabinett von loyalen Mitarbeitern, die man besser als Ja-Sager bezeichnen könnte, um sich. Und er suchte, anders als Nelson Mandela, nicht den Kontakt mit den verschiedenen Gesellschaftsgruppen und Persönlichkeiten. Seine in kleinem Kreis gehäkelten Entscheidungen suchte er von oben nach unten durchzudrücken.

Mandela lebte auf in der Gesellschaft von anderen, die oftmals nicht seine Meinung teilen mussten. Das sah er als Bereicherung und Herausforderung an, Mbeki dagegen als Bedrohung, als lästig oder aber als Ausdruck von Rassismus. Kurzum: Aus der Souveränität von Mandela wurde das unsichere und schroffe Verhalten von Mbeki.

AIDS Leugner schlimmer als Raubtiere.
Viel schlimmer aber war seine Politik gegenüber der Aids-Seuche, die Südafrika hart traf. Mbeki, von Medizin nichts verstehend, griff die abstrusen Theorien von AIDS-Leugnern wie Düsberg & Co auf und behauptete nun – auf diese Apostel gestützt – dass AIDS eine Lifestyle-Krankheit sei, ergo mit der Anhebung des Lebensstandards und gesunder Lebensweise trotz HIV-Virus im Körper verschwinde, sich ein Tiger also in ein Hauskätzchen wandele.

Diese Leugnung des klaren Zusammenhanges, dessen Details noch der Aufklärung harren, hatte katastrophale Folgen für die Südafrikaner. Nicht zuletzt deshalb, weil nunmehr die Warnungen der Anti-Aids-Kampagne von vielen in den Wind geschlagen wurden und Aids-Infizierte die dringend Medikamente brauchten und jene nicht bekamen. Und dies in einem Land, wo Monat für Monat Tausende der Krankheit erliegen!

Vollends lächerlich aber machte er sich mit seiner Behauptung, dass er noch niemanden gesehen habe, der an AIDS gestorben sei, und dies, obgleich mehrere seiner engeren Berater an der Krankheit verstorben waren.

Was sich nun abspielt, hat das Zeug zu einem Shakespearischen Drama, in dem auch die Nebenrollen gut besetzt sind.

Das Shakespearische Drama.

Der Anfang: Die Wirtschaft und wohl auch Mbeki sind davon überzeugt, Zuma sei der falsche Mann für die nächste Präsidentschaft. Auch liebäugelt Mbeki mit dem Gedanken, die Verfassung ändern zu lassen, um eine dritte Amtszeit antreten zu können, in die dann die Fußball-WM 2010 fallen müsste. Das aber hätte Zuma, der nun endlich selbst Präsident werden wollte, niemals zugelassen.

Zuma schoss erst einmal Eigentore.
Angefangen damit, dass sein Gehalt seinen anspruchsvollen Lebensstil nicht decken konnte, aber da war doch ein Freund, namens Shaik, der wiederum als Vermittler für Geschäfte auftrat, und der dann auch erklären konnte, er sei ein enger Freund Zumas.

Und ein Riesenwaffengeschäft mit einer französischen Firma namens Thint stand an. Hier ging es nicht um Kleckerbeträge, sondern um Milliarden. Kurzum: Shaik half wann immer er konnte finanziell aus, wenn Zuma klamm war und das war er nur allzu oft.

Da setzte sich nun Bulelani Ngcuka – Generalstaatsanwalt und Chef der Sondereinheiten der Polizei (Scorpions) und ehemaliger ANC in East London, der auch in der Apartheidszeit vorübergehend eingesperrt war und enger Freund von Thabo Mbeki – auf die Spur. Er ermittelte, was wieder das Zuma-Lager ärgerte. Und die behaupteten nun, Ngcuka sei ein ehemaliger Spion des Apartheidregimes gewesen.

Um diese „Vorfrage“ zu klären, setzte Präsident Mbeki 2004 eine Kommission ein, welche die Vorwürfe untersuchen sollte. Pikanterweise wurde sie von einem Vorsitzenden geführt, der wahrend der Apartheidszeit eine Reihe von Freiheitskämpfern an den Galgen gebracht hatte, nämlich von dem Richter Hefer. Diese Kommission fand keine Anhaltspunkte für die Beschuldigungen und Ngcuka konnte loslegen.

Es endete alles mit einer Verurteilung von Sheikh wegen Korruption und damit geriet Zuma direkt in die Schusslinie. Von Mbeki wurde er aus dem Amt des Vizepräsidenten gefeuert. Als neue Vizepräsidentin berief man dann die Ehefrau von Ngcuka, die einer weiteren Präsidentschaft von Mbeki keinerlei Steine in den Weg gelegt hätte. Und nun wurden die ersten stimmen aus dem Mbeki-Lager laut, die genau das forderten. Hinzu kamen offensichtlich gefälschte E-Mails, die einen Verschwörungsverdacht gegen Mbeki erzeugen sollten und angeblich von der Gegenseite stammten.

Aber Zuma genoss weiterhin Unterstützung bei seinen Verbündeten. Eine Website wurde eröffnet, auf der Unterstützungsadressen abgeladen werden konnten. Die Unterstützergruppe nannte sich „Friends of Zuma“, und es regnete reichlich Unterstützung.

Zuma geriet jedoch weiter in die negativen Schlagzeilen. Ende vergangenen Jahres wurde er beschuldigt, eine Freundin der Familie, die an HIV erkrankt ist, vergewaltigt zu haben; er hatte mit ihr ungeschützten Verkehr. Mit großer Geschwindigkeit wurde das Verfahren gegen ihn eröffnet, es endete aber mit einem Freispruch – eine politische Schlappe für Mbeki.

Zu widersprüchlich und zu unglaubwürdig waren die Angaben des angeblichen Opfers. Sie, die Freundin der Familie, wurde auch kurz darauf von Thabo Mbekis Stellvertreterin, der Vizepräsidentin Mlambo-Ngcuka, und ihrem Mann, Bulelani Ngcka – der mittlerweile innerhalb von 18 Monaten zu einem reichen Businessman aufgestiegen war – in einem staatseigenen Jet und mit Sicherheitsbeamten, alles auf Staatskosten, zu einem privaten Trip nach Dubai eingeladen; ein Trip, der im Nachhinein als Businesstrip deklariert wurde. Man kann in Dubai bei einer Privatreise schließlich auch zufällig Geschäftsleute treffen. Und Zuma trat nun zum Gegenangriff an. Auf dem Kongress der Lehrergewerkschaft vor einer Woche attackierte er zum ersten Mal in unverhüllter Form die Politik Mbekis,insbesondere dessen Umgehen mit der HIV Katastrophe und seinen Regierungsstil. Langanhaltender Beifalll der Delegierten war die Antwort.

