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SocGén-Skandal: Hatte die russisch-ukrainische Mafia ihre Finger im Spiel?

World Content News – Hinter dem französischen Bankenskandal um die Société Générale mit dem Milliarden-Spekulationsverlust, der nach Ansicht mancher Experten für den Börsencrash im Januar mit verantwortlich gewesen sein soll, steckt offenbar auch eine international operierende Geldwäsche-Mafia. Es wird zwar im Moment noch betont, dass dies nichts mit dem Fall des Aktienhändlers Kerviel zu tun habe, möglicherweise war aber die Großbank selbst eine aktiv genutzte Zweigstelle des organisierten Verbrechens.

Jetzt sind zwei russische Altmetallhändler ins Visier der Ermittler geraten, die auch im Verdacht stehen, für zahlreiche Skandale der Neuzeit gesorgt zu haben, sogar ein Auftragsmord wird ihnen nachgesagt. Die Milliardärs-Brüder Chernoy (Chyorny) sollen dafür gesorgt haben, dass über Scheinfirmen Hunderte von Konten bei der SocGén eröffnet wurden, über die Schwarzgelder aus Russland gewaschen worden sind, die anschließend in große Immobilienprojekte in Paris investiert wurden.

Die Internet-Seite von „Moscow Times“ berichtete am Donnerstag:

[2 Russians Seen in SocGen Fraud Case. Societe Generale, the French banking giant hit by a $7.3 billion trading scandal, has alerted the French authorities to a case of suspected money-laundering through the bank involving two Russian businessmen, a French newspaper said Tuesday.
The bank passed the French Finance Ministry its findings from an internal investigation last week, after it noticed suspicious transactions involving several accounts, which were being used to channel hundreds of millions of euros into real estate projects in and around Paris, Le Parisien reported.
SocGen’s investigators found about 800 accounts held with the bank that were registered to front men or companies acting on behalf of two brothers, the paper said. …
… Among Russia’s most famous sibling duos are the Chyorny brothers, Lev and Mikhail, who came to prominence in the country’s aluminum industry with the Rueben brothers‘ London-based TransWorld Group, and the Zhivilo brothers, who were major shareholders in the Novokuznetsk aluminum plant in Western Siberia.

A Moscow-based spokesman for Lev Chyorny on Tuesday denied that the brothers could be involved in the French investigation. …]
(—> ganzer Artikel)


Aluminium-Magnat Michael Cherney / Chernoy / Chyorny (56)

Auch der „Spiegel“ zitiert einen ursprünglichen Bericht der Zeitung „Le Parisien“, nennt aber wie andere wohlweislich keine Namen:

[Geldwäsche-Vorwürfe gegen Société Générale. Neue Anschuldigungen gegen die Société Générale: Einem Zeitungsbericht zufolge wurde bei der Bank im großen Stil Geld gewaschen. Über Hunderte Konten sollen Strohmänner und Scheinfirmen Millionen von Euro verschoben haben. Die Bank wollte dies nicht kommentieren.
… Der Fall habe mit den Spekulationen des Händlers Jérôme Kerviel nichts zu tun, der dem Institut einen Handelsverlust von 4,82 Milliarden Euro beschert hatte, heißt es in dem Bericht. Demnach wurde über die Bank vermutlich seit 2006 Geld gewaschen, das teilweise in große Immobilienprojekte in Paris geflossen sein soll.
Gewaschen wurde das Geld laut Bericht über mindestens 800 Konten, die in der französischen Hauptstadtregion von Strohmännern oder Scheinfirmen in Société-Générale-Filialen eröffnet worden sind. Mehrfach hätten Nachforschungen ergeben, dass hinter ihnen zwei reiche Brüder aus Russland stehen, die „in London leben, in der Aluminiumbranche ihr Geld verdienen und ihre Kontakte zur russischen Mafia stets negiert haben„. Über zwei Jahre soll das Geldwäschenetz aufgebaut worden sein, berichtet die Zeitung. …]
(—> ganzer Artikel)

