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Die neue Gruner und Jahr Story oder: Von Gruner und Jahr zu Anzeigen und Spar

Dr. Alexander von Paleske —- 22.6. 2009 — In den letzten Wochen kamen drei Meldungen über den Ticker, die für den Qualitätsjournalismus und die Beschäftigten des traditionsreichen Verlagshauses Gruner und Jahr in Hamburg offenbar wenig Gutes erwarten lassen.

Gruner und Jahr ist nicht irgendein Verlag, sondern gibt allein in Deutschland 40 Zeitschriften heraus, darunter GEO, STERN, BRIGITTE und ART.

Am SPIEGEL hält das Verlagshaus einen Anteil von 25%.

Meldung 1: Gruner und Jahr- Vorstandsvorsitzender Bernd
Buchholz kündigt einen radikalen Umbau
angesichts der Medienkrise an, der in drei Stufen
erfolgen soll.

Meldung 2 : Gruner und Jahr startet ein Gesundheitsheft mit
Millionenauflage

Meldung 3 : Schlussredaktionen der Gruner und Jahr Medien
sollen angeblich an andere Dienstleister
ausgelagert werden

Diese Meldungen haben auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun, bei näherem Hinsehen aber doch.

Dichtmachen, Verkaufen und Sparen
Gruner und Jahr-Vorstand Buchholz plant offenbar Zeitungen und Zeitschriften, die nicht den vom Verlag gesetzten Rentabilitätsansprüchen entsprechen, dichtzumachen oder zu verkaufen.

Solchen, denen eine profitable Ueberlebenschance zugetraut wird, werden offenbar einem radikalen Sparkurs unterworfen, das haben die Financial Times Deutschland und andere bereits zu spüren bekommen. Darunter fällt wohl auch das Auslagern von bestimmten Redaktionstätigkeiten, wie zum Beispiel die Schlussredaktion.

Eine Expansion in die Abhängigkeit oder: ein Verlagshaus auf Abwegen?
Das Gruner und Jahr Verlagshaus plant gleichzeitig eine Expansion.

Das ist ja sehr erfreulich, könnte man denken. Für neue redaktionelle Ideen sollte man immer aufgeschlossen sein, zum Beispiel den investigativen Journalismus auszudehnen, angesichts des Aufdeckungsbedarfs an so vielen Skandalen und Skandälchen, von der Finanzkrise über Mitarbeiterüberwachung bis zur Politikerbestechlichkeit.

Weit gefehlt, die Offensive geht in eine ganz andere Richtung: Die Redaktionen sollen Firmenzeitungen entwerfen und Auftritte von Firmen auf Messen vorbereiten.

Ein Verlagshaus als Firmen-Dienstleister, oder sollte man besser sagen: auf Abwegen?
Denn damit sind Konflikte mit dem Rest des investigativen Journalismus sozusagen vorprogrammiert.

Rücksichtnahmen auf Kunden, die dort ihre Firmenzeitungen herstellen lassen und es natürlich überhaupt nicht gerne sehen, wenn sie von einer anderen Postille des Verlagshauses in die Zange genommen werden.

Es kommt noch schlimmer
Um die Sache offenbar auf die Spitze zu treiben, soll ein Gesundheitsmagazin den Printmedien wie STERN, GEO, BRIGITTE und anderen beigelegt werden.

Gegen gute Gesundheitsinfo ist ja nichts einzuwenden, aber dieses Blättchen Pardon: Magazin soll sich aus Pharmawerbung finanzieren, möglicherweise damit auch anderen Journalen mit seinen Gewinnen in harten Zeiten unter die Arme greifen.

Man möchte nur den Kopf schütteln. Der STERN hat oft genug die Pharmaindustrie zu Recht attackiert.

Dass in dem Gesundheitsmagazin wenig Pharma-Kritisches zu finden sein dürfte, damit darf man rechnen. Dass das Geschrei der Magazinjournalisten über geplante Reportagen des STERN gegen die Pharmaindustrie gross sein dürfte, versteht sich von selbst.

Und bei dieser von Vorstand Buchholz angesagten Verlagspolitik kann man sich unschwer vorstellen, wie diese Auseinanderstzungen dann entschieden werden dürften.

Es drängt sich der Eindruck eines erbärmlichen Abschieds von einer einst durch Richard Gruner, Gerd Bucerius und John Jahr sen. geprägten Verlagspolitik auf.
Insbesondere, aber nicht nur, Gerd Bucerius ein „Ueberzeugungstäter“ für den der Journalismus an erster und der Gewinn an zweiter Stelle standen.
Jahrelang hatte er die verlustbringende ZEIT zunächst aus seiner Privatschatulle und dann aus den Einnahmen des STERN finanziert.

Wie Hohn für die Zukunft klingen die Worte des Vorstands Buchholz in seinem letzten Jahresbericht:
„Gruner und Jahr ist ein Medienhaus mit einer langen Tradition, hohen verlegerischen Ansprüchen und Qualitätsbewusstsein.“

Das war einmal, möchte man fast meinen.

Darfs ein bisschen weniger sein? Oder: Neues zum Niedergang des Qualitätsjournalismus
Untergang des Qualitätsjournalismus? – oder: Josef Joffe und seine Albträume
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Der Fall Susanne Klatten-eine Nachlese

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Darfs ein bisschen weniger sein? Oder: Neues zum Niedergang des Qualitätsjournalismus

Dr. Alexander von Paleske —- 21.6. 2009 — In Wolf Schneiders Buch „Die Gruner und Jahr Story“ aus dem Jahr 2000 findet sich eine Begebenheit aus dem Jahre 1993.
Der Weltkonzern Unilever verhängte 1993 einen Anzeigenboykott gegen den STERN, weil er sich über eine Geschichte in der Zeitschrift GEO, auch aus dem Hause Gruner und Jahr, wie der STERN, geärgert hatte. Titel :“Du darfst nicht alles glauben“
Viermal hatte der GEO-Autor den Namen UNILEVER genannt. In einem fürchterlichen Verriss der „Light Food Mode“ der „grandiosen Erfindung das Sattwerden teurer zu machen“.

Der damalige Chefredakteur der GEO, Funk, wurde zu dem Gruner und Jahr Vorstand Schulte- Hillen gerufen, der nach einer kurzen Diskussion „Stimmt die Geschichte?“ und neuerlichem Lesen des Artikels in meckerndes Lachen ausbrach „Wenn wir uns solche Geschichten nicht mehr leisten können, dann macht das Geschäft keinen Spass mehr“.

