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Impressionen eines Deutschland-Flüchtlings (1)

Johann U. Bahr – August 2006: Planmäßig kamen wir in Texas an. Viel Terrorangst und Chaos und die Zeitumstellung müssen erst verkraftet werden. Hier herrschen 38 Grad.

Der Flug war ohne Parfümverkauf und die Leute konnten auch nichts an Bord bringen. Wir sind 4 bis 8 Mal gefilzt worden. Aber bei einigen Kontrollstellen konnten wir uns vorbeimogeln. Zigaretten und Zeitschriften – alles landete im Müll. Nur Erfrischungstücher wurden an Bord verteilt. Die Boing 770 war von Chikago bis Houston nur mit ca. 20 Passagieren besetzt. Und der Schweinepilot ist mit stark reduzierten Sauerstoff in der Passagierkabine geflogen. Irgendwie haben wir überlebt.

Dezember 2006: Wir haben die USA wieder verlassen.
Rückblick. Texas: Der Staat der Jäger und Tiermörder, Rehe und Tauben. Ich war wirklich überrascht über so viel Natur. Schießprügel oder Pfeil und Bogen sind dort im Trend. Tausende von Meilen sind wir durch Texas gefahren. Alles gleich. Die Städte und kleineren Orte sehen gleich aus und überall Einheits-Amis, wie aus einem Horror-Film nach einem Buch von Stephen King.

Dann ein Jahrhundertregen. Flugplätze überflutet und gesperrt.

Aus China die Warenflut: Möbel, Kleidung, Leuchten, selbst die Glühlampen: Alles „Made in China“. Und egal welcher Laden: Made in China. Das finde ich äußerst denkwürdig. Alles die gleichen Shops und Restaurants mit dem gleichen Erscheinungsbild; nichts individuelles. Und mittendrin, als müsse es noch einen Widerspruch geben, Asiaten.

Die Häuser: Eine Perfektion der Pappmaché-Illussion. Dachlattenbuden mit „Naturstein“ aus Plastik. „Marmor“ aus Plastik. „Holzfussboden“ aus Plastik. „Bretter“ aus Plastik. „Dicke Felsbrocken“ aus Plastik. Alles Plastik mit dessen Ausdünstung und alles saumäßig verarbeitet.

Der Abfluss der Küchenspüle hat einen eingebauten Hecksler: Sehr gute Müllentsorgung; nur Blechdosen schafft der nicht.

Alles ist mit dem Auto erreichbar. Doch am Strand zu liegen ist gefährlich. Da überrollen sie dich. Die rollen überall hin. Banken haben auch Drive-In-Schalter.

Und Fetttttttttttttttttt sind die da.

Da hatte ich kein Bock diesen Scheiß zu fotografieren.

Ich vergaß den Stacheldraht: Milliarden von Meilen Stacheldraht
Stacheldraht-Aktien kaufen! Nur Stacheldraht: Alles an Wald, Wiese und sonstiger Natur ist mit Stacheldraht umzäunt. Alles Privatbesitz mit Todeswarnungen und … Stacheldraht; die Wohnanlagen aber nicht.

Zuviel Stacheldraht in Texas; wird Zeit weiter zu ziehen…

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Fussball-WM 2010 in Südafrika ungewiss

Dr. Alexander von Paleske – In Südafrika sind weiter keinerlei Anzeichen erkennbar, demnach der Präsident Mbeki die vordringlichsten Probleme anpacken will, die die Austragung der WM in Südafrika gefährden; zuallererst die Kriminalität.


Geht Südafrika die Luft aus?
Cartoon der „Sunday Times“ vom 3.12.2006

Im Gegenteil! Seit Wochen werden schwere Beschuldigungen gegen seinen obersten Polizeichef Jackie Selebi erhoben, ein enger Freund des Präsidenten. Er soll eng mit Bossen der Unterwelt verbunden sein, mit jenen Kriminellen zusammen Restaurants besuchen, in die Ermordung eines schillernden Geschäftsmannes namens Kebble verwickelt sein und mit einem in Japan gestohlenen Luxuswagen durch die Gegend fahren. Dieses Fahrzeug war über Dubai nach Südafrika verschifft worden. Dort wurde es von der Polizei beschlagnahmt, woraufhin sich Selebi dann offensichtlich selbst bediente.


Verhindert er die WM in Südafrika? Schwere Beschuldigungen gegen Polizeichef Jackie Selebi.
© 2000 Dispatch Online

Der neue Botschafter der USA in Südafrika, Eric Bost, hat sich in aller Öffentlichkeit in der vergangenen Woche über die ausufernde Kriminalität beschwert und diese als eine Gefahr für die Austragung der Fussball-WM bezeichnet. Und der deutsche Botschafter hatte ihm von einer Gruppe deutscher Tourismusexperten berichtet, die kurz nach der erfolgreichen WM in Deutschland nach Südafrika reisten, um erste Eindrücke zu sammeln. Das konnten sie auch, denn als erstes wurden sie in ihrem Reisebus überfallen und beraubt.

Mittlerweile gibt es in Australien erste Anzeichen für den Eventualfall; die Verlegung der WM dorthin.

Auch im Nationalen Organisationskomitee (LOC) steht nicht alles zum besten.

