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Können die USA bankrott gehen?

Karl Weiss – „Die USA könnten bankrott gehen“: Diese klare Aussage, wenn auch im Konjunktiv, hat laut einer Meldung des britischen „Telegraph“, der keinerlei Panikmache verdächtig ist, ein Professor Kotlikoff von der „Federal Reserve Bank of St. Louis“ gemacht, eine der führenden Institutionen der „US Federal Reserve“, der US-Zentralbank.

Der Professor bezieht sich dabei auf eine Reihe von Fakten:

1. Das Außenhandelsbilanz-Defizit der USA ist bei weitem das höchste der Welt und auch in absoluter Höhe besorgniserregend und – vor allem – immer noch weiter wachsend. Die USA importieren weit mehr als sie exportieren und das in ständig weiter steigendem Maße.

2. Das Budget-Defizit (mehr Staatsausgaben als Staatseinnahmen) hat ebenfalls besorgniserregende Höhen erreicht. Es ist ebenfalls das höchste der Welt. Dem steht natürlich auch die bei weitem stärkste Wirtschaftskraft der Welt gegenüber (in etwa so stark wie die gesamte EU), was den
internationalen Vergleich relativiert, aber die Defizite summieren sich nun bereits viele Jahre.

3. Die Staatsverschuldung der USA hat einen Punkt erreicht, an dem selbst für eine solche extrem prospere Volkswirtschaft die Grenzen erreicht sind, speziell unter Berücksichtigung von Punkt 4.

4. In naher Zukunft wird die Generation der US-Amerikaner mit der höchsten Geburtenrate (die Zeit nach dem 2.Weltkrieg) beginnen in Rente zu gehen (Baby-Boomers), was die staatlichen Rentenausgaben in ungeahnte Höhen steigen lassen wird. Dazu kommt, daß die Medicare und Medicaid-Ausgaben in ähnlichem Maße steigern werden (Medicare ist die Hilfe für ältere Bürger in Krankheit, Medicaid die für Bedürftige).

5. In der Amtszeit von Präsident Bush wurden massive Steuerkürzungen durchgeführt, speziell für Reiche und für große Unternehmen. Dadurch sind die Steuereinnahmen deutlich zurückgegangen und die Defizite haben sich vergrößert.

Dies alles zusammen wird nach Angaben des Professors auf eine Insgesamt-Zahlungslücke von unglaublichen 65,9 Trillion (Billionen) hinauslaufen. Das ist, ausgeschrieben, folgende Zahl: 65.900.000.000.000, also eine 65,9 mit elf Nullen. Der geneigte Leser braucht es erst gar nicht zu versuchen, niemand kann sich diese Zahl vorstellen.

Das ist mehr als fünf Mal das US-„Gross Domestic Product“ (in etwa: Brutto-Sozialprodukt). Dieses Riesenloch könnte schwerste Auswirkungen auf den Dollar haben. Der Dollar ist im Moment die Welt-Reservewährung. Das bedeutet, die US-Federal Reserve kann soviel Staats-Dollar-Anleihen herausgeben, wie sie will, sie werden immer gekauft werden.

Das hat seine guten Gründe. Seit am Ende des Zweiten Weltkriegs das Bretton-Woods-System eingeführt wurde, hat die USA immer alle ihre Schulden und Zinsen bedient und man kann sich sicher sein, daß man genau das herausbekommen wird, was draufsteht. Ebenso hat es seit dieser Zeit in den USA keine galoppierende Inflation gegeben, die den Wert des Dollars vernichtet hätte. Der Dollar ist schlicht und einfach das zuverläßigste, was ein Finanzanleger oder eine Zentralbank sich wünschen kann.

Würde aber nun entweder eine hohe Inflation in den USA entstehen und/oder der Dollar aus Furcht vor einem Dollar-Crash gewaltig im Wert fallen, dann würde eine Flucht aus dem Dollar einsetzen, die heute mit elektronischen Methoden innerhalb von Minuten einen Wertverlust von 50% ergeben kann – wenn auch in solchen Fällen der Handel unterbrochen wird. Beginnt er aber erneut, wird eben doch dahin gegangen, wo es hingehen muß.

Dollarkurs im Keller
In der Praxis ist es das, was der Professor mit dem „Bankrott-Gehen“ der USA meint. Der Dollarkurs im Keller, der Dollar als Reservewährung praktisch nicht mehr vorhanden, die Zuverlässigkeit des Dollar unterminiert, die Wirtschaftskraft der USA angeschlagen. Plötzlich würden die gewaltigen Importe der USA etwas in der Richtung vom Doppelten kosten, was praktisch nicht zu zahlen wäre. Damit würde der ganze Wohlstand in den USA auf ein deutlich niedrigeres Niveau geworfen, viele Fabriken geschlossen, viele Arbeiter auf die Strasse gesetzt.

Die Armen wären natürlich, wie immer im Kapitalismus, die am Schlimmsten Betroffenen. Gewaltige Hungersnöte würden das Land erschüttern, eventuell auch soziale und oder rassische Unruhen.

Dazu käme die akute Gefahr einer galoppierenden Inflation, denn die Importpreise sind ja plötzlich fast doppelt so hoch. Deshalb kann dem auch nicht mit Gelddrucken oder Anleihen-Ausgeben entgegengetreten werden, denn das hätte genau diesen Effekt, die Inflation anzuheizen.

Am Boden des Lochs angekommen
Der einzige Ausweg in einer solchen Situation ist zuzusehen, bis man am Boden des Lochs angekommen ist und dann mit der Hände Arbeit langsam wieder zu versuchen herauszukommen.

Etwas Vergleichbares ist zum Beispiel mit Argentinien am 22. Dezember 2001 und in den darauffolgenden Wochen geschehen.

Das alles bedeutet nicht das Ende des Lebens in jenem Land, aber bezogen auf die USA wäre es das Ende des Supermacht-Status.

Aber gemach, erstens ist es noch nicht so weit und zweitens muß es auch gar nicht dazu kommen. Die USA können dies noch mit energischen Maßnahmen vermeiden, die jenen oben genannten Gefahren entgegenwirken. Allerdings ist im Moment keinerlei Ansatz zu einer solchen Politik bei der US-Regierung zu erkennen.

Die Franzosen geben jährlich mit 284 Euro pro Person am meisten für Medikamente aus, dicht gefolgt von Deutschland mit 244 Euro und Großbritannien. Die Italiener und Spanier zahlen durchschnittlich 200 Euro für Arzneimittel pro Jahr. Die Franzosen nehmen außerdem die meisten Medikamente ein. Zu diesem Ergebnis gelangten Forscher einer Studie über die Struktur und Entwicklung der fünf wichtigsten pharmazeutischen Märkte der EU, die jetzt vom französischen Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse basieren auf einer im Jahr 2004 durchgeführten Studie.

Insgesamt gaben die Spanier acht Mrd. Euro pro Jahr für Medikamente aus, Italien und Großbritannien zwölf Mrd. Euro, Frankreich 17 Mrd. Euro und Deutschland 20 Mrd. Euro. „Knapp ein Viertel der verordneten Medikamente in Deutschland, rund 21 bis 25 Prozent, sind Herz-Kreislaufmedikamente“, so Katrin Schüssel vom deutschen Arzneiprüfungsinstitut, im Gespräch mit pressetext.

