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Hamburg – Wer (ver-)fälschte Daten der Justiz?

onlineredaktion – In Hamburgs Regierung herrscht das Chaos; nicht erst seit heute, sondern spätestens seitdem der ehemalige Rechtsanwalt Freiherr von Beust (CDU) Erster Bürgermeister des Stadtstaates wurde. Seiner Personalpolitik ist es mutmaßlich zu verdanken, dass andere Senatoren – gerade jene, die ihm warmherzig nahe waren – zu öffentlichen Ärgernissen wurden. So beispielsweise Ronald B. Schill, den von Beust zum Innensenator gemacht hatte, ihn dann aber 2003 feuerte, nachdem dieser sich mit ihm angelegt hatte. Die Kündigung wurde von Beust mit „charakterlich nicht geeignet“ begründet. Eingebunden in die Affäre war damals auch der Justizsenator Roger Kusch, den von Beust später, am 27. März 2006, ebenso feuerte. Begründung: Datenmissbrauch, d.h. die unerlaubte Weitergabe vertraulicher Unterlagen aus einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Berater für Kusch war Carsten Lüdemann (CDU). Ihn machte von Beust zum Justizsenator. Aber die lüdermännischen Tage werden schon gezählt. Die SPD fordert seinen Rausschmiss. Der Grund: Der eigenwillig nachlässige Umgang Lüdemanns mit statistischen Daten. Lüdemann hatte auf Grundlage der von seiner Behörde erstellten Statistik behauptet, Hamburgs Gefängnisse seien ausgelastet, doch in Wirklichkeit gab es Leerstände. Dies hatte zur Verärgerung bei Hamburgs Strafrichtern geführt. Deren zu Haftstrafen verurteilten Jugendlichen liefen nämlich munter frei herum, weil – wie es aus Lüdemanns Behörde hieß – man keinen Platz für sie im Knast frei habe.

Schlimmer noch: Obwohl es einen auffällig drastischen Wandel in der Statistik der Justiz seit Regierungsantritt der CDU in Hamburg gegeben hatte, hatten weder Justizsenator, Innensenator und Bürgermeister sich gefragt, ob die Zahlen denn stimmen. Im Gegenteil: Ein gegenseitiges Schulterklopfen wurde öffentlich gezeigt. Man lobte sich heiss: „Hamburgs Helden“.

Und nun, als es krasse Fälle von Jugendkriminalität auch in Hamburg gegeben hatte, kam heraus, dass die Statistik der Justiz nicht stimmte. Bei der Nacherhebung der Daten stellte sich heraus, dass nicht 80 Prozent der jugendlichen Straftäter im Knast landeten, sondern 48 Prozent. Seitens der Opposition kam der der Vorwurf der Datenfälschung.

Aber noch schlimmer: Lüdemann legte noch einen drauf und erklärte, dass auch die Zahlen bei Urteilen gegen Erwachsene falsch seien. Er jedoch will zu keinem Zeitpunkt wissentlich mit falschen Zahlen gearbeitet haben. Weshalb auch dies niemand über Jahre hinweg auffiel, sei, so Lüdemann, „sehr schwierig zu erklären“. Lüdemann beschuldigte daraufhin die Opposition, sie habe als Kontrollinstanz versagt.

Der SPD-Abgeordnete Andreas Dressel fordert nun Lüdemanns Entlassung, weil jener nicht mehr tragbar sei. Schließlich ging es nicht um den „Klorollenbestand in der Justizbehörde“, sondern um „zentrale politische Kenndaten dieser Stadt“.

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Reife Leistung – Strafverfahren nach 75 Jahren eingestellt

onlineredaktion – Die Generalbundesanwältin hat es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Sie hob das Strafverfahren gegen den vor genau 75 Jahren nach dem Reichtagsbrand von der Nazi-Justiz im Jahr 1933 zum Tod verurteilten und hingerichteten Niederländer Marinus van der Lubbe auf. Damit gilt er nun offiziell als freigesprochen. Doch er selbst hat nichts mehr davon.

Wie konnte es so lange dauern, bis die Mühlen der deutschen Justiz diese reife Leistung schafften?

In der Nachkriegszeit gab es mehrere Versuche ihn von der Schuld frei zu sprechen. Selbst der 1993 gestorbene ehemalige Mitankläger bei den Nürnberger Prozessen, Robert Kempner, hatte sich für van der Lubbe eingesetzt. Wirklich geschafft hat es nun der Berliner Anwalt Reinhard Hillebrand. Er stellte erneut einen Antrag zur Freisprechung, woraufhin die Generalbundesanwältin das historische Strafverfahren negierte.

Ziemlich lächerlich hatte sich das Berliner Landgericht im April 1967 gemacht, indem es das Todesurteil wegen Hochverrats und Brandstiftung teilweise abänderte und in eine Strafe von acht Jahren Zuchthaus umwandelte – für einen toten Menschen, dessen sterblichen Überreste längst verwest sind.

Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft wie auch der Bruder von Jan van der Lubbe hatten dagegen Beschwerden eingelegt, aber die wurden damals verworfen. Zumindest für den Bruder hätte die Aufhebung des Urteils eine mögliche Entschädigung bedeutet. Er versuchte es, vertreten durch den Robert Kempner, erneut und war 1980 mit seinem Wiederaufnahmeantrag zunächst erfolgreich, doch gegen den Freispruch legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Es ging hin und her mit der Sache, bis dann nach mehrmaligen Verfahren der Bundesgerichtshof 1983 entschied, die Wiederaufnahme des Verfahrens von 1967 sei unzulässig gewesen – und das Urteil der Nazi-Justiz rechtens.

Damit es nun klappte, musste es neues Gesetz her. Damit, mit dem Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile aus dem Jahr 1998, konnte nun, nach (erst) 10 Jahren (!), die Generalbundesanwältin aktiv werden. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft erklärte, die Verhängung der Todesstrafe beruhe auf zwei spezifisch nationalsozialistischen Unrechtsvorschriften, die dazu geschaffen wurden, um das nationalsozialistische Regime durchzusetzen und sie ermöglichten die Verstöße gegen (heutige) Grundvorstellungen von Gerechtigkeit.

Anwalt Hillebrand meint: „Alleine mit einem Todesurteil gegen van der Lubbe konnte nachträglich die Aushebelung der Verfassung durch die Nationalsozialisten gerechtfertigt werden.“ Das Urteil des Reichsgerichts sei deshalb aus politischen Gründen ergangen. Vom Tatvorwurf freisprechen will der Berliner Anwalt den einst eiligst verhafteten niederländischen Anarchisten aber keineswegs und meint, man komme „nicht darum herum, dass er vor Ort als Brandstifter festgenommen wurde.“

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BUSCH: Weil andere über mich geschrieben – Von mir über mich

Zum 100. Todestag von Wilhelm Busch, dem Zeichner und Dichter,
wie er 1893 sein Leben sah.

Wilhelm Busch – Kein Ding sieht so aus, wie es ist am wenigsten der Mensch, dieser lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe. Und auch abgesehen von den Kapriolen und Masken der Eitelkeit. Immer, wenn man was wissen will, muss man sich auf die zweifelhafte Dienerschaft des Kopfes und der Köpfe verlassen und erfährt nie recht, was passiert ist. Wer ist heutigen Tages noch so harmlos, dass er Weltgeschichten und Biographien für richtig hält? Sie gleichen den Sagen und Anekdoten, die Namen, Zeit und Ort benennen, um sich glaubhaft zu machen. Sind sie unterhaltlich erzählt, sind sie ermunternd und lehrreich oder rührend und erbaulich, nun gut! So wollen wir’s gelten lassen. Ist man aber nicht grad ein Professor der Beredsamkeit und sonst noch allerlei, was der heilige Augustinus gewesen, und will doch partout über sich selbst was schreiben, dann wird man wohl am besten tun, man fasst sich kurz. Und so auch ich.


Die berühmtesten Protagonisten von Wilhelm Busch:
„Max und Moritz“, wegen ihrer Streiche gegen die Obrigkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet.
© 2008 Dieses Fahndungsplakat wurde post mortem von „Nachrichten Heute“ herausgegeben. Jede Ähnlichkeit mit Juristen, Politiker und anderen Personen unserer Zeit in Wort und Bild ist rein zufällig.

Es scheint verwunderlich; aber weil andere über mich geschrieben, muss ich’s auch einmal tun. Dass es ungern geschähe, kann ich dem Leser, einem tiefen Kenner auch des eigenen Herzens, nicht weismachen, dass es kurz geschieht, wird ihn‘ eine angenehme Enttäuschung sein.

Ich bin geboren am 15. April 1832 zu Wiedensahl als der erste von sieben. Mein Vater war Krämer, klein, kraus, rührig, mäßig und gewissenhaft; stets besorgt, nie zärtlich; zum Spaß geneigt, aber ernst gegen Dummheiten. Er rauchte beständig Pfeifen, aber, als Feind aller Neuerungen, niemals Zigarren, nahm daher auch niemals Reibhölzer, sondern blieb bei Zunder, Stahl und Stein oder Fidibus. Jeden Abend spazierte er allein durchs Dorf, zur Nachtigallenzeit in den Wald. Meine Mutter, still und fromm, schaffte fleißig in Haus und Garten und pflegte nach dem Abendessen zu lesen. Beide lebten einträchtig und so häuslich, dass einst über zwanzig Jahre vergingen, ohne dass sie zusammen ausführen.

Wir lebten in einem kleinen Überfluss, zu essen gab’s genug, und wenn gespart wurde, so geschah’s für die Zukunft der Kinder. Diese Liebe und Entsagung rührt mich noch immer, obwohl ich doch schon ziemlich lange hübsch abgeschabt bin auf dieser Erdkruste. Liebe und Strenge sowohl, die mir von den Eltern zuteil geworden, hat der Schlafittich der Zeit aus meiner dankbaren Erinnerung nicht zu verwischen vermocht.

Was weiß ich denn noch aus meinem dritten Jahr? Knecht Heinrich macht schöne Flöten für mich und spielt selber auf der Maultrommel, und im Garten ist das Gras fast so hoch wie ich, und die Erbsen sind noch höher; und hinter dem strohgedeckten Hause, neben dem Brunnen, stand ein Kübel voll Wasser, und ich sah mein Schwesterchen drin liegen wie ein Bild unter Glas und Rahmen, und als die Mutter kam, war sie kaum noch ins Leben zu bringen.

Mein gutes Großmütterlein war zuerst wach in der Früh. Sie schlug Funken am P-förmigen Stahl, bis einer zündend ins »Usel« sprang, in die halbverkohlte Leinwand am Deckelkästchen des Feuerzeugs, und bald flackerte es lustig in der Küche auf dem offenen Herde unter dem Dreifuß und dem kupfernen Kessel; und nicht lange, so hatte auch das Kanonenöfchen in der Stube ein rotglühendes Bäuchlein, worin’s bullerte.

Als ich sieben, acht Jahre alt war, durft‘ ich zuweilen mit aufstehen, und im Winter besonders kam es mir wonnig geheimnisvoll vor, so früh am Tag schon selbstbewusst in dieser Welt zu sein, wenn ringsumher noch alles still und tot und dunkel war. Dann saßen wir Zwei, bis das Wasser kochte, im engen Lichtbezirk der pompejanisch geformten zinnernen Lampe. Sie spann. Ich las ein paar schöne Morgenlieder aus dem Gesangbuch vor. Gesangbuchverse, biblische Geschichten und eine Auswahl der Märchen von Andersen waren meine früheste Lektüre.

Später beim Kaffee nahmen Herrschaft, Knechte und Mägde, wie es guten Freunden geziemt, am nämlichen Tische Platz.

