vermischtes

Brasilien energieautark

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Brasilien ist seit April 2006 energieautark. In einer offiziellen Feierstunde auf der neuesten schwimmenden Ölplattform weit draußen im Meer vor der Küste Rio de Janeiros wurde die Plattform in Betrieb gesetzt und gleichzeitig die Energie-Autarkie Brasiliens besiegelt und gefeiert.

Während Deutschland, das bekanntlich fast keine Ölquellen hat, mit lächerlichen 9% erneuerbarer (und damit auch heimischer) Energie glaubt auskommen zu können und das gesamte „Zukunftsprogramm“ so aussieht, daß man diesen Anteil im Schneckentempo auf 20% in vielen Jahrzehnten vergrößern will, und so für unbegrenzte Zeit in der Abhängigkeit von Lieferungen von fossilen und ständig teurer werdenden Energierohstoffen aus dem Ausland bleibt, die Energie in Deutschland bald zum teuersten Gut, zum Luxus, machen werden, feiert Brasilien.

In der Feierstunde, deren Bedeutung in den brasilianischen Medien praktisch ignoriert wurde, tauchte Präsident Lula seine Hand in eine der ersten geförderten Mengen von Erdöl und hielt sie den Fotografen entgegen, was denn auch fast das einzige war, was alle Medien berichteten, weil es eine Geste war, die ein früherer Diktator Brasiliens auch schon einmal gemacht hatte.

Nur als kleine Anmerkung: Man braucht eine beträchtliche Zeit und ausreichend Bimsstein, um das Zeug wieder von der Hand abzukriegen, abgesehen davon, daß die schwarze Suppe stinkt und hochgradig krebserregend ist.

In schwindelnden Höhen
In Deutschland dagegen werden Stromrechnungen, wie auch Benzin- Heizöl- und Erdgasrechnungen weiterhin in schwindelnde Höhen steigen. Die Energiekonzerne, die internationalen Ölkonzerne, die russische Regierung und die Gazprom mit Schröder im Aufsichtsrat werden vor lauter Profit nicht mehr aus den Augen schauen können, während der kleine Mann in Deutschland sein Auto und seine Tiefkühltruhe abschaffen muß und anfangen, im Winter nur noch Wohnzimmer und Küche zu heizen. Die Hersteller von Wärmflaschen werden es danken.

Die wichtigsten brasilianischen Ölfelder in der „Bacia de Campos“ und der „Bacia de Santos“, die inzwischen auch nennenswerte Mengen an Erdgas fördern, liegen in großen Teilen in Gebieten mit Meerestiefen von tausend und sogar zweitausend Metern. Früher war keine Ölförderung, ja nicht einmal eine Exploration möglich, wenn eine so große Schicht Wasser zwischen der Oberfläche und dem Meeresboden ist. Die Ölplattformen in der Nordsee z.B., sowohl auf schottischer als auch auf norwegischer Seite, stehen mit ihren stählernen Füßen in Wassern mit nicht mehr als 300 Meter Tiefe. So mußte die staatliche brasilianische Ölfirma Petrobras in langen Jahren Verfahren entwickeln, wie man in tiefen Wassern Probebohrungen abteuft und bohrt und schließlich, wie man in tiefen Wassern fördert. Heute ist man bereits in der Lage, in 2500 Meter Wassertiefe zu bohren. Daß es ein Land Entwicklungsland ist, heißt nicht, daß dort nur Hirnamputierte sind.

Demgegenüber setzt sich Deutschland ohne Not den Preiswünschen und Erpressungen von allen möglichen ausländischen Kräften aus, wie der russischen Gazprom, die bereits angekündigt hat, die Westeuropäer bluten zu lassen (wenn sie nicht Firmen aufkaufen lassen), den russischen Erdölfirmen, die ebenfalls bereits verlauten ließen, sie würden nicht mehr so viel (und damit vor allem nicht mehr zu alten Preisen) nach Westeuropa liefern. Der Kanzler, der geschworen hatte, Übel vom deutschen Volk zu wenden, hat die Deutschen stattdessen noch tiefer in die Abhängigkeit der Gazprom gebracht – und siehe da, schon kam er dort in den Aufsichtsrat, nicht ohne eine fette Bezahlung.

Die neue Kanzlerin mit dem gleichen Amtseid pfeift ebenfalls auf das deutsche Volk, denn sie hat es mit den deutschen Energieversorgern wie RWE, Ruhrgas, Ruhrkohle und eon, die rein zufällig auch wichtigste Spender der Regierungsparteien CDU und SPD sind. Wo sie wohl nach der Kanzlerschaft im Aufsichtsrat sitzen wird? Irgendwelche auch nur mittelprächtige Maßnahmen, die Auslands- und Fossil-Abhängigkeit der deutschen Energieversorgung zu verringern, sind nicht einmal in Aussicht.

Stinkende Dreckschleudern
Dabei gibt es in Deutschland traditionell eine heimischen Energiebereich: Die Kohlekraftwerke. Doch das sind entweder Braunkohlekraftwerke mit all ihren Problemen oder sie werden längst nicht mehr mit Steinkohle aus Deutschland gefüttert, weil von draußen billigere kommt.

Braunkohlekraftwerke sind nicht nur die stinkendsten Dreckschleudern von allen (oder sie sind viel zu teuer, weil mit Abgaswäschen ausgestattet, die größer sind als das eigentliche Kraftwerk), sondern sie sind auch immer mit Tagebau verbunden, was im dicht besiedelten Deutschland eine Todsünde ist.

Die Autarkie Brasiliens bezieht sich zunächst und eigentlich auf das Erdöl bzw. Erdölprodukte. Genau gesagt, exportiert Brasilien seit dem Förderbeginn der neuen Plattform mehr Erdöl und Erdölprodukte als es importiert. Das heißt, dies umfaßt den ganzen Bereich des Erdöls selbst, der Rohstoffe für die Chemie, die Benzin- und Diesel-Kette, das Kerosin, die Schmieröle, sowie das Öl, das zum Erwärmen verbrannt oder zur Stromerzeugung genutzt wird (letzteres ist extrem wenig in Brasilien). Aber in Brasilien gibt es auch außerhalb des Erdölbereichs keine umfangreichen Abhängigkeiten vom Ausland.

Die Stromgewinnung funktioniert hautsächlich aus Wasserkraft, einige wenige Kohle-, Öl-, und Gaskraftwerke spielen kaum eine Rolle. Für Brasiliens 2 Atomkraftwerke wurde eben die eigene Urananreicherungsanlage (aus eigenem Uran) in Resende in Betrieb genommen.

