Krieg

Goooood Morning, Irak

Harald Haack – George W. Bush mosert nicht über unliebsame Journalisten wie deutsche Politiker dies in letzter Zeit eifrig taten, allen voran Ex-Bundeskanzler Schröder und sein Ex-Innenminister Schily, dass man in Deutschland schon um die Pressefreiheit fürchten musste. Der US-Präsident spannt Journalisten ein, um die „amerikanische Version einer Story“ zu erzählen, und er schickt sie dafür in die Wüste, in den Irak und nach Afghanistan.

Journalisten in Uniform – alles schon einmal dagewesen

Nun gut, dass Journalisten in Uniformen gesteckt werden, um die Realität zu verklären, ist nicht neu. Während des Zweiten Weltkriegs hetzten deutsche Wortakrobaten nach Vorgaben des kleinwüchsigen Propagandaministers Goebbels. Im Vietnam-Krieg plärrte das geschmeidige „Good Morning, Vietnam“ aus den Radioempfängern der GIs, gefolgt von beschwingter Musik und gesendet vom AFN. Nun kämpfen die USA mit Waffen und Worten und Journalisten und Hacker führen den „Informationskrieg“, der im Verborgenen stattfinden soll.

Vor wenigen Tagen erhielten wir eine E-Mail von S.A. Rehman aus Pakistan, dem Land, in dem sich Osama bin Laden versteckt haben soll. Die Rückverfolgung der IP-Adresse dieser Mail führte uns auch nach Pakistan. Aber da das Internet inzwischen voll gestopft ist mit demselben Text, einem „Open Letter To Osama bin Laden and Ayman Al-Zawahiri“, der unter verschiedenen Adressen versand wurde, ist anzunehmen, dass nicht nur die Adressen gefälscht sind, sondern auch die IPs. Der Inhalt des Text enthält keine Amerikanismen, also Elemente, aus denen man schließen könnte, dass der Text von einem Amerikaner geschrieben wurde. Aber das beste Englisch sei es nicht, wie uns ein Experte mitteilte. Der Verfasser könne aus Pakistan stammen – wenn da nicht einige Stellen wären, die darauf hinweisen, dass er mit einem besseren Englisch aufgewachsen ist.

S.A. Rehman, der angebliche Versender des Offenen Briefes an Osama bin Laden, nennt sich „Friedenssaktivist“. Doch der Name sei eine Fälschung, wie uns ein Mitarbeiter des ehemaligen pakistanischen Staatsanwaltes Hafiz S.A. Rehman auf Anfrage telefonisch mitteilte. Die Texte, die in seinem Namen versandt wurden, kämen vermutlich aus dem Pentagon.

George W. Bush scheute keine Kosten, um gegen Afghanistan und Irak seinen Krieg zu führen. Weltweit rutschte daher sein ohnehin nicht gutes Image ab und ist nun nicht besser als das irgendeines Terroristen. Sogar die Mehrheit der Amerikaner wendet sich von ihm ab.

Um dies zu ändern, lässt er um die öffentliche Meinung kämpfen, vornehmlich im Mittleren Osten. Für seine aufwendige Propaganda verfügt das Pentagon über einen großen Redaktionsstab. Den könnte man sicherlich vorstellen wie das emsig umherwieselnde Heer der Elfen des Weihnachtsmannes im Hollywood-Propaganda-Movie „Der Polarexpress“: Journalisten in Uniform produzieren in angeblich bizarrer, hypermoderner Umgebung Programme für Print- und elektronische Medien, u.a. in Kabul und Bagdad, und wahrscheinlich sitzt dort im tiefen Keller des Pentagons tatsächlich ein kleinwüchsiger, hämisch vor sich hin kichernder Elf mit spitzen Ohren, ein Lauscher und Wortakrobat, jener Verfasser des Offenen Briefes an Osama bin Laden und ist stolz auf sein Pakistani-Englisch: „Aslam-o-Alaikum!“

Die USA kämpfen mit Waffen und Worten

Krieg

Kennedy-Berater mischen sich in aktuelle US-Politik ein

Elmar Getto – Die beiden Präsidentenberater von Kennedy, Arthur M. Schlesinger jr. und Theodore Sorensen, haben in einem Artikel in der New York Times vom 4. Dezember einen dreiteiligen Abzugsplan vorgeschlagen, um die USA aus dem Engagement im Irak freizubekommen.

