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Brighton – Mafia prügelte Frau die Augen raus

Stephan Fuchs – Dass die englische Mafia mit harten Bandagen um ihre Kokain-Anteile kämpft, habe ich bereits dokumentiert. Damals hat die Mafia von Brighton eine Frau, ich habe sie Sally genannt, kurzerhand entführt und noch im Lieferwagen an der Vagina mit Elektroschocks gefoltert. Das Video wurde per E-Mail an ihren Ehemann geschickt. Dieser war auf der Flucht mit Kokain im Wert von umgerechnet 770’000 Euro.

Dem Mann blieb offensichtlich nichts anderes übrig, als sich der Mafia zur Verfügung zu stellen. Da beide selber koksten und offensichtlich rauschend-sniffende Partys veranstalteten, verringerte sich der Koksbestand um rund 100’000 Euro. Dies nahmen die Mafiosi nicht einfach hin. Kurzerhand entführten sie die Frau und Mutter dreier Kinder noch einmal.

Die Gangster verprügelten Sally und traten ihr ins Gesicht, bis ihr ein Auge rausgequetscht wurde. Die Mafia wird, soviel ist klar, die hunderttausend Euro nicht wieder sehen. Sally wird dafür ihre Kinder nicht mehr sehen. Die Mafia drohte, falls ihr Mann das fehlende Geld nicht zurückerstatte, dass die Kinder an der Reihe seien.

Die Mafia weiß genau was die Kinder tun, wo sie wohnen und wie sie aussehen. Über Neujahr war ich in Brighton und habe die drei Knirpse, ein Mädchen und zwei Jungs demonstrativ zu Fish’n’chips am Strand mitgenommen und den Sturm genossen. Ich weiß, dass wir beobachtet wurden – nicht nur von der südenglischen Mafia.

Britanniens Kokain Mafia foltert

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Schweizer Bankiers wegen Geldwäscherei angeklagt

onlineredaktion – Fünf ehemalige Verantwortliche einer Bank in Zürich müssen sich vor Bundesstrafgericht wegen Geldwäscherei verantworten. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, stehen die Beschuldigten im Verdacht, für einen Ring von korrupten Steuerbeamten in Brasilien rund 60 Millionen Franken gewaschen zu haben.

Bei den Angeklagten handelt es sich um frühere Angehörige des mittleren und höheren Kaders der ehemaligen Discount Bank & Trust Cie (DBTC). Ein Ring von brasilianischen Steuerrevisoren und hochrangigen Steuerbeamten hat gemäss Bundesanwaltschaft den Korruptionserlös auf Konten der Bank in Zürich fliessen lassen. Die Angeklagten werden bezichtigt, für die brasilianischen Steuerbeamten Konti unterhalten zu haben, welche in einem Zeitraum von drei Jahren mit Mitteln krimineller Herkunft in der Höhe von rund 60 Millionen Franken gespeist wurden.

Die korrupten Staatsbediensteten wurden 2003 in Brasilien zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. In einem zweitinstanzlichen Urteil vom September dieses Jahres seien insbesondere die Tatbestände der Geldwäscherei für eine kriminelle Organisation sowie der Korruption bestätigt worden. Die zwischen 14 und 17,5 Jahren liegenden Freiheitsstrafen seien teilweise sogar erhöht worden.

Die Unregelmässigkeiten bei der Bank in der Schweiz wurden gemäss Bundesanwaltschaft bei der Übernahme der DBTC durch eine Bank mit Sitz in Genf entdeckt. Diese Bank erstattete Strafanzeige. Die fünf Angeklagten werden sich vor dem Bundesstrafgericht wegen Verdachts auf Geldwäscherei, in zwei Fällen wegen gewerbsmässigen Geldwäscherei verantworten müssen.

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Das grösste Massengrab Europas – In den Wäldern Sloweniens werden 100 000 Skelette vermutet

Malte Olschewski – Als im Sommer 1945 aus den Wäldern entlang der Drau bei Marburg seltsame Geräusche kamen, raunten sich die Bauern der Umgebung zu : „Tito spricht!“. Titos Partisanen hatten hier nach der deutschen Kapitulation bis zu 100 000 Menschen erschossen und verscharrt. Nun quollen die Massen der Leichen auf. Verwesungsgase bahnten sich gut hörbar ihren Weg durch die dünne Erdschicht. Tito sprach.


Titos Killing Fields: Seine Partisanen erschossen bis zu 100’000 Menschen

Während der kommunistischen Zeit waren die Massenmorde an Titogegnern ein Tabu, dessen Verletzung von schweren Strafen bedroht war. Auch nach der Unabhängigkeit Sloweniens im Jahr 1991 dauerte es mehr als zehn Jahre, bis die offizielle Untersuchung der Ereignisse vom Mai 1945 beginnen konnte. Eine „Regierungskommission für verheimlichte Massengräber“ mit Joze Dezman, Mitja Ferenc und Martin Kostrevc hat seit 2002 über 500 Hinrichtungsorte lokalisiert und Exhumierungen vorgenommen. Doch wird die Frage nach den Tätern nur selten gestellt. Man vermutet, dass in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens noch hunderte Personen leben, die am Massenmord im „slowenischen Katyn“ beteiligt gewesen waren.

Hexenkessel 1945
Mit Kriegsende Anfang Mai 1945 hatten sich Südkärnten und der Norden Sloweniens in einen Hexenkessel verwandelt. Aus dem Süden marschierte die Heeresgruppe E unter General Alexander Löhr in einer endlosen Kolonne in Richtung des deutschen Reichsgebietes. Mit oder nach ihr zogen grosse Gruppen kroatischer Ustascha-Verbände und der serbischen Tschetniks, die wegen ihrer Kollaboration von der Rache Titos bedroht waren. Aber auch die deutsche Minderheit des besetzten Königsreiches Jugoslawien flüchtete. Aus Laibach marschierte die Heimwehr der Domobrancen nach Kärntnen. Auch für Hitler kämpfende Hilfstruppen der Kosaken standen bei Kriegsende an der Drau in Oberkärntnen. Britische Truppen hatten von Italien kommend Klagenfurt besetzt, worauf auch Titos Partisanen als eine zweite Besatzungsmacht auftraten.

Eine vorläufige Abmachung zwischen dem britischen Feldmarschall Alexander und Tito legte die Drau als Demarkationslinie fest. Wer zum Zeitpunkt der Kapitulation über diesen Fluss gekommen war, wurde von den Briten übernommen und durfte auf Behandlung nach dem Kriegsrecht hoffen. Wer südlich der Drau festsass, hatte sich den Partisanen zu ergeben und musste die Hinrichtung befürchten. Ungezählte Heldentaten der Kärntner Bevölkerung haben vielen deutschen Soldaten bei der riskanten Überquerung des Flusses geholfen.

Die Partisanen aber jagten in Südkärnten nach jenen Personen, die an der Kärntner Volksabstimmung von 10.10.1920 gegen den damaligen SHS-Staat Jugoslawien mitgewirkt hatten. Es sind etwa hundert Menschen abgeholt und verschleppt worden, um nie mehr wiederzukommen. Erst nach Wochen stellte Alexander der Titoarmee ein Ultimatum. Sie hätten aus Kärnten abzuziehen, was sie dann angesichts der britischen Übermacht auch taten. Neue Forschungen beweisen, dass es hier einen Deal gegeben hat: Abzug der Tito-Truppen aus Kärnten gegen Auslieferung der Ustaschen, Tscheniks, der Wehrmachtssoldaten und der deutschen Minderheit.

Verschwörung von Klagenfurt
Zehntausende deutsche Soldaten, Ustaschen und Tschetniks standen zum Zeitpunkt der Kapitulation südlich der Drau. Nahe der Stadt Bleiburg traten starke britische Einheiten den Ustaschen und Tschetniks entgegen, die weiter nach Norden wollten. Nikolai Tolstoj, der Enkel des grossen Dichters, schildert in seinem Werk „Celovska zeroto (Verschwörung von Klagenfurt)“ wie der britische Beauftragte für den Mittelmeerraum und spätere Premier, Harold MacMillan, den Verrat inszeniert hat. Auch August Walzl liefert in seinem Buch „Kärnten 1945“ erschütternde Details.

Bewaffnete Ustaschenverbände wurden zunächst in Empfang genommen und zum Niederlegen ihrer Waffen überredet. Dann wurden sie den Titopartisanen ausgeliefert. Hierbei ist es zu ungeheuerlichen Szenen mit Massenselbstmorden gekommen. Bleiburg gilt heute in der offiziellen Geschichtsschreibung Zagrebs als „kroatischer Kalvarienberg“. Es hatte sich auch Löhr als Kommandant der Heeresgruppe E nach Scheitern seiner Gespräche mit den Briten freiwillig in Gefangenschaft der Titoarmee begeben und war später nach einem Schauprozess hingerichtet worden. Einige wenige Kompanieführer der Wehrmacht haben trotz Kapitulation den Weitermarsch befohlen und sind fast alle durchgekommen, zumal kampferprobte NS-Soldaten den Partisanen weit überlegen waren.

Zehntausende Todfeinde in Titos Hände gefallen
Tito waren mit britischer Hilfe zehntausende seiner Todfeinde in die Hände gefallen. Die Briten setzen auch Lüge und Hinterlist ein, um Tito weiters „Exekutionsmaterial“ in die Hände zu spielen. Die slowenische Heimwehren der Domobranzen waren ebenfalls nach Kärnten geflüchtet. Dort waren sie von den Briten in einem Lager bei Viktring konzentriert worden. Man versprach ihnen Abtransport nach Italien, doch die versiegelten Züge fuhren durch den Karawankentunnel direkt in die Gewehrläufe der Rache. Einzelne Partisanen konnten es gar nicht mehr erwarten und haben schon im Zug mit den Exekutionen begonnen. Entlang der Bahnstrecke kam es zu apokalyptischen Szenen.

Immer wieder hielt der Zug. Immer wieder wurden Leichen aus den Waggons geworfen. Man zerrte gefesselte Heimwehrmänner neben die Geleise, folterte und tötete sie. Die meisten Domobranzen sind dann im Hornwald von Gottschee exekutiert und in dortige Felslöcher geworfen worden. Zur gleichen Zeit krachten in den Wäldern entlang der Drau wochenlang die Salven der Exekutionskommandos. Die NS-Armee hatte zur Verteidigung von Marburg in Tezno einen langen Panzergraben ausheben lassen. Die Partisanen ersparten sich das Ausheben von Gräbern. Bis zu 15 000 Menschen sind zur Panzersperre von Tezno geführt und mit MG-Salven hingerichtet worden. Ganz Oberkrain war mit Exekutionsorten übersät: In Schlössern der Region, im Bergwerk von Lasko, und in ehemaligen Bunker türmten sich die Leichen. Mit Lastwagen hat der titoistische Geheimdienst OZN (Odzek za zastitu naroda „ Volksschutzabteilung) über eine Woche Todes-kandidaten auf das Plauteau des Bachern- oder Pohorje-Gebirge transportiert.

„Lieben Sie die Vielfalt dynamischer Ereignisse oder wünschen Sie sich Gemütlichkeit und Individualität zur gleichen Zeit? Für einen bunten Tag: Die Gastfreundschaft wird sie mit traditionell hausgemachten Speisen und Getränken sowie bunten Sitten und Gebräuchen verzaubern!“ So wirbt der slowenische Fremdenverkehr heute für einen Urlaub in Pohorje. Wer dort eine Wanderung durch die Wälder unternimmt, der geht buchstäblich über Leichen. Der Wald ist mit Skeletten voll gestopft. Und bis heute haben die Behörden in der Frage der Täterschaft Umwege genommen.

Hauptverantwortlich für das grösste „Killing Field“ Europas ist Josip Broz Tito, der auch in anderen Situationen und nach dem Krieg unfassbare Grausamkeit gezeigt hat. Tito hat gleichzeitig mit dem Kampf gegen die deutschen Besatzer und ihre Kollaborateure eine kommunistische Revolution durchgeführt. Daher finden sich unter den Opfern der Exekutionsserien viele Zivilisten aus der bürgerlichen und begüterten Klasse des ehemaligen Königreiches Jugoslawien. Die Liquidierungen sind auch als Rache für die Massaker, Umsiedlungen und Gräuel anzusehen, die die Deutschen und ihre Kollaborateure in Jugosalwien begangen haben. Generell für die Exekutionen in ganz Jugoslawien war Titos späterer Innenminister Aleksander Rankovic verantwortlich. Wer nun die Massenhinrichtungen in Slowenien im Mai 1945 vor Ort organisierte und kommandierte, ist nicht bekannt. Boris Kidric als führender Slowene in Titos Stab dürfte das nicht gewesen sein.

