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Nordkoreas großer Bluff?

Harald Haack – War Nordkoreas Atomtest nichts als ein großer Bluff? Falls dies zuträfe, so wäre es eine große „dank der Weisheit und einer zu hundert Prozent einheimischen Technik“ verursachte Peinlichkeit für Nordkorea.

Einige Seismologen äußerten sich inzwischen skeptisch zum angeblichen Atomtest. Angesichts der geringen Sprengkraft von ca. 550 Megatonnen TNT hätte ein solches Beben, das durch das Beben verursacht wurde, auch mit konventionellen chemischen Sprengstoff ausgelöst werden können.

Künstlich verursachte Erdbeben unterscheiden sich nach Seismologen-Ansicht deutlich von natürlich verursachten. Besonderes Merkmal von künstlich mit konventionellem Sprengstoff erzeugten Beben sollen mehrere kurz aufeinander fallende Detonationen sein. Bei einer Nuklear-Detonation hätte es eine einzige heftige Detonation geben müssen, doch das ist beim nordkoreanischen Atomtest nicht der Fall. Es gab zuerst eine Detonation, die gefolgt wurde von zwei dicht aufeinander folgenden. Nach ca. 28 Sekunden erfolgte eine Reflektion der drei Ereignisse innerhalb des Planeten Erde – ein Echo.


Das Seismogramm des angeblichen Atomtest von Nord-Korea: Innerhalb von ca. 9 Sekunden drei Detonation, gefolgt von ihrem Echo.

Dieses Erdbeben akustisch, eine nach den Amplituden des Seismogramms erstellte mp3-Datei: Ca. 1 MB, Mono.

Bekannt ist, dass sich natürlich ausgelöste Erdbeben entweder mit einem einmaligen Krachen entladen oder sich einschwingen und zu einem anhaltenden Höhepunkt steigern und dann wieder abschwingen, wie die nachfolgenden Seismogramme zeigen.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es etliche Variationen, die ständig erforscht werden. Vergleicht man diese zwei Beispiele mit dem Seismogramm des vom Atomtest verursachten Erdbebens, so ist augenfällig, dass dieses Beben sehr dem Typ des mittels konventionellen Sprengstoffs erzeugten Bebens entspricht.

Dafür könnte auch die Tiefe Null sprechen, die für dieses Beben vom USGS ermittelt wurde – ebenso die Boden-Anomalie des Satellitenbildes von DigitalGlobe, das unter Google Earth zur Verfügung steht: Eine Anhäufung von Sand, Zement und konventionellem Sprengstoff? Da gibt es keine Radioaktivität – es sei denn, man jagt radioaktiven Dreck in die Luft.


Nach dem großen Knallen reinigten die von den Wetterdiensten vorhergesagten Regenschauer wahrscheinlich für eine Reinigung vom Staub der Explosionen.

Nach dem Wortlaut der Meldung aus Pjöngjang über den angeblichen Atomtest stellte der große Knall des heutigen Staatschefs Kim Jong Il nicht nur „ein historisches Ereignis dar, denn er ermutigt und befriedigt die koreanische Volksarmee und das Volk zutiefst.“

Also reine Selbstbefriedigung und Zeichen für Nordkoreas Schwäche?

Nordkoreanischer Atomtest verursachte mutmaßlich eine Reihe von Erdbeben
Ein unterernährter Atomtest – Nordkorea hat in einem Bergwerk seinen ersten A-Versuch gezündet
Atomtest in Tiefe Null
Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet

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UN-Sicherheitsrat berät über Sanktionen gegen Nordkorea

AFP – Nach dem nordkoreanischen Atomwaffentest beraten die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Japan heute über mögliche Sanktionen gegen das kommunistische Land. Der Botschafter der USA bei der UNO, John Bolton, forderte eine rasche Reaktion des Gremiums. Die USA hatten am Montag einen Resolutionsentwurf gemäß Kapitel VII der UN-Charta eingebracht, der die Möglichkeit von Sanktionen und der Einsatz militärischer Gewalt vorsieht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Besorgnis, dass der Test den Atomwaffen-Sperrvertrag weiter aushöhlen könnte.

Die Sanktionen müssten „wirklich weh tun“, forderte der US-Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit Nordkorea, Christopher Hill. Es reiche nicht, dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il einen Brief zu schicken. Der UN-Sicherheitsrat müsse Maßnahmen ergreifen, um Nordkoreas Fähigkeit einzuschränken, Technologie und Gelder für Massenvernichtungswaffen zu erhalten, sagte Hill dem US-Sender Fox News.

Der von der US-Regierung vorgelegte Resolutionsentwurf sieht nach Angaben eines westlichen Diplomaten Kontrollen auf allen Schiffe vor, die Nordkorea ansteuern oder verlassen. Die UN-Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, alle mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm verbundene Aktivitäten auf ihrem Territorium zu unterbinden.

Die südkoreanische Regierung erklärte, sie halte die Erklärung Nordkoreas, eine Atomwaffe erfolgreich getestet zu haben, für glaubwürdig. Es könne jedoch noch zwei Wochen dauern, bis dies überprüft worden sei, sagte ein Sicherheitsberater von Präsident Roh Moo Huyn. Pjöngjang habe die Nuklearbombe vermutlich gezündet, um seine Position bei den Gesprächen über sein Atomprogramm zu stärken, sagte Wiedervereinigungsminister Lee Jong Seok.

Er sehe mit besonderer Besorgnis, dass der Test ein weiterer Beitrag dazu sein könnte, den internationalen Nichtverbreitungsvertrag über Atomwaffen zu erodieren, sagte Steinmeier im ZDF-„heute-journal“ des ZDF. Die nordkoreanische Bevölkerung zahle einen hohen Preis für die Ambitionen ihrer Regierung. In den letzten Jahren habe es immer wieder Hungersnöte gegeben, „und das nur, um den Ehrgeiz der nordkoreanischen Führung zu befriedigen, an diesem Atomwaffenprogramm festzuhalten und die internationale Staatengemeinschaft zu provozieren“. Das Außenministerium habe den nordkoreanischen Vertreter in Deutschland einbestellt und klar gemacht, dass die Bundesregierung die Tests scharf verurteile.

Die Internationale Atomenergieagentur IAEA verurteilte den nordkoreanischen Atomwaffentest als Bedrohung für die internationale Sicherheit.

Nordkoreanischer Atomtest verursachte mutmaßlich eine Reihe von Erdbeben
Ein unterernährter Atomtest – Nordkorea hat in einem Bergwerk seinen ersten A-Versuch gezündet
Atomtest in Tiefe Null
Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet

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Nordkoreanischer Atomtest verursachte mutmaßlich eine Reihe von Erdbeben

Harald Haack – Incorporated Research Institutions for Seismology (ISIS), ein US-amerikanisches Universitäts-Konsortium zur Erforschung von Erdbeben und seismischer Wellen in der Erde, mit Sitz in Washington DC, verifizierte die im ISIS-Seismic-Monitor angegebene Position des nordkoreanischen Atomtests und bezieht sich dabei auf das National Earthquake Information Center (USGS). Demnach trat am 9. Oktober 2006 ein leichtes Erdbeben 70 Kilometer (40 Meilen) nördlich von Kimchaek in Nordkoera um 01:35 auf: 27 (UTC) auf. Die Zeitangabe entspricht 10:35:27 morgens lokaler Zeit in Korea.


Seisomogramm des vom Atomtest verursachten Erdbebens der Stärke 4,2 auf der Richterskala. Quelle: IRIS Data Management Center.

Damit werden auch die Google-Earth-Ansichten (© 2006 DigitalGlobe) des nordkoreanischen Testgeländes bestätigt. Offenbar handelt es sich dabei um Satellitenbilder neueren Datums. Zu sehen ist genau an der von USGS und ISIS ermittelten Position eine sandfarbene Anomalie, die wie eine Aufschüttung von Erdreich aussieht.

Das von SPIEGEL-Online ohne zusätzliche Positionsangaben publizierte AFP/GEOEYE-Satellitenbild, das das „mutmaßliche nordkoreanische Atomtestgebiet“ zeigen soll, ist vermutlich älteren Datums. Zudem ist unsicher, ob es tatsächlich das betreffende Testgelände zeigt. Sollte es jedoch das Testgelände zeigen, so macht die Google-Earth-Ansicht deutlich, dass Nordkorea das Gelände umfassend verändert und ausgebaut hat.


Entweder falsches Testgelände oder veraltete Ansicht.
© AFP/GEOEYE


Das von USGS und ISIS ermittelte Epizentrum befindet auf einem abgeflachten Berg. Deutlich sichtbar: Die Waldrodungen deuten auf Nordkoreas intensive militärische Aufrüstung hin.


Waldrodungen in seltsamen Ausmaßen unmittelbar neben dem Epizentrum.


Offensichtlich gibt es hier viele unterirdische Militäranlagen. Das Bild zeigt Flächen in ziemlicher Nähe zum Epizentrum.


Wenn das Epizentrum des Erdbebens zugleich die Position ist, an der die nordkoreanische Testbombe gezündet wurde, dann fand das Ereignis an dieser Stelle statt: In der linken unteren Ecke der quadratischen, grünen Fläche. Das Bild entstand vor der Zündung. Nach Angabe von Google Earth wurde es 2006 von DigitalGlobe fotografiert und herausgegeben.

Nach dem vom Atomtest ausgelösten Erdbeben gab es am selben Tag entlang der Kante der Westpazifischen Platte mehrere stärkere Beben. Zuerst eines gegen 10:01:46 (UTC) im Bereich der Philippinischen Inseln in einer Tiefe von 10 Kilometern und mit einer Stärke von 6,0. Danach gab es dort – und 11 Uhr (UTC) ein weiteres Beben mit einer Stärke von 5,0 in der gleichen Tiefe. Ebenfalls um 11 Uhr bebte es in einer Tiefe von 60,8 Kilometer in der New Ireland Region, PAPUA NEW GUINEA in der Stärke 5,3 und kurz darauf um 11:08 (UTC) noch einmal im Bereich der Philippinischen Inseln in einer Tiefe von 10 Kilometern. Offenbar hatte der Atomtest mit seiner relativ schwachen Stärke von 4,2 diese stärkeren Beben verursacht. Die seismischen Wellen pflanzten sich aller Wahrscheinlichkeit nach wie ein Lauffeuer an der Kante der Westpazifischen Platte in Richtung Süden fort und erreichten um 13:57:24 die Salomon Inseln (Stärke 5,1, Tiefe 60,4) und um 15:13:30 die Molukkische See (Stärke 5,0, Tiefe 44,1 Kilometer). Es muss sich wirklich um einen sehr sonderbaren Zufall handeln, wenn der nordkoreanische Atomtest diese Erdbeben nicht verursacht hat.

ISIS
USGS
Nordkoreanischer Atomtest verursachte mutmaßlich eine Reihe von Erdbeben
Ein unterernährter Atomtest – Nordkorea hat in einem Bergwerk seinen ersten A-Versuch gezündet
Atomtest in Tiefe Null
Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet

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Atomtest in Tiefe Null

Harald Haack– Das ist auf dem Seismic Monitor:

09-OCT-2006 01:35:27 41.31 129.11 4.2 0.0 NORTH KOREA
Die hier angegebene Uhrzeit dürfte demnach 10:35:27 entsprechen, wie in dem Artikel „Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet“ angegeben.

Die hier angegebene Uhrzeit dürfte demnach 10:35:27 entsprechen, wie in dem Artikel angegeben. Die Stärke aber wird hier mit 4,2 Mag. angegeben. Sehr interessant aber dürfte die Tiefe sein: 0. Damit wurde die Bombe an der Erdoberfläche gezündet oder zumindest nahe der Erdoberfläche. Dass dabei keine Radioaktivität ausgetreten ist, ist folglich sehr unwahrscheinlich und ist wahrscheinlich eine Lüge Nordkoreas. Für den Bereich des Atomtest-Areals in Nord-Korea wurden aber Regenschauer vorhergesagt.

Der Ort des Geschehens: Lat: 41,31 und Lon: 129,11.

Der Seismic Monitor vom GFZ Potsdam war gestern und heute Nacht nicht zu erreichen. Da ist gegenwärtig auch noch nichts verzeichnet:

Geofon

Google Earth zeigt an der oben angegebenen Position eine Anomalie. Offensichtlich haben dort vor dem Atomtest, als das Bild von Google Earth entstand, in geringem Ausmaß Erdarbeiten stattgefunden.

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South Korea, U.S. beef up military preparedness

Jin Dae-woong – South Korean and U.S. militaries went onto a high state of alert today after North Korea conducted a nuclear test despite warnings from the international community.

The South Korean intelligence agency said today it detected 3.58-magnitude seismic tremor in Hwadae, North Hamgyeong Province at 10:35 am. North Korea confirmed the underground test around noon, saying it was successful.

Hwadae is one of the North’s missile launch sites located near Gilju which was considered one of the most likely places for the nuclear test.

The Defense Ministry and the Joint Chiefs of Staff today activated respective emergency taskforces to cope with the North’s provocations, military officials said.

The Joint Chiefs of Staff directed the military to enhance the level of military preparedness against the North at 11:30 am, they said. But the military still maintains a Watchcon 3 surveillance status and Defcon 4 defense readiness status as in usual defense situations.

The South Korean military is under close coordination with U.S. Forces Korea in analyzing detailed information to decide whether the communist regime actually carried out a nuclear test, the JCS said.

If the joint investigation determines the North’s nuclear test actually took place, the South Korean military could take additional measures to raise its readiness status, the JCS added.

When military tensions rise the status us usually increased. In case of war, they will be raised to Watchcon 1 and Defcon 1.

South Korea first raised the conditions in June 1999 since the end of the 1950-53 Korean War, when a naval skirmish between the South and North Korea took place. South Korean forces were put on a Watchcon 2 surveillance status and Defcon 3 defense posture.

The Japanese government also activated a taskforce in response to reports of the North Korean nuclear test.

Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet

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Nordkorea hat erfolgreich Atombombe getestet

SDA/AP – Nordkorea hat am Montag zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Atomwaffe getestet. Der unterirdische Test sei sicher und erfolgreich verlaufen, meldete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Es sei keine Radioaktivität ausgetreten. «Der Atomtest wurde mit 100 Prozent unserer Weisheit und Technologie ausgeführt», hiess es in der Erklärung der KCNA. Es handle sich um ein «historisches Ereignis», das die Fähigkeit des Landes zur Selbstverteidigung stärken und zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel beitragen werde.

Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums wurde die Atomwaffe in der nordöstlichen Provinz Hamgyong um 10.36 Uhr (Ortszeit; 03.36 Uhr MESZ) gezündet.

Der südkoreanische Geheimdienst registrierte zum Zeitpunkt des Tests einen Erdstoss der Stärke 3,58, wie die südkoreanische Agentur Yonhap unter Berufung auf einen Sprecher des Aussenministeriums in Seoul meldete. Laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums war auch ein Explosionsgeräusch zu vernehmen.

«Die Nachricht wurde sofort Präsident Roh Moo Hyun übermittelt», sagte ein Sprecher des Staatschefs. Die betroffenen Staaten seien informiert worden. Roh berief eine Krisensitzung ein.

Die japanische Regierung setzte eine Krisengruppe ein, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Japans neuer Regierungschef Shinzo Abe traf am Morgen in Seoul ein. Thema seines Treffens mit dem südkoreanischen Präsidenten Roh sollten auch die nordkoreanische Atomaktivitäten sein.

Atomtest entsprach einer Sprengkraft von 550 Tonnen TNT

Der nordkoreanische Atomtest hatte nach Angaben aus Südkorea eine Sprengkraft von 550 Tonnen TNT. Das erklärte ein Sprecher des staatlichen Koreanischen Instituts für Geowissenschaften, Park Chang Soo, am Montag.

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Die Konkurrenz der Kanäle – Nikaragua will eine historische Wasserstrasse bauen

Malte Olschewski – Schon die Konquistadoren hatten um 1539 den spanischen Hof zur Errichtung eines Kanals durch Nikaragua aufgefordert. 467 Jahre später will der Staat Nikaragua dieses Projekt in Angriff nehmen. Präsident Enrique Bolanos erklärte Anfang Oktober bei einer Konferenz in Managua, dass sein Land mit internationaler Hilfe den Kanal bei Kosten von 14 Milliarden Euro in zwölf Jahren vollenden werde. Der Panama-Kanal würde internationalen Ansprüchen nicht mehr genügen. Der geplante Kanal aber würde die Passage von Frachtern bis zu 250 000 Tonnen zulassen. Nikaragua öffnet damit auch ein blutiges Kapitel in der Vergangenheit Mittelamerikas.

1539 hatte der spanische König Philipp die Kanalpläne mit dem Argument abgelehnt, dass die Meeresenge eine Schöpfung Gottes sei, die von Menschen nicht verbessert werden dürfte. Als die spanische Herrschaft zerbrach, bildete sich 1823 aus den Provinzen des ehemaligen Generalkapitanats Guatemala die Zentralamerikanische Föderation, die bereits 1838 wieder zerfallen ist. Der Kongress dieser Föderation hat damals den Bau eines Kanals beschlossen. Es wurden amerikanische, niederländische und französische Firmen beauftragt, die alle an den politischen Verhältnissen nach Zerfall der Föderation scheiterten. Der amerikanische Milliardär Cornelius Vanderbilt sicherte sich die Rechte zu einem Eisenbahnbau von San Juan an der Ostküste quer durch Nikaragua bis zum Pazifik.

Die Regierung in Washington wollte den langen Schiffsweg um Kap Horn mit Eisenbahnen und Kanälen durch Mittelamerika verkürzen. Panama war damals ein Teil Kolumbiens und daher schwer auszuhebeln. Vanderbilt suchte über einen Vertrauten in Nikaragua mitregieren. Als dieser ermordet wurde, erschien die US-Flotte und legte die karibische Küstenstadt Greytown in Schutt und Asche. In Nikaragua ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Vanderbilt entsendet den Abenteurer William Walker mit sechzig Söldnern. Der Truppe gelingt der Sturz der liberalen Regierung, worauf Walker zum Präsidenten des Landes gewählt wird. Der Bankier John Morgan, ein Konkurrent Vanderbilts, kauft sich Walker. Man hat grosse Pläne: Amerikanische „Neger-sklaven“ sollen in Nikaragua angesiedelt werden. Vanderbilt finanziert einen Aufstand, in dem Walker gestürzt wird.

Für einen Kanalbau ist das Land ein zu grosses Risiko geworden. 1856 landen daher US-Marinetruppen in Panama, da die Regierung Kolumbiens mit inneren Wirren beschäftigt ist. Noch dreimal landen US-Truppen, bis die Regierung in Bogota den USA die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von Küste zu Küste erteilt. Da die Eisenbahn gesichert werde muss, stehen bald US-Truppen auf Dauer im Land. Der Clayton- Bulwer Vertrag von 1850, der den USA nur zusammen mit England den Kanalbau in Mittelamerika erlaubt, wird annulliert. Der Hay-Pauncefote-Vertrag von 1901 sichert den USA das alleinige Recht zum Bau. US-Präsident Theodore Roosevelt entsendet 1903 eine Delegation nach Bogota. Die USA wollen für den Bau eines Kanals zehn Millionen Dollar plus 250 000 Dollar Jahreszins zahlen. Das Parlament lehnt ab. Die USA inszenieren hierauf einen bezahlten Aufstand der Feuerwehrbrigaden, die am 3.11.1903 Panamas Unabhängigkeit ausrufen. Kolumbien entsendet schwache Kräfte, die von US-Kriegsschiffen abgewiesen werden. Washington schliesst mit den „Kanalratten“ einen umfangreichen Vertrag. Die USA dürfen in einer 16 Kilometer breiten Zone Truppen stationieren und Militärbasen errichten. Sie haben ein Interventionsrecht, da Panama keine eigene Armee unterhalten darf. 1904 beginnen die Arbeiten am Kanal, der am 3.8.1914 feierlich eröffnet wird. Roosevelt schiebt mit Beginn der Bauarbeiten sein berühmtes „Corollary“ nach. Das Dokument ist eine Verschärfung der Monroe-Doktrin und proklamiert die USA zur dominanten Macht in beiden Teilen Amerikas. In Kurzfassung: Brav sein, dann kommen wir nicht! Als Panamas Machthaber Omar Torrijos den Kanal verstaatlichen will, stirbt er 1981 bei einem mysteriösen Hubschrauberabsturz. Da sein Nachfolger Manuel Noriega an den Kanalplänen festhält, kommt es am 20.12.1989 zu einer amerikanischen Invasion. Noriega wird gejagt und verhaftet. Er wird später wegen zweifelhafter Drogendelikte in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Panama-Kanal kann den gewachsenen Anforderungen des Frachtschiffverkehrs nicht mehr genügen. Daher kommt die Variante eines Kanals durch Nikaragua wieder ins Spiel. Hierbei müsste zunächst der San Juan-Fluss von der Ostküste über rund hundert Kilometer ausgebaut werden. Dann ginge die Strecke weiter über den Nikaragua-See, um dann über einen 40 Kilometer langen Kanal mit 34 Meter Höhenunterschied bei San Juan de Sur im Pafizik zu enden. Umweltschützer haben bereits Proteste angemeldet. Ebenso verlangt der Nachbarstaat Costa Rica eine Mitsprache, da der San Juan-Fluss die gemeinsame Grenze bildet.

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US-Piloten nach Flugzeugkollision in Brasilien festgenommen

AFP – Fünf Tage nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs mit 155 Toten haben die brasilianischen Behörden die zwei Piloten des mit der Boeing 737 kollidierten Business-Jets festgenommen. Ein Richter im Bundesstaat Mato Grasso ordnete die Beschlagnahe der Pässe der Piloten an. Beide wurden von der Polizei in Rio de Janeiro vernommen. Die Ermittler wollen herausfinden, warum das Anti-Kollisions-Warnsystem des Jets versagte und warum das Funkgerät des Geschäftsfliegers kurz nach dem Notruf der Piloten versagte.

Unklar ist auch, warum das Flugzeug auf derselben Höhe wie die Boeing flog. Sollte den Piloten fehlerhaftes Verhalten nachgewiesen werden, droht ihnen nach Polizeiangaben eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Die Boeing war am Freitag nach dem Zusammenprall mit dem kleineren Jet im Amazonasgebiet von Mato Grasso in den Urwald gestürzt. Alle Insassen der Boeing kamen ums Leben; die sieben Insassen des Geschäftsflugzeugs überlebten.

Weitere Aufschlüsse über den Unglückshergang erhoffen sich die Ermittler aus der Analyse der Flugschreiber beider Maschinen. Nach Angaben der Nationalen Agentur für die zivile Luftfahrt (ANAC) suchen die Bergungstrupps im Wrack der Boeing jedoch noch nach dem Speicher für die Sprachaufzeichnungen, einem wichtigen Teil des Flugschreibers.

Neues zum Flugzeugabsturz in Brasilien
Mysterium um den Flugzeugabsturz in Brasilien – Mehr offene Fragen als Passagiere in einer Boeing

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Neues zum Flugzeugabsturz in Brasilien

Karl Weiss – Im Laufe des Montags und Dienstags gingen ein Reihe weiterer Meldungen zum Flugzeugabsturz im Amazonasgebiet ein, dem Flugzeug-Desaster mit der höchsten Zahl von Toten in der brasilianischen Luftfahrt (155), die wenigstens einige der offenen Fragen beantworten. Allerdings kamen auch neue Fragen auf.

Die erste Nachricht war, daß ein Staatsanwalt in Mato Grosso die Beschlagnahme der Pässe der beiden Piloten des Exekutiv-Jets „Legacy“ beantragt hat, dessen Zusammenstoß mit der Boeing 737-800 die Tragödie auslöste, was der Richter auch gewährte. Es soll verhindert werden, daß beide in die USA zurückkehren, solange die Untersuchungen noch andauern. Der Pilot, so wird jetzt angegeben, heiße Joseph Lepore und sei Italiener.

Allerdings ist das in Brasilien so ein Problem. Entscheidungen von Richtern gelten nur innerhalb deren Gemarkung. Die Entscheidung muß von einem anderen Richter am Aufenthaltsort der betroffenen Person bestätigt werden. Auch dann kann man nicht einfach an die Flughäfen Meldung geben, daß die beiden nicht ausreisen dürfen, sondern es muß ein Polizist persönlich den beiden die Entscheidung übergeben und die Pässe einziehen. Soweit ersichtlich, ist das bisher nicht geschehen.

Als nächstes wurde erneut die Meldung gebracht, daß die brasilianische Luftwaffe, zuständig für die Überwachung der „Legacy“, bestätigt habe, der Exekutiv-Jet sei ausserhalb seiner Route geflogen und weit höher als vorgeschrieben.

Dann kommt eine Berichtigung dieser Meldung. Die „Legacy“ sei zu hoch geflogen, aber auf ihrer Route gewesen. Das ist jetzt die neue offizielle Aussage der Luftwaffe, zuständig für die Luftüberwachung von Exekutiv-Jets.

Dann bekommt der Berichterstatter einen Mann ans Telefon, der schon was vom Fliegen gehört hat. Der klärt auf: Die Annahme, daß Jets die kürzeste Verbindung von Ausgangs- und Zielpunkt fliegen, ist falsch. Die Luftüberwachung führt Jets vielmehr in Luftkorridoren von nur einigen hundert Metern Breite. Der erste Luftkorridor, den die Legacy aus São Jose dos Campos geflogen ist, sei wohl der von São Paulo nach Brasilia gewesen. Die Leitstelle in Brasilia habe sie dann wahrscheinlich in den Luftkorridor von Brasilia nach Manaus weitergeleitet und genau dort sei das Unglück geschehen.

Das heißt also, die beiden Flugzeuge waren im gleichen Luftkorridor genau in Gegenrichtung unterwegs, denn die Boeing 737-800 kam ja aus Manaus und sollte in Brasilia zwischenlanden auf dem Weg nach Rio de Janeiro. Normal sollte das auch kein Problem sein, denn selbstverständlich werden dem Nord- und Südverkehr verschiedenen Höhen zugeteilt, normalerweise eine 1000 Meter über der anderen.

Das stimmt überein mit den Angaben: Der Passagier-Jet war auf 37.000 Fuß unterwegs, das sind nach Angaben des Flug-Kundigen 12 000 Meter, während der Exekutiv-Jet hätte auf 34.000 Fuß fliegen sollen, das sind 11 000 Meter, wenn der Flug-Kundige recht hat. Offenbar waren aber beide auf 37.000 Fuß unterwegs, also 12 Km Höhe.

Es gibt aber zwei weitere Schutzmechanismen, sagt er, weil Zusammenstösse in der Luft so gefährlich sind. Zum einen haben alle modernen Jets, auch die kleinen der Embraer, ein eigenes Radar. Dort kann man Flugzeuge erkennen, die in der gleichen Höhe auf einen zukommen. Was war mit den beiden Radar-Systemen? Abgeschaltet? Niemand gab acht? Zusätzlich gibt es eine Annäherungswarnung, unabhängig vom Radar, die auf den Signalen der Transponder beruht, die jeder Jet hat. Kommt ein anderer Transponder während des Fluges in die Nähe, ertönt ein lauter Warnton im Cockpit, der noch Zeit für eine Kurve läßt.

Was war mit den beiden Transpondern? Beide abgeschaltet? Abgeschaltete Transponder bedeuten normalerweise entführtes Flugzeug. Wir haben gehört, daß der Pilot der Legacy im Verdacht steht, seinen Transponder abgeschaltet zu haben,um nicht identifiziert zu werden. Aber warum? Und die Boeing? Auch abgeschaltet? War sie entführt worden?

Nun kam als nächste Nachricht die Aussage des Piloten der Legacy. Er hätte gesagt, er sei auf der vorgesehenen Höhe und auf dem vorgesehenen Kurs gewesen. Er habe eine Panne mit dem Funkgerät gehabt, also keinen Kontakt zur Bodenstation. Er habe den Transponder nicht abgeschaltet. Wenn dieser nicht funktioniert habe, sei das ein technischer Defekt gewesen. Vom Radar keinerlei Aussage von ihm.

Noch am Montagabend kommt auch eine andere Nachricht. Einer der Fluglotsen des Zivilsystems, anscheinend jener, der für die Boeing zuständig war, wurde vom Dienst suspendiert und ist in psychiatrischer Betreuung. Das klingt ganz nach einem Mann, der befürchtet 155 Tote auf dem Gewissen zu haben. War der Fehler also in der Bodenkontrolle des Zivilsystems?

Dann der Dienstag. Morgens ist im Eingangskasten des E-mails die neue Internet-Ausgabe der New York Times.

Und siehe da: Dort ist ein Artikel von Joe Sharkey, Reporter der New York Times, über seine Erfahrung: Er war in der Legacy, die mit der Boeing zusammenstieß. Er erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Kurz vor dem Zusammenstoß war er im Cockpit und unterhielt sich mit den beiden Piloten. Joe Lepore und Jan Paladino, beides US-Bürger, keine Rede von einem Italiener. Er sah auf den Höhenmesser. Man war auf 37.000 Fuß.

Kurz danach ein Schlag, ein Knall. Einer der Passagiere, Henry Yandle, der nur als Mit-Passagier identifiziert wird und in der Nähe des Cockpits steht, sagt, was er offenbar von dort gehört hat: „Etwas hat uns getroffen!“ Die Passagiere sehen aus dem Fenster (es ist noch vor 5 Uhr nachmittags, also noch hell) und sehen, daß am Ende des linken Flügels das Winglet fehlt – abgeschlagen von irgendetwas.

Die Piloten sind ohne Funkkontakt (wichtige Bestätigung!), fliegen langsamer und gehen tiefer auf der Suche nach einem Flugfeld oder einer Möglichkeit für eine Notlandung. Nach etwa einer halben Stunde, als es bereits zu dämmern beginnt (hier, in der Nähe des Äquators, wird es um sechs Uhr Abend sehr schnell dunkel), sieht der Pilot einen Fluhafen: Die brasilianische Air Base “Serra do Cachimbo“, wie man später erfährt.

Dort weiß an diesem Abend noch niemand, daß nur 100 km von hier soeben die Boeing abgestürzt ist. Sie dürfte sich noch in der Luft in ihre Bestandteile aufgelöst haben, denn so ein Flugzeug ist für jene Fallgeschwindigkeiten nicht gebaut: Wahrscheinlich an die 2000 km/h nach Meinung des Flug-Kundigen.

Der New York Times-Reporter ist nicht für seine Zeitung unterwegs. Die Bezahlung der größten Tageszeitung der Welt scheint nicht begeisternd zu sein, jedenfalls macht er auch nebenbei „Free-lance“ Arbeiten als Journalist. In diesem Moment recherchierte er für das Magazin „Business Jet Traveler“. Als solcher ist er natürlich mit der Embraer, einem der beiden großen Hersteller von Business Jets, in engem Kontakt. Dort, in São Jose dos Campos, im Staat São Paulo gelegen, hat der Vize-Präsident von Excel Aire, einem US-Charter-Jet-Unternehmen, David Rimmer, ihn eingeladen, auf dem Rückflug mit dem neu eingekauften Jet in die USA mitzukommen.

Ein anderer Passagier an Bord ist Ralph Michielli, ebenfalls einer der Vize-Präsidenten von Excel Aire. Auch ein Manager von Embraer ist mit von der Partie, Dan Bachmann. Er ist nach dem Artikel der einzige der sieben, der Portugiesisch spricht.

Erst am darauf folgenden Tag, Samstag, 30.September, hören die sieben aus der Legacy, daß sie mit der Boeing zusammengestoßen sein müssen. Sie gehören zu den ganz, ganz wenigen, die einen Zusammenstoß in der Luft je überlebt haben.

Sharkey berichtet im Artikel über die Theorie, die ein brasilianischer Techniker anhand der Schäden an der Legacy entwickelt. Der Pilot der Boeing dürfte im allerletzten Moment die Legacy auf sich zukommen gesehen haben und versuchte eine Aufwärts-Rechts-Kurve,um noch auszuweichen, dadurch war der rechte Flügel der tiefste Teil am Flugzeug, der mit der Legacy zusammenkrachte. Offenbar waren die Schäden am Flügel danach so stark, daß er zum Teil oder ganz abbrach. Ohne oder mit einem halben Flügel kann kein Flugzeug mehr fliegen.

Wenn die Theorie stimmt, hat der Pilot der Boeing den sieben das Leben gerettet, konnte aber nichts mehr für seine eigenen Passagiere und sich tun. Inzwischen hört man, daß die beiden US-Piloten nach Rio de Janeiro zu medizinischen Untersuchungen gebracht wurden. Haben Piloten ein Air-Desaster überlebt, ist eine ausführliche medizinische Untersuchung internationaler Standard. Nach Angaben einer Internet-Agentur sei die Untersuchung, die normalerweise über 12 Stunden geht, auf 5 Stunden verkürzt worden, weil es sich um ausländische Staatsbürger handelt. Kann das jemand verstehen?

Schließlich kommt am 3. Oktober auch noch eine andere Information: Die größte Tageszeitung Brasiliens, die „Folha de São Paulo“, schreibt folgendes: Die Ursache für den fehlenden Funkkontakt könnte ein so genanntes schwarzes Loch sein, das es in der Gegend der Absturzstelle geben soll. Dort, ab einer Marke, die als ‚Teres’ bekannt ist, 480 km nördlich von Brasilia, soll eine Art von Funk-Blackout vorkommen, der alle Radiowellen auslöscht. Vor dem Zusammenstoß sei die Legacy auf dem Bodenradar nur als Punkt ohne Identifikation erschienen. Näheres dazu gibt es bisher nicht.

Nun, sind wir jetzt schlauer? Nicht wirklich, nicht wahr?

Mysterium um den Flugzeugabsturz in Brasilien – Mehr offene Fragen als Passagiere in einer Boeing

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Zweiter Wahlgang in Brasilien: Verliert Lula noch die Wahlen?

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Nun wird es doch noch spannend bei den Präsidentenwahlen in Brasilien. Noch vor zwei Wochen nach den Umfragen scheinbar uneinholbar mit 25 % der Stimm-Intentionen in Führung, sah Präsident Lula seinen Vorsprung am Wahltag auf etwa 7 % zusammenschnurzeln. Der Kandidat der (noch rechteren) Rechten, Alckmin, wird am 29. Oktober mit Lula einen zweiten Wahlgang absolvieren und dessen Ausgang ist ungewiß.

Hatten die Korruptionsskandale „Mensalão“ und „Sangesuggas“ der PT Lulas bereits heftig zugesetzt, so wurde nun auch der Präsident selbst vom Unmut der Brasilianer getroffen. Der Skandal des „Dossiers“, der Anfang September losbrach, besteht im wesentlichen aus dem unlauteren Versuch, den politischen Gegner (in diesem Fall den Gouverneurs-Kandidaten und inzwischen bereits gewähltem Gouverneur von São Paulo, Serra) mit scheinbaren Enthüllungen zu treffen.

Er hat eine Ähnlichkeit mit jenem Skandal, der die Bundesrepublk mit der Affäre um den damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Barschel erschütterte.

Bei den früheren Skandalen hatte wohl die ständig wiederholte Angabe noch gewirkt, Lula habe nichts gewußt, aber diesmal sahen wohl viele Wähler, daß de typischen brasilianischen Politikermethoden nun auch fester Bestandteil der PT-Politik sind und das wäre ohne eine Zustimmung Lulas nicht möglich.

Auch kam nicht gut an, wie Lula seine Kampagne zu Ende führte. Er ging nicht zu der lange angekündigten Fernsehdiskussion der fünf wichtigsten Kandidaten in der letzten Wahlkampfwoche, was ihm ein Teil seiner Anhänger wohl als Feigheit, gemischt mit Arroganz, auslegten.

So wurde die Auseinandersetzung am Ende doch noch eine hauptsächlich zwischen den beiden ‚großen’ Kandidaten, Alckmin, der annähernd zwei Drittel der Abgeordneten im Bundesparlament repräsentiert und dem amtierenden Präsidenten Lula. Das drückte die kleineren Kandidaturen an die Wand.

Lula erreichte statt der 50 % plus eine der abgegebenen gültigen Stimmen, die ihm die Wiederwahl im ersten Wahlgang garantiert hätten, nur 48,61 %. Alckmin kam auf 41,64 %, während er bei den Umfragen zwei Wochen vor der Wahl noch bei um die 28 % der Stimmen gelegen hatte. Die linke Kandidatin Heloísa Helena konnte die 10 % der Stimmen, die sie bei einigen Umfragen erreicht hatte, nicht durchhalten, kam aber auf beachtliche 6,85 %. Ein anderer sozialdemokratischer Kandidat, der Repräsentant der PDT, die mit der SPD in der „sozialistischen“ Internationalen ist, Buarque, war bei den meisten Umfragen nur bei 1% gelegen, konnte im Endspurt aber mit einem rein sachbezogenen Wahlkampf auf 2,64 % kommen. Vier weitere Kandidaten erreichten zusammen etwa ein Viertel Prozent.

Immerhin interessant, daß dem vereinten Kandidaten der sogenannten bürgerlichen Lagers Alckmin drei verschiedene sozialdemokratische Kandidaten gegenüberstanden, von denen Lula der am weitesten Rechte war. Das heisst aber keineswegs, dass die Stimmen für Heloísa Helena und jene für Buarque nun auf Lula übergehen und er damit fast automatisch den zweiten Wahlgang gewinnt. Wer für Heloísa oder Buarque gestimmt hat, hat dies vor allem gegen Lula getan.

Es ist wohl möglich, daß Lula noch weiter an Unterstützung verliert und im zweiten Wahlgang geschlagen wird. Der Abstand von 7 % der Stimmen ist so labil wie es das Wetter ist.

Was wäre von einer Regierung Alckmin viel anderes zu erwarten als von einer Lulas? Bestenfalls Nuancen. Die Wirtschaftspolitik wird identisch bleiben und sie ist die Grundlage von allem anderen. Bezahlung der Zinslast an den Imperialismus ist höchste Priorität.

In den Außenbeziehungen könnte Alckmin ein paar Details ändern, z.B. sich nicht mehr mit den Präsidenten Cubas, Venezuelas und Boliviens zu treffen, sondern lieber mit denen Mexicos, Kolumbiens und Chiles, aber das macht nicht viel Unterschied.