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Gouverneur Lembo erleichtert sein Herz

Karl Weiss – Kaum je erlebt man einmal, daß einer der führenden Politiker in einem der Regime der großen Länder seiner Wut freien Lauf läßt und sein Herz ausschüttet. Jeder weiß, daß damit seine Karriere beendet wäre und kommt deshalb auch nur auf solche Posten, wenn er bereits bewiesen hat, daß er sich immer (fast vollständig) im Griff hat.

Doch aufgrund der speziellen Umstände in Brasilien hat der Gouverneur (Ministerpräsident) des Bundesstaates São Paulo, Claudio Lembo, genau dies getan. Er war der Verantwortliche, als die Mafia-Terrororganisation PCC beschloß, ihre Macht zu zeigen, weil sie den Bruch eines Abkommens mit der Staatsregierung zu beklagen hatte. Ihre Attacken und die Reaktion des Staates darauf wurden bereits berichtet.


Lembo, rechts, ein altgedienter Haudegen der politischen Rechten

Die spezielle Situation des Gouverneurs Lembo beruht auf dem präsidialistischen System (im Gegensatz zum parlamentaristischen System), das in Brasilien (so wie in den USA) herrscht. So wie der Präsident und das Parlament auf Bundesebene, werden auch auf der Ebene der Bundesländer der Gouverneur und das Parlament getrennt voneinander direkt vom Volk gewählt. Deshalb treten die Kandidaten für die Präsidentschaft und für den Gouverneur jeweils mit einem Vize-Kandidaten an. Der Vize übt kein Ministeramt oder etwas ähnliches aus, sondern vertritt nur den Präsidenten (Gouverneur) bei seiner Abwesenheit. Das ist also ein Drückerposten, in das man üblicherweise ältere, ‚verdiente’ Politiker (die keinen mehr vom Hocker reißen) jener Partei steckt, die Anspruch auf den Posten hat (so ähnlich wie in Deutschland der Bundespräsident).

Altgedienter Haudegen
So kam auch Vize-Gouverneur Lembo zu diesem Posten. Er ist ein altgedienter Haudegen der politischen Rechten in Brasilien, war zu Zeiten der Militärdiktatur Parteichef der ‚Arena’ in São Paulo, des politischen Flügels der Militärdiktatoren und einziger zugelassener Partei. Später, als die Militärdiktatur abgelöst wurde, ging er zeitweise zur liberalen Opposition, gründete dann zusammen mit anderen die PFL (Partei der liberalen Front), eine der beiden Nachfolgeparteien der ‚Arena’. Heute ist er bereits über Siebzig. So wurde er denn von seiner Partei ausgewählt, Vize des Kandidaten Alckmin zu sein, der mit einer Koalition zwischen seiner Partei PSDB (eine konservative Partei, die sich lustigerweise sozialdemokratisch nennt) mit der PFL antrat.

Nun ergab sich aber, daß Alckmin zum Kandidaten der PSDB gegen Lula bei den Präsidentschaftswahlen im Spätjahr bestimmt wurde und deshalb den Gouverneursposten abgeben mußte. So kam Lembo zum Amt eines Gouverneurs wie die berühmte Jungfrau zum Kind. Nur: Er wird diesen Posten nur 8 Monate bekleiden und seine Karriere ist sowieso bereits am Ende.

Unter dieser Bedingung wollten offenbar die PSDB-Politiker ein Experiment durchführen, daß sie unter der Herrschaft eines der eigenen nicht gewagt hätten: Sie ließen – wahrscheinlich über den Sicherheits-Minister, der ja nicht ausgetauscht worden war – die Zusicherungen, die man an die PCC gegeben hatte, zur Seite und ließen deren gefangene Mitglieder, einschliesslich des Führers, in ein entfernt gelegenes Hochsicherheitsgefängnis verlegen. Man vermutete wohl schon, daß die Antwort des PCC gewaltig und gewalttätig sein würde. Ein ausgedienter Politiker der PFL konnte das dann nötige neue Abkommen auf seine Kappe nehmen. Man selbst geht einfach auf Tauchstation.

Das waren offenbar die Umstände, die Lembo dazu veranlaßten, sein Herz zu erleichtern. In der Krisensituation verschwanden nämlich alle Allierten von ihm von der Bildfläche. Niemand wollte mit den schweren Problemen identifiziert werden, die dieser Gouverneur nun hatte und die er offenbar nur durch einen „Deal“ mit der Verbrecherbande lösen konnte, was er offenbar auch tat.

Niemand verteidigte ihn, niemand wollte mit dieser Ungeheuerlichkeit Verbindung haben, daß in Brasilien die Oligarchie ihre Herrschaft bereits mit dem organisierten Verbrechen teilt und mit ihm teilweise auch gemeinsame Sache macht, oder auch nur seinen Namen hiermit in Verbindung gebracht sehen.

Kontakte vermeiden

Der Kandidat der Rechten gegen Lula, Alckmin, versteckte sich unerreichbar und ließ nur kurz verlauten, er habe kein Abkommen mit der PCC gehabt, was offensichtlich nicht stimmt. Der bei weitem aussichtsreichste Kandidat für den Posten des Gouverneurs von São Paulo, Serra (der also wahrscheinlich das Abkommen erben wird), ebenfalls von der PSDB, unterlegener Kandidat gegen Lula bei den letzten Präsidentschaftswahlen, verschwand. Niemand wußte, wo er sich aufhält, wahrscheinlich in den USA. Der frühere Präsident Brasiliens, Cardoso, ebenfalls von der PSDB, war in New York und kritisierte von dort aus das Abkommen, das Lembo offenbar geschlossen hatte. Die Führer von Lembos eigenen Partei, der PFL, sonst immer die ersten vor einer Fernseh-Kamera, tauchten ebenfalls unter.

In einem Interview ironisiert Lembo diese politischen Größen und hob hervor, daß sie selbst telefonischen Kontakt mit ihm weitmöglichst vermieden: „Alckmin hielt es für nötig, genau zweimal kurz anzurufen, naja, die Telephoneinheiten sind ja so teuer. Serra hat Amnesie und Fernando Henrique [Cardoso] sitzt in New York und diniert in feinen Restaurants, in denen ein Gläschen Cognac 900 Reais kostet (etwa 300 Euro)“. Seine eigenen Parteiführer von der PFL, so sagt er sarkastisch, denken nach und werden sicherlich anrufen bei ihm, in etwa 500 Jahren!

Doch er blieb nicht dabei stehen. Er attakierte die brasilianische Oligarchie, die sich selbst gerne die „Elite“ nennen läßt, aber auch die ‚brasilianische Bourgeoisie’ genannt wird. Er nennt sich selbst einen ‚Pequeno Burgues’ (Kleinbürger) und findet starke Worte gegen die Oligarchie: Sie sei böse, sie sei eine zynische und perverse weiße Minderheit, die ihre Bediensteten schlecht behandelt und sei außerdem heuchlerisch und sterbe fast vor Geiz. Sie sei nicht bereit, die Rechnung zu bezahlen für das Elend, das sie sich so angestrengt habe zu erzeugen.

Dann langt er noch einmal hin: „Im ökonomischen, politischen, Finanz-Bereich gibt es große Räuber, die niemals… Ich sehe Leute, die ihre pompösen Villen zur Schau stellen, obwohl sie große Betrügereinen gemacht haben und andere sind im Gefängnis, nicht wahr?“

Das Interview wird von einem bekannten brasilianischen Journalisten geführt, Bob Fernandes, der sich auch längst der Oligarchie verkauft hat, nun aber Schadenfreude empfindet, daß er Lembo Stichworte geben kann, die der auch gerne aufgreift. Man höre sich nur diesen Teil des Interviews an:

„Welches Verhältnis sehen Sie zwischen dem Leben im Gefängnis und dem derer, die Sie die Bourgeoisie genannt haben? Wie groß ist der Abstand dieser Welten?“

„So groß ist der Abstand nicht! Vielleicht hat die eine Welt nur gute Rechtsanwälte und die andere schlechte?“

Oder diesen:

„Herr Gouverneur, Sie haben in jenem Interview (mit der „Folha de São Paulo“) Ihr Herz ausgeschüttet … war das Ihr 18. Brumaire?“

Das zu sagen wäre gefährlich, denn beim ersten Mal ist es heldenhaft, beim zweiten ein Irrtum. Das war Karl Marx selbst, der dies gesagt hat, darum würde ich das so nicht sagen.“

Diese Stelle des Interviews belegt, daß beide, zwei hervorstechende Figuren der Rechten in Brasilien, Karl Marx gelesen haben. Der 18. Brumaire bezieht sich auf die Schrift von Karl Marx „Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte“. Dort beschreibt Marx einen versuchten Staatsstreich in Frankreich gegen den reaktionären Herrscher Louis Bonaparte in den 60er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Reihe dessen scheinbar besten Freunde versuchten, ihm seinen Thron zu rauben und er beklagt sich denn auch lautstark darüber, verspottet von Karl Marx.

Die Antwort des Gouverneurs bezieht sich auf die Aussage von Karl Marx, daß sich die Geschichte nicht wiederholt – und wenn sie es tut, dann beim ersten Mal als Ereignis, beim zweiten Mal als Farce.

So dreht sich denn die Anklage des Zynismus gegen die Bourgeoisie gegen die beiden Marx-Kenner, den etablierten Journalisten und den Gouverneur eines Staates mit 40 Millionen Einwohnern. Der Journalist stichelt: „Dann sind Sie also jetzt links von [der trotzkistischen] Senatorin Heloísa Helena?“ „Nein, sie hat einige sehr farbige Hemden [bezieht sich auf die rote Farbe], während ich bei den dunklen bleibe [bezieht sich auf das Schwarz des Konservatorismus].

Nun, hier hat einer der intimsten Kenner der brasilianischen Oligarchie gesprochen und es wurde deutlich, daß er dabei noch voll die Staatsräson bewährt hat. Wo er Namen nannte, hat er nur leicht ironisiert, wo er schwerere Geschütze auffuhr, blieb alles anonym. Aber alles, was er z.T. nur andeutete, können wir gestrost als Wahrheit ansehen, auch wenn er nur einen kleinen Zipfel des großen Teppichs angehoben hat, unter den alles gekehrt wird.

