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Tau-Herkulid über Hamburg

Harald Haack – Das glaubt mir niemand, dachte ich in der Nacht vom 3. zum 4. Juli 2006 als ich auf meinen Fotos, die ich von unserer Loggia aus in Hamburg-Barmbek vom westlichen Nachthimmel gemacht hatte, die Leuchtspur einer Sternschnuppe entdeckte. Kurioserweise hatte ich auf demselben Foto auch einen grünen Laserlichtstrahl abbilden können: Eine zufällige Begegnung.

Auf vielen Hamburger Dächern stehen gegenwärtig, zur Zeit der Fussballweltmeisterschaft, Tore aus blauen Leuchtstoffröhren, „Blue Goals“ genannt, und illuminieren den Himmel. Besonders tiefhängende Wolken, in Hamburg eigentlich keine Seltenheit, schimmertern dann in blauem Licht. Die „Blue Goals“ leuchteten schon vor der WM von den Dächern. Doch mit dem ersten Spiel der WM ist der Himmel über Hamburg wolkenlos. Es gab zwar zwischenzeitlich für zwei Tage Regen, aber nun scheint wieder die Sonne über der Hansestadt und in der Nacht funkeln die Sterne, was für Hamburg relativ selten geworden ist. Es ist die Lichtverschmutzung, ausgehend von den vielen Lampen und Leuchten der Stadt, die die Sterne verblassen lassen. Nur die hellsten sind sichtbar, wenn der Himmel wolkenlos ist.


„Blue Goals“ illuminieren die Alster-Skyline von Hamburgs Innenstadt, gesehen vom Bootsanleger Schwanenwyk. Foto: Harald Haack

Als sinnlose Lichtverschmutzung und Energieverschwendung wurden die „Blue Goals“ bereits von Autoren der Hamburger Werbe-Postillen beschimpft. Doch der Philips-Konzern, der die Leuchtstoffröhren spendierte, versichert, der Energieverbrauch sei nicht höher „als jener in einem ganz normalen Theater während einer Abendvorstellung“. Wer weiß als Otto-Normal-Verbraucher schon, wie hoch der Stromverbrauch eines „normalen Theaters“ ist! Gering ist er jedenfalls nicht.

Aber Michael Batz, der Künstler, der sich das schöne Spektakel ausgedacht hat, versichert, dass besonders die Beamer, die ihre grünen Laserstrahlen jetzt in die blauen Tore feuern, am sparsamsten seien. Von Anbruch der Dunkelheit an bis in die Nacht hinein überraschen die grünen Laserstrahlen all jene, die unterwegs sind oder sich wie ich auf eine Loggia gesetzt haben, um bei einem Gläschen Bier die kühle Nachtluft zu genießen. Obwohl die Strahlen über mehr als einen Kilometer hinweg kräftig leuchten und gut zu sehen sind, soll die Leistung lediglich 5 Watt betragen.

Michael Batz: „Die Beleuchtung muss zum Ort passen. Mit der Symphonie der blauen Tore und Lasernetze am Himmel kann Hamburg in der Liga der Metropolen weit vorne mitspielen.“ Durch das Lenken der Laserstrahlen in die Tore verspricht er eine weltmeisterliche Darbietung: „Nirgendwo sonst werden mehr Tore als in Hamburg fallen.“

Nun gut, die Kunstaktion von Michael Batz hatte mich zum Fotografieren animiert. Wäre der grüne Lichtstrahl nicht am westlichen Nachthimmel, links von der Sichel des untergehenden Mondes aufgeflammt, hätte ich einfach nur zum Himmel geblickt und mein Bier getrunken. So aber sprang ich auf und holte rasch meine digitale Kamera aus der Wohnung. Es blieb nicht aus, dass ich dabei im Dunkeln über eine im Weg stehende schwere Kameratasche stolperte und mir die Zehen prellte. Da mein Kamerastativ im Auto lag, presste ich die Kamera mit dem Kameraboden an die seitliche Klinkersteinwand unserer Loggia und machte mehrere Belichtungen.

Während der Belichtungen blickte ich auf das Display der Kamera und bemühte mich, die Kamera völlig unbeweglich zu halten. Da der Laserstrahl bald verschwand, setzte ich mich wieder hin und nippte an meinem Bier. Doch schon nach wenigen Minuten flammte der Laserstrahl erneut auf und ich war sofort wieder auf den Beinen, presste die Kamera an die Wand und machte Fotos, jeweils mit der längsten Belichtungszeit, 4 Sekunden, die meine Olympus Camedia 4040 zustande bringt. Leider zeigt das Display bei Nachtaufnahmen ein helleres Bild an. Nachdem ich die Fotos auf den Computer überspielt hatte, stellte ich fest, dass die Fotos allesamt unterbelichtet waren – was nicht hieß, dass ich sie rettungslos verloren hätte abhaken können. Sie mussten lediglich digital „entwickelt“ werden, um das sichtbar zu machen, was meine Augen gesehen haben bzw. was sie nicht sahen. Da ich während der Belichtungen aufs Kamera-Display gestarrt hatte, sah ich das Himmelsobjekt erst später auf dem Computer-Monitor: Eine Sternschnuppe, vom Zenit des Himmels kommend.


„Tor, Tor, Tor!“ Tau-Herkulid trifft grünen Laserstrahl über Hamburg-Barmbek. Rechts unten, hinter der Dachkante eines Hauses, der Lichtschein des Mondes. Die von der Kamera erfasste Uhrzeit dieses Augenblicks: 23.42 Uhr MEZ. Foto: Harald Haack

Wahrscheinlich handelte es sich um einen Nachzügler der „Tau-Herkuliden“, wie mir ein Hamburger Astronom mitteilte. Er möchte namentlich nicht genannt werden, weil er sich mit seiner Vermutung nicht festlegen möchte. Tau-Herkuliden sind ein Meteorstrom. Sie treten zwischen Mitte Mai und Mitte Juni am intensivsten am nördlichen Nachthimmel auf. Ihren Ursprung sollen sie im Kometen 73P/Schwassmann-Wachmann, der in mehrere Teile zerbrach und im Mai der Erde nahe kam, wie ich berichtete.

Was ich beim zwischenzeitlichen Warten auf die Wiederkehr des grünen Lichtstrahls mit bloßem Auge gesehen habe: Ein seltsames wolkiges Flimmern in der Luft – wie brodelndes Wasser. Es ist auch in diesem Foto zu sehen. Das sind die fleckigen Strukturen im Blau des Himmels. Ich bin mir nicht sicher was das ist.

Entweder es war tatsächlich da und die Kamera hat es auch gesehen und eingefangen im Foto. Oder aber es ist als Seh- und Bildrauschen zu erklären, denn auch unser Sehen ist verrauscht, wenn das Licht sehr schwach ist. Dann entsteht ein wolkiges Flimmern, wie es auch in Filmaufnahmen vorkommt, die mit hochempfindlichem, grobkörnigem Aufnahmematerial gemacht wurden.


Ausschnittvergrößerung: Wolkige Strukturen in der Luft.

In dem Foto dürften diese Strukturen aber eigentlich nicht zu sehen sein, wenn es sich nur um Bildrauschen handelt. Die Kamera war auf 100 ASA und die Belichtung auf -1.7 eingestellt – was eine gehörige Unterbelichtung ergibt, aber Bildrauschen verhindert. Zudem war der DeNoise-Modus der Kamera aktiv. Zum Aufhellen des Fotos habe ich es in Adobe Photoshop in drei Ebenen übereinander gelegt und diese Ebenen umgekehrt miteinander multipliziert. Das verhindert das Entstehen einer groben Körnigkeit des Fotos – im Gegensatz zur einfachen Tonwertkorrektur mittels Einengung der Tonwerte, bei der dann nicht nur die Körnigkeit, das Rauschen, verstärkt wird. Es entsteht auch eine Erhöhung der Farbsättigung und teilweise ein Ausbrechen der Farben.

Zusätzlich habe ich das Foto mit Hilfe der Software „Neat Image“ entrauscht. Die wolkigen Strukturen sind geblieben.

Wilhelm Reich, der legendäre Psychiater und Autor vieler Bücher, war ganz vernarrt in dieses Flimmern, was er „Orgon“ nannte. Die Amerikaner zwangen ihn seine Theorie, demnach es sich um eine bislang unbekannte Strahlung oder Energieform handeln sollte, zu widerrufen. Zu offensichtlich war den amerikanischen Behördenvertretern, dass unsere Augen in Dunkelheit „rauschen“, und deshalb steckten sie ihn, da er nicht widerrief, in eine psychiatrische Anstalt.

Sterbender Komet besucht Erde
Kometen-Teile kommen der Erde näher als ursprünglich erwartet

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Wird der „linke“ Kandidat Lopez Obrador neuer Präsident?

Karl Weiss – In Mexiko waren am Sonntag (2.7.) Präsidentenwahlen. Der „linke“ Kandidat Lopez Obrador hat eine Chance zu gewinnen, wenn die Wahlen nicht gefälscht werden oder Anlaß zu einem Militärputsch geben. Nach letzten Umfragen lagen die beiden hauptsächlichen Kandidaten, neben Obrador noch der neoliberale Calderon von der PAN, in etwa gleichauf. Zwar gab die letzte Umfrage Obrador einen Vorteil von 3 bis 4%, aber das will nicht viel besagen bei der Vorhersagegenauigkeit der Meinungsforschungsinstitute in letzter Zeit.