In dem Artikel wird der Überfall auf den Irak kritisiert, aber nur, weil er nicht professionell genug durchgeführt wurde. Es wird gesagt, daß das Ziel militärisch und politisch nur vage definiert war, daß die Kosten des Krieges selbst für eine so größe Ökonomie wie die der USA auf die Dauer nicht mehr zu tragen sind, daß der Einsatz einer großen Zahl von Truppen zu lange dauert – im Frühjahr werden es drei Jahre – und daß für das angestrebte Ziel zu wenig Truppen eingesetzt wurden.

Andererseits kritisiert der Artikel aber auch die „unverzeihliche Mißhandlung von Gefangenen“ und das völligen Fehlen eines Planes für eine zeitliche Begrenzung des Engagements.

Der Artikel enthält auch den Versuch, ihren damaligen Chef, den Präsidenten Kennedy, reinzuwaschen von dem Vorwurf, daß er es im wesentlichen gewesen ist, der damals das US-Engagement in Vietnam begann. Er habe bestehende Verbindungen mit der südvietnamesischen Diktatur von seinem Vorgänger Eisenhower übernommen und habe im Jahr seiner Ermordung bereits den Abzug vorbereitet. Diese Weißwaschmanöver können aber unbeachtet bleiben, denn sie gelten wohl vor allem der eigenen Rolle als wesentliche Präsidentenberater.

Beachtenswerter ist wohl der Abzugsplan, den sie dem jetzigen Präsidenten nahelegen.

Er beinhaltet drei Stufen:
– Klarmachen, daß man abziehen wird.
– Eine förmliche Bitte zum Abzug von der irakischen Regierung verlangen.
– Zurückziehen der Truppen in Stufen, mit sofortigem Beginn und einer Umstellung der „Unterstützung“ des Regimes auf Luftunterstützung und eventuell Luftlandetruppen, die in der Nähe stationiert bleiben können.

Dadurch, daß sie offiziell gebeten werden, das Land zu verlassen, könnten die US-Truppen das Gesicht wahren. Auf die Aussage von Präsident Bush, daß ein Abzug zu einer Katastrophe führen würde, antworten sie, daß bereits eine im Land herrscht. Sie sagen, daß gesetzestreue Iraker nach einem Abzug mehr Clan-Gewalt, einer ‚Balkanisierung’ und ausländischer Eingriffe ausgesetzt sein könnten, aber das gleiche wäre auch möglich, wenn man bliebe.

Dieser ‚Schlesinger-Plan’ gibt allerdings keine Antwort auf die Frage, wie man dann das Hauptziel erreichen soll, dessentwegen der US-Imperialismus den Irak versucht, in eine Kolonie zu verwandeln: Die Kontrolle der ganzen Region durch die US-Regierung. Damit dürfte er keine Chance haben, verwirklicht zu werden und muß wohl mehr im Sinne eines Entlastungsangriffs der Seite der Demokraten durch die beiden alten Haudegen verstanden werden.

Krieg

Neblig bei klarer Sicht – wie die US-Medien die Berichterstattung über den Luftkrieg im Irak scheuen

Norman Solomon – Die US-Regierung führt einen Luftkrieg im Irak. „In den letzten Monaten scheint sich das Tempo des US-Bombardements verstärkt zu haben“, schreibt Seymour Hersh in The New Yorker vom 5. Dezember. „Die meisten Ziele liegen offensichtlich in den feindlichen, überwiegend sunnitischen Provinzen um Bagdad und an der syrischen Grenze“. Hersh: „Bis heute hat zu diesem Luftkrieg weder im Kongress noch in der Öffentlichkeit eine ernsthafte Debatte oder Diskussion stattgefunden“.


Das aktuelle Gerede aus Washington – Teilabzug der US-Truppen aus dem Irak – wird den Boden bereiten für weiteres militärisches Töten im Irak, nämlich aus der Luft.

Ein wichtiger Grund hierfür: Wenn es um die Dimension des Pentagon-Luftbombardements im Irak geht, stecken unsere großen US-Nachrichtenblätter den Kopf in den Sand – eine Verweigerungshaltung, die umso problematischer ist, da eine Reduzierung der US-Truppen im Irak mit ziemlicher Sicherheit zu einer Intensivierung des Luftkriegs führen wird.

Ich forsche im LexisNexis, wie oft der Begriff „air war“ (Luftkrieg) – im Zusammenhang mit dem aktuellen US-Militärengagement im Irak – im Jahr 2005 in der New York Times abgedruckt wurde.

Bis Anfang Dezember waren es exakt null mal.

Und in der Washinton Post?

Die Antwort lautet ebenfalls null.

Wie häufig stand der Begriff „air war“ 2005 im Time Magazine, dem größten amerikanischen Nachrichtenmagazin?

Null mal.