Zwar gibt es eine Gaspipeline von Bolivien nach Brasilien, in der Erdgas für auf Gas laufende Autos, Haushalte und Gaskraftwerke gefördert wird, aber die eigene Gasförderung Brasiliens ist inzwischen bereits so angewachsen, daß dies locker ersetzt werden könnte, wenn nötig. Es handelt sich also tatsächlich um die umfassende Energie-Autarkie.

In Deutschland ist natürlich die Autarkie nicht so leicht, weil man ja keine eigenen Ölfelder hat. Da muß man dann etwas langfristiger planen und kann auch einen Teil der Energie weiter aus dem Ausland kommen lassen, wenn dies nicht mehr entscheidenden Umfang hat. In Abwandlung der Vorschläge, die schon im Artikel vom Anfang April standen, hier also, was nötig wäre:

Biodiesel, Bioalkohol, Biogas
Massive und sofortige Umstellung von wesentlichen Teilen der Agrarproduktion auf Produktion von Energiepflanzen (und Gülle), aus denen Biodiesel, Bioalkohol, Biogas und andere Bio-Energiestoffe hergestellt werden können. Massive Investitionen in Umwandlungsanlagen, die diese Bio-Energiestoffe aus den Pflanzen herstellen. Sofortige Installation von Biodiesel- und Bioalkohol-Zapfsäulen an allen Tankstellen. Befreiung dieser Treibstoffe von Steuern bei gleichzeitiger starker Besteuerung der CO2-produzierenden Kraftstoffe. Verpflichtung der Automobilkonzerne, alle Benzinmotoren in der Flex-Version auszuliefern (die es längst gibt), mit der Benzin und Alkohol in jeder beliebigen Mischung verwendet werden kann. Verpflichtung aller Kommunen und Landkreise, auf die eine oder andere Weise Fernwärmeanlagen auf Bio-Basis innerhalb kürzester Zeit in Angriff zu nehmen.

Dies ist übrigens fast genau, was im Moment in Schweden gemacht wird. Zwar wird das auch dort nicht zur völligen Autarkie führen, aber es ist schon ein andere Sache, wenn das wesentliche Funktionieren der Volkswirtschaft auch noch garantiert wäre, wenn Energie von außen nicht oder nur unbezahlbar teuer zu haben wäre.

Brasilien hat neben dem eigenen Erdöl auch noch andere Vorteile gegenüber Deutschland: Zum einen ist die Wirtschaftsleistung und damit auch der Energiebedarf nur etwa bei 20% der Deutschen. Vor allem aber hat Brasilien das Alkohol-Programm für Autos, das schon auf den Beginn der 70er-Jahre zurückgeht. In letzter Zeit wieder aufgelebt durch die neuen Flex-Fuel-Fahrzeuge, ist jetzt bereits 40% des gesamten Kraftstoffverbrauchs in Brasilien (einschließlich des Diesel-Anteils) Ethanol und damit heimische Energie und erneuerbare Energie, die ohne zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoß auskommt und hilft, die Klimakatastrophe eventuell doch noch verhindern zu können.

Dazu hat Brasilien auch ein Bio-Diesel-Programm aufgelegt, obwohl in diesem Punkt die Bundesrepublik bekanntlich voraus ist.

In was Deutschland aber vor allem voraus ist, das ist die Fähigkeit, schnell und effektiv technische Änderungen durchführen zu können, die auf erneuerbare Energien hinauslaufen. Es müßte lediglich der Startschuß gegeben werden und Deutschland könnte bis zum Jahr 2020 weitgehend auf erneuerbarer und heimischer Energie basiert sein. Es fehlt nur der politische Wille.

Wahrscheinlich wird so ein Aufstand wie in Frankreich nötig sein, um die Politiker zu zwingen, diesen Weg zu gehen.
In Brasilien hat sich allerdings für die Bevölkerung nichts geändert. Die Benzin- und Alkohol-Preise steigen genauso wie im Rest der Welt, obwohl die Regierung eigentlich diesen Preis nun nach Belieben festlegen könnte. Aber eine neoliberale Regierung wie die Lulas wird nartürlich nichts anderes machen als die internationalen Preisbewegungen nachzuvollziehen. So erreicht die Petrobras sagenhafte Profite, schüttet sie an den Staat aus und Lula kann dann leichter die Zinsen für Brasiliens Schulden (etwa 50 Mrd. US- Dollar jährlich) zahlen.

vermischtes

20 Jahre Tschernobyl …

World Content News – … und kein bisschen weise! Heute vor 20 Jahren explodierte der Atomreaktor in Tschernobyl und unsere „Zukunftstechnik“ flog uns um die Ohren. In diesen Tagen gibt es umfassende Medienberichte über den Supergau und dessen Folgen. Das ist angemessen und gut so, aber kaum einer hat im Medienrauschen mitgekriegt, dass wir uns vor kurzem das Jubiläumsjahr beinahe in besonderer Weise radioaktiv versüßt hätten.

Kosloduj, 1. März 2006, 06:10 Uhr: Im bulgarischen Kernkraftwerk Kosloduj/Donau ist nach einem Störfall der Block 5 heruntergefahren worden. Die Werksleitung teilt mit, eine von vier Zirkulationspumpen, die die Kühlung regeln, ist ausgefallen. Später heißt es, das Ereignis sei ein Vorfall „am unteren Ende der Skala“ und könne „nicht als Störfall“ bezeichnet werden. Es würden jetzt „einzelne Elemente des Steuerungssystems“ repariert.

Jetzt kommt raus: Das zentrale Sicherheitssystem hatte Totalausfall, wir sind buchstäblich in letzter Minute an einer neuen Katastrophe á la Tschernobyl vorbeigeschrammt. Im Reaktor blieben drei Brennstäbe hängen, daraufhin heizte er sich auf. Die AKW-Arbeiter mussten dem Kühlwasser große Mengen Borsäure hinzufügen, um die Kettenreaktion zu stoppen. Eine erste Schnellabschaltung misslang zunächst, wieder blieben Stäbe hängen, dieses Mal 22 von 60, danach konnte der Reaktor Gott sei Dank doch noch nach mehr als sechs Stunden nach Ausfall der Pumpe heruntergefahren werden.

Ohne die Schnellabschaltung, so der Kernphysiker und ehemalige Chef der nationalen Aufsichtsbehörde, Gueorgui Kastchiev, „hätte in diesem Fall niemand die Katastrophe aufhalten können“,

Der Hochrisiko-Reaktor vom Typ WWER 1000/32, ähnlich gebaut wie das durch andauernde Störfälle geprägte AKW Temelin, dem in einer Umweltverträglichkeitsprüfung aus dem Jahr 2000 bescheinigt worden ist, dass die „Folgen eines Kühlmittelverlustunfalles katastrophal wären“, wurde ein Jahr nach dem Supergau von Tschernobyl in Betrieb genommen. Seitdem hat es in der insgesamt 6 Reaktoren umfassenden Anlage (noch 4 Meiler in Betrieb, 6.500 Mitarbeiter) immer wieder „Zwischenfälle“ gegeben. Kosloduj liegt direkt an der zur Zeit vom Jahrhunderthochwasser betroffenen Donau.