Der Prozess
Nun hat der zweite Prozess, in dem Zuma wegen Bestechlichkeit angeklagt ist, begonnen, das Nachfolgeverfahren zum Shaik-Prozess. Wie sich gleich zu Prozessbeginn herausstellte, hatte es der Staat mit dem Verfahren so eilig gehabt, dass die Anklagevertretung noch nicht einmal alle Anklagepunkte substantiieren konnte und um Zeitaufschub bat. Der Vorsitzende Richter war darüber wenig amüsiert und Staranwalt Kemp, der Zuma schon im Vergewaltigungsverfahren herausgepaukt hatte, schlug heftigst in die gleiche Kerbe. Schließlich wurden am zweiten Prozesstag von der Staatsanwaltschaft Dokumente eingeführt, die einem Verwertungsverbot unterliegen. Der Vorsitzende Richter stand daraufhin kurz vor einem Tobsuchtsanfall und warf der Anklagevertretung in scharfen Worten „Contempt of Court“, die „Missachtung des Gerichts“, vor. Das ganze Verfahren droht nun vollends zu scheitern, mit unabsehbaren innenpolitischen Folgen.

Es sieht so aus, als ginge Südafrika politisch unruhigen Zeiten entgegen: Ebenfalls gestern platzte die Nachricht auf den Tisch, dass nicht nur das führende Mitglied der Freunde Zumas/Zuma Trust, George Nene vor einem Jahr ermordet wurde, sondern nun auch noch vorgestern sein Nachfolger, Zobaphi Sithole, der auf dem Weg zu Zumas Gerichtsverhandlung war. Da möchte man eigentlich nicht mehr von Zufall sprechen. Der Verdacht von bestelltem Mord drängt sich auf.

Kampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome
Bulelani Ngcuka and his Apartheid Soldiers

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

afrika

Kampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome

Dr. Alexander von Paleske – Das wirtschaftlich stärkste Land Afrikas, Südafrika, mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur, das tatsächlich zu den Schwellenländern gezählt werden kann, präsentierte sich auf der internationalen AIDS-Konferenz in Toronto/Kanada. Die von weit her angereisten Reporter, die ansonsten nur wenig Erfreuliches zu berichten haben, kamen dank der südafrikanischen Gesundheitsministerin Dr. Tshabalala-Msimang ganz auf ihre Kosten. Auf dem südafrikanischen Stand waren nämlich nicht, wie man erwarten sollte, in erster Linie Medikamente gegen das HIV-Virus zu sehen, sondern allerlei Grünzeug: Knoblauch, Rote Beete und Vitamine gegen AIDS. Endlich einmal ein Knüller!

Südafrika, der Staat, in dem mittlerweile 10 Prozent der Bevölkerung mit dem HIV-Virus infiziert sind und der die am schnellsten wachsende Zahl an Neuinfektionen in der Welt hat, mangelt es nicht der Mittel zur Bekämpfung des HIV-Virus – im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern, die von der AIDS-Epidemie heimgesucht wurden und die sich die antiretroviralen Medikament nicht leisten können.

Als Nelson Mandela nach den ersten freien Wahlen 1994 sein Amt als Präsident antrat, lag die Infektionsrate noch bei 2 Prozent der Gesamtbevölkerung; allerdings wusste Mandela aus den Erfahrungen, die Zambia und Zimbabwe schon hinter sich hatten, dass es hier ein Riesenproblem gab.

Für Nelson Mandela lag aber das allergrößte und vordringlichste Problem darin, nach den Wahlen in Südafrika einen Bürgerkrieg zu verhindern. Dies konnte nur durch Versöhnung geschehen, und es hätte wohl kein anderer diese Herkules-Arbeit mit solcher Bravour bewältigt als er.

Mandela gab nach dem Ende seiner Präsidentschaft 1999 in mehreren Interviews zu verstehen, wie sehr er es nachträglich bereute, dieses Problem während seiner Präsidentschaft nicht genügend angepackt zu haben und dies nicht nur, weil zwei seiner engsten Familienangehörigen an Aids starben.

Ihm folgte Thabo Mbeki als Präesident, der sich erst einmal mit Hilfe seines Heimcomputers daran machte herauszufinden, ob es nicht andere Auswege auf dem AIDS-Problem gab, als antiretrovirale Medikamente und Kondome. Und siehe da: Es gab gleich zwei Gruppen, die bereit waren ihn auf dem Weg in diese Sackgasse zu begleiten.

Da ist erst einmal ein Prof. Düsberg zu nennen, der an der kalifornischen Berkeley-Universität den Unfug verbreitete, AIDS sei eine Lifestyle-Krankheit. Mit anderen Worten: „Ändere deine Lebensweise und Aids verschwindet sozusagen von selbst.“ Doch die Toten, die in den Industrienationen trotz Lifestyle-Änderung zu beklagen sind, veranlassen uns eine andere Sprache zu sprechen.

Aber für Mbeki war das der Ausweg: Die Verbesserung des Lebensstandards, die ja ohnehin Teil seines Regierungsprogramms war, würde von selbst das HIV-Problem erledigen. Und Mbeki scheute sich auch nicht, diesen Unfug öffentlich zu verkünden. Dass dies nur wenige Menschen ermutigt haben dürfte Kondome zu verwenden und antiretrovirale Medikamente zu schlucken, versteht sich von selbst.

Nun hätte man ja erwarten können, dass seine Gesundheitsministerin Dr. Manto Tsabalala-Msimang ihm freundlich auf die Schulter klopfen und ihm sagen würde, er solle die Finger von Sachen lassen soll, von denen er als gelernter Betriebswirtschaftler nichts versteht. Aber das Gegenteil war der Fall.


Möchtegern-Wunderheilerin und Gesundheitsminsterin Dr. Tshabalala-Msimang.

Freudig erregt unterstützte sie all diese Thesen und holte sich noch einen gelernten Doktor an Bord der bereit war mitzumachen, Dr. Rath aus Deutschland. Zu diesem Trio stieß dann noch eine Krankenschwester holländischer Abstammung, die die Knoblauch-Rote Beete-Therapie propagierte.

Dr. Tshabalala hieß nun „Dr. Beetroot“ (Dr. Rote Beete) und sie machte ihrem Namen alle Ehre, wie zuletzt vergangenen Woche in Toronto. Ihr Stand war umlagert, nicht von ernstzunehmenden Wissenschaftlern und Ärzten, sondern von Sensationsreportern und Menschen, die bei aller Depression, die die HIV-Epidemie auslöst, auch etwas zum Lachen haben wollten. Bis die AIDS-Aktivisten der Treatment Action Group (TAC) aus Südafrika auftauchten und das Grünzeug vom Tisch warfen.

