Krieg

Die Iran-Krise

Norman Solomon – Die Welle, die die westliche Diplomatie derzeit schlägt, wird sich im Nachhinein wahrscheinlich als Grundlage für den Abschuss von Raketen auf den Iran entpuppen.

Luftschläge gegen Ziele im Iran scheinen mir sehr wahrscheinlich. Aber viele Friedensaktivisten in den USA sind geradezu versessen darauf zu glauben, dass das nicht passiert.

Erste Illusion:
Das US-Militär hat genug mit dem Irak zu tun. Das Pentagon ist nicht in der Lage, es gleichzeitig mit dem Iran aufzunehmen.

Aber was in Aussicht steht, ist keine Invasion – vielmehr ein großer Luftschlag. Einen Luftschlag gegen Ziele im Iran zu führen, wäre das amerikanische Militär leicht in der Lage. (Falls diese Aufgabe nicht dem israelischen Militär zufällt – das ebenfalls gut gerüstet ist, den Iran zu bombardieren).

Zweite Illusion:
Die Bush-Administration stecke daheim in großen Schwierigkeiten – zum Beispiel wegen der Lügen über die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen – da könne es nicht noch einen Aufschrei der Empörung (wegen eines Angriffs auf den Iran) riskieren.

Das Weiße Haus bereitet im Inland langsam aber sicher den politischen Boden für Bomben auf Iran. Das Wall Street Journal vom 3. Februar: „Neuesten Umfragen zufolge sagen erstaunlich viele Amerikaner, sie würden einen amerikanischen Militärschlag unterstützen, damit Iran nicht die Bombe bekommt“.

Im Übrigen lautet eine Schlagzeile derselben Zeitung: ‚U.S. Chooses Diplomacy on Iran’s Nuclear Program‘ – Wasser auf die Mühlen des Plans der Bush-Administration. Es ist ein alter Trick: Während du dich auf eine aggressive Militäraktion vorbereitest, betonst du gleichzeitig die Diplomatie.

Zwar hat Donald Rumsfeld auf der (Sicherheits-)Konferenz in München am 4. Februar verkündet, die Welt solle an einer „diplomatischen Lösung“ arbeiten, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Am folgenden Tag jedoch zitierte die deutsche Tageszeitung ‚Handelsblatt‘ aus einem Interview mit Rumsfeld: „Alle Optionen, auch die militärische, liegen auf dem Tisch“.

Amerikanische Top-Offizielle zögern nicht – im Sinne des Majestatis Pluralis – für die ganze Welt zu sprechen. So sagte US-Außenministerin Condoleeza Rice am Wochenende: „Die Welt wird nicht daneben stehen, während der Iran weiter voranschreitet auf dem Pfad der atomaren Waffenfähigkeit“. Gleichzeitig erklärte Rumsfeld: „Das iranische Regime ist heute in der Welt der führende staatliche Sponsor des Terrors. Die Welt will keinen nuklearen Iran und muss zusammenarbeiten, um einen solchen zu verhindern“.

Das heißt übersetzt: Zuerst geben wir uns diplomatisch, dann können wir bomben.

Dritte Illusion:
Die USA werden den Iran nicht angreifen, um nicht mehrere Millionen mit dem Iran verbündete Schiiten im Irak gegen sich aufzubringen, denn das wäre dem amerikanischen Krieg im Irak sehr abträglich.

Andererseits macht es heutzutage wenig Sinn, davon auszugehen, dass die Bush-Administration rational handelt. Die Leute, die unsere Außenpolitik bestimmen, haben eigene Prioritäten – Verhinderung eines Katastrophenszenarios gehört nicht dazu.

Ebenso wenig genießt die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen einen hohen Stellenwert im Bewusstsein dieser Leute – nach dem einvernehmlichen Verhältnis zwischen Washington und den Atommächten Israel, Indien und Pakistan zu urteilen. Im Gegensatz zum Iran hat keiner der genannten Staaten den Atomwaffensperrvertrag je unterzeichnet, und von diesen vier Ländern ist Iran das einzige, das eine Inspektion seiner Atomanlagen duldet. Ausgerechnet dieses Land bedrohen die Schlauköpfe aus Washington nun im Endeffekt mit Bombardement.

In den Köpfen der Washingtoner Neocons reifen die Blütenträume – angesichts der massiven Öl- und Ergasvorkommen im Iran. Durch ihre Köpfe spukt die abwegige Hoffnung, man könne das Regime in Teheran stürzen. In Wirklichkeit würde ein Angriff auf Iran nur die extremsten Kräfte innerhalb des Teheraner Regimes stärken. Falls das iranische Regime jemals irgendein Interesse an der Entwicklung von Atomwaffen hatte – nach einem solchen Angriff erst recht.

„Die USA werden das Atomproblem nicht lösen, indem sie Militärschläge androhen oder den Iran vor den UN-Sicherheitsrat zerren“, so die Iranerin und Friedensnobelpreisträgerin 2003 Shirin Ebadi in der Los Angeles Times vom 19. Januar 2006. Koautor des Artikels ist Muhammed Sahimi, ein Professor für ‚Chemical Engineering‘ an der University of Southern California. „Obwohl die große Mehrheit der Iraner gegen die Hardliner im Land ist und wünscht, dass sie stürzen, unterstützt diese Mehrheit auch das Atomprogramm, denn es ist zur Quelle des Stolzes geworden für eine alte Nation mit glorreicher Vergangenheit“, so der Artikel.

Und weiter: „Ein militärischer Angriff würde die nationalistischen Gefühle neu entflammen. Iran ist nicht Irak. Angesichts des leidenschaftlichen Nationalismus und der Märtyrer-Traditionen der Schiiten provozierte jeder militärische Schritt eine Reaktion, die die gesamte Region mit einschließen würde. Das Resultat wären unzählige Tote und wirtschaftlicher Ruin, nicht nur für die Region, sondern für die Welt. Auch UN-Sanktionen gegen den Iran wären kontraproduktiv – denn diese würden Teheran veranlassen, aus dem Atomwaffensperrvertrag und dessen Zusatzprotokoll auszusteigen. Ist die Welt bereit, mit solchen Aussichten zu leben?“

Zwar rufen Ebadi und Sahimi – wegen massiver Menschenrechtsverletzungen – zu internationalem Druck auf Iran auf. Gleichzeitig betonen sie aber: „Der Iran ist mindestens sechs bis 10 Jahre von einer Atombombe entfernt, das schätzen die meisten so ein. Die Krise ist noch nicht einmal eine Krise. Es bleibt jede Menge Zeit für politische Reformen, bevor der Iran je die Bombe bauen wird“.