Erst vor wenigen Wochen hatte sich World.Content.News in einem anderen Zusammenhang näher mit den Chernoy-Brüdern beschäftigt, als es um den abgestürzten Guantanamoflieger N987SA ging, der in Mexiko mit knapp vier Tonnen Kokain an Bord vom Himmel fiel:

[… Von Okt. 2005 – August 2007 wurde die N987SA von einer anderen Leasing-Firma betreut: Air Rutter International. Den Vorsitz dieser Firma hatte ein gewisser Arik Kislin inne, dessen Onkel Semion Kislin wiederum Hotel-Geschäftpartner von Achenbaum war und dem Verbindungen zur russisch-ukrainischen Mafia nachgesagt werden. Semion „Sam“ Kislin betrieb gemeinsam mit den Brüdern Michael and Leo Chernoy (Schreibweisen auch: Cherny, Cherney, Chornoy, Chernoi, Chyorny, Tcherny, etc. ) die Firma TransWorld Commodities. Und die haben es in sich:

In Switzerland, Michael was briefly arrested and interrogated as a suspect in an organized crime case. (A probe there against him is still under way.) In England, Operation Copperfield (perhaps named for David Reuben) led British intelligence agents to connect the Chernoys to Vyacheslav Ivankov, the jailed „godfather“ of the American arm of the Russian mafia. The agents found that 25% of the phone calls from Trans World’s London offices went to apparent mob figures involved in money laundering, drugs, and gem smuggling. (David: „I would be grateful if you could get them to give you a single phone number, because it must be a mistake.“ The Brits: No comment.) In Russia, one government investigator linked the Chernoys to the cycling of funds from drugs and car thefts through retail stores and on to London, but complained that the scale of the scheme was too vast to grasp, according to the Copperfield report. The Russian Interior Minister, without a money-laundering law to back him up, asked the FBI for help. (Quelle: Red Mafia and its connectivity).

Die Chernoy’s hatten eine Meldeadresse bei Arik Kislins Firma Blonde Management. Michael Chernoy, der auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, ist in den österreichischen BAWAG-Skandal verwickelt, in den IOC-Skandal und ihm wird sogar ein Mordauftrag an seinem bulgarischen Partner von Mobilcom nachgesagt. Und er hat Beziehungen: Die österreichische Ex-Außenministerin und heutige EU-Kommissarin Ferrero-Waldner setzte sich für ihn für ein Einreisevisum nach Österreich ein, in den „Salzburger Nachrichten“ verschwand ein Absatz aus einem Artikel, in dem ursprünglich sein Name erwähnt wurde. Sein Werdegang auf Wikipedia ist plötzlich glatt wie ein Kinderpopo (Anmerkung: bis vor kurzem, mittlerweile wieder entsprechend aktualisiert!) im Gegensatz zur Ursprungsversion. Eben alles irgendwie geheim…. ]
(—> ganzer Artikel)

Ob angesichts dieser Erkenntnisse jetzt da wohl der Bär tobt? Wahrscheinlich nicht, denn die Chernoys haben mächtige Protektoren, angefangen vom russischen Präsidenten Putin bis hin zur israelischen Regierung. Milliardäre dieses Schlages haben es schon immer verstanden, sich aus allen Affären zu ziehen.

News:
Spekulant Jérôme Kerviel sitzt in Untersuchungshaft
(Tagesspiegel, 09.02.2008)
Mutmaßlicher Mitwisser Kerviels festgenommen
(Spiegel Online, 08.02.2008)
Geldwäsche bringt Société Générale neuen Ärger
(Die Welt, 07.02.2008)
Es kommt noch dicker (n-tv, 07.02.2008)
Austro-Banken an Société Générale-Teilen dran
(OÖ Nachrichten, 07.02.2008)
Kerviel behauptet, Vorgesetzte wussten bescheid
(wirtschaft.t-online.de, 30.01.2008)

Themenverwandte News:
Die Gazoviki, das Geld und die Gier (Stern, 22.09.2007)
Liechtenstein contra Gazprom (Stern, 10.10.2007)
Gerhard Schröders Firma und die Sekte (Stern, 08.02.2008)
Schweizer Bank wollte mutmaßlichem Hochstapler 3,5 Milliarden Dollar geben (Spiegel Online, 08.02.2008)

linkDieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

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Mongolei aufgewacht – rote Karte für ehemaligen Drogenhändler und Umweltverschmutzer Friedland.

Dr. Alexander von Paleske – Die Regierung der Mongolei hat, wie gestern gemeldet wurde, beschlossen, die im Juni letzten Jahres abgeschlossene Vereinbarung der Mongolei mit der „Toxic Bob“ Friedland-Firma Ivanhoe nun doch nicht zur Ratifizierung vorzulegen.

Auf der Website der Firma Ivanhoe zeigt sich Friedland bereits im mongolischem Outfit – etwas zu früh, wie sich jetzt herausstellt.

Der Außenminister der Mongolei gab bekannt, ein Team von Kabinettsmitgliedern und Parlamentsabgeordneten solle gebildet werden, um über die Revision des Vertrages über das Oyu-Tolgoi Projekt zu beraten. In diese Beratungen solle auch die Europäische Entwicklungsbank eingeschaltet werden. Es ist das positive Resultat der Massenproteste gegen den Ausverkauf der Reichtümer der Mongolei.

Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg des Herrn Friedland ist erst einmal gestoppt.

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Global Player – Robert Friedland in Guayana und auf den Spuren von Dschingis Khan

Dr. Alexander von Paleske —27.12. 2007— Über den aufregenden Lebensweg dieses Drogenbarons, der zum Minenbaron mutierte, wurde hier schon berichtet. Angefangen hatte es in Porttland/USA, zum Anbeginn seiner Karriere als Geschäftsmann, als er angeblich 8.000 LSD-Trips an einen Kunden verhökern wollte; dummerweise war es ein Undercover-Agent. Ein Strafverfahren war die Folge davon, und dem Richter im Strafprozess empfahl er, vor einem Urteil erst einmal das wunderbare LSD zu schlucken. Der Richter schickte, ohne zu schlucken, Friedland ungerührt ins Gefängnis und nannte ihn einen skrupellosen Geschäftemacher. Das sollte er auch bleiben, wie die Umweltkatastrophe in Summitville zeigte.

Guayana: Für Friedland Gold-Glück, für die Umwelt Zyanid-Tragödie
Kurz nach dem Summitville-Desaster, der größten Umweltkatastrophe der USA im Zusammenhang mit dem Schürfen von Rohstoffen, ging es weiter, diesmal nach Guayana in Lateinamerika. Dort hatte die Weltbank die Regierung unter Druck gesetzt, Minengesellschaften ins Land zu lassen. Die Regierung gab schließlich dem Druck nach und so kam Robert Friedland mit der Firma Gold Star zum Goldschürfen ins Land. Gold Star gewinnt in der Omai-Mine mit derselben hochprofitablen und hochgefährlichen Methode des „Heap Leaching“ das Gold: Die Beregnung der Gesteinsbrocken mit einer Zyanid-haltigen Flüssigkeit. Und es kommt, wie es schon in Summitville kommen musste.

Im Jahr 1995 endet die Minentätigkeit in der Omai-Mine mit einem Desaster. Wieder ist es Zyanid was ausläuft, diesmal in den Essequibo-Fluss, 4 Millionen Liter Zyanid-haltigem Abwasser sollen es gewesen sein. Den Fischen und Krokodilen dort soll das gar nicht gut getan haben. Friedland jedoch hatte sich rechtzeitig vorher abgesetzt; wie seinerzeit in Summitville. Aber anders als in den USA braucht hier die Firma Gold-Star keinerlei Schadensersatz zu leisten. Es lohnt sich eben, in der Dritten Welt dank fehlender Umweltschutzgesetze zu investieren.

Im Dschingis-Khan-Land
Nun ist er in der Mongolei unterwegs, und die Wirtschaftsblätter, einschließlich des deutschen „Handelsblatt“, jubeln.

Zunächst kaufte er der Regierung Schuldscheine ab, im Wert von 50 Millionen Dollar. Kleine Geschenke begründen Freundschaft. Die Schuldscheine datierten noch aus der Zeit der Sowjetunion. Aber, wie bereits hier berichtetet, werden derartige Schuldscheine gerne von Geierfonds aufgekauft, die dann gnadenlos das Geld eintreiben. Und Friedland ist ein Minenunternehmer und natürlich kein Geierfond.

Die Regierung der Mongolei zeigte sich dankbar. Obwohl die Rohstoffreserven (Gold und Kupfer) in Oyu Tolgoi auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt werden, und die Investitionskosten nur 1 Milliarde betragen, sollte Friedland und seine Ivanhoe für drei Jahre völlige Steuerfreiheit haben und später nur Abgaben dann leisten müssen, wenn die Rohstoffpreise über einem gewissen Level lägen. Was könnte schöner sein, für einen Investor! Die Bevölkerung der Mongolei sah dies natürlich völlig anders.

Im Frühjahr 2006 gab es Massenproteste wegen der befürchteten Umweltschäden und weil die Schürfrechte in Oyu Tolgoi nur für Friedland und Ivanhoe vorteilhaft waren, aber nicht für die lokale Bevölkerung. Am 18. April 2006 marschierten mehr als 12.000 Anhänger verschiedener Bürgerbewegungen zum Regierungsgebäude und forderten Regierung, Präsident und Parlament zum Rücktritt auf.
Unter Beifallsstürmen verbrannten sie Papierpuppen, die Robert Friedland, Staatspräsident Nambaryn Enchbajar, Ministerpräsident Mijegombyn Enchbold und den Parlamentspräsidenten Tsendiin darstellten. Sprecher der Demonstranten warfen Friedland und seiner Firma Ivanhoe vor, die Rohstoffe des Landes auszubeuten zu wollen, ohne dass das Land gebührend am Gewinn beteiligt würde. Sie forderten Friedland auf das Land zu verlassen.

Die Mongolei aber ist nicht Burma. Diese Lektion sollte Herr Friedland jedenfalls verstanden haben.

Friedlands Privatvermögen wird mittlerweile auf 1 Milliarde Dollar geschätzt – macht Platz 644 auf der Reichenliste des Forbes-Magazins. Friedland – ein wahrlich erfolgreicher Geschäftsmann, aus bescheidenen Anfängen hochgearbeitet. Ein „American Dream“ wurde Wirklichkeit.

Global Player – Ex-Drogenhändler Robert Friedland und seine Spießgesellen

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Global Player – Ex-Drogenhändler Robert Friedland und seine Spießgesellen

Dr. Alexander von Paleske —25.12. 2007 — Bei der Jagd nach Rohstoffen im Globalmaßstab, ob in Asien, Afrika oder den USA, haben wir ausführlich über die Firma Barrick Gold geschrieben sowie den ehemaligen Inhaber einer Söldnerfirma und Minen-Baron (Heritage Oil) Tony Buckingham. Wir wollen aber andere Global Player auf diesem Gebiet nicht unter den Tisch fallen lassen, deren Gier nach Profit sie um den Erdball treibt – oftmals unter Hinterlassung gewaltiger Umweltschäden und ohne dass die lokale Bevölkerung von ihrem eigenen Reichtum an Rohstoffen davon profitieren würde.

Eine ganz prominente Persönlichkeit auf diesem Gebiet ist Robert Friedland, auch als „Toxic Bob“ bekannt.

Lehrjahre in den USA
Robert Friedland stammt aus Chicago. Nach dem Schulbesuch schreibt er sich im Bowdoin-College im US-Bundesstaat Maine als Student ein, und beginnt zügig seine Karriere als Geschäftsmann. Er handelt mit Drogen, vorwiegend LSD, seine Geschäftsbasis ist das Studentenwohnheim, bis er eines Tages von Kriminalbeamten in Zivil geschnappt wird und vom College fliegt. Sein weiterer aufregender Lebensweg führte ihn in eine Hippie-Kommune und bei seinen Exkursionen außerhalb der Kommune stolperte er über eine verlassene Goldmine. In dem Sand glitzerte etwas – Gold – und da beschloss er, statt des uneinträglichen Hippielebens, sich nun sich der einträglichen Tätigkeit eines Minenbarons zuzuwenden. Zügig kaufte er Goldminen. Hier verdient besonders eine Goldmine im Bundesstaat Colorado Erwähnung.

Die Summitville-Mine
Die Mine, erstmals im Jahr 1870 in Betrieb genommen, war verlassen worden, weil der Goldgehalt das Schürfen nicht lohnte. Friedland mit seiner Firma Galactic-Resources fand eine billige und gleichzeitig für die Umwelt hochgefährliche Methode mit dem hochgiftigen „Heap Leaching Prozess“, was das Goldschürfen in Summitville wieder hochprofitabel machte. Das Gestein wurde aufgetürmt und dann mit einer Zyanid haltigen Flüssigkeit beregnet, womit das Gold extrahiert wurde. Die Zyanid haltige Flüssigkeit wurde dann in einem Becken aufgefangen. Ein Teil wanderte direkt ins Grundwasser, das abgepumpt wurde. Klar, dass dies nur eine bestimmte Weile gutgehen konnte, bei den Mengen an dieser toxischen Flüssigkeit, die zur Beregnung gebraucht wurden. Das Becken lief über und ein Teil floß schließlich in die umliegenden Bäche mit katastrophalen Folgen.

1984 ging es los. Nach acht ertragreichen Jahren war 1992 die Mine erschöpft. Friedland hatte sein Geld gemacht, insgesamt 9 Tonnen Gold und 9 Tonnen Silber. In den USA wurde er als die große Erfolgsgeschichte gefeiert: Man riss sich darum, ihn als Redner zum Thema, „wie kann ich preiswert Gold schürfen?“ zu gewinnen. Bis zum Jahr 1992 ging das so.

Das Summitville-Desaster
Im Jahr 1992, angestoßen durch einen anonymen Telefonanruf, wurden die staatlichen Stellen in Colorado auf die Umweltkatastrophe aufmerksam, die sich da zusammengebraut hatte, eine „Erin-Brokovic-Geschichte“. Und wer sich an das Desaster in Rumänien vor wenigen Jahren erinnert, wo in einem Nebenfluss der Donau nach dem Übertritt Zyanid-haltiger Flüssigkeit die gesamte Fischwelt ausgerottet wurde, der weiß, wovon hier die Rede ist.

Nun könnte man meinen, dass ein Teil des Profits verwendet würde, um die Umweltschäden zu beseitigen, dies entsprach aber nicht dem Denken des Herrn Friedland. Denn: Der Betreiber der Mine, die Firma Galactic-Resources, dessen Chairman er war, ging erst einmal bankrott. Friedland trat von seinem Vorstandsposten bei Galactic-Resources nach dem Eintreffen der Staatsbeamten schnell zurück, entsprechend dem Motto: „Staat, übernimm Du“. Die Aufräumarbeiten, auf 150 Millionen Dollar geschätzt, wurden nämlich dem Staat überlassen. Salopp gesagt, nachdem die Gewinne privatisiert worden waren, wurden die Umweltschäden sozialisiert. 11 Kubikmeter toxischer Flüssigkeit pro Minute, jede Menge Aufräumarbeiten, wobei sich Herr Friedland erst nach einem gegen ihn angestrengten Prozess zu einem Vergleich bequemte und schließlich mit lächerlichen 30 Millionen (alle Zahlen in US Dollar) sich beteiligen musste. Friedland selbst setzte sich, um einem drohenden Strafverfahren zu entgehen, zunächst nach Kanada und dann nach Singapur ab.

Heute in den USA und morgen in der ganzen Welt
Ermutigt durch seine „Erfolge“ ging Friedland geschäftlich im Jahr 1994 nach Namibia auf Diamentensuche. Dort war auch ein Tony Buckingham, über den wir mehrfach berichtet haben, geschäftlich tätig – Besitzer einer Söldnerfirma und ebenfalls ein Minen-Baron -, aber erst 1996 wurde Friedland näher mit Buckingham bekannt; durch Vermittlung des Geschäftsführers von Buckinghams Söldnerfirma Sandline, Michael Grunberg.

Grunberg, ist auch in Deutschland den Lesern des SPIEGEL bekannt. Der gab ihm im Mai 2004 Gelegenheit, allerhand Märchen über diese Söldnerfirma im Rahmen eines Interviews („mit einem Fuß im Grab“) zu verbreiten. Und Friedland traf auf einen Mann namens Raymond Boulle, ein ehemaliger Diamantenhändler für das südafrikanische Diamantenkonglomerat „de Beers“, aus Mauritius stammend. Beide arbeiteten jetzt für eine Weile zusammen.

Der richtige Knüller aber kam mit der Entdeckung einer Mine in Kanada, von der er und Boulle erst fälschlicherweise annahmen, dass es sich um eine Diamantenmine „Diamond Fields“ handelt, in Wirklichkeit war es eines der größten Nickelvorkommen in der Welt.

Entdecken und verkaufen
Boulle und Friedland rieben sich die Hände. Die Mine wurde ein Jahr später an den größten Nickelproduzenten in der Welt, INCO, verkauft. Preis: 4,3 Milliarden Canadian Dollars, und da Friedland und Boulle jeweils 13 Prozent der Aktien an der Explorations-Firma hatten, waren es für jeden rund 500 Millionen, cash to carry. Nun wollte die Regierung der USA einen Teil der Kosten für das Summitville-Desaster sich aus diesen Windfall-Profiten holen, und ließ Friedlands Konten in Kanada beschlagnahmen. Aber Fehlanzeige, weil das von Friedland angerufene kanadische Gericht es als einen inner-US-amerikanischen Zivilrechtsstreit ansah, und die USA keinen international vollstreckbaren Titel gegen Friedland vorlegen konnten. Also Friedland hatte wieder Zugriff auf das Geld, und nun konnte es richtig global losgehen – dort, wo es Ressourcen ohne Ende gibt: In Afrika.

Zwei Männer, ein Ziel: Plünderung von Rohstoffen
500 Millionen Dollar – the plunder must go on. Friedland und Tony Buckingham gründeten die Minenfirma „Diamond Works“, vormals „Carson Gold“, die überall dort tätig wurde, wo Schürfrechte billig zu bekommen waren, dort nämlich, wo der Bürgerkrieg tobte und man als Gegenleistung statt Geld Söldner anbieten konnte, um der Regierung „zu helfen“: In Angola und Sierra Leone. Also nicht etwa Geld, das für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt wird, sondern Menschen- und Kriegsmaterial zur Kriegführung. Diamanten und Bauxit in Sierra Leone, dort dabei auch der internationale Großbetrüger Rakesh Saxena und in Angola Erdöl und ebenfalls Diamanten.

Die Söldner stammten meist aus den Apartheidtruppen Südafrikas und waren von der südafrikanischen Söldnerfirma Executive Outcomes angeheuert worden. Es handelte sich um ehemalige Mitglieder von Terror- und Mörderkommandos wie der 44 Parachute-Brigade, dem 32. Buffalo-Battailon, Koevoet, den Reconnaissance-Kommandos (Recce) und der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau.

Aber auch dort, wo die blanke Diktatur herrscht, der Umweltschutz, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielt und Friedland und seine Firma Ivanhoe sich nicht mit Protesten der Bevölkerung herumschlagen müssen, dort investiert er gerne: z.B. In Burma soll er beste Kontakte zur Junta unterhalten, die ihn wiederum ungestört im Burmas Indegenous Central Valley nach Kupfer und Gold buddeln lässt. Im Jahr 1996 tauchte Friedland in Tasmanien auf, was sofort die Grünen auf den Plan rief.

Mittlerweile ist er auch in der Mongolei aktiv, dort will er nach Kupfer buddeln, in Gobi, einem Gebiet mit fragiler Ökostruktur. Aber es hagelte bereits massive Proteste aus der Bevölkerung wegen der befürchteten Umweltschäden und weil die Schürfrechte in Oyu Tolgoi nur für Robert Friedmann und seine Firma Ivanhoe vorteilhaft erschienen, nicht aber für die Bevölkerung der Mongolei.

Toxic Bob, alias Robert Friedland, eine schöne kanadische und US-amerikanische Erfolgsgeschichte
In einem weiteren Artikel werden wir uns näher mit Raymond Boulle und der Plünderung der Ressourcen in der Demokratischen Republik Kongo beschäftigen.

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