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Neue Beweise für späte planetare Katastrophe

Harald Haack – Lange nach der Entstehung der Planeten unseres Solarsystems muss es gigantische Katastrophen gegeben haben, die das Aussehen der Planeten gründlich veränderten. Dem Merkur, sonnennächster Planeten, wurden aller Wahrscheinlichkeit nach, wie Mars,“>Wassereis und Felsresten bestehen.

Die Saturnringe“>Aufbau gibt es noch zahlreiche unbeantwortete Fragen. Schließlich ist das Ringsystem groß und komplex.


Vom inneren zum äußeren Rand ist die Distanz größer als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Deutliche Unterschiede gibt es in dem Pioneer-Bild zwischen den Ringen, die nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung von A bis G benannt sind.


In bisher nie erreichter Präzision hat die Raumsonde „Cassini“ die Ringe des Saturns abgelichtet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse legen nahe, dass die Ringe wahrscheinlich jünger sind, als bisher angenommen.

An die Gestalt einer Zitrone erinnerte ihn der Saturn, als Galileo“>Saturnmonde: Tethys, Dione, Rhea und Iapetus.

Die Seh-Werkzeuge zur Beobachtung der Himmelskörper wurden ständig weiterentwickelt. Weitere Saturnringe konnten erkannt werden und man kennzeichnete sie mit den Buchstaben A bis F. Der deutsche Astronom Johann Franz Encke (1791 bis 1865) spürte 1837 innerhalb des A-Rings eine kleine Lücke auf, die nach ihm benannt wurde, die Enckesche Teilung.

Mittlerweile waren viele Ringe des Saturns bekannt, und einige Wissenschaftler hatten wegen ihrer allnächtlichen Beobachtungstätigkeit schon Ringe unter den Augen erhalten, doch das Rätsel der Saturnringe zu lösen hatten sie nicht vermocht. Entscheidend voran aber kam die Erforschung der Struktur der Saturnringe mit den Arbeiten zweier Mathematiker: dem Briten James Clark Maxwell (1831 bis 1879) sowie dem Franzosen Edouard Albert Roche (1820 bis 1883). Roche, der auch als Astronom tätig war, errechnete 1849 den Mindestabstand, in dem ein Mond seinen Planeten umkreisen kann, ohne durch Gezeitenkräfte zerrissen zu werden. Maxwell gelang dann der Nachweis, auf den Grundlagen von Roche aufbauend, dass die Saturnringe aus feinen Partikeln bestehen müssen; wegen der Gezeitenwirkungen des Saturns würden sich größere Materieteile in Staub aufspalten, der sich jedoch aufgrund eigener Gravitationswirkungen nicht wieder zu kompakteren Körpern vereinigen könne. Dieses Modell blieb bis in die Gegenwart gültig.


Der Mathematiker und Astronom Edouard Albert Roche (1820 bis 1883): Seine Berechnungen zu den Saturnringen gingen in die Literatur als „Roche-Grenze“ ein.

Nach den Arbeiten von Roche und Maxwell blieb es für fünfzehn Jahrzehnte ruhig um Saturn und dessen Ringe – zumindest unter den Wissenschaftlern. Dann gab es wieder Seh-Werkzeuge ganz anderer Art: Raumsonden. Und Saturn erhielt zwischen 1979 und 1981 Besuch von drei Raumsonden. Pioneer 11 passierte in 20 800 km Entfernung am 1. September 1979 den Planeten und dessen Monde. Voyager 1 folgte am in 38 000 km am 12. November 1980 sowie Voyager 2 in 124 000 km Entfernung am 26. August 1981.

Die Raumsonden funkten hochauflösende Bilder zu den irdischen Empfangsstationen der NASA. Hunderte von kleinen Einzelringen wurden damit sichtbar. Innerhalb eines jeden Hauptringes, gibt es einen weiteren Hauptring, der mit „G“ bezeichnet wurde. Es wurde klar, dass das Ringsystem aus etwa 1.000 konzentrischen Ringen besteht.

Mit Hilfe der Raumsonden, der von Saturn aus zu den weiter entfernten Planeten Jupiter, Uranus und Neptun flogen, wurden dort ebenfalls Ringsysteme gefunden. Diese sind, gegenüber dem Saturn, zwar wesentlich schwächer ausgebildet, aber sie folgen den von Roche und Maxwell gefundenen Gesetzmäßigkeiten und liegen innerhalb der Roche-Grenze.

Zuletzt lieferte die NASA-Sonde „Cassini“ die bisher genauesten Daten über das komplexe Ringsystem. Mit einem Verfahren, Radiookkultation, bei der die Sonde Funksignale durch die Ringe des Saturns sendet, konnten Wissenschaftler anhand der Veränderungen in der Signalstärke auf die Dichte und die Zusammensetzung der Ringe schließen. Erstmals kamen bei der Methode gleich drei verschiedene Frequenzen zum Einsatz.


Die Cassini-Sonde im Clean-Room während der Vorbereitungen zur großen Reise.

Wie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagzins „Nature“ zu lesen ist, belegen neueste Aufnahmen der Cassini-Sonde, die von den Potsdamer Physikern um Frank Spahn und Jürgen Schmidt ausgewertet wurden, dass die Saturnringe durch einen Kometen- oder Asteroideneinschlag entstanden sind.

Unter Astronomen gab es zur Entstehung der Ringe zwei kontroverse Theorien. Nach der einen, zählen die Ringe zur Entstehungsphase des Saturns. Nach dieser Theorie müssten die Partikel des Rings kleiner als 100 Meter im Durchmesser sein und größere Körper könnten nur vereinzelt in weit entfernten Umlaufbahnen existieren. Nach der anderen Theorie hätte einen Zusammenstoß des Planeten mit einem Kometen- oder Asteroiden die Ringe entstehen lassen. Objekte von einigen 100 Metern bis hin zu einigen Kilometern Durchmesser, so genannte Moonlets, müsse es dann in den Ringen geben; aber solche Objekte sind aufgrund ihrer geringen Größe nicht direkt aufzuspüren.


Moonlets in den Saturnringen. Sichtbar wurden in den Cassini-Bildern erstmals die Partikel, aus denen die Ringe bestehen. © NASA/JPL/Space Science Institute

Schon vor rund sechs Jahren haben Frank Spahn und seine Kollegen an Hand von theoretischen Modellen vorhergesagt, dass sich diese Moonlets durch propellerartige Strukturen in den Ringen bemerkbar machen müssten. Demnach sollten größere Objekte von einigen Kilometern Durchmesser in der Lage sein, eine Lücke in den Ring über dessen gesamten Umfang frei zu legen. Und tatsächlich konnten in den vergangenen Jahren zwei dieser Monde anhand dieser Merkmale mit Hilfe der Cassini-Sonde entdeckt werden. Doch nun wurden in den Aufnahmen von Cassini Nachweise für vier kleinere Monde in der Größenordnung von 100 Metern gefunden. Von Forschern werden sie als „missing links“ genannt, weil sie die Lücke zwischen sehr kleinen und großen Körpern schließen und ein wesentliches Indiz für die Richtigkeit der Einschlags-Theorie darstellen.

Bleibt also noch die Frage zu klären, welcher Himmelskörper einst mit Saturn zusammengestoßen war und ob es denn überhaupt ein Zusammenstoß mit dem Planeten selbst und nicht mit seinen Monden war – falls die damals schon existierten.

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Welche gigantische Kollision erzeugte Venus?

Harald Haack – Computer-Simulationen Schweizer Forscher ergaben, dass ein gigantischer Asteroideneinschlag dem Planeten Merkur Mantel und Kruste weggesprengt hat. Nur der dichte, metallische Kern – seine heutige Form – soll übrig geblieben sein. Nach den Berechnungen sind möglicherweise sogar Bruchstücke bis zur Erde geflogen. Die Schwester der Erde, Planet Venus, soll dabei am heftigsten bombardiert worden sein.

Der Astrophysiker Jonathan Horner und seine Kollegen der Universität Bern errechneten, dass der Merkur vor viereinhalb Milliarden Jahren bei der Kollision zweier Himmelskörper entstand. Aber was geschah mit der Venus? Könnten die vom Merkur stammenden Teile, die möglicherweise Venus getroffen haben, für eine gegenläufige Rotation von Venus gesorgt haben?

Dr. Horner: „Seit ein paar Jahren habe ich über die Frage von Venus nachgedacht. Ich sollte mehr lesen, aber ich denke es gibt einige Ideen, die diese gegenläufige Rotation erklären und dass die Teile, die Venus trafen, über den ganzen Planeten stürzten. Die kleinen Teile sind nur eine kleine Fraktion zur Masse von Venus. Folglich sollte dies kein großen Effekt verursacht haben, zumal diese Teile aus alle Richtunggen auf den Planeten fielen.“

Gab es vor ca. viereinhalb Milliarden Jahren den Planeten Venus schon in diesem Solarsystem? Gibt es Hinweise – außer der seltsamen Umlaufbahn und der gegenläufigen Rotation -, dass Venus eine „Spätgeburt“ ist oder sogar aus einem fremden Solarsystem stammen könnte?

Dr. Horner: „Über das Alter von Venus, so denke ich, wäre die einfachste Antwort, dass Venus diesen Platz schon seit 4,5 Milliarden Jahre hat. Es ist sehr kompliziert die Himmelsbahn zu verfolgen, und, wenn Venus von einer anderen Position kommt, dann denke ich, dass es nicht möglich ist auf diese neue Himmelsbahn zu gelangen. Wenn der Planet aus einem anderen Solarsystem kommt, muss er Probleme durchgemacht haben. Möglich ist, dass die Rotation von Venus ein Ergebnis von einer anderen gigantischen Kollision ist. Mit dieser Frage aber haben wir uns noch nicht befasst. Ich habe nicht genug über diese Rotation gelesen, um zu dieser Idee ja oder nein sagen zu können sagen. Ich denke aber, dass es vielleicht möglich ist.“

Velikowskys kontroverse Venus-Theorie
Merkur-These: Gewaltiger Crash formte Planeten

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Die Venus

Harald Haack – Hatten vor ca. 23.000 Jahren unsere Ahnen schon eine gewisse Vorstellung davon, wie eine Frau aussehen sollte? Oder war das als „Venus von Willendorf“ berühmt gewordene steinzeitliche Artefakt ein Maskottchen, das entweder vor Hungersnöte oder Überfettung bewahren sollte? Sicherlich kannten sie den Namen „Venus“ noch nicht, denn erst die Römer nannten sie so – als Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit.


Nicht zu leugnende Ähnlichkeit zwischen der „Venus von Willendorf“ (oben) und der Oberfläche des Planeten Venus im Radarbild (unten).

Die Astronomie geht zwar davon aus, dass es schon immer den Planeten Venus gab, also auch zur Steinzeit, doch erst seit 1.200 v.Chr. gibt es in Stein gemeißelte Bilder, die den Planeten zeigen. 684 v.Chr. wurden regelmäßige Beobachtungen der Venus auf babylonischen Schrifttafeln festgehalten, und 926 Jahr später, im Jahr 1610, konnte ein Astronom, Galileo Galilei, die Venus erstmals durch ein Fernrohr betrachten. Gut 200 Jahre danach, im Jahr 1807, gelang es mittels teleskopischer Beobachtungen der Venus den Durchmesser zu berechnen: 12.293 km. Er wurde später auf 12.104 km korrigiert. Durch spektroskopische Analysen fand man 1920 heraus, dass die Venusatmosphäre keinen Wasserstoff enthält. 1932 fand man große Mengen von Kohlendioxid (CO2, auch „Kohlensäure“ genannt) in der Venus-Atmosphäre gefunden. CO2 entsteht bei der Verbrennung von Kohlenstoffprodukten. Prompt keimten Horrorgeschichten über dichte Urwälder auf Venus, die von Dinosauriern und reizenden Blondinen bevölkert werden. 1956 kam dann die Ernüchterung. Mittels Radar wurde die Oberflächentemperatur des Planeten gemessen: 400° C – viel zu heiß für die heißeste Blondine und den bissigsten Dino. Dennoch existieren solche schwachsinnigen Werke bis heute.


Erfreulicherweise nicht mehr lieferbar:
Comic von Roman Turowski und Levin Kurio.

Die im 19. und frühen 20. Jahrhundert vorherrschende Vorstellung, demnach nicht nur die Erde, sondern auch die anderen Planeten unseres Solarsystems von hoch entwickelten Wesen bewohnt werden, wurde auch zur Grundlage einiger Witze. Ein Beispiel, das wohl bald seine Grundlage verlieren wird:

„Ein LKW-Fahrer fährt über die Landstraße, als er plötzlich ein kleines blaues Männchen am Straßenrand stehen sieht. Er hält an und fragt: >Na, was bist du denn für einer?Ich komme von der Venus, bin schwul und habe Hunger!Tut mir leid, ich kann Dir nur ein Brötchen geben, das ist alles, was ich für Dich tun kann!Na, was bist du denn jetzt für einer?Ich komme vom Saturn, bin schwul und habe Durst!Tut mir leid, das ist alles, was ich für Dich tun kann!Na, du kleines grünes, schwules Männchen, was kann ich Dir denn geben?Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!<“

Dieser Witz funktioniert, bis auf eine Ausnahme, allerdings nur für Deutschland. Die von „warmherzigen“ Politikern regierte Freie und Hansestadt Hamburg tauschte die grünen Polizeiuniformen gegen dunkelblaue, schillernde operettenhafte Dienstkleider ein. Dies geschah aber nicht wegen solcher Witze, sondern weil ein populistischer Innensenator, längst gekündigt, seinen Geschmack in Kleidungsfragen durchsetzte.

Doch zurück Planeten Venus, als „Abendstern“ bezeichnet wird, weil er vornehmlich in den Abendstunden am Himmel zu sehen ist: 1962 wurde Mariner 2 zur Venus geschickt. Die Sonde stellte fest, dass der Planet kein Magnetfeld hat. Die hohen Oberflächentemperaturen wurden bestätigt. 1964 konnte die Rotationszeit mittels Radarmessungen ermittelt werden: Ein Venustag dauert so lange wie 243 Erdentage. In 224,7 Tagen umrundet Venus die Sonne.


Die NASA-Sonde „Mariner 10“ schoss dieses Foto von der stürmischen Venus-Atmosphäre.

Die Atmosphäre der heißen Schwester der Erde ist sehr dicht und setzt sich zusammen aus 97 Prozent Kohlendioxid, 3 Prozent Stickstoff sowie Spuren von Wasserdampf, Helium, Schwefeldioxid, Argon, Sauerstoff und Neon. Die relative Nähe zur Sonne sowie der hohe CO2-Gehalt in der Atmosphäre erzeugt auf der Venus wahrscheinlich den Treibhauseffekt. Neuere Messungen ergaben eine Oberflächentemperatur von rund 450° C.

Nach der Venus-Kartografierung der NASA-Sonde „Magellan“ im Jahr 1990 bestehen etwa 20 Prozent der Oberfläche des Planeten aus flachen Ebenen, 70 Prozent sind hügelig und 10 Prozent gebirgig. Es gibt eine Menge Einschlagkrater. Hohe Windgeschwindigkeiten und die „steinefressende“ aggressive Atmosphäre sorgen für chemische Erosion.

Dieses Wort, „Erosion“ ist wohl die einzige Übereinstimmung mit jener Erotik, die man dem Planeten einst andichtete.

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Postcard from Venus

Stephan Fuchs – Nach fünfmonatiger Reise durch das All soll die erste Venus-Sonde der europäischen Raumfahrtbehörde ESA heute ihr Ziel erreichen. Um nicht über das Ziel zu schießen, muss sie innerhalb 50 Minuten auf unter 25.000 Kilometer die Stunde abbremsen. Heute um 9.19 soll dieses Manöver im Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt stattfinden. Dort findet heute auch eine Präsentation der „Postcarde from Venus“ statt, einem Wettbewerb der Planetray Society. In dem Wettbewerb soll der Künstler prämiert werden, der in seinem Bild dem Antlitz der Venus am nächsten kam. In der Vorprämierung waren auch drei Kontinentaleuropäer. Der Schweizer Jürg Vetterli und der deutsche Edgar Tibori, der den dritten Preis gewann, sowie der deutsche Journalist und Schriftsteller Harald Haack. Mit ihm sprach Stephan Fuchs.

Herr Haack, wie soll ich mir die Venus vorstellen?

Harald Haack: Heiß! Ganz heiß. Und vor allem rund und fast ohne Magnetfeld.

Sie sagen das sehr überzeugt… auf Grund wessen nehmen sie diese Gewissheit?

Ich glaube den Daten der Sonden, die von den Russen und den Amerikanern zur Venus gesandt wurden, weil sie die Erkundungsdaten mittels Telekopie und Spektroskopie, die von der Erde aus ermöglich sind, plausibel ergänzen.

Anhand dieser Daten ist Leben auf der Venus in keiner Form möglich?

Ich denke nicht. Vielleicht kennt sich der Papst damit besser aus, falls er den „Teufel“ kennt. Wohl nur Teufel, wie im christlichen Glauben dargestellt, könnten wohl in solch einer feurigen Welt existierenden. Immerhin sollen dort oben 450°C herrschen.

Wenn wir schon vom Teufel und vom Papst sprechen, dann sprechen wir auch von der Alchemie: Die Venus gilt doch als Zeichen der weiblichen Schönheit und der Wollust. Ein schrecklicher Gedanke für den Papst. Ist die Venus das Ende des Christentums?

Keine Ahnung. Aber der Papst müßte es wissen. Ich vermute jedoch, dass – wenn man dem russischen Forscher Velikowski glaubt, demnach die Venus erst in historischer Zeit in unser Solarsystem gelangte -, die Venus mit ihrem mutmaßlich feurigem Auftreten am Abendhimmel die Menschen einst auf die Idee brachte, es müsse analog zur Erde etwas geben, was absolut höllisch ist. Und die Venus ist es in der Tat! Heiss und höllisch. Und so gesehen, ist die Hölle von uns aus gesehen oben im Himmel und nicht unten, wie viele Christen glauben. Aber wo ist oben und unten, wenn man als Astronaut im All unseres Solarsystems ist? Vielleicht könnte oben dort sein, wo die Sonne ist. Tja, und die Venus ist der sonnennächste Planet.

Dann ist die Venus ein junges Kind unserer planetaren Gesellschaft?

Ja, wenn man der These Velikowski glauben will. Immerhin hatte er sich durch alle für ihn verfügbaren Mythen der Welt gequält und überall Hinweise gefunden.

Herr Haack, Sie sind einer von drei Europäern die von der ESA und der amerikanischen Jet Propulsion Laboratory ausgewählt wurden, die Hölle auf der Venus grafisch als Postkarte zu gestalten. Was war das genau?


Welten schaffen

Zunächst einmal eine Korrektur: Es war die Planetary Society, die den Grafikwettbewerb „Postcard from Venus“ veranstaltet hatte. Vom JPL waren da wohl einige Leute dabei, die der Jury angehörten.

Was zeigt ihr Bild?

Wie von der Planetary Society vorgegeben zeigt mein Bild die Oberfläche des Planeten Venus. Ich denke, das könnte Teil einer Landschaft auf der südlichen Hemisphäre sein, dort, wo es sehr stürmisch ist. David Seal, der als Cassini Mission Planer fürs Jet Propulsion Laboratory tätig ist und zur Jury von „Postcard from Venus“ zählte, schreibt mir in einem persönlichen Brief, für ihn zeige mein Bild einen „volcanic blast“ oder einen „rock-hail storm“. Er räumte dem Bild gute Chancen für den nachfolgenden Hauptpreis ein. Wie gesagt: Es ging in dem Wettbewerb darum, die Oberfläche der Venus zu zeigen. Dabei war es egal, wie man sein Bild umsetzte, also ob das mit Pinsel, Farbe und Leinwand oder Papier realisiert wurde oder mittels Computer. Ich habe mich für den Computer entschieden, was die Sache nicht gerade einfach machte, obwohl viele Menschen denken, das sei keine Kunst. Computer, das bedeutet für viele immer noch, als würde die Maschine alles selbst erledigen. In Wirklichkeit ist der Computer auch nur ein Werkzeug wie Pinsel, Quast, Graphitstift, Hammer oder Meissel und was es sonst noch gibt, um bildnerisch arbeiten zu können.


Virtuelle Berge entstehen lassen…

Nun ich gehöre auch zu jenen, die denken, dass Computer die Grafik selber erfinden, das schaut dann aber auch dementsprechend dilettantisch und peinlich aus. Worin liegt die Kunst der Bildbearbeitung?

Der Bildbearbeitung oder der Erstellung von virtuellen Bildern? Das sind zwei paar „Schuhe“.

Aha. Sehen Sie, da beginnt das Drama bereits. Sie sprechen von virtuellen Bildern und bewegen sich dadurch schon in einer anderen Welt. Sie kreieren Welten, wenn ich das so verstehen darf.

Huh! Darüber könnte man tief greifend philosophieren. Ja, ein Drama! Selbst Fotos könnte man als „virtuell“ verstehen. Ich mache beides: Fotos und auch virtuelle Welten in Form von 3D-Grafiken. In diesem Fall, wenn wir bei der Venus bleiben, reizt mich, dass man sich seine Traumwelten plastisch und fotorealistisch darstellen kann. An Träumen ärgert mich, dass man von Bildern der Landschaften, die man träumt, keine Abzüge kriegt. Nun gut, man könnte von Prints träumen, aber wenn man aufwacht, ist alles futsch. Was vielleicht noch übrig bleibt, sind verblassende Erinnerungen an den Traum. Was habe ich in meinen Träumen schon für phantastische Lichtstimmungen gesehen! Sogar fotografiert habe ich sie – im Traum wohlgemerkt. Übrigens: Ich verwende in meinen Träumen inzwischen meine Digitalkamera. Als ich noch träumte, meine Analogkamera zu verwenden, funktionierte oft der Auslöser nicht. Meist war die Batterie leer. Und wo kriegste dann im Traum so schnell eine Ersatzbatterie her? Das sind Alpträume, aber die machen mir Spaß.


…bis die Venus entsteht.

Spielen Sie gerne?

Die Möglichkeit solche Computergrafiken zu schaffen, hat mir glücklicherweise alle Computerspiele verdrängt. Die finde ich nämlich alle langweilig. Virtuelle Landschaften selbst zu gestalten, ist für mich viel spannender. Und obendrein kann ich mit diesem „Spielen“ sogar ernsthafte, wissenschaftliche Arbeit leisten; vorausgesetzt, ich gleite nicht in irgendwelche vollkommen unmögliche Welten ab, orientiere mich an wissenschaftlichen Daten – zum Beispiel über die Venus. Nicht nur der Venus-Steckbrief, der mittels der Mariner-Sonden und auch anderer Sonden ergänzt wurde und eine allgemeine Vorstellung von dem vermittelt, was dort auf dem Planeten passiert, sondern auch mein tägliches Sammeln wissenschaftlicher Artikel ermöglichte mir ein erweitertes Einfühlungsvermögen. Denn: Basisdaten allein sagen wenig. Ich hoffe, dass mein Bild nicht nur die Venusoberfläche treffend darstellt, sondern auch kombiniertes Wissen. Und ich will es nicht verschweigen: Mein Bild enthält auch unterschwellige Erotik. Warum nicht? Immerhin wurde der Planet nach der römischen Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit benannt.

Ich bin überzeugt, dass es eines Tages möglich sein wird das Abbild eines Traumes auf Film zu bannen oder als „Reiseziel“ zu nutzen. Genau so wie es Realität sein wird unserer Nachbarplaneten zu besuchen. Möchten sie planetare Reisen machen?

Nein. Genau genommen reicht mir die Erde. Zum Beispiel die Tiefsee. Darin gibt es noch so vieles zu entdecken. Bevor man zum Saturnmond Europa fliegt, sollte man die Tiefsee gründlicher erforschen. Vieles was wir hier vorfinden, könnten wir später auf dem Mond Europa ebenfalls entdecken. Und gegenwärtig tun dies immer mehr Wissenschaftler: Sie entdecken die Tiefsee als Möglichkeit das Weltall zu erforschen.

Haben wir denn überhaupt noch die Zeit dazu, nachdem der Planet Erde mit grosser Sicherheit vor die Hunde geht?

Das Wissen über die Tiefsee und vor allem über das, was darin lebt, sollte uns helfen uns mehr zu beherrschen. Wenn wir wissen, welch wundervolle Wesen in der Tiefsee existieren und wir gelernt haben diese zu schützen und zu erhalten, dann werden wir Menschen so reif sein, um auch die anderen Planeten betreten zu dürfen. Wichtig ist, dass wir gelernt haben dort keinen Schaden anzurichten. Gegenwärtig sehen die Prognosen zwar düster aus, aber ich hoffe, dass die Evolution auch für unsere geistige Entwicklung in dieser Hinsicht einiges vorgesehen hat. Vielleicht müssen wir ja alle lernen im Meer zu leben. Aus dem Meer kamen wir, ins Meer gehen wir zurück. Klingt das nicht plausibel? Für mich ist das sympathischer als „Asche zu Asche“.

Ja, da geb’ ich Ihnen recht, das klingt sympathischer. Nur: da müsste sich die geistige Evolution ganz tüchtig ins Zeug legen und daran zweifle ich stark. Ich glaube nicht an die Geschichte vom Paradies. Trotzdem: Eine Hoffnung haben wir, indem wir vielleicht unsere eigenen Welten schaffen, denn wer zerstört schon gerne seine eigene Welt?

Wenn sie virtuell sind, haben wir gute Trainingsmöglichkeiten. Machen wir was kaputt, dann auch nur virtuell und wir lernen hoffentlich daraus noch bevor wir uns an die echten, fremden Welten wagen dürfen.

Ein guter Vorschlag Herr Haack… Aber was geschieht denn eigentlich mit den Postcards from Venus?

Die werden sicherlich nicht den Weltuntergang erleben. Die ESA und die Planetary Society wollen sie am 11. April im Bodenkontrollzentrum European Space Operations (Esoc) in Darmstadt anwesenden Medienvertretern und Technikern sowie Wissenschaftlern präsentieren. Später sollen die Bilder der Preisträger mit den Bildern von Venus-Express verglichen werden, die hoffentlich bald zur Erde gefunkt werden. Prämiert wird dann noch einmal das Bild, dessen Ähnlichkeit mit der Venus am treffendsten ist Aber ich weiß gar nicht, was man da noch gewinnen kann. Vielleicht eine Hose?

Ich glaube nicht, dass eine Hose der Gewinnpreis sein kann. Wo es doch so heiß ist da oben. Ein Badetuch vielleicht…

Ne, das passt nicht in die Logik: Ein ESA-Basecap und ein langärmeliges Planetary-Scociety-Shirt gab es für die Preisträger bereits. Fehlt also nur noch die Hose, damit es unten herum nicht so zugig wird wie auf Venus. Heiße Luft kann immerhin fürchterlich ätzend sein.

Nun Herr Haack, da bin ich gespannt auf das Resultat und hoffe natürlich, dass Sie eine Hose gewinnen. Herr Haack, ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Glück.

The Planetary Society
Venus Express ESA
Faceworks

Harald Haack lebt in Hamburg und ist freier Fernsehautor, Regisseur, Schriftsteller, Fotograf, Illustrator und Komponist. Er arbeitete für NDR und WDR und als Film-Regisseur in Grossbritannien: „The Turning Tide“. „NORWEGEN. Begegnungen mit Knut Hamsun“ war Haacks erstes Buch als Autor. Seither erschienen von ihm mehrere Bücher. Haack schreibt Satiren und Essays für verschiedene Publikationen und fotografierte für Bildbände und Fotokalender u.a. fürs GEO-Magazin. Seine Illustrationen werden gelegentlich unter faceworks.de gezeigt und wurden u.a. von FACTUM publiziert. Er ist Mitglied der Investigative Reporters & Editors Inc. sowie von ver.di (Sparten: Schriftsteller und Journalisten), VG Bild und VG Wort.

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Velikowskys kontroverse Venus-These

Harald Haack – Dem Planeten Venus wurde seit der Romantik viel Unsinn angedichtet. Mythologisch ist Venus die Göttin der Liebe und Schönheit, und somit ist es naheliegend, dass man einst auf dem Planeten viele schöne Frauen mit großem sexuellem Verlangen vermutete; analog zur vorherrschenden Prüderie des 19. Jahrhunderts. Auch fantasierten Sciencefiction-Autoren über dampfende Urwälder der Venus, in denen Dinosaurier und liebreizende Amazonen gleichermaßen um ihre Macht kämpften. Doch die Realität ist ernüchternd und erschreckend zugleich.

Von der Sonne aus ist Venus der zweite Planet und fast genauso groß wie die Erde. Eigenartig ist die Umlaufbahn der Venus, die kreisförmigste aller Planeten mit einer Exzentrik von weniger als 1%, wie auch ihre Rotation: Sie dreht sich entgegengesetzt zur Rotation der anderen Planeten unseres Sonnensystems.“> Theorie von Astrophysiker Jonathan Horner und seiner Kollegen der Universität Bern.

Aber was wäre, wenn vor viereinhalb Milliarden Jahren Venus noch nicht in diesem Solarsystem existierte?

Immanuel Velikovsky, der 1985 in Witebsk (heute Weißrussland) geborene Arzt, Psychoanalytiker und Autor von als „spekulativ“ verspotteter Büchern, untersuchte die Mythen nahezu aller menschlicher Kulturen und verstand sie als historisch-kosmologisches Quellenmaterial. In seinem Buch „Welten im Zusammenstoß“ entlarvte er den Planeten Venus als kosmischen Vagabunden, Teil einer fremden Galaxis, den sich unsere Sonne eingefangen hatte und der Katastrophen in unserem Sonnensystem verursachte.


Immanuel Velikowsky (1895-1997): In der Wissenschaft umstritten.

Nach Velikowskys These verdankt unsere Erde dieser Katastrophe, die man sich als galaktisches Billard vorstellen kann, die Entstehung des Mondes. Nach dem aktuellen Stand der Forschung war ein kleiner Planet aus seiner Bahn gerissen, mit der Erde zusammengestoßen und hatte große Teile flüssigen Magmas und felsiger Erdkruste herausgesprengt, woraus sich der Mond formte. Reste davon sollen sich gleichermaßen in Erde und Mond befinden. Aber auch der Mars blieb nicht verschont. Jüngsten Erkenntnissen nach muss es dort eine fürchterliche Katastrophe gegeben haben. Der Mars, der damals noch mit Wasser bedeckt war und der Erde ähnelte, verlor schlagartig die größte Menge seines Wassers und damit auch seine Luft. Heute besitzt der Mars nur noch eine dünne Rest-Atmosphäre. Spezialisten der NASA vermuten auf dem Mars verbliebene Reste unter seiner sandigen und vereisten Oberfläche.

Über die Geburt der Venus schreibt Immanuel Velikowsky: „Ein Planet läuft auf einer nahezu kreisförmigen Bahn um einen größeren Himmelskörper, die Sonne; er trifft mit einem anderen Himmelskörper, einem Kometen, zusammen, der auf einer lang gezogenen Ellipse dahinzieht. Der Planet kippt aus seiner Achsenlage, gerät aus seiner geordneten Bahnbewegung, wandert regellos weiter und entkommt schließlich dem Bereich des Kometen.

Der Himmelskörper auf der gestreckten Ellipse erfährt ähnliche Störungen. Von seinem Kurs abgelenkt, findet er sich in einer neuen Bahn; seine lange Schleppe aus gasförmigen Substanzen und Steinen wird von der Sonne oder von dem Planeten abgerissen oder macht sich selbständig und läuft als ein kleinerer Komet auf einer eigenen Bahnellipse weiter; ein Teil des Schweifes wird aber von dem ursprünglichen Kometen auf dessen neuer Umlaufbahn mitgenommen.“


Welten im Zusammenstoß nach Velikowsky: Die Bahnen des Merkur und der Venus innerhalb der Bahn der Erde.

Velikowsky fand er heraus, dass alte mexikanische Handschriften die Reihenfolge der Ereignisse angeben. Demnach wurde die Sonne von einem schlangenförmigen Himmelskörper, angegriffen; die Sonne wollte nicht mehr scheinen. Vier Tage lang war die Welt verdunkelt. Es herrschte finstere Nacht. In jenen Tagen verloren viele Menschen ihr Leben. Dann kam der Moment, in dem sich der schlangenförmige Himmelskörper verwandelte und erstmalig im Osten als Stern aufging. Das Klima auf der Erde veränderte sich rasant. Die Jahreszeiten gerieten durcheinander. Die Dauer von Tag und Nacht hatten sich verändert. Die Erde wurde von Sintfluten heimgesucht.

Velikowski: „Die alten Handschriften sprechen weiterhin »von dem Wandel, der im Augenblick der großen Flutkatastrophe in der Stellung zahlreicher Gestirne eintrat, deren bedeutendstes eben Tlahuizcal-panteuctli oder die Venus ist«“.

Er meint, diese von anhaltender Finsternis begleitete Weltkatastrophe scheine „identisch mit der des Auszugs aus Ägypten zu sein, bei der ein Aschensturm die in ihrer Drehung gestörte Erde verdunkelte“. Velikowski glaubt, auch die spätere Katastrophe zur Zeit Josuas, als die Sonne über einen Tag lang am Himmel der Alten Welt stillstand, handele von dieser planetaren Katastrophe, zähle zur Venus-Geburt, weil es in beiden Fällen derselbe Komet war. Der habe beide Male seine Bahn geändert. Die Fragestellung müsse geändert werden von »Bei welcher Gelegenheit änderte der Komet seine Bahn?«, in: »Welcher Komet verwandelte sich in einen Planeten?« oder: »Welcher Planet war noch in historischen Zeiten ein Komet?«

Velikowski behauptet, die Verwandlung des Kometen in einen Planeten finge bei seiner Begegnung mit der Erde in der Mitte des 2. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung an und setzte sich nach Ablauf eines Jobeljahres weiter fort.

Immanuel Velikowsky sieht die Erde nach den dramatischen Umständen des Auszugs aus Ägypten jahrzehntelang in dichte Wolken gehüllt. Eine Beobachtung der Sterne sei unmöglich gewesen. Nach dem zweiten Zusammentreffen sah man die Venus dann endlich als neues und hell leuchtendes Glied der Planetenfamilie auf seiner Bahn dahinziehen. Velikowski: „Es war in den Tagen Josuas – für den Leser des 6. Buches des Alten Testaments durchaus eine Zeitbestimmung; für die Alten jedoch war es »die Zeit des Agog«.

Er führt noch weitere Quellen für seine These an, die Venus sei in jener Zeit auf der „Showbühne“ unserer Sonne erstmalig aufgetreten und habe damals „gesprüht“ wie ein Komet Er zitiert eine Stelle der CivitasDei Augustins: »Aus dem Buche des Marcus Varro, betitelt >Über die Herkunft des Römischen VolkesEs ereignete sich aber ein bemerkenswertes himmlisches Vorzeichen; Castor nämlich berichtet, dass in dem glänzenden Sterne Venus, bei Plautus auch Vesperugo und bei Homer >Der liebliche Hesperus< geheißen, ein so seltenes Wunderzeichen erschien, dass er Farbe, Größe, Form und Bahn änderte, was weder vorher noch nachher je wieder geschah. Adrastus von Cyzicus und Dion von Neapel, zwei berühmte Mathematiker, sagten, dass dies unter der Herrschaft des Ogyges vor sich gegangen sei. … Sicherlich störte diese Erscheinung die Zeiteinteilung der Astronomen . .., so dass sie glaubten versichern zu müssen, dass, was sich mit dem Morgenstern zugetragen hatte, sich weder vorher noch nachher je wiederholt habe. Wir lesen aber in den Heiligen Schriften, dass selbst die Sonne stillstand, als ein heiliger Mann, Josua, der Sohn Nuns, Gott darum bat.<“

Ogyges“> samaritanischen Chronik, während der Eroberung Palästinas durch die Israeliten unter Josua sei im Osten ein neuer Stern entstanden: „Ein Stern erhob sich über den Osten, gegen den aller Zauber vergeblich ist.“ In Chinesische Chroniken steht, „ein glänzender Stern“ sei in den Tagen Yahus (Yahous) erschienen“.


Die mittelalterliche Waffe, der „Morgenstern“, verdankt seinen Namen wahrscheinlich nicht nur der sternähnlichen Form, sondern auch dem katatstrophalen Auftreten der Venus in historischer Zeit.

Der flammende Stern
Plato zitiert einen ägyptischen Priester, der mit Phaethon verknüpfte Weltenbrand wurde dadurch hervorgerufen, dass die Himmelskörper, die sich um die Erde bewegen, aus ihrer Bahn gerieten. Velikowsky nimmt an, es handele sich bei diesem Himmelskörper um die Venus. Nach zwei Begegnungen mit der Erde sei jener Himmelskörper, ursprünglich ein Komet, schließlich zu einem Planeten verwandelt worden. Der früheste Schriftsteller, der die Verwandlung „des flammenden Sterns“ in einen Planeten erwähnt, sei Hyginus“> Phaethon und schreibt, in historischen Zeiten existierte die allgemeine Ansicht, dieser Phaethon habe sich in den Morgenstern, in die Venus, verwandelte: „Die Geburt des Morgensterns bzw. die Verwandlung einer Sagengestalt (Istar, Phaethon, Quetzal-cohuatl) in den Morgenstern war ein weit verbreitetes Motiv im Volksglauben der morgenländischen und abendländischen Völker. Eine tahitanische Version der Geburt des Morgensterns wird auf den Gesellschaftsinseln im Stillen Ozean erzählt; die mangaianische Sage berichtet, dass bei der Geburt eines neuen Sternes zahllose Bruchstücke auf der Erde aufschlugen. Die Burjäten, Kirgisen und Jakuten Sibiriens sowie die Eskimos Nordamerikas erzählen ebenfalls von der Geburt des Planeten Venus. Ein flammender Stern unterbrach die sichtbare Bewegung der Sonne, verursachte einen Weltenbrand und wurde zum Morgenstern. So heißt es nicht nur in den Sagen und Überlieferungen, sondern auch in den astronomischen Büchern der alten Völker beider Halbkugeln.“

Immanuel Velikowsky zählt heute zu jenen Forschern, die, wie Alfred Wegener, wegen ihrer Thesen lächerlich gemacht und als Spinner abgetan wurden. Wegeners These der Kontinentaldrift gilt inzwischen als gut gesichert und wird allgemein anerkannt. Auf die wissenschaftliche Anerkennung von Velikowskys These aber, demnach die Venus aus dem Kometen Phaethon entstand, wird die Menschheit wohl noch etwas warten müssen.

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Hitlers heimliche Clone?

Harald Haack – Die Bush-Regierung halte Irans Präsident Achmadinedschad für einen potenziellen zweiten Adolf Hitler, behauptet der US-Enthüllungsjournalist Hersh. Dabei ist es längst kein Geheimnis mehr, dass viele US-Bürger ihren eigenen Präsidenten, George W. Bush, mit Hitler vergleichen. So wundert sich niemand darüber, dass man im Weißen Haus über einen Atomschlag gegen Iran diskutiert und überlegt, wie man einen neuen Angriffskrieg machen könnte und der Wert einer „Enthüllung“ mag somit zweifelhaft sein.

Hat sich das Böse in Hitler vervielfältigt und in Bush und Achmadinedschad neue Wirte gefunden? Ich meine, man sollte sich schnell von solchen Floskeln verabschieden. Hitler ist tot, und das soll er auch bleiben. Es gibt andere Möglichkeiten der Charakterisierungen von Herrschern, die weltweit sehr, sehr dumm auffielen. „Idiot“ wäre sicherlich eine bessere Bezeichnung. Und dies träfe Bush und Achmadinedschad nicht allein. Führende Politiker, die sich damit auszeichnen könnten, gibt es viele: Berlusconi, Blair, Chirac, Lukaschenko…

Frankreichs Präsident Chirac hatte Anfang des Jahres die Welt mit seiner indirekten Drohung Irans mit einem Atomschlag geschockt. Doch damit nicht genug. Er verärgerte Millionen von Französinnen und Franzosen mit seiner Unterzeichnung eines idiotischen Gesetzes, mit dem der Kündigungsschutz von Arbeitnehmern eliminiert wird. Will man deshalb auch Chirac zu einem Hitler machen?

Deutschlands Innenminister Schäuble stellt sich gegen Bayerns Ministerpräsident Stoiber, der den Iranischen Staatschef Achmadinedschad zur „unerwünschten Person“ erklärte. Schäuble sagte, Achmadinedschad könne zur WM kommen wie jedes andere Staatsoberhaupt. Ist Schäuble deshalb „ein Hitler“?

Die Wiederwahl Weißrusslands Präsident Lukaschenko am 19. März 2006 wurde von Vorwürfen der Wahlfälschung überschattet. Er beschimpfte und bedrohte daraufhin Länder der EU ohne jedoch diese namentlich zu nennen. Die EU will deshalb heute gegen Lukaschenko und andere hohe weißrussische Politiker ein Einreiseverbot verhängen. Er wird damit ausdrücklich zur unerwünschten Person. Weitere gezielte Maßnahmen, wie die Beschlagnahme von Auslandsvermögen, behält sich die EU ausdrücklich vor. Lukaschenko, auch „ein Hitler“?

Hitler als Bestie ist gegenwärtig offensichtlich in Mode: „Beschimpfe deinen Gegner damit er sei ein „Hitler“ und führe dann Krieg“. Dass man sich mit dieser Methode reichlich Ärger einhandelt, erfuhren kürzlich israelische Reisende. n-tv: „Berichten zufolge hatten Zollbeamte auf den Flughäfen von Frankfurt und Düsseldorf die Polizei geholt, als sie von Reisenden aus Israel als „Nazi“ bezeichnet wurden. In Frankfurt war eine israelische Frau in Rage geraten, als Zollbeamte zu viele Zigaretten in ihrem Gepäck entdeckten. Am Flughafen Düsseldorf empörte sich eine andere Israelin über die ihrer Ansicht nach zu geringe Erstattung der Mehrwertsteuer. Als sie einem israelischen Freund auf Hebräisch erklärte, dass sie es mit „Nazis“ zu tun habe, wurde auch hier die Polizei gerufen. Die Frau verbrachte eine Nacht in Untersuchungshaft und wurde mehrere Stunden lang verhört.“

Die israelische Botschaft in Berlin habe israelischen Bürgern nun empfohlen, wie n-tv weiter berichtet, Menschen in Deutschland tunlichst nicht als „Nazi“ zu beschimpfen. Und das Wort solle nicht einmal leise gegenüber einem Freund gebraucht werden, berichtet die Zeitung „Jedijot Achronot“ über die Empfehlung der Botschaft.

vermischtes

Warlord-Country?

Karl Weiss – Neue Gesetze sollen in den USA jedem das Recht geben, einen potentiellen Angreifer zu erschiessen, wenn er sich bedroht fühlt. In Florida ist dies bereits Gesetz, South Dakota und Indiana haben es eben beschlossen und weitere 20 US-Staaten haben ein solches Gesetz in Vorbereitung. Die Gesetze werden im Volksmund bezeichnet als: „Erst schiessen, dann fragen.“ Natürlich gilt schon immer auch in den USA das allgemeine Recht der Notwehr. Warum also diese Gesetze?


Erst schiessen dann fragen.

Nun, die Befürworter sagen es klar und deutlich: Beim Notwehrrecht müsse immer erst eine tatsächliche Angriffssituation gegeben sein, bevor jemand das Recht hat, sich zu wehren. Sie wollen aber, dass bereits auf eine Bedrohung reagiert werden darf. Das scheint zunächst logisch zu klingen.

Das hat System und ist logisch. Wenn die USA das Recht haben, jedes beliebige kleine unterentwickelte Land zu überfallen, weil man angeblich das Gefühl einer Bedrohung hat, warum sollten Einzelne nicht das gleiche Recht haben? Auch Russland hat ja soeben das Recht des „Präventiven Gegenschlages“ für sich in Anspruch genommen. Frankreichs Chirac hat ausdrücklich einen Atomschlag seines Landes für möglich angekündigt, wenn man eine Bedrohung fühle usw. usw.

Nun, die ganze Menschheitsgeschichte ist voll solcher „präventiver“ Schläge. Fast jeder, der andere Länder überfallen hat, fast jeder, der andere umgebracht hat, hat eine Bedrohung durch den Anderen als Entschuldigung erfunden (wenn man einmal von geisteskranken Tätern absieht). Fast nie bekennt sich ein schlichter Aggressor einfach als Angreifer, er wird (fast) immer irgendeinen Vorwand erfinden. Selbst Hitler machte sich 1939 die Mühe, deutsche Soldaten in polnische Uniformen zu stecken und einen Angriff – scheinbar durch Polen – auf den Sender Gleiwitz zu inszenieren um ein wenig zu verstecken, dass der Beginn des 2.Weltkrieges ein schlichter Akt der Aggression war.

Phantasie des Aggressors
Insoweit kann man sagen, nichts Neues. Aber nun gab es schon die Einrichtung des bürgerlichen Staates und der Menschenrechte und UNO-Konventionen, auf die sich die zivilisierte Welt geeinigt hatte. Der bürgerliche Staat, eine der wichtigsten Errungenschaften des Fortschrittes der Menschheitsgeschichte zu jener Zeit, garantiert für alle Bürger die Menschenrechte und beansprucht dafür für sich das Gewaltmonopol. Er lässt dem Bürger nur in extremen und klaren Notwehrfällen die Möglichkeit der Selbsthilfe. Es sollte ein Ende sein mit der Willkür der feudalen Herren, Gerechtigkeit soll herrschen und nicht Rache.

Singt nicht in Mozarts Zauberflöte der Repräsentant Zarastros, des Führers der Freimaurer, die dort die damals aufstrebende kapitalistische Klasse repräsentierten: „In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht.“?

Die Deklaration der Menschenrechte ist von allen UNO-Mitgliedsländern anerkannt. Die UNO-Konvention über Kriege verurteilt eindeutig jeglichen Angriffskrieg und fast alle Länder haben sie ratifiziert. Dabei wird als Angriffskrieg jeder umfassende einseitige militärische Angriff definiert, auch wenn Drohungen und Provokationen der Gegenseite dem vorausgegangen sein mögen. Ganz zu schweigen natürlich von Bedrohungen, die nur in der Phantasie des Aggressors bestehen, wie z.B. die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins und die Atombomben der iranischen Ayatollahs.

Jeder kann sich an der typischen Kneipenszene, die hundertmal täglich überall auf der Welt vorkommt, diese Fragen deutlich machen: Zwei machistische, meist angetrunkene Männer kommen sich ins Gehege, üblicherweise wegen Lächerlichkeiten, die Worte schwirren hin und her, es wird laut, die Truppe des „Lass das doch“, die oft eingreift und irgendwelche schlimmeren Folgen verhindert, ist nicht zur Stelle und es kommt zur Zuspitzung. Wenn nun einer der beiden die Pistole zieht und den anderen umbringt, so wird dies unter zivilisierten Menschen eindeutig als schweres Verbrechen angesehen, im Einzelfall als Totschlag. Das gleiche gilt, wenn einer der beiden den anderen so schwer zusammenschlägt, dass der bleibende Folgen davonträgt. Das wird als schwere Körperverletzung ebenfalls mit deutlichen Strafen belegt, meist abhängig von der Schwere der bleibenden Schäden.

Nicht nur in Kneipen
Ähnliches passiert weltweit nicht nur in Kneipen, sondern auch in typischen Verkehrssituationen und bei manchen anderen Gelegenheiten. Fast jeder von uns hat solche Situationen schon erlebt oder gesehen. Selten kommt es dabei zu wirklich ernsten Folgen, wenn doch, hat es oft auch strafrechtliche Folgen.

Im Fall, dass einer der beiden Kampfhähne zusammengeschlagen wird und befürchtet, zu Tode zu kommen, dann eine Pistole zieht und den anderen erschiesst, sind wir genau an der Grenzlinie. Abhängig davon, ob er dem Richter glaubhaft machen kann, dass er objektiv vom Tode bedroht war, kann er ohne Strafe davonkommen, denn dann fällt das unter Notwehr. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der andere erkennbar völlig ausser sich war und körperlich sichtlich weit überlegen. Selbst dann, wenn dies objektiv zwar nicht der Fall war, aber glaubhaft ist, dass er davon ausgehen konnte, kann ihm der Richter einen „Verbotsirrtum“ zugestehen. Ansonsten wird ihm auf jeden Fall nur ein ‚Notwehrexzess’ zur Last gelegt, nicht ein Totschlag. Man kann solche theoretischen Fälle noch mehr komplizieren, aber das führt hier nicht weiter.

Grundprinzip ist: Man darf Gewalt, erst recht tödliche Gewalt, nur in dem Masse anwenden, wie sie eine Reaktion auf Gewalt der anderen Seite darstellt. Soweit man auf mögliche zukünftige Gewalttaten reagiert, ist dies nur zulässig, wenn diese wirklich eindeutig unmittelbar bevorstehen (clear and present danger) und es keine andere Möglichkeit gibt, sich der Bedrohung zu entziehen. Zum Beispiel wird man jemandem, der einfach hätte aufstehen und weggehen können, nicht zugestehen, den Anderen zu erschiessen.

Wenn man nun zwei sich streitende Staaten betrachtet, im aktuellen Fall also die USA und den Iran, gilt ebenso die oben genannte Regel. Stellt man sich zwei aneinander angrenzende Staaten vor, zwischen denen Spannungen herrschen, so kann einer der Staaten z.B. nicht einfach auf einen Grenzschwischenfall damit reagieren, eine vollständigen militärischen Angriff auf den anderen Staat zu unternehmen und ihn zu besetzen. Noch viel weniger, wenn es gar keine gemeinsame Grenze gibt und daher auch keine realen Zwischenfälle, sondern nur eine mögliche zukünftige Bedrohung, wie es beim Iran der Fall ist. Auch wenn es eine tatsächliche Bedrohung gibt, also z.B. für den Fall, es sei wirklich bewiesen, dass der Iran Atomwaffen hätte, muss die Bedrohung natürlich real vorhanden sein – also z.B. die Drohung, eine solche Atombombe in die USA hineinzuschmuggeln und dort zu explodieren – sonst kann sie nicht als Ausgangspunkt einer gewaltsamen Aktion zulässig sein. Es reicht nicht, dass die iranische der US-Regierung gegenüber feindlich gesinnt ist und theoretisch diese Möglichkeit hätte.

Der Indisch-Chinesiche Krieg
Ein deutliches Beispiel war eine Episode, die von den Apologeten des Kapitalismus gerne vergessen wird: Der Indisch-Chinesiche Krieg 1961. Beide Länder haben eine gemeinsame Grenze, wo es umstrittenen Grenzziehungen gibt. Nach einer Zeit von Drohungen überfiel Indien die chinesischen Grenzposten auf der ganzen Linie der Grenze und begann ins Innere Chinas mit massiver Truppenpräsenz einzudringen. Innerhalb von drei Wochen warf die chinesische Armee den Angreifer wieder aus dem Land und blieb dann genau wieder an der alten Grenzlinie stehen. Zwar hätte China nach internationalem Recht nach Indien eindringen und Land besetzen können als Faustpfand, dass Indien einen solchen Angriff, der Hunderte von chinesischen Leben kostete, nicht wiederholt, aber Mao Tse Tung ordnete an, dies nicht zu tun, um den fortschrittlichen und friedlichen Charakter eines sozialistischen Landes der ganzen Welt vor Augen zu führen.

Nun, dass diese Regeln aufgestellt wurden, hatte natürlich seine guten Gründe. Es ging darum, gewaltsame Auseinandersetzungen, sei es zwischen einzelnen Menschen, sei es zwischen Staaten, so weit wie möglich zu begrenzen, um die allseits bekannten Folgen von Gewalt einzuschränken. Was die Rechte der einzelnen Menschen angeht, so schaffte der bürgerliche Staat die Regel, dass man bei Bedrohungen durch Andere vom Staat, also etwa von der Polizei, Schutz bekommen kann und natürlich durch die Strafandrohung, wenn der Andere von Drohungen zur Gewalt übergeht. Die Gesetze in praktisch allen zivilisierten Ländern gehen da sehr gut überein. Das menschliche Leben und die körperliche Unversehrtheit geniessen einen hohen Schutz durch die Androhung massiver Strafen für Mord, für Totschlag und für schwere Körperverletzung mit bleibenden Folgen.

Lediglich in den USA gab es bei diesen Gesetzen auch schon vorher eine bedeutende Ausnahme. Dort ist in vielen Staaten der Wohn- und Grundstücksbereich mit einer speziellen Schutzfunktion versehen. Wer auf seinem Grundstück oder in seiner Wohnung jemanden antrifft, der dorthin nicht eingeladen wurde, darf diesen sanktionslos erschiessen, was aber die US-Amerikaner nur selten wahrnehmen, weil ihnen wohl auch klar ist, dass dies keine sinnvolle Regelung ist.

Gebrochener Staat
Dieser Pakt (der Staat beschützt dich, du überlässt ihm dafür das Gewaltmonopol) zwischen dem bürgerlichen Staat und seinen Einwohnern ist eine der Säulen, auf denen der Staat steht. Er wird aufgelöst, wenn man dazu übergeht, breite Teile dieses Schutzes dem Bürger zu entziehen, z.B. dadurch, dass man es dem persönlichen Gefühl eines an einer Auseinandersetzung Beteiligten überlässt, ob er sich bedroht fühlt, und ihm dann einen Todesschuss zugesteht. Ohne diese Säule bricht das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staates zusammen und damit der Staat als solcher.

Würde man dies an die unmittelbare und unabweisliche objektive Bedrohung des Lebens binden, wäre das natürlich gerechtfertigt, aber dies ist ja bereits im Notwehrrecht geregelt. Was nämlich die Schusswaffe angeht, so wird immer und überall jedem, der in die Mündung einer Waffe blickt, zugestanden, dass er von einer unmittelbaren und unabweislichen objektiven Bedrohung seines Lebens ausgehen kann. Hat er die Möglichkeit, ist es ihm also in solch einer Situation erlaubt, den Angreifer zu erschiessen.

Dazu braucht es also keine neuen Gesetze. Interessant, dass die Befürworter dieser neuen Gesetze aber immer genau diese Situation als Begründung angeben. Wenn man mit einer Schusswaffe bedroht werde, könne man nicht warten, bis die Kugel den Lauf verliesse, bis man selbst schiesst. Damit lenken sie erfolgreich von der eigentlichen Veränderung ab, die das Gesetz beinhaltet: Man macht es nicht mehr von der objektiven Situation abhängig, ob eine Bedrohung besteht, sondern von subjektiven Gefühlen. Ein Mann, der versichert, er habe sich bedroht gefühlt, geht straffrei aus.

Mord als gute Idee?
Dies öffnet kriminellen Elementen Tür und Tor. Will man jemanden ermorden, braucht man nur einen Streit mit ihm vom Zaum zu brechen, sich bedroht fühlen und denjenigen dann erschiessen.

Tatsächlich sind die Texte der entsprechenden Gesetze interpretierbar, was die Frage der subjektiv gefühlten Gefahr betrifft. Die Befürworter sagen, dies sei nicht im Gesetz festgelegt, aber dann bräuchte man es gar nicht.

So ist in Miami auch bereits der erste Fall aufgetreten, in dem dies Gesetz angewandt wird. Ein Abschleppunternehmer hatte ein falsch geparktes Fahrzeug abgeschleppt. Als der Fahrer das Auto abholen kam, versuchte er mit dem Wagen davonzufahren, ohne die Gebühren bezahlt zu haben. Der Abschlepper erschoss ihn, offenbar in der Furcht, das Geld nie zu sehen. Er gibt an, er sei davon ausgegangen, dass der Fahrzeug-Eigner ihn überfahren wollte. Der Fall ist bisher noch nicht bis zu höheren Gerichten durchgedrungen.

Was wäre die Konsequenz, wenn der Staat flächendeckend den speziellen Schutz des Lebens durch die hohe Strafandrohung zurückzieht? Jeder einzelne, der es sich leisten kann, muss sich Waffenarsenale zulegen, sich mit anderen zu bewaffneten Banden zusammentun, um sein Leben und das seiner Familie zu schützen. Das Land zerfällt in Gebiete, in denen bewaffnete Gruppen herrschen, es wird Warlord-Country, so wie in Afghanistan oder im Kongo oder ein Gangolandia, wie es in einigen Ghettos schon der Fall ist. Zustände ähnlich wie in einigen Gebieten des früheren Wilden Westen.

Ist dies wirklich die Zukunft? Es scheint so, wenn es uns nicht gelingt, den Kapitalismus zu stürzen. Die Grosskonzerne und Grossbanken beginnen bereits teilweise begonnen den Vorteil, den ihnen die Nationalstaaten brachten, geringer einzuschätzen als die Nachteile, die eine Unterordnung unter nationales Recht ihnen bringt. Im gleichen Masse, wie der verbissene Konkurrenzkampf zwischen ihnen immer schärfer wird, wie manche von ihnen sich der Zahlungsunfähigkeit oder der Übernahme durch Konkurrenten gegenübersehen, werden ihre Versuche, die Profite zu erhöhen, immer verzweifelter, denn sie bekommen das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate zu spüren, das Karl Marx bereits vor über hundert Jahren entdeckte.

So wird die Endphase des kapitalistischen Regimes von seinem Übergang in die kapitalistische Barbarei bestimmt, die genau dieses Gesicht hat.

vermischtes

Kein Grundrecht auf Wasser

Karl Weiss – Man möchte es kaum glauben. Fand doch da in Mexiko-Stadt ein hochgejubeltes „Wasserforum“ der UNO statt – und am Ende war ausser Spesen nichts gewesen. Das allermindeste, das dieses VI. Weltwasserforum hätte beschliessen müssen, das Grundrecht jedes Menschen auf Wasser ausdrücklich festzulegen, wurde ausdrücklich verneint.

Das war auch keine Wunder, wenn man sich die Zusammensetzung der Veranstaltung ansieht. Überwiegend versammelten sich dort Repräsentanten von Konzernen, die öffentliche Wasserwerke übernehmen wollen und Politiker, die in deren Spendenlisten auftauchen.


Wirtschaftsgut oder Grundrecht?

Die Frage: „Ist Wasser ein Wirtschaftsgut oder ein menschliches Grundbedürfnis und Grundrecht?“ wurde eindeutig für die Seite des Wirtschaftguts entschieden. Damit hat man die Tür weit aufgestossen zu weiteren massiven Privatisierungen von Wasserwerken, die bisher noch immer zu Verknappung, zu gewaltigen Wasserpreisanstiegen und dazu geführt