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Polizei in Rostock: „Das waren die Ausländer.“

onlineredaktion – In Rostock herrschte heute früh eine Stimmung wie am Neujahrstag nach einer großen Sylvesterknallerei. Ein stiller Sonntagmorgen. Mitarbeiter der Müllabfuhr sammeln den „Müll“ auf – Flaschen, Steine, Bretter, Eisenstangen, leere Reiz- und Tränengaspatronen mit kyrillischer Aufschrift.

Polizeisprecher Axel Falkenberg verbreitet die Nachricht, unter den vermummten Wütenden hätten sich viele Ausländer beteiligt. Aus dem „Autonomen-Block“ heraus habe die Polizei Bulgaren, Franzosen, Japaner, Österreicher, Russen, Schweden und Spanier festgenommen. Seinen Angaben nach seien rund 2‘000 Gewaltbereite nach Rostock gekommen: „Das waren die Ausländer!“

Manfred Stenner, Mitorganisator der gestrigen Demonstration, ist der Ansicht man könne mit denen gar nicht reden, die seien nur drauf wie Hooligans. Dies zeigten gestern auch Einstellungen eines ARD-Kameramannes: Friedliche Demonstranten versuchten Steinewerfer zurück zu halten und wurden daraufhin von diesen mit Knüppeln attackiert.

Angeblich habe niemand mit einem derartigen Gewaltausbruch gerechnet. Wirklich niemand? Weshalb dann das wahnsinnig hohe Polizeiaufgebot eine Woche zuvor bei der Demonstration in Hamburg? Sie wurde von den Veranstaltern wegen der Übermacht und der Behinderungen der Polizei vorzeitig beendet und von der Polizei der Öffentlichkeit als „Generalprobe“ für die Demos in Rostock und Heiligendamm „verkauft“.

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Rostocker Bilanz – fast 1‘000 Verletzte

onlineredaktion – Noch immer weiß niemand, wie viel Menschen an der Anti-G8-Demonstration in Rostock teil genommen haben. Muss man die vielen Schaulustigen und Rostocker, die von ihren Fenstern bequem zuschauten, dazu zählen?

Aber dennoch gibt es eine traurige Bilanz: Fast 1‘000 Verletzte gibt es nach Angaben von Polizei und Veranstaltern bei den Straßenschlachten in Rostock. 520 Demonstranten wurden demnach verletzt, davon 20 schwer; 433 Polizisten ebenfalls verletzt, davon 33 schwer. In Bezug auf die Zahl der Festnahmen gibt es jedoch widersprüchliche Mitteilungen: Die Polizei erklärte, 125 „G8-Gegner“ seien festgesetzt worden, eine Sprecherin des anwaltlichen Notdienstes sprach dagegen von mindestens 165 Festnahmen. Sie kritisierte, die Polizei habe „unverhältnismäßig viel Gewalt angewandt“.

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Rostock – geheime Staatsbedienstete im „Schwarzen Block“?

onlineredaktion – In Rostock wurden bei schweren Auseinandersetzungen am Rand der Demonstration mit rund 80.000 G8-Kritikern und auch G8-Gegnern ca. 150 Polizisten verletzt. Auch friedlich Demonstrierende sollen verletzt worden sein, teilweise von Demonstrationsstörern, die als „Schwarzer Block“ auftraten.

TV-Aufzeichnungen zeigen, dass Polizei-Besatzungen von Wasserwerfern auf ihre eigenen Kollegen zielten und diese zu Fall brachten. Dabei wie auch durch Attacken mehrerer so genannter „Autonome“ wurden sie teils schwer verletzt. Wütende Zivilisten sollen ein Auto angezündet und Mülltonnen umgeworfen haben. Einige der friedlich Demonstrierenden haben versucht, diese Gewalttätigen zu bremsen und wurden darauf von jenen attackiert.

Am schlimmsten sollen einige ältere Vermummte gewütet haben. Sie werden indes von friedlichen Demonstranten verdächtigt, Polizisten zu sein oder zumindest von der Polizei bezahlt zu werden. Denn: Seit einer Hamburger Demo gegen den früheren Innensenator Schill ist bekannt, dass sich Polizisten schwarz verkleidet unter friedliche Demonstranten mischen und uniformierte Polizisten mit Flaschen und Steinen oder anderen Gegenständen bewerfen und damit friedlich begonnene Demonstrationen eskalieren lassen.