Mitja Ribicic, der späterer jugoslawischer Ministerpräsident, war während des Krieges als „Oberst Mitia“ ein gefürchteter OZN-Führer. Er hat nachweislich an der Exekution von über 200 Personen teilgenommen, ist aber nie deswegen belangt worden. Es ist in der kommunistischen Zeit 1945/1991 kein einziger Prozess gegen Personen durchgeführt worden, die für die Massaker verantwortlich waren. Aber auch seit dem Zerfall Jugoslawien spielte diese Frage keine Rolle, da sie von den Verbrechen der Separationskriege von 1991/95 überschattet und verdrängt worden ist.

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No ‘Law and Justice’ for Canadian, U.S. Entrepreneurs in Poland

David Dastych – An early election campaign began in Poland this Saturday, August 25. Listening to the radio, I thought it was Vladimir Putin entering a Kremlin hall, welcomed by a loud flourish of trumpets. But it was a fanfare prelude for a speech of Prime Minister Jaroslaw Kaczynski at an American-styled “Law and Justice” party National Convention in Gdansk.

The Convention was held at the “Olivia” Hall, known and memorable of the past rallies of the then Lech Walesa’s Solidarity Free Trade Union, a 10 million strong popular movement that ended the Communist rule in Poland in the 1980s. Now, the ruling PiS (“Law and Justice” party) was using the same premises to trumpet its successes and to reforge their obvious failures of the past two years into an expected new election victory. The main opposition party, the PO (“Civic Platform”) held its leadership meeting on the same day, in Warsaw. Its leader, Donald Tusk, sharply criticized and attacked his opponent, Jaroslaw Kaczynski, and the policy of his PiS party.


Any illegal connection between the domestic corruption and the foreign capital can produce ‘side effects’, which could be very harmful to the country’s international reputation

Ironically, both Polish leading political parties, PiS (“Law and Justice”) and PO (“Civic Platform”) claim their roots in Solidarity and both of their leaders – Kaczynski and Tusk – were former anti-Communist activists in Gdansk, at the Baltic Seaside. Now they compete against each other in a bitter fight for power, each of them announcing that his party is the best to reform Poland. While the identical Kaczynski Twins (Lech – the President, Jaroslaw – the Prime Minister) defend their concept of a strong and ‘solidary’ interventionist state, Donald Tusk advocates a ‘civic state’ with smaller, decentralized government and free enterprise. In the past elections of 2005, it seemed that P0 and PiS were closer to each other and could eventually form a “POPIS” coalition (“popis” means a ‘show’ or ‘display’ in Polish) based on common values. But “POPIS” collapsed before it was born.

This is the political landscape in which, presumably without any significant contribution of PO and PiS, the Polish national economy is at its highest ever growth level. The economic trends in Europe and in the world are favorable for Poland, which was the first European post-Communist country to radically change its economic system and then became member of the European Union. The economic reforms began here at the end of the Communist rule, in the 2d half of the 1980s, from a government that foresaw a near collapse of the regime. Prime Minister Rakowski and his economy minister – Wilczek (his name means “young wolf”) gave a boost to the emerging private enterprise by accepting a sharp-witted principle: “What is not forbidden by law, is allowed.” And thousands of private companies began to flourish. But it wasn’t like the doomed Lenin’s “NEP” or Mao Zedong’s “100 Flowers Blossom”. It lasted. The unexpected great success of the Polish economy and the stability of the Polish currency drew a lot of foreign investments, both short-term ‘venture capital’ and more solid, long-term investments into the industrial, commercial and other infrastructure. A yearly flow of foreign capital to Poland soon exceeded US $ 10 billion.

Reformists and Bureaucrats
The founding father of Poland’s capitalist economy was Professor Leszek Balcerowicz, a former Communist Party member turned oppositionist and a hard-line monetarist. After the peaceful regime change in 1989, he became the “guru” of the Polish national economy and an all-powerful government minister. Facing a sky-rocketing inflation and a lack of domestic capital, Balcerowicz plowed the Polish economy by harsh decisions, taken from day to day. The initial liberal reforms of his predecessors, Rakowski and Wilczek, were to be extended and deepened at any cost. Almost instantly the state subventions were cut to the state-owned enterprises and to the state-owned and cooperative agricultural farms. Millions of workers lost their jobs and every Polish household had to pay their share of the reform cost. But in just a few years, the Polish currency (zloty) regained its true value. The rampant inflation had been beaten down and a great surge of private firms emerged and developed. The liberal reforms helped Poland to become the leading economy of the post-Communist part of Europe.

But soon the ever changing and short-lived governments, alternatively formed by Solidarity-leaning parties and by post-Communist parties, began a process of reducing the economic liberties. Bureaucrats expanded state budgets, which were always in need of more tax money. The great economic reforms began to falter and corruption developed, as more and more economic decisions fell into the hands of clerks and politically controlled officials. The abnormal ‘political economy’ of the corrupt government and state-controlled corporations grew simultaneously with the healthy and rapidly expanding private-controlled sector. The worse of all became the formation of political-business-mafia structures, which had enough leverage and money to sponge on the national economy. Crooked deals with foreign businesses expanded and foreign investors, who were not complying with the informal structures and who refused to pay bribes or cede a part of their assets to mobsters, were being brutally eliminated from the Polish market.

A Tale of Two Entrepreneurs
Any illegal connection between the domestic corruption and the foreign capital can produce ‘side effects’, which could be very harmful to the country’s international reputation. The number of such connections in Poland grew over the years and placed this country on a low position on a list of the world’s most transparent and non-corrupt economies.

A Canadian newspaper in Nova Scotia, The Chronicle Herald, has just published an article, written by their Washington D.C. correspondent, Mr. Bogdan Kipling: „Europort: a tale of two entrepreneurs in Poland“. A dramatic plight of a Canadian and a U.S. investor is a meaningful example of pathology still present in the Polish economy.

Mr. Donald leBlanc, an engineer from Halifax, in Canada, and Mr. Joseph d’Andrea, an industrial and commercial developer from Scranton, PA, in the United States “set out a dozen years ago to build a grain terminal in the Port of Gdansk. Today they stand the chance of losing their shirts and millions of dollars for their efforts.”

The author of the article presented both of them as experienced and reliable businessmen:

“Mr. LeBlanc is president and CEO of Dessaport International Corporation, a small holding company in Halifax. Mr. D’Andrea made a sizable fortune in trading and building for the rich and the poor. Both became active in Poland in the mid-1990s and Europort was their brainchild. So convincing was Don LeBlanc’s and Joe D’Andrea’s Europort proposal, they soon got the backing of the European Bank for Reconstruction and Development, the Royal Bank of Canada and the Saskatchewan Wheat Pool. These were sober-sided financial institutions, and in the case of the Saskatchewan Wheat Pool, a world-class player in the grain business.”

“ But that was the situation in the early days (1990s), when Warsaw was helpful, the locals warm and welcoming, and the Port of Gdansk management fully on board” – Mr. Kipling continued. “Of that good climate, only the warmth of the locals remains today (…) Back then, in 1996, the extensive feasibility studies were well underway, Mr. LeBlanc related to me in several long telephone calls to and from Halifax. The ambitious project showed every promise and in December 1997, the European Bank confirmed $65 million of financing – half of it from the Royal Bank of Canada.”

But in the later years the situation in Poland became intolerable:

“By 2002, the climate had changed from fair forecast to foul weather. Don LeBlanc talked and what I heard boils down to a sad account of Polish governments and authorities getting more rotten, more greedy for bribes, more arrogant by the day; and the only thing that remains constant is the hospitable warmth of ordinary Poles (…) The dozen years of experience the Canadian and American entrepreneurs have under their belts warrant attention. When they started the grain port project, nobody questioned Poland’s economic freedom, its clear course toward full integration with Western Europe and Western values. Corruption was widespread back then, too; but the last five years seem like an unbroken chain of attempted expropriation, extortion, exorbitant legal costs and unpleasantness (…)Between 2002 and late 2005, a nasty, corrupt clique of former communist apparatchiks held power in Warsaw and in the Port of Gdansk. It was then that the Canadian and the American port pioneers were told their lease on the pier, where work had already started on the grain facility, was invalid. The Port Authority could do with it as it pleased and tried to enforce rule with, among other tactics, the guns of the security guards.”

A US $ 1.5 million bribe

The author of the article described the insolent and wicked, unpunished behavior of a Polish high official:

“When Mr. D’Andrea sought redress, he told me, a highly placed intermediary said: „My birthday falls on the 13th. That’s my lucky number – and my commission.“ Off the top, he demanded five million zlotys – $1.5 million US.”

The desperate investors linked their hope for justice to the government change, but all in vain:

“In late summer and mid-autumn 2005, PiS – Law and Justice party – won parliamentary and presidential elections and Don LeBlanc and Joe D’Andrea saw hope returning.”

Yet nothing positive had happened:

„It got worse,“ says Mr. D’Andrea. Demands for bribes are as brazen as ever and government officials more arrogant than ever. The Canadian and the American embassies have tried to help and got nowhere.”

The author of the article could only draw a negative conclusion:

“The courts, though, still function in Poland and restored Europort’s lease. The final outcome, though, may depend on the depth of Mr. LeBlanc’s and Mr. D’Andrea’s pockets – and political change.”

Will elections help?

“Early elections loom in Poland and the twins’ [party] ironically named Law and Justice offers clumsy anti-corruption cops, but no convincing plan of reform that would end the scandals the entrepreneurs have to endure.” – concluded Mr. Bogdan Kipling, a Washington D.C. correspondent of a Canadian newspaper The Chronicle Herald.

Please note: this is only one, relatively small example of the plight of two honest foreign investors in today’s Poland. Maybe Poland is not the worse place to invest and an improving case. But the mafia-type interconnections still prevail, and the fight against secretive and omerta bound mob groups in always very difficult. All political parties on the Polish scene promise a ‘clean up’ of the economy from pathological structures. Yet, no political party, including the proverbial “Law and Justice”, can really assure lawfulness and justice to the local and foreign businessmen, who dare to invest their money, their efforts and their goodwill in this country.

No one expects a miracle. The fight against the deeply entrenched corruption and other illegal practices demands much more effort and persistence. It also takes time. But there is no other way around. Polish voters will soon decide who will rule in Poland for the years to come. They better put their stakes on a good horse.

David Dastych is a former Polish intelligence operative, who served in the 1960s-1980s and was a double agent for the CIA from 1973 until his arrest in 1987 by then-communist Poland on charges of espionage. Now he is an international journalist, who writes for Poland’s acclaimed weekly, WPROST, Canada Free Press, and The Polish Panorama (Canada), Ocnus Net (Britain), FrontPageMagazine and The New Media Journal (USA), Axis Information and Analysis (international), Nachrichten Heute (Switzerland), Agentura.ru (Russia), and runs his own David’s Media Agency.

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Die Sprache der Ndrangheta – Griechische und albanische Einflüsse in der kalabrischen Mafia

Malte Olschewski – Der Name der kalabrischen Mafiaorganisation kommt aus dem Griechischen, wobei „andragathos“ soviel wie „tapferer Mann“ bedeutet. Die Ndrangheta ist durch die Morde in Duisburg das Licht der Öffentlichkeit geraten, ein Platz, den sie meidet wie der Teufel das Weihwasser. Die in Kalabrien tätige Mafia ist die geheimnisvollste Verbrecherorganisation Italiens. Da ihre Strukturen von enger Familienbindung dominiert werden, kennt sie auch kaum Überläufer oder „Pentiti“, die dann mit Informationen auspacken. Daher ist auch sehr wenig über ihre Geschichte bekannt. Man weiss nur, dass die Ndrangheta ein sehr enges Verhältnis zur Sprache und zum geschriebenen Wort entwickelt hat.

So etwa haben die meisten Prinzipien oder Gebote der Ndrangheta mit der Sprache zu tun. Die „Omerta“ ist das Schweigebot über Aktivitäten der Organisation, während „Umilta“ die Demut gegenüber ihren Führern und „Fedelta“ die lebenslange Treue bedeuten. Als „Politica“ wird die geheime Sprache bezeichnet, in der die „Ehrenwerten“,also die Führer, Informationen austauschen. Als „False Politica“ wird die Sprache bezeichnet, mit der ein gefangerer Mafioso zur Polizei sprechen soll. „La Carta (Das Blatt)“ bezeichnet die Vorschrift, dass alles über die Aktivitäten der Organisation aufgeschrieben werden soll. „Il Lapis (Der Bleistift)“ verpflichtet den Capo, eine genaue Chronik zu führen.

Diese Aufzeichnungen werden an geheimen Orten aufbewahrt, doch es kommt immer wieder vor, dass solche Papiere von der Polizei gefunden werden. Dabei handelt sich in den meisten Fällen freilich um Chroniken aus dem 19. Jahrhundert. So kennt man die ungefähre Hierarchie, in der als „crimine“ drei Bosse an der Spitze stehen. Ein Kassenwart („Il Cantabile“) waltet seines Amtes. Bei dem Initiationsritual muss der Adept seine Hand mit eigenem Blut benetzen und dann auf ihr ein Heiligenbild verbrennen. Zentren der Organisation sind die Dörfer San Luca, Africo und Plati.