Diese extreme Vogel-Strauß-Politik unserer Medien muss sich ändern und zwar umgehend, zumal das aktuelle Gerede aus Washington – Teilabzug der US-Truppen aus dem Irak – den Boden bereitet für weiteres militärisches Töten im Irak, nämlich aus der Luft.

Die letzten Wochen haben einen dramatischen Umschwung in der nationalen Debatte zur amerikanischen Irakkriegspolitik gebracht. Die Möglichkeit eines raschen Abzugs aller US-Truppen – eine Option, die die meisten Parteiführer und Medien-Gurus bislang für undenkbar hielten -, wird plötzlich in den Mainstream-Medien erörtert und das allen Ernstes.

Zumindest implizit vermittelt die Nachrichtenberichterstattung in den USA den Eindruck, dass es hinsichtlich des amerikanischen Kriegsbeitrags im Irak vor allem auf die „boots on the ground“ ankomme, die Soldatenstiefel vor Ort. Deshalb wird in der öffentlichen Debatte – fälschlicherweise – davon ausgegangen, dass eine Verringerung der amerikanischen Truppen im Irak bedeutet, dass das Pentagon künftig in weniger Gräuel im Irak verwickelt wäre.

Die Wahrheit (unter der Oberfläche des Massenmedien-Diskurses) sieht so aus: Es gibt Anzeichen, die sehr dafür sprechen, dass das amerikanische Militäroberkommando das Bombardement des Irak verstärken wird – bei gleichzeitiger Reduzierung der US-Besatzungstruppen im Irak. Dies soll noch vor den US-Kongresswahlen im nächsten Herbst erfolgen, denn dem Weißen Haus ist sehr daran gelegen, Fortschritte beim amerikanischen Rückzug aus dem Irak vorweisen zu können. Machen wir uns daher auf einen massiven Medien-Spin rund um jeden möglichen Truppenteilrückzug im Jahr 2006 gefasst.


Die Dimension des amerikanischen Bombardements bleibt der amerikanischen Medienberichterstattung verborgen.

„Der amerikanische Luftkrieg im Irak ist momentan vielleicht der wichtigste – kaum berichtete – Aspekt im Kampf gegen den Aufstand“, schreibt Hersh in seinem Artikel für den New Yorker. Die Dimension des amerikanischen Bombardements bleibt der amerikanischen Medienberichterstattung verborgen. Schließlich verlässt sie sich auf Informationen, die ihr das Pentagon mit dem Löffelchen füttert. „Die Militärbehörden in Bagdad und Washington versorgen die Presse nicht mit täglichen Berichten über die Missionen, die die Air Force, die Navy oder Einheiten des Marine-Korps fliegen beziehungsweise über die Tonnen, die sie abwerfen; beim Vietnamkrieg wurde das routinemäßig gemacht“.

Aber die Medien-Spindocs im Weißen Haus sind sich sicher wohlig der Tatsache bewusst, dass das Radar der US-Medien den Luftkrieg im Irak kaum erfasst. Eine Ignoranz, die dem Szenario eines Truppenteilabzugs bei gleichzeitig intensiviertem Luftkrieg sehr zuträglich sein dürfte. Hershs Artikel lässt darauf schließen, dass uns genau das bevorsteht: „Ein Schlüsselelement der Truppenreduzierungspläne – das in den öffentlichen Statements des Präsidenten verschwiegen wird -, ist, die abziehenden amerikanischen Bodentruppen durch amerikanische Airpower ersetzen zu wollen. Schnelle, tödliche Schläge durch US-Kriegsflugzeuge – das wird als Weg angesehen, die Schlagkraft selbst noch der schwächsten irakischen Kombateinheiten drastisch zu stärken.“

Die Mainstream-Nachrichtenberichterstattung in den USA zieht die Möglichkeit nicht in Betracht, dass das US-Militär nach einer Reduzierung der amerikanischen Soldaten im Irak eventuell noch mehr Iraker töten könnte – eine Möglichkeit, die ebenso real wie problematisch ist. „Was viele vorschlagen, nämlich eine Reduzierung der US-Truppen und parallel dazu einen noch brutaleren Luftkrieg sowie die Schaffung einer irakischen Klientenarmee, würde die Zahl der getöteten Iraker sehr wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben“, so Joseph Gerson vom American Friends Service Committee. „Die ‚Farbe der Leichen‘ würde sich ändern – und so den fortdauernden Krieg für die amerikanische Öffentlichkeit akzeptabler machen“.