Um diese Zeit meines Lebens passierte eine kleine Geschichte, die recht schmerzhaft und schimpflich für mich ablief. Beim Küster diente ein Kuhjunge, fünf; sechs Jahre älter als ich. Er hatte in einen rostigen Kirchenschlüssel, so groß wie dem Petrus seiner, ein Zündloch gefeilt; und gehacktes Fensterblei hatte er auch schon genug, bloß das Pulver fehlte ihm noch zu Blitz und Donner. Infolge seiner Beredsamkeit machte ich einen stillen Besuch bei einer gewissen steinernen Kruke, die auf dem Speicher stand. Nachmittags zogen wir mit den Kühen auf die einsame Waldwiese. Großartig war der Widerhall des Geschützes. Und so beiläufig ging auch ein altes Bäuerlein vorbei, in der Richtung des Dorfes. – Abends kehrte ich fröhlich heim und freute mich so recht auf das Nachtessen. Mein Vater empfing mich an der Tür und lud mich ein, ihm auf den Speicher zu folgen. Hier ergriff er mich am linken Flügel und trieb mich vermittels eines Rohrstockes im Kreise umher, immer um die Kruke herum, wo das Pulver drin war. Wie peinlich mir das war, ließ ich weithin verlautbaren. Und sonderbar! Ich bin weder Jäger noch Soldat geworden.

Als ich neun Jahre alt geworden, beschloss man, mich dem Bruder meiner Mutter in Ebergötzen zu übergeben. Ich freute mich darauf. Wie Kinder sind, halb froh, halb wehmütig, plätscherte ich am Abend vor der Abreise mit der Hand in der Regentonne, über die ein Strauch von weißen Rosen hing, und sang »Christine! Christine!« versimpelt für mich hin.

Früh am Tag wurde das dicke Pommerchen in die Scherdeichsel des Leiterwagens gedrängt. Das Gepäck ist aufgeladen; als ein Hauptstück der wohlverwahrte Leib eines alten Zinkedings von Klavier, dessen lästig gespreiztes Beingestell in der Heimat blieb; ein ahnungsvolles Symbol meiner musikalischen Zukunft. Die Reisenden steigen auf: Großmutter, Mutter, vier Kinder und ein Kindermädchen, Knecht Heinrich zuletzt. Fort rumpelt’s durch den Schaumburger Wald. Ein Rudel Hirsche springt über den Weg; oben ziehen die Sterne; im Klavierkasten tunkt es.

In Wirtshäuser‘ einkehren taten wir nicht; ein wenig seitwärts von der Straße wurde stillgehalten, der Deckel der Ernährungskiepe wurde aufgetan und unter anderm ein ganzer geräucherter Schinken entblößt, der sich bald merklich verminderte. Nach zweimaligem Übernachten bei Verwandten erreichten wir glücklich das Ebergötzener Pfarrhaus.

Gleich am Tage nach der Ankunft schloss ich Freundschaft mit dem Sohne des Müllers. Wir gingen vors Dorf hinaus, um zu baden. Wir machten eine Mudde aus Erde und Wasser, die wir »Peter und Paul« benannten, überkleisterten uns damit von oben bis unten, legten uns in die Sonne, bis wir inkrustiert waren wie Pasteten, und spülten’s im Bach wieder ab. Die Freundschaft ist von Dauer gewesen. Alljährlich besuch‘ ich ihn und schlafe noch immer gut beim Rumpumpeln des Mühlwerkes und dem Rauschen des Wassers.


„Wir machten eine Mudde aus Erde und Wasser, die wir »Peter und Paul« benannten, überkleisterten uns damit von oben bis unten, legten uns in die Sonne, bis wir inkrustiert waren wie Pasteten, …“
Szene aus „Max und Moritz“:
Knupser, Knusper! – wie zwei Mäuse
Fressen sie durch das Gehäuse

Auch der Wirt des Ortes, weil er ein Piano besaß, wurde bald mein guter Bekannter. Er war rau wie Esau. Ununterbrochen kroch das schwarze Haar in die Krawatte und aus den Ärmeln wieder heraus bis dicht an die Fingernägel. Beim Rasieren musste er weinen, denn das Jahr 48, welches selbst den widerspenstigsten Bärten die Freiheit gab, war noch nicht erschienen. Er trug lederne Klappantoppfeln und eine gelbgrüne Joppe, die das hintere Mienenspiel der blassblauen Hose nur selten zu bemänteln suchte. Seine Philosophie war der Optimismus mit rückwirkender Kraft; er sei zu gut für diese Welt, pflegte er gern und oft zu behaupten. Als er einst einem Jagdhunde mutwillig auf die Zehen trat und ich meinte, das stimmte nicht recht mit seiner Behauptung, kriegt‘ ich sofort eine Ohrfeige. Unsere Freundschaft auch. Doch die Erschütterung währte nicht lange. Er ist mir immer ein lieber und drolliger Mensch geblieben. Er war ein geschmackvoller Blumenzüchter, ein starker Schnupfer und hat sich dreimal vermählt.

Bei ihm fand ich einen dicken Notenband, der durch geklimpert, und freireligiöse Schriften jener Zeit, die begierig verschlungen wurden.

Der Lehrer der Dorfjugend, weil nicht der meinige, hatte keine Gewalt über mich – solange er lebte. Aber er hing sich auf, fiel herunter, schnitt sich den Hals ab und wurde auf dem Kirchhofe dicht vor meinem Kammerfenster begraben. Und von nun an zwang er mich allnächtlich, auch in der heißesten Sommerzeit, ganz unter der Decke zu liegen. Bei Tag ein Freigeist, bei Nacht ein Geisterseher.


„Der Lehrer der Dorfjugend, weil nicht der meinige, hatte keine Gewalt über mich.“Der Lehrer Lämpel aus „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch.

Meine Studien teilten sich naturgemäß in beliebte und unbeliebte. Zu den ersteren rechne ich Märchenlesen, Zeichnen, Forellenfischen und Vogelstellen. Mein Freund aus der Mühle, der meine gelehrten Unterrichtsstunden teilte, teilte auch meine Studien in freier Natur. Dohnen und Sprenkeln wurden eifrig verfertigt, und der Schlupfwinkel keiner Forelle den ganzen Bach entlang unter Steinen und Baumwurzeln blieb unbemerkt von uns.

Zwischen all dem herum aber schwebte beständig das anmutige Bildnis eines blondlockigen Kindes. Natürlich sehnte ich oft die bekannte Feuersbrunst herbei mit nachfolgendem Tode zu Füßen der geretteten Geliebten. Meist jedoch war ich nicht so rücksichtslos gegen mich selbst, sondern begnügte mich mit dem Wunsch, dass ich zauberhaft fliegen und hüpfen könnte, hoch in der Luft, von einem Baum zum andern, und dass sie es mit ansähe und wäre starr vor Bewunderung.

Von meinem Onkel, der äußerst milde war, erhielt ich nur ein einziges Mal Hiebe mit einem trockenen Georginenstengel, weil ich den Dorftrottel geneckt hatte. Dem war die Pfeife voll Kuhhaare gestopft und dienstbeflissen angezündet. Er rauchte sie aus, bis aufs letzte Härchen, mit dem Ausdruck der seligsten Zufriedenheit. Also der Erfolg war unerwünscht für mich in zwiefacher Hinsicht. Es macht nichts. Ein Trottel bleibt immer eine schmeichelhafte Erinnerung.


„Ein Trottel bleibt immer eine schmeichelhafte Erinnerung.“
Szene aus „Die Fliege“ von Wilhelm Busch:
Dem Herrn Inspektor tut’s so gut
Wenn er nach Tisch ein wenig ruht.

Etwa ums Jahr 45 bezogen wir die Pfarre zu Lüethorst.
Unter meinem Fenster murmelte der Bach. Gegenüber am Ufer stand ein Haus, eine Schaubühne des ehelichen Zwistes; der sogenannte Hausherr spielt die Rolle des besiegten Tyrannen. Ein hübsches natürliches Stück; zwar das Laster unterliegt, aber die Tugend triumphiert nicht. Das Stück fing an hinter der Szene, spielte weiter auf dem Flur und schloss im Freien. Sie stand oben vor der Tür und schwang triumphierend den Reiserbesen, er stand unten im Bach und streckte die Zunge heraus; und so hatte er auch seinen Triumph.

In den Stundenplan schlich sich nun auch die Metrik ein. Dichter, heimische und fremde, wurden gelesen. Zugleich fiel mir die »Kritik der reinen Vernunft« in die Hände, die, wenn auch damals nur spärlich durchschaut, doch eine Neigung erweckte, in den Laubengängen des intimeren Gehirns zu lustwandeln, wo’s bekanntlich schön schattig ist, oder in der Gehirnkammer Mäuse zu fangen, wo es nur gar zu viel Schlupflöcher gibt. Sechzehn Jahre alt, ausgerüstet mit einem Sonett und einer ungefähren Kenntnis der vier Grundrechnungsarten, erhielt ich Einlass zur Polytechnischen Schule in Hannover.

Hier ging mit meinem Äußeren eine stolze Veränderung vor. Ich kriegte die erste Uhr – alt, nach dem Kartoffelsystem – und den ersten Paletot – neu, so schön ihn der Dorfschneider zu bauen vermochte. Mit diesem Paletot, um ihn recht sehen zu lassen, stellte ich mich gleich den ersten Morgen sehr dicht vor den Schulofen. Eine brenzlige Wolke und die freudige Teilnahme der Mitschüler ließen mich ahnen, was hinten vor sich ging. Der umfangreiche Schaden wurde kuriert nach der Schnirrmethode, beschämend zu sehn; und nur noch bei äußerster Witterungsnot ließ sich das einst so prächtige Kleidungsstück auf offener Straße blicken.

In der reinen Mathematik schwang ich mich bis zu »Eins mit Auszeichnung« empor, aber in der angewandten bewegt‘ ich mich mit immer matterem Flügelschlage.


Wilhelm Busch 1848 © 2008 Colorierung: „Nachrichten Heute“

Im Jahre 48 trug auch ich mein gewichtiges Kuhbein, welches nie scharf geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachtstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens; zwei Märzerrungenschaften, deren erste mutig bewahrt, deren zweite durch die Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist.

Ein Maler wies mir den Weg nach Düsseldorf. Ich kam, soviel ich weiß, grad an zu einem jener Frühlingsfeste, für diesmal die Erstürmung einer Burg, die weithin berühmt waren. Ich war sehr begeistert davon und von dem Maiwein auch.

Unter Anwendung von Gummi, Semmel und Kreide übte und erlernte ich daselbst die beliebte Methode des »Tupfens, mit der man das reizende lithographische Korn« erzeugt. Nachdem ich mich recht und schlecht durch den Antikensaal getüpfelt hatte, begab ich mich nach Antwerpen in die Malschule, wo man, so hieß es, die alte Muttersprache der Kunst noch immer erlernen könne.

In dieser kunstberühmten Stadt sah ich zum ersten Male die Werke alter Meister: Rubens, Brouwer, Teniers, Frans Hals. Ihre göttliche Leichtigkeit der Darstellung malerischer Einfälle, verbunden mit stofflich juwelenhaftem Reiz; diese Unbefangenheit eines guten Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht; diese Farbenmusik, worin man alle Stimmen klar durchhört, vom Grundbass herauf, haben für immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen; und gern verzeih‘ ich’s ihnen, dass sie mich zu sehr geduckt haben, als dass ich’s je recht gewagt hätte, mein Brot mit Malen zu verdienen wie manch anderer auch. Die Versuche, freilich, sind nicht ausgeblieben; denn geschafft muss werden, und selbst der Taschendieb geht täglich auf Arbeit aus. Ja, ein wohlmeinender Mitmensch darf getrost voraussetzen, dass diese Versuche, deren Resultate zumeist für mich abhanden gekommen, sich immerfort durch die Verhältnisse hindurch ziehen, welche mir schließlich meinen bescheidenen Platz anwiesen.