Vor einem Jahr lag Obrador von der klassischen linken Partei PRD bei weitem in Front, aber seitdem wurde bereits mehrfach versucht, ihn zu schädigen bzw. sogar vom Wahlprozeß auszuschließen. Als aber Millionen für ihn auf die Straße gingen, bevorzugte die Mexikanische Oligarchie, ihn doch lieber antreten zu lassen als einen Bürgerkrieg zu riskieren.

Aber genau das, ein Bürgerkrieg, ist auch nun keineswegs ausgeschlossen in Mexiko im Zusammenhang mit dem Ausgang der Wahlen und was da passieren mag. Wie in weiten Teilen Lateinamerikas, ist auch in Mexiko die Lage der Klassenkämpfe äußerst zugespitzt. Es gibt eine revolutionäre Gärung. Da ist nicht nur eine bewaffnete Guerrilla, die Zapatistas, sondern auch eine erwachte Arbeiterklasse, die sich zu Wort meldet, wie in den großen Demonstrationen zu Tage trat, als die Verschwörung gegen Obrador bekämpft wurde.

Die Zapatistas unter dem Commandante Marcos haben der ganzen scheindemokratischen Wahlfarce bereits eine Abfuhr erteilt. Sie haben aber nicht ausgeschlossen, daß jene, die mit ihnen sympathisieren, nicht doch Obrador wählen können. Sie sagen aber gleichzeitig, daß dies die grundlegenden sozialen Probleme Mexikos nicht lösen kann – und haben damit zweifelsohne Recht.

Ein kleines Wunder in Lateinamerika
Obrador hat sich als Bürgermeister von Ciudad de Mexico (Mexico City) einen guten Namen im Volk gemacht, als er viel für die älteren Leute tat und anscheinend nicht nur im Amt war, um sich zu bereichern, was in Lateinamerika schon ein kleines Wunder ist. Er hat versprochen, die laufenden Privatisierungen der Öl- und Gasindustrie zu stoppen.

Er hat allen über 65 freien Zugang zurGesundheitsversorgung und Zuschüsse für ihre täglichen Mahlzeiten versprochen – etwas, was er in Mexiko Stadt schon vorexerziert hat. Die Armen in Mexiko – und das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung – lieben ihn. Wo er auftritt, zieht er die Massen an, die ihn mit einer Inbrunst feiern, daß er schon einige Male paralysiert erschien. Er tritt nicht unter den Baldachins auf, die man in Mexiko für die Reichen und Mächtigen aufstellt, sondern unter den brennenden Strahlen der mexikanischen Sonne. Er hat sich einen einfachen Lebensstil bewahrt und unterscheidet sich so wesentlich von der pompsüchtigen mexikanischen Oligarchie.

Und – er hat versprochen, eine Revision des Nafta-Abkommens mit den Vereinigten Staaten und Kanada durchzusetzen, daß für Mexiko fast nur Nachteile gebracht hat. Die subsidierten, billigen Agrarprodukte aus den USA haben den mexikanischen Markt überschwemmt und die Bauern in den Ruin getrieben. Er hat versprochen, daß die Unterstützungsleistungen mexikanischer Bauern, deren Beendigung bereits terminiert ist, nicht auslaufen werden und Mexiko vor Dumping aus den USA geschützt werden wird.

Und – das wird viele Tausende von Emigranten aus den USA zu den Wahlen nach Mexiko locken – er hat versprochen, dafür zu sorgen, daß die mexikanischen Arbeiter in den USA ihre Rechte wahrnehmen könne. Er will die mexikanischen Konsulate in den US-Städten zu Rechtsberatungsstellen für die Emigranten (oder Immigranten aus US-Sicht) machen.

Gringos
Kein Wunder bei einem solchen Programm, daß die traditionellen Herrscher Mexikos, die Oligarchie, die fast immer alles in der Hand hatte, in Alarmstimmung geriet. Nachdem ihre Verschwörung, ihn von den Wahlen fernzuhalten, gescheitert war, haben sie eine Furcht- und Verächtlichmachungskampagne begonnen, die keineswegs völlig ohne Wirkung blieb. Obrador wird als eine Mischung von Fidel Castro und Hugo Chávez dargestellt, der die Demokratie in Mexiko gefährden würde. Er sei eine Gefahr für die friedliche Entwicklung Mexikos (welche Entwicklung?) und die fruchtbare gegenseitige Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Norden.

Was die breite Bevölkerung von solchen Sprüchen halten mag, kann man erahnen, wenn man jemand von ihnen das Wort ‚Gringo’ für die Bürger der USA aussprechen hört, wozu meist noch ausgespuckt wird.

Was aber auf eine gewisse Resonanz stieß, waren die Insinuationen, er würde mit Hugo Chávez und Evo Morales gemeinsame Sache machen und Mexiko in fremde Hände geben. Die Mexikaner haben einen ausgeprägten Nationalstolz und reagieren feinfühlig auf solche Zwischentöne. Wenn jemand einmal Gelegenheit hat, so sehe er sich nur das Völkerkundemuseum in Mexico Stadt an – das ist das, wo das Original des „Sonnenrades“ der Azteken gezeigt wird. Dort weiß man, wie man seine eigene Vergangenheit feiert.

Obrador hat deshalb auch jeden Zusammenhang mit Morales, Chávez oder Castro abgestritten. Er betont, daß er in einer rein mexikanischer Tradition steht, die Morelo, Juarez, Zapato, Madero und vor allem Cardenas einschließt. Er wird, falls er gewählt werden sollte, auch den Teufel tun und als erste Amtshandlung Kuba besuchen oder Venezuela oder Bolivien. Ob sich später nicht, unter Mithilfe von Brasiliens Präsident Lula (Brasilien ist das einzige lateinamerikanische Land, mit dem die Mexikaner sich auf gleicher Augenhöhe fühlen können), doch eine Zusammenarbeit ergibt, sei dahingestellt.

In diesem Zusammenhang sei nur erwähnt, daß Mexiko mit ergiebigen Ölquellen sich z.B. mit seiner staatlichen Ölfirma mit der bereits gegründeten gemeinsamen Ölfirma von Venezuela, Brasilien und Argentinien zusammentun könnte, was den größten Ölkonzern weltweit schaffen würde. Würde Mexiko im Verlauf mit Brasilien, Argentinien und Venezuela einen gemeinsamen Markt gründen und die NAFTA verlassen, so wäre das Gesicht der „Neuen Welt“ ein für alle mal geändert. Das sind aber bis auf weiteres Zukunftsträume.

Die konkrete Situation in Mexiko ist nämlich aufgeheizt wie nur selten zuvor. Die Zapatisten haben den Wahltag zu einem „Tag der direkten Aktion“ erklärt. Man wird mit einer Menge von Besetzungen von Straßenkreuzungen rechnen müssen. Die Reaktion ist sicherlich bereits darauf vorbereitet, solche Aktionen mit aller Gewalt zu unterdrücken. Es wird vermutlich wieder zum Schießbefehl und Toten kommen. Je nachdem, welchen Umfang das Ganze annimt, könnte von verschiedenen Seiten der Vorwurf der Wahlbeeinflussung kommen.

Sollte Calderon gewinnen, wird mit Sicherheit eine Volksbewegung Wahlfälschungen anklagen – und mit einer guten Chance, Recht zu haben. Es könnte zu volksaufstandsähnlichen Zuständen kommen wie kürzlich nach den Wahlen in Thailand. Dies wiederum könnte das Militär als Vorwand nehmen, eine Putsch durchzuführen. Der wiederum hätte eine gute Chance, auf geschlossenen Volkswiderstand zu treffen – das wäre Bürgerkrieg.

Militärputsch für die Ordnung?
Sollte Obrador gewinnen, besteht ebenfalls die Chance, daß unter einem Vorwand (und sicherlich nicht ohne Einflußnahme der US-Regierung) ein Militärputsch „für Ordnung sorgen“ wird. Nur könnte das eben, wie gesagt, das Signal für einen Volksaufstand sein und zu einem Bürgerkrieg führen. Ob die US-Regierung in diesem Moment an ihrer Südgrenze einen Bürgerkrieg brauchen kann – in den sie ja indirekt verwickelt wäre – ist fraglich. Man darf also davon ausgehen, daß in diesem Fall die US-Regierung – ein weiteres Mal – wird tatenlos zusehen müssen, wie in ihrem „Hinterhof“ Dinge geschehen, die ihr gar nicht Recht sein können.

Das wahrscheinlichste ist also, daß Obrador gewinnt und die Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen werden, wobei man nicht voraussehen kann, ob er sich ausschließlich in der Innenpolitik fortschrittlich geben wird oder ob er auch eine Politik des Zusammenschlusses Lateinamerikas ohne die USA verfolgen wird. Es muß hervorgehoben werden, daß es keinerlei Ankündigungen von ihm in dieser Richtung gibt, aber das könnte eben auch Taktik sein.

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Brasilien: Schock, Trauer, Wut und Resignation

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Zuerst der Schock, dann tiefe Trauer, die übergeht in Wut auf die Verantwortlichen und schließlich in tiefer Resignation ausläuft: Das waren die Reaktionen von Millionen von Brasilianern auf das Ausscheiden der ‚seleção’ gegen Frankreich bei der Fußballweltmeisterschaft.