Der Umsatz aus dem Verkauf pharmazeutischer Produkte ist aufgrund von Preiserhöhungen in allen Ländern gestiegen und betrug 2004 inklusive Steuern rund 70 Mrd. Euro. In Deutschland und Frankreich stiegen die Preise im Zeitraum zwischen 2003 und 2004 um rund zehn Prozent. Die Medikamente sind in Großbritannien am günstigsten und in Italien am teuersten.

Um die Kosten zu senken, wird in einigen EU-Staaten die Verschreibung von Generika durch eine umfassende Gesundheitsreformen gefördert. In Frankreich gibt es beispielsweise ein Abkommen von Ärzten, das sie verpflichtet bevorzugt kostengünstige Medikamente zu verschreiben. Mit 22,7 Prozent sind die Ausgaben für generische Medikamente in Deutschland am höchsten. „Der Arzt kann in Deutschland verordnen was für den Patienten am besten ist, er ist gesetzlich nicht dazu verpflichtet Generika zu verschreiben. Teilweise gibt es aber auf einigen Landesebenen bestimmte Regelungen, Generika zu verschreiben, wo welche vorhanden sind“, erklärt Schüssel abschließend.

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Eiger-Fürzchen und Heli-Knattern

Harald Haack – War es jemals ruhig in Grindelwald? Der bröckelnde Eiger ist wieder einmal zur Touristenattraktion geworden und nun knattern auch noch Helikopter über Grindelwald. Touristen fühlen sich wie in einem Katastrophenfilm. Fernsehteams reisen an und bauen ihre Übertragungswagen mit Sat-Antenne auf. Nachdem „Bürgermeister“ Studer den Medien gegenüber das Naturschauspiel am Eiger als „Fürzchen“ umschrieb, scheint es nur noch ein Thema im Dorf zu geben: Der Berg „furzt“.


Klare Luft an der Eiger Nordwand trotz „Fürzchen“. Foto: Harald Haack

Studer, der in neuesten Meldungen als „Grindelwaldner Gemeindepräsident“ genannt wird, sagte gegenüber der „BaslerZeitung“, die Gäste seien durch den Rummel um die Felsstürze verunsichert. Die Grindelwalder und „vor allem die seit Tagen eingespannten Sicherheitsleute haben langsam genug davon“.

Doch wer Geld verdienen will und vom Tourismus lebt, wie die Grindelwalder, muss sich damit abfinden, dass es in diesen Tagen hektisch zugeht. Gegen eine Vermarktung der Eiger-„Fürzchen“ scheint Herr Studer offenbar nichts zu haben. Oder hat er sich das anders vorgestellt?

Da fehlt nur noch die Achterbahn!
Inzwischen gibt es für 20 Franken das „Bergsturzbillett“. Drin enthalten sind, wie der Pfingstegg-Geschäftsführer Christian Zenger der „Tagesschau“ des Schweizer Fernsehens bestätigte, eine Retourfahrt mit der Pfingstegg-Gondel, eine Fahrt auf der Sommerrodelbahn sowie ein „Bergsturzwasser“ im Berghaus Bäregg enthalten.

Wer aber mit dem eigenen Auto nach Grindelwald fährt, wird wohl oder übel mangels Parkplatz wieder umkehren müssen. Sämtliche Parkplätze sollen am frühen Samstag schon rappeldicht voll gewesen sein, wie mir ein Souvenirladen-Inhaber in Grindelwald, der namentlich nicht im Internet genannt werden möchte, telefonisch mitteilte. Die Kantonspolizei habe gewiss einiges zu tun, um es nicht zu einem totalen Verkehrschaos kommen zu lassen. Und während er dies sagt, knattert über seinen Laden ein Helikopter hinweg. „Das geht hier die ganze Zeit ab“, schreit er ins Telefon. „Ich glaub’, die machen das, um den Eiger durchzuklopfen. Warum? – Ja, damit der lose Fels abgeht. Was denken Sie denn?“

Die Kantonspolizei erklärte, Sicherheitsexperten inspizierten vom Helikopter aus die gefährdeten Stellen am Eiger. Das sei notwendig. Die Flüge von Presseagenturen und Fernsehen müssten dagegen nicht sein.


Der Obere Grindelwaldgletscher. Rechts im Bild als Silhouette: Die Ostflanke des Eiger. Foto: Harald Haack


Perspektivischer Blick in Google Earth auf Grindelwald (oben links) und den Grindelwaldgletscher (unten).

Jeder in Grindelwald hat in diesen Tagen etwas zu sagen. Einige sagen, sie wollen nichts mehr sagen. Andere nutzen die Gelegenheit, um wieder einmal etwas zu sagen. So auch das WWF. Es warnt davor, die Attraktion in den Alpen könne bald zu einer ständigen Gefahr werden. Herr Studer hält dies allerdings für Panikmache. Aber der WWF beharrt: „Felsstürze werden sich häufen, wenn wir es nicht schaffen, die globale Klimaerwärmung einzudämmen“, heißt es im Communique. Löse sich der Permafrost auf, verlören die Felsmassen an Stabilität. Das weiß aber auch Herr Studer: „Wir werden weiterhin in die Sicherheit investieren müssen – im Wissen, dass es in den Bergen keine hundertprozentige Sicherheit gibt“, sagte er. Besonders Menschen in Grindelwald muss man das nicht mehr sagen.

Jener, der Souvenirs an Touristen verkauft, erinnert sich an den Felssturz Ende Mai 2006 auf der Gotthardautobahn bei Gurtnellen. „Hier am Eiger wird’s weiter rappeln. Aber es wird auch anderswo was geben. Das bleiben keine Einzelaktionen. Und das kommt auch nicht nur vom Klima allein. Wegen Afrika sind unsre Schweizer Berge auf Spannung. Afrikaner wollen nach Europa herein und der Kontinent will’s eh schon viel länger. Wäre es anders, gäb’s unsre schönen Berge nicht.“

Was nur ist an den Bergen der Alpen, die keineswegs „fertig“ sind, wie beispielsweise die abgerundeten Berge in Norwegen, bloß so schön für uns Menschen? Sind es die bizarren Zinnen? Ist es das poröse Felsgestein? Oder machen wir uns wegen der Schönheit dieser Zerfallserscheinungen, was die Berge der Alpen nun einmal sind, nur etwas vor, weil selbst das Grauen im romantischen Abendlicht oder bei Sonnenaufgang in einer gewissen Weise noch schön aussieht? Oder ist es das Grauen der Natur selbst, das uns fasziniert und zu dem wir uns hingezogen fühlen?

Bergstürze, wie jener bei Gurtnellen oder wie jetzt am Eiger werden keine Seltenheit bleiben. Dass die Berge in den Alpen nicht statisch sind, sondern „leben“, wussten schon die alten Helvetier.

Madonna vom Berg gefallen
Wenn der Berg kracht – Dramatischer Rummel am Eiger

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Arnies Höllenfeuer

Harald Haack – Viel zu spät rief Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger für die von Buschfeuern und Waldbränden betroffenen Regionen den Notstand aus. Das Feuer ist inzwischen außer Kontrolle geraten. Die verschiedenen Brände haben sich zu einem riesigen Flammenmeer vereint. Fast 3.000 Feuerwehrleute stehen dem Feuer nahezu hilflos gegenüber.