Ich wohnte am Eck der Käsbrücke bei einem Bartscherer. Er hieß Jan, seine Frau hieß Mie. Zu gelinder Abendstunde saß ich mit ihnen vor der Haustür, im grünen Schlafrock, die Tonpfeife im Munde; und die Nachbarn kamen auch herzu: der Korbflechter, der Uhrmacher, der Blechschläger, die Töchter in schwarzlackierten Holzschuhen. Jan und Mie waren ein zärtliches Pärchen, doch kinderlos, sie dick, er dünn; sie balbierten mich abwechselnd, verpflegten mich während einer Krankheit und schenkten mir beim Abschied in kühler Jahreszeit eine warme rote Jacke und drei Orangen. – Wie war mir’s traurig zumut, als ich voll Neigung und Dankbarkeit nach Jahren dies Eck wiederaufsuchte, und alles war neu, und Jan und Mie gestorben, und nur der Blechschläger pickte noch in seinem alten, eingeklemmten Häuschen und sah mich trüb und verständnislos über die Brille an.

Den deutschen Künstlerverein, bestehend aus einigen Malern, aus politischen Flüchtlingen und Auswanderungsagenten, besuchte ich selten, fühlte mich aber geehrt durch Aufnahme einiger Scherze in die Kneipzeitung.

Nach Antwerpen hielt ich mich in der Heimat auf.
Was damals die Leut ut oler Welt erzählten, klang mir sonderbar ins Ohr. Ich horchte genauer und sucht‘ es mir fleißig zu merken, doch wusst‘ ich leider zu wenig, um zu wissen, was wissenschaftlich bemerkenswert war. Das Vorspuken eines demnächstigen Feuers hieß »wabern«. Den Wirbelwind, der auf der Landstraße den Staub auf trichtert, nannte man »warwind«; es sitzt eine Hexe drin. Übrigens hörte ich, seit der Alte Fritz das Hexen verboten hätte, müssten sich die Hexen überhaupt sehr in acht nehmen mit ihrer Kunst.

Von Märchen wusste das meiste ein alter, stiller, für gewöhnlich wortkarger Mann. Einsam saß er abends im Dunkeln. Klopft‘ ich ans Fenster, so steckte er freudig den Trankrüsel an. In der Ofenecke steht sein Sorgensitz. Rechts von der Wand langt er sich die sinnreich senkrecht im Kattunbeutel hängende kurze Pfeife, links vom Ofen den Topf voll heimischen Tabaks, und nachdem er gestopft, gesogen und Dampf gemacht, fängt er seine vom Mütterlein ererbten Geschichten an. Er erzählt gemächlich; wird’s aber dramatisch, so steht er auf und wechselt den Platz, je nach den redenden Personen, wobei denn auch die Zipfelmütze, die sonst nur leis nach vorne nickte, in mannigfachen Schwung gerät.

Für Spukgeschichten dagegen von bösen Toten, die wiederkommen zum Verdrusse der Lebendigen, war der Schäfer Autorität. Wenn er abends erzählte, lag er quer über dem Bett, und wenn’s ihm trocken und öd wurde im Mund, sprang er auf und ging vor den Tischkasten und biss ein neues Endchen Kautabak ab zur Erfrischung. Sein Frauchen saß daneben und spann.

In den Spinnstuben sangen die Mädchen, was ihre Mütter und Großmütter gesungen. Während der Pause, abends um neun, wurde getanzt, auf der weiten Haustenne unter der Stalllaterne, nach dem Liede:
Maren will wie Hawern meihn,
wer schall den woll binnen?
Dat schall Meiers Dortchen don,
de will eck wol finnen.

Von Wiedensahl aus besucht‘ ich auf längere Zeit den Onkel in Lüethorst. Ein Liebhabertheater im benachbarten Städtchen zog mich in den angenehmen Kreis seiner Tätigkeit; aber ernsthafter fesselte mich das wundersame Leben des Bienenvolkes. Es hatte sich grad um einen Grundsatz der Wissenschaft, nämlich, dass nur aus einem befruchteten Ei ein lebendes Wesen entstehen könne, ein Streit erhoben. Ein schlichter katholischer Geistlicher wies nach, dass die Bienen eine Ausnahme machten. Mein Onkel als gewandter Schriftsteller und guter Beobachter ergriff seine Partei und beteiligte sich lebhaft an dem Kampfe. Der Wunsch und Plan, nach Brasilien auszuwandern, dem Dorado der Imker, hat sich nicht verwirklichen sollen. Die Annahme, dass ich überhaupt praktischer Bienenzüchter geworden, ist freundlicher Irrtum.


„Die Annahme, dass ich überhaupt praktischer Bienenzüchter geworden, ist freundlicher Irrtum.“ – Wilhelm Busch, stets zu Späßen aufgelegt © 2008 Colorierung: „Nachrichten Heute“

Auch mich zog es unwiderstehlich abseits in das Reich der Naturwissenschaften. Ich las Darwin, ich las Schopenhauer damals mit Leidenschaft. Doch so etwas lässt nach mit der Zeit. Ihre Schlüssel passen ja zu verschiedenen Türen in dem verwunschenen Schlosse dieser Welt; aber kein »hiesiger« Schlüssel, so scheint’s, und wär’s der Asketenschlüssel, passt je zur Ausgangstür.

Von Lüethorst trieb mich der Wind nach München, wo bei der grad herrschenden akademischen Strömung mein kleines flämisches Schifflein, das wohl auch schlecht gesteuert war, nicht recht zum Schwimmen kam und gar bald auf dem Trocknen saß.

Umso angenehmer war es im Künstlerverein, wo man sang und trank und sich nebenbei karikierend zu necken pflegte. Auch ich war solchen persönlichen Späßen nicht abgeneigt. Man ist ein Mensch und erfrischt und erbaut sich gern an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten anderer Leute. Selbst über sich selber kann man lachen mitunter, und das ist ein Extrapläsier, denn dann kommt man sich sogar noch klüger und gedockener vor als man selbst. – Die Veröffentlichung der dort verübten Späße, besonders der persönlichen Verhohnhacklungen, ist mir unerwünscht. Was hilft’s? Dummheiten, wenn auch vertraulich in die Welt gesetzt, werden früher oder später doch leicht ihren Vater erwischen, mag er’s wollen oder nicht.

Lachen ist ein Ausdruck relativer Behaglichkeit. Der Franzel hinterm Ofen freut sich der Wärme um so mehr, wenn er sieht, wie sich draußen der Hansel in die rötlichen Hände pustet. Zum Gebrauch in der Öffentlichkeit habe ich jedoch nur Phantasiehanseln genommen. Man kann sie auch besser herrichten nach Bedarf und sie eher tun und sagen lassen, was man will. Gut schien mir oft der Trochäus für biederes Reden, stets praktisch der Holzschnittstrich für stilvoll heitere Gestalten. So ein Konturwesen macht sich leicht frei von dem Gesetze der Schwere und kann, besonders wenn es nicht schön ist, viel aushalten, eh‘ es uns weh tut. Man sieht die Sach‘ an und schwebt derweil in behaglichem Selbstgefühl über den Leiden der Welt, ja über dem Künstler, der gar so naiv ist.

Auch das Gebirg‘, das noch nie in der Nähe gesehene, wurde für längere Zeit aufgesucht. An einem Spätnachmittag kam ich zu Fuß vor dem Dörfchen an, wo ich zu bleiben gedachte. Gleich das erste Häuschen mit dem Plätscherbrunnen und dem Zaun von Kürbis durchflochten sah verlockend idyllisch aus. Feldstuhl und Skizzenbuch wurden aufgeklappt. Auf der Schwelle saß ein steinaltes Mütterlein und schlief, das Kätzchen daneben. Plötzlich, aus dem Hintergrund des Hauses, kam eine jüngere Frau, fasste die Alte bei den Haaren und schleifte sie auf den Kehrichthaufen. Dabei quäkte die Alte wie ein Huhn, das geschlachtet werden soll. Feldstuhl und Skizzenbuch wurden zugeklappt. Mit diesem Rippenstoße führte mich das neckische Schicksal zu den trefflichen Bauersleuten und in die herrliche Gegend, von denen ich nur ungern wieder Abschied nahm.

Es kann 59 gewesen sein, als zuerst in den »Fliegenden« eine Zeichnung mit Text von mir gedruckt wurde: Zwei Männer, die aufs Eis gehen, wobei einer den Kopf verliert. Vielfach, wie’s die Not gebot, illustrierte ich dann neben eigenen auch fremde Texte. Bald aber meint‘ ich, ich müsst‘ halt alles selber machen. Die Situationen gerieten in Fluss und gruppierten sich zu kleinen Bildergeschichten, denen größere gefolgt sind. Dann hab‘ ich sie laufen lassen auf den Markt, und da sind sie herumgesprungen, wie Buben tun, ohne viel Rücksicht zu nehmen auf gar zu empfindsame Hühneraugen; wohingegen man aber auch annehmen darf, dass sie nicht gar zu empfindlich sind, wenn sie mal Schelte kriegen. Wer sie freundlich in die Hand nimmt, etwa wie Spieluhren, wird vielleicht finden, dass sie trotz bummligen Aussehens, doch teilweise im Leben geglüht, mit Fleiß gehämmert und nicht unzweckmäßig zusammengesetzt sind. Fast alle hab‘ ich, ohne wem was zu sagen, in Wiedensahl verfertigt, ausgenommen ein allegorisches Tendenzstück und einige Produkte des drängenden Ernährungstriebes, zum Selbstpläsier. Hätte jedoch die sorglos in Holzschuhen tanzende Muse den einen oder andern der würdigen Zuschauer auf die Zehe getreten, so wird das bei ländlichen Festen nicht weiter entschuldigt. Ein auffällig tugendsames Frauenzimmer ist’s freilich nicht. Aber indem sie einerseits den Myrtenzweig aus der Hand des übertriebenen Wohlwollens errötend von sich ablehnt, hält sie anderseits gemütlich den verschleierten Blick eines alten Ästhetikers aus, dem bei der Bestellung des eigenen Ackers ein Stäubchen Guano ins Auge geflogen.

Man hat den Autor, den diese Muse begeistert, für einen Bücherwurm und Absonderling gehalten. Das erste mit Unrecht. Zwar liest er unter anderem die Bibel, die großen Dramatiker, den Augustin, den Pickwick und Don Quijote und hält die Odyssee für das schönste der Märchenbücher, aber ein Bücherwurm ist doch ein Tierchen mit ganz anderen Manierchen.

Ein Sonderling dürfte er schon eher sein. Für die Gesellschaft ist er nicht genugsam dressiert, um ihre Freuden geziemend zu würdigen und behaglich genießen zu können. Zu einer Abendunterhaltung jedoch unter vier bis höchstens sechs Augen, in einer neutralen Rauchecke, bringt er noch immer eine Standhaftigkeit mit, die kaum dem anrückenden Morgen weicht.

Groß war auch seine Nachlässigkeit oder Schüchternheit im schriftlichen Verkehr mit Fremden. Der gewandte Stilist, der seine Korrespondenten mit einem zierlichen Strohgeflechte beschenkt, macht sich umgehend beliebt, während der Unbeholfene, der seine Halme aneinanderknotet wie der Bauer, wenn er Seile bindet, mit Recht befürchten muss, dass er Anstoß erregt. Er zögert und vergisst.

Verheiratet ist er auch nicht. Er denkt gelegentlich eine Steuer zu beantragen auf alle Ehemänner, die nicht nachweisen können, dass sie sich lediglich im Hinblick auf das Wohl des Vaterlandes vermählt haben. Wer eine hübsche und gescheite Frau hat die ihre Dienstboten gut behandelt, zahlt das Doppelte. Den Ertrag kriegen die alten Junggesellen, damit sie doch auch eine Freud‘ haben.


Wilhelm Busch 1878 © 2008 Colorierung: „Nachrichten Heute“

Ich komme zum Schluß.
Das Porträt, um rund zu erscheinen, hätte mehr Reflexe gebraucht. Doch manche vorzügliche Menschen, die ich liebe und verehre, für Selbstbeleuchtungszwecke zu verwenden, wollte mir nicht passend erscheinen, und in bezug auf andere, die mir weniger sympathisch gewesen, halte ich ohnehin schon längst ein mildes gemütliches Schweigen für gut.