Sicherlich um die 90 % der Brasilianer haben das Spiel am Fernsehen verfolgt. Auch die Frauen, die sonst nicht so um Fußball besorgt sind, sitzen oder stehen bei einer ‚copa’, wie hier die Weltmeisterschaft heißt, vor dem Fernseher. Niemand konnte also verhüllen, was wirklich geschah: Frankreich war, wie schon im Finale von 1998, weit überlegen. Wäre den Brasilianern im Schlußansturm wirklich noch der Ausgleich gelungen und sie hätten eventuell das Elfmeterschießen gewonnen, wäre das ungerecht gewesen. Dabei kann man nicht einfach individuelles Versagen einzelner Spieler verantwortlich machen, sondern muß die ganze Mannschaft sehen – es gab nämlich keine Mannschaft.

Für eine kurze, aber oft glückliche Zeit ist der Brasilianer während der WM seinen Alltagsproblemen entrückt, so wie das auch im ‚Carnaval’ der Fall ist. Geht alles glücklich aus, so wie 2002, hat man einen zweiten Karneval mitten im Jahr. Aber es kann eben immer nur einer gewinnen und das ist in der überwiegenden Zahl der WMs nicht Brasilien – speziell, wenn sie in Europa ausgetragen wird.

Schweigen im Schock
So wie schon 1990 und 1998, als man ebenfalls in Spielen mit indiskutabler Leistung ausschied, macht sich dann ein Schock breit im großen südamerikanischen Land, der hauptsächlich durch Schweigen charakterisiert ist. Danach, langsam, setzt sich die Trauer durch, dann kommt die Wut auf alles, was verantwortlich gemacht werden könnte und schließlich läuft es in einer tiefen Resignation aus.

Die Probleme des Lebens in Brasilien drücken mit doppelter Wucht, können noch weniger als schon normal zur Seite geschoben werden. Die Last, die brasilianische Oligarchie auf den Schultern tragen zu müssen, verdreifacht sich. Die absurde Bürde von hohen und immer höheren Steuern (fast alle Produkte haben mehr als 50% Steuerlast im Preis), um den imperialistischen Schuldnerländern und –banken die Zinsen bezahlen zu können, wird wieder schmerzlich bewußt.

Haben die brasilianischen Stars, einschließlich Ronaldinho, dem ‚Besten der Welt’, plötzlich Fußballspielen verlernt? Sicher nicht. In den vorhergehenden Spielern hatten Einzelleistungen von einigen Spielern noch das Sichtbarwerden der mangelnden Mannschaftsleistung verhindert. Doch diesmal, gegen einen Gegner, der in Hochform spielte und sowieso eine Klasse-Elf darstellt, gegen einen Zinedine Zidane, der spielte wie in besten Zeiten, gab es keine herausragende Einzelleistung mehr. Stattdessen wurde deutlich, daß hier schon die ganze Zeit keine Mannschaft auf dem Feld gestanden hatte, sondern ein zusammengewürfelte Mischung von einzelnen Stars und einer Reihe sehr guter Spieler, die nie zu einer Mannschaft zusammengefunden hatte.

So sehr im Fußball individuelles Können unabdingbar ist, so sehr ist und bleibt es doch ein kollektiver Sport, der nur auf Dauer zum Erfolg führen kann, wenn man zu einer Mannschaft zusammenwächst.

Das gleiche Problem, das auch Real Madrid nur zu gut kennt. Mit einer Anzahl von Welt-Stars wie keine andere Mannschaft glaubt man, den Erfolg kaufen zu können. Aber die alten Fußballweisheiten sagen: Mehr als zwei Stars verträgt keine Mannschaft – und die müssen noch in verschiedenen Mannschaftsteilen spielen. Eine Ausnahme war Deutschland 1974 mit drei Stars: dem Torwart Sepp Maier, dem Libero Franz Beckenbauer und dem Sturmführer Gerd Müller – in drei Mannschaftsteilen.

Fast unheimlich, das Tabu der Kontinente. (Fast) nie gewinnt eine Mannschaft vom anderen Kontinent – was die beiden hauptsächlichen Fußballkontinente Südamerika und Europa betrifft. Nur ein einziges Mal gab es bisher eine Ausnahme von dieser Regel: In Schweden 1958, als Brasilien auf dem europäischen Kontinent Weltmeister wurde – das war aber auch eine Ausnahmemannschaft.

Seitdem, wie auch schon vorher, haben bei Weltmeisterschaften auf dem europäischen Kontinent immer europäische Mannschaften gewonnen (1966: England, 1974: Deutschland, 1982: Italien, 1990: Deutschland, 1998: Frankreich), ja bei mehreren dieser Gelegenheiten waren alle vier Mannschaften im Halbfinale Europäer (1966, 1982, 2006).

Umgekehrt haben bei allen Weltmeisterschaften auf dem amerikanischen Kontinent immer südamerikanische Mannschaften gewonnen: 1930 in Uruguay: Uruguay, 1950 in Brasilien: Uruguay, 1962 in Chile: Brasilien, 1970 in Mexiko: Brasilien, 1978 in Argentinien: Argentinien, 1986 in Mexiko: Argentinien, 1994 in den USA: Brasilien.

So wird es nach dieser Weltmeisterschaft, die wieder ein europäisches Team siegen sehen wird, zwischen Europa und Südamerika nach 18 Weltmeisterschaften 9 : 9 stehen.

Allerdings sieht es für die 8 Jahre danach wieder schwarz aus für europäische Mannschaften: Die nächste Weltmeisterschaft wird in Südafrika sein, die darauffolgende in Südamerika, voraussichtlich Brasilien.

Das lange Aufarbeiten
Inzwischen hat in Brasilien bereits die Aufarbeitung begonnen, die üblicherweise vier Jahre dauert. Sündenböcke werden gesucht und gefunden. Der erste ist meistens der Trainer. Es steht praktisch schon fest, daß Carlos Alberto Parreira nicht weitermachen wird. Besonnenere Beobachter weisen aber darauf hin, daß es die Spieler auf dem Platz waren, die das Spiel verloren haben. Tatsache bleibt, daß der Trainer der
Hauptverantwortliche ist, wenn keine Mannschaft geformt wird.

Seine Erklärungen nach Spielende waren völlig unzureichend. Er sah das einzige Problem in der Szene, als das französische Tor fiel. So als ob die Franzosen nicht eine Reihe von Chancen gehabt hätten. So als ob nicht alle gesehen hätten, daß alle brasilianischen Stars weit unter ihren Möglichkeiten blieben.

Tatsächlich aber, und das haben inzwischen fast alle Brasilianer minutiös in Zeitlupe am Fernsehen verfolgen können, war das Verhalten von Roberto Carlos in der Szene mit dem Tor absolut unverständlich. Während Zidane anläuft, um den Freistoß zu schießen, steht er neben Thierry Henri, für dessen Deckung er also in diesem Moment zuständig ist. Er beugte sich nach vorne – aus Gründen, die niemand weiß – und als der Ball geschossen wird und alle in Richtung der Flugbahn des Balles rennen, der ganz nahe vor dem Tor herunterkommt, bleibt er wie angewurzelt dort am Strafraumrand stehen, wo beide vorher standen. Henry läuft also völlig ungedeckt in die Flugbahn und hat keinerlei Schwierigkeiten, mit dem Fuß zu verwandeln.

Roberto Carlos wird mit Sicherheit nicht mehr in der brasilianischen Mannschaft spielen. Auch Cafú hat nun, mit 36 Jahren, ausgedient. Was mit Ronaldo sein wird, weiß niemand. Auch ein Emerson ist sicher nicht mehr im Aufgebot.

Es wird bereits heftig über einen Namen für den Trainer diskutiert, aber das alles wird Zeit in Anspruch nehmen. Zagallo, der noch als eine Art von Trainer-Assistent diente, wird wohl ebenfalls endgültig beim alten Eisen landen.

Auch die Diskussionen um den Nike-Vertrag der CBF, des brasilianischen Fußballverbandes, kommen wieder auf, wie schon nach 1998. Fest steht, die CBF hat einen Millionenvertrag mit Nike, wohin das Geld fließt, wissen die Götter. Der Vertrag wurde nie offen gelegt. Nachdem man nach dem Anfall von Ronaldo vor dem Finale von 1998 einen Nike-Vertreter heftig mit den Verantwortlichen diskutieren sah, hält sich das Gerücht, Nike habe Anteil an der Aufstellung der Mannschaft. Die Firma habe damals durchgesetzt, daß Ronaldo für das Endspiel auflief, obwohl er offensichtlich ungeklärte gesundheitliche Probleme hatte.

Nike hat auch Verträge mit Einzelspielern, darunter Ronaldo, Ronaldinho und Roberto Carlos. Es wird in Brasilien kolportiert, Nike hätte die Aufstellung Roberto Carlos erzwungen, obwohl er sichtbar außer Form war (oder vielleicht auch unwillig).

Wie auch immer, die WM geht weiter. Nach der Leistung gegen Brasilien ist Frankreich Top-Favorit. Aber man wird weder Zidane noch Henry erneut soviel Raum lassen wie es die Brasilianer taten. Man wird sie liebevoll in Manndeckung nehmen und sie werden damit an Effizienz verlieren. Als Parreira nach dem Spiel gefragt wurde, warum er keine Manndeckung für Zidane vorgesehen hatte, antwortete er: „Brasilien kennt traditionell keine Manndeckung.“

Nun, das trifft weder auf Portugal zu noch auf die eventuellen Endspielgegner Italien oder Deutschland. Wenn bei dieser Weltmeisterschaft alles so läuft wie immer, dann dürfte die deutsche Mannschaft keine Chance gegen Italien haben. In Weltmeisterschaften hat Deutschland nie gegen Italien gewonnen. Allerdings kam es auch noch nie zu einem Elfmeterschießen zwischen beiden.

