Medizin

Strafgesetzbuch und Sterbehilfe – Eine Nachbemerkung zum Fall der Krebsärztin Dr. Mechthild Bach

Dr. Alexander von Paleske — 30.1. 2011 — Am Montag vergangener Woche nahm sich die 61-jährige Internistin und Krebsärztin Mechthild Bach aus Bad Salzdetfurth das Leben. Sie war angeklagt, den Tod von 13 Patienten vorsätzlich herbeigeführt zu haben. Alle Patienten waren offenbar unheilbar an Krebs erkrankt und befanden sich angeblich im Terminalstadium der Erkrankung.

Krankenkasse alarmiert Staatsanwaltschaft
Mechthild Bach geriet im Jahre 2003 durch Ermittlungen der AOK Niedersachsen wegen hohen Morphinverbrauchs in den Verdacht der verbotenen Sterbehilfe. Die Krankenkasse alarmierte die Staatsanwaltschaft, und die Internistin wanderte drei Wochen lang in Untersuchungshaft. Sie wurde dann gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Das Gericht war in einer Zwischenbilanz nach der Beweisaufnahme über 6 der 13 Anklagepunkte davon ausgegangen, dass es erhebliche Anhaltspunkte dafür gebe, die angeklagte Internistin habe den Tod der sechs Patienten durch Gaben von Morphium und Valium herbeigeführt und den vorzeitigen Tod auch gewollt. In keinem Fall hätten sich jedoch Anhaltspunkte dafür ergeben, dies habe dem Willen der Patienten entsprochen..

Nachdem das Gericht den rechtlichen Hinweis gegeben hatte, dass in zwei der angeklagten Todesfälle, statt des angeklagten Totschlags, auch ein Mordvorwurf in Frage käme, nahm sich die Ärztin das Leben.

Die Meinungen sind , wie immer in solchen medizinisch-juristischen Grenzfällen geteilt, gerade dann, wenn Ärzte aus menschlicher Empathie sich in einen strafrechtlich relevanten Bereich vorwagen.

Konkreter: Das, was die Juristen als Tötung auf Verlangen ( § 216 Strafgesetzbuch, StGB) bezeichnen, wenn der Arzt vom Patienten darum gebeten wird, oder Totschlag (§ 212 StGB) , wenn ohne niedrige Beweggründe der Arzt das Leben verkürzt, ohne darum vom Patienten gebeten worden zu sein, oder Mord (§ 211 StGB), wenn niedrige Beweggründe vorliegen, oder die Arglosigkeit bzw. Wehrlosigkeit ausgenutzt wird.

Nicht selten sind es in solchen Fällen Angehörige, die auf eine aktive Sterbehilfe drängen.

…der werfe den ersten Stein
Es gibt wohl kaum einen Krebsarzt, der sich bei stringenter Auslegung der Strafvorschriften nicht bereits strafbar gemacht hat. Ich auch nicht.

Ich erinnere mich gut an den Fall einer Krankenschwester vor 28 Jahren, die an einem hochgradig malignen Lymphom im oberen Mediastinum litt , und schliesslich austherapiert war.
Vor der letzten Chemotherapie, wohl wissend, dass sie keine Aussicht auf Heilung, bestenfalls auf eine bescheidene Lebensverlängerung hatte, nahm sie mir das Versprechen ab, dass, wenn der Zeitpunkt gekommen sei, ich sie nicht an einer Erstickung sterben lassen würde (das Lymphom drückte auf die Luftröhre).

Als sie dann letztmals zur stationären Aufnahme kam, mit Schwierigkeiten, Luft zu bekommen, erinnerte sie mich an mein Versprechen, und ich habe das Versprechen eingelöst und sie an den Morphintropf gehängt.

Die Massnahme hat ihre Lebenszeit nur um bestenfalls wenige Tage verkürzt, aber ihr einen qualvollen Tod erspart. Gleichwohl, bei stringenter Anwendung der Strafgesetze, eine Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB).
Die Mutter der Patientin, der Ehemann und auch der Sohn haben sich in anrührenden Briefen an mich bedankt.
Ich hatte das Glück, nicht mehr in eine solch schwierige Situation zu geraten.

Aktive Sterbehilfe keine Seltenheit
In einer Befragung der Ruhr-Universität in Bochum gaben manche Palliativmediziner zu, den Patienten das Sterben zu erleichtern. Dass sie es manchmal aktiv verkürzen (und sich damit strafbar machen).

Im einzelnen gaben die Mediziner an, den Tod gezielt durch Substanzen herbeigeführt zu haben. In 47 Fällen wurden die Patienten nicht darüber informiert, dass die zugeführten Substanzen auch eine mögliche Lebensverkürzung zur Folge haben könnten, obgleich sie zum betreffenden Zeitpunkt noch voll entscheidungsfähig waren.

Das war möglicherweise auch das strafbare Verhalten im Falle der Ärztin Mechthild Bach.

Die Macht des Arztes
Der Arzt hat gegenüber den Patienten einen enormen Wissensvorteil, der aber mittlerweile durch das Internet kleiner geworden ist. Er weiß, wie es um das Leiden der Patienten steht, welche durchschnittliche Lebenserwartung der Patient noch hat, und auch, unter welchen Qualen er letztlich sterben wird.

Damit besteht die Gefahr, dass der Arzt dann letztlich selbst entscheidet, was dem Patienten „guttut“. Angeblich wohlverstandenes Interesse des Patienten statt klarer Entscheidung seitens des / der Betroffenen.

Und je weniger behandelnde Ärzte gegenüber Kollegen Rechenschaft ablegen müssen, anders als das beispielsweise in Kliniken und Gemeinschaftspraxen in der Regel der Fall ist, umso mehr besteht dann die Gefahr, mehr und mehr aus dem strafrechtlichen-menschlichen Grenzbereich abzudriften. Bis zu dem Punkt, wo der Arzt nach eigenem Gutdünken zur Sterbehilfe schreitet, selbst dann, wenn der Patient in der Lage ist, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen.

Diese Gefahr ist umso grösser, je weniger aufgeklärt der Patient ist, je weniger er also in diesen Entscheidungsprozess mit einbezogen ist.

Die Aufklärung des Patienten muss früh begonnen werden, ohne gleich jegliche Hoffnung zu nehmen. Der Patient sollte informiert sein, welche Aussicht die Behandlung bietet: Heilung, Lebensverlängerung – und wie weit – oder nur Bekämpfung der Symptome (Palliation) mit der Schmerzbekämpfung an erster Stelle.

Defizit: Patientenaufklärung
Gerade in diesem Punkte der offenen Information haben nicht wenige Ärzte die Tendenz, auszuweichen, unbegründeten Optimismus zu heucheln, und somit dem Patienten unberechtigte bzw. unrealistische Hoffnungen zu machen.

Oftmals wissen die Ärzte auch, dass die Patienten in dieser schwierigen Lage, wenn ihnen reiner Wein eingeschenkt wird, in ihrer Panik zu anderen Ärzten laufen, die skrupellos genug sind, unbegründeten Optimismus zu verbreiten.

Mit zunehmender Konkurrenz in der Ärzteschaft wird diese Tendenz des „ungesunden Optimismus“ eher verstärkt als vermindert.
Anders ausgedrückt: je besser der Patient über seine Krankheit und seine Prognose aufgeklärt ist, umso besser kann er all die Fragen, auch die des letzten Weges besprechen.

Eine selbstherrliche Maßnahme des Arztes kann dann vermieden werden.

Rechtliche Regelung der aktiven Sterbehilfe nötig
Das beseitigt jedoch nicht die Strafbarkeit der aktiven, vom Patienten gewollten Sterbehilfe.
.Eine Regelung dieses Graubereichs ist dringender denn je, denn das Urteil des Bundesgerichtshofs vom vergangenen Jahr zur Straflosigkeit der Sterbehilfe betraf den Abbruch lebensverlängernder Massnahmen, nicht jedoch Massnahmen, die neben der Erleichterung des Sterbens auch eine (unbedeutende) Lebensverkürzung mit sich bringen.

Der Verfasser ist leitender Arzt und ehemaliger Rechtsanwalt.

E-Mail: avpaleske@botsnet.bw

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Medizin

Der Dioxin-Skandal flaut ab, die Probleme der Massentierhaltung bleiben

Dr. Alexander von Paleske — 25.1. 2011 —
Die Probleme der Massentierhaltung bleiben, nicht nur bleiben, sie werden grösser. An vorderster Stelle steht die hier schon mehrfach kritisierte Verabreichung von Antibiotika gefolgt von den Gefahren der Virenmutation und der Tierfutterkontamination, wie jetzt durch Dioxin.

Resistenz steigt
Eine kleine Nachricht in der hochangesehenen internationalen Medizinzeitung Lancet beleuchtet erneut das Problem (Lancet, 11. Dezember 2010, Vol276 p-1987 – ):

Ciprofloxacin-resistant campylobacteriosis in the UK

Forscher der Universität Oxford kommentieren einen früheren Bericht in derselben Zeitschrift, wonach die Durchfallepidemie durch Campylobacter-Bakterien in einer erschreckenden Zunahme begriffen ist.
Sie berichten nun, dass die Resistenz der Campylobacter-Bakterien gegen das Medikament Ciprofloxaxin aus der Gruppe der Chinolone, auch Gyrase-Hemmer genannt, einst hochwirksam gegen derartige Campylobacter-Infektionen, in einer dramatischen Zunahme begriffen ist.

Im Jahre 2008 zeigten nach den Untersuchungen der Forscher bereits 31% aller eingesandten Proben komplette Resistenz gegen Ciprofloxacin, im Jahre 1995 waren es erst 7%, aber bereits im Jahre 2004 waren es schon 25,1%.

Mit anderen Worten: Bei einer derart hohen Resistenz ist der Einsatz dieses Antibiotikums gegen eine derartige Infektion nicht mehr zu verantworten.

Das Gleiche hatten wir bereits vor einiger Zeit über die Gonorrhoe berichtet. Auch hier Resistenz gegen die Chinolone.

Die Forscher aus Oxford machen für die Resistenzentwicklung eindeutig den ungezügelten Einsatz in der Geflügel-Mast-Industrie verantwortlich.

Ein Blick zurück
Die Chinolone (Gyrase-Hemmer) kamen erst MItte der 80er Jahre zum Einsatz und hatten ein ganz ausgezeichnetes Wirkungsspektrum, ganz besonders auch im Bereich der Problemkeime, also solchen Erregern im sogenannten gramnegativen Spektrum, die mittlerweile multiresistent gegen Standard-Antibiotika geworden waren.

Darüber hinaus war der Gyrase-Hemmer Ciprofloxacin gegen Typhus wirksam, und – sehr wichtig – auch gegen Tuberkulose, so dass es als Reservemedikament bei der immer häufiger zu beobachtenden Multidrug-Resistant Tuberkulose (MDR-TB) mit Erfolg in der Kombinationstherapie eingesetzt werden konnte.

Ciprofloxacin, das seinerzeit wirksamste Chinolon, hatte noch den Vorteil, oral eingenommen werden zu können. Bis dato mussten bei derartigen Probleminfektionen Breitbandantibiotika parenteral verabreicht werden, was oftmals eine Klinikaufnahme bzw. täglichen Klinik- Arztbesuch erforderlich machte.

Das ist nun Geschichte, denn Ciprofloxacin wurde missbraucht: bei unkomplizierten Harnwegsinfekten, bei Infektionen im Nasen-Rachenraum und sonstigen banalen Infektionen.
.
Noch schlimmer: Die Gyrase-Hemmer wurden und werden bei der Geflügelmast eingesetzt und zwar in großen Mengen.
.

Zwar ist es mittlerweile verboten, Antibiotika dem Tierfutter beizumischen, aber der Antibiotikaverbrauch in der Tiermast steigt trotzdem weiter an, weil z.B. kein Huhn in der Massentierhaltung es ohne Antibiotika bis zur Schlachtbank schafft, wir berichteten darüber.

Damit aber werden wir es – über kurz oder lang – mit einer weitverbreiteten Antibiotikaresistenz zu tun haben, eine Katastrophe. Wie der Lancet in einem Editorial vom 8.1. 2011 „Where will new drugs come from? berichtet, (Lancet 2011 Vol 377 p. 97) sind Neuentwicklungen im Antibiotikabereich vorerst nicht zu erwarten.

Dazu trägt auch bei, dass die Neuentwicklung eines Medikaments rund 1 Milliarde US Dollar kostet, und nur eines von 10 neuentwickelten Medikamenten es letztlich bis zur Marktreife schafft.

Es gibt daher nur einen Ausweg: Abschaffung der Industrie- (Massen) Tierhaltung und dem damit verbundenen Antibiotika-Einsatz.

Antibiotika als Verunreinigung
Nun tauchen auch, wie Dioxin, Antibiotika als Verunreinigung im Tierfutter auf.

Gestern berichtete die Zeitung Heilpraxisnet über das Auftauchen des Antibiotikums Chloramphenicol im Tierfutter .
Gemessen an der Konzentration handelt es sich nicht um eine Beimischung, sondern um eine Verunreinigung.
Die Verunreinigung stammt vermutlich aus Produkten von Fischfarmen, wo dieses Medikament mittlerweile massenhaft zum Einsatz kommt, ein enormes, aber bisher eher vernachlässigtes Problem.

Chloramphenicol war einst als Breitspektrumantibiotikum im Einsatz, bevor es durch bessere und nebenwirkungsärmere Medikamente verdrängt wurde. Gleichwohl wird es wegen seines niedrigen Preises insbesondere in der 3. Welt weiterhin eingesetzt.

Chloramphenicol hemmt das Wachstum der Bakterien, ist also bakteriostatisch tötet sie aber nicht ab, ist also nicht bakterizid.
Chlormaphenicol kam in Verruf, weil es das Knochemark, also die Blutbildung massiv schädigen kann, bis hin zu aplastischen Anämie.
Ohne Knochenmarktransplantation liegt die mittlere Überlebenszeit der Patienten mit aplastischer Anämie bei etwas über einem Jahr.

Die Häufigkeit dieser potentiell tödlichen Nebenwirkung liegt bei 1:10.000 bis 1:40.000. Sie ist dosisunabhängig, also quasi-allergisch bedingt. Es ist unklar, wo die Schwellendosis liegt, um ein derartiges Ereignis auszulösen. Ob die im Tierfutter nachgewiesene Dosis ausreichend ist, um später bei den Tierprodukten die für den Menschen erforderliche Schwellendosis erreichen, ist unklar, aber wer möchte sich schon gerne auf ein derartiges potentiell tödliches Experiment einlassen?

Die Abschaffung der Massentierhaltung steht dringender denn je auf der Tagesordnung.

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Medizin

Antibiotika oder Massentierhaltung?

Dr. Alexander von Paleske — 26.10. 2010 —
Diese brutale Alternative könnte sich alsbald stellen, denn die Resistenz gegen Antibiotika ist weiter auf dem Vormarsch. Wir haben in mehreren Artikeln bereits ausführlich darüber berichtet.

Nicht nur auf dem Vormarsch ist die Resistenz, sondern sie hat bereits ein beängstigendes Ausmaß erreicht, zumal wirklich neue Antibiotika sich kaum in den „Produkt-Pipelines“ der Unternehmen befinden.

Der Grund: hohe Entwicklungskosten. Nicht mit Medikamenten für einen kurzfristigen Einsatz, wie Antibiotika, sondern mit Medikamenten gegen chronische Erkrankungen (Diabetes, Hochdruck) oder zumindest längerfristigen Einsatz (Krebs),lässt sich richtig Geld verdienen.

Die Medizinzeitung Lancet schrieb am 5.12. 2009 (Lancet 2009 II S. 1868):WHO has identified antibiotic resistance as one of the greatest threats to human health. In the European Union (EU) about 25.000 patients die every year from infection with multidrug resistant bacteria …
Methicillin resistant Staphylococcus aureus (MRSA) alone infects more than 94.000 people and kills nearly 19.000 in the US every year, more deaths than are caused by HIV/Aids, Parkinson’s disease, emphysema and homicide combined.

Nur ein einziges Antibiotikum – Doripenem – wurde im Zeitraum 2006-2009 neu zugelassen.
Bad bugs – No drugs, so fasst der Report die Lage zusammen.

Trotz Verbot mehr verfüttert
Als Gründe für die alarmierende Resistenzentwicklung lassen sich zwei Hauptfaktoren ausmachen: Massentierhaltung und falsche Verschreibungen, das heißt: Der ungezügelte Einsatz von Antibiotika.

Dabei steht die Massentierhaltung mit Geflügeln an vorderster Stelle.
Gestern nun berichtete der NDR in einer kurzen Sendung, Titel: „Antibiotika Einsatz bei Masthühnern steigt“ dass der Antibiotikaverbrauch in der Massentierhaltung wieder angestiegen sei. Und dies, obgleich Antibiotika zur Wachstumsförderung gar nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Bis zu dem Verbot im Jahre 2006 waren die Antibiotika fabrikseitig oft schon dem Futter beigemischt worden, zur Mastförderung. Eine unglaublich verantwortungslose Vorgehensweise, der die Politiker jahrelang tatenlos zugeschaut hatten. Damit sollte nun Schluss.sein..

Viel musss sich ändern, damit alles beim alten bleibt
Wer geglaubt hatte, dass dieses Verbot substantielle Veränderungen, also den drastischen Rückgang des Verbrauchs von Antibiotika, nach sich ziehen würde, der musste entweder naiv, oder ignorant, oder beides sein.

Wie in der NDR-Sendung zutreffend berichtet, ist eine Massentierhaltung von Geflügel ohne Antibiotika überhaupt nicht denkbar, weil sonst die Hühner es gar nicht bis zum Schlachttag schaffen würden.

Mit anderen Worten: Die Antibiotika gehören zur Massentierhaltung wie der Motor zum Auto.

Da die prophylaktische Gabe, also die feste Beimischung nicht mehr erlaubt ist, werden die Antibiotika nun eben getrennt zugesetzt.
Kranke Tiere gibt es in solchen Ställen immer, die „behandelt“ werden müssen, also hat sich im Grunde nichts geändert. Stichwort: Viel muss sich ändern, damit alles beim alten bleibt.

Es hat sich aber trotzdem etwas geändert: der Verbrauch ist sogar noch deutlich angestiegen. Das kann zwei Gründe haben: Das zuerst eingesetzte Antibiotikum erweist sich als unwirksam, also muss umgesetzt werden, oder aber die Krankheiten nehmen statistisch gesehen zu, da immer mehr Tiere in diese Ställe kommen.

In den USA werden die Ställe aus Kostengründen oftmals gar nicht mehr ausgemistet, die daraus entstehenden Probleme mit mehr Antibiotika gelöst, wir berichteten darüber.

Werden Erfolge der Medizin zunichte gemacht?
So läuft dann der Massentierhaltungs- Laden, wie geschmiert, die Resistenzen breiten sich aus z.B. durch sogenannten Plasmid-Transfer zwischen Bakterien. Und die Antibiotika, es handelt sich ja um die gleichen Klassen,, die auch beim Menschen zum Einsatz kommen, werden wirkungslos.

Die großen Erfolge in der Medizin in den letzten 50 Jahren sind vielfach ohne Antibiotika gar nicht denkbar, ob es sich um komplizierte Operationen handelt, Transplantationen, insbesondere Knochenmarktransplantationen oder schwere Allgemeininfektionen – ohne Antibiotika läuft gar nichts, ohne Antibiotika wird die Medizin auf den Stand von vor 50 Jahren zurückgeworfen.

Da sollte sich die Entscheidung gegen Massentierhaltung eigentlich ganz einfach treffen lassen.Vorausgesetzt, man hätte Politiker, die nicht nur den Ernst der Lage begriffen, sondern auch bereit wären, der Bevölkerung das klipp und klar zu sagen::

Entweder wir kehren auf die Menge des Fleischkonsums vor Beginn der Massentierhaltung zurück, oder wir lassen uns von Infektionen dahinraffen, die heute noch behandelbar sind.

Die Entscheidung sollte leichtfallen – sollte man meinen …….

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Medizin

World Health Summit in Berlin – Open Letter to Lancet-Publisher Richard Horton

Dr. Alexander von Paleske
Mpilo-Hospital
Bulawayo/Zimbabwe
20th October 2010

Richard Horton
Publisher
THE LANCET
32 Jamestown Road
London
UK

Dear Mr. Horton

RE: 2nd World Health Summit in Berlin/GERMANY October 2010

To my astonishment I had to find out, that once again you have attended – and praised – the World Health Summit in Berlin.

This is very regrettable, as the legs of the Congress are certainly not big enough for the boots, that carry this name.

The Lancet has continuously and persistently focused the attention to health issues of developing countries, where the majority of the world population lives.

The congress in Berlin certainly did not.

Last year, as you very well know, a lot of NGO’s and the German Trade Unions organized an alternative congress, to make the pressing issues of those countries heard.

The fact, that this alternative congress rightfully had to be organized, tells enough about the way, Professor Ganten and
his co-workers looked and look at the world as a whole.

This year, there were minor, as I would say, cosmetic changes.

The fact, that presentations about space medicine were allocated the same time, as presentations for
progress in the management of Malaria, HIV and TB speaks volumes.

The problems of Global Health have become far worse in this year, due to the earthquake in Haiti and the flooding in
Pakistan.

At the same time less money is and will be available thanks to the aftermath of the global financial crisis.

As your leading medical journal pointed out time and again, 1/3 or the world population cannot afford even simple lifesaving drugs.

The money allocated for the treatment and prevention of HIV/ AIDS, Malaria and Tuberculosis through Pepfar and Global Fund will not be increased at best in the time to come, while millions of new patients wait to be put on treatment.

The resistance of infectious agents against available drugs, especially those for the treatment of TB and Malaria is steadily and alarmingly on the rise.

Multidrug resistant TB has become a problem, however with treatment costs of roughly 1200 US Dollars per patient per year the drugs will be largely unavailable in Sub Saharan Africa.

Let alone the XDR-TB with treatment costs at around 7200 US Dollars per patient per year.

The research efforts to develop new drugs, especially against TB and Malaria, are totally insufficient.

The same applies, albeit to a lesser degree, even to conventional antibiotics, where resistance of infectious agents, even in community acquired infections, is on the rise as well.

The pharmaceutical companies are more interested in chronic diseases like Hypertension and Diabetes, which, not surprisingly,
featured dominantly in the meetings of this year’s congress.

One could go on and on, i.e. on the issue of non- production of an already developed vaccine against Hepatitis E (not enough profit) and ending with the non-availability of a vaccine against the Human Papilloma Virus (HPV) in many developing countries, because of high cost.

Not to forget the rising cases of cancer and the costly treatment.. This is especially the case in countries with a high burden of HIV disease due to HIV associated cancers.

In short, one ist left with the bitter taste in the mouth, that this congress has little if nothing to do with the most pressing problems in the world as a whole.

Not surprisingly, unlike last year, this year’s meeting did not attract much interest in Germany, neither in the public, nor in the media.

It is regrettable, that a man of your high standing lends his support for this type of meeting, and thus adds – in my opinion – undeserved credibility to it, let alone opening your highly respected journal for the remarks of the organiser of the congress, Professor (emeritus) Ganten.

Yours respectfully

Dr. Alexander von Paleske
Senior Consultant and Head,
Department of Haematology
Mpilo-Hospital
Bulawayo/Zimbabwe
Ex Barrister-at-Law, High Court Frankfurt (M)/Germany

Medizin

2. World Health Summit – Ein weiterer Heißluftballon steigt in den Berliner Kongress-Himmel

Dr. Alexander von Paleske —09-10- 2010 — Vor einem Jahr fand zum ersten Mal der Welt-Gesundheitsgipfel in Berlin statt. Er trat mit dem Anspruch an, Gesundheit für die ganze Welt auf einem höchstmöglichen Niveau mithelfen zu erreichen.
Es stellte sich als ein Gipfel heraus, allerdings ein Gipfel der Anmaßung.

Probleme bestenfalls gestreift
600 Delegierte kamen aus der gesamten Welt angereist. Die wirklichen Probleme wurden bestenfalls gestreift. Zu den wirklichen weltweiten Herausforderungen hatte diese Mammutveranstaltung, die von der Pharmaindustrie und Regierungsgeldern finanziert wurde, nichts Wesentliches an Lösungsvorschlägen anzubieten.

In einem ausführlichen Artikel hatten wir massive Kritik an dieser Veranstaltung geäußert.

Ab morgen geht’s weiter
Nun findet ab morgen der 2. World Health Summit in Berlin statt.

Die weltweiten Gesundheitsprobleme sind mittlerweile durch die Erdbebenkatastrophe in Haiti und die Flutkatastrophe in Pakistan noch einmal verschärft worden.

Allein in Pakistan sind 20 Millionen Menschen nun nicht nur dem Hunger, sondern auch der Seuchengefahr (Malaria, Cholera und andere Durchfallerkrankungen, Hepatitis E) ausgesetzt.

Die Liste der weltweiten Probleme im Gesundheitswesen ist ellenlang. Einige Punkte seien hier angeführt, mit denen wir uns in mehreren Artikeln bereits beschäftigt haben:

– 1/3 der Weltbevölkerung kann sich selbst absolut lebensnotwendige Medikamente nicht leisten

– Die Mittel zur Verhütung bzw. Behandlung der drei schlimmsten Seuchen der Menschheit, nämlich AIDS, Malaria und Tuberkulose sind völlig unzureichend.

– Die Resistenz der Erreger dieser Erkrankungen gegen die vorhandenen Medikamente ist weltweit im Vormarsch begriffen, insbesondere bei der Tuberkulose und Malaria.

– Die Bereitstellung von Mitteln zur Erforschung neuer Medikamente zur Behandlung dieser Seuchen ist ebenfalls völlig unzureichend.

– Selbst gegen herkömmliche bakterielle Erkrankungen nimmt die Resistenz zu.
Neuere innovative Medikamente werden von der Pharmaindustrie bestenfalls halbherzig angepackt, weil sich damit nicht genug Geld verdienen lässt, das wird vielmehr mit Medikamenten gegen chronische Erkrankungen (Diabetes, Hochdruck, Herzinsuffizienz) verdient.

– Impfungen mit bereits vorhandenen Impfstoffen gegen Hepatitis B, E und jetzt gegen humane Papilloma-Viren sind aus Kostengründen in ärmeren Ländern nicht durchführbar.

Der Impfstoff gegen Hepatitis E, obgleich entwickelt, wird nicht produziert, weil sich damit nicht genügend Geld verdienen lässt.

75% aller 234 Millionen jährlichen weltweiten chirurgischen Eingriffe finden in industrialisierten Ländern statt, in denen aber nur 1/3 der Weltbevölkerung lebt. In den ärmsten Ländern sind es hingegen ganze 4%

– Entwicklungsländer bringen jährlich zusammen 500 Millionen US Dollar auf, um Personal im Gesundheitswesen auszubilden, von denen ein Großteil dann von entwickelten Ländern abgeworben wird.
Die Folgen: Neben der Nichtbehandlung von übertragbaren ( und nicht übertragbaren) Erkrankungen auch noch die hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit.

– Des weiteren die nicht übertragbaren Erkrankungen, wie Diabetes Hochdruck, Krebs etc.

Unzureichende Thematisierung
Schaut man sich den diesjährigen Kongress und seine Vorträge an, dann zeigt sich, dass derartige Probleme und deren Lösungen – wenn überhaupt – völlig unzureichend thematisiert werden.

Für Weltraum-Medizin steht der gleiche Zeitraum zur Verfügung, wie für Fortschritte bei der Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria.

Fazit:
Dieser Kongress ist, , angesichts der globalen Gesundheitsprobleme, nichts als heisse Luft und daher keine Reise wert. Die Bezeichnung World Health Summit somit schlichtweg ein Etikettenschwindel und eine Anmaßung zugleich.

World Health Summit in Berlin: Heisse Luft als Antwort auf weltweite Herausforderungen
Entwicklungshilfe alternativ und effektiv

Abwerbung von afrikanischen Krankenschwestern
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Bittere Pillen für die Dritte Welt

Medizin

Hepatitis E oder: Wenn die Herstellung von wirksamen Impfstoffen sich „nicht lohnt“

Dr. Alexander von Paleske — 6.10. 2010 —- Hepatitis E ist eine Form der ansteckenden Leberentzündung, die durch Viren verursacht wird, aber gerade der Modus der Übertragung ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Das Virus wird wohl, anders als bisher angenommen, durch mangelnde Hygiene von Person zu Person und wohl doch nicht über unsauberes Trinkwasser verbreitet.

Es gibt aber dennoch genügend Informationen, um sie wirksam zu bekämpfen.

Und es ist eine Erkrankung, die vor allem in der Dritten Welt zum Ausbruch von Epidemien mit hohen Todeszahlen führt.
.
Zwar gibt es diese Form der Leberentzündung auch in den Industrieländern – das Erregerreservoir dort sind vermutlich Mastbetriebe – aber es handelt sich um vergleichsweise harmlosere Varianten des Typs 3, während in Dritte Welt Ländern die Typen 1, 2 und 4 vorherrschen, die vor allem bei Schwangeren, und Kindern unter zwei Jahren, in 10-25% zum Tode führen.

Während gegen Hepatitis A und B seit geraumer Zeit Schutzimpfungen verfügbar sind, ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Hepatitis E erst jüngeren Datums. Im Jahre 2007 wurde in einer Studie dessen ausgezeichnete Wirksamkeit nachgewiesen: 95,5 % der Geimpften waren gegen die Ansteckung geschützt.

Das ist doch eine erfreuliche Meldung – möchte man denken.
Aber der Impfstoff, von der britischen Firma Glaxo Smith Kline in Zusammenarbeit mit der US-Armee entwickelt, wurde von dieser Firma nicht produziert. Der Grund: damit lässt sich kein Geld verdienen.

Das verdiente die Firma seit 10 Jahren stattdessen mit dem Diabetesmittel Rosiglitazone (Avandia), das wegen seiner erheblichen Nebenwirkungen jetzt vom Markt genommen werden musste.
Die Firma besitzt zwar die Patentrechte an dem Hepatitis E Impfstoff, setzt sie aber nicht in Produktion um.

So weit sind wir mittlerweile gekommen.

Aber die Abhängigkeit von derartigen Entscheidungen nimmt wohl ab, denn China hat nun ebenfalls einen Impfstoff gegen Hepatitis E entwickelt (Hecolin) von der Firma Innovax Biotech in Xiamen. Immer wieder kommt es auch in China zu kleineren Epidemien.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde in einer vor drei Wochen in einer in der hochangesehenen Medizinzeitung LANCET publizierten chinesischen Studie nachgewiesen.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, dass die chinesische Firma den Impfstoff in großen Mengen herstellen, und zu einem erschwinglichen Preis verkaufen wird, nicht nur in China.

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Kommentare
Tommy Rasmussen (Gast) – 7. Okt, 06:43
Viren
Viren sind Bestandteile von sehr einfachen Organismen und von sehr vielen Bakterien. In Menschen hat man Viren noch nie gesehen. Alle Schweine-Vogel-Aids-SARS-BSE-Hepatitis C- Virusmodelle sind Computer- Grafiken. Elektronenmikroskop- Aufnahmen von Viren zeigen in Wirklichkeit nur Bestandteile von sterbenden Zellen. Das Robert-Koch-Institut musste inzwischen zugeben, mit einem Fotobeweis nicht dienen zu können.

Die Schulmediziner brauchen Phantomviren als zentrale Grundlage ihrer Existenz:
Erstens, um durch Impfen Menschen massenhaft zu schädigen, um sich einen Kundenkreis an chronisch kranken und kränkelnden Objekten aufzubauen, die alles mit sich machen lassen.

Zweitens, um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass sie mehr Menschen getötet haben, als alle Kriege dies bisher ermöglicht haben.

onlinedienst – 7. Okt, 06:52
Virusleugner und ihr unwissenschaftlicher Unfug
es handelt sich bei dieser Stellungnahme um den typischen unwissenschaftlichen Unfug der Virusleugner.
Ich erspare es mir, näher darauf einzugehen. Das habe ich im Zusammenhang mit der HIV-Krankheit bereits ausführlich getan.

Dr. v. Paleske

Tommy Rasmussen (Gast) – 7. Okt, 07:37
wissenschaftlicher Unfug
Dr. v. Paleske: „Virusleugner und ihr unwissenschaftlicher Unfug..Ich erspare es mir, näher darauf einzugehen…“

Nun, mit Überheblichkeit ist aber gar nicht bewiesen, aber Sie sind damit nicht alleine. Auch das hier z.B. wird totgeschwiegen:

CO2 – Die Pflanzen nehmen kein CO2 auf und geben keinen Sauerstoff ab, sondern nehmen Sauerstoff auf und geben CO2 ab. Auf Flughäfen, um die Kraftwerke und an stark befahrenen Straßen ist kein CO2 nachweisbar, weil CO2 sofort (wenn es den Auspuff verlässt) in Kohlenstoff und Sauerstoff getrennt wird.
http://www.fehler-der-wissenschaft.de/

Medizin

Welt Aids-Kongress in Wien, die HIV-AIDS-Leugner laden zum Gegentreffen

Dr. Alexander von Paleske —11.7. 2010 — Lange Zeit war es still um die HIV-Aids-Leugner geworden, nachdem sie ihren Unfug nicht mehr dem inzwischen abgehalfterten Präsidenten Südafrikas, Thabo Mbeki, ins Ohr träufeln konnten. Ein Unfug, der in der Regierungszeit Mbekis dort mindestens 300.000 Menschen das Leben gekostet haben dürfte: Menschen, die an der HIV Krankheit litten und keine antiretroviralen Medikamente bekamen.

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Zapiro-Cartoons zur AIDS-Tragödie in Südafrika während der Regierungszeit Thabo Mbekis

Der Kongress tagt, die Leugner ebenso
In diesem Monat findet in Wien der internationale AIDS-Kongress statt. Offenbar Grund genug für die HIV-AIDS-Leugner wieder aus ihren ideologischen Winkeln hervorzukriechen. Ihr österreichischer Protagonist, Christian Fiala, seines Zeichens Gynäkologe, lädt zu einer Gegenveranstaltung ein.
Thema: „AIDS zwischen Wissen und Dogma“.

Mit dabei auch, wie gehabt, der Kieler Internist Claus Köhnlein, dessen aberwitzige Argumentation in Sachen AIDS wir hier schon mehrfach scharf kritisiert haben, und der einst zu dem „Beraterteam“ Thabo Mbekis gehörte.

Kein Grund zur Beachtung wenn…
Eigentlich kein Grund also, der Veranstaltung weitere Aufmerksamkeit zu schenken
Aber nun haben die HIV-AIDS Leugner – leider muss man sagen – eine publizistische Plattform für ihren unwissenschaftlichen Quark bekommen, und zwar mit einem Artikel in der führenden österreichischen investigativen Wochenzeitung „Profil“ .
Der Artikel trägt den Titel Der Aids- Mythos: Hilft ein gutes Immunsystem gegen Ansteckung“ , verfasst von einer Redakteurin namens Tina Göbel. Ein Artikel, der weit hinter den im Jahre 2007 in der gleichen Zeitschrift erschienenen Artikel „Die andere Wahrheit über AIDS“ zurückfällt

Auch wenn die Autorin beide Seiten zu Wort kommen lässt, ihr Artikel sät gleichwohl erhebliche Zweifel an dem heutigen fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisstand, was leider herzlich wenig mit kritischem Journalismus zu tun hat.

Einstieg mit Stimmungsmache
Der Artikel beginnt sofort mit Stimmungsmache, mit einer Geschichte aus der Steinzeit der HIV-Diagnostik und Therapie: Ein falsch-positives HIV-Testergebnis bei einer Patientin, und dann sofortiger Behandlungsbeginn mit antiretroviralen Medikamenten. Zu dem psychischen Stress die Nebenwirkungen der ARV’s.

Niemand behandelt – weder in Europa noch hier im südlichen Afrika – Patienten auf der Basis eines einzigen Tests, und ohne Beurteilung des Immunsystems, gemessen durch die CD4-positiven Lymphozyten. Meistens wird auch die Viruslast bestimmt.

Behandelt wird erst, wenn der CD4 -Lymphozytenabfall im Laufe der HIV-Krankheit eine kritische Grenze unterschritten hat.

Der Artikel ist daher, von der Tendenz her, geeignet , gerade in Risikogruppen zu grösserer Sorglosigkeit zu führen, bzw. HIV- Kranke zu ermutigen, die lebensverlängernden antiretroviralen Medikamente abzusetzen..

Irreführende Ueberschrift
Der Titel des Artikels führt bereits in die Irre: Ein intaktes (gutes) Immunsystem schützt keineswegs vor einer Infektion mit dem HIV-Virus, sondern nur die Vermeidung der Exposition zu Infektionsquellen, allen voran der ungeschützte Geschlechtverkehr zwischen Infizierten und Nichtinfizierten.

Dabei wird die Uebertragung des HIV-Virus enorm erleichtert durch die hier weit verbreiteten ulzerativen Geschlechtskrankheiten, allen voran der Schanker (Chancroid), neben der hohen Promiskuität. Gründe, warum sich hier in Afrika die HIV-Krankheit wesentlich umfangreicher ausgebreitet hat, als beispielsweise in Deutschland. Aber auch in Deutschland stagnieren die Zahlen keineswegs, sondern sind in einem langsamen, aber stetigen Anstieg begriffen.

Auch ist AIDS, wie in der Artikelüberschrift fälschlich suggeriert, kein Mythos, sondern das Endstadium der HIV-Krankheit, und eine globale Katastrophe.

Nicht allein wegen der Immunschwäche, sondern weil im Gefolge damit auch die Tuberkulose weltweit dramatisch zugenommen hat, und mit ihr die immer häufigere therapieresistente TB.

Ein intaktes Immunsystem, regelhaft zu Beginn der HIV-Krankheit, von der kurzen Konversionsphase einmal abgesehen, schützt zwar nicht vor der Infektion mit der HIV-Krankheit, aber vor Sekundärinfektionen, die das Vollbild AIDS auszeichnen. Zu diesem Zeitpunkt, dem AIDS Stadium, ist nämlich ist das Immunsystem durch die HIV-Krankheit weitgehend zerstört .

Typische Infektionen, die dann auftreten:

– Tuberkulose

– Pilzinfektionen (insbesondere Kryptokokken, Pneumocystis und Candida)

– Virusinfektionenj (insbesondere Zytomegalie, aber auch Reaktivierung von Herpes simplex und Zoster)

– Bakterielle Infektionen, andere als Tuberkulose


Lymphknotentuberkulose. Zusammengebrochene Immunabwehr. Statt käsigem Material werden grosse Mengen an Eiter aspiriert, unter dem Mikroskop übersät mit Tuberkelbakterien (rot)
Fotos: Dr. v. Paleske

Aber auch bestimmten Krebsarten wird durch die Immunschwäche Vorschub geleistet, allen voran das Kaposi-Sarkom.

Für Aerzte, die, wie der Verfasser, der seit 23 Jahren in Afrika, genauer gesagt in Simbabwe und Botswana als Internist und Krebsarzt arbeitet, tagtäglich mit AIDS-Kranken zu tun haben , sind derartige Artikel empörend, weil sie den absurden Theorien, die nachprüfbaren Tatsachen und soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen ins Gesicht schlagen, ein Podium verschaffen.

Hinzu kommt, dass Zweifel gesät werden an der weiterhin dringend benötigten Hilfe zur Behandlung der HIV-Kranken, und das in einem Land namens Oesterreich. Ein Land, das gerne Milliardenbeträge in die Skandalbank Hypo- Alpe-Adria pumpt , von mir in meinen investigativen Artikeln bereits im Jahre 2007 „Skandalpe“ genannt, aber, wenn überhaupt, nur minimal in den Global Fund zur Bekämpfung von Aids, TB und Malaria einzahlt.

Umklassifizierung? Was für ein Stuss
Fiala behauptet, und mit ihm Köhnlein, dass in Afrika eine Umklassifizierung von Krankheiten stattgefunden habe, also Tuberkulose, Malaria und Durchfallerkrankungen nunmehr als AIDS bezeichnet werden, also ein Etikettenschwindel, hinzukomme, dass ein HIV-Test nicht verfügbar sei. Mit anderen Worten: „AIDS gibt es gar nicht in Afrika“.

Zimbabwe hat bei seinem Bluttransfusionsdienst im Jahr 1986 als erstes afrikanisches Land routinemäßig den HIV-Antikörpertest eingeführt. Auf der Suche nach Spendern wurde dann festgestellt, dass die HIV-Inzidenz bei den Fabrikarbeitern in der Hauptstadt Harare bei etwa 1 Prozent lag und in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt, bei 0,5 Prozent. Inzwischen liegen beide Städte gleichauf bei rund 23 Prozent.

Vollbilder von AIDS mit so genannten opportunistischen Infektionen wie Pneumocystisinfektionen der Lunge oder Hirnhautentzündungen mit dem Pilz Cryptococcus waren sehr selten.

Die Tuberkulose (TB) wurde natürlich öfter diagnostiziert, aber die Tendenz der 20 Jahre von 1967 bis 1987 war deutlich rückläufig..

Heute sind mehr als 60 Prozent der Aufnahmen in der Medizinischen Klinik opportunistische Infektionen im Gefolge der HIV-Krankheit .

Von Umklassifizierung der Malaria und anderen Erkrankungen als AIDS kann also keine Rede sein. Gleichzeitig kam es zu einem massiven Anstieg der Tuberkuloseerkrankungen.

Ganz ähnlich sieht es in der Krebsabteilung aus: Während vor der HIV-Epidemie bei Männern das Prostata-Karzinom der häufigste Tumor war und bei Frauen der Gebärmutterhalskrebs, ist es nun bei Männern und Frauen das Kaposi-Sarkom, ein durch die HIV-Immunsuppression bedingter durch ein Herpesvirus verursachter Krebs, der an mehreren Stellen der Haut zugleich auftritt und oftmals auch innere Organe, bevorzugt die Lunge, befällt.

Gleichzeitig hat die Anzahl der Krebsfälle rasant zugenommen. Eine Krebsstatistik wird in Zimbabwe seit 1968 geführt.

Das Kaposi-Sarkom war auch vorher in Afrika vorhanden, sein Anteil an den Krebserkrankungen lag in Zimbabwe und Botswana bei unter 1 Prozent.


Kaposi-Sarkom, Hautbefall


Kaposi-Sarkom – exzessiver tumoröser Befall des linken Beins


Kaposi-Sarkom, Lungenbefall im Röntgenbild dargestellt


Kaposi-Sarkom, Befall des harten Gaumens

Mittlerweile sind mehr als 60% der Krebspatienten HIV-infiziert, mehr als die Hälfte davon leidet an Krebserkrankungen, die eindeutig HIV-assoziiert sind, also neben dem Kaposi-Sarkom vor allem das hochgradig maligne Non Hodgkin-Lymphom.


Hochgradig malignes Lymphom, Halsbefall


Hochgradig malignes Lymphom mit Befall des harten Gaumens

Aber auch der Krebs der Augen-Bindehaut, vor der HIV-Epidemie nahezu unbekannt, wird jetzt häufiger gesehen. Die Patienten sind jung, zwischen 20 und 40 Jahren alt.


Krebs der Bindehaut
Fotos: Dr. v. Paleske

Die Virusleugner können natürlich auch nicht erklären, wie es zur Übertragung des HIV-Virus von der Mutter zum Kind kommt.

Die Kinderstationen sind überfüllt mit Säuglingen und Kleinkindern, die nicht gedeihen wollen und eine Infektion nach der anderen haben. Auch hier hat sich das Krankheitsspektrum in Laufe der letzten 20 Jahre völlig verschoben. Diese Kinder sind fast ausnahmslos HIV-positiv. Wobei das Virus in der Mehrzahl der Fälle während des Geburtsvorgangs übertragen wurde, denn die Mütter der HIV-positiven Kinder sind immer HIV-positiv.

Die Übertragungsrate liegt unbehandelt bei etwa 40 Prozent.

In Botswana gelang es durch das Programm „Prevention of Transmission from Mother to Child (PMTCT) mit dem Einsatz antiretroviraler Medikamente, diese Transmissionsrate von 40 Prozent auf etwa 6 Prozent zu senken.

Durch die Etablierung eines umfassenden Programms zur Behandlung von HIV-Patienten ist es in Botswana auch gelungen, viele Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung erfolgreich zu behandeln. Mehr als 50.000 Patienten werden zurzeit mit einer Kombination antiretroviraler Medikamente (HAART) behandelt.

Nein, diesem HIV-AIDS-Leugner-Treffen kann man nun wirklich keinen Erfolg, und ihrem pseudowissenschaftlichen Quatsch keine Verbreitung wünschen.

Es gibt die Klima-Wandel-Leugner, die Holocaust-Leugner und eben auch die HIV-AIDS-Leugner. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Wahrheit nicht in den Tatsachen suchen.

Wer sich näher mit dem Quark der Virusleugner beschäftigen will, und wie er Punkt für Punkt widerlegt wird, dem sei die Website

http://www.psiram.com/ge/index.php/HIV/AIDS-Leugnung

empfohlen.

Ein Tag wie jeder andere – In einem Krankenhaus in Simbabwe
Dumela Ngaka – 8 Jahre als Krebsarzt in Botswana – Ein persönlicher Erfahrungsbericht
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Links zum Hypo-Alpe Skandal

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Der Fall Hypo Alpe-Adria (Skandalpe) – Eine Abschlussbetrachtung
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Medizin

Dumela Ngaka – 8 Jahre als Krebsarzt in Botswana – Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Dr. Alexander von Paleske — 3.11. 2009 —
Dumela Ngaka, was etwas frei übersetzt so viel heisst wie „Hallo Doktor“ mit diesen Worten begrüssete mich am 8. Oktober 2001 die leitende Stationsschwester Motshegwa auf der leeren 20-Betten Station, die nun alsbald als Krebsstation eröffnet werden sollte.

Das Gesundheitsministerium Botswanas hatte mir den Aufbau einer Abteilung fuer Onkologie übertragen. Bis dato gab es keine eigene Onkologie-Abteilung im Princess Marina Hospital. dem Zentralkrankenhaus des Landes Botswana in der Hauptstadt Gaborone.

Botswana , ein Land grösser als die Bundesrepublik Deutschland aber mit einer Einwohnerzahl von knapp 1,8 Millionen.

Eröffnung ohne Zeremonie
Die Eröffnung fand ohne jeden Pomp in der darauffolgenden Woche statt.


Eingang zur Abteilung Onkologie, wartende Patienten. Foto: Dr. v. Paleske

Der damalige ärztliche Direktor, Dr. Howard Moffat, eine Seele von Mensch, nebenher auch noch Pfarrer und Leibarzt des damaligen Präsidenten Festus Mogae, sicherte mir jede mögliche Unterstützung zu, und so starteten wir die die Abteilung bestehend aus der Station und einer Onkologie Ambulanz.
Stellenplan: Zwei Aerzte, zwölf Schwestern.


Verfasser und einige der Mitarbeiter. Foto: MMEGI


Pflegepersonal der Krebsstation. Foto: Dr. v. Paleske

Dramatischer Anstieg der Krebserkrankungen
Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Bereits nach 4 Jahren verdreifachte sich die Zahl der Ambulanzbesuche. Der Grund: Die HIV-Epidemie.

Das Kaposi-Sarkom, ein Hautkrebs, der auch innere Organe befallen kann, wurde zum häufigsten Krebs bei Männern und Frauen. Eine Katastrophe.


Kaposi-Sarkom, Hautbefall


Kaposi-Sarkom – exzessiver tumoröser Befall des linken Beins


Kaposi-Sarkom, Lungenbefall im Röntgenbild dargestellt


Kaposi-Sarkom, Befall des harten Gaumens

Mittlerweile sind mehr als 60% der Krebspatienten HIV-infiziert, mehr als die Hälfte davon leidet an Krebserkrankungen, die eindeutig HIV-assoziiert sind, also neben dem Kaposi-Sarkom vor allem das hochgradig maligne Non Hodgkin-Lymphom.


Hochgradig malignes Lymphom, Halsbefall


Hochgradig malignes Lymphom mit Befall des harten Gaumens

Aber auch der Krebs der Augen-Bindehaut, vor der HIV-Epidemie nahezu unbekannt, wird jetzt häufiger gesehen. Die Patienten sind jung, zwischen 20 und 40 Jahren alt.


Krebs der Bindehaut
Fotos: Dr. v. Paleske

Mit einer Durchseuchungsrate von etwa 17% müssen wir daher mit weiterer Zunahme der Krebserkrankungen rechnen. Denn durch das Programm der Regierung, alle HIV-infizierten mit antiretroviralen Medikamenten zu versorgen, wenn die HIV verursachte Immunsuppression ein bestimtes Stadium unterschritten hat, werden die Patienten wesentlich länger leben, und deshalb ein nicht zu unterschätzendes Risiko haben, an Krebs zu erkranken.

Dies gilt insbesondere für das Kaposi-Sarkom, das in jedem Stadium der HIV-Krankheit auftreten kann, während hingegen das hochgradig maligne Non-Hodgkin Lymphom fast ganz überwiegend erst im Stadium der sehr ausgeprägten Immunsuppression auftritt.

Aber auch Patienten, die mit dem HIV-Virus infiziert sind, haben bei nicht-HIV- assoziierten Krebserkrankungen einen wesentlich aggressiveren Verlauf und eine deutlich schlechtere Prognose. Das sahen wir vor allem beim Brustkrebs.

In den darauffolgenden Jahren gelang es meinen Mitarbeitern und mir, die Krebsabteilung zu einem zentralen Bestandteil der Krankenversorgung zu machen und die Feinnadelpunktionen als diagnostische Massnahme fest zu etablieren. Oft genug konnten wir so nichtinvasiv rasche Diagnosen stellen und die Pathologen, die leider, bedingt durch den Arbeitsanfall, oftmals Wochen benötigen, nicht nur zeitlich schlagen, sondern gelegentlich auch deren Diagnosen korrigieren.

In Afrika gelernt
Während die im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf unter dem damaligen Leiter der Abteilung Hämatologie/Onkologie, Prof. Dieter K. Hossfeld, erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten mir eine deutliche Verbesserung der bisherigen Krankenversorgung ermöglichten, habe ich selbst sowohl in Simbabwe als auch gerade in Botswana in in Sachen „Human Relationships“ dazulernen können.
Respekt, der nicht durch irgendwelche Leistungen, wie in Europa, erst „verdient“ werden muss und gerade auch Respekt vor älteren und alten Menschen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Ein alter Mensch sieht im Sitzen mehr als ein junger im Stehen.

Und in Sachen Familienzusammenhalt: Ohne die Fürsorge der Angehörigen, die in grosser Zahl zu den Besuchszeiten kamen und den Patienten nicht nur emotional intererstützten, sondern auch wuschen und fütterten, wäre die adäquate Krankenversorgung gar nicht möglich gewesen.

Auch bestehen die Angehörigen auf „Counselling“ also genaue Erklärung, wie es um den Zustand des Patienten steht. Respekt ja, aber Demut oder Unterwürfigkeit habe ich kaum feststellen können. Hier macht sich bemerkbar, dass Botswana niemals Kolonie im eigentlichen Sinne war, sondern Protektorat und dank seiner Diamantenfunde kurz nach der Unabhängigkeit im Jahre 1966 zu Wohlstand gelangte, ein Wohlstand, der dazu diente, vor allem die Infrastruktur zu entwickeln.

Der Stolz ueber die Errungenschaften war in vielen Gesprächen festzustellen.

Rassismus, schwarzen oder weissen Rassismus, habe ich, anders als in Südafrika, ebenfalls kaum feststellen können, bestenfalls weissen Rassismus bei denjenigen, die in Südafrika aufgewachsen sind.

Dazu trug sicher bei, dass der erste Präsident, Sir Seretse Khama, mit einer weissen Engländerin verheiratet war, ein Umstand, der die britische Regierung veranlasste, auf Druck von Apartheid -Südafrika Seretse Khama für 5 Jahre von 1951 bis 1956 in Grossbritannien mit seiner Familie zu internieren.


Abschied: Verfasser und Gesundheitsministerin Lesego Motsumi

Diagnose: Krebs
Cancer surge overwhelms AIDS-struck Botswana
Bittere Pillen für die Dritte Welt

Medizin

Seltene Krankheiten – Teure Medikamente (oder gar keine)

Dr. Alexander von Paleske – 16.4. 2009 —- Ein neues Medikament scheint erfolgreich gegen eine seltene Erkrankung zu wirken, eine Erkrankung, an der in Deutschland schätzungsweise 1500 Patienten leiden: der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH).

Bei dieser Erkrankung kommt es insbesondere während der Nachtstunden , aber nicht nur dann, zu einer anfallsweisen Zerstörung von roten Blukörperchen. Die Folge sind Blutarmut und die Notwendigkeit von häufigen Transfusionen.

Aber nicht nur an Blutarmut leiden die Patienten sondern auch an einer deutlich erhöhten Thromboseneigung, also der Bildung von Blutgerinseln in den Blutgefässen.

Ein Medikament namens Eculizumab
Es handelt sich um das Medikament Eculizumab, Handelsname Soliris.

Kein Heilmittel aber ein Mittel, das den Bedarf an Bluttransfusionen mit den damit verbundenen Gefahren wie Infektionen und Eisenüberladung drastisch reduziert, ebenso die Bildung von Blutgerinseln

Im Februar wurde eine Studie in der hochangesehenen Medizinzeitung „LANCET“ veröffentlicht (Lancet 28.2.2009, Vol 373, Seite 759ff), welche die Wirksamkeit von Eculizumab belegt.

Es soll hier nicht im einzelnen auf den Hintergrund der PNH-Erkrankung eingegangen werden, nur so viel: Die roten Blutköperchen haben normalerweise an der Aussenhülle bestimme Stoffe, die sie gegen natürliche körpereigene Verteidigungswaffen zur Abwehr eingedungener Mikroorganismen schützen.

Bei der PNH fehlt dieser Schutzmechanismus, die roten Blutkörperchen sind schutzlos vor den körpereigenen Abwehrsubstanzen und werden zerstört..

Wohl keine Pharmafirma hätte sich daran gemacht, für eine derart kleine Patientengruppe ein wirksames Medikament zu entwickeln, denn das bringt ausser der Dankbarkeit der Patienten nichts ein.

Ein Medikament per Zufall
Das Medikament Eculizumab wurde eigentlich nicht für die PNH entwickelt, sondern zur Behandlung von wesentlich häufigeren Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, also rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, membranöse Glomerulonephritis (eine Autoimmunerkrankung welche die Nieren befällt) usw..
Aber nur bei der PNH zeigte es wirklich erstaunliche Effekte.

Wenige Patienten, hoher Preis
Wenn es nur wenige Patienten sind, dann muss offenbar der Preis entsprechend hoch geschraubt werden. Im Falle von Eculizumab sind die Tageskosten 5736 Euro und 10 Cent, wohlgemerkt pro Tag.
Das macht schlappe 448,645 Euro pro Patient pro Jahr oder gesamtgesellschaftlich gesehen 580 Millionen Euro pro Jahr nur für die Behandlung von circa 1500 Patienten in Deutschland.

So kann es dann wohl doch nicht gehen.
Seltene Erkrankungen sogenannte Orphan (Waisen-) Erkrankungen, von denen es in der Medizin eine ganze Reihe gibt, werden Erkrankungen genannt, die bei weniger als 1 Menschen pro 50.000 auftreten. Die Häufigkeit von PNH liegt bei unter 1:200.000 also eine Ultra-Orphan-Erkrankung.

Lorenzos Oel
Am bekanntesten wurden solche seltenen Erkrankungen durch den Film „Lorenzos Oel“ aus dem Jahre 1992.

Er beschreibt den Kampf der Eltern für das Ueberleben ihres Kindes Lorenzo Odone, der an der extrem seltenen Adrenoleukodystrophie erkrankt war, einer genetisch-neurologischen Erkrankung, die in der Regel nach kurzer Zeit zum Tode führt.

Den Eltern des Kindes wurde nach Diagnosestellung 1983 mitgeteilt, dass ihr Kind noch eine Lebenserwartung von etwa zwei Jahren habe. Tatsächlich starb Lorenzo aber am 31 Mai vergangenen Jahres also 25 Jahre später.

Laien vs. Wissenschaft
Die Eltern, medizinische Laien wollten sich mit diesem Todesurteil nicht abfinden, lasen sich in alle erschienenen Publikationen ein, brachten Wissenschaftler, die sich mit dieser Krankheit beschäftigt hatten, erstmalig zu einem Symposium zusammen und förderten, trotz aller Anfeindungen, eine Entwicklung , die zu dem besagten Oel führte. Sie entwickelten ein Oel, eine Mixtur von zwei Speiseölen.
Den Eltern wurde vorgeworfen, falsche Hoffnungen geweckt zu haben.

Und die Laien hatten doch recht
Aber letztlich sollten sie in gewisser Weise doch Recht behalten. Zwar konnten sie bei ihrem eigenen Kind „nur“ das Leben verlängern, und nicht den vollen Ausbruch der Krankheit verhindern, aber in einer im Jahre 2005 veröffentlichten Studie zeigte sich, dass bei 2/3 der von der Erkrankung Betroffenen bei rechtzeitiger Einnahme des Oels der Ausbruch der Erkrankung, also das Vollbild und der Tod verhindert werden konnte.

Ein Triumph der Laien über die Wissenschaft, allerdings ein extrem seltenes, gleichwohl ausserordentlich bemerkenswertes Ereignis.

Bundessozialgericht und Lorenzos Oel
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass das Bundessozialgericht im vergangenen Jahr entschieden hat, die Kosten für dieses Oel müssten von den Krankenkassen nicht übernommen werden, weil es sich angeblich weder um eine „Arznei“ im herkömmlichen Sinne handele, noch um ein Heilmittel.
Selbstverständlich sind alle Kosten nach dem Ausbruch der Erkrankungl erstattungsfähig (Entscheidung vom 28.02.2008, Az.: B 1 KR 16/07 R ). Die Entscheidung im Wortlaut hier.
Eine Entscheidung, die eigentlich nur Kopfschütteln auslösen kann.
Die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit gelenkt zu haben, , die Forschung über derart seltene Erkrankungen zu fördern, auch das ist auch das Verdienst der Familie Odone.

Internet und seltene Erkrankungen
Mittlerweile hat das Internet dafür gesorgt, dass sich nicht nur Initiativen bilden konnten, sondern auch ein regelmässiger Erahrungsaustausch ermöglicht wurde. Und neben allem muss die Behandlung derart seltener Krankheiten bezahlbar bleiben.

Das ist bei der PNH jedoch in Frage gestellt.