Offenbar Abmachungen mit dem Terror
Brasilianische Mafia überfällt Polizeireviere
Rio: Bürgerkrieg in den Favelas
Unglaubliche Zusammenarbeit von Behörden mit Mafia-Organisation
Rio de Janeiro: Wird wirklich Militär gegen die Drogenmafia eingesetzt?
Militär gegen Drogenmafia

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China und Indien bereits auf Plätzen 2 und 4

Karl Weiss – Nachdem bereits die Zahlen der konventionellen Vergleiche der Brutto-Nationaleinkommen (früher: Brutto-Sozialprodukte) für 2005 vorlagen, sind nun auch die Zahlen für die modernen Vergleiche mit dem PPP-Verfahren (Brutto-Inlandseinkommen) veröffentlicht worden. China hat bei diesen Vergleichen bereits Platz 2 in der Welt erobert, nicht mehr fern den USA, und Indien steht bereits auf Platz 4 vor Deutschland.

Seit 1999 wird das Brutto-Sozialprodukt Brutto-Nationaleinkommen genannt. Es setzt sich zusammen hauptsächlich aus den Arbeitnehmereinkommen und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen (das wäre das „Volkseinkommen“) zuzüglich von Gütersteuern und abzüglich von Gütersubventionen (das ist dann das „Netto-Nationaleinkommen“) zuzüglich der Abschreibungen. So kommt man zum Brutto-Inlandseinkommen (im englischen: Gross Domestic Product, GDP), auf das wir uns im weiteren beziehen. Um zum Brutto-Nationaleinkommen (das hier im weiteren aber nicht mehr betrachtet wird) zu kommen, zieht man noch die Abflüsse der Gelder ins Ausland ab und zählt die Zuflüsse aus dem Ausland hinzu.

Es gibt eine europäische Vereinbarung, welche statistischen Werte hierzu genau verwendet werden. Da in den Ländern aber verschiedene statistische Erhebungsmethoden angewandt werden, sind auch die Ergebnisse nur bedingt vergleichbar. Die Veröffentlichungen einiger Länder werden außerdem international nicht als korrekt angesehen und so machen internationale Gremien eigene Schätzungen. Man darf also solche Zahlen nicht als wissenschaftliche Wahrheit ansehen, sondern muß mit gewissen Schwankungsbreiten rechnen. Allerdings sind diese Zahlen für jedes einzelne Land von höchster Bedeutung, da sie die Stärke seiner Wirtschaft repräsentieren.

Deutlich schwieriger wird es, wenn man die Zahlen der Länder international vergleichen will, wozu üblicherweise das Brutto-Inlandseinkommen, GDP, verwendet wird.. Zunächst sind da die verschiedenen Erfassungsgrundsätze, die einen Vergleich erschweren, aber das macht meistens nur Stellen nach dem Komma aus, wenn man in Milliarden Dollar vergleicht. Das Hauptproblem des Vergleichs ist aber die Währungsumrechnung.

Konventionell wird einfach zum aktuellen Dollarkurs der einzelnen Währungen umgerechnet. Das nennt man den Brutto-Inlandseinkommens-Vergleich nach der Atlas-Methode. Diese Methode wurde schon verfeinert, indem man nicht mehr einfach den Dollarkurs der Währungen am Jahresende nahm, sonderne einen gewichteten mittleren Jahreskurs verwendet, aber das grundlegende Problem ist damit nicht beseitigt:

Der Dollarkurs ist eine extrem manipulierbare Zahl, die unter anderem von spekulativen Kapitalflüssen abhängen kann (der aktuellste Beweis in diesem Mai ist der Fall der brasilianischen Währung Real von 2,07 auf 2,40 pro Dollar innerhalb kürzester Zeit) und andererseits von einigen Regierungen einfach nach eigenem Gutdünken festgelegt wird (z.B. China). Damit soll die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Exporte in den Dollar-Raum gehalten bzw. verbessert werden. Im Großen und Ganzen kommen die entwickelten Volkswirtschaften bei diesem Vergleich zu gut weg, während die Schwellenländer und die Entwicklungsländer so künstlich zu kleineren Volkswirtschaften kommen, als sie der Wirklichkeit entsprechen.

CIA-Berechnungen
Aus diesem Grunde wurde das PPP-Verfahren erfunden (Puchasing Power Parity, Kaufkraft-Parität), das ist eine Kaufkraft-Bereinigung. Es wird ein künstlicher ‚Internationaler Dollar’ geschaffen, dessen Wechselkurse von der Kaufkraft der Währung in den einzelnen Ländern abhängig gemacht wird. Wie diese genau bestimmt wird, darüber sind sich die verschiedenen Organisationen uneinig, die solche Berechnungen anstellen, aber am Ende kommt man zu relativ vergleichbaren Ergebnissen. GDP-Vergleichstatistiken auf PPP-Verfahrensbasis werden jährlich vom IMF ( Internationaler Währungsfond), von der Weltbank und von CIA erstellt und veröffentlicht – man stelle sich vor, der CIA macht auch mal was hilfreiches.

Allerdings müssen die CIA-Berechnungen mit Skepsis betrachtet werden und können nur im Zusammenhang mit den beiden anderen oder zumindest mit einer von ihnen betrachtet werden. So hat z.B. der aktuelle 2005-Bericht des CIA die USA noch mit einem höheren Wert als die EU in der Statistik, während die beiden anderen der erweiterten EU den deutlich höheren Wert zusprechen (die Weltbank bereits 2004). Auch kommt China in den CIA-Zahlen auffallend viel schlechter weg als in den beiden anderen Berechnungen.

Konkret gibt es die 2005-Zahlen des CIA seit April und jetzt (Mai) auch die des IMF, dem man üblicherweise die größte Glaubwürdigkeit entgegenbringt. Der Weltbank-Bericht ist noch nicht fertig, aber man kann die 2004-Zahlen in den Vergleich einbeziehen, was eine gute Ausgangsbasis gibt.

Stellt man die drei Kolonnen nebeneinander, wie es in der englischen Wikipedia gemacht wird (Stichwort: Gross National Product), so stimmen zwar nicht die Zahlen, aber die Reihenfolgen für die ersten 10 Länder überein (bei der Weltbank schon 2004!):USA, China, Japan, Indien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Brasilien, Rußland.

Danach gibt es die Gruppe der Nationen 11 bis 15, die in allen drei Aufstellungen, allerdings in verschiedener Reihenfolge, die folgenden Länder umfaßt: Kanada, Spanien, Mexiko, Südkorea und Indonesien.

Darauf folgt ein Loch von mehreren hundert Milliarden ‚Internationalen Dollar’ und danach kommen die kleineren Länder, begonnen mit Australien (nach einer Version) oder Taiwan (nach einer anderen).

Die Abweichungen der Zahlen zwischen den CIA-Angaben und denen des IMF sind in vernünftigem Rahmen: Die absoluten Zahlen weisen mit der Ausnahme der China-Zahlen bei den absoluten Zahlen im Bereich von unter 2% und bei den Prozentzahlen der Gesamtsumme im Bereich von Zehntelprozent-Punkten erträgliche Schwankungen auf. Bei der China-Zahl der CIA wird allerdings ein um fast 2%-Punkte der Gesamtsumme niedrigerer Wert angegeben als beim IMF. Die Veränderungen seit 2004 im Vergleich mit den Weltbankzahlen ergeben einen Sinn. Man kann also im Wesentlichen mit diesen Zahlen arbeiten, ohne zu vergessen, daß sie auf verschiedenen Grundlagen erstellt werden. Hier die Liste der ersten Zehn 2005 mit der absoluten Zahl des IMF (in Milliarden Dollar – Billions of Dollar im Englischen -) und den Prozentzahlen von der Gesamtsumme aller Inlandseinkommen weltweit von IMF/CIA:

USA 12 278 20,3 / 20,8 %
China 9 412 15,4 / 13,7 %
Japan 3 911 6,4% / 6,6%
Indien 3 633 5,9% / 6,2%
Deutschland 2 522 4,1% / 4,1%
UK 1 833 3,0% / 3,1%
Frankreich 1 830 3,0% / 3,1%
Italien 1 668 2,7% / 2,8%
Brasilien 1 577 2,6% / 2,6%
Rußland 1 576 2,6% / 2,6%

Zum Vergleich:

Welt 61 078 100%
EU 12 427 20,3/20,4%
Summe der 10 40 240 65,8/65,6%

Vergleicht man diese Liste aber mit der herkömmlich hergestellten, also auf der Basis der jeweiligen Wechselkurse zum Dollar, werden grundlegende Unterschiede sichtbar. China ist dort noch weit von den USA entfernt, Indien noch nicht einmal unter den ersten elf. Die künstlichen Dollarstärken in fast allen Schwellenländern und Entwicklungsländern verhindern eine Einstufung nach sachlichen Kriterien.

Diese Liste, auch vom IMF herausgegeben, sieht auf den ersten Plätzen folgendermaßen aus:

USA 12 486 28,1%
Japan 4 571 10,3%
Deutschland 2 797 6,3%
China 2 225 5,0%
UK 2 201 5,0%
Frankreich 2 106 4,7%
Italien 1 766 4,0%
Kanada 1 130 2,5%
Spanien 1 127 2,5%
Süd-Korea 793 1,8%
Brasilien 793 1,8%

Zum Vergleich:

Welt 44 433 100%
EU 13 446 30,3%
Summe der 10 31 202 70,2%

Man beachte den Unterschied der beiden IMF-Zahlen für China. In dieser Tabelle, basiert auf den Wechselkursen, hat China erst etwa 18 % des GNP der USA erreicht. In der vorher gezeigten, die mit der PPP-Methode erstellt wurde, liegt China bereits bei fast 77 % des GNP der USA. Man hat den Eindruck, es wird von zwei unterschiedlichen Welten geredet.

Dabei haben auch die mit der PPP-Methode erstellten Zahlen noch wesentliche Schwächen. Die wichtigste davon ist, daß Unternehmen ja nicht verpflichtet sind, die in einem Land anfallenden „Einkommen“, sprich Erträge, auch in diesem Land anfallen zu lassen. Sie sind vielmehr frei, mit verschiedenen Methoden Erträge in jene Länder zu verschieben, wo man sie anfallen lassen will. In der Regel geht es dabei darum, weniger Steuern zu zahlen oder besser noch – gar keine. Jeder gute Firmen-Betriebswirt kennt alle Tricks, wie man völlig legal Erträge in andere Länder verschiebt. So fallen in den bekannten Steuerparadiesen (und auch in Ländern, von denen dies nicht so bekannt ist) sagenhafte Beträge an, die mit keinerlei Wirklichkeit zu tun haben.

Wikipedia nennt ein Beispiel: „[US-] Amerikanische Firmen, die ‚holdings’ in Irland haben, „kaufen“ ihre eigenen Produkte billig aus der Produktion vom [europäischen] Kontinent durch die irische Tochter (ohne sie wirklich zu versenden) und verkaufen sie von dort aus mit Gewinnen und vermindern die Steuern damit – und erhöhen das irische GDP.“

In diesem Sinne unsinnig (oder jedenfalls unrichtig) aufgebläht sind z.B. die Brutto-Inlandseinkommen von Luxemburg, von Liechtenstein, der Schweiz, von Irland, der Kanalinseln Guernsey und Jersey, von Island, von Österreich, den Bahamas, Trinidad-Tobago, Barbados, Mauritius, Saint Kitts, Panama und weiteren Kleinstaaten.