Als Terminator scheute Schwarzenegger kein Feuer. Hat er als Gouverneur versagt?

Als hätte eine höhere Macht es so gewollt: Die Feuer, die bereits rund 28.000 Hektar Land verbrannten, wurden durch Blitzschläge verursacht – glaubt man der offiziellen Mitteilung von Arnies Forstamt. Demnach fraß es sich durch trockenes Buschland nordöstlich der San-Bernadino-Berge. In etwa dort, wo er gerne mit dem Motorrad fährt und – es ist noch nicht so lange her – die Balance verlor und mit seinem Bike Funken sprühend über den Asphalt schleuderte.

56 Häuser und rund 160 kleine Bauten hat das Feuer schon zerstört. Deshalb ließ Schwarzenegger jetzt Hunderte von Menschen evakuieren. Durch die Ausrufung des Notstandes, können die Bundesbehörden den Bezirk San Bernardino nun finanziell unterstützen.

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Genießen Sie ihr Leben im P-Express!

Michael Schulze von Glaßer – Im Herbst wird der Bundestag über die Zukunft der deutschen Bahn entscheiden. Die Frage, über die Politiker im Bundestag im Moment diskutieren, ist jedoch nicht die, ob die Bahn privatisiert werden soll, sondern wie der Ausverkauf der Bahn stattfinden soll. Der Privatisierungs-Express (P-Express) wartet auf sein Startsignal.

Der einmalige Verkaufspreis der Bahn soll bei etwa 10 Milliarden Euro liegen. Ein Witz, da der Wert der Bahn auf etwa 100 Milliarden Euro geschätzt wird. Zudem soll die privatisierte Bahn immer noch mit jährlich 12 Milliarden Euro subventioniert werden. Ein Traum für Investoren, der schon im Herbst realisiert werden könnte. Im Klartext hieße das, die Steuerzahler müssten den Gewinn der Investoren bezahlen und ernteten dafür Nachteile. Nur profitable Bahnstrecken könnten von Investoren weiterhin unterhalten werden, auf unprofitable Bahnstrecken in wenig frequentierten Randbereichen der Republik müssten sie verzichten.


Im Web kursierende Satire. Autor unbekannt.

Verantwortlich für den Ausverkauf der Bahn ist Hartmut Mehdorn. Seit Beginn seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Bahn AG trieb er die Fahrpreise in die Höhe. 5300 Kilometer des Schienennetzes ließ er zwischen 1994 und 2005 stilllegen, 550 Bahnhöfe sowie Tausende Schalter schließen. 110.000 Arbeitsplätze wurden damit vernichtet.

Mehdorn macht keinen Hehl aus seiner Absicht die Bahn zu privatisieren. Eine erste Zerschlagung des Unternehmens gab es jedoch schon 1998. Unter dem Dach der Holding DB AG wurden fünf Aktiengesellschaften gebildet: Netz AG (Trassen), AG Station & Services (Bahnhöfe), Reise & Touristik (Fernverkehr), DB Regio (Nahverkehr) und DB Cargo (Güterverkehr; später in Railion benannt). 100 Prozent der Aktien sind gegenwärtig noch in staatlichem Besitzt. Mit der Aufspaltung machten sich die Teile, die einst zur Bundesbahn gehörten, untereinander Konkurrenz und die Betriebskosten in den einzelnen Bereichen schossen in die Höhe.

„Genießen Sie das Leben in vollen Zügen!“
Als einmal am Heiligabend ein Zug wegen Frostschäden auf einer Strecke stehen blieb, wurde dieser Slogan für die Menschen in jenem Zug zur bitteren Realität. Angeblich fährt der Zug immer, doch wann er tatsächlich ankommt, das erfährt der Bahnkunde durchweg zu spät. Wie es um die Zuverlässigkeit der Bahn bestellt ist, weiß inzwischen wohl jeder.

Beispiele aus anderen Ländern, in denen die Bahn schon privatisiert wurde, lassen nichts Gutes für eine deutsche Börsenbahn ahnen:

– Nachdem 1989 die Bahnstrecken in Argentinien, dem angeblichen Musterstaat des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, privatisiert wurden, gibt es heute nur noch wenige Bahnstrecken in dem riesigen Land. Über 90 Prozent des Streckennetzes wurden stillgelegt, weil sie zu unrentabel für Investoren waren. Für Städte und Dörfer, die von der Eisenbahnverbindung abhängig waren, kam dies einem Todesurteil gleich.


Bahnstrecken in Argentinien: Links vor der Privatisierung 1989, rechts 2001 nach dem Verkauf der ehemals staatlichen argentinischen Eisenbahnlinien. Illustration: faceworks.tv

– Weil die Bahntrassen in England in einem miserablen Zustand sind, sah sich die britische Eisenbahnbehörde gezwungen, der Betreiberfirma „Connex“ die Lizenzen für einige Strecken zu entziehen. Züge, die in England pünktlich sind, gibt es nur noch in den Kriminalgeschichten von Agatha Christy. Verspätungen wegen technischer Störungen sind in England längst normal geworden. Hinzu kommt: Ein einheitliches Fahrkartensystem gibt es bei der privatisierten englischen Bahn nicht. Tragisch: Bei Zugunglücken in Großbritannien starben in den vergangenen zwölf Jahren 116 Menschen.

Fahrkartenchaos, Unzuverlässigkeit und Qualitätsmängel: Das sind Leiden, die deutsche Bahnkunden leider längst kennen. Doch nach der Privatisierung der Bahn AG könnte der Ärger richtig losgehen.


Historisch: Folgen von Bahn-Privatisierungen?

Das Gegenbeispiel: Eine Bahn im öffentlichen Eigentum kann jedoch auch modern, pünktlich und bürgernah sein – wie die Schweizer Bahn beweist. In der Schweiz fahren die Menschen pro Kopf doppelt soviel Bahn als in Deutschland. Die Bahn kommt mit dem niedrigsten Zuschuss in ganz Europa aus – und das bei der alpinen Geographie. Trotz der enormen Höhenunterschiede und den häufigen Minusgraden sucht die Schweizer Einsenbahn im punkto Pünktlichkeit ihres gleichen.

Fazit
Argentinien und England vermitteln, was uns erwartet wenn in Deutschland die Bahn privatisiert wird. Neben Qualitätsmängeln wird es weitere Nachteile geben: Teurere Fahrkarten, ungünstigere Verbindungen und miserablen Service. Jedoch die Schweiz zeigt, wie es auch ohne Privatisierung möglich ist eine beliebte und moderne Bahn zu unterhalten, die zudem noch eine hohe Qualität aufweist.

In Deutschland muss die Bahn weiter in der Hand des Staates bleiben. Es darf nicht zu einem Ausverkauf der Bahn kommen. Der Schienenverkehr muss wieder attraktiver gemacht werden, und dies ohne profitgierige Investoren. Regionalbahnen müssen stärker subventioniert und die Fahrkarten für Regionalbahnen billiger werden. Das Gros der Kosten muss auf den Fernverkehr abgewälzt werden. Stoppt den Ausverkauf der Bahn!

