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Post aus Bolivien

Dr. Alexander von Paleske – —- 4.7.2007 — Vor kurzem erreichte mich die Mail einer ehemaligen Mitarbeiterin, Dr. Jova Torrealba. Dr. Jova gehörte zu einer Gruppe von kubanischen Ärzten, die hier in Botswana arbeiteten. Kubanische Ärzte und Krankenschwestern arbeiten hier in Botswana im Rahmen eines Regierungsabkommens zwischen beiden Ländern als Entwicklungshelfer, in erster Linie, um das ehrgeizige HIV-Behandlungsprogramm der Regierung Botswanas zu unterstützen.

Dr. Jova, zeichnete sich durch dreierlei aus: sie war kompetent, arbeitete hart und war immer gut gelaunt. Wir alle bedauerten ihren Weggang vor zwei Jahren. Sie wurde nun von der Regierung Kubas nach Bolivien entsandt, in eines der ärmsten Landstriche des Landes, wo die Bevölkerung noch nie einen dort praktizierenden Arzt gehabt hatte.

Sie gehört zu den zehntausenden von kubanischen Ärzten, die in Ländern der Dritten Welt Dienst tun, dort, wo eklatantester Ärztemangel besteht. Ein Projekt, das eigentlich volle Unterstützung finden müsste.

Das sieht die US-amerikanische Regierung allerdings anders.
Im August letzten Jahres erleichterte die amerikanische Regierung die Einreisebestimmungen – für kubanische Ärzte und Krankenschwestern-, natürlich mit der Vorstellung, die kubanischen Ärzte zur Flucht zu bewegen, im Falle Venezuelas beispielsweise nach Kolumbien. Ihr ist es völlig gleichgültig, ob die Bevölkerung in den Slums von Venezuela, auch dort arbeiten kubanische Ärzte, dort, wo kein venezolanischer Arzt arbeiten will, ärztlich versorgt wird. Amerika geht es darum, jegliches Programm, das den Goodwill Kubas auf dem lateinamerikanischen Kontinent erhöhen könnte, zu zerstören.

Zynisches US-Programm verzeichnet Teilerfolg

Und das US-amerikanische Programm hat Erfolg. Teilweise jedenfalls. Dutzende von kubanischen Ärzten sind mittlerweile nach Kolumbien geflohen und warten dort auf die Erteilung eines US Visa. Mittlerweile ist das Vorgehen der Bush Regierung selbst in den USA auf Kritik gestoßen. James Mc Govern, Mitglied des Repräsentantenhauses aus Massachusetts nannte es geradezu zynisch, Arzte wegzulocken, die die Ärmsten der Armen versorgen.

“Was ist falsch an diesem kubanischen Programm? Nichts. Wir sollten ein ähnliches Programm haben”. Aber die Bush Regierung hat schon, wie die Vorgänger, lieber Waffen nach Lateinamerika geliefert, als etwas für die Gesundheitsversorgung zu tun.

Zuzugsbegrenzungen aufgehoben
Vor einem Jahr beschloss der US Senat darüber hinaus ein Gesetz, das die Limitierung des Zuzugs von Gesundheitspersonal, also Ärzte und Krankenschwestern aufhob. Während der letzten 10 Jahre sind mehr als 50.000 Krankenschwestern vorwiegend aus Ländern der Dritten Welt, dort also, wo sie nicht nur unter finanziellen Aufwendungen ausgebildet, sondern auch am dringendsten gebraucht werden in die USA gekommen, oftmals auch aggressiv angeworben.

118.000 offene Stellen für Krankenschwestern gibt es in den USA und viele ärztlich unterversorgte Gebiete. Im Jahre 2020 sollen es nach Angaben der Medizinerzeitung LANCET 800.000 sein.

In den USA könnte die Attraktivität des Pflegeberufs durch bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung gesteigert werden. Damit würde sich das Problem von selbst lösen. Aber stattdessen sollen die schlechten Arbeitsbedingungen bestehen bleiben und das Personal aus Ländern der Dritten Welt soll einspringen. Ein teuflisches Vorgehen.

Abwerbung von afrikanischen Krankenschwestern

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Erzherzog Hugo Köhler – Neue Geheimnisse umgeben das Haus Habsburg

Malte Olschewski – Die Geschichte des Hauses Habsburg muss ein wenig umgeschrieben werden, denn Erzherzog Johann Salvator ist 1890 ziemlich sicher nicht bei einem Sturm vor Kap Hoorn umgekommen. Er hat als Hugo Köhler in Norwegen ein neues Leben begonnen und ist 1945 in Kristiansand gestorben. Seine Nachkommen erheben nun Anspruch auf den früheren Besitz des Erzherzogs, darunter auch auf das bekannte Schloss Ort im Traunsee. DNA-Tests sollen in Kürze Klarheit bringen, doch hat das Tagebuch Köhlers für neue Verwirrung in der Tragödie von Mayerling gesorgt.

Johann Salvator ist als Mitglied der habsburgischen Toskana-Linie 1852 geboren. Die Habsburger mussten nach Gründung der italienischen Republik flüchten und fanden Aufnahme bei Kaiser Franz Joseph. Johann Salvator schlug die militärische Karriere ein und wurde mehrmals in die hintersten Winkel der Monarchie strafversetzt. Trotzdem wurde er, weil er eben ein Habsburger war, Feldmarschall-Leutnant. Zu seinem Cousin, Kronprinz Rudolf, unterhielt er eine enge Freundschaft. Man tauschte Ideen zu einer Reform der Monarchie aus. Beide Erzherzöge wurden deshalb vom k. und k. Geheimdienst überwacht, der sich fragen musste, wer von beiden der grössere Sonderling war. Während Rudolf jeden Monat seine Haartracht änderte und an Syphilis laborierte, unterstützte Johann Salvator den Pfarrer Saunier bei der Suche nach dem Heiligen Gral.

Während Rudolf schon nach einer Gefährtin für den Freitod suchte, lehnte Johann Salvator die bulgarische Krone ab. Wie sein Cousin Rudolf publizierte er unter Pseudonymen in verschiedenen Zeitschriften. Rudolf hat am 30.1.1889 im Jagdschloss Mayerling seine Geliebte Mary Vetsera und dann sich selbst erschossen, wobei einige Umstände dieser Tat bis heute noch nicht aufgeklärt sind. Die Gräfin Larisch, erzählt die habsburgische Legende, verwahrte in der Folgezeit eine Kassette, deren Inhalt die Wahrheit über Mayerling bergen würde. Sie sollte sie nur jenem aushändigen, der ihr das Kürzel „RIOU“ (Rudolf Imperator Österreichs und Ungarns) mitteilen würde. Wer dann kam, das Kürzel wusste und die Kassette erhielt, war Johann Salvator.

Tatsache ist, dass Johann Salvator acht Monate nach der Tragödie von Mayerling den Militärdienst quittierte. Er verliess auch das Haus Habsburg und verzichtete damit auf alle Ansprüche. Er nannte sich nach seinem Besitz im Traunsee Johann Ort. Mit seiner langjährigen Geliebten Milli Stubel, ging er nach Hamburg, wo er ein Schiff kaufte. Nach einer Landung in La Plata wollte er nach Chile segeln. Bei der gefährlichen Passage um Cap Hoorn ging die „Santa Margarita“ unter. Der Erzherzog und seine Geliebte sollen nicht überlebt haben. 1911 wurde Johann Ort für tot erklärt.

Aus den Schriften und Briefen des Erzherzogs geht hervor, dass er ein zweites Leben schon seit langem geplant hatte. Es ist sicher, dass er bereits 1881 in Hamburg für viel Geld die Papiere des Kartografen Hugo Köhler gekauft hat. Köhler brauchte damals Geld, um in Ägypten seine Tuberkulose auszuheilen. Nach den Eintragungen seiner Heimatgemeinde Eilenberg in Sachsen ist Köhler in Ägypten gestorben. In den Jahren nach 1890 ist ein Mann mit seinen Papieren mehrfach durch Norddeutschland und Skandinavien gereist, um sich dann in Kristiansand niederzulassen. Am Totenbett hat Hugo Köhler seinen Nachkommen mitgeteilt, dass er der verschollene ehemalige Erzherzog Johann Salvator sei. Sein Enkel Franz Johan Köhler Nielsen (*1927) und sein Urenkel Henrik Danielson (*1970) haben dem Schloss Ort und der Gemeinde Gmunden einen Besuch angestattet.