So muß man also GDP-Zahlen von Ländern mit weniger als 5 Millionen Einwohnern mit allem Vorbehalt betrachten. Völlig absurd wird es allerdings, wenn bestimmte bürgerliche Ökonomen nun diese GDP-Zahlen nehmen, durch die Zahl der Einwohner des Landes teilen und damit eine angebliche GDP-„per capita“-Liste aufstellen (Pro-Kopf-Einkommen). Dies ist natürlich sachlicher Unsinn, denn den größten Anteil des „Einkommens“ bei der GDP-Berechnung haben ja die Firmen-Einkommen. Diese Zahlen anschließend auf die Einwohner des Landes umzulegen, ist – vorsichtig ausgedrückt – unzulässig. Aber Logik war ja noch nie die Stärke bügerlicher Ökonomen.

Sieht man sich so eine „per-capita-Liste“ an, fällt einem auch sofort auf, daß die dortigen Angaben kaum etwas mit der wirklichen Einkommenssituation der Bevölkerung zu tun haben kann. So tauchen z.B. die ‚Vereinigten Arabischen Emirate’ erst ziemlich weit unten auf der Liste auf, während Irland sehr weit oben steht.

Wenn im neuen Namen des Brutto-Sozialprodukts jetzt ‚Einkommen’ steht, so mag das in der Absicht gewählt worden sein, eben solche Assoziationen zu schaffen mit dem Wohlstand, der in einem Land herrschen soll. Dies ist aber nicht der Fall. Wirklich gemessen wird hier die Wirtschaftsleistung eines Landes – und das auch nur mit Verwerfungen, speziell, wenn es sich um kleinere Länder handelt. Trotzdem bleibt das GDP ein wesentlicher Grundpfeiler vieler ökonomischer Betrachtungen.

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Naive Umweltschützer geben Mainstream-Medien Stichworte

Karl Weiss, Rio de Janeiro – In einem Artikel zu Kraftstoffen aus Biomasse vom 11. Mai greift die „Süddeutsche“ erneut eine Sage auf, die bereits geraume Zeit im Blätter- und Bildschirmwald herumgeistert: Das Zuckerrohr für den Alkohol, der bereits 60% aller brasilianischen Kraftstoffe ausmacht, werde auf Gelände angebaut, das dem Regenwald durch Roden entrissen würde. Falsch.


Kein Regenwald zum Autofahren

In Wirklichkeit sind um die 90% der Zuckerrohr-Anbauflächen in den südöstlichen Bundesstaaten (São Paulo, Minas Gerais, Rio de Janeiro und Espirito Santo) Brasiliens und im Staat Bahia angesiedelt, Tausende von Kilometern von den Amazonas-Regenwäldern entfernt. Zwar gab es auch in diesen Bundesstaaten früher in den Küstenregionen Regenwälder (Mata atlântica), aber die sind schon seit Beginn des letzten Jahrhunderts weitgehend vernichtet worden, etwa zu 92%, als noch niemand an Alkohol für Autos auch nur dachte. Die restlichen 8% wurden und werden in keinem Fall in große, industriell bebaute Zuckerrohrfelder umgewandelt. Die meisten großen Zuckerrohr-Anbaugebiete sind im Landesinneren, wo es nie Regenwälder gab.

Andererseits sind in den großen Regenwaldgebieten des Amazonas, das betrifft in Brasilien die Bundesstaaten Amazonas, Acre, Rondonia, Roraima, Teile vom Amapá und Maranhão sowie den Norden der Staaten Pará, Tocantins und Mato Grosso, keinerlei große Zuckerrohranbaugebiete bekannt und keine Alkoholfabriken angesiedelt.

Auch das andere grosse, weitgehend naturbelassene Urwald- und Sumpfgebiet in Brasilien, der Pantanal, an den Grenzen zu Bolívien und Paraguay gelegen, weist keinen großangelegten Zuckerrohranbau auf. Zwar gab es Pläne dafür, die wurden aber vor kurzem fallengelassen.

Alkohol im Tank?
Die ganze Geschichte mit den Meldungen, die durch die Medien geistern, angeblich würde in Brasilien Regenwald für Zuckerrohranbau zur Alkoholgewinnung gerodet, scheint ursprünglich auf die Artikel eines gewissen Suchanek zurückzuführen zu sein. Dieser Zeitgenosse rühmt sich in einem Artikel im „Neuen Deutschland“ vom 6. März diesen Jahres, bereits 1988 in einem Artikel vor dem ‚Alkohol im Tank’ gewarnt zu haben. Er schreibt: „Während Menschen im Nordosten des Landes verhungerten, opferte die brasilianische Regierung die besten Böden und Regenwaldgebiete dem Autofahren mit dem vermeintlichen Biotreibstoff.“

Das sind gleich zwei dumme Verdrehungen. Zum einen: Die Tatsache, daß viele Menschen in Brasilien (damals wie heute) hungern, hat sehr viel mit dem Kapitalismus zu tun, in dem wir leben und nichts, aber absolut nichts, mit dem Fehlen guter Böden zum Anbau von Nahrungsmitteln. Die Menschheit hat in diesem Moment die Möglichkeit, für 12 Milliarden Personen genug Nahrung zu produzieren, während wir bisher nur 6 Milliarden Menschen sind. Das Problem ist also eines der einseitigen Verteilung der Reichtümer, die es wesentlichen Teilen der Menschheit nicht ermöglichen, Nahrungsmittel zu kaufen, während andererseits Nahrungsmittel in riesigem Maßstab vernichtet werden.

Das zweite unsinnige in diesem Argument ist die Erwähnung der Regenwaldgebiete. Wie oben schon dargelegt, wurden keinerlei nenneswerte Regenwaldgebiete dem Zuckerrohranbau zur Alkoholgewinnung geopfert. Schließlich schreibt er auch noch von „vermeintlichem“ Biotreibstoff, so als ob Alkohol aus Zuckerrohr keine regenerierbare Energie auf biologischer Grundlage wäre.

Liest man ein wenig weiter bei ihm, so sieht man auch, warum dies sein Anliegen ist. Er schreibt: „Es ist der falsche Ansatz, lediglich fossile Treibstoffe durch andere auszutauschen und gleichzeitig die Zahl der Autos weiter zu vermehren. Ressourcen- und Flächenverbrauch werden dadurch nicht geringer, die Luft nicht wirklich besser, nur weil die Tankstellen Palm- und Rapsöl oder Ethanol statt Benzin und Diesel verkaufen.“

Zweifellos ist in einer sozialistischen Zukunft die Entscheidung angesagt, ob man wirklich weiterhin den Individualverkehr mit Autos den Vorrang geben will oder ob es nicht angesagt ist, den Verkehr mit sicheren, schnellen und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln abzuwickeln, auf Schienen oder schweben über Schienen, die nicht jährlich Hunderttausende von Toten fordern, nur weil man sich von einem Ort zum anderen bewegen will.

Unsinn
Dieses Zukunftsproblem aber jetzt, im Kapitalismus, gegen die unbedingt notwendige schnelle Ablösung der fossilen Energieträger auszuspielen, ist Unsinn. Man hat sogar den Eindruck, er glaubt, ein solches Umdenken könnte im Kapitalismus stattfinden und sagt im ganzen Artikel kein Wort von der Erzeugung von CO2 , von der globalen Erwärmung, vom Klimawandel und der drohenden Umweltkatastrophe. Ob er davon nichts weiß? Ob er ein Überlebender der Umweltbewegung aus den Siebziger Jahren ist, als man dieses, heute bei weitem dringendste Problem noch nicht erkannt hatte und seitdem keinen Kontakt mehr mit der Wirklichkeit hatte? Wenn er kein völliger Idiot ist oder dies bewußt verdreht, ist er jedenfalls äußerst naiv.

Wie auch immer, er gibt den Energie-, Öl- und Auto-Konzernen und ihren Apologeten die Stichworte, warum bei den Treibstoffen, wie auch bei der Stromerzeugung, alles beim Alten bleiben müsse.

Und so greift denn auch die „Süddeutsche“, eines der Lautsprecherorgane dieser Konzerne, begierig und dankbar dies Argument auf. „Das Zuckerrohr für die Alkohol-Gewinnung wird in riesigen Monokulturen angebaut, die intensiv gedüngt und bis zu fünfmal im Jahr geerntet werden. Um Platz für die Felder zu schaffen, wird der Urwald gerodet.“ schreibt das Monopolorgan im genannten Artikel über den Alkohol in Brasilien.

Woher man die Information mit dem gerodeten Urwald hat, schreibt man vorsichtshalber nicht, sonst könnte ja jemand dahinter kommen, daß man die Wahrheit verdreht. Das Argument mit den Monokulturen und den Düngemitteln (oft wird auch noch der intensive Gebrauch von Herbiziden und anderen hochgiftigen ‚Ziden’ hervorgehoben) ist allerdings interessant. Wann je hat die „Süddeutsche“ gegen den intensiven Gebrauch von Düngemitteln und Monokulturen in der deutschen Landwirtschaft polemisiert? Oder ist es so, daß es nur erhabenen Herrenrassenmenschen zugestanden ist, Dünger und Monokulturen zu verwenden? Die Heuchelei der „Süddeutschen“ schreit wirklich zum Himmel.

Und Herr Suchanek gab das Stichwort.
Nun gibt es tatsächlich Gefahren in Brasilien im Zusammenhang mit dem Alkoholprogramm. Zuckerrohr vermag nämlich besser als jede andere Pflanze das Sonnenlicht in die höchstmögliche Menge von Kohlehydraten umzuwandeln, die dann zu Alkohol vergoren werden. Die Methoden, den Alkohol, wie in den USA, aus Mais, oder wie in Schweden geplant, aus Weizen herzustellen, ebenso wie jene mit Zuckerrüben oder der anderen Alternative, Kartoffeln, sind weit weniger ergiebig. Zusätzlich kann man bei Zuckerrohr mehrere Ernten pro Jahr einbringen, zwar keine fünf, wie der Artikel behauptet, aber in der Regel zwei und öfters auch drei. Dadurch – und durch den technologischen Vorsprung, weil man schon jahrzehntelange Erfahrung hat – kann Brasilien den Zucker-Alkohol zu heute unschlagbaren Preisen herstellen. Unlängst wurde von den brasilianischen Alkoholherstellern an die Europäische Union ein Angebot von großen Mengen Alkohol zum Einmischen in das europäische Benzin von 25 Eurocent pro Liter abgegeben. Es wurde allerdings nichts aus diesem Geschäft, denn die Ölkonzerne funkten dazwischen.

