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Die Besten im Netz: Zum ersten Mal werden in der Schweiz die beliebtesten Weblogs gekürt

Nick Lüthi – Wer regelmässig das Internet durchstreift, kennt sie: Die Weblogs. Seit ein paar Jahren erfreuen sich diese notizbuchartigen Webseiten immer grösserer Beliebtheit. Was bis vor wenigen Jahren nur mit grossem technischem und finanziellem Aufwand zu bewerkstelligen war, ist heute für jedermann und -frau möglich. Gratis und ohne Programmierfertigkeiten lässt sich heute das Internet mitgestalten. Hierzulande sind es einige tausend Menschen, die ihre persönliche Sicht der Dinge via Weblog einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren, in Frankreich sind jüngst gar 2,5 Millionen aktive Weblogs gezählt worden. Von Boom zu sprechen ist hier also nicht übertrieben.

Das Publikum entscheidet
Mit den Swiss Blog Awards, die erstmals am Freitag 5. Mai im Bieler Volkshaus verliehen werden, sollen Weblogs ausgezeichnet werden, die als besonders originell aufgefallen sind oder sonstwie die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermögen. Es gibt keine Jury, die nach einem strengen Kriterienkatalog entscheidet, wer der oder die Beste ist, in die Rolle des Entscheidgremiums schlüpfen all jene, die ebenso subjektiv wie die Weblog-AutorInnen selbst das bunte Treiben im Netz beobachten. Kurz: Das Publikum entscheidet.


Bloggen was das Zeug hält: Auch in der Schweiz

Bis am 23. April konnten sämtliche Weblogs, die in der einen oder anderen Form einen direkten Bezug zur Schweiz haben, in drei Kategorien für den Preis vorgeschlagen werden. Ausgezeichnet werden sollen schliesslich das beliebteste Schweizer Weblog überhaupt („Best Swiss Blog“), das beste Multimedia-Weblog, sowie der kreatives Newcomer, jemand, der oder die erst seit 2005 ein Weblog sein eigen nennt. Von den fünf Weblogs pro Kategorie, die mit den meisten Stimmen aus der Nominationsphase kommen, kann schliesslich das anwesende Publikum die Sieger küren. Alle 15 KandidatInnen werden eingeladen, sich dem „Wahlvolk“ zu präsentieren. Schliesslich zählt nicht nur der Eindruck im Netz, sondern auch der Mensch dahinter. Präsentiert wird die zweistündige Siegeskür von einer Moderatorin und einem Moderator vom DRS-Jugendradio Virus. Das ist kein Zufall, schliesslich teilen sich die Mitarbeitenden des selbsternannten „Radio neueste Generation“ wenn sie nicht ins Mikrofon plaudern via Weblog der Welt mit.

Fragen über Fragen
Ebenso wichtig wie die eigentliche Preisverleihung ist am 5. Mai das Rahmenprogramm, das sich sowohl an gestandene Bloggerinnen und Blogger richtet, als auch an Leute, die einen ersten Einblick in die Welt werde Weblog erhaschen wollen. In einer ersten Diskussionsrunde geht es ums Geld. Tatsache ist, dass bereits heute mit Weblogs Geld verdient wird. Nur nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Vom Publizieren alleine können sich weltweit vielleicht ein paar Dutzend Weblog-Autoren der A-Klasse ihren Lebensunterhalt finanzieren. Allerdings gibt es bereits heute eine kleine Weblog-Branche, die all das – gegen Entgelt – anbietet, was es braucht, um als Netzpublizist loslegen zu können. Drei Unternehmer, die sich in dieses Geschäftsfeld vorgewagt haben, geben am 5. Mai Auskunft darüber, wie sich Weblog-Pixel in klingende Münzen verwandeln lassen.

Eine andere Frage, die immer wieder gestellt wird, wenn von Weblogs die Rede ist, ist jene nach dem Verhältnis zwischen Massenmedien wie Radio, Fernsehen und Presse, sowie den Medien der Massen im Internet. Sind das Konkurrenten? Werden wir gar in ein paar Jahrzehnten unser Medienmenu aus einer Fülle von Angeboten aus dem Internet ganz nach unserem persönlichen Geschmack zusammenstellen? Wohl kaum. Viel mehr ist es vorstellbar, dass Massenmedien und Weblogs einander gegenseitig befruchten. Ansatzweise lässt sich das bereits heute beobachten. Wie sich Weblogs mit den althergebrachten Medien verstehen, ist Gegenstand einer Podiumsdiskussion, die ebenfalls am 5. Mai anlässlich der Verleihung der Swiss Blog Awards in Biel stattfinden wird. Profis aus der „alten“ Medienwelt debattieren mit Weblog-ExpertInnen.

Zuletzt noch das Wichtigste – das nicht früher erwähnt wurde, weil es fast eine Selbstverständlichkeit für einen solchen Anlass ist: Während fünf Stunden kommen im Bieler Volkshaus Bloggerinnen und Blogger für einmal hinter ihren Bildschirmen hervor zu einem ungezwungenen Stelldichein. Wer schon immer wissen wollte, was das für Leute sind, die sich gerne im Internet mitteilen, findet hier eine der seltenen Gelegenheiten, die Köpfe hinter den Weblogs kennen zu lernen.