Am 3. Februar zitierte die Iranian Student News Agency den früheren iranischen Präsidenten Muhammad Chatami: „Es ist notwendig, weise und tolerant zu handeln, damit unser Recht auf Atomenergie nicht abgeschafft wird“, so Chatami. Er drängt die iranische Regierung dazu, Sicherheiten zu geben, dass das iranische Nuklearprogramm einzig der Energiegewinnung dient.

Chatami war 8 Jahre lang Präsident des Iran. In dieser Zeit gelang es ihm nicht wirklich, im Land für ein politisches Reformklima zu sorgen, dennoch galt Präsident Chatami als Vermittler, wo es um Menschenrechtsverstöße ging. Sein Nachfolger, der Demagoge Mahmoud Ahmadinedschad, ist eine Bedrohung für die Menschenrechte und den Frieden. Dabei ist jedoch keineswegs klar, dass Ahmadinedschad sich der langfristigen Unterstützung durch die im Lande herrschende Geistlichkeit gewiss sein kann.

Im Sommer schlug Ahmadinedschad Hashemi Rafsandschani – auch er ein ehemaliger Präsident – aus dem Felde und wurde neuer iranischer Präsident. Aber Ex-Präsident Rafsandschani ist noch immer relativ stark – als Vorsitzender des Expediency Council. [Anmerkung d. Übersetzerin – Das Expediency Council ist eine Art Vermittler- oder Schlichterstelle zwischen dem mächtigen klerikalen ‚Wächterrat‘ und dem iranischen Parlament.]

Rafsandschani – der durchaus begründet den Ruf eines korrupten Opportunisten genoss -, gilt heute, im Vergleich zu Ahmadinedschad, als Leutfeuer der Aufklärung. Anfang Januar verfassten zwei iranische Scholar von der University of California in Berkeley einen Artikel für die Los Angeles Times, in dem sie auf Folgendes hinweisen: „Im Gegensatz zu populären Annahmen ist sich das traditionell konservative klerikale Establishment des Iran durchaus der Möglichkeit von Gewalt in- und außerhalb des Landes bewusst. Es ist generell gegen eine aggressive Außenpolitik, und durch seine enge Bindung an die abhängige Kapitalistenklasse im Iran ist das Establishment entsetzt über den raschen Abwärtstrend, den die Wirtschaft seit Ahmadinedschads Machtantritt genommen hat. Der Wert der Teheraner Aktienbörse ist um $10 Milliarden in die Tiefe gesackt, der vitale nationale Immobilienmarkt schrumpft und die Kapitalflucht nimmt zu“. Die Autoren des Artikels heißen Dariush Zahedi und Ali Ezzatyar.

Treffend fügen sie hinzu: „Die Geschichte der iranisch-amerikanischen Beziehungen hat es gezeigt, je mehr Washington auf Teheran wegen seiner Nuklearambitionen eindrischt, desto mehr spielt es damit den Radikalen in die Hände – indem Washington Ängste und das Nationalgefühl schürt“.

Im Moment verlassen sich beide Präsidenten – der des Iran und der amerikanische – auf die Kriegslüsternheit des anderen. Alles deutet darauf hin, dass ein Militärschlag gegen den Iran die innenpolitische Macht Ahmadinedschads weiter hochtreiben wird. Wetten, dass die US-Regierung ihm diesen großen Gefallen tun wird? Es sei denn, wir verhindern es.

Wie viele U-Boote hat der Iran wirklich?

Dieser Artikel erschien in der deutschen Übersetzung von Andrea Noll erstmalig bei Zmag.de


Norman Solomons aktuelles Buch ‚War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death‘

Krieg

Spritmangel bei der US-Air-Force?

Harald Haack – Im Draufgänger-Movie „Top Gun“ fürchtete Hauptdarsteller Tom Cruise, stets an Filmsets für Scientology werbend, „weder Tod noch Teufel“. In der rauhen Wirklichkeit war „Top Gun“ 1968 aber ein Sonderausbildungsprogramm als Antwort auf die hohen Flugzeugverluste der USA während des Vietnamkriegs. Dank des Spielfilmes erhielten die US-Marines und die US-Air-Force regen Zulauf junger, nicht ausgelasteter Männer und Frauen, die von waghalsigen Flugmanövern, wie im Film zu sehen, träumen.

Das Kino siegte offenbar über die Wirklichkeit, denn der Film verführte immer mehr Piloten dazu gegen Dienstvorschriften zu verstoßen, womit sie nicht nur sich, sondern auch andere Piloten und deren Flugzeuge gefährdeten.


F-15-Piloten zeigen anscheinend gerne, dass sie gegen ihre Dienstvorschriften verstoßen: „Luftkrieg“ mit einer zivilen Embraer-Maschine und Heldenpose.

Weil sie angeblich nicht mehr genug Treibstoff im Tank ihrer F-15-Jets hatten, mussten zwei Piloten der US-Luftwaffe im Januar 2005 „kurzfristig ihre Route ändern“. Dies führte zu einem Beinahe-Zusammenstoß mit einem Passagierflugzeug vom Typ Embraer-145 der British Airways, wie es in einem Bericht der Flugsicherheitsbehörde AAIB heißt, der am Donnerstag, den 9. Februar 2006, veröffentlicht wurde. Einer der F15-Jets flog nur etwa 30 Meter über das Passagierflugzeug hinweg, das auf dem Weg nach Hannover war. Eine Katastrophe habe nur knapp vermieden werden können. An Bord der BA-Maschine von Birmingham nach Hannover waren 35 Passagiere.

Krieg

Tote bei Protesten in Afghanistan gegen Karikaturen

Kabul – Ungeachtet der Aufrufe zur Zurückhaltung haben sich die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen erneut in Gewalt entladen. In Afghanistan starben bis zu vier Demonstranten.

Randalierer in der südafghanischen Stadt Kalat hatten versucht, die Polizeizentrale zu stürmen, worauf die Polizei schoss. Die Zahl der Toten bei den seit fünf Tagen anhaltenden Protesten im Land erhöhte sich damit auf elf. Das Oberste Gericht und der Ulema-Rat der Islamgelehrten riefen zur Ruhe auf.

Im Westjordanland griffen Palästinenser das Hauptquartier der internationalen Beobachtertruppe in Hebron (TIPH) mit Steinen an und zerstörten auch Autos. Wie ein Sprecher mitteilte, wurden alle 74 TIPH-Beobachter nach Tel Aviv gebracht. Die Beobachter stammen aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Italien, der Schweiz und der Türkei.

Auch in Irans Hauptstadt Teheran gab es wieder Ausschreitungen. Demonstranten bewarfen die britische Botschaft mit Steinen. Und vor der dänischen Botschaft gab es den dritten Tag in Folge heftige Proteste.

UNO, EU und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) – ein Zusammenschluss von 57 moslemischen Staaten – riefen die Muslime zur Ruhe auf.

Auch König Abdullah von Jordanien und US-Präsident Bush riefen zu einem Ende der Gewalt auf. Proteste, die zu Todesopfern und Zerstörung führten, seien nicht akzeptabel.

US-Aussenministerin Condoleezza Rice hat Iran und Syrien vorgeworfen, den Zorn von Moslems über die in europäischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen absichtlich zu schüren.

„Iran und Syrien haben sich grosse Mühe gegeben, die Stimmung aufzuheizen und für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen“, sagte Rice am Rande ihres Gesprächs mit der israelischen Aussenministerin Zippi Liwni in Washington.

Krieg

Vier Tote nach Gefängnistumult im Südirak

Stephan Fuchs – Wie der amerikanische Pressedienst im Irak mitteilte wurden bei einem Gefängnistumult in Camp Bucca Leaves vier Gefangene getötet und sechs verletzt.

Der Tumult brach offensichtlich während einer Routinesuche nach Schmuggelgut in einem der zehn Blocks los. Der Kommandant des Gefängnisses liess alle verfügbare Wachen aufmarschieren.

Der Tumult entwickelte sich rasch zu einem Flächenbrand, der sich auf vier Blocks ausweitete. Die Gefangenen warfen Steine und Material aus ihren Umzäunungen. Wie der Pressedienst weiter ausführt, beteiligten sich 2900 Häftlinge. Im gesamten Gefängnis leben 5300 Gefangene.

Laut offiziellen versuchten die Wachen die schnell anschwelende Gewalt der Häftlinge verbal unter Kontrolle zu bringen, was offensichtlich nicht gelang. Danach wurden Nichttödliche Waffen eingesetzt. Nach weiteren 45 Minuten eskalierender Gewalt wurden tödliche Waffen eingesetzt. Mit dem Einsatz tödlicher Waffen beruhigte sich der Tumult schnell, wie die Pressestelle mitteilt und hinterliess vier Tote und sechs Verletzte. Medizinische Hilfe wurde nach dem Tumult geleistet. Wie es zum Aufstand kam und wie die Befehlskette zum Schusseinsatz genau war, ist Gegenstand einer Untersuchung.

Krieg

Countdown zum Atomkrieg?

Harald Haack – Es ist wieder einmal so weit. Die atomare Abschreckung der Großmächte funktioniert nicht mehr. Die Welt hat ihren antisemitischen Hass-Führer zurück, der offensichtlich alles dransetzt, um einen Weltkrieg auszulösen – dieses Mal mit nuklearer Waffengewalt und nicht Polen wird überfallen werden, sondern Israel und nicht Deutschland wird der Aggressor sein, sondern der Iran. Oder vielleicht doch nicht?


„Wo geht’s hier bitte zum Krieg?“ Frankreichs Staatschef Jacques Chirac am Sehrohr in einem U-Boot

Die Vorbereitungen der beteiligten Staaten zum großen Krieg ähneln denen, die schon immer zielsicher zum Krieg geführt haben. Irgendwo in einem Land kommt ein mental gestörter Mann an die Macht, meint von sich der Retter der Welt zu sein und schlägt wütend um sich. Das wäre noch relativ einfach zu verstehen, wenn es auf der Seite seiner Feinde nur gesunde und strahlende Lichtgestalten gebe. Doch die Realität ist erschreckend anders.


Soll sich die Grand Nation von Bush und Ahmadinedschad vor dem Karren spannen lassen?

Frieden – ein (inter-)nationales Verbrechen?
Offenbar befinden sich die USA in einer Phase der Werteumkehr. Die einst gepriesenen Ziele wie Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden werden zugunsten der Durchsetzung von Krieg immer mehr aufgegeben. Es ist, als habe sich das größtenteils christliche Grunddenken der „Neuen Welt“, wie sich die USA gerne selbst loben, einem teuflischen Wahnsinn gebeugt, dem Wahnsinn des aus heutiger Sicht „dunklen“ Mittelalters.

Wann genau dieser Prozess eingesetzt hat, lässt sich nicht eindeutig festlegen. So führen nicht nur Kritiker des kommunistischen Lagers führen spontan nicht nur den Kapitalismus sowie den Imperialismus als Kausalität für die weltweit negative Rolle der USA an. Demnach müsste die Phase der Werteumkehr mit dem Eindringen marodierender, vornehmlich aus Europa stammender Einwanderer in die Jagdgründe der Ureinwohner begonnen haben.

Die Aggression und Profitgier der europäischen Invasoren sollten längst eliminiert sein, doch wahrscheinlich wurden sie von Generation zu Generation der amerikanischen Elite vererbt und innovativ aufgestockt – der US-„Retrodiabolismus“ offenbart mehr und mehr seine Wurzeln im 16. Jahrhundert, als unliebsame Personen in so genannten Hexenprozessen „auf legale Weise“ vernichtet wurden.

Damals schon ein paranoider Wahn, von krankhaften und kriminellen Köpfen der katholischen Kirche entfacht, dessen Ziel es war, die Macht der Kirche (unter deutlicher Missachtung christlicher Werte) zu erhalten und zu verfestigen. Mit Papst Johannes Paul II. will sich der Vatikan von den Massenmorden und Exzessen jener Zeit der Hexenverfolgung distanziert haben. Doch leider war es schon immer so in der Geschichte der Menschheit: Das Böse sucht sich stets unverbrauchte Gesellschaften, um seine Feuer des Krieges zu nähren; es reiste von Rom nach Washington D.C. Und in den USA wurden friedliebende Menschen zu Staatsfeinden erklärt und rundum bespitzelt.

Frieden predigen – Kriege führen?
US-Präsident George W. Bush vermeidet offenkundig das Wort „Demokratie“, um die Politik seines Herrschens zu charakterisieren. Er ersetzte es durch mehrere (unheilsschwangere) Worthülsen wie „Achse des Bösen“ oder „Heimatschutz“ oder „Sicherheit“. Sie stehen stellvertretend für den „Frieden“, den die USA anstreben. Die Welt weiß inzwischen, dass selbst das Wort Frieden (freedom) nach amerikanischer Verkürzungsdiktion eine Kurzform gefunden hat: Krieg (war). Kein Wunder, dass der US-Präsident inzwischen weltweit als Kriegtreiber Nummer Eins gilt.

Was nur soll das für ein Frieden sein, den man mit Krieg erreicht?

Hitler, der über ein bestialisches Denken verfügt haben soll, hat sich umgebracht. Vor ihm hatte Napoleon seinen politischen Irrsinn der aggressiven Expansion, um Frieden zu schaffen, vorangetrieben und Hunderttausende seiner Soldaten in den Tod getrieben. Er wurde mutmaßlich vergiftet.

Aber nicht Hitler, Napoleon und Nero allein zählen zu den Irren der Weltgeschichte. Wenn man so will, ist das, woran Historiker weltweit ständig arbeiten, die Geschichte eines einzigen Tollhauses, einer erdumspannenden Anstalt voller machtbesessenem Egomanen, denen die Sicherung durchgebrannt ist. Gegenwärtig scheinen sie vom US-Präsidenten George W. Bush angeführt zu werden. Doch schon morgen kann es ein anderer sein. Der Iraner Ahmadinedschad vielleicht?

Wird der Westen sich auf dessen Spiel des Bangemachens einlassen und sich zu einem Angriffskrieg verleiten lassen? Oder wird der Iran den Atommächten zuvor kommen und Raketen mit atomaren Sprengköpfen nach Israel schießen und damit eine Kettenreaktion des Wahnsinns auslösen? Die Zeit scheint rückwärts zu laufen.

Grand Nation droht mit Atomwaffen

Krieg

Grand Nation droht mit Atomwaffen

Stephan Fuchs – Wie AFP heute vermeldete rasselt Frankreichs Staatschef Jacques Chirac mit Atomwaffen gegen Terror Staaten. Frankreich behalte sich das Recht auf eine Vergeltung in „nicht konventioneller“ Weise gegenüber Anführern von Staaten vor, die terroristische Mittel „gegen uns“ einsetzen würden, sagte Chirac auf dem französichen U-Boot-Stützpunkt Ile Longue vor der bretonischen Küste.


Explosiver Monsieur le Président

„Die Führer von Staaten, die gegen uns auf terroristische Mittel zurückgreifen, sowie alle, die in der einen oder anderen Weise den Einsatz von Massenvernichtungswaffen erwägen“, müssten mit einer angemessenen Antwort Frankreichs rechnen. Nicht nur einen Angriff auf Frankreichs Hoheitsgebiet werde sein Land im Notfall mit atomarer Sprengkraft vergelten, sondern auch eine Gefährdung von Frankreichs Versorgung – etwa Erdöl – könne fortan unter die „flexible Atomdoktrin fallen. Zudem könne unter anderem Beistand gegenüber Verbündeten als ein „vitales“ Interesse Frankreichs definiert werden, das einen Einsatz der Waffe rechtfertigt.

Verbale Aufrüstung
Es war die erste Grundsatz-Rede Chiracs zu Sinn und Unsinn der „Force de frappe“ seit drei Jahren. „Ein explosiver Besuch“, hatte der Fernsehsender „France 3“ im Vorfeld angekündigt. Dass der innenpolitisch bedrängte Präsident und oberste Militärbefehlshaber verbal so aufrüsten würde, hatte kaum jemand erwartet.

Irrsinn ankurbeln
Die Äusserungen Chiracs bedeuten eine weitere Zuspitzung in der aktuellen Krisensituation und könnte, bei einigen terroristischen Gruppierungen verheerend aufgefasst werden. Selbst das französische Militär ist nicht sonderlich glücklich über die Kraftrede des Monsieur le Président. Die in modernen Konflikten eigentlich wenig taugliche Waffe kostet 3,5 Milliarden Euro im Jahr und bindet 5000 Soldaten. Mancher Militär hätte nun lieber weniger oder gar keine Nuklear-Sprengköpfe und dafür mehr Helikopter. Gerade in der Zuspitzung mit dem Iran Konflikt ist Chiracs Rede Öl auf die ohnehin heissen Gemüter in Teheran und Islamabad. Aber auch für versprengte Al-Kaida Gruppen, auch wenn der Chemiewaffen-Experte und Chef-Bombenhersteller Midhat Murzi in Pakistan gezielt liquidiert worden ist.

Countdown zum Atomkrieg?

Krieg

500’000 Obdachlose Kriegsveteranen & jetzt kommen die Irak Krieger

Stephan Fuchs – In den Vereinigten Staaten leben schätzungsweise 500’000 obdachlose Kriegsveteranen. Die meisten von ihnen aus dem Vietnam Krieg. Jetzt steht eine neue Generation von amerikanischen Irak- und Afghanistan-Veteranen vor den Toren amerikanischer Obdachlosenheime.


Da draussen hat es Männer, die haben echt ein Problem.

„Wenn bereits jetzt Kriegsveteranen aus dem Krieg gegen den Terror auf den Strassen stehen, mein Gott… unsere Nation ist darauf nicht vorbereitet“, sagt Linda Boone, exekutiv Direktorin des National Coalition for Homeless Veterans, eine Organisation die obdachlose Kriegsveteranen betreut.

Da wird eine große Welle auf uns zukommen, die wir kaum brechen können. In ganz Amerika gibt es rund 300’000 registrierte Kriegsveteranen die auf der Strasse leben und eine große Dunkelziffer, wir rechnen mit 540’000 – 840’000 Soldaten. Die Hälfte von ihnen sind Vietnamveteranen.

Die Soldaten machen rund 23% der Obdachlosen aus. 47% aus Vietnam. 67% haben mehr als drei Jahre der Armee gedient, 89% haben einen Verdienstorden. 76 % haben Drogen-Alkohol und psychische Probleme.


Alle haben eines gemeinsam: Kriegstrauma.

Phantomschmerzen, Drogenprobleme, Angst, Depressionen, Suizidgedanken, Stress, mentale Verwundungen. Viele Soldaten schaffen es nicht sich in der Familie wieder zu integrieren und können ihrer zivilen Arbeit nicht mehr nachkommen. Kündigung – Scheidung. Sie landen auf der Strasse.

Allein Los Angeles hat 27’000 obdachlose Veteranen und das ist Amerikas größte Population. Die Militärkliniken für psychisch angeschlagene Soldaten sind voll. Viele werden demobilisiert, bevor sie sich erholt haben. Die Armee ist froh, wenn die Soldaten so schnell wie möglich heraus wollen – die Behandlung kostet und Neue kommen. Viele können im Moment gar nicht betreut werden, es fehlt an Platz und Personal. Die Auffanginstitutionen sind überfüllt – da draußen gibt es Männer, die haben echt ein Problem.

Daten vom Department of Veterans Affairs zeigen, dass bis zum letzten Juli 28’000 Irakveteranen Hilfe beantragten. Einer von fünf der Zurückkehrenden, 17% der heimgekehrten Soldaten, leiden an schlimmen Depressionen. Diese neue Welle an Veteranen aus dem Krieg gegen den Terror wird grausam – im Gegensatz zu Bush bleiben sie uns erhalten.

Krieg

Kriegsbilder – wie Medienfotos verschleiern anstatt zu informieren

Norman Solomon – Es war das perfekte Bild, eine bewegende Porträtaufnahme. „Ikonenhaft“ nannten Journalisten das Foto. Dieses Bild hatte die Authentizität des Augenblicks eingefangen. Doch es trog in einer Weise, wie das bei Medienfotos häufig vorkommt – sie zeigen eher das Offensichtliche denn das Reale.


Blake Miller war erst 20 Jahre alt, als er plötzlich zu einem berühmten Archetypus wurde.

An einem Tag in der zweiten Novemberwoche 2004 sahen Millionen Amerikaner das Foto: ein verschmiertes Gesicht, die Augen klar hervorscheinend. Es war das Gesicht von Blake Miller. Er wirkt darauf resolut und entschlossen. Eine lange Zigarette baumelt zwischen seinen Lippen. Rauchwölkchen scheinen von ihr aufzusteigen.

Das Foto entstand, als sich die Marines ihren Weg nach Falludscha freikämpften. Die amerikanischen Nachrichtenblätter rissen sich frenetisch um das Bild. Blake Miller war erst 20 Jahre alt, als er plötzlich zu einem berühmten Archetypus wurde.

Einen Tag, nachdem der Schnappschuss entstand, fragte Dann Rather – Anchor von „CBS Evening News“ – seine Zuschauer: „Das Bild – haben Sie es gesehen?“ Und weiter: „Es ist das beste Kriegsbild der letzten Jahre. Es war heute in vielen Zeitungen, bei einigen sogar auf der Titelseite. Luis Sinco von der Los Angeles Times hat es gemacht. Es ist die Nahaufnahme eines US-Marines an der Frontlinie von Falludscha. Müde, schmutzig, blutbefleckt – wie er da an dieser Zigarette zieht, mit wachen, verkniffenen Augen. Das war nicht das ungläubige Starren eines Infanteristen auf tausend Yards – und jeder von uns, der schon mal Kämpfe live und aus nächster Nähe, mitangesehen hat, kennt diesen Blick -, nein, es ist der Blick eines Kriegers, der mit seinen Augen den fernen Horizont absucht, ihn nach der Gefahr abscannt.“

Nehmen Sie sich dieses Foto zu Herzen, drängt der Nachrichten-Anchor die Amerikaner. „Betrachten Sie es, studieren Sie es, nehmen Sie es in sich auf, denken Sie darüber nach. Und dann holen sie tief Luft vor Stolz“.

Fünf Tage später lud CBS die Angehörigen von Blake Miller ins Studio ein. Die Sendung hieß ‚The Early Show‘. Blakes jüngerer Bruder Todd kommt zu Wort: „Er ist eine ganz normale Person. Nur ein wenig fertig. Er kann nichts Großes an der Sache sehen“.

In den News-Stories wurde Blake – Lance Corporal Miller – als eine Art „Kriegs-Marlboro-Mann“ dargestellt, als Inbegriff des äußerlich zerschlissenen amerikanischen Soldaten, der nur seine grimme Pflicht erfüllt. Aber Blake Millers Mutter, die aus einer Kleinstadt in Kentucky kommt, sagt auf CBS: „Ich bin stolz, vielleicht ist er eine Ikone, aber für mich bleibt er mein Baby. Er ist mein Sohn. Ich will einfach nur, dass er heimkommt“.

Die Medienblätter rissen sich um die Ikone – was sie nicht wollten, war allzu viel Realität. Die Medien berichten generell wenig über die Dinge, die der Krieg so mit sich bringt – über die schreckliche Angst, über Leid und Tod.


Robert Acosta der in Bagdad seine rechte Hand verlor als eine Granate direkt neben ihm einschlug

Ungefähr zur selben Zeit, als der Angriff auf Falludscha erfolgte – im November 2004 – interviewte ich einen 21jährigen früheren Spezialisten der U.S. Army namens Robert Acosta, der in Bagdad seine rechte Hand verlor, als eine Granate direkt neben ihm einschlug. „Viele Leute begreifen nicht wirklich, wie verheerend sich ein Krieg auf einen Menschen auswirken kann – solange nicht, bis sie einen kennen, der es selbst miterlebt hat“, sagte er mir damals. „Wenn man Leute verletzt heimkehren sieht – oder auch nur psychisch verletzt, weil sie Dinge gesehen haben, die kein Mensch sehen sollte -, dann sollte das den Leuten eigentlich die Augen öffnen“.

Aber Journalisten sind in der Regel darauf erpicht, Ikonen zu präsentieren. Es ist eher die Ausnahme, dass wir durch die Medien einen Blick erharschen auf das, was nach menschlichen Maßstäben tatsächlich geschieht.

Am 3. Januar 2006 war Blake Miller – der Mann auf dem Ikonenfoto – (wieder) zu Gast bei „The Early Show“ auf CBS. Dieses Mal war die Stimmung nüchterner. „Blake Miller hat es geschafft, er ist zurück aus dem Krieg“, so Co-Moderator Harry Smith. „Aber wie viele seiner Kameraden, war es ihm nicht möglich, das alles komplett hinter sich zu lassen. Während der Hilfsmaßnahmen im Zusammenhang mit Hurrikan Katrina versah er seinen Dienst. Dabei machten sich bei ihm Symptome einer posttraumatischen Stressstörung bemerkbar. Er erhielt daraufhin seine ehrenhafte Entlassung von den Marines“.

Es passierte an Bord des Schiffes. Miller erzählt: Einer der Schiffsleute imitierte das Geräusch einer mittels Rakete abgeschossenen Granate: „Ein Kerl machte dieses pfeifende Geräusch nach. Und plötzlich, ich meine, es war einfach wie – es klang genauso wie eine RPG (Rocket Propelled Grenade). Ohne zu wissen, was ich tat – ich meine, bis es vorbei war -, schnappte ich ihn mir, ich schmetterte ihn gegen das Schott, gegen die Wand und brachte ihn zu Boden. Ich war über ihm“.

Der reale Blake Miller – nicht die Medienikone – fährt fort: „Ich werde meine Therapie fortsetzen. Ich habe sie gemacht, bis ich rauskam.“ In Hinblick auf die anderen Amerikaner, die im Irak kämpfen, sagt Miller: „Je mehr ich mit ihnen geredet habe, desto mehr fand ich heraus, dass viele Marines die gleichen Gefühle (wie ich) durchmachen. Und, ich meine – es ist wirklich hart, damit umzugehen. Ich meine, im Irak sein, darüber will niemand gerne reden“.

Als amerikanischer Soldat, als eine fotografische „Ikone“, war Blake Miller für eine kleine Weile nachrichtentauglich. Ganz im Gegensatz zum enthusiastischen Medienrummel um seine Person im November 2004 wurde über seinen Auftritt bei „The Early Show“ am 3. Januar 2006 kaum berichtet. In den Tagen danach kein größerer Bericht, in dem stand, dass Miller an posttraumatischem Stress leidet. Für den Warfare-Staat hat Blake Miller seine nützliche Funktion verloren.

Dieser Artikel erschien in der deutschen Übersetzung von Andrea Noll erstmalig bei Zmag.de


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Krieg

Die Choreographie ziviler Gewalt

Stephan Fuchs – Der Krieg wird zivil. Die Grenzen zwischen Realität und Spiel werden unklar. Die Gefahr hieraus könnte für zukünftige Gesellschaften hohe Risiken bergen: Der Zivilist wird zum Krieger.

Orson Scott Card schrieb 1985 den Science Fiktion Bestseller „Enders Game“ eines jener großartigen Bücher, das der Welt von Gestern das Morgen vorweggenommen hat. In dem Buch entdeckt eine Gruppe Kinder die sich bei atemberaubenden Video Spielen messen, dass sie eigentlich vom Militär missbraucht werden um in richtigen Kriegen zu kämpfen.


Verwischt die Realitäten verschiedener Räume

Das Computer Spiel, von den Kids in einer virtuellen Welt gespielt, wird so plötzlich zum Kampf gegen einen sehr lebendigen Feind. Es verwischt die Realitäten verschiedener Räume. Der Raum der festen Materie des Kriegsschauplatzes verschmilzt mit der Welt des Cyberspace der sich in konstruierten Räumen abspielt. Für Kids natürlich ein atemberaubendes Erlebnis sich in einer virtuellen Welt zu behaupten. Für heutige Bomberpiloten ist es bereits Berufsaltag und für die militärischen Strategen eine Synphonie des sauberen Krieges.

Doch im Prinzip passiert simpel dieses: Kinder werden anhand der Konsolen und multimedialen Räume auf die Zukunft des Krieges vorbereitet. Somit verschiebt sich der von General Eisenhower erwähnte Militärisch-industrielle Komplex, der während und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde und im kalten Krieg zu seiner vollen Blüte kam, seit dem Golfkrieg von 1991 zu einem Militärischen Nintendo Komplex.

Spielhersteller wie „id Software“ waren maßgeblich bei der Entwicklung eines neuartigen Computerspielgenres beteiligt: des so genannten „ego-3D-shooters“. Mit dem Spiel 3D-Wolfenstein aus dem Jahre 1992 wurde erstmals die „Ich-Perspektive“ in Computerspiele eingeführt, wobei der Spieler in die Rolle des Protagonisten tritt und die Szene buchstäblich aus dessen Augen betrachtet. Das war ein Riesenerfolg für die Firma und eine unglaublich Realitätsbezogene Neuerung auf der Ebene eines Action Spiels.

Nahezu zur gleichen Zeit wurden im fernen Bagdad neuartige Bomben eingesetzt die mit einer komplett neuartigen Choreographie der Kriegsberichterstattung einherging. Der Angriff auf Bagdad, von Millionen live miterlebt, hüllte sich in das fluoreszierende Grün eines Restlichtverstärkers. Kaum erkennbare, aber von geübten Computerspielern durchaus verstehbare Szenen, flimmerten in sämtliche Wohnzimmer. Über räumlich weite Distanzen live im Krieg dabei zu sein war ein Novum. Die Betrachtungsweise des Krieges als Computerspiel verdichtete sich noch mehr als Bilder eingespielt wurden die von einer im Raketenkopf eingebauten Kamera übermittelt wurden. „Ego-3D-Shooter“ in der realen Welt und „Ego-3D-Shooter“ in der simulierten Welt der Spielhersteller glichen sich somit immer mehr.

Die im Prinzip kreuzverschiedene Optik eines Spieles und derjenigen eines Krieges kam sich gefährlich nahe, da die Unterscheidung zwischen Simulation und Wirklichkeit verwischt wurde. Die reale Zerstörungskraft der bunkerbrechenden Bomben verkommt zu einem Spiel auf dem Bildschirm. Gefährlich ist der hübsch anzuschauende reale Kampfeinsatz vor allem deshalb, weil er dem Krieg, falls das überhaupt möglich ist, in keiner Weise gerecht wird. Denn „leider“ ist die Kamera nicht mehr fähig zu senden wenn Körper zerrissen werden was wiederum von Militärs sehr geschätzt wird, da der Krieg somit zu einem sauberen Krieg mit angeblich chirurgischen Eingriffen, ein humanes Gesicht bekommt. Was soweit verständlich ist, da Demokratien den Schein einer gewissen Humanität auch in der Kriegsführung aufrechtzuerhalten haben. Der Krieg wird somit nur über Bombenstatistik und Trefferstatistik konkretisierbar. Die größte Tragik eröffnet sich dem Betrachter dadurch, dass sich der telemediale, freundlich ernste General im fernen Führerbunker zu Wort meldet und die Trefferliste verkündet, worauf er leicht ärgerlich einräumt, dass einige Raketen Fehlgeleitet wurden die Zivilisten traf. Ähnlich wie in den Spielen, wenn man von Level zwei zum Level drei kommt und sich der „Commander“ über gelingen oder Nichtgelingen der Operation einschaltet. Die Bomberbesatzungen des zweiten Weltkrieges die im Tiefflug ihre Bombenlast auslinkte, oder die Bomberpiloten der Hiroshima Bombe zum Beispiel, mussten, nachdem sie sich über das Ausmaß ihrer zerstörerischen Kraft bewusst wurden, vielfach erfolglos therapieren lassen. Heute ist das kaum mehr der Fall. Bomberpiloten und Schützen auf den Schiffen sehen nichts!

Immer wieder werden Wargames wie „Doom“, „Quake“ oder „Wolfenstein“ für Tragödien verantwortlich gemacht die Schüler durch Massaker in Schulen veranstalten. In wieweit Gewaltspiele tatsächlich als Katalysator auf die Psyche Jugendlicher wirkt und sie zu unberechenbaren Massenmördern werden lässt, ist noch immer strittig. Mit ziemlicher Sicherheit kann gesagt werden, dass diese Nebenwirkung nicht gewollt ist, sie kann sich aber mit Sicherheit bei labilen Jugendlichen unter einer kausalen Kettenreaktion herausbilden. Das ist natürlich eine tragische Problematik, wird aber vom Militärischen Nintendo Komplex sicher in Kauf genommen, da hinter der Strategie solcher Spiele ein weitaus tieferer Impuls stehen könnte.

Wie oben beschrieben, laufen die virtuellen Entwicklungen und die Entwicklung der Kriegstechnologie weitaus parallel. Die westlichen Supernationen, allen voran die militärische Supermacht Amerika kann sich seit Vietnam keine eigene Toten mehr erlauben. Die Gesellschaft ist seit bald 60 Jahren Kriegsuntauglich und ist sich den Krieg nicht mehr gewöhnt. Müsste da nicht eine Generation herangezogen werden die sich für eine revolutionierte Kriegsführung begeistern ließe? Darauf hin könnte der neue Militärische Nintendo Komplex zielen. Die Intensivierung des Schlagwortes Terrorismus, deutet auch seit längerem darauf hin, dass eine Revolutionierung der Kriegstechnik von Nöten gemacht wird. Wie Paul Virilio in seinem Aufsatz „New York im Delirium“ bereits 1993 notierte, beschreibt er die erste Attacke gegen das World Trade Center, das mit Sprengstoff begangen wurde, als: „ein strategisches Ereignis, das der ganzen Welt die Veränderung der militärischen Ordnung zum Ende unseres Jahrhunderts vor Augen führt.“ Was damals sicher eine Revolution im innern des militärischen Apparates ausgelöst hat, hat nun der neue Anschlag bei der breiten Bevölkerung nachgeholt. Abgesehen von hysterischen Rufen nach mehr Überwachung, wurde der militärische Kleinkrieg ausgerufen. Der Nintendo Krieg wie er auf den Konsolen gespielt werden kann.

Während 1984 unter der Leitung von Colonel John Alexander das Projekt JEDI, welches mittels Neuro-Linguistischer Programmierung NLP versuchte kreative visualisierungs- Techniken für Spionage Einsätze zu entwickeln, sind heute virtuelle Simulationen und Szenarien darauf bedacht den Krieg über die Fingerspitzen zu entscheiden. Spieldesigner kommen deshalb häufig in den Genuss finanzieller Zuwendungen des Pentagons. Das von id-Software entwickelte Spiel Doom (1993) wurde über Lizenzen vom Marine Corps Combat and Development Command zum Marine Doom weiterentwickelt, das als Training für die Marines eingesetzt wird. Weit über zwanzig Spiele, die auch öffentlich zugänglich sind, wurden so modifiziert. Das Spiel BattleZone von Atari, wurde für das U.S. Militär konzipiert und ist auch zivil, jedoch unter anderem Namen zu kaufen. So mischen sich Kriegsspiele mit dem Training der Marines, einfachste Flugsimulatoren werden gebraucht um Türme virtuell wie real einstürzen zu lassen, die Produzenten des Spieles Carrier Strike Fighter bekamen sogar eine Berechtigung auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln zu Filmen um eine möglichst realitätsnahe Visualisierung des zivilen Spieles zu erreichen. Was einem Spion den Galgen bringen würde, wird kommerziell vermarktet und so realitätsnah wie möglich umgesetzt. Jedes Jahr organisiert das amerikanische Verteidigungshaus Verbindungskonferenzen mit Wargame Herstellern, an denen nicht nur Firmen wie GTInteractive, sondern auch Leute der Defense Intelligence Agency DIA teilnehmen. Was dabei rauskommt sind Spiele wie Soldier of Fortune, das sich rühmt einen „bislang unerreichten Grad an Gewalt“ zu zeigen.

Der Krieg der Zukunft wird zwangsweise per Fingerklick geschlagen werden müssen, daran wird auf allen Ebenen fleißig geforscht und einzelne Systeme sind bereits im Einsatz. So können ranghohe Offiziere über Mausklick bereits heute über Satteliten Verbindung schwere Waffen auf Schiffen oder bald auch Waffen aus dem All aktivieren und sie mehr oder weniger Zielgenau ins Ziel bringen, ohne wirklich am Ort des Kriegsschauplatzes zu sein. Der Schnittpunk Hardware (Computer) und Wetware (Mensch) ist somit nahezu vollbracht und töten auf Distanz ist, ohne den Feind je physisch zu sehen, möglich. Wie die Kriegsungewohnte Generation damit fertig werden wird, dürfte das größere Problem sein das durch den Militärischen Nintendo Komplex sehr effizient umgangen werden kann. In einem visualisierten Raum zu töten, in dem niemand einer Befehlsgewalt unterstellt ist und in dem selbst Kinder, Frauen, Wehrlose, Häftlinge, Gammler und Schwule hingerichtet werden können, kann eine Generation herangezogen werden, die ohne Hinterfragung des Vorgesetzten Befehle in einem visualisierten realen Raum umsetzten wird.

Krieg

Kein Feind ruft George W. Bush an

Harald Haack – Das war’s dann wohl. Die Tage von George W. Bush als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) scheinen zu Grabe getragen zu werden. B.B. lässt derzeit prüfen, ob gegen Bush ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden kann.

B.B. – das ist inzwischen keine alte französische Filmdiva, das ist Barbara Boxer, Senatorin in Kalifornien. Sie wie auch der Abgeordnete Conyers aus Michigan folgen einer Reihe amerikanischer Bürger, die in Leserbriefen an ihre Zeitungen ein Impeachment gegen Bush forderten.


Sein Trieb, sich als Held der USA feiern lassen, bringt ihn nun in die Nähe eines Amtsenthebungsverfahrens: US-Präsident George W. Bush. [M]

Doch Bush ist kein korrupter Nixon oder lüsterner Clinton. Bushs Handeln als US-Präsident folgt anderen Instinkten. Bush-Kritiker argwöhnen, sein kriegerischer Trieb sei dem eines Urmenschen ähnlich. Bush selbst hält sich dagegen für einen guten Texaner mit viel schwarzem Öl unter der Erde und blutigen Rindersteaks auf dem Teller.

Verrat, Bestechung oder anderes gravierendes Fehlverhalten müssten ihm nachgewiesen werden, um ihn für immer auf seine texanische Ranch zurückzuschicken. Davon, dass man ihn des Amtes als Präsident enthebt, könne zur nach Überzeugung des Weißen Hauses, Sprachrohr des US-Präsidenten, nicht die Rede sein. Bush habe alle rechtlichen Befugnisse besessen, zur Abwehr von Terrorgefahr den Geheimdienst auch ohne Gerichtserlaubnis zum Abhören von Telefonaten zu ermächtigen. Aber hatten die Nazi-Größen im Nürnberger Prozess nicht auch behauptet nur ihre Pflicht getan zu haben? Kein guter Vergleich? Nun, damit könnten Sie richtig liegen. Bush ist kein Nazi, möglicherweise aber viel schlimmer. Selbst jene Republikaner, die sich über Vergleiche von Bush mit Hitler, die einst von deutschen Politikern geäußert wurden, empört hatten, sehen das offenbar so und viele Demokraten ebenso. Bush ist nicht nur eine Gefahr für den Rest der Welt, sondern erst recht für die USA selbst geworden.

Doch der konservative Kommentator Charles Krauthammer hält das für eine „politische Fehleinschätzung“. „Nur der dreisteste und waghalsigste Parteistratege könnte so tun, als ob es um etwas gehe, das auch nur am Rande mit einem kapitalen Verbrechen und Vergehen zu tun hat.“

Bush versteift sich darauf, dass seine Entscheidung zu Abhör-Aktionen ohne richterliche Absegnung rechtmäßig gewesen sei und begründet dies mit Terrorbekämpfung: „Der Feind ruft jemanden an, und wir wollen wissen, wen er anruft und warum“, erklärte er. „Ich denke, dass die meisten Amerikaner die Notwendigkeit verstehen herauszufinden, was der Feind denkt.“

Worte, die den Demokraten Probleme machen könnten, die Öffentlichkeit von einer Anklage zu überzeugen. Doch wer ist der Feind? Schon Hitler und seine Schergen verwendeten diesen abstrakten Begriff täglich und hatten Krieg als Lebenszweck der „arischen Rasse“ eingeführt. Das Nazi-Deutschland führte nicht einen Krieg, es zettelte Kriege gegen viele Länder an. Als antike Vorbilder galten die Wikinger und das alte Römische Reich.

Der Vergleich der USA unter der Präsidentschaft Bushs wurde oft ins Spiel gebracht. Das bezog sich auf dem Imperialismus der USA. Doch man muss sich bald auch daran erinnern, was aus dem Römischen Reich wurde. Es ging an sich selbst kaputt. Die Demokraten der USA werden zwar ein riskantes Spiel haben, Bush den Dolchstoß zu versetzen, um die USA zu retten, doch Hilfe kommt von der amerikanischen Bürgerrechtsunion, eine regierungskritische Organisation mit Sitz in New York. Sie fordert eine Untersuchung von Bush eigenwilligen Verhaltens seitens eines unabhängigen Sonderermittlers.