kriminalitaet

Plant Mafia Mordanschlag auf Prodi?

Harald Haack – Es ist höchst eigenartig: Berlusconi verliert die Wahl in Italien und die Polizei gibt bekannt, sie habe Italiens meist gesuchten Verbrecher, Bernardo Provenzano, verhaftet. Das wirkt, als habe sie nun erst gewagt, da Berlusconi, dem eine Nähe zur Mafia nachgesagt wird und seine Macht als Regierungschef verliert, den Mafiosi festzunehmen. Premier Berlusconi will seine Niederlage noch nicht eingestehen. Er ließ verbreiten, die Wahl sei von den Linken manipuliert worden, einige Tausend Wählerstimmen seien nicht in die Zählung gekommen; sie seien verschwunden. Wo und wann dies geschah, ließ er offen. Aber das Innenministerium in Rom bestätigte inzwischen die Festnahme Provenzanos.


Wird er zum Mordopfer der „Familie“ Provenzanos: Wahlsieger Romano Prodi vor der Computersimulation des gealterten Provenzano.


Corleone auf Sizilien: In der Nähe dieser finsteren Mafia-Hochburg schnappte die Polizei jetzt den „Paten“ Provenzano.

Seit Jahren war der Anti-Mafia-Kämpfer und Staatsanwalt Pietro Grasso auf der Suche nach Provenzano. Bisher sei der Sizilianer stets von Politikern, Unternehmern und sogar von Polizisten gedeckt worden, sagte Pietro der Presse. Er sei der Meinung, dass dieser deshalb nie gefasst wurde.


Fahndungserfolg nach Jahren: Staatsanwalt Pietro Grasso.

Rund 40 Jahre war Bernardo, einer der wichtigsten Mafia-Bosse der sizilianischen Cosa Nostra, auf der Flucht. Dann ging er der Polizei auf einem Bauernhof in der Nähe von Corleone auf Sizilien in die Falle. Er sei „in Jeans und T-Shirt“ festgenommen worden, schreibt der Mailänder „Corriere della Sera“. Um nicht entdeckt zu werden, habe Provenzano darauf verzichtet, per Telefon Abmachungen zu treffen. So fand man dann auch „kleine, maschinengeschriebene Zettel mit Anweisungen für seine direkten Untergebenen und Angehörigen in seiner Hosentasche“, schreibt die Zeitung.

Provenzano sei zunächst mit einem Hubschrauber auf die Militärbasis Bocca di Falco in Palermo gebracht worden. Von dort aus werde er im Auto ins Polizeipräsidium gebracht, hieß es.


Altes Fahndungsfoto: Wie Provenzano nach 40 Jahren seiner Flucht aussah, wusste angeblich keiner der Fahnder.

Kurz nach der Verhaftung des ehemaligen Bosses Totò Riina in Palermo soll Provenzano 1993 die Führung der Cosa Nostra übernommen haben. Provenzano, der innerhalb der „Familie“ auch „der Buchhalter““ oder „Onkel Binu“ genannt wurde, entwischte in immer wieder in letzter Sekunde der Polizei. In Abwesenheit wurde er sechsmal zu lebenslanger Haft verurteilt. So genannte „Pentiti““ – reuige Mafia-Aussteiger und Kronzeugen – behaupteten, es habe kaum eine spektakuläre Mafia-Aktion gegeben, an der Provenzano in der Vergangenheit nicht beteiligt gewesen wäre. Auf sein Konto sollen auch die blutigen Anschläge auf den obersten Mafiajäger, dem Richter Giovanni Falcone sowie dessen Kollegen Paolo Borsellino im Jahre 1992 gehen.

Die Welt darf gespannt sein, wie lange Berlusconis Gegner, Ramono Prodi, der blutigen Rache der sizilianischen Cosa Nostra entgehen wird. In Italien würden einige Wähler mit einer kurzen Regierungszeit Prodis rechnen, schreibt SPIEGEL-Online, möglicherweise nicht länger als 6 Monate. Dann müsse neu gewählt werden.

Derweilen reagierte Berlusconi immer wütender auf seine Niederlage, die er nicht eingestehen will und entrüstete sich mit aufgesetzter römischer Imperator-Miene, niemand könne sich zum Sieger erklären. Er verlangt eine Nachzählung oder wenigstens eine Große Koalition. Falls er es war, der Provenzano jahrelang vor den Zugriffen der Mafia-Jäger bewahrt hatte, wie Staatsanwalt Grasso vermuten lässt, dann wird er alles unternehmen, um den Verlust seiner Macht zu kompensieren. Wird dazu auch der Mord an seinen Gegner gehören?