Ein gutes Vorbild für eine solche politisch motivierte Strategie war die sogenannte „Vietnamisierung“ des Vietnamkriegs, deren Beginn Präsident Richard Nixon Mitte 1969 einläutete. Diese Politik sah eine Reduzierung der US-Truppen in Vietnam um fast eine halbe Million vor (über einen Zeitraum von 3 Jahren hinweg). Im gleichen Zeitraum wurde die Zahl der US-Bombentonnen, die über Vietnam abgeworfen wurden, gesteigert.

Ganz ähnlich könnten sich die Ereignisse im nächsten Jahr entwickeln – das heißt, vor den Wahlen im November 2006, die darüber entscheiden werden, welche Partei das Repräsentantenhaus und den Senat bis zum Jahr 2008 dominiert. Präsident Bush steckt in der Zwickmühle. Einerseits will er keine militärische Niederlage im Irak, andererseits muss er die innenpolitischen Chancen seiner Republikaner – auf dem Hintergrund des unpopulären Kriegs – verbessern. Daher scheint wahrscheinlich, dass Bush den US-Luftkrieg im Irak weiter ausweiten wird, während er gleichzeitig (einige) Truppen abzieht. Bush hat gute Gründe zu hoffen, dass die amerikanischen Nachrichtenmedien das Thema Luftkrieg – beziehungsweise die horrenden Folgen dieses Luftkriegs für das irakische Volk – auch in Zukunft scheuen werden.

Dieser Artikel von Norman Solomon erschien auf Deutsch erstmals bei Zmag. Übersetzung: Andrea Noll.
Norman Solomon ist Autor von ‚War Made Easy: How President and Pundits Keep Spinnging Us to Death

Krieg

Der Weg raus aus dem Irak

Norman Solomon – Zu Beginn der diesjährigen Thanksgiving-Woche schrieb die New York Times: „Ganz Washington ist emsig mit der Debatte beschäftigt, welche Richtung der Krieg im Irak nimmt„. Diese – längst überfällige – Debatte ist sicherlich ein herber Schlag für die Kriegsplaner in Washington. Dennoch wird Amerikas Krieg (im Irak) noch jahrelang weitergehen – falls die Friedensbewegung nicht in Fahrt kommt und ihn stoppen kann.


Dieser Krieg ist nicht schiefgelaufen. Er war schon immer schief.

Es gibt diesen klischeehaften Spruch: Der Krieg ist zu wichtig, um ihn den Generälen zu überlassen. Noch wichtiger: Der Frieden ist zu wichtig, um ihn Kongressmitgliedern und Gurus zu überlassen, denn diese Leute sind meist gegen die Option eines schnellen Abzugs der US-Truppen aus dem Irak.

Am 17. November brach ein profilierter Verfechter des militaristischen Kurses im Kongress plötzlich mit jener Position, die als Common Sense gilt, nämlich, dass ein sofortiger Abzug undenkbar sei: „Die amerikanische Öffentlichkeit ist uns Meilen voraus„, so der Abgeordnete John Murtha in einem schriftlichen Statement. Sein Fazit in Großbuchstaben, das die politischen Großeliten unseres Landes erschüttert hat: „Unser Militär hat alles erfüllt, was von ihm verlangt wurde. Militärisch können die USA im Irak nicht mehr erreichen. ES IST ZEIT, SIE HEIMZUHOLEN„.

Murthas Statement hat den Bann gebrochen. Nach wie vor aber stellt die weiße Magie des amerikanischen Militarismus das Haupthindernis für die Heimholung unserer Truppen dar – Truppen, die man nie in den Irak hätte entsenden sollen.

In den Redaktionen bzw. auf dem Kapitolshügel sind aber keineswegs die Gewissensbisse ausgebrochen. Das politische bzw. journalistische Klima im offiziellen Washington ist nach wie vor geprägt von tödlichem Opportunismus. Zwar mag sich in den nächsten Tagen der Schwerpunkt des Opportunismus verschieben, aber das Pendel der mächtigsten Stimmen in der amerikanischen Medienwelt bzw. in der US-Politik schlägt nach wie vor reichlich einseitig in Richtung jener Position aus, die Präsident Bushs am Sonntag so formuliert hat: „Ein sofortiger Rückzug unserer Truppen aus dem Irak würde nur die Hand der Terroristen stärken – im Irak und im Krieg gegen den Terror allgemein„.

„Sofortiger Rückzug“ ist eigentlich nicht der korrekte Begriff für das, was Murtha fordert, obwohl er es so genannt hat. Worauf Murtha drängt, ist vielmehr der komplette Abzug aller US-Truppen aus dem Irak innerhalb der nächsten 6 Monate. Seine Haltung ist viel klarer als die von Senator Russell Feingold, der im Sommer den vollständigen Abzug bis Ende 2006 gefordert hatte. Für seine Haltung hat er damals viel Lob vonseiten der Progressiven geerntet – und das, obwohl Feingold praktisch für 16 weitere Monate US-Krieg im Irak plädiert hatte. Verglichen mit Murtha wirkt Feingolds Pullout-Deadline rückblickend direkt kriegsbefürwortend.

Für die Pundits und den Capitol Hill bedeuten die ausbleibenden Militärerfolge der Bush-Administration, dass der Krieg politisch zunehmend anfechtbar wird. Ihre Kritik lässt dem Weißen Haus dennoch viel Spielraum, um zu behaupten (wenn auch wenig glaubwürdig), das US-Militär und die Verbündeten in der irakischen Regierung könnten die Wende noch schaffen und auf eine ‚Irakisierung‘ des Krieges hoffen. Die Linie des Weißen Hauses, „wir sehen das Licht am Ende des Tunnels“, erinnert an das Gerede von einer Vietnamisierung des Vietnamkriegs vor 35 Jahren.


Ein Großteil des Protests gegen den (Vietnam-)Krieg hängt schlicht mit der Tatsache zusammen, dass wir dabei sind zu verlieren.

Hätte das Pentagon es geschafft, die irakische Bevölkerung zu unterwerfen, würden heute wohl nur sehr wenige Schlagzeilen bzw. Kongressmitglieder diesen Krieg verurteilen. Dies ist nur eine von vielen Parallelen, die es zwischen der innenpolitischen Dynamik des Irakkriegs und dem Verlauf des Vietnamkriegs gibt. Die Betonung des Vorrechts, Kriege zu führen, steht nicht in der Kritik. Daher wird die vorhersehbare Reaktion in diesem Fall wohl sein: Wir müssen den Krieg noch effektiver führen.

Genau das meinte der große Journalist I.F. Stone, als er Mitte Februar 1968, also nach den ersten Jahren des Vietnamkriegs, schrieb: „Es wird Zeit, etwas Abstand zu gewinnen und zu sehen, wohin wir gehen – und uns selbst genau zu beobachten. Die erste Ein-Sicht lautet: Wir messen der Frage unseres nationalen Gewissens zu große Bedeutung bei. Ein Großteil des Protests gegen den (Vietnam-)Krieg hängt schlicht mit der Tatsache zusammen, dass wir dabei sind zu verlieren. Ginge es nicht um die hohen Kosten, Politiker wie die Kennedys (Robert u. Edward) und Organisationen wie ADA (liberale Amerikaner für Demokratische Aktion) wären noch immer genauso mit diesem Krieg einverstanden, wie sie es vor einigen Jahren waren“.

Während die Lügen hinter dem Irakkrieg immer offensichtlicher werden und der Sieg in immer weitere Ferne rückt, dreht sich in den USA der Protest gegen den Krieg schwerpunktmäßig um die toten und leidenden US-Soldaten. Diese Fokussierung ist innenpolitisch ein scharfes Schwert – aber eben auch ein zweischneidiges. Man gibt die Definition aus, der Krieg sei in erster Linie zu bedauern, weil Amerikaner leiden. Eine mögliche Gefahr, die ich sehe: Ein Prozess des Truppen-Teilabzugs wird eingeleitet werden, bei gleichzeitiger Steigerung der US-Airpower – Luftschlagkraft, die durch eskalierendes Bombardement noch mehr Tod und noch mehr Terror bringt (wie das in Vietnam über mehrere Jahre der Fall war, nachdem Präsident Nixon Mitte 1969 seine „Guam-Doktrin“ der Vietnamisierung des Kriegs verkündete). Eine effektive Friedensbewegung hätte die Aufgabe, gegen jenen Chauvi-Narzismus vorzugehen, der den Krieg hauptsächlich aufgrund der amerikanischen Opfer problematisiert.

Noch immer gibt es viele Pundits und Politiker, die die Bush-Administration kritisieren, weil sie über keine effektive Irak-Strategie verfügt. Aber dieser Krieg ist nicht schiefgelaufen. Er war schon immer schief, das heißt, falsch. Das Grundproblem mit dem US-Krieg im Irak heute ist doch, dass er überhaupt stattfindet.

Dieser Artikel von Norman Solomon erschien auf Deutsch erstmals bei Zmag. Übersetzung: Andrea Noll.



Krieg

3000 Ausländer an Aufständen im Irak beteiligt

WASHINGTON – Die Zahl der ausländischen Kämpfer im Irak ist möglicherweise weitaus höher als bisher angenommen. Nach einer Studie eines US-Militärexperten beteiligen sich derzeit etwa 3000 Ausländer an den Aufständen gegen die US-geführten Truppen.

Mit rund 20 Prozent sei der Anteil der Algerier am grössten, gefolgt von Syrern mit 18 Prozent, Jemeniten, Sudanesen, Ägyptern und Saudiarabern, heisst es in der Studie, für die Anthony Cordesman Geheimdienstberichte vor allem aus Saudi-Arabien sowie anderen Ländern der Region ausgewertet hat.

Die Zahl genüge, „um eine ernsthafte Bedrohung darzustellen“, sagte der Experte vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien bei der Vorstellung des Berichts in Washington.

Laut Cordesman halten amerikanische und irakische Experten die saudischen Schätzungen für weitgehend korrekt. Allerdings sei die exakte Zahl unwichtig; „es reicht, genügend Freiwillige zu haben, um die Selbstmord- und Bombenanschläge fortzusetzen und zu versuchen, die irakischen Sunniten in den Bürgerkrieg zu treiben“.

Doch selbst wenn sie keinen Erfolg haben sollten, blieben diese Kämpfer eine Bedrohung, da sie die „Gewalt und Extemismus“ auch in andere Länder tragen könnten, sagte der Experte weiter.

Krieg

Einsatz von Phosphor bestätigt

sda – Stephan Fuchs -Nun ist es offiziell: Das amerikanische Verteidigungsministerium hat eingeräumt, dass US-Truppen während ihrer Großoffensive im irakischen Falludscha im Kampf gegen Aufständische vor einem Jahr Weissen Phosphor als Waffe eingesetzt haben. Das berichtete die britsche BBC Berufung auf Angaben eines Pentagon-Sprechers.

Das Verteidigungsministerium in Washington hatte zuvor lediglich eingeräumt, Phosphorgranaten benutzt zu haben, um feindliche Stellungen bei Nacht zu erleuchten.

Der italienische Fernsehsender Rainews 24 hatte zuvor eine Dokumentation ausgestrahlt, in der den USA vorgeworfen wurde, bei ihrer Offensive gegen Falluja Ende 2004 chemische Waffen eingesetzt zu haben. Die Autoren beriefen sich auf Aussagen von US- Soldaten, die grausame Szenen von durch Phosphorgranaten verbrannten Körpern zahlreicher Zivilisten schilderten.

Der Pentagon-Sprecher betonte gegenüber der BBC, dass die Phosphorgranaten keine chemische Waffen, sondern «konventionelle Munition» seien. Die USA haben eine internationale Konvention, die den Einsatz von Weissem Phosphor gegen Zivilisten verbietet, nicht unterzeichnet.

Erschüttern und braten
Mörder
Video: Fallujah – The Hidden Massacre

Krieg

Krieg in „Eurabien“

Harald Haack – Nun ist genau das eingetreten, was das christliche Europa lange zu verdrängen versucht hat: Der Aufstand vernachlässigter, sich unterdrückt fühlender Muslime. Mehr als 28.000 Autos und Busse brannten seit Januar. Jede Nacht werden es um nahezu 1.000 Stück mehr, doch bislang trifft es nur die Armen. Und weil nichts mehr bewegt, als sein eigenes Auto brennen zu sehen, scheint dies der Grund dafür zu sein, weshalb die jungen muslimischen Brandstifter nicht jene Politiker direkt angreifen, die sie für ihre Misere verantwortlich machen. Sie wollen den islamischen Flächenbrand, spekulieren auf eine neue Revolution in Frankreich und glauben dies offensichtlich nur mit dem Terrorisieren der Armen erreichen zu können.


Dank seiner zündenden Ausdrucksweise wurde er zur Symbolfigur des muslimischen Zorns: Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy.

Im Chaos sehen sie sich als strahlende Sieger hervorgehen, wie der 14jährige Hisam Karmouni* auf seiner Website prahlte und verkündete, der Krieg sei erst dann zu Ende, wenn die Franzosen ihren Innenminister auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Wenige Tage später nach Veröffentlichung seiner Hass-Propaganda traten Polizisten die Tür zur Wohnung seiner Eltern in einem Wohnsilos des Département Yvelines ein. Dem Jungen gelang die Flucht, nachdem die Polizisten ihre Fahrzeuge brennend vorfanden und ist seitdem untergetaucht.