Doch die Atomindustrie lässt sich davon nicht stören. Der havarierte Reaktor soll auch weiterhin in in Betrieb bleiben dürfen. Weltweit gibt es zur Zeit 443 aktive Atomkraftwerke und es dürften noch einige in den nächsten Jahren dazu kommen. Der Betrieb ist seitdem nicht sicherer geworden, das „nächste mal“ ist statistisch gesehen daher längst überfällig.

Themenseite Tschernobyl bei Robin Wood
Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News

vermischtes

Brasilien das nächste Opfer Bushs?

Karl Weiss, Rio de Janeiro – In der ‚Rheinischen Post’ vom 21. 4. erschien ein Artikel der Brasilien verdächtigt, in seiner neu eröffneten Urananreicherungsanlage Rohstoff für Atombomben anzureichern. Bei näherem Hinsehen stellt sich aber der Artikel als reine Hetze heraus.


Verstecken die Brasilianer unter dem Zuckerhut vielleicht ein geheimes Atomprogramm?

Exakt jetzt, als der Iran gerade angekündigt hat, zum ersten Mal eine geringe Menge von Uran angereichert zu haben, beginnt Brasilien, seine Urananreicherungsanlage in Resende in der Nähe von Rio de Janeiro zu betreiben. Das ist zwar reiner Zufall, denn die Planungen Brasiliens gehen auf Zeiten zurück, als das iranischen Atomprogramm nur Fachleuten bekannt war. Doch die Reaktionäre in gewissen Zeitungsredaktionen überlegen sich in solchen Fällen, wie man diese Zufälle ausnutzen kann, um seine Giftköder auszulegen für Leute, die ihnen noch glauben.

Hören Sie nur, was die ‚RP’ alles schreibt, um seine Verdächtigung zu erhärten:

„Während international der Eindruck herrscht, das Land sei „harmlos“, sind brasilianische Experten mißtrauisch.“ „…obwohl Brasilien der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nur begrenzte Inspektionen gestattet, kann der größte südamerikanische Staat seine Ambitionen völlig ungehindert verfolgen.“ „…die Chance, mehr Uran als für den Eigenverbrauch erforderlich zu produzieren, könnte in Brasilien ein Umdenken einleiten.“ „Durch Neukonfigurierung der Kaskaden oder eine vielfache Wiederholung der Anreicherungsschritte könne in Resende durchaus waffenfähiges Material produziert werden.“ „ … Weigerung der Regierung, den IAEA-Inspektoren Zugang zu den Zentrifugen zu gewähren, …“ „Die Kontrolleure dürfen lediglich das Uran vor und nach der Anreicherung analysieren, …“ „Während der Militärherrschaft von 1964 bis 1985 hatte Brasilien starke Atom-Ambitionen. Damals wurden die beiden Kernkraftwerke gebaut, Pläne für ein Atom-U-Boot entwickelt. Es gab auch einen Geheimplan für den Test einer Atombombe im Urwald.“ „Worauf es im Iran wie in Brasilien wirklich ankommt, das ist das Selbstbild, … Nationalismus, Stolz: Das sind die wahren Gründe.“

Nun, urteilen Sie selbst: Haben Sie eben etwas gelesen, was ausreichende Begründung für eine solche Verdächtigung wäre? Es scheint tatsächlich so. Hier haben Sie einen klassischen Fall vor sich, wie man mit Halbwahrheiten Stimmung machen kann.

Was für Experten?
Im ersten Satz, taucht der klassische ‚Experte’ auf, ein Wort, das wir auch später im Artikel wieder antreffen. Wenn Sie ‚Experte’ oder ‚Experten’ lesen oder in den Fernsehnachrichten hören, können Sie sicher sein, man führt sie an der Nase herum. Der Journalist sagt ja nicht, in was sie denn Experten sind, das kann ja zum Beispiel Expertentum in Desinformation sein. Kurz, daß irgendwelche Experten mißtrauisch sind, hat nicht die geringste Aussagekraft.

Die nächsten Sätze beziehen sich auf die Kontrollen durch IAEA-Inspektoren. Im Atomwaffensperrvertrag ist dies klar geregelt: Die Inspektoren müssen die Möglichkeit bekommen, das Uran vor der Anreicherung und nach der Anreicherung zu analysieren, um überprüfen zu können, ob wirklich nur auf die 3 – 5% angereichert wird, die für die friedliche Nutzung notwendig sind. Dort steht nichts davon, daß die Inspektoren Zugang zu den Zentrifugen selbst haben müssen. Stellt man dies, was einfach üblich ist, als eine „Weigerung der Regierung“ dar, so kann man dadurch versuchen einen Verdacht zu erregen, der in Wirklichkeit durch die Analysen der Inspektoren ausgeschlossen werden kann. Auch die Erwähnung, daß Anreicherungsanlagen auch zur Anreicherung bis zur Kernwaffenreife geeignet sind, soll Verdacht erwecken, das ist aber immer bei allen Anreicherungsanlagen der Fall. Deshalb werden ja gerade die Analysen der Inspektoren verlangt.

Besonders infam werden aber diese reaktionären Redakteure, wenn sie auf die Militärdiktatur hinweisen. Diese hatte sich im Jahr 1964 in Brasilien an die Macht geputscht, nachdem der US-Präsident Kennedy dies kurz vor seinen Tode den brasilianischen Militärs ‚nahegelegt’ hatte. Es waren also Reaktionäre an der Macht, solche wie jene, die heute reaktionäre Artikel schreiben. Tatsächlich arbeitete die Militärdiktatur an der Atombombe. Dafür sind die USA direkt verantwortlich, die jene Militärs in Fort Benning in den USA ausgebildet hatten und ihnen dort Putschen und Foltern beigebracht hatten.

Rechte Militärdiktaturen
Dies sind ja gerade die Eigenschaften rechter Militärdiktaturen, wie sie die US-Regierungen über die Jahrzehnte hinweg gezüchtet haben, daß sie stumpfe Aggressivität gegen alles „Linke“ mit dumpfem Nationalismus verbinden, der alles zur höheren Ehre der eigenen Nation tut und alles Ausländische bekämpft (mit Ausnahme natürlich der US-Ziehväter). Klassische Beispiele waren die Militärdiktatur in Griechenland, die einen Krieg gegen die Türkei anfing (weshalb heute ein Teil Zyperns türkisch ist) und die in Argentinien, die sich mit Großbritannien anlegte und genauso auf die Schnauze fiel.