Der Jahreseinnahmen aus dem Geschäft mit Kokain, Prostitution und Menschenschmuggel werden auf 35 Milliarden Euro geschätzt. Familien kämpfen um die Herrschaft. Der Mord in Duisburg war Folge eine langen Streites zwischen den Familien Pesce und Bellocco. Die Tat geschah am „Ferragosto“, dem ältesten, von Kaiser Augustus verfügten Feiertag der Welt, dem das Christen-tum mit Maria Himmelfahrt nachgeeifert war.

Aus den wenigen Quellen geht weiters hervor, dass die Ndrangheta alte griechische Einflüsse aufgenommen hat. Vor der Staatswerdung Roms blühten an der Küste Kalabriens griechische Kolonien, in denen bedeutende Philosophen wirkten. Der wichtigste Denker war der Zahlenmystiker Pythagoras, der in Croton (heute“ Crotone) an der Spitze einer geheimen Gesellschaft tief nachdachte. Die Pythagoräer kannten eine Reihe von Verboten und sahen die Realität als eine Hochzeit von sich überschichtenden Zahlen. Die Tendenz zu geheimen Gesellschaften mit eigenen Regeln hat sich in Kalabrien erhalten, eine Region, die dann im römischen Reich stark vernachlässigt worden war. Seit dem Fall Konstantinopels wurde Kalabrien zum Ziel mehrerer Immigrationswellen aus Albanien.

Der albanische Nationalheld Skanderbeg oder Georgios Kastriotis hatte 1461 das Haus Ferrante in Italien militärisch unterstützt. Dafür erhielt er in Apulien und Kalabrien Ländereien, in denen sich albanische Immigranten niederliessen. Die Albaner oder Arnauten wurden wegen ihres heldenhaften Widerstandes gegen die Osmanen als „Märtyrer“ des Christentums gefeiert Die Ndrangheta bildete sich nach der Einigung Italiens um 1860 durch das Haus Savoyen aus Oberitalien.

Familien aus dem Piemont wurden für ihre Verdienste mit Gütern in Kalabrien reich entlohnt. Dagegen bildete sich Widerstand, der in der Art von Robin Hood als Rächer gegen die Reichen auftrat. Viele Albaner traten der Ndrangheta bei. Die starke Familienbindung, die Geheimniskrämerei und der überzogene Ehrbegriff sind den Ghegen aus Nordalbanien und der Ndrangheta gemeinsam. Albanische Bezeichnungen wurden von der Organisation übernommen. So etwa wird ein Familienclan als „n’drina“ und ein Banden-mitglied als „n’drini“ bezeichnet.

Die Eigenart der Mafiasprache in Kalabrien ist am besten in ihrer Musik zu erkennen, die man auch über Internet hören kann. Diese Sammlung basiert auf der alten Tradition der „Cantos di Malavita“ und der „Cantos do Carcero“, den Liedern eines schlimmen Lebens und den Liedern eines Eingekerkerten. Über gefällige Melodien süditalienischer Tarantellas werden böse Texte gelegt. „Non su lupu (Ich bin kein Wolf)“…“Amazzaru lu generali (Getötet ist der General…)“ „Infama Vinditta(Verratene Rache)“.. lauten einige Titel.

In „Ninna nanna malan-drineddu (unübersetzbar)“ singt eine Mutter und fordert ihren Sohn zur Rache auf. Bei „Omerta, Onuri a Sangu (Schweigen, Ehre und Blut)“ läuten die Glocken des mystischen Klosters von Polsi, wo historische Treffen der Ndrangheta stattgefunden hatten. In „Amuri e Carceri (Liebe und Gefängnis)“ schreibt eine Häftling Briefe mit seinem eigenen Blut. In einer „kommandierten Tarantella“ entscheidet der Capo, wann das Orchester beginnt und wer mit wem tanzen darf. In „Addiu Ndrangheta“ heisst es: „Jawohl, ich werde dorthin gehen, wo man Tag und Nacht spazieren gehen kann.“ Ein anderer Text geht so: „ Du bist kein Mann. Du bist ein Nichts. Gekauftes Fleisch./ Die Herzen vieler hast Du verraten./ Du bist ein Spitzel und auch ein Verräter./ Unser Seidentuch hast Du getragen./ Jetzt brauchen wir Dein Blut,/ Um dieses Tuch voll Schmutz zu waschen.“

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Konten des „Bankier Gottes“ auf den Bahamas entdeckt

onlineredaktion – Hunderte Millionen englische Pfund, die auf die Machenschaften des 1982 in London tot aufgefundenen Vatikan-Bankiers Roberto Calvi zurückgeführt werden, sind auf den Bahamas-Inseln entdeckt worden. Das Geld sei auf Offshore-Konten gefunden worden, berichteten italienische Medien am Dienstag, die sich auf Londoner Polizeiquellen berufen.

Calvi, Chef des Mailänder Kreditinstituts Banco Ambrosiano, war am 18. Juni 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden worden. Der „Bankier Gottes“ hatte sich zuvor in undurchsichtige Finanztransaktionen mit der Vatikanbank IOR, der umstrittenen Geheimloge P2 und der Mafia verstrickt. Dabei verschwanden zwischen 1972 und 1981 mehr als 1,3 Mrd. US-Dollar (952 Mio. Euro).

Nach dem Zusammenbruch der Banco Ambrosiano waren 800 Millionen Pfund (1,180 Mrd. Euro) verschwunden. Laut der Untersuchung der britischen Behörden soll Calvi ein Netz von Offshore-Konten aufgebaut haben, um die illegalen Geschäfte und die Verluste der Bank zu verheimlichen.

Der Bankrott der Banco Ambrosiano war der größte Bankenzusammenbruch in der italienischen Nachkriegsgeschichte, deren genaue Hintergründe bis heute im Dunkeln liegen. Immer wieder war von illegalen Geschäften sowie von Verstrickungen hoher Politiker die Rede. Calvi war seinerzeit zunächst vor seinem Tod mehrere Tage lang spurlos verschwunden, angeblich hatte er eine Tasche mit belastenden Unterlagen über hohe italienische Politiker bei sich.

Im Juni waren im Prozess um Calvis Tod in Rom alle Angeklagten aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

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Operation Ore`, Teil 3: Die Rolle der Politik und der Medien

Karl Weiss – “Operation Ore”, ist jene grosse Polizeioperation, die 1999 in den USA begann und viele Zehntausende von angeblichen Konsumenten von Kinderpornographie betraf, u.a. auch Pete Townshend. Es hat sich im April/Mai 2007 endgültig herausgestellt, dass sie alle – oder fast alle – Opfer von Ringen von Kreditkartenbetrügern wurden. Sie wurden angeklagt und zum Teil auch verurteilt aufgrund von völlig unzureichenden Anhaltspunkten (ihre Kreditkartendaten waren benutzt worden, um bestimmte Sites zu besuchen, unter denen auch Kinderporno-Sites gewesen sein sollen).

Obwohl jetzt aufgrund der zähen Arbeit des britischen Journalisten und Computer-Spezialisten Duncan Campbell erwiesen ist, sie dürften (fast) alle unschuldig gewesen sein, negiert die Polizei weiterhin die Rehabilitation der Verdächtigen, die zu Opfern wurden. Aber, was das Unglaubliche ist: Nicht eines unserer Massenmedien in Deutschland berichtet über diesen Skandal. Auch in Grossbritannien gibt es wenig öffentliche Information, wo es allein 39 Selbstmorde von so Angeklagten gab.

Die Rolle der Politik
Charakteristisch für die Teilnahme der Politiker an Internet-Kinderporno-Fällen ist die der sachsen-anhältischen Innenministerin im Fall „Operation Mikado“. Da waren ja insgesamt 22 Millionen Namen von Bundesbürgern anhand ihrer Kreditkarten von VISA und Mastercard (Eurocard) überprüft worden, eine Rasterfahndung mit Einbeziehen von Millionen Unbeteiligten, die vom Bundesverfassungsgericht mit Bezug auf einen früheren Fall ausdrücklich als grundgesetzwidrig eingestuft wurde.

Was die Ministerin dazu auf einer Pressekonferenz freudestrahlend verkündete, war atemberaubend: Man habe ja private Firmen mit der Auswahl der Betroffenen beauftragt (nämlich die beiden Kreditkarten-Unternehmen), daher könne von polizeilicher Rasterfahndung keine Rede sein.

Das lässt Düsteres für die Zukunft ahnen: Der Bundestrojaner wird dann wohl auch von privaten Unternehmen in unsere Computer eingeschleust werden, wenn alle Computerbesitzer der Bundesrepublik in ihren privatesten Äusserungen im Internet überwacht werden.

Das Thema der „Kinderschänder“, der „Pädophilen“ (die der damalige Kanzler Schröder gleich generell auf Dauer weggesperrt wissen wollte) und der „Internet-Porno-Ringe“ ist schlicht ein Lieblingsthema der Politker-Kaste. Es bietet alles, was den Stolz der Ungeliebten erfreut:

1. Zunächst lenkt es in idealer Weise ab. Man braucht nur die „Kinderschänder“ hochzuspielen (auch wenn sie sich dann nur als Verdächtige des Konsums von Kinderporno im Internet herausstellen) und schon wird das Herz jedes Bundesbürgers mit Abscheu erfüllt und er geht in holder Eintracht mit dem Politker auf die Jagd nach den abscheulichen Verbrechern. Da bleibt dann kein Platz mehr für Abscheu vor dem Politker, der gerade beschlossen hatt, kleine arme Länder wie Afghanistan mit Truppen und Bomben zu überfallen oder Hartz IV beschlossen hat, die Armut in der Bundesrepublik auf neue Höhen treibend, oder die Rente mit 67 (demnächst mit 70), oder die erneute Kürzung der Renten oder die Verpflichtung der Eltern, ihre Kinder von bis zu 25 Jahren weiter bei sich wohnen zu lassen, wenn sie keine Arbeit finden, oder sich in die enge Umarmung mit dem US-Präsidenten zu begeben, der „nur“ 600 000 Ziviltote im Irak auf dem Gewissen hat oder, oder … oder.

2. Der arme vielgeplagte Politiker, der „leider“ Massnahmen gegen den kleinen Mann beschliessen muss, kann sofort wieder Punkte gut machen bei der Bevölkerung, wenn er mit dem Beben der Empörung in der Stimme nach der Identifizierung eines Kinderschänders oder Kindermörders fordert, nun müsse endlich Schluss damit sein, dass bekannte Kinderschänder wieder auf die Kinder im Land losgelassen würden. Er PERSÖNLICH werde dafür sorgen, dass nun endlich die Gesetze geändert werden und so etwas nicht mehr vorkommt. Da kommt im Herzen des Bundesbürgers die Wärme der Geborgenheit auf. Mit solchen Politikern wird endlich alles besser! Die kleine Nebensächlichkeit, dass es diese Gesetze längst gibt, dass alle, die Kinder vergewaltigt haben, bereits zu lebenslänglich und Sicherheitsverwahrung (Wegsperren auf Dauer) verurteilt werden können, ist ja nicht so wichtig, wenn es gilt, grosse Worte zu machen. Das sind die gleichen, die am darauffolgenden Tag Lafontaine des „Populismus“ anklagen.

3. Schliesslich lässt sich diese Sache noch parteipolitisch ausschlachten. Ist man im Land an der Macht und „die anderen“ im Bund, kann man auf die Gesetzgebungs-Verantwortung des Bundes hinweisen, die sträflich vernachlässigt wurde von „den anderen“. Im umgekehrten Fall kann man auf die Landeszuständigkeit für die Freilassung nach dem Abbüssen der Strafe verweisen, die auf unverantwortliche Weise von „den anderen“ zugelassen wurde usw.

Liebling der Politiker
Kurz, das Thema ist der Liebling aller Politiker. Nichts kommt einem Politker mehr zu pass, als wenn in regelmässigen Abständen Kinder ermordet oder vergewaltigt werden. Dann gibt man Erklärungen vor laufender Kamera ab und die kommen als erste Meldung in der ‚tagesschau’. Aber auch die Fälle von Internet-Taten kommen sehr gelegen, wie die sachsen-anhältische Innenministerin deutlich gemacht hat. Vorher wusste kaum jemand im Land, dass Sachsen-Anhalt eine Innenmisisterin hat! Dafür kann man denn schon mal 22 Millionen Bundesbürger überprüfen, nicht wahr?