Bahn fuer alle

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Madonna vom Berg gefallen

Harald Haack – Die Menschen in Grindelwald sprangen aus ihren Betten, reckten zunächst ihre Köpfe, als das Krachen vom Eiger hinunter ins Tal grollte, wo das Bergdorf liegt. Doch dann zogen sie unwillkürlich ihre Köpfe ein. Aufgeregt sprangen einige Japaner auf die Straße am östlichen Rand Grindelwalds, dem „Teufli-Graben“, und erkannten im Licht des abnehmenden Mondes die Staubwolke, die sich wie ein Schleier über die Dächer schob.


Mr. William Galburn aus Oxnard bei Los Angeles machte dieses Foto circa 15 Minuten nach dem mitternächtlichen Felssturz am Eiger.

Schon am Donnerstag, den 13. Juli 2006, hatten sich schätzungsweise 500.000 bis 700.000 Kubikmeter Gestein von der Ostflanke des Eiger gelöst, dem Berg, an dessen Nordwand Bergsteiger erfroren oder in den Tod stürzten. So wie die „Madonna“, ein Felsturm, gegen 20 Uhr am Donnerstag in die Tiefe stürzte. Die Nacht vom 13. und 14. Juli war keineswegs so ruhig, wie teilweise behauptet wurde. Der aus Oxnard bei Los Angeles stammende William Galburn (32) zählt gegenwärtig zu jenen Gästen, die ein Zimmerchen in Grindelwald hatten ergattern konnte. Ihm verdanken wir das obige Foto. Er erklärte, er habe nicht schlafen können und sei wegen des schönen Mondlichts um Mitternacht noch in Grindelwald unterwegs gewesen. Vom Parkplatz am Ribygässli sei ihm sein Foto gelungen. Er habe sich dazu bäuchlings hingelegt und seine Digi-Cam für die Langzeitbelichtung auf dem Asphalt gedrückt. Angst habe er keine gehabt. Da gebe es bestimmt Schlimmeres.

Derweilen erwarten Geologen weitere Felsstürze vom Eiger.


Blick zum Wetterhorn (l.) und zur Gletscherschlucht (r. im Bild) vom Grindelwald-First 2168 m.ü.M. Am frühen Freitagmorgen hing noch über Grindelwald, hier im WebCam-Foto hinter den Gebäuden im Tal verborgen, eine riesige Staubwolke, die sich mit dem Dunst mischte.

Wenn der Berg kracht – Dramatischer Rummel am Eiger

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Wenn der Berg kracht – Dramatischer Rummel am Eiger

Harald Haack – Dem weltberühmten Schweizer Touristenort Grindelwald im Berner Oberland droht der Untergang. Die Katastrophe ist angesagt. Besonders japanische, amerikanische und indische Touristen, die alljährlich massenweise durch das Bergdorf strömen, sind ganz aufgeregt.

Wahrscheinlich würde sich Louis Trenker angesichts des Rummels belustigt die Hände reiben, dann aber uns ganz ernst anschauen und erzählen, dass die Eiger-Nordwand eigentlich eine Mordwand ist und schon viele Opfer forderte – könnte er noch so drahtig wie einst vor der Fernsehkamera stehen. Er war Architekt, Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller und seine Geschichten über die Bergsteiger Schicksale an der Eiger Nordwand sind vielen Fernsehzuschauern in Deutschland unvergesslich geblieben. Trenker starb im April 1990 in Bozen.

An seine Stelle sind viele andere Bergexperten gerückt. Nun stehen sie vor den Fernsehkameras, denn in Grindelwald herrscht die Alarmstimmung. Der Eiger regt sich. Er knistert und knackt und bei der Bergwacht grummelt es und die Telefone piepen und bimmeln.

Es ist die Ostflanke des Berges, in der sich ein Riss gebildet hat. Er soll bereits sieben Meter breit sein. Da sich schon einige Bruchstücke lösten und auf die Schutthalde zu Füßen des Eigers krachten, rechnen Experten damit, dass sich bald eine 200 Meter hohe Felszinne, bestehend aus ca. 200 Millionen Tonnen Gestein, von der Ostflanke des Eiger abbrechen und in die Tiefe stürzen wird.


Der Obere Grindelwaldgletscher und die Ostflanke des Eiger (Pfeile). Darstellung in Google Earth.


Die Eiger Nordwand mit ihrer Ostflanke.


Im Mai 2004 wahrscheinlich schon sichtbar. Die sich langsam von der Ostwand lösende Zinne, hier im Schatten. Foto: Harald Haack

In der Tiefe, da gibt es die Gletscherschlucht und noch tiefer das Dorf Grindelwald. In der Gletscherschlucht gibt es einen im Fels befestigten Holzsteg, von dem aus man die Zunge des Oberen Grindelwaldgletschers überblicken kann. Dieser Steg wurde vorsorglich schon 2003 geschlossen. Es ist zu befürchten, dass beim Felssturz der Gletscher von der Seite her gerammt und regelrecht ausgehebelt wird. Eis, Wasser und Gestein würden dann einen mächtigen Pfropfen bilden und das Schmelzwasser des Gletschers stauen, um dann irgendwann überzuschwappen und als große Flutwelle über Grindelwald hereinzubrechen.


Blick ins Tal zum Dorf Grindwald. Links im Anschnitt: Die Eiger Nordwand. Foto: Harald Haack

Ähnliches, wenn auch weniger dramatisch, war 2003 passiert, nachdem der Rand der Gletscherzunge wegen der Hitze ausdünnte und in sich zusammenbrach. Damals wurden Baumstämme und Trümmer über den Abfluss bis hinunter in den Brienzer See gespült.

Gegenwärtig wird die Abbruchstelle des Eiger mittels Laser überwacht. Dafür installierten Bergführer Spiegel an der Bruchstelle, die von Lasern auf dem Gegenhang angepeilt werden können. Damit werden Verschiebungen bis auf wenige Millimeter genau ermittelt. Doch Steinschlag zertrümmerte inzwischen drei der ursprünglich fünf Spiegel. Mittlerweile wird der Berg mittels eines Hightech-Verfahren überwacht, das in den Alpen noch nie erprobt wurde: Die mit einem Laserscanner gemachten Bilder der abbruchgefährdeten Bergflanke werden als Bildebenen in einer Computersoftware übereinander gelegt. So sollen sich die Bewegungen der großen Fläche der Bergwand haarscharf darstellen lassen. Was allerdings mit den Bewegungen des großen Touristenstromes passiert, ist wohl ein anderes Thema.

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Amazonien kaufen?

Karl Weiss – Der schwedische Unternehmer Johan Eliasch, Besitzer der Sportartikelfirma „Head“, bekannt durch ihre Ski und Tennisschläger, hat am 5.Juli auf einer Konferenz in London anderen Unternehmern vorgeschlagen, mit ihm zusammen, das gesamte Amazonasgebiet zu kaufen, was etwa 18 Milliarden Dollar kosten würde.

Dies hat jedenfalls die größte brasilianische Tageszeitung, die „Folha de São Paulo“, berichtet. Eliasch ist bereits Besitzer einiger Regenwaldgebiete im Amazonas-Urwald in den Gemeinden Itacoatiara und Manicoré.

Eliasch will das gesamte Regenwaldgebiet so vor der weiteren Zerstörung sichern, sprich vor dem Abholzen und Abbrennen. Er ist nämlich der Überzeugung, daß die stark steigende Zahl der Katastrophen, wie die Hurrikans Katrina und andere, u.a. auch auf die Zerstörung der Regenwälder zurückzuführen sei, weil dies wesentlich zur Klimaveränderung beiträgt.

Der Unternehmer schlägt dies nicht aus humanitären Gründen vor, weil er etwa um die Zukunft der Menschheit besorgt wäre, sondern aus ganz praktisch kapitalistischen. Bei der Konferenz in London handelt es sich nämlich um die jährliche Großkonferenz der Versicherungs-Gemeinschaft Lloyd’s, die diesmal dem Thema Klimawandel gewidmet war.

Die Ausgaben der Versicherungen mit der steigenden Zahl von Katastrophen sind nämlich im Jahr 2005 auf 83 Billions (Milliarden) US-Dollar gestiegen. Er meint nun, daß ein Teil davon eingespart werden kann mit einem im Vergleich kleinen Kapitaleinsatz und damit ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis entsteht.

Das Amazonasgebiet ist, so schwer vorstellbar das auch sein mag, nicht etwa Gebiet des brasilianischen Staates, sondern in größten Teilen in den Händen von Privatpersonen und Firmen. Zwar gibt es die Indio-Reservate, die formal dem Staat gehören und eigentlich keine privaten Besitzer haben können, aber auch da erheben verschiedene private Besitzer Ansprüche. Ein wesentlicher Teil der Justiz im nödlichen Brasilien ist mit jahrelangen Besitzstreits um Gebiete, die z.T. auch in Reservaten liegen, beschäftigt.

Der letzte Präsident Brasiliens vor Lula, Cardoso, hat wesentlich dazu beigetragen, in dem er eine Verordnung erließ, die es vermeintlichen Besitzern erlaubt, gegen die Einbeziehung seines Landes in Indio-Reservate zu klagen. Fast alle Besitztitel in den Regenwaldgebieten Brasiliens sind durch Schwindeleien und Korruption von Richtern und Katasterbeamten „errungen“ worden.

Überhaupt gibt es für jedes Stück Land im Amazonasgebiet meist mehrere Besitzer, die in verschiedenen Katasterämtern registriert sind. Wer nun der wirkliche Besitzer ist, kann nur in jahrelangen Prozessen entschieden werden, die über vier Instanzen bis hin zu 25 Jahren dauern können. Die Regel der brasilianischen Gesetzgebung, daß Richter unabhängig in ihren Entscheidungen sind, sich nicht an Gesetze und Entscheidungen höherer Instanzen halten müssen, trägt da viel bei.

Ebenso trägt dazu die unklare Grenzziehung zwischen den Gemeinden in diesen Gebieten bei. Ein ins Gewicht fallender Teil des Landes wird von mehreren Gemeinden beansprucht.

Insofern dürfte es gar nicht so leicht sein, alle diese Parzellen zu kaufen. Das noch weit größere Problem ist aber, sein Land dort zu sichern. Daran ist ja schon der brasilianische Staat gescheitert, wenn man auch sagen muß, daß er es noch nicht ernsthaft versucht hat.

Das Amazonasgebiet ist schlicht und einfach riesig, etwa so groß wie halb Europa. Es leben dort mehrere Millionen Menschen. Man kann es nicht einfach mit Zaun, Wachtürmen und Todesstreifen versehen und von der Menschheit abbtrennen. Eine Polizeitruppe mit Booten und Hubschraubern, sei es privat oder staatlich, die halbwegs einen Eindruck auf die verschiedenen Interessengruppen dort machen könnte, müßte schätzungsweise 200.000 Polizisten umfassen.

Das hängt damit zusammen, daß es einige äußerst interessierte Gruppen gibt, die hohe Profite aus der Amazonasregion schlagen. Da sind zunächst geschätzt etwa 50.000 Goldsucher, die in der Regel illegal arbeiten. Dazu kommen geschätzt etwa 10.000 Personen, die damit beschäftigt sind, illegal edle Tropenhölzer aus den Wäldern herauszuschlagen und abzutransportieren. In etwa die gleiche Anzahl ist auf der Suche nach anderen natürlichen Reserven, darunter Bauxit, Diamanten, Erdöl, Eisenerz und vieles mehr. Ganz speziell sind da noch jene, die auf der Suche nach Pflanzen und Tieren sind, die zur Herstellung von Heilmitteln dienen können, von denen die Pharmaindustrie bisher nur träumt.

Etwa weitere 10.000 Personen sind schlicht und einfach mit der Versorgung der legalen und illegalen Amazonasausbeuter beschäftigt. Wer nämlich zum Beispiel Gold sucht, will nicht den größten Teil des Tages damit verbringen, etwas zu Essen und zu trinken zu finden. Man kann also Speis und Trank zu den entlegendsten Gebieten bringen und zu unglaublichen Preisen verkaufen.

Eine ungenannte Anzahl von Kriminellen, davon ein nicht unbedeutender Anteil von kriminellen CIA-Helfern, wahrscheinlich auch an die 10.000, ist damit beschäftigt, ununterbrochen neue Schmuggelwege für das Kokain aus Kolumbien und Peru zu öffnen, ein großer Teil davon Lichtungen zum Landen von Kleinflugzeugen.

Dazu kommt dan der Teil der legalen Bewohner von Amazonien, der illegale Tätigkeiten unternimmt, wie Abholzen und Abbrennen.

Die Frage ist also nicht so sehr, wem das Ganze gehört, sondern wie man die illegalen Aktivitäten in den Griff bekommen will. Man hat ja auch schon einen Weg gefunden, dies zu überwachen, das SIVAM, ein Radar-, Flugzeug- und Satteliten-gestütztes Überwachungssystem gigantischen Ausmaßes. Hier soll nicht im Einzelnen darauf eingegangen werden, denn in der Berliner Umschau wurde schon ausführlich dazu berichtet.

Allerdings steht der große Artikel zu SIVAM von Elmar Getto nicht mehr zur Verfügung. Er wird darum auf den Blog des Autors htpp://karlweiss.twoday.net/ unter Menu-Punkt „Brasilien“ eingestellt, wo ihn jeder Interessierte nachlesen kann.

Im Prinzip müßte man zu Amazonien auch SIVAM kaufen, aber das steht wohl nicht zum Verkauf.

Nach der Lektüre wird dann auch klar, daß das wesentliche Hindernis, die illegalen Aktionen im Amazonasgebiet in den Griff zu bekommen, die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist (in Form ihrer Organisation CIA), die wegen des von ihr dominierten Kokainschmuggels in dieser Region ein Interesse daran hat, daß alles bleibt, wie es ist.

So sehr also die Idee des Unternehmers auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen mag, man hat es hier mit ganz anderen Größenordnungen und Arten von Problemen zu tun, als mit lächerlichen 18 Milliarden Dollar.