Sie, die Leute von der TAC, liegen schon lange im Clinch mit dieser Doktorin, die einstmals, vor vielen Jahren, auch in Botswana als Ärztin arbeitete. Die Kommentare, die ich von Krankenschwestern über sie erhielt, möchte ich besser für mich behalten.


Zackie Achmat, zweiter von rechts, und andere Aktivisten der TAC während des jüngsten Protestmarsches durch Kapstadt. Sie fordern die Verhaftung von Südafrikas Gesundheitsminsterin Dr. Tshabalala-Msimang.

Dass es mit der Bekämpfung von AIDS auch anders geht, zeigen die Erfahrungen in Botswana, dem Nachbarn von Südafrika.

Hier hatte der Präsident Festus Mogae fast im Alleingang durchgesetzt, dass die Bekämpfung der HIV-Krankheit oberste Priorität haben muss, eine Einstellung, die mittlerweile als Allgemeingut bezeichnet werden kann: Weg mit der Stigmatisierung und hin zur Behandlung und zur Verhütung. So sind landesweit mittlerweile 30.000 an HIV erkrankte Patienten in Behandlung. Innerhalb kürzester Zeit wurden zwei Referenzlaboratorien aus dem Boden gestampft, die die Viruslast und die CD4-positiven Lymphozyten im Blut der Patienten messen.

Viele dieser Patienten, die im Rollstuhl oder auf der Trage in der Klinik eintrafen, sind inzwischen so weit wiederhergestellt, dass sie wieder zur Arbeit gehen können.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

Abwerbung von afrikanischen Krankenschwestern

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Zimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies

Dr. Alexander von Paleske — 28.8. 2006 — Zimbabwe ist aus den Weltnachrichten verschwunden – seit der Invasion des Irak und dem Krieg im Libanon; jedoch die Probleme und das Leiden der Bevölkerung blieben.

In dem Land, das einstmals als die Kornkammer des südlichen Afrikas bezeichnet wurde, hungert die Bevölkerung. Die Arbeitslosenrate liegt bei über 70 Prozent, ein Drittel der Bevölkerung hat das Land verlassen, um Arbeit entweder in Südafrika, Botswana oder aber in England, Australien und anderswo zu finden und Familien wurden auseinander gerissen.

Aus der einst stärksten Wirtschaftsmacht in Afrika nach der Republik Südafrika mit landwirtschaftlichen Exporten, wie Mais, Tabak, Zucker und Baumwolle, der Produktion von Rohstoffen wie Zink, Zinn, Kupfer, Gold, Kohle aber auch einer blühenden verarbeitenden Industrie die Textilien, Metallwaren, Kraftfahrzeuge und Busse herstellte sowie einer Tourismusindustrie, die Jahr für Jahre zweistellige Zuwachsraten aufwies (der Flughafen Harare wurde von mehr als zehn internationalen Luftlinien, darunter auch der Lufthansa und Swissair bedient) – ist ein verarmtes Land geworden.

Die Rohstoffproduktion ist trotz massiv gestiegener Preise am internationalen Rohstoffmarkt dramatisch abgesackt, der Tourismus fristet nur noch ein kümmerliches Dasein, und die landwirtschaftliche Produktion beträgt weniger als die Hälfte des Jahres 2000.

Doch ungeachtet dessen: Der Präsident Robert Mugabe zieht um. Nicht, um das Zepter aus der Hand zu geben, nein, er will weiterregieren, bis zum Jahr 2010 – mindestens.

Des Königs neue „Vier“ Wände
Da er nicht raucht und nicht trinkt, ist er fit und, obwohl er sich das Haar regelmäßig färben lässt, sieht er nicht jünger aus. Die Bevölkerung jedoch hat keine Veranlassung, auf seine Gesundheit anzustoßen. Denn: Nicht etwa in eine bescheidene Behausung zieht „König Robert“ um, wie man erwarten könnte angesichts der herunter gekommenen Verhältnisse Zimbabwes, sondern in einen ihm und nicht dem Staat gehörenden Palast, der für den 82-jährigen in fünfjähriger Bauzeit in Harare errichtet wurde, mit zwei Hubschrauberlandeplätzen. Kürzlich war Einzug dort, unter Ausschluss der Öffentlichkeit – versteht sich.


Mugabes Villa im Rohbauzustand (colorierter Zeitungsdruck).

30 Zimmer hat er nun zur Verfügung, auch gemessen an der Größe seiner Familie – eine vierzig Jahre jüngere Frau und drei Kinder – ist das gewaltig. Da er aber nicht immer dort sein will, hat er zusätzlich eine nicht gerade kleine Wochenendwohnung nahe seines Geburtsort Zvimba, 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt, 29 Zimmer dort und einen Landsitz in den kühlen Bergen von Nyanga, wenn es ihm im Sommer zu heiß wird, darf auch nicht fehlen.

Und weil er keinen Wert auf gute Nachbarschaft legt, will er mehr als zehn Häuser, die dort im Lauf der letzten Jahre in angemessener Entfernung seiner Harare-Residenz errichtet wurden, enteignen lassen; die Hauseigentümer haben ihre Enteignungsbriefe schon erhalten.Da der Staat sich mit der Entschädigungszahlung Zeit lässt, ist das bei einer Inflationsrate von gegenwärtig 1.000 Prozent ein gutes Geschäft, doch keineswegs für die enteigneten Hauseigentümer.

Solch Umzug ist schließlich auch immer auch ein Neuanfang. Gelegenheit also zurückzublicken.

Rückblick
Vor 26 Jahren, im Jahr 1980, gab es wirklich etwas zu feiern in Harare, die Unabhängigkeit. Nach langjährigem, blutigen Befreiungskampf wurde Zimbabwe, die letzte Kolonie Afrikas, in die Unabhängigkeit entlassen, das weiße Siedlerregime unter Ian Smith musste abdanken und Mugabe, der Führer der Befreiungsbewegung ZANU wurde Premierminister.

Die Befreiungsbewegung ZANU unter Mugabes Führung erhielt während des Befreiungskampfes UN-Unterstützung – von China, Nordkorea wie auch von Deutschland aus durch eine kommunistische Kleinstpartei, den kommunistischen Bund Westdeutschlands unter der Lenkung eines Herrn Hans Gerhart Schmierer, der später unter Joschka Fischer in den Planungsstab des Auswärtigen Amtes wechselte und den Namen „Joscha Schmierer“ fortan führte.

Schwerter zu Pflugscharen zu Schwertern
Robert Mugabe, dessen erfolgreicher Unabhängigkeitskampf ihm große Sympathien in ganz Afrika und auch anderswo einbrachte, versprach in seiner Antrittsrede Schwerter zu Pflugscharen zu machen.