Man darf ja nicht vergessen, solche gewaltigen „Operationen“ von Polizei, Staatsanwaltschaft, gegebenenfalls noch dem BKA, können ja nicht einfach von kleinen Gendarmen beschlossen werden. Sie alle unterstehen ja dem Bundeskanzler und/oder dem Innenminister und/oder dem Landes-Innenminister und die gehören alle Parteien an, die wissen, wann mal wieder das Durchsuchen der Kreditkarten der Bundesbürger angesagt ist.

„Operation Ore“ und „Pecunia“ sind nicht von der Politik zu trennen. Dies wurde auch deutlich in einer Anfrage eines Abgeordneten des baden-württembergischen Landtags von Anfang 2003, als die „Operation Ore“ gerade in allen Zeitungen stand.

Öffentlichkeitswirksam antwortete die Landesregierung mit stolzen Zahlen: 178 der 1400 in Deutschland angeklagten „Kinderschänder“ hätte man in Baden-Württemberg ausgemacht, man habe bereits 2176 Videos beschlagnahmt, 249 Computer und 17343 „Datenträger“. Man stelle sich nur vor, wie viele Polizei-Arbeitsstunden auf die armen baden-württembergischen Polizisten zukamen, um alle 17343 Datenträger, einen nach dem anderen, zu durchsuchen, um am Ende festzustellen, alle Verdächtigungen beruhten auf der falschen Aussage eines US-Polizisten.

Die Rolle der Massenmedien
Insgesamt ist die Rolle der Medien bei „Operation Ore“ so charakteristisch, dass einem bei genauerem Hinsehen die ganze wirkliche Aufgabe dieser Massenmedien im heutigen Kapitalismus klar wird nur an diesem einzigen Fall.

Die Rolle der Medien muss mindestens genauso ernst wie die von Politikern, Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschätzt werden. Das Vorgehen der Polizei, die Frage, ob verhältnismässig zum Vorwurf vorgegangen wurde, hat nicht ein einziges der Medien gestellt. Die naheliegenden Fragen, z.B. ob man denn die entsprechenden Festplatten untersucht hätte oder ob man die Möglichkeit von Kreditkartenbetrug gebührend in die Erwägungen gezogen habe, wurden nie gestellt.

Die Medien, sei es in Grossbritannien oder Deutschland, stellen nichts mehr oder weniger als Papageien der offiziellen Verlautbarungen der Strafverfolgungsbehörden dar, ja in einigen Fällen wurde sogar „noch eine Schippe draufgelegt“.

Als charakteristisch seien hier die zwei Fälle der Artikel der FAZ und der taz angeführt unter einer grossen Zahl von Veröffentlichungen, als in Deutschland und im UK viele verhaftet wurden:

Hier, was die FAZ schrieb (März 2003):

„Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gab Scotland Yard (…) die Festnahme von (…) Männern bekannt. Sie stünden im Verdacht, Bilder von Kindesmissbrauch aus dem Internet heruntergeladen und zum Teil weiter verbreitet zu haben.(…)
Spektakulärster Fall war bislang im Januar die vorübergehende Festnahme von Rock-Gitarrist Pete Townshend. Der Mitbegründer der Gruppe „The Who“ hatte eine US-Webseite mit Kinderpornos besucht und dafür gezahlt. Nach seinen Angaben wollte er nur für seine eigene Biografie recherchieren. Er wurde auf Kaution frei gelassen.“

Wird im ersten Absatz noch von „Verdacht“ gesprochen (auch hier wieder die infame Behauptung, es handele sich zum Teil auch um Weiterverbreitung), so bleibt dies im zweiten Absatz bereits weg. Es steht bereits fest: „hatte … besucht und dafür gezahlt“. Das Erwähnen seiner Erklärung mit der Biographie ist so verkürzt, dass jeder vernünftige Mensch nur zum Schluss kommen kann, dies sei eine Ausrede.

Die einfachsten Grundregeln eines verantwortlichen Journalismus, wie etwa keine feststehenden Tatsachen behaupten, solange die Person nicht dafür verurteilt ist, sondern immer Formeln benutzen wie „Verdacht auf“, „nach Angaben der Polizei“, „wird verdächtigt“, „ist angeklagt“ usw., werden missachtet.

Besonders infam ist hier die völlig verkürzte Aussage über Townshends Einlassung zur Biographie. Hat man nicht den Platz, um einen Sachverhalt inhaltlich darzustellen, muss man ihn weglassen und nicht in extrem verdrehter, verkürzter Weise bringen.

Shame on you, FAZ!

Glaubte jemand, dies sei nicht mehr zu toppen, so führe er sich den Artikel zum gleichen Zeitpunkt (Beginn 2003) von Kutzmany aus der ‚Taz’ zu Gemüte:

„Gitarrenschänder unter Verdacht (…)

Ob Pete Townshend tatsächlich ein Pädophiler ist, kann zurzeit noch niemand genau sagen. Fakt ist: Der Gitarrist von „The Who“ ist einer von rund 7.300 verdächtigen Briten, deren Kreditkartendaten vom FBI bei einem amerikanischen Anbieter von Kinderpornografie entdeckt wurden.

Die Pädophilen kommen aus allen Berufen und sozialen Schichten. Politiker und Fernsehprominente sind dabei, Richter auch. 50 Polizisten finden sich auf der Liste. Die Prominenz Townshends bringt dem Thema in Großbritannien eine Aufmerksamkeit, die ihm in Deutschland versagt blieb: Schon Mitte September 2002 nämlich griffen die deutschen Behörden bei der „Aktion Pecunia“ zu. 1.100 Durchsuchungen meldete das BKA. Es wurden 47.000 Datenträger und 25.000 Videos beschlagnahmt (…)

Sowohl „Operation Ore“ als auch „Pecunia“ stützen sich auf Daten, die das amerikanische FBI im Rahmen der „Operation Avalanche“ („Operation Lawine“) gegen den Texaner Thomas Reedy sicherstellte. Der Geschäftsführer der Kinderpornofirma „Landslide“ („Erdrutsch“)… (…) auf der Landslide-Homepage gab es ein Feld mit der Beschriftung: „Für Kinderpornos hier klicken“. Auf diesen Knopf hat auch Pete Townshend gedrückt.

Seine Verwicklung in den Fall hat ihm jetzt sogar eine Erwähnung bei der Verleihung des American Music Awards eingebracht. Er sei „ganz erschüttert“, sagte Elton John, der die Show eröffnet hatte.“

Da wird wieder, wie bei der Frankfurter Zeitung, hinter der angeblich ein kluger Kopf stecke, der gleiche Trick angewandt, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, die „Pädophilen“ seinen eventuell unschuldig. Am Anfang spricht man noch von „verdächtigen Briten“ und betont, man könne noch nichts Endgültiges über die Schuld von Townshend sagen. Aber diese Zurückhaltung wird dann schnell durch Gewissheiten ersetzt: Es handelt sich nun um „Pädophile“ (diesen Vorwurf hat die Polizei nie erhoben, ein Pädophiler macht – im umgangssprachlichen Gebrauch – Sex mit Kindern), nicht um des Konsums von Kinderporno Verdächtige.

Landslide wird hier zur „Kinderpornofirma“, dabei konnte Reedy nie etwas anderes vorgeworfen werden, als Zugang zu Kinderpornoseiten ermöglicht zu haben. Dann kommt die Behauptung mit dem Knopf, auf den alle Verdächtigen geklickt haben müssen. Das hätte genauer nachgefragt werden müssen. Journalismus kann sich nicht darin erschöpfen, polizeiliche Angaben ungeprüft in die Zeitung zu schreiben.

Dann wird es noch abenteuerlicher: Townshend hätte auf diesen Knopf geklickt. Das hat weder die Polizei je behauptet noch ein Staatsanwalt, das hat er auch nicht zugegeben – es war schlicht nicht so. Es bleibt völlig offen, woher der „Journalist“ dies hat, wenn nicht aus den eigenen Fingern gesogen.

Die bei weitem infamste Dreckschleuderei ist aber die Überschrift des Artikel im Zusammenhang mit dem Begriff „Pädophile“. In Anlehnung an „Kinderschänder“ nennt der unsägliche Schreiberling Townshend „Gitarrenschänder“, weil die „Who“ in ihrer Anfangsphase öfters Gitarren zerschlagen haben. Damit ist klar, was Townshend ist, ein Schwerverbrecher. Hat sich nicht auch sein Kollege Elton John erschüttert gezeigt?

In einer ernsthaften Würdigung der „Who“ im deutschen Wikipedia wird das Zerschlagen der Guitarren ausdrücklich als „künstlerisches Element“ des Auftritts gekennzeichnet. Umso deutlicher wird da nun das unsägliche „Gitarrenschänder“.

Das ist Kloakenjournalismus der niedrigsten Kategorie, selbst Kloaken-‚Bild’ hätte das kaum besser gemacht. Shame on you, taz!

Wie man an diesen beiden Beispielen sehen kann, haben deutsche Massenmedien sehr wohl – und schändlich – über ‚Operation Ore’ berichtet – damals, als es darum ging, ein ungehäures Netzwerk von Hunderttausenden von pädophilen Internet-Missbrauchern zu konstatieren.

Die Frage stellt sich, was berichten sie nun, da, beginnend im Jahr 2005 und nun ganz intensiv seit Januar bis Juni 2007 die Nachrichten eingehen, dass es sich im wesentlichen um die Verfolgung Unschuldiger handelt.

Im britischen Medienwald haben unter anderem einer der BBC-Sender, der ‚Guardian’ und der ‚Independent’, ebenso ‚BBC-News’ und die ‚Sunday Times’ hierüber berichtet, immer noch wenig angesichts der Grösse des Skandals.

Die deutschen Massenmedien dagegen üben sich in Schweigen – und zwar absolut! Man mache sich die Mühe, im Internet „Operation Ore“ oder „Operation Pecunia“ auf Deutsch zu googeln (man muss übrigens bei dieser Suche „Operation Ore“ in Anführungszeichen setzen, sonst bekommt man ein Unzahl von Ergebnissen, in denen die beiden Worte ohne Zusammenhang vorkommen. Ebenso muss man ausdrücklich darauf bestehen, nur Seiten auf deutsch zu bekommen, sonst wird die englischsprachige Literatur als Ergebnis geliefert, auch wenn man auf dem deutschen google.de ist).

Man wird nicht eine, ich wiederhole: NICHT EINE EINZIGE Notiz auch nur eines der Massenmedien in Deutschland finden, in der über die aufkommenden Zweifel an der Schuld der Angeklagten und schliesslich die Beweise für die Unschuld fast aller berichtet wird.

Mit anderen Worten: Nicht eine Zeitung, nicht ein grösserer Radiosender, nicht eine Fernsehstation, nicht ein angebliches Nachrichtenmagazin, nicht eine Illustrierte in Deutschland hielt es für nötig, nach der ausführlichen Berichterstattung über das Aufspüren von Hunderttausenden von angeblichen Kinderporno-Pädophilen im Internet in den Jahren 2002 und 2003 nun auch zu berichten, dass sich dies alles als völllig verfehlte Aktion gegen Opfer von Kriminellen oder mit anderen Worten als der grösste Polizei- und Justiz-Skandal (in Bezug auf die Zahl betroffener Opfer) des neuen Jahrtausends herausgestellt hat.

Damit weitet sich dieser Skandal auch noch zu einem Medien-Skandal aus.

Keine kritischen Fragen
Es ist somit bewiesen, die deutsche Landschaft der Massenmedien ist völlig gleichgeschaltet, zu 100%. Zunächst berichtete man nur, was die Polizei oder das BKA verlauten liessen, ohne eine einzige kritische Frage zu stellen. Wenn sich das Ganze dann als riesiger Fall der Verfolgung Unschuldiger herausstellt, sieht man weg und lässt die Opfer allein.

Es ist auch relativ leicht zu verstehen, wie so etwas zustandekommt: Polizei, Staatsanwaltschaften und BKA liefern den Massenmedien immer wieder „Privilegierte Informationen“ über Ermittlungen, die eigentlich der Geheimhaltung unterliegen, aber den Medien einen „Sensations-Vorsprung“ verschaffen. Es ist klar: Wer Negatives über die Polizeiarbeit berichtet, könnte nicht mehr in den Genuss dieser Privilegien kommen.

Trotzdem ist es bemerkenswert, dass im Gegensatz zu anderen Ländern sich nicht ein Einziges, vielleicht kleineres, in der Reihe der Massenmedien findet, das ausschert und auch einmal Kritisches zur Arbeit von Polizei, BKA und Staatsanwaltschaften berichtet.

Es kann ja den deutschen Massenmedien nicht entgangen sein, dass es Neues zu diesem Thema gibt, denn Berichte im BBC-Radio, der ‚Sunday Times’ und dem ‚Guardian’ sind schliesslich nichts Verstecktes oder wenig zugänglich, zumal all dies leicht findbar im Internet dokumentiert ist.