So stehe ich denn tief unten an der Schattenseite des Berges. Aber ich bin nicht grämlich geworden; sondern wohlgemut, halb schmunzelnd, halb gerührt, höre ich das fröhliche Lachen von anderseits her, wo die Jugend im Sonnenschein nachrückt und hoffnungsfreudig nach oben strebt.

Soviel wollt‘ ich von mir selber sagen.

Wer grad in ein Ballett vertieft ist, wer eben seinen Namenstag mit Champagner feiert, wer zufällig seine eigenen Gedichte liest, wer Skat spielt oder Tarock, dem ist freilich geholfen.

Leider stehen diese mit Recht beliebten Mittel temporärer Erlösung nicht immer jedem zur Verfügung. Oft muss man schon froh sein, wenn nur einer, der Wind machen kann, mal einen kleinen philosophisch angehauchten Drachen steigen lässt, geklebt aus altem Papier. Man wirft sein Bündel ab, den Wanderstab daneben, zieht den heißen Überrock des Daseins aus, setzt sich auf den Maulwurfshügel allerschärfster Betrachtung und schaut dem langgeschwänzten Dinge nach, wie’s mehr und mehr nach oben strebt, sodann ein Weilchen in hoher Luft sein stolzes Wesen treibt, bis die Schnur sich verkürzt, bis es tiefer und tiefer sinkt, um schließlich matt und flach aufs dürre Stoppelfeld sich hinzulegen, von dem es aufgestiegen.

Wenigstens was mich betrifft, so mag nur einer kommen und mir beweisen, dass die Zeit und dies und das bloß ideal ist, ein Spuk unter dem Dach, ein angeerbtes Kopfübel, hartnäckig, inkurabel, bis der letzte Schädel ausgebrummt; er soll mich nur aufs Eis führen seine blanken Schlittschuhe anschnallen, auf der gefrorenen Ebene seine sinnreichen Zahlen und Schnörkel schreiben, ich will ihn gespannt begleiten, ich will ihm dankbar sein; nur gar zu kühl darf es nicht werden, dass mir die Nase friert, sonst drücke ich mich lieber hinter irgendeinen greifbaren Ofen, wär‘ es auch nur ein ganz bescheidener von schlichten Kacheln, bei dem man sich ein bissel wärmen kann.

Ja, die Zeit spinnt luftige Fäden, besonders die in Vorrat, welche wir oft weit hinausziehen in die sogenannte Zukunft, um unsere Sorgen und Wünsche daran aufzuhängen, wie die Tante ihre Wäsche, die der Wind zerstreut. – Als ob’s mit dem Gedrängel des gegenwärtigen Augenblicks nicht grad genug wäre.

Und dann dies liebe, trauliche, teilweis grauliche, aber durchaus putzwunderliche Polterkämmerchen der Erinnerung voll scheinbar welken, abgelegten Zeugs, das dennoch weiterwirkt, drückt, zwickt, erfreut, oft ganz, wie’s ihm beliebt, nicht uns; das sitzen bleibt, obwohl nicht eingeladen, das sich empfiehlt, wenn wir es halten möchten. Ein Kämmerchen, in Fächer eingeteilt, mit weißen, roten Türen, ja selbst mit schwarzen, wo die alten Dummheiten hinter sitzen.


„Als ob’s mit dem Gedrängel des gegenwärtigen Augenblicks nicht grad genug wäre.“ Schmied und Teufel von Wilhelm Busch

Vielleicht ist’s grade Winter. Leise wimmeln die Flocken vor deinem Fenster nieder. Ein weißes Türchen tut sich auf Sieh nur, wie deutlich alles dasteht, wie in einem hellerleuchteten Puppenstübchen. Der Lichterbaum, die Rosinengirlanden, die schaumvergoldeten Äpfel und Nüsse, die braungebackenen Lendenkerle; glückliche Eltern, selige Kinder. Freundlich betrachtest du das Bübchen dort, denn das warst du, und wehmütig zugleich dass nichts Besseres und Gescheiteres aus ihm geworden, als was du bist.

Mach wieder zu. – Öffne dies rote Türchen. – Ein blühendes Frauenbild. Ernst, innig schaut’s dich an, als ob’s noch wäre, und ist doch nichts als ein Phantom von dem, was längst gewesen.

Lass sein. – Pass auf das schwarze Türchen. – Da rumort’s hinter. – Halt zu! – Schon recht, so lange, wie’s geht. – Du kriegst, wer weiß woher, einen Stoß auf Herz, Leber, Magen oder Geldbeutel. Du lässt den Drücker los. Es kommt die stille, einsame, dunkle Nacht. Da geht’s um in der Gehirnkapsel und spukt durch alle Gebeine, und du wirfst dich von dem heißen Zipfel deines Kopfkissens auf den kalten und her und hin, bis dir der Lärm des aufdämmernden Morgens wie ein musikalischer Genuss erscheint. Nicht du, mein süßer Backfisch! Du liegst da in deinem weißen Häubchen und weißen Hemdchen, du faltest deine schlanken Finger, schließest die blauen, harmlos-träumerischen Augen und schlummerst seelenfriedlich deiner Morgenmilch mit Brötchen entgegen, und selbst deiner Klavierstunde, denn du hast fleißig geübt.

Aber ich, Madam! Und Sie, Madam, und der Herr Gemahl, der abends noch Hummer isst, man mag sagen, was man will. – Doch nur nicht ängstlich! Die bösen Menschen brauchen nicht gleich alles zu wissen. Zum Beispiel ich, ich werde mich wohl hüten, ich lasse hier nur ein paar kümmerliche Gestalten heraus, die sich so gelegentlich in meinem Gehirn eingenistet haben, als ob sie mit dazugehörten.


Zeichnung von Wilhelm Busch aus
„Der gewandte, kunstreiche Barbier und sein kluger Hund“.

© 2008 Digitalisiert und bearbeitet von „Nachrichten Heute“

Es ist Nacht in der kunst- und bierberühmten Residenz. Ich komme natürlich aus dem Wirtshause, bin aber bereits in der Vorstadt und strebe meinem einsamen Lager zu. Links die Planke, rechts der Graben. Hinter mir eine Stadt voll leerer Maßkrüge, vor mir die schwankende Nebensilhouette eines betagten Knickebeins. Bald drückt er zärtlich die Planke, bald zieht ihn der Graben an, bis endlich die Planke, des falschen Spiels müde, ihm einen solch verächtlichen Schubs gibt, dass er dem Graben, mit Hinterlassung des linken Filzschuhs, sofort in die geschmeidigen Arme sinkt. Ich ziehe ihn heraus bei den Beinen wie einen Schubkarren. Er wischt sich die Ohren und wimmert kläglich: »Wissen S‘, i siech halt nimma recht!« – Gewiss häufig eine zutreffende Ausrede für ältere Herren in verwickelten Umständen.

Ein andermal derselbe Weg. – Vor mir ein zärtliches Pärchen. Ihr schleift, am Bändel hängend, die Schürze nach. Ich wirble sie auf mit dem Stock und sage in gefälligem Ton: »Fräulein, Sie verlieren etwas.« Sie hört es nicht. Es ist der Augenblick vor einem Liebeskrach. Er schlägt sie zu Boden, tritt ihr dreimal hörbar auf die Bust, und fort ist er – Schnell ging’s. – Und was für einen sonderbaren Ton das gibt, so ein Fußtritt auf ein weibliches Herz. Hohl, nicht hell. Nicht Trommel, nicht Pauke. Mehr lederner Handkoffer, voll Lieb und Treu vielleicht Ich gebe ihr meinen Arm, dass sie sich aufrichten und erholen kann; denn man ist oft gerührt und galant, ohne betrunken zu sein.

Ein andermal ein andrer Weg. – Ein berühmter Maler hat mich zu Mittag geladen. Stolz auf ihn und meine silbervergoldete Dose, geh‘ ich durch eine einsame Straße und drehe mir vorher noch eben eine Zigarette. Hinter mir kommt wer angeschlurft; er schlurft an mir vorbei: »Ja, Beddeleit, die hat koana gern; die mag neamed.« Er spricht es leise und bescheiden, er schaut nicht seitwärts, er schaut nicht um; er schlurft so weiten Hände im schwärzlich grauen Paletot; schwärzlich grauer Hut im Nacken; Hose schwärzlich grau, unten mit Fransen dran; da, wo Hut und Paletotkragen ihre Winkel bilden, je ein blasses Stückchen Ohr zu sehen. Ein armer, farbloser Kerl. Schon zehn Mark, vermutlich, würden ihm recht sein. Freilich – der Schneider – die Fahrt ins Tirol – am End‘ versäuft er’s nur. – Macht nichts! Gib’s ihm halt! – Inzwischen ist er weg ums Eck, für immer unerwischbar.

Schnell eine andere Tür! – Schau, schau! – zwischen zwei Hügeln, mitten hindurch der Bach, das Dörflein meiner Kindheit. Vieles im scharfen Sonnenlicht früher Eindrücke, manches überschattet von mehr als vierzig vergangenen Jahren, einiges nur sichtbar durch den Lattenzaun des Selbsterlebten und des Hörensagens. Alles so heiter, als hätt‘ es damals nie geregnet.

Aber auch hier gibt’s arme Leutchen. – Es ist noch die gute alte Zeit, wo man den kranken Handwerksburschen über die Dorfgrenze schiebt und sanft in den Chausseegraben legt, damit er ungeniert sterben kann; obschon der unbemittelte Tote immerhin noch einen positiven Wert hat, unter anderm für den Fuhrmann, der ihn zur Anatomie bringt.

Im Dörflein seitab, hier hinter den trüben Fensterscheiben, da sitzt vielleicht das »Puckelriekchen«. Sie spinnt und spinnt. Auf die Lebensfreuden hat sie verzichtet. Aber drei Tage nach ihrem Tode, da wenigstens möchte sie sich mal so ein recht gemütliches Fest bereiten, nämlich ein ehrliches Begräbnis mit heilen Gliedmaßen, im schwarzlackierten Sarge, auf dem heimatlichen Kirchhofe. Nach dem Professor, der die toten Leute kaputtschneidet, will sie nicht; und dann müsste sie sich ja auch so schämen vor den Herren Studenten, weil sie gar so klein und mager und bucklig ist. Darum bettelt sie und sinnt und spinnt von früh bis spät – 0 weh! Zu früh schneidet die Parze den Flachs- und Lebensfaden ab. Es hat nicht gelangt. Nun heißt es doch: »Hinein in die ungehobelte Kiste!«, und: »Krischan, spann an!« Und dort fährt er hin mit ihr in der frühen Dämmerung, und wer grad verreisen muss, der kann mit aufsitzen. – Das wäre was gewesen für Tante Malchen, die immer so gern per Gelegenheit fuhr!

Der dort langsam und verdrießlich Holz sägt, das scheint der »Pariser« zu sein. »Eine kalte Winternacht«, so pflegt er auf plattdeutsch zu sagen, »ein Grenzstein im freien Feld und eine Pulle voll Schluck, das müsste einen bequemen Tod abgeben.« Oder: »Hätt‘ ich nur erst eine Viertelstunde gehangen, mich dünkt, so wollt‘ ich gleich mit einem um die Wette hängen, der schon ein ganzes Jahr gehangen hat« Gegen die erste Manier schützt er Geldmangel vor, gegen die zweite den bedenklichen Anfang. Er zögert und zögert und muss sich zuletzt mit einem gewöhnlichen Tod begnügen, wie er grad vorkommt.

Hier im Hof, auf dem Steintritt vor der Tür, steht eine hübsche Frau. Sagen wir, Kreuzbänder an den Schuhen, Locken an den Schläfen, Schildpattkamm im Flechtennest. Ein fremder Betteljunge kommt durch die Pforte. Haare wie trockener Strohlehm, Hemd und Haut aus einem Topf gemalt, Hose geräumig, vermutlich das Geschenk eines mildtätigen Großvaters, Bettelsack mit scheinbar knolligem Inhalt, Stock einfach, zweckentsprechend. »Heut kriegst du nichts, wir haben selbst Arme genug.« -»So bra’r jöck de Düwel wat ower, datje’r anne sticket!« Nach Abgabe dieses Segenswunsches entfernt er sich, um sein Sammelwerk anderweitig fortzusetzen. Nicht mit Erfolg. Hinter der Mauer hervor, bewehrt mit kurzem Spieß, tritt ihm unerwartet ein Meiner Mann entgegen, entledigt ihn, listig lächelnd, doch rücksichtslos, seiner Vorräte und zeigt ihm sodann unter Zuhilfenahme der ungekehrten Waffe, durch stoßweise Andeutungen auf der Kehrseite, den richtigen Weg zum Dorfe hinaus.



„Hier im Hof, auf dem Steintritt vor der Tür, steht eine hübsche Frau.“ – Weniger bekannt sind die Bleistiftskizzen von Wilhelm Busch.
© 2008 Digitalisiert und bearbeitet von „Nachrichten Heute“

Dieser Wachsame und Gewaltige ist der »alte Danne«. Da er körperlich und geistig zu schwach geworden, um Tagelöhner zu sein, so hat man ihm ein Amt verliehen mit dem Titel »Bettelvogt« und als Zeichen seiner Würde den Speer, »dat Baddelspeit«. Kraft dessen ist er Herzog und Schirmherr aller einheimischen Bettler. – Er isst »reih rund«. Er schläft nachts im Pferdestall, nachmittags bei günstiger Witterung im Baumgarten hinter dem Hause. Und hier kann man am besten eine Eigentümlichkeit an ihm beobachten, welche hauptsächlich bei alten unbemittelten Leuten vorzukommen scheint, die versäumt haben, sich ein neues Gebiss zu kaufen. Atmet er ein – lautes Schnarchen, atmet er aus – ein leises Flöten. Erst dieser alte, faltige, grauborstige Mümmelmund hübsch weit abgerundet nach innen gezogen: krah!, dann plötzlich bei hohlen Backen hübsch zugespitzt nach außen getrieben und nur ein ganz feines Löchlein drin: püh! – Für den Naturforscher, selbst bei häufiger Wiederholung, ein interessantes Phänomen. – Leider geht der alte Danne nur noch kurze Zeit seinen Erholungen und Amtsgeschäften nach. Es kommt so ein gewisser, schöner, aus dermaßen warmer Nachmittag. Zwei flachsköpfige Buben, sehr bewandert in Obstangelegenheiten, besuchen grad zufällig in einem schattigen Garten einen berühmten Sommerbirnenbaum, um eben mal nachzusehen, wie die Sachen da liegen. – Der alte Danne liegt darunter. Speer im Arm, still, bleich, grade ausgestreckt, die Augen starr nach oben in die vollen Birnen gerichtet, Mund offen, so dass man sah: krah! war sein letzter Laut gewesen; zwei Fliegen kriechen ein und aus. Der alte Danne ist tot. Um ihn her liegen die goldigsten Sommerbirnen, aber für diesmal mochten wir keine. – Und schlau hat er’s abgepasst, denn der neue Kirchhof wird nächstens eingeweiht. Er kommt noch auf den alten und kann ruhig weiterliegen, ohne von später kommenden Schlafgästen gestört zu werden. – Eine geschmackvolle Garnitur von Brennnesseln steht um sein Grab herum. –

Ja, mein guter, wohlsituierter und lebendiger Leser! So muss man überall bemerken, dass es Verdrießlichkeiten gibt in dieser Welt und dass überall gestorben wird. Du aber sei froh. Du stehst noch da, wie selbstverständlich, auf deiner angestammten Erde. Und wenn du dann dahin wandelst, umbraust von den ahnungsvollen Stürmen des Frühlings, und deine Seele schwillt mutig auf, als solltest du ewig leben; wenn dich der wonnige Sommer um blüht und die liebevollen Vöglein in allen Zweigen singen; wenn deine Hand im goldenen Herbst die wallenden Ähren streift; wenn zur hellglänzenden Winterzeit dein Fuß über blitzende Diamanten knistert, hoch über dir die segensreiche Sonne oder der unendliche Nachthimmel voll winkender Sterne – und doch, durch all die Herrlichkeiten hindurch, allgegenwärtig, ein feiner, peinlicher Duft, ein leiser, zitternder Ton -, und wenn du dann nicht so was wie ein heiliger Franziskus bist, sondern wenn du wohlgemut nach Hause gehst zum gutgekochten Abendschmaus und zwinkerst deiner reizenden Nachbarin zu und kannst schäkern und lustig sein, als ob sonst nichts los wäre, dann darf man dich wohl einen recht natürlichen und unbefangenen Humoristen nennen.

Fast wir alle sind welche. – Auch du, mein kleines, drolliges Hänschen, mit deinem Mumps, deiner geschwollenen Backe, wie du mich anlächelst durch Tränen aus deinem dicken, blanken, schiefen Gesicht heraus, auch du bist einer; und wirst du vielleicht später mal gar ein Spaßvogel von Metier, der sich berufen fühlt, unsere ohnehin schon große Heiterkeit noch künstlich zu vermehren, so komm nur zu uns, guter Hans, wir werden dir gern unsere alten Anekdoten erzählen, denn du bist es wert.



Mit diesem Brief bot Wilhelm Busch seinem Verleger „Max und Moritz“ an. © 2008 Digitalisiert und bearbeitet von „Nachrichten Heute“

»Ahem! – Wie war denn das Diner bei dem berühmten Maler?« So unterbrichst du mich, mein Wertester mit dem Doppelkinn. – Nun! Kurz, aber gut, Wein superb, Schnepfen exquisit – Doch ich sehe, du hast dich gelangweilt Das beleidigt mich. Aber ich bin dir unverwüstlich gut Ich werde sonstwie für dich sorgen; ich verweise dich auf den vielsagenden Ausspruch eines glaubwürdigen Blattes. »II faut louer Busch pour ce qu’il a fait, et pour ce qu-il n’a pas fait« Wohlan, mein Freund! Wende deinen Blick von links nach rechts, und vor dir ausgebreitet liegt das Gelobte Land aller guten Dinge, die ich nicht gemacht habe.


Maler Klecksel – Bildergeschichte aus 1884 von Wilhelm Busch
Doch ach! Wie bald wird uns verhunzt
Die schöne Zeit naiver Kunst;
Wie schnell vom elterlichen Stuhle
Setzt man uns auf die Bank der Schule!
Herr Bötel nannte sich der Lehrer,
Der, seinerseits kein Kunstverehrer.

Liebst du herz- und sonnenwarme Prosa, lies Werther. – Suchst du unverwelklichen Scherz, der wohl dauern wird, solange noch eine sinnende Stirn über einem lachenden Munde sitzt, begleite den Ritter von der Mancha auf seinen ruhmreichen Fahrten. – Willst du in einem ganzen Spiegel sehen, nicht in einer Scherbe, wie Menschen jeder Sorte sich lieben, necken, raufen, bis jeder sein ordnungsmäßiges Teil gekriegt, schlag Shakespeare auf. Trägst du Verlangen nach entzückend mutiger Farbenlust, stelle dich vor das Flügelbild Peter Pauls in der Scheldestadt und lass dich anglänzen von der jungfräulichen Mutter mit dem Kinde. – Oder sehnst du dich mehr nach den feierlichen Tönen einer durchleuchteten Dämmerung, besuch den Heiligen Vater in seinem beneidenswerten Gefängnis und schau den Sebastian an. – Und ist dir auch das noch nicht hinreichend, so zieh meinetwegen an den Arno, wo eine gedeckte Brücke zwei wundersame Welten der Kunst verbindet.

Damit, denk‘ ich, wirst du für acht Tage genug haben, und wärst du so genußfähig wie ein Londoner Schneidermeister auf Reisen.

– – –

Wilhelm Busch starb heute vor einhundert Jahren am 9. Januar 1908, in Mechthausen (jetzt Stadtteil von Seesen) am Harz. Er war einer der bedeutensten humoristischen Dichter Deutschlands. Wegen seiner satirischen Bildergeschichten gilt er als einer der Urväter des Comics.

Wie sähen Max und Moritz heute aus?
Der schleswig-holsteinische Comic-Zeichner Kim Schmidt bietet im Januar auf Schloss Gottorf Kurse im Comic-Zeichnen an. Zum 100. Todestag des Zeichners, Literaten und Künstlers Wilhelm Busch lautet das Thema am Sonnabend (12. Januar, 10.00 bis 13.00 Uhr) «Max und Moritz 2008 – wie sehen sie heute aus», teilte die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf mit. Der Workshop richtet sich an Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Eine Woche später (19. Januar, 10.00 bis 13.00 Uhr) findet der Kurs für Jugendliche statt.

Außerdem:
Wilhelm-Busch-Museum Hannover
Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik

Die Ausstellung:
Wilhelm Busch – erotisch, komisch, gnadenlos
wird am 13. Januar 2008 im Museum eröffnet.

Auch das noch:

Wilhelm Busch vergoogelt

Rüffel für Bundesanwältin wegen Kompetenzüberschreitung

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„Das Maß ist voll!“ – Abschiebung für Generalbundesanwältin Monika Harms?

onlineredaktion – Für die Linksfraktion sind die Rechtsbrüche der nicht mehr zu ertragen. Da man sie nicht einfach feuern könnte wie beispielsweise nichtrauchende Mitarbeiter eines Büsumer IT-Händlers, bleibt für sie gegenwärtig nur der „einstweilige Ruhestand“.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) wurde von der Linksfraktion nun aufgefordert Monika Harms sofort nach Hause zu schicken. Wegen ihrer Durchsuchungsaktion bei Gegnern des G8-Gipfels in Heiligendamm habe sie sich nunmehr zum dritten Mal vom Bundesgerichtshof (BGH) Rechtsbruch vorhalten lassen müssen, erklärte der rechtspolitische Sprecher der Fraktion und frühere BGH-Richter Wolfgang Neskovic am Montag in Berlin. „Das darf nicht ohne personelle Konsequenzen bleiben. Das Maß ist voll!“, tönte er. Als politische Beamtin könne Harms ohne nähere Begründung in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Zypries sollte diesen Schritt jetzt vollziehen.

Rüffel für Bundesanwältin wegen Kompetenzüberschreitung

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Graupners Wort am Sonntag „Was ziehe ich zur Demo an?“

Bastian Graupner – Umgeworfene Müllcontainer auf den Straßen, explodierende Feuerwerkskörper, die auf Polizisten geworfen wurden – so sah es Neujahr in Hannover aus. Unter dem Motto „Außer Kontrolle! Überwachungsstaat abknallen!“ führten zumeist linksradikale aus der autonomen Szene eine Silvesterdemo gegen Repression und Überwachung in der niedersächsischen Landeshauptstadt durch. Dass nach Beendigung der Demonstration Krawalle ausbrachen, war abzusehen – Sprengstoff ist zwischen Weihnachten und Neujahr immerhin an allen Ecken zu kaufen und auch die Politik bietet wieder einmal genügend Proteststoff: Totale Protokollierung des Internets, der Telefone, E-Mails und Handys.


Nach Auflösung der „Antirepressionsdemonstration“ in Hannover zogen viele TeilnehmerInnen randalierend durch den Stadtteil Neustadt…


…und zerstörten einige Autos. Neustadt gilt als Linksalternatives-Stadtviertel mit hohem Migrantenanteil. Gerade weil einige DemonstrationsteilnehmerInnen im „eigenen Viertel“ randalierten, störten sich viele Linke an der Gewalt.

Eine neue Gewalt-Debatte in der radikalen Linken ist entbrannt. Im unabhängigen linken Medienportal „Indymedia“ hagelt es Kommentare zum Bericht über die Hannoveraner Demonstration. Die meisten davon kritisch, wie beispielsweise dieser anonyme Kommentar:

„Warum muss man bitte Kleinwagen entglasen und beschädigen? Muss man gleich den Kopf verlieren, wenn man mal legal rumböllern kann? Es gibt Menschen, die sich mit aller Not ein Auto zulegen und sich über ein kleines Auto freuen und dann wirds von nen paar Vollidioten zertrümmert!“

Ähnlich äußern sich die meisten der zahlreichen KommentarschreiberInnen. Allzu oft enden linke Demonstrationen in Ausschreitungen. Ein gefundenes Fressen für die politischen Gegner, die sich durch solche Randale zu noch schärferen Sicherheitsgesetzen legitimieren. Auch die konservative und sogar die linke Presse stoßen sich an solchen Gewaltexzessen: Wer Gewalt anwendet, hat schon verloren. Die linke Szene muss merken, dass man die Leute nicht überzeugt indem man deren Eigentum zerstört. Doch woher kommt die Gewalt?

Mit dem Kopf durch die Wand
Das Publikum auf einer Demonstration besteht meist aus jungen Menschen. SchülerInnen, StundentenInnen und Auszubildende sind es oft, die in den ersten Reihen einer linken Demonstration mitlaufen. Natürlich ändert sich die Altersstruktur je nach Thema der Demonstration. Bei der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel am 2. Juni 2007 in Rostock mit rund 80.000 TeilnehmerInnen waren auch zahlreiche Alt-68erInnen und eben nicht nur junge Menschen – auch wenn die Jungen immer noch einen großen Teil ausmachten.

Die Gewalt geht – wie auch in Rostock – meist von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Auch in Hannover sollen vor allem junge Menschen gewütet haben – nach Augenzeugenberichten sollen die Demo-TeilnehmerInnen zwischen 14 und 25 Jahren alt gewesen sein. Dies wundert nicht. Junge stürmische Hitzköpfe gab es schon immer. Das diese in den meisten Fällen männlich sind, ist bei der Struktur der meisten linksradikalen und autonomen Gruppen – in der Frauen leider meist deutlich in der Minderheit sind – ebenfalls kein Wunder.

Gewalt auf linken Demonstrationen geht also meist von jungen, männlichen Menschen aus, die sich oftmals in der autonomen Szene bewegen. Junge Leute haben eben viel Energie, wollen – wenn sie politisch sind – etwas bewegen und dies leider oft auch durch den Einsatz von Gewalt – ein völliger Trugschluss.

Frust spielt sicher auch eine Rolle: Laut der Shell-Jugendstudie 2006 sehen 53 Prozent der 12- bis 25-jährigen ihre Zukunft als düster, ein Plus von 8 Prozent im Gegensatz zum Vorjahr. Diese Zukunftsängste sind unter anderem der Grund für Jugendkriminalität und Gewalt.

Ein weiterer Grund: Die politischen Jugendlichen schaffen keinen grundlegenden politischen Umbruch – in der heutigen parlamentarischen Demokratie spielt die Bevölkerung nur eine nebengeordnete Rolle. Die Wut vieler Jugendlicher hat wohl dieselbe Basis, egal, ob es nun unpolitische Hooligans, Links- oder auch Rechtsradikale sind. Krawalle nach Demonstrationen sind auch nichts Neues – ärgerlich waren sie schon immer. Doch was tun?

Ausschreitungen verhindern
Beim Protest gegen den G8-Gipfel distanzierten sich große Organisationen wie Attac von den Gewalttaten, die während der Großdemonstration geschahen. Auch die Organisatoren der neuerlichen „Antirepressionsdemonstration“ in Hannover distanzieren sich von der Gewalt. Dennoch wirkt eine Demonstration auf Außenstehende wie eine homogene Masse, wenn auf einer politischen Veranstaltung – oder sogar nach offiziellem Ende – Steine fliegen, diskreditiert dies häufig die ganze Veranstaltung. In den Medien wird leider zu selten zwischen GewalttäterInnen und friedlichen DemonstrantInnen unterschieden – Hetzmedien wie die BILD-Zeitung verstärken dies zudem und versuchen gar nicht erst objektiv zu bleiben. Meist stehen den Tausenden friedlichen DemonstrantInnen einige Dutzend Gewalttätige gegenüber.

Was ist spektakulärer? Vermummte Steinewerfer oder friedliche PACE-Fahnen schwingende Menschen?
Bei aller Kritik an den jungen Krawallmachern darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Polizei heute Zivilpolizisten in Demonstrationen schleust – das bestreitet nicht einmal mehr die Polizei selbst. Nachdem einige so genannte „Agent Provocateur“ bei den Protesten gegen den G8-Gipfel enttarnt und sich zu ihren Kollegen in den grünen Kampfmonturen flüchteten, konnte deren Existenz durch die Polizei nicht mehr geleugnet werden. Die getarnten Staatsbediensteten sollen sogar dazu aufgefordert haben, sich zu vermummen und mit Steinen zu werfen. Das sich „Agent Provocateur“ ebenso wie unpolitische Hooligans, die einfach nur Krawall machen wollen, nicht in Demonstrationen mischen, ist schwer zu verhindern – sogar Nazis sollen sich manchmal getarnt unter die Leute mischen, um die politische Demonstration durch Krawalle zu verunglimpfen. Es muss jedoch getrennt werden zwischen TeilnehmerInnen, die nur inmitten der Demo sind, um die politische Veranstaltung zu diskreditieren und solchen, die zwar Krawalle machen, aber noch dazu überredet werden können friedlich zu bleiben.

Klar, Rechtsextremisten und „Agent Provocateur“ schleusen sich nur ein, um Stress zu machen und haben mit den politischen Zielen der Demonstration nichts zu tun, ganz im Gegenteil verfolgen sie ihr eigenes politisches Ziel indem sie die Veranstaltung der politischen Gegner gezielt unterwandern und diskreditieren.

Eine neue Debatte – Machen Kleider gewalttätig?
Anders sieht es mit der autonomen Szene und dem so genannten „Schwarzen Block“ aus. Zwar sind dies erfahrungsgemäß die oben genannten jungen Heißsporne – und zum Teil auch gewaltbereit – aber nicht jede Demonstration der Autonomen endet mit einer Straßenschlacht. Dass Ausschreitungen meist aus Reihen des „Black Blocks“ kommen, liegt an der Anfälligkeit durch politische Gegner.

In einem Block, in dem alle Demo-TeilnehmerInnen schwarz gekleidet und meist vermummt rumlaufen, ist es einfach unterzutauchen – für Hooligans, Nazis, Agent Provocateur und andere Gegner. Die Anfälligkeit ist ein generelles Problem des Blocks.


Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? In den ersten Reihen der „Black Block“ auf der Demonstration gegen das ASEM-Treffen kurz vorm G8-Gipfel am 28.Mai 2007 in Hamburg.


Auf der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel am 2.Juni 2007 in Rostock beteiligten sich rund 2.500 Menschen am „Black Block“ der „Interventionistischen Linken“.


Hamburg hat eine große autonome Szene und dementsprechend einen großen „Black Block“, wie auf dem Foto von der „Antirepressionsdemonstration“ am 15. Dezember 2007 zu sehen. In anderen Großstädten wie Berlin hat der Schwarze Block nicht weniger Zulauf. Bei allen dieser drei Beispiele gab es am Ende beziehungsweise nach der Demonstration heftige Ausschreitungen. Doch vertreten wirklich alle schwarzen Kapuzen den Inhalt der Demo oder haben sich Menschen in die Demo geschleust, um diese durch Gewalt zu diskreditieren?

Es wäre deshalb eine Überlegung den Block aufzulösen – eine bunte Demonstration gebe auch ein viel freundlicheres Bild ab. Natürlich birgt dies das Risiko von der Polizei gefilmt zu werden, doch was haben die TeilnehmerInnen wirklich zu befürchten? SchwerverbrecherInnen werden sich erst garantiert nicht auf öffentlichen Demonstrationen blicken lassen – oftmals wird sich aus „coolness“ und Dummheit vermummt – Gesicht zeigen für die eigene Meinung wäre die Alternative. Zwar hat der Schwarze Block eine einheitliche Kleiderordnung, doch die Meinung im Block ist durch die leichte Unterwanderung sicherlich nicht so einheitlich. Trotzdem wären einheitliche Klamotten auf Demos nicht wünschenswert: „Mensch soll sich anziehen können wie Mensch will.“

Ein Hinweis der VeranstalterInnen wäre eine sanfte Maßnahme – die aber wohl auch wenig Beachtung fände. Wer sich wie kleidet, muss jede(r) selbst wissen. Aber auch ohne einen leicht zu unterwandernden Black Block kann es Gewalt auf Demonstrationen geben.

Eine große Verantwortung kommt den VeranstalterInnen entgegen, die die Pflicht haben ihre Demonstration zu beruhigen. Auch wenn die polizeiliche Repression auf Demonstrationen – Wanderkessel, filmen der DemonstrationsteilnehmerInnen, Überwachung aus der Luft, etc. – oft übertrieben ist, sollten die VeranstalterInnen die Stimmung nicht zusätzlich anheizen und nicht provozieren.

Provokation ist wiederum ein beliebtes Mittel der Polizei, um politische Veranstaltungen zu stören: Der Polizeiwagen, der auf der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel in Rostock zufälligerweise mitten in der demonstrierenden Masse stand, war Auslöser der dortigen Krawalle. Die Leute – vor allem die Autonomen – waren nicht mehr zu bremsen und reagierten sich – wie im Wahn – an dem Fahrzeug ab. Besonders auf Großdemonstrationen wird deutlich, dass die VeranstalterInnen trotz der bereitgestellten OrdnerInnen nicht in der Lage sind, eine Demonstration im Zaun zu halten. Im Endeffekt liegt es an den TeilnehmerInnen selbst, die Veranstaltung friedlich verlaufen zu lassen. Die Massen müssen ein Zeichen gegen Gewalt setzen und die gewaltsamen TeilnehmerInnen aufhalten.

Das setzt eine neue Gewaltdebatte in der Szene voraus. Momentan werden Ausschreitungen einiger DemoteilnehmerInnen allzu oft toleriert, weil sich die Menschen einfach nicht mit dem Thema „Gewalt“ auseinandergesetzt haben. Somit muss das Thema unbedingt einen höheren Stellenwert innerhalb der politischen (radikalen) Linken erhalten. Die Debatte darf nicht nur von Alt-68-erInnen aus der Hippie-Bewegung geführt werden, sondern muss auch bei jungen radikalen Leuten auf der Tagesordnung stehen.

Welchen Erfolg gewaltfreie Aktionen haben können, zeigen die Blockade-Tage um den G8-Gipfel in Heiligendamm. Zwischen dem 6. und 8. Juni 2007 wurden die Zufahrtswege zum Tagungsort der G8 erfolgreich und friedlich durch sitzende DemonstrantInnen blockiert. Da es bei diesen Blockaden oft keinen Black Block gab, wurden sogar mehrere Zivilpolizisten – die auf der Blockade dazu aufgerufen haben sollen die uniformierte Polizisten mit Steinen zu bombardieren – von den anderen friedlichen DemonstrantInnen enttarnt. Die (ent-)getarnten Staatsbediensteten sollen die einzigen Vermummten auf der Blockade gewesen und nervös herum gerannt sein – das fiel auf.

Auch medial gaben die friedlichen Protesttage ein grandioses Bild ab: Auf einer Straße im Nirgendwo sitzende Menschen wurden grundlos von brutalen Polizisten mit Wasserwerfern angegriffen. Medien berichteten von den friedlichen Protesten und die Bevölkerung bekam ein Bild exzessiver Polizeigewalt zu sehen, was den gewaltlosen ProtestlerInnen einige Sympathien einbrachte. Besonders als die Polizei mit ihren Schnellbooten nach einer wilden Verfolgungsjagd ein kleines Schlauchboot der Umweltschutzorganisation Greenpeace überfuhr und dabei einige Insassen verletzte, waren die Sympathien der meisten Menschen klar auf Seiten der Opfer. Zuvor wurden einige Greenpeace-Aktivisten von einem größeren Boot gerammt und aus ihrem Schlauchboot geschleudert – Ziel der Aktion war es, den G8 eine Petition für den Klimaschutz zu überreichen.

Eine andere gewaltlose Aktionsform auf Demonstrationen sind die Clowns. Auch gegen die DemonstrantInnen der so genannten „Clown’s Army“ kam es während der Proteste zu Repressionen und vollkommen absurden Bildern. Polizisten ließen die Clowns ihre Rucksäcke entleeren – den Knüppel griffbereit, weil die Polizeiführung behauptete die Clowns führten Säure in ihren Wasserpistolen mit – was freilich nie bewiesen werden konnte. Auf einem Video von „G8-TV“ ist zu sehen, wie ein Clown von der Polizei festgenommen wird, weil er eine Jacke im Bundeswehr-Tarnmuster trägt – die Jacke wurde ihm abgenommen und der Clown, der ein Nudelsieb auf dem Kopf trägt, wieder freigelassen. Die polizeilichen Eingriffe bei den gewaltlosen Protesten führten zu Unmengen dieser absurden Bilder in den Medien.

Es gibt zahlreiche gewaltlose Aktionsformen auf Demonstrationen. Da der Schwarze Block sehr anfällig für politische GegnerInnen ist, sollte überlegt werden, diese Aktionsform – von der oft Gewalt ausgeht – fallen zu lassen. Dennoch liegt es immer an den DemoteilnehmerInnen selbst friedlich zu sein und dafür zu sorgen die Veranstaltung friedlich durchzuführen. Jede(r) DemonstrantIn muss sich verpflichtet fühlen die Demonstration in einem guten Licht stehen zu lassen, um ein positives Bild in der Bevölkerung abzugeben und so die Leute auf ihre Seite zu ziehen. Schließlich sollen Demos immer Demos bleiben und der Bevölkerung demonstrieren gegen was oder wofür Mensch ist.

Deshalb: Erst denken, dann handeln! Eine neue – umfassende – Gewaltdebatte in der linken Szene ist nötig! Mensch muss sich schließlich nicht gleich für die nächste Demo in einen biederen Angestelltenanzug zwängen. Aber eine Verwirrung für die Polizei wäre es allemal.

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Halihalo, wir jagen – wir jagen sie um die Welt – wie es uns gefällt!

Karl Weiss – Der Wahlkampf ist eröffnet. Zwei Vorfälle von Auseinandersetzungen in München und Gelsenkirchen wurden in den letzten Tagen des Jahres von der Boulevardpresse und dann auch von der gesamten Massenmedien hochgejubelt, um darauf ein Süppchen von Volksverhetzung und Ausländerfeindlichkeit zu kochen. Speziell Politiker der CDU/CSU meldeten sich zu Wort und sparten nicht mit eindeutigen Worten. Die Reaktion der „Pawlowschen Hunde“ – automatisch und gewissermassen, ohne es zu wollen – funktioniert weiterhin: Die Umfrageergebnisse vor den Wahlen sind nicht gut, da lassen wir die Sau mit den Ausländern raus!

Die Tatsachen über die beiden Vorfälle sind dabei höchst zweideutig. Der Vorfall in einer Münchener U-Bahn-Station wurde von fast der ganzen Medien einhellig in etwa folgendermaßen dargstellt: Ein Münchner Rentner hätte zwei junge Leute in der U-Bahn in freundlichem Ton und ohne jede Aggressivität aufgefordert, das Rauchen einzustellen, da dies dort verboten ist. Als er ausstieg, seien die beiden, ein junger Grieche und ein junger Türke, ihm hinterhergelaufen und hätten ihn brutal zusammengeschlagen. Er habe „mehrere Schädelbrüche erlitten“. Nun, ein über 70-Jähriger mit mehreren Schädelbrüchen, d.h. sie haben ihn totgeschlagen. Ein einfacher Schädelbruch ist in diesem Alter schon regelmässig das Todesurteil.

Tatsächlich sah dies nach einem schweren Verbrechen aus. Da machte es dann auch keinen Unterschied, als man einige Zeit später hörte, einige der Zeugen hätten von Schimpftiraden des Rentners mit ausländerfeindlichem Inhalt gegen die beiden Migrantenkinder berichtet und nicht von einer freundlichen Aufforderung, das Rauchen einzustellen.

Auf keinen Fall darf man aus solchen Gründen einen Rentner totschlagen!

Dann kam allerdings zwei Tage später die Nachricht, der Rentner sei aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die gleichen bürgerlichen Massenmedien, die eben noch von mehreren Schädelbrüchen gesprochen hatten, berichteten nun plötzlich vom springlebendigen Rentner außerhalb des Krankenhauses ohne jegliche Dauerfolgen. Haben Sie von irgendwelchen Entschuldigungen dieser Medien bezüglich ihrer Falschmeldungen gehört?

Deutsche Massenmedien sind immer unfehlbar. Berichten sie einmal falsch, sind sie unschuldig daran – wie auch immer. Die Pflicht, selbst zu recherchieren und nicht nur die Aussagen wiederzugeben, ohne ausdrücklich zu erwähnen, dass diese Meldungen persönliche Angaben von Betroffenen und nicht bestätigt sind, all dies Handwerkszeug des verantwortungsbewußten Journalisten existiert nicht mehr, wenn es gilt, an die niedrigsten Instinkte im Menschen zu appellieren.

Die beiden Jugendlichen wurden ausfindig gemacht und sind bereits in Haft. Sie haben eine kriminelle Vorgeschichte, also auch nichts Ungewöhnliches. Jugendliche Delinquenten sind ja nun nicht gerade extrem selten in Deutschland. Nimmt man den Anteil von Ausländer unter den Jugendlichen ohne Ausbildung und mit abgebrochener Schulbildung, ist sie bei den Delinquenten proportional im Vergleich mit den Deutschen.

Ähnlich ist es mit dem zweiten Zwischenfall in Gelsenkirchen. Auch dort wird uns zuerst die Geschichte aufgetischt, junge Ausländer hätte einen älteren Deutschen mit Rufen „Scheiß-Deutscher“ zusammengeschlagen, ihn mit einen Messerstich verletzt und schließlich noch beraubt. Bereits nach kurzer Zeit stand allerdings fest: Es handelte sich um die Behauptungen des Betroffenen. In Wirklichkeit gab es eine handfeste Auseinandersetzung zwischen zwei Deutschen, von denen einer ausländische Vorfahren hatte. Zeugen haben nichts von „Scheiß-Deutscher“ gehört und den Raub nicht bestätigt. Wie der Betroffene zu einer Schnittverletzung kam, ist ungeklärt. Die beiden Versionen kam man hier vergleichen:

In Wirklichkeit also nichts weiter als alltägliche Streitereien, die zu handfesten Auseinandersetzungen ausarten. Die Frage von „Ausländern“ ist nicht oder bestenfalls im umgekehrten Sinne betroffen, wenn nämlich der Rentner einer jener Unbelehrbaren sein sollte.

In den darauffolgenden Tagen gab es erneut Auseinandersetzungen in der Münchner U-Bahn, die ebenfalls verletzte ältere Menschen in Auseinandersetzungen mit Jugendlichen beinhalteten, nur waren es keine ausländischen Jugendlichen! So wird klar, es gibt tatsächlich Probleme des Zusammenlebens mit Rücksichtnahme auf die anderen (kein Wunder, in einer Gesellschaft, die das rücksichtslose Bereichern als höchsten Wert hat), nur hat dies absolut nichts mit Ausländern zu tun!

Dies alles hätten sowohl Koch aus Hessen wie auch Beckstein aus Bayern, aber auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Kauder und der unvermeidliche Pofalla leicht in Erfahrung bringen können, wenn ihnen daran gelegen gewesen wäre.

Aber darum ging ja nicht. Es ging darum, die niedrigsten Instinkte so mancher Deutscher an die Oberfläche zu bringen und darauf Wahlkampf zu betreiben.

So reagierten sie auf die Gefahr, bei den Landtagswahlen zu verlieren, wie die Pawlowschen Hunde mit Ausländer-feindlicher Hetze. Koch ging sogar so weit zu sagen, es gebe zu viele kriminelle ausländische Jugendliche in Deutschland. Womit er das belegen will, sagte er nicht, aber Politiker brauchen ja nie etwas zu belegen, nur Wahlen zu gewinnen.

Schließlich war Koch mit einer Kampagne für Unterschriften gegen den „Doppelpass“ Ministerpräsident in Hessen geworden. Damals hatten die rot-grüne Regierung eine Bestimmung einführen wollen, wie sie alle zivilisierten Länder der Welt haben, nämlich die Hinnahme von zwei Staatsbürgerschaften in bestimmten Fällen, wenn man dies auch offiziell nirgendwo speziell gut heißt.

Koch brauchte damals ein zündendes Wahlkampfthema und er fand es: An die niedrigen Instinkte bei manchen in Deutschland bezüglich Ausländern appellieren! Er begann eine Unterschriftensammlung gegen den „Doppelpass“ und gewann die Wahlen. Die Regierung gab klein bei und einigte sich auf einen international nie vorher gesehene Regelung, die es Ausländern nicht erlaubt, sich in Deutschland einzubürgern, auch wenn sie alle Voraussetzungen erfüllt haben, außer sie geben ihre frühere Staatsbürgerschaft auf.

Dies betraf vor allem die große Anzahl von in Deutschland geborenen Nachkommen von Türken, die nach internationalem Recht einen Anspruch auf Einbürgerung haben. Die Türkei hat nämlich aus Gründen des dortigen Nationalismus (auch dort das Appellieren an die niedrigsten Instinkte!) jedem, der seine türkische Staatsbürgerschaft aufgibt, den Verlust wichtiger Rechte auferlegt, zum Beispiel das Recht, von seinen türkischen Großeltern oder Eltern zu erben.

So sitzen die jungen Nachkommen von Türken in Deutschland in der Falle. In die Türkei können sie nicht – sie sprechen meistens nicht einmal akzentfrei türkisch, würden dort nur als Ausländer behandelt – so wie die Kurden zum Beispiel. In Deutschland werden sie aber auch nicht akzeptiert, sondern als Ausländer behandelt und von Leuten wie Koch mit dem „Kriminellen“-Stempel versehen. Selbst wenn sie nichts zu erben haben in der Türkei, werden sie sich drei Mal überlegen, ob sie die alleinige Staatsbürgerschaft eines Landes annehmen, in dem Leute wie Koch und Beckstein ungestraft hetzen dürfen. Diesen Jugendlichen ohne Ausweg dichtet Kauder dann noch ein „Hohngelächter“ an. Das kam doch wohl von seinen Parteifreunden und der Hohn war über die Wähler, die sich so leicht fangen ließen, oder?

Aber die türkisch-deutschen Jugendlichen sind den Kochs, Pofallas, Becksteins und Kauders natürlich auch völlig egal. Sie wollen die Wahlen gewinnen – und warum soll nicht erneut klappen, was schon einmal funktioniert hat.

Besonders unglaublich wird das Ganze, wenn Koch dann noch die christlich-abendländische Kultur ins Spiel bringt, die in Deutschland zu befolgen sei. Dazu bemerkte Florian Rötzer in seinem Artikel zu diesem Thema in ‚telepolis’ (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26961/1.html ) zu Recht, dass diese Kultur nach Koch wohl noch nicht die Werte der Aufklärung und des Humanismus erreicht hat, denn diese würden vielmehr einen wichtigen Politiker, der Ressentiments gegen Ausländer schürt, zum Insassen der „Erziehungs-Camps“ machen, die von der CDU/CSU bereits gefordert werden. Ob dann wohl „Arbeit macht frei“ über dem Tor zum Camp stehen wird?