Dies bezog sich offenbar nur auf seine Gegner, denn er selbst ging alsbald nach der Unabhängigkeit nicht mit Pflugscharen, sondern mit seiner bis an die Zähne bewaffneten, von Nordkorea ausgebildeten, 5. Brigade gegen den Stamm der Ndebele im Süden und Westen des Landes vor. Ein Genozid war das, nach konservativen Schätzungen wurden 20.000 Menschen umgebracht – teilweise lebendig begraben, teilweise ausgehungert -. Willkürliche Massentötungen und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.

Gerechtfertigt wurde das alles durch Attentate seitens unzufriedener ehemaliger Befreiungskämpfer aus der ehemaligen konkurrierenden Befreiungsbewegung ZAPU.

Zimbabwes beste Jahre
Bis es dann 1987 zu einem Friedensschluss kam – einem Unterwerfungsfrieden, der aber den Führer der Ndebele, dem Urgestein der afrikanischen Befreiungsbewegungen, Joshua Nkomo, immerhin zum Vizepräsidenten machte. Die Jahre danach können wohl tatsächlich als die besten in der kurzen Geschichte Zimbabwes bezeichnet werden.

Mugabe stieg zu einem internationalen Star auf, der die Fahne gegen das Apartheidsregime hochhielt, den Freiheitskämpfern von Namibia und Südafrika Unterschlupf gewährte und mit seiner Armee dem von Südafrika bedrängten Mozambique zur Seite stand.

Zehn Jahre lang kämpften die Soldaten Zimbabwes, weiße Offiziere eingeschlossen, gegen die von Südafrika unterstützte Terrorgruppe Renamo und sie hielten den Tete-Korridor nach Malawi und den Beira-Korridor zum Indischen Ozean offen. Ausländische Staatsoberhäupter, darunter auch der damalige Bundespräsident Weizsäcker, gaben sich in Harare die Klinke in die Hand.


Sieht sich so am liebsten: Diktator Robert Mugabe.

Bei all dem Rummel und den vielen Einladungen zu Staatsbesuchen im Ausland die Mugabe erhielt, darunter zwei in Deutschland, blieben die Probleme zu Hause liegen, zuallererst die Landreform: 4.000 weiße hochproduktive Farmer, die mehr als ein Drittel des Bruttosozialproduktes erwirtschafteten besaßen mehr als 60 Prozent des fruchtbaren Bodens. 70 Prozent der Bevölkerung von 12 Millionen, die auf dem Lande leben, war unter der weißen Herrschaft in unfruchtbare Gebiete vertrieben worden und lebte von kümmerlicher Subsistenzwirtschaft. Eine Landreform war daher dringend und überfällig.

Korrupte Landreform
Die Landreform wurde zwar nach der Unabhängigkeit etwas angepackt, aber halbherzig und anstatt all das Land, das der Staat aufkaufte, an schwarze ausgewiesene Farmer weiterzugeben, sorgten hochrangige Regierungsangestellte, Minister und Armeeangehörige dafür, dass ein Teil des Farmlandes in ihre Hände gelangte; Korruption ist ein anderes Wort dafür.

Mugabe, Mandela und der Kongo-Konflikt
Das allergrößte Problem bestand jedoch für Mugabe darin, dass sein internationaler Stern sich nach 1994 im steilen Sinkflug befand. Der Grund dafür war das Erscheinen von Nelson Mandela auf der internationalen Bühne als erster Regierungschef Südafrikas nach freien Wahlen. Fortan interessierte sich kaum noch jemand für Mugabe, alles eilte zum Kap. Und nicht nur das, hinzu kamen noch andere Animositäten zwischen Mugabe und Mandela, auf die ich nicht näher eingehen will, weil sie vom eigentlichen Problem Zimbabwes ablenken.

Der in seiner Eitelkeit gekränkte Mugabe sah in dem Kongo-Konflikt, der 1998 ausbrach, die Möglichkeit, es nun der Welt erneut zu zeigen. Er schickte seine Armee in ein Land von der Größe Westeuropas in einen Konflikt, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben kostete. Mugabe sorgte dafür, dass Präsident Laurent Kabila – korrupt wie sein Vorgänger Mobuto Sese Seko, und den schon seinerzeit der legendäre Che Guevara mit Verachtung strafte – im Amt bleiben konnte.

Alles, was Zimbabwe an Reserven zur Verfügung stand, wurde in diesen Konflikt gepumpt, obgleich Nelson Mandala, – allerdings vergeblich – versucht hatte, ihn davon abzubringen.

Das Resultat war der Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs in Zimbabwe: Treibstoffmangel, galoppierende Inflation und eine sich ausbreitende Korruption war der Preis, den Zimbabwe für sein Engagement zahlte; beschleunigt noch durch hohe Zahlungen an ehemalige Befreiungskämpfer.


Und so schmeicheln ihn seine Kritiker.
Illustration: Conquerer of sateenz /bob,co.za

Die Bevölkerung revoltierte und die Opposition erstarkte.

Die Parlamentswahlen im Jahr 2000 standen an, und nachdem die Bevölkerung eine Volksabstimmung über eine Verfassungsreform zu einem Plebiszit auf Betreiben der Opposition gegen Mugabe machte, wusste der was ihm bei fairen Wahlen blühte. Hinzu kam, dass die weißen Farmer nun eine Möglichkeit sahen sich Mugabe und damit eine Landreform vom Halse zu schaffen. Massiv unterstützten sie die Opposition unter Führung des ehemaligen Gewerkschaftsvorsitzenden Morgan Tsvangirai.

Dies erzürnte Mugabe zusätzlich, denn der Befreiungskampf war immerhin seinerzeit auch um Landrückgabe geführt worden und es waren die weißen Farmer, die nach der Unabhängigkeit unangetastet bleiben und weiterhin im Wohlstand lebten, so wie Mugabe es zähneknirschend seinerzeit bei den Unabhängigkeitsverhandlungen im Lancaster House in London versprochen hatte.

Mugabe griff zum Mittel der Gewalt, um an der Macht zu bleiben.
Seine ehemaligen Befreiungskampfer und das Lumpenproletariat wurden auf die weißen Farmen gebracht und übten dort unbeschreiblichen Terror aus. Am schwersten traf es die Landarbeiter und die Landbevölkerung. Wer es unter der Landbevölkerung wagte, sich für die Opposition einzusetzen, musste mit dem Schlimmsten rechnen: Viele Landarbeiter wurden ermordet oder von den Farmen vertrieben. Gleichwohl verfehlte die Opposition trotz des Terrors nur knapp die Mehrheit.


Wenigstens einer ist gut genährt in Zimbabwe: Robert Mugabe.

Dem Ausland wurden diese Landbesetzungen als spontane Erhebung und Landnahme „verkauft“. Das gleiche Spielchen wiederholte sich bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2002: Von freien und fairen Wahlen daher keine Rede.