Machen Sie die Probe und googeln Sie die gleichen Worte im englischen ‚google.com’. Sie werden eine Unzahl neuerer Einträge finden. Man kann da tage- und wochenlang über dies Thema lesen.

Auch kann man in der deutschen ‚Wikipedia’ nachsehen. Es gibt keine Erwähnung der ‚Operation Pecunia’ und bei ‚Operation Ore’ wird man aufgefordert, selbst einen Artikel zu schrieben.

Lediglich auf der Site von Pete Townshend in der deutschen Wikipedia findet sich ein Hinweis:

„Die ‚Sunday Times’ berichtete am 3. Juli 2005, dass unabhängige Experten die beschlagnahmte LANDSLIDE-Webseite rekonstruiert hätten, und keinerlei Kinderpornografie gefunden hätten.“

Im Gegensatz dazu enthält die englische Wikipedia (oben schon verlinkt) eine eigene Seite hierfür mit allen Links zu den neueren Artikeln mit den Entdeckungen über ‚Operation Ore’ als das, was sie wirklich ist: Eine wirkliche Tragödie und ein dreifacher wirklicher Skandal.

Teil 1 von Operation Ore: 39 Selbstmorde in Großbritannien wegen hysterischer Ermittler
Teil 2 von `Operation Ore`: Die Berühmtheiten unter den Verdächtigten, die Rolle der Polizei

kriminalitaet

`Operation Ore`, Teil 2: Die Berühmtheiten unter den Verdächtigten, die Rolle der Polizei

Karl Weiss – “Operation Ore”, ist jene große Polizeioperation, die 1999 in den USA begann und viele Zehntausende von angeblichen Konsumenten von Kinderpornographie betraf, u.a. auch Pete Townshend. Es hat sich im April/Mai 2007 endgültig herausgestellt, dass sie alle – oder fast alle – Opfer von Ringen von Kreditkartenbetrügern wurden. Sie wurden angeklagt und zum Teil aufgrund von völlig unzureichenden Anhaltspunktenverurteilt (ihre Kreditkartendaten waren benutzt worden, um bestimmte Sites zu besuchen, unter denen auch Kinderporno-Sites gewesen sein sollen).


Angeklagt: Musikgenie und ehemaliges The Who Mitglied Pete Townshend

Obwohl jetzt aufgrund der zähen Arbeit des britischen Journalisten und Computer-Spezialisten Duncan Campbell erwiesen ist, sie dürften (fast) alle unschuldig gewesen sein, negiert die Polizei weiterhin die Rehabilitation der Verdächtigen, die zu Opfern wurden. Aber, was das Unglaubliche ist: Nicht eines unserer Massenmedien in Deutschland berichtet über diesen Skandal. Auch in Grossbritannien gibt es wenig öffentliche Information, wo es allein 39 Selbstmorde von so Angeklagten gab.

Die betroffenen „Celebrities“
Der bekannteste Fall in Grossbritannien (ausserhalb der Musiker-Fälle) war der des Polizisten Brian Stevens, der zu jahrelangen entsetzten Äusserungen in Leserbriefen und im Internet führte.

Es hatte kurz vor dem Beginn der „Operation Ore“ in England einen Aufsehen erregenden Fall gegeben, indem zwei Mädchen, Holly und Jessika, entführt und ermordet worden waren. Stevens hatte als Polizist in besonders herausragender Weise während des ganzen Falls Jessikas Eltern beigestanden und sie auf dem Laufenden gehalten. Die Intimität mit der Familie ging so weit, dass sie den Polizisten auf der Beerdigung ein Gedicht vortragen liess. Die Revolverblätter hatten tränentreibende Geschichten veröffentlicht und Brian Stevens war fast zu einer Art von Nationalhelden geworden, jedenfalls zum Beispiel eines wirklich guten Menschen.

Eine Woche später ging die Nachricht durch den Blätterwald, er sei wegen Kinderporno im Internet festgenommen worden.

Das Entsetzen war englandweit. Wenn ein so guter Mensch zu so etwas fähig war, dann gab es niemand mehr, dem man trauen konnte, niemand, der noch Hoffnung auf eine Zukunft der Menschheit geben konnte, dann war alles verloren!

Selbst in deutschen Internetforen wurde dieser Fall diskutiert, unter anderem unter der Überschrift „Da fehlen mir die Worte“.

Stevens wurde vom Dienst suspendiert, musste Untersuchungshaft und Hausdurchsuchung sowie die öffentliche Anprangerung über sich ergehen lassen. Das letzte, was man von ihm gehört hat, ist der Prozess gegen ihn, dessen Ausgang noch offen ist und die Gewissheit, er werde aus dem Polizeidienst entlassen.

Mitbetroffen: Direktor der City Bank
Einer anderer der Betroffenen war der Direktor der englischen Filiale der City Bank, John Adams. In den Jahren 1998 und 1999 wurde die Kreditkarte seiner Familie mehrmals von Verbrechern belastet, in diesem Fall die bekannte Gambino-Mafia-Familie, die später Vorbild der Fernsehserie „The Sopranos“ war. Die Gambinos verkauften die Daten zum Teil und nutzten sie auch selbst. Im Juni 1999 waren seine Kreditkarten-Daten erneut zweimal benutzt worden, diesmal um auf eine der Kinderporno-Seiten im Landslide-Netzwerk zuzugreifen (so jedenfalls 7 Jahre später die Anklage der Polizei).

Im Mai 2006 sah sich Adam einer Armee von Polizisten gegenüber, die in sein Haus eindrangen und alle persönlichen Sachen der Familie durchwühlten. Die herbeigeholten Anwälte machten die Polizisten auf die Möglichkeit des Kreditkartenschwindels aufmerksam, aber nach deren Aussage grinsten diese nur darüber. Sie hätten angeblich noch nie von Kreditkartenschwindel gehört. Erst eine zweitägige Gerichtsverhandlung im September 2006 konnte klären, was passiert war. Adams, der bereits wusste, was faul war, hatte sich auf keinen ‚Deal’ eingelassen.Schliesslich gab die Polizei zu, er sei unschuldig und entschuldigte sich bei ihm.

Britischer Nationaleld mitangeklagt
Ein anderer Berühmter unter den Opfern von „Operation Ore“ war Paul Grout aus Hull, ein Arzt, der einen Einsatz zur Rettung vom Menschenleben bei einem grossen Eisenbahnunfall in Selby geleitet hatte und seitdem als Nationalheld in England galt. Seine Kreditkartendaten wurden nicht Opfer der US-Mafia, sondern von zwei indonesischen Gangstern gephished. Im Oktober 2002 drangen Polizisten „wie Sturmtruppen“ in sein Haus ein, wie seine Frau berichtete. Danach kamen nach ihrer Aussage „18 Monate reine Hölle“. Auf seinen Computern und Datenträgern wurde nichts gefunden, trotzdem wurde er der Anstiftung zur Verbreitung von Kinderporno angeklagt. Erst nach zwei Jahren fand sich schliesslich ein Richter, der dem Albtraum ein Ende bereitete. Der Richter seines Prozesses sagte, die Anklage beruhe auf „Unsinn“ und wies die Geschworenen an, ihn freizusprechen. Er konnte mit dem Berühmten-Bonus rechnen, doch viele weniger Bekannte waren nicht so glücklich.

Angeklagt: Manager aus Brighton
Ein dritter mehr oder weniger Berühmter unter den Opfern der modernen Hexenjagd war der leitende Manager einer Computerfirma Brian Cooper aus Brighton. Er kaufte Fahradteile im Internet bei einer US-Firma mit seiner Kreditkarte und wurde dabei von einem Hacker aus Indonesien seiner Daten beraubt (auch andere Betroffene in Grossbritannien gaben an, im Internet Fahradteile gekauft zu haben). Bei der Hausdurchsuchung, die auch bei ihm mit absolut übertriebenem Personalaufgebot durchgeführt wurde, sagte man seiner Frau, er stelle eine Gefahr für die Kinder dar.

Man brauchte 6 Monate, um die Computer zu untersuchen und fand nichts. Cooper hatte zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung bereits die falschen Abbuchungungen auf seiner Kreditkarte angezeigt, aber auch das half ihm nicht. Die Polizei weigerte sich, seine Unschuld zu bestätigen und sich zu entschuldigen. Die E-Mail-Adresse, unter der er angeblich Zugang zu Kinderporno erreicht haben sollte, lautete a@a.com, was jeden vernünftigen Polizisten bereits aufmerksam hätte werden müssen. Schliesslich, im April 2006, entschuldigte sich die Polizei von Sussex bei ihm und erklärte, die Untersuchungen seinen offensichtlich unnötig gewesen.

The Who??? Die Musiker
Die bei weitem Berühmtesten unter den Betroffenen aber waren die Rock-Musiker. Da war einmal der „Massive Attack“-Star Robert del Naja (alias „3D“) und da war eben Pete Townshend, der legendäre Vormann, Textschreiber und Komponist von „The Who“, der auch als Solo-Musiker und in anderen Gruppen wichtige Erfolge hatte. Einer seiner Songs, „Who are you?“, ist heute Titelmelodie der häufig gesehenen US-TV-Serie CSI. Inzwischen gibt es auch wieder „The Who“, wobei von der Originalbesetzung Pete Townshend und Roger Daltrey übrig geblieben sind.


Massive Attacke auf Stars: Massive Attack Star Robert del Naja

‚The Who’ sind eine der ersten grossen und einflussreichsten Bands in der gesamten Geschichte des Rock ´n Roll. Ab dem Moment, als ihr Song „My Generation“ 1965 in die Charts kam, war der Rock nie wieder derselbe. Ihr Album „Thommy“ von 1969 hat die Art, Alben zu machen, grundlegend verändert. Pete Townshend hat sogar die Anschlagtechnik der Gitarristen verändert, als er die bekannte „Windmühle“ erfand. Auf dem inzwischen legendären Festival von Woodstock in den USA waren die Who eine der Hauptattraktionen. Aus der heutigen Sicht kann Pete Townshend als einer der wesentlichsten Musiker des 20.Jahrhunderts angesehen werden.

Townshend und del Naja waren – stellvertretend für die anderen – vom ersten Moment der „Operation Ore“ an in den Mittelpunkt des Interesses getreten, denn die britische Polizei hatte beide Namen gezielt an die Presse durchsickern lassen, noch bevor die beiden selbst von ihrem Schicksal wussten.

Da immer mit dem Namen Pete Townshend verbunden, wurde die „Operation Ore“ zu einem Medienereignis, was die reine Mitteilung von Festnahmen und Hausdurchsuchungen niemals geworden wäre. Die gesamte europäische Presse, das Fernsehen, die Rundfunksender stürzten sich geifernd auf die neue Sensation: Pete Townshend ist Kinderschänder! Kein noch so kleiner Fernsehsender, der nicht seine Schwarte an dem Musiker wetzen musste: Pete Townshend ist Kinderschänder!

Das ist, vor allem wenn man die persönliche Tragödie von Pete Townshend in Betracht zieht, eine Ungehäuerlichkeit.

Als die Hausdurchsuchungen bei den Musikern begannen, auch hier von einem Riesenaufgebot von Polizisten durchgeführt, war bereits nach zehn Minuten die gesamte Presse und das Fernsehen mit laufender Kamera vor dem Haus. Die Musiker wurden abgeführt wie Schwerverbrecher, vor den Augen der Welt!

Sie wurden auch keineswegs nach kurzer Zeit wieder freigelassen, wie das eigentlich hätte selbstverständlich sein müssen, sondern bei del Naja wurde die volle Spanne von 48 Stunden ausgenutzt, die man einen Verdächtigen ohne Haftbefehl festhalten kann, während Pete Townshend die negative Seite der Berühmtheit kennenlernte: Es wurde Untersuchungshaft gegen ihn verhängt und eine Kaution festgelegt, bei deren Bezahlung er bedingt freikommen könnte. Kaution zahlen bedeutet aber immer gleichzeitig Anerkennung von Schuld. Wer unschuldig ist, braucht nicht auf Kaution freikommen. Theoretisch!

Polizei verweigert Deatails
Auch viele anderen der Angeklagten der „Operation Ore“ wurden in Untersuchungshaft gesteckt und kamen nur gegen Kaution frei, wodurch sie schon ihre Schuld anerkannt hatten. Bei Pete Townshend, dem ersten in der Reihe, gab es ein besonderen Grund: Er hatte bei seinem ersten Verhör in Polizeigewahrsam zugegeben, sich im Internet Zugang zu einer Kinderporno-Site verschafft zu haben. Man hatte ihm verweigert, Details dessen, was man ihm eigentlich vorwarf, zu offenbaren und er war automatisch davon ausgegangen, die Polizei hätte seinen tatsächlichen Ausflug in die Welt des Kinderporno herausgefunden.