Zunehmende Abhängigkeiten
Man muss sich ernsthaft fragen, ob ein Verleger heute auch in vergleichbarer Lage in ein meckerndes Lachen ausbrechen würde. Man muss das vielmehr ernsthaft bezweifeln. Denn die Abhängigkeit der Printmedien ist nicht nur grösser geworden, sondern die Printmedien sind offenbar bereit, von den hehren Prinzipien des Journalismus gewaltige Abstriche zu machen, nur um den Anzeigenkunden zu Diensten zu sein. Das kann nicht gutgehen.
In mehreren Artikeln haben wir uns bereits mit dem Niedergang des Journalismus in den Printmedien beschäftigt.

– Weniger Journalisten pro Printmedium die Stück für Stück zu Contentmanagern werden

– Investigativer Journalismus die Ausnahme, zu zeitaufwändig und zu kostspielig

– Schliessung von Auslandsbüros und Rückgriff auf Nachrichtenagenturen und das Internet

– Vermeidung der Verprellung von Anzeigenkunden durch Artikelabschwächung oder Fallenlassen von Artikeln, die Anzeigenkunden missfallen könnten.

Der letzte Hit: Sonderwerbeformen
Zu dieser langen Liste des Abschieds vom Qualitätsjournalismus kommt jetzt ein weiterer Kniefall vor den Anzeigenkunden hinzu: Sonderwerbeformen, Anzeigen, die wie journalistische Artikel aufgemacht sind.

In einem Artikel hat sich nunmehr auch die „ZEIT“ des Themas angenommen,“Nichts ist unmöglich“, ZEIT 24 vom 4. Juni , S.27 von Goetz Hamann und Anna Marohn.

SPIEGEL, ZEIT, FOCUS und andere Printmedien druckten Anzeigen, die journalistischen Artikeln zum Verwechseln ähnlich und nicht sofort klar als Anzeigen zu erkennen waren bzw. fügten „Dossiers“ bei, die erst auf den dritten Blick als Anzeigen zu identifizieren waren
Ganz abgesehen von den Artikeln, die Objektivität im Hinblick auf Anzeigenkunden vermissen lassen.

Anzeigen und Märchen

Anzeigen in den Medien lenken die Aufmerksamkeit auf ein Produkt, die dazu gelieferte Information wird von den Lesern in der Regel als das angesehen, was sie ist: Marktschreierei ohne substantiellen Informationswert, eben eine Produktpromotion.

Dem soll jetzt Abhilfe geschaffen werden, durch Anzeigen, die wie Artikel aussehen, aber keine sind. Scheinbare Objektivität durch Täuschung.

Offenbar reichte es den inserierenden Firmen nicht mehr, bloss in bunten Farmen präsent zu sein, die Sauce der Scheinobjektivität musste noch darüber gegossen werden. Offenbar sehen viele Medien darin den einzigen Ausweg, Anzeigenkunden, die reihenweise in das Internet abwandern, bei der Stange zu halten.

Der Niedergang des Qualitätsjournalismus und der Niedergang der Printmedien wird dadurch nicht aufgehalten, sondern vielmehr beschleunigt.

Printmedien verkommen tendenziell zu Anzeigenblättern.

Dass selbst Medien wie SPIEGEL und ZEIT sich nicht scheuen, zu „Sonderwerbeformen“ zu greifen, ist ein Skandal.

Untergang des Qualitätsjournalismus? – oder: Josef Joffe und seine Albträume
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Der Fall Susanne Klatten-eine Nachlese

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Untergang des Qualitätsjournalismus? – oder: Josef Joffe und seine Albträume

Dr. Alexander von Paleske – Der ZEIT- Mitherausgeber Josef Joffe leidet offenbar an Schlafstörungen. Schuld sind die Albträume die ihn quälen, die Albträume vom Untergang der Tageszeitungen und mit ihnen der angebliche Untergang des Qualitätsjournalismus (ZEIT 18 vom 23.4.2009 Seite 12).

Es ist nicht das erste Mal, dass Josef Joffe uns über diese, seine Albträume, berichtet. Der Aufhänger ist diesmal die New York Times (NYT), das Flaggschiff des Qualitätsjournalismus in den USA, die in Schwierigkeiten steckt.

Zum Teil sind die Probleme bei der NYT hausgemacht, wie der Kauf der Herald Tribune, zum Teil aber sind sie strukturell bedingt, also Probleme, welche allen Printmedien gegenwärtig zu schaffen machen, darüber hatten wir mehrfach berichtet.

Joffes Ausweg: „ Den Netznomaden“, wie er die Internetsurfer nennt, „muss irgendwie Geld abgenommen werden“. In der gleichen Ausgabe der ZEIT auf Seite 1 schreibt Susanne Gaschke wieder einmal über die Internet Piraterie und sieht den professionellen Journalismus durch den „Jedermann-Journalismus“ wie sie den Bürgerjournalismus abfällig nennt, bedroht.

Die Zukunft einer Illusion?
Den Gegegenpol zu diesem Gejammere vertritt Clay Shirky in seinem Essay „Newspapers and thinking the unthinkable“
Sein Credo ist „Wir brauchen Journalismus“ – und meint damit guten Journalismus – „nicht Zeitungen“. Den Zeitungen und ihren Verlegern wirft er illusionäre Träume vor, eine Revolution sei im Gange, und das Alte gehe zugrunde, bevor etwas Neues enstanden sei.

Wer hat recht?
Tasache ist, dass es richtig unabhängigen Journalismus, also wirklichen Qualitätsjournalismus, der Rücksicht auf nichts anderes als die Wahrheit nimmt, nur in der Minderzahl gibt. Tendenz: weiter fallend.

Die Masse der Journalisten sitzt eingepfercht zwichen ihrem Ethos einerseits und den Vorgaben der Herausgeber andererseits. Qualvoller Journalismus, nicht Qualitätsjournalismus ist das, was sich dann abspielt. Noch dazu schlechter und schlechter bezahlt.

Zu den Vorgaben der Veleger und deren Chefredakteuren gehört: Bringt, was die Auflage hochtreibt, und das ist oftmals mehr Sensation als Qualität und achtet darauf, dass uns die Werbekunden nicht weglaufen. Ausserdem folgt der politischen Linie des Blattes (Meinungsjournalismus). Besonders schlimme Beispiele hierfür sind Rupert Murdoch mit seinen Apparatschicks und seinerzeit Axel Springer, auch wenn Joffe uns zu suggerieren versucht, Murdochs Wall Street Journal recherchiere tiefer und sei besser redigiert.

Unabhängigen Qualitätsjournalismus hat es bei Murdoch noch nie gegeben und wird es wohl – nach den bisher gemachten Erfahrungen – auch in derZukunft nicht geben. Dieser Murdoch-Journalismus verdient es nicht, aufrechterhalten zu werden.