Gleichwohl erhielt Mugabe große Zustimmung auf dem schwarzen Kontinent : „Endlich einer, der es den Weißen richtig zeigte“.

Den von ihren Farmen vertriebenen Weißen folgten die Regierungsclique und nicht etwa landlose Bauern. Das Resultat waren ein dramatischer Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und ein wirtschaftliches Chaos.

Das Gesundheitswesen, einstmals das Aushängeschild, verrottete; die Lehrer in den Schulen auf dem Lande flohen vor dem Terror der ehemaligen Befreiungskämpfer, ebenso Krankenschwestern und Ärzte. Entwicklungshelfer wurden abgezogen, die Entwicklungshilfeleistungen vor allem europäischer Länder eingestellt.

Das alles beeindruckte Mugabe herzlich wenig. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mugabe wurde von den USA und der EU mit Sanktionen bestraft: Das aber gab Mugabe die Gelegenheit, ihnen die Schuld für den wirtschaftlichen Niedergang anzulasten.

Die USA und Grossbritannien forderten Thabo Mbeki, den Nachfolger Nelson Mandelas im Amt des Staatspräsidenten, unverhohlen auf, dem Spuk in Zimbabwe ein Ende zu bereiten. Das wäre militärisch kein Problem gewesen.

Die einstmals disziplinierteste Armee im südlichen Afrika befindet sich im Zustand der Auflösung. Desertationen sind an der Tagesordnung, hervorgerufen durch die miserable Bezahlung – Zimbabwe hat keine Wehrpflicht. Vermutlich hätte es gereicht, die Grenze zu Zimbabwe am Grenzübergang Beitbridge – die Lebensader für das Land, dichtzumachen, so wie es seinerzeit schon zu Apartheidzeiten der damalige Präsident Vorster dem rhodesischen Regierungschef Ian Smith angedroht und ihn damit zu Verhandlungen mit den schwarzen Befreiungsbewegungen gezwungen hatte.

Politisch wäre es allerdings einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen. Der Respekt und die Zustimmung, die Mugabe – ausserhalb Zimbabwes – genießt, reicht weit in die Reihen des ANC, der Regierungspartei Südafrikas hinein. Das zeigte sich gerade auch bei der Beerdigung Walter Sisulus im Jahre 2004, wo Robert Mugabe den stärksten Applaus nach Nelson Mandela bekam und nicht etwa Thabo Mbeki, sein Nachfolger.

Das wiederholte sich vor einer Woche in Maseru, der Hauptstadt Lesothos, als die Regierungschefs der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika zu einem Treffen zusammenkamen:

Langanhaltender Applaus bei dem Auftritt Mugabes.

Es wäre zu einer Zerreissprobe innerhalb des ANC gekommen, und in Afrika ware Thabo Mbeki als Verräter und Handlanger westlicher Regierungen gebrandmarkt worden, was seinem politischen Todesurteil gleichgekommen wäre.

Nur ein Mann von der Statur Nelson Mandelas hätte das schultern können, aber der war nicht mehr im Amt und hielt sich mit Äußerungen zurück, die als Eingreifen in die Tagespolitik hätten interpretiert werden können. So war es dann der Nobelpreistrager und Erzbischof Desmond Tutu, der Mugabe als Schande für Afrika nannte; doch die Kirche hat bekanntlich keine Divisionen.

Damit kam die Stunde der Diplomaten. Aber sie wurde nicht genutzt.

Mugabe verschärfte den Terror.
Thabo Mbeki tat hinter den Kulissen, was er konnte, um eine Regierung der Nationalen Einheit zustande zu bringen. Er nannte es „Quiet Diplomacy“, aber da Mugabe, der die Opposition nicht mit im Boot haben wollte, wusste, dass es Mbeki nicht zum Äußersten kommen lassen würde, konnte ihr kein Erfolg beschieden sein. Im Gegenteil: Mugabe verschärfte den Terror und zerstörte die Wohnungen von 750.000 Einwohnern in den Städten und jagte diese anschließend davon, mitten im Winter. Das Ziel war, die Opposition zu schwächen, die ihre größte Unterstützung unter der Stadtbevölkerung hat, denn es standen wieder einmal Wahlen an, Wahlen zum Senat.

Die USA und Grossbritannien hatten mittlerweile nach dem Einmarsch im Irak, nach Abu Gharib und Guantanamo, jedes moralische Recht verspielt, die Missetaten des Herrn Mugabe zu brandmarken. Und der trat vor den Vereinten Nationen in der Generalversammlung in New York auf, und griff in schärfster Form die USA und Grossbritannien an, so, wie es viele Staaten insgeheim gern gemacht hätten, aber sich nicht trauten. Stehende Ovationen, nicht nur von arabischen Delegationen, waren die Antwort.

Musste das alles so kommen, hätte eine andere Diplomatie des „Engagements“ mehr erreicht?

Davon muss man wohl ausgehen. Im Jahre 1998, als noch alles unentschieden war, sprach auf der Commonwealth-Konferenz in London Mugabe den britischen Regierungschef Tony Blair an, und erinnerte ihn an das Versprechen früherer britischer Regierungen, die Landreform finanziell zu tragen. Mugabe wollte dies mit Blair persönlich aushandeln.

Blair, der nicht die geringste Afrika-Erfahrung hat, verwies Mugabe an den Unterstaatssekretaer im Commonwealth-Ministerium. Diese Zurückweisung und Verweisung, die für einen afrikanischen Staatsmann einer Beleidigung gleichkommt, hat Mugabe einstecken müssen, aber er rächte sich dafür.

J. Fischer, J. Schmierer &Co
Hätte Deutschland unter seinem Außenminister Fischer, der sich selbst als einer der ganz Großen in einer Reihe mit Gustav Stresemann und Willy Brandt sieht – eine Einschätzung, die er nach dem Fall Murat bald nur noch allein haben wird und – mehr tun können? Sicherlich.

In seinem Planungsstab arbeitete der ehemalige Boss des KBW, Hans Gerhart alias Joscha Schmierer. Der kam zu den Unabhängkeitsfeiern in Harare im April 1980 auf persönliche Einladung Mugabes mit einer Delegation des KBW und wurde wie ein Staatsmann von Mugabe empfangen.

Mugabe hat ein langes Gedächtnis: Wer ihm half und wer ihm schadete. Schmierer zählt zu denen, die sofort zu Mugabe vorgelassen und dem Mugabe vertrauen würde und dessen Vermittlerrrolle er sofort akzeptiert hätte. Aber sein Freund und Boss Fischer hatte anderes zu tun, und bei seiner letzten Reise ins südliche Afrika machte Joschka Fischer nicht etwa in Harare Station, um mit Mugabe Tacheles zu reden, sondern in Kigali/Rwanda, um mit dem dortigen Regierungschef Paul Kagame Menschenaffen im Nationalpark zu besichtigen.