Pete Townshend hat nämlich ein spezielles Verhältnis zur Frage des sexuellen Angriffs auf Kinder: Er ist sich fast sicher, als Fünf- oder Sechsjähriger von einem Verwandten missbraucht worden zu sein, denn er hatte Blitz-Erinnerungen an solche Szenen. Dies ist typisch für vergewaltigte Kinder: Sie verdrängen die Erinnerungen, sie kommen aber in bestimmten Zusammenhängen als kurze, blitzartige ‚Flash-Lights’ in das Gedächtnis zurück.

Die Rock-Oper „Thommy“, deren Text und Musik von Pete Townshend ist, enthält u.a. auch die Szene des von seinem Onkel missbrauchten Titelhelden („I’m your wicked uncle Ernie“).

Die Falle
Aus diesem Grund hatte Pete Townshend, der an seiner Biographie arbeitete, versucht, sich besser an das Geschehene zu erinnern und zu diesem Zweck eine Kinderporno-Site im Internet besucht, denn er dachte, dann käme die Erinnerung an jene Szenen zurück. Nur war jene Kinderpornosite keine von den Landslide-Sites, es war ein völlig anderer Fall. Da er aber glaubte, erwischt worden zu sein, versuchte er den verhörenden Beamten zu erklären, warum er dies getan hatte.

Die hatten natürlich nichts anderes zu tun, als sofort der Weltöffentlichkeit mitzuteilen, Pete Townshend hätte gestanden.

Was daraus in den Massenmedien wurde, kann man sich vorstellen: Pete Townshend ist Kinderschänder und er hat bereits gestanden! Er hat behauptet, die Kinderpornosite für seine Biographie angeklickt zu haben! Das ist die lausigste Ausrede des Jahrhunderts!

Del Naja wurde bereits nach einem Monat in dürren Worten mitgeteilt, die Anklage sei fallengelassen worden, man habe nichts auf den Computern gefunden. Eine Entschuldigung hat er bis heute nicht erhalten. Allerdings hat das Britische Innenministerium im Jahre 2006 die neue Kinder-Schutz-Organisation der britischen Sicherheitskräfte mit einem Song an die Öffentlichkeit gebracht, der von Del Naja geschrieben wurde, „Teardrop“. Auch eine Art von Entschuldigung.

Pete Townshend dagegen war aufgrund seines voreiligen „Geständnisses“ tief im Fall verstrickt. In Wirklichkeit hatte man gar nichts gegen ihn in der Hand. Auf seinen Computern wurde keinerlei Kinderporno gefunden. Die Site, die er angeblich innnerhalb des Landslide-Netzwerkes angeklickt haben sollte, mit Namen „Alberto“, hatte ausserdem nichts mit Kinderporno zu tun.

Jedenfalls sahen seine Anwälte angesichts der allgemeinen Hysterie über den bekannten Rockmusiker als Kinderschänder (hatte man nicht schon immer gewusst, Rock-Musik ist kriminell?) keinen besseren Ausweg, als ihm die Annahme der Kautionszahlung und dann auch die Annahme des angebotenen Deals zu empfehlen. So ist Pete Townshend heute auf der offiziellen britischen Liste der „Sex Offenders“, wo eigentlich nur Kinderschänder und Vergewaltiger und ähnliche Verbrecher gelistet sein sollten.

Pete Townshend beschreibt fast wortgleich mit Anderen die Zeit unter Verdacht und Anklage als eine durchlebte Hölle und die ganze Aktion als eine Hexenjagd.

Die Rolle der Polizei und der anderen Sicherheitsorgane
Die Polizei hat vom ersten Augenblick der Operation Ore an immer versucht, den Unterschied zwischen Kinderschändern, die also selbst Sex mit Kindern machen oder sie dazu veranlassen, Sex zu machen sowie von Herstellern von Kinderpornos in Bild oder Video und von Kinderporno-Verkäufern im Internet einerseits und von reinen Konsumenten von Kinderporno andererseits zu verwischen. Dadurch appellierte sie an die einstimmmige Empörung der öffentlichen Meinung über Leute, die mit Kindern Sex machen und über Leute, die Kinder zu Sex veranlassen und fotografiern und filmen.

Nicht ein einziges Mal während der ganzen Vorgänge hat jemand von der Polizei klargestellt, es handele sich ausschliesslich um den Verdacht des KONSUMS von Kinderporno und nicht um Herstellung oder Verbreitung von Kinderporno. Im Gegenteil, es wurden bei einer Reihe von Angeklagten auch die Vorwürfe der Verbreitung von Kinderporno mit in die Anklage aufgenommen, obwohl dafür überhaupt keine Anhaltspunkte, geschweige denn Beweise vorlagen. Bis heute verteidigt die britische Polizei die völlig unverhältnismässigen Mittel der Operation u.a. damit, es sei ja eben auch in einer Anzahl von Fällen um Verbreitung von Kinderporno gegangen.

Verurteilt wurde nie jemand für die Verbreitung. Damit steht fest, Polizei und Staatsanwaltschaft haben böswillig gehandelt, als sie den Vorwurf der Verbreitung mit in einige Anklagen aufnahmen. Es ging darum, die Absurdität der ganzen Aktion zu verschleiern.

Hier ergibt sich auch eine Parallele mit der im Jahr 2007 von der Polizei in Sachsen-Anhalt durchgeführten ‚Operation Mikado’. Auch hier hatte man lediglich Konsumenten im Visier, weil es zu umständlich war, die Täter zu finden, die sich hinter einer philippinischen Site versteckten. Auch hier wurde wieder und wieder in den Medien die Aussagen der Polizisten und Staatasanwälte von ‚Kinderschändern’, von ‚Kinderporno-Ringen im Internet’ und von ‚Pädophilen’ widergegeben, während in Wirklichkeit nur nach Konsumenten gefahndet worden war.

In diesem Fall war ja die vom Bundesverfassungsgericht ausdrücklich verbotene Rasterfahndung angewandt worden, also das Anwendung eines Rasters, das automatisch und in der weiten Überzahl Nicht-Betroffene erfasst. Als ein Rechtsanwalt gegen diesen Verfassungsbruch Klage einreichte, tat der Vorsitzende des Verbandes der Kriminalbeamten ein Übriges, wiederum die Unterschiede verwischend und erklärt, ein Erfolg dieser Klage wäre ein Durchbruch für die „Kinderschänder“. Die Vermischung der Täter mit den Konsumenten hat also Methode.

Hauptsächlich aber haben Polizei, Richter und Staatsanwaltschaften gesündigt, als sie völlig unverhältnismässige Mittel im Verhältnis zum schlichten Vorwurf des Konsums eingesetzt haben (noch einmal: das entspricht in der Schwere einer einfachen Sachbeschädigung). Hausdurchsuchungen mit riesigen Anzahlen von Polizisten, Untersuchungshaft, Durchsickern-Lassen von Namen und Terminen von Hausdurchsuchungen an Presse und Fernsehen, Kautionen für Freilassung, Deals mit den Verteidigern, all dies war extrem unverhältnismässig zum Vorwurf des Konsums.

Der Eindruck bei allen, die irgendeinen Kontakt zu einem der Verdächtigten hatten, war: Es konnte sich nicht um einfachen Konsum von Kinderpornobildern handeln. Es musste auch zumindest die Mitgliedschaft in Internet-Kinderpornoringen mit betroffen sein.

Teil 1 von Operation Ore: 39 Selbstmorde in Großbritannien wegen hysterischer Ermittler
Teil 3 von `Operation Ore`: Die Rolle der Politik und der Massenmedien

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‚Operation Ore‘: 39 Selbstmorde in Großbritannien wegen hysterischer Ermittler

Karl Weiss – “Operation Ore”, das ist jene grosse Polizeioperation, die 1999 in den USA begann und viele Zehntausende von angeblichen Konsumenten von Kinderpornographie betraf, u.a. auch Pete Townshend. Es hat sich im April/Mai 2007 endgültig herausgestellt, dass sie alle – oder fast alle – Opfer von Ringen von Kreditkartenbetrügern wurden. Ihre Kreditkartendaten waren benutzt worden, um bestimmte Sites zu besuchen, unter denen auch Kinderporno-Sites gewesen sein sollen. Sie wurden angeklagt und zum Teil auch verurteilt aufgrund von völlig unzureichenden Anhaltspunkten

Obwohl jetzt aufgrund der zähen Arbeit des britischen Journalisten und Computer-Spezialisten Duncan Campbell erwiesen ist, sie dürften (fast) alle unschuldig gewesen sein, negiert die Polizei weiterhin die Rehabilitation der Verdächtigen, die zu Opfern wurden. Aber, was das Unglaubliche ist: Nicht eines unserer Massenmedien in Deutschland berichtet über diesen Skandal. Auch in Grossbritannien gibt es wenig öffentliche Information, wo es allein 39 Selbstmorde von so Angeklagten gab.

Verdächtigt und öffentlich zerstört
Auch wenn in Deutschland dieser unglaubliche Fall von Verfolgung Unschuldiger völlig von den Massenmedien unter den Teppich gekehrt wird, zeigt er doch exemplarisch, welche absurden Blüten die „Kinderporno“-Hysterie zu treiben vermag. 7272 Briten und mehr als 1400 Deutsche wurden 2002/2003 und später völlig unschuldig der Kinderporno-Herstellung bzw. des Zusammenhangs mit einem Internet-Kinderporno-Ring verdächtigt und öffentlich angeschwärzt.

Die ganze Aktion genannt ‚Operation Avalanche, begann 1999 in den USA. In Grossbritannien hiess sie Operation Ore’, in der Schweiz erhielt die Operation den Namen ‚Genesis’ in Deutschland „Operation Pecunia“ oder „Aktion Pecunia“ und betraf ebenfalls Hunderte von Verdächtigen, In den USA hatte das FBI einen Hinweis auf Kinderporno-Sites im Internet bekommen und begann zu ermitteln. Man wurde dann auch schnell fündig. Es gab einen Zugangsschlüssel-Verkäufer für Internet-Sites, davon viele Porno-Seiten, mit dem Namen ‚Landslide’, dessen Besitzer ein gewisser Thomas Reedy war. Angeblich waren unter den vielen Websites und Porno-Sites, die über seine Eingangsseite unter der Bezeichnung ‚Keyz’ liefen (das ist eine Verballhornung von keys, also Schlüssel; man kaufte dort Schlüssel zum Zugang zu anderen Websites), auch Kinderporno-Seiten oder jedenfalls die Ankündigung von solchen.

Eigentlich war das von der Firma ‚Landslide’ im Internet angebotene ‚Keyz’-System eine Zahl- und Zugangsstelle für andere Websites (einschliesslich einer Altersprüfung in bestimmten Fällen; die Altersprüfung findet in den USA durch die Kreditkarten statt, die üblicherweise nur Erwachsenen haben). Es wurden über diese Zahl- und Zugangsstelle so viele Websites angelaufen, die eine Bezahlung zum Zugang verlangten, dass Reedy völlig die Übersicht verloren hatte, welche Sites das waren. In seinem Prozess konnte er glaubhaft versichern, er hatte nicht die geringste Ahnung, ob da eventuell auch Sites mit Kinderpornographie dabei waren. Das nahm man ihm allerdings nicht ab und er wurde verurteilt.

Tausende in der Porno Falle
Das FBI erwirkte einen Durchsuchungsbefehl und beschlagnahmte die „Keyz“-Computer. Dort fand man die Nummern und Namen der Kreditkartenbesitzer, die sich Zugang zu Seiten bei ‚Landslide’ erkauft hatten. Auf richterliche Anordnung mussten die Kreditkartenorganisationen die Daten (Adressen usw.) der dazugehörigen Kartenbesitzer herausrücken. Es handelte sich weltweit um etwa 250 000 und allein in den USA um etwa 35 000 Personen, die so in den Verdacht gerieten, etwas mit Kinderpornographie zu tun zu haben. In Großbritannien waren es 7 272, in Deutschland über 1 400 Personen, in der Schweiz ebenfalls Hunderte von Verdächtigen. Offenbar sind auch andere Länder betroffen, aber darüber liegen keine Informationen vor.

Es war eine Mitteilung zusammen mit den anderen Dokumenten von den USA in verschiedene Länder mit dem Inhalt geschickt worden: „Auf der Startsite von ‚Landslide’ bzw. ‚Keyz’ habe es einen Knopf zum Klicken gegeben, der eindeutig als „Kinder-Pornographie“ gekennzeichnet war. Alle, die gezahlt hätten, mussten diesen Knopf angeklickt haben. Damit, so die britische und wahrscheinlich auch bundesrepublikanische) Polizei, sei ihre Schuld bewiesen, auch wenn man kein Kinderporno auf den Computern findet.“

Später (2005) stellte sich heraus, dass diese Behauptung nicht stimmte. Sie stammte aus der Aussage eines Polizisten, der mit Untersuchungen betraut war und wurde später widerrufen. Der Zugang zu ‚Landslide’ oder ‚Keyz’ hatte in Wirklichkeit zunächst nichts mit Kinderpornographie zu tun, wenn auch innerhalb dieses Netzwerks tatsächlich Kinderpornographie angetroffen worden sein soll.

Duncan Campbell, ein englischer Journalist und Computer-Experte, der jahrelang Aufklärungs- und Recherche-Arbeit in diesen Fall gesteckt hat und der im Jahr 2006 Zugang zu Kopien der Original-Festplatten des ‚Keyz’-Netzwerks erhalten hat, beschreibt den Zusammenhang folgendermassen:

„Wenn man auf die Startseite von ‚Keyz’ kam, war nicht der geringste Hinweis auf Kinderporno zu finden. Ging man dann auf eine bestimmte (von -zig) Unterseiten, tauchten unten auf der Site so genannte Fremdanzeigen auf, die ständig wechselten. Zu bestimmten Zeitpunkten konnte jemand, der auf diese Untersite gestoßen war, dort den Hinweis finden: „Hier klicken für Kinderporno“. Die entsprechenden Seiten, die dort verlinkt waren (eventuell auch nur eine) gab es zum Zeitpunkt der Untersuchungen 2006 nicht mehr.“


Erst mal alles Anklagen

Hätten die Ermittler in den USA damals direkt diese forensischen Untersuchungen vorgenommen, wären sie wahrscheinlich noch auf die tatsächlichen Kinderpornoseiten gestoßen oder eventuell auch auf „Fake“-Seiten (die also nur abkassieren, aber gar nichts zeigen). Es gibt keinerlei Belege, dass die eigentlichen Hersteller der Kinderpornos auf diesen Seiten je zur Rechenschaft gezogen wurden, sofern da wirklich Kinderporno zu sehen war.

In den USA wurden denn auch von den 35 000 Betroffenen lediglich etwa 100 tatsächlich verurteilt, weil man zusätzliche Beweise gefunden hatte, z.B. Kinderporno im Computer. Nicht so in Großbritannien. Scotland Yard gab sich mit der genannten Mitteilung zufrieden und klagte alle des Konsums von Kinderpornographie an, deren Kreditkarten-Nummer von den US-Behörden übermittelt worden waren.

Es hätte ausgereicht, die Computer von einem Fachmann untersuchen zu lassen, wie das nun erst im Jahre 2006 geschah. Der hätte sofort (und hat dann auch 2006/ Anfang 2007) die Spuren der Fälscher gefunden. Die Kreditkartenüberweisungen wurden nämlich nicht von einzelnen Websites, eine nach der Anderen, gemacht, sondern pulkweise von nur wenigen Sites. Die Ergebnisse der forensichen Untersuchungen der sechs Festplatten von ‚Keyz’ liegen seit Anfang 2007 vor und wurden im Wesentlichen im April und Mai 2007 veröffentlicht.

Die britischen (und wohl auch deutschen) Behörden forderten aber gar nicht Kopien der Original-Computer-Festplatten zur forensischen Untersuchung an. Ebenso wenig wurde Steve Nelson als Zeuge einvernommen.

europaweit Verfolgungen, Festnahmen, Durchsuchungen
So wurden Tausende von Personen völlig unschuldig des Konsums von Kinderporno angeklagt, aufgrund einer schriftlich übermittelten nicht überprüften Aussage eines Polizisten, der niemals in Großbritannien, der Schweiz oder der Bundesrepublik aussagte. Immer nach dem Motto: „Großer Bruder von jenseits des Atlantiks befiehl, wir folgen“.

Die Verfolgungen, Festnahmen, Durchsuchungen usw. in Europa begannen 2002/2003 und zogen sich bis vor kurzem hin. Ein Teil der Fälle ist bis heute noch nicht zu den Akten gelegt.

In der Folge der Hausdurchsuchungen und Beschlagnahme von Hunderttausenden von Festplatten, CDs, DVDs, Disketten und anderen Datenträgern waren in den betroffenen Ländern für Jahre wesentliche Teile der Ermittlungskapazitäten der Polizeiapparate lahm gelegt, weil all dies Material auf Kinderpornos durchsucht werden musste. Es kann nur vermutet werden, wie viele ernsthafte Verbrechen ungesühnt blieben, weil man hinter vermeintlichen Kinderporno-Konsumenten her war.

Man lese nur, welch schwerwiegender Polizei-Fehler inzwischen bereits Teil einer Enzyklopädie, dem englischen ‚Wikipedia’ ist:

„…many of the people making charges at child porn sites were using stolen credit card information (and the police arrested the real owners of the credit cards, not the actual viewers). Plus, thousands of credit card charges were made where there was no access to a site, or access to only a dummy site. When the police finally checked, they found 54,348 occurrences of stolen credit card information in the Landslide database. The British police failed to provide this information to the defendants, and some implied that they had checked and found no evidence of credit card fraud when no such check had been done. “

„…viele der Leute, die für den Zugang zu Kinderporno-Sites zahlten, verwendeten gestohlene Kreditkarten-Informationen und die Polizei nahm die wirklichen Kreditkartenbesitzer fest und nicht jene, die wirklich Kinderporno sahen. Außerdem wurden Tausende von Abbuchungen auf Kreditkarten gemacht, wo es überhaupt keinen Zugang zu Kinderporno-Sites gab oder nur Zugang zu Schein-Sites ohne Inhalt. Als die Polizei am Ende zusammenzählte, fanden sie 54 348 Fälle von gestohlenen Kreditkarten-Informationen in der ‚Landslide’- Daten-Basis. Die britische Polizei gab diese Information aber nicht an die Verteidiger der Verdächtigen weiter, einige Polizisten behaupteten sogar, sie hätten nach Anzeichen von Kreditkartenbetrug gesucht, aber nichts gefunden, obwohl eine solche Suche gar nicht stattgefunden hatte.“

Es wird deutlich, was in England wirklich geschah: Anfänglich sonnte sich die Polizei in der positiven Öffentlichkeit, die sie gewann, als sie scheinbar Tausende von „abscheulichen Kinderschänder-Nestern“ aushob.

Schwerwiegende Fehler vertuscht
Ab dann war es nur noch der Versuch, die wirklichen Tatsachen unter dem Teppich zu halten und die anfänglich gemachten schwerwiegenden Fehler zu rechtfertigen und zu vertuschen. Dazu wurde gedreht, gefälscht und gelogen. Man entschied sich, die einmal erfundene Geschichte weiterhin zu unterstützen, auch wenn dafür alle Regeln der korrekten Polizeiarbeit missachtet werden mussten.

Die Folgen waren tragisch. Es wurde das Leben vieler, vieler Menschen zerstört:

“In the United Kingdom, it has led to 7,250 suspects identified, 4,283 homes searched, 3,744 arrests, 1,848 charged, 1,451 convictions, 493 cautioned, 879 investigations underway, 109 children removed from suspected dangerous situations and at least 35 suicides.”

„Im Vereinigten Königreich (Grossbritannien) hat die Operation zu 7 250 Verdächtigen geführt, 4 283 Wohnungen wurden durchsucht, 3 744 Personen wurden festgenommen, 1 848 Personen wurden angeklagt, 1451 verurteilt, 493 sind auf Kaution in Freiheit, gegen 879 wird weiterhin ermittelt, 109 Kinder wurden aus vermuteten „gefährlichen Situationen“ entfernt und mindestens 35 der angeklagten Personen begingen Selbstmord.“

Die Zahl der Selbstmorde, allein in Grossbritannien, ist inzwischen auf 39 gestiegen. Wie viele sich in Deutschland umgebracht haben, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

In den Tod getrieben
In der Praxis sah das typischerweise so aus: Das Haus oder die Firma des Verdächtigen wurde von einer Heerschar von Polizisten heimgesucht. Der Presse und anderen Medien gab man bereitwillig Auskunft, wer und warum hier im Verdacht stehe. Innerhalb von kurzer Zeit wurde die Nachricht in alle Winde gestreut: „Der Herr X hat etwas mit Kinderporno im Internet zu tun!“

Die Familie, Nachbarn, Freunde, Kunden, Bekannte, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, Richter in Scheidungsprozessen (und Personen, die bekannte Persönlichkeiten kannten,), Geschäftspartner, Kunden, alle wussten, der Mann war mit einem Grossaufgebot der Polizei wegen Kinderporno im Internet bedacht worden. Er musste also ein Schwerverbrecher sein.

Das Leben tausender grundlegend zerstört
In fast allen Fällen wurde der Beschuldigte zumindest zeitweise ins Gefängnis gesteckt, was für die Öffentlichkeit den Eindruck schwerster Verbrechen noch verstärkte. Viele kamen nur durch Bezahlen einer Kaution frei, was immer bereits ein Anerkennen der Schuld beinhaltete und in der Regel nur bei Verbrechen, nicht bei Vergehen, angewandt wird.

Angesichts der Tatsache, dass fast alle Menschen kaum jemand mehr verabscheuen als solche, die Kinder missbrauchen und daraus Vorteil mit Bildern im Internet schlagen, ist diejenige Person damit erledigt. Außer vielleicht Kindermord gibt es keinen vernichtenderen Verdacht als diesen. Es gibt kaum einen Bekannten mehr, kaum ein Familienmitglied, kaum Freunde oder kaum Ehefrauen, die mit so einem Individuum noch etwas zu tun haben wollen.

Macht man sich klar, dass fast alle Verdächtigen unschuldig waren und niemals Kinderporno im Netz angesehen haben, geschweige denn etwas mit der Herstellung solcher Pornofilme oder –Bilder zu tun hatten, ist das schwerwiegend.

Zwar gab es in vielen Fällen vereinzelte Ehefrauen, Freunde oder Bekannte, vor allem aber Mütter, die den verzweifelten Beteuerungen der Betroffenen Glauben schenkten, sie hätten nichts mit Kinderporno zu tun, aber fast alle wurden direkt in die Hölle befördert, wie die meisten von ihnen das beschrieben: Sie wurden entlassen, die Frauen ließen sich scheiden, Freunde kannten sie nicht mehr, jegliche sozialen Kontakte wurden fast unmöglich – aber am schwerwiegendsten war für die meisten, denen das geschah: Die Kinder wurden ihnen weggenommen.

Dies betraf nicht nur die oben genannten 109 „Entfernungen von gefährdeten Kindern“, sondern weit mehr, denn dazu kamen die Fälle, in denen die geschiedenen Ehefrauen, die natürlich die Kinder zugesprochen bekamen, mit dem Argument dieser Verdächtigung jegliches Besuchsrecht des Vaters verhindern konnten.

Auch heute noch, nachdem bereits klar geworden ist, dass es sich praktisch ausschließlich um Unschuldige handelt, sind viele Väter völlig von ihren Kindern getrennt.

Eine andere schwere Folge für einen Teil der Betroffenen war die öffentliche Bloßstellung gegenüber Geschäftspartnern ihrer Firmen. Wer wollte wohl noch mit verurteilten „Pädophilen“ irgendeine Art von Geschäften machen? Es ist nicht bekannt, wie viele Unternehmen schließen mussten, aber auch der Verlust von allen Computern einschließlich der Backup-Kopien und damit von jeglicher Dokumentation führt regelmäßig in solchen Fällen schon zum Schließen der Firma.

Dagegen steht das, was den Tausenden von Verdächtigen (in Wirklichkeit Opfern) überhaupt vorgeworfen wurde, in keiner Relation. Es handelte sich ja nicht um den Vorwurf, Kinder missbraucht zu haben oder Fotos von Sex mit Kindern ins Internet gestellt zu haben, sondern um den weit weniger schweren Vorwurf, sich im Internet zur Verfügung stehende Bilder von Sex mit Kindern angesehen zu haben.

Auf dieses Delikt (Konsum von Kinderporno) steht zum Beispiel in Deutschland maximal 2 Jahre Gefängnis in schweren Fällen, das entspricht dem Strafmass von Sachbeschädigung. Bei einer Erstverurteilung heißt das in der Regel Geldstrafe oder Strafe auf Bewährung. Der Schaden, der den Verdächtigten entstand, wäre also auch dann nicht angemessen zum Vorwurf gewesen, wenn es sich tatsächlich um Konsumenten von Kinderpornos gehandelt hätte. Es ist möglich, dass sich unter den Verdächtigten auch wirklich solche Konsumenten befanden, aber das kann heute gar nicht mehr festgestellt werden – vor allem nicht, da es keinen Zugang für eventuell von Verteidigern beauftragten Sachverständige zu den sechs Original-Festplatten des ‚Keyz’-Netzwerks oder Kopien davon gibt.

Schuldsprüche
Warum, so wird man nun natürlich fragen, sind dann aber wirklich Viele verurteilt worden? Nun, in den USA wurden, sei es Zufall oder nicht, bei etwa 100 der 35000 Betroffenen Kinderporno auf den Computern angetroffen, das sind also 3 Promille der Verdächtigen. Dies hätte schon zu Vorsicht in den anderen Ländern führen müssen, denn es ist extrem unwahrscheinlich, dass 99,7% derer, die Kinderporno im Internet kaufen, nichts davon auf ihren Computer herunterladen. Da hätte der Verdacht auf gestohlene Kreditkarten-Informationen schon automatisch kommen müssen.

In Großbritannien wurden 1 451 Personen verurteilt, das sind fast hundert Mal mehr im Verhältnis zu den 7 250 Verdächtigen als im Vergleich in den USA. In den USA waren es 0,3%, in GB 20%. Das hätte die Gerichtsbarkeit im UK schon aufmerksam werden lassen müssen, denn die US-Gerichtsbarkeit hat nicht im mindesten den Ruf, Kinderporno-Fälle lasch zu bestrafen, eher im Gegenteil.

Gehen wir näher in die Verurteilungen in England, so stellt sich schnell heraus, fast alle beruhen auf einem ‚Deal’, so wie auch jene von Pete Townshend. Das angelsächsische Recht kennt die Möglichkeit von ‚Deals’, das bedeutet, gegen den Preis, sich schuldig zu bekennen, wird der Angeklagte nur zu einer geringen Strafe verurteilt (gering im Verhältnis zum ursprünglichen Vorwurf). Da in diesem Fall von Konsum von Kinderporno die möglichen Strafen sowieso schon niedrig waren, blieben teilweise nur noch symbolische Strafen übrig.

So erhielt zum Beispiel Pete Townshend, die berühmteste der Personen, die angeklagt waren, nur eine „Strenge Verwarnung“, musste sich dafür aber schuldig bekennen und dies ist auch als strafrechtliche Verurteilung in den Akten. Ebenso ist er auf der öffentlich zugänglichen Liste der „Sex-Offender“ (sexuelle Angreifer) geführt.

Nun benutzt die Polizei, im April 2007 zu diesen neuen Entdeckungen über den Kreditkartenschwindel im Fall befragt, diese Tatsache als Ausrede, um zu verhindern, sich entschuldigen und eigene Fehler zugeben zu müssen. Man höre die Antwort, die der leitende Polizist und Direktor des „Child Exploitation and Online Protection Centre“ und wesentlicher Leiter der ‚Operation Ore‘ in England, Jim Gamble, dem BBC-Kanal 4 auf die Vorhaltungen bezüglich des polizeilichen Vorgehens sagte:

„Es handelt sich hier nicht um Kreditkarten-Fälschung (…) Der grösste Teil der Verurteilten hat sich … vor Gericht … für schuldig erklärt.“

Das ist, um es vorsichtig auszudrücken, infam.

Sehen wir uns die Situation der 1 451 verurteilten Peronen an (oder jedenfalls der überwältigenden Mehrheit von ihnen), als die Gerichtsverfahren eröffnet wurden: Fast alle hatten alles verloren, was ihnen lieb und teuer war, obwohl sie wussten, sie waren unschuldig. Soweit sie Polizisten waren, Richter oder Lehrer oder Seelsorger (es war auch ein stellvertretender Schulleiter darunter), auch ihre Arbeit.

Zu all dem drohte ihnen nun auch noch eine Gefängnisstrafe, denn die Verteidiger mussten ihnen mitteilen: Trotz der unakzeptablen Beweislage (die eigentlich niemals hätte zu einer Verurteilung führen dürfen, noch nicht einmal zu Haftbefehlen) würde angesichts der aufgewühlten öffentlichen Meinung und der allgemeinen öffentlichen Hysterie angesichts von Kinderpornofällen eine Verurteilung extrem wahrscheinlich sein.

In dieser Situation wurde ihnen vom Staatsanwalt (der ja Verurteilungen vorweisen muss) der Deal angeboten: Wenn er sich des Delikts Konsum von Kinderporno schuldig erklärt, erhält er nur eine symbolische Strafe (wie Townshend) oder eine Bewährungsstrafe.

So ging ein grosser Teil von ihnen auf den ‚Deal’ ein, was heute von den verantwortlichen Polizisten als Beweis für das Zutreffen der Anklagen gewertet wird. So wird ein System sich selbst erfüllender Prophezeiungen geschaffen, basiert auf der allgemeinen Kinderporno-Hysterie. Die Organisation der Geschädigten von Operation Ore nennt das moderne Hexenjagd.

Kreditkartenbetrug
Wie ging der Kreditkartenbetrug vor sich? Kriminelle Grossorganisationen wie auch kleine Einzelverbrecher beschaffen sich die Kreditkartennummern, Ablaufdaten, die dazugehörigen Namen und, wenn nötig, auch die zweistellige Nummer auf der Rückseite der Karte, die als Schutz gegen solchen Betrug gilt.

Dazu gibt es verschiedene Methoden. Die damals meist verwendete ist das Hacken von Internet-Verkaufsseiten, wo der Käufer alle diese Daten eingeben muss und wo sie der Hacker „abschöpft“. Ein guter Hacker kann so Tausende von Datensätzen pro Tag erlangen.

Eine andere Methode sind Lockvogel-Angebote zu unglaublich niedrigen Preisen im Internet, wo man die Datensätze gutgläubiger Käufer erlangt, das versprochene billige Gut aber natürlich nie den Käufer erreicht.

Dieser letzte Fall war der Trick, mit dem man eine grosse Anzahl der britischen Angeklagten der Operation Ore um ihre Kreditkarteninformationen gebracht hatte. Es handelte sich in diesem Fall um eine in Florida beheimatete Website, die Luxusgüter wie zum Beispiel ganze Garten-Grills und ähnliches im Internet zu interessanten Preisen zum Verkauf anboten. Das erklärt, warum relativ viele gutsituierte Personen unter den Verdächtigen in Grossbritannien waren.

Der dritte und heute meist verwendete Schwindel, um an einen Satz kompletter Kreditkarten-Daten zu kommen, ist das heute als „Phishing“ schon berühmte Verfahren. Man offeriert den Zugang zu einer grossen Porno-Website (oder einer anderen Site mit vielen Interessenten) zu einem extrem geringen Preis, in der Anfangszeit meist ein Dollar, heute üblicherweise 1,99 Dollars. Man muss zum Bezahlen alle Karten- und persönlichen Daten eingeben (angeblich, um eine Altersüberprüfung durchzuführen) und schon hat der Verbrecher einen kompletten Datensatz, den er selbst verwenden oder im Internet zum Verkauf anbieten kann.

Diese Art von Kreditkartenschwindel wird „Carding“ genannt. Die Daten wurden von Mitte der Neunziger Jahren an in internationalen Schwarzmärkten über das Internet zum Kauf angeboten. Es gab Websites mit nur Mitgliederzutritt und auch Chat-Gruppen, wie „Carders market“, „Dark market“, „Talk Cash“ und „The Vouchard“, in denen ganze Wagenladungen solcher gestohlener Kreditkarten-Informationen angeboten und verkauft wurden. Die Preise reichten von 30 Dollar für eine einzelne, noch nicht kriminell verwendete VISA-Gold-Karte bis hin zu einem „Bulk“ von 4000 gestohlenen American-Express-Karten-Daten zum Vorzugspreis von 10 000 Dollar, also gerade mal 2 Dollar 50 pro Stück.

„Carding“ über „Fake“- oder wirkliche Porno-Sites ist der einfachste Weg, Millionen zu machen, denn es braucht nichts geliefert zu werden. Man kann aus entfernten Ländern arbeiten (so war die Website bei der letzthin von der deutschen Polizei verfolgten ‚Operation Mikado’ auf den Philippinen gehostet).

Man öffnet eine Porno-Site, eventuell auch einfach nur ein Titelblatt mit einem fetzigen Titel und benutzt nun die Kreditkarten-Daten, die man gephished oder gekauft hat, um Abbuchungen von den Konten der Kreditkartenbesitzer vorzunehmen. Daher kommen dann Zahlungen im Bulk statt eine nach der anderen von einzelnen Seiten. Üblicherweise werden kleinere Beträge von unter 50 Dollar im Einzelfall abgebucht. Man wiederholt diese Abbuchungen monatlich, so als ob der Kreditkartenbesitzer sich Zugang gekauft hätte mit monatlichen Zahlungen.

Nur ein Teil der Kreditkartenbesitzer verlangen üblicherweise die Rückzahlung von ihren Kreditkartenorganisationen über die Bank, welche die Kreditkarte ausgestellt hat (was bei zurückliegenden Fällen extrem schwierig und arbeitsaufwendig ist, wie der Autor bestätigen kann, der selbst schon Opfer einer solchen Straftat geworden ist). Die meisten der Kreditkartenbesitzer bemerken diese Abbuchungen gar nicht oder können nicht herausfinden wie man Rückzahlungen bekommt.

Teil 2: Die Berühmtheiten unter den Verdächtigten und die Rolle der Polizei

kriminalitaet

Kroat-Rocker Marko Perkovic und die Hypo-Alpe-Adria Bank

Dr. Alexander von Paleske— 29.6. 2007 — Heute Morgen erschien eine kleine Meldung in dem Weblog “Die Jüdische”, der in Österreich beheimatet ist. Danach soll die Skandalbank Hypo-Alpe das Sponsorship für den kroatischen Rocksänger Marko Perkovic alias Thompson eingestellt haben. Das wäre normalerweise keine Zeile wert, aber Marko Perkovic ist nicht irgendwer, sondern der zurzeit wohl populärste Rocksänger Kroatiens. Er hat eine Welttournee hinter sich gebracht, die in der Hafenstadt Split im Jahre 2002 mit 40.000 Menschen begann und im Jahre 2005 in Melbourne Australien zu Ende ging.

Auch in Deutschland trat er auf, im April in Frankfurt vor 13.000 zahlenden Besuchern und im Juni in Zagreb/Kroatien vor 60.000. Die Musik soll von der legendären Pop-Gruppe Abba abgekupfert sein, behaupten einige, die Texte sind offenbar außerordentlich rechtslastig.

Eine Kostprobe:
“Jasenovac und Gradiska Stara, da sind die Schlächter von Maks zu Hause.“

Zur Erinnerung:
Jasenovac war ein KZ zur Zeit der faschistischen Ustascha-Herrschaft in Kroatien und Bosnien Hecegovina nach dem Einmarsch deutscher Truppen im Jahre 1941. Die Ustascha wurde von einem Zagreber Rechtsanwalt namens Ante Pavelic angeführt und war das Pendant zu Adolf Hitlers NSDAP. Wie in Nazi-Deutschland wurden von der Ustascha (übersetzt: Freiheitskämpfer) Rassengesetze nach deutschem Vorbild erlassen und Konzentrationslager eingerichtet. Das größte war Jasenovac, 100 km südlich von Zagreb gelegen. Dort wurden Juden, Roma und Serben sowie antifaschistische Widerstandskämpfer eingeliefert und auf brutalste Weise ermordet. Die Zahl der Getöteten schwankt. Es sollen etwa 290.000 Serben, 30.000 Juden und 30.0000 Roma gewesen sein. Kommandant des Lagers war der von Perkovic besungene Vjekoslav ‘Maks” Luburic (1914-1969)

Nun ist das Sponsorship der Skandalbank Hypo-Alpe für Faschistenfreunde nichts Neues. Schon der Vertreter des ehemaligen Mehrheitseigentümers der Hypo-„Skandalpe“ des Landes Kärntens, der Landeshauptmann Jörg Haider war durch die Empfehlung der hitlerschen Arbeitsmarktpolitik aufgefallen.

Auch der von der Hypo-„Skandalpe“ gesponserte kroatische Skiathlet Ivica Kostelic hatte durch Nazi-freundliche Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht, wie schon unter „Journalismus – Nachrichten von Heute“ berichtet.

Nun also auch Marko Perkovic, alias Thompson. Allerdings kann sich die Bayerische Landesbank als neuer Mehrheitsaktionär, anders als der Rechtsaußen Jörg Haider, derartige Faschistenfreunde auf der Liste der Gesponserten nicht leisten. Nur so ist die Entscheidung der Hypo-„Skandalpe“ zu verstehen.

linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale
linkEin kroatischer Rechtsrocker und die „Junge Freiheit“ in Deutschland
Kroatiens Rechts-Rocker Marko Perkovic – im Ausland unerwünscht
Jörg Haiders Hypo-Alpe (Skandalpe) auf dem Balkan
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.
Hypo-Alpe wird zum Beckstein-Skandal
Prostituierte, Parties, Pferderennen, Penny Stocks, Deutsche Bank in Toronto und Khashoggi
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe