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6 Jahre Haft für Schweizer Botschafter?

Mitglied einer kriminellen Organisation ist der ehemalige Schweizer Diplomat nicht. Der Ex-Botschafter bestritt letzte Woche, wissentlich Geld gewaschen zu haben. Trotzdem gibt es wohl 6 Jahre Zuchthaus. Er habe die Beträge eingesackt, um sie an der Börse anzulegen, rechtfertigte sich Friedrich damals.


Wo sind die anderen schuldigen?

Der stellvertretende Bundesanwalt Claude Nicati mochte das nicht so richtig glauben. Gestern vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona hielt er sein Plädoyer und der ehemalige Schweizer Botschafter in Luxemburg kam dabei gar nicht gut weg. Der heute 63-jährige Peter Friedrich habe stets gelogen und damit das Verfahren erschwert. Er sei völlig unseinsichtig gewesen, habe keinen einzigen Fehler zugegeben. Nicati bezeichnet den ehemaligen Diplomaten als Egoisten der ohne Skrupel gehandelt habe. Es wäre ihm nicht im Entferntesten in den Sinn gekommen, den Schaden wieder gutzumachen. Hinzu komme, dass es sich um einen besonders hohen Deliktbetrag handle und dass der Angeklagte seine krummen Geschäfte nicht weniger als vier Jahre lang machte. Friedrichs Schuld wiege deshalb schwer, fasste Nicati zusammen.

Geldwäscherei?

Der Staatsanwalt hält es für erwiesen, dass sich Friederich der qualifizierten Geldwäscherei schuldig gemacht hat. Zwischen Juni und Dezember 2001 habe der Diplomat mehrere Bankoperationen mit Geld in kleiner Stückelung vollzogen. Das Geld hat er auf Parkplätzen, in Plastiktüten ohne Quittungen erhalten. Das Geld sei ihm von Menschen ohne erkennbare Einkommensquelle übergeben worden – von Drogenhändlern, sagt Nicati. Das hätten Telefonabhörungen erbracht. Die Spur des von Friederich überwiesenen Geldes führt zu Konten in der Schweiz, in Spanien und in den USA. Darunter zwei Konten, denen amerikanische Drogenfahnder im verlauf einer über zehn Jahre dauernden verdeckten Ermittlung immer wieder begegneten: Die Konten bei der Union Planters Bank in Miami und der Bank of America in Tampa erklärte ein Special Agent der US – Zollbehörde im Zeugenstand. „Wir sind sicher, dass das Geld aus Drogenverkäufen stammte. Unsere eingeschleusten verdeckten Ermittler haben es an Strassenecken und in Restaurants bei Dealern abgeholt und zur Bank gebracht.“
Die Bank of Amrica. Tampa. Immer wieder in den verschiedensten Untersuchungen über Terrorismus, Waffen- und Drogenhandel tauchen diese Bank und /oder dieser Ort in Florida wieder auf. Die Bank of America besaß bis 1980 45% der BCCI- Bank, die dann abgestoßen wurden. Doch auch nach diesem Zeitpunkt pflegten die Banken enge Geschäftsbeziehungen. Die Frau von CIA Boss Porter Goss, besitzt unter anderem grosse Anteile an der Bank of America.

Seltsam: welcher Diplomat oder Kurier hat die restlichen Jahre der zehn jährigen Ermittlung auf Parkplätzen in Amsterdam und anderswo herumgelauert und Plastiktüten mit englischen und schottischen Pfund von dubiosen Leuten entgegengenommen? Diese Frage interessiert offensichtlich niemand, es gibt keine weiteren Angeklagten, ausser Antonio Florido Sosa, einem Spanier, der den spanischen Behörden unter dem Decknamen „Radio Jaen“ bekannt war und der des Drogenhandels und der Geldwäsche verdächtigt wurde. Gemäss den spanischen Untersuchungsbehörden handelt es sich beim Spanier um einen „auf Geldtransfers spezialisierten Mittelsmann, der im Dienste mehrerer kolumbianischer Drogenkartelle stand“.

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Adamow in Falle gelockt? Ermitlungen auch gegen Tochter

Bern. SDA Gegen die Tochter des früheren russischen Atomministers Jewgeni Adamow wird in der Schweiz wegen des Verdachts auf Geldwäscherei ermittelt. In diesem Zusammenhang wurden Konten von ihr und einer Beraterfirma gesperrt.

Wie ihr Anwalt, Christoph Dumartheray, am Samstag auf Anfrage Angaben des «Tages-Anzeigers» bestätigte, gehörte die Firma Irina Adamowa. Sie sei mit der Beratungsgesellschaft im Wohnungsbau in Moskau tätig gewesen. Inzwischen sei die Sperrung von zwei der Konten wieder aufgehoben worden, erklärte Dumartheray.

Priorität habe die Aufhebung der Sperrung aller Konton von Adamowa. Sie würden unter Umständen auch Rechtsmittel einlegen, um dies zu erreichen.

Bereits am Freitag hatte Igor Petrow, Sprecher der russischen Botschaft, bestätigt, dass Ende April Finanzmittel von Adamows in der Schweiz lebenden und seit zehn Jahren eingebürgerten Tochter in der Höhe von rund 250’000 Franken auf Schweizer Konten blockiert worden waren.

Kein Zusammenhang» mit Adamow

Nach Angaben von Dumartheray besteht kein Zusammenhang, weder «in zeitlicher noch sachlicher Hinsicht», zwischen den Vorwürfen gegen Irina Adamowa und denen gegen ihren Vater Adamow. Allein die Tatsache, dass Adamowa Gelder von ihrem Vater erhalten habe, reiche dafür nicht.

Adamow war am Montag in Bern verhaftet worden, als er wegen des Falls seiner Tochter aussagen wollte. Seine Tochter äusserte darauf den Vorwurf, die Schweizer Behörden hätten ihren Vater für ein Gespräch in die Schweiz gebeten und so in die Falle gelockt.

Vorgehen gegen Adamow kritisiert

Dass das Vorgehen «nicht richtig» war, glaubt auch Dumartheray, wie er am Freitagabend gegenüber «10 vor 10» von SF DRS erklärte. Der Berner Untersuchungsrichter habe den Haftbefehl aus den USA bereits auf dem Tisch gehabt, und habe Adamow trotzdem im Glauben gelassen, er werde als Auskunftsperson befragt.

Rudolf Wyss, Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz (BJ), erklärte in der gleichen Sendung, ihm seien diese Details nicht bekannt. Im Nachhinein müsse man aber sagen, dass es «hart erscheinen mag», wenn jemand mehr als drei Stunden verhört werde und man ihm erst dann eröffne, er werde festgenommen.

Adamow sitzt in Bern in Auslieferungshaft. In den USA wurde gegen ihn offiziell Anklage erhoben. Ihm werden Betrug, Hehlerei, Geldwäscherei und Steuerbetrug vorgeworfen.

Weiterführende Artikel

  • Adamows Anwalt wartet auf offizielle Reaktion aus Moskau

  • Adamow – tot oder lebendig

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Schweizer Botschafter wegen Drogengelder vor Gericht

Peter Friederich, der ehemalige Schweizer Botschafter in Luxemburg, steht ab heute Montag wegen Geldwäscherei im Tessin vor Gericht. Die zwei Haupt-Anklagepunkte für den 63-jährigen Friederich lauten auf Geldwäscherei und Unterstützung einer kriminellen Organisation, dem kolumbianischen Drogenkartell. Friedrich wurde im Juli 2002 verhaftet. Ihm droht nun eine lange Haftstrafe.

Karrierediplomat

Peter Friederich ist seit 30 Jahren Diplomat. Er war Botschafter in Vietnam und Kuba, bevor er 1999 nach Luxemburg versetzt wurde. Die Untersuchung hat ergeben, dass der Botschafter überall wo er tätig war, grosse Mengen Geld – im Auftrag von Freunden, wie es heisst – an der Börse einsetzte. Er versprach eine höhere als die marktübliche Rendite. Renditen die wohl nur über Illegale Geschäfte zu erzielen sind.

Als die Börse im Jahr 2000 einbrach, verlor Friederich dabei rund 5 Mio. Franken, was ihn schnell in grosse finanzielle Schwierigkeiten brachte. Wie beim Glücksspiel im Casino habe der Diplomat diese Verluste zu vertuschen versucht und weitere Gelder zur Anlage entgegengenommen. De Chedid geht davon aus, dass der Druck der Gläubiger auf den Diplomaten am Anfang der Geldwäscherei stand. Der Anwalt vertritt einen Klienten, der dem Diplomaten Friederich rund eine Mio. Franken anvertraut hatte.

Aufgefallen

Die Affäre Friederich war 2002 ins Rollen gekommen, weil die Luxemburger Bank, bei der er die Barsummen einbezahlt hatte, dies den Behörden gemeldet hatte. Im Februar 2002 informierten die Luxemburger Behörden die Schweiz. Fünf Monate später wurde Friederich in Bern verhaftet, aber nach 38 Tagen Untersuchungshaft wieder freigelassen. Nach der Abberufung als Missionschef in Luxemburg durch den Bundesrat quittierte er noch im gleichen Jahr den diplomatischen Dienst und liess sich frühpensionieren. Friederich hat den Vorwurf der Geldwäscherei immer bestritten.

Verschlungene Zahlungen

Bei seiner Verhaftung wurden auf seinem Privatkonto in Luxemburg rund 2,4 Mio. Franken gefunden. Diese Gelder soll Friederich – so die Anklageschrift – von Mitgliedern einer Drogenbande in jeweils kleinen Scheinen und verschiedenen Währungen nicht nur in Luxemburg, sondern auch in Polen, Amsterdam oder Genf entgegengenommen und auf ein auf ihn lautendes Konto einbezahlt haben. Anschliessend soll er die Gelder auf Konten der Drogenbarone weitergeleitet haben.

Die Zahlungen kamen von einem gewissen Antonio Florido Sosa, einem Spanier, der den spanischen Behörden unter dem Decknamen „Radio Jaen“ bekannt war und der des Drogenhandels und der Geldwäsche verdächtigt wurde. Gemäss den spanischen Untersuchungsbehörden handelt es sich beim Spanier um einen „auf Geldtransfers spezialisierten Mittelsmann, der im Dienste mehrerer kolumbianischer Drogenkartelle stand“. Mehrmals sind dem Ex-Diplomaten in Hotels in Holland und Luxemburg Koffer übergeben worden, die Geld in kleinen Scheinen enthalten hätten. Dabei handelte es sich, laut den spanischen Quellen, um so genanntes „Street Money“, also um Gelder, die aus dem Strassenverkauf von Drogen in ganz Europa stammten.

Vor dem Rücktransfer nach Kolumbien habe dieses Drogengeld gewaschen werden müssen. „Peter Friederich ist eine der zahlreichen Personen, die dafür verwendet wurden“, zitiert die Zeitung weiter. Dabei hätten die spanischen Mittelsleute nie längere Zeit mit denselben Personen gearbeitet.

Mittelsmann Sosa wurde später auf Verdacht des Kokain-Schmuggels verhaftet. Die Anklage sagt nun, dass Friederich von Radio Jaens Tätigkeiten gewusst habe und möglicherweise von dessen Drogenschmuggel profitiert habe.

Kleines Rad im grossen System

Friederichs Verteidiger Didier Bottge weist sämtliche Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. „Peter Friederich war höchstens ein kleines Rad in einem viel grösseren System“, sagte Bottge.“ Es überrascht mich, dass er als einziger vor Gericht steht, wo doch in zahlreichen Ländern untersucht worden ist.“

Zigarrenkisten

Friederich erklärte, das Geld stamme aus dem Verkauf von Gemälden, Kisten mit Zigarren und antiquarischen Büchern. Auch eine Uhr aus Meissenporzellan sei dabei, die er einem Rechtsanwalt in Genf verkauft habe. Sein Anwalt sagt, er denke, das Geld sei von einem spanischen Treuhänder auf dem Konto platziert worden, um Steuern zu umgehen.

Leider gelogen

Friederich gab später zu, dass er über die Herkunft des Geldes log und die Unterschrift des angeblichen Kunden fälschte. Die Mithilfe an Geldwäsche stritt er jedoch ab. Friederichs Verteidiger sagt, sein Mandant habe nichts von einem Drogenring oder von mafiösen Geschäften gewusst. Das Geld sei auf seinem Konto gewesen, bevor die Verbindung von Radio Jaen zum Kokainschmuggel entdeckt worden sei. Die Anklage dagegen ist überzeugt, dass Friederich gewusst haben müsse, dass da krumme Dinge laufen. „Dieser Prozess wird zeigen, wieviel Peter Friederich wirklich wusste“, sagt Verteidiger Bottge. „Ich werde in den meisten Anklagepunkten auf Freispruch plädieren. Sollte er schuldig gesprochen werden, dann hoffe ich, dass er auf Bewährung freikommt.“

System

Offensichtlich zeigt das kolumbianisch-mafiöse Konzept System. Zu weiteren Untersuchungen gegen andere ist es nicht gekommen, an die Spitzen der Syndikate ist man nicht gekommen. Einmal mehr. Bereits die Untersuchungen zur Fimo Affäre blieb da stehen, wo es interessant wurde, die Mafiajägerin Carla del Ponte ermittelte in diesem Fall. Sie war indirekt mit der Fimo auf engem Fuss. Vielmehr scheint, dass Friederich unter enormen Druck gestanden hat und eventuell auch Erpresst wurde. Der ehemalige Genfer General-Staatsanwalt Bernard Bertossa wird über die Zukunft von Peter Friederich richten. Die Anklageschrift von Bundesrichter Paul Perraudin gegen den Ex-Botschafter ist 200 Seiten stark. Der Prozess in Bellinzona soll 12 Tage dauern.

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Atom Minister in Bern verhaftet

Aus dem Berner Gerichtsaal heraus wurde der 65-jährige ehemalige russische Atomminister Jewgeni Adamow verhaftet. Ihm werden Geldwäscherei, Veruntreuung und Verschwörung vorgeworfen. Die Verhaftung erfolgte auf Ersuchen der USA, die nun auch seine Auslieferung verlangt.

Adamows Anwalt, Timofei Gridnew, nahm zu den Details nicht weiter Stellung. Laut Gridnew war Adamow in der Schweiz, um „finanzielle Probleme seiner Tochter zu regeln“.
Es waren amerikanische und schweizerische Behörden an der Vorbereitung zur Verhaftung beteiligt. Nach einem Bericht der „New York Times“ wirft die Staatsanwaltschaft in Pittsburgh Adamow vor, Hilfsgelder der US-Regierung zur Verbesserung der Sicherheit russischer Atomanlagen veruntreut zu haben. Neun Millionen Dollar (10,8 Mio. Franken) des US-Energieministeriums seien auf Konten in den Bundesstaaten Pennsylvania und Delaware umgelenkt worden.

Die USA sucht den ehemaligen Minister im Zusammenhang mit diesen angeblichen Veruntreuungen. „Das FBI und die nationalen Steuerbehörden haben Adamows Dossier während langer Zeit untersucht“, sagt der Sprecher der US-Botschaft, Dan Wendell. „Angeklagt wurde er vom US-Distrikt-Gerichtshof Pennsylvania, unter anderem wegen dem Transport von gestohlenem Geld und Wertpapieren.“ Um welche Wertpapiere und um welches Geld es sich handelt, wurde nicht erwähnt.

Allerdings liefen gegen den früheren Minister bereits bei der Antikorruptions- Kommission der russischen Duma Untersuchungen. Dem ex- Minister wurde dabei vorgeworfen, sich in seiner Stellung bei MINATOM persönlich bereichert zu haben und für die eigenen Geschäftsinteressen gearbeitet zu haben. Für MINATOM Mitglieder ist es nach russischem Gesetz untersagt private Firmen zu führen. Die parlamentarische Kommission hatte ihn auf Grund dessen angeklagt.

Das Außenministerium in Moskau erklärte, dass russische Diplomaten in der Schweiz nun versuchen Kontakt zu dem festgenommenen Adamow aufzunehmen. Sie liessen verlauten, Adamow sei privat in die Schweiz eingereist. Nach Medienberichten wollte er dort mit den Behörden verhandeln, weil Konten seiner in Bern studierenden Tochter gesperrt worden seien. Russland versucht zugleich von den USA Informationen über die Anschuldigungen zu bekommen. „Soweit wir wissen, stehen die Vorwürfe in Verbindung mit geschäftlichen Tätigkeiten Adamows aus den neunziger Jahren vor seiner Ernennung zum Atomminister“, sagte Ministeriumssprecher Alexander Jakowenko.

Dies würde dann freilich die Korruptionsvorwürfe der amerikanischen Behörden nicht erhärten. Adamow leitete 1986 nach der Tschernobyl-Katastrophe die Säuberungs-Aktion rund um das Atomkraftwerk. Er gehörte der Regierung Boris Jelzin an und wurde 1998 zum Minister für Nuklearenergie ernannt. Präsident Vladimir Putin setzte ihn in einer Regierungsrochade 2001 ab.

Seit 1990 gründete Adamow rund zehn Firmen. Darunter russische aber auch eine französische und drei amerikanische, wovon eine auch in der Schweiz registriert ist. Die Omeka Ltd. aus Pennsylvania, ist auch an der Aarbergergasse in Bern registriert. Adamow kontrollierte 1999 $3.15 Millionen aus dem Gesamtkapital von $5 Millionen und seine Frau weitere 1.5 Millionen Dollar. Jene Beratungs- und Management Firma hatte Verträge mit Tekhsnabexport, der Import Tochterfirma von MINATOM. Omekas Aktivitäten sind nicht nur beraterischer Natur im Atom Geschäft, sondern stellt NIKIET, dem geheimen energietechnologischen Institut, dessen Direktor Adamow in den Jahren 1986 – 1999 war, jährlich 50’000 US$ für Computer Equipment zur Verfügung. Das Institut stellte Reaktoren des Typs her, wie er in Tschernobyl verwendet wurde. Laut einem Bericht von Greenpeace Moskau kaufte Omeka für 200’000 US$ ein Haus für Adamow in Pennsylvania und eröffnete ein Bankkonto über 250’000 US$ in der Schweiz.

Laut dem Bericht haben die in Amerika domizilierte Energy Pool Inc. und die russische Immobilien Firma Logic Reality, beides auch Adamow Firmen grosszügige Überweisungen an andere MINATOM Offizielle getätigt. Neben den finanziellen Zuwendungen wurde Adamow unterstellt, dass er Personal ohne Fachwissen in Schlüsselpositionen des Atomministeriums hievte. Einige davon waren laut Bericht Aktien Teilhaber der Adamow Firmen, bevor er zum Minister ernannt wurde.

Update 06.05.
Moskau fürchtet die Aussagen des festgenommenen Ex-Atomministers

Moskau/Bern – Rußland fürchtet eine Preisgabe von Staatsgeheimnissen durch den auf Grund eines amerikanischen Haftbefehls festgenommenen Ex-Atomminister Jewgeni Adamow an die USA. Adamow wisse über die Produktion russischer Nuklearwaffen wie auch über die Lage wichtiger Atomanlagen Bescheid, sagte ein Kreml-Beamter nach Angaben der Moskauer Zeitung „Wedomosti“.

Adamow, der von 1999 bis 2001 Atomminister Rußlands war, kennt sich auch in den Nukleargeschäften mit Indien, China und dem Iran aus, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Ministeriums. Dagegen erklärte der Kommandeur der Raketentruppen, Nikolai Solowzow, Adamow sei nicht mit Geheimnissen der russischen Atomstreitmacht vertraut. „Was Geheimnisse der Raketentruppen betrifft, stellt Adamow keinen Wert dar“, so der Generaloberst.

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Visa-Affäre auf der Schweizer Botschaft in Peru

Die Visa-Vergabe scheint ein kritisches Gebiet für Korruption zu sein. Auf Schweizer Botschaften sind Visa-Affären aufgeflogen. Die Bundesanwaltschaft und das eidgenössische Untersuchungsrichteramt ermitteln in vier Fällen. Im Falle der Botschaft in Peru sitzt seit dem 7. März ein Mitarbeiter wegen Bestechungsverdachts in Untersuchungshaft.

Die Schweizer Botschaft in Peru soll gegen Bezahlung Visa für die Schweiz ausgestellt haben. Ein Botschafts Mitarbeiter wurde deshalb festgenommen. Die Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren.

Die Affäre wurde durch die Westschweizer Sonntags-Zeitung „Le Matin dimanche“ bekannt gemacht. Laut einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) geht sie auf den vergangenen November zurück.

Ende November 2004 sei gegenüber einem Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Peru ein Bestechungsversuch zwecks missbräuchlicher Visa-Ausstellung unternommen worden.

Keine Angaben über die Anzahl Visa

Dabei habe sich der Verdacht ergeben, dass seit einiger Zeit missbräuchlich Visa ausgestellt worden seien. Anfang Dezember 2004 sei das EDA über diesen Sachverhalt in Kenntnis gesetzt worden und habe die Angelegenheit unverzüglich an die Bundesanwaltschaft (BA) überwiesen.

Deren Sprecher, Peter Lehmann bestätigte auf Anfrage, dass die BA am 16. Dezember ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren eröffnet habe. Es betrifft den Verdacht des Sich-Bestechen-Lassens, des Amtsmissbrauchs und eventuell der ungetreuen Amtsführung im Falle eines EDA-Mitarbeiters.

Dieser sitzt seit dem vergangenen 7. März in Untersuchungshaft. Das Verfahren richtet sich umgekehrt auch gegen eine Person wegen aktiver Bestechung und wegen Bestechung schweizerischer Amtsträger, wie Lehmann weiter sagte.

EDA-Sprecher Ivo Sieber wollte auf Anfrage keine Informationen über die Anzahl der missbräuchlich ausgestellten Visa geben. Das Verfahren sei zur Zeit noch hängig, so die Begründung.

Behörden wollten Ermittlungen nicht gefährden

Wegen der möglicherweise länger zurückliegenden Verfehlungen wird auch auf Grund des alten Korruptions-Strafrechts ermittelt, das bis zum 1. Mai 2000 gegolten hatte. Bestechungsdelikte können gemäss Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Zuchthaus bestraft werden.

Sowohl das EDA wie auch die BA verweisen auf die Unschuldsvermutung, die bis zum einem allfälligen Schuldspruch gelte. Zur Person des inhaftierten EDA-Mitarbeiters wurden unter Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz keine Angaben gemacht. Das Verfahren wurde dem Vernehmen nach bisher nicht publik gemacht, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Unregelmässigkeiten auch in Moskau

Die Affäre in Peru ist kein Einzelfall, wie BA-Sprecher Lehmann auf Anfrage sagte. Er erinnerte an das Verfahren gegen den ehemaligen stellvertretenden Schweizer Honorarkonsul eines Landes im Nahen Osten, über das die BA am 25. Mai letzten Jahres informiert hatte.

Dieser Fall, der Oman betrifft, ist zurzeit beim eidgenössischen Untersuchungsrichter hängig. Zudem ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Unregelmässigkeiten bei der Visa-Erteilung auf der Botschaft in Moskau. Dieser Fall dürfte zur weiteren Abklärung noch in diesem Monat dem eidgenössischen Untersuchungsrichter übergeben werden, sagte Lehmann.

Jährlich eine halbe Million Visa

Schliesslich seien Ermittlungen im Falle der Schweizer Vertretung in einem afrikanischen Land bei der Bundesanwaltschaft im Gang. Zu Verhaftungen ist es in diesen beiden Fällen bisher nicht gekommen.

Das EDA wies in der Mitteilung zum Fall Peru darauf hin, dass die Schweizer Vertretungen im Ausland jährlich über eine halbe Million Visa ausstellten. Dies sei eine anspruchsvolle Aufgabe, bei deren Ausführung keine Missbräuche toleriert würden.

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Täterin im Mordfall Stern gefasst

Im Kanton Waadt ist eine Frau festgenommen worden, die den Bankier Edouard Stern erschossen haben soll. Laut dem zuständigen Untersuchungsrichter hat sie die Tat gestanden.

Die Französin, die seit Jahren eine sexuelle Beziehung mit Stern unterhielt, wurde am Morgen wegen Mordverdachts verhaftet, wie der Genfer Untersuchungsrichter Michel-Alexandre Graber entsprechende Medienberichte bestätigte.

Stern war am 1. März mit vier Kugeln aus einer Pistole erschossen worden. Zwei davon trafen ihn in den Kopf, «im Rahmen einer sexuellen Beziehung», wie Graber sagte. Die Leiche des französischen Bankiers war in einen Latex-Anzug gekleidet, als man sie in seiner Wohnung im Genfer Quartier Rive fand.

Laut dem Untersuchungsrichter deuten die Ermittlungen darauf hin, dass die verhaftete Frau allein gehandelt hat. Ob sie Stern aus persönlichen oder finanziellen Gründen getötet hat, ist noch unklar.

Der 50-jährige Bankier gehörte zur französischen Hochfinanz und galt als harter Geschäftsmann. Stern war der Schwiegersohn von Michel David-Weill, dem Chef der französischen Geschäftsbank Lazard. Er galt als dessen Kronprinz, überwarf sich aber 1997 mit ihm.

In Genf wohnte der Financier im fünften Stock eines modernen Appartementhauses. Er verfügte über einen eigenen Jet und ein beträchtliches Vermögen. Vor einer Woche war der Getötete auf dem jüdischen Friedhof in Veyrier GE begraben worden.

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Deutscher Sektenführer in Argentinien gefasst

Der Gründer der deutschen Sekte Colonia Dignidad in Chile, Paul Schäfer, ist im Nachbarland Argentinien verhaftet worden. Der 84-Jährige war fast ein Jahrzehnt auf der Flucht.

Schäfer wurde in seiner Wohnung am Rand von Buenos Aires festgenommen und noch am Donnerstagabend im Rollstuhl sitzend in ein Untersuchungsgefängnis gebracht. Mit einem Lächeln und in Handschellen schoben ihn Beamte durch ein Spalier von Journalisten. Fragen beantwortete er nicht.


Sexueller Missbrauch von 27 Kindern…u.a.

Grund der Verhaftung ist ein Haftbefehl des chilenischen Richters Joaquín Billard gegen den 84-Jährigen wegen des Verschwindens eines Dissidenten zu Beginn der Militärherrschaft von Augusto Pinochet. Der Mann war in Schäfers Siedlung gebracht worden. Sowohl Schäfer als auch andere Mitglieder der von Colonia Dignidad sind mehrfach beschuldigt worden, ihre Siedlung dem Pinochet-Regime als Folter- und Hinrichtungszentrum zur Verfügung gestellt zu haben. In Abwesenheit ist Schäfer im vergangenen November zudem wegen des sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern verurteilt worden.

Die Sekte hatte sich 1956 auf Betreiben von Paul Schäfer (Jahrgang 1921) vom „Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden in Deutschland“ abgespaltet. Unter dem Namen „Private Sociale Mission“ gründete Schäfer in Siegburg ein Erziehungsheim, in dem die Kinder der Mitglieder der Sekte untergebracht waren. Nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Paul Schäfer wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs der von ihm abhängigen Kinder aufnahm, floh ein Teil der Sekte im Januar 1961 nach Chile. Bei der Wahl des Zufluchtsortes waren der damalige chilenische Botschafter Arturo Masche und der Botschaftsangestellte Guillermo Osorio behilflich, beide ausgemachte Rechtsextremisten. Die Kolonie auf chilenischem Boden wurde als Kopie des Führerstaates konzipiert. Sie liegt in der Nähe der Kleinstadt Parral, mehr als 200 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago. Das Areal hat die Größe des Saarlandes und ist von Stacheldrahtzäunen gesichert. Offiziell nennt sich die Sekte „Vereinigung für Wohltätigkeit und Erziehung („Sociedad Benefactora Y Educional“) und will sich angeblich um bedürftige chilenische Kinder kümmern.

Nach dem Militärputsch von 1973 entwickelte sich die „Kolonie der Würde“ unter Pinochet zu einem Folterlager des ehemaligen chilenischen Geheimdienstes DINA. Die Colonia Dignidad war der Ort, an dem die Abteilung der DINA, die für die spurenlose Ermordung politischer Gefangener zuständig war, die meisten Menschen „verschwinden“ ließ. Sie war zudem an einem Arbeitslager für „verschwundene“ politische Gefangene beteiligt. Das Arbeitslager Monte Maravilla, in dem bis zu 100 Gefangene inhaftiert waren, führte die „Colonia Dignidad“ zusammen mit chilenischen Streitkräften. Sie war die Folterschule der DINA und bildete „Verhörspezialisten“ aus. Sie war ein Zentrum der Auslandsspionage der DINA. Sie war einer von fünf geheimen chilenischen Militärstützpunkten, die nach dem chilenischen Militärputsch mit Hilfe des deutschen Obersts Hans-Ulrich Rudel eingerichtet worden waren, um einen militärischen Gegenschlag gegen Argentinien führen zu können. Rudel, ein aktiver Neonazi, den Hitler hoch geschätzt hat, war persönlich in der Colonia Dignidad.

Damals wurde die Siedlung mit unterirdischen Bunkern, Kommandozentralen, einem umfassenden geheimen Warn- und Überwachungssystem und einem unterirdischen Flugplatz ausgestattet. Das Stützpunktsystem gehörte zu einem „Projekt Andrea“, in dessen Rahmen in großen Mengen Giftgas eingesetzt werden sollte. Die damalige Ehefrau eines beteiligten Agenten schrieb, das Gas sei zuerst an politischen Gefangenen ausprobiert worden. Offenbar war die Colonia Dignidad am Schmuggel von Komponenten für das Gas beteiligt. Die Colonia Dignidad war Anlaufstelle und Zufluchtort für NS-Verbrecher und für rechte Terroristen. Sie war ein Schmuggelzentrum für Waffen und andere Güter. Sie war in Geldwäsche verwickelt. Die Colonia Dignidad war jahrelang ein politisches Scharnier zwischen der CSU, dem Freistaat Bayern, der Hanns-Seidel-Stiftung, dem Bundesnachrichtendienst (so die regierungsamtliche chilenische Zeitung La Nación del Domingo vom 3. 10. 2004) und der ontakte bestanden zu Rechtsextremisten wie Hugo Roggendorf, einem SS-Mann, der sich nach 1945 in Concepcion als Bäcker niedergelassen hatte, dem dubiosen Geschäftsmann und Geheimdienstler Hans Albrecht Loeper, zu Anhängern der Thule-Mythologie wie dem esoterischen Nazi Juan Maler (alias Reinhard Kopps), dem Waffenhändler Gerhard Mertins, während des 2. Weltkriegs Fallschirmjäger, späterer Sympathisant der neonationalsozialistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP), dann der CDU. Ebenfalls bekannt wurden Kontakte des Soziologieprofessors Lothar Bossle und des Völkerrechtlers Dieter Blumenwitz zur „Colonia Dignidad“. 1997 lobte der Neonazi-Scharfmacher „Schinderhannes“ alias Hans-Josef Mack im Thule-Netz die „Colonia Dignidad“ in höchsten Tönen. Das Leben dort sei „ein Traum, zumindest, was die menschliche, deutsche Seite betrifft! Land und Leute … muss man natürlich mögen“.

Die Strafverfahren, die Schäfers Opfer nach erfolgreicher Flucht gegen ihn wegen sexuellem Missbrauch und Freiheitsentziehung eingeleitet haben, sind zwischenzeitlich allesamt verjährt. Den chilenischen Behörden wurde vorgeworfen, die gerichtlich angeordneten Durchsuchungen des Sektengeländes nicht sonderlich effizient durchgeführt zu haben, weshalb man Schäfer nicht habhaft werden konnte. Wie dpa im Januar 2000 meldete, haben 15 Folter-Opfer der Colonia Dignidad Strafanzeige gegen Ex-Diktator Augusto Pinochet gestellt. Die 15 Betroffenen schrieben in einer Erklärung, ihre Anzeigen richteten sich gegen Pinochet, aber auch „gegen den chilenischen Staat und gegen die Verantwortlichen einschließlich der deutschen Regierung“. Ermittlungsrichter Juan Guzmán eröffnete damit das 57. Ermittlungsverfahren gegen Pinochet wegen Verbrechen unter der Militärdiktatur zwischen 1973 und 1989.

Paul Schäfer ist seit 1996 untergetaucht. Nach Schäfers Flucht leitete sein ehemaliger Stellvertreter und Sicherheitschef Gerhard Mücke die Kolonie. Mücke wurde im September 2000 festgenommen. Er soll an politisch motivierten Morden auf dem Gelände der Sekte beteiligt gewesen sein. Im Dezember 2001 wurde bekannt, dass Mücke nun aus Chile ausgewiesen werden sollte. Das Berufungsgericht in Santiago de Chile wies einen Einspruch Mückes gegen ein entsprechendes Urteil aus dem Jahr zuvor zurück. Auch Mücke stand unter dem Verdacht, während der Pinochet-Diktatur an Repressionen gegen Oppositionelle beteiligt gewesen zu sein.

Mitglieder der „Colonia Dignidad“ waren auch an dem seit langem geplanten NS-Kongress in Chile beteiligt, der im Januar 2000 trotz internationaler Proteste von der Öffentlichkeit unbemerkt stattfinden konnte. Auch die in konspirativen Zellen operierenden Vorbereitungsgruppen des Kongresses waren in vielen Fällen gleichzeitig Mitglieder der Freundeskreise der „Colonia Dignidad“.
Ab etwa 2003 schien sich die Colonia Dignidad ohne öffentliche Skandale vom Folterlager einer Psychosekte zu einer normalen Agrarkooperative umzuwandeln. Es gab eine stillschweigende Übereinkunft zwischen der chilenischen Regierung, den Streitkräften und der Colonia Dignidad, bei der der Arzt Hartmut Hopp, vormals Stellvertreter von Schäfer, Mittelsmann seitens der Siedlung war. Sie besagte, dass die Colonia Dignidad demokratisiert wird, Schäfer aus der Siedlung zu verschwinden hat und die Siedlungsbewohner freien Zugang zu Informationen haben. Die strikte Geschlechtertrennung wurde für einige Bewohner aufgehoben. Schäfer befand sich, falls er noch lebte, außerhalb des Geländes. Der Radiosender und der Flughafen der Colonia Dignidad, die auch als Infrastruktur der Spionage und des Waffenhandels benutzt worden waren, wurden deaktiviert. Die technische Zusammenarbeit mit den Streitkräften wurde eingestellt.
Noch 2002, also 12 Jahre nach dem Auflösungsdekret der ersten demokratisch gewählten Regierung nach Pinochet, vereitelte jedoch die Colonia Dignidad mit scharfen Hunden und Geländewagen den bisher letzten Fluchtversuch einer Frau. Die stillschweigende Übereinkunft zwischen der Colonia Dignidad und der chilenischen Regierung hatte die Unterdrückungsstrukturen im großen Ganzen bestehen lassen. Die Siedler konnten telefonieren und sich partiell informieren, die Geschlechtertrennung wurde aufgehoben, aber Gehirnwäsche, Sektenwahn und Medikamentenmissbrauch gab es weiterhin.

Die finanziellen Schwierigkeiten schienen bewirken zu können, was die Politik nicht leisten konnte oder wollte; die Colonia Dignidad lebte von der Substanz. Sie musste Paul Schäfer und seine engsten Gefolgsleute in einem Versteck in Chile aushalten und Schäfers Arztrechnungen wegen eines Lungenleidens bezahlen. Sie musste das Schweigen zweier ausgestiegener Familien, die es sich in Südchile gut gehen ließen, mit hohen Summen bezahlen. Wegen Dutzender von Prozessen musste sie eine Schar hochkarätiger Anwälte honorieren. Dazu musste sie den Weggang Dutzender der 250 Bewohner verkraften. Eine der wichtigsten Einnahmequellen, der Waffenschmuggel, war seit dem Ende der Pinochetdiktatur geschmälert, und statt den Staat um die Steuern zu betrügen, hatte die Siedlung große Steuerschulden zu begleichen.
Die Führungsclique saß in der Falle; jeder der etwa 15 Männer hatte Prozesse am Hals. Wer untertauchte oder Chile heimlich verlassen würde, würde dann per internationalem Haftbefehl gesucht werden. Auch die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelte weiter. Die Sektenführer blieben also auf in der Colonia.

Die Alterspyramide der Siedlung entwickelte sich extrem ungünstig. Diejenigen, die 1961 im besten Alter mit Schäfer, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Kindesmissbrauchs ermittelte, nach Chile flohen, waren durch schwerste Arbeit, körperliche Misshandlungen und Medikamentenmissbrauch ausgelaugt. Die nicht mehr Arbeitsfähigen vegetierten im oberen Stockwerk des behördlich geschlossenen Krankenhauses unter erbärmlichen Bedingungen vor sich hin. Viele Bewohner hatten gravierende psychische Probleme. Wegen der von der Sektenführung verhängten Strafen waren Wirbelsäulen ruiniert, Trommelfelle geplatzt und Kieferknochen gebrochen.

Nach der Lockerung der Geschlechtertrennung verschafften sich Frauen und Männer von 40 oder 50 Jahren Zugang zu Sexualaufklärung und heirateten. Aus diesen Ehen gab es etwa 20 Kinder, von denen im Jahre 2004 noch keines im Kindergartenalter war. Dazwischen fehlte jedoch eine komplette Generation. Es gab immer weniger Bewohner, die durch Arbeitskraft und Initiative die Wirtschaftsbetriebe der Siedlung hätten am Laufen halten und einen Machtwechsel erreichen können. Mit jedem, der die Colonia verließ, wurde die Situation dramatischer.

Die sich absetzten, hatten keine Schul- oder Berufsabschlüsse, hatten nie Lohn erhalten und keine Sozial- oder Rentenansprüche. Viele hatten auch keine Verwandte, die sie hätten aufnehmen können. In Chile gab es für sie keine Anlaufstellen. Um die deutsche Botschaft in Santiago machten die Ausgestiegenen einen Bogen, da Schäfer sich bester Beziehungen zu ihr gerühmt hatte. Tatsächlich waren die Beziehungen zur Pinochet-Zeit gut. Briefe von Ausgestiegenen an den chilenischen Präsidenten Lagos mit der Bitte um kleinste Hilfeleistungen blieben unbeantwortet. Auch in Deutschland gab es keine Anlaufstelle. Die Wenigen, die die Siedlung verlassen hatten, hingen in einem dünnen Netz freiwilliger Helfer. Das trug nicht dazu bei, den Schritt in die Freiheit zu wagen.

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Bankier Edouard Stern in Genf erschossen

Stephan Fuchs – Der französische Bankier Edouard Stern ist in Genf ermordet worden. Die Leiche des 50-Jährigen wurde an seinem Wohnort in Genf von Mitarbeitern seines Investmentfonds IRR gefunden. Diese seien von Sterns Haushälterin in die Wohnung gelassen worden, nachdem sie sich wegen der Abwesenheit des Chefs Sorgen gemacht hätten.


Edouard Stern

Geschäftspartner von Stern in Monaco und in Grossbritannien bestätigten, dass es sich um den französischen Privatbankier Edouard Stern handle. Offensichtlich wurde er erschossen. Wie der Genfer Untersuchungsrichter Michel Graber mitteilte kann bestätigt werden, dass ein Gewaltverbrechen vorliege, die genauen Umstände des Vorgangs sind aber offensichtlich noch nicht klar. Die Wohnung von Stern befindet sich im Quartier Rive im fünften und obersten Geschoss eines Hauses, wo auch ein Polizeiposten untergebracht ist. Die Türe zum Innern des Gebäudes ist verschlossen und der Eingang mit einer Videokamera überwacht. Die Polizei fand keine Einbruchspuren.

Stern war in Hochfinanz-Kreisen eine schillernde Persönlichkeit und galt als knallharter Banker. Er entstammt aus einer Bankiersfamilie und war bereits im Alter von 22 Jahren in die familieneigene Bank Stern eingestiegen. Schon zwei Jahre später zwang er seinen Vater aus der Bank auszusteigen, um selber die Leitung und die Aktienmehrheit der Bank zu übernehmen. Stern verkaufte die Bank an libanesische Partner, leitete sie aber noch bis 1998. Der Verkauf der Familienbank katapultierte Stern auf den 38sten Platz der 400 reichsten Franzosen. Als Schwiegersohn von Michel David-Weill, dem Chef der französischen Geschäftsbank Lazard, galt er lange als dessen Kronprinz. „Bis in fünf Jahren, weiss ich ob Edouard in die Lazard Philosophie passt“, meinte David-Weill in einem Interview mit Forbes. Schwiegersohn Stern, zog schließlich 1997, bereits nach vier Jahren, im Kampf um die Nachfolge den Kürzeren. Lazards Pressesprecher Richard Silverman, kommentiert den Tod Sterns nicht.

Im April 1998 gründete Stern die International Real Returns LLC (IRR) mit Eurazeo einer Lazard Holding, Mainz Holdings Ltd einer Stern Firma in den Virgin Islands und Jeffrey Keil Direktor der Republic New York Corporation. Laut Schweizer Handelsregister residierte die Firma IRR auch in Genf. Einer der IRR Verwaltungsräte war ebenfalls im Verwaltungsrat der Tradeco Limited aus Nassau / Bahamas, an dessen Zweigniederlassung in Genf. Richard Brennecke, ein amerikanischer Geschäftsmann und als notorischer Lügner bekannt gewordene Vertrags – Agent behauptete gegenüber Journalisten, dass die Firma Tradeco eine der wichtigsten CIA Finanzgesellschaften in Europa war. „Diese Firma befasste sich vor allem mit Waffenlieferungen in den Iran. Für gewisse Geschäfte verhandelte sie sogar direkt mit Teheran“. Der Geschäftsleiter von Tradeco, James R. Fees, verweigerte ein Gespräch mit den Journalisten, war aber einflussreich genug, deren Telefone abhören zu lassen. Fees arbeitete über 25 Jahre für den Geheimdienst und war als Stations Leiter in Ägypten, bevor er ende der 70er Jahre nach Genf kam. Laut Brenneckes Aussagen, waren die Waffenlieferungen Teil des Geiselgeschäftes von 1980/81. 1999 berieten Stern und zwei ehemalige Lazard Banker Edmond Safra, den Gründer der Republic Bank of New York, beim $7.7 Milliarden schweren Verkauf von Safras Bank an die HSBC Holding Plc. Edmond Safra verbrannte 1999 in seiner Wohnung in Monaco. Das Feuer wurde von seinem Krankenpfleger gelegt, just bevor der Deal vollendet war. Die zur Republic Bank of New York gehörende Republic New York Corporation Air Transport, war jene Firma die im Iran – Contra Skandal auftauchte.

Ab 2000 begann Stern Aktien des Londoner Industrieunternehmens Delta PLC zu kaufen. Als er 26% der Aktien erworben hatte, er wurde somit zum grössten Einzelaktionär, machte er sich so zum Vorsitzenden der Firma. Die Gesellschaft habe am gestrigen Mittwochabend (02.03.2005) auf Grund von entsprechenden Berichten vom Tod von Stern in Genf erfahren, heisst es in einer Stellungnahme von Delta Plc.

Im August 2000 übernahm die IRR Brasilien zusammen mit der Columbia University New York, der Penguin Holding, Eduardo Costantini Junior und Roger Wright 27% der erfolgreichen Kunsthändler Firma Latinarte.com. Die Firma handelt mit südamerikanischer Kunst mit Stützpunkten in Buenos Aires, São Paulo, Mexico City, Miami, New York, Bogota, Caracas, Lima, Montevideo, Santiago und Quito. Der Verwaltungsrat setzt sich aus Eduardo Costantini einem privaten Investor, Veronica Allende Serra von IRR, Marina Kessler & Hernan Fligler Mitgründer von Latinarte.com und Nicolas Helft Director of Art zusammen.

In den letzten Jahren versuchte Stern vergeblich, Unternehmen wie die Chemiegruppe Rhodhia oder der Brillenvertrieb GandVision zu übernehmen. Im April 2003 wurde Stern aus dem Verwaltungsrat der französischen Spezialitätenchemie-Gruppe Rhodia geworfen, nachdem er vergeblich versucht hatte, CEO Jean-Pierre Tirouflet aus dem Amt zu drängen. Der Financier verfügte über einen eigenen Jet und ein beträchtliches Vermögen, das er laut Tribune de Genève zuletzt zunehmend in osteuropäische Immobilien investiert hatte. Er präsidierte zuletzt den Verwaltungsrat des britischen Engineering-Unternehmens Delta Plc.

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kriminalitaet

Abacha-Gelder: Verfahren läuft

Lausanne – sda – Das Prozedere um die Rückgabe der Gelder des ehemaligen nigerianischen Diktators Abacha an Nigera soll nicht gestoppt werden. Das Bundesgericht sieht dazu keinen Grund. Daran ändere auch die Festnahme eines Sohnes von Abacha in Deutschland nichts.

Das Bundesgericht im schweizerischen Lausanne hat eine entsprechende Klage des inhaftierten Abba Abacha und seines Bruders sowie ihrer verschiedenen Firmen abgewiesen. Abba Abacha war am 9. Dezember im deutschen Neuss auf Betreiben der Genfer Justiz verhaftet worden. Der Genfer Untersuchungsrichter Daniel Dumartheray verdächtigt Abba Abacha unter anderem der Geldwäscherei, der Beteiligung an einer kriminellen Organisation und des Betruges. Ein Appellationsgericht in Düsseldorf hatte im Januar die Haftentlassung von Abba Abacha abgelehnt.

Strafverfahren dauert
Für das Bundesgericht rechtfertigt dieser Entscheid nicht die Aufhebung des Rückgabeverfahrens in der Schweiz. Dies vor allem deswegen, weil das in Genf eröffnete Strafverfahren auch in naher Zukunft nicht abgeschlossen werden kann.

Selbst wenn die Genfer Justiz zurückgepfiffen werden könnte, einen Teil oder das gesamte Vermögen des Abacha-Clans an Nigeria zurückzugeben, ändere dies nichts am Entscheid. Ein Rechtshilfegesuch müsse prioritär behandelt werden, schreibt des Bundesgericht.

Gelder eingefroren
Im Verlaufe von Untersuchungen und als Folge mehrerer Rechtshilfegesuche aus Nigeria hatte die Genfer Justiz das Einfrieren der Gelder angeordnet. Mehrere hundert Millionen Dollar wurden blockiert. Am 18. August 2004 beschloss das Bundesamt für Justiz die Rückgabe von 500 Millionen Dollar (über 610 Millionen Franken) an Nigeria. Abba Abacha und sein Bruder Mohammed kontrollierten einen grossen Teil des Geldes, das ihr Vater Sani Abacha während seiner Zeit als Diktator von Nigeria zwischen 1993 und 1998 anhäufte. Ein Grossteil der 2,2 Milliarden Dollar, die Abacha der Zentralbank von Nigeria entzog, wurde bei Schweizer Banken hinterlegt.

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Mafia wählte Bush

Die Colombo-Mafia-Familie unterstütze das Bush/Cheney-Team in der Wiederwahl zur neuen Amtszeit. Wie aus den Daten bei Opensecrets.org hervorgeht, spendeten die beiden Multimillionäre und Geschäftspartner John Staluppi und John Rosatti Tausende von Dollars in die Kriegskassen der Republikaner. In Florida und New York betreiben die beiden Auto- und Immobilien-Firmen, sie gehören zu den reichsten Amerikanern und sind Besitzer von Helikoptern, Jets und diversen Yachten. Mit Octopussy, Moonracker und Thunderball, allesamt James Bond Namen, besitzen sie im Moment die weltschnellsten Schiffe, die ihnen Weltruhm und Beachtung unter den Liebhabern schneller Boote eingebracht haben. Doch die beiden Italo-Amerikaner wurden auch von der Bundespolizei FBI beachtet – und als Mitglieder der altehrwürdigen Mafia-Familie der Colombos identifiziert.

Seit Jahren ging das Gerücht um, dass Staluppi und Rosatti mit der Mafia verbunden sind. Laut Salvatore (Big Sal) Miciotta, einem Mafiaaussteiger und FBI-Informanten, unterstützen die beiden Mafiosi nicht nur die Bush/Cheney-Kampagne, sondern finanzierten auch den Mafiakrieg der Colombos in den 90er Jahren, der einige Tote forderte. „Wir haben immer gewusst, dass Staluppi und Rosatti zur Familie gehörten“, meint der Pensionierte FBI-Agent Larry Doss. Doss überwachte in den 80er Jahren die verdeckten Ermittlungen gegen die Mafia in Florida. Beweisen konnte die Polizei indes nie etwas. Staluppi-Anwalt Gerald Richman präzisiert, dass sein Klient wohl einer der bestüberwachten Personen gewesen, aber doch ein respektabler Geschäftsmann sei. Staluppi selber dementiert vehement mit der Mafia involviert zu sein.

Doch die Behörden sehen das anders: John Rosatti, Staluppis bester Freund und Geschäftspartner wurde von der Casino-Kontrol-Kommission in New Jersey als „gemachtes Mitglied“ der Colombo-Familie klassifiziert. FBI-Untersuchungen zeigen, dass Rosatti und Staluppi während des Mafia-Krieges die Orena-Gruppe unterstützten, dann aber, nachdem Vic Orena 1992 inhaftiert wurde, die Seite zu Persicio wechselten. 50.000 Dollar war ihnen die Verteidigung von Orena und Pasquale Amato wert, inklusive Helikopter für Hochrangige Syndikatsmitglieder für geheime Treffen in NY. Staluppis Firma „Dillinger Charter Services“ wollte für einen Helikopter Shuttle speziell für Casino Betreiber von New York eine Lizenz. Diese wurde verweigert, die Behörden stützten sich dabei auf einen Undercover-Agenten, der sich in den 80er Jahren als Staluppies Limousinen-Fahrer in die nächste Umgebung des 007-Teams einschleichen konnte. Die Reporte des Agenten beschrieben wie er Staluppi zu Treffen mit hochrangigen Colombo-Mitgliedern, darunter Carmine (die Schlange) Persico gefahren habe. In Anhörungen bestätigte der Agent die Telefonbücher und Tages-Agenden seines „Bosses“ gesichtet und dabei Nummern und Namen der Mafia Familie entdeckt zu haben. Darunter illustre Namen wie: Victor Orena, Theodore Persicio Senior und Pasquale Amato. Staluppe war zu den Partys und gar zur Hochzeit des Capo Dominick „Donnie Shacks“ Montemarano eingeladen. Dies wusste Staluppi zu bestätigen: „Aber nur aus Geschäftsgründen“, wie er meint. Er verkaufte den Capos Autos, er kaufte mit dem Sohn von Persicio gemeinsam Häuser, er kaufte sich einen Teppich vom Capo und war ein Freund von Amato. Selbstverständlich wusste er nicht, dass seine Freunde die Elite der Colombo-Familie war.

Staluppi nennt ein 4,7 Millionen Dollar teures Anwesen in Palm Beach sein eigen. Dazu gesellt sich exklusives Eigentum in Long Island, Columbus Ohio, Montano und Wyoming. Das Leben war allerdings nicht immer aus dem Füllhorn. Seine Kariere begann er ironischerweise als Autodieb. Die Autos verscherbelte er mit fingierten Seriennummern, wurde verhaftet, erklärte sich schuldig und kam mit fünf Jahren auf Bewährung davon. In dieser Zeit gründete er mit Rosatti einen Honda-Dealer-Laden in Florida. Einige Jahre später hatten sie 29 davon. Im Jahre 2001 wurde die Rosatti–Staluppi-Auto-Gruppe als die zwanzig grösste mit einem Umsatz von 900 Millionen Dollar gefeiert.

Die legalen Geschäfte gehen so gut und glatt, das will investiert sein. 2002 bekamen die Politiker Jeff Koons 5.000, Al Zucaro 3.500 und Mary McCarty 2.500 Dollar. Sie schlitterte unlängst in einen „Fund raising“-Skandal. Der Republikaner Mark Foley bekam 5.000, Karen Marcus 46.000, Präsident Bush 6.000 und 15.000 Dollar die Elefanten-Partei (Rep). Soviel Gütigkeit will belohnt sein. Unlängst durfte Staluppi dafür einen Park an der beliebten Riviera Beach zu günstigen Konditionen kaufen. Natürlich mit Meer-Anstoss.