Was sagte doch der verstorbene Top-Journalist Günter Gaus über diesen Herrn J.Fischer: „Er ist der grösste Opportunist, den ich je kennengelernt habe“

Umgekehrt forderten die europäischen Regierungschefs bei jedem Treffen mit ihren afrikanischen Amtskollegen, das Problem Zimbabwe nun endlich zu lösen, wie zuletzt der deutsche Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Staatsbesuch in Botswana dieses Jahr, der daraufhin von Botswanas Präsident Festus Mogae barsch zurechtgewiesen wurde.

Selber nichts tun und andere auffordern die Kastanien aus dem Feuer zu holen, das erzürnt die Afrikaner ganz besonders, vor allem wenn sie daran denken, welch schwunghafter Handel seinerzeit mit dem Apartheidsregime in Südafrika getrieben wurde – von Sanktionen damals keine Rede.

Und so hofft die gequälte Bevölkerung in Zimbabwe auf das natürliche Ende von Robert Mugabe, aber das kann noch dauern. Wie heißt es doch im Englischen: „Old Soldiers never die“.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

afrika

Kampf gegen AIDS: Gesundheitsministerin bevorzugt Gemüse statt Kondome

Dr. Alexander von Paleske – Das wirtschaftlich stärkste Land Afrikas, Südafrika, mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur, das tatsächlich zu den Schwellenländern gezählt werden kann, präsentierte sich auf der internationalen AIDS-Konferenz in Toronto/Kanada. Die von weit her angereisten Reporter, die ansonsten nur wenig Erfreuliches zu berichten haben, kamen dank der südafrikanischen Gesundheitsministerin Dr. Tshabalala-Msimang ganz auf ihre Kosten. Auf dem südafrikanischen Stand waren nämlich nicht, wie man erwarten sollte, in erster Linie Medikamente gegen das HIV-Virus zu sehen, sondern allerlei Grünzeug: Knoblauch, Rote Beete und Vitamine gegen AIDS. Endlich einmal ein Knüller!

Südafrika, der Staat, in dem mittlerweile 10 Prozent der Bevölkerung mit dem HIV-Virus infiziert sind und der die am schnellsten wachsende Zahl an Neuinfektionen in der Welt hat, mangelt es nicht der Mittel zur Bekämpfung des HIV-Virus – im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern, die von der AIDS-Epidemie heimgesucht wurden und die sich die antiretroviralen Medikament nicht leisten können.

Als Nelson Mandela nach den ersten freien Wahlen 1994 sein Amt als Präsident antrat, lag die Infektionsrate noch bei 2 Prozent der Gesamtbevölkerung; allerdings wusste Mandela aus den Erfahrungen, die Zambia und Zimbabwe schon hinter sich hatten, dass es hier ein Riesenproblem gab.

Für Nelson Mandela lag aber das allergrößte und vordringlichste Problem darin, nach den Wahlen in Südafrika einen Bürgerkrieg zu verhindern. Dies konnte nur durch Versöhnung geschehen, und es hätte wohl kein anderer diese Herkules-Arbeit mit solcher Bravour bewältigt als er.

Mandela gab nach dem Ende seiner Präsidentschaft 1999 in mehreren Interviews zu verstehen, wie sehr er es nachträglich bereute, dieses Problem während seiner Präsidentschaft nicht genügend angepackt zu haben und dies nicht nur, weil zwei seiner engsten Familienangehörigen an Aids starben.

Ihm folgte Thabo Mbeki als Präesident, der sich erst einmal mit Hilfe seines Heimcomputers daran machte herauszufinden, ob es nicht andere Auswege auf dem AIDS-Problem gab, als antiretrovirale Medikamente und Kondome. Und siehe da: Es gab gleich zwei Gruppen, die bereit waren ihn auf dem Weg in diese Sackgasse zu begleiten.

Da ist erst einmal ein Prof. Duesberg zu nennen, der an der kalifornischen Berkeley-Universität den Unfug verbreitete, AIDS sei eine Lifestyle-Krankheit. Mit anderen Worten: „Ändere deine Lebensweise und Aids verschwindet sozusagen von selbst.“ Doch die Toten, die in den Industrienationen trotz Lifestyle-Änderung zu beklagen sind, veranlassen uns eine andere Sprache zu sprechen.

Aber für Mbeki war das der Ausweg: Die Verbesserung des Lebensstandards, die ja ohnehin Teil seines Regierungsprogramms war, würde von selbst das HIV-Problem erledigen. Und Mbeki scheute sich auch nicht, diesen Unfug öffentlich zu verkünden. Dass dies nur wenige Menschen ermutigt haben dürfte Kondome zu verwenden und antiretrovirale Medikamente zu schlucken, versteht sich von selbst.

Nun hätte man ja erwarten können, dass seine Gesundheitsministerin Dr. Manto Tsabalala-Msimang ihm freundlich auf die Schulter klopfen und ihm sagen würde, er solle die Finger von Sachen lassen soll, von denen er als gelernter Betriebswirtschaftler nichts versteht. Aber das Gegenteil war der Fall.


Möchtegern-Wunderheilerin und Gesundheitsminsterin Dr. Tshabalala-Msimang.

Freudig erregt unterstützte sie all diese Thesen und holte sich noch einen gelernten Doktor an Bord der bereit war mitzumachen, Dr. Rath aus Deutschland. Nicht nur „Lifestyle“ sagte der, sondern auch „Nahrungsergänzungsmittel“, von ihm natürlich geliefert. Zu diesem Trio stieß dann noch eine Krankenschwester holländischer Abstammung, die die Knoblauch-Rote Beete-Therapie propagierte, ein Quartetto infernale war komplett.

Dr. Tshabalala hieß nun „Dr. Beetroot“ (Dr. Rote Beete) und sie machte ihrem Namen alle Ehre, wie zuletzt vergangenen Woche in Toronto. Ihr Stand war umlagert, nicht von ernstzunehmenden Wissenschaftlern und Ärzten, sondern von Sensationsreportern und Menschen, die bei aller Depression, die die HIV-Epidemie auslöst, auch etwas zum Lachen haben wollten. Bis die AIDS-Aktivisten der Treatment Action Group (TAC) aus Südafrika auftauchten und das Grünzeug vom Tisch warfen.

Sie, die Leute von der TAC, liegen schon lange im Clinch mit dieser Doktorin, die einstmals, vor vielen Jahren, auch in Botswana als Ärztin arbeitete. Die Kommentare, die ich von Krankenschwestern über sie erhielt, möchte ich besser für mich behalten.


Zackie Achmat, zweiter von rechts, und andere Aktivisten der TAC während des jüngsten Protestmarsches durch Kapstadt. Sie fordern die Verhaftung von Südafrikas Gesundheitsminsterin Dr. Tshabalala-Msimang.