Da Zuckerohr ja außerhalb der tropischen Zonen nicht wächst, die imperialistischen Länder aber außerhalb der Tropen liegen und nicht im Traum daran denken, die Rohstoffe für den Alkohol woanders als im eigenen Land herzustellen, gibt es eine Widersprüchlichkeit. Ein Grund mehr, die Sache mit dem Alkohol immer wieder auf die lange Bank zu schieben.

Tatsächlich aber gibt es die Drohung, Zuckerrohr auch in den nördlichen Teilen Brasiliens und in den Ausläufern des Pantanal-Gebietes anzubauen und einen lukrativen Alkohol-Export aufzubauen.

China hat zusammen mit Brasilien an einem Projekt gearbeitet, in dem vorgesehen war, mit chinesischem Geld im Gebiet des Regenwaldes am oberen Xingú (ein anderer Nebenfluß des Amazonas) Zuckerrohranbau anzufangen und eine riesige Alkoholfabrik zu errichten. Das hätte allerdings wirklich bedeutet, daß Regenwald für Alkohol abgeholzt worden wäre. Allerdings waren die Proteste so intensiv, daß man – jedenfalls bis auf weiteres – davon Abstand nahm.

Eine andere Gefahr ist der Gouverneur von Mato Grosso, Maggi, der größte Ziegenbock, der je in der Geschichte der Menschheit zum Gärtner gemacht wurde. Maggi [Ironie, daß wir in Deutschland unter dem Namen Maggi eine Sojasoße kennen] ist der „König der Soja“, der größte Sojaanbauer der Welt, der Jahr für Jahr seine Anbaugebiete tiefer und tiefer in den Regenwald im Norden „seines“ Staates vortreibt und sagt, dort sei soviel, daß dies kaum einen Unterschied mache. Für ihn wird der Rio Madeira, ein Nebenfluß des Amazonas ausgebaut, so daß in Zukunft die Soja über den Amazonas exportiert werden kann und nicht mehr über den Hafen Paranaguá, was eine 3000 km langen Lastwagentransport überflüssig macht.

Blut geleckt
Dieser famose ‚Gouvernador’ und König hat offenbar Blut geleckt und scheint mit Planungen zu beginnen, auch Zuckerrohr anzubauen und Alkoholfabriken zu bauen. Dies allerdings ist eine große Gefahr für die brasilianischen Regenwälder – nur war er das auch schon vorher mit seiner Soja. Und – er ist eben Teil der brasilianischen Oligarchie, die von den imperialistischen Ländern mit aller Macht versehen wird, um sicherzustellen, daß Brasilien nie aufhört, die Zinsen für seine Schulden zu zahlen und immer neue Schuilden unterschreibt, während dieser Oligarchie im Gegenzug dafür von den imperialistischen Ländern gestattet wird, unermeßlich reich zu werden.

Gegen diese „Deals“ zwischen dem von ihr repräsentierten Imperialismus und den lokalen Oligarchien in den Entwicklungsländern hat man allerdings noch nie etwas gehört von der „Südddeutschen“, die vorgibt, sich um die Regenwälder am Amazonas zu sorgen.

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Börsen und Währungen gehen in die Knie

Karl Weiss – Am Montag, den 22. Mai 2006 machten sich die ersten Anzeichens der kommenden Weltwirtschaftskrise bemerkbar: Die Börsen und Währungen der sogenannten „Emerging Markets“ (Schwellenländer, Schwellenmärkte) gingen weltweit in die Knie. Indien erlebte den größten dort je verzeichneten Börsensturz. Ein paralleles Ereignis hatte sich im Jahre 1998 abgespielt, als erster Vorbote der Weltwirtschaftskrise, die dann 2000 ausbrach, die Aktienmärkte in den imperialistischen Ländern ernsthaft nach unten schickte und dann bis Ende 2002 dauerte.

Wohlgemerkt: Dies ist noch nicht der Beginn der Weltwirtschaftskrise selbst. Die wird nämlich dadurch definiert, daß zwei Quartale hintereinander das Brutto-National-Einkommen (früher: Bruttosozialprodukt) der wichtigsten OECD-Staaten abnimmt. Die Nervosität an einigen der Aktienmärkte in imperialistischen Ländern repräsentiert noch keinen Börsen-Crash, deutet aber an, daß einige der Marktteilnehmer sich der kommenden Entwicklungen bewußt sind.

Abgesackter Goldkurs
Es wurden in der letzten Woche und an diesem Montag weltweit in einem kaum geahnten Umfang Gewinne mitgenommen. Dies führte u.a. auch zu einem Absacken der Gold- und Rohstoff-Kurse, die über mehr als ein Jahr nur das Aufwärts kannten. Die Hauptbewegungen des Welt-Finanzmarktes waren aber im Ausstieg aus Währungen, Aktien, und Titeln von Schwellenländern zu verzeichnen.

Unter den Schwellenländern versteht man zunächst einmal die BRIC-Länder, das sind Brasilien, Rußland, Indien und China. Inwieweit man allerdings aktuell China und Rußland noch als Schwellenländer ansehen kann oder ob man sie nicht bereits unter die imperialistischen Länder zählen muß, bleibt offen. Betroffen waren von diesen vier jedenfalls hauptsächlich Indien und Brasilien. Die indische Börse, die in letzter Zeit mit sensationellen Kursgewinnen aufgewartet hatte, büßte am meisten ein. Das ging soweit, daß der Handel für eine Zeit ausgesetzt werden mußte. Gegenüber dem Stand in der ersten Mai-Hälfte hat der indische Aktienindex Sensex 14 % eingebüßt.

Auch die Börse in Brasilien (BOVESPA, São Paulo) verlor, wenn auch nicht so dramatisch. Dafür mußte die brasilianische Währung, der Real, einen 10%-igen Sturz innerhalb von Tagen hinnehmen. Vor kurzem waren noch lediglich 2,07 Reais für einen Dollar aufzubringen, jetzt sind es 2,30.

Die anderen Länder, die als Schwellenländer geführt werden, sind (in alphabetischer Reihenfolge): Ägypten, Indonesien, Korea (Süd), Malaysia, Mexico, Thailand, und die Türkei – manchmal wird auch Südafrika dazu gezählt. Es handelt sich also um jene Entwicklungsländer, die als „an der Schwelle zu entwickelten Ländern stehend“ betrachtet werden, was in der Regel ein Euphemismus ist. Allerdings hat jedes dieser Länder Stärken und Vorteile in wirtschaftlicher Hinsicht aufzuweisen, die andere Entwicklungsländer nicht haben. Sie alle haben ins Gewicht fallende Brutto-Nationaleinkommen.

In China, Süd-Korea und Malaysia gaben die Aktienkurse ebenfalls nach, wenn auch nicht im indischen Ausmaß. In Rußland, Brasilien, der Türkei, Ägypten und in Thailand gab es einen Einbruch der Aktienindices um zwischen drei und acht Prozent.

Besonders hart traf es die Türkei. Der ISE-100-Index in Istanbul büßte um acht Prozent ein. Die türkische Lira hat in drei Wochen über 15% an Wert gegenüber dem Euro verloren.

Eine Reihe von Parallelen
Vergleicht man die Situation 1998, so ergeben sich eine Reihe von Parallelen. Damals brachen kurz nacheinander die Brasilien-Krise, die russische Krise und die Asien-Krise aus. Braslien, Rußland, Thailand, Indonesien und in geringerem Maße andere asiatische Länder mußten ihre Währungen massiv abwerten (oder sahen sie vom Markt abgewertet).

Ihre Wirtschaften traten in der Folge in Wirtschaftskrisen ein, weil die inländischen wirtschaftlichen Aktivitäten durch die immens gesteigenen Importpreise gebremst wurden. Durch die dadurch hervorgerufene Inflationsgefahr mußten zudem die Zentralbanken die Leitzinsen anheben, was zusätzlich zur wirtschaftlichen Abschwächung beitrug (Verteuerung der Kredite für Investitionen). Charakteristisch auch, daß all dies nicht in eintägigen Einbrüchen getan war, sondern daß es zu mehreren, kaskadenartigen Abwärtsbewegungen kam. Wenn man die Parallele zieht, darf man also von weiteren Abwärtsbewegungen in den Schwellenländern ausgehen.

Zwar erholten sich all diese Werte am Dienstag wieder, aber nur minimal im Verhältnis zu den Einbrüchen (der Real-Kurs z.B. steht jetzt auf 2,29). Wenn alle Offiziellen aus jenen Ländern nur von einem „Tag der Gewinnmitnahmen“ und „keinerlei tiefgreifende Auswirkungungen“ reden, so ist dies Pfeifen im dunklen Wald.

Superkonzerne & Superbanken
Allerdings haben die Märkte dieser Länder, weder von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung noch von der Bedeutung im Finanzgeschehen die Kraft, die ganze Weltwirtschaft mit in den Abwärtsstrudel zu ziehen. Sie sind zwar die Vorboten der kommenden Weltwirtschaftskrise, aber nicht ihre Auslöser. Die tatsächlichen Gründe der Weltwirtschaftskrise kiegen vielmehr in den imperialistischen Ländern.

Die großen internationalen Superkonzerne (Monopole) und Super-Banken haben Profite angehäuft, wie sie die Geschichte der Menschheit nie vorher geshen hat (man erinnere sich nur an den ausgewiesenen Gewinn der Exxon-Mobil von 43 Mrd. Dollar 2005; Gewinn!, nicht Umsatz). Sie versuchen, so weit sie können, dies Kapital in Übernahmen und großen Mergers (Vereinigungen) anzulegen und, soweit noch möglich, neue Produktionskapazitäten zu schaffen, aber es gibt bereits nicht mehr genügend profitträchtige Vermehrungsmöglichkeiten einer absetzbaren Produktion und damit ist der Moment nicht mehr ferne, in dem radikal Kapital vernichtet werden muß, damit ein neuer Zyklus des Kapitals auf verringerter Basis eingeleitet werden kann.

Engels nannte diesen Moment vor der Wirtschaftskrise: „Die Produktionsweise rebelliert gegen die Austauschweise.“ Gemeint ist damit, daß die Menschen einfach nicht das Geld haben, eine weit höhere Produktion zu kaufen – das Kapital kann ja nicht die Löhne zu diesem Zweck anheben, denn das würde die Profitrate noch weiter absenken.

In ihrem ständigen Bemühen, der von Karl Marx im ‚Kapital’, Bd.3 vorhergesagte Tendenz des Falles der Profitrate zu entkommen, müssen sie verzweifelt versuchen, den Umschlag von Kapital zu erhöhen, so daß die Masse des Profits weiter steigt. Dadurch müssen sie Überproduktion schaffen und versuchen in Spekulation auszuweichen, was die Krise und Überschuß-Kapital zusammen mit der Überschuß-Bevölkerung hervorruft, wie Marx sich dort ausdrückt.

Waren es zwischen 1998 und 2000 etwa zwei Jahre zwischen den ersten Anzeichen in den Schwellenländern bis zum endgültigen Ausbrechen der Weltwirtschaftskrise, so können wir diesmal davon ausgehen, daß deutlich weniger Zeit zwischen beiden Ereignissen vergeht. Die Super-Gewinne der Großkonzerne haben sich weiter erhöht, z.T. verdoppelt und verdreifacht, das um die Welt vagabundierende und Anlagemöglichkeit suchende Überschuß-Kapital kann man bereits direkt verfolgen. So ist es extrem unwahrscheinlich, daß noch zwei Jahre bis zum Crash vergehen.

Spekulative Kapitalmengen
Die schweren Einbrüche in den Schwellenländern wurden nämlich genau von diesem Überschuß-Kapital hervorgerufen, daß im letzten Jahr (und zum Teil schon vorher) in großen Mengen in die Schwellenländer strömte, weil dort die höchsten Renditen lockten. Brasilien offerierte mit seinen Staatsanleihen in Real um die 10% Rendite nach Abzug der Inflation, die Türkei einen nicht viel geringeren Satz. Aktien in Indien konnten bis zum dreifachen ihres Kurses vor dem nun zu Ende gegangenen Boom erreichen.

Doch nun richtete sich die ganze Aufmerksamkeit der spekulativen Kapitalmengen auf die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Das Außenhandelsdefizit und das Budget-Defizit der USA habe durch die riesigen Ausgaben für den Irak-Krieg alle vorstellbaren Maße überschritten. In der einen oder anderen Weise muß die Situation gelöst werden.

Bis zum Mai ließ die US-Fed Monat für Monat die Leitzinsen in automatischen Viertel-Prozent-Schritten ansteigen, um der Tendenz einer gigantischen Dollar-Abwertung entgegenzuwirken, die von diesem Ungleichgewicht eigentlich verursacht werden müßte. Nun ist eine Ebene von 5 % Leitzinsen erreicht und die Fed hat die Automatik der Anhebungen ausgesetzt, aber weitere Anhebungen nicht ausgeschlossen. Allgemein wird nur noch ein weiterer Viertel-Prozent-Schritt im Juni erwartet. Das würde bedeuten, daß danach der Dollar in einem relativ schnellen Prozeß an Wert gegenüber dem Gold, dem Euro, dem Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund verlieren würde.

Das glaubt das umhervagabundierende Kapital aber nicht. Es rechnet, daß die Fed wohl oder übel weitere Zinserhöhungen beschließen muß, auch wenn sie damit das interne Wachstum abwürgt. Aus diesem Grunde wurden jetzt in riesigen Ausmaße Spekulationsgelder aus den Schwellenländern abgezogen und gingen in Dollarwerte, weil nach dieser Theorie dort für die nächste Zeit die besten Renditen zu erwarten sind.

Wenn dies wirklich so geschieht, ist aber eine Wirtschaftskrise in den USA vorprogrammiert, die wie immer seit 1929, als bei weitem größte Wirtschaft , das gesamte System der Weltwirtschaft in den Strudel mitzieht. Das würde kaum noch 6 bis 10 Monate dauern. Dann wäre also der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Bereich von Anfang 2007 zu vermuten.

Dies alles, wenn keine anderen desaströsen Ereignisse all diese Voraussagen zu Staub werden lassen, z.B. ein Überfall (mit Atomwaffen?) auf den Iran, der wahrscheinlich so fatale Auswirkungen für die Vereinigten Staaten haben würde, daß ihre ganze Rolle als einzige Supermacht in Gefahr wäre.

vermischtes

Mit Schaum vor dem Mund

Karl Weiss – Am kommenden Freitag kommt der Film zum Bestseller „Sakrileg“ in die Filmtheater. Dies Werk und der jetzt folgende Film hat eine beispiellose Kampagne der katholischen Kirche und einiger ihrer Apologeten hervorgerufen, die Gift und Galle spucken. Man höre nur, wie einer der Artikel überschrieben ist: „Der Da Vinci Kot“. Warum soviel Schaum vor dem Mund?

Noch als Großinquisitor hatte der jetzige Papst bereits das Buch verurteilt, es sage nicht die Wahrheit. Jetzt aber, da der Film droht, wird die Kampagne immer schriller. Selbst ein Presseorgan wie die ‚Süddeutsche Zeitung’, die sonst nicht so extrem kirchennah angesiedelt war, hat ihre Zeilen für religiöse Eiferer geöffnet, die ihren Kot loswerden müssen.

Selbst der famose Autor des „Kot“-Titels muß zugeben, das Buch „… ist spannend, witzig, unterhaltsam und nie langweilig. Das Buch ist zu Recht weltweit an 50 Millionen mal verkauft worden. Bessere Kurzweillesekost hat selten einen Computer verlassen.“ So werden denn auch wohl Hunderttausende, wenn nicht Millionen sich den Film ansehen, einschließlich des Autors dieser Zeilen, denn der Film mit Tom Hanks verspricht genauso spannend und unterhaltsam zu werden.

Was ist es also, was so viel Haßtiraden hervorruft?
Der Autor des Buches, Dan Brown, hat den Finger in einige offene Wunden der christlichen Religionen, speziell der katholischen, gelegt. Die christliche Lehre, wie wir sie kennen, ist nämlich nicht von Jesus oder seinen Jüngern oder Aposteln erfunden worden. Sie wurde vielmehr dreihundert Jahre später geboren, als sie offizielle Religion des Römischen Reiches wurde und dazu verschiedenen Ansprüchen zu genügen hatte.

Man wählte aus allen Schriften, die bis dahin über den Jesus von Nazareth überliefert waren, einige aus, die am besten paßten, ließ andere zur Seite, die diesen widersprachen. So wurde aus dem Propheten Jesus der Gott Jesus. Da aber in den Schriften Jesus sich wiederholt auf Gott im Himmel beruft, mußte die Konstruktion der Dreifaltigkeit erfunden werden. Es mußten die Traditionen anderer Religionen berücksichtigt werden, in denen es immer auch mindestens eine Göttin gab. So verklärte man Jesus Mutter zur Gottesmutter, die ohne Erbsünde geboren wurde.

Als Gott durfte Jesus auch nicht mehr verheiratet sein und keine Kinder gehabt haben, also eliminierte man alle Schriften, in denen dies erwähnt wird, aus der Anzahl, die der „Heiligen Schrift“ zugeordnet wurden. Eine durchaus irdische Auswahl.

Dan Brown erinnert an diese Manipulationen, die praktisch alle wesentlichen Grundlagen des christlichen Glaubens erst erschaffen haben. Er läßt Maria Magdalena Jesus Frau sein und beide eine Tochter haben. Er läßt Leonardo da Vinci an diese Geschichte glauben und interpretiert in das berühmte Abendmahl-Gemälde hinein, er habe dies versteckt, aber ebenso deutlich damit ausdrücken wollen.

Unwichtig, ob das tatsächlich so ist (die Argumente sind allerdings ganz schon überzeugend). Wichtig aber, daß er damit auf eine schwärende Wunde hinweist, die Grundlagen des christlichen Glaubens betreffend.

Dan Browns Theorien mögen falsch und widerlegbar sein, nur ist es auch die Grundstory der christlichen Lehre. Deshalb sind die Reaktionen so harsch. Man muß darauf bestehen, daß die eigene Version die einzig richtige ist, die göttliche. Wer Versionen aufbringt, die man zurückgewiesen hat, ja überhaupt den Gedanken aufkommen läßt, es gäbe Versionen über Jesus, der rührt an Unberührbares und muß ausgetrieben werden wie der Leibhaftige.

Da nimmt man denn schon mal zu etwas handfesten Worten Zuflucht. Da ist nicht nur der Kot. Man schreibt auch: „In seinem Bestseller ‚Sakrileg’ verkauft Dan Brown Halbwahrheiten als historische Tatsachen.“ „Der Thriller verknüpft geschickt Verschwörungstheorien und Legenden.“ „…die kunstvoll aufgeschäumte These …“ „…nicht der geringste Hinweis auf solches Zeug ….“ „…synthetisch erzeugte Welle der Aufregung …“. Die „…Thesen seien so absurd wie die Behauptung, dass die Erde eine Scheibe sei…“ „Fiktion“ „…zugehe wie bei Hempels unterm Sofa…“ „…synthetisch stilisierte Skandalisierung…“ „…ein Sakrileg an der Literatur…“. Alles Zitate aus zwei Artikeln der „Süddeutschen“, der eine, mit dem Kot im Titel, vom 15. Mai – rechtzeitig zur Filmpremiere – der andere schon zwei Wochen vorher, von einem gewissen Titus Arnu, mit dem ironischen Titel „Der eilige Gral“.

Nun kann man natürlich den Katholiken, oder auch anderen Christen, nicht übel nehmen, daß sie ihre Glaubenssätze verteidigen. Aber muß man dazu so erregt schimpfen? Man bekommt den Eindruck, sie sind deshalb so aufgeregt, weil sie ihre Thesen genauso wenig beweisen können wie Dan Brown seine. Deshalb braucht man ja einen unfehlbaren Papst, damit ist dann alles bewiesen.

Immerhin ist es interessant, daß man sich dabei u.a. ausgerechnet auf die Story bezieht, daß es Leute gab, die fest und steif behaupteten, daß die Erde eine Scheibe sei und jeder, der anderes sage, der heiligen Inquisition ausgeliefert werden müsse. Wenn jemand, der so etwas in der Geschichte hat, die er verteidigt und jetzt ausgerechnet dieses Beispiel nimmt, um einen anderen unglaubwürdig zu machen, so wird die Ironie ungewollt und daher umso ironischer.

Da kommt es dann auch schon vor, daß man sich ein wenig vergaloppiert in der frenetischen Sicherheit, die man als Gläubiger hat. So lastet Titus Arnu Dan Brown an, daß er sagt, die Schriftrollen vom Toten Meer hätten andere Stories über Jesus beinhaltet und es hätte viel mehr als die vier Evangelien über Jesus gegeben. Sei nicht wahr, die Schriftrollen vom Toten Meer hätten überhaupt keinen Inhalt über Jesus. Da ist es natürlich peinlich, daß kurz nach dem Artikel die Geschichte mit dem „Judas-Evangelium“, gefunden auf einer der Schriftrollen vom Toten Meer, in allen Zeitungen steht, wo eine andere Version über den angeblichen Verrat von Judas an Jesus erzählt wird. Dann muß man auch noch zugeben, daß es wirklich viel mehr Evangelien gab als die vier, die man verwendete, um die Story im richtigen Bild zu haben, nämlich 17.

So wird dann der Ankläger entlarvt: Es hatte Recht der Angeklagte, in diesem Fall Dan Brown.

Wenn wir uns also den Film ansehen, werden wir die Story mit aller Skepsis aufnehmen, so wie wir es mit der christlichen tun.

vermischtes

25%-Fall des Dollar?

Karl Weiss – Es kann nicht unerwähnt bleiben, daß der Dollar seit einem Monat fällt. Langsam, aber sicher und der chinesische Vize-Finanzminister sagte, er habe gehört, der Dollar werde 25% an Wert verlieren. Das wäre ein Euro von 1,50.

Entwicklung schockierend
Noch interessanter aber ist, daß er auch sagte, die Konsequenzen aus einer solchen Entwicklung wären „schockierend“. Der Vize-Minister heißt Li Yong und was er mit schockierenden Konsequenzen meint, kann man sich ausmalen. Die Meldung ist vom „Bloomberg News Service“, also der Finanzagentur, die dem New Yorker Bürgermeister Bloomberg gehört, der von der republikanischen Partei ist, also der Partei Bushs. Diese Agentur hat also sicherlich nicht das geringste Interesse, in diesem Moment, kurz vor Wahlen in den USA, falsch Alarmmeldungen in die Welt zu setzen.

Schutz aus dem Reich der Mitte
China ist nämlich, zusammen mit Japan das Land, das den Dollar stützt – ja, nicht nur den Dollar stützt, sondern auch das US-Außenhandels- und Budget-Defizit finanziert. China (und Japan) haben riesige Dollar-Devisenreserven, auf denen praktisch der gesamte Staatsschatz beruht, der wiederum die Basis der eigenen Geldausgabe ist. Sie exportieren viel in die Vereinigten Staaten und erhalten dafür Dollar. Wenn die US-Zentralbank neue Dollaranleihen herausgibt, müssen sie den wesentlichen Teil aufkaufen, um einem Fall des Dollars entgegenzuwirken, der ihre eigenen Reserven entwerten würde. So werden sie zu den Finanzierern der US-Eroberungskriege und Militärmacht. Übrigens ist auch Süd-Korea in dieser gleichen Lage, wenn dies auch kein wirtschaftlich so bedeutendes Land ist.

Andererseits erlaubt die ständige Stützung des Dollars durch diese großen Wirtschaftsmächte (Japan als die zweitgrößte und China als viertgrößte Volkswirtschaft der Erde) der US-Regierung , nach Belieben Geld zu drucken , ohne damit automatisch unter Inflationsdruck zu geraten, wie das für jedes andere Land gälte.

Schock für das Reich der Mitte
Wenn also der chinesische Vize-Finanzminister von schockierenden Konsequenzen redet, dann meint er damit zunächst einmal schockierend für sein Land, aber daneben auch schockierend für die Weltwirtschaft. Für China würde eine deutliche Verringerung des Wertes des Dollar im Verhältnis zu anderen Währungen natürlich einen Verlust in Bezug auf die eigenen Devisenreserven bedeuten. Das aber bedeutet, daß man gezwungen wäre, die eigene Wirtschaft mindestens teilweise vom Dollar abzukoppeln, auch wenn dies in ersten Moment hauptsächlich eine Realisierung der angefallenen Verluste bedeuten würde. Man würde die Devisenreserven teilweise auf andere Währungen und auf Gold umstellen. Dabei käme hauptsächlich der Euro in Frage, aber auch der Yen, das britische Pfund und der Schweizer Franken.

Die Umstellung eines Teils der Devisenreserven von Japan, China und Nord-Korea hätte aber dann erneut Rückwirkungen auf den Dollarkurs, dies würde den Dollar in einen Abwärts-Strudel ziehen, dessen Ende schwer abzusehen wäre. Vor allem aber – und das ist das eigentlich schockierende, auf das der Vize-Minister hinweist, würde das die US-Wirtschaft schwer beeinträchtigen, die das Leitpferd der Weltwirtschaft ist und damit voraussichtlich eine Weltwirtschaftskrise auslösen, die das Ausmaß der Krisen von 1992/1993 und 1999/2001 erreichen könnte oder es sogar übertreffen.

Grosse Gefahr
Solange die Dollarabwertung leicht ist, so wie bis zum jetzigen Zeitpunkt, profitiert die US-Wirtschaft sogar davon, denn dies erleichtert die US-Exporte und hilft, das Außenhandelsdefizit zu verringern. Allerdings werden auch die Importe teurer und da liegt eine große Gefahr, denn die USA sind bei weitem der größte Importeur der Welt. Die „Federal Reserve“ müßte fortfahren, die Zinsen zu erhöhen, um eine importierte Inflation abzuwenden. Man hat gerade den Leitzins auf 5% erhöht, einen Wert, der seit langem nicht erreicht worden war. Solange man Monat für Monat in kleinen Schritten diesen Zins erhöht, verhindert man eine zu hohe Dollarabwertung und wird immer attraktiver für das internationale Kapital, das dann Gelder aus anderen Ländern abziehen würde – was wiederum für eine Anzahl von Entwicklungsländern äußerst schädlich sein könnte.

Alles gut und schön, aber damit würgt man das wirtschaftliche Wachstum im Land ab, denn die Investitionen werden dann immer teurer zu finanzieren. Das aber genau ist der Beginn der US-Weltwirtschaftskrise, die dann die ganze Weltwirtschaft in den Strudel zieht.

Entscheidet die US-Federal -Reserve dagegen, jetzt mit den Zinserhöhungen aufzuhören oder nur noch eine von einem Viertel Prozent Anfang Juni zu machen, wie es viele erwarten, so wird die Abwertung des Dollars weitergehen und die asiatischen Länder werden reagieren müssen, um die Verluste für die Reserven des eigenen Staatsschatzes in Grenzen zu halten – wiederum, wie oben gezeigt, mit der Konsequenz der Weltwirtschaftskrise.

Scilla und Charybdis
Der Weg ist also die Alternative von Scilla und Charybdis – an einem der beiden Felsen zerschellten die Schiffe im Altertum. So kann die „Fed“ im Moment machen, was sie will, die Weltwirtschaftskrise ist nicht aufzuhalten. Die Gesetze des Kapitalismus sind eisern und werden zuschlagen, solange es Kapitalismus gibt.

Waren die beiden genannten Weltwirtschaftskrisen nur von mittelgroßer Schwere, so könnte die jetzt anstehende in Verbindung mit einer massiven Dollarabwertung das Ende des Dollars als internationale Leitwährung bedeuten, was unabsehbare Folgen für die US-Wirtschaft und für die Rolle der USA als einzig verbliebener Supermacht hätte. Zumindest eine ernsthafte Gefährdung dieser Rolle könnte damit einhergehen, denn eine große Militärmacht macht noch keine Supermacht, wenn dahinter nicht eine starke Wirtschaft steht (siehe der Niedergang der Sowjetunuion als Supermacht).

Wie auch immer, die früher schon geäußerte Ansicht, der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise stünde im Zusammenhang mit einem US-Überfall auf den Iran, kann man jetzt getrost zur Seite legen. Es wird sie geben, mit oder ohne Iran-Krieg, mit oder ohne einen weiteren Anstieg des Rohölpreises. Angesichts der Tatsache, daß es der US-Regierung weiterhin nicht gelingt, sich aus dem Irak-Desaster zu befreien und es unwahrscheinlich ist, daß man sich auf ein neues Abenteuer einläßt, ohne dem letzten entronnen zu sein, muß Israel sich sogar anfangen zu überlegen, ob es den Iran-Überfall nicht allein durchführt. Das wiederum könnte zu weiteren Implikationen führen, von denen die Weltwirtschaftskrise wahrscheinlich noch die kleinste wäre.

Interessante Zeiten stehen vor uns.
Was den Anleger-Tip betrifft, so gibt es keinen. Jetzt in Gold zu flüchten, ist anhand eines Preises von mehr als 700 Dollar für die Feinunze ebenso riskant wie Immobilien, die massiv an Wert verlieren werden. Nicht zu reden von Aktien oder Fonds oder ähnlichen Anlagen, deren Werte noch mehr fallen werden. Manche meinen, Euro, Yen, Schweizer Franken oder britische Pounds in Banknoten würden noch am wenigsten an Wert verlieren, aber auch das kann niemand garantieren. Das falscheste wäre es auf jeden Fall, Geld auf Bankkonten oder irgendwelchen Bank-Anlagen zu belassen, denn niemand weiß, welche und wie viele Banken überleben werden.

vermischtes

Vergewaltigung an US-Universität

Karl Weiss – Man fühlt sich in einen älteren Hollywood-Film zurückversetzt, einen jener Filme, der in den 50er oder 60er Jahren spielt und der zeigt, wie zum ersten Mal an einer Universität der USA ein vergewaltigtes Mädchen wagt, ihre Vergewaltiger anzuklagen und am Ende damit durchdringt. Doch dies ist tiefes 21. Jahrhundert – nur die Zustände an US-„Elite“-Universitäten sind anscheinend immer noch die gleichen.

Jene Universitäten, die für Reichen-Söhnchen vorbehalten sind, weil sie unglaublich viel Geld kosten, die sich gerne selbst „Elite“-Universitäten nennen, obwohl das einzige, was an ihnen elitär ist, die Gesinnung der Professoren und Schüler ist, sind einer der perfektesten Ausdrücke von reaktionärer Haltung und Bigotterie, eine Mischung aus Schleimerei, Autoritätsduselei, primitivem Machismus, Unterdrückung des Sex, während gleichzeitig überall sexuelle Zusammenhänge hervorscheinen und das gleichzeitige Leugnen davon – oft auch noch vermischt mit massivem Rassismus und meist mit sozialem Dünkel. Über all das wird dann noch eine feine Schicht der Überbetonung einer bestimmten Sportart gelegt, für die jene Universität seit Generationen immer hervorragende Sportler hervorbringt. Wer da gut ist, darf auch schlechte Noten haben und sich sonstiges leisten, es wird immer ein Auge zugedrückt.

Flagge der Südstaaten aufgezogen
Damit sind die Ingredientien genannt. Das Spiel kann beginnen. Dieses Mal heißt die Universität Duke und befindet sich in Durham, North Carolina. Das ist jener Südstaat, auf dessen Regierungsgebäude noch heute, 140 Jahre nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg, jeden Tag die Flagge der Südstaaten aufgezogen wird. Die Universität, wie auch die dortigen Reichen mitsamt ihren Söhnchen, übrig geblieben aus Zeiten, als man Schwarze als Sklaven hielt – Weiße, Christliche (seeehr christliche) Männer Anglo-Saxonischer Herkunft. Der bevorzugte Sport heißt in diesem fall ‚Lacrosse’, bei uns wenig bekannt, aber auf US-Universitäten üblich, eine Mischung von Tennis, Squash, Kricket und Polo. Da haben wir also die Lacrosse-Mannschaft von Duke und gleich in der Nähe eine Armen-Universität, die ‚North Carolina Central University’, mit deren Abschluß sich einem in den US natürlich nicht eine Tür öffnet – aber dort gibt es schwarze Studentinnen und sowas braucht man schließlich zu einer zünftigen Feier.

Also zahlte man einer schwarzen Studentin von dort ein Almosen und sie durfte vor den starken, schönen Sportlern auf deren Party tanzen, welche Ehre! Hier weiß man doch noch, zu was schwarze Mädchen dienen, nicht wahr?

Nur gibts da einen kleinen Schönheitsfehler, sie behauptete hinterher, sie sei gleich von mehreren der Sportskanonen vergewaltigt worden. Sie hätten sie an einen Ort verschleppt, wo man ihre Schreie nicht hören konnte und sie nach allen Regeln der Kunst vergewaltigt.

Nun, die Polizei von Durham weiß offenbar, daß die Sportler natürlich Söhne einflußreicher Väter sind und was man von solchen leeren Anklagen schwarzer Flittchen halten muß: Im Polizei-Bericht heißt es, die Frau hätte ihre Version geändert und sei „nicht glaubwürdig“ und „diese Sache ginge vorbei“.

Nur gibts da schon wieder einen Schönheitsfehler: der zuständige Staatsanwalt hat zwei der phantastischen Sportler des sexuellen Angriffs, der Vergewaltigung und der Entführung angeklagt. Gegen einen dritten Verdächtigen laufen noch die Ermittlungen.

Was, denken Sie, hat die Universität getan? Denn Fall genau verfolgt, besser noch eine eigene, parallele Ermittlung durchgeführt? Die Frau selbst angehört? Entsprechend Folgerungen gezogen? Z. B. Die Verdächtigen nach der Anklage bis auf weiteres suspendiert?

Nun, Sie wissen es schon, lieber Leser, die Universität hat nichts dergleichen getan. Sie hat sich einfach taub, stumm und blind gestellt wie die drei Affen.

Der Rektor der Universität wüßte bis heute noch nicht von dem Fall, wenn er nicht eine Studentenzeitung gelesen hätte. Die zuständige Studenten-Professorin hielt es für ausreichend zu wissen, daß die Polizei ermittelt – man wußte ja, dort ist der Fall in den richtigen Händen. Sie hat es niemand in der Uni erzählt. Die Täter studieren eifrig weiter – man braucht schließlich ihre sportlichen Fähigkeiten – zum höherem Ruhm der Uni – was wiegt dagegen die Anklage einer Schwarzen?.

Wahrscheinlich wäre der Fall versickert wie so viele Vergewaltigungsfälle vor ihm, wenn es da nicht diesen mutigen Staatsanwalt gäbe, der Anklage erhoben hat. Will jemand Wetten annehmen, wie lange so einer auf diesem Posten bleibt?

Nun wurde der Fall aber leider an die große Glocke gehängt, genau das, was die geilen Hexen immer wollen. Da gibt es nämlich einen früheren Rektor der Universität der kleinen Leute, der ‚North Carolina Central University’, einen gewissen Chambers, Schwarzer wie die Frau. Der hat anscheinend von dem Fall gehört und ist den Fakten nachgegangen, hat offenbar – wie der Staatsanwalt – das schwarze Mädchen keineswegs unglaubwürdig gefunden und hat sich an einen Bekannten von ihm, den früheren Rektor der Princeton University, Bowen, gewandt. Beide haben dann in einen Brief an die Duke University geschrieben, was sie herausgefunden haben und nun (am 9.Mai) steht das Ganze in der ‚New York Times’, unter dem Titel „Duke hat die Schwere des Vergewaltigungs-Falles nicht gesehen“, fast zwei Monate nach der Vergewaltigung.

Dumm gelaufen.
Nun wird es wohl wieder so ablaufen wie meistens in den USA, wenn Söhnchen von einflußreichen Männern angeklagt sind. Man wird ihnen wohl anbieten, daß man ihnen nur eine kurze Gefängnisstrafe aufbrummt, wenn sie sich der „sexuellen Aggression“ schuldig bekennen. Dann werden die beiden Anklagen der Vergewaltigung und der Entführung fallen gelassen. So macht man dann nachträglich noch die vergewaltigte Frau zur Lügnerin.

Update: All Charges Dropped in Duke Case

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SATIRE

Der Brief
Lieber Schorsch Dappeljuh,

da ich nun zur Fußball-WM nach Deutschland reise und über die Autobahnen zu rasen beabsichtige, halte ich es für angebracht Dir zu schreiben. Telefonisch das mit Dir zu regeln, ist derzeit nicht angebracht, da der Kerl, den Du gerade als Deinen Geheimdienst-Chef eingesetzt hast, ständig an meinen Lippen hängt, wenn ich auch nur mal so den Telefonhörer in die Hand nehme, z.B. um ihn von meiner Spucke zu säubern. Du weißt doch, dass ich eine feuchte Aussprache habe. Immerhin stehe ich jeden Tag vor dem Spiegel und übe, übe und übe. Hitler, unser gemeinsames Vorbild, tat dies schließlich auch. Und dabei denke ich dann an saftige knusprig braune Spanferkel, womit mir das Wasser im Munde zusammenläuft.

Also: Die Show, die wir uns bis jetzt geliefert haben, war echt super. Das hat den Ölpreis, wie erwartet nach oben getrieben. Deine Provision kriegst Du dafür auch auf das vereinbarte Schweizer Konto überwiesen. Aber jetzt, wo ich in Kürze in Deutschland tanken muss, bin ich es leid immer noch das fiese Arschloch auf der Welt-Bühne zu spielen und der Spritpreis muss vorübergehend mal runter. Nun bist Du wieder dran der Mistkerl zu sein. Und ich will ja schließlich nicht in diesem von unseren türkischen Brüdern besetzten Land beim Tanken arm werden.

Und, bevor ich diesen Brief schließe, möchte ich es nicht versäumen, Dir vor allem zu danken für die schicke Urananreicherungstechnologie und die Lieferung der dafür notwendigen Hardware über Deutschland. Und grüße diesen Russen von mir.

Dein Blutsbruder A.M.

P.S.: Anbei der „offizielle Wortlaut“ dieses Briefes, den wir über die undichte Stelle der Schweizer verbreiten können. Der Inhalt dieses für die Öffentlichkeit bestimmten Briefes ist natürlich totaler Stuss.

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Cheney ausgebuht – Sheene applaudiert

Karl Weiss – Wir werden systematisch getäuscht über die Meinungen der Mehrheit der US-Bürger. Das hat zum einen zu tun mit der Art und Weise, wie in den USA Meinungsumfragen durchgeführt werden, zum anderen mit der Wiedergabe der öffentlichen Meinung in den US-Medien und dann auch in unseren Medien und drittens mit den Wahlmaschinen, die bereits in großen Teilen der USA Einzug in die Wahllokale gehalten haben.


Richard Cheney ausgepfiffen

Was die Wahlmaschinen betrifft, so kann man heute mit Sicherheit davon ausgehen, daß die letzten Präsidentschaftswahlen in den USA im Bereich von Millionen von Stimmen zugunsten von Bush gefälscht wurden – offenbar mit der Manipulation der Wahlmaschinen. In einem Artikel vom 25.2.05 schrieb die Berliner Umschau dazu:

Aufgrund der Befragungen von Wählern am Ausgang der Wahllokale „…hätte sich ein Ergebnis einstellen müssen von:
Bush: 47,09% +/-1 = 46,62% bis 47,56%
Kerry: 50,90% +/-1 = 50,39% bis 51,41%

Das sind in Stimmen von insgesamt 122,2 Millionen abgegebenen Stimmen:
Bush: 56,97 Mio. Stimmen bis 58,12 Mio. Stimmen
Kerry: 61,58 Mio. Stimmen bis 62,82 Mio. Stimmen“

Veröffentlichtes Endergebnis war aber:

Bush: 50,732% (62,0 Millionen Stimmen)
Kerry: 48,277% (59,0 Millionen Stimmen)

Man kann ausrechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit dies das Ergebnis hätte sein können: „Das Ergebnis ist 1 zu etwa 2 Milliarden. Das ist ausreichend, um mit Bestimmtheit zu sagen, daß das offizielle Wahlergebnis gefälscht wurde. Der DNA-Test zum Beispiel hat eine weit geringere Wahrscheinlichkeit.“

Das zweite Phänomen, das dazu beiträgt, uns eine falsche Sicht über die Meinungen und Überzeugungen der US-Bevölkerung zu geben, sind die Verfälschungen der Medien, die dann von unseren Medien übernommen werden.

Massen-Demonstrationen
Typisches Beispiel sind die Massen-Demonstrationen und Kundgebungen in den Vereinigten Staaten gegen den Irak-Krieg und gegen einen eventuellen Iran-Krieg im März aus Anlaß des dritten Jahrestags des Überfalls auf den Irak, im April an einem Aktionstag und jetzt wieder am 6. Mai in New York.

In mindestens zwanzig Städten der USA wurden Demonstrationen oder Kundgebungungen abgehalten, davon mindestens 6 mit über 10.000 Teilnehmern und einige mit 100.000 Teilnehmern und mehr nach Angaben der Veranstalter. Wer sich ein Bild verschaffen will, kann z.B. auf die Site ‚whatreallyhappened.com’ gehen und dort ‚/protestphotos.html’ wählen und kann eine Reihe von Photos sehen, die von diesen Manifestationen gemacht wurden und ein Bild über die Mächtigkeit des Protestes abgeben.

Die US-Medien dagegen, und in Folge auch unsere, haben diese Proteste systematisch kleingeschätzt, kleingeschrieben und in jeder Weise verunglimpft, indem sie unbedeutende Seitenerscheinungen an die große Glocke hängten, indem sie absurd niedrige Teilnehmerzahlen schätzten und indem sie fast ausschließlich Zusammenstöße mit der Polizei für berichtenswert hielten. Überprüfen Sie selbst, lieber Leser, in diesem Moment, ob sie über diese massiven Proteste informiert waren. Sie werden sagen müssen: Nein. Machen Sie sich ruhig die Mühe und gehen Sie die Photos auf der genannten Site ansehen, um ein falsches Bild zu korrigieren.

Die Medien verschweigen
Andere Beispiele sind die Auftritte von bekannten Politikern der US-Regierung in der Öffentlichkeit im eigenen Land. Die Medien verschweigen dies fast gänzlich, aber der Präsident, sein Vize, seine Minister und andere hohe Würdenträger können in den USA nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten, ohne massivst auf Mißfallenskundgebungen zu treffen. Sie treten in Fernsehstudios nur noch vor handverlesenem Publikum auf, reden praktisch nur noch vor geladenen Gästen oder vor Soldaten, die nicht gegen ihren Oberbefehlshaber murren dürfen.

Deutlich wurde dies jüngst bei zwei Gelegenheiten: Das erste war der Auftritt von Vize-Präsident Cheney bei einem Heimspiel der Baseball-Mannschaft der Washington Nationals, wo er den ersten Ball werfen sollte. Ab dem Moment, als sein Name bekanntgegeben wurde, bis er wieder in den Katakomben verschwunden war, wurde er von einer klaren Mehrheit der Zuschauer ausgebuht. Paul Joseph Watson von der Website ‚prisonplanet.com’ meinte sogar, es seien 80% gewesen, die buhten. Dabei hatte Cheney genau dies mit einem Trick verhindern wollen: Er trat dort in Begleitung von drei verwundeten US-Soldaten aus dem Irak-Krieg auf und glaubte offenbar, so würde es niemand wagen zu buhen.

Zeitungen braucht es nicht mehr
Die ‚Washington Post’ aber, früher ein „liberales“ Blatt, fälschte diese Demonstration gegen einen der Hauptverantwortlichen für die Schlächtereien im Irak um in angebliche Buhs wegen einer Spielszene, die später passierte. Andere Medien berichteten von einer „gemischten Reaktion“. Inzwischen sind in den USA außerhalb des Internet praktisch keine Fernsehstationen und keine Zeitschriften oder Zeitungen mehr übrig, die dem allgemeinen Trend zum ultra-konservativem, zum religiös-konservativem und zum neo-konservativen Mainstream entgegenwirken, wenn man von wenigen einzelnen Artikeln und Sendungen absieht.

Der andere Fall: Der österreichische ‚Standard’ berichtet am 7. Mai, daß „Verteidigungs“-Minister Rumsfeld bei einer Rede vor dem „Südzentrum für internationale Studien“ in Atlanta, Bundesstaat Georgia mehrfach von Protesten aus dem Publikum unterbrochen wurde. Es trat unter anderem auch ein ehemaliger CIA-Agent dort im Publikum auf, der Rumsfeld fragte, warum er die Amerikaner belogen habe. Drei Personen wurden abgeführt.Auch dies ein deutliches Zeichen für das, was zur Zeit als Stimmung unter US-Amerikanern herrscht. Demgegenüber ist das, was in den Medien aufscheint, nur ein blasser Abklatsch.

Genau umgekehrt ist es dann, wenn prominente Persönlichkeiten regierungskritisches von sich geben. Das war z.B. der Fall, als der US-Schauspieler Charlie Sheene, den man im Moment in der Serie „Two and a half man“ sehen kann, in einer Fernsehsendung bekannte, daß er der offiziellen Version über den Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001 keinen Glauben schenkt, sondern meint, die Bush-Regierung habe selbst die Finger drin gehabt.

Er wurde in den US-Medien verhackstückt, daß es eine Art hatte. Er wurde als „Verschwörungstheoretiker“ ironisiert, wurde mit Leuten verglichen, die glauben, es seien längst Außerirdische auf der Erde gelandet und die US-Regierung würde dies geheimhalten und vor allem wurden alle seine privaten Skandälchen durch alle Medien geschmiert – jeder Pups, den er mal irgendwo gelassen hat.

Charlie Sheene’s unbequemer Beifall
Die Medien behaupteten vollmundig, die US-Amerikaner ständen wie ein Mann hinter diesen Anwürfen gegen den Schauspieler. Als dann aber Charlie Sheene letzte Woche in Hollywood in einer Live-TV-Talkshow auftrat, wo er natürlich nicht das Publikum handverlesen konnte wie die Spitzenpolitiker, war der Empfang völlig anders. Als er hereinkam, streckten sich ihm Hände entgegen und als er sprach, wurde er mehrmals von Beifall unterbrochen. Kein einziges Buh. Man kann übrigens diesen Auftritt auf Video ansehen, wenn man auf der Website Infowars.com nachsieht.

Einen Eindruck, wie wenig die Medien mit der allgemeinen Verurteilung der Meinung Sheenes danebenliegen, bekam man auch, als der Sender CNN eine Umfrage unter seinen Zuschauern durchführte, was sie von Sheenes Meinung hielten: 83% äußerten sich positiv zu dieser Meinung.

Übrigens ist für den 19. Mai ein Marsch auf Washington von der Bürgerrechtsbewegung geplant. Bei dieser Gelegenheit wird man wieder die allgemeine Verniedlichung der oppositionellen Ansichten in den USA bewundern können.

Die dritte große Illusionsmaschinerie bezüglich der Meinung der US-Amerikaner sind die Meinungsumfragen der großen US-Institute mit Ausnahme des ‚Zogby’-Instituts. Diese Institute haben einen Weg gefunden, wie sie immer eine stark konservative und rechts geneigte Auswahl befragen. Sie führen Befragungen immer am Telephon durch und befragen grundsätzlich nur die Person, auf die das Telephon angemeldet ist. Damit schließen sie schon von vornherein alle Armen in den Slums aus, die sich kein Telephon leisten können, sowie eine große Anzahl von Frauen und Jugendlichen, die meist weit weniger konservativ gesinnt sind als die männlichen Haushaltsvorstände, auf die üblicherweise das Telephon angemeldet ist.

Damit aber nicht genug. Hat man einmal die richtige Person am anderen Ende der Leitung, ist die erste Frage, ob man bei den letzten Wahlen gewählt habe. Nur wer gewählt hat, wird mit der Ehre bedacht, der Befragung würdig zu sein. Nun gehen in den USA aber nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten zu den Wahlen. D.h., es werden deutlich über die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung von diesen Instituten aus der möglichen Zahl der zu Befragenden ausgesondert. Da alle, die weder den ultrarechten Republikanern noch den liberal-rechten Demokraten zuneigen, meist nicht wählen gehen (wenn sie nicht noch der Theorie des kleineren Übels anhängen), bekommt man mit dieser Auswahl nur der aktiven Wähler natürlich ebenfalls ein weitaus rechter angesiedeltes Spektrum von Meinungen, als wenn man alle befragen würde.

Wenn man uns also weismachen will, Präsident Bush hätte in den USA noch 32 oder 33% Zustimmung in der Bevölkerung, so sind das in Wirklichkeit nur größenordnungsmäßig 16 oder 17%. Wenn gesagt wird, 40% der US-Amerikaner würden grundsätzlich noch den Irak-Krieg unterstützen, so kann man von etwa 20% ausgehen. Und wenn uns vorgegaukelt wird, an die 60% würden „im Notfall“ einem Überfall auf den Iran zustimmen, so geht dieser Anteil sicherlich nicht über 30% hinaus.

So kommt man denn auf Zahlen, wie sie auch hier in Deutschland gang und gäbe sind, wo ja ebenfalls das Vertrauen in die Politiker auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken ist. Es war also nichts mit der Vorstellung, die US-Amerikaner würden gewissermaßen auf einem anderen Planet leben. Es sind Menschen wie du und ich.

vermischtes

Tratschundlaber

Sonja Wenger– Kürzlich war auf der Feuilleton Seite (!) der Süddeutschen Zeitung eine Lobeshymne auf Pinks neuen Song «Stupid Girl» zu lesen. Genüsslich wird dabei beschrieben, gegen wen und was die Pop-Sängerin eine Breitseite nach der anderen abfeuert. So wettert der Autor Tobias Kniebe denn wortgewandt gegen «die hochtourig hohldrehende, sinnentleerte Celebrity-Kultur, die nichts anderes mehr feiert als das Berühmtsein selbst».


Mager- und shoppingsüchtig – und trotzdem der volle Sex-Apeal: Die Paparazzi-Ikone Paris Hilton

Oder gegen «die mager- und shoppingsüchtigen, ostentativ hirnamputierten Paparazzi-Ikonen wie Paris Hilton», respektive gegen «einen Postfeminismus, der Hunger nach Aufmerksamkeit, Girl Power, sexuelle Befreiung, Porno-Chic, Selbstverleugnung und Regression (auf Deutsch Verminderung) zu einem mittlerweile fatalen Cocktail verquirlt hat». Toll, nicht? Aber so isses nun mal: Sex sells, mehr denn je.

Die Schweizer Medienlandschaft nimmt sich dagegen ja grausam harmlos aus. Mehr als Ringier gegen Tamedia liegt da nicht drin. Dass in der Sendung «Glanz & Gloria» genüsslich über die sofortige Einstellung der Konkurrenz-Sendung «People» berichtet wurde, nimmt eh kein arbeitender Mensch wahr. Ein böses Grinsen entlockt vielleicht noch die Meldung, dass sich Elisabeth Tessier getrennt haben soll. Ob das wohl in ihren Sternen stand? Hach, ist das ein billiger Witz. Ist das jetzt übrigens Selbstverleugnung oder sexuelle Befreiung von ihr?

Als Ablenkung von all diesen tiefschürfenden Fragen herrscht zum Glück im Moment ein nationales Panini-Fieber. Aber Vorsicht: man könnte ja von wichtigen Leuten wie Chefredaktoren «Verhöhnt!» werden. Für alle, die den «Hype» nicht für ein italienisches Brot halten, bietet der BLICK eine entsprechende Platzform, auf der sich die armen Verhöhnten(!) «wehren» können. So meint «Meteo»- Moderatorin Sandra Boner (31) mit ernstem BLICK: «Ich kenne viele Frauen, die Panini-Bilder sammeln.» Und Chris von Rohr hält dieselbigen für gar «menschlich wertvoll». Der muss es ja wissen. Apropos Porno-Chic und sinnentleert: Ist es eigentlich ein postfeministischer Fortschritt, wenn Seraina B. aus Thun in der SI erklären darf, weshalb sie Porno-Filme dreht?

«Porno ist ihr Weg, Porno ist ihr Ziel», steht da und ihr Produzent nennt sie nicht nur Kenia Gates, sondern will sie gross rausbringen: «Denn willige und begabte Frauen sind äusserst rar in der Schweiz» – steht da. Und es steht da auch, dass ihr Freund, ein Sportler (25), sich nicht öffentlich zu ihr bekennt, denn er will keine Sponsoren verlieren. Das ist wahre Liebe, postfeministisch.