Was denn auch der Sinn des Artikels ist, das wird am Ende klar, wo Lula als „linker Präsident“ bezeichnet wird. Nun, wenn Lula links ist, dann sind auch Schröder und Blair links. Aus der Sicht hartgesottener Reaktionäre von rechts vom Schlage eines Schäuble oder Berlusconi allerdings verschwimmen Sozialdemokraten mit Kommunisten. Und bei den Kommunisten weiß man schließlich, daß sie kleine Kinder fressen. Hatte nicht gerade Berlosconi mit der Entdeckung geglänzt, im damals sozialistischen China Mao Tse Tungs seien Babys getötet und zu Seife verarbeitet worden?

So wird denn auch der letzte zitierte Satz („Nationalismus, Stolz“), der den Iran und Brasilien in einen Topf wirft, zum eigentlichen Ausdruck des ganzen Artikels. Wenn imperialistische Staaten, wie die USA, die Bundesrepublik, Frankreich oder China Anreicherungsanlagen betreiben, dann tun sie das natürlich aus Friedensliebe, wenn es ein angeblich Linker tut, dann kann das nichts anders sein als beim iranischen Regime: Unterdrückung nach innen – Aggression nach aussen. Und bei der Ursache schließen sie von sich auf Andere: „Nationalismus, Stolz“.

Bleibt noch zu erwähnen, daß in diesem Artikel, wie in vielen Veröffentlichungen im Moment, wiederum die Behauptung aufgestellt wird, der UN-Sicherheitsrat hätte den Iran aufgefordert, die Anreicherung zu stoppen. Das hat er nie getan, und wenn es noch so oft behauptet wird. Das hätte er auch gar nicht können, denn dieses Recht ist allen Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrages vertraglich zugesichert.

vermischtes

Zwangsprostitution in Deutschland

Karl Weiss– Trotz mehrfacher Hinweise von Frauenorganisationen hat die Organisation der Fußball-WM sich geweigert, strikte Maßnahmen gegen das Einschleusen von Zwangsprostituierten während der WM nach Deutschland zu unternehmen. Es wurde darum die Kampagne „Abpfiff der Zwangsprostitution“ gegründet.

Wer Zwangsprostitution indirekt hinnimt oder sogar bewußt fördert, macht sich mitschuldig. Statt rigoroser Kontrollen haben deutsche Behörden Lizenzen für sogenannte „Verrichtungsboxen“ vergeben, in denen die Geschäftemacher ungestört die Zwangsprostituierten den Freiern zuführen können.

Die Behörden weisen demgegenüber daraufhin, daß in Deutschland seit 2002 das „Gesetz zur Verbesserrung der Rechtsstellung der Prostitiuierten“ gilt, das einen wesentlichen Fortschritt darstelle. Demgegenüber sagt ein Fachmann, der Strafrechtler Prof. Dr. Renzikowski:

„…[Es] haben sich viele, allzu naive Hoffnungen des Gesetzgebers nicht erfüllt. So lassen sich die Prostituierten, die bei den Sozialversicherungsträgern gemeldet sind, an den Fingern einer Hand abzählen. Die Möglichkeit zum Ausstieg aus der Prostitution steht nur auf dem Papier, tatsächlich gibt es kaum Hilfsangebote. Am schwersten wiegt der Vorwurf, das [Gesetz] mache die Prostitution erst salonfähig. In diesem Sinne dient [es] den Strafverfolgungsbehörden häufig als Ausrede, jetzt, wo die Prostitution legal sei, gebe es keinen Grund mehr, die Bordelle zu kontrollieren.“

Damit zeigt sich, daß es sich hierbei ebenfalls um eine der Reformen handelte, für die unsere geliebte Politkerkaste bekannt ist: Tatsächlich Verschlechterungen, nur in Worten das positive. Natürlich hätte eine solche Reform nur wirklich etwas bringen können, wenn den Prostituierten echte Ausstiegschancen gegeben worden wären. Aber dann hätte es ja eventuell nicht mehr die Prostituierten gegeben, die man schließlich braucht, nicht wahr? Und die Verschlechterungen bestehen eben darin, daß nun nicht mehr kontrolliert wird, ob die Zuhälter die Prostituierten ausbeuten und ob es keine Zwangsprostitution gibt.

Der Frauenverband Courage, eine der die Kampagne tragenden Verbände, ruft auf: „Gemeinsam für die Befreiung der Frau!Wir fordern Frauen und Männer in Politik, Wirtschaft, Kirche, Gewerkschaft, Medien, Sport oder Wissenschaft auf: Unterstützen Sie aktiv diese Kampagne!“

Frauenverband Courage

vermischtes

Eigenartige Ähnlichkeit zweier Mordversuche

Harald Haack – Es geschah in Potsdam. Am Ostersonntag gegen 4.00 Uhr wurde ein in Äthiopien geborener 37-jähriger deutscher Staatsbürger schwarzer Hautfarbe von bislang unbekannten Tätern angegriffen und ausgeraubt. Durch „stumpfe Gewalteinwirkung“ erlitt das Opfer ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und wurde von Ärzten einer Klinik in ein künstliches Koma versetzt. Die Stimmen der Täter konnten aufgezeichnet werden, weil das Opfer in dem Moment des Überfalls eine Nachricht auf der Mailbox seiner Frau hinterließ. Die Staatsanwaltschaft will die Stimmen im Internet veröffentlichen und erhofft sich damit einen Fahndungserfolg.

Nun, nachdem wieder einmal eine Welle der Entrüstung durch die Medien brandete, aber leider fast nur durch die Medien – es gab eine kleine Demonstration in Potsdam, hat der Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen im Fall des Neonazi-Überfalls auf einen Deutschafrikaner in Potsdam an sich gezogen. Die Tat sei „geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen“, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft heute in Karlsruhe. Die Tat habe zudem eine „besondere Bedeutung“. In seinem Namen habe Nehm das Polizeipräsidium Potsdam beauftragt, die weiteren Ermittlungen zu übernehmen. Eine Belohnung von 5.000 Euro hat die Staatsanwaltschaft inzwischen für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Eigenartig ist, dass sich ein ähnlicher Fall schon am Karfreitag gegen 8 Uhr in Wahlstedt im Kreis Segeberg des Bundeslandes Schleswig-Holstein ereignete. Doch dieser Fall fand bislang keinerlei Beachtung im Presse-Mainstream.