Dass es mit der Bekämpfung von AIDS auch anders geht, zeigen die Erfahrungen in Botswana, dem Nachbarn von Südafrika.

Hier hatte der Präsident Festus Mogae fast im Alleingang durchgesetzt, dass die Bekämpfung der HIV-Krankheit oberste Priorität haben muss, eine Einstellung, die mittlerweile als Allgemeingut bezeichnet werden kann: Weg mit der Stigmatisierung und hin zur Behandlung und zur Verhütung. So sind landesweit mittlerweile 30.000 an HIV erkrankte Patienten in Behandlung. Innerhalb kürzester Zeit wurden zwei Referenzlaboratorien aus dem Boden gestampft, die die Viruslast und die CD4-positiven Lymphozyten im Blut der Patienten messen.

Viele dieser Patienten, die im Rollstuhl oder auf der Trage in der Klinik eintrafen, sind inzwischen so weit wiederhergestellt, dass sie wieder zur Arbeit gehen können.

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

Abwerbung von afrikanischen Krankenschwestern

Weiterführende Links zum Thema:
TAZ
AGPF
AIDS : Verheerender Vitamin-Rath
Tod einer Star-Patientin
Dr. Rath gefährdet das Leben von AIDS-Kranken in Südafrika

afrika

Der Wonga Coup

Dr. Alexander von Paleske — 8.7. 2006 — Wie eine Meute von ehemaligen Absolventen britischer High Society Schulen (Public Schools) einen ölreichen afrikanischen Staat im Jahre 2004 erobern wollte. Mit dabei: Sir Mark Thatcher, Simon Mann, Greg Wales, David Hart, Eli Calil, Lord Archer, Howard Flight sowie ehemalige Apartheid Söldner aus Südafrika. Ebenfalls mit dabei als Transportoffizier: der Deutsche Gerhard Eugen Merz.

Der fehlgeschlagene Coup im ölreichen westafrikanischen Staat Äquatorial Guinea, der auf die Beseitigung des despotischen Präsidenten Obiang Mbasogo Nguema und die Installierung eines Marionettenregimes unter der Leitung von ehemaligen Söldnern abzielte, ist in England wieder in den Schlagzeilen. Der Grund dafür ist die Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel „Wonga Coup“ von Adam Roberts. Wonga ist ein Slangwort für Geld, das mehrere der “Coupisten” benutzten.

Der versuchte Coup erregte damals erst dann grosses Aufsehen, als Mark Thatcher wegen seiner Beteiligung in Südafrika verhaftet wurde.
Äquatorial Guinea ist der drittgrösste Erdölproduzent in Afrika, nach Nigeria und Angola.

Am 4. März 2004 landete eine betagte Boeing 727 auf dem Flughafen der simbabweschen Hauptstadt Harare. An Bord mehrere Dutzend Söldner aus den ehemaligen Terror-Mörder-und Zerstörungskommandos Apartheid-Südafrikas, wie dem 32. Buffalo Battalion, das für die komplette Zerstörung des Südens Angolas und der Tötung unzähliger Befreiungskämpfer der SWAPO in den 70’ und 80er Jahren verantwortlich zeichnet.

Die Maschine, die dort einen Zwischenstopp zum Aufladen von Waffen eingelegt hatte, steht noch heute dort. Die Söldner sind nach einem mehr als einjährigen Zwischenaufenthalt im Hochsicherheitsgefängnis von Harare wieder nach Südafrika zurückgekehrt, bis auf einen, Simon Mann.

Ziel: Malabo, Aequatorial Guinea
Ziel war eigentlich die Hauptstadt von Äquatorial Guinea, Malabo. Gleichzeitig wurde in Malabo eine Reihe von Südafrikanern festgenommen und zum Teil zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Deutsche Gerhard Merz starb dort nach weniger als zwei Wochen im berüchtigten Black Beach Gefängnis, vermutlich an den Folgen von Folter.

Britische Hintermaenner
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Drahtzieher und Hintermänner aus dem Vereinigten Königreich Grossbritannien. Da wäre zunächst Simon Mann zu nennen, Eton Absolvent, Sprössling einer reichen Bierbrauerfamilie. Er diente dereinst in der Spezialeinheit SAS, bevor er sich der ertragreicheren Tätigkeit eines hauptberuflichen Söldners zuwandte.

Sein Ziehvater: Tony Buckingham, Inhaber der Söldnerfirma Sandline und Gründer von und Direktor in der Ölfirma Heritage Oil. Er kümmerte sich vorwiegend um dessen Ölfelder und Diamantenminen in Angola, letztere firmierten unter dem Namen DiamandWorks. Dort arbeitete er eng mit dem Apartheiddreck der südafrikanischen Söldnertruppe Executive Outcomes zusammen, die von der Regierung Angolas angeheuert worden war, um den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten zu gestalten.

Simon Mann soll der Organisator des Putsches gewesen sein. Er wurde in Harare rechtzeitig verhaftet und ist für eine Auslieferung nach Äquatorial Guinea vorgesehen. Reichlich trübe Aussichten.

Dann wäre als nächstes Eli Calil zu nennen, ein Libanese mit britischem Pass. Calil, bekannt für seine windigen Ölgeschäfte, hat in Frankreich ein Verfahren wegen Geldwäsche pp. gegen sich laufen. Er sorgte auch dafür, dass das nigerianische Ölgeld, das der seinerzeitige Diktator Sunny Abacha zusammengerafft hatte, auf sicheren Konten in Europa landete, alles illegal natürlich.

Calil ist auch ein guter Freund von Tony Blairs Skandalminister Peter Mandelson, der zweimal das Blairsche Kabinett verlassen musste, weil er es nicht lassen konnte, Geschenke von Leuten wie Calil anzunehmen. Tony Blair fand allerdings wieder eine Beschäftigung für ihn. Ein richtiger Freund ist ein guter Freund, diesmal in Brüssel als EU Handelskommissar.

Mandelson hat heftig bestritten, etwas mit dem Coup zu tun gehabt zu haben. Man wird sehen.

Calil soll Simon Mann mit dem äquatorialguineaschen Oppositionspolitiker Severo Moto Nsa zusammengebracht haben. Moto war als Regierungschef nach dem Coup mit eingeschränkten Vollmachten und unter Dauerbewachung südafrikanischer Söldner vorgesehen. Calil streitet natürlich alles ab.

Weiter geht’s mit Lord Jeffrey Archer, ehemaliger Vorsitzender der Konservativen Partei Maggie Thatchers. Er hatte gerade eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen Meineids und Behinderung der Justiz verbüsst.

Er soll ein wenig Taschengeld auf Simon Manns Coup-Sparkonto eingezahlt haben, das in dem Finanzparadies Guernsey eingerichtet war, die kleine Summe von 100.000 Pfund. Er bestreitet das natürlich, aber es findet sich dort ein Eingang von einem J.H. Archer – ein Namensvetter?

Als nächstes dann Greg Wales, eine Figur aus der Londoner Geschäftswelt mit Afrika Erfahrung. Er bestreitet natürlich auch alles, aber ich bin im Besitze eines Briefes, der das genaue Gegenteil bezeugt.

Dann David Hart, ein guter Freund von Maggie Thatcher. Er händigte während des Streiks der Arbeiter in den Kohlezechen in den 80 er Jahren Geld an Streikbrecher aus, und zwar von einer Suite in dem Hotel Claridges, wo die Übernachtung so viel kostet, wie ein Zechenarbeiter im Monat verdient. Auch er soll involviert gewesen sein.

Weiter geht’s mit Howard Flight, ehemaliger Vizechef der Konservativen Partei. er hatte einen Kredit für die Not leidende Landbevölkerung in Äquatorial Guinea klargemacht in Höhe von 30 Millionen Pfund und zwar über die Investec Bankengruppe, für die Zeit nach einem erfolgreichen Putsch, versteht sich.

Und natürlich Mark Thatcher, der immer für eine Schlagzeile gut ist, meistens unerfreuliche.

Mama Maggies liebstes Kind war nicht nur ein enger Freund von Simon Mann, er kümmerte sich als Aviator des Putsches um die fliegerische Logistik, einen Hubschrauber wollte er zu dem Unternehmen beisteuern. Gekauft mit seinem Geld war der bereits.

Vor einem Kapstädter Gericht hat er sich schuldig bekannt, gegen Südafrikas Anti-Söldnergesetze verstossen zu haben. Er wurde zu einer saftigen Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Dadurch vermied er es, nach Äquatorial Guinea ausgeliefert zu werden, einer Reise ohne sichere Rückfahrkarte.

Südafrikanische Drahtzieher
Und wir wollen die südafrikanische Seite nicht vergessen, nicht die einfachen Söldner, die für das Kämpfen und Sterben vorgesehen waren, sondern die Drahtzieher.

Nick du Toit, Teil des Vorauskommandos. Er hatte als angeblicher Fischfangunternehmer sich dort in Äquatorial Guinea schon einmal eingenistet mit einem Fischkutter, der allerdings niemals Fische fangen sollte. Nick du Toit kann auf eine lange Karriere in den Terror- und Mörderkommandos des Apartheidregimes zurückblicken. Vor 21 Jahren kam er mit seiner Gang, genannt Reconnaissance Commando oder kurz RECCE hier nach Gaborone. Die Gang brachte 14 Menschen um, darunter eine schwangere Frau und ein sechsjähriges Kind und jagte anschliessend eine Reihe von Häusern in die Luft. Das ist hier keineswegs vergessen und viele meiner Mitarbeiter können sich noch gut daran erinnern.

Als nächstes “Bones” Boonzaaier, auch er ein alter RECCE Mann.
Dokumentiert ist sein Einsatz im Juli 1975, wo er mit einem Kommando in Sambia einfiel und 190 Befreiungskämpfer der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO in deren Lager Schatowa im Morgengrauen überraschte und im wahrsten Sinne des Wortes abschlachtete (Peter Stiff, Silent War, 2001, Seite 225).

Er ist gerade aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft in Malabo entlassen worden. Ihm wurde Mitleid demonstriert, das er zeitlebens selbst, jedenfalls gegenüber Schwarzen, nie aufbringen konnte.

Und ein Deutscher
Mit dabei der Deutsche Gerhard Eugen Merz, ehemaliger Transporteur von Massenvernichtungswaffen in den Iran. Seine Frachtfirma war ACL, mit Sitz in Frankfurt und Hahn im Hunsrück. Für ihn war es die letzte Reise und das Deutsche Auswärtige Amt tat alles, um die Sache unter den Teppich zu kehren. Angelegenheit unbekannt, obwohl sie mehrfach durch die Presse hier im südlichen Afrika ging.

Erst als ich Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin erstattet hatte, wusste man auf einmal Bescheid. Umgekehrt hatte das AA sofort nach der Festnahme von Merz die Deutsche Botschaft in Kamerun, zuständig auch für Äquatorial Guinea über den Hintergrund von Merz informiert.

Ein Beamter der Botschaft, der keinerlei medizinische Kenntnisse hatte, beeilte sich, festzustellen, dass die Leiche keinerlei Anzeichen von Folter aufwies während der in Kamerun stationierte Botschaftsarzt keine Veranlassung sah, dorthin zu reisen “weil Herr Merz ja schon tot war”, wie er mir gegenüber erklärte.

War Merz ein Mitarbeiter des BND? Hat man ihn dort “absaufen lassen”?

Gerhard Merz kam mit einer Antonow, in Armenien gechartert und samt Crew angereist. Die Maschine hatte jedoch technische Probleme und so kaufte Simon Mann kurzerhand eine betagte Boeing 727 in den USA. Diese hob am 4, März 2004 vom Flughafen Wonderboom nahe Pretoria ab. Nicht ahnend, dass man sie in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes bereits erwartete um dem Söldnerspiel den Garaus zu machen.

Offene Fragen
Dennoch bleiben einige Fragen noch zu beantworten: Wie weit war die Blair Regierung, die zwei Monate zuvor detaillierte Informationen über den geplanten Putsch erhielt, selbst involviert? Das Foreign Office, man höre und staune, bestellte daraufhin den Obersöldner Tim Spicer, einen ehemaligen Arbeitskollegen von Simon Mann, zum Gespräch ein.

Was wurde da verhackstückt?
Welche Rolle spielte der Auslandsgeheimdienst MI6? Chef des Dienstes war seinerzeit Sir Dearlove. Sein Neffe, Justin Longley, war in der Söldnerfirma Simon Manns’ beschäftigt. Und wie weit war Tony Buckingham involviert, der seine Söldnerfirma Sandline sechs Wochen nach dem Coup dichtmachte, mit der Begründung, nicht genug Unterstützung von der britischen Regierung zu bekommen?

Wir werden sehen, der Skandal ist noch nicht zum Abschluss gekommen.

Nachtrag vom 10 September 2009
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt und ihr folgend die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt (M) haben trotz vorgelegter Beweismittel das Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen der Offenbacher Luftfrachtfirma, in deren Auftrag Merz nach Malabo kam, eingestellt. Siehe hier.

Ein Putschversuch in Afrika und ein juristisches Nachspiel in Hessen
Guardian Spezial Report
Amazon: The Wonga Coup

Dr. Alexander von Paleske ist Arzt für Innere Medizin – Haematologie und Head des Department of Oncology am Princess Marina Hospital im afrikanischen Gabarone in Botswana. Herr Dr. von Paleske ist ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M).

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