Die Nominierten des 1. Swiss Blog Awards
Best Swiss Blog
BloggingTom
CH Internet Szene
Don’t mention the skiing
Der Leumund.ch
Politik Forum

Rookie
blog.claudioschwarz.com
CH Internet Szene
Morphi’s Blog
Pendlerblog
RHOblog

Multimedia
ArtCast Basel
bkanal.ch/blog
Mimi’s Blog
Scanblog
Starfrosch

Swiss Blog Award
<Blogszene Schweiz
Dieser Artikel erschien im Berner ensuite kulturmagazin

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k-notes:

Lukas Vogelsang – Kulturschauplatz Bern: Es regnet. Erst recht, nach dem wir durch ein Interview in der Berner Zeitung (Podiumsveranstaltung „Lesen macht Lust und lustig“) erfahren durften, dass unser Stadtpräsident Micky Mouse liest und der Kultursekretär Jugendliterartur. Ich habe mich schon oft gefragt, was denn die „Elite“ in Bern so tut, wenn sie sich nicht gerade in der Öffentlichkeit sonnt. Nun, diese Ehrlichkeit hatte unwirkliche Konsequenzen – böse Zungen munkeln, dass es – gleich eine Woche später – die Präsident-schaftswahl des Vereins Berner Kulturagenda beinflusste… Ab sofort ist unser Kultursekretär nämlich nur noch Vorstandsmitglied…


Der Mai bringt uns verheissungsvolles nach Bern. Laurie Anderson und Dino Saluzzi (Titelseiten) sind nur zwei Highlights daraus.

Aber mit dieser Berner Kulturagenda ist es sowieso ein Hinz und Kunz. Da werden grosse Zeilen gemacht, dass 56 Veranstalter Mitglied in diesem Verein sind. Nun, wir wissen aus erster Hand, dass nicht alle bezahlen. Und was ist mit der Tatsache, dass wir, die Kulturopposition, über 80 zahlende – und zwar freiwillig! – Institutionen zählen?… Und so schwebt der Weihrauch über dieser Stadt.

Der Mai bringt uns verheissungsvolles nach Bern. Laurie Anderson und Dino Saluzzi (Titelseiten) sind nur zwei Highlights daraus. Und man kann als Veranstalter schon wieder glücklich sein, dass es regnet: So kommt das Publikum lieber an den Event, als am heimischen Grill zu verkommen.

Apropos verkommen: Konrad Tobler hat den ersten Kulturvermittlerpreis vom Kanton Bern erhalten. Coole Sache, mit 10’000 Franken nicht schlecht dotiert. Nur, ist die Selektion fragwürdig – und damit nichts gegen Konrad Tobler – da die Auswahl-kriterien der Juri auf ein paar 100 Personen fallen könnte. Es ist auch fragwürdig, ob jetzt alle Journalisten für ihre Tätigkeit einen Vermittler-Preis erhalten. Das ist ja ihr Beruf. Wenn dem nämlich so ist, müssten wir auch mal die Metalbauarbeiter in der Fabrik hinten, den Förster, Strassenwischer und warum nicht auch mal die Schüler auszeichnen… Aber diese Litanei kennen wir schon: Geld erhalten nie die, welche es verdienen würden.

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Newsbattery 06 das Politmagazin der Blogsphäre

Stephan Fuchs – Zum sechsten Mal erscheint Newsbattery, das Politmagazin aus den Blogs. Autoren dieser Ausgabe sind World Content News, Harald Haack, Norman Solomon, Karl Weiss und Stephan Fuchs. World Content News setzt sich mit der Affäre Kurnaz und dem mysteriösen N368CE Jet auseinander und gibt Einblick in die Welt des Schattenkrieges. Wie die Mafia mit der Polizei in Rio de Janeiro zusammenarbeitet wird von Karl Weiss beleuchtet. Einiges mehr: Die Rentenschlappe, der Geruch nach Sprengstoff, das Killing Street Memo, die Gefährlichkeit von Mininukes, die Aryan Brotherhood auf der Anklagebank und „Der Tod ist ein Grinsemann“ sind einige der brisanten Themen der neuen Ausgabe.



In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Rechercheartikel.

NewsBattery ist Europas erstes Polit- Magazin das mit Blog-Artikeln aus verschiedenen Weblogs in den Print geht. Und das Webkonform. NewsBattery braucht man sich nicht am Kiosk holen und der Postbote braucht sich nicht vor bissigen Hunden zu fürchten. Das Magazin braucht keinen Vertrieb, keine große Logistik, keine retournierten und weggeschmissenen Rohstoffe.

NewsBattery ist ohne Abo und ohne Kosten für Sie erhältlich. Das im PDF Format downloadbare Magazin lässt sich selbstverständlich ausdrucken, das Design ist für A4 konzipiert und wird vorwiegend in Graustufen gehalten. Das Magazin lässt sich archivieren und ergibt über einige Monate eine beachtliche Sammlung spannender und brisanter Artikel. Das Magazin können Sie Ihren Freunden verschicken, vervielfältigen & auf ihrem Blog oder Ihrer Homepage ebenfalls zum Download anbieten. Das gute auch für Sie, auch Ihr Weblog mit journalistisch aufbereiteten Polit-Storys kann vertreten sein.