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Mexiko steht am Scheideweg

Karl Weiss – Nach den bekannt gewordenen Wählerbefragungen am Ausgang der Wahllokale (‚Exit Polls’) hat der sozialdemokratische Kandidat Obrador die Präsidentenwahlen in Mexiko vom 2.Juli mit klarem Vorsprung gewonnen. Aber dann, ab Montag, begannen die in Mexiko nicht unbekannten „Veränderungen“ im Wahlprozeß. Es kann keinen Zweifel geben: Es wird versucht, mit massiven Wahlfälschungen Mexikos gewählten Präsident daran zu hindern, an die Macht zu kommen – so wie bereits zuvor.

Der erste Schritt war, daß beide großen mexikanischen Fernsehstationen sich weigerten, die Ergebnisse ihrer ‚Exit Polls’ bekanntzugeben. Die Mexikaner, soweit sie nicht im Internet auf US-oppositionellen Seiten zu Hause sind, wissen bis heute nicht, daß nach diesen meist sehr zuverlässigen Befragungen Obrador gewonnen hat.

Im nächsten Schritt wurden vom Federal Electoral Institut (IFE), zuständig für die Auszählung, nicht nachvollziehbare Zwischenergebnisse herausgegeben, die bis Mittwoch nur immer neue Zweifel hervorriefen. Das verwundert auch nicht, denn das IFE ist fest in den Händen der Regierungspartei PAN von Präsident Fox, dessen Kandidat Calderon nun zum Sieger gemacht werden soll.

Auf die Proteste Obradors wurde eine Teil-Nachzählung angesetzt.
Als am Mittwoch das Ergebnis von angeblichen 98,5% der Stimmen veröffentlicht wurde und Calderon, wie durch ein Wunder, plötzlich vorne lag, stellte sich schnell heraus, daß die Zahl der Stimmen nicht mit der vom Institut selbst angegebenen Wahlbeteiligung übereinstimmte: Es fehlten 3,3 Millionen Stimmen.

Auf die Proteste Obradors wurde eine Teil-Nachzählung angesetzt. Die 3,3 Millionen Stimmen, etwa 7 % der abgegebenen Stimmen, wurden als „ungültig“angegeben. Da niemand zum Ungültig-Stimmen aufgerufen hatte, ist das objektiv ausgeschlossen. Indirekt gab das IFE dies dann auch zu, denn beider nächsten Veröffentlichung, war die Zahl der ungültigen Stimmen stark gesunken. Damit war das IFE bereits einer offenen Lüge überführt.

Der Vorsprung von Calderon wurde mit jedem weiteren Nachzählen immer kleiner. Als er nur noch Zehntelprozente betrug (nach einer Angabe 0,6%, nach einer anderen 0,3), beschloß das IFE, keine weiteren Nachzählungen anzustellen und sagte, damit stehe das Ergebnis fest. Das war am Donnerstag.

Am gleichen Tag wurden an zwei verschiedenen Stellen Mexikos ganze Säcke bzw. Urnen mit ausgefüllten Stimmzetteln im Abfall gefunden. Der erste Fall war im Bereich der Stadt Nezahuacoyotl, wo eine Reihe von Wahlurnen aus drei Stimmbezirken auf dem städtischen Müllplatz gefunden wurden. Alle waren aus den Hochburgen von Obrador. Photos von den gefundenen Urnen und Stimmzetteln kann man auf der Website http://www.narconews.com finden.

Der zweite Fall ereignete sich in der Stadt Xalapa, der Hauptstadt der Provinz Vera Cruz. Auch dort wurden Wahlurnen mit Stimmzetteln für Obrador im Müll gefunden. Einzelheiten dazu, allerdings in Spanisch, auf der Website http://www.eluniversal.com.mx.

Keine Zweifel
Es kann kein Zweifel bestehen, daß dies keine Einzelfälle sind, sondern daß in Mexiko in umfangreichen Maße Wahlfälschung betrieben wird, zum Teil durch „Verschwindenlassen“ von Wahlzetteln aus Obrador-Hochburgen, zum Teil durch Ungültig-Erklären von Stimmzetteln. Auch andere Fälscher-Methoden sind aus früheren Wahlfälschungen bekannt.

Obrador, seine Partei und seine Anhänger haben bereits eine vollständige Neuzählung verlangt. Die IFE – wie zu erwarten – hat dies abgelehnt.

Viele Anhänger Obradors verlangen von ihm, öffentliche Kundgebungen gegen die Wahlfälschungen anzusetzen, aber Obrador hat bisher um Ruhe gebeten. Man wolle durch Verhandlungen die Probleme lösen. Es ist aber fraglich, ob sich das mexikanische Volk diesmal erneut eine Wahlfälschung bieten lassen wird oder ob es nicht auf die Strasse gehen wird, so wie es auch der Fall war, als die konservativen Regierungskreise vor der Wahl durch eine falsche Anklage Obrador von den Wahlzetteln streichen lassen wollten.

Die Fälle der Kandidaten, die der mexikanischen Oligarchie nicht gefielen und daher nicht an die Regierung kamen, obwohl sie gewählt waren, sind vielen Mexikanern noch im Gedächtnis. Ein „linker“ Kandidat wurde einfach ermordet, bevor er sein Amt antreten konnte. Daß die Täter bis heute nicht gefaßt sind, versteht sich von selbst. Auch im Jahr 1988 gab es bereits einmal einen Wahlsieg eines „linken“ Kandidaten, der durch Wahlfälschung in einen Sieg des Kandidaten der Oligarchie umgewandelt wurde.

Damals aber war das Volk in Mexiko noch nicht so bewußt und aufgewühlt wie heute. So wie in weiten Teilen Lateinamerikas, ist eine revolutionäre Gärung im Gange, die es jetzt weniger wahrscheinlich macht, daß die Mexikaner diesmal erneut eine massive Wahlfälschung ohne Gegenwehr hinnehmen werden.

Es muß allerdings klargestellt werden, daß Obrador Sozialdemokrat ist und keineswegs Repräsentant einer revolutionären Bewegung. Die Veränderungen, die er ankündigte, Speisungen und freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln für Ältere über 65, sind nun nicht gerade revolutionäre Aktionen. Interessant, daß selbst dies der mexikanischen Oligarchie schon zuviel ist. Ihr paßt aber wohl hauptsächlich die ganze Richtung nicht.

Inzwischen gab es am Samstag, den 8.Juli bereits die erste große Massendemonstration auf dem Zentralplatz von Ciudad de Mexico für Obrador, wo dieser erneut um Ruhe bat, aber heftigen Beifall nur für kämpferische Töne bekam. Dieser riesige Platz ist dafür bekannt, daß dort über eine halbe Million Menschen sich versammeln können und er war voll.

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„Vereinigte Staaten von Südamerika“

Karl Weiss – In einer offiziellen Feierstunde am 5.Juli, dem Unabhängigkeitstag Venezuelas, wurde Venezuela in Caracas offiziell in den gemeinsamen Markt Mercosur aufgenommen, der bisher von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gebildet wurde. Neben allen fünf Präsidenten der Mercosur-Länder, Kirchner, Lula, Duarte, Vásquez und Chávez war auch der bolivianische Präsident Evo Morales anwesend. Eine baldige Mitgliedschaft Boliviens wurde in Aussicht gestellt, das bereits unter der vorherigen Regierung assoziiert worden war.

Zusammen mit Bolivien würde der Mercosur etwa zwei Drittel der Bevölkerung Südamerikas umfassen und mehr als die Hälfte der Bevölkerung Lateinamerikas. Er verfügt bereits jetzt über die größten Süßwasserreserven der Welt, die größte Bio-Diversität, die größten Erdölreserven, eine der größten Erdgas-Reserven sowie bedeutende Anteile an den abbaubaren Reserven von Bauxit, Eisenerz, Diamanten, Gold und Uran. Die Fläche, die der Mercosur dann umfaßte, ist weit größer als Europa.

Zum ersten Mal wurde auf diesem Treffen als Ziel die „Vereinigten Staaten von Südamerika“ genannt. Ebenfalls wurden eine Reihe von Kooperationsabkommen zwischen Argentinien und Venezuela unterzeichnet und unter anderem ein gemeinsames „strategisches Hochkommissariat“ der beiden Länder eingerichtet. Chavez sprach von einer „Achse Caracas-Buenos Aires“.

Gemeinsamer Markt
In den letzten Jahren hatten sowohl die Vereinigten Staaten als auch die EU – getrennt voneinander – versucht, einen gemeinsamen Markt mit dem Mercosur zu bilden. Beide aber verlangten von den Südamerikanischen Staaten die Öffnung ihrer Märkte, während sie selbst ihre Agrarmärkte verschlossen lassen wollten und die Agrarsubventionen, welche die Märkte der Entwicklungsländer zerstören, nicht abbauen. Deshalb kamen bisher beide Verhandlungsrunden nicht voran.

Inzwischen ist in Südamerika die Stimmung umgeschwenkt und es gibt kaum noch eine Chance für eines der beiden Projekte. Mehr und mehr werden sowohl EU als auch USA als unterdrückende Länder begriffen und die eigene Integration vorangestellt, nicht unter der Fuchtel einer imperialistischen Macht, sondern in bewußter Unabhängigkeit von ihnen. Dies trifft auch auf eigentlich klassisch sozialdemokratische Präsidenten zu, wie Lula und den uruguayischen Präsidenten Vásquez. Auch der paraguayische Präsident Duarte, der vor kurzem noch zweiseitige Handelsabkommen mit den USA verteidigte, ist inzwischen umgeschwenkt. Er sagte auf dem Treffen: „Wir brauchen nicht nur gemeinsame Außenhandelstarife, sondern ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame historische Sicht.“

Stramm Rechts
Nur die stramm rechten und US-gläubigen Präsidenten Kolumbiens, Perus, Chiles und – mit Einschränkungen – Ecuadors drängen weiterhin in die Umarmung mit der Supermacht, isolieren sich aber nun immer mehr in Südamerika.

Auch in der Karibik wird mit äußerster Aufmerksamkeit das Erwachen des lateinamerikanischen Gemeinschaftsgeistes beobachtet. So haben 16 Karibik-Staaten soeben den Wunsch der US-Regierung ausgeschlagen, statt Venezuela den engen US-Verbündeten Guatemala als Nachfolger Argentiniens für den UN-Sicherheitsratssitz zu unterstützen, der im Oktober wechselt.

Die Präsidenten Venezuelas und Boliviens sind mit großer Intensität und fast schon Verzweiflung dabei, ihre Nachbarstaaten so eng wie möglich mit ihnen in Verträge einzubinden, weil beide – wohl zu Recht – fürchten, von der US-Regierung auf die Abschußliste gesetzt worden zu sein.

Es drohen sowohl Militärputschs – Chávez hat schon einen USA-gesponserten überlebt – als auch Invasionen und massives Schüren von Unruhen von rechts. In beiden Ländern wurde gemeldet, daß Agenten der Vereinigten Staaten unter dem Cover von „Studenten“, „Wissenschaftlern“ und „Touristen“ ins Land einsickern. Im äußersten Osten Venezuelas wurden bereits Sabotagetrupps gesichtet, die aus dem benachbarten Guyana über die Grenze kamen. Dort wird offenbar, nach bewährtem nicaraguanischem Vorbild, ein Indio-Stamm zum Krieg gegen die Zentralregierung ausgebildet.

Doch die anderen Staaten haben sich bisher nicht zu Beistandspakts hinreißen lassen. Sie sind sich sehr bewußt, daß sie keinen Krieg mit der Supermacht im Norden anfangen können. So werden zwar Integrationsbestrebungen unterstützt, ansonsten hält man sich aber etwas weiter entfernt.

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Aufrechter Gang

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Ja, es hat weh getan. Die zwei Tore, unmittelbar vor dem Ende der Verlängerung – so weh, wie damals 1970, als man ebenso im Halbfinale gegen Italien ausschied, auch in der Verlängerung. Aber wie damals, wird das Spiel als heroischer Kampf, den man verlor, aber aufrecht, bis zur letzten Sekunde, in die Fußballgeschichte eingehen (im Gegensatz zu den Einzelspielern einer gewissen südamerikanischen Elf, die sich, wie es ein hiesiger Beobachter ausdrückte, „auf allen Vieren“ aus dem Turnier verabschiedete). Wanderer, kommst du nach Berlin, sage dort, du habest uns hier liegen gesehen, wie Klinsmann befahl.

Ein anderer zynischer Betrachter der erbitterten brasilianischen Fangemeinde charakterisierte die Art und Weise, wie Brasilien verlor, als „wegen Nichterscheinen“.

Brasilien, wie auch andere der „großen“ Fußballnationen, steht vor einem umfangreichen Neuanfang. Wer auch immer der neue Trainer in Brasilien sein wird (eventuell wird sogar Parreira weitermachen), wird gut daran tun, Ronaldo mit den gebührenden Ehren zu verabschieden und neue Optionen zu suchen. Ronaldinho, Robinho und Kaká sind noch jung und stehen sicherlich auch zur nächsten Weltmeisterschaft zur Verfügung, aber ansonsten wird viel Erneuerung nötig sein.

Was sich speziell Ronaldo und Roberto Carlos leisteten, wird wohl noch lange Anlaß zu Diskussionen geben. Ronaldo erschien in Deutschland ohne jede Vorbereitung. Er hatte offenbar seit dem Ende der Saison bei Real nicht trainiert und hatte 5 kg zuviel auf den Rippen. Aufgrund der Schwierigkeiten mit den neuen Nike-Schuhen, die Blasen verursachten, konnte er die auch bis zum ersten Spiel nicht heruntertrainieren. So stand er denn beim ersten Spiel gegen Kroatien nur hüftsteif herum und verstolperte ab und zu Bälle. Erst in der Vorbereitung auf das Australien-Spiel trainierte er die fünf Kilo herunter und spielte dann auch gegen Australien einigermaßen und begann, Tore zu schießen.

Jeder normale Spieler wäre unter diesen Bedingungen im ersten Spiel gar nicht aufgestellt worden, ja, wäre besser noch gleich wieder nach Hause geschickt und gegen einen anderen ausgetauscht worden. Warum Ronaldo da Sonderprivilegien besitzt, kann wohl nur der brasilianische Verband und Nike erklären.

Roberto Carlos dagegen war offenbar nicht damit einverstanden, daß er keine speziellen Star-Privilegien bekam. So darf er z.B. bei Real bestimmen, ob er oder ein anderer Freistöße in Tornähe schießt. Bei der WM wurde ihm mehrfach verwehr, Freistöße zu schießen, gegen Frankreich sogar vom Reservespieler Juninho Pernambucano. Er antwortetet darauf mit einem privaten Streik, d.h. er spielte nur gerade so viel, daß ihm nicht offen Sabotage vorgeworfen werden konnte, nach dem Motto: Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt.

Wieso er dann nicht, wie jeder normale Spieler, aus dem Team genommen wurde, blieb unklar. Parreira weiß es wohl auch nicht, da muß man also wieder den brasilianischen Verband und Nike fragen.

Für beide Spieler gilt, daß eben nicht immer fußballerisches Talent und ein entwickelter Charakter Hand in Hand gehen.

Für die Außenbahnen, jahrelang ein Prunkstück des brasilianischen Fußballs, stehen wohl Cicinho von Barcelona rechts und Gilberto von Hertha links zur Verfügung, das ist eine Klasse schlechter. Nur eben immer noch weit besser als das, was die beiden alten Herren, Cafú und Roberto Carlos, ablieferten.

Ähnlich wie Brasilien geht es auch Frankreich – und Italien – und Portugal – und Spanien usw. Wer könnte Zidane oder Figo ersetzen – niemand in Sicht. Und Nesta, Totti, Del Piero, alle zu alt für die nächste WM (oder es geht ihnen wie Cafú). Das gleiche gilt für Raul.

Währenddessen hat Deutschland das Privileg, das Grundgerüst von Spielern einer Nationalmannschaft zu haben, die noch die nächste und zum Teil sogar die übernächste WM ins Auge fassen können.

Als gegen Ende des Spiels Odonkor gegen Schneider eingewechselt war, bemerkte der Kommentator am brasilianischen Fernsehen, daß in diesem Moment der Altersdurchschnitt der Deutschen 23,6 Jahre sei, während bei den Italienern, wo ja Del Piero eingewechselt worden war, der Durchschnitt bei 29 Jahren lag.

Mertensacker und Metzelder sind jetzt schon eine Bank. Was sie gegen Argentinien und Italien geleistet haben, ist außerordentlich. Lahm, Schweinsteiger und Podolski werden bei der nächsten WM auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit stehen, Odonkor eher bei der übernächsten – diese vier müssen sich allerdings auch noch steigern und viel dazulernen.

Zwar ist die Zukunft von Ballack ungewiß, aber er könnte, weniger überfrachtet, auch bei der nächsten WM noch Regisseurfunktionen wahrnehmen. Ballack mußte gegen Italien ohne Frings zuviel nach hinten arbeiten. So kam man nicht effektiv genug nach vorne. Vielleicht entwickelt sich aber Lahm auch noch weiter und wächst in die Rolle eines offensiven Mittelfeldmannes und Regisseurs hinein.

Ballack hat auch einen Oskar für Schauspielkünste verdient. Wie er gegen Italien mit dem Ellbogen in den Mann ging und sich dann hinwarf und so tat, als sei er am Kopf getroffen wurde, das war wirklich bühnenreif – und der mexikanische Schiedsrichter fiel darauf herein. Aber vielleicht sollte er doch solche Mätzchen lieber sein lassen. Man stelle sich vor, Deutschland wäre weitergekommen und hätte wieder auf ihn im Endspiel verzichten müssen.

Schneider wird nun zu alt, man sollte ihm ein ehrenhaftes Abschiedsspiel geben. Bis Odonkor so gut wird, muß er noch viel arbeiten. Schnelligkeit allein genügt nicht.

Klose ist jetzt schon der Stürmer der Weltmeisterschaft. Er wird bei der nächsten in Südafrika die Gelegenheit haben, den Müller’schen Rekord von 14 Toren in Weltmeisterschaften zu brechen oder sogar den jetzt neu aufgestellten mit 15 von Ronaldo.

Wie wichtig Frings ist, wurde gegen Italien deutlich. Auch er kann noch bis zur nächsten WM weitermachen.

Friedrich war und ist der Schwachpunkt in der Elf. Sowohl Argentinien als auch Italien wußten das und griffen bevorzugt über links an, weil die rechte deutsche Abwehrseite die offene Flanke war. Für diese Position muß unbedingt ein besserer Mann gefunden werden.

Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß das entscheidende Tor für Italien von Grosso erzielt wurde, für den Lahm zuständig war. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings nicht nur Lahm nicht mehr in der Lage, zum Torschützen zu eilen (man sollte sich scheuen, dabei auf seinen Namen anzuspielen), sondern die ganze deutsche Mannschaft stehend k.o. Aber eben stehend!

Nicht umsonst kam niemand mehr mit zurück, als der letzte Versuch, noch einen Ausgleich zu erzielen, gescheitert war. So kam Del Piero in die glückliche Situation, allein vor dem überragenden Lehmann auftauchen zu können. Da war selbst ein Del Piero außer Form nicht in der Lage, vorbei zu zielen.

Bleibt die Frage, ob Klinsmann bleiben soll. Er ist offensichtlich ein begnadeter Psychologe. Da Psychologie 90% der Trainerarbeit ausmacht, befähigt ihn das, weiterzumachen. Was seine neuen Trainingsmethoden angeht, war eigentlich jetzt, im Härtetest, nicht Neues zu bemerken. Die Spieler weisen keine überdurchschnittliche Beweglichkeit auf. Auch die allgemeine Fitness ist nicht außerordentlich. Nach der schweren Verlängerung gegen Argentinien bauten sie in der Italien-Verlängerung rapide ab, wie es normal ist. Die zweiten 15 Minuten der Verlängerung war nur ein Bangen und
„Auf-die-Uhr-schauen“.

Andererseits fiel dem kritischen Betrachter auf, wie oft den deutschen Spielern bei Ballannahmen die Bälle vom Fuß oder vom Kopf sprangen, ganz zu schweigen von dem kaum gebrauchten Ballannahme mit der Brust. Sowas kann man üben.

Prinzipiell ist es nicht so wichtig, ob Klinsmann bleibt oder nicht. Auch unter einem anderem guten Trainer könnte man eine Spitzenmannschaft zur Europameisterschaft und zur nächsten Weltmeisterschaft in Südafrika aufbauen. Es gibt aber auch keinen speziellen Grund, warum Klinsmann gehen sollte (soweit man innerhalb des Sachlichen bleibt).

Wer Weltmeister wird? Ich tippe auf Frankreich. Wenn diese absolut überalterte Mannschaft weiterhin alles zeigt, was gegen Spanien, Brasilien und (zum Teil) Portugal zu sehen war, dann nützt den Italienern ihr ganzer ‚Catenaccio’ nichts. Außerdem haben die Italiener eine kraftraubende Verlängerung gegen Deutschland in den Knochen und werden zum Ende des Spiel müder sein als die Franzosen. Das wurde den Italienern schon 1970 im Endspiel gegen Brasilien zum Verhängnis.