Kuscheln mit der Mafia
Italienischer Geheimdienstchef angeklagt

kriminalitaet

Erneut Schweizer Firma in Waffenhandel verstrickt?

Das US-Schatzamt hat das Einfrieren von Konten und Vermögenswerten der Freiburger Kohas AG in den USA angekündigt. Die Firma und ihr Chef mit Verbindungen nach Nordkorea unterstützten die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, hiess es.

Kohas wie auch ihr Präsident müssen ihre geschäftlichen Aktivitäten mit US-Firmen wie auch -Bürgern einstellen, wie Othmar Wyss vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Abend der Nachrichtenagentur SDA eine Meldung von Reuters bestätigte. Bern sei von den USA darüber informiert worden.

Kein Grund zur untersuchung in der Schweiz?
Mit einer Schweizer Untersuchung rechnet Wyss nicht. Das seco habe keine Hinweise auf Verletzung der Ausfuhrbestimmungen durch Kohas. Eine Exportbewilligung durch das seco sei auch nie ein Thema gewesen.

Das US-Schatzamt bestraft Kohas für ihre Verbindungen mit der Korea Ryonbong General Corp., eine Firma, deren Guthaben in den USA bereits auf Anweisung von Präsident George W. Bush eingefroren wurden. Knapp die Hälfte von Kohas gehört laut Reuters einer Tochter der Korea Ryonbong General Corp., der Korea Ryonbong Trading Corp.

Kohas trete in Europa als Vermittler von Technologie für das nordkoreanische Militär in Erscheinung und habe Ausrüstung in Verbindung mit Waffen geliefert, heisst es in der Erklärung des US-Schatzamtes. Dies sei seit Ende der 80er Jahre der Fall.

kriminalitaet

Brasilien: Lulas Superminister Palocci entlassen

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Gleich zwei relativ grosse Bomben platzten diese Woche in der brasilianischen Politik. Zunächst am Montag die Entlassung des Superministers Antonio Palocci, des „Garanten für die Zinszahlungen“ und dann am Mittwoch die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts des „Post-Untersuchungsausschusses des Parlaments“.


Superministers Antonio Palocci

Was die Entlassung des Finanzminister Palocci so bedeutsam macht, ist die Tatsache, dass er es war, der ohne Zweifel die Richtlinien der brasilianischen Politik bestimmte. Lula war und ist ein begabter Schauspieler, eine Symbolfigar –ähnlich wie Bush jr. – gut als Darsteller, aber unfähig, eine eigene Politik zu entwickeln.

Brasilianische Politik – und das gilt für alle Entwicklungsländer – heisst zu bestimmen, wie viel Prozent Zinsen man den imperialistischen Regierungen, Banken und Grosskonzernen pro Jahr zahlt. Zahlt man soviel wie von Weltbank und Internationalem Währungsfond gefordert, und das war die Politik Paloccis, bleibt sowieso praktisch nichts übrig, von dem man noch irgendetwas bezahlen könnte. Wenn sich Politik fast ausschliesslich auf Dinge bezieht, die nichts kosten, ist das logischerweise etwas spärlich.

Paloccis Politik lautete 18 bis 19 Prozent Zinsen auf die Schulden zu zahlen. Das ist wohlgemerkt der Leitzins. Mit anderen Worten, alle internationalen Spekulanten konnten, wenn sie ihr Geld in brasilianischen Regierungsanleihen anlegten, eine phantastische Superverzinsung erreichen, die sonst nur mit extrem riskanten Hedge-Fonds, mit noch riskanteren reinen Spekulationen oder ähnlichen Anlagen möglich ist. Abzüglich der Inflation, die unter 5 Prozentjährlich liegt im Moment, ergibt das um die 13 Prozent Netto-Zinserlöse. Das zahlt nicht die Aktie des profitabelsten Konzerns, nicht der KKR-Hedge-Fond, nicht einmal der Besitz einer Goldmine gibt soviel her. Mehr gibt’s nur noch, wenn man in illegale Geschäfte einsteigt.

Brasilianische Regierungsanleihen sind natürlich nichts, in dem Otto Normalverbraucher Geld anlegen könnte, so er denn welches hat. Allein die Kosten für den Kauf oder Verkauf gehen in die Tausende von Dollar. Das lohnt sich also nur, wenn man im Bereich von zig oder Hunderten von Millionen oder mehr anlegt, dann sind diese Kosten verschwindend.