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‚Google’ gräbt sich selbst das Wasser ab

Karl Weiss – Der Suchmaschinenbetreiber Google macht einen großen Teil seines Geldes als Vermittler von Anzeigen. Er betreibt das Adsense-System, das Anzeigen auf Web-Sites gezielt zu dort vorkommenden Themen setzt. Die Anzeigen werden bezahlt und der Site-Betreiber erhält einen kleinen Anteil für jeden Klick auf eine Anzeige.

Gute Idee.
Wo ist das Problem? Google selbst befördert den größten Teil der Leser auf diese Seiten, wo sie dann klicken können. Wer genau gefunden hat, was er sucht, klickt aber nicht auf Anzeigen. Wenn man danebenlag, kann es schon eher sein, daß einem eine Anzeige ins Auge springt. Und damit fördert Google, je schlechter es funktioniert, diese Klickerei, die dann wieder in Geld für Google umgesetzt wird, denn wer die Anzeige gesetzt hat, muß für jeden Klick zahlen.

Das nennt man einen Zielkonflikt. Das geht im Extremfall so weit, daß es Sites gibt, die einfach nur Unsinn-Text mit einer extrem hohen Anzahl an einschlägigen Stichworten produzieren und so jene, die dort landen, verstärkt zum Klicken auf Anzeigen animieren. Heute kann man in den USA bereits zu einem kleinen Entgelt von etwa 100 Dollar ein Paket mit „150 Adsense Ready Websites“ kaufen, das 50.000 Seiten Unsinn, aber voll von möglichen Stichworten, enthält.

Es ist klar, wohin das läuft. Das Google-System wird immer schlechter. Man findet immer weniger, was man sucht. Auf der anderen Seite wird der Adsense-Anzeigenkunde immer weniger mit wirklichen Interessenten bedient, was das Interesse an dieser Anzeigart deutlich dämpfen wird. Damit wäre das Ende von Google eingeleitet. Ob Google das weiß? Wie will man reagieren? Bisher gibt es keine Antwort.

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Höchster Respekt für Ghana

Karl Weiss – Nun stehen also die Viertelfinalspiel-Paarungen der Fußball-WM fest: Deutschland-Argentinien, England – Portugal, Italien – Ukraine und Brasilien- Frankreich. Das liest sich mit einer Ausnahme wie eine Liste derer, die schon die Weltmeisterschaft gewonnen haben.

Da fehlt unter den Siegern nur Uruguay und noch nicht gewonnen haben die Ukraine und Portugal, denen das wohl auch diesmal verwehrt bleiben wird. Es läuft also alles so wie immer bei WMs – die Langeweile geht um. Allerdings wissen wir diesmal definitiv, wer Überraschungen verhindert hat: Die Schiedsrichter.

Zumindest die Elfenbeinküste hätte im Achtelfinale stehen müssen, wenn die Schiedsrichter nicht bei den Spielen gegen Holland und Argentinien gegen sie gepfiffen hätten. Und man kann fast eine Wette darauf abschließen, daß diese Mannschaft dann auch ins Viertelfinale gekommen wäre – jedenfalls wenn auch dann die Schiedsrichter unparteiisch gewesen wären.

Fünf der acht Mannschaften haben sich nur mit einem 1:0, 2:1 bzw. Elfmeterschiessen ins Viertelfinale gequält. England hatte seine Mühe mit Ecuador, Argentinien mit Mexiko und Italien mit Australien, ganz zu schweigen von der Ukraine, die als schwächste der 8 Mannschaften eingeschätzt werden muß. Wetten, daß Italien trotzdem auch mit ihr Schwierigkeiten haben wird? Schweigen wir still von Portugals Leistung, die nur als Desaster zu bezeichnen war. Trotzdem werden sie England Rätsel
aufgeben.

Nur Brasilien mit einem 3:0, Deutschland mit einem 2:0 und Frankreich mit einem 3:1 können ein besseres Ergebnis aufweisen. Ein Omen? Vielleicht.Dabei trifft ja Frankreich jetzt auf Brasilien und dürfte damit auch das Ende der Leiter erreicht haben. Brasilien scheint schon fast im Finale zu sein.

Sollte es Deutschland wirklich wieder ins Finale schaffen? Nun, wenn sie wirklich Argentinien und dann wahrscheinlich England abgeräumt haben sollten, dann wird Brasilien jedenfalls mehr Schwierigkeiten mit ihnen haben als beim letzten Mal.

Spanien hatte wieder in der Zwischenrunde einen Schwächanfall wie immer – es wird wirklich langsam langweilig im Fußball. Die WMs werden immer voraussagbarer.

Nach einer Umfrage seien 78% der Deutschen überzeugt, daß die Nationalelf sich gegen Argentinien durchsetzt. Woher kommt plötzlich all dieser Optimismus? Nur wegen 20 Weltklasse-Minuten gegen Schweden? Hat niemand Argentinien-Serbien gesehen? Aber 50:50 kann man die Chancen einschätzen. Eventuell wird hinterher England sogar leichter, wenn man es wirklich schaffen sollte. Dann hätte man auch im Finale gegen Brasilien 50:50-Chancen.

Beeindruckend das Spiel Brasilien – Ghana 3:0. Nicht, daß die Brasilianer beeindruckt hätten, aber die Ghanaer. Die Taktik, die sie anwandten, war reiner Selbstmord gegen ein Brasilien. Mit drei faktischen Angreifern, ganz nach vorne verschoben und mit einer Abseits-Linie 10 bis 20 Meter in der eigenen Hälfte. Das ist gegen einen gleich guten Gegner schon nur zu verantworten, wenn man extrem zielsichere Stürmer hat, die den Rückstand ausgleichen können, denn man sich damit einfängt. Genau das aber war es, was Ghana nicht hatte. Sechs klare Chancen und eine Menge Fernschüsse und Dida war fast gar nicht geprüft – das nennt man Zielwasser-Mangel.

So brauchte Brasilien nur immer wieder den Ball in den freien Raum vor einen startenden Stürmer spielen und dann tauchten andauernd Brasilianer frei vor dem Torwart auf. Daß es nur drei Tore wurden, war auch darauf zurückzuführen, daß die Brasilianer im Ganzen nicht ihren besten Tag hatten und speziell Ronaldinho und Kaká einen rabenschwarzen Tag erwischt hatten.

Aber eins muß man sagen, Mut hat Ghana. Respekt! Das letzte Mal, daß jemand es wagte, gegen Brasilien mit einer offensiven Taktik zu spielen, war im Endspiel des Confederation-Cups Argentinien. Sie bekamen auch drei eingeschenkt.

Andererseits zeigen sich aber die eklatanten Abwehrschwächen der Brasilianer, wenn jemand mit offenem Visier gegen sie antritt. Wenn man es nicht übertreibt, wie Ghana, ist das eine überdenkenswerte Taktik, falls Deutschland wirklich wieder im Endspiel mit Brasilien stehen sollte. Und Deutschland hat Stürmer, die treffen (Wann war es das letzte Mal, daß man das sagen konnte?).

Und 93% hätten gesagt, Klinsmann solle bleiben. Na wartet mal, wie viele das noch sind, wenn Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden sollte.

Daß Ronaldo nun mit 15 Treffern die Allzeit-Torjäger-Marke von Müller übernommen hat, ist aus deutscher Sicht bedauernswert, aber die Marke für die höchste Zahl von Toren in zwei Weltmeisterschaften wird doch bei Gerd Müller bleiben.

Außerdem sind diese Art von Torjägerkanonen sowieso zweifelhaft, da ja die Torjäger „kleinerer“ Nationen, die nicht bis unter die letzten Vier kommen, keine Chance haben, soviele Tore zu erzielen.

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Der amerikanische Aufschrei

Karl Weiss – In Europa unterliegen wir leicht der Illusion, daß das US-amerikanische Volk in weiten Teilen mit der Politik ihrer Oberen überinstimmt. Das ist nicht der Fall. Es handelt um Minderheiten im Bereich von 20%, die tatsächlich auf Bush-Kurs sind. Ein Artikel und seine Kommentare zeigt erneut, wie weit die Sensibilität der US-Amerikaner geht und wie kritisch die meisten gegen ihre Regierung eingestellt sind, trotz der Einheitsbrei-Gehirnwäsche der US-Medien.

Der Artikel „The struggle to Recapture our Soul“ („Der Kampf, unsere Seele wiederzugewinnen“) von Mike Whitney in der vielgelesenen US-oppositionellen Site „Information Clearing House“ vom 18.6.06 und seine fast einhundert Kommentare sind ein neuer Beweis für diese kritische Sensibilität. Es kann ohne Übertreibung als ‚der amerikanische Aufschrei’ bezeichnet werden.

Im Artikel selbst greift Whitney die Regierung wegen ihrer Irak-Politik an. Er zitiert den Ex-US-General William Odom mit Bezug auf den Irak: „Dies ist das größte strategische Desaster in der US-Geschichte.“

Whitney weist darauf hin, daß Bush, wo auch immer er auftaucht, nur noch unter schwerstem Polizei- und oft auch militärischem Schutz auftreten kann und ausschließlich vor ausgewähltem Publikum sprechen kann. Sein Kurzbesuch in Bagdad letzte Woche war nur in der festungsartig geschützten „Grünen Zone“ möglich so wie auch der Besuch in Großbritannien, der von 3500 voll bewaffneten Schutztruppen abgesichert werden mußte. Er hebt weiterhin hervor, daß die Besatzungstruppen in all den Jahren der Besetzung es nicht geschafft haben, auch nur einen Quadratzentimeter irakischen Bodens zu kontrollieren außerhalb ihrer Festung. Selbst innerhalb der „Grünen Zone“mußte Bush schon nach 5 Stunden wieder heimgeschickt werden, weil sonst das Sicherheitsschema nicht mehr hätte durchgehalten werden können.