Druckerpresse unter Druck
Es besteht kein Zweifel, dass die Printmedien unter Druck stehen, wir haben uns mehrfach damit beschäftigt, die Tagespresse mehr als die Wochenpresse die –vorerst – jedenfalls weitgehend verschont ist . Aber sind die Tageszeitungen denn wirklich eine absolute Notwendigkeit, anders: Kann es guten Journalismus nur mit den Printmedien geben?

Die Printmedien waren seinerzeit eine Notwendigkeit, weil anders der Transport der Ware Nachricht gar nicht möglich war. Das änderte sich erst teilweise mit der Einführung von Rundfunk und Fernsehen, weil nun andere Transportmedien der Nachricht neben die Printmedien traten.

Aber die Printmedien hatten, bevor das Internet auf den Plan trat, wie auch Fernsehen und Radio exklusiven Zugang zu den Nachrichtenagenturen wie DPA, UPI, AP, AFP, XINHUA, TASS etc.
Wer also Zugang zu ausführlicheren Informationen haben wollte, war auf die Printmedien absolut angewiesen.

Damit ist es nun vorbei
Bei den Printmedien ist die gedruckte Ausgabe der Transporteur. Die Nachricht bzw. Info ist die eigentliche Ware, das wird leider zu oft vergessen und stattdessen das Printmedium mit der Ware gleichgesetzt.

Die Nachricht und selbst die gut recherchierte Reportage kosten nur einen Bruchteil dessen, was die die Printmedien letztlich verschlingen. Angefangen mit der Baumfällerei, Herstellung des Papiers, dem Druck und schliesslich noch dem Transport der Printmedien zum Kiosk oder Endverbraucher.

Es kann aber doch nicht angehen, dass mit der Verpackung das Geld verdient wird, nicht aber mit der Ware. Das hat noch nie auf Dauer funktioniert in der Massengesellschaft. Das ändert sich sofort, wenn es billigere und einfachere vor allem aber auch schnellere Verpackungs-und Transportmöglichkeiten gibt.
Die hat nun das Internet geschaffen.

Also, statt der von Joffe zitierten Kutschen nun die Automobile.
Umgekehrt konnte sich der Bürger nur über Leserbriefe – oder am Hyde Park Corner – Gehör, sehr begrenztes Gehör, verschaffen.

Auch das ist vorbei
Der Hyde Park Corner ist ins Internet gewandert. Jeder kann sich Gehör verschaffen. Mit Relevantem und mit Blödsinn. Das Internet hat die Kosten der Veröffentlichung ins Bodenlose fallen lassen.

Nun haben fast alle Zeitungen mittlerweile ebenfalls den Gang ins Internet angetreten, kostenfrei für den Besucher,weil sich nur bei Kostenfreiheit anständige Besucherzahlen herstellen lassen.
Die Hoffnung: Eines Tages auch dort – durch Werbung – Geld zu verdienen.

Ausserdem kann man Artikel, die es nicht schafften, in die Printausgabe „gehoben“ zu werden – und in Spitzenmedien wie z.B. dem Spiegel landeten viele, selbst gute Artikel im Papierkorb – on-line abladen. Weniger Frustration für den oder die RedakteurIn, da wenigstens eine begrenzte Oeffentlichkeit den Artikel lesen wird.

Die Hoffnung auf grossartige Werbeeinnahmen ist eine Täuschung. Mit dem drastischen Fall der Kosten für die Herstellung fallen ebenfalls auch die Einnahmen durch die Werbung ins Bodenlose. Nur durch exzessive Massen an Besuchern (siehe Google) lässt sich im Internet richtig Geld verdienen. Nicht aber durch die an Zahlen vergleichbar bescheidenen Besucher von On-Line Präsentationen der Printmedien.

Auch die zweite Hoffnung, dass sich nämlich über den Online-Auftritt die Besucher animieren lassen, nun auch die jeweiligen Printmedien zu kaufen, ist eine grobe Täuschung. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Viele ehemals regelmässige Käufer von Printmedien surfen stattdessen – kostenfrei und schneller. Und sie lesen auch nur das, was sie interessiert.

Im Internet gibt es keine Treue, genausowenig wie es die im Fernsehen gibt. Surfing Internet ist angesagt. Und wo ein interessanter Kiosk steht, wird angehalten, heute hier und morgen da.

Wie wird es weitergehen?
Nach dem Absturz wird es sicherlich eine Neuorientierung geben.
Es wird drastisch weniger Printmedien geben, aber es wird sie wohl weiter geben. Aber nur dann kann mit ihnen Geld verdient werden, wenn sie über die tägliche Nachricht hinaus spannende Reportagen und gute Essays bringen, die sich nicht im Internet finden. Bei den reinen Nachrichten wird das Internet nicht zu schlagen sein, – abgesehen von den exklusiven Lokalnachrichten – . Zeitungen, die bloss noch aus Contentmanagern bestehen, denen dürfte alsbald die Stunde schlagen.

Josef Joffe mag träumen vom „Geld den Nomaden abnehmen“. Bis auf weiteres kann davon keine Rede sein. Und er muss selbst aufpassen. Der Abzug von kostenträchtigen stationären Korrespondenten, wie beispielsweise Bartholomäus Grill aus Südafrika und der Ersatz durch preiswertere sogenannte „Brennpunktreporter“, die von Brennpunkt zu Brennpunkt tingeln, könnte sein Blatt DIE ZEIT auf die Dauer erheblich unattraktiver machen.

Josef Joffe und das Gespenst des drohenden Todes der Tageszeitungen
Rettet Rupert Murdoch den guten Journalismus?
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
Alles frei?– oder: Der Streit um das Urheberrecht und seine Vergütung
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Alles frei?– oder: Der Streit um das Urheberrecht und seine Vergütung

Dr. Alexander von Paleske – Zur Zeit überschlagen sich die Publikationen über die „Enteignung“ des geistigen Eigentums durch das Internet .

Susanne Gaschke „Auf dem Rücken des Autors“ ZEIT 15/2009

Christoph Droesser „Das Denken ist frei“ ZEIT 16/2009

Marek Lieberberg – „Das wollt ihr nicht wirklich “ Südeutsche Zeitung 30.3.2009

Jan Free – Ein Bibliothekar namens Google ZEIT- Online 26.2.2009

Was steckt dahinter?
Google will jedes einmal auf der Erde erschienene Buch einscannen und damit der Welt zugänglich machen etwa 7 Millionen sind das. Kostenfrei versteht sich.“Moon shot“ heisst das Projekt.

Das klingt wie ein Meilenstein, wie damals die Landung auf dem Mond im Jahre 1969. Globale Demokratisierung des Wissenszugangs ist es allemal, weil nun von jeder Ecke des Planeten – Internetzugang vorausgesetzt – auf jedes Buch zugegriffen werden kann. Google wird zur Megabibliothek.
Allerdings ignorierte Google offenbar die Urheberrechte. Wie sehen die Interessen aus? Welche sind schützenswert?