Nein, die Entfernung zu Faschisten gibt es noch, aber sie ist gering. Schon hat die NPD in München zu einem ‚Marsch gegen Inländerfeindlichkeit’ aufgerufen, mit den gleichen Losungen wie Koch! Noch jemand, der sein braunes Süppchen kochen will.

Woher sollen eigentlich unsere jungen Leute ohne Ausbildungsplatz Respekt vor den Älteren lernen? Von den großen Vorbildern, den Super-Managern der Großkonzerne, die soeben die letzten paar über 50 aus ihren Konzernen hinausgesäubert haben, weil sie, wie Parteifreund Oettinger bemerkte, „Minderleister“ sind? Hunderttausende von Älteren an Hartz IV übergeben, in Armut, vielleicht Depression und Einsamkeit entlassen, und ihnen dann eventuell noch eingeredet, es seien die Ausländer gewesen, die ihnen den Arbeitsplatz weggenommen hätten.

Hat irgendjemand gehört, diese Konzernmanager, Freunde von Pofalla, Koch, Kauder und Beckstein – oder jedenfalls Freunde ihrer Politik -, seien in Untersuchungshaft für diese Taten, nur um ihren Konzernprofit noch ein wenig mehr zu erhöhen? Was wäre nach Ihrer Meinung, lieber Leser, verurteilenswerter, einen einzelnen Rentner krankenhausreif schlagen oder die hunderttausendfachen Taten der Konzernmanager?

Sie haben Recht, das darf man nicht gegeneinander ausspielen. Beides ist verabscheuenswert.

Welche Werte werden unseren jungen Leuten vermittelt, wenn ein Politiker in Frankreich erklärt, das „Gesindel“ in Pariser Vorstädten müsse mit dem Hochdruckreiniger hinweggereinigt werden und kurz danach zum Präsident gewählt wird, statt wegen Volksverhetzung in Haft zu sitzen? Was wird man denn mit dem „Gesindel“ machen, wenn man es es weggereinigt hat? Weit, weit nach Süden schwappen lassen und dann um die ganze Welt jagen?

„Halihalo, wir jagen, wir jagen sie um die Welt – wie es uns gefällt!“

Auch für Kauder, Beckstein, Pofalla oder Koch gibt es keine Gefängniszelle. Aber vielleicht wird ihre Rechnung diesmal nicht aufgehen, denn die Gesellschaft in Deutschland ist in einer deutlichen Bewegung nach links und die Zahl der Wähler, die mit diesen ach wie so christlichen Hetzereien der christlichen Politiker eingefangen werden können, wird immer kleiner.

deutschland

Rüffel für Bundesanwältin wegen Kompetenzüberschreitung

onlineredaktion – Monika Harms hat es nicht leicht. Nicht allein, dass sie einem der schlimmsten deutschen Terroristen des 19. Jahrhunderts bis aufs Haar zu ähneln scheint – dem Moritz von Busch nämlich, wie wir meinen – im Kampf gegen den Terrorismus missbilligte der Bundesgerichtshof (BGH) nun ihre Zuständigkeit als Generalbundesanwältin bei Durchsuchungsaktionen, die bei G8-Gegnern durchgeführt wurden. Die Richter erklärten die Polizei-Aktionen, die dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm vorausgingen, für rechtswidrig, weil sich die militanten G8-Gegner nicht zu einer terroristischen Vereinigung zusammen geschlossen hätten.

Es hatte eine Menge von Beschwerden gegen die rechtswidrigen Polizeimaßnahmen gegeben. Die Entscheidung erfolgte auf eine erste Beschwerde eines Beschuldigten hin. Der 3. Strafsenat des BGH hob den ihn betreffenden Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss auf.

Man kann sich den Kampf gegen den Terrorismus sehr schwer machen, besonders als Bundesanwältin bei Kompetenzüberschreitungen, wie das BGH ihr nun vorhält.

Der BGH erklärte: „Eine von den Beschuldigten etwa gebildete Vereinigung kann … nicht als terroristische Vereinigung eingeordnet werden, was die Zuständigkeit des Bundes ohne weiteres begründet hätte.“ Der 3. Strafsenat äußerte „nachhaltige Zweifel“ daran, ob sich „die beschuldigten Globalisierungsgegner tatsächlich zu einer Vereinigung im strafrechtlichen Sinne zusammengeschlossen haben“. Bei den Anschlägen und Aktionen handele es sich allerdings „um nicht zu verharmlosende Straftaten“, doch dafür zuständig seien die Strafverfolgungsbehörden der Bundesländer.

Bleibt vielleicht die Frage, ob Frau Harms als Bundesanwältin noch Zeit für anderes im Sinne des Strafgesetzbuches hat, was nicht dem Terrorismus zuzuordnen ist.


Die beiden schlimmsten Terroristen des 19. Jahrhunderts verübten sieben Anschläge gegen die Obrigkeit und erhielten dafür die Todesstrafe: Max und Moritz (rechts) von Wilhelm Busch gezeichnet.
© 2008 Montage von „Nachrichten Heute“

deutschland

Erdbeben in Hamburg – Lärmschutz für A7-Anwohner in Gefahr

onlineredaktion – Das Teilstück der Bundesautobahn zwischen Othmarschen und dem Dreieck Hamburg-Nordwest, der A7, soll überbaut werden. Ziel ist ein Lärmschutz für Anwohner, ein „Deckel“, der aus der Autobahn in diesem Bereich einen 400 Millionen teuren Tunnel machen soll. Doch ohne Zusage vom Bundesverkehrsministerium für die Gesamtkosten wird es keine Bauarbeiten geben können. Die BILD-Zeitung zitierte einen Ministeriumssprecher: „Es gibt keine politische Zusage über 250 Millionen Euro hinaus.“

Noch nicht, oder nie?

Stadtentwicklungssenator Axel Gedaschko (CDU bleibt stur: „Es gibt kein Wenn und Aber. Die Planungen werden so durchgeführt, wie es erforderlich ist“, sagte er dem Hamburger Abendblatt und fügte hinzu, das Gutachten der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) habe erwiesen, nur mit dem Bau des Deckels sei der gesetzlich erforderliche Lärmschutz gewährleistet. Gedaschko: „Einen förmlichen Beschluss des Bundes über die Finanzierung wird es niemals geben.“

Wie? Keine Zusage für die Kostenübernahme? Mauscheleien im großen Stil?

Gedaschko: „Wir haben jetzt den Auftrag, das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Das machen wir.“ Im Rahmen eines sogenannten „Gesehenvermerks“ würden die Planungen dann vom Bund abgezeichnet, sagte er.

Doch Mauscheleien hin und her, der STERN schreibt, genau der Bereich der Autobahn, der überdeckelt werden soll, sei gefährdet. Im Untergrund lauere die Gefahr. Dort, vom Elbufer entlang der A7 türme sich tief unter der Piste ein riesiges Salzgebirge auf, Tausende Meter hoch und steiler als die Alpen. Laut Geologie-Professor Claus-Dieter Reuther von der Universität Hamburg und seinem Team bestünde die Gefahr darin, dass Sicherwasser in das teilweise nur wenige Meter unter der Erde liegende Material Höhlen waschen könnte. Die Folge: Bodenabsackungen und sogar kleine Erdbeben.

Und nun wissen die Hamburger, weshalb ihnen manchmal die Füße zitterten. Es waren nicht ihre Füße, es waren mehrfach kleine Erdbeben.

Angeblich seien die Erschütterungen zu schwach, um Gebäude ernsthaft zu gefährden. Ärgerlich für Hausbesitzer und Bewohner aber sind sicherlich Risse, die sich in Hauswänden nach einem Erdbeben bilden. Kritisch wird es aber für Straßen und besonders für die Autobahn. Georisiken-Experte Reuther befürchtet Auswirkungen auf die Infrastruktur.

Schlimmer noch könnte es kommen, wenn der gefährdete Autobahnbereich ohne Berücksichtigung der Erdbebengefahr überbaut wird. Amtsleiterin Renate Taugs vom Geologische Landesamt gab zu, man wisse gegenwärtig noch nicht wie die Oberfläche der Formation genau aussieht.

Gibt es neue Erkenntnisse der Wissenschaftler über das betreffende Gebiet, sollen diese in Risikokataster für Behörden und Bauherren einfließen. Es sei klar, meint Jürgen Ehlers, Geologe des Hamburger Landesamts, in einem Erdfallgebiet würde er lieber nicht bauen.

deutschland

Deutschlands Raucher – Kopfstand der Egozentriker

Marcel-Franz Paulé – Ab dem 1. Januar 2008 ist die Kippe aus. In Gaststätten darf nicht mehr geraucht werden. Ob es noch Hinterzimmerchen für Raucher geben darf, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Unterstützt von etlichen Privat-TV-Sendern, will ein Häuflein Raucher das nicht akzeptieren. Ausgerechnet sie fordern nun Toleranz von Nichtrauchern, wo sie sich doch Jahrzehnte lang völlig intolerant gegenüber Nichtrauchern verhielten und qualmten, als seien sie vom Teufel getrieben. Da grölten sie den Nichtrauchern Sprüche wie „Wir müssen doch alle einmal sterben!“ oder „Draußen vor der Tür ist noch Platz für Dich!“ um die Ohren. Und nun, im Winter, merken sie mit einem Mal wie kalt es draußen vor der Tür sein kann und nötigten Gastwirte dort Heizpilze aufzustellen, was inzwischen allgemeine Ächtung gefunden hat – wegen der CO2-Emissionen der Außenheizungen angesichts des Klimawandels.

Hätten die Spanier den Azteken doch bloß nicht alles geklaut: Gold, Schokolade und Zigarren. Zigaretten kannten die noch nicht, und ich bin sicher, hätten sie Zigaretten gehabt, es hätte bei denen bald auch ein Rauchverbot gegeben. Hätten die ihre Tobakos, Zigarren, so häufig konsumiert wie Raucher Zigaretten in Deutschland, dann säßen die heute noch auf dem Klo. Aber mal ehrlich: Menschenopfer zählten bei den Azteken zum täglichen Leben. Wer nicht opferte, hatte nichts zu sagen, was ein Außenseiter.

Raucher in Deutschland haben jetzt offensichtlich viel zu sagen, wollen nicht zu dem werden, was Nichtraucher in ihren Augen bisher waren. Was für ein Menschenopfer! Und das Rauchverbot sorgt für erhitze Gemüter. Da qualmen die Köpfe. Deutsche waren schon immer etwas kopflastiger als ihre europäischen Nachbarn…


…und hinterher eine brennende Kippe: Noch immer existiert in den Köpfern vieler Raucher das Bild vom rauchenden Kuhjungen, der zum Macho mutierte. Aber: Besonders junge Frauen rauchen oft und viel.
© Foto: Cecil M. Cavy

Fotos von C.M.Cavy in sternVIEW

deutschland

Pünktlich eingetroffen – Vogelgrippe in Brandenburg

onlineredaktion – Nicht nur in Polen und in Russland gibt es neue Fälle der Vogelgrippe in Zuchtbetrieben, sondern nun wieder einmal – pünktlich zum Weihnachtsfest – in Deutschlands nördlichem Bundesland Brandenburg. Experten sollen nun, wie das Landesagrarministerium am Dienstag in Potsdam mitteilte, klären, weshalb es in diesem Bundesland so häufig – nein, nicht zur Vogelgrippe – zu H5N1-Diagnosen kommt. Dies lässt den Verdacht aufkommen, als wenn künftig Diagnosen auf Anweisung des Ministeriums hin negiert werden könnten.

In diesem Monat soll es schon zwei Ausbrüche bei privaten Geflügelhaltern in den Kreisen Havelland und Postdam-Mittelmark gegeben haben. In der brandenburgischen Ortschaft Blumenthal wurde angeblich der Bestand von 30 Tieren wurde sofort getötet und eine Sperrzone eingerichtet.

Polen – H5N1 in 6 Geflügelzuchtbetrieben