Er schreibt:
„By every objective standard, things were better under Saddam.“ „Welchen objektiven Vergleich man auch benutzen mag, die Zustände waren auf jeden Fall besser unter Saddam [Hussein].“

Dann kommt einer jener Sätze, die man nur als „amerikanischer Aufschrei“ interpretieren kann: „The long litany of war crimes is finally wearing away at the fragile American psyche.“ „Die lange Litanei von Kriegsverbrechen ist letzendlich dabei, die verletzliche amerikanische Psyche auszuhöhlen.“ Und fährt fort: „Die Marke „Bush“ ist nun unrückholbar verbunden mit kriminellen Entführungen, Mißbrauch von Gefangenen und massiven Schlächtereien.“

Und er zitiert Brzezinsky:
„Dies ist schlimmer als die schlechtesten Tage in Vietnam. (…) Wir haben keine freie und demokratische Regierung, die funktioniert (…) Die Autorität, die wir eingesetzt haben, ist umstellt und relativ hilflos; ein Bürgerkrieg beginnt aus den Ecken zu kriechen, während die Besatzungsmacht unfähig ist, die Aufständischen [offizielle US-Bezeichnung für den Widerstand] zu vernichten, weil es eine ausländische Besatzung ist …“

Er besorgt sich zusammen mit Brzezinski um einen möglichen ‚kulturellen Abstieg’ Amerikas. Er zeigt damit, daß er nicht aus moralischen oder ethischen Gründen gegen den Irak-Krieg ist, sondern weil er das Ansehens der Vereinigten Staaten auf Dauer schädigt und der Herrschaft über die Welt abträglich ist. So endet er dann mit dem Satz: „Nun müssen wir kämpfen, um unsere Seele wiederzugewinnen.“

Noch beeindruckender als der eigentlich Artikel aber die Zig Kommentare, die zum großen Teil die fortschrittllichere Position der Grundsatzkritik einnehmen.

Es wird die Frage gestellt: „Welche Seele?“ Welche Seele sei denn Zurückzugewinnen.

Es wird geschrieben: „Es sieht doch so aus, daß wir unsere längst dem Teufel verkauft haben.“

Einer schreibt: „Wenn denn eine Seele zu erkennen wäre, würden wir keine Leute abschlachten, ihre Rohstoffe stehlen, den Politikern erlauben, die öffentlichen Mittel der Arbeitslosenversicherung und der Gesundheitsvorsorge zu rauben, die älteren zum alten Eisen zu werfen, usw. usw. (…) In den Vereinigten Staaten ist die Bestie frei, lebend, tobend und außer Kontrolle. Nur Opfer und Schmerzen können dies Land wieder mit dem Rest der Menschheit in Verbindung bringen, Schmerzen (…) hier in unseren eigenen Straßen (…). Daß eine Seele sich bilden könnte, müßte Mitleid kultiviert und die Apathie zerstört werden.“

Ein anderer schreibt über die US-Führerschaft: „…eine Führerschaft, die chronisch ethische geistige Verwirrung zeigt, chronische Unredlichkeit, desaströse Dummheit, ebenso wie öffentliche Erklärungen und Verhalten eines krinminellen Geisteskranken.“

Ein dritter schreibt: „… da geht ein totes System.“

Ein anderer: „… zu hören, wie man darüber spricht, ob es „das wert“ war, unschuldige Menschen zu töten und zu foltern, gibt mir das Gefühl, mich übergeben zu müssen…“

Der gleiche über Rumsfeld und seine Clique: „… Dümmlinge, unfähig zu sozialen Kontakten – niemand kann wiedergutmachen, was sie getan haben (…)“

„Derek“ schreibt: „Hitler hat solche Dinge getan. Kriegsverbrechen sind mit der Todesstrafe zu ahnden.“Ein anderer: „Es ist höchste Zeit, daß dieses Reich fällt. Je schneller dies passiert, desto besser, denn jeder weitere Tag bringt neue Katastrophen über diesen Planeten (…)“

Ein anderer kommt auf die Seele zurück: „Amerika, deine Seele ist in der Brieftasche, wie immer – und die wird bald leer sein.“

Noch einer ist ziemlich pessimistisch angesichts des Zweiparteiensystems: „ …. der Witz ist, daß die demokratische Wendung sich als die gleiche herausstellt wie die republikanische (…) Man geht im Kreis, bis die Sache genannt Amerika sich dreht und wirbelt und im Staub der Geschichte verschwindet.“

Oder dieser hier: „Welche Seele? Amerika wurde gebaut auf dem Blut der eingeborenen Indianer … die Vereinigten Staaten sind in fast jeden Krieg verstrickt … hat Regierungen abgesetzt und getötet und Millionen und Millionen verstümmelt rund um den Globus … sie haben das souveräne Land Irak überfallen aufgrund von Lügen … die Vereinigten Staaten unterstützen staatlich promovierten Terrorismus gegen die Palästinenser für über 58 Jahre … ich frage erneut: Welche Seele?“

Schließlich: „Unsere Seele wiedergewinnen? Welche Seele? Die Indianer Seele? Die Sklaven Seele? Wessen Seele? Wie wärs mit einer völlig neuen, direkt geformt aus Lehm? Mit der alten kann man nicht mehr viel anfangen, Mike.“

Und so geht es weiter und weiter, seitenlang. Fast alle Antworten nicht um das Ansehen Amerikas besorgt und nicht um die Dauer der Weltherrschaft, sondern um die Werte, die einmal der Menschheit aus den USA entgegenleuchteten. Der amerikanische Aufschrei.

vermischtes

War das Fußball oder Krieg?

Karl Weiss – Die Sonntag-Abend-Vorstellung der Nationalmannschaften von Portugal und den Niederlanden im Achtelfinale in Nürnberg war unverdauliche Kost. Statt Fußball Brutalitäten von der derben Art. Zwei aufgebrachte Mannschaften, ein unfähiger Schiedsrichter, zwei Trainer, die nicht beruhigten und die höchste Zahl von Tätlichkeiten in einem Fußballspiel in der Weltmeisterschaft seit vielen Jahren. Trotzdem keine rote Karte, nur vier gelb-rote.

Wenn die FIFA dieses Spiel so durchgehen läßt und keine zusätzlichen Strafen ausspricht, so fördert sie damit das Abgleiten des Fußballsports in die Brutalsportarten, wo Leute hingehen, weil sie Blut sehen wollen.

Wenn der Berichterstatter richtig gesehen hat, begann alles gleich kurz nach Spielbeginn. Der portugiesische Spieler Christiano Ronaldo zeigte einen technischen Trick, einen Schuss mit der Hacke hinter dem anderen Fuß vorbei. Offensichtlich wollte er den Holländern zeigen, welche technische Feinheiten er beherrscht und sie ein wenig provozieren. Das scheint ihm gelungen zu sein.

Jedenfalls begann kurz danach eine Serie von mehreren groben Fauls der Holländer gegen Christiano Ronaldo, darunter eines, das nur als Tätlichkeit bezeichnet werden kann, von Boularouz, der dafür nur eine gelbe Karte bekam. Kurz danach mußte Christiano Ronaldo, den die meisten für den wichtigsten portugiesischen Spieler halten, verletzt ausgetauscht werden.

Rache auf dem Feld
Was da dann genau vor sich ging, kann man nur vermuten. Anscheinend beschlossen die Portugiesen, ihren Mitspieler zu rächen und die Niederländer im wahrsten Sinne des Wortes in Grund und Boden zu spielen. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß der brasilianische Trainer der Portugiesen, Luiz Felipe Scolari, bei der letzten Weltmeisterschaft Trainer der siegreichen brasilianischen Mannschaft, den Spielern „nahegelegt“ hat, zur Sache zu gehen.

Er hat in dieser Hinsicht eine bewegte Vergangenheit. Als Trainer einer der großen brasilianischen Vereinsmannschaften hat er einmal laut und deutlich verkündet: „Im Fußball gewinnt das Spiel, wer die meisten Fouls macht!“ Als solcher ist er ein naher Verwandter von Otto Rehagel, der bekanntlich auch ähnliche Gedanken pflegte. Der mußte sich einmal bei einem Spiel die offene Oberschenkelwunde des Spielers und späteren Trainer-Kollegen Lienen zeigen lassen, die jener auf dessen Anweisungen zurückführte.

Wie auch immer, von diesem Moment an begannen die portugiesischen Spieler mit Serien von brutalen Fouls und Tätlichkeiten, daß es eine Art hatte. Am Anfang tat sich dabei besonders Costinha hervor, der trotz wiederholten Versuchen eine ganze Zeit lang keine gelbe Karte dafür vom russischen Schiedsrichter Valentin Iwanow sah. Vor ihm bekam der spätere Torschütze Maniche noch eine berechtigte gelbe Karte.

Kurz danach erzielt Maniche sein Tor. Dies beruhigt aber offensichtlich die Wut der Portugiesen nicht im Mindesten. In der 31.Minute erhält Costinha endlich die lange verdiente gelbe Karte für ein brutales Foul an Cocue, die gleiche Szene, für die der Spieler von Trinidad-Tobago sofort rot sah.

In der 39. Minute dann das nächste Foul, das nur als Tätlichkeit bezeichnet werden kann, wieder von Costinha und ohne gelbe Karte (hätte nun schon zum zweiten mal rot verdient), diesmal an Oijer. Spätestens nach dieser Szene sind auch die Holländer wieder aufgebracht.

Absurde Szenen
In der 42. Minute dann eine der absurdesten Szenen der Geschichte der Weltmeisterschaften. Robben dringt in den Strafraum ein mit dem Ball und wird von Valente mit einem Tritt mit den Stollen in die Brust zu Boden geschickt. Der Schiedsrichter gibt weder den fälligen Elfmeter (er habe bereits abgepfiffen gehabt, was allerdings niemand hörte) noch bestraft er die Tätlichkeit, was die Holländer offenbar noch mehr aufbringt.

In der Nachspielzeit der ersten Hälfte bekommt Costinha schließlich die lange erbetene zweite gelbe Karte im Spiel und damit anschließend die rote und ist aus dem Spiel. Aber nicht für eines seiner kriminellen Fouls, sondern weil er ein Handspiel begeht.

Hätten die Holländer sich nun in der zweiten Hälfte beruhigt, ihren Ärger heruntergeschluckt und gespielt, was sie schon gezeigt haben, hätte Portugal mit zehn Spielern kaum widerstehen können. Aber offensichtlich war auch Trainer van Basten zu aufgewühlt, um seine Männer zu beruhigen und ihnen klarzumachen, daß man gegen einen brutalen Gegner nur mit spielerischen Mitteln angehen kann, nicht mit zurückschlagen.

Statt daß der Trainer Scolari nun in sich gegangen wäre und sich klargemacht hätte, daß er mit seiner Unterstützung für Brutalität nun die Chancen der portugiesischen Mannschaft weiterzukommen vermindert hat, räsoniert er herum und stachelt damit die Brutalität seiner Spieler weiter an.

Das nächste Gelb, wieder für ein brutales Foul, geht an Petit, der zur Halbzeit gegen den Stürmer Pauleta getauscht werden mußte, weil Portugal ja nun mit 10 Mann spielt.

Spiel auf Tauchstation
Es folgt auf beiden Seiten eine Anzahl von Fouls, die für gelbe Karten gut waren, aber keine bekommen. Die Nächste gelbe Karte geht an Bronckhorst für eine Tätlichkeit an Deco (Zu diesem Zeitpunkt hätten bereits mindestens vier Spieler des Feldes verwiesen sein müssen).

Nach dieser Szene in der 59. Minute gleitet das Spiel völlig ab. Die Spieler beginnen zu diskutieren statt zu spielen. Figo gibt einem holländischen Spieler einen Kopfstoß und erhält (nein, keine rote) eine gelbe Karte. Der Rest des Spieles ist fast nur noch Diskussionen der Spieler mit kurzen Unterbrechungen, in denen gespielt wird. Der Schiedsrichter hat offenbar nicht begriffen, daß er mit seinem „laufen-lassen“ das Spiel längst nicht mehr im Griff hat. Kurze Zeit später rächt sich Boularouz an Figo. Er schlägt ihm scheinbar ungewollt ins Gesicht. Doch auch dafür erhält er nicht sofort die Rote Karte, sondern nur gelb. Da das aber seine zweite gelbe ist, kommt danach doch noch rot.

Nun stehen beide Mannschaften mit 10 Mann auf dem Feld. Statt daß sich van Basten nun endlich klarmacht, daß er eine Verantwortung als Trainer hat und die Spieler beruhigen muß, damit sie ihr Spiel finden, steht er mit versteinertem Gesicht neben der Bank.

Wieder wird diskutiert und geschubst. Der Schiedsrichter tut so, als sähe er nichts. Kurz danach ist das nächste Opfer Carvalho nach einem weiteren harten Foul. Ein Holländer behält kurz danach den Ball, als die Portugiesen Einwurf haben – keine Bestrafung. Gleich danach steigt Deco von hinten kriminell gegen einen Holänder ein – wieder nur gelb für ein klares Rot-Foul.

Wieder Diskussionen, Schubsereien. Diesmal gibts gelb für Sneijder. Weitere Diskussionen, Spielertrauben. Noch ein Gelb, diesmal für van der Vaart. Eine Minute später weitere Diskussion. Diesmal gelb für Torwart Ricardo. Gleich danach ein neues schweres brutales Foul, wiederum rotwürdig, von Valente an van Persie. Wieder nur gelb.

Deco erinnert sich, daß man bei diesem Schiedsrichter den Ball nicht gleich herausgeben muß und testet das beim nächsten Freistoß für Holland, den er selbst mit einem weiteren Foul verschuldet hat. Der holländische Spieler versucht ihm den Ball zu entreißen und schleudert ihn zu Boden. Nun erinnert sich der Schiedsrichter der Regel und gibt Deco die gelbe Karte, was auch für ihn gleich danach die rote bedeutet, denn er hatte ja schon eine gelbe. Daß der holländische Spieler deshalb trotzdem Deco nicht zu Boden schleudern darf, hat der Schiedsrichter aber vergessen. Das war wieder eine rotwürdige Tätlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt, hätten bereits mindestens drei auf jeder Seite in der Kabine sein müssen, wenn nicht mehr.

Blanke Nerven
In der 80. Minute ein kriminelles Einsteigen von Kuyt gegen Torhüter Ricardo. Keine Reaktion vom Schiedsrichter. Die Nerven der Spieler liegen sichtlich blank. Man wartet nur auf die nächste Gelegenheit, einen Gegner verletzen zu können.

Nach 90 Minuten hat es Tiago erwischt, erst Minuten vorher eingewechselt. Er muß behandelt werden. In der Nachspielzeit dann erneut schweres Einsteigen gegen Torhüter Ricardo. Gleich danach begeht van Bronckhorst ein kriminelles Foul und erhält – nein wieder kein rot, sondern gelb, allerdings ist das auch für ihn das zweite gelb und damit dann doch rot. Damit nun vier gelb-rote Karten. Gleich danach Schlußpfiff.

Portugal feiert den Einzug ins Viertelfinale. Aber war wirklich etwas zu feiern? Will man dem Gegner England wirklich zumuten, gegen dies Portugal zu spielen, bei dem alle Sicherungen durchgebrannt sind. Wird man nicht den nächsten Kopfstoß von Figo erwarten müssen? Wurde ihm doch gerade bewiesen, daß der keine Folgen hat.

Das mindeste ist, daß der Kopfstoß von Figo mit einigen Spielen Sperre geahndet wird. Die FIFA kann das so nicht laufen lassen. Außerdem müßte sie sich die Trainer vornehmen, ebenso die Schiedsrichter. So kann es nicht weitergehen. So geht der Fußball kaputt.

vermischtes

Nur Brasilien, Portugal und Deutschland mit allen Punkten

Karl Weiss – Nun ist also Halbzeit in der Fußball-Weltmeisterschaft. Fast alle Achtelfinale stehen fest. Wirklich große Überraschungen sind nicht eingetreten. Die Schiedsrichterleistungen sind teilweise schauerlich. Es scheint alles zu laufen so wie immer bei WMs. Wenn nicht noch etwas Überraschendes passiert, wird wieder einer der üblichen Verdächtigten gewinnen. Ob das allerdings Deutschland sein wird, ist fraglich.

Nur drei Mannschaften haben bisher in der Vorrunde alle neun möglichen Punkte erreicht: Brasilien, Portugal und Deutschland. Heute kann noch Spanien dazukommen, was gegen Saudi-Arabien kein Wunder wäre.

Brasilien am einspielen
Brasilien, das im ersten Spiel nicht überzeugen konnte, beginnt sich langsam einzuspielen. Ob es unter diesen Umständen noch irgendjemand gibt, der ihnen diese WM streitig machen könnte, ist fraglich. Aber im Fußball ist fast alles möglich. Hier in Brasilien ist die Euphorie, die schon etwas gedämpft war, nach dem Spiel und dem 4 : 1 gegen Japan zurückgekehrt. Nicht so sehr wegen des Ergebnisses, sondern weil man begonnen hat, jenes Spiel zu zeigen, zumindest zeitweise, weswegen alle Welt den brasilianischen Fußball liebt. Man sah u.a. wieder, was das Spiel der Brasilianer oft so gefährlich macht, die schnellen, kurzen Doppelpässe, eine der tödlichsten Waffen im Fußball (welche Sehnsucht nach Beckenbauer und Müller).

Daß Ronaldo nun den Allzeit-rekord von Gerd Müller eingestellt hat mit 14 Toren in Weltmeisterschaften, ist bemerkenswert, hatte er doch die heftigsten Kritiken der Brasilianer einstecken müssen. Allerdings hat Müller nur 2 WMs für die 14 Tore gebraucht, während Ronaldo in seiner dritten WM steht (Genau gesagt, ist es seine vierte.Er war mit 17 Jahren auch bereits auf der Reservebank des Teams, das die WM 1994 in den USA gewann, spielte aber damals noch nicht).

Argentinien überzeugend
Trotzdem kommt niemand umhin zuzugestehen, daß bisher Argentinien die überzeugendsten Vorstellungen abgeliefert hat. Nicht nur das 6:0 gegen Serbien, sondern auch das 0 : 0 gegen Holland gaben Zeugnis der übermächtigen Offensivkraft Argentiniens. Was im Holland-Spiel an Chancen herausgespielt wurden, war beeindruckend, denn Holland ist in der Hintermannschaft ja nicht gerade schwach einzuschätzen. Daß allerdings alle diese Chancen auch vergeben wurden bzw. dem holländischen Torwart Van der Saar Gelegenheit gab, sich auszuzeichnen, beweist auch, daß Argentinien nicht unschlagbar ist. Für die deutsche Mannschaft ist all das ziemlich wichtig, denn Argentinien droht im Viertelfinale.