Laut Polizeibericht wurde ein 42-jähriger Wahlstedter, der aus Aserbaidschan stammt, von mehreren Personen am Zigarettenautomaten in der Waldstraße von Wahlstedt überfallen und niedergestochen. Als das Opfer zu Boden ging, wurde dort weiter auf ihn eingeschlagen. Die Polizei schreibt, „die mutmaßlichen Täter hatten entweder in einem PKW auf den Mann gewartet oder fuhren mit dem Wagen vor. Nach dem Angriff gelang es dem Opfer noch, sich etwa 400 Meter weiter zu der Wohnung einer Bekannten zu schleppen. Diese brachte den blutenden Mann dann ins Krankenhaus. Dort wurden mehrere Stichverletzungen sowie schwere Kopfverletzungen festgestellt, so dass der Mann in eine Spezialklinik verlegt werden musste. Er ist noch nicht vernehmungsfähig. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und sucht dringend Zeugen, die sachdienliche Angaben zu dem Vorfall machen können.“

vermischtes

Agrarsubventionen unter Beobachtung

Karl Weiss – Eine Anzahl von „Nicht-Regierungs-Organisationen“, unter ihnen ‚Greenpeace’, ‚Oxfam’, ‚Brot für die Welt’, ‚Germanwatch’ und ‚WWF’, haben eine ‚Initiative für Transparenz der EU-Agrarsubventionen’ gegründet. Es ist nämlich nicht nur so, daß diese Agrarsubventionen ihren angeblichen Zweck nicht erfüllen, sondern auch so, daß in den meisten europäischen Ländern, so vor allem in Deutschland, fein säuberlich geheim gehalten wird, wer und wie viel Subventionen bekommt.


Tatsächlich allerdings geht das Sterben der bäuerlichen Kleinbetriebe in Europa seit Jahrzehnten ungezügelt voran.

Die behauptete Begründung für die Ausgabe von 43 Milliarden Euro jährlich ist, daß man die bäuerlichen Kleinbetriebe erhalten müsse. Tatsächlich allerdings geht das Sterben der bäuerlichen Kleinbetriebe in Europa seit Jahrzehnten ungezügelt voran. In weiten Landstrichen Deutschlands z.B. ist schon kein einziger Kleinbetrieb mehr übrig geblieben. Da ist es erlaubt zu fragen, warum der Aufwand von solchen Mengen Geld keinen Effekt zeitigt.

Im wesentlichen gibt es die (damals noch) EG-Agrarsubventionen schon lange, aber etwa ab Mitte der Siebziger Jahre wurden sie wirklich teuer, als die jährlichen Ausgaben in Mark die 50-Milliarden-Grenze überschritten. Gehen wir also von einer durchschnittlichen Leistung von 35 Milliarden Euro (nach heutigem Geld) über diesen Zeitraum aus (31 Jahre), so kommen wir etwa auf lockere eine Billion Euros nach heutigem Geld, die für dieses hehre Ziel durch die EG und dann die EU ausgegeben wurden.

Eine Billion sind Tausend Milliarden oder eine Million Millionen. Man stelle sich vor, wenn all dies Geld für vernünftige Dinge ausgegeben worden wäre und nicht für – ja für was eigentlich? Wenn der angegebene Zweck nicht erreicht wurde, für was wurde das Geld dann ausgegeben?

Eine geringe Ahnung davon bekommt man, wenn man den letzten Bericht der ‚Oxfam’ liest, in der eine Anzahl derer aufgezählt sind, die große Mengen dieses Geldes bekommen haben. Zitieren wir aus einem Artikel der ‚Berliner Umschau’ vom 11.11.2005:

Frankreich:
Dies ist das Land mit dem größten Anteil am EU-Agrarsubventionen mit 9,4 Milliarden Euro (…). Lediglich 15% der französischen Empfänger erhalten 60% dieser Summe, also etwa 5,6 Milliarden Euro. Dagegen erhalten 70% der französischen Landwirte zusammen nur 17% der Subventionen.Die 12 größten Empfänger in Frankreich erhalten jeweils mehr als eine halbe Million Euro pro Jahr. Die zwei größten jährlich allein 1,7 Millionen.

Großbritannien:
Einer der großen Empfänger dort ist die königliche Familie, die sowieso zu den reichsten der Welt gehört. Ebenso wird der Zucker-Großkonzern Tate & Lyle mit hohen Subventionen bedacht.

Dänemark:
Die europäische Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bedenkt in Dänemark vier Minister der Regierung mit Zahlungen, mehrere Parlamentsabgeordnete und die dänische EU-Kommissarin. Diese gehen in den Bereich von Millionen Euro.

Belgien:
In Belgien waren unter den Topbegünstigten die Bank Crédit Agricole, Nestlé, Campina und BASF.

Slowakei:
In der Slowakei wurde kürzlich berichtet, daß Landwirtschaftsminister Zsolt Simon Besitzer einer Firma ist, die 2003 und 2004 1,3 Mio. Euro an Subventionen erhielt.

Niederlande:
In den Niederlanden erhielt der Landwirtschaftsminister, Cees Veerman, 150.000 Euro an Subventionen. Frühere Berichte geben an, daß die größten Empfänger von Direktzahlungen und Exportsubventionen von 1999-2003 der niederländische Zweig von Mars, der Bierkonzern Heineken NV und der US-Tabak-Hersteller Philip Morris sind.“

Nun haben wir also in etwa einen Eindruck bekommen, um was es sich handelt: Um Geldtransfer im wesentlichen an Superreiche, Konzerne und an bedürftige Politiker.

Es kann also keine andere Forderung geben als die sofortige und vollständige Abschaffung der Agrarsubventionen. Das Geld könnte man anderweitig sinnvoll ausgeben, z.B. für ein großes Investitionsprogramm für Umwandlungsanlagen von Pflanzen, Pflanzenteilen und Tierexkrementen in Biogas, Bioalkohol, Biodiesel und andere Bio-Energieträger.

Dann wäre der Landwirtschaft auch wirklich geholfen, denn sie könnte statt Lebensmitteln, die in anderen Gegenden kostengünstiger herzustellen sind, sich auf die Herstellung von Energiepflanzen konzentrieren und so einen wesentlichen Teil des europäischen Energiebedarfs decken, billig, ohne Abhängigkeit von Importen und ohne Gefahr von Verknappung und damit einhergehenden Preissteigerungen. Und gleichzeitig hätte man die Entwicklungsländer von einem Konkurrenten für ihre Agrarexporte befreit und den Ausstoß von Kohlendioxid und den damit einhergehenden Treibhauseffekt und die globale Erwärmung bekämpft, die zu einer Klimakatastrophe zu führen droht.

Allerdings scheint es den Nicht-Regierungs-Organisationen gar nicht darum zu gehen. Verwunderlicherweise sieht Sarah Kahnert von ‚Germanwatch’ da unsinnige Alternativen: Letztlich gehe „es auch nicht darum, den einen oder anderen Betrieb an den Pranger zu stellen, sondern darum herauszufinden, wohin die Milliarden an Steuergelder fließen und wofür sie verwendet werden“.

Wer an den Pranger gestellt werden muß, sind unsere Selbstbedienungs-Politiker und was sie mit unseren Steuergeldern machen und warum sie das verstecken.

vermischtes

Leben auf der Venus?

Harald Haack – Der Astrobiologe David Grinspoon vom Southwest Research Institute in Boulder, im Diensten der NASA tätig, vermutet trotz aller bisheriger Erkenntnisse, dass Leben auf dem Planeten Venus existiert. Eigentlich müsste es dafür angesichts einer Oberflächentemperatur von 460° C viel zu heiß sein. Doch die Atmosphäre böte in den höheren Bereichen ideale Voraussetzungen für Leben auf Basis von Bakterien, die sehr hohe Temperaturen aushalten können. Sie wachsen oft in hoher Dichte und in Bereichen, die für tierisches Leben zu heiß sind. Bilden demnach Bakterien in der Venus-Atmosphäre üppige, schwebende Matten und sorgen damit für den hohen Kohlenstoffanteil?


Bakerienmatten in 400 Meter Tiefe vor der Küste Mittelamerikas
Foto: MARUM, Bremen


Coronae sind blasenartige Anhebungen auf der Venus-Oberfläche, die aufbrechen und wieder zusammensinken, Heisse Schwefelsäuregase füllen die tieferen Regionen. Künstlerische Darstellung von Harald Haack.

Erde und Venus waren sich seiner Meinung nach ähnlich. Das müsse vor vier Milliarden Jahren gewesen sein, schätzt er: „Die Mechanismen, welche die Erde am Anfang mit Wasser versorgten, waren höchstwahrscheinlich auch bei der Venus am Werk“. Doch dann habe der Nachbarplanet „das Element des Lebens“ verloren, „weil er näher an der Sonne lag und deswegen wärmer war als die Erde“. Er glaubt, die Atmosphäre sei derart voller Wasserdampf gewesen, dass sich ein Teil des Wassers unaufhaltsam in den Weltraum verflüchtigte. Wann dies passierte, sei ihm unklar.

Der Geochemiker James Kasting von der Pennsylvania State University habe errechnet, so erklärt Grinspoon, die Ozeane der Venus seien etwa 600 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems verdampft – also vor 4 Milliarden Jahren.

Grinspoon will die Verhältnisse auf der jungen Venus erneut simuliert haben und im Gegensatz zu Kasting integrierte er die Wolken in sein Modell. Demnach könnten die Wolken den Planeten gekühlt haben, womit der Verlust der Ozeane zwei Milliarden Jahre lang verzögert wurde.

Laut Grinspoon gibt es auf der Venus nur noch kleine Flecken einer alten Welt, der ältesten Kruste dieses Planeten, die vor etwa 600 Millionen Jahren bei massiven Vulkanausbrüchen erneuert wurde. Die Flecken seien die Hochländer dieses Planeten.

Eine Plattentektonik könne es auf der Venus nicht mehr geben, weil das Wasser dazu fehle, sagt Grinspoon und erklärt, Wasser sei sozusagen das Schmiermittel der Plattentektonik. Weil es auf der Erde Ozeane gibt, gebe es hier die Plattentektonik. Um nun in den Hochländern nach Lebensspuren suchen zu können, wünscht er sich eine Mission zur Venusoberfläche und ist sich bewusst, dass sein Wunsch so gut wie gar nicht realisierbar ist: „Eine Stunde auf der Venusoberfläche Messungen zu machen wäre teurer als eine einmonatige Mission zum Mars.“

Doch wahrscheinlich muss er so schnell noch nicht zur Venus reisen. Die Expedition M66-2 mit dem Forschungsschiff METEOR unter der Leitung von Dr. Gregor Rehder vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (IFM-GEOMAR), untersuchte, ausgerüstet mit modernster Meerestechnik, die Tiefsee vor den Küsten Costa Ricas und Nicaraguas. Auch in dieser lebensfeindlich anmutenden Umgebung gbt es hoch spezialisierte Lebensformen, die angepasst an diese Verhältnisse sind. In solchen Regionen brodelt es, Gase entweichen aus dem Boden, Erdbeben erschüttern den Meeresgrund und können Schlammlawinen auslösen. Die Ursache liegt tiefer unter dem Meeresboden. Große Mengen wasserreicher Sedimente werden am mittelamerikanischen Tiefseegraben unter die Festlandsplatte geschoben. Auf dem Weg in immer größere Tiefe entstehen mit Methan und Nährstoffen angereicherte Fluide, die unter zunehmender Hitze und unter der Last des Kontinents aus den Sedimenten ausgedrückt werden und auf verschiedenen Wegen an die Oberfläche des Meeresbodens zurückgelangen. Die Expedition fand Bakterienmatten bereits in einer Tiefe von 400 Metern in einem Bereich, den man wegen seiner natürlich vorkommenden Schadstoffe bislang für absolut lebensfeindlich angesehen hatte.

Der„Titanic“-Regisseur James Cameron, sieht die Tiefsee als „Schule“ für Astrobiologen. Ein Astrobiologe sei jemand, der sich mit etwas beschäftigt, was er nicht anfassen kann, sagt Cameron, „er studiert theoretisches Leben und überlegt, wo er es finden und wie er es erforschen könnte.“

Cameron versammelte eine Mannschaft von Astrobiologen und Meeresforschern um sich und unternahm mit ihnen U-Boot-Tauchgänge. Herausgekommen ist dabei der Dokumentar-Kinofilm „Aliens der Meere“, der inzwischen auch auf DVD erhältlich ist. Cameron plädiert darin nicht nur für eine Erforschung der Tiefsee, sondern hofft auch, dass das gewonnene Wissen hilft, bislang unbekannte Wesen zu schützen – hier auf der Erde wie auch auf anderen Planeten. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Lebensbedingungen an Hydrothermalquellen in der Tiefsee auf der Erde denen gleichen, die auf anderen Planeten existieren. Die Suche nach fremden Leben beginnt also in der Tiefe – hier auf der Erde.

vermischtes

Brasiliens Fußball-Meisterschaft beginnt

Karl Weiss – Die brasilianischen Vereine in der Copa Libertadores, dem Gegenstück zur ‚Champions Leage’ in Südamerika, sind ein Spiel vor Ende der Gruppenphase entweder schon klassifiziert oder haben gute Chancen – mit einer Ausnahme. Von Februar bis in die erste Aprilwoche werden in Brasilien noch die Meisterschaften der einzelnen Bundesländer ausgetragen.


Fussball der Götter

Erst jetzt, ab dem Ostersonntag, beginnt die brasilianische Meisterschaft, die erst seit drei Jahren im in anderen Ländern längst üblichen Turnus von Hin- und Rückrunde aller gegen alle ausgetragen wird und bis Ende Dezember geht. Die einzelnen Ländermeisterschaften hatten z.T überraschende Ergebnisse.

Wie die Champions Leage, wird auch in der Copa Libertadores, die im Februar beginnt, zuerst eine Gruppenphase ausgetragen, bei der zwei von vier Mannschaften der Gruppe weiterkommen. Alle brasilianischen Mannschaften liegen jetzt, ein Spiel vor Ende der Gruppenphase, auf einem der begehrten ersten zwei Plätze, mit der Ausnahme von Pokalsieger Paulista, einem Zweitligaverein, dem sowieso nicht zugetraut worden war, in der Libertadores Bäume auszureißen. Er hatte auch noch mit dem argentinischen Club River Plate und dem paraguaianischen Libertad zwei starke Teams zugelost bekommen, so daß wohl nicht anderes als ein Ausscheiden in der Gruppenphase herauskommen wird, auch wenn noch rechnerische Chancen bestehen.

Dann würden nur 5 der 6 gestarteten brasilianischen Clubs übrig bleiben. Normal hat Brasilien „nur“ 5 Plätze in der Libertadores, aber dieses Mal kam der letztjährige Gewinner São Paulo dazu, so daß Brasilien mit einer Rekordzahl von Vereinen anfing. Allerdings hatten sich die dritten und vierten der brasilianischen Meisterschaft in eine Klassifizierungsrunde begeben müssen, aber dort trifft man üblicherweise auf leichte Gegner.

Fussball auf 3400 Meter Höhe
Ausgerechnet Vorjahrssieger São Paulo war vor dem fünften Spiel aber der gefährdeteste der anderen 5 Vereine. In seiner Gruppe ist überragend der mexikanische Club Chivas aus Guadalajara, der bisher nur einen Punkt abgab und unter anderem São Paulo zweimal geschlagen hat. So mußte man nun den zweiten Platz mit den beiden anderen Clubs der Gruppe, Caracas aus Venezuela und Cienciano aus Peru, austragen. Mit einem Sieg über Cienciano in Cuszco, Peru in 3.400m Höhe schaffte São Paulo das am 12.4.

Die anderen vier brasilianischen Vereine, Meister Corinthians, Zweiter Internacional Porto Alegre, Dritter Goiás und Vierter Palmeiras São Paulo, sind schon endgültig (die beiden letzteren) oder praktisch (die beiden ersteren) klassifiziert. Allerdings werden in der nächsten Phase, den Achtelfinalspielen, voraussichtlich bereits São Paulo und Palmeiras aufeinander treffen. In den darauffolgenden Viertelfinals werden die verbliebenen brasilianischen Vereine gegeneinander spielen (so sie die Achtelfinals überstehen), so daß sicher gestellt ist, daß in die Halbfinals wahrscheinlich höchstens zwei brasilianische Vereine kommen.

Der südamerikanische Verband lädt zur Copa Libertadores nun schon seit Jahren regelmäßig die ersten drei der mexikanischen Liga ein, so daß diese eigentlich südamerikanische Liga zu einer lateinamerikanischen oder sogar zu einer Liga der Americas wird. Bisher hat aber noch kein mexikanischer Verein den Pokal holen können, wenn auch schon einmal einer im Endspiel war. Dieses Jahr hat wieder ein Club aus Mexiko, Chivas, gute Chancen, so weit zu kommen.

Daneben haben die verbleibenden brasilianischen Clubs Chancen, während von den vier gestarteten argentinischen Clubs bereits zwei in der Gruppenphase drohen stecken zu bleiben: Estudiantes ist letzter seiner Gruppe und Rosário Central kann nur noch durch eine spezielle Kombination von Ergebnissen Atletico aus Kolumbien vom zweiten Gruppenplatz vertreiben. Die beiden anderen argentinischen Clubs aber, River Plate und ein in Hochform befindliches Velez Sarsfield, gehören mit zu den Favoriten des Wettbewerbs.

Die brasilianischen Landesmeisterschaften:
Um mit der Rio-de-Janeiro-Meisterschaft zu beginnen: Mit einem 3: 1 Sieg über Madureira im Endspiel sicherte sich Botafogo, der Club von Garrincha, zum 18. Male die lokale Meisterschaft, die dieses Jahr zum hundertsten Male ausgetragen wurde. Daß damit einer der vier großen Clubs aus Rio gewonnen hat, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß alle vier in Krisen stecken, wenn auch in unterschiedlichen Maße.

Die vier großen, die alle in der ersten brasilianischen Liga spielen, hatten es in der lokalen Meisterschaft mit einer Anzahl von „Kleinen“ zu tun, von denen nicht einer auch nur in der zweiten brasilianischen Liga spielt. Trotzdem schafften es weder Flamengo, noch Vasco da Gama, noch Fluminense, auch nur die Halbfinals zu erreichen, die mit eigenen Cups ausgetragen werden. Lediglich Botafogo wischte noch ganz knapp in eines dieser Halbfinals. Im anderen waren zwei „kleine“ unter sich, Americano und Madureira, wobei Madureira das bessere Ende erwischte und in die zwei Endspiele gegen Botafogo einzog.

Geheimvaforit
Die bei weitem leistungsstärkste Landesmeisterschaft wird in São Paulo ausgetragen. Doch nicht die Favoriten gewannen, weder der brasilianische Meister von Ende 2005, Corinthians, der nur Sechster wurde, noch der Geheimfavorit Palmeiras, noch die in der Endphase groß auftrumpfende Mannschaft von F.C. São Paulo, dem Gewinner des Confederations-Cup der Vereine (Vereins-Weltmeister) vom Dezember, als man den europäischen Vertreter Liverpool auf den zweiten Platz verwies. Meister wurde vielmehr nach einer Pause von 21 Jahren wieder der Santos F. C., der Club Pelés. Das war der 16. São-Paulo-Titel für Santos, wobei der größte Teil davon aus der Zeit Pelés stammt.

São Paulo war nach der Vereins-Weltmeisterschaft äußerst schwach gestartet, verlor gegen mehrere „kleine“, sogar im eigenen Stadion, legte dann aber einen sehenswerten Endspurt hin, der aber nur bis auf einen Punkt an Meister Santos heranführte. Die São-Paulo-Meisterschaft war dieses Jahr nach langer Zeit wieder nach dem Punktsystem mit einer einfachen Runde jeder gegen jeden ausgetragen worden.

Einen sicherlich wesentlichen Anteil am Sieg von Santos hat sein neuer Trainer, Luxemburgo. Noch vor kurzem bei Real Madrid als Trainer entlassen, ging er zurück nach Brasilien und setzte seine Arbeit genau dort fort, wo er sie vor dem Gastspiel in Madrid unterbrochen hatte, bei Santos. Das dann auch gleich die Meisterschaft heraussprang, war aber dennoch unerwartet. Luxemburgo hat ein wahres „Händchen“ mit brasilianischen Mannschaften, solange es gegen andere brasilianische geht. Er ist aber offenbar nicht in der Lage, andere Spielanlagen als die brasilianische zu verstehen und Mannschaften darauf einzustellen.

Grosse Clubs
Eine andere starke Landesmeisterschaft ist die von Rio Grande do Sul, wo die beiden großen Clubs aus Porto Alegre, Gremio und Internacional, mehrfache Brasilien-Meister und zusammen mit Juventude die einzigen Erstligaclubs im Staat, das Endspiel austrugen, was seit sechs Jahren nicht mehr der Fall gewesen war. ‚Inter’ war der Favorit, denn man hatte gerade vor kurzem die brasilianische Vize-Meisterschaft errungen. Wären nicht die Spielwiederholungen wegen des Wett-Skandals angesetzt worden, wäre ‚Inter’ Meister gewesen. Gremio dagegen war vorletztes Jahr in die zweite brasilianische Liga abgestiegen, hat aber Ende letzten Jahres den direkten Wiederaufstieg geschafft. ‚Inter’ steht auch an der Spitze seiner Gruppe in der Copa Libertadores, während Gremio von einem Platz in der Libertadores vorläufig nur träumen kann.

‚Inter’ hatte außerdem die letzten vier Jahre ununterbrochen die Landesmeisterschaft gewonnen. Im Hinspiel vor einer Woche im Stadion von Gremio hatte es ein 0 : 0 gegeben. So mußte am Sonntag vor Ostern im ’Inter’-Stadion „Beira Rio“ die Entscheidung fallen. Gremio erreichte ein 1 : 1-Unentschieden und trug die Meistertrophäe davon, denn auswärts erzielte Tore zählten doppelt. Zwar ist „auswärts“ hier etwas relativ, denn die Stadien der beiden Vereine sind weniger als einen Kilometer voneinander entfernt, aber Regel ist Regel.

Unschlagbar
Eine andere hart umkämpfte Meisterschaft ist die des Bundestaates Paraná. Am Anfang blieb Atlético Paranaense lange Zeit ungeschlagen und sein neuer Trainer, niemand geringeres als Lothar Mathäus, schien gut einzuschlagen. Er war der erste deutsche Trainer, der je in Brasilien gearbeitet hat und man war gespannt, wie er sich halten würde. Er ist in Brasilien bekannt – als Spieler natürlich – und erregte viel Aufsehen. Dann aber, mitten in der Meisterschaft, reiste er plötzlich „aus persönlichen Gründen“ nach Deutschland und seine Rückkehr verzögerte sich ein ums andere Mal. Schließich ließer mitteilen, er werde nicht zurückkehren, er leide an Heimweh. So bekamen dann die Brasilianer einen Eindruck davon, was deutsche Zuverlässigkeit heisst. Statt Atlético wurde schließich Paraná Clube Meister.

Weitere Landesmeisterschaften: In Minas Gerais setzte sich erwartungsgemäß Cruzeiro Belo Horizonte durch, genauso wie in Goiás Goiás. Die Meisterschaft von Santa Catarina gewann Figuerense, gerade aus der ersten Liga der brasilianischen Meisterschaft abgestiegen.

vermischtes

Kometen-Teile kommen der Erde näher als ursprünglich erwartet

Harald Haack – Don Yeomans, Leiter des NASA Near-Earth-Object- Programms beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) war davon ausgegangen, dass die Fragmente des Kometen 3P/Schwassmann-Wachmann die Erde in der Zeit vom 12 bis zum 14. Mai 2006 in rund fünfundzwanzigfacher Entfernung der Distance Erde-Mond passieren. Doch nach neuesten Berechnungen wird das als „S“ bezeichnete Fragement dieses Kometen am 27. Mai 2006 die Erde in einem Abstand von nur 0,0487 Astronomische Einheiten begegnen, was lediglich der neunzehnfachen Erde-Mond-Distance entspricht.

Wer sich selbst davon überzeugen will, für den bietet die NASA auf ihrer WebSeite zum Near Earth Object Program für jedes Fragment des Kometen 3P/Schwassmann-Wachmann ein Java-Applets an, mit denen sich die Entfernungen berechnen lassen. Diese Applets, „Orbit Viewer“, wurden von Osamu Ajiki (AstroArts) geschrieben und von Ron Baalke (JPL) modifiziert. Allerdings sind die Ergebnisse ohne Gewähr, denn es sind nun einmal nur prognostizierende Berechnungen.

vermischtes

Sterbender Komet besucht Erde

Harald Haack – Im Mai 2006, am 12., 13. und 14., besucht ein sterbender Komet die Erde. Die Gefahr für eine Kollision bestünde nicht, behauptet Don Yeomans, Leiter des NASA Near-Earth-Object- Programms beim Jet Propulsion Laboratory (JPL). Der Komet werde die Erde in fünfundzwanzigfacher Entfernung der Strecke Erde-Mond passieren. Doch dieser Komet, 3P/Schwassmann-Wachmann, hatte die Forscher schon damit überrascht, dass er plötzlich auseinanderbrach. Den Grund dafür kennt niemand. Es gibt also einen unbekannten Faktor, der die bisherigen Bahnberechnungen des Kometen negieren könnte.


Jim V. Scotti verwendete für sein Foto, das den Kometen
3P/Schwassmann-Wachmann am 27. Dezember 1995 zeigt,
ein 91-cm-Spiegelteleskop.

Mit dem bloßen Auge werden die Fragmente kaum zu erkennen sein. Doch der Vorbeiflug wird dennoch viel Aufregung unter den Wissenschaftlern verursachen. Das um die Erde rotierende Teleskop Hubble wird auf die Fragmente ausgerichtet sein, um auch alles gut mitzukriegen. Und auf der Insel Puerto Rico wird die große Radar-Schüssel des Arecibo-Observatoriums, das größte Radioteleskop der Welt, so genannte Radar-Pings (Ping – analog zum Geräusch eines Sonars) zu den Fragmenten des Kometen senden, um deren Form und Spin zu ermitteln. Vielleicht ja gibt es weitere Überraschungen. Ob das Weiße Haus in Washington D.C. für den Fall einer gravierenden Bahnänderung eines Fragments evakuiert wird, wurde noch nicht bekannt.


Fragment C des Kometen 3P/Schwassmann-Wachmann, fotografiert am 26. Februar 2006 von E. Guido und G. Sostero, New Mexiko Skies Observatory.