Dort gerieten der Präsident Irvin Khoza und und der General Manager Danny Jordaan vergangene Woche aneinander, weil ein lukrativer Vertrag nicht an einen Freund von Khoza gegangen war, sondern an einen Konkurrenten.

Mbeki zitiert gerne Shakespeare. Vielleicht sollte er noch einmal in den Hamlet schauen. „Es ist etwas faul im Staate …“

Fußball-WM 2010 nicht in Südafrika?

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Wie mit den Augen eines Außerirdischen (2)

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Harald Haack – Das Rezept des sicherlich berühmtesten Kriegsfotografen des vergangenen Jahrhunderts, von Robert Capa, lautete: „Wenn das Bild nicht gut ist, war der Fotograf nicht nahe genug dran“.

Der britische Schauspieler und Fotograf Koshima Aki ist zwar kein Kriegsfotograf, aber er nahm Capas Devise dennoch wörtlich. Im Grunde genommen tat er das, was auch NASA-Roboter auf dem Mars tun. Neugierig schaute er auf den Boden und versuchte seine Historie darin zu finden. Immer dann, wenn es dort etwas gab, das auf ein Ereignis schließen ließ – außer wenn es von einem Hund stammte – fotografierte er den Boden auf dem er gerade stand. Er fotografierte also aus nächster Nähe das, worüber andere Menschen achtlos hinweg gehen oder darauf herum trampeln.

Lag da nicht irgendwo auf den teuren Marmorfliesen des ehemaligen Berliner Staatsratsgebäudes ein Zettel? Wie ein Kriminalist pirschte sich Koshima Aki heran und fotografierte die Situation: Rötlich-brauner Marmor, ein weißer Fetzen Papier mit einer handschriftlichen Notiz und etwas abseits davon eine zertretende Zigarettenkippe.

Ein anderes seiner Fotos zeigt ebenso nah eine Fläche mit feinkörnigem Schotter. Auf ihr liegen willkürlich verteilt Holzspäne, wie frisch von einem Stock geschnitzt. Hatte hier ein Bergwanderer gestanden und sich einen Gehstock geschnitzt?

Immer sind es Draufsichten, die Koshima Aki faszinieren und das Gesehene, dem vergrößerten Foto einen Sinn geben, weil in den Bildern bei näherem Hinsehen eine Geschichte zu erkennen ist.

Ideen-Entwicklung und Realisation

Eines Tages wurde seine Neugier von einem Knäuel Papier geweckt. Hatte er es zerknüllt und wegwerfen wollen, den Papierkorb nicht getroffen und das Knäuel dann vom Fussboden aufgehoben und anstatt es in den Papierkorb fallen zu lassen auf dem Tisch gelegt, als das Telefon läutete? Er faltete das Knäuel auseinander. Seine Vermutung darauf eine seiner Notizen zu finden, bestätigte sich nicht. Es war völlig leer. Hatte er darauf mit Zitronensaft geschrieben, um die Notiz unsichtbar zu machen? In einem Agenten-Schmöker hatte darüber gelesen und das selbst einmal ausprobieren wollen. Er wusste nicht mehr, ob er es getan hatte. Deshalb hielt das knittrige Blatt Papier über eine Kerzenflamme und hoffte auf das kleine Wunder. Doch außer Ruß von der Kerzenflamme fand er nichts auf dem Papier. Also nur ein leeres Blatt?

Am folgenden Tag legte er es in den Scanner und mit Hilfe einer Fotosoftware invertierte er das Bild. Damit wurde das weiße Papier schwarz und wirkte wie schwarz beschichtete Aluminiumfolie – wie „Black Crepp“, das von Werbefilmern gerne verwendet wird, um zuviel Licht präzise zu reduzieren. In dieser Negativ-Darstellung sahen die Knitterstellen geheimnisvoll aus, inspirierten ihn zu mystischen Bildern. Aber warum sollte er immer nur das fotografieren, was er am Boden fand? Nun gut, dieses Papier hatte er als Knäuel vom Fussboden aufgelesen, doch es blieb – trotz der eigenartigen Wirkung – nach dem Scannen und der Invertierung nur eine Textur. Da fehlte also noch etwas.

Jener Tag in Edinburgh war schaurig. Stundenlang hatte es gestürmt und nun am Abend, an dem er ausnahmsweise nicht auf der kleinen Bühne des Young theatre of Edinburgh stehen musste, um seine Rolle zu spielen, prasselten Hagelkörner gegen die Fensterscheiben seiner Dachwohnung in der Spylaw Bank Road im Stadtteil Colinton. Nachdem er ans Fenster herangetreten war, um dem Hagelschauer zuzusehen, sah er im wirren Muster der eisigen Tropfenläufer auf der Fensterscheibe sein Gesicht. Da es draußen schon ziemlich dunkel war und er die Zimmerbeleuchtung eingeschaltet hatte, funktionierte die Scheibe wie ein Spiegel. Aber die Textur des Wassers draußen auf dem Glas verfremdete diese Spiegelung. Sein Gesicht kam ihm vor wie das eines Fremden oder wie eine dämonenhafte Maske. Und das war’s, was dem gescannten Papier fehlte!


„Feedback – Blick ins Ungewisse“
© 2005 Fotografik: Koshima Aki


„Relatives – Deine Ahnen blicken auf Dich“
© 2005 Fotografik: Koshima Aki


„Travesty – Julas Zahnschmerz“
© 2005 Fotografik: Koshima Aki


„Stalker – Ausweichen unmöglich“
© 2005 Fotografik: Koshima Aki


„Demon – Selbstbildnis, Hommage an Van Gogh“
© 2005 Fotografik: Koshima Aki

Sind Ideen erst einmal geboren und steht den Realisationen nichts mehr entgegen, fehlt nur noch die Tat. Koshima Aki hatte seine Theater-Kollegen oft fotografiert. Unter den zahlreichen Fotos gab es viele Bilder mit Grimassen. Die isolierte und vergrößerte er und kombinierte sie als „Sandwich“ mit dem gescannten und invertierten Papier. Die Bildwirkung empfand er als phänomenal. Begeistert zerknüllte er bald einen ganzen Stapel Schreibpapier, faltete die Blätter sorgsam wieder auseinander und scannte sie. Nur die besten Knitterformen, jene, die mit den Gesichtern korrespondierten und zu einer Einheit verschmolzen, verwendete er.

Bald hatte er die Bilder für eine Ausstellung zusammen und gab sie zum Printen. Die auf Leinwandgewebe großformatig gedruckten Bilder, denen er den Titel „Crease“ (Falte) gab, wurden 2005 zeitgleich im Internet unter www.faceworks.de und im Foyer des Theaters ausgestellt.

Wie mit den Augen eines Außerirdischen (1)

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„Minarette sind Bajonette!“

Kemalismus versus Islamismus im Balanceakt der Türkei
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Malte Olschewski – Von oben dekretiert der Kemalismus und von unten drängt der Islam heran, sodass es einmal zur Kollision kommen muss. Hatte bis in die Achtzigerjahre der von Staatsgründer Kemal Atatürk verordnete Laizismus und die Trennung von Staat und Religion gegolten, so ist seitdem ein ständiger Vormarsch des fundamentalen Islams festzustellen. Nationalismus und Islamismus haben auch zu jenen Schwierigkeiten geführt, die Ankara mit dem EU-Beitritt und mit dem Besuch des Papstes hat. Die EU hat nun weitere Schritte zu einem Beitritt auf Eis gelegt. Fast zeitgleich hat der Papst bei seinem Besuch in Istanbul zusammen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaois Religionsfreiheit für die Christen in der Türkei gefordert.

Der Kemalismus und die Modernisierung der Türkei waren von oben verordnet und hatten die ländlichen Massen in Anatolien kaum erfasst. Der Kemalismus betont die Einzigartigkeit des Türkentums und sieht im Islam ein natürliches Bedürfnis. Der Islamismus greift über die Türkei und Nationalität hinaus und sieht die Türken als Mitglieder der weltumspannenden moslemischen Gemeinschaft. Beide Strömungen ergänzen und bekämpfen einander. Nationalistische Ausbrüche haben oft religiöse Untertöne. (Siehe Udo Steinbach: „Geschichte der Türkei“)

Es ist vor allem der übersteigerte fieberhafte Nationalismus, der einen EU-Beitritt verhindert. In Europa ist nach vielen Kriegen und Opfern der übersteigerte Nationalismus oder Chauvinismus als zerstörende Kraft erkannt und in den Bereich der Folklore verwiesen worden. Doch in der Türkei wird schon den Schulkindern der Satz Atatürks eingehämmert: „Glücklich ist der, der sagen kann: Ich bin ein Türke!“ Und als einmal Kurden aus Protest die türkische Fahne verbrannten, liess Generalstabschef Harun Ötztürk sofort wissen: „Die erhabene türkische Nation wird ihre Fahne bis zum letzten Blutstropfen verteidigen.“

Die Polizei trug damals als Zeichen des Protestes eine 1500 Meter lange Nationalfahne durch Istanbul. Bei Fußball gegen eine europäische Mannschaft klingen oft drohende Schlachtrufe von den Tribünen: „Europa! Höre unsere Stimme! / Was Du hörst, sind die Schritte der Türken./ Niemand kann es mit den Türken aufnehmen. / Europa, Du Schlampe! / Nimm Dich in Acht! „ Begeisterung erfasst das Land, wenn in einem internationalen Wettbewerbe ein türkisches Team den ersten Preis gewinnt.

Getränkehändler zerschlugen TV-wirksam hunderte Flaschen mit französischem Rotwein, als die Pariser Nationalversammlung die Leugnung des Genozids an Armeniern unter Strafe stellte. In den letzten Monaten sind auch immer öfter Übergriffe gegen türkische Christen zu verzeichnen. Die wenigen Christen des Landes, etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung, beklagen sich über wachsende Repressionen. Der katholische Bischof von Iskenderun, Luigi Padovese, musste um Personenschutz ansuchen. Mehrere Christen sind angeklagt, für ihre Religion öffentlich geworben zu haben, was durch den Paragraphen über „Beleidigung des Türkentums“ bestraft werden kann.

Das türkische Militär hatte auch nach dem Tod von Kemal Atatürk 1938 das Heft in der Hand behalten. Die bisherige Einheitspartei, die Republikanische Volkspartei, erhielt nach Kriegsende Konkurrenz durch den Anti-Kemalisten Adnan Menderes, dessen „Demokratische Partei“ 1950 die Wahlen gewann. Menderes sympathisierte als Ministerpräsident mit islamischen Kräften. Am 6. und 7.9.1955 kam es in Istanbul zu schweren Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit. Menderes wurde 1960 vom Militär gestürzt und nach einem fragwürdigen Todesurteil auch gehenkt. Das Militär behielt über den „Nationalen Sicherheitsrat“ weiterhin Einfluss auf die Politik, denn der türkischer Offizier hatte nicht nur sein Land gegen äussere, sondern auch die Prinzipien des Kemalismus gegen innere Feinde zu verteidigen. 1980 kam es zu einem neuen Putsch, der sich vor allem gegen linke Kräfte richtete. Das Militär setzte dabei erstmals den Islam als Instrument gegen die Linke ein.

Bisherige religiöse Einschränkungen wurden aufgehoben. Islamische Parteien waren bald auf dem Vormarsch, bis ihnen das Militär Einhalt gebot. Necmettin Erbakan wagte sich als Ministerpräsident mit seiner islamische Wohlfahrts-Partei („Refah“) am weitesten vor, wurde aber 1997 von den Generälen entmachtet. Es kam zu einem zähen Kampf zwischen dem Militär und islamistisch orientierten Parteien. In den beiden letzten Jahrzehnten erscheint die türkische Politik von der Konfrontation zwischen den Kemalisten und Islamisten geprägt, die zusätzlich von sozialistischen und konservativen Orientierungen überlagert wird. Es kam zu politischen Prozessen, in denen den Angeklagten die Ausübungen politischer Ämter verboten wurde. Parteien sind aufgelöst und neu gegründet worden. In einer verhängnisvollen Verfassungsänderung wurde eine Zehnprozent-Klausel bei Wahlen für das Parlament beschlossen.

Das alles hat zur Popularität eines Gefolgsmannes von Erbakan beigetragen. Der Istanbuler Bürgermeisters Recep Erdogan hat in mehreren Prozesses den Umgang mit kemalistischen Mächten gelernt. Er hatte bei einer Rede in Sirt ein Gedicht des Dichetsr Ziya Gökalp zitiert: „Die Moscheen sind unsere Kasernen. Die Minarette sind unsere Bajonette. Und die Kuppeln sind unsere Helme.“ Dafür erhielt er eine Haftstrafe mit einem folgenden Verbot politischer Betätigung. Über Vertraute liess Erdogan die „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) gründen. Eine wachsende Anhängerschaft erreichte auch eine Aufhebung des Politikverbotes. Die AKP erreichte beiden den Wahlen von 2002 rund 30 Prozent, stellte aber auf Grund der neuen Gesetze 363 der 500 Abgeordneten.

Erdogan meidet eine direkte Konfrontation mit den Generälen. Er präsentiert die AKP als eine konservative, islamorientierte Partei und vergleicht sie gern mit der CDU in Deutschland. Die türkische Linke und europäische Beobachter wie Bassam Tibi („Mit dem Kopftuch nach Europa“) sehen in ihm einen unverbesserlichen Islamisten, der den Konservativen nur vortäuscht. Seine Gattin ist beharrliche Kopftuchträgerin und wird daher zu Empfängen des kemalistischen Staatschefs Nezer nicht eingeladen. Um dem in allen staatlichen Institutionen geltenden Kopftuch-verbot zu entgehen, lässt Erdogan seine beiden Töchter in den USA studieren. Beim Besuch des Geburtshauses von Kemal Atatürk in Saloniki hat Erdogan aus dem Gästebuch eine Seite herausgerissen, auf der ihm ein Besucher Verrat am Staatsgründer vorge-worfen hatte.

Die Kemalisten sind über die Zukunftspläne Erdogans äussert beunruhigte, denn 2007 muss das Parlament einen neuen Staatschef wählen. Mit seiner Mehrheit könnte Erdogan diesen Posten übernehmen und dann an die Ausschalktung der Kemalisten in Schlüsselpositionen gehen. Sein politischer Partner und derzeitige Aussenminister Abdullah Gül würde dabei die Regierung übernehmen. Der bisherige Staatschef, der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Ahmed Sezer, hatte sich regelmässig dem Vormarsch der Islamisten in den Weg gestellt. Da der Staatschef auch den Nationalen Sicherheitsrat leitet, würden Erdogan und Gül vermehrte Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Ziele erhalten. Die Generäle wissen von diesem Szenarium und könnten mit einem Putsch antworten.

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Wie mit den Augen eines Außerirdischen (1)

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Harald Haack – Der Schweizer Fernseh-Meteorologe Jörg Kachelmann geriet mitten in seiner Wetter-Show beim Aussprechen des Namens eines Fotografen ins Stottern: Koshima Aki, britischer Schauspieler und Fotograf, hatte im Hamburger Hafen eine stürmische Szene unglaublich malerisch schön eingefangen und dem „Wettermacher“ für dessen Wetterbericht nur so zum Spaß zur Verfügung gestellt. Die Zeitschrift „Computer-Foto“ prämierte mehrfach hintereinander die von Koshima Aki auch nur zum Spaß eingesandten Fotos. Nachdem er auch zu anderen Foto-Zeitschriften seine Fotos einsandte und sich die Auszeichnungen in Form von Fotobearbeitungssoftwares stapelten, wusste er, dass er fotografieren kann und dass seine Fotos gerne gesehen wurden. Ärgerlich war nur, dass es jedes Mal ein und dieselbe Softwareversion war, die er erhielt.

Japan ist weit. Auch für Koshima Aki. Obwohl er einst auf dem Wunsch seines Vaters hin, der als Diplomat in Bonn wirkte, in Kyoto mehrere Jahre lang als Novize eines buddhistischen Klosters lebte und mit der Zeit zum Zen-Meister wurde, kann er sich nicht mehr vorstellen woanders als in Europa wie ein Außerirdischer unter den Menschen zu leben und zu schauen.


Steine unter einer Themse-Brücke.
© 2002 Foto: Koshima Aki


Alter hölzerner Stützpfeiler einer alten Kajenanlage im Hafen von Gent.
© 2003 Foto: Koshima Aki


Unter einer zugeschütteten Brücke des Hamburger Hafens.
© 2004 Foto: Koshima Aki


Schlackesteine und rostiger Eisenring unter der Großen Elbbrücke in Hamburg.
© 2004 Foto: Koshima Aki

Den Zen-Bogen tauschte er gegen eine digitale Fotokamera – natürlich „Made in Japan“. Vor allem die Spuren menschlicher Zivilisation haben es ihm angetan. Völlig banale Dinge in den schattigen Randzonen der Städte entdeckt er für sich neu und erkennt in ihnen sensationelle Kulturgüter – als käme er aus einer anderen Welt.


Die Rosen eines Pariser Friedhofswärters.
© 2005 Foto: Koshima Aki


Junge Birkenstämme in schwarzem Straßensplit in Kilmahog/Scotland.
© 2002 Foto: Koshima Aki


Eines seiner mehrfach ausgezeichneten Fotos: Objektiv einer alten polnischen Plattenkamera und Schwanenfeder.
© 2001 Foto: Koshima Aki

Er fotografierte in den dunklen, dreckigen Ecken unter Brücken der europäischen Metropolen. Nicht er sucht nach den Motiven für seine Fotos, sondern die Motive suchen ihn und er folgt ihren Rufen, fühlt sich von ihnen gelenkt als seien es Gespenster. Aber Gespenster sollen angeblich auch intrigant sein. In London holte ihn die Metropolitan Police von einem Brückengeländer, auf dem er sich gesetzt hatte, um eine bessere Sicht auf ein unter der Brücke existierendes Motiv zu haben. Für 48 Stunden hielten sie ihn fest, verhörten ihn und verdächtigten ihn als Terrorist. Danach hatte er, wie er gerne behauptet, die Schnauze von London mit den allgegenwärtigen Überwachungskameras und hysterischer Terrorangst voll, kaufte sich ein Flugticket und flog nach Paris, wo er bald vergammelnde Blumen der Grabgestecke auf Friedhöfen fotografierte und prompt als Grabschänder verdächtigt wurde. Ein Friedhofswärter hatte wegen der eigenartigen Liebe von Koshima Aki zu verwelkenden Blumen so sehr Mitleid mit ihm, dass er einen Strauß frischer roter Rosen kaufte und ihm schenkte.

Nachdem ihm auf dem europäischen Kontinent das Geld zur Neige ging, trampte er zurück nach London und wurde wieder bei seinem Agenten vorstellig, der ihn für Werbefilmproduktionen als Darsteller vermittelte. Obwohl Bühnenrollen für Asiaten wohl eher rar sind, erhielt er dennoch eines Tages ein Engagement eines kleinen, jungen Theaters in Edinburgh. Wie er damit wirtschaftlich so gut überleben kann, ist mir oft ein Rätsel. Aber er ist kein Krimineller, dealt nicht mit Drogen und raubt keine Banken aus. Entweder ist er tatsächlich ein Außerirdischer oder aber er folgte den väterlichen Spuren und arbeitet als einer unter den vielen unbekannten und unsichtbaren Geheimnisträgern im Auftrag ihrer Majestät. Obwohl er jede Spekulation darüber dementiert, könnten seine künstlerischen Fotos ihn verraten. Immerhin offenbaren sie seinen Hang zu Operationen im Verborgenen. Und die Möglichkeit einen gut bezahlten Job im „Staatsdienst“ zu erhalten, wenn man nur einmal kurz aufs Geländer der Londoner Albert-Bridge steigt und daraufhin verhaftet wird, ist, nach britischen Maßstäben, nicht auszuschließen.

Fine Art Photography

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Für die Rettung bezahlen – Katastrophen-Apartheid droht

Naomi Klein – Soeben kündigt das Rote Kreuz eine Katastrophenhilfe-Partnerschaft mit Walmart an. Wenn der nächste Hurrikan zuschlägt, werden wir folglich eine Koproduktion von Big Aid und Big Box erleben.

Anscheinend lautet die Lehre aus der jämmerlichen Reaktion der amerikanischen Regierung auf Hurrikan Katrina: Die Geschäftswelt ist besser für Katastrophen gewappnet.


Katrina: Die amerikanische Regierung verzichtete auf eine ihrer Kernaufgaben – die Pflicht, ihre Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen.

„Bevor das vorbei ist, wird alles privatisiert sein“, so Billy Wagner, Leiter des Notfallmanagements der Florida Keys im April 2006. Derzeit stehen die Keys unter Hurrikan-Beobachtung (Tropensturm Ernesto). „Sie (die privaten Unternehmen) haben das Fachwissen. Sie haben die Ressourcen“.

Bevor der neue Konsens weiter gedeiht, wäre es vielleicht an der Zeit, sich anzusehen, wie die Privatisierung von Katastrophen begann und wohin sie unweigerlich führen wird.

Erster Schritt, die amerikanische Regierung verzichtete auf eine ihrer Kernaufgaben – die Pflicht, ihre Bevölkerung vor Katastrophen zu schützen. Unter der Regierung Bush wurden ganze Regierungsbereiche – allen voran die Heimatschutzbehörde – in hochgejubelte Teilzeitagenturen umfunktioniert. Mittels Verträgen wurden wichtige Funktionen an private Firmen ausgelagert. Die Theorie dahinter: Ein von Profitgier getriebener Unternehmer ist immer effizienter (bitte nicht hysterisch losprusten).


„Wo sind all die Gelder hin?“ – eine Frage, die sich die Menschen von Bagdad bis New Orleans, von Kabul bis Sri Lanka (Tsunami!) stellen.

Wohin dies führt, haben wir vor einem Jahr in New Orleans gesehen – als sich Washington als beängstigend schwach und unentschlossen erwies. Das lag zum Teil an der rückständigen Technologie und Infrastruktur bzw. an Katastrophenmanagement-Experten, die sich in den privaten Sektor flüchteten. Zumindest im Vergleich hierzu wirkte der private Sektor modern und kompetent (ein Kolumnist der New York Times schlug sogar vor, die FEMA an Walmart zu übergeben).

Aber die Flitterwochen währten nur kurz. „Wo sind all die Gelder hin?“ – eine Frage, die sich die Menschen von Bagdad bis New Orleans, von Kabul bis Sri Lanka (Tsunami!) stellen. Ein beträchtlicher Teil des Geldes ist an private Vertragspartner geflossen, massive Kapitalaufwendungen. Weitgehend unter den Augen der Öffentlichkeit wurden so Milliarden von Steuerzahlerdollars in die Schaffung einer privaten Katastrophenhilfe-Infrastruktur investiert. Die Shaw Group errichtete in Baton Rouge ein Hauptquartier nach neuestem Stand, Bechtel erwarb ganze Bataillone von Erdbewegungsmaschinen und Blackwater USA schuf in North Carolina einen 6000-Acre-Campus (inklusive paramilitärischem Trainingscamp und 6000-Fuß-Rollbahn).

Ich nenne das den katastrophen-kapitalistischen Komplex. Egal wie ernst die Katastrophe, die Vertragspartner können mit allem dienen: Generatoren, Wassertanks, Feldbetten, Instant-Klos, mobile Heime, Kommunikationssysteme, Helikopter, Medizin und Männer mit Gewehren.

Hier entsteht ein Staat im Staate – fast ausschließlich über öffentliche Verträge finanziert. Finanziert wird auch das Mitarbeitertraining (bei den M. handelt es sich größtenteils um ehemalige öffentliche Angestellte, Politiker und Soldaten). Und das alles privat. Die Steuerzahler haben absolut keine Kontrolle und nichts zu melden – eine Tatsache, die den Leuten noch nicht klar ist. Diese Firmen kommen über Regierungsverträge an ihr Geld, deshalb ist der Service des katastrophen-kapitalistischen-Komplexes für die Öffentlichkeit erst einmal kostenlos.

Die Krux an der Sache: Dank irrer Ausgaben in dieser Richtung geht die US-Regierung in ernst zu nehmender Weise bankrott. Unsere Staatsverschuldung beträgt $8 Billionen. Das nationale Haushaltsdefizit liegt bei mindestens $260 Milliarden. Das heißt, früher oder später – eher früher als später – wird aus den Verträgen die Luft raus sein. Keinem ist dies bewusster, als den Firmen selbst. Ralph Sheridan ist Chefmanager von Good Harbor Partners, einer von mehreren hundert neuen Counterterrorismus-Firmen. Er erklärt: „Die Ausgaben von Regierungen verlaufen episodisch, sie kommen in Blasen“. Insider sprechen schon von der „Homeland-security-Blase“.

Geplatze Blase
Und wenn die Blase platzt, verlieren Firmen wie Bechtel, Fluor oder Blackwater ihre wichtigste Einnahmequelle. Was ihnen dann noch bleibt, ist ihre Hightech-Ausstattung, mit der sie gut auf Katastrophen vorbereitet sind (während unsere Regierung wertvolles Knowhow in diesem Bereich verkommen lässt). Also wird man die ohnehin steuerfinanzierte Infrastruktur der Firmen anmieten müssen – zu einem Preis, den diese bestimmen.

Hier ein kurzer Blick in eine vielleicht nicht mehr allzu ferne Zukunft: Einmal Rettung vom Hausdach in einer überfluteten Stadt kostet $5 000 pro Person, $7 000 ist der Familientarif (Haustiere inklusive); Wasser in Flaschen und „Fertigmahlzeiten“ kostet $50 pro Person (eine Menge Moos, natürlich, aber die Nachfrage bestimmt den Preis); sie wollen ein Feldbett in einer Notunterkunft, Mobildusche inklusive, bitte hinterlegen Sie Ihren Ausweis mit biometrischen Merkmalen, die Rechnung wird nachgereicht (keine Sorge, wir finden Sie schon, auch die Spionage wurde ja outgesourct, und Ihr biometrischer Ausweis kam mittels eines lukrativen Vertrags mit der Heimatschutzbehörde zustande).

Vorbild ist natürlich unser amerikanisches Gesundheitssystem, bei dem Reiche Anspruch auf eine Erste-Klasse-Behandlung in Kurumgebung haben, während 46 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung dastehen. Thema Katastrophenhilfe: Hier hat unser Gesundheitsmodell bei der globalen Aids-Pandemie bereits Anwendung gefunden. Durch privaten Forschermut (und massive öffentliche Subventionierung) gelang es, lebensrettende Medikamente zu entwickeln. Dann hat man die Preise erhöht, so dass die überwiegende Mehrheit der Infizierten dieser Welt sich keine Behandlung mehr leisten kann.

Wenn das die Bilanz der Konzernwelt bei Slow-motion-Katastrophen ist, welchen Grund gäbe es anzunehmen, dass bei akuten Katastrophen andere Werte gelten – bei Hurrikanen oder selbst bei Terroranschlägen? Erinnern wir uns, als vor nicht allzu langer Zeit israelische Bomben auf den Libanon fielen, wollte die US-Regierung ihre Bürger ursprünglich für ihre Evakuierung selbst bezahlen lassen. Alle Menschen im Libanon ohne westlichen Pass hatten natürlich von vorne herein keine Chance auf Rettung.

Ein Jahr ist es her, seit arme Bürger und Menschen der Arbeiterklasse in der Stadt New Orleans auf ihren Hausdächern strandeten. Diese Menschen warteten auf Hilfe, die nie eintraf, während sich Leute mit den nötigen finanziellen Mitteln in Sicherheit bringen konnten. Die politische Führung unseres Landes behauptet, es habe sich damals um einen tragischen Fehler gehandelt, die Kommunikation sei zusammengebrochen. Heute sei die Sache behoben. Die Lösung lautet „privatwirtschaftliche Lösung“. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Katastrophentrampelpfad.

Wird kein radikaler Kurswechsel eingefordert, so wird sich New Orleans als Blick in unsere miese Zukunft erweisen. Diese Zukunft heißt ‚Katastrophen-Apartheid‘: Die Reichen werden gerettet, alle andern bleiben auf der Strecke.

Naomi Kleins neues Buch zum Thema Katastrophen-Kapitalismus erscheint im Frühjahr 2007. Ein Auszug dieses Artikels ist in der LA Times erschienen.

Dieser Artikel erschien in deutscher Übersetzung von Andrea Noll erstmalig bei ZMag

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DoS Attacke gegen Today Server

Gestern 27.11 kam zu einem mehrstündigen Ausfall des genialen österreichischen Webloganbieters twoday.net. Der Ausfall dauerte in der Nacht bis sieben Uhr früh und am Abend von etwa 20 bis 22 Uhr. Auch Journalismus Nachrichten von Heute war davon betroffen und bekam dafür eine E-mail Lawine von LeserInnen.

Ursache war, so twoday.net eine gezielte DoS-Attacke, ausgehend von zwei bestimmten IP-Adressen, welche tausende von IP-Verbindungen zum Server öffneten. Dadurch konnte der Server keine Anfragen anderer User mehr entgegennehmen, und war somit nicht erreichbar.

Twoday.net konnte die Attacke zunächst einmal soweit abwehren, wird aber die nächsten Tage dazu nützen um noch mehr Informationen einzuholen um die Server künftig gegen derlei Attacken besser schützen zu können.

In folge dessen kann es eventuell zu neuer Downtime kommen. Da hilft nur eins: Lesen Sie ein Buch.

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Militärmaschine im Iran abgestürzt

SDA – Bei einem Flugzeugabsturz im Iran sind 38 Angehörige der Revolutionsgarde ums Leben gekommen. Unter ihnen auch mehrere hohe Offiziere der Elite-Einheit. Der Flughafendirektor sagte im Fernsehen, es gebe keine Überlebenden.

Die Maschine vom Typ Antonow 74 sei wenige Minuten nach dem Start gegen 7.10 Uhr Ortszeit abgestürzt. Das berichtet das staatliche Fernsehen des Iran. Bei den Toten handelt es sich um Mitglieder der ideologisch gedrillten Regierungsgarde der Revolutionswächter. Den Angaben zufolge befanden sie sich auf dem Weg nach Schiras im Süden des Landes.

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Drogen-Bericht 2006: Illegale Drogen immer billiger

Brüssel – Der Schwarzmarktpreis für Heroin, Kokain und andere illegale Drogen in Europa ist nach Erkenntnissen der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) deutlich gefallen.

Zwischen 1999 und 2004 sei zum Beispiel braunes Heroin ganze 45 Prozent und Kokain 22 Prozent billiger geworden. Der Strassenverkaufspreis für Ecstasy sei sogar um bis zu 47 Prozent, der von Cannabis um bis zu 19 Prozent zurückgegangen.

Der EBDD-Vorsitzende Marcel Reimen schränkte ein, der Preis allein sei nicht ausschlaggebend für den Drogenkonsum – noch lasse sich daher kein direkter Zusammenhang zwischen Preis und Nachfrage erkennen.

Trotz des Preistrends nach unten gibt es der EBDD zufolge zwischen den europäischen Ländern noch immer erhebliche Unterschiede. In der Türkei beispielsweise koste braunes Heroin – die am häufigsten gehandelte Heroinsorte – 12 Euro (gut 19 Franken) je Gramm, in Schweden dagegen 114 Euro.

Und während Drogenkonsumenten in Belgien für ein Gramm Kokain 41 Euro zahlten, liege der Preis für diese Menge in Rumänien bei mehr als hundert Euro.

Es handelt sich um die erste europaweite Erhebung zur Preisentwicklung bei illegalen Drogen, die Preise wurden inflationsbereinigt. In den EBDD-Drogenbericht fliessen Daten aus den 25 EU-Ländern, aber auch aus Norwegen, Rumänien, Bulgarien und der Türkei ein.

Laut EBDD wird der Drogenpreis von diversen Faktoren bestimmt – etwa auch davon, wie rein die Substanzen sind oder wie hoch ihr Angebot am Markt. Die einzelnen Länder erfassten die Daten auf unterschiedliche Weise.

Insgesamt liege der Schluss nahe, dass die Preise nicht erst in den erfassten fünf Jahren, sondern bereits seit über einem Jahrzehnt gesunken seien. Ecstasy and Kokain etwa seien heute offenbar in manchen Ländern auch billiger als noch Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre.

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Der Gestank Hollywoods

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Malte Olschewski – Dieses Düftchen darf man nicht nur metaphorisch in den Riechkolben nehmen. Hollywood stinkt auch ganz konkret. Viele Prediger im frommen Amerika hatten schon öfter mit Donnerworten den Verdacht geäussert, dass Satan persönlich seinen Wohnsitz in Beverly Hills haben und dort seinen Schwefelgestank verbreiten würde. Über die verderbliche Wirkung Hollywoods ist schon viel diskutiert und geschrieben worden. Umweltschützer sehen indes andere Gründe für die strengen Gerüche rund um die Traumfabrik. Die dort produzierten Filme erzeugen ungeheure Mengen Abfall, die unsachgemäss entsorgt werden und rundum die Nasen belästigen.

Eine Studie der Universität von Los Angeles (UCLA) hat festgestellt, dass die Filmindustrie nach den Erdölraffinerien der schlimmste Umweltsünder Kaliforniens ist. Besonders nach den Attentaten von 9/11 werden in Hollywood in zunehmender Zahl Filme gedreht, in denen böse Menschen immer wieder ganze Stadtviertel, Häuserfronten, Wolkenkratzer oder Fabriken in die Luft sprengen. Das infantil gewordene Publikum verlangt heftig danach, dass es knallt, kracht und bröselt. Autos brechen sich durch den Stadtverkehr eine Bahn, die von keiner Versicherung gedeckt wird. Und sehr, sehr leicht steht alles Mögliche in Flammen. Durch Autoabgase, künstliche Explosionen und andere Spezialeffekte entlässt Hollywood rund 126 000 Tonnen Schadstoffe pro Jahr, das sind rund 35 Tonnen pro Tag, in die Atmosphäre. Mary Nichols sieht als UCLA-Leiterin für Umwelt auch den Aufbau von grossartigen Kulissen als Problem. Wenn also diese oder jene Helden für die Gerechtigkeit und die USA kämpfen, tun sie dies meist vor einem künstlichen Hintergrund aus Plastik, Plastellin und Videomalerei. Ungeheure Mengen an Energie und Material werden für Hollywoods Spektakelfilme benötigt. Für nachfolgende Drehs sind diese artifiziellen Landschaften kaum wieder verwertbar, daher werden sie oft eingestampft und verbrannt. Und dann stinkt es in der Traumfabrik.

Die UCLA entlarvt in einem real existierenden Thriller das ganze System der Filmproduktion als Schuldigen. Für einen Film werden meist eine Reihe von Subunternehmen gegründet, die nach den Dreharbeiten wieder aufgelöst werden. Mehrere Aspekte eines Filmes werden zur Profitmaximierung an spezialisierte Firmen ausgelagert. In diesem ständigem Wechsel, der vor Steuer und Regressklagen schützen soll, sind allgemein verbindliche Masstäbe zur Abfallbeseitigung nicht durchzusetzen.

Die „Motion Pictures Association of America „ (MPAA) wehrt sich. Rund 64 Prozent des Filmabfalls würden wieder verwertet werden. Es gäbe bereits vielfältige Archivlandschaften, die man immer wieder hervorholen und benützen könne. Man verweist auch darauf, dass in der Matrix-Trilogie rund 90 Prozent des Materials wieder verwendet worden sei. Die Produzenten von „The Day after Tomorrow“ hatten für 200 000 Dollar Bäumchen pflanzen lassen, um 9 100 Tonnen Schadstoffe zu entschuldigen, die durch die Dreharbeiten entstanden waren. Die MPAA verweist auf Filme wie „Syriana“ oder „Good Night“, die Energiefragen gewidmet sind. Da Hollywood auf ewiger Suche nach neuen Themen ist, wird wohl bald auch die Kulisse zur Kulisse eines neue Thrillers werden. Man stelle sich nur vor: Clint Eastwood entdeckt, dass die Kulisse seines letzten Filmes nicht politisch korrekt entsorgt, sondern an die kolumbianische Mafia verkauft worden ist. Er spürt die verwelkte Plastiklandschaft etwa in Cartagena auf. In einer neuer Kulisse jagt er die alte Kulisse…. Fortsetzung und Copyright beim Autor