Newsbattery Schweiz
Newsbattery Deutschland

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Wie transparency international mit Kritik umgeht

Karl Weiss – Ein schönes Beispiel, wie das Internet und speziell die Blogsphäre der Sache des „kleinen Mannes“ (oder der „kleinen Frau“) nützen können – wenn auch nicht immer nützen müssen -, ist die Auseinandersetzung von Monika, die den Blog ‚wasweissich’ betreibt, mit der Organisation ‚transparency international’ (‚ti’) bzw. genau gesagt dem deutschen Ableger davon.

Transparency Deutschland (TD), eine Organisation, die angibt, gegen Korruption vorgehen zu wollen und für Transparenz eintritt – das hätte man sich beim Namen schon denken können -, ist gar nicht mehr für Transparenz, wenn es um die eigenen Machenschaften geht.

Man hatte eine Angestellte in der Probezeit entlassen und die Bloggerin Monika, ein Freundin dieser Angestellten, stellte deren Version dieser Entlassung mit einigen Anmerkungen zu dieser Organisation in ihren Blog. Das war im Januar.

Das gefiel nun dieser Organisation nicht, denn sie hatte offenbar eine andere Version der Entlassung – wie das bei mindestens 90% der Entlassungen so ist. Nun wollte man zeigen, wie mächtig man ist und dass der „kleine Mann“ – die „kleine Frau“ gefälligst zu kuschen hat und keine eigenen Meinungen ins Internet zu stellen hat, jedenfalls keine, die nicht positiv für solch heroische Organisationen wie Transparency Deutschland sind.

Dicker Hammer
Und schon werden die dicken Hämmer aufgefahren – man weiss ja, wie man kleine Leute Bange machen kann. Ein in irgendeiner Weise Rechtsbeauftragter von ‚transparency’ (später stellt sich heraus, dass dieser feine Herr auch ‚Ethikbeauftragter’ von ‚TD’ ist – da merkt man gleich, was die unter Ethik versehen) schickte am Freitag, 24.3.06 am späten Nachmittag an Monika ein E-mail mit der Aufforderung, den kleinen Artikel sofort aus dem Netz zu nehmen (bis spätestens Sonntag abend – bis dahin konnte sie also unmöglich Rechtsbeistand einholen), ansonsten werde man strafbewehrte Verfügungen senden und man erwähnt auch gleich, dass das dann tiefgreifende Folgen, auch finanzieller Art, für Monika hätte.

Und siehe da, was wollte Monika machen, sie gehorcht. Sie nimmt ihre Meinung aus dem Netz und stellt stattdessen eine weit mildere Version in das Internet. Geht man heute auf ihren Blog, ist auch die schon verschwunden. Die Drohung mit einem schweren Übel hat gewirkt, die machtvollen Organisationen (‚ti’ ist eine internationale NGO mit einem Millionenetat) haben mal wieder gewonnen und die kleinen Leute schauen ins Ofenrohr. Wir sind wieder zurück im Obrigkeitsstaat und diesmal sind es die ‚Androhungen mit strafbewehrten Abmahnungen’, die Zensur üben.

Doch dann passiert das Unerwartete: Monika hat auch Freunde bei anderen Blogs und berät sich mit denen. Der vielgelesene Blog wirres.net greift die Geschichte auf und gibt ‚ti’ bzw. TD Saures. Bereits am darauffolgenden Samstag verbreitet sich die Geschichte und die Empörung über ‚ti’ unter einer Reihe von Bloggern im Internet.

Noch vor Samstag Mittag greift „Don Alphonso“ in seinem Blog ‚rebellmarkt’ das Thema auf und bis 13 Uhr hat sich schon jemand gefunden, der Mainstram-Medien aufmerksam machen will. Orginalton Don Alphonso : „…es geht hier ausschliesslich um die Art, wie TD versucht, in Deutschland gegen Kritik vorzugehen und Leute einzuschüchtern. Das ist das Thema.“ Und „ … hier, im Fall der Drohmail, sollten sie ganz schnell einen Rückzieher machen, sonst kann sich das in wenigen Tagen zum echten Problem entwickeln.“ Und „Sie vergehen sich meines Erachtens gegen die Meinungsfreiheit. Sie bekämpfen das, wofür sie einzutreten behaupten. Ich nenne das bigotte Heuchler. Sie haben das Fass aufgemacht, jetzt werden sie den Inhalt auch trinken müssen, selbst wenn es Gülle sein sollte.“

Aber TD macht keinen Rückzieher. Man ist ja schliesslich im Recht. Schliesslich ist die Arbeitgeber-Version über Entlassungen immer die Richtige, nicht wahr? Wo kämen wir denn da hin?

Noch am Samstag wird auch Udo Vetter vom ‚Lawblog’ auf die Sache aufmerksam und bietet Monika rechtlichen Beistand an. Zu diesem Zeitpunkt hat auch schon „Die Stimme der freien Welt“, auch ein vielgelesener Berliner Blog, das Thema aufgegriffen.

Bis zum Ende des Samstags ist der Suchbegriff ‚transparency international’ bei der Suchbegriff-Zählmaschine technorati auf den Platz 1 gestiegen. Monikas Blog, normalerweise 100 Zugriffe proTag, wurde bis dahin schon 1821 Mal besucht, der ‚wirres’-Artikel 1658 Mal.

Transparenz bei Transparency?
Am Sonntag verbreitet sich das Thema weiter. Die Hauptdikussion findet bei ‚rebellmarkt’ statt. Eine Anzahl von Bloggern haben direkt bei TD angefragt, bekommen aber nur die Auskunft, man würde keine Auskunft geben. Gleichzeitig deutet man an, dass Monika in ihrer Darstellung gelogen habe. Dies wird nun anscheinend von TD als probates Mittel angesehen: Man muss nur oft genug und intensiv genug andeuten, dass Monika gelogen habe. Da wird schon was hängen bleiben.

Inzwischen wird auch klar, wer die Hauptfiguren bei der deutschen Sektion von ‚ti’ sind. Der Jurist, der die unsägliche Drohung geschrieben hat, ist ein gewisser Prof. Dr. Jürgen Marten, ein ehemaliger DDR-Showbusiness-Mann, der dann auf Rechtsanwalt umgelernt hat. Hauptakteur wird immer mehr ein Vorstandsmitglied von TD, ein Herr mit Namen Bäumel, der ein früherer ARD-Korrespondent ist, was wir später noch interessiert feststellen werden.

Inzwischen ist das Thema unter den Bloggern No.1 geworden. Bei ‚google’ beginnt die Kritik an ‚ti’ in den Seiten zu klettern. Da man in google, wenn man ‚technorati deutschland’ fragt, fast nur noch dieses Thema bekommt, wird auch die internationale Blogspäre aufmerksam. Es wird in Blogs von MSNBC berichtet. Deutsche Blogger bieten englische Übersetzungen der Affäre an, um die Kumpel in Übersee aufzuklären.

Nun wird auch die Nachricht verbreitet, dass TD auch ein Schreiben an die entlassene Mitarbeiterin geschickt hat, in dem ihr Folgerungen angedroht werden. Sie hätte Geschäftsgeheimnisse ausgeplaudert.

Das Unverständnis in der Blogospäre über eine Internationale Organisation, die eigentlich gegen Korruption kämpfen sollte, aber kleine Leute bedroht, wird immer grösser.

Spätestens ab Montag ergeben sich schwere und kaum wieder gutzumachende Folgen für ‚ti’ und seine deutsche Sektion. Googelt man ihre Namen, kommen bereits auf der ersten Seite deftige Kritiken. Das kann man über Monate nicht mehr gutmachen. Nun hätte man sich aufraffen müssen, den Schaden zu begrenzen und mit einer freundlichen Entschuldigung das Thema beenden.

Stattdessen schickt der Anwalt Marten am Montagmittag an Monika erneut ein E-Mail. Diesmal fordert er, auch die neue Version der Geschichte aus dem web zu nehmen. Erneut droht er mit teuren Abmahnungen. Ebenso verbietet er, dies sein E-mail ins Web zu stellen. Er habe Urheberrecht.

Bloger helfen Blogern
Vor soviel juristischer Unkenntnis bei einem „Juristen“ verfallen die Blogger in Lachsalven. Am Montagabend übernimmt Vetter die Rechtsvertretung von Monika. Blogger bieten finanzielle Hilfe an, wenn Kosten entstehen.

Genau in diesem Moment, als noch etwas zu retten gewesen wäre, bringt TD eine haarstäubende Presseerklärung heraus (Inhalt bei ‚rebellmarkt’), in der erneut praktisch behauptet wird, Monika habe gelogen. Inhaltlich wird aber in Wirklichkeit alles (bis auf ein winziges Detail) genauso dargestellt, wie es Monika in ihrem ersten Blog-Eintrag hatte.

Auf Monikas Blog nun Tausende von Besuchern.
Am Dienstag merkt man, dass die Presseerklärung so nicht hätte herausgehen dürfen und streicht sie von der Site. Aber was draussen ist, ist draussen. Der Webmaster von TD stellt seine persönliche Meinung ins Internet: „Sie war keine gute Kollegin.“ Das kommt nicht gut an.

Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell. Die wichtigen Mainstream-Medien reihen sich in die Bericherstattung ein. Den Anfang mach der FOCUS mit einem gut recherchierten Artikel mit dem Titel «Der selbst gemachte PR-GAU». Dann kurz nacheinander: Artikel auf den internet-Seiten von Netzeitung, SPD NRW, N24, SAT.1, ‚golem.de’ und ‚tagesschau.de’.

Der Tagesschau-Artikel ist Teil einer Diffamierungskampagne von Vorstand Bäumel gegen Monika. Er liess anscheinend seine alten Verbindungen zur ARD spielen. Und tatsächlich: In ‚tagesschau.de’ taucht ein Bericht auf, in dem Bäumel zitiert wird: „..alles an den Haaren herbeigezogen.“ Auch werden die Blogger beschuldigt, sich nicht bei ‚TD’ nach deren Version erkundigt zu haben. Dabei hatten es wirklich viele versucht und keine Auskünfte bekommen.

Aufheulen bei den Bloggern. Die Tagesschau-Redaktion wird mit e-mails eingedeckt. Man weigert sich aber zunächst, die Behauptung zu widerrufen, stellt nach einiger Zeit aber ein „meist“ in den Satz.

Brief an die Tagesschau
Danach ein offener Brief von Monika an die Tagesschau. Am Dienstagmorgen ein Artikel in der ‚taz’ und in ‚sueddeutsche.de’. Letzterer versucht die Seite von ‚TD’ darzustellen, so als ob das die Opfer wären. Wiederum wird Bäumel mit einer Aussage zitiert, die als Vorwurf der Lüge an Monika interpretiert werden kann. Bäumel sagt, man werde jetzt einfach gar nichts mehr machen. Es stellt sich heraus, dass ein wichtiger Redakteur der Südeutschen bei TD im Beirat sitzt.

Am Mittwoch Vormittag wird Vetter aktiv. Er will eine Zurücknahme der unrichtigen Behauptungen von Transparency Deutschland und im Zweifelsfalle auch eine einstweilige Verfügung erwirken. Ausserdem wurde Strafantrag gegen Transparency Deutschland wegen Verleumdung und übler Nachrede gestellt. Frist zur Reaktion ist der 30. März, 16:00 Uhr.

Am Mittwoch kann man dann einen deutlich geänderten Artikel bei ‚tagesschau.de’ finden. Die Einseitigkeiten sind draussen, aber Bäumel wird immer noch mit seinem „an den Haaren herbeigezogen“ zitiert. Immerhin bemerkenswert, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen zugeben muss, nachlässig recherchiert zu haben und Meldungen ändert. Es wäre auch wohl zu tödlich gewesen, wenn ausgerechnet bei einem Artikel, in dem ein Ex-Kollege interviewt wird, solche extremen Einseitigkeiten stehen geblieben wären. Immerhin aber ermutigend, dass es noch möglich ist, die Tageschau einen Text ändern zu lassen.

Es kann interessant werden, wie das weitergeht.

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Rettet das Internet

Dr. Reinhard Freund – Die derzeitige Rechtslage in Deutschland führt immer häufiger dazu, dass ansonsten unbescholtene Internetnutzer wegen Bagatellen mit dem Gesetz in Konflikt geraten und finanziellen Forderungen nachkommen müssen, die für die Betroffenen existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.

Deshalb wurde im Herbst 2003 von mehreren unabhängigen Webmastern die Aktion „Rettet das Internet“ gegründet, die eine breite Öffentlichkeit über solche juristischen Gefahren informieren und Anregungen für eine mehr an der Praxis orientierte Gesetzgebung liefern soll.

Ein Fernziel ist der organisierte Zusammenschluss möglichst vieler privater Internetnutzer und deren regelmäßige Anhörung bei der Schaffung neuer Gesetze für das Internet. Um dies zu erreichen soll ein Netzwerk von Links, Bannern und Buttons zu „Rettet das Internet“ aufgebaut werden, das der Kampagne die nötige Bekanntheit und auch ein gesellschaftliches Gewicht verschafft.


Bald zu Besuch?

„Rettet das Internet“ ist bewusst plakativ gehalten, um nicht nur Insider und Betroffene, sondern auch und vor allem die große Gruppe normaler Surfer und privater Homepagebesitzer anzusprechen. Es werden unter anderem die folgenden Themen behandelt:

Mißbrauch von Abmahnungen
Kostenpflichtige Abmahnungen sind ein legitimes Mittel der außergerichtlichen Einigung, doch werden sie vielfach bei Bagatelldelikten, oft gleich serienweise und mit völlig überzogenen Streitwerten, als reine Einnahmequelle für Anwälte mißbraucht. Opfer sind meist kleine Homepagebesitzer, bei denen die geringste Gegenwehr erwartet wird.

Link-Haftung
Jeder Webmaster kann für die Inhalte fremder Seiten haftbar gemacht werden, die er verlinkt, da ein Link von vielen Richtern bereits als Veröffentlichung angesehen wird. Im dynamischen Internet ist es jedoch praktisch unmöglich, jederzeit die vollständige juristische Korrektheit aller verlinkten Seiten zu garantieren.

Urheberrecht und Privatkopie
Das am 13. September 2003 in Kraft getretene, verschärfte Urheberrecht ist selbst unter Juristen umstritten und liefert Millionen ansonsten unbescholtener Internetnutzer der Willkür von Anwälten und Rechte-Inhabern aus.

Filesharing
Die weit verbreiteten Peer-to-Peer-Tauschbörsen (Kazaa, EMule, etc.) sind noch immer eine juristische Grauzone. Den zahlreichen, meist jugendlichen Nutzern drohen, aufgrund völliger Rechtsunsicherheit und mangelnder Transparenz, Klagen und Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen.

Technische Überwachung
Vorgebliche Sicherheitssysteme, wie TCPA / TCG, die zukünftig in jedem Rechner enthalten sein sollen, verletzen die Privatsphäre und sind aus Sicht des Datenschutzes äußerst bedenklich.

Zensur
Willkürliche Filter und erkaufte Top-Positionen in Suchmaschinen verfälschen Suchergebnisse und wirken als unterschwellige Form der Zensur.

Zusätzlich werden aktuelle Meldungen und reale Fallbeispiele zu allen Bereichen präsentiert. Die Besucher haben außerdem die Möglichkeit, sich in eine virtuelle Liste einzutragen, Kommentare abzugeben, eigene Beiträge zu veröffentlichen und sich an Aktionen zu beteiligen.

Detailliertere Informationen und umfangreiche Artikel zu allen Themen sind auf „Rettet das Internet“ und deren Unterseiten verfügbar.

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Mit 80 Seiten durch die Stadt Bern

Lukas Vogelsang – Mit 80 Seiten durch die Stadt Bern! Wenn das nicht das erste mal in der Geschichte ist… noch nie hat man in der Hauptstadt so viel über Kultur zu hören bekommen. Das ist ensuite – kulturmagazin in der 40igsten Ausgabe. Und jeden Monat erfinden wir das Kulturmagazin neu.


Zum vierzigsten Mal spannender

In der letzten „20minuten – week“-Nummer las ich über das Aussterben der Clubs in New York, weil die Leute nicht hinkommen. Auf die Frage wohin man denn gehe, kam die lapidare Antwort: nirgends. Es scheint, dass die „Kultur, als Leim der Gesellschaft“ nicht mehr klebt – und dieses ausgeh-sterben hat erst begonnen. Da werden noch so intelligente filme wie „V for Vendetta“ im Kino gezeigt, Bücher und Theater geschrieben, Lieder ins Knochenmark gepresst – verstehen tun wir nichts. Die Gesellschaft brösmelet.

Kultur ist reines Entertainment geworden. Sie bewegt nichts mehr und der Spiegel ist getrübt. Unterhaltung über alles – so wird das Publikum erzogen. ein Kulturevent muss rentieren, ist zum reinen Business verkommen – der Inhalt steht hinten an. man nennt Kultur heute Lifestile-Kultur und zieht ein Stadttheater der Party gleich. Rumba und Goethe tanzen gemeinsam und alle finden es lustig.

Dabei sind wir visionslos leer und egoman. Das politische und gesellschaftliche Chaos ist erst am Anfang und unser verschulden. wir müssen wieder unsere Ohren offen halten und mit den Augen wieder beobachten lernen, fragen zu stellen. die antworten auf unseren gesellschaftlichen oder politischen Werdegang liegen seit jeher auf dem Tablett: nur hatten wir keine Verwendung dafür. Die Geschichte hat uns vieles gelernt und vor allem eines: zu vergessen. Vielleicht beginnt mit diesem Frühling die Zeit der Erinnerung. wir täten gut daran.

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Zweierlei Mass

Karl Weiss – Ein Blick auf die gegenwärtigen Berichte über Weissrussland bestätigen ein schon ältere Erfahrung: die Hauptmethoden der Verdrehungen der Politker-Kaste und der mit ihnen in Symbiose lebenden Mainstream-Massenmedien und „Berühmtheiten“ sind Ignorieren, Hochspielen und Kleinreden.

Dabei wenden sie, wie könnte es anders sein, zweierlei Mass an. So findet man dieser Tage etwa zweierlei Mass bei den Berichten aus Minsk und Paris. Und Journalisten arbeiten, wie eine jüngst veröffentlichte Studie ergibt, häufig keineswegs unter den Bedingungen der reinen Pressefreiheit.

Der klassische Fall ist der:: Eine Untersuchung ergab, dass in der New York Times ermordete israelische Kinder 50mal häufiger erwähnt werden als ermordete palästinensische Kinder. Im Moment erleben wir gerade wieder einen dieser offensichtlichen Fälle anlässlich der Wahlen in Weissrussland. „Einige Tausend“ Demonstranten, die bald danach noch „etwa 400″ wurden, haben gegen den Wahlausgang protestiert. Das wird von westlichen Politikern und der mit diesen verbandelten Mainstream-Medien hochgejubelt, als wäre das weissrussische Volk auf der Strasse. Schon wurden Einreiseverbote in die EU über weissrussische Politiker verhängt, die nicht das tun wollen, was diese Demonstranten wollen.

Vergleicht man damit, wie diese Politiker, Fernsehquatschköpfe und Medien auf andere Demonstrationen reagieren, wird deutlich, wie hier mit zweierlei Mass gemessen wird. Die aktuellen Demonstrationen in Frankreich z.B., die nicht nur in die Hunderttausende von Personen zur gleichen Zeit gehen, sondern nach den Umfragen auch die Meinung der überwiegenden Mehrheit der Franzosen repräsentieren, werden behandelt, als hätten sie bestenfalls die gleiche Bedeutung wie die weissrussischen Demonstrationen.

Besser Ausschreitungen zeigen als Forderungen

Besonders beliebt ist, nur Bilder von Ausschreitungen nach den Demonstrationen zu zeigen statt die Forderungen der Demonstranten. So werden die Demonstranten diffamiert und ihre wirklichen Anliegen klein geredet. Gleichzeitig wird das Thema sogar noch unterhalb der weissrussischen Ebene behandelt. Oder hat schon jemand davon gehört, dass jemand auch nur gefordert hat, dass Ministerpräsident Villepin nicht mehr nach Deutschland einreisen darf, weil er nicht tut, was die Demonstranten wollen.

Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, die Montagsdemonstranten. Als die Montagsdemos Ende 2004 kleiner wurden, haben die Politikerkaste und ihre Medien sie zu den Akten gelegt. Obwohl zu diesem Zeitpunkt, November 2004, immer noch allmontäglich die zehnfache Zahl der jetzigen weissrussischen Demonstranten auf die Strasse ging, wurde in allen Medien Schweigegebot verhängt: Die Redakteure durften nicht mehr berichten. Gleichzeitig machte sich der Showmaster von ‚Wetten dass’ über die Demonstranten lustig: „das Volk sind vier“.

Nun, nach dieser Logik gibt es in Weissrussland überhaupt keine Demonstrationen, so klein sind die. Auch heute noch, obwohl so gut wie ohne jede Berichterstattung in den Massenmedien, gehen jeden Montag, bei Wind und Wetter noch insgesamt an die 2.000 („einige Tausend“) Montagsdemonstranten auf die Strasse und werden fein säuberlich ignoriert von der Politikerkaste, dem rechten Showmaster und den Mainstream-Medien.

Ein anderes Beispiel sind die Demonstrationen, mit denen sich im Moment das westfreundliche reaktionäre thailändische Regime konfrontiert sieht. Dort sind 10- bis 100mal mehr auf der Strasse als die in Weissrussland, haben aber fast keine Aufmerksamkeit in den Medien. Bestenfalls unter „ferner liefen“ wird einmal über thailändische Demonstranten berichtet.

Tag für Tag, vor den Wahlen und jetzt nach den Wahlen, steht Weissrussland an der Spitze der Nachrichten. Es wird über Nachteile für die Opposition in den Wahlen berichtet, von Wahlfälschung, ohne dass irgendetwas konkretes ans Tageslicht kommt, über Demonstrationen im Zentrum von Minsk, über Beteiligung von westlichen Botschaftern an den Demonstrationen (ein unerhörter Vorgang) und schliesslich über die Auflösung dieser Demonstrationen. Wenn denn nichts mehr zu berichten ist, berichtet man über die Sanktionen der in Europa so beliebten EU-Politiker gegen weissrussische Politiker und über Aussagen von reaktionären polnischen Politikern, die anscheinend bereits wild darauf sind, Weissrussland zu annektieren, so wie dies vor Jahrhunderten der Fall war.

Es wird eine Kampagne abgezogen, nicht nur in den deutschen Massenmedien, auch in den USA, England, Frankreich usw., in der ganzen „westlichen Welt“. Es ist offensichtlich, gäbe es eine Pressefreiheit, könnte es nicht vorkommen, dass alle diese Nachrichtenorgane zur gleichen Zeit solche minimalen Demonstrationen als Hauptnachricht verwenden. Die Grosskonzerne der „westlichen Welt“ haben den mit ihnen verbundenen Besitzern der medien „empfohlen“, die Übernahme von Weissrussland vorzubereiten und so wird es getan.

Keine Wahl
Die einzelnen Redakteure haben keine Wahl. Man gibt ihnen das Thema vor. Da passt es gut in die Landschaft, dass die Redakteure in Österreich gerade befragt wurden, ob sie Pressionen ausgesetzt sind und 64,4% geben an, vom eigenen Unternehmen unter Druck gesetz zu werden. 62,9 Prozent der Journalisten sind an Sätze wie „Muss bestimmtes Thema auf jeden Fall bringen“ gewohnt. Nun, dies ist natürlich kein österreichisches Problem, sondern ein Problem des Kapitalismus. Wer zahlt, schafft an.

Nicht, dass das weissrussische Regime eine paradiesische Demokratie wäre. Aber eine riesige Zahl von Ländern, die „dem Westen wohl gesonnen“ sind, haben weit diktatorischere Regimes mit viel intensiverer Unterdrückung der Opposition und weit zweifelhafteren Wahlen oder gar keinen Wahlen. Man sehe sich nur in Saudi-Arabien um, wo Dieben die Hand abgehackt wird und Oppositionellen der Kopf. Ganz zu schweigen vom Irak, de fakto eine US-Kolonie im Moment, wo das Wort Menschenrechte wie ein schlechter Witz klingt. Um beim US-Regime zu bleiben: Die letzten US-Präsidentschaftswahlen, beobachtet von irgendwelchen Beobachtern, hätten nicht die geringsten Voraussetzungen für eine Einstufung als „demokratisch“ gehabt, wenn denn die Beobachter unparteiisch gewesen wären.

Dörfer Plattmachen
Die Türkei, nicht nur in der Nato, sondern auch Kandidat auf EU-Beitritt, unterhält staatliche Killerkommandos und Folterhöllen, wirft Oppositionelle gleich für Jahre in Gefängnis, macht schon einmal ein kurdisches Dorf dem Erdboden gleich und verurteilt sogar, wenn es jemand wagt, Kritik an den Methoden des Militärs zu üben, wie die jüngste Verurteilung von Frau Eren Keskin belegt, Trägerin des Aachener Friedenspreises.

Sie hatte es gewagt, auf einer Veranstaltung in Köln die sexuelle Unterdrückung als Kriegsmethode der türkischen Armee, speziell in Kurdistan, anzuprangern.
Es gäbe also ein weites Feld für die Massenmedien, Wahlen anzuprangern, die nicht den mindesten demokratischen Regeln entsprechen, Unterdrückung der Opposition und Auflösung von Demonstrationen. Aber zu all diesen Ländern hören wir nichts an erster Stelle in den Nachrichten. Dort steht, wieder und wieder, das weissrussische Regime.

Es gibt also sehr wohl eine Gleichschaltung der Medien und es gibt Kampagnen des „Westens“ zur Unterwerfung jedweden Regimes, das seinen Wünschen nicht nachgibt.

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Militärgericht hebt SonntagsBlick-Urteil auf

Stephan Fuchs & Meldung– Das Militärkassationsgericht hat das Urteil gegen eine wegen Verletzung militärischer Geheimnisse verurteilten Redaktor des «SonntagsBlicks» aufgehoben.

Der angeklagte Redaktor wurde beschuldigt, militärische Geheimnisse veröffentlicht zu haben. Ihm wird zur Last gelegt, in der Ausgabe vom 6. Juli 2003 des «SonntagsBlicks» Bilder und Informationen über eine als geheim klassifizierte unterirdische Anlage der Luftwaffe bei Buochs veröffentlicht zu haben.

Das Militärgericht 6 hat den angeklagten Redaktor bereits am 3. Dezember 2004 zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 10 Tagen verurteilt. Gegen das Urteil haben sowohl der angeklagte Redaktor wie auch die Anklage appelliert. Das Militärappellationsgericht 2 hat am 7. Juni 2005 in zweiter Instanz den Angeklagten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Kassationsbeschwerde erhoben.

Mediengewerkschaft comedia kritisiert
Diese höchstrichertliche Korrektur ist grundsätzlich erfreulich, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Prozess und das Urteil an sich medienfeindlich und einer modernen Informationsgesellschaft unwürdig sind.

Der zugrundeliegende Militärstrafartikel (106 MSTG) ist bemerkenswert, weil nicht nur militärische Geheimnisträger und Dienstpflichtige mit happigen Strafen bedroht werden (bis zu 5 Jahre Zuchthaus!), sondern alle Zivilpersonen, denen Informationen zugespielt werden, und die diese veröffentlichen. Abgesehen davon, dass damit wiederum nur die Überbringer der Nachricht belangt werden, ist der Vorgang auch aus medienpolitischer Sicht unhaltbar.

Die verfassungsrechtlich garantierte Medienfreiheit wird durch Artikel 106 MSTG unterhöhlt, analog wie dies das zivile Gegenstück, der STGB-Artikel 293 (Veröffentlichung amtlicher Geheimnisse) macht. Die staatliche Geheimniskrämerei ist in dieser übersteigerten Form nicht zeitgemäss. Die Medien müssen im öffentlichen Interesse fragwürdige Vorgänge publizieren können.

Die Mediengewerkschaft comedia setzt sich dafür ein, dass die beiden Geheimnisartikel als anachronistische alte Zöpfe abgeschafft werden. Sie begrüsst dementsprechend die parlamentarische Motion von Nationalrat Josef Lang zur Abschaffung des Strafartikels.

Reportage: Reise durch das Bunkerland
Militärgericht: 6 Monate Haft für Journalist

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Anklage gegen «Cicero» Journalisten

Stephan Fuchs – Rauer Wind im Journalismus. Im Streit um Geheimdienstenthüllungen des Polit-Magazins Cicero geht die Staatsanwaltschaft nun auf Angriff. In Potsdam erhob sie Anklage gegen zwei namentlich nicht genannte Journalisten wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen.

Der Vorwurf richtet sich offenbar gegen den Cicero -Autoren Bruno Schirra und den Auslandschef des schweizerischen Sonntagsblicks, Johannes von Dohnanyi. Dohnanyi ist der Autor des Buches „Schmutzige Geschäfte und Heiliger Krieg“ und einer der brisantesten Recherche-Journalisten der Schweiz.

Schirra hatte im April aus einem internen Papier des Bundeskriminalamtes über den Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zitiert. Darin beschreibt er Wandlung und Aufstieg des Terroristen der nach Einschätzung des jordanischen Geheimdienstes der „gefährlichste Mann der Welt“ sein soll und für den sich auch die deutschen Ermittlungsbehörden interessierten. Dohnanyi soll ihm den BKA-Bericht zugespielt haben.

Nach der Publikation folgte die Razzia. Im September waren die Redaktion des Politmagazins und das Wohnhaus von Schirra auf Antrag der Potsdamer Staatsanwaltschaft durchsucht worden, was für harte Kritik nicht nur von Journalisten gesorgt hatte. Das Bundeskriminalamt (BKA) wirft den Journalisten „Beihilfe zum Geheimnisverrat“ vor.

Der Chefredakteur von Cicero, Wolfram Weimer, kritisierte die Anklageerhebung auf das Schärfste. „Es ist ungeheuerlich und empörend, dass Journalisten dafür angeklagt werden, dass sie ihre Arbeit machen.“ Es ist in der Tat empörend. Und… Cicero ist keine Ausnahme. Auch in der Schweiz ist die Pressefreiheit offensichtlich verloren. Auch in der Schweiz werden Journalisten und Chefredaktoren in Untersuchung genommen.

Jüngstes Beispiel ist die Publikation des Geheimfax aus Ägypten. Der Schweizer Geheimdienst und die Militärjustiz ermittelt gegen Unbekannt.

Schlechte Zeichen in schlechten Zeiten? Offensichtlich. Denn guter Journalismus endet nicht dort wo es ungemütlich wird. Dort beginnt Journalismus erst… Zumindest in einer Demokratie.

Schmutzige Geschäfte und Heiliger Krieg. – Das Interview zur Publikation
Das dürfen wir nicht schreiben
Cicero
„SonntagsBlick“-Chef verweigert Zusammenarbeit mit Militärjustiz
Eingelullte Schweizer Presse?
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Newsbattery 05 das Politmagazin der Blogsphäre

Stephan Fuchs – Zum fünften Mal erscheint Newsbattery, das Politmagazin aus den Blogs. Themenschwerpunkte dieser Ausgabe sind der Iran, der mysteriöse Flugzeugabsturz in den französischen Alpen, Hitachichip versus Verichip, das Gift in den PET Flaschen und ein Rückblick: Eine Welt wütender Fanatiker… Neben einigen anderen brisanten Themen. Autoren dieser neuen Ausgabe sind World Content News, Harald Haack, Norman Solomon, Karl Weiss, Stephan Fuchs und Elmar Getto.



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