Zuerst Google
Google ist kein barmherziger Samariterverein sondern eine auf Profit ausgerichtete Aktiengesellschaft, der es darum geht, noch mehr Besucher auf seine Seiten zu locken und immer wieder zu locken und dabei über die dort angebotene Werbung Geld zu verdienen.

Das Mittel ist die Information, die über Google erhältlich ist, und wie bei jedem Rohstoff, der in den Produktionsprozess eingeht, möchte der Unternehmer ihn so billig wie möglich bekommen, am besten kostenlos.

Je mehr Information, umso mehr Besucher, umso mehr Werbung, umso mehr für die pro Besucher bezahlte Werbung, so ist die sehr erfolgreiche Formel des Google Einkommens.
Und da geistige Ware, einmal publiziert, in jeder halbwegs anständigen Universitätsbibliothek oder in Deutschland in der Deutschen Bibliothek praktisch kostenfrei erhältlich ist, ist es hier allemal einfacher als bei der Herstellung von nichtgeistigen Produkten, deren Rohstoffe nicht nur bezahlt, sondern auch noch zu der Fabrik transportiert und als fertige Ware wieder ausgeliefert werden müssen.

Nun die Produzenten geistiger Ware
Allerdings treffen mit der Veröffentlichung auf Google gegensätzliche Interessen aufeinander, nämlich der Schutz des geistigen Eigentums durch das Urheberrrecht, in gewisser Weise dem des Patentrechts bei techischen Erfindungen vergleichbar , mit den Interessen von Google. Bei den Urhebern gibt es allerdings auch wieder unterschiedliche Interessen.

Da sind zum einen diejenigen, welche eine breitestmögliche Verbreitung ihres geistigen Eigentums anstreben, mit oder gegen Entgelt, das spielt bei ihnen keine Rolle. Zu dieser Gruppe gehören Wissenschaftler mit ihren (nichttechnischen) Publikationen.

Wissenschaftler sind im Regelfall angestellt in Universitäten oder Forschungslaboratorien. Ihr akademisches Weiterkommen hängt von der Zahl der Publikationen ab: „Publish or Perish“, und zwar in Top- Journals. Im Medizinbereich z.B. der LANCET, das New England Journal of Medicine etc..

Nur eine lange Publikationsliste schafft die Vorraussetzungen für den Karrierefortschritt. Sie liefern ihre wissenschaftlichen Ergebnisse zur Publikation in der Regel kostenlos an die Publikationsorgane ab, die „Bezahlung“ bzw. der „Gewinn“ besteht in der Veröffentlichung .

Journals wie der LANCET akzeptieren weniger als 10% der eingereichten Originalarbeiten zur Veröffentlichung nachdem sie einen rigorosen Prozess , das sogenannte „Peer Review“, also die Beurteilung durch andere Wissenschaftler durchlaufen haben. Entsprechend hoch angesehen sind dann die Veröffentlichungen in diesen Top- Journals.

Die Verlage, die diese Journals herausgeben, vedienen umgekehrt sehr ordentlich daran. Sie haben kein Interesse, dass Google diese in Journals veröffentlichten Arbeiten kostenlos publiziert. Z. B. Elsevier, der Verlag, in dem auch der LANCET erscheint, machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6 Milliarden Euro.

Hier decken sich also nicht notwendigerweise Verlagsinteressen mit Autoreninteressen (siehe hierzu auch „Open Access„)

Leben vom Publizieren
Die zweite Gruppe von Produzenten geistiger Ware , und dies ist die weitaus grösste Gruppe, lebt ganz oder teilweise von den Einkünften aus dem Verkauf der Publikationen. Hierher gehören Journalisten, Künstler,und Buchautoren. Die wollen ihre Publikation als Bücher oder in Zeitungen/Zeitschriften bzw. als CD’s verkauft sehen. Denn anders als die Wissenschaftler, haben sie in der Regel keine feste Anstellung. Die Einkünfte dieser Gruppe würden wegfallen, jedenfalls dann, wenn die Medien wie Bücher und CD’s noch im Handel sind, aber bei Google bereits kostenlos heruntergeladen werden können. Hier decken sich also Autoreninteressen und Verlagsinteressen.

Bis zum Aufkommen des Internets gab es diese Probleme im Buchsektor nicht, von den Raubkopien in der Hochzeit der 68er Studentenbewegung einmal abgesehen, die jedoch niemals eine echte Gefährdung des Urheberrechts darstellte. Allerdings gab es weltweit bereits einen Markt an Raubkopien von Musik-CD’s und Filmen.

Google und der Fortschritt
Google kann mit seinem Vorgehen auf der Welle des Fortschritts reiten. Wer die Veröffentlichung bei Google nicht will und sich dabei auf das Urheberrecht beruft, der muss sich oftmals dem Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit aussetzen.
Dabei ist Google offensichtlich nach dem Prinzip vorgegangen „Es ist alles erlaubt, es sei denn, jemand wehrt sich“

Nur hat dies mit Fortschrittsfeindlichkeit so viel zu tun wie die Hamburger Hochbahn mit dem Urheberrecht. Vielmehr geht es für Google um den kostenlosen Zugriff oder billigstmöglichen Zugriff.

Jede Ware hat ihren Preis, das ist das Prinzip, das Google bei den Büchern aus den Angeln hob, indem es ganze Bibliotheken einscannte. Ein Gerichtsverfahren in den USA war die Folge, das mit einem Vergleich endete, der aber noch von einem Gericht abgesegnet werden muss. Google muss nun zahlen, etwas, was bei Patenten eine Selbstverständlichkeit ist.

Dabei sind die Konsequenzen der Kostenfreiheit klar: Wenn mit einer Publikation kein Geld verdient werden kann, wird sie auch nicht publiziert, jedenfalls dann nicht, wenn der/die AutorIn von diesen Einkünften abhängig ist.

Internet – Schöne Welt der Kostenfreiheit
Nun hat das Internet eine Kultur der Kostenfreiheit geschaffen.
Natürlich, Wikipedia ist kostenlos, weil die Wikipediagemeinde kostenlos arbeitet, aber nur, weil Wikipedia selbst nichts verdient sondern von Spenden lebt, eine Art globaler gemeinnütziger Verein.

Wenn Wikipedia eine Aktiengesellschaft a la Google wäre, dann würden wohl nur wenige ihr Wissen beisteuern. Das bisherige Scheitern von Google- Knol belegt dies nur allzu deutlich.
Insofern ist Wikipedia als Wohltätigkeitsverein kaum mit der Google AG vergleichbar.

Blogger und andere
Auch die Blogger, Bürgerjournalisten und solche, die sich dafür halten sind Freizeitveröffentlicher. Es geht diesem Personenkreis oftmals um die Ehre durch Bekanntwerden. Sie gehören mehr in die Gruppe der (allerdings meist eigennützigen) „Wohltätigkeitsvereine“. Sie können von den Blogs nicht leben, sehen diese entweder als Durchgangsstadium zur vollen Journalistentätigkeit, als Praktikantenjahre oder als Ueberbrückungsjahre an, um auf sich aufmerksam zu machen, als pure Freizeitbeschäftigung, oder um das Herstellen von Gegenöffentlichkeit, wie bespielsweise Indymedia, Counterpunch und andere.

Exkurs: Zeitungen im Internet
Zeitungen sind mittlerweile ebenfalls ganz oder teilweise im Internet kostenfrei zu lesen. Die damit verbundenen Erwartungen auf Einkommen durch Werbung haben sich aber bisher nicht erfüllt und werden sich wohl auch nicht erfüllen. Dass die Printausgaben durch den Internetauftritt letztlich ihre Printauflage steigern, wie die Zeitungsverlage erhoffen muss man ernsthaft bezweifeln.

Das Internet führt aber dazu, dass ein Teil der die Printmedien an Attraktivität verlieren. In den USA hat das Zeitungssterben begonnen. Print- Ausgaben von Seattle Post Intelligencer, Denver Chronicle und Bostoner Christian Science Monitor eingestellt, Los Angeles Times gefährdet, und räumt die ganze Seite 1 für Anzeigenwerbung. New York Times finanziell in der Bredouille und zum Verkauf des Verlagsgebäudes gezwungen. Wir haben uns bereits mehrfach damit beschäftigt.

Viele Printmedien versuchen durch Einschränkung des Journalistenstabes und Rückgriff auf im Internet erhältliche Informationen statt eigener Recherche einfach so weiterzuwursteln wie bisher.

Wie sollte also der Konflikt gelöst werden?
Die Antwort liegt darin, dass , wie bereits ausgeführt, auch für Google jede Ware ihren Preis haben muss, der auszuhandeln ist. Allerdings würden selbst mittlere Verlage kaum die Prozesskosten gegen Google tragen können. Hier sind Regierungen gefragt, das Urheberrecht auch international durchzusetzen, wie es bereits bei Patenten selbstverständlich ist.
So hat Marek Lieberberg recht, wenn er klare rechtliche Regelungen und deren Durchsetzung einfordert, die in eine faire Bezahlung einmünden, auch wenn sein Artikel in seinem groben Zuschnitt mehr einer Polemik gleichkommt.

Wird Wikipedia weggegoogelt?
Josef Joffe und das Gespenst des drohenden Todes der Tageszeitungen
Rettet Rupert Murdoch den guten Journalismus?
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
Ein Bankenskandal, die Presse und Wikipedia
linkErlebnisse im Wikipedialand – ein persönlicher Erfahrungsbericht

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Regensburg-digital.de wusste sich gegen Rüstungsindustrie zu wehren

Stefan Aigner – Ein Vergleich. Das ist das Ergebnis in der Auseinandersetzung Diehl ./. Stefan Aigner am 2. März 2009 vor dem Landgericht München I. Unsere Redaktion hat die vom Landgericht erlassene einstweilige Verfügung zugunsten von Diehl akzeptiert, um die wirtschaftliche Existenz von regensburg-digital.de nicht zu gefährden. Diehl hat daraufhin die Klage zurückgenommen.


„Es nicht, ein kleines lokales Online-Magazin mit Drohgebärden einzuschüchtern.“

Ein Grund zum Jammern? Nein! Den Verlauf des Verfahrens wollen wir nicht kommentieren (Wir verweisen auf den Pressespiegel unter www.waffen-diehler.de). Den Ausgang werten Stefan Aigner und Rechtsanwältin Dr. Britta Schön – wenn auch mit einem weinenden Auge – als Erfolg für eine engagierte und wehrhafte Zivilgesellschaft.

Diehl dürfte klar geworden sein: Um die erwünschten euphemistischen Bezeichnungen für seine „Mordwerkzeuge“ (taz) zur allgemeingültigen Regelung zu erheben und die Sprache von geschäfts- und imageschädigenden Begriffen zu säubern, reicht es nicht, ein kleines lokales Online-Magazin mit Drohgebärden einzuschüchtern. Dafür müsste der Rüstungskonzern dem Grundrecht auf Meinungs- und Pressefreiheit den totalen Krieg zu erklären.

Für sehr fundiert und der öffentlichen Meinungsbildung mehr als angemessen halten wir den Artikel von Andreas Zumach in der taz vom 02. März. Ob die ebenfalls von der taz gewählte Bezeichnung „Mordwerkzeug“ als Meinungsäußerung oder Tatsachenbehauptung zu werten ist, überlassen wir den Durchschnittslesern.

NGOs wie Handicap International oder das Bündnis Landmine.de, die sich seit Jahrzehnten für die Opfer jener Produkte engagieren, werden diesen Kampf auch weiterhin ohne sprachliche Einschränkungen führen. Ebenso Munitionsexperten, die sich nicht der Definitionshoheit von Diehl unterwerfen. Sie haben sich, ebenso wie engagierte Journalistinnen und Journalisten, Blogger und Menschen jeden Alters vor und hinter uns gestellt. Mit diesem Bewusstsein haben wir das Verfahren bestritten und konnten einen Vergleich akzeptieren, der für uns persönlich einen Maulkorb bedeuten mag, uns unsere Meinung aber nicht nehmen kann.

Das Thema einer engen Verquickung zwischen Bundesregierung und Waffenindustrie, die humanitäre Interessen den wirtschaftlichen unterordnen, erreicht zunehmend den Durchschnittsleser. Dazu haben wir einen Beitrag geleistet. Was will Journalismus mehr? Es bleibt abzuwarten, ob Diehl weitere Medien, NGOs und Experten verklagt. Wir alle werden uns zu wehren wissen.

Stefan Aigner ist Herausgeber von www.regensburg-digital.de

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Wie linke Medien aus der Krise Kapital schlagen – oder auch nicht.

Felix Werdermann – Alternativen sind gefragt, gerade in Krisenzeiten. Eigentlich – so müsste man meinen – ein Glücksfall für linke Medien. Denn wenn jemand Alternativen präsentieren kann, dann sind sie es. Trotzdem profitieren sie nicht von der Krise.

Täglich kommen neue Meldungen über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Täglich verschärft sich die Situation. Und täglich steigt das Bedürfnis, die Krise zu verstehen und Alternativen zu kennen. Dennoch schaffen es die linken Medien nicht, aus der Krise Kapital zu schlagen. Die Auflagenzahlen stagnieren. Zumindest in dem Punkt sind sich die Diskutanten einig. Sie müssen es wissen, denn auf dem Podium sitzen die Ex- und Chefredakteure der linken Zeitungen in Deutschland: taz, Neues Deutschland, Frankfurter Rundschau und Freitag.


Die Linke Medienakademie lädt zur Diskussion

Eingeladen hatten die Linke Medienakademie und die Genossenschaft der Tageszeitung taz. Das taz-Café unter den Redaktionsräumen der taz ist gut gefüllt, alle Stühle sind besetzt; einige Menschen stehen am Tresen, an dem mittags die taz-Redakteurinnen und –Redakteure ihr Mittagessen bestellen. Im Publikum sind hauptsächlich Journalistinnen und Journalisten – Leute, die tagtäglich mit linken Medien zu tun haben oder den Anspruch haben, linken Journalismus zu machen.

„Wir haben es immer schon gewusst und gesagt“
Am Donnerstagabend geht es um die Krise. Betroffen sind vor allem die Medien, die sich größtenteils aus Anzeigen finanzieren. Bei linken Medien ist das anders. Aber auch wenn sie nicht so sehr unter der Krise leiden, profitieren sie auch nicht von ihr. Warum, das weiß auf dem Podium niemand so recht. Bascha Mika, langjährige Chefredakteurin der taz, wagt einen Erklärungsversuch: „Man kommt schnell rechthaberisch daher“, sagt sie. Man müsse sich „sofort vom Standpunkt befreien: Wir haben es immer schon gewusst und gesagt“. Dabei treffe dies manchmal durchaus zu – beispielsweise beim Klimawandel. Heute könne die taz „mit Fug und Recht“ behaupten: „Leute ihr habt was begriffen, was wir seit 29 Jahren erzählt haben“ – so lange gibt es die taz.

Und seit Anfang an macht die taz Erfahrung mit der Finanzkrise – allerdings im eigenen Hause: Ständig startet die taz neue Werbekampagnen, die Lesenden werden um Spenden gebeten – und immer heißt es, die taz stehe kurz vor dem Ende. Heute wirbt sie selbst damit: „Wenn jemand fundiert über Finanzkrisen berichten kann, dann ja wohl wir“.

Verbreitung und Ansehen steigt
Neue Leserinnen und Leser hat die taz aber durch die Finanzkrise nicht gewonnen. Profitiert haben könnte sie dennoch – sagt zumindest Wolfgang Storz, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau (FR). Es sei ein „Fehler, wenn wir Erfolg an der Auflage messen“, sagt er. Rein wirtschaftlich definierten Erfolg – den „kann man sich abschminken“. Dafür könnten Texte aus linken Medien stark verbreitet werden und viel bewirken. Dadurch steige auch das Ansehen der Autorin oder des Autors.

Jürgen Reents, Chefredakteur beim Neuen Deutschland (ND), hält dagegen: Die Auflage müsse ein Gradmesser für den Erfolg der Zeitungen sein. Ohne Geld stelle sich die „Frage, ob Qualitäts-Journalismus möglich ist“. Doch Geld ist nicht alles: Das ND bezeichnet sich schließlich als sozialistische Tageszeitung. „Wir betreiben meinungsorientierten Journalismus“, sagt Reents. Dabei bemühe sich das ND stets um den „Blick von unten“ und um das Aufzeigen von „Alternativen zum Kapitalismus“.

Eigentlich müsste das ND ist in Krisenzeiten eine gefragte Zeitung sein. Doch die Auflage geht seit Jahren zurück – viele Menschen lesen das ehemalige Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) schon seit vielen Jahren, neue junge Leserinnen und Leser lassen sich kaum finden. Dabei sei das ND heute keinesfalls so staatstreu wie in DDR-Zeiten, beteuert Reents. „Heute ist die Zeitung oppositionell.“

„Die Zeitungen gehören in die Mitte“
Die taz hingegen hat sich in die andere Richtung entwickelt: „Alle Zeitungen sind ein Stück weit in die Mitte gerückt“, sagt Chefredakteurin Bascha Mika. „Da gehören sie auch hin, denn dort werden die Themen diskutiert.“ Storz, ehemaliger Chefredakteur der FR, sieht das kritischer: „Natürlich sollten linke Medien in die Mitte, dadurch dass sie eine Vier-Millionen-Auflage haben“ – aber die inhaltliche Ausrichtung dürfe dafür nicht geopfert werden.

Aber für Storz zählen nicht nur Perspektive und Themengewichtung. „Ein linkes Medium muss verständlich sein. Das kling banal, aber ich als Leser verstehe vieles nicht.“ Außerdem sollten linke Medien möglichst konkret berichten, zum Beispiel ob die Regierung ihr Anti-Krisen-Programm bei der Deutschen Bank abschreibt. „Ich will wissen, was ist.“ Die Analyse sei die Hauptaufgabe linker Medien.

Antworten auf die Wirtschaftskrise sollen sie aber nicht liefern, „das ist Aufgabe von Parteien und der Zivilgesellschaft“. Sofort meldet Philip Grassmann „fundamentalen Dissens“ an: Die Medien hätten ebenfalls die Aufgabe, Antworten zu geben, sagt der neue Chefredakteur der Wochenzeitung Freitag. „Man unterschätzt das Bedürfnis an Orientierung.“ Informationen alleine reichten nicht, linke Medien müssten auch sagen, was sie bedeuten.

Bei der Finanzkrise herrscht Ratlosigkeit
Bei der Finanzkrise scheint sich das allerdings schwierig zu gestalten. Hier herrscht auch in den linken Medien meist Ratlosigkeit. taz-Chefin Bascha Mika sagt: „Eines der Hauptprobleme der Linken ist, dass sie zu oft glaubt, sie habe Antworten.“ Tatsächlich habe der Neoliberalismus „verbrannte Erde hinterlassen“: Linke Konzepte seien nicht weiterentwickelt worden. Jetzt müsse man das „Brachland neu bestellen“.

Aber wie? Jürgen Reents vom ND schlägt vor, Ressourcen zusammenzulegen. Für Fusionen seien die Zeitungen zwar zu verschieden, aber man könne darüber nachdenken, eine gemeinsame Online-Plattform einzurichten. Das sei ein „Vorschlag, den wir in allen Zeitungen diskutieren sollten.“

Mögliche Kooperationen
Vielleicht hilft ja auch zunächst ein Austausch untereinander über mögliche Kooperationen. Bei den kleinen linken Zeitungsprojekten gibt es dafür die Linke Medienakademie. Dort können sich Macherinnen und Macher linker Medien kennen lernen, sich austauschen und voneinander lernen. Bei den großen Zeitungen müsste das doch auch möglich sein.

sendenFelix Werdermann, geboren 1988, lebt in Berlin und studiert dort Politikwissenschaft und Mathematik. Er ist in unterschiedlichen politischen Zusammenhängen aktiv und schreibt für verschiedene Zeitungen, u.a. für die Jugendzeitung „utopia„.

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Colin Freeman free!

BOSASSO, Somalia, Jan 4 (Reuters) – Somali kidnappers have freed two journalists, Briton Colin Freeman and Spanish photographer Jose Cendon, a government official said on Sunday.

„The two European journalists were freed and they are now in a hotel in Bosasso, Puntland,“ said Muse Gelle Yusuf, a regional governor of Bari in the semi-autonomous northern Puntland area.

Whiskey Tango Foxtrot: Telegraph Coddles Meo, Maintains Radio Silence on Freeman

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Rettet Rupert Murdoch den guten Journalismus?

Dr. Alexander von Paleske —-29.12. 2008 — Der Medienunternehmer Rupert Murdoch beschäftigt zur Zeit die Medien in Deutschland.

Der Grund: Murdochs erneuter Anlauf Deutschland zum Bezahlfernsehland zu machen, über den Sender Premiere, der offenbar vor dem Absturz stand.

Dies interessiert uns allerdings weniger, vielmehr richtet sich unser Augenmerk auf die Zukunft des Journalismus. Genauer gesagt: Auf dem unabhängigen Qualitätsjournalismus. Denn in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 11.12.2008 wird von dem drohenden Untergang der Tageszeitungen in den USA berichtet.

Der Artikel stammt von der Journalistin Eva C. Schweitzer. Titel : „Schreiben das sich lohnt“.

Bereits in zwei vorangegangenen Artikeln haben wir die Herangehensweise dieser Wochenzeitung an das Problem kritisiert.

Nachdem im jüngsten Artikel der Autorin Schweitzer zunächst dargestellt wird, welchen Auflagenrückgang die Tageszeitungen in den USA im letzten Jahr zu verzeichnen hatten – nämlich 4,6 Prozent – wird berichtet, wie auch die renommiertesten Tageszeitungen in den USA, wie etwa die WASHINGTON POST, CHICAGO TRIBUNE und die LOS ANGELES TIMES in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Und sie werden nun noch einmal durch den rezessionsbedingten Rückgang im Anzeigengeschäft verschärft werden.

Die Reichen als Retter?
Doch es besteht Hoffnung. Jedenfalls nach Auffassung der ZEIT: Die Reichen könnten sich als Wohltäter eine Zeitung leisten.

Auf Deutschland übertragen würde das dann wohl heißen: Frau Klatten, tun Sie Gutes. Kaufen Sie eine Tageszeitung, die ihnen zwar nur Verluste aber auf der anderen Seite viel Prestige einbringt.
Verständlich, dass eine solche Tageszeitung nichts über die dunklen Seiten der Quandts wie die AFA und das KZ Stoecken berichten würde und natürlich auch nichts Negatives über BMW.

Als besonders lobenswertes Beispiel aus den USA wird Rupert Murdoch herausgehoben.
Murdoch? Der Mann, der bisher eher als Totengräber des unabhängigen Qualitätsjournalismus in Erscheinung trat. Hat sich hier jemand vom Saulus zum Paulus gewandelt? Im Artikel heißt es wörtlich:

„Zur Überraschung vieler Beobachter ist auch einer in den Kreis der Milliardäre, die viel Geld in guten Journalismus stecken, getreten, den dort niemand vermutet hätte: Rupert Murdoch. Der Medienunternehmer hatte das Wall Street Journal vor einem Jahr übernommen und seither sogar neue Journalisten eingestellt.“

Murdoch und der Qualitätsjournalismus
Im Film „Outfoxed„wird nur allzu deutlich dokumentiert, dass Murdoch mit unabhängigem Qualitätsjournalismus noch nie etwas am Hut hatte. Die Redakteure seiner Medien haben lediglich die Freiheit, die Linie umzusetzen, die er, seine „Apparatschicks“ und seine Chefredakteure vorgeben.

Murdochs Eingriffe in die Redaktion ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Verlegerleben, bis zum heutigen Tage. Das soll jetzt beim Wall Street Journal alles anders sein?

Das Wall Street Journal, 1882 von den Finanzreportern Charles Dow und Edward Jones gegründet, war im Jahre 1981 die größte Zeitung in den USA. Die Bancroft Familie, Besitzer des WSJ seit Jahrzehnten, mischten sich nicht in die Redaktion ein. Selbst dann nicht, als der Gewinn fiel und die Aktie abstürzte. Die Auflage lag schließlich bei 2,1 Millionen, nach USA TODAY immer noch die zweitgrößte Zeitung der USA.

Für 5,6 Milliarden Dollar – nahezu dem Doppelten des Marktpreises – kaufte Murdoch vor einem Jahr das Prestigeobjekt.

Die von der Familie Bancroft beim Verkauf verlangten und von Murdoch zugestandenen Sicherungen, zu denen unter anderem ein unabhängiger Redaktionsausschuss („Special Committee“) zählte und die journalistische Unabhängigkeit und Kontinuität erhalten sollten, wurden von Murdoch nach dem Kauf des WSJ bei der Bestellung eines neuen Chefredakteurs glatt übergangen.

Der bisherige Chefredakteur Marcus Brauchli wurde von Murdoch einfach herausgedrängt und durch Murdochs Spezi Robert Thomson ersetzt. Thomson hatte sich für Murdoch bereits bestens bewährt, als er die britische TIMES – einstmals durch Seriosität bekannt – durch Umwandlung in ein Boulevardblatt profitabel gemacht hatte.

Nun gibt Thomson die Linie vor, der sich die Redakteure unterzuordnen haben. Von wegen „Hochhalten des unabhängigen Qualitätsjournalismus“. Den hat es bei Murdoch weder zu seiner Zeit in Australien noch bei der TIMES, der NEW YORK POST, dem Massenbaltt SUN und schon gar nicht bei FOX gegeben.

Und so heißt es dann auch in einem Artikel der Schweizer Zeitung BILANZ vom 6. Juni 2008:

„Als Pakt mit dem Teufel sahen viele (Redakteure) Murdochs Einstieg. Sie können ihren Job behalten, aber sie mögen ihn nicht mehr wie zuvor.“

Murdoch bläst zum Angriff
Murdoch greift mit der Änderung des Blattes, das jetzt über mehr Nachrichten, Sport und eine wöchentliche Magazinausgabe vefügt, auch die ehrwürdige NEW YORK TIMES an. Dies hat zumindest der neue Chefredakteur Thomson schon durchblicken lassen:.

„Die NEW YORK TIMES wird nicht mehr der Standard des amerikanischen Journalismus sein“,

sagte Thomson an seinem ersten Arbeitstag. Jene liberale Zeitung, die immer wieder aufdeckte, wie Murdoch insbesondere mit seinem News-Channel „Fox News“ übelste Meinungsmanipulation betrieb. Die NYT soll offenbar sturmreif geschossen werden.

Murdoch kann, im Gegensatz zur NYT, dank seines immensen Reichtums mit dem WSJ durchaus auch eine längere Durststrecke ohne Gewinne problemlos überbrücken.

Und während das WALL STREET JOURNAL nach der Neuausrichtung der Auflage leicht zulegte, verlor die NEW YORK TIMES mehr als 3,8 Prozent an Auflage. An Wochenenden liegt der Verlust sogar bei fast 10 Prozent.

All das verschweigt der ZEIT– Artikel. Kein Ruhmesblatt also. Denn einen solchen, oberflächlichen Journalismus, der jegliche Tiefe meidet, den finden wir inzwischen allzuoft in den Tageszeitungen. Er sollte eigentlich bei der Wochenzeitung ZEIT nichts zu suchen haben. Eigentlich…!

E-Mail avpaleske@botsnet.bw

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Whiskey Tango Foxtrot: Telegraph Coddles Meo, Maintains Radio Silence on Freeman

Susane Katz Keating – Last week I posted an item regarding a kidnapped London Telegraph journalist, Colin Freeman, and Spanish photographer Jose Cendon. Almost as soon as I hit the „Publish“ button, an earnest Telegraph rep contacted me and insisted that my post would endanger the captive journos. Additionally, the rep said, my post would have a negative impact on hostage negotiations. The rep implored me to remove the post in order to help save the two men’s lives. I was skeptical, but could not justify placing the captives in further danger. I took down the post. Others took down their own posts and articles, and cancelled a Facebook support group.

I have spent much of the weekend researching and reviewing the situation in depth. I now conclude that the Telegraph most likely wants journalists and bloggers to remain quiet about Freeman / Cendon so as to avoid bad publicity. But publicity will not further endanger them, and could in fact help them.

I will have more to say on this in the next few days. Meanwhile, the deleted post is as follows.

How far should Big Media go when one of its foot soldiers – a reporter – gets into trouble while working on assignment? We recently learned that in Britain, for example, one particular B.M. outfit will go all the way to NATO in an effort to protect one of its own. Yes, I am talking about the London Telegraphand L’Affaire Meo. In that instance, the Telegraph inexplicably pretended ignorance of the U.S. Constitution and asked NATO to muzzle an angry Pitchfork Brigade of American milbloggers. It was a misguided effort from the newspaper, but squarely within the context of blind loyalty, savage protectionism, etcetera.

All the more puzzling, then, that the Telegraph has remained oddly in the shadows about kidnapped Telegraph reporter Colin Freeman.

You haven’t heard the story? Join the club. I only learned about Freeman when another journalist invited me to join a Facebook support group to help spread the word: Colin Freeman and photographer Jose Cendon were kidnapped in Somalia last month while on assignment to cover the hijacking of a Yemeni cargo ship in the Gulf of Aden.

Freeman reported the hijacking story that was picked up November 25 by the Irish broadcast station RTE. Soon afterwards, Freeman and Cendon were themselves taken captive.

British journalists have rallied in personal support of Freeman. The Facebook group, Free Colin Freeman, issued this note:

„Colin has been kidnapped in Somalia along with photo journalist, Jose Cendon. Like many before them, they are striving to tell the world of events happening in our global community.We all need people like Colin and Jose to tell us what is really happening in the world around us. Lets join together to offer support to their family and friends, and appeal to the captors to return them to freedom.“

Group members have posted poignant messages, including this heartbreaker from journalist Massoud Ansari:

„I’m totally devastated to learn that Colin has been kidnapped. In fact we were together in Islamabad and we had planned to go out for a dinner when he recieved a call from the office back in London and he was asked to go to Somalia to cover the story. In fact I just finished reading his book that he brought for me and was about to send him my thoughts when I found out about his kindnapping. I really hope and pray that Colin will be fine and will be with us soon.“

And yet. Where are the Telegraph headlines? The daily pleas for his release? The leaked appeals to NATO? I’m still looking. If anyone can tell me the Telegraph is actively working for Freeman’s release, I will gladly post the welcome news. Meanwhile, I cannot help but compare the situation to that of Nick Meo.

Whiskey Tango Foxtrot?

Susan Katz Weblog
Susan Katz Keating is an investigative journalist and blogger specializing in national security issues. She is the author of Prisoners of Hope: Exploiting the POW/MIA Myth in America (Random House), as well as three nonfiction books for young readers. A former Washington Times reporter, she is a correspondent for People magazine. Her work has appeared in numerous publications, including Readers Digest, The New York Times, Air&Space/Smithsonian, Washingtonian, American Legion, VFW, and Soldier of Fortune. She has been cited in the New Yorker, the Wall Street Journal, Salon, and other prestigious journals. She is a founding director of the National Museum of Americans in Wartime. She served briefly in the U.S. Women’s Army Corps, where she earned her Expert marksmanship rating on the M-16 rifle. She belongs to the Association of Former Intelligence Officers, and serves on her local Draft Board.

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Apply now for the WMC’s 2009 Progressive Women’s Voices program!

The Womans Media Center – The Progressive Women’s Voices program has become a cornerstone of The Women’s Media Center. We are “changing the conversation” by making sure that there are plenty of qualified, authoritative, progressive women experts available to editors, reporters, producers, and bookers.

In our first year of the program, we intensively media trained 33 women who have gone on to earn over 1000 media hits year to date. Our inaugural class was a stellar group, with experts in foreign policy, reproductive rights, environmental issues, racial justice, voting rights, the history of feminism, immigrant communities, outsider cultures, national security, and many more areas of expertise.

http://blip.tv/play/AduyAoiCEg

With our training and help, in 2008, our PWV women wrote Op Eds in the Washington Post and The New York Times, features for Elle and New York magazine, were quoted in USA Today, Forbes, Variety, Mother Jones, the Wall Street Journal, Slate, Salon, The New Republic, the Los Angeles Times, on the Associated Press and Reuters wires, appeared on Good Morning America, CNN, MSNBC, CBS Nightly News, Fox News, ABC News, CNBC, The Tyra Banks Show, PBS’s “To The Contrary,” Bill Moyers, on numerous NPR shows, and in hundreds of other significant media outlets.

We are now accepting applications for our 2009 Progressive Women’s Voices classes. We have three classes scheduled for the year. The first class will be training in New York Feb 6-7, March 6-7, and April 3-4, with all travel expenses paid for by the WMC. Applications for the first class will be open from now until December 15th. For more information, and to apply, click here:

If you know of a woman whose voice should be heard in the media, please forward this email to her and encourage her to apply. If the first class does not work for her, we have two more planned later in the year, so please encourage her to check our website for complete program details.