Das Spiel England gegen Schweden war nach Augenzeugenberichten bisher das beste der ganzen Weltmeisterschaft. Die Schweden, so wird berichtet, haben sich von den mittelprächtigen Vorstellungen bestens erholt und das deutsche Team ist gewarnt. Wer gegen ein voll aufspielendes England zweimal einen Rückstand ausgleicht, hat an einem guten Tag auch die Kapazität, Klinsmanns Mannschaft zum Frühstück zu verspeisen. England selbst, das den Deutschen nun im Halbfinale droht – wenn man denn so weit käme – sei auf gleicher Höhe wie Argentinien einzuschätzen. Der Ausfall von Michael Owen habe dem Team sogar gut getan.

Das Spiel Portugal gegen Mexiko war keinerlei Offenbarung. Das hochgelobte Portugal hat bisher nichts gezeigt, was erwarten ließe, es würde Holland und dann anschließend England abräumen.

Schwere Kost für Deutschland?
Nach allem, was vorhersehbar ist, wird das deutsche Team jetzt nacheinander Schweden, Argentinien und England vorgesetzt bekommen – falls man denn so weit kommt. Sollte diesmal die Nationalelf wirklich bis ins Enspiel kommen, so hätte sie wirklich die Weltmeisterschaft verdient. Bei der letzten Weltmeisterschaft in Korea und Japan war man ja etwas vom Schicksal begünstigt mit Paraguay, den Vereinigten Staaten und Süd-Korea auf dem Weg ins Endspiel.

Auf der anderen Seite der Spielbegegnungen werden sich wohl Brasilien, Italien und Spanien herausschälen. Selbst wenn Frankreich mit einem Sieg über Togo weiterkommen sollte, ist es keine Kraft, von der man erwarten kann, mit diesen großen Teams mithalten zu können.

So kann man also bereits mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die heißen Endspielkandidaten vorhersagen: Auf der einen Seite Brasilien und dahinter Italien und Spanien, auf der anderen Seite Argentinien oder England und dahinter Deutschland.

Für die Kleinen Elfmeter – für die Grossen gelbe Karte
Wiederum hat es nur eine afrikanische Mannschaft geschafft, ins Achtelfinale vorzustossen. In diesem Fall Ghana. Daß man nun gleich mit Brasilien den dichsten Brocken bekommt, ist tragisch. Besser als Ghana war eigentlich die Elfenbeinküste. Sie wurde aber in den Spielen gegen Argentinien und Holland von den Schiedsrichtern benachteiligt, die sie beide mit nur einem Tor Unterschied verlor. Tragisch auch Angola, das eigentlich gar nicht so stark eingeschätzt war. Gegen Portugal verlor man nur 1:0, unglücklich. Das 0:0 gegen Mexiko wurde im Land mit riesigen Feierlichkeiten bedacht. Hätte man es geschafft, am Ende den Iran zu schlagen, wäre man punktgleich mit Mexiko gewesen.

Die Vorstellung des brasilianischen Schiedsrichters Simon im Spiel Argentinien gegen Elfenbeinküste war schauerlich. Zwei, zumindest aber ein Elfmeter wurde den Schwarzafrikanern verweigert. Die hätten das ganze Spiel drehen können, denn zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0. Interessant auch, daß die berühmten gefährlichen Fouls mit beiden Beinen in den Gegner nur bei „kleinen“ Mannschaften zu Platzverweisen führen, wie z.B. Trinidad-Tobago, während Argentinier, Italiener und andere „Großen“ dafür lediglich eine gelbe Karte sehen.

Auch die Ellenbogen-Checks, gegen Italien völlig zu recht mit der roten Karte bedacht (bei der letzten Weltmeisterschaft durften im Spiel gegen Süd-Korea drei Italiener Ellenbogen-Schläge anbringen, ohne auch nur eine gelbe Karte zu sehen), werden anderen nicht so schwer genommen. Zweierlei Maß, wohin man blickt. Auch die neue Regel, daß Spieler sich nicht mehr vor den Ball stellen dürfen, wenn ein Freistoß vom Gegner ausgeführt wird, gilt nur für manche. Die deutsche Mannschaft praktizierte dies das ganze Spiel gegen Ecuador, ohne, wie andere, gelbe Karten einzustecken.

Heute hat es Tunesien, auch ein afrikanisches Team, wenn auch nicht Schwarzafrika, noch in der Hand, eventuell weiterzukommen. Dazu muß man „nur“ die Ukraine schlagen.

Die Schweiz ins Halbfinale?
Das spannendste von allen Spielen wird aber Schweiz gegen Süd-Korea sein. Gewinnt eines der beiden Teams, ist es Erster der Gruppe vor Frankreich, unabhängig davon, wie hoch Frankreich Togo schlagen mag. Frankreich muß sich dann gleich im Achtelfinale mit Spanien herumschlagen, während der glückliche Gewinner lediglich eine Ukraine oder ein Tunesien vorgesetzt bekommt. Danach würde Italien drohen, das aber bisher nicht überzeugt hat. Es ist also keineswegs ausgeschlossen, daß wir zum zweiten Mal hintereinander Süd-Korea im Halbfinale haben oder, fast nicht auszudenken, die Schweiz. Süd-Korea ist schon bei der letzten WM über Italien ins Halbfinale gekommen.

Vom erweiterten Favoritenkreis sind bereits ausgeschieden die hoch eingeschätzten Tschechen, die im FIFA-Ranking gleich hinter Brasilien stehen, die US-Boys, ebenfalls hoch eingestuft im FIFA-Ranking und die Polen, die kurz vor der WM noch Kroatien geschlagen hatten. Kroatien, noch ein möglicher Sieger, der vorzeitig die Heimreise antritt, nachdem man nicht nur gegen die schwachen Japaner unentschieden spielte, sondern am Ende auch gegen die Australier.

Heute könnte noch Frankreich aus der Reihe der Favoriten im weiteren Sinne zu den Ausgeschiedenen dazukommen, wenn es der Mannschaft aus irgendeinem Grund nicht gelingen sollte, Togo zu schlagen. Ernsthaft bedroht ist aber vor allem die Ukraine, die auch zu den Favoriten im weiteren Sinne gehörte. Tunesien ist nämlich ein ernst zu nehmender Gegner, auch wenn ein Unentschieden für den zweiten Platz der Gruppe reichen würde.

In Brasilien wurde mit Ungläubigkeit die Vorstellung von Serbien-Montenegro verfolgt. War die Abreibung, die man von Argentinien bekam, noch irgendwie einzuordnen, so stellte sich doch in den Spielen gegen Holland und besonders die Elfenbeinküste heraus, daß es sich wirklich um ein schwaches Team handelte. Man hat nämlich in Brasilien bei Fluminense Rio de Janeiro den Serben Petkovic spielen, den einzigen europäischen Spieler in der brasilianischen ersten Liga, der hier als extrem stark eingeschätzt wird.

Als man hörte, daß er nicht ins Aufgebot Serbiens geholt wurde, kam man zu dem Schluß, daß diese ein Spitzenteam haben müßten, um so einen Spieler nicht zu brauchen. Die Vorstellungen zeigten dann, daß er nach hiesiger Ansicht besser ist als jeder einzelne der serbisch-montenegrinischen Mannschaft, die ja nun das letzte Mal international aufgetreten ist.

Amerikaner mit Energieleistung und Fussball vom Feinsten
Speziell soll hier noch auf das Spiel Vereinigte Staaten – Italien eingegangen werden. Es zeigte nicht nur eine Energieleistung der US-Spieler, die ihresgleichen sucht: Eine ganze Halbzeit lang in Unterzahl gegen ein Italien ein Unentschieden zu halten, das muß man erst einmal schaffen. Vor allem aber sagte dieses Spiel eine Menge über den heutigen Fußball. Es wurde nämlich fast genau eine Halbzeit lang mit 9 gegen 10 Spieler ausgetragen. Der Effekt war beeindruckend: Es ging von einer seite zur anderen, ununterbrochene Torraumszenen, Fußball vom feinsten, kein langweiliges Hin- und Hergeschiebe des Balls im Mittelfeld.

Warum? Weil mehr Platz war, denn es waren nur 8 Feldspieler auf einer und 9 Feldspieler auf der anderen Seite auf dem Platz. Die heutige übliche Regel im Fußball: Dem Gegner den Raum eng machen, sein Spiel zerstören, ihn nicht ins Spiel kommen lassen, das war unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Es kam, ob man wollte oder nicht, ein offensiver Fußball heraus. Würde man also einfach die Fußballregeln ändern und nur noch 10 statt 11 Spieler einer Mannschaft zuordnen, kämen weit interessantere Spiele zustande

vermischtes

Wann war das, als die Deutschen gut organisieren konnten?

Karl Weiss – Das Fan-Fest im Olympia-Park in München wurde am ersten Spieltag der deutschen Mannschaft zu einem Alptraum. Menschenmassen wurden gegen Zäune gedrückt, die dann nachgaben, andere wurden ins Wasser des Olympia-Sees befördert. Zum Glück gab es keine Todesfälle oder schwere Verletzungen.

Früher einmal, vor langer Zeit, war Deutschland einmal dafür berühmt, daß es vorbildlich organisieren konnte. Zwar waren die Dinge, die da organisiert wurden, nicht immer nur positiv, aber das ist eine andere Geschichte. Dahin, dahin, die alten Zeiten. Heute wird alles amerikanisiert. Da muß man sich natürlich auch dem US-Organisationschaos anpassen.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie die Organisationsfähigkeiten der Deutschen sich in Luft aufgelöst haben (wenn auch noch nicht vollständig). Das Fan-Fest im Münchener Olympiapark ist eines davon. Verantwortlich: Die Stadtverwaltung, die FIFA und die Kreisverwaltung. Die waren, so wie in anderen Städten auch, darangegangen und hatte sich überlegt, daß man Großleinwände aufstellen und die Spiele der deutschen Mannschaft übertragen könnte (eventuell auch die anderen).

Bekanntlich sehen viel Fußballfans, die keine Eintrittskarten ergattern konnten, das Spiel gerne gemeinsam.

Nur hatte die Münchener Stadtverwaltung vergessen, wie hoch die Einwohnerzahl Münchens (einschließlich Einzugsbereich) ist und daß da wohl viele Zehntausend Leute zu solchen Festen strömen werden – jedenfalls wenn gutes Wetter ist.

Feste feiern
Statt nun lieber mit mehr zu rechnen, damit es nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, plante man lediglich ein Fest für die ganze Stadt und Umgebungsbereich und das auf einem Gelände im Olympiapark, das nur begrenzten Raum bot. Etwa 35.000, so rechnete man, hätten hineingepaßt und waren denn auch beim Auftaktspiel da. Nur- es blieben fast noch einmal so viele draußen vor.

Es kam zu häßlichen Szenen. Massen wurden gegen den Zaun gedrückt, der nachgab. Leute wurden von den Bewegungen der Massen in den Olympiasee gedrückt. Glücklicherweise gab es keine schweren Verletzungen oder Tote.

Man hatte sich satt verschätzt – oder hatte man nicht ans gute Wetter geglaubt? Lahm kam danach die Entschuldigung, man hätte ja nicht gewußt, was auf einen zukommt. Nun, etwas organisieren, was man schon hundertmal vorher gemacht hat, kann jeder. Organisationstalent braucht man, wenn man etwas Neues organisiert. Da muß man nämlich mit allen Fällen rechnen.

In München gibt es eine Reihe größerer Freiflächen, die leicht für ein solches Fest in Frage gekommen wären. Der Aufwand für eine Großbildleinwand und ein paar Lautsprecher ist auch nicht überwältigend. Als erstes hätte sich der Königsplatz angeboten, wo schon die größten Rockbands der Welt gespielt haben. Dort wäre es zu Behinderungen von Rettungsfahrzeugen gekommen, ist eine faule Ausrede. Außen herum sind genügend Straßen, auf denen die Rettungsfahrzeuge hätten fahren können und bei den Rockkonzerten war man auch nicht um die Rettungsfahrzeuge besorgt.

Außerdem gibt es ja immer die Theresienwiese, wo das Oktoberfest stattfindet.

Ein anderes großes freies Feld in München, wo keine Liegewiese zertreten wird, ist das Hochwassergelände an der Isar zwischen Wittelbacher und Reichenbach-Brücke. Auch der Odeonsplatz, auf dem schon viele Großveranstaltungen stattfanden, wäre in Frage gekommen. Dort hat vor Hundertausend Münchnern schon de Gaulle geredet und ausgerufen: „Es lebe die bayerisch-französische Freundschaft!“. Auch in der Fußgängerzone sind verschiedene Plätze geeignet. Hätte man zwei, drei Fan-Feste geplant, wäre man auf der sicheren Seite gewesen.

Stadion in idyllischer Ruhe
Wenn man schon im Olympiapark war, hätte man auch das Olympiastadion einbeziehen können mit einer eigenen Großleinwand. Es ist ebenfalls eine dumme Ausrede, daß dort andere Veranstaltungen stattfinden. Den größten Teil des Jahres liegt es nun, nach der Einweihung des Fußballstadions, in idyllischer Ruhe. Da hätte man die wenigen Veranstaltungen schon in den richtigen Abstand legen können.

In Hamburg hatte man Platz für 50.000 Fans geschaffen (auch nicht gerade üppig, aber die Hanseaten pflegen ja immer zu sparen), in Berlin für 200.000. In München 35.000. Provinz bleibt Provinz. Die Krönung in Dresden, wo man vor vier Jahren noch öffentlich auf dem Schloßplatz gefeiert hatte. Nun, bei der WM in Deutschland, gibt es, entgegen früheren Versprechungen, kein einziges städtisches Fan-Fest. Wohl nach dem Motto: sollen die Leute doch nach Leipzig fahren.

Was deutsche Bürokratie bedeutet, konnten die Fans dann erleben, als es ans Auswerten ging und die Planung fürs Polenspiel. Diesmal würde man die Fans bereits früher abblocken, „um den Druck von den Zäunen zu nehmen“, verlautete man. Bereits fünf Stunden vor Spielbeginn würde man keine Fans mehr in die Nähe lassen. Fünf Stunden! Es werde kein Chaos geben, dafür habe man genug Ordner.

Herzlichen Glückwunsch, Deutschland. Der Fußball hat zwar noch nicht brasilianisches Niveau erreicht, aber das Chaos und die Schlußfolgerungen („Aussperen! Mehr Ordner!“) sind bereits (fast) auf brasilianischer Höhe.

vermischtes

Wie ist das mit dem Mindestlohn?

Karl Weiss – Mindestlohn ist eine Forderung, die inzwischen von breiten Teilen der fortschrittlichen Öffentlichkeit Deutschlands aufgestellt wird. Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob ein Mindestlohn Sinn hat, sondern wie hoch er sein soll. Da gehen die Meinungen auseinander.

Auf der Site http://www.mindestlohn.de werben Verdi und NGG gemeinsam für einen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde. Andere Gewerkschafter warnen vor dem Mindestlohn. Die, wenn auch begrenzten, Absicherungen der Tarifverträge würden ausgehöhlt und alles nach unten nivelliert. Dagegen wird argumentiert, daß es hundert Umgehungsmöglichkeiten der Tarifverträge gibt, die auch bereits eifrig genutzt werden, angefangen vom Austritt aus dem Arbeitgeberverband über das Auslagern („Outsourcing“) von Bereichen bis hin zum Entlassen und an Zeitarbeitsfirmen vergeben.

Im Grunde ist die entscheidende Frage, wie hoch denn aber ein Mindestlohn sein sollte. Würde ein vernünftiger Mindestlohn herauskommen, gäbe es ja keine Nivellierung nach unten. Die Linkspartei forderte einen Mindestlohn von 1400 Brutto, das macht (im Fall der Steuerklasse I) knapp Tausend netto.

Armutslohn?
Man wird also zunächst einmal definieren müssen: Was ist ein angemessenes Niveau für einen Mindestlohn. Eines muß wohl klar sein: Es darf keine Armutslohn sein, keine Lohn, der einen in die Armut stößt, obwohl man Vollzeit arbeitet. Sehen wir uns also an, was konkret in Deutschland heute die Armutsgrenze ist. Die Armutsgrenze war früher definiert als die Hälfte des Durchschnittslohns ist aber heute in der EG auf 60% des Durchschnittslohns angehoben worden.

Aus der Site Mindestlohn geht hervor, daß der Durchschnittslohn im Jahr 2004 (das sind also bereits veraltete Zahlen) bei 2880 Euro lag (das ist offensichtlich ein Brutto-Wert). Wir können also aktuell von mindestens 2900 Euro ausgehen. Das bezieht sich natürlich immer auf Vollarbeitsplätze. 60% wäre also 1740 (Würde man noch von den früheren 50% ausgehen, wären es immer noch 1450 Euro). Angemessen wäre ein Mindestlohn also im Bereich von 10 Euro pro Stunde, obwohl auch das noch nicht ganz den Betrag der Armutsgrenze erreichen würde.

Damit ist also offensichtlich die Forderung der Linkspartei um € 340 zu niedrig, schon deutlich (340 Euro!) innerhalb des Armutsbereichs. Um sich eine Vorstellung zu machen: Diese 340 Euro monatlich sind fast genau der Betrag, mit dem man Hartz-IV-Betroffene zwingt, einen ganzen Monat auszukommen und hier wird um einen solchen Betrag hinein in den Armutsbereich gegriffen. Noch düsterer wird es, wenn man den Betrag der Ver.di und NGG ansieht: Die € 7,50 pro Stunde sind bei einer 38,5-Stunden-Woche weniger als 1250 Euro brutto. Damit läge man bereits um 490 Euro unterhalb der Armutsgrenze!

Im Armutsbereich
Sehen wir uns einmal an, was das praktisch bedeutet. Beispiel: Zeitarbeiter in Schicht, Stundenlohn € 7,20 (macht mit Schichtzulage in etwa die geforderten € 7,50). Am Ende bleiben ihm zum Leben monatlich weniger als 900 Euro. Das ist deutlich im Armutsbereich und geht schon, bei hoher Miete, in den Bereich der absoluten Armut. (Das Beispiel ist der „Roten Fahne“ der MLPD No. 24/06 entnommen)

Es ist offensichtlich, daß die Kapitalisten den Lohn in diese Bereiche drücken wollen, aber sollte die Gewerkschaft, sollte die Linkspartei dabei mitmachen?

Mindestlöhne, die tief in die Armutsbereiche gehen, nivellieren nur nach unten und schaden mehr als sie nutzen können. Darum Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde!