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USA: Wirtschaftskrise beginnt

Karl Weiss – Die US-amerikanische Zentralbank Fed hat begonnen, die Leitzinsen zu senken, gleich um sensationell hohe 0,5% auf nunmehr 4,75%. Das ist ein klares Signal: In den USA hat die Wirtschaftskrise begonnen. Nach allem, was je vorher geschehen ist, wird der Gigant US-Wirtschaft alle anderen mit in den Strudel reißen: Die Weltwirtschaftskrise in bisher noch nicht völlig voraussehbarem Ausmaß.

Dummes Geschwätz von gestern?
Hatte noch vor kurzem die US-Fed es ausdrücklich abgelehnt, die Leitzinsen zu senken, von einer Inflation gesprochen, die keineswegs endgültig gebannt sei und ein weiteres, wenn auch schwaches, Wirtschaftswachstum vorhergesagt, so hat sie sich jetzt innerhalb kürzester Frist widersprochen. „Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern?“

Man hat aber nicht, wie die meisten erwartet hatten, lediglich einen kleinen Schritt von 0,25% nach unten gemacht, sondern einen großen von 0,5%. Das zeigt, man ist in heller Panik. Plötzlich interessiert die Inflation kein bisschen mehr, die noch im Zentrum der letzten Verlautbarung stand. Man hat natürlich schon weit mehr Statistiken vorliegen, als öffentlich bekannt wurden und weiss, die Krise beginnt.

Die Definition ist klar: Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem „Gross National Product“ (GNP), erst dann steht es fest, die Krise ist da. Das wird, wenn die US-Wirtschaft im Moment in etwa den Null-Punkt (Nullwachstum) nach unten überschreitet, erst am Ende des ersten Quartals 2008 der Fall sein, bzw. wenn sich bis einschließlich Oktober noch ein kleines Plus ergibt, sogar erst am Ende des zweiten Quartals 2008.

Weltmeister in falschen Vorsagen
Trotzdem ist der wahre Zeitpunkt des Beginns jetzt. Zinssenkungen werden nur durchgeführt in der Krise, wenn eine Krise unmittelbar bevorsteht oder schon angefangen hat. Die bürgerlichen Ökonomen, Weltmeister in falschen Vorhersagen, nennen sie schamhaft „Rezession“.

Die Arbeitslosigkeit in den USA, obwohl durch Manipulationen und statistische Tricks nach unten „verbessert“, steigt an. Der Konsumindex ist leicht rückläufig, das Konsumklima negativ. Alle halten ihr Geld zusammen und machen jetzt keine Anschaffungen, denn die Zukunft ist unsicher. Das wird durch das deutliche Zinssignal natürlich noch verschärft. Ein sich selbst beschleunigender Prozess.

Bereits seit Anfang 2006 haben wir wiederholt von der kommenden Wirtschaftskrise gesprochen. Die bürgerlichen Ökonomen haben dagegen immer wieder all dies als „Gerüchtemacherei“, als „Panikmache“ oder als „gezielte Verunsicherung“ abgetan. Sie vertraten bis gestern die These, der Kapitalismus sei krisensicher geworden, die Zeit von Krisen sei Vergangenheit, nun ginge es nur noch unaufhaltsam aufwärts. Auf einen der Artikel des Autors hat einer geantwortet, dies sei der grösste Unsinn, den er je gelesen habe.

Der Kapitalismus trägt immer Krisen in sich, so wie auch Krieg, Elend und Armut, Imperialismus und Völkermord.

Nun aber mussten selbst die blindesten bürgerlichen Ökonomen zugeben, es bestände „eine Chance für eine Rezession in den USA“, während sie noch vor wenigen Tagen tönten, die Finanzkrise sei auf die Finanzinstitutionen beschränkt, die „reale Wirtschaft“ sei überhaupt nicht betroffen. „Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern?“ sagte schon Adenauer.

Tatsache ist, die hohe Anzahl von US-Amerikanern, die ihre Schulden aufs Häuschen nicht mehr bedienen konnten und können, zieht in gewaltigem Maße Kaufkraft aus der US-Wirtschaft. Dazu kommt, die Banken bieten diesen Schuldnern keine Umschuldungen an, sondern exekutieren erbarmungslos, um wenigstens einen Teil des Geldes über die Versteigerung der Häuser wiederzubekommen oder einfach die Häuser ins eigene Portfolio einzustellen und auf eine Wertsteigerung zu warten.

Nach den letzten Meldungen haben inzwischen 25% aller US-Amerikaner, die Hypotheken auf ihren Häusern haben, noch mehr zu zahlen als der aktuelle Wert ihres Hauses! Das ergibt sich einfach daraus, dass die Werte von Immobilien drastisch in die Knie gegangen sind (Ein Fall auf die Hälfte des früheren Wertes ist keine Ausnahme) und weil Banken und Hypothekenorganisationen weit höhere Hypotheken akzeptiert haben, als es angesichts des damals aufgeheizten Häusermarktes zu verantworten war.

Die Trickkiste
Dazu kommt als zweiter Faktor: Die Ölpreise haben sich dauerhaft in einer Höhe festgesetzt, die durch die direkte Anwendung auf den Benzinpreis in den USA ebenfalls massiv Kaufkraft abzieht. Während die berühmten bürgerlichen Ökonomen wieder und wieder behauptet hatten, die Ölpreise würden bald auf ihr früheres Niveau von etwa 40 Dollar pro Barrel zurückgehen, war in Wirklichkeit längst klar, es gibt keine Möglichkeit mehr, die Förderung kurzfristig deutlich zu erhöhen.

Der Trick, grosse Mengen von gelagertem Öl auf den Markt zu werfen, hatten zwar den Ölpreis zeitweilig wieder unter die 70-Dollargrenze gedrückt, aber das ging eben nur, solange grosse Lagerbestände vorhanden waren. Am vergangenen Montag hat der Barrel-Preis für Rohöl an der New Yorker Rohstoffbörse die 81 Dollar überschritten. Es besteht nicht die geringste Aussicht, dass dieser Preis je wieder deutlich und längerfristig unter 70 Dollar fällt.

Der dritte Faktor, der zum Ausbruch der jetzt beginnenden US-Wirtschaftkrise beigetragen hat, ist der langdauernde und anscheinend unaufhaltsame Fall des Dollars gegenüber den anderen großen Währungen der Weltwirtschaft, dem Euro, dem Yen, dem Pfund und dem Schweizer Franken. Als der Euro letztes Jahr auf 2,25 kletterte, sagten die schlauen bürgerlichen Ökonomen voraus, das sei nur kurzzeitig und der Euro werde bald wieder fallen.

Nun, inzwischen steht er auf 1,3973 und die Marke von 1,40, die noch kürzlich für undenkbar gehalten wurde, dürfte in absehbarer Zeit fallen. Dann sind auch 1,50 nicht mehr weit. Wo der Dollar am Ende landen wird, ist kaum abzusehen. Dieser laufende Wertverlust des Dollars führt aber zu einer tendenziellen Inflation in den USA, denn die USA sind bei weitem der grösste Importeur der Welt.

Kampf gegen Inflation aufgegeben
Da die Zentralbank mit ihrer massiven Senkung des Leitzinses nun den Kampf gegen die Inflation aufgeben musste, um die „Rezession“ zu bekämpfen, könnte es passieren, dass die USA eine Wirtschaftkrise mit Inflation erleiden werden, während normalerweise in einer Krise die Preise eher zurückgehen oder jedenfalls kaum steigen.

Schliesslich gibt es noch einen vierten Faktor, der zum Beginn der Wirtschaftskrise beigetragen hat: Der „Krieg gegen den Terror“. Die massiven Staatsausgaben der USA für ihre militärischen Abenteuer haben das Budget-Defizit (Defizit des Bundeshaushalts) und die Verschuldung des US-Staates auf Höhen getrieben, die atemberaubend sind. Dazu wurden viele Programme gestrichen, die Kaufkraft geschaffen hätten, um die Kriege in Afghanistan und Irak und auch bereits die massiven Ausgaben für den anvisierten Iran-Krieg zu finanzieren.

Zwar sind die offiziellen Schuldscheine der US-Regierung, die US-Bonds, weiterhin gefragt und China und Japan (und nicht nur sie) kaufen alles auf, was auf den Markt gebracht wird, aber der langsam, aber sicher, fallende Wert des Dollars wird die Investoren und Zentralbanken nun daran erinnern, auf welch gewaltigem Vulkan sie sitzen. Es ist nicht ausgeschlossen, es werden massiv Gelder aus dem Dollar und Dollar-Bonds abgezogen. Das wäre das Ende der Weltwährung Dollar und des Supermachtstatus der USA.

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Zunächst wird sich die Wirtschaftskrise in den USA entwickeln und dann langsam mehr und mehr auf alle Weltmärkte und alle anderen nationalen Wirtschaften überborden. Es ist zu erwarten, bis Mitte 2008 hat sich die US-Krise in eine weltweite Wirtschaftskrise verwandelt.

Das ist genau zu diesem Zeitpunkt besonders kritisch, denn man ist in den unmittelbaren Vorbereitungen für den Iran-Krieg.

Ausserdem sind 2008 die Präsidentenwahlen in den USA. Man kann gespannt sein, ob die völlig durchgeknallte Bush-Clique wirklich in dieser Situation den Iran-Krieg beginnt. Auch fragt sich, ob sie eventuell unter dem Vorwand des „Krieges gegen den Terror“ die offene Diktatur in den USA einführt und die Präsidentenwahlen absagt.

Dieser artikel erschien erstmalig bei Karl Weiss

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Taking the Civil Rights Initiative

Rachel Alexander – Contrary to popular perception, racial quotas have never been fully struck down by the courts as unconstitutional. The U.S. Supreme Court has upheld preferential policies it considered „modest“ or where it found evidence of past racial bias. Even this year’s high court decision limiting race-based school assignments was limited in its scope. Affirmative action remains quite prevalent at universities and in government contracting.

Consequently, efforts to eliminate racial preferences in government contracts and public universities are shifting from legal battles in the courts to political fights at the ballot box and in legislatures. Ward Connerly of the American Civl Rights Coalition launched the first initiative banning preferences in California in 1996, Proposition 209, which passed in spite of significant opposition by far left interest groups. Similar initiatives soon followed in Washington and Michigan. Notably, all three initiatives passed in blue states.

Now Super Tuesday for Equal Rights is spearheading civil rights initiatives in at least four more states in 2008: Arizona, Colorado, Missouri, and Oklahoma. The wording is modeled after the color-blind language of the Civil Rights Act of 1964, which prohibits discrimination based on race, color, or national origin.

In Arizona, the most brazen use of racial preferences in government might be at the University of Arizona, which lists specific percentages of minorities and women broken down into 33 job categories that must be attained when hiring various faculty and administration positions. For example, the goal for composition of tenure track faculty in the fine arts for 2007 is 17 percent minorities and 56 percent women. These numbers are even more egregious considering women only make up 50-51 percent of the U.S. population. Opponents defend the „goals“ by declaring they are different from quotas — and judges often buy the argument.

Public employers and universities such as the University of Arizona cite Executive Order 11246 as an excuse for using quotas and „affirmative action.“ Executive Order 11246, which was issued by President Johnson in 1965, requires that federal government contractors use affirmative action to hire minorities. It was expanded in 1967 to include gender. Efforts to curb such practices under President Reagan and later with the proposed Dole-Canady Equal Opportunity Act in the 1990s were unsuccessful.

Signed into law by President John F. Kennedy.
Ironically, Executive Order 11246 was taken from Executive Order 10925, signed into law by President John F. Kennedy. The original order stated that contractors doing business with the federal government shall take affirmative action in employment „to see that employees are treated without regard to their race, creed, color or national origin.“ (Emphasis added.) Johnson turned affirmative action on its head when he rewrote the order to treat people instead „with regard“ to race, etc., leading us down the road where race hustlers could take this concept even further.

Executive Order 11246 applies to federal government contractors and includes state and local governments that participate on or work under a federal contractor. If the Arizona Civil Rights Initiative passes, it is unlikely the University of Arizona will be able to continue to hide behind it, since it would be a stretch to claim that every job position or entering student operates under a federal contractor. Although Arizona has similar state-level executive orders, they would be superseded by a change in state law.

This doesn’t mean the elitists who run the universities won’t try to find ways around bans on race and gender preferences. The arrogant administrators at most universities will stop at nothing to thwart the will of the people. For instance, after Proposition 209 passed in California, a UCLA faculty committee on diversity issued coy instructions how to bypass it. In place of the phrase affirmative action, it suggests, „For example, in hiring a faculty member, a department may consider whether a candidate’s record of teaching, research or service will contribute to the diversity of the campus.“

Such thinly veiled attempts to undermine the voters mean that no matter how successful next year’s civil rights initiatives might be, the debate over affirmative action will eventually return to the courtroom. With Samuel Alito and John Roberts now on the Supreme Court, there is some hope that color-blindness can be achieved. But the high court’s past decisions have been a mixed bag at best.

In the Regents of University of California v. Bakke case of 1978, the court held 5-4 that racial quotas by the government are unconstitutional because they violate the 14th Amendment’s Equal Protection clause. It was deemed impermissible to set aside a number of seats in a university’s entering class for minority groups.

Just two years later in Fullilove v. Klutznik, the court held that „modest“ quotas for minority groups were acceptable, leaving in place a federal law that set aside 15 percent of public works projects for qualified minority contractors. In 1987, quotas were again upheld in U.S. v. Paradise where the court found there had been evidence of past racial discrimination. The court backed off on quotas in 1989 with its decision in City of Richmond v. Croson, striking down a program that set aside 30 percent of city construction funds for black-owned firms, on the basis there was no evidence of past discrimination. A similar opinion involving federal contractors, Adarand Constructors, Inc. v. Pena was handed down in 1995.

The court continued its convoluted thinking in two 2003 decisions involving the University of Michigan, Gratz and Grutter. Both cases drew on earlier opinions in holding that although schools may not specify set numbers of minorities or women for admission to the university, they may still consider race or gender as a factor as long as a specific weight is not assigned to them. So the court voted 6-3 to overturn the University of Michigan’s undergraduate admissions policy of assigning extra points to applicants of certain minority groups, the equivalent of adding a full grade point to a student’s GPA. But, inexplicably, the justices let stand the law school’s policy race preferences. Justice Sandra Day O’Connor provided the clear-as-mud rational for these split decisions, stating, „We expect that 25 years from now, the use of racial preferences will no longer be necessary to further the interest approved today.“ Many have wondered, if something is unconstitutional in 25 years, then how is it constitutional today?

The incoherence of the courts when it comes to racial preferences has forced the voters to take matters into their own hands. If past votes are any indication, next year’s color-blind initiatives are likely to succeed. But it won’t be long before the ball ends up back in John Roberts’s Court.

This artcle was first published @ The American Spectator


Rachel Alexander ist praktizierende Anwältin für die Regierung in Phönix im U.S. Staat Arizona. Als ehemaliges Redaktionsmitglied und Kolumnistin des Arizona Daily Wildcat, gewann sie für ihre journalistischen Arbeiten drei Auszeichnungen und schreibt Kolumnen für IntellectualConservative.com

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Der Fall Marco W. – Wir haben sie ertappt!

Karl Weiss – Der Beginn des Prozesses gegen Marco. W. in der Türkei wurde nun erneut bis auf Ende September vertagt. Das Rauschen im Blätterwald war beachtlich gewesen, die Politiker übertrafen sich ein ums andere Mal mit „entschlossenen Forderungen” zur Freilassung: Der siebzehnjährige Deutsche hatte etwas, das man wohl als „Petting’ beschrieben muss, mit einem dreizehnjährigen englischen Mädchen – in der Türkei. Die Mutter des Mädchens zeigte ihn an und er kam in türkische Untersuchungshaft. Fast alles, was dazu hierzulande verlautet wurde, hängt mit den deutschen Befindlichkeiten über Türken zusammen, praktisch nichts mit der Sache. Danach hat sich die „hype“ der Medien und Politiker schon gelegt, Marco W. interessiert nicht mehr – die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben.

Es ist nur allzu offensichtlich, warum so viele deutsche Politiker die Freilassung Marcos forderten. Man kennt die Vorurteile gegen Türken und die Türkei und glaubt nun, man kann beim Wähler punkten, wenn man durchscheinen lässt, die Türkei sei ein rettungslos in veralteten Moralvorstellungen befangener Staat.

Was man nämlich dem Wähler wirklich zu bieten hat, ist ja nicht mehr angetan, ihn zu überzeugen: Hartz IV, Arbeitszeitverlängerungen, Lohnsenkungen, Anheben des Rentenalters, Bundeswehr gegen schwache, unterentwickelte Länder, Rentenkürzungen, Bezahlen fürs Studium, Schließen von Schulen, nicht enden wollende Steuererhöhungen für den kleinen Mann bei gleichzeitigen großzügigen Geschenken für die Grosskonzerne und –Banken, die sowieso im Geld schwimmen, dazu Schnüffelei und Überwachung bis zum Exzess, all dies hat dem Bundesbürger klargemacht, was von diesen Politikern zu halten ist.

Da war es eine goldene Gelegenheit, sich in der Zustimmung der Bürger zu sonnen, wenn man den armen, verfolgten Marco verteidigt. Dass es überhaupt nicht um das Schicksal des Jungen ging, merkt man danach, als plötzlich Schweigen im Walde war und sich niemand mehr dafür interessierte, was aus Marco W. wird. Tatsächlich ist angesichts dessen, was ihm vorgeworfen wird, eine monatelange Untersuchungshaft nicht angemessen. Auch seine Kondition als Jugendlicher wird offenbar nicht genügend berücksichtigt.

Es gibt auch andere Stellungnahmen, die schon fast lustig wären, so absurd sind sie. Dazu gehört zum Beispiel, was ein gewisser Oliver Eberhard in „telepolis“schrieb:

„Aber in einer zutiefst sexualisierten Gesellschaft verschwimmen die Grenzen zwischen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, erleben Heranwachsende ihr erstes Mal in einem immer jüngeren Alter (…)
Denn in westlichen Gesellschaften sind Kinder und Jugendliche zunehmend sexualisiert: Selbst Zehn-, oder Zwölfjährige gehen bauchfrei, geschminkt oder mit enganliegender Kleidung,(…)
Es ist ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich: Kinder müssen wieder zu Kindern werden.“

Man hört direkt heraus, wie er die guten alten Zeiten zurück wünscht, als Kinder noch Kinder waren.

Da fiel dem Autor Romeo und Julia ein. Rein zufällig, so als wäre es ein Omen, geht nämlich die Sage, die wirklichen Figuren aus jenen Zeiten in Verona seien eben genau so alt gewesen: Sie 13, er 17.

Moment mal, das kann nicht sein, Julia war bereits für eine Hochzeit vorgesehen, als sie Romeo kennen lernte und sie wurde von einem Priester mit Romeo verheiratet, die kann unmöglich 13 gewesen sein! In früheren Zeiten waren doch Kinder noch Kinder und sie zogen sich nicht unzüchtig an. Die Eltern sorgten dafür, dass kleine Mädchen keine unzüchtigen Begegnungen haben konnten! Daher kann Julia mit dreizehn gar nicht gewusst haben, was Sex ist. Und bei Shakespeare machen die beiden schliesslich eindeutig Sex!

Tja, da wird es nun wirklich wunderlich. Hatten wir uns nicht gerade noch die guten alten Zeiten zurück gewünscht?

Sieht man sich die Geschichte der Menschheit als Ganzes an, seit den Vorzeiten, so waren Mädchen mit 12 , 13 fast zu allen Zeiten bereits sexuell aktiv, sei es in der Urgesellschaft, wo die Mädchen begannen Sex zu haben, sobald sie geschlechtsreif waren, also mit etwa 12, 13, oder sei es in späteren Zeiten, als man sie in diesem Alter zu verheiraten pflegte.

Die Institution der Hochzeit war zu fast allen Zeiten etwas, was arrangiert wurde – meistens durch die Eltern – und es spielte eine grosse Rolle, dass der Freier mit jungem Fleisch angelockt wurde. Man wollte schliesslich eine „gute Partei“ für seine Tochter. Da versprach eine frühe Verheiratung fast immer ein besserer „Deal“ zu werden als wenn sie bereits nicht mehr so jugendlich knackig war.

Es gibt ein anderes Theaterstück aus jenen Zeiten, in dem das Mädchen sogar schon bei dem älteren Herrn lebt, der sie heiraten will, sobald „die Zeit gekommen ist“. Nur, wie das bei Theaterstücken zu sein hat, sie lernt einen Jüngling kennen und will den Alten nicht mehr heiraten. Das findet statt, so muss man es interpretieren, bevor sie geschlechtsreif wird, also mit vielleicht 10 oder 11 Jahren.

Kurz, bei uns wie auch in anderen Breiten, wurden Mädchen mit etwa 13 Jahren typischerweise gefreit und geheiratet – über Jahrhunderte hinweg. Das trifft, so kann man sagen, auf etwa 95% der Zeit zu, die es bisher an Menschheit gab. War also nichts mit den guten alten Zeiten, in denen Kinder noch Kinder sein durften.

Auch wenn wir auf den männlichen Teil der Jugendlichen sehen, ist das Bild nicht wesentlich anders, nur üblicherweise im Alter etwas nach oben verschoben. Unsere Ur-Urgrossväter pflegten ihre Spösslinge, meist mit etwa 15, in die Dinge der Erwachsenen einzuweihen, indem sie sie zu einer gut bekannten Prostituierten brachten, die ihnen beibrachte, wie die Dinge so ablaufen.

Auch die Inaugurationsriten, mit denen seit Urzeiten die jungen Leute in die Gemeinschaft aufgenommen werden, fanden und finden in solchem Alter statt. Was davon heute noch üblich ist, wie z.B. die Firmung bei den Katholiken und die Konfirmation bei den Protestanten, bezieht sich alles auf Zeitpunkte, zu denen die Jugendlichen geschlechtsreif werden.

Hier in Brasilien z.B. wird bei allen Mädchen der 15. Geburtstag mit einem grossen Fest begangen – nicht aber bei den Jungs. Zwar ist dies offiziell nicht mehr eine „Aufnahme in die Gemeinschaft“, doch im Grunde ist sich jeder bewusst, was damit gesagt werden soll: Sie ist soweit, Freier, kommt und seht sie euch an!

Seit der Aufklärung allerdings und im Zusammenhang mit dem heutzutage weit komplexeren Leben als früher haben wir heute eine andere Einstellung zu den Jugendlichen. Sie müssen ja viel lernen, zur Schule gehen, studieren, eine Lehre machen, kaum einer, der vor seinen 18 Jahren „fertig“ wäre, meistens deutlich später.

Die Natur allerdings hat das noch nicht kapiert, sie lässt die jungen Leute weiterhin üblicherweise mit 11 bis 13 Jahren geschlechtsreif werden. Geschlechtsreif heisst ja nicht nur, man ist nun bereit, Sex zu machen, sondern heisst auch, man hat sexuelle Bedürfnisse, hat bereits ein Sexualleben.

Bei den Jungs spielt sich das meistens einfach als häufiges Masturbieren ab, aber auch die Mädchen fühlen oft schon, dass da etwas ist, denn die Hormone wirken, unabhängig davon, ob die Gesellschaft Sex erlaubt oder nicht. Ja, in diesen Jahren gleich nach der Geschlechtsreife sind die Hormone sogar deutlich aktiver als später.

Vor allem aber sind Jungs wie Mädchen in jenen Jahren ja auch extrem neugierig. Man will wissen, was es ‚damit’ auf sich hat. Aufklärung ist nicht, oder wenn, dann hauptsächlich in Form der Erklärung mechanischer Abläufe, ohne jede Lust – und in Form von Warnungen vor den Gefahren (Schwangerschaft, AIDS) und ohne je zu erwähnen, dass hier, in der Sexualität, die Quelle der grössten Freude für die meisten Menschen liegt.

So lernen die jungen Menschen vor allem, dass die Erwachsenenwelt heuchlerisch ist. Fast alle sind darauf angewiesen, sich die Kenntnisse zum Sex selbst anzueignen und das wichtigste Mittel dazu war und ist, sexuelle Kontakte zum anderen Geschlecht zu haben, so wie die meisten von uns Älteren dies auch getan haben, als sie jung waren.

Junge Leute treffen sich, knutschen, und beginnen, sich sexuell zu betätigen. Zuerst greift der Junge meistens nach ihren Brüsten, dann fährt er ihr mit der Hand zwischen die Beine, meistens ohne viel Erfolg, denn er weiss ja noch nicht, was da zu tun ist. Sehr oft greift sie dann auch in seinen Hosenstall und holt heraus, was sie schon lange sehen wollte.

Wie durch ein Wunder wissen die Mädchen auch schon in sehr jungen Jahren, dass sie da reiben müsen und wundern sich, wie schnell dann alles vorbei ist und dass es da so feucht wird.

In vollem Bewusstsein dieser Dinge hat denn auch fast jedes Land, in dem die Aufklärung gewirkt hat (und dazu gehört auch die Türkei), nicht nur Verbote des Sex mit Kindern zu ihrem Schutz erlassen, sondern gleichzeitig auch Ausnahmen für den Beginn sexueller Betätigung (fast) Gleichaltiger aufgestellt.

In den meisten aufgeklärten Ländern ist das generelle Schutzalter von Kindern auf 14 Jahre festgelegt – in einigen Ländern sind ausdrücklich Ausnahmen für dreizehnjährige festgelegt, wenn es sich um Partner handelt, die fast gleichaltrig sind. Für das Alter zwischen 14 und 16 gibt es meist Regelungen, die ausdrücklich sexuelle Betätigung mit Partnern von der Strafbarkeit ausnehmen, die weniger als fünf Jahre älter sind (nach geltendem deutschen Recht darf der ältere Partner nicht über 21 sein).

Ist – wie im Fall des Siebzehnjährigen mit der Dreizehnjährigen – das Schutzalter um nur ein Jahr unterschritten, wird in der Regel – wegen geringer Schuld – von einer Strafverfolgung abgesehen, wenn die Regel des maximalen Altersunterschieds von fünf Jahren eingehalten ist und eindeutig einverständlicher Sex vorlegt.

Falls sich also die Version von Marco W. als richtig herausstellt, man habe einverständlich „Petting“ gemacht, würde der Prozess in jedem aufgeklärten Land eingestellt.

Falls aber die Verson aufrecht erhalten bleibt, welche die junge Britin am Anfang erzählt hat, er habe sich an ihr im Schlaf gütlich getan, liegt tatsächlich strafwürdiges Verhalten vor. Allerdings reicht das bestenfalls für eine Geldstrafe oder eine gemeinnützige Arbeit aus. Auch in diesem Fall wäre eine Untersuchungshaft bis zum Prozess und jeglicher Freiheitsentzug als Bestrafung völlig unangemessen.

So stellten denn auch schon die Kommentaristen der „Süddeutschen“ und in „freace.de“ klar, die harte Reaktion der Türkei kam erst, als die `Bild` das Ganze zum deutsch-türkischen Skandal hochspielte und Politiker glaubten, auf dem Schicksal von Marco W. ihr Süppchen kochen zu sollen.

Was alle Massenmedien aber vergassen zu erwähnen, obwohl ausführlichst über den Fall berichtet wurde, ist die Gefährdung des aufgeklärten Konsenses unter den zivilisierten Nationen.

Ausgehend von den Vereinigten Staaten gibt es nämlich – nicht nur in dieser Frage, sondern auch in anderen – ein generelles „Roll-Back“ des extremistischen religiös-christlichen Fanatismus gegen die Werte der Aufklärung. In den USA gibt es bereits in einer grossen Anzahl von Staaten Sondergesetze, die auf religiösen Überzeugungen beruhen, die jene Fanatiker dem Rest der Menschheit aufzwingen wollen.

Dazu gehören nicht nur die Schulen, in denen neben der wissenschaftlichen Lehre der Evolution auch der creationistische Unsinn gelehrt werden muss, basierend auf einem „wörtlich-nehmen“ der Bibel, und jene, in denen neben der Entwicklung der globalen Erwärmung zu einer Klimakatastrophe auch gelehrt werden muss, dabei handele es sich um die Vorboten des Jüngsten Gerichts. Dazu gehören auch Gesetze, die Ehebruch als Straftat wieder einführen, bis hin zur Bestrafung mit lebenslänglich, das Wiedereinführen der Strafbarkeit von homosexuellen Geschlechtsverkehrs, die generelle Strafbarkeit jeglichen Sexes unter 18, die Strafbarkeit von Oral- und Analsex, auch unter Erwachsenen, die Einstufung von jeglichen Abbildungen von Kindern und Jugendlichen – auch bekleidet, – die eventuell eine erotische Komponente enthalten könnten, als Kinderporno usw. usf.

Einiges davon kann man in diesem Artikel lesen:

„USA – Absurditäten des religiösen Extremismus“

Was aber weit wichtiger ist, diese Art von absurder Gesetzgebung wird nun auch für Europa eingeführt und speziell für Deutschland.

Im einzelnen kann man das hier nachlesen:
„Schnüffeln im Sexualleben der Bundesbürger“

„Dossier Verschärfung Sexualstrafrecht, Teil 1“
und „Dossier Verschärfung Sexualstrafrecht, Teil 2“

So stellt sich nun plötzlich heraus, die gleichen Politiker, die gerade eben noch die Türkei als zurückgebliebenen Staat mit veralteten Moralvorstellungen darstellen wollten, sind gerade hier in Deutschland dabei, wirklich mittelalterliche (in Wirklichkeit gab es solche Gesetze im Mittelalter ga r nicht – man plant etwas mittelalterlicher als im Mittelalter) Gesetzgebungen über sexuelle Strafrechtsnormen einzuführen!

Wir haben sie ertappt!

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Why is the Republican Party attacking our two major presidential candidates?

Rachel Alexander – What is the Republican National Committee doing attacking the two major GOP contenders for president, Giuliani and Romney (who have no history as conservatives) for being too conservative on illegal immigration? The party leadership is out of touch with not only conservative Republicans, but mainstream Republicans as well.

The Republican National Committee chairman, Mel Martinez, has come out criticizing the GOP’s 2 top candidates for president, Rudy Giuliani and Mitt Romney for their positions on resolving illegal immigration . What is wrong with this picture? Giuliani and Romney are considered RINOs to many Republicans, with track records to prove it, so the Republican Party is doing Republicans no favors by attacking them for being too conservative. So far Giuliani and Romney are the only two Republican candidates with any real chance at winning the primary election (and if the RNC is that liberal on illegal immigration then it certainly won’t support the more conservative Fred Thompson if he enters the race), so why is the RNC trying to scare off the conservative base even more from supporting these realistic candidates?

It is not the time to be attacking our leading candidates
After the Senate immigration bill fiasco, most Republicans, regardless of their stance on illegal immigration, came to a consensus that the bill had too many problems – no surprise considering it was mostly Democrats who supported it. Most Americans are gradually becoming resigned to the fact that Hillary Clinton is probably going to become our next president, unless something extraordinary takes place, like capturing Osama bin Laden. If Republicans want to keep control of the White House – which in fact is supposed to be the primary responsibility of the RNC – it is not the time to be attacking our leading candidates, who ironically represent the views of the middle-of-the-road RNC leadership better than the rest of candidates.


„Good people would be given a chance,“ he said. „Bad people, or not such good people, would be thrown out depending on how you decided that.“

Giuliani is no illegal immigration hawk. He has tried to distance himself from his record in the past as New York mayor. However, even though he says he would emphasize enforcement issues more as President, he still takes a much more nuanced position than hardcore conservatives. In a recent campaign appearance in Boone, Iowa, he stated that he would not require the deportation of illegal immigrants who have children born in the U.S., unless they’ve committed crimes.

He says he will move on to comprehensive immigration reform eventually – issues like paths to citizenship, guest worker program – after the borders are secured. He describes himself as „very practical about illegal immigration.“ „Good people would be given a chance,“ he said. „They’d have to earn it, they’d have to pay penalties and back taxes, they’d have to be able to read, write and speak English before they could become citizens. Bad people, or not such good people, would be thrown out depending on how you decided that.“

Romney has criticized Giuliani recently for being soft on illegal immigration, but as recently as November 2005 Romney supported the McCain-Kennedy immigration bill, and in 2006 expressed support for a path to citizenship. Here in Arizona, where illegal immigration has been ranked by residents as the #1 issue facing Arizonans, extremely conservative Senator Jon Kyl suffered a severe backlash for supporting the Senate immigration bill this summer. Even though Kyl is considered one of the most solid conservatives in the U.S. Senate, with a lifetime rating of 96.9 from the American Conservative Union (presidential candidate Duncan Hunter only has a 92 and Tom Tancredois barely any higher than Kyl at 97.8), the outcry from Arizona Republicans was enough to make him back off and vote against the bill’s passage at one point.

So what is going on at Republican Party headquarters?
The party leadership is supposed to represent the party, not the interests of a select few. Like it or not, Giuliani and Romney, arguably the two most liberal Republicans in the race for president and the only two official candidates with a realistic chance at winning, have chosen positions on this issue which fall somewhere between the liberal wing of the party and the conservatives. They should not be taken down by the very party which is supposed to represent them. Something is very wrong at Republican headquarters, which needs to be addressed before we lose this election.


Rachel Alexander Ist praktizierende Anwältin für die Regierung in Phönix im U.S. Staat Arizona. Als ehemaliges Redaktionsmitglied und Kolumnistin des Arizona Daily Wildcat, gewann sie für ihre journalistischen Arbeiten drei Auszeichnungen und schreibt Kolumnen für IntellectualConservative.com

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Der „Menschenfresser“ von Wien

Malte Olschewski – Das Fressen anderer Menschen ist gefundenes Fressen für die Medien. So betitelte CNN den geisteskranken, möglichen Kannibalen Robert Ackermann als „österreichischen Hannibal Lecter.“ „Bild Online“ brachte eine national betonte Variante: „Deutscher isst Österreicher“. Die TAZ schliesslich sah das „Opfer auf dem Teller“. Alle drei Schlagzeilen sind halb falsch bis halb wahr und daher sehr typisch für den Journalismus des Boulevards. In einer Obdachlosenunterkunft der Wiener Reichsapfelgasse hatte der 19jährige deutsche Staatsbürger Robert Ackermann den 49jährigen Österreicher Josef S. mit einer Hantel erschlagen und dann mit einem Messer aufgeschlitzt.

Die später alarmierte Polizei traf den Täter mit blutverschmiertem Mund in der Unterkunft an. Der Schädel des Opfers war aufgebrochen, die Zunge herausgeschnitten. Auf einem Tisch stand ein Teller mit Hirnteilen und mit der Zunge des Opfers. Die Obduktion ergab, dass dem Körper keine inneren Organe entnommen worden waren. Der Täter schwieg. Auch die Polizei hat bisher noch nicht mitgeteilt, ob das Blut im Gesicht des Täters vom Essen seines Opfers stammt.

Sichere Tatsache ist, dass der junge Mann geisteskrank ist und schon längst in eine geschlossene Anstalt gehört. Da aber seit einiger Zeit eine wachsende Zahl von Menschen gestörtes Verhalten aufweisen, wird es für die zuständigen Stellen immer schwieriger, zwischen kontrolliertem Freigang und geschlossener Anstalt zu entscheiden. Ackermann lebte mit dem späteren Opfer einer betreuten Wohnung. Er sah sich gern als millionenschwerer Manager. Er hatte ständig Streit mit seinem gutmütigen Mitbewohner. Seit Wochen hatte er die vorgeschriebenen Medikamente nicht mehr eingenommen.

Fälle von Kannibalismus erschrecken in den letzten Jahren immer öfter die Öffentlichkeit. Der Kannibale von Rotenburg, Armin Meiwes, hat vor Gericht angegeben, dass es in Deutschland etwa 800 Kannibalen geben würde. Wie er es getan hätte, würden diese im Internet nach potentiellen Opfern fahnden. Viele verschwundene Kinder seien Kannibalen zum Opfer gefallen. Das mag sein oder hoffentlich auch nicht. Tatsache ist, dass die Polizei im Computer des Meiwes über 200 Adressen fand, mit denen er über E-mail kannibalische Fantasien ausgetauscht hatte. Im Jahr 2002 kam es in Koblenz zu einem weiteren Fall. Ein 21jähriger Elektriker hatte seine Kusine getötet. Teile der Leiche fand die Polizei mit Reis in einem Backofen.

Der Kannibalismus wird seit der Zeitenwende 1990 relativ oft in Film und Literatur behandelt. So etwa ist die Geschichte Fritz Haarmanns, des berühmtesten Kannibalen Deutschlands, mit Götz George in der Hauptrolle und mit dem Titel „Der Totmacher“ verfilmt worden. Haarmann hatte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg im Raum Hannover zwei Dutzend junge Burschen ermordet und zerstückelt. Er hat ihr Fleisch gegessen, aber auch in Dosen verpackt und verkauft. Das hat zu dem bekannten Abzählreim geführt: „ Warte! Warte nur ein Weilchen. Bald kommt Haarmann auch zu Dir. Mit dem Hackebeilchen macht er Hackefleisch aus Dir. Aus den Augen macht er Sülze, aus dem Hintern macht er Speck. Aus den Därmen macht er Würste. Und den Rest, den wirft er weg.“ Diese Reime waren durch all die Jahrzehnte derart populär, dass sie ab 1990 von mehreren extremen Musikgruppen benutzt worden sind. Der italienische Regisseur Ruggero Deodato ist fast ausschliesslich für seine Filme über dieses Thema bekannt.

„Cannibal Holocaust“
Seine bisher grössten Erfolge waren „Ultimo mondo cannibale“ und „Cannibal Holocaust“. Über die Kunstfigur des intellektuell überragenden Kannibalen Hannibal Lectersind bisher schon vier Filme mit guten Einspielergebnissen gedreht worden. Auch der Fim „Dumplings“ des Chinesen Fruit Chan gehört in diese Kategorie. Hier geht es um die Tötung und Verarbeitung von Babies zu Verjüngungsdrogen. In „Dead Man“ von Jim Jarmusch ist der Bösewicht auch ein Kannibale. Auch die TV-Serie „Bones: Die Knochenjäger“ behandelt das gleiche Thema. In den USA war der bisher einzige verurteilte Kannibale Alferd Packer Hauptfigur des Musicals „Cannibal“. Literarisch hat der Kannibalismus mit dem Thriller von Brett Easton Ellis „American Psycho“ einen Erfolg gefeiert. Ein erfolgreicher Börsenmakler zieht die letzte Konsequenz aus der herrschenden Ordnung des Superkapitalismus. Er tötet und frisst andere Menschen, vorzugsweise junge Mädchen. In diesem Buch stehen Sätze wie: „Die würde in der Pfanne gut schmecken.“ Oder: „Mit ihrem Blut würde ich gern herumpantschen!“

Von diesen Formen ist der Kannibalismus in einer Notsituation zu unterscheiden. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen in extremer Not das Fleisch anderer essen. Es hat bei der Belagerung von Leningrad Kannibalismus gegeben, wie auch japanische Soldaten in mehreren Fällen die Leichen ihrer Feinde und dann die eigenen Gefallenen verzehrt haben. Nach Scheitern der italienischen Nobile-Expedition haben im Eis Verschollene ihre erfrorenen Kameraden gegessen. Sehr häufig wird Menschenfresserei in der Seefahrt registriert. Schiff-brüchige haben andere erschlagen und aufgegessen. Als ein Passagierflug über den Anden abstürzte, haben die Überlebenden die Leichen toter Passagiere verzehrt.

Das Essen der eigenen Art ist mit einem derart starken Tabu belegt, dass Proponenten der politischen Korrektheit sogar behaupten können, es habe bei Naturvölkern in Amerika, Afrika und Ozeanien überhaupt keine Anthropophagie gegeben. Die europäischen Eroberer hätten die Menschenfresserei erfunden, um einen zusätzlichen Grund zu haben, diese Völker zu kolonisieren, zu unterwerfen und teilweise auzulöschen.

Das ist nun gänzlich unrichtig. In zahlreichen Mythen, Legenden und Märchen ist immer wieder von Kannibalismus die Rede. So etwa verschlingt in der griechischen Mythologie Urvater Kronos seine eigene Brut. Zeus wird nur gerettet, da seine Mutter Rhea ihn versteckt und Kronos einen in Windeln gewickelten Stein überreicht. Aber auch der spätere Chef des Olymps ist kein Guter. Zeus verschlingt seine schwangere Geliebte samt der ungeborenen Tochter Athene, weil er Heras Eifersucht fürchtet. Athene wandert durch den Körper des Zeus und springt dann als Kopfgeburt aus seiner Stirn hervor. Auch in deutschen Märchen regiert oft ein versteckter Kannibalismus. Die Hexe füttert Hänsel und Gretel, die sie in einem Ofen backen und dann verzehren will.

Kannibalismus in Amerika wird erstmals von Kolumbus durch eine Eintragung in das Bordtagebuch vom 14.11.1492 bezeugt. Auf einer Insel, dem späteren Haiti, würde ein schrecklicher Stamm mit Namen „Caryba“ oder „Canyba“ Menschen verzehren. Daraus ist einerseits der Name „Kannibalismus“ und dann auch die Regionalbezeichnung „Karibik“ abgeleitet worden. Zahllose Berichte früher Konquistadoren bezeugen die Menschenfresserei in Mittel- und Südamerika.

Es scheinen aber die Indianer des Nordens den Kannibalismus deswegen nicht gekannt zu haben, weil die Prärien mit den Büffelherden mehr als ausreichend Fleisch und damit Protein geliefert hatten. Damit kommt ein wichtiges Argument ins Spiel: Essen des anderen, weil nichts anderes da ist und weil der menschliche Organismus Proteine braucht.

Tatsächlich scheint an den Küsten Schwarzafrikas mit reichen Fisch-vorkommen der Kannibalismus weniger ausgeprägt als in den Dschungeln des Landesinneren, die wenig essbares Wild geboten haben. Dem widersprechen auch bewiesene Tatsachen aus Ozeanien nicht, wo in Papua-Neuguinea die Menschenfresserei bis heute überlebt hat. Hier spricht man von einem Endo-Kannibalismus, in dem aus religiösen Gründen verstorbene Angehörige verzehrt werden.

Da vorwiegend das Hirn als Leckerbissen galt, ist es durch Prionen wie bei der BSE oft zur Übertragung von Krankheiten gekommen. In Fidschi hat der Kannibalismus seine grausigste Ausprägung erfahren. Auch dort war die Menschenfresserei im Inneren der grossen Insel Viti Levu wesentlich deutlicher als an den Küsten. Häuptling Udreudre war ein Gourmet. Er liess gefangene Gegner oder Untertanen regelrecht mästen. Er war auf gebratene Föten aus und verfolgte deswegen schwangere Frauen, denen er die Leibesfrucht aus dem Körper reissen liess.

Er hatte grossen Appettit auf seine Mitmenschen. Für jedes Opfer liess er einen Stein aufrichten. Ein anderer Häuptling liess seine Opfer als ganzes in den Erdofen schieben und dann als durchgebratene Figuren ausfstellen. Dann nahm er die grausige Parade ab und knusperte da und dort an einer Nase oder einem gerösteten Arm. Über dem Verzehr von Menschenfleisch lag ein religiöser Zauber. Eigene Trommeltöne riefen zum Kannibalen-mahl. Man langte mit eigens geschnitzten Gabeln zu. Das „bokola“, das „lange Schwein“, hat offenbar bestens gemundet. Man frass auch den britischen Missionar Baker, der die Fidschianer bekehren wollte und dabei einem Häuptling in einem schlimmen Tabubruch an den Kopf gegriffen hatte.

Oberhäuptling Cakobau war der letzte Staatschef der Welt, der offiziell und mit grossem Appettit Menschenfleisch verzehrt hat.
Im Museum von Suva waren lange Zeit neben den Bokola-Gabeln auch Bakers Stiefelsohlen mit Bisspuren zu sehen, nachdem die Fidschianer ihr Opfer samt den Stiefeln gekocht hatten. Oberhäuptling Cakobau war um 1900 der letzte Staatschef der Welt, der offiziell und mit grossem Appettit Menschenfleisch verzehrt hat. Als er um britischen Schutz ansuchte, liess ihm Königin Victoria ausrichten, dass er auf diese seine Leibspeise zu verzichten habe. Eine Frage bleibt ungeklärt: War zuerst der Nahrungs- und Proteinmangel da, der dann beim Kannibalenmahl religiös verziert worden ist. Oder war zuerst die religiöse Opferung und Einverleibung, die dann zur Normalität wurde wie etwa in Udreudres Haushalt.

Kannibalismus erscheint im Rahmen europäischer Zivilisation als eines der mächtigsten Tabus. Es sind auch die meisten Fälle von Menschen begangen worden, die geisteskrank waren. In der medialen und modischen Neufassung des Kannibalismus treten hochintelligente Mörder und Kannibalen wie Hannibal Lecter auf. Hierbei wird nur angedeutet, dass es vielleicht das Menschenfleisch sein könnte, das ihm zu dieser Intelligenz verholfen hat. Auch der Börsenspekulant Bateman in „American Psycho“ ist ihm Rahmen der Wall Street hochintellegent. Es ist nicht zu übersehen, dass in der heutigen Gesellschaft Pirschgänge an alle bisherigen Grenzen unternommen und gefeiert werden.

Man spricht auch von Regression und Retribalisierung. Es ist nicht ein Hobby oder ein Freizeitsport, wenn man sich in der „Scarification“ Schnitte ins eigene Fleisch machen lässt, aus denen dann „prächtige Narben“ wachsen… Wenn man sich mit Dutzenden Haken im eigenen Fleisch aufhängen lässt wie bei einigen Indiostämmen… Wenn der Körper mit Tätowierungen übersät wird… Wenn Rockbands in ekstatischen Tänzen gefeiert werden…. Wissenschafter sehen auch an anderen Phänomen eine „Retribalisierung“: Ein Rückkehr in das Stammesdenken. Und wenn man nur weit genug in dieser Retribalisierung zurückgeht, dann wird man eines Tages wieder beim Kannibalismus ankommen.

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Österreich vor dem Papstbesuch: Der Heilige Vater wird gesoftet

Malte Olschewski – Er trinkt am liebsten lauwarmes Fanta. Fisch und Gemüse sind seine bevorzugten Speisen. Er spielt recht gut Klavier. Er steht um fünf Uhr auf und geht um 23 Uhr ins Bett. Er hat eine Schwäche für modische Acessoirs: So trägt er des öfteren feuerrote Prada-Schuhe und modische Sonnenbrillen. Er suchte vergeblich seinen langjährigen Schneider Raniero Mancinelli als offiziellen Herrenausstatter seiner Firma durchzusetzen.

Er wechselt sehr oft die Kopfbedeckung. Er scheut sich nicht, fallweise auch einen „Camauro“ aufzusetzen, der ihn wie einen Weihnachts-Mann aussehen lässt. Bei dem an-stehenden Besuch in Österreich wird er ein Messgewand aus grüner Seite tragen, das mit Bernstein und Perlen als Symbolen für Schöpfung und Himmels-Glanz besetzt ist. Papst Benedikt XVI. besucht von 7. bis 9. September Österreich. Das Bild des strengen, über-dogmatischen Papstes wird hierzulande von eifrigen Medien mit Petitessen aus seinem Privatleben weichgespült. So ist in langen Titelgeschichten das zu erfahren, was man immer schon vom Papst nicht wissen wollte.

Dass er mit gezielten Äußerungen völlig unnötig die islamische, die lateinamerikanische und protestantische Welt verärgert und schockiert hat, ist in Österreich schon vergessen. Man blickt freudig erregt dem Heiligen Vater entgegen. Der offizielle Anlass für seinen Besuch ist das etwas künstliche Jubiläum des Gnadenortes von Mariazell. Genau 850 Jahre sollen vergangen sein, seit der Benediktinermönch Magnus 1157 mit einer holzgeschnitzten Marien-statue vom Kloster St. Lambrecht aus in die Einöde der oberen Steiermark vorstiess. Die Legende erzählt, dass ihm plötzlich ein Felsen den Weg versperrt hat. Er rief die Gottesmutter Maria an, die prompt den Felsen spaltete. Magnus stellte die Statue auf einen Baumstumpf und begann eine „Zelle“, das ist eine notdürftige Behausung, zu bauen. Daher kommt auch der Name des „Gnadenortes“.

Schon 1200 ließ Heinrich Vladislaus von Mähren als Dank für Heilung von einer Krankheit an dieser Stelle eine Kirche errichten. 1370 hat König Ludwig nach seinem Sieg über die Türken zusätzliche Bauten angefügt. Die Maria von Mariazell wurde religiöses Sinnbild für die Verbundenheit Österreichs mit Osteuropa. Als eine Schnitz-Figur aus Lindenholz steht sie heute in der Gnadenkapelle, während sie am Hochaltar als typische Schutzmantelmadonna abgebildet ist. Sie wird nicht nur als „Magna Mater Austriae (Grosse Mutter Österreichs)“ verehrt, sie gilt auch als „Magna Domina Hunganorum(Grosse Herrin der Ungarn)“ und die „Mater Gentium Slavorum (Mutter der slawischen Völker)“. Marizell wurde ein Pilgerort, zu dem man über besonders romantische Wege gelangen konnte. Mariazell wird vom Benediktinerorden gemanagt. Da trifft es sich bestens, dass auch der besuchende Papst auf den Namen Benedikt hört.

Zu den Regeln dieses Ordens gehört auch die Gast-Freundschaft. Ungeachtet dessen hat sich in Mariazell Pilgerbusiness mit viel Kitsch und zu erhöhten Preisen etabliert. Das nerventötende Werben um Spenden für die Renovierung der Basilika hat viele Gläubigen verstört. Die durchaus begüterte, katholische Kirche hat regel-rechten Spendenterror ausgeübt. Schon Ende 2006 wurde mit eine Serie von Festlichkeiten im Hinblick auf das nicht allzu runde Jubiläum von 850 Jahren begonnen. Einer Wallfahrt der österreichischen Blasmusik schloss sich eine Pilgerreise des Roten Kreuzes an.

Es Wallfahrteten des weiteren nach Mariazell: Jugendverbände, Behinderte, Soldaten, Sintis und Romas, Fussballer und auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Am 31.5. 2007 kam es zu einem Gottesdienst für „Groß-Sponsoren“, während einen Tag später der „Kleinspender“ gedacht wurde. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn bedankte sich mit den Worten: „Kein Opfer ist zuviel, denn dieser Ort leuchtet und lässt die Menschen Gott verherrlichen, wenn sie dieses Licht sehen.“ Die Gesamtkosten der seit 1992 laufenden Renovierung betrugen 30 Millionen Euro. Man hätte auch etwas billiger renovieren können. Eine Pilger-Tagesstätte mit chemischen Toiletten ist eingerichtet worden. Dort kostet eine Warmwasserdusche schon einige Euro. Nichts ist umsonst im Gnadenort. In einer eigenen Grotte können Kerzen entzündet werden, was in den Haupträumen der Kirche wegen der Rauchbelastung ver-boten ist.

Nun werden mit dem Papst rund 40 000 Menschen in Mariazell erwartet. In den Küchen der umliegenden Hotels und Gasthäuser werden papistische Menüs ausgebrütet: Papstschnitzel, Benedikt-Bier oder Papapizza sind im Angebot. Die Devotionalienhändler haben ihre Ware vatikanisch ausgerichtet. Kitsch und Religion feiern Hochzeit. Eine Marienstatue, 17 Zentimeter natur, ist für 49 Euro zu haben, eine Bienen-Wachskerze mit aufgeklebten „Bienchen“ kostet fünf Euro. Papst-T-Shirt, Fünfmandler-Lebkuchen, Rosenkränze, Heiligenbildchen, Miniaturen der Basilika und anderes werden angeboten. Doch die Linden am Hautplatz, die man 1983 zu Ehren des Besuches von Papst Johannes Paul II. gepflanzt hatte, sind gefällt worden, da sie den Errichtung einer großen Zuschauertribüne im Weg standen.

vermischtes

H5N1 – eine geistige Epidemie? Dritter Teil

Dr. Billa Hofmann – Eine weitere Skurrilität, die man in der Kent-Depesche 14/2006 (vom 30.05.06) lesen kann, ist folgender Leserbrief mit der Überschrift „Verantwortung als Journalist“: Ein Depeschenbesitzer hatte sich bei seiner lokalen Wochenzeitung (Wittener Lokalteil) darüber beschwert, dass diese Zeitung nichts Kritisches über H5N1 berichten würde. Den Brief, den er an seine Wochenzeitung geschickt hat, um damit auf die „kritische“ Kent-Depesche aufmerksam zu machen, wurde veröffentlicht. Mit folgenden Worten wies der Depeschen-Leser seine Zeitung auf ihr angeblich unkritisches Verhalten bzgl. der Vogelgrippe hin:

„……….. Aber wie viele H5N1-kritische Berichte haben Sie eigentlich schon abgedruckt?! Ist Ihnen bewusst, dass in der Schweiz 1 Million Franken ausgesetzt worden sind für denjenigen, der eine elektronenmikroskopische Aufnahme des H5N1-Virus beibringt? Ist Ihnen klar, dass das Virus bisher noch nie nachgewiesen wurde, sondern – da es nie gesehen wurde – nur auf Vermutungen beruht und auf indirekten Tests, die auch alles mögliche andere Beweisen könnten? Und dass man geimpfte Tiere mit diesen Methoden nicht mehr von (angeblich) echt infizierten Tieren unterscheiden kann? Dass auf Rügen, in einigen km Entfernung gelegen und in perfekter Windrichtung zu den angeblich durch das Virus getöteten Wildtieren, das Friedrich-Löffler-Institut liegt, in dem generell mit Viren experimentiert wird? Wie viel haben Sie bereits über solche Erkenntnisse berichtet? Verstehen Sie jetzt, warum ich Ihrem Artikel dennoch unterstellen muss, auch, wenn er nur zu rein Informativen (Werbe-)Zwecken des Forschungszentrums geschrieben wurde? Ich möchte Sie hier eindringlich auffordern, sich mit H5N1-kritischen Quellen und Wissenschaftlern in Kontakt zu setzen und die Bevölkerung objektiv über den tatsächlichen Stand der Forschung aufzuklären. Wenn Sie Bedarf an Informationen haben, können Sie sich gerne auch an die Schreiber der Kent-Depesche wenden und um Unterstützung bitten. Man wird Ihnen dort gerne weiterhelfen und Ihnen die Fakten einfach verständlich aufbereitet zugänglich machen. So würden Sie, mit einer zweiten Sicht der Dinge, Ihre Leserschaft wesentlich objektiver über das Zeitgeschehen informieren können.“

Nun, jeder muss für sich selbst entscheiden, für wie seriös die Kent-Depesche einzustufen ist. Tatsache ist, dass die Recherchen sehr einseitig sind und meist nicht auf wissenschaftlich fundierten Ergebnissen beruhen.

„Safe Harbor“ und die Themenbereiche „Gesundheit“, „Medizin“ und „Umwelt“
Die Hamburger Morgenpost meldete im August 2003, dass sich in Hamburg vor kurzem der Verein „Safe Harbor“ (zu Deutsch: sicherer Hafen) – eine Tarnorganisation von Scientology – gründete. Vor allem Ärzte, Ernährungswissenschaftler und Umweltmediziner müssten vorsichtig sein, denn Scientology habe es auf sie und ihre Patienten abgesehen.

Organisationen zu gründen, die auf den ersten Blick Gutes im Schilde führen, ist seit langem die Strategie von Scientology. Es wird versucht, Personen ins Boot zu holen, die sich bereits mit der Thematik befassen. „Der Fall ist exemplarisch“, sagte Rüdiger Hintze von der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde dem Blatt:

„Hier kann man sehen, mit welch raffinierten Methoden Scientology versucht, Menschen an sich zu binden und die Ideologie Hubbards zu verbreiten.“

Aufgeflogen ist die neue Tarnorganisation durch eine 30-jährige Ernährungswissenschaftlerin, die kurz nach ihrer Wahl für den Vorsitz bei Safe Harbor Verdacht schöpfte. Sie recherchierte im Internet und stellte fest, „dass sie sich, ohne es zu wollen, zum Werkzeug der Scientologen hat machen lassen“. Die Wissenschaftlerin erklärte ihren Austritt.
(siehe: Olaf Wunder, Hamburger Morgenpost vom 02.08.03, )

Safe Harbor wurde 1998 in Los Angeles, Kalifornien gegründet. Die Organisation propagiert alternative Methoden zur Psychiatrie. Die richtige Ernährung und Vitamine würden ein Leben ohne Psychopharmaka möglich machen (siehe Homepage von Safe Harbor). Deshalb sieht die Organisation Safe Harbor ihre Mission in der Erziehung und Aufklärung über alternative Methoden. Weg mit der Psychiatrie und der Pharmaindustrie, um dann möglichst eigene Produkte und Services verkaufen zu können – ein Kult, der an die Methoden von Scientology erinnert! So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Präsident und Gründer von Safe Harbor, Dan Stradford, ein Scientologe aus den höheren Reihen (Operating Thetan – Level VIII) zu sein scheint, siehe und hier.

Auch die „Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe“ äußerten sich kritisch zu „Safe Harbor“ mit der Anmerkung, dass damit zu rechnen sei, dass der Scienologie unbeirrt weiterhin seine „Alternative Geistige Gesundheit“ vermarkten wird. Ob unter dem Decknamen „Safe Harbor“ oder anderen kreativen Etiketten sei dahin gestellt. Eine gesunde Portion Skepsis gegenüber solchen scheinbar wohlmeinenden „Anti“-Lobbyisten sei allemal angesagt. Denn in so manchem „sicheren Hafen“ würden Ratsuchende schnell nasse Füße bekommen…(siehe Lichtblick Newsletter Nr. 97, )

Der Verfassungsschutz über das Projekt „Safe Harbor“
Was denkt der Verfassungsschutz und das Innenministerium über „safe harbor“? In einer Mitteilung der Landesregierung vom 15.10.2003 wird das Projekt „safe-harbor unter Punkt 15, Propaganda- und Desinformationskampagnen der Scientology-Organisation, folgendermaßen beschrieben (siehe (DS 13/2512, 6. Berichtder „Interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen so genannter Sekten und Psychogruppen“):

„Im Berichtszeitraum waren Informationen zu verzeichnen, nach denen seitens der Scientology-Organisation versucht wurde, in Baden-Württemberg mit einer Aktion „Safe Harbor“ (deutsch: Sicherer Hafen) in neue gesellschaftliche Gruppen einzudringen. Themenbereiche von „Safe Harbor“ sind Gesundheit, Ernährung, Umwelt. Als Veranstaltungsort diente ein Gebäude, das von der „Familienföderation für den Weltfrieden“ in Stuttgart genutzt wird. Hier führt auch eine Gruppe „Neue Impulse“, deren Mitglieder teilweise nach Angaben der Aktion für Geistige und Psychische Freiheit, Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn, in Verbindung mit der Scientology-Organisation stehen, Veranstaltungen durch. Bei der „Familienföderation für den Weltfrieden“ (FFWF) handelt es sich um die Mun-Bewegung (früher „Vereinigungskirche“) des Koreaners Sun Myung Moon (Mun).“

Des Weiteren findet man auch im Bericht des Verfassungsschutzes die Beschreibung von „safe harbor“ (3.2.2 „Safe Harbor“ – eine neue Tarnaktion):

„Unterwanderungsversuch im Gesundheitswesen und der Alternativmedizin:
Unter Beteiligung von Scientology-Anhängern wurden Gruppen namens „Safe Harbor“ auffällig, für die in Hamburg, München und Stuttgart im Juni und Juli 2003 Gründungsveranstaltungen geplant wurden. „Safe Harbor“ stammt aus den USA und will nach Eigendarstellung Alternativen zum bestehenden Gesundheitssystem entwickeln. Das in einer Ausgabe von „mehr wissen besser leben“ angegebene Kontakttelefon für „Safe Harbor Deutschland“ ist identisch mit dem Telefonanschluss der KVPM Stuttgart. Der Repräsentant der „KVPM Württemberg“ ist zugleich der Verantwortliche für die deutsche Website von „Safe Harbor“. Für Außenstehende sind diese Zusammenhänge kaum erkennbar. Die Vorgehensweise kann als ein Unterwanderungsversuch im Gesundheitswesen und in der Alternativmedizin gesehen werden, bei dem Scientologen im Ansatz durchaus erfolgreich agieren. Das Ziel ist offenkundig, Meinungsbildungs- und letztlich Gesetzgebungsprozesse zu beeinflussen, wobei nach außen scheinbar unabhängige Personen auftreten.“ (Seite 262)

Und über die KVPM ist noch Folgendes zu lesen (unter Punkt 3.2.1 KVPM-Aktionen)

„Es verstärkt sich die Tendenz, dass Scientologen bei der Verbreitung der Lehre HUBBARDs ihren ideologischen Hintergrund verbergen. Mehrere Scientology-Anhänger nutzen und stützen ein informelles Netzwerk, das unter Begriffen wie „Weltverbesserer Forum“ oder „Neue Impulse“ auftritt. Es besteht aus Internetforen, Personenzusammenschlüssen und Verbindungen zu weiteren, teils nichtscientologischen Gruppen und Einzelpersonen, die mitunter auch rechtsextremistische und revisionistische Überzeugungen verbreiten. So polemisiert der Beauftragte für die „KVPM Württemberg“ gegen die Psychiatrie auf derselben Webseite, auf der zum Beispiel Positionen des rechtsextremistischen PHI-Pressedienstes verbreitet werden. Durch Veröffentlichungen, Vorträge und das Internet schaffen die in dem Netzwerk tätigen Scientology-Anhänger eine Plattform für Tarn- und Hilfsorganisationen der SO. Auf Vortragsveranstaltungen in Stuttgart traten vereinzelt Referenten auf, die aus dem rechtsextremistischen Milieu stammen. Die Schwerpunktthemen der Veranstaltungen sind häufig Politik oder Alternativmedizin und lassen zunächst keine Bezüge zur SO erkennen. Erst im Verlauf der Treffen werben Scientology-Anhänger offen mit Publikationen und Gesprächsangeboten. Eng mit diesem informellen Netzwerk verbunden ist die Broschürenreihe „mehr wissen besser leben“, die Hinweisen zufolge einen gewissen Bekanntheitsgrad in Stuttgarter Scientologen-Kreisen gewonnen hat und die unter anderem von Scientology-Anhängern aus Stuttgart im Eigenverlag herausgegeben wird. „mehr wissen besser leben“ vertritt teilweise extremistische Positionen, die auf der Grundlage der Lehre HUBBARDs entwickelt werden, was gegenüber Außenstehenden aber nicht offenbart wird, und verbreitet mitunter auch rechtsextremistisches Gedankengut. (S. 260)

Im ABI Info, der Zeitschrift der Aktion Bildungsinformation e. V., wird in der Ausgabe März 2004 das Netzwerk der Scientologen beschrieben:

Unter den Schlagworten »mehr wissen – besser leben, Bücher, Nahrungsergänzungen, Seminare, Wohlfühlprodukte« vertreibt die Stuttgarter Scientologin Sabine Hinz diverse Produkte. Das Magazin »mehr wissen – besser leben« wird auch als »Kent Depesche« oder »Michael Kents wöchentlicher Depeschendienst« vom Sabine Hinz Verlag herausgegeben. »Michael Kent« ist ein Pseudonym, hinter dem sich der langjährige Scientologe Michael Hinz verbirgt.
……………
Michael Hinz sieht sich selbst als »Weltverbesserer«. Gemeinsam mit anderen vermeintlichen Weltverbesserern hat er in Stuttgart den »Neue Impulse Treff e.V.« gegründet, der ähnliche Ideen verbreitet wie Michael Hinz in seinen Zeitschriften.

Vorstandsmitglieder von Neue Impulse sind – laut Vereinsregister des Amtsgerichts Stuttgart (VR 6905) Sabine Hinz (Ehefrau von Michael Kent), Lutz Müller, Joachim Rößger, Manuel Strapatin und Hans Tolzin (siehe Handelsregister ).

Verwunderlich ist in der Tat, warum Wissenschaftler, wie z. B. Dr. Köhnlein, ihre Ansichten auf einer DVD verbreiten, die von einem scientologisch-orientierten Verlag/Verein initiiert und mit Spendengeldern unterstützt wird.

Selbst Köhnleins Kollege Torsten Engelbrecht distanziert sich wegen der Nähe zu Scientology von der Kent-Depesche. Er wusste, dass der Herausgeber ein Scientologe ist (Quelle: persönliche e-Mail vom 22.01.07).

Schulmedizin und Pharmaindustrie: Stütze aller Diktaturen und Regierungen
Weiter interessant wird es, wenn man versucht, nachzuvollziehen, wer die Belohnung mit einer Million Schweizer Franken für die Virusisolation zur Verfügung stellen will.

Eine ähnliche Meldung war am 24.04.06 bei extremnews.com zu lesen, als es hieß: „Fast ein Nobelpreis“:

Vogelgrippe-Nachweis soll dem Fotografen mit 1 Million Schweizer Franken honoriert werden! Eine ungewöhnlich hohe Prämie winkt dem Forscher, dem es erstmalig gelingt, das „hochgefährliche“ Vogelgrippe-Virus H5N1 elektronenmikroskopisch nachzuweisen.
……
Die Virologen und Wissenschaftsautoren Krafeld und Lanka weisen insbesondere darauf hin, dass H5N1 auf Wunsch in jedem Huhn, in jeder Ente und in jedem menschlichen Körper „wissenschaftlich“ nachgewiesen werden kann. Sie schreiben zum Vogelgrippe-Virus u.a. „Ich bin nicht isolierbar, weil ich nicht existiere!“ Und sie schreiben weiter: „Isoliert die Lügner, dann ist die Angst (vor der Vogelgrippe) schnell vorbei!“ Um dieser Zitterpartie ein Ende zu bereiten und verantwortungslosen Politikern wenigstens zu ermöglichen, das Gesicht zu wahren, wird der wissenschaftliche Nachweis eines hoffentlich doch vorhandenen H5N1-Virus immer dringender. In der Schweiz wurde daher beschlossen, die Belohnung für ein überzeugendes Foto eines H5N1-Virus noch einmal heraufzusetzen und zwar von 500 000 auf 1 Million Schweizer Franken.

Irgendwie kommt einem das doch etwas bekannt vor. Auch die Perth-Gruppe hatte schon ein ähnliches Preisausschreiben in Bezug auf HIV veranstaltet und natürlich hat kein Wissenschaftler die 1000 £ Belohnung erhalten – selbst Professor Duesbergs HIV-Isolation wurde abgelehnt (siehe).
Ein angeblich neutraler, lobbyfreier online-Pressedienst, buchmesse.ch, will die Belohnung zur Verfügung stellen (siehe). Hierunter verbirgt sich die Partei „Leben-mit-Zukunft“, die sich für eine Realisierung des Rechtsstaates einsetzen will, indem sie gegen die Schulmedizin und Pharmaindustrie vorgeht, die der Partei als die wichtigsten Stützen aller Diktaturen und Regierungen erscheinen und deren Macht-Instrument die Verbreitung von Angst sei:

„Die längst fällige Entlarvung der globalen Infektionslüge und die Überwindung des Schulmedizinsystems, das dieses Panikinstrument der Geheimdienste stützt, löst den Grossteil der finanziellen und gesellschaftlichen Probleme und befreit uns Bürger von korrupter Herrschaft durch Angstverbreitung und führt so generell zu weniger Kriminalität.“

Stöbern wir ein bisschen auf dieser Homepage herum, so wird schnell klar, dass sich Stefan Lanka hinter diesem Schweizer Pendant zur klein-klein-Aktion verbirgt. Der Virusexperte, der wissenschaftlich aufklären will, schreibt dazu Folgendes:

„Die Schulmediziner brauchen die lähmende, dumm machende und zerstörerische Angst vor krankmachenden Phantomviren als zentrale Grundlage ihrer Existenz: ……… Die Schulmedizin war und ist die wichtigste Stütze aller Diktaturen und Regierungen, die sich nicht dem geschriebenen Recht, den Verfassungen, den Menschenrechten, das heißt dem demokratisch legitimierten Gesellschaftsvertrag unterwerfen wollen.

Das erklärt auch, warum die Schulmedizin wirklich alles machen kann und darf und dabei keinerlei Kontrolle unterliegt. Wenn wir das nicht überwinden, werden wir alle an dieser Schulmedizin umkommen.“

(siehe: hier und hier)

Das sind spannende Aussichten!
Wir haben es mittlerweile realisiert: Das HIV-Virus existiert nicht und ist auch nicht die Ursache von Aids, und wenn wir unsere Angst überwinden, wird H5N1 nur unser Bewusstsein, nicht aber unseren Körper infizieren!

Wir müssen lediglich die Schulmedizin gänzlich ablehnen, dürfen nur noch glauben, was in der Kent-Depesche, einer Zeitschrift für Zustandsverbesserer, steht, welche dem Leser die Fakten einfach und verständlich machen will. Wir dürfen keine wissenschaftlichen Publikationen lesen, denn das sind sowieso nur alles Lügen und Propagandamache. Und wenn wir keine Publikationen mehr lesen, sind unsere Wissenschaftler überflüssig. Wir können unsere Schulen und Universitäten schließen und sparen viel Geld! Geld, welches wir für Dianetik ausgeben können?

Fazit:
Verschwörungstheorien sind daher höchst gefährlich und haben mit investigativer Recherche und Kritik nichts zu tun. Keine Frage: Der verschwörungstheoretischen Versuchung zu widerstehen, ist manchmal schwer. Aber notwendig für alle, die ihren Verstand nicht an der Garderobe abgeben wollen.
(ZitatTobias Jäcker, Autor des Buches „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September“)

H5N1 – eine geistige Epidemie? Erster Teil
H5N1 – eine geistige Epidemie? Zweiter Teil: Rassismus als Grund für die Ausladung?
H5N1 – eine geistige Epidemie? Dritter Teil
1 Million Franken für die elektronenmikroskopische Aufnahme des H5N1-Virus

vermischtes

Zentralbanken „verschenken“ über 350 Milliarden Dollar

Karl Weiss – Ein Kommentar von Martin Wolf in der Financial Times vom 15. August 2007 hat Aufsehen erregt. Der Kommentator kritisiert scharf die Entscheidung der Zentralbanken der EU, Japans und der USA, Milliardenbeträge in den Markt zu pumpen und an Finanzinstitutionen zu „verschenken“, die mit Geringst-Zinsen versehen sind, von denen andere nicht einmal träumen können. Er erklärt: „Also gilt der Kapitalismus nur für die Armen, für die Reichen haben wir Sozialismus.“

Angesichts der Verengung des Marktes von Krediten (Anleihen), der sich in der vergangenen Woche einstellte, weil eine Anzahl von Banken und anderen Finanzinstitutionen in riesigem Umfang in riskanten Vergaben von Krediten an Kunden verwickelt sind, die sie nicht zurückzahlen können, hatten die Zentralbanken der USA und Japans sowie die Europäische Zentralbank riesige Summen „in den Markt gepumpt“, die zusammen über 350 Milliarden Dollar ausmachen. Allein die EZB hat von Donnerstag bis Dienstag 211 Milliarden Euro locker gemacht.

Das frohe Pumpwerk
Unter „in den Markt pumpen“ muss man verstehen, die Zentralbanken vergaben Kredite an Finanzinstitutionen, die mit lächerlichen 4% Zinsen (genau 4,07% in Europa) jährlich oder vergleichbaren Zinsraten versehen waren, deutlich unter den offiziellen Refinanzierungsraten (Leitzinsen), die z.B. in den USA im Moment bei 5,5% stehen.

Das wird von Kritikern als „Verschenken von Geld“ bezeichnet. Ein Finanzmann sagte gegenüber der brasilianischen Wirtschaftsagentur „invertia“: „Das wird bei einigen Banken am Jahresende ein paar Prozent des ausgewiesenen Profits mehr ausmachen“. Gleichzeitig wies er die Vorstellung zurück, das kurzzeitige Verleihen von Geld durch die Zentralbanken könnte den Weg in die „Rezession“ (sprich Wirtschaftskrise) aufhalten. „Die Ursache ist überbordende Liquidität. Das kann nicht durch noch mehr Liquidität bekämpft werden.“

Eine andere Krisenursache hat Detlev von Larcher vom Attac-Koordinierungskreis ausgemacht: „Vordergründig ist die Krise entstanden, weil finanzschwache Häuslebauer in den USA ihre Raten nicht mehr bezahlen können. Die eigentliche Ursache aber ist die politisch gewollte Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte“. Er spricht von Lotteriespielen der Banken. „Echtes Lotto unterliegt allerdings gesetzlichen Regeln und strenger Aufsicht.“

Auf die Kontrolle und Bankaufsicht hebt auch der Kommentar von „peeperkorn“ auf einen einschlägigen Artikel der „Süddeutschen“ (14.8./15.8) ab:

„Natürlich ist es richtig, dass der „Kleine (und mittlere) Mann“ von den Banken mit aufgedrängten Hypotheken abgezockt wurde und in vielen Fällen in Ruin und Armut gebracht wurde. Hatten wir das nicht auch bei uns – siehe Schrottimmobilien in der Ex-DDR? Unsere Banken und unsere Finanzaufsicht sind offenbar nicht besser als die in den USA.“

Ein anderer Kommentator (Willy Frey) hebt eher auf die Überschuldung der USA ab:

„(…) der ökonomische Effekt kommt daher, dass alles Geld der Welt in den amerikanischen Schuldenmarkt strömt, weil keine Nation sich so gewissenlos verschuldet wie die US-amerikanische. Und damit ist die Erklärung des unglaublich hohen Engagement der EZB gefunden. Die haben schlicht Bammel davor, dass dieses völlig überschuldete US-System zusammenbricht und die USA als Weltmacht den Staatsbankrott erklären müssen. (…) Nach den Regeln der Kunst bewertet, ist die USA schon längst pleite. Let´s face the fact´s.“

In die gleiche Richtung zielt auch der Kommentator „Bundesboy“:

„Da das Vertrauen nachhaltig gestört ist, wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die nächsten Abgründe auftun. (…) dann werden neue Friktionen kommen, denn Amerika hat sich einfach zuviel Geld gepumpt, das wir nie mehr wiedersehen.“

„Vatermann“ dagegen schreibt:
„Ich denke die Banken haben hier einen schönen Reibach gemacht und es vielleicht bewusst kalkuliert das Menschen in den Bankrott getrieben werden! (…) Die europ. deutschen Banken haben sich im Wettstreit jetzt wieder günstiges Geld verschafft . 200 Mrd. € sind doch gutes Geld um bankrotte Hypotheken zu übernehmen!!“

Der Kommentator „fesh“ sieht dagegen eine „Systemkrise“:

„(…) unsere „real existierende Marktwirtschaft“ [ist] ein Pyramidenspiel …, welches ständiges Wachstum benötigt um weiter zu funktionieren. Zu dumm, dass man auf einem endlichen Planeten nicht unendlich weiter wachsen kann. Solvente Schuldner wachsen nunmal nicht auf Bäumen.“

Die Meinung, die Wolf von der Financial Times vertritt, ist dagegen (sinngemäss): Die haben sich verspekuliert. Wenn sie jetzt nicht die Folgen zu spüren bekommen, weil die Zentralbanken ihnen „helfend unter die Arme greifen“, so werden sie genau das gleiche erneut machen.

Auch die Banken müssen die Folgen ihrer Fehlentscheidungen tragen. Der kleine Hausbesitzer in den USA hat zu niedrigsten Zinsen Hypotheken aufgenommen, weil er die Monatsraten zahlen konnte. Nun aber ist der Wert seines Hauses drastisch gefallen und die Zinsen sind nach oben gegangen und er muss monatlich weit mehr zahlen. Da kommt es zu haufenweisen Zahlungsausfällen, gefolgt in der Regel von Verlust des Hauses und Versteigerung. Es sind Millionen von Fällen in den USA.

„Diese Auswirkung ist katastrophal“
Warum haben die Zentralbanken nicht diesen Häuschenbesitzern geholfen, sondern helfen nun den Banken, die solche Verluste verkraften könnten? In diesem Zusammenhang kam die Aussage vom Kapitalismus, der nur für die Armen gilt, dagegen Sozialismus für die Reichen. Er sagt: „Diese Auswirkung ist nicht einfach nur angreifbar, sie ist katastrophal.“

Die „Bubbles“ (Blasen, überhöhte Preise, die zusammenbrechen müssen) sind nach seiner Ansicht immer sichtbar gewesen, sowohl die japanische Börsenblase in den 80ern, als auch die Börsen- und Immobilienblase in Asien in der Mitte der 80er wie auch die der europäischen und amerikanischen Börsen Ende der 90er-Jahre, genauso wie die aktuelle Immobilienblase in vielen Ländern der Welt, die von 2000 an aufgebaut wurde und nun platzt. Wenn man sehenden Auges in solche Ereignisse hineinläuft, kann es nicht Aufgabe der Zentralbanken sein, die negativen Auswirkungen auf Kreditinstitute abzufedern.

Der Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler sagte der Deutschen Presse- Agentur (dpa), es sei frappierend, wie viele europäische und deutsche Banken von der US-Immobilienkrise betroffen seien. „Deshalb ist das Misstrauen hier sehr groß und der Handel zwischen den Banken derzeit sehr eingeschränkt. Jeder vermutet beim anderen noch schlummernde Risiken.“

Da können der Chef der EZB und Wirtschaftsminister Gloss noch so laut im Wald pfeifen. Es ist nichts ausgestanden, nur hinausgeschoben!

Cordelia Latsko (Gast) – 30. Jun, 16:22

ejqetqq@gmail.com

Well I definitely liked studying it. This article offered by you is very practical for proper planning.

vermischtes

H5N1 – eine geistige Epidemie? Zweiter Teil. Rassismus als Grund für die Ausladung?

Dr. Billa Hofmann – Die kritische Äußerung jenes Foren-Users über Aids-Leugner wie Dr. Köhnlein und der Situation in Afrika nahm der Autor bei Indymedia.org sowie die Federtiere-Kampagne also als Anlass, um sie als Rassismus zu interpretieren. Es wurde behauptet, dass man mit dieser Äußerung zum einen der Regierung Südafrikas ganz beiläufig eine gewisse Portion Dummheit unterstellen würde. Und zum anderen würde man dadurch der Regierung unterstellen, dass diese nicht in der Lage sei, wissenschaftliche Befunde auf ihren Gehalt hin zu prüfen und ggf. die daraus resultierenden Konsequenzen zu ziehen.

Der Leser soll also glauben, dass jener Foren-User die afrikanische Regierung als rückständig, teilweise nicht zurechnungsfähig oder zumindest irgendwie minderwertig halten würde, dass diese Aussage eine rassistische Dimension hätte und nichts anderes als eine diffamierende Ad hominem –Attacke eines geistlosen Zeitgenossen aus dem Internet sei. Für den Autor und seine Federtier-Kampagne sei es ein großer Skandal, dass der Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne diese „rassistische Diffamierung“ zum Anlass genommen hätte, um Dr. Köhnlein von der Fachtagung auszuladen.

Ethisch-moralischer Aspekt
In dem Beitrag bei Indymedia wird auch gefordert, dass man es den Zuhörern der Veranstaltung hätte überlassen sollen, Köhnleins Thesen zu beurteilen! Aber was ist mit dem etisch-moralischen Aspekt, soll man diesen dabei völlig außer Acht lassen? Sollten also wissenschaftliche Minderheitsmeinungen, die von dem allgemein anerkannten wissenschaftlichen Konsens abweichen, wirklich unter dem Laienpublikum diskutiert werden?

Dr. Udo Schüklenk, Professor für Ethik, beschäftigte sich als Leiter der Fakultät für Bioethik an der Universität für Witwatersrand in Johannesburg (SA) in seiner Publikation mit genau dieser Frage Professional responsibilities of biomedical scientists in public discourse; J. Med. Ethics 2004: 30; 53-60).

“This article describes how a small but vocal group of biomedical scientists propagates the views that either HIV is not the cause of AIDS, or that it does not exist at all. When these views were rejected by mainstream science, this group took its views and arguments into the public domain, actively campaigning via newspapers, radio, and television to make its views known to the lay public. I describe some of the harmful consequences of the group’s activities, and ask two distinct ethical questions: what moral obligations do scientists who hold such minority views have with regard to a scientifically untrained lay audience, and what moral obligations do mainstream newspapers and government politicians have when it comes to such views. The latter question will be asked because the ‘‘dissidents’’ succeeded for a number of years in convincing the South African government of the soundness of their views. The consequences of their stance affected millions of HIV infected South Africans severely.”

(siehe hier)

Dr. Schüklenk fordert ethische Richtlinien, in denen festgelegt wird, wie Wissenschaftler ihre Arbeiten dem Laienpublikum präsentieren sollten. Sollten diese Richtlinien von manchen Wissenschaftlern nicht berücksichtigt werden, müsste dies ein Alarmzeichen für Medien und Politiker sein, vorsichtig mit den Meinungen umzugehen, die die Richtlinien nicht erfüllen.
Ein Standpunkt, über den man sich ernsthaft Gedanken machen sollte!

Dr. Schüklenk selbst war Anfang der 90er in der Gruppe der Aids-Leugner aktiv. Als er erkannt hatte, dass die neuen Aids Medikamente das Leben der Patienten verlängern, wechselte er die Seiten.

H5N1 infiziert auch unser Bewusstsein
Dass es sich bei H5N1 um eine geistige Epidemie handeln möge, ist auch Thema einer DVD („H5N1 antwortet nicht“, von Michael Leitner und Thomas Hein), die u. a. beim Neue Impulse e. V. (siehe neue-impulse ) bestellt werden kann. Aber auch übers Internet ist der Zugang zu diesem Film möglich (siehe Google-Video ), mit dem Hinweis am Schluss, man möge doch auf das Konto von Neue Impulse e. V. einen Betrag spenden, damit weitere DVD’s produziert werden können.

Auf dieser DVD ist man ebenfalls der Meinung, dass H5N1 nicht unseren Körper, sondern höchstens unser Bewusstsein infizieren kann!

Sprecher auf der DVD sind u. a. Dr. Claus Köhnlein, Hans Tolzin (Impf-Report.de), Angelika Kögel-Schauz (impfaufklärung.de; mittlerweile aber aufgelöst), sowie Allgemeinmedizinerin Juliane Sacher. Dr. Köhnlein spricht auf der DVD – u. a. über das Geschäft mit der Angst und über Tamiflu, dazu sagt er:

„Alle nehmen Tamiflu unkritisch…….Dabei ist das ein durchaus gefährliches Medikament. Es ist ein Neuraminidasehemmer, keiner weiß eigentlich so genau, was passiert, wenn man die Neuraminidase hemmt (Köhnlein).
…….
Das ganze ist also ein Geschäft mit der Angst der Menschen (Sprecher).
Ja, ich meine die ganze Medizin besteht aus Angst. Wir leben sozusagen von dem Geschäft mit der Angst. Das wird systematisch geschürt….. (Köhnlein).“

Ein ähnlicher Kommentar ist auch in dem Buch Virus Wahn zu lesen, das Köhnlein, zusammen mit dem Journalisten Torsten Engelbrecht, geschrieben hat. Auch im Virus Wahn ist immer wieder die Rede davon, dass Tamiflu deshalb so gefährlich sei, weil es ein körpereigenes Enzym, die Neuraminidase, hemmen soll.

„So handelt es sich beim Enzym Neuraminidase, von dem behauptet wird, es sei spezifisch für ein Grippevirus, um körpereigene Substanz, die für den Stoffwechsel entscheidend wichtige Funktionen ausübt. Dies möge jeder bedenken, der Grippemittel und Neuraminidasehemmer wie Tamiflu nimmt.“

Hier geben die Autoren jedoch keine Referenz an; woher wissen sie das? Und vor allem, was wollen sie dem Leser suggerieren? Dass unter der Einnahme von Tamiflu ein körpereigenes Enzym blockiert und der Körper geschädigt wird? Soll das Buch mit seinen angeblich so wasserdicht untermauerten Referenzen für diese Aussage keine Quelle gefunden haben? Interessanterweise scheint sich gerade dieses Statement auch auf vielen anderen Websites gut auszubreiten!

So heißt es im klein-klein Newsletter (klein-klein Verlag) vom 24.02.06:

„Werden Rügener durch Tamiflu getötet?“

„In Wirklichkeit, und das ist jedem Biochemiker klar, hemmen Tamiflu und andere Neuraminidase-Hemmstoffe die ganz normalen, körpereigenen Neuraminidasen. …… .Hemmt man diese Enzyme, z. B. durch Tamiflu, kommt es zu typischen Schädigungen und Zerstörungen, die dann als durch das H5N1 oder andere fiktive Influenza-Viren verursacht behauptet werden. So ist es denn auch kein Wunder, dass in der Gebrauchsinformation über Tamiflu der Firma Roche nachzulesen ist, dass die behaupteten Nebenwirkungen „auch durch die Virusgrippe verursacht werden können.“

Wer hat nun wen als Quelle angegeben? Dieser Text scheint von Dr. Stefan Lanka persönlich verfasst zu sein, so ist es zumindest auf dieser Website zu lesen.

Sollte tatsächlich Dr. Stefan Lanka die Quelle für den Virus Wahn sein? Sucht man weiter, dann findet man unter „impfkritik.de“, bei Pressespiegel, Aktuelle Meldungen, Meinungen und Analysen (vom 06.05.2006) einen Beitrag von der Redaktion (Tolzin) , mit folgenden Worten:

„Blockiert Tamiflu ein lebenswichtiges körpereigenes Enzym? So handelt es sich beim Enzym Neuraminidase, von dem behauptet wird, es sei spezifisch für ein Grippevirus, um körpereigene Substanz, die für den Stoffwechsel entscheidend wichtige Funktionen ausübt. Dies möge jeder bedenken, der Grippemittel und Neuraminidasehemmer wie Tamiflu nimmt.“

Als Quelle ist angegeben: Virus-Wahn, Torsten Engelbrecht und Claus Köhnlein, emu-Verlag 2006, Seite 216; sehr interessant!

Des Rätsels Lösung

Schauen wir uns mal die Kent-Depesche 14/2006 (vom 30.05.06) an, (hier zu finden).

Thema dieser Depesche ist der Pressekodex. U. a. ist ein Interview zwischen Michael Kent, dem Herausgeber der Kent-Depesche, und einem der Produzenten der DVD, Michael Leitner, zu lesen. In diesem Interview über die „seriösen“ Recherchen zur Vogelgrippe DVD berichtet (Seite 10):

„Schon vor vier Wochen, kurz nachdem ich „H5N1 antwortet nicht“ zu Ende geschnitten hatte, rief mich Angelika Kögel-Schauz an, die wir für diese Doku interviewt hatten. Sie recherchierte in medizinischen Archiven im Internet und hatte in akribischer Weise zusammengetragen, was bei Einnahme von Tamiflu so alles passieren kann. Tamiflu hemmt ja das Enzym Neuraminidase, das angeblich vom behaupteten H5N1 benötigt wird, um menschliche Zellen zu infizieren. Nun ist Neuraminidase ein für das Nervensystem sehr wichtiges Enzym. Schwere Erkrankungen treten auf, wenn der Körper infolge einer Stoffwechselstörung einen Neuraminidasemangel hat: Seh-, Nerven- und Skelettstörungen, muskuläre Schwäche und Unterernährung, Krampfanfälle, Gleichgewichtsstörungen, Innenohrschwerhörigkeit, geistige Entwicklungsstörungen und vieles mehr. Da Tamiflu die Neuraminidase hemmt, ist es also in der Lage, eben diese Krankheitsbilder zu erzeugen.“

Auch Kent beschreibt auf Seite 3, in seinem Vorwort, den Zusammenhang zwischen der Neuraminidasehemmung und den Grippemedikamenten mit folgenden Worten:

„In diesem Zusammenhang haben kürzlich die aufwendigen Recherchen von Angelika Kögel-Schauz zur Wirkung der beiden zugelassenen Neuraminidasehemmer Erschreckendes enthüllt: Beide Medikamente haben nicht nur auf die Neuraminidasen der Influenzaviren eine im therapeutischen Bereich liegende Wirkung, sondern auf die des gesamten menschlichen Organismus! Wenn allerdings die Neuraminidase im Körper gehemmt wird, entspricht dies einem künstlich erzeugten Neuraminidasemangel –und bei diesem kommt es zu schweren nervlichen, psychischen Schäden, Krämpfen, Störungen der Wahrnehmungen und des Bewegungsablaufs (der Motorik).“

Frau Kögel-Schauz, ebenfalls Sprecherin auf der DVD, hatte anscheinend Wichtiges zum Thema Neuraminidase-Hemmer recherchiert. Und sollte sie tatsächlich – wie in der Kent-Depesche zu lesen ist – die Referenz zu diesen Behauptungen gefunden haben?

Es ist in der Tat richtig, dass es eine Stoffwechselerkrankung gibt, die durch einen Neuraminidase-Mangel entsteht, die sog. Mucolipidose (I). Diese Krankheit entsteht allerdings nicht dadurch, dass die Neuraminidase blockiert wird, sondern dass diese dem Körper nicht zur Verfügung steht. Der Körper ist aufgrund der fehlenden Neuraminidase nicht in der Lage, Eiweiß- und Zuckerverbindungen in den Lysosomen (kleine Zellorganellen) zu spalten. Als Folge davon kommt es zu Ablagerungen in diesen Zellorganellen.

Diese Ablagerungen verhindern mit der Zeit eine normale Zellfunktion und damit auch eine normale Organfunktion und –entwicklung. Der Vergleich mit den Folgen des angeborenen Mangels an Neuraminidase, welcher zu MPS (I) führt, ist nicht korrekt, da ein von Geburt an chronischer Defekt gleichgesetzt wird mit einer temporären Neuraminidase-Inhibition über die kurze Periode von 5 bzw. 10 Tagen (was der Anwendung von Tamiflu entspräche). Und zum anderen liegt die Wirkdosis, die dem Körper nach der Einnahme von Tamiflu zur Verfügung steht, nicht in dem Konzentrationsbereich, der nötig ist, um die menschliche Neuraminidase zu hemmen.

Anscheinend wurde bei diesen Recherchen wohl übersehen, dass die menschliche Neuraminidase ausgiebig untersucht worden war. Das ist auch im Europäischen Beurteilungsbericht der Zulassungsbehörde (EMEA) so beschrieben.

Zur Information sei gesagt, dass ein Hersteller seine Unterlagen über ein Arzneimittel, welches er vermarkteten möchte, zuvor bei einer Zulassungsbehörde einreichen muss, um es auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität beurteilen zu lassen. Wenn die Arzneimittelbehörde das Produkt für sicher und wirksam begutachtet hat, wird die Zulassung erteilt und der Hersteller darf damit auf den Markt.

So ist in diesem Beurteilungsbericht zu Tamiflu auf Seite 5 (Pharmacodynamics) Folgendes geschrieben:
“Active oseltamivir inhibited in vitro the influenza neuraminidases with Ki and IC50 values in the nanomolar range (0.06 – 1 ng/ml), but had little or no activity against other neuraminidases from other sources (human liver, rat liver or uterus or two bacterial and parainfluenza and Newcastle disease neuraminidases).”

(siehe hier )

Das, was im europäischen Beurteilungsbericht über Tamiflu zu lesen ist, bedeutet nichts anderes, als dass die Hemmkonzentration für Tamiflu, die man braucht, um Viren-Neuraminidase zu blockieren, in einem viel höheren Konzentrationsbereich liegt, und dass diese Hemmkonzentration, mit der die Neuraminidasen aus Influenzaviren blockiert werden, nicht ausreicht, um die Neuraminidase in menschlichem Gewebe zu hemmen.

Ein bisschen Mathematik
Dies wird auch in der Publikation von Mendel und Kollegen bestätigt. Diese Arbeitsgruppe untersuchte die Genauigkeit der Hemmwirkung von Tamiflu, bzw. des aktiven Metaboliten von Tamiflu (Oseltamivircarboxylat/GS4071). Dies wurde durch Messung der Hemmaktivität gegen Neuraminidasen, die aus verschiedenen Quellen (Neuraminidase aus Influenzaviren, aus anderen Viren und Bakterien und aus menschlichem Gewebe) stammten, untersucht. Der Wert, der die Hemmwirkung ausdrückt, ist eine Konstante (Ki). Mendel und Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass die Neuraminidasen aus den Influenzaviren sehr spezifisch gehemmt werden. Die Hemmkonstante, ausgedrückt durch den Wert „Ki“, lag in einem Bereich von 2 x 10-10 bis 1,2 x 10-9 Mol. Gegenüber den anderen Neuraminidasen, wie z. B. der menschlichen Neuraminidase, war Oseltamivircarboxylat um das 106-fache weniger potent in der Hemmwirkung.

Das wichtigste Ergebnis dieser Untersuchung war jedoch, dass 1 mM Oseltamivircarboxylat nicht in der Lage ist, die menschliche Neuraminidase-Aktivität in menschlichen Leberzellen zu hemmen.

Mit seinem Molgewicht von 284 entspricht 1 mM (millimolar) Oseltamivircarboxylat (C14H24N2O4) einer Konzentration von 1/1000 Mol pro Liter, also 284 mg/L (bzw. 284,000 mikrogramm/L).

Diese Konzentration wird aber bei weitem nicht erreicht, wenn man Tamiflu in therapeutischen Dosen (2 x 75 mg) einnimmt. Schaut man sich die Spitzenkonzentrationen (Maxima) der aktiven Wirkform (Oseltamivircarboxylat) im Blut an, die nach der Gabe von 2 x 100 mg Tamiflu gemessen wird (siehe McClellan K und Perry CM) so findet man Konzentrationen von 439 Mikrogramm/L im Blut.

Mendel und Kollegen stellten aber fest, dass 1 mM Oseltamivircarboxylat, also 284,000 Mikrogramm/L, nicht in der Lage ist, menschliche Neuraminidase zu hemmen! Mit Tamiflu erreicht man jedoch „nur“ Spitzenkonzentrationen von 439 Mikrogramm/L.
(Quellen: Mendel et al. Antimicrob Agents Chemother. 1998;42:642, siehe hier, und McClellan K, Perry CM (2001) Oseltamivir: a review of its use in influenza. Drugs; 61: 263 – 283)

Siehe dazu auch den Kommentar von Impfinformationen.de, einer kritischen Homepage, die vom Sinn des Impfens als wichtige Vorsorgemaßnahme überzeugt ist, und die über die Desinformation von Angelika Kögel-Schauz zu Neuraminidasehemmern informiert.

Doch auch andere kritische Seiten erkennen die Gefährlichkeit der Verbreitung von Falschinformationen. Paralex-Info, ein kritisches Informationsportal sowohl für fragwürdige und gefährliche Methoden aus dem Bereich der Alternativmedizin als auch für unkonventionelle und wirksame Heilweisen aus dem Bereich der Paramedizin, bezeichnet Michael Leitner als Journalisten, der Falschinformationen verbreitet, und klärt über dessen Fehlinterpretationen auf (Seite 9-10 des Artikels über HEAL ).

Man sollte wirklich darüber diskutieren, wie sinnvoll die Einführung von ethischen Richtlinien wäre, um wissenschaftliche Ergebnisse in der Öffentlichkeit und vor nicht-wissenschaftlichem Publikum zu präsentieren. Zumindest sollte sich aber jeder einzelne überlegen, wie glaubhaft angeblich wissenschaftlich-recherchierte Ergebnisse sind, wenn diejenigen, die die Nachforschungen dazu gemacht haben, keine fundierte wissenschaftliche Ausbildung vorweisen können.

Glauben Sie wirklich, dass jeder in der Lage ist, wissenschaftliche Ergebnisse richtig zu verstehen und zu interpretieren? Wozu brauchen wir dann noch Fachhochschulen und Universitäten?

H5N1 – eine geistige Epidemie? Erster Teil
H5N1 – eine geistige Epidemie? Zweiter Teil: Rassismus als Grund für die Ausladung?
H5N1 – eine geistige Epidemie? Dritter Teil
1 Million Franken für die elektronenmikroskopische Aufnahme des H5N1-Virus

vermischtes

H5N1 – eine geistige Epidemie? Erster Teil

Dr. Billa Hofmann – Die Frage, ob es sich bei der auch als Vogelgrippe bekannten H5N1-Infektion lediglich um eine geistige Epidemie handelt, die nur in den Köpfen von gewissen Gruppen existieren mag, die sich dadurch Vorteile erhoffen, wird zur Zeit in der Öffentlichkeit diskutiert.

Deshalb ist für den 8. September 2007 ein Vogelgrippe-Symposium in Bremen geplant, bei dem u. a. Referenten wie Dr. Claus Köhnlein (Co-Autor des Virus Wahn) zugegen sind, um über die im Winter 05/06 losgetretene Medienhype um H5N1-Ungereimtheiten zu diskutieren

Einige Wissenschaftler hätten angeblich sehr gute Gründe, den vermeintlich allseits etablierten Gemeinplätzen vehement zu widersprechen. Ebenfalls diskutiert wird das Thema „Journalismus“, denn der Veranstalter, die Federtiere-Kampagne, scheint der Meinung zu sein, dass Journalisten zu dem Typ Mensch gehören, „der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß“. Warum das so ist, soll in einem Vortrag einer Journalistin erläutert werden, die die Vogelgrippe-Hype an der Quelle erlebt haben will und die sich u. a. mit der Frage auseinandersetzt, ob es sich bei H5N1 um eine geistige Epidemie handelt, diskutiert (siehe hier ).

Nährboden für Verschwörungstheorien
Doch was sind die Ungereimtheiten? Der Unmut über die Vorgehensweise bei der Bekämpfung der sog. Geflügelpest, welches die eigentliche Bezeichnung für die Vogelgrippe ist, ist besonders groß bei den unabhängigen Geflügelzüchtern. Diese haben es – im Gegensatz zu den Geflügelgroßproduzenten – zur Zeit sehr schwer. Sie sind von der neuen Geflügelpestschutzverordnung besonders betroffen und haben schon Etliches an Umsatz verloren. Zunehmende Bürokratie und hohe Kosten für Laboruntersuchungen sowie der Schaden, den die Tiere durchs Eingesperrt sein erfahren, lassen so manchen Geflügelzüchter vor dem Ruin stehen. Eine tiergerechte Haltung ist, vor allem bei Wasservögeln, nicht mehr möglich. Ein Zustand, der auch den Hobbyhaltern schwer zu schaffen macht.

Die Verordnung wurde am 1. September 2005 unter der Bezeichnung Verordnung über Untersuchungen auf die Klassische Geflügelpest von der damaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast erlassen und trat am 4. September 2005 in Kraft. Am 7. Dezember 2005 wurde sie verschärft und heißt seitdem Verordnung über Untersuchungen auf die Klassische Geflügelpest sowie zum Schutz vor der Verschleppung der Klassischen Geflügelpest (Geflügelpestschutzverordnung).

Die Verordnung war zunächst befristet. Die Befristung wurde am 10. Februar 2006 aufgehoben, sodass die Geflügelpestschutzverordnung jetzt unbefristet gilt. Darüber hinaus bestimmt die Geflügelpestschutzverordnung, dass überregionale Geflügelmärkte, Geflügelschauen, Geflügelausstellungen und Veranstaltungen ähnlicher Art nur durchgeführt werden dürfen, wenn der Veranstalter und die Aussteller bestimmte Auflagen erfüllen.

Verstöße gegen die Verordnung können als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden.

Die Stimmung unter den Geflügelhaltern ist schlecht, denn man hat das Gefühl, dass die Geflügelpestschutzverordnung, die die Geflügelindustrie schützen soll, wohl nur für die Großhalter von Nutzen sei, um die Freilandhaltung zum Verschwinden zu bringen.

Diese negative Stimmung scheint ein geeigneter Nährboden für die Verbreitung von Verschwörungstheorien zu sein. Einmal ist es das HIV-Virus, welches harmlos sein soll, und nur eine Bereicherung für die Pharmaindustrie, jetzt ist es H5N1, welches nur im Geiste zu einer Epidemie führt, und nur zum Nutzen der Hühnerbarone und zum Verkauf von antiviralen Arzneimitteln, wie z. B. Tamiflu, diene. Verunsichern lässt sich leicht derjenige, der sich im wissenschaftlichen Bereich nicht auskennt und der gerne das glauben möchte, was seiner Situation am nächsten kommt.

Diejenigen, denen Verschwörungstendenzen auffallen und darauf aufmerksam machen wollen, dass gewisse Theorien unstimmig erscheinen, werden in der Öffentlichkeit diffamiert, was uns folgendes Beispiel zeigt:

Wer die „falschen Thesen vertritt, der fliegt raus

Die Fraktion Bündnis90/Grüne hatte für den 31.05.2007 in Kiel eine Fachtagung unter dem Titel „Stallpflicht für immer? Legenden und Tatsachen zum Thema Vogelgrippe“ angekündigt. Initiator und Schirmherr dieser Veranstaltung war Detlef Matthiessen, agrarpolitischer Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne. Dazu eingeladen war u. a. Dr. Claus Köhnlein, den man aber kurzfristig wieder ausgeladen hatte.

Die Federtiere-Kampagne war darüber besonders verärgert, und deshalb beklagte man sich am 15.05.07 bei Indymedia.org über das Verhalten des Bü90/Grüne, welches mit dem Wort „erbärmlich“ beschrieben wurde. Neben einer rassistischen Haltung gegenüber Afrika warf man der Landesfraktion mangelndes Demokratieverständnis sowie rückgratloses Verhalten vor (siehe: Indymedia ).

Aids-Leugner nicht erwünscht
Der Hinweis zu der Veranstaltung von Bü90/Grüne war in zahlreichen Foren publiziert, u. a. auch bei Hünerinfo.

Ein Foren-User hatte sich wohl in etwas negativer Weise über Dr. Köhnlein geäußert, was – nach Meinung des Autors bei Indymedia – der Grund für die Ausladung von Dr. Köhnlein war. Jener Foren-User hatte – mit Bezug auf Dr. von Paleskes Berichte (siehe Linkezeitung sowie info.gov ) – auf die Situation in Afrika aufmerksam gemacht und u. a. bemerkt, dass die „Regierung Südafrikas nach sechs Jahren endlich zu Verstand gekommen sei“.

Wie uns schon von Dr. von Paleske, der als leitender Arzt in Botswana tätig ist, berichtet wurde, war die Regierung in Südafrika lange Zeit von der Meinung der Aids-Leugner beeinflusst und hatte dem südafrikanischen Volk den Zugang zur HIV-Medikation erschwert.

Dr. Köhnlein war eines der Mitglieder des südafrikanischen „Presidential Aids Advisory Panel“, das Thabo Mbeki, Präsident Südafrikas, im Jahre 2000 gegründet hat (siehe hier ). Dort wurde unter anderem die These diskutiert, dass Aids keine Krankheit an sich ist, sondern eine Folge von Armut und Mangelernährung. HIV ist nicht die Ursache von Aids und HIV ist nicht sexuell übertragbar, so die Meinung der Aids-Leugner.

Und in der Zwischenzeit sind 5 Millionen Südafrikaner mit dem HIV-Virus infiziert, es kommt täglich zu etwa 1500 Neuansteckungen und rund 900 Menschen sterben täglich an den Folgen von Aids, wie uns Dr. von Paleske aus Südafrika berichtete .

Völkermord durch Nichtstun (Unterlassung)
Professor Nicoli Nattrass, Direktorin der “AIDS and Society Research Unit” in Kapstadt/Südafrika, sagte in einem Kommentar beim Mail and Guardian über Mbeki, sein Problem sei gewesen, dass er sich zu den wissenschaftlich diskreditierten und nicht bewiesenen Thesen der Aids-Leugner hingezogen fühlte und er den HIV/Aids-Patienten den Zugang zur antiretroviralen Therapie erschwert hätte. Nach einem demographischen Modell hätte er während seiner Amtsperiode mindestens 170000 HIV-Neuinfektionen verhindern und 340000 Todesfälle vermeiden können, so Nattrass (siehe: Now in fiction: the president on Aids, Nicoli Nattrass, Mail & Guardianvom 23.07.07

Peter Mandelson, EU-Kommissionsmitglied, sagte schon 2002 anlässlich eines Besuches in Durban, Mbekis Verhalten müsste als „Völkermord durch Nichtstun“ bezeichnet werden (siehe Genocide by sloth, Peter Mandelson, New Statesman 18.02.2002 ).

Interessant ist auch zu wissen, was man an der Universität in Berkeley über Professor Peter Duesberg, dem Initiator der Aids-Leugner Szene, denkt. Stephen Martin, ein Immunologe von der Universität Berkeley, schrieb über Duesberg Folgendes:

“Peter Duesberg was one of my professors at Berkeley. Peter is an organic chemist who made his name conducting research on retroviruses…but not the HIV virus…………………………….
Peter is a mean spirited person with tunnel vision, and nothing is going to change him.
Peter once said that science was not a popularity contest. He is absolutely right. And he has the right to disagree to accepted dogma. But after 20 years, and tens of thousands of research papers, you’d think he would get the message that the HIV virus does indeed cause AIDS.” (Quelle)

Im Newsletter der “International Aids Society (IAS)” war über David Rasnick, Aids-Leugner und Co-Autor (neben Duesberg und Köhnlein) des Artikels “The chemical bases of the various AIDS epidemics: recreational drugs, anti-viral chemotherapy and malnutrition” (J. Biosci. 2003, 28: 383-412), Folgendes zu lesen (Seite 5):

“David Rasnick, an AIDS denialist, was employed by Rath to help conduct illegal “clinical trials” of these micronutrients, the results of which were published in a full-page, very expensive advertisement in The New York Times10. Similar advertisements in the South African press, urging South Africans with HIV to reject antiviral medications, are no longer permitted as a result of rulings by the Advertising Standards Authority of South Africa (ASASA).
Rasnick repeatedly misrepresented himself in the South African press as having a formal affiliation at the University of California, Berkeley; although his eccentric views on HIV/AIDS are similar to those of that university’s Professor Peter Duesberg, Rasnick himself has no status there.” (Quellen: IAS Newsletter vom März 2007 und Citizen

Nebenbei bemerkt, der Artikel von Duesberg, Köhnlein und Rasnick ist eine viel zitierte Referenz in dem Buch „Virus Wahn“.

H5N1 – eine geistige Epidemie? Erster Teil
H5N1 – eine geistige Epidemie? Zweiter Teil: Rassismus als Grund für die Ausladung?
H5N1 – eine geistige Epidemie? Dritter Teil
1 Million Franken für die elektronenmikroskopische Aufnahme des H5N1-Virus