Nach außen hin, besonders für den Presse-Mainstream, sieht es dann so aus, als gebe es unter den Demonstranten einen extrem gewalttätigen Block. Doch sie zählen nicht zu den Demonstranten, sondern sind eine Gruppe, die immer öfter bei friedlichen Demonstration auftauchen und Krieg machen.

Da die Methode inzwischen längst unter Polizisten, die in Uniform zu den Demonstrationen befohlen wurden, bekannt ist, soll es jetzt in Hamburg zu einer Welle von Krankmeldungen gekommen sein. Häufigste Diagnose der krankschreibenden Mediziner sollen „Rückenleiden“ sein.

Nach einer überwiegend friedlichen Demonstration gegen den kommende Woche in Heiligendamm stattfindenden G8-Gipfel eskalierte am Rostocker Hafen die Situation. Gemäß der Polizei kam es mehrmals zu „massiven Angriffen“ aus einer Gruppe von insgesamt bis zu 3.000 teils vermummten und schwarz gekleideten „Demonstranten“, die angeblich grundlos auf Polizisten losgegangen seien. Sie hätten ein Polizeiauto zerstört und mehrere Beamte verletzt, sagte eine Sprecherin. Es kam zu Tumulten, die vom Dröhnen der Polizei-Helikopter und den Sirenen der Rettungsfahrzeuge akustisch begleitet wurden.

Gehwegplatten als Wurfgeschosse
Gegen 17.30 Uhr schien die Hölle ausgebrochen zu sein. Ein Polizeisprecher soll gesagt haben: „Die Autonomen schlagen alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt“. Gehwegplatten wurden herausgerissen, Parkscheinautomaten demoliert. Schwarzer Rauch und Tränengas zogen durch die Straßen wie auch die Polizei, die damit versuchte, die Wütenden zu bändigen.

Laut Polizei gab es auf beiden Seiten mehrere teils Schwerverletzte. 146 Polizisten wurden verletzt, 18 angeblich so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Insgesamt wurden 17 Demonstranten festgenommen, von 49 wurden die Personalien aufgenommen. Viele Demonstranten verließen wegen der Krawalle die friedliche Abschlusskundgebung, die nur wenige hundert Meter entfernt stattfand. Mehrere Schaufensterscheiben im Umkreis gingen zu Bruch.

Die Veranstalter der angemeldeten Demonstration distanzierten sich von den wütenden Demonstrationsgegnern.

Anmerkung vom 4. Juni 2007:
Inzwischen hat die Polizei die Zahl ihrer Verletzten auf 500 erhöht. Am 3. Juni 2007 sollen es noch 433 gewesen sein. Wurden jetzt auch die geheimen Mitarbeiter aus dem Schwarzen Block in die offizielle Polizei-Statistik übernommen? Dann müßten es 67 Verletzte weniger bei den Demonstranten sein. Also nicht 520, sondern 453?

Anmerkung vom 8. Juni 2007
auf die Leserfrage „Gibt es verläßliche Quellen für die Provokateur-Aktivität bei Demos durch Zivilpolizisten?“
In den Archiven von Indymedia-Germany, SPIEGEL-Online, Hamburger Morgenpost, Hamburger Abendblatt etc. zu finden. Es gab auch Gerichtsverhandlungen wegen dieser aggressiven drei Staatsdiener in Zivil aus Thüringen. Der Vorfall hat sich an der Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli ereignet. Laut Hamburger Abendblatt haben sie später vor Gericht sogar falsche Angaben gemacht und sich darüber beschwert, von der Hamburger Polizei verhaftet worden zu sein. In einem anderen, ähnlichen Fall ging es um zwei Zivilpolizisten aus Schleswig-Holstein, die bei einer so genannten „Bambule“-Demo, von einem Polizisten geschlagen wurden: „mit seinem „Tonfa“-Schlagstock“. „Ohne rechtfertigenden Grund, so die Staatsanwaltschaft, und dies, obwohl die Zivil-Beamten sich zuvor den Ermittlungen zufolge mit einem Codewort zu erkennen gegeben hatte.“ Tja, Kleider machen Leute! Da nützen Codewörter dann nicht mehr viel. Vor allem dann, wenn verkleidete Polizisten als aggressiv auffallen. Einem Hamburger Pressefotografen, der den Vorgang angeblich fotografiert hatte, wurde die Wohnung daraufhin durchsucht und Fotos beschlagnahmt. Was aus jenem Fall wurde, wissen wir aber leider nicht.

Mitteilung aus einem Forum:
falco 07.06.2007 – 19:46
Natürlich gibt es polizeiliche Provokateure nicht zum ersten Mal: In
Hamburg war es so, dass Thüringer Polizeibeamte ihre Kollegen arg verprügelt und zugerichtet haben, weil sie das Kennwort „Nebel“ nicht kannten oder verstanden haben. Es kam in Hamburg zum Prozess, in dem der Vizepräs. der Polizeidirektion aus Thüringen seine Beamten schützen und die Provo-Affäre klein halten wollte, indem er ihnen zunächst keine Aussagegenehmigung erteilt hat. Das als Hintergrund zu dem Geschehen beim G-8-Gipfel.

Neu am 7. Juni 2007:
Rostock 2.6. – Simultane Aggression um 15:00 Uhr
Auf Handzeichen – Rostock und die eskalierte Demo

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Rostock – Streit um die Zahl die Demonstranten

onlineredaktion – Auffälliges Merkmal bei den Demonstrationen gegen den G8-Gipfel sind die unterschiedlichen Angaben über die Anzahl der Teilnehmer. Wahrscheinlich zählt sie niemand wirklich oder will sie nicht zählen. Seitens der Polizei gibt nur Schätzungen – Schätzungen, die zu Fehleinschätzungen der Polizei führen können und führen.

Monty Schädel, der Organisator der Demonstration in Rostock, hatte 100.000 Teilnehmer angemeldet, die Polizeiführung spricht dagegen von nur 25.000 Demonstrierenden, die eine Stunde lang friedlich durch die Rostocker Innenstadt zogen. Unser Autor Michael Schulze von Glaßer hörte dagegen, unter den Teilnehmern kursiere die Zählung von 80.000 Teilnehmern. Unter den friedlich Demonstrierenden sei plötzlich der so genannte „Schwarze Block“ hervorgetreten, habe sich formiert und die Polizei massiv angegriffen. Jetzt, nach der Schlußkundgebung, den Momenten der Ruhe, gebe es wieder Ausschreitungen.

Der STERN berichtet darüber, dass der Organisator der Demonstration, Monty Schädel, verletzt wurde, als er Tränengas in die Augen kriegte. „Das ist hirnverbrannt und dumm“, soll Schädel zu stern.de gesagt haben. „Warum müssen die mit 20 Polizisten auf die Demonstranten losgehen. Entweder sie machen das massiv und holen alle Störer raus. Oder sie lassen das bleiben. Das ist nichts anderes als eine Provokation.“

Nach Darstellungen von SPIEGEL-Online sollen Wasserwerfer aufgefahren sein und Autos brennen: Die Polizei stürmte mehrmals auf dem Kundgebungsplatz weit in die Menschenmenge hinein, schleppte einzelne Personen heraus, während der hintere Teil der Demonstration noch auf den Platz nachdrängte. Einige Beamte wurden eingekesselt. Die Gewalt sei von einer Gruppe militanter Autonomer ausgegangen, rund 2000 insgesamt.
Dabei hatte Kanzlerin Merkel am 26. Mai 2007 noch gesagt, Gewalt sei kein Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele.

Gilt ihre Behauptung nur für jene, die nicht wie sie die Regierungsmacht haben und ohnmächtig zusehen müssen, wie die Mächtigen mit ihrer Gewalt eine Welthandelspolitik durchsetzen, die arm an sozialen Freiheiten und Demokratie ist und die die Umwelt mittels ihrer Habgier massiv schädigen?

Ein breites Bündnis von Gruppierungen hatte zu dem Protest in Rostock aufgerufen – darunter Umwelt-, Entwicklungs- und Kirchenorganisationen ebenso wie Attac, Linkspartei und Grüne.

