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2005 wurden 63 Kollegen getötet

Im Jahr 2005 sind laut „Reporter ohne Grenzen“ 63 Journalisten und fünf Medienmitarbeiter während oder wegen ihrer Arbeit getötet worden. Das seien zehn mehr als im Vorjahr, teilte die Organisation in Berlin mit.

Zum dritten Mal hintereinander ist der Irak das gefährlichste Land für Medienschaffende. Dort kamen 24 Journalisten und fünf Medienmitarbeiter ums Leben. In den meisten Fällen seien die Angriffe auf das Konto von aufständischen Gruppen gegangen, heisst es. Doch in drei Fällen seien auch US-amerikanische Truppen beteiligt gewesen.

Auf den Philippinen hätten sieben Journalisten ihre kritischen Berichte mit dem Leben bezahlt. Hinter den Übergriffen stünden weniger bewaffnete Gruppen als vielmehr Politiker, Geschäftsleute oder Drogenhändler, die kaum zur Verantwortung gezogen würden, hiess es weiter.

Weltweit sitzen gemäss Reporter ohne Grenzen derzeit 126 Journalisten und 70 Internetdissidenten im Gefängnis. Mit mindestens 1006 zensierten oder verbotenen Medien im vergangenen Jahr stieg diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 Prozent.

Diese Zunahme sei vor allem dem „verheerenden“ Zustand der Pressefreiheit in Nepal zu schulden, wo mehr als die Hälfte der Fälle verzeichnet worden seien. In China sei die Lage nach wie vor prekär: Redakteure aller Medien erhielten fast täglich eine Liste mit Tabuthemen vom Propagandaministerium. China (32 inhaftierte Journalisten) und Kuba (24) haben nach wie vor die meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Äthiopien sei nach Massenverhaftungen im November mit 17 Journalisten hinter Gittern das „grösste Gefängnis für Journalisten in Afrika“ und habe das benachbarte Eritrea mit 13 inhaftierten Journalisten an dritter Stelle der Statistik abgelöst. Im Libanon nahmen laut Reporter ohne Grenzen gewalttätige Übergriffe auf Politiker und Journalisten zu.

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Pentagon will verdeckt für ausländische Medien produzieren

Im Rahmen einer grossangelegten PR-Kampagne will das Pentagon pro-amerikanische Beiträge in ausländischen Medien platzieren, ohne die US-Regierung als Quelle zu nennen. Dies sagten nicht namentlich genannte US-Militärs.

Es sollten zwar keine «falschen» Informationen verbreitet werden, sagten sie in einer vorveröffentlichten Meldung der Zeitung «USA Today» vom Donnerstag. Doch soll die Rolle des Verteidigungsministeriums bei der Entstehung der Beiträge kaschiert werden. Die Beiträge sollten auch in Medien befreundeter Staaten untergebracht werden.

Die 300 Millionen Dollar (knapp 390 Millionen Franken) teure Kampagne soll nach Angaben der Zeitung von Experten für psychologische Kriegsführung im US-Kommando für Sonderoperationen gesteuert werden.

T-Shirts und Autoaufkleber
Sie soll das ausländische Publikum dazu bringen, die US-Politik zu unterstützen. Als Teil der weltweiten Kampagne sollten auch T-Shirts und Autoaufkleber verteilt werden.

Zu den Privatfirmen, die das Pentagon für die Aktion angeheuert habe, gehört laut «USA Today» auch die Lincoln Group aus Washington. Diese Firma war bereits wegen einer strittigen anderen Medienaktion der US-Armee ins Zwielicht geraten.

Dabei geht es um Artikel, die Militärs – ebenfalls unter Verschleierung der Quelle – in irakischen Zeitungen platziert hatten. Das Pentagon hat eine interne Untersuchung dieser Praktiken im Irak eingeleitet.

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USA inhaftieren ebenso viele Journalisten wie Burma

Die USA stehen auf einer Liste von Ländern, die die meisten Journalisten inhaftiert haben, an sechster Stelle – gleichauf mit der Militärdiktatur Burma (Myanmar). Die am Mittwoch in New York veröffentlichte Liste wurde vom Committee to Protect Journalists erstellt, einer unabhängigen Journalistenorganisation, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt.

Die USA hielten demnach am 1. Dezember dieses Jahres fünf Journalisten gefangen, vier Iraker und einen Sudanesen. Die vier Iraker sitzen den Angaben zufolge in amerikanischen Gefängnissen im Irak, der Sudanese – ein Kameramann des arabischen Senders Al Jazira – im Lager Guantánamo Bay auf Kuba. Gegen alle fünf sei bisher keine Anklage erhoben worden. Es sei „besonders beunruhigend“, dass ausgerechnet die USA nun zu den Ländern gehörten, die Journalisten ihrer Arbeit wegen einsperrten, sagte die Direktorin des Komitees, Ann Cooper.

Insgesamt sind 125 Journalisten und Fotoreporter weltweit in Haft. Mit 32 Häftlingen führt China die Liste an, gefolgt von Kuba (24), Eritrea (15) und Äthiopien (13). China steht schon seit sieben Jahren an erster Stelle. Fast die Hälfte der dort inhaftierten Journalisten arbeiten für Internet-Websites.

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NewsBattery, das Politmagazin aus den Blogs

Stephan Fuchs – Über 1300-mal wurde die erste Ausgabe des Politmagazins Newsbattery aus dem Netz gefischt. Eine überraschende Zahl und Ansporn um an dem Projekt auf jeden Fall weiterzuarbeiten. Offensichtlich wird das Politmagazin aus dem Blog goutiert. Es soll aber und das hat sich bereits in dieser zweiten Nummer manifestiert, nicht ein Magazin aus einem Weblog, sondern eine Plattform auch für andere Weblogs sein. Bereits sind in dieser zweiten Nummer Beiträge von Atlantic Review und dem ZMag dazugekommen, die den Inhalt von Newsbattery bereichern und interessanter machen.


In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Recherchenartikel.

Sinn des Magazin ist, dass Hauptartikel- und lange Hintergrundartikel die auf einem Weblog nicht unbedingt zum lesen einladen hier, monatlich zusammengefasst werden und ihren Platz in einer besser konservierbaren Publikation finden. Reflektiert wird dabei eine möglichst breite Meinung, die Themen und Meinungen können durchaus variieren. Es soll sich beißen.

Und so soll es die Sprache tun. In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Recherchenartikel. Politische Korrektheit ist mal da mal nicht, aber sie soll fair, hart und ehrlich sein.

Nun liegt es an ihnen sich das Magazin zu holen, zu lesen, zu archivieren oder gar mitzumachen. Ein bisschen dicker, ein bisschen ausgeschliffener und offener steht die zweite Ausgabe von Newsbattery ab heute zum Download bereit.

Newsbattery Schweiz
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NewsBattery: Europas erstes Weblog als Politmagazin

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PR – Publicity-geile Randalierer

Harald Haack – Der Sketch ist uralt und wurde, so vermute ich, 1982 vom NDR innerhalb der skurrilen Comedy-Serie „Abramakabra“ gesendet. Helga Feddersen spielte eine hysterische Fernsehreporterin, Uwe Dallmeier einen tranig-langsamen Kameramann: Ein Haus brennt. Wie das Schicksal es so will, kommen sie und ihr Kameramann viel zu spät zum Unglücksort und sehen nur noch qualmende Trümmer. Das Feuer ist gelöscht. Während die Fernsehreporterin einen hysterischen Anfall kriegt, bleibt der Kameramann gelassen, geht zum Feuerwehrhauptmann und spricht ihn kumpelhaft an: „Tja, wir sind da nun etwas zu spät gekommen. Sag mal, kannste vielleicht noch mal nachlegen?“

Ein Hausbrand ist natürlich kein Kaminfeuer, in dem man einen Holzscheit nachlegen kann, um das Feuer wieder zu entfachen. Ein Gag, der auf Fernsehzuschauer wegen dieser Unsinnigkeit sehr komisch wirkte. Doch so unsinnig und fern der Realität war das nicht. So soll es schon Politiker gegeben haben, die das obligatorische Sperrband bei einer Autobahn- oder Brückeneröffnung mehrmals zerschneiden mussten, weil nicht alle anwesende Kameramänner und Fotografen den entscheidenden Augenblick zufriedenstellend hatten ablichten können. Solche Momente „hinter den Kulissen“ der Medienbranche blieben der breiten Öffentlichkeit verborgen. Doch immer öfter sah man schon Einstellungen von eitlen Politikern, die es der Pressemeute recht machen wollten und wie Filmstars oder Fotomodels vor den Kameras posierten.

Ebenso verborgen blieben den Zuschauern der ARD-Tagesschau, die – nach meiner Erinnerung war das zwischen 1991 und 1993 – live von Straßenschlachten zwischen so genannten „Autonomen“ und der Polizei in einer ostdeutschen Stadt berichtete. Ich war damals als freier Mitarbeiter für das NDR-Satire-Magazin „Extra drei“ tätig und sollte aus den Aufzeichnungen der live gesendeten Einstellungen komische Momente herauszusuchen und zu einem Beitrag zusammenstellen. Dazu musste ich in die MAZ („Magnetaufzeichnung“, die Abteilung, in der Ü-Wagen-Übertragungen etc. via Satellit hereinkommen und aufgezeichnet werden) gehen und mir die mehrstündigen und ungeschnittenen Aufzeichnungen der Unruhen vorführen lassen. Dabei fielen mir und dem mir assistierenden MAZ-Techniker auf, dass es keine Straßenschlacht gab, wenn es keine Live-Sendung gab. Sobald aber die Bilder live bundesweit gesendet wurden, und dies geschah während zweier Tagesschau-Sendungen, dann gab es mit einem Mal Randale vor den TV-Kameras. Sobald die Nachrichtensendung zu Ende war, ebbten die Auseinandersetzungen ab und die Randalierer wie auch die Polizisten zogen sich zurück.

Das fand ich sehr komisch. Ich präsentierte meinen analytischen Zusammenschnitt dem Chefredakteuer von „Extra Drei“, Hans-Jürgen Börner, vor versammelter Redaktion. Doch während mein Beitrag von den Kollegen Beifall erhielt, fand Börner den Beitrag keineswegs witzig. Er untersagte brüsk die Sendung meines Beitrags mit der Begründung, es sei als Medienkritik eine Bepinkelung des eigenen Senders. Ja, wenn es nicht der NDR oder die ARD, sondern das ZDF oder irgendein Sender der Privaten gewesen wäre, ja, dannn … wäre natürlich alles ganz anders gewesen. Es gab eine hitzige Diskussion. Kollegen sahen die Sachlage anders und hielten es für angebracht, öffentlich zu machen, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Randalierer missbraucht wurde. Es blieb aber beim Nein Börners. Was bei der Sendung meines Beitrages sicherlich auch an die Öffentlichkeit gelangt wäre, war, dass diese ganzen minutiös mitgeschnittenen Einstellungen zweier TV-Kameras nicht nur von mir, sondern auch von Polizei und Staatsanwaltschaft gesichtet hätten werden können. Ob dies jemals geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, denn ich war während der Sichtung der Video-Bänder nur Gast in der MAZ.

Nun aber zeigte Jean-Claude Dassier als Verantwortlicher des französischen TV-Senders LCI mehr Rückgrat und Zivilcourage. Er machte öffentlich, dass Randalierer das Fernsehen für ihre Zwecke ausnutzen. Laut SPIEGEL soll ein LCI-Kamerateam die Worte „Das Fernsehen ist da, ihr werdet gefilmt“ gehört haben. Danach seien direkt vor den Augen der Fernsehleute zwei Autos angesteckt worden.

Befeuern Fernsehbilder die Gewalt?

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NewsBattery: Europas erstes Weblog als Politmagazin

Stephan Fuchs – Print-Zeitungen haben das Weblog für sich entdeckt und versuchen so an den Puls der Zeit zu kommen. Das ist gut und gibt viel zu reden, respektive zu schreiben. Nun ist NewsBattery wohl Europas erstes Polit- Magazin das aus einem Weblog in den Print geht. Und das Webkonform. NewsBattery braucht man sich nicht am Kiosk holen und der Postbote braucht sich nicht vor bissigen Hunden zu fürchten. Das Magazin braucht keinen Vertrieb, keine große Logistik, keine retournierten und weggeschmissenen Rohstoffe.


Lässt sich auf dem Klo lesen

Deshalb ist Newsbattery ohne Abo und ohne Kosten für Sie. Newsbattery ist sozusagen die Zeitung von morgen. Das Magazin ist Gratis. Gemütlich mit Kaffee gehen Sie an ihre Informationsbatterie, den Computer, laden sich das PDF runter und das war schon alles. Wer es auf dem Klo lesen muss, oder in der Strassenbahn, der kann sich das ausdrucken, das Design ist für A4 konzipiert und zudem hübsch. Das Magazin lässt sich archivieren und ergibt über einige Monate eine beachtliche Sammlung. Das Magazin können Sie Ihren Freunden verschicken, vervielfältigen & auf ihrem Blog oder Ihrer Homepage zum Download anbieten.


Politische Korrektheit ist mal da mal nicht, aber sie soll fair, hart und ehrlich sein.

Die Themenauswahl für das Magazin wird durch den Weblog [JOURNALISMUS] – Nachrichten von heute gewählt. Die wichtigsten Artikel, das können auch satirische Artikel sein, werden monatlich zusammengefasst und finden ihren Platz in der druckbaren Monatsausgabe. Reflektiert wird dabei eine möglichst breite Meinung. [JOURNALISMUS] – Nachrichten von heute hat schreibende Amerikaner aus dem Bushlager ebenso an Bord wie deren Kritiker. Es soll sich beißen.

Und so soll es die Sprache tun. In NewsBattery herrscht die schnelle Blog-Sprache ebenso wie fundierte Hintergrund- und Recherchenartikel. Politische Korrektheit ist mal da mal nicht, aber sie soll fair, hart und ehrlich sein.

Hart war auch der Monat Oktober. Stürme toben auf der ganzen Welt. Nicht nur Katharina: Im weißen Haus bricht ein Tornado nach dem andern über die Kuppel. Missmanagement an der Heimatfront, der 2000. gefallene US-Soldat und das Plame/Cheney/CIA-Drama erschüttert die Grundfesten des Weißen Hauses. [JOURNALISMUS] – Nachrichten von heute machte bereits am 18. November 2004 auf den Skandal aufmerksam. Jetzt haben auch die etablierten Medien nachgezogen. Drüben in Europa und im Mittleren Osten sieht’s nicht besser aus. Der Hariri- Report wurde der U.N. übergeben. Dieser enthält einigen Zündstoff und bringt weitere Gefahren einer militärischen Konfrontation. Robert Parry beschreibt in welche Fallen wir, die Journalisten und Leser nicht mehr fallen dürfen. Ebenfalls um Medien, hier im Fall um Lockerbie geht es im Artikel von Elmar Getto: “Lockerbie-Beweise gefälscht?”

Lassen sie sich überraschen. Ich wünsche Ihnen viel Information beim Lesen.

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Erst poppen, dann aufgeilen

Harald Haack – Wem bislang die 8 Megapixel seiner Digitalkamera zu füllig waren, darf sich freuen: Ein amerikanischer Wissenschaftler hat eine Kamera entwickelt, die beispielsweise die fetten 16 Megapixel einer Kamera auf miese 0,1 Megapixel reduziert.

Dieser unglaubliche Gewinn an Bildauflösungsverlust hat allerdings seinen Nachteil: Dem Vielknipser wird die Freude am Scharfmachen genommen. Nicht, dass es ohnehin bei einer Auflösung von nur 0,1 Megapixel egal wäre das Objektiv der Kamera auf das Motiv einzustellen, da bei dieser geringen Auflösung des lichtempfindlichen Sensors in der Kamera eh alles „unscharf“ aussehen wird, die neu entwickelte Digitalkamera sieht tatsächlich alle Motive nur unscharf. Die lästige Wartezeit, die der Autofocus braucht, um sich auf das in der Sensormitte abgebildete Motiv einzustellen und mit dem notorischen Hin- und Herfahren nur nervt, entfällt und verfrachtet die Zeit verschwendende Autofocus-Technik auf den Müll.

Scharf werden des Knipsers Fotos erst hinterher mit Hilfe des Computers und einer speziellen Software. Ob der Hintergrund scharf ist, der Vordergrund oder beides, kann bei der Nachbearbeitung am PC entschieden werden. Diese Software funktioniert allerdings nur mit Fotos, die eine Digitalkamera liefert, wie sie der Student Ren Ng vom Computer Graphics Laboratory der Universität Stanford gebaut hat.


Die neue digitale Fototechnik soll helfen alle unscharfen Gesichter sicher zu identifizieren: „Scharf machen, was scharf sein soll“.

Ausgestattet ist sie mit einem dünnen Gitter aus winzigen Linsen. Jede dieser Miniaturlinsen hat die Größe eines Staubkorns und ist zu Zehntausenden genau in der Ebene montiert, wo normalerweise der Bildsensor sein vom Objektiv gebündeltes Licht empfängt. Der Sensor liegt genau dahinter und blickt durch diese Schicht aus „Brillen“ hindurch. Diese Linsen erweitern das 2-dimensional fokussierte Licht für einen Pixel (Bildpunkt) in einen 3-dimensionalen Lichtkegel, mit dem Effekt, dass Lichtstrahlen, die sich sonst auf 2-dimensionaler Ebene in einem Punkt getroffen hätten, nun Informationen darüber enthalten, aus welcher Richtung sie kamen – senkrecht eintreffende landen im Mittelpunkt der Lichtkegel, seitlich eintreffende weiter außen. Dies nutzt die Software zur Berechnung der vom Anwender gewünschten Schärfenebene des Motivs. Sie ermittelt nur den Durchschnitt der Farbwerte im Lichtkegel, erreicht damit aber die Rekonstruktion der räumlichen Verhältnisse des Motivs. Nachträglich kann dann das scharf abgebildet werden, was man scharf sehen will: Den zu vorderst stehenden Touristen in einer Schlange wartender Fluggäste am Check-In-Schalter einer Airline, oder den hinter ihm stehenden Terroristen. Und so wird klar, wem diese Fototechnik wirklich dienen wird, die, um wirklich effizient arbeiten zu können, viel von der Bildauflösung des Sensors verschlingt: Großen Brüdern nämlich, die andere vergewaltigen und alle Mittel, die dies erleichtern, als Gewinn zur „Sicherheit“ ihrer Opfer loben.

Ren Ng
Erst knipsen, dann scharf stellen

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Idealist im Haifischbecken

Lukas Vogelsang – Es beisst sich: «Wir haben die Leine jetzt schon mehrmals verkürzt und sie ist immer noch zu kurz.» Etwa so verhalten sich die Medien momentan. Man mache also Zeitungen unleserlich und uninteressant, verliere damit das Interesse des Inseratemarktes, streichen Stellen und klage über Desinteresse.

Als ich das «ensuite – kulturmagazin» aus dem Boden stampfte, war die einzige Richtlinie des Konzepts, das Gegenteil vom «Marktüblichen» zu produzieren. Also keine Farbbilder, keine Kurztexte, keine Leads und keine einfachen Texte. Wir schreiben in ein paar Monaten den vierten Jahrgang, wachsen jeden Monat und haben immer noch Abonnentenzuwachs. Wie kann das funktionieren? Was ist los mit den Berner Medien im Bereich Kultur? Nichts. Kultur gibt kein Inserategeld.

Ein paar Grossunternehmen machen grosse Sponsorenwerbungen – das ist auch schon alles. Kultur kann man als PR-Aktion in Zusammenhang mit Medienpartnerschaften nutzen. Die JournalistInnen machen, was sie wollen und schreiben, was sie wollen – die Verlage interessieren sich nicht dafür. Aber man gewährt Platz – schliesslich gehört das Feuilleton zum guten Ton. In Bern haben wir diesbezüglich eine seltsame Situation: Die Espace Media Groupe hat ihre Kulturmagazine eingestellt. Sie spart damit 1,5 Millionen Franken jährlich.

Die Stadt wollte aber unbedingt eine Beilage in den Zeitungen und bezahlt diese nun selber: Die «Berner Kulturagenda». Die Redaktionen haben nichts damit zu tun. Die so gesparten 1,5 Millionen und zusätzlich eingenommenen 500 000 Franken für den Druck und Vertrieb sind ein einmaliges Geschenk. Aber damit nicht genug. Die Espace Media Groupe kann jetzt kulturell aktiv werden – und dies für die Kundengewinnung, also im PR Bereich. So werden jetzt massig Medienpartnerschaften abgeschlossen. Das bringt den gesamten Event-Inseratemarkt auf Glatteis. «Eventitis» wird gefördert, Kultur wird zum Grossspektakel und alles, was im Ansatz künstlerischen oder kulturellen Wert hätte, also kein Mega-Grossevent ist, fällt aus der Aufmerksamkeitsspanne weg. Die «Berner Kulturagenda» ist im Konzept zu schwach, um redaktionell als kulturweisende Zeitung zu gelten und hat zuwenig Platz, um das Loch zu füllen. Diese Verantwortung bleibt fast einzig an uns hängen. Doch ohne nötige Finanzspritzen können wir mit dieser Entwicklung nur bedingt Schritt halten. Dazu kommt, dass der Kultursekretär, als Zugpferd der «Berner Kulturagenda», uns keine Existenz lässt. Noch vor einem Jahr meinte er im «St. Galler Tagblatt », Bern hätte leider kein Kulturmagazin wie «Saiten» – und niemand von der Espace würde ihm da öffentlich widersprechen!

Es darf uns nicht geben – so wollen es die «Grossen». Doch die «Kleinen» sind in der Mehrheit – und davon leben wir. Mit dieser Chance haben wir uns aufgebaut. Wir haben einen grossen Vorteil gegenüber anderen Medienhäusern: Unsere Zeitungen werden gelesen und wir sind schon lange die grösste Kulturredaktion im Kanton Bern. Dafür, dass wir kein Geld in dieses Unternehmen investiert haben, gehts uns verdächtig gut. Vielleicht weil wir ein kleines Geheimnis mit uns tragen, jenes, welches alle Medienunternehmen und Journalistinnen so dringend brauchen und verzweifelt suchen: Die Vision.

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Irak-Korrespondent der britischen Zeitung „Guardian“ entführt

London – Der Irak-Korrespondent der britischen Zeitung „The Guardian“ ist in Bagdad entführt worden. Der 33-jährige Ire Rory Carroll hatte im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den Ex-Diktator Saddam Hussein recherchiert.

Er hatte bei einer Familie in Bagdad die Fernsehübertragung von der Eröffnung des Prozesses verfolgt. Er wollte über Reaktionen der irakischen Bevölkerung berichten. Carrolls Vater sagte Reportern in Dublin, sein Sohn sei von drei Männern verschleppt worden, als er das Haus verliess. Irlands Aussenminister Dermot Ahern erklärte, die Regierung bemühe sich, ihn frei zu bekommen.

Die Redaktion des „Guardian“ bat in der Online-Ausgabe der Zeitung um Hinweise auf Carrols Aufenthaltsort und Gesundheitszustand. Der Ire ist seit neun Monaten im Irak. Er ist ein in Krisen erfahrener Korrespondent. Zuvor war er unter anderem in Afrika tätig. Im August vergangenen Jahres hatten muslimische Extremisten einen in der südirakischen Stadt Basra entführten britischen Reporter nach Vermittlung durch Geistliche freigelassen. Zuvor hatten sie mit der Ermordung des Journalisten gedroht, falls Grossbritannien nicht seine Truppen aus dem Irak abzieht.

Nach britischen Medienberichten haben Aufständische seit Beginn des Irak-Krieges über 220 Ausländer – unter ihnen auch Journalisten – entführt und fast 40 von ihnen getötet. Der Nachrichtensender El Arabija berichtete unterdessen, der Sekretär der irakischen Journalistengewerkschaft, Mohammed Harun, sei in Bagdad ermordet worden.

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Oppositioneller Journalist in Weissrussland tot aufgefunden

In Weissrussland ist ein regierungskritischer Journalist tot aufgefunden worden. Die Leiche von Wassili Grodnikow wurde laut seinem Bruders mit blutigem Schädel in seiner Wohnung nahe der Hauptstadt Minsk entdeckt.


Mag keine Kritik

Nikolaj Grodnikow beschuldigte die Regierung des weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, seinen Bruder ermordet zu haben, weil er der Opposition angehörte.

Die private Zeitung „Narodnaja Wolja“ war lange Zeit das einzige oppositionelle Blatt, das noch im Land gedruckt werden durfte. Seit Oktober wird die Zeitung im benachbarten Russland hergestellt.

Kritiker werfen Lukaschenko vor, die unabhängigen Medien vor den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006 zum Schweigen bringen zu wollen.

Nach einer Verfassungsänderung im vergangenen Jahr strebt der seit 1994 regierende Lukaschenko eine weitere Amtszeit als Staatsoberhaupt der ehemaligen Sowjetrepublik an. Die Regierung in Washington bezeichnet Weissrussland als „letzte Diktatur Europas“.

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