vermischtes

Jäger der vitalen Organe

Malte Olschewski – Hinter dem Glitzer der Modernisierung Chinas verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Zwei Entwicklungen hängen zusammen und führen zu einem begründeten Verdacht: Verhaftete Anhänger der Sekte Falun Gong werden mit oder ohne Prozess nur deswegen exekutiert, um frische Organe zu gewinnen, die dann gut zahlenden Ausländern eingesetzt werden. Die UNO will nun den Sonderermittler Manfred Nowak nach Peking entsenden.

Der kanadische Politiker David Kilgour und der Menschenrechtsaktivist David Matas haben nach längeren Recherchen in einer Studie (http://organharvestinvestigation.net) festgestellt, dass die Transplantationschirurgie in China genau dann einen plötzlichen Aufschwung genommen hat, als um 1999 die brutale Verfolgung gegen die Anhänger der eher harmlosen Sekte einsetzte. Bei Anfrage in einer im Internet werbenden Kliniken erfährt man die Preise: 30 000 Euro für eine neue Niere. Eine Leber kostet 70 000 und ein Herz rund 140 00 Euro. Die Kliniken rühmen die „Frische“ ihrer Organe. Mandarin sprechende Mitarbeiter Kilgours gaben sich in Anrufen als potentielle Kunden aus. Und bei allen Gesprächen versprach der jeweilige Klinikchef, er habe frische und passende Organe auf Lager, sodass der Interessent nur mit einer Wartezeit von wenigen Tagen zu rechnen habe.

Der Pekinger Vizegesundheitsminister Huang Jiehfu hatte im Dezember 2006 erklärt, dass die Mehrheit der transplantierten Organe hingerichteten Verbrechern entnommen worden seien. Dass verurteilte und exekutierte Personen richtiggehend „ausgeschlachtet“ werden, war schon vorher bekannt. Die Todeskandidaten werden meist mit umgehängten Schildern zu einem abgelegen Platz gefahren. Dort müssen sie niederknien. Dann tritt ein Soldat von hinten an sie heran. Er ist darauf spezialisiert, den Schuss in den Hinterkopf so abzufeuern, dass die weiter verwertbaren Augen nicht verletzt werden.

Die Kanadier äussern nun den Verdacht, dass viele Hinrichtungen nur deswegen geschehen, weil ausländische Kranke bereit sind, viel Geld für ein neues Organ zu zahlen. Neben den regulär Exekutierten sollen auch Häftlinge ohne Urteil nur mit dem Zweck der Organgewinnung hingerichtet werden. Das führt weiter zu dem Verdacht, dass viele Gefangene der Falun Gong-Sekte nur so lange am Leben erhalten werden, bis ein geeigneter Kunde auftaucht. Dann können Prozess, Urteil, Exekution und Organentnahme in nur einem Tag geschehen. Es können aber auch Sektenmitglieder in einen Hinterhof geführt werden und ohne Prozess erschossen werden.

Eine gewaltige Lücke
Über die gerichtlich verfügten Hinrichtungen in China werden keine Statistiken veröffentlicht. Schätzungen reichen von 1000 bis zu 10 000 Exekutionen pro Jahr. Etwa 30 000 Transplantationen sind in den Jahren von 1994 bis 1999 durchgeführt worden, worauf sich ihre Zahl in den nächsten fünf Jahren auf 90 000 erhöht hat. Hier klafft selbst bei Annahme von 10 000 Exekutionen pro Jahr und von 90 000 Transplantationen in fünf Jahren eine gewaltige Lücke. Aussagen geflüchteter Sektenmitglieder, wonach in abgelegen Gebieten wie etwa in Sujiatun KZ-artige Lager zur massenweisen Organentnahme unterhalten werden, erhalten neue Glaubwürdigkeit.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten Verpflanzungen in Militärkrankenhäusern und von Ärzten in Uniform durchgeführt werden. Viele Familien, die ihre in Haft gestorbenen Angehörigen noch einmal sehen durften, haben an den Leichen grössere, frisch vernähte Schnittwunden gesehen. Die Tranplantationen für ausländische Kunden werden unter höchster Geheimhaltung durchgeführt. Weder der Name des Spenders noch die Umstände seines Todes werden bekannt gegeben. Dem Empfänger wird lediglich versichert, dass das transplantierte Organ „frisch“ und der Spender nicht älter als 40 Jahre sei.

Die Sekte Falun Gong wird von den Behörden als eine “böse und politische Organisation“ eingeschätzt. Sie soll in ihrer Blütezeit in den Neunziger Jahren mit 70 Millionen Menschen mehr Mitglieder als die kommunistische Partei gehabt haben. Am 10.6.1999 gab der damalige Staats- und Parteichef Yang Tse Minh den Befehl zu ihrer gnadenloser Unterdrückung. Seitdem verfolgt das nach diesem Datum benannte „Büro 610“ die Sekte. Dahinter steht eine traditionelle Angst der Regierungen vor Volksreligionen, die früher oder später politische Forderungen stellen. Hinzu kommt, dass die Erinnerung an Vergangenes im chinesischen Bewußtsein noch lange verwurzelt bleibt.

Die Roten Turbane
Daher wurde die Falun Gong-Bewegung auch sofort mit den Gelben Turbanen, mit dem Roten Turbanen, dem Taiping- Aufstand und mit der Boxer-Revolution verglichen. Die „Gelben Turbane“ führten als eine religiöse Sekte Ende des 2. Jahrhunderts einen Bauernaufstand an. Man proklamierte gemeinsames Besitztum an allen Gütern und verehrte mit Huanglao einen neuen Gott. Die „Roten Turbane“ hatten mit ihrem Aufstand zwischen 1352 und 1365 die Mongolenherrschaft gestürzt und der Ming-Dynastie an die Macht gebracht. Der Taiping-Aufstand von 1851 bis 1864 wurde von einem zum Christentum konvertierten Mystiker angeführt und gilt mit 30 Millionen Toten als blutigster Bürgerkrieg der Weltgeschichte.

Der Boxeraufstand des Jahres 1900 richtete sich mit religiösen Argumenten gegen den gewachsenen Einfluss der europäischen Mächte. Indes ist Falun Gong weit davon entfernt, das chinesische Systen auch nur annähernd zu erschüttern. Die von „Meister Li“ proklamierte Lehre baut auf den alten Qigong-Übungen auf und sucht in der Meditation Harmonie zwischen Körper und Geist zu erzeugen. Das Symbol der mittlerweile weltweit tätigen Sekte ist ein fünffaches Hakenkreuz.

Der Verdacht gegen den Pekinger Transplantations-Boom ist in letzter Zeit mehrmals durch chinesische Ärzte erhärtet worden, die ins Ausland geflüchtet sind. So etwa war Hong Yuan in einem Krankenhaus in Shenyang tätig. Für die gegen Peking arbeitende Zeitung „Neue Epoche“ berichtete er von schaurigen Praktiken. Den Häftlingen werde Blut abgenommen, um sie künftigen Bedürfnissen anzupassen. Entsprechen ihre Werte denen des Kunden, so werden sie zur Exekution geführt. Der Häftling wird bei der Hinrichtung nur schwer verletzt, doch er stirbt nicht, da durch den Hirntod die „Frische“ der Organe leiden könnte. Er wird in die Klinik gebracht, wo ihm noch lebend die begehrten Organe entnommen werden. Der Spender stirbt, worauf sein Körper verbrannt wird. Die Angehörigen erhalten nur mehr seine Asche.

vermischtes

Tratschundlaber

Sonja Wenger – Da war doch gerade erst der Opernball! Wir schreiben 2007 und noch immer rennen Weiber rum, die es toll finden, sich ein Krönchen auf das Köpfchen zu pappen. Souverän war da in Wien nur Paris – nämlich professionell gelangweilt –, auf der Strasse dagegen die Fans – professionell verdummt – mit selbst gebastelten «We love you Paris»-Schildern. Aber glücklicherweise dürfte bald nichts mehr übrig bleiben von der globalen Hohlheit, denn die Paris ist ja so dürr. Apropos dürr: Nach Keira Knightley will nun auch Kate Winslet klagen, weil ihr eine Zeitung unterstellte, sie habe einen Diätdoktor besucht.


Knightley: Wer unterstellt denn sowas

Und dabei konnte man sich mit ihr immer so schön identifizieren. Dafür ist der ehemalige Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», Marc Walder, nun endlich, wo er sich so richtig wird austoben können, nämlich beim «Sonntagsblick». Noch mehr kritische Fragen zu Ausländern und der Schweizer Jugend, noch bunter, noch blöder, noch mehr Pseudopromis – ja Marc, gib es uns! Hoffentlich schicken die Ägypter nicht mehr so schnell ein Fax.

Doch wo lachende, da auch weinende Gesichter, denn nun bleibt die «SI» in ihrer Hilflosigkeit zurück. Bestes Beispiel: «2007 wird das Jahr der starken Frauen». Oho! Erst jetzt! Aber stimmt, man muss schon stark sein, um solchen Stuss immer wieder zu lesen. Als Beweis gab es 50 Porträts aus der Liste von Forbes «World’s 100 most Powerful Women”, unter anderen Hilary Clinton.

Da wird ihre Kandidatur fürs US-Präsidentenamt einfach mal so gutgeheissen, weil sie ne Frau ist – ok, alles ist besser als Georgie Porgie, trotzdem – die grösste Leistung der genannten Frauen – von Politikerinnen wie Sonia Gandhi, über die CEOs einiger globalen Konzerne bis hin zur britischen Queen – ist: dass «fast (fast!) alle Job und Familie unter einen Hut bringen». Toll! Das könnt ich auch mit soviel Schmutz an den Händen.

Aber unsereins will ja sauber bleiben und schaut sich lieber die Saubermänner für die nächste Mister-Schweiz-Wahl am 14. April an – natürlich in der «SI». Da sind also die üblichen Clowns, pardon, Klons des Vorjahrgewinners, einer des Vorvorvorjahrgewinners, und sonst nur Pepsodent. Und bevor sie abgeht und wir hier die amtierende Miss Schweiz fast erfolgreich mit Nichtbeachtung belohnt haben, nun doch noch: Der «Coop-Zeitung» erzählt Christa Rigozzi (23): «Ich koche zur Entspannung», und: «Ich liebe beides, Gemüse und Früchte. Mir schmecken vor allem Erdbeeren, Aprikosen, Kirschen und Mandarinen.» Wow!

Tratschundlaber erscheint im Berner ensuite Kulturmagazin
Alle Tratschundlabers

vermischtes

Israel Singer geschockt: Er wurde aus Jüdischem Weltkongress geworfen

New York – Israel Singer, eine der herausragenden jüdischen Persönlichkeiten, ist aus dem World Jewish Congress (WJC) ausgeschieden. Gründe für das Ausscheiden ihres ehemaligen Generalsekretärs nannte die Organisation nicht.

„Israel Singer gehört dem WJC und seinen Organisationen nicht mehr an“, heisst es in einem auf den 14. März datierten internen Info-Brief des Jüdischen Weltkongresses. Darin werden Singers Einsatz für die Juden in der Sowjetunion, seine Enthüllungen zur Nazi-Vergangenheit des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten und UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim sowie sein Einsatz für einen Dialog zwischen den Religionen gewürdigt.


Geschockt: Der herausragende Singer wurde vor die Tür gestellt.

Nach Informationen der israelischen Zeitung „Haaretz“ informierte der WJC-Vorsitzende Edgar Bronfman Singer in einer Konferenzschaltung über seinen Ausschluss. Dieser habe keine Möglichkeit gehabt, dazu Stellung zu nehmen.

Er sei völlig schockiert gewesen, berichteten Mitarbeiter dem Blatt. Bereits im Februar 2006 musste Singer alle Verantwortung für die Finanzen der Organisation abgeben, nachdem der damalige New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer eine mangelhafte Kontrolle des Umgangs mit Spenden kritisiert hatte.

Die israelischen Zeitungen berichteten am Donnerstagabend von einer tiefen Spaltung innerhalb des Jüdischen Weltkongresses. Laut Haaretz äusserten sich die Vertreter des WJC in Europa und Israel empört über Singers Ausschluss.

Sie hätten gegenüber Bronfman mit dem Abzug ihrer Organisationen aus dem Dachverband gedroht, sollte die Entscheidung nicht wieder rückgängig gemacht werden. Der WJC war 1936 als Reaktion auf die Judenverfolgung im Dritten Reich gegründet worden. Inzwischen umfasst er die jüdischen Gemeinden in mehr als 80 Ländern.

vermischtes

Explosive Schweizer Seen

Stephan Fuchs – 4800 Tonnen Munition liegen auf dem Grund der Schweizer Seen. Und da wird es auch bleiben. Zu teuer sei das herausfischen des Kriegsmaterials. Davon betroffen sind die schönsten Seen der Schweiz: Der Thuner- und Brienzersee im Kanton Bern, sowie das Gersauerbecken und der Urnersee in der Innerschweiz, am Vierwaldstättersee.


Kristallklares Wasser: Schwimmen auf Handgranaten & Gasmaskenfilter

Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts versenkte die Schweizerarmee frischfroh Tonnen von Munition. Was genau, das weiss man bis heute nicht. Im Thunersee etwa, schwimmt man auf 1120 Tonnen Handgranaten, im Urnersee auf 500 Tonen Handgranaten. Dazu kommen Gasmaskenfilter, Waffen und Stacheldraht, aber auch Raketen, Blindgänger und andere Explosivstoffe, denn die Seen wurden als Zielgebiete von Schiessübungen oder zu Schiessversuchen missbraucht.

In einigen Seen, am Walensee, Alpnachersee, Greifensee, Gotthardseen, Vierwaldstättersee und Lauerzersee wurde diverses Armeematerial versenkt. Insgesamt rostet rund 8200 Tonnen Armeeschrott vor sich hin, dazu noch Trümmer von Flugzeugabstürzen und Schiffshavarien etwa im Genfersee, im Greifensee, im Tuetenseeli und im Vierwaldstättersee.

Eine elegante billige Entsorgung, mit dessen Folgen die Eidgenossen künftig zu tun haben werden. Noch sind die Experten nicht in Panik, offensichtlich sind die Munitionshülsen nicht weit genug gerostet, es zeigen sich noch keine TNT und andere Explosivstoff Rückstände in den Wasserproben. Erst will man mal gucken, was es zu tun gäbe… für die nächste Generation.

vermischtes

Bush’s liebster Bürgermeister im Bett mit dem Feind?

Stephan Fuchs – New Yorks ehemaliger Krisen- und Bürgermeister Rudi Giuliani lobbiert mit seiner Anwaltsfirma für die von Hugo Chavez kontrollierte Citgo Petroleum Corporation in Texas. Ein seltsamer Pakt eines republikanischen Präsidentschaftskandidaten und einem der Lieblingsfeinde Amerikas.


Die Gunst der Stunde genutzt, um richtig gross im Geschäft einzusteigen: Präsidentschaftskandidat Rodolph Giuliani am Ground Zero mit Rumsfeld

Der Venezolanische Präsident Hugo Chavez nennt Bush „Teufel“ und „Madman“. Chavez ist die Speerspitze des südamerikanischen Selbstbewusstsein, fast ein neuer Che Guevara, der Bushs Südamerika Reise diese Woche zum Horrortrip machte. Chavez hatte die Beziehungen zum „Madman“ im vergangenen Jahr abgebrochen, nachdem er der amerikanischen Drogenbehörde DEA Spionage vorgeworfen hatte. Die US-Regierung hatte sich 2002 sogar indirekt hinter Putschisten gestellt, die den gewählten Staatschef Chavez kurzzeitig gestürzt hatten. Die Amerikaner wiederum werfen ihm vor, dass „el Presidente“ die Kokain Schwemme nach Amerika über Venezuela toleriert und sich im Kampf gegen den Terror nicht kooperativ genug gezeigt habe. Die Spannung bleibt also unbedingt erhalten.

Ganz vergessen sind die politischen Differenzen allerdings, wenn es um Ölgeld geht. Ausgerechnet der Krisengrossmeister Rudi Giuliani, der Lieblingsbürgermeister von Bush während der 9-11 Attacke zeigt, obwohl im Rennen für die amerikanische Präsidentschaft, keine Berührungsängste mit dem südamerikanischen Desperado, solange sie geheim bleiben. Seine Anwaltsfirma Bracewell & Giuliani LLP, lobbiert seit 2005 unbekümmert für die Interessen von Chavez’s Citgo Petroleum.

Einen Monat nachdem der ehemalige Superstar New Yorks Teilhaber und Namenspartner von Bracewell & Giuliani wurde, konnte die Firma am 26. April 2005 die Lobbyarbeit für Citgo in Texas beginnen. 2006 und 2007 wurden die Verträge seitens Citgo verlängert und bezahlen jährlich zwischen 75’000 und 150’000 US Dollar.

Selbstverständlich hat Rudi mit dem Lobbyauftrag nichts zu tun. Patrick Oxford, ein Partner bei Bracewell & Giuliani, beteuert auch: “He has not seen hide nor hair of Citgo”. Dann ist ja alles gut, denn eine offene Allianz mit dem abtrünnigen Chavez ist für den eventuellen neuen, republikanischen US Präsidenten zu heiss. Nach bekannt werden der unheiligen Geschäftsfreundschaft verkündete das Pressebüro der Lobbyfirma die richtige Antwort: „Mayor Giuliani has been clear and consistent — Hugo Chavez is no friend of the United States“. Et Voilà.

Der 62 jährige Giuliani, der nach dem Anschlag von 9-11 einen rasanten Popularitätssprung nach oben verzeichnete, nutzte die Gunst der Stunde. Er führte eine Sicherheitsberatungsfirma, hielt Reden, die englische Königin schlug ihn zum „Knight of the British Empire“, er führte eine Investment Bank und wurde Teilhaber der in Houston domizilierten Anwaltsfirma Bracewell & Giuliani. Venezuela ist der drittgrößte Ölproduzent in der OPEC, da lohnt sich ein Techtelmechtel mit den feinden Amerikas.

vermischtes

Captain America von Sniper erschossen

Stephan Fuchs – Gerade jetzt wo Amerika Superhelden an allen Ecken dringend braucht, wurde der patriotischste von ihnen das Opfer eines perfiden Sniper Angriffes – eines Scharfschützen. Noch perfider, der Sniper der den Superhelden im Sternenbannerkostüm umblässt, ist seine Ex-Geliebte Sharon Carter. Amerika ist erschüttert!


Erschossen auf den Stufen des Gerichts

Der Tod des Ultra Patrioten reisst an den Emotionen der Amerikaner. Viele verstehen nicht, dass ausgerechnet in dieser moralischen Krisenzeit dem Sinnbild von „Wahrheit, Gerechtigkeit und dem amerikanischen Weg“ das Leben ausgehaucht wird. Starker Symbolgehalt: Ausgerechnet auf den Stufen zum Gerichtsgebäude, umgeben von Polizisten und in Ketten gefangen, wird er kaltblütig erschossen. Makaber dabei, er stritt vor Gericht gegen die Regierung die ihn bändigen wollte. Steht die Regierung hinter dem Mord?

„It’s a hell of a time for him to go. We really need him now,“ sagte der 93 jährige Joe Simon, der Vater (mit Jack Kirby) des Superhelden. Simon entwarf die Figur während des zweiten Weltkrieges um die Moral und den Patriotismus der Amerikaner zu stärken. Damals focht er gegen Nazis und Japaner und seither kämpft Captain America unverdrossen gegen das Böse, auch gegen die Terrororganisation Hydra.


Gegen Nazis & Hydra gewonnen – nicht aber gegen Amerika

Für Ed Brubaker, den „Ziehvater“ von Captain America, war es nicht einfach den Sternenbannerhelden töten zu lassen. „Wir hatten wirklich ein Dilemma: die hard-core linken und liberalen Fans wollten, dass Captain America an den Straßenecken gegen die Bushregierung Reden hält und die Ultrarechten wollten ihn in den Strassen von Bagdad sehen, wie er Saddam Hussein verprügelt.“ Offensichtlich fand man eine amerikanische Lösung, sie mussten ihn einfach töten! Nun ist Amerika eines der letzten Helden beraubt worden, es gibt nur noch Superschurken…wie im richtigen Leben.

vermischtes

Ob die Israelis noch zuhören? Seht euch Zimbabwe an!

Karl Weiss – Der Engländer Max Hastings hat am 27. Februar 2007 im britischen Guardian einen Kommentar zu den Weißen in Zimbabwe, dem früheren Rhodesien, geschrieben, in dem er ausgeht von den Memoiren eines weißen Zimbabwer und die Tragödie dieses Landes und speziell der weißen Bevölkerung hervorhebt. Werden in der Zukunft die verbliebenen jüdischen und anderen zugezogenen Bürger des vormals Israel genannten Landes einen ähnlichen Abgesang hören? Noch gibt es die Möglichkeit, umzukehren, Frieden zu machen und den aggressiven, rassistischen Zionismus auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern wo er hingehört.

Hier einige übersetzte Zitate aus dem Artikel:

„Peter Godwins’ neue Memoiren „When a Crocodile Eats the Sun“ dokumentiert in den lebendigsten Bildern die Erfahrung einer Nation … (…) Godwin wuchs im alten Rhodesien auf … (…) Er porträtiert die zusammengeschrumpfte weiße Gesellschaft, die sich mit Zähnen und Klauen an das Land klammert. Seine eigenen alt gewordenen Eltern verbrachten die letzten Jahre in Armut, Furcht und Schwierigkeiten, bedroht durch Mugabes Kriegsveteranen. Sie mussten zusehen, wie die Gesellschaft sich auflöste, die sie für ein halbes Jahrhundert gekannt hatten.

(…) Die Welt tut nichts.(…) Südafrika behandelt Robert Mugabe weiterhin als einen Alliierten.

(…) Ich habe aus Rhodesien berichtet vor 30 Jahren. Wir sahen eine arrogante, gnadenlose weisse Minderheit…, die sich selbst zu den Wächtern der Zivilisation im Herzen Afrikas erklärten. Sie ermordeten ohne Rücksicht, folterten freiweg, sie benutzten die Zensur, um ihre schlimmsten Exzesse verbergen zu können.

Ich sagte [den Weißen], sie müssten erkennen, wie allein sie auf der Welt seien. Sie glaubten es nicht. Das US- und britische Regierung würden sie nie allein lassen und dem „kommunistischen schwarzen Abschaum“ überlassen, sagten sie. (…)

Sie konnten nicht glauben, die … schwarze Bevölkerung könnte sie militärisch besiegen. (…) Sie waren entschlossen, bis zur letzten Kugel zu kämpfen und sie taten es. Aber als die Portugiesen Moçambique verließen, das südafrikanische Regime die Unterstützung versagte und das Land militärisch und ökonomisch auf den Knien lag, gab das Smith-Regime auf.

Zu jenem Zeitpunkt hatte es schon zu viele Tote und Bitterkeit gegeben, als dass noch eine Versöhnung möglich gewesen wäre.(…) Es bleibt Quelle tiefer Traurigkeit für viele auf dem Kontinent geborene weiße Personen, dass ihre schwarzen Nachbarn sie niemals akzeptieren werden als Ihresgleichen.

So sehr Robert Mugabes Herrschaft [in Zimbabwe] monströs ist, mein Mitleid ist bei den schwarzen Zimbabwern, nicht bei der verschwindenden weißen Minderheit.“

Als der Berichterstatter dies las, musste er unwirklich an Israel denken. Könnte es sein, dass den europäischen Herrenmenschen dort ein ähnliches Schicksal bevorsteht, sie es aber, so wie damals die Rhodesier, nicht wahrhaben wollen?

Könnte es sein, könnten die Israelis, die heute dem Zionismus anhängen, aus der Geschichte lernen, könnten die Lektion annehmen: Niemals konnten bis an die Zähne bewaffnete Minderheiten auf die Dauer ihren Willen der Mehrheitsbevölkerung aufzwingen.

Könnte es sein, sie könnten erkennen: Jegliche weiteren Atrozitäten, begangen durch israelische Polizei oder Militär, bringen sie dem Punkt näher, hinter dem eine Versöhnung nicht mehr denkbar ist, auf die sie einmal angewiesen sein könnten?

Könnte es sein, sie würden einsehen, sie hängen vollständig von der Unterstützung -, militärisch, finanziell und politisch – aus den Vereinigten Staaten ab? Würde diese eingestellt oder auch nur wesentlich verringert, wäre das Aufrechterhalten der Herrschaft in Frage gestellt.

Könnte es sein, sie könnten verstehen, jenseits jenes Punktes und ohne entsprechende US-Unterstützung könnten sie plötzlich im Hemd dastehen und nur noch Objekt wehmütiger Nachrufe sein, weil jene moralische Unterstützung auf Grund des Holocausts von so vielen Menschen in so vielen Ländern für sie sich bereits erschöpft hat und in Ablehnung umgeschlagen ist?

Ob jene Israelis noch zuhören? Kann man sie noch erreichen?

Seht euch Zimbabwe an!

vermischtes

Eli Lilly: Der Skandal unter dem Teppich

Karl Weiss – Die Psycho-Droge Z. (Wirkstoff: Olanzapin) vom Pharma-Riesen Eli Lilly, verwendet für Schizophrenie, akute Manie und ‚Bipolare Störungen I’, zeigt heftigste Nebenwirkungen, die bis hin zum Tode führen können, so führt sie z.B. häufig zu Zuckerkrankheit. Außerdem wird sie für andere als ihre zugelassenen Anwendungen vermarktet. Eli Lilly hat bereits in mehr als 28 000 Fällen außergerichtliche Entschädigungszahlungen geleistet mit einem Gesamtumfang von etwa 1,2 Milliarden Dollar. Das Mittel ist weiterhin ohne Einschränkungen im Verkauf und der US-Pharma-Konzern erwartet weiter steigende Umsätze. In drei Artikeln der New York Times wurde der Fall aufgerollt.

Der Fall Z. (hier wird der Name abgekürzt, um nicht Vorwände wegen des Gebrauchs einer geschützten Marke zu liefern) wäre heute noch in geheimen Archiven versteckt, wenn nicht ein Gutachter in verschiedenen Entschädigungsprozessen die gerichtlichen Unterlagen heimlich an einen Rechtsanwalt weitergegeben hätte, der psychisch Kranke vertritt. Der wiederum gab sie dem New York Times-Reporter Alex Berensen, der im Dezember 2006 drei Artikel hierüber veröffentlichte. Inzwischen stehen die Unterlagen auch schon im Internet zum Download für jeden, der interessiert ist.

Es handelt sich sowohl um die einzelnen Beschreibungen der Nebenwirkungen als auch um Propaganda-Material der Eli Lilly, das belegt, mit welchen Methoden der Pharma-Monopol dies Mittel in den Markt drückt.

Bis jetzt hat es Eli Lilly nicht gewagt, den Reporter oder die New York Times zu verklagen, wir können also davon ausgehen, da wurde nichts Falsches erzählt und nicht übertrieben.

Offensichtlich ist Z. einer der ganz großen Pharmaskandale, von ähnlicher Bedeutung wie Vioxx, wahrscheinlich sogar grösser. Ein Anwalt, der an einem der Prozesse um Entschädigungen beteiligt war, sagte: „Das ist schlimmer als alles, was ich je gesehen habe. Es gibt keine Chance dafür, dass die Firma es in dieser Sache zu einem öffentlichen Gerichtsverfahren kommen lässt. Die müssen einen außergerichtlichen Vergleich suchen.“

Um ein wenig deutlich zu machen, wie schwerwiegend die Anklagen sind, hier ein Auszug aus ‚Arzneimitteltelegramm 1/2007’(a-t):

„Olanzapin (Z.) – Risikodaten unterdrückt: Unterdrückung von Negativdaten (a-t 2005; 36: 1-2) behindert die objektive Information zu Nutzen und Schaden von Arzneimitteln. Die New York Times berichtet aktuell über interne Unterlagen der Firma Eli Lilly, nach denen diese ihr bekannte Risiken des Neuroleptikums bewusst verharmlost hat. Bereits 1999 wertete demnach der damalige wissenschaftliche Leiter Gewichtszunahme und Hyperglykämie (s. a-t 1998 Nr. 1: 11) als Gefahr für den ökonomischen Langzeiterfolg des für die Firma wichtigen Produktes.

Die Auswertung von Studien hatte ergeben, dass 16% der Anwender von Olanzapin mehr als 30 kg zunehmen. Nach anderen internen Daten erhöht sich bei 30% der Patienten das Gewicht pro Jahr um mehr als 10 kg. Zudem sei eine Inzidenz von Hyperglykämien unter Olanzapin von 3,6% versus 1,05% unter Plazebo für Gespräche mit Ärzten und für die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA auf 3,1% vs. 2,5% „revidiert” worden (New York Times, 17., 20. und 21. Dez.2006).

In der Fachinformation werden im Abschnitt „Warnhinweise” Hyperglykämie oder Entwicklung oder Verschlechterung, eines Diabetes nach wie vor als „sehr seltene” Störwirkungen (unter 0,01%) bezeichnet (Lilly: Fachinformation Z., Stand Sept. 2006). Obwohl die Firma 28.500 Patienten, die wegen Diabetes oder anderer Störwirkungen unter Olanzapin geklagt hatten, mit insgesamt 1,2 Milliarden Dollar entschädigt, verbreitet sie weiterhin, dass es keine Evidenz dafür gäbe, dass Olanzapin Diabetes verursache (New York Times, 8. Jan. 2007).

Ein Experte, der in einem Gerichtsverfahren Einsicht in Eli Lillys Unterlagen zu Olanzapin hatte, betont, dass die gefährlichsten Effekte von Z. der Öffentlichkeit und den verschreibenden Ärzten vorenthalten würden. Auch der FDA wirft er Unterdrückung von Negativdaten zu Olanzapin vor. Die Behörde weigere sich bis heute, Ergebnisse zu Suizidversuchen aus Studien vor der Marktzulassung offenzulegen (FURBERG, C.)

Dies wurde schon 2002 von einem Kritiker der Pharmaindustrie bemängelt. Seines Wissens liegt die Todesrate unter Olanzapin in den von Eli Lilly der FDA übermittelten Studiendaten höher als unter jedem anderen Neuroleptikum (HEALY, D.)

Auch eine amerikanische Expertin vermisst im FDA-Gutachten Angaben zu Suizidversuchen, obwohl 12 von 20 Todesfällen bei 3.139 Olanzapinanwendern durch Suizide bedingt sind (JACKSON, G.E.)

Vergleichsdaten gibt es aus einer zweijährigen Studie mit knapp 1.000 schizophrenen oder schizoaffektiven Patienten mit hohem Suizidrisiko: Unter Clozapin (L. u.a.) treten signifikant weniger kombiniert ausgewertete Suizide, Suizidversuche oder Hospitalisierungen wegen Suizidalität auf als unter Olanzapin (Hazard Ratio: 0,76, 95% Konfidenzintervall 0,58-0,97; MELTZER, H.Y. et al.: Arch. Gen. Psychiatry 2003; 60: 82-91)

Der Pharma-Koloss (eine der 10 weltweit grössten Pharma-Firmen) aus Indianapolis in den USA hat außerdem systematisch verschleiert: Viele Erkrankungen gingen mit einer Ketoazidose einher, es kam zu nekrotisierenden Pankreatitiden und 23 Patienten starben, darunter ein 15-jähriger Jugendlicher.

Nun müsste man glauben, die US-Behörde ‚Food and Drug Agency’ (FDA), die für die Zulassung und Nichtzulassung von Pharma-Mitteln zuständig ist, hätte nach einer Reihe von Prozessen und Entschädigungszahlungen reagieren und das Mittel aus dem Handel ziehen müssen, besonders auch deshalb, weil es andere Mittel für diese Krankheiten gibt, die nicht diese Nebenwirkungen aufweisen oder jedenfalls nicht so stark. Doch nichts dergleichen geschah.

Es ist eindeutig so, wie es bereits von Vielen angeklagt wurde: Die Pharma-Industrie und die Zulassungsbehörden sind engstens miteinander verkungelt, mit häufigem Austausch von Personen von der einen zur anderen Seite, mit Aufsichtsratsposten und Beraterverträgen, mit „informellen“ Treffen und mit gegenseitigem Begünstigen. „Lässt du meine Arznei zu, werde ich dafür sorgen, dass du eine hochdotierte Professur bekommst.“ „Wenn ihr mich unterstützt, um Vorsitzender der Kommission zu werden, werde ich euren Antrag auf Zulassung sehr wohlwollend prüfen.“

Das ist übrigens kein US-Phänomen. Auch in Deutschland ist die „Nähe“ des Bundesgesundheitsamts, des Bundesgesundheitsministeriums und anderer öffentlicher Stellen zur Pharma-Industrie Legende.

Z. ist der wichtigste Umsatzbringer für Eli Lilly. Über 30% des Umsatzes werden mit ihm gemacht. Im Jahr 2006 wurden mit Z. etwa 4,36 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. In Deutschland ist das Mittel eines der ganz großen Medikamente, an 119. Stelle der meist verordneten Medikamente mit über 853 000 Verordnungen und einem Umsatz von etwa 192 Millionen Euro. Über 10% der Auslandsumsätze der Arznei fallen auf Deutschland.

Gehen wir zurück zur Anwendung dieses Medikaments, so wird nun mancher stutzen: Aber wie ist das möglich, gibt es so viele, die manisch sind, schizophren oder die seltene ‚Bipolare Störung I’ haben?

Nein! Da sind wir nämlich gleich am zweiten Skandal.

Eli Lilly hat nämlich laut den Artikeln in der NYT auch systematisch das Mittel außerhalb seiner zugelassenen Anwendung angepriesen und verkauft und zwar für Demenz, auch leichte Demenz. Die Verkaufsanstrengungen wurden zu den Hausärzten getragen. Es ist offensichtlich, dass Hausärzte bei schwersten psychischen Störungen sicherlich keine Mittelchen verschreiben können und sollen, sondern die Patienten zu Fachärzten und Fachkliniken schicken müssen.

Eli Lilly hat offenbar versucht, bei der FDA auch ein Zulassung für ihr Mittel für alle Arten von Demenz zu erhalten. Da der Wirkstoff aber überhaupt nicht wirkt bei Demenz, erhielt der superschlaue Pharma-Konzern diese Zulassung nicht. Ohne dies aber abzuwarten, begann man, das Mittel für Demenz anzupreisen und zu verkaufen. Es gibt in den Unterlagen, die übergeben worden waren, die Dokumentation einer Verkaufsförderungsveranstaltung „ Viva Z.!“ aus dem Jahr 2000, aus der das vehemente „In-den-Markt-stoßen“ bei leichter Demenz durch Hausärzte hervorgeht.

Mit dieser Praxis, die Droge für leichte Fälle von Demenz anzubieten und damit vor allem in Alters- und Pflegeheimen phantastische Absätze zu erreichen beschäftigt sich ein US-Blog mit dem Namen ‚Clinical Psychology and Psychiatry – A Closer Look’

Das nun aber, das sogenannte „Off-Label-Marketing“, ist ausdrücklich verboten und hätte eigentlich längst zu Verfahren gegen die Eli Lilly führen müssen.

Doch Verfahren gegen eine Eli Lilly in den USA, das ist ungefähr so wahrscheinlich wie der Fußweg zum Mond. Da muss man sich nur einmal die erlauchte Gesellschaft der Eigner, Aufsichtsräte und Vorstände der Eli Lilly ansehen:

Einer der grössten Einzelbesitzer von Aktien der Eli Lilly ist die Familie des Präsidenten Bush. Vater Bush, der frühere Präsident, arbeitete vor seiner Amtszeit als Direktor bei Eli Lilly. Später als Vize-Präsident unter Reagan und dann als Präsident war er der hauptsächliche Lobbyist für Eli Lilly. Sein damaliger Vizepräsident Dan Quayle, ein Rechtsaußen der übelsten Sorte, ist der Sohn des damaligen Mehrheitseigners von Eli Lilly. Donald Rumsfeld war im Aufsichtsrat von Eli Lilly, der frühere Budget-Direktor des Weißen Hauses und heutige Gouverneur von Indiana Mitch Daniels ist ein ehemaliger Vize-Präsident von Eli Lilly. Der Vorstandsvorsitzende Sidney Taurel von Eli Lilly war Beiratsmitglied im Heimatschutzministerium.

Hier haben wir ein typisches Anzeichen von staatsmonopolistischem Kapitalismus. Das Monopol und der Staat sind so verflochten, dass es praktisch nicht mehr möglich ist zu sagen, wer zu welchem Zeitpunkt mehr auf der Staats-Seite und mehr auf der Firmenseite ist oder war.

Waren das schon zwei Skandale und die völlige Straffreiheit der „Lilly“ der dritte, so hat die Geschichte auch noch einen vierten Skandal: Die Medien.

Obwohl es niemand entgangen sein kann, wenn das Thema Inhalt einer Reihe von Artikeln der NYT war, gibt es exakt Null Berichterstattung in den anderen Massenmedien, sei es in den Vereinigten Staaten oder in Good Old Europe. Alle Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehnachrichten und –magazine, alle, alle halten den Rand.

Nur im Internet findet man entsprechende Meldungen, kann die Artikel der NYT einsehen und auch die gesamten Unterlagen. Damit hat das Internet einmal mehr bewiesen, wie sehr es nötig ist in einer Zeit der gleichgeschalteten Massenmedien.

Quellen (htm)

vermischtes

USA: Red Kite, Global Alpha, Immobilien-Crash, Fed-Chef

Karl Weiss – Offenbar beginnt sich die Weltwirtschaftskrise zu entwickeln.

Die beruhigenden Worte von US-Fed-Chef Bernacke vor dem US-Kongress hatten offenbar gute Gründe. Die US-Wirtschaft steht offenbar vor einer Talfahrt oder beginnt bereits abzurutschen. Da ist es Aufgabe eines Fed-Chefs, jegliche Panik zu vermeiden und von geringem Wachstum, aber auch geringer Inflation zu reden. Auf jeden Fall hat er bereits auf fallende Leitzinsen vorbereitet. Warum wohl?

Wenn Sie, verehrter Leser, den Wirtschaftsteil ihrer Zeitung lesen in diesen Tagen, z.B. den der “Welt” oder der “FAZ”, so fällt ihnen wahrscheinlich auf, es wird eine Menge von ständig neuen Rekordhöhen der Aktienpreise geredet und auffallend wenig von Konjunktur-Indikatoren in den USA. Das hat seine Gründe, die bereits in einem früheren Artikel dargelegt wurden (Viertes Anzeichen der Bevorstehenden Wirtschaftskrise: Die “Lass die Trottel Aktien kaufen Periode”).

Die kleinen Anleger (das sind alle, die bis zu 10 Millionen Dollar anzulegen haben) müssen dazu gebracht werden, am Tag des ersten Börsencrashes die Aktien in ihren Händen zu haben, damit sie die Hauptwucht des Zusammenbruchs tragen.

Wenn Sie Gelegenheit hätten, verehrter Leser, einmal mit einem dieser schlauen Wirtschaftjournalisten zu sprechen, z.B.der “Süddeutschen” oder der “WAZ”, und Sie würden sie fragen, was es denn mit Red Kite auf sich hätte und mit Global Alpha oder dem Immobiliencrash in den USA, so würden Sie (rein theoretisch natürlich, denn diese Leute reden nicht mit einfachen Sterblichen) etwa folgende Antwort bekommen; “Lassen Se sich nicht von lächerlichen Gerüchten kirre machen, kaufen Sie weiter Aktien”.

Vielleicht würden Sie dann aufmerksam werden, da stimmt irgend etwas nicht. Wie kann es sein, dass an den Aktienmärkten weltweit ein Feuerwerk ohnegleichen abgebrannt, ein Rekord nach dem anderen gebrochen wird, während der Fed-Chef sinkende Leit-Zinsen andeutet???

Nun, warum wollen diese Leute nicht, dass Sie etwas über Red Kite und Global Alpha erfahren, geschweige denn vom US-Immobiliencrash? Lassen Sie sich also das Folgende auf der Zunge zergehen:

Der Mega-Hedge-Fond “Red Kite” (Roter Kinderdrachen, welch netter Name!) ist in milliardenschweren Schwierigkeiten. Er hat Anfang Februar einseitig seinen Anlegern die Frist für eine Kündigung der Einlage von 15 Tagen (vertraglich festgelegt) auf 45 Tage verlängert (das sind die gleichen Leute, die uns immer erzählen, eingegangene Verpflichtungen müssten bedient werden, koste es was es wolle. Logisch, dies gilt nicht für die Götter selbst, also nicht für Deutsche Bank Immobilienfonds und nicht für Mega-Hedge-Fonds).

Zwar hoffen die Fonds-Manager, bis zum Ablauf der 45 Tage (das wird also etwa Mitte März sein) noch ein “Auffang-Netz” zu konstruieren, aber das ist zweifelhaft. Dieser Hedge Fond gehört zum Teil einem anderen grossen Hedge Fond, der sich Global Alpha nennt. Er würde bei einem Crash wahrscheinlich mit in den Abgrund gezogen. Und nun kommen wir schon dem unmittelbaren Machtzentrum nahe, denn dieser Global-Alpha Fond gehört der Bank Goldmann Sachs, einem der wichtigsten Kreditinstitute der Welt. Nun, eine Bank diesen Ausmasses geht nicht so leicht den Bach hinunter, aber heftige Verluste lieben diese Banker auch nicht. Vielleicht wird also diesmal doch noch ein Netz konstruiert.

Der Immobilien-Crash in den USA, der hauptsächlich in der zweiten Jahreshälfte einsetzte, sorgt weiterhin für den freiem Fall der Immobilien-Märkte. Hier einige Details:

Im Jahr 2006 (im wesentlichen 2.Halbjahr) stieg die Zahl der Zwangsvollstreckungen von Immobilien um 42% gegenüber dem Vorjahr an. Jetzt sind bereits annähernd 1% der Haushalte US-weit von Zwangsvollstreckungsmassnahmen betroffen. In den Staaten Colorado, Kaliformien, Ohio und Texas gibt es Regionen, in denen 2% der Bevölkerung Zwangsvollstreckung über sich ergehen lassen mussten.

Allein in Ohio wurden zwischen Oktober und Dezember 2006 3,3% der Häuser zwangsvollstreckt. Ursache ist die Insolvenz einer ständig steigenden Zahl vonUS-Familien. Im Jahr 2006 wurden insgesamt 1,2 Millionen Zwangsvollstreckungen in den USA durchgeführt.

Banken, die sich auf Hypothekenkredite spezialisiert hatten, gehen nun reihenweise Pleite.

Die Einzelhandelsumsätze in den USA, die immer der Motor der Konjunktur waren, stagnierten im Januar.

Das Bild zeigt die regionale Verteilung von Zwangsvollsteckungen im Dezember 2006. Grau bedeutet niedrige Zahlen, rot sehr hohe. Nun steht aber eine neue grosseWelle von Zwangsvollstreckungen bevor, wenn jene, die seit Januar (weit höhere Abzahlungsraten für Viele) ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können, mit Drei-Monats-Abstand im April zwangsvollstreckt werden.Es handelt sich um weitere Millionen von Haushalten! Es könnte sein, damit wird im April endgültig der Punkt erreicht, an dem niemand mehr den unmittelbaren Absturz in die Wirtschaftskrise wird aufhalten können.

Es gibt Schätzungen, etwa 2 bis 3 Millionen Eigenheime in den USA könnten 2007 zwangsversteigert werden, was in der Grössenordung von etwa 10 Millionen US-Amerikaner treffen würde. Das hat allerdings noch nicht eingeschlossen die Aswirkung einer Weltwirtschaftskrise, die natürlich mit einer Dollarabwertung und teuren Importen für de USA viele weitere zahlungsunfähige US-Amerikaner schaffen würde.

Währenddessen hat nach einer Reuters-Meldung vom Rosenmontag (welch ironischer Zufall!) die Bank von England, die staatliche englische Zentralbank, eine Warnung vor einer „drastischen Abkühlung der Märkte“ herausgegeben. Sie bezieht sich dabei auf die britischen Aktien- und Immobilienmärkte, die in den letzten Zeiten von einem Preis-Hoch zum Anderen eilten. Wie man weiss, pflegen Zentralbanken solcheWarnungen nur in ernsten Situationen herauszugeben. Man kann nur zu der Überzeugung kommen, die britische Zentralbank sieht ebenfallsdasAbrutschen in eine Wirtschaftskrisevoraus und hat offenbar bereits konkrete Daten hierzu.

Man kann so zu dem Schluss kommen,die bereits mehrfach angedeutete Wirtschaftskrise beginnt sich in diesem Moment zu entwickeln.