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Heiligendamm – Seemine vor G8-Tagungshotel

onlineredaktion – Ausgerechnet vor dem G8-Tagungshotel in Heiligendamm, innerhalb des acht Seemeilen umfassenden Sperrgebiets, das die Polizei zum Schutz des Hotels eingerichtet hat, wurde eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg in der Ostsee entdeckt. Versuche von Spezialisten der Marine schlugen gegen Mittag des heutigen Sonnabends fehl, die Mine mittels Sprengung zu entschärfen. Der Sprecher G8-Polizeieinheit „Kavala“, Axel Falkenberg, äußerte sich daraufhin dahin gehend, die Mine sei nicht scharf und deshalb könne sie in diesem Zustand auf dem Meeresgrund in einer Tiefe von rund 25 Meter bleiben; der Fund sei „nichts Besonderes“, solche Minen gebe es angeblich noch viele in der Ostsee.

Für den Sprengversuch hatte die Marine eine mit einer Sprengladung beladene Unterwasserdrohne – ein ferngesteuertes Mini-U-Boot – an der Mine angedockt und diese gezündet, doch die Mine explodierte daraufhin nicht.

Kritiker bezweifeln, ob dieser Entschärfungsversuch der einzig Richtige war und ob die daraus gewonnene Erkenntnis, die Mine sei „nicht scharf“, treffend ist. Axel Falkenberg war zuvor in einigen Fernsehsendungen durch inkompetente Äußerungen zum G8-Gipfel aufgefallen.

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Rechtslastige Regierungsbetonköpfe: „Opposition ist Terrorismus“

Michael Schulze von Glaßer – Das wirkt paranoid: Die deutsche Regierung hat noch immer keine eindeutige Definition des Begriffs „Terrorismus“ abgegeben. Zufall oder Absicht?

Wahrscheinlich ist es nicht einfach eine Definition von „Terrorismus“ abzugeben, in diesem Land der Nachbarschaftsstreitigkeiten, der Maschendrahtzaun-Kleinbürger und Nichtigkeiten-Streiter. Vielleicht deshalb einigten sich im Dezember 2001 die EU-Justizminister auf eine vage Definition des Begriffs. Doch leider gibt es dennoch keine verbindliche und zufrieden stellende „Terrorismus“-Definition, weder auf EU noch auf deutscher Bundesebene.

Wozu dies führen kann, zeigt sich in der Debatte um die (rechtsextremistischen) Gegner des G8-Gipfels: Diesen wird teilweise der Verstoß gegen den Paragraphen 129a des Strafgesetzbuches – „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ – vorgeworfen – ohne dass es eine klare Definition von „Terrorismus“ gibt. Es hat den Anschein, als hege die Bundesregierung auch gar kein Interesse an solch einer Definition, immerhin hatte sie jahrelang Zeit eine solche Definition zu erarbeiten, und die Regierung ist voller rechtslastiger Betonköpfe. So waren von den Razzien gegen G8-Kritiker vor allem politisch linke Gruppen und Einzelpersonen betroffen. Die Tatsache, dass gerade diese politische Gruppe der Regierung schon lange ein Dorn im Auge ist, sollte kein Geheimnis sein, und die fehlende „Terrorismus“-Definition lässt die Anti-Terror-Gesetze leicht auf unerwünschte politische Gegner übertragen.

Unter dem Vorwand „Terrorismus“ zu bekämpfen wird die Opposition terrorisiert und das Ausmaß dieser scheinheiligen „Terrorismusbekämpfung“ zieht immer größere Kreise: Angefangen hat es mit Telefonüberwachung und Bespitzelung. Außerdem kündigte der Inlandsgeheimdienst schon frühzeitig an, Gruppen von Gipfelgegnern zu unterwandern und zahlreiche V-Leute in die Szene zu schleusen. Ein Höhepunkt der Repression gegen die G8-Kritiker waren bundesweite Razzien Anfang Mai.

Wie weit die selbsternannten Anti-Terror-Kämpfer unter ihren Vorreitern Wolfgang Schäuble (CDU) und Franz-Josef Jung (CDU) noch gehen werden, lässt sich nur erahnen. Mittlerweile werden ganze Briefverteilerzentren nach möglicher Post von G8-Gegnern durchsucht. Des Weiteren sollen G8-Kritiker erst kürzlich GPS-Peilsender an ihren Autos entdeckt haben. Die Angst und Paranoia der so genannten „Sicherheitskräfte“ macht selbst vor den Methoden der ehemaligen STASI nicht halt und nimmt Geruchsproben von Oppositionellen. Dabei muss bedacht werden, dass all diese Maßnahmen rein präventiv und in den meisten Fällen ohne konkreten Verdacht durchgeführt werden. Und noch hat der G8-Gipfel in Heiligendamm nicht begonnen.

Natürlich gibt es einige militante Antagonisten des G8-Gipfels. Und die Gefahr, dass den Polizisten in diesem Jahr abermals Steine entgegenfliegen werden, besteht. Aber solch umfangreiche Maßnahmen sind der Situation bei weitem nicht angemessen.

Noch beim EU-Russland-Gipfel stand die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Meinungsfreiheit und das Recht auf Demonstration ein und wirkte sogleich unglaubwürdig. Wie der russische Präsident treffend anmerkte, gebe es in Deutschland schließlich auch reichlich undemokratische Repressionen gegen Oppositionelle.

Die fehlende Definition von „Terrorismus“ und die fehlende Abgrenzung von „Terrorismus“ und Opposition können zu einer neuen Hexenjagd führen, bei der Jeder Jeden des „Terrorismus“ bezichtigt. Gipfel-Kritiker stellen indes die Frage: „Sind wir nicht alle ein bisschen 129a?“

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Blanke Nerven vor G8 – Polizist zieht Dienstwaffe

Stephan Fuchs– Offensichtlich liegen die Nerven in Hamburg vor dem G8-Treffen blank. Wie das Video zeigt, verliert ein von seinen Kollegen verlassener Polizist die Nerven, nachdem er von Jugendlichen provoziert wurde: Er zieht die Waffe, die er demonstrativ offen zeigt. Verständlicherweise steht Unsicherheit in seinem Gesicht, er sucht sich Rückendeckung über das Polizeifahrzeug. In dem Moment zerschmettert ein Wurfgeschoss am Fahrzeug. Der Polizist ist – offensichtlich alleine – nicht in der Lage die Situation selbst unter Kontrolle zu bringen. Er lässt sein Schild fallen und steigt in den Wagen. Dabei hat er wohl richtig reagiert. Unter diesen Umständen könnte es in Deutschland allerdings Tote geben.

Dumme G8-Medien
Das magische Finale – Sind Drogerie-Schlecker und Harry Potter G8-Gegner?
Die Macht der reichen G8 (3) – Zwischen Güte und Eigeninteresse
Die Macht der reichen G8 (2) – Der Gipfel als Katastrophe
Die Macht der reichen G8 – Ohnmacht für den armen Rest der Welt
Gipfelstürmer, Einschüchterung und PR-Strategen
Die Macht der reichen G8 (2) – Der Gipfel als Katastrophe
Konzentrationslager für G8-Kritiker
Glosse: The Day After Soli
Terrorverdacht: Bundesweite Razzien gegen G8-Gegner
Hamburger Polizei will G8-Gegner „abfischen“
Jacques Chirac: „Der Planet ist krank“

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Dumme G8-Medien

Michael Schulze von Glaßer – In den letzten Monaten wurde in den Mainstream Medien vermehrt über den G8-Gipfel und seine Kritiker berichtet. Umso erstaunlicher, dass diese Presse den Unterschied zwischen Globalisierungsgegnern und Globalisierungskritikern immer noch nicht so recht verstanden hat. So sprechen sogar die öffentlich rechtlichen von Globalisierungsgegnern wenn sie Kritiker des G8-Gipfels meinen.

Globalisierungsgegner?
Es gibt nur eine relativ kleine politische Gruppe die „Globalisierung“ ablehnt und die somit als Globalisierungsgegner bezeichnet werden kann – Rechtsextremisten. Für den 2.Juni 2007 hat die rechtsextreme NPD einen Aufmarsch unter dem Motto „Gib 8 – Es gibt keine gerechte Globalisierung“ in der Mecklenburg-vorpommerischen Landeshauptstadt Schwerin angemeldet. Auf einem kürzlich im SPIEGEL erschienen Foto lichteten sich die Rechtsextremisten mit einem großen Transparent „Globalisierung ist Völkermord“ ab – trotzdem wirft auch der SPIEGEL die Globalisierungskritiker und die rechtsextremen Globalisierungsgegner in einen Topf.

Globalisierungskritiker?
Das gros an Menschen die gegen den G8-Gipfel protestieren werden ist, mit Ausnahme der rechtsextremen Globalisierungsgegner, wohl am besten als Globalisierungskritiker zu bezeichnen. Diese Menschen sehen in „Globalisierung“ etwas positives, kritisieren jedoch die neoliberale Art heutiger Globalisierung. Selbst die wohl bekannteste globalisierungskritische Organisation, attac, wird in den Mainstream Medien oft als „Globalisierungsgegner“ bezeichnet.

Fazit
Es mögen nur wenige Buchstaben sein die Globalisierungsgegner und Globalisierungskritiker unterscheidet doch inhaltlich liegen Welten zwischen den Bezeichnungen. Dieses Phänomen kann als gutes Beispiel für die Qualität von Medien genommen werden – was ein vernichtendes Urteil für die deutschen Massenmedien wäre!

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Das magische Finale – Sind Drogerie-Schlecker und Harry Potter G8-Gegner?

onlineredaktion – Die taz schreibt, Polizei und Verfassungsschutz hätten in Hamburg gezielt die Post mehrerer Stadtteile durchsucht, um noch vor G8-Gegnern und einer Straftat am Tatort sein zu können. Den DHL-Briefkastenentleerern sollen sogar aus dem Kasten heraus Briefe entnommen worden sein – von Kriminalisten. Datenschützer bezweifeln, ob diese Stasi-Methode übereifriger Polizisten wirklich mit dem Paragrafen 129a des Strafgesetzbuches („Bildung einer terroristischen Vereinigung“) gedeckt sind. Der Staatsrechtler und Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, Norman Paech, sagte: „Sollte dies durch einen gerichtlichen Beschluss gedeckt sein, dann haben die Richter jedes Maß für Grundrechtsschutz verloren.“

Hat die Neugier des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA) sowie des Bundeskriminalamtes (BKA), deren Sprecher zu den Aktionen schweigen, als ginge es um den Inhalt des letzten Buches der Harry-Potter-Serie, wirklich mit den G8-Gegnern und G8-Kritikern zu tun? Oder hoffen sie das Manuskript des Buches zum „magischen Finale“ aus der Post zu fischen? Immerhin fanden die Postschnüffeleien in Bezirken wie Altona und Ottensen statt, und in Ottensen hat der Carlsen-Verlag sein Domizil. Aber hat der Carlsen-Verlag das Manuskript nicht längst erhalten, um es dem Übersetzer Klaus Fritz zu überlassen? Gibt es Hinweise, dass Harry Potter ein G8-Gegner ist? Auf die Gefahren seiner Zauberei hatte schließlich schon der Papst erzürnt hingewiesen.

Ein reges Interesse zeigen die beamteten Schnüffler nach Information der taz neuerdings auch für die Drogeriekette Schlecker. Die soll angeblich in Zusammenhang mit G8-Kritikern bzw. mit deren Aktionen stehen. Schlecker, ein Unterstützer der Brandanschläge? Oder ist Schlecker jetzt auch ein Opfer der polizeistaatlichen Methoden des Hamburger Innensenators Nagel, der sich einst von einem seiner Vorgänger, dem Rechtspopulisten Schill, als Polizeichef nach Hamburg holen ließ? Und alle Polizeiaktivität nur deshalb, weil es dort, in den Filialen von Schlecker, viele zauberhafte Waren gibt?

Übrigens: Harry Potter wird am 27. Oktober 2007 auf dem Markt kommen. Die Schweizer Post sucht dafür schon jetzt Freiwillige. Vor zwei Jahren standen 1.500 Mitarbeitende der Post im Einsatz, um in den frühen Morgenstunden 7.000 Exemplare an die ungeduldigen Leseratten auszuliefern. Die Deutsche Post, DHL, wird sicherlich auch zusätzliche Arbeitskräfte brauchen. Wäre das nicht für Herrn Nagel und viele seiner eifrigen Polizisten eine vorzügliche Möglichkeit, um an richtig brisante Informationen zu gelangen?

taz – Die Polizei schnüffelt in der Post
taz – Fahnder in der Drogerie

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Polizei verhilft altem Kampflied der Arbeiter zu einer Renaissance

Karl Weiss – Kaum zu glauben, aber wahr. Wenn es der ‚Stern’ bringt – der hat bestimmt kein Interesse, so etwas zu erfinden. Das Singen der Internationale, einem Kampflied der Arbeiter aus dem 19. Jahrhundert, das weiterhin sehr frisch klingt, hat einer Gruppe von Kritikern des G8-Gipfels einen unfreiwilligen Gefängnisaufenthalt eingetragen.

Private Sicherheitskräfte hatten angerufen bei der Polizei, weil vor dem Hotel in Heiligendamm, in dem im Juni die G8-Herren tagen wollen, eine Gruppe die Internationale sang. Wurden sie etwa von der Polizei belehrt, man darf in Deutschland die Internationale singen? Nein!

Ganz im Gegenteil, die Polizei ließ die Truppe „Kavala“ eingreifen, die auf die Verfolgung von G8-Gegnern spezialisiert ist. Am Ortsausgang von Heiligendamm passte diese Einsatztruppe die Sangeskünstler ab. Die Personalien wurden festgestellt, die Personen durchsucht. Man erklärt offen, es ginge um das Singen der Internationale. Es stellte sich heraus: Die musikfreudigen Herren waren Wissenschaftler und Studenten aus mehreren Ländern.

Einer von ihnen war aus Rostock, Martin Krämer, seines Zeichens Doktor der Agrarwissenschaften, 35 Jahre alt. Auf die Frage, ob es denn seit neuestem verboten sei, die Internationale zu singen, wurden die Polizisten fuchtig. Er und ein anderer Sänger wurden festgenommen und aufs zuständige Polizeirevier in Bad Doberan gebracht. Sie seien ein Sicherheitsrisiko.

Chorknaben und Russen
Unter den Chorknaben waren auch Russen. Sie mobilisieren einen Duma-Abgeordneten in Moskau. Der hat einen Draht zu Putin. Der musste sich genau zu diesem Zeitpunkt gerade von Frau Merkel anhören, Russland sei keine Demokratie, denn man verfolge Oppositionelle, die Demonstrationen machten. Alle wissen, was er geantwortet hat.

Kurz danach werden die Festgenommenen schnell entlassen. Wenn internationale Diplomatie betroffen ist, dann sind die Sangesfreudigen plötzlich kein Sicherheitsrisiko mehr.

Wer hätte das gedacht, die Internationale! Sie war in Frankreich entstanden, unmittelbar nachdem die Pariser Kommune, der erste sozialistische Staat, im Blut ertränkt worden war.

Wer also geglaubt hatte, die Internationale sei vielleicht schon etwas verstaubt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Sie ist der Staatsmacht des gerade in Entwicklung befindlichen Obrigkeits- und Überwachungs-Staates in Deutschland ein Dorn im Auge, und offenbar ein gewaltiger.

Also, nun wissen wir, wie wir sie erinnern können, das WIR das Volk sind: Die Internationale, so aktuell wie je. Man braucht auch kein Arbeiter zu sein, um sie zu singen, aber speziell die Arbeiter sollten sie erneut zu ihrer Hymne machen. Die Politiker-Kaste und ihr Gewaltapparat versteht auf Anhieb, was gemeint ist. Das ist toll.

Für alle, die eventuell noch nicht vertraut mit dem deutschen Text sind, hier ist er:

Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit den Bedrängern!
Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
Alles zu werden, strömt zuhauf!

|: Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht. 😐

Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte,
Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!

|: Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht. 😐

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei’n
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muss unser sein;
Unser Blut sei nicht mehr der Raben,
Nicht der nächt’gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben
dann scheint die Sonn‘ ohn‘ Unterlass!

|: Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht. 😐