Der neue Minister Mantega versicherte denn auch gleich, dass er alles genauso machen würde wie Palocci. Hätte er das nicht gesagt, hätte es massive Abwertungen des brasilianischen Real gegeben. So wird man sehen, ob er vielleicht eine geringfügige Verminderung der Zinsen durchsetzen wird.

Finanzspiel Brasilien
Die brasilianische Ökonomie ist im Moment ein reines Finanzspiel. Das Brutto-Sozialprodukt Brasiliens wuchs im letzten Jahr lediglich um 2,3 Prozent. Das sind Zahlen, die in die Nähe des deutschen Wachstums kommen – und das nennt man in Deutschland einen ‚kranken Mann’. Es gibt also keinerlei Grund zu frohlocken, die Wirtschaft stottert so vor sich hin. Trotzdem ist der Wert des Real bis in die Nähe der Grenze von 50 Cents vom US-Dollar gestiegen – ein völlig absurder Wert.

Dies alles, weil Milliarden und Abermilliarden spekulative Gelder nach Brasilien fliessen – kein Wunder bei diesen Zinserwartungen. Keine wirklichen Gelder, keine Investitionen, nein, volatiles Geld, angelegt in Real und Staatsanleihen, das beim geringsten Anzeichen eines Problems wieder aus dem Land abgezogen wird und dann massive und ebenso absurde Verluste des Wertes der Währung verursacht.

Palocci war nicht gestürzt über die Korruption, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass er dort auch verwickelt war, aber man hatte noch nichts wirklich beweisen können. Er war gestürzt, so wie viele Politiker (man erinnere sich nur an den damaligen US-Präsidenten Nixon) über seine Versuche, die Spuren zu verwischen. In diesem Fall ging es um einen Hausmeister, der angegeben hatte, Palocci sei auch unter den PT-Politikern gewesen, die in jenem Haus ein- und ausgingen, von dem man bereits wusste, dass dort die Gelder aus den schwarzen Kassen verteilt – und nebenbei auch Gelage und Feste mit Prostituierten abgehalten wurden.

Na, deutscher Normalbürger, kommt uns das nicht bekannt vor? Korruption gemischt mit Prostituierten – und der Chef selbst, Hartz, geht dort auch ein und aus?

Nun ging es darum, diesem Hausmeister das Maul zu stopfen. >>Unverschämtheit von dem Mann. Zuerst bezahlen wir ihm Schweigegelder und dann beginnt er zu singen.<< Wahrscheinlich war er auch ein Geldempfänger gewesen, jedenfalls wusste man sofort, wo man suchen musste, auf seinem Konto bei der staatlichen Bundes-Sparkasse ‚Caixa Económica Federal’. Der Chef der ‚Caixa’ kam rein zufällig auf die Idee, sich einen Kontoauszug von dessen Konto geben zu lassen. Als er ihn erhielt, benachrichtigte er sofort Palocci, dass dort Gelder gefunden worden waren, die inkompatibel mit dem Lohn des Hausmeisters seien.

Information gesickert
Nur kam die Sache heraus. Einer der Beteiligten liess die Information über den Bruch des Bankgeheimnisses ‚aus persönlichen Gründen’ an einen Oppositionspolitiker durchsickern – und schon stand Palocci bis zum Hals im Dreck. Lula konnte nicht mehr anders, als ihn zu entlassen, um nicht selbst mit hineingezogen zu werden.

Die zweite geplatzte Bombe bezieht sich auf einem Untersuchungsausschuss, der zunächst wegen bestimmter Unregelmässigkeiten bei der in Brasilien immer noch staatlichen Post eingerichtet worden war. Dieser Ausschuss hatte im letzten Jahr, als die ersten Korruptionsanklagen gegen Lulas PT aufkamen, diesen Komplex an sich gezogen und ermittelt. Sein Verdikt ist ausreichend, um unter normalen Umständen jede beliebige betroffene Partei zur Bedeutungslosigkeit zu verurteilen. Nicht so die PT Lulas.

Der Bericht bestätigt die Hauptanklage, dass nämlich die ganze Direktion der PT (mit Ausnahme Lulas) ein Schema entwickelt und dann durchgezogen habe, wie man Gelder aus staatlichen Unternehmen herausholt und dann über eine Art von Geldwaschanlage zu PT-Geld macht, das für die Wahl-Fonds der Kandidaten verwendet wird, wobei die Kandidaten allerdings keinerlei Rechenschaft darüber abzugeben hatten. Auch die Verbündeten wurden bedacht. Angeklagt (und damit der weiteren Behandlung durch die Staatsanwälte anheimgestellt) wurden 122 Personen.

Hier nur die Haupt-Anklagepunkte und die wichtigsten angeklagten Personen des Berichts: José Dirceu, damaliger Kabinett-Chef und ‚rechte Hand Lulas’ (in Wirklichkeit war Lula seine linke Hand; er musste bereits Mitte letzten Jahres zurücktreten), angeklagt der aktiven Bestechung; Luiz Gushiken, ein anderer damaliger Minister (ebenfalls schon lange zurückgetreten), soll der Hauptakteur innerhalb der PT gewesen sein, angeklagt wegen aktiver Bestechung und Machtmissbrauch; José Genoino, damals Vorsitzender der PT (auch er schon ein halbes Jahr aus dem Amt), angeklagt der Geldwäsche, Unterschriftsfälschung, aktiver Bestechung und Wahlvergehen; Delúbio Soares, damaliger Schatzmeister der PT, angeklagt der Unterschriftsfälschung, Geldwäsche, aktiver Bestechung, Untreue und Wahlvergehen; Marcos Valério, Unternehmer und „Berater“ Lulas, er soll die Geldwäsche und die Geldverteilung über zig Konten koordiniert haben, angeklagt insgesamt neun krimineller Taten, darunter Geldwäsche, Machtmissbrauch und Unterschriftsfälschung; Roberto Jefferson, vom Koalitionspartner der PT, der PTB, er hatte den Stein ins Rollen gebracht, er war in die ursprünglich zu untersuchenden Unregelmässigkeiten bei der Post verwickelt, als er merkte, dass er nicht davon kommen würde, beschloss er, die ganze Regierung mit in den Skandal zu ziehen und legte die ganzen Korruptionsschemata dar, angeklagt der passiven Bestechung, der Steuerhinterziehung und von Wahlverhgehen; Eduardo Azeredo, nicht von der PT, sondern damaliger Präsident deren ärgster Gegner PSDB (des vorherigen Präsidenten Cardoso), angeklagt der passiven Bestechung und des Wahlvergehens.

Dazu werden eine Reihe von damaligen Präsidenten und Direktoren von Staatsbetrieben der Untreue angeklagt. Zwei Politiker werden ausserdem angeklagt, weil sie Dokumente der Kommission übergeben hatten, die sich später als gefälscht herausstellten.

Nun, dies sind alles lediglich Feststellungen der Kommission, in der die PT keine Mehrheit hatte. Im Plenum kauft sich Lula jeweils eine Mehrheit zusammen, wenn es um wichtige Abstimmungen geht. Man wird sehen, ob er es auch diesmal wieder schafft, dieses Dokument im Plenum abgelehnt zu bekommen.

Der Duchschnittsbrasilianer sieht in solchen Fällen meist schwarz: Es wird am Ende doch niemand verurteilt. In Brasilien gebraucht man hierfür das Bild der Pizza: Alle Beteiligten gehen in die Pizzeria, bestellen eine Pizza und alles bleibt unter dem Teppich.

So kam es dann auch zum Pizza-Tanz. Im März war u.a. einem der PT-Abgeordneten, die monatliche hohe Zahlungen bekommen hatten, vom Plenum des Bundestages nicht sein Mandat aberkannt worden. Eine Kollegin von ihm war nach der Abstimmung so erfreut, dass sie von ihrem Abgeordnetensitz aufstand und ein kleines Tänzchen hinlegte, dass dann sofort die Bezeichnung Pizza-Tanz bekam.

kriminalitaet

Unglaubliche Zusammenarbeit von Behörden mit Mafia-Organisation

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Die größte Tageszeitung Brasiliens hat am Dienstag berichtet, dass die brasilianische Armee ohne Erfolg auf der Suche nach gestohlenen Waffen einen unerhörten „Deal“ mit einer der großen kriminellen Mafia-Organisationen eingegangen sei: Gegen die Rückgabe der Waffen sollen die Einkreisungen der Favelas aufgehoben werden, damit die Mafia wieder ungestört ihren Drogen-Geschäften nachgehen kann.


Deal mit dem Heer

Die brasilianische Armee dementierte diese Meldung, aber die „Folha de São Paulo“ bestätigte erneut, dass ihr eindeutige Informationen über diesen Deal vorliegen. Nach Angaben der Zeitung hatte die kriminelle Drogen-Organisation „Rote Fraktion“ bereits am Sonntag die gestohlenen Waffen an das Heer übergeben, nachdem man einen umfangreichen Deal abgeschlossen hatte.

Der hätte im Einzelnen folgende Punkte beinhaltet:
Die Eingänge zu den Favelas würden wieder freigegeben, so dass die Drogenorganisation wieder ihren kriminellen Geschäften nachgehen kann.
Die Waffen würden präsentiert, als hätte sie das Heer gefunden – und zwar in einer Favela, die nicht von der „Roten Fraktion“ beherrscht wird.
Einer der Unterführer der „Roten Fraktion“, der in einem Hochsicherheitsgefängnis einsitzt, wird in ein normales Gefängnis überführt.

Tatsächlich sind seit Montagvormittag die Eingänge der Favelas wieder freigegeben. Tatsächlich hat das Heer am Dienstagnachmittag die gestohlenen Waffen angeblich gefunden und sie dann der Öffentlichkeit präsentiert. Sie seien in der Nähe der Favela Vidigal gewesen. Diese Favela wird nicht von der „Roten Fraktion“ kontrolliert.

Die Armee erklärte, man werde nun auf die Suche nach den Verantwortlichen für den Raub gehen. Dazu werde man in einzelne Favelas eindringen und bestimmte Personen suchen.

Die Darstellung der Zeitung ist glaubwürdig. Ein solcher Deal ist umso unglaublicher, da es sich lediglich um zehn Gewehre und eine Pistole handelt, ein Klacks gegen die bereits vorhandene Bewaffnung der Drogen-Banden. Damit hätte sich der brasilianische Staat in eine Zusammenarbeit mit kriminellen Großorganisationen begeben, die allen Grundregeln eines souveränen Staates widersprechen. Zumindest eine der Mafia-Organisationen, die bereits Teile des brasilianischen Staatsgebiets kontrollieren, hätte einen fast-offiziellen Charakter als Verhandlungspartner der Behörden bekommen. Dies ist Kapitalismus in seinem Verfallsstadium.

kriminalitaet

Rio de Janeiro: Wird wirklich Militär gegen die Drogenmafia eingesetzt?

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Eine Agentur-Meldung ging am 7.März. um die Welt: In Brasilien wird Militär gegen die Drogenmafia eingesetzt. Auf richterliche Anordnung hin seien acht der größten Favelas von Rio de Janeiro vom Militär abgeriegelt und durchsucht worden. Wenn man beim täglichen Weg zur Arbeit an zwei dieser Favelas vorbei kommt, kann man tatsächlich feststellen:. Es stehen dort an einigen der Favela Eingängen Mannschaftstransporter des Heeres und eine Anzahl von Soldaten mit Sturmgewehren. In Wirklichkeit sind die Meldungen aber pure Desinformation.

Was war geschehen? Letzte Woche wurde eine Kaserne in Rio de Janeiro von einem Trupp von Gangstern überfallen. Sie drangen dort ein und stahlen 10 Gewehren und eine Pistole sowie Munition. In der Kaserne wurden sie nicht aufgehalten. Der Verlust wurde überhaupt erst bemerkt, als sie schon geflohen waren mit der Beute.

Diese Geschichte ist höchst verdächtig. Auch in Brasilien werden Kasernen von bewaffneten Soldaten bewacht. Es gibt normalerweise keine Möglichkeit, dort mit Gewalt einzudringen, ohne sich einen Schusswechsel auszusetzen. Es kann also getrost davon ausgegangen werden, dass die Räuber Komplizen in der Kaserne hatten, wahrscheinlich waren einige Soldaten bestochen. Auch die extrem geringe Beute fällt auf. Normalerweise bewegen die kriminellen Mafiaorganisationen Brasiliens wegen lächerlicher zehn Gewehre nicht einmal den kleinen Finger. Sie haben Hunderte und Tausende davon.

Zur Klärung der Sache hätte man dort in der Kaserne suchen müssen. Das tat man aber nicht. Stattdessen wurde angeordnet, dass alle großen Favelas von Rio de Janeiro von Soldaten durchsucht werden sollten, um die Waffen zu finden, nachdem man vorher den kriminellen Organisationen der Favelas zwei Tage Zeit gelassen hatte, um die Waffen und sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Außer kleinen Helfern der Mafia-Organisationen wird man also in den Favelas nichts mehr antreffen. So werden die Durchsuchungsaktionen zu reiner Schikane der Bevölkerung dort. Gleichzeitig will man vor den in diesem Jahr anstehenden Wahlen bei der Bevölkerung außerhalb der Favelas punkten, indem man scheinbar gegen die Mafia-Drogen-Banden vorgeht. In Wirklichkeit sind die staatlichen Autoritäten und die Politik selbst mit diesen Drogenorganisationen verbändelt – und sei es nur, dass sie regelmäßig Geld von dort bekommen, um entsprechende Razzias immer rechtzeitig anzukündigen.

Das Ergebnis der Durchsuchungsaktion ist einmal mehr ein Desaster. Man hat nicht nur die gestohlenen wenigen Waffen nicht gefunden, man hat auch die weit größere Zahl von Waffen, die dort vorher schon gehortet waren, darunter Raketenwerfer, nicht gefunden (weil ja rechtzeitig gewarnt worden war). Aber ein Fünfzehnjähriger wurde von der Polizei erschossen, willkürlich, wie Augenzeugen angeben. Die Polizeiversion ist: Man habe auf die Soldaten geschossen und sie hätten das Feuer erwidert. Dabei sei der Junge getroffen worden. Die Bewohner der Favelas klagen, dass selbst kleine Kinder hochnotpeinlich durchsucht wurden.

Vor der Bevölkerung, die nicht in diesen Favelas wohnt, hat man den starken Mann gezeigt. Irgendetwas erreicht wurde nicht. Die dortigen Bewohner wurden zum x-ten Mal bestraft, anstatt der wirklichen Täter, die man schützt. Es bleibt dabei, dass in Brasilien eine Doppelherrschaft zwischen einerseits dem staatlichen Apparat herrscht, der wesentliche Teile Brasiliens in der Hand hat und andererseits einer Anzahl von Favelas in großen Städten, wo längst die Gesetze der Drogenmafia gelten und Polizisten sich nicht sehen lassen dürfen. (außer zum Abholen ihrer Bestechungsgelder und um Warnungen weiterzugeben).

Inzwischen kontrolliert das Heer auch Fahrzeuge an allen großen Ein- und Ausgangsstraßen Rios, angeblich weil man annimmt, dass die gestohlenen Waffen aus Rio herausgeschafft werden könnten. Nun, auch das wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. Die gewarnten Kriminellen haben natürlich nicht nur diese Waffen, sondern auch die bisherigen und sich selbst vorsorglich längst aus der Stadt gebracht, bevor das Militär kam.

Es wäre vielleicht wirklich ein Schritt gegen die Drogenbanden, die jene Favelas terrorisieren, wenn das Militär auf Dauer dort bleiben würde. So könnte vielleicht weitgehend die Rückkehr der Anführer mit Tross und Waffen verhindert werden. Aber jeder Kenner brasilianischer Verhältnisse wettet darauf, dass das Militär bald wieder abzieht und sich die kriminellen Drogenbanden einen Ast lachen, noch viel mehr ihre Hintermänner in der brasilianischen Oligarchie.

kriminalitaet

Aryan Brotherhood auf der Anklagebank

Stephan Fuchs – In den Vereinigten Staaten kommt die Arische Bruderschaft wegen 16 Tötungen vor Gericht. Der Prozess wird am 14. März eröffnet. Es ist der grösste Mordfall der US-Geschichte.

Die amerikanische Gefängnis Gang mit dem sinnigen Tatoo Slogan „Kill to get in. Die to get Out“ wurde 1964 im berüchtigten Gefängnis von San Quentin in Nordkalifornien gegründet. Ziel der «Aryan Brotherhood» war es, in einem Rassenkrieg gegen die «Black Power»-Bewegung anzutreten. Anfänglich ging es vor allem darum, schwarze Mithäftlinge umzubringen.


„Kill to get in. Die to get Out“

Freilich hat sich die Gang weiterentwickelt und knüpfte Kontakte zur Unterwelt, speziell zur New-Yorker Mafia.. Für die Gambino Mafia Familie um den mittlerweile verstorbenen Don John Gotti soll die «Bruderschaft» mindestens zwei Auftragsmorde ausgeführt haben. Die Bruderschaft mutierte zu einer kriminellen Organisation mit rund 15’000 Gangmitgliedern die im grossen Geschäft des Drogenhandels und bei Schutzgelderpressungen mitmischten Den Anführern gelang es, dank entlassenen „arischen Brüdern“, korrupten Wärtern und einem ausgeklügelten Code-System mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

Sechs Jahre lang hat das FBI ermittelt. Jetzt steht die 110-seitige Anklage und der Prozess kann am 14. März eröffnet werden. Im Prozess geht es um 16 ausgeführte und 16 versuchte Morde. 40 Personen sind angeklagt, darunter die Anführer Tyler «The Hulk» Bingham und Barry «The Baron» Mills. Ihnen und 14 weiteren Mitgliedern droht die Todesstrafe.

FBI Dokumente. Abhörungen & Observationen der Aryan Brotherhood. PDF File 156 Seiten. 4,5 Megabyte

kriminalitaet

Militär gegen Drogenmafia

Rio de Janeiro – Erstmals seit Mitte der 90er Jahre sind in Brasilien die Streitkräfte wieder gegen die Drogenmafia in den Armenvierteln von Rio de Janeiro eingesetzt worden. Rund 1200 Soldaten besetzten am Montag insgesamt acht Favelas.

Es habe mehrere Schiessereien gegeben, bei denen ein 15- Jähriger durch einen Querschläger getötet worden sei, hiess es. Vizepräsident José Alencar rechtfertigte die umstrittene Aktion. Der Militäreinsatz in den Slums erfolge im Rahmen einer richterlichen Anordnung.

Auslöser der Aktion, die mit kleineren Einsätzen bereits am Wochenende begonnen hatte, war der Raub von zehn Gewehren und einer Pistole bei einem Überfall auf eine Militärkaserne in Rio am vergangenen Freitag. Die Behörden beschuldigen die Drogenmafia des Überfalls.

„Das Militär will einfach die Waffen zurück und die Verantwortlichen festnehmen“, sagte Alencar. Die Bewohner der Armenviertel kritisierten dagegen das Vorgehen der Militärs. Bei Razzien würden sogar kleine Kinder durchsucht, beklagten sie sich.

kriminalitaet

Polizei und Mafia: Ein und derselbe Haufen

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Am vergangenen Dienstagabend wurden plötzlich alle Polizisten von den verschiedenen Eingängen der Favela Roçinha in Rio de Janeiro abgezogen. Eine halbe Stunde später tauchte eine Bande von etwa 40 schwerst bewaffneten und vermummten Kriminellen auf und schoss sich ihren Weg den Favela-Hügel hinauf. Von oben wurde sie von der dort heimischen Verbrecherbande mit Gegenfeuer empfangen. Fünf Favela-Bewohner, darunter ein Jugendlicher und ein Kind, wurden im Kreuzfeuer erschossen, viele andere verletzt.

Die bewaffneten Auseinandersetzungen in der so genannten größten Favela der Welt zogen sich über Stunden hin. Die verängstigten Favelabewohner verbarrikadierten sich in ihren Häusern und legten sich auf den Boden. Es wurden im Wesentlichen automatische Kriegswaffen und Maschinenwaffen verwendet, so dass der Begriff Kugelhagel wörtlich genommen werden kann. Anscheinend konnte die heimische Mafia diesmal den Angriff einer konkurrierenden Bande von Kriminellen zum Erlangen der Vorherrschaft in der Favela abwehren.

Bewohner und Medien fragten vor allem, wieso die Polizisten abgezogen wurden und auch während der stundenlangen Kämpfe keine Polizei auftauchte. Bei den Erklärungsversuchen gegenüber dem Fernsehen und Zeitungen verhedderten sich mehrere Polizeiobere und der Staatsminister für Sicherheit von Rio de Janeiro in Widersprüche.

Die einen leugneten, dass die Polizei nicht präsent gewesen wäre, wiesen auf die hoffnungslose Unterlegenheit hin. Sie konnten aber auch nicht erklären, wieso die Polizei denn nicht massive Reserven zur Favela gebracht hatte. Außerdem waren die Aussagen von Hunderte von Zeugen aus der Favela eindeutig: Alle Polizisten verschwanden kurz vorher. Die anderen behaupteten, es habe ein polizei-internes Fest gegeben, zu dem die meisten Polizisten hingegangen wären. Später stellte sich aber heraus, dass jenes Fest bereits in der Woche davor gewesen war.

Selbst das stockkonservative Rio-Blatt ‚O Globo’ schreibt in seiner Hauptüberschrift am 18.2.06: „Polizei widerspricht sich und kann die Abwesenheit in der Roçinha nicht erklären.“

Bleibt nur noch zu klären, welcher Polizei-Obere wie viel Geld bekommen hat, um seine Leute zurückzuziehen. Dies wird aber wohl nie geklärt werden, denn die Medien bestehen nie darauf, dass Skandale aufgeklärt werden. Nächste Woche wird über den nächsten Skandal berichtet usw. usw.

Wer glaubt, dass diese Art von Mafia-Geschichten mit dem engen Polizeiverbund von Deutschland weit entfernt ist, mag sich vielleicht bald wundern. Der bekannte Polizei-Reporter Jürgen Roth hat bereits in seinem letzten Buch im Jahr 2005 berichtet, dass in Deutschland die Polizeiarbeit gegen die organisierte Kriminalität fast vollkommen eingestellt wurde. So hat es in Brasilien auch angefangen.

kriminalitaet

Hintermänner eines Mordes werden geschützt

Karl Weiss – Wie Radio Vatikan am 14.2.06 meldete, hat der örtlich zuständige Bischof für Pará, wo letztes Jahr die Nonne und Aktivistin für Rechte der Indios und Landarbeiter, Dorothy Stang ermordet wurde, die Brasilianische Bundesregierung und die Regierung des Bundeststaates Pará angeklagt, Teil eines Komplotts zum Schutz der Hintermänner dieses Mordes zu sein.


Radio Vatikan: Lula-Regierung ist Teil eines Komplotts

Dorothy Stang war nach einer Ankündigung, die von der Polizei und den örtlichen Behörden nicht ernst genommen wurde, von zwei gedingten Tätern ermordet worden. Auch einer der Auftraggeber wurde bereits identifiziert.

Frau Stang hatte sich in jahrelanger aufopferungsvoller Arbeit für die Indios im Gebiet, das Teil des Amazonaswaldes ist, und für die Landarbeiter eingesetzt und immer wieder die Taten der Großgrundbesitzer, Holzfirmen und Bodenspekulanten in der Region angeprangert. Aus diesen Kreisen, so der Bischof Erwin Kräutler, kam denn auch der Auftrag für ihre Ermordung.

Nach seinen Angaben verhindert aber ein Komplott der Mächtigen in der Region mit der Bundes- und Landesregierung die Aufklärung des Verbrechens. Es seien Unternehmer und hohe Politiker verwickelt. Wenn das Vatikan-Radio berichtet, so kann man getrost davon ausgehen, dass in diesem Fall jedes Wort wahr ist.

Damit hat die Lula-Regierung innerhalb von drei Jahren Amtszeit ein Niveau von Abscheulichkeiten erreicht, wie es selbst ihre schlimmsten Feinde nicht vorhergesagt hatten.

kriminalitaet

Berlusconis heikle Geschäfte

Rom – Der Chefredakteur der linken Polit-Zeitschrift „Diario“, Enrico Deaglio, hat einen Dokumentarfilm über die heiklen Geschäfte und die politische Karriere des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gedreht. Dabei nahm sich der 59-jährige Deaglio die Dokumentarfilme des amerikanischen Regisseurs Michael Moore als Beispiel.

„Als es Silvio gab“, heißt der Dokumentarfilm, der im Februar in 100.000 Kopien auf den Markt kommt. Verkauft wird die DVD mit der Zeitschrift „Diario“ um 18 Euro. Der Film, der drei Monate vor der Parlamentswahl im April für einen Eklat sorgen dürfte, wird auch in die Kinos kommen.

Anonyme Geldverleiher
Der eineinhalbstündige Dokumentarfilm bietet einen Einblick in die beispiellose Karriere Berlusconis, der in den 70er Jahren dank Immobiliengeschäften ein Imperium aufgebaut hatte, die laut dem Regisseur absolut dubios sind. Deaglio geht Verbindungen nach, die Berlusconi angeblich zum Skandalbanker Roberto Calvi sowie zu den Mafia-Bossen Luciano Liggio und Stefano Bontade hatte. „Berlusconi hat die außerordentliche Fähigkeit, sich Geld von Personen ausborgen, die anonym bleiben“, kommentierte Deaglio nach Angaben der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Dienstag.

Mafia-Verstrickungen
Deaglio überprüft auch die engen Beziehungen zwischen Berlusconi und seinem Vertrauensmann, dem Senator Marcello Dell’Utri. Die „Nummer zwei“ der Berlusconi-Partei Forza Italia, war 2004 wegen Mafia-Verstrickungen zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Dell’Utri, Freund und Geschäftspartner Berlusconis in den 80er Jahren, zählt zu den Gründern der Forza Italia. Er hatte den TV-Magnaten Ende 1993 zum Einstieg in die Politik überredet.

Ermittlungen gegen Berlusconi
19 jährige Deutsche soll Beihilfe am Mord des Bankier Gottes geleistet haben