Familienexperten konnten bei den Besuchern keine der berühmten Spezifikationen des Hauses Habsburg -schmale Kopf- Karotte, näselnde Sprechweise und tief hängende Unterlippe- feststellen. Dass die Nachkommen des Erzherzogs Hugo Köhler das Schloss Ort rückerstattet bekommen, ist nur schwer möglich. Das Schloss war 1918 wie alle anderen Besitztümer der Habsburger verstaatlicht worden und gehört heute als Touristenattraktion und Standesamt der Gemeinde Gmunden. So wie sich die Stadt über Belebung aus dem hohen Norden freut, so kann auch die habsburgische Memorabilien- Industrie Österreichs eine weitere Variante der Tragödie von Mayerling abarbeiten. Es hat Hugo Köhler in seinem Nachlass viele Briefe, Tagebucheintragungen und Skizzen hinterlassen. „Wunderliches Schicksal. Bereue meinen Schritt doch nicht: Tot für die Welt, lebend für edle Taten.“

So schreibt er. Es ist auch eine farbige Skizze zu sehen, in der er Kaiser Franz Joseph bei einem Diner mit seinen toskanischen Verwandten zeigt. Als er auf Mayerling zu sprechen kommt, geht dem habsburgischen Sonderling die Fantasie durch. Er will mit vielen anderen am 30.1.1889 an einem rauschenden Champagnerfest in Mayerling dabei gewesen sein. Mary Vetsera habe völlig betrunken den Kronprinzen zur Annahme der ungarischen Krone gedrängt.

Er, Johann Ort, habe in diesen Aufgenblick die Szene verlassen. Dann habe er einen Schuss gehört. Er sei zurückgekehrt, worauf noch ein Schuss gefallen sei. Es sei ihm dann Kammerdiener Loschek mit rauchender Pistole entgegengekommen. Mary Vetsera habe aus Enttäuschung über Rudolf eine Champagnerflasche auf seinem Schädel zertrümmert und ihn so getötet. Kammerdiener Loschek haben den Mord an seinem Herren gerächt und Mary Vetsera erschossen. Diese Version ist völlig ausgeschlossen, doch führt sie zu der Frage, warum Johann Ort alias Hugo Köhler die Schuld an der Tragödie auf die unbedarfte 16jährige Mary schiebt.

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Pirates of the Caribbean – at world’s end end

Sonja Wenger – Es ist auf Dauer nicht lustig, über einen Film vor allem Vergleiche mit anderen sogenannten Blockbustern, Zuschauerzahlen und Fortsetzungen zu lesen. Deshalb sei dem dritten Teil der immer gigantischer gewordenen Piratensaga um CaptainJack Sparrow und seine Mitstreiter und Gegenspielerinneneine kleine kritische Hommage gewidmet.

Denn endlich erfahren wir alle, wie es weiter- undvor allem wie es ausgeht mit dem Grüppchen, dass uns trotz einer zwölfmonatigen Abstinenz allgegenwärtig und vertraut geblieben ist.

Der Anschluss geschieht im wahrsten Sinne des Wortes nahtlos. Keiner der Charaktere oder Geschichtsstränge wird in irgendeiner Form noch einmal eingeführt. Wozu auch? Ohne Teil eins «The Curse of the Black Pearl» und besonders Teil zwei «Dead Man’s Chest» zu kennen, versteht man weder den Film noch den Witz der Handlung von «At World’s End». Und war Teil zwei durch seine veränderte Machart noch leicht gewöhnungsbedürftig, zudem mit Seeschlachten, Kannibalen und Meeresmonstern überfrachtet, so ist es nicht verwunderlich, dass das Finale nochmals einen Zahn zulegt.

Seit sich der grausame Lord Cutler Becket von der East India Company der Dienste von Davy Jones und seinem Geisterschiff The Flying Dutchman sicher ist, hat er sich die Vernichtung aller Piraten auf die Fahne geschrieben. Um das zu verhindern, müssten aber alle neun Piratenlords der Welt zusammenspannen. Doch leider ist einer von ihnen, Captain Sparrow, in der Welt zwischen Leben und Tod gefangen, in seiner persönlichen, surrealen Vorhölle.

Um ihn dort herauszuholen tun sich Freund und Feind zusammen, reisen ans Ende der Welt und wieder zurück. Während sich Elisabeth Swann mit Sparrow und Barbossa der Armada von Becket entgegenstellt, hat ihr Verlobter Will Turner vor allem die Befreiung seines Vaters aus der Sklaverei auf Jones Schiff im Sinn – und auch die Vodoo-Hexe Tia Dalma hat noch mehr zu bieten ausser verdrehte Sprüche.

Doch trotz fulminanter Schlacht und einemmutigen Schluss ohne zuckersüssem Happyend ist man trotz befriedigter Vorfreude, trotz der Vielzahl skurriler Einfälle, Computergenerierten Kämpfen und endlosen verräterischen Wendungen nach fast drei Stunden froh, dass es vorbei ist. Denn mit dem gleichen Regisseur Gore Verbinski, mit Jonny Depp als Captain Sparrow, Orlando Bloom als Will Turner, Keira Knightley als Elisabeth Swann, einer Vielzahl wunderbarer Schauspieler und Schauspielerinnen wie Bill Nighy, Geoffrey Rush, Naomie Harris, Chow Yun-Fat und der ganzen Darstellercrew aus den Teilen eins und zwei ist zwar die schauspielerische Qualität und der Wiedererkennungswert hoch, aber der Überraschungsfaktor weg. Nicht mal Keith Richards als Sparrow’s Dad ist wirklich neu, denn dass er beim Drehen von einer Palme gefallen ist, war schon vergangenes Jahr in den Medien.

So dient «At World’s End» vor allem der Befriedigung von Neugier und eines falsch verstandenen Bedürfnisses nach grösser, besser, schneller – und in diesem Falle auch noch länger. Das man sich Teil eins von «Pirates of the Caribbean» mit seinen feinen Fechtszenen, seinem unschlagbaren Sprachwitz und seinen authentischen Bildern immer wieder ansehen mag, ist eine grosse Leistung. Hat man aber die Fortsetzungen gesehen, hat man’s gesehen. Trotzdem heisst es auch hier noch einmal: Sitzen bleiben und zehn Minuten Abspann über sich ergehen lassen. Es lohnt sich.

Dieser Artikel erschien erstmalig im Berner ensuite Kulturmagazin

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UN rapporteur criticizes food-based ethanol production

Jean Ziegler – United Nations Special Rapporteur on the Right to Food, said that producing ethanol from foodstuffs would condemn hundreds of thousands of people in the world to death from hunger, Prensa Latina reported.

Ziegler accused the United States, European Union and Japan of “total hypocrisy” for promoting ethanol production in order to reduce their dependence on imported oil, the article said.

“There is a great danger for the right to food from the development of biofuels,” the UN envoy said at a press conference during a meeting of the UN Human Rights Council.

He added that hundreds of thousands of people could die from hunger as a result of producing ethanol from basic foodstuffs like corn. He noted that in some parts of Mexico, the price of corn shot up by 16% as a result of greater demand for producing biofuels.

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Heiligendamm – Der Beginn des Übergangs in die Barbarei

Karl Weiss – Der G8-Gipfel von Heiligendamm war nicht das Geld des Abschlußpapiers wert. Nicht ein einziges konkretes Ergebnis, nicht eine einzige konkrete Aussage waren die großen “Leader” der Menschheit in der Lage zu produzieren. Er war eine getreue Widerspiegelung der Endphase, in die der weltweite Kapitalismus nun eingetreten ist: Beginnende Auflösung aller staatlichen und interstaatlichen Instrumente und Vereinbarungen – und Übergang in die offene Barbarei, d.h. ‚Jeder gegen Jeden’ und ‚Rette sich, wer kann’.

Wenn Bob Geldorf, der irische Liedermacher und Afrika-Aktivist, der auf dem parallelen Rock-Festival auftrat, den Gipfel der G8 in Heiligendamm als „Total Farce“ bezeichnete, dann muss man fragen, was er erwartet hat von einem Bush, von einer Merkel, von einem Sarkosy, einem Blair oder einem Putin.

Von Politikern dieser Sorte,

die nach Belieben andere Länder überfallen und bombardieren lassen, was bis vor kurzem noch als Kriegsverbrechen galt,

die den eigenen Grosskonzernen praktisch Steuerfreiheit gewähren und ihnen Subventionen vorn und hinten reinschieben,

die jegliche sozialen Sicherungssysteme und staatliche Leistungen aufheben, abbauen, explodieren, sei es Arbeitslosenabsicherung, Sozialhilfe, Renten, Gesundheitssysteme, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, öffentliche Verkehrssysteme, das Erziehungssystem oder bezahlbare Wohnungen, um Mittel ‚freizuschaufeln’ zur Unterstützung der Konzerne,

die bereits Hunderttausende von Oppositionellen in ihren eigenen Ländern konsequent überwachen lassen, in den Karteien haben und nur darauf warten, sie „aus dem Verkehr zu ziehen“,

die in ihren eigenen Ländern die Polizei mehr und mehr brutalisieren und Übergriffe gegen oppositionelle Demonstrationen begehen lassen,

die Tausende von eigenen Soldaten der Strahlung von Uran-Munition aussetzen mit der Folge von Tausenden von Toten, ohne die geringsten Skrupel,

die ihre Länder in Überwachungs- und Obrigkeitsstaaten umwandeln,

die internationale Vereinbarungen wie die Genfer Konventionen, die UN-Statuten, das Kyoto-Protokoll, den Atomwaffen-Sperrvertrag, die START-Vereinbarungen usw. in der Luft zerreißen, so als ob das beliebige Papiere wären,

die in geheimen, gemeinsamen Aktionen Menschen von Geheimdienstleuten entführen und sie in Foltergefängnisse wie Guantánamo und andere bringen ließen, ohne Gericht, ohne Anklage, ohne Recht,

die oppositionelle Demonstrationen durch Staatsbedienstete unter Brechen jeglichen Rechtes „aufmischen“ ließen, um den Medien „Krawall“-Szenen bieten zu können,

deren Politik Millionen von Menschen in den Entwicklungsländern jährlich vor Armut sterben lässt (Millionen jährlich, nicht 6 Millionen einmalig),
ja, was war von ihnen zu erwarten?

Trotzdem ließ sich Geldorf wiederum mit diesen Politikern ablichten, ebenso wie U2-Bono. Grönemeyer dagegen lehnte dies ab. „Die benutzten uns nur, um ihr Image aufzubessern.“ Was schon bei einigen seiner Liedertexte zu vermuten war, bestätigt sich: Der Mann besitzt Intelligenz.

Dieser Kapitalismus ist längst reif, abgelöst zu werden. Er kann nicht nur keine einziges der Probleme der Menschheit mehr lösen, er ist zu DEM Problem der Menschheit geworden. Da er aber immer noch nicht abgelöst wird, tut er, was alles tut, wenn es tot ist und in Verwesung übergeht: Zerfall. Unser einziges vorhandenes Gesellschaftssystem ist in Zerfall eingetreten. Dafür war Heiligendamm der Beleg.

Keine Vereinbahrung – nichts
Der Gipfel wurde ja Jahre und Monate vorbereitet. Auf der Ebene der Ministerien der G8-Staaten hatte man die Vereinbarungen vorzubereiten und dann so zu tun, als seien sie auf dem Gipfel unter übermenschlichen Anstrengungen der Präsidenten und Premiers zustande gekommen. So lief das früher. Diesmal wurde nicht eine einzige wirkliche Vereinbarung abgeschlossen, einfach nichts.

Die Ministerien waren nicht in der Lage, ein einziges Thema zu finden, eine einzige kleine Übereinstimmung, die man als Ergebnis des Gipfels hätte präsentieren können. Die Großkonzerne, die jene Politiker zu repräsentieren haben, sind so groß geworden, die Konkurrenz unter ihnen so zugespitzt, der Rhythmus der Übernahmen und Fusionen so hektisch, dass es keine Möglichkeit mehr von Kompromissen gibt, nur Konfrontation.

Das ist immerhin bemerkenswert und stellt eine neue Qualität dar. Nicht einmal mit den Eingeladenen am Katzentisch, China, Indien, Brasilien und Südafrika, war mehr eine einfache winzige Vereinbarung möglich.

Man hätte ja den Gipfel unter einem Vorwand verschieben können, versuchen noch ein Thema zu finden oder eine winzige Gemeinsamkeit, aber auch das tat man nicht. Offenbar wusste man schon, auch mit mehr Zeit war keinerlei Kompromiss mehr zu erwarten.

Kriege dräuen noch am Horizont.
Das heißt, der Kapitalismus, der internationale Imperialismus kann keinerlei Einigung mehr finden, nicht einmal über Randthemen. Nur Kriege dräuen noch am Horizont. Das einzige Mittel internationaler Politik, das für eine Zeit lang im Kapitalismus sogar eine positive Richtung einschlug, die internationale Vereinbarung, ist nicht mehr anzuwenden. Es wird keinerlei Einigungen mehr geben, nicht in der Dohar-Runde, nicht über die aufkommende Klimakatastrophe, nicht über Hunger und Elend in der Welt, nichts, nichts, nichts!

Interessant speziell, man war über wirtschaftliche Themen völlig uneins. Es war u.a. eine Vereinbarung über die Hedge-Fonds angepeilt. Daraus wurde nichts. Man wollte eine gemeinsame Erklärung zu China abgeben und die Regierung dort auffordern, die Währung aufzuwerten, nichts davon in der Abschlusserklärung. Man wollte etwas zu den Gefahren der Inflation vereinbaren, nichts. Lediglich eine Bestätigung der bereits zeit zwanzig Jahren gültigen Regeln des Neoliberalismus. Damit ist die bereits im Anrollen befindliche Wirtschaftskrise wohl nicht weiter hinausschiebbar. Es kann sogar nicht ausgeschlossen werden: Der Juni wird später exakt als der erste Monat der Wirtschaftskrise bezeichnet werden.

Wurde das Problem von Russland mit den USA gelöst, die Stationierung von Raketen in Polen und der tschechische Republik, angeblich zur Abwehr iranischer Raketen, in Wirklichkeit zur Bedrohung Russlands? Nein. Die US-Regierung weigert sich weiterhin, dies Projekt aufzugeben und Russland droht mit Gegenmaßnahmen.

Wir denken nicht daran!
Zum am meisten mit Spannung erwarteten Thema, den Maßnahmen zum Abwenden der Klimakatastrophe, gab es ebenfalls keinerlei Einigung. Die USA, der weltweit grösste Kohlendioxid-Produzent, weigert sich weiterhin, irgendwelche auch nur auf dem Papier bindende Vereinbarungen einzugehen und/oder in das Kyoto-Protokoll zurückzukehren, das ja von ihnen mit beschlossen wurde. China und Indien, die wahrscheinlich demnächst bereits die Luftverschmutzer Nr. 2 und 4 auf der Welt sein werden, denken nicht entfernt daran, irgendwelche Einschränkungen zu akzeptieren. Die EU und Japan haben sich bereits vor dem Gipfel verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2050 auf 50 Prozent der Werte von 1990 zu reduzieren, das kann nicht als Ergebnis des Gipfel gefeiert werden und es wäre außerdem bestenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Klimakatastrophe wird nicht bis 2050 warten, bis die Herrschaften geruhen, aktiv zu werden – oder nicht einmal das. Nach allen seriösen Einschätzungen wird die Klimakatastrophe ab einem Zeitpunkt zwischen 2020 und 2030 unumkehrbar werden, weil sie selbst verstärkende Bedingungen schafft. Wenn bis dahin nicht Wesentliches geändert wurde, wird es innerhalb von 200 bis 300 Jahren keine Menschheit mehr geben, wie wir sie kennen, ohne dass dieser Prozess dann noch aufhaltbar wäre.

Dazu kommt, die Verpflichtung der EU und Japans ist nicht einklagbar, nicht definitiv. Man sagt lediglich, das wolle man tun. Das sind Politiker-Versprechungen, denen man international genauso wenig vertrauen kann wie auf der nationalen Ebene. Frau Merkel, die nun vollmundig Erklärungen abgibt, hat da nämlich selbst eine Leiche im Keller. Sie war Umweltministerin unter Kohl und hat eine 20prozentige Verminderung des CO2-Ausstoßes bezüglich 1990 bis 2005 versprochen gehabt und nicht eingehalten. Wie soll man ihr jetzt glauben?

Im Gegenteil, die Entscheidung, Bio-Diesel zu besteuern, hat dem vielversprechenden Ansatz auf diesem Gebiet abgewürgt, wo Deutschland Vorreiter war. Das hat Frau Merkel zu verantworten. Sie ist also in Wirklichkeit genau auf dem Gegenkurs zu einer Wende in der Energiegewinnung.

Die einen also verpflichten sich gleich zu gar nichts und den anderen kann man nicht glauben. Eine prächtige Gesellschaft!

Als einzige Nation unter den grössten 10 Wirtschaften auf der Erde hat sich die Nummer 10, Brasilien, ein konsequentes Programm zum Ersetzen von fossilen Energieträgern gegeben. Bis 2020 will man sowohl das Benzin als auch den Diesel vollständig ersetzt haben durch Alkohol und Bio-Diesel. Dann gibt es nur noch einige Erdgaskraftwerke in Brasilien, die noch fossile Stoffe verbrennen, aber die machen nicht einmal 5Prozent der dortigen Energiegewinnung aus.

Das könnte jede der anderen Nationen auf dem Gipfel auch tun, aber dann wären natürlich die Interessen der Öl-Multis angekratzt und daher darf man nicht.

Afrika? Nix Neues
Und das groß angekündigte Thema Afrika? Kein einziges neues Ergebnis! Man wiederholte, was man bereits vor zwei Jahren sagte, man wolle insgesamt 60 Milliarden über die kommenden Jahre bereitstellen. Nur – von diesem Geld haben die afrikanischen Länder in den letzten zwei Jahren keinen Cent gesehen! Warum sollte man glauben, nun käme es dort an? Zudem ist der wesentliche Teil dieser Werte nicht als Schenkung vorgesehen oder als Erlass von Schulden, sondern als neue Kredite. Die erhöhen nur noch weiter die bereits unerträgliche Zinslast der Entwicklungsländer, anstatt irgendeine Erleichterung zu bringen.

Das ist wie mit dem Geld, das alle nach dem Tsunami Ende 2005 versprachen. So gut wie nichts davon ist wirklich in den betroffenen Regionen angekommen.

Die entwickelten Länder könnten mit einem Federstrich wesentliche Probleme der Entwicklungsländer, in Afrika und anderswo – lösen. Sie bräuchten nur ihre absolut absurden Agrarsubventionen einstellen. Sie würden gleichzeitig Geld sparen und den Entwicklungsländern eine faire Chance im Wettbewerb der Lebensmittel-Märkte geben. Aber die Agrarsubventionen gehen hauptsächlich an Großkonzerne, darum darf man nicht.

Der Übergang in die kapitalistische Barbarei hat aber noch Besonderheiten. Es ist nicht einfach nur eine Rückkehr zu jenen Zeiten des entstehenden Kapitalismus im 18. Jahrhundert, als in Manchester in England Kinder mehr als 12 Stunden täglich in Textilfabriken schuften mussten für einen Hungerlohn, was dieser freundlichen Art von Kapitalismus den Namen Manchester-Kapitalismus eingetragen hat, es ist vielmehr hauptsächlich die generelle Kriminalisierung der Gesellschaft.

Dafür bis an die Zähne bewaffnete Organisierte Kriminalität
In dem Masse, wie die Staatsmacht zurückweicht, füllen kriminelle Mafia-Organisationen die Lücken. Großkonzerne und –banken einerseits und bis an die Zähne bewaffnete organisierte Kriminalität werden mehr und mehr eins. Die Fälle Deutsche Bank- Mannesmann, Volkswagen – Hartz und Siemens sind nur die Spitze des Eisbergs der Kriminalisierung der Großkonzerne und nur der Anfang. Im gleichen Masse wachsen kriminelle Mafia-Organisationen überall mit kaum glaublicher Geschwindigkeit und verstecken sich hinter Firmen-Masken.

Überlegen Sie nur, wann haben Sie das letzte Mal gehört, dass eine Gruppe von Verbrechern, die Führer von kriminellen Mafia-Organisationen sind, angeklagt wurden? Sie können sich nicht erinnern? Ja, das kommt daher, diese Prozesse haben nicht stattgefunden, niemand kann sich erinnern. Die Verfolgung der organisierten Kriminalität wurde nämlich fast völlig eingestellt. Stattdessen sollen laut Frau Merkel Leute verfolgt werden, die jemand auf der Strasse anrempeln.

Der Übergang in die kapitalistische Barbarei stellt nichts anderes dar als die Aufgabe des kapitalistischen Staates und seine Überführung in ‚Warlord-Country‘, also eine Gesellschaft, in der Reiche und Mächtige herrschen, die sich eine Privatarmee leisten können. Sie unterdrücken die Bevölkerung und bekriegen sich mit den anderen Warlords. Die Gesellschaft ist dann „Jeder gegen Jeden“ und „Rette sich, wer kann“.

Der Zustand, wie er in Afghanistan herrscht, das ist, was uns alle erwartet, wenn wir dem nicht ein Ende bereiten!

Wir haben also ein Stadium des Kapitalismus erreicht, in dem keinerlei ins Gewicht fallende internationale Vereinbarungen mehr möglich sind und wir stehen vor einer sich verstärkenden Klimakatastrophe, die das Bestehen der Menschheit bedroht, während gleichzeitig der Kapitalismus beginnt in die Barbarei abzugleiten und uns ein ‚Warlord Country’ droht.

Es bleibt nur ein Weg: Kampf gegen die Grosskonzerne und ihre Politiker und für eine totale Wende in der Energiegewinnung und der Schaffung einer kompletten Kreislaufwirtschaft.

Ebenso werden wir uns überlegen mußen, ob wir nicht den Imperialismus besser durch einen anderen Gesellschaftsansatz ersetzen sollten, zum Beispiel echten Sozialismus.

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Im Falle eines katastrophalen Notfalls wird Bush Diktator

Lee Rogers – Die Administration Bush hat eine Direktive mit der Bezeichnung „Direktive des Präsidenten zur Nationalen Sicherheit und zum Schutz des Heimatlandes“ (National Security and Homeland Security Presidential Directive) erlassen. Die Direktive erging am 9. Mai und fand weder in den etablierten noch in den alternativen Medien nennenswerte Beachtung. Dies ist verständlich angesichts der aufregenden Nachrichten um Ron Paul und die Einwanderungsfrage (der US Kongreßabgeordnete propagiert eine Beschränkung der Einwanderung in die USA, A.d.Ü.), aber diese Nachricht ist ebenso wichtig. In dieser Direktive erklärt George Bush, daß der Präsident im Falle eines „katastrophalen Notfalles“ damit beauftragt ist, die Aktivitäten für den Fortbestand einer verfassungsmäßigen Regierung zu leiten. Die Formulierungen dieser Direktive machen den Präsidenten im Falle einer solchen Katastrophe de facto zum Diktator.

Die Direktive definiert einen „katastrophalen Notfall“ folgendermaßen:

„Katastrophaler Notfall“ bezeichnet jedes Ereignis, das massenhafte Verluste an Menschenleben, Sachschäden oder Zerstörung verursacht, die Bevölkerung, Infrastruktur, Umwelt, Wirtschaft oder die Funktionen der Regierung der USA schwerwiegend beeinträchtigt, unabhängig davon, wo ein solches Ereignis eintritt.

Was bedeutet dies? Diese Definition ist vollständig subjektiver Einschätzung unterworfen und bietet keinerlei objektive Anhaltspunkte dafür, wie ein solches Ereignis aussehen müßte. Wenn man davon ausgeht, daß hiermit eine Katastrophe von der Größenordnung der Anschläge vom 11. September oder des Hurrikan Katrina gemeint ist, steht es außer Frage, daß die Vereinigten Staaten früher oder später ein solches Ereignis erleben werden. Wenn ein solches Ereignis eintritt, wird der Präsident ein Diktator mit dem Auftrag sein, eine verfassungsmäßig funktionierende Regierung sicherzustellen.

Die Formulierungen der Direktive sind verstörend, weil nicht festgelegt wird, daß der Präsident in einem solchen Fall gleichberechtigt mit den anderen Organen der Regierungsgewalt (Gesetzgebende Gewalt, Rechtsprechung, A.d.Ü.) zusammenarbeitet. Stattdessen wird eindeutig ausgesagt, daß es eine Zusammenarbeit zwischen den drei Gewalten geben wird, die vom Präsidenten koordiniert wird. Wenn der Präsident eine solche Zusammenarbeit koordiniert, macht ihn dies zum Verantwortlichen in allen drei Bereichen. Die Formulierung der Direktive steht in der Tradition des Orwellschen Doppelsprech, indem sie von einer Kooperation spricht und gleichzeitig festlegt, daß der Präsident dafür verantwortlich ist diese Zusammenarbeit zu koordinieren.

Die Direktive definiert den Fortbestand einer verfassungsmäßigen Regierung folgendermaßen:

Der „Fortbestand einer verfassungsmäßigen Regierung“ („Enduring Constitutional Government“ oder „ECG“) bedeutet das Zusammenwirken von Exekutive, Legislative und der rechtsprechenden Gewalt der Bundesregierung unter Leitung des Präsidenten (Hervorhebung durch den Ü.), im Rahmen der Achtung* (comity) gegenüber den gesetzgebenden und den rechtsprechenden Teilen der Regierungsgewalt, und mit gebührendem Respekt vor der verfassungsmäßigen Gewaltenteilung, um den verfassungsmäßigen Rahmen, nach dessen Maßgabe diese Nation regiert wird, und die Fähigkeit aller drei Bereiche der Regierungsgewalt, ihren verfassungsmäßigen Auftrag auszuführen, zu bewahren und für ordnungsgemäße Nachfolge (in den Ämtern, A.d.Ü) und angemessene Übergabe der Führung, sowie der Fähigkeit der Institutionen zur Zusammenarbeit und zur Aufrechterhaltung der wesentlichen nationalen Funktionen während eines katastrophalen Notfalls zu sorgen.

In der Folge bestimmt das Dokument Folgendes:

Der Präsident leitet die Aktivitäten der Bundesregierung, um den Fortbestand einer verfassungsgemäßen Regierung sicherzustellen.

Diese Direktive ist offenkundig verfassungswidrig, weil jeder der drei Bereiche Exekutive, Legislative und Judikative gleichberechtigt nebeneinander bestehen sollen. Den Präsidenten zum Verantwortlichen für die Koordinierung der Aktivitäten aller drei Gewalten zu erklären, macht den Präsidenten in Wirklichkeit zum Diktator, der allen Bereichen der Regierung sagen kann, was sie zu tun haben.

Schlimmer noch ist die Tatsache, daß der Minister für die Sicherheit des Heimatlandes (Homeland Security) als Leiter für die Koordinierung der Gesamtaktivitäten fungieren wird. Wir wissen bereits, daß das Ministerium für die Sicherheit des Heimatlandes nicht wirklich die Funktion hat, die Heimat zu sichern. In Wirklichkeit arbeitet dieses Ministerium daran, die Heimat zu versklaven, genauso wie das Innenministerium/“Heimatamt“ (Home Office) in Großbritannien aus jenem Land eine Orwellsche Hölle aus daueraktiven Überwachungskameras gemacht hat. Wenn eine Situation zu einem entsprechenden Notfall erklärt wird, können wir nur raten, welche Überraschungen das Ministerium für Heimatversklavung für uns bereithält.

Die Direktive selbst erkennt an, daß jeder der drei Bereiche der Regierung für seine jeweiligen Aktivitäten zur Sicherstellung des Fortbestandes der Regierung verantwortlich ist. Wenn dem so ist, warum muß der Präsident dann diese Aktivitäten für alle Bereiche koordinieren? Dies ist nichts weiter als eine Ermächtigung, die Macht zentralisiert und den Präsidenten im Falle eines sogenannten „katastrophalen Notfalls“ zu einem Diktator macht.

Es ist irrsinnig, daß diese Direktive es als ihren Zweck vorgibt, das Verfahren zur Gewährleistung einer funktionierenden verfassungsmäßigen Regierung festzulegen, während gleichzeitig die Worte in dem Dokument das vernichten, was eine funktionierende verfassungsmäßige Regierung eigentlich sein sollte.

Eine funktionierende verfassungsmäßige Regierung beinhaltet die Trennung dreier gleichberechtigter Gewalten voneinander. Diese Direktive aber legt fest, daß die Exekutive die Macht hat, die Aktivitäten der anderen Gewalten zu koordinieren. Diese Direktive stellt eine klare Verletzung des Gebots der Gewaltenteilung dar, und es sollte zornige Proteste seitens unserer Gesetzgeber über diesen anti-amerikanischen Schrott geben, den unser Präsident hier produziert hat.

Übersetzt von Hergen Matussik, überprüft von Eva-Luise Hirschmugl vom Übersetzungsbüro Tlaxcala

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China wächst in beeindruckendem Maß

Karl Weiss – Jedes Jahr erneut werden mit Spannung die offiziellen Zahlen der internationalen Vergleiche der Brutto-Sozialprodukte der Länder erwartet, speziell jetzt, nachdem die neuen Vergleichsmethoden China bereits in der Nähe der USA sehen. Nach den jetzt veröffentlichten ersten Zahlenreihen der CIA hat China aber bisher die USA noch nicht überholt. Die Reihenfolge der ersten vier bleibt unverändert: USA, China, Japan, Indien.

In diesem Artikel wurde bereits der internationale Vergleich der Bruttosozialprodukte (genau gesagt Brutto-Inlandseinkommen, in Englisch: Gross Domestic Product – GDP) für die Zahlen des Jahres 2005 vorgestellt. Ebenso wurde dort über die zwei Methoden gesprochen, mit denen diese Vergleiche angestellt werden können: Die übliche, die von den offiziellen Wechselkursen der Währungen ausgeht und die Methode PPP (Purchasing Power Parity), die versucht, die wirkliche Kaufkraft zwischen den Ländern zu vergleichen, was offenbar weit realistischere Zahlen ergibt.

Es gibt drei Institutionen, die solche Listen mit internationalen Vergleichen des GDP herausgeben: Die CIA (die tut auch einmal etwas Nützliches) veröffentlicht bereits zum Jahresanfang eine Liste, die auf Schätzungen beruht, dann kommt der Internationale Währungsfond (IWF, auf Englisch: International Monetary Found, IMF) und als drittes die Weltbank, die jene Zahlen aufgrund der Angaben der nationalen Institute ausarbeiten. Die beiden letzteren stehen allerdings erst gegen die Jahresmitte zur Verfügung.

Im Moment kann also nur die Schätzung wiedergegeben werden, welche die CIA bereits für die Zahlen von 2006 herausgegeben hat.

Zum Vergleich seien hier noch einmal (aus dem oben verlinkten Dossier) die Zahlen von 2005 berichtet (ebenfalls nach der PPP-Methode, es ergibt keinen Sinn mehr, die Zahlen auf der Basis offizieller Wechselkurse zu vergleichen, die von völlig sachfremden Faktoren wie Spekulation beeinflusst sind):

2005-Zahlen
“Hier die Liste der ersten Zehn 2005, GDP (Brutto-Inlandseinkommen) nach PPP-Methode, mit der absoluten Zahl des IMF (in Milliarden „Internationalen Dollar“ – Billions of Dollar im Englischen -) und den Prozentzahlen von der Gesamtsumme aller Inlandseinkommen weltweit von IMF/CIA:

1. USA // 12 278 // 20,3% / 20,8 %
2. China // 9 412 // 15,4 % / 13,7 %
3. Japan // 3 911 // 6,4% / 6,6%
4. Indien // 3 633 // 5,9% / 6,2%
5. Deutschland // 2 522 // 4,1% / 4,1%
6. UK // 1 833 // 3,0% / 3,1%
7. Frankreich // 1 830 // 3,0% / 3,1%
8. Italien // 1 668 // 2,7% / 2,8%
9. Brasilien // 1 577 // 2,6% / 2,6%
10.Russland // 1 576 // 2,6% / 2,6%

Zum Vergleich:

Welt // 61 078 // 100%
EU // 12 427 // 20,3/20,4%
Summe der ersten 10 // 40 240 // 65,8/65,6%”

„Danach gibt es die Gruppe der Nationen 11 bis 15, die in allen … Aufstellungen, allerdings in verschiedener Reihenfolge, die folgenden Länder umfasst: Kanada, Spanien, Mexiko, Südkorea und Indonesien.“

2006-Zahlen
Die Liste für 2006 (nach CIA) sieht folgendermaßen aus (ebenfalls wieder in Milliarden internationaler Dollars):

1. Vereinigte Staaten // 12 980 // 19,9%
2. China // 10 000 // 15,4%
3. Japan // 4 220 // 6,5%
4. Indien // 4 042 // 6,2%
5. Deutschland // 2 585 // 4,0%
6. UK // 1 903 // 2,9%
7. Frankreich // 1 871 // 2,9%
8. Italien // 1 727 // 2,7%
9. Russland // 1 723 // 2,7%
10. Brasilien // 1 616 // 2,5%

Zum Vergleich:
Welt // 65 000 // 100%
EU // 12 820 // 19,7%
Summe der ersten Zehn: 42 667 // 65,6%

Die folgenden auf der Liste (Plätze 11 bis 15) sind die gleichen wie letztes Jahr, diesmal (bei der CIA) in folgender Reihenfolge: Südkorea, Kanada, Mexiko, Spanien, Indonesien.

Wer mehr und genaueres sowie spezielle Zahlen bestimmter Länder wissen will, kann in das englische Wikipedia (en.wikipedia.org) gehen, dort als Suchbegriff GDP eingeben und dann unten auf der Seite auf „List of countries by GDP (PPP)“ klicken.

Vergleich
Vergleicht man die Zahlen von 2005 und 2006, so sind wesentliche Veränderungen festzustellen:

1. China verweist mit seinem außerordentlichen Wachstum alle anderen Länder auf die Plätze. Es nähert sich mit deutlicher Geschwindigkeit dem GDP der Vereinigten Staaten an und wird diese voraussichtlich bald überholen. Es hat (nach diesen Zahlen der CIA) fast zwei Prozent des Welt-GDP in einem einzigen Jahr zugelegt, das ist fast soviel wie das ganze GDP der Nummer Zehn, Brasilien. Sowohl die USA als auch die EU haben an Anteil des Welt-GDP verloren, obwohl die USA z.B. ein kräftiges Wachstum um die 700 Milliarden Dollar aufweisen konnte. Hier kommt noch dazu, dass die CIA-Zahlen im letzten Jahr China stark unterschätzten im Vergleich zu den Zahlen des WMF und der Weltbank. Wenn dies diesmal wieder so ist, so kann man auf eine Überraschung gefasst sein, wenn deren Zahlen für 2006 veröffentlicht werden. Vielleicht ist China bereits Nummer 1 der Welt oder jedenfalls sehr nahe den USA.

2. Fast alle anderen Länder unter den ersten Zehn haben Anteile am Welt-GDP verloren, mit Ausnahme von Indien, das seinen Anteil etwa halten konnte (also auch kräftig wuchs) und von Russland, das fast ebenso stark wie China wuchs (wenn auch auf weit kleinerer Grundlage) und Brasilien überholte. Russland hält jetzt den 9. Platz auf der Welt und bedroht bereits ernsthaft den 8. Platz Italiens. Das letzte der vier „Emerging Countries“ (BRIC-Countries: Brasilien, Russland, Indien, China), Brasilien, dagegen hat mit einem niedrigen Wachstum von etwa 4% den 9. Platz verloren.

3. Der Anteil der ersten Zehn am Welt-GDP blieb praktisch genau gleich. Abgesehen von den starken Veränderungen, die jene drei Volkswirtschaften China, Indien und Russland verursachen, sind die Zahlen bei generell geringem Wachstum also sehr vergleichbar mit dem Vorjahr. Es gibt kein Aufholen der Entwicklungsländer, aber auch kein Davonlaufen der entwickelten Länder (immer abgesehen von jenen drei Ländern).

4. Das Wachstum der USA um etwa 700 Milliarden Dollar ist praktisch völlig auf die Kriege zurückzuführen, die man führt, den Irak-Krieg, den in Afghanistan und die Hilfe für Israel im Krieg gegen den Libanon im Juni.

Diese 700 Milliarden Dollar repräsentieren ziemlich genau die Ausgaben für diese Kriege im Jahr 2006 (Die Kriegsausgaben gehen in dem Masse in die GDP-Zahlen ein, wie sie Firmen-Einkommen für die Waffenkäufe erzeugen und wie sie persönliche Einkommen für die Soldaten erbringen). Finanziert wurde all diese Militärausgaben durch neue Staatsanleihen, die in großen Teilen von China und Japan gekauft wurden (was auf das Finanzieren dieser Kriege hinausläuft). Auf der anderen Seite heißt dies, die US-Wirtschaft hat (fast) keinerlei Wachstum mehr aufzuweisen, wenn nicht kriegsbedingt.

Das belegt, was bereits wiederholt hier gesagt wurde: Ohne die „Kriege gegen den Terror“ wäre längst eine Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, denn die US-Wirtschaft hätte keinerlei Wachstum mehr, was nach bisherigen Erfahrungen auf alle anderen übergreift. Eine der wesentlichen wirklichen Gründe für den Irak-Krieg, wie auch für die aktuelle Ausweitung der Aktionen in Afghanistan, ist der Versuch des Hinauszögerns der Wirtschaftskrise.

Dies hat allerdings alle Spannungen innerhalb des weltweiten Finanzsystems weiter geschürt, was nach aller Logik zu einer weit tieferen Krise führen müsste, wenn sie schließlich doch ausbricht. Man muss davon ausgehen, die Finanz-und Wirtschaftsexperten der US-Regierung suchen in diesem Moment verzweifelt einen Ausweg aus dieser Situation, der die USA nicht in eine abgrundtiefe Krise wirft.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies zur Wahnsinnstat eines Überfalls auf den Iran führt, um weiter Zeit zu gewinnen.

Doch dann würde den USA eine Rechnung präsentiert, die sie nicht zahlen können: Die Ölrechnung. Würde im Zuge eines Iran-Überfalls der Ölpreis in die Nähe der 100 Dollar pro Barrel steigen oder sogar höher – und das ist extrem wahrscheinlich -, würde die Rechnung für das importierte Öl der USA so ansteigen, dass Japan und China dies nicht mehr finanzieren könnten. Dann wäre die Weltwirtschaftskrise unaufhaltbar – und es wäre abzusehen, die USA könnten am Ende dieser Krise und dieser Kriege ihren Status als alleiniger Herrscher der Welten verloren haben.

vermischtes

Im Labyrinth der Titel gefangen – Deutsche Exkolonie Samoa wählt neuen Staatschef

Malte Olschewski – Würdevoller und langatmiger Streit um die Nachfolge des Staatsoberhauptes ist zu erwarten, denn kaum etwas ist bei den Samoanern beliebter als der Kampf um Titel und Würden. Da der mit der Unabhängigkeit 1962 auf Lebenszeit gewählte Staatschef Malietoa Tanumafili kürzlich mit 94 Jahren verstorben ist, muss laut Verfassung der ehemaligen deutschen Kolonie das Parlament seinen Nachfolger bestimmen. Dieses Parlament aber ist keine Volksvertretung, sondern ein Plenum der Häuptlinge, der Matais. Nur ein solcher Matai kann in das 49-köpfige Parlament gewählt werden.

Die polynesischen Inseln von Samoa waren durch den Vertrag von 1899 zwischen USA und Deutschland geteilt worden. Bereits 1857 hatte ein Hamburger Handelshaus eine Filiale in Apia an der Küste Upolus gegründet. Streitigkeiten führten zur Samoa-Akte. Die östlichen Inseln gingen an die USA. West-Samoa wurde deutsche Kolonie, während England mit anderen Inseln im Südpazifik abgefunden wurde. Zwischen den preussischen Kolonialherren und den Samoanern entwickelte sich nach einer eher milden Repressionsphase die wahrscheinlich einzige Idylle der Kolonialgeschichte. Berlin hatte den Sanskritgelehrten Rudolf Solf als Gouverneur eingesetzt. Solf hatte bald entdeckt, dass Kämpfe und blutige Rivalitäten immer nur durch Titelkämpfe verursacht worden waren. Der Gouverneur aus Berlin schuf einen Titelgerichtshof, vor dem nun alle Streitigkeiten mit Worten und ohne Waffen ausgetragen werden mussten.

Das übergeordnete Interesse der Samoaner galt seit jeher den Verschiebungen, Käufen, Häufungen und dem Verlust der unzähligen Titel. Im Prinzip ist jedes männliche Familienoberhaupt ein Matai. Über die vielen Buchten, Regionen und Dörfer herrschen schwache oder starke Häuptlinge. Fast scheint es, als ob eine jede Bucht, Klippe oder Palme von einem Matai regiert werden soll. Jedem Matai steht ein paralleler Palaverhäuptling zur Seite. Der eine muß nur Macht und Würde repräsentieren, der andere muß reden und verhandeln können. Beim Tod eines Matais kann sein Titel vererbt, aber auch an andere Bewerber weitergegeben werden, so er nicht gekauft oder gar gestohlen wird. Es muss sich der Tuletufugu gegen den Seinafolava behaupten. Der Luatuanu verteidigt sich gegen den Leaupepe. Der Faletufuga sieht sich vom Tuinalatu betrogen usw.

Die Titel sind nicht gleichwertig. Ethnologische Darstellungen zeichnen die Titellandschaft als ein zerklüftetes Gebirge. Viele Titel sind die Namen früherer, heldenhafter Familienchefs. Sie können aus mythologischen Zeiten stammen, in denen die Südseegötter noch Namen verliehen haben. Es kann aber auch das Dorf oder die Region Verleiher eines Titels sein. Auch von Helden der Geschichte wird ein Titel wie der des „Malietoas“ abgeleitet. Der Führer des siegreichen Krieges gegen die tonganischen Besatzer war vor langer Zeit mit dieser Würde ausgezeichnet worden. Der Rang des Malietoa blieb durch die Jahrhunderte in der Familie und wurde gegen alle Anfechtungen verteidigt.

Auch die anderen Titel sind auf diese Weise mit der Bedeutung ihrer Entstehung verknüpft. Der allgemeine historische Respekt ist aber nicht automatisch mit Machtansprüchen verknüpft. Die Macht muss zusätzlich zum Titel errungen oder vielmehr erredet werden. So konnte auf einer Klippe ein Matai sitzen, dessen Titel alle anderen an Bedeutung überragte, obwohl sich niemand mehr an Heldentaten seiner Ahnen erinnern konnte. Doch da er es unterliess, diese seine hohen Würden zu festigen und wortreich zu verteidigen, wurde ihm der Rang streitig gemacht. Sein Titel verlor nach der Ankunft der „Papalagi“ (wörtlich: „Der aus den Wolken Kommenden“ i.e. Europäer) an Bedeutung, während andere Würden wie Sterne am samoanischen Himmel erschienen.

Es gibt kaum ein Volk auf der Welt, dem Geld, Prunk und Reichtümer so wenig bedeuten wie den Samoanern. Regierungsbauten sind meist große und schöne Hütten. In der Politik, im Parlament und in der Regierung geht es weniger um die Macht, sondern eher um die Erringung und Akkumulierung hoher Würden und historischer Titel. Es gibt zwar Parteien, die aber meist nur die Landschaft der Würden widerspiegeln. Im Parlament herrscht heftiger Fraktionswechsel. Der gewählte Matai zieht von einer Partei zur anderen.

Der Streit um Titel hatte vor 1899 ständig zu Konflikten und Kriegen geführt. Die deutschen Kolonialherren machten mit Aufmärschen einiger Dutzend Pickelhauben bald klar, wer nun der oberste Matai war: Kaiser Wilhelm II. Wegen seines martialischen Aussehens wurde er auch klaglos als Oberhäuptling oder „Tupou Sili“ akzeptiert. Die Streitigkeiten vor dem Titelgericht können auch heute noch Monate dauern, aber blutige Kämpfe zur Erringung von Würden sind ab 1900 nicht mehr ausgebrochen. Siedler aus Deutschland haben damals samoanische Frauen geheiratet und mit ihrer Arbeit die Insel wohlhabend gemacht. Diese koloniale Idylle ging 1914 zu Ende, als ein neuseeländischer Flottenkonvoi im Hafen von Apia er-schien und die Übergabe forderte. Beim Abschied des Gouverneurs haben viele Samoaner geweint. West-Samoa wurde ein Mandatsgebiet des Völkerbundes und später der UNO.

Am 1.1.1962 wurde West-Samoa als „Fale Tupe o Samoa i Sisifo“ ein unabhängiger Staat im Commonwealth. Die Wahl eines Parlaments war wegen der Titelstreitigkeiten extrem schwierig. Eine jede Partei musste nun als der Versuch eines Matais erscheinen, über die Demokratie höhere Würden zu stehlen. Jede Partei musste sich auch mit anderen Titelansprüchen überschneiden. Am 1.1.1962 wählte eine Versammlung möglichst vieler Matais aus ihrer Mitte zwei ungefähr gleichrangige Häuptlinge zu parallelen Staatschefs, weltweit ein einzigartiges Phänomen.

Der eine trug schon seit 1940 den Rang eines Malietoas, der andere stammte aus der Titelregion eines Tamaseses. Da dieser Tamasese Meoble bald danach starb, wurde am 5.4.1963 der andere Präsident Malietoa Tanumafili für Lebzeiten in diesem Amt bestätigt. Er hatte nicht viel zu tun. Er residierte in dem Haus des britischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“), der auf Samoa gelebt und dort auch gestorben war. Das samoanische Aussenministerium suchte nach dem Ableben Malietoas Tanumafilis vielfach richtig zu stellen: Es sei der Verstorbene keinesfalls der „König von Samoa“ gewesen. Er sei indes oberster Reprä-sentant der typisch samoanischen Häuptlings-Aristokratie gewesen. Dieses System sei in der Faa Samoa verwurzelt. Das ist die samoanische Lebensart, die fast alle erwachsenen Männer zu Adeligen macht.

vermischtes

Impressionen eines Deutschland-Flüchtlings (2) [neu mit Fotos]

Nauru – „aber das Wetter ist gut, die Sonne scheint jeden Tag…“
Unser Autor Johann U. Bahr hatte zusammen mit seiner Frau Deutschland vor einigen Jahren verlassen, in der Hoffnung, irgendwo anders in der Welt einen warmen Ort zu finden, in dem er leben und arbeiten kann. Wenige Tage nach den Anschlägen der so genannten Rucksackbomber in London, gelang es ihnen von Heathrow in die USA nach Texas zu fliegen. Als die Aufenthaltserlaubnis dort ablief, fanden sie Jobs in Dubai und gerieten in einen Mordkomplott, sie sollten helfen, den Vater eines Ministers mittels unpassender Medikamente umzubringen. Gerade noch rechtzeitig erkannten sie das Vorhaben, kündigten ihre Jobs und flogen nach Australien. Nach vielen Fotos niedlicher Koalabären lief auch dort die Aufenthaltsgenehmigung ab. Aber gerade noch rechtzeitig fanden sie Arbeit auf der Südsee-Insel Nauru, wo sie von den Einheimischen freundlich empfangen wurden. Johann U. Bahr schreibt: „Sie freuen sich darüber, dass wir ihnen die Arbeit wegnehmen.“

Johann U. Bahr – Hallo Ihr Lieben, viele Grüße von Nauru. Wir haben mal einen netten Text angehängt, der die Insel perfekt beschreibt. Leider ist der Text älter und es ist viel schlimmer hier: Vom Wohlstand zurück zur Bambushütte! Nur haben die Insulaner verlernt eine Bambushütte zu bauen.

Die Naurans selbst warten weiter auf bessere Zeiten, auf Hilfe von außen, oder sie haben resigniert. Auch meinen die meisten der Menschen hier, die Inselregierung habe genug Geld, tue aber nichts.

Tatsache ist: Ohne Geld von außen (Australien und die WHO) ginge hier nichts mehr, die Menschen hier wären längst ausgestorben, verhungert oder verdurstet.

Nauru ist hoffnungslos bankrott und hat auch keine wirklichen Ressourcen, um irgendetwas aufzubauen, was der Insel für die Zukunft ein Auskommen sichern könnte.

Die Bevölkerung kauft Kokosmilch im Supermarkt in Dosen, obwohl es hier mehr als genug davon auf den Palmen gibt, 3 Minuten-Nudelpacks und so weiter oder die Menschen gehen zum Chinesen, um fertiges Essen kaufen. Selber kochen? Das können viele nicht.

Wasser und Strom sind rationiert: Die Insel ist in zwei Bereiche unterteilt, in denen wechselseitig für je 6 Stunden Wasser und Strom abgestellt oder angestellt wird. Unser Hotel hat meistens Strom und auch eine eigene Wasserversorgung. Im Moment gibt es aber nicht genug Diesel, wir haben jetzt auch immer nur zwischen drei und neun Uhr Wasser, bzw. zwischen 15 und 21 Uhr. Unser Tank ist auch fast leer.


Insel-Idylle auf Nauru. „Nachts sind alle Katzen grau“, sagt man. Für Nauru müsste es heißen: „Die Nacht macht den Müll schön.“


Nauru tagsüber

Wir freuen uns darauf am Dienstag für eine Woche nach Honiara (Salomon Islands) zu fliegen und sind sehr gespannt, was da so los ist. Die letzte Kommission, aus Honolulu, die hier war, hat zu meinem Erstaunen festgestellt, dass der OP und das ganze Krankenhaus viel besser ausgestattet sei als auf den anderen Inseln. Ich kann es mir nicht vorstellen. Wir melden uns wieder, wenn wir aus Honiara zurück sind, Telefon und Internet sind nach wie vor fast unmöglich. Aber das Wetter ist gut, die Sonne scheint jeden Tag, es ist warm und auch das Wasser ist warm.


Krank auf Nauru? Das war einmal das Hospital.
© alle Fotos: Johann U. Bahr, Nauru

mare, Nr. 19, 2000 – Nur noch der Schatten eines Paradieses

vermischtes

Carriles for President!

Karl Weiss – Da nun gerade ein Posten frei ist für eine wirklich verdienstvolle Persönlichkeit, nachdem unser lieber Freund Wolfowitz durch eine hässliche Schmutzkampagne verfluchter linker Hetzer gezwungen wurde zurückzutreten, ist es an der Zeit, sich einer Persönlichkeit zu erinnern, die nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten bewiesen hat, den höheren Ruhm unseres geliebten amerikanischen Vaterlands zu dienen: Luis Posada Carriles!


Weltbank Erfahrung? Nein, aber Flugzeug mit 74 Personen an Bord in die Luft gesprengt

Natürlich werden gewisse interessierte Kreise nun mit dem Argument kommen, Carriles habe keine einschlägigen Erfahrungen, aber das lenkt nur vom Kern der Frage ab. Welche einschlägigen Erfahrungen hatte Wolfowitz? Na, sehen Sie! Welche einschlägigen Erfahrungen hatte Bolton für das Amt des UNO-Botschafters? Na, sehen Sie! Welche Erfahrungen hatte Gonzales (auch Amerikaner mit Latino-Abstammung) für den US-Generalstaatsanwalt? Na, sehen Sie! Was hatte der Chef der FEMA (verantwortlich für das New Orleans-Desaster) vorzuweisen außer ein Republikaner zu sein? Na, sehen Sie!

Für eine verantwortliche internationale Spitzenaufgabe, der natürlich auch eine Anzahl von gut bezahlten Posten für Familienangehörige und Geliebte beinhaltet, braucht man vor allem Männer der Tat, Männer, die in ihrer Vorgeschichte bewiesen haben, auch den Tod nicht zu scheuen, wenn es darum geht, zum höheren Ruhm unserer geliebten amerikanischen Nation beizutragen.


Weltbank Erfahrung? Nein, aber den Tod von tausenden US- Soldaten und Zivilisten im Portfolio

Das hat Wolfowitz bewiesen und so hat es Carriles. Wolfowitz war der entscheidende Planer für die Demokratie, die unsere hochverehrten Truppen dem Irak gebracht haben. Er hat sich den Hass aller Terroristen der Welt zugezogen, indem er den weisen Plan der Übernahme der Macht im Irak durch unserer großen Nation wohlgesonnene Politiker entwickelt und in die Tat umgesetzt hat. Hunderttausende von Terroristen wurden seitdem dort ausgeschaltet. Nur bösartige linke Hetzer behaupten, das seinen Zivilpersonen gewesen.

Schließlich – wie will jemand Zivilpersonen und Terroristen unterscheiden? Na, sehen Sie!

In ähnlicher Weise hat sich auch Carriles verdient gemacht. In seinem Fall war es ein ganzes kubanisches Flugzeug voller Terroristen. Er hat es in die Luft gejagt. So hat auch er sich den Hass aller Terroristen – und natürlich der bösartigen linken Hetzer – zugezogen und schwebt, wie Wolfowitz, täglich in Lebensgefahr.

Natürlich behaupteten diese linken Hetzer später, es habe sich um ein Flugzeug voller kubanischer Zivilpersonen gehandelt – aber man weiß ja, von wo solche Aussagen kommen. Alle Kubaner, die auf der richtigen Seite stehen, leben längst in Miami und Umgebung. Wer dort in Kuba blieb, ist sowieso ein Terrorist. Hat man nicht gerade wieder Fidel Castro zugejubelt? Na, sehen Sie!

Jeder weiß schließlich, die üble Achse des Bösen erstreckt sich von China über Nordkorea und den Iran nach Venezuela und endlich nach Kuba. Übrigens habe ich gehört, wir sollen jetzt auch Russland mit in diese Aufzählung einbeziehen, nachdem der dortige Präsident, der bezeichnenderweise so ähnlich heißt wie das Wort Hure auf Spanisch, es gewagt hat, der lieben Freundin des großen amerikanischen Volkes, der Deutschen Merkel, Widerworte zu geben. Nachdem sie ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, er dürfe Demonstrationen von Oppositionellen nicht unterdrücken, hatte der es doch tatsächlich für nötig befunden, Frau Merkel zu sagen, sie habe ja auch Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in ihrem Land verbieten lassen.

Der Mann versteht offenbar nicht: Es gibt gute Opposition, das ist jene, die wir mit unserer CIA unterstützen und es gibt böse Opposition, das sind die bösartigen linken Hetzer. Hat man doch bei diesen Leuten, die dort an einem heiligen Ort in Deutschland (jedenfalls heißt der so) gegen unsere geliebten Führer demonstrieren wollen, terroristisches Material gefunden: Wecker, Drähte und China-Böller. Da hätten sie doch den ganzen Gipfel mit in die Luft sprengen können! Jeder weiß doch: Wecker, Drähte und China-Böller sind das tägliche Brot der Terroristen.

Und noch mehr, man hat auch Flaschen dort gefunden und außerdem Benzin und Öl, versteckt im Tank und im Motor eines Autos in der Garage, womit man ja, wie jeder weiß, Molotov-Cocktails herstellt, also eine offensichtliche terroristische Vereinigung!

So war es doch tatsächlich so, dass eines dieser Länder der Achse des Bösen, Venezuela, Carriles eingesperrt hatte mit der Anklage des Terrorismus, so als ob Bombenanschläge von der Seite der Guten Terrorismus wären. Lächerlich! Glücklicherweise konnte er aber aus dem Gewahrsam der Bösen fliehen und kam in unser herrliches Heimatland Amerika.

Wie, damals war Chávez noch gar nicht an der Macht in Venezuela, sondern ein US-freundlicher Präsident? Na, jedenfalls muss es auch schon damals böse Kräfte in Venezuela gegeben haben, sonst hätten sie ja einen Helden wie Carriles nicht eingesperrt.

Auch die lange Gefängnisstrafe, zu der er in Panama, zum Glück in Abwesenheit, verurteilt wurde, wegen terroristischer Morde und Anschläge, ist natürlich nichts als ein Komplott der Bösen mit den Linken, denn es war doch offensichtlich, er hat in Zusammenarbeit mit der CIA gebombt, wenn nicht sogar in deren Auftrag. Na gut, bei einem seiner Bombenanschläge wurde auch ein Italiener getötet, aber das ist eben der Preis, den man zahlen muss, will man die Welt frei halten von Terroristen und linkem Gesindel.

Da nun jeder weiß, die CIA ist der konzentrierte Ausdruck des Guten und der Demokratie auf der Welt, so ist es ja völlig logisch, man kann ihn unmöglich an Panama (oder gar Venezuela) ausliefern, das wäre ja Verrat an der eigenen Sache!

Es gab aber immerhin schlechte Menschen in Amerika, die ihn sogar ins Gefängnis gebracht und angeklagt haben. Daran sieht man, auch hier, im Land der Freien, in der Heimat der Mutigen, gibt es dunkle Gestalten, die anscheinend ähnlich wie die bekannten linken Hetzer nicht verstehen, Gut und Böse zu unterscheiden.

Nun hat das Gericht in Miami (wo sonst?) aber endgültig festgestellt, der Mann ist selbstverständlich unschuldig und hat das Recht, sich in den USA aufzuhalten, so als ob man mit irgendeinem Recht hätte etwas anderes entscheiden können. Er wurde dementsprechend freigelassen und hat keine weiteren Probleme zu erwarten. Damit ist der Weg frei für seine Präsidentschaft bei der Weltbank.

Nun ist auch das andere Argument widerlegt, das jemand gegen die Präsidentschaft von Carriles bei der Weltbank hätte vorbringen können, denn Wolfowitz war natürlich eng verbunden mit der US-Regierung und mit den Organisationen, welche die Amerikaner beschützen, wie dem CIA und anderen. Nur ist nun auch klar geworden, das trifft ebenfalls auf Carriles zu. Auch er ist zweifellos intim mit offiziellen US-Stellen. Wahrscheinlich war und ist er die ganze Zeit Agent der CIA gewesen, nur dürfen die das natürlich nicht offen sagen.

Damit ist er geradezu prädestiniert für die Position in der Weltbank. Da nun Wolfowitz dort – wohl auch mit seiner Geliebten (vielleicht auch anderen, wie Freunden und Bekannten) -ausziehen wird, ist dann wohl auch Platz für eine Anzahl von Mitgliedern der Carriles-Familie. Nach letzten Meldungen brauchen dort 19 Personen einen gut dotierten Posten – ein Privileg, das einem Helden der Nation natürlich auch zusteht.

Da trifft es sich gut, dass die Europäer in der Weltbank gerade versprochen haben, wieder dem US-Präsidenten die Wahl des Präsidenten der Weltbank zuzugestehen, so wie das seit 1940 der Fall ist. Somit ist denn die wirkliche Unabhängigkeit der Weltbank von allen linken und terroristischen Kräften gewährleistet. Damit dürften die letzten Hindernisse auf dem Weg von Carriles in die Weltbank aus dem Weg geräumt sein.