Unbeirrt folgt Frankreichs Innenminister Sarkozy weiter seinen Weg, die Unruhen der vergangenen Tage zu beenden: „Festnahmen. Das ist der Schlüssel!“ Doch wohin mit den vielen Festgenommenen? Die Gefängnisse sind voll. Basteln er und Premierminister Dominique de Villepin insgeheim bereits an Konzentrationslagern nach deutschen und amerikanischen Vorbildern? Oder sollen die Festgenommenen, nach alter französischer Art, auf eine ferne Insel verbannt werden? Das Gesetz, das Frankreich die Verbannung unliebsamer Personen ermöglichte, wurde zwar abgeschafft, doch was sollte französische Politiker daran hindern es zu reaktivieren? Mit der Verbannung verbunden war auch die Zwangsarbeit.

Für ebenso Verwirrung stifteten nun Äußerungen der französischen Polizei. Nachdem erneut auf Polizisten geschossen wurde, bezeichnete ein Polizeisprecher dies „als ernste Gewalt“. Wahrscheinlich sind es die Feuer in seinen Augen nicht. Seitens einiger Jugendlicher, unten denen viele noch strafunmündig sind, tauchten inzwischen Äußerungen auf, nach denen Polizisten für etliche Brände verantwortlich sein sollen. Es soll Zeugen geben, die brandschatzende Polizisten gesehen haben wollen.

Der bislang zu allem schweigende Präsident Jacques Chirac drohte indes: „Jene, die Gewalt oder Angst säen wollen, werden gefasst, verurteilt und bestraft.“ Unklar blieb bislang, ob er damit auch Innenminister Nicolas Sarkozy miteinbezieht. Dieser wird von Sozialistenchef François Hollande für die Eskalation der Gewalt verantwortlich gemacht, da Sarkozy die Randalierer als „Schurken“ und „Gesindel“ bezeichnet hatte.

Doch alle Drohungen nützen der Grande Nation wenig. Der Krieg der Kinder hat wahrscheinlich gerade erst begonnen.

* Name von der Redaktion geändert

Krieg

Britisches Gericht erkennt Golfkriegssyndrom an

LONDON – Erstmals hat ein britisches Gericht das sogenannte Golfkriegssyndrom als Krankheit anerkannt. Ein Kriegsveteran hat deshalb Anspruch auf eine Invalidenrente.

Nach Auffassung des Gerichts, das für Rentenstreitigkeiten zwischen Veteranen und dem Verteidigungsministerium zuständig ist, fasst der Begriff Golfkriegssyndrom medizinisch korrekt eine Reihe „unnormaler Symptome“ zusammen, an denen die Soldaten seit ihrer Rückkehr aus dem Irakkrieg von 1991 leiden.

Der Anwalt des Klägers Daniel Martin sprach am Dienstag von einer „historischen Entscheidung“: Vor allem für die zahlreichen unter dem Syndrom leidenden Veteranen dürfte das Urteil „enorme Konsequenzen“ haben.

Der Begriff Golfkriegsyndrom fasst eine Reihe von körperlichen und psychischen Krankheiten zusammen, die Soldaten seit der Rückkehr von der „Operation Wüstensturm“ haben. Seit 14 Jahren weigert sich das britische Verteidigungsministerium, das Syndrom anzuerkennen. Der Streit zwischen Martin und dem Ministerium zieht sich bereits seit fünf Jahren hin.

Der inzwischen 35-jährige Ex-Soldat leidet an heftigen Stimmungsschwankungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche sowie an Asthma und chronischen Gelenkschmerzen. Wie alle anderen Veteranen muss er regelmässig Medikamente gegen Vergiftungen durch Chemiewaffen oder schwach uranangereicherte Munition einnehmen.

An der „Operation Wüstensturm“ nach dem irakischen Einfall in Kuwait waren rund 53 000 britische Soldaten beteiligt. Von ihnen leiden nach Angaben von Interessenverbänden rund 500 an dem Syndrom und 6000 weitere an damit verbundenen Krankheiten.

Krieg

It’s worth it Baby!

Stephan Fuchs Diese Woche wurde im Irak offiziell der 2000 amerikanische Soldat getötet. Auf heute Mittwoch werden in 49 US Staaten 556 Protestveranstaltungen angekündigt. Organisatorin ist das American Friends Service Committee, eine religiöse Vereinigung der Quaker. Unter dem Motto „Not one more Death – Not One more Dollar“ will das Komitte dem Kongress klarmachen, dass die Mehrheit amerikanischer Bürger den Krieg und das Leiden im Irak satt hat.

Die Organisation der Quaker, sie erhielt 1947 den Nobelpreis für den Frieden, geht davon aus, dass wenn sie den Kongress überzeugen können den Geldhahn zuzudrehen, der Krieg logischerweise beendet werden müsse. Monatlich fliessen $5.6 Milliarden in die Aufrechterhaltung der Kriegsmaschinerie. Seit Kriegsbeginn über 200 Milliarden Dollar. Zurück kommen Krüppel, psychisch Kranke und Särge. Etwa 80% der toten sind zwischen 19 und 25 Jahre jung. Von der Tragödie drüben, gar nicht zu sprechen. Das Geld solle, so das American Friends Service Committee, gebraucht werden um die Wunden Iraks zu heilen.


Zurück kommen Krüppel, psychisch Kranke und Särge.

Der menschliche Verlust ist enorm. Neben dem kleinen Posten von 2000 offiziellen amerikanischen toten Soldaten kommen 198 Soldaten aus der „Qualition der Willigen“ über 300 Mitglieder privater Söldnerfirmen und 73 Journalisten dazu. 15’220 verwundete amerikanische Soldaten und eine noch unbekannte Anzahl psychisch gestörte und traumatisierte Männer und Frauen im militärischen Dienst sind zurückgekehrt. Die Zeitschrift New England Journal of Medicine veröffentliche, dass bei einer Untersuchung in den ersten 15 Monaten nach der Invasion 41’000 U.S. Marines und GI’s glauben, mindestens einen Iraker getötet zu haben. Soweit die Zählungen auf der einen Seite.


„It’s worth it“

Auf der anderen sieht’s verheerend und unübersichtlich aus: Am 20. Oktober 2003, ging Carl Conetta von der Project on Defense Alternatives von 5000 toten irakischen Soldaten aus. Der Guardian kam im Mai 2003 auf 45’000. General Tommy Franks rechnete sich 30’000 tote aus. Die meisten der toten waren irakische Deserteure auf der Flucht. Zu den Soldaten kommen 3450 irakische Polizisten. Diese alleine in der „Nachkriegszeit“. Die Zivilisten machen es am schwierigsten. Die Webseite Iraq Body Count verzeichnet heute Mittwoch mindestens 26690 und höchstens 30051. Body Count zählt die offiziell in mindestens zwei Publikationen veröffentlichten Toten. Das British Medical Journal geht von 100’000 Toten aus. Zählt man die Opfer seit Bush I. den U.N. Sanktionen und über Bill Clinton weiter geführte „Aushungerhilfe“, so kommt man über eine Million Menschen. Unbekannt ist die Rate an verstümmelten, vergewaltigten, vergifteten & an spätfolgen leidenden Männer, Frauen und Kinder. Madeleine Albright, Bill Clintons Secretary of State, meinte zu den von den Sanktionen vor allem für die Kinder verheerenden Auswirkungen süffisant: „It’s worth it“.

Cryptome: Die Liste der toten Amerikaner

Krieg

Weitere Vorwürfe gegen US-Soldaten in Afghanistan

US-Soldaten in Afghanistan sollen nach einem Medienbericht Leichen getöteter Taliban-Kämpfer verbrannt und zu Propagandazwecken missbraucht haben. Zu den schweren Vorwürfen sei eine Untersuchung eingeleitet worden, teilten die US-Streitkräfte am Donnerstag in ihrem Stützpunkt Bagram bei Kabul mit. „Dieses Kommando duldet keine Misshandlung feindlicher Kämpfer oder die Schändung ihres religiösen oder kulturellen Glaubens„, sagte Generalmajor Jason Kamiya. Sollten die Vorwürfe zutreffen, würden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Der australische Fernsehsender SBS hatte am Mittwochabend einen Bericht gezeigt, in dem US-Soldaten nach Angaben des Senders zwei nach Mekka ausgerichtete Leichen von Taliban-Kämpfern verbrennen. Ein Feldwebel wandte sich dabei dem Beitrag zufolge per Lautsprecher an Rebellen in der Umgebung und sagte: „Achtung, Taliban, ihr seid alle feige Hunde. Ihr habt zugelassen, dass eure Kämpfer nach Westen ausgerichtet und verbrannt wurden. Ihr seid zu ängstlich, herunterzukommen und ihre Leichen zurückzuholen.“

Der Vorfall war laut SBS Anfang des Monats von einem australischen Journalisten gefilmt worden, der US-Truppen in Südafghanistan begleitet hatte. Im Bericht hiess es, bei der Verbrennung der Leichen und ihrer Ausrichtung gen Mekka habe es sich um eine bewusste Schändung muslimischen Glaubens gehandelt.

Menschenrechtsgruppen haben US-Soldaten wiederholt vorgeworfen, Gefangene zu misshandeln. Nach der angeblichen Schändung des Koran im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba war es im Mai in Afghanistan zu Ausschreitungen mit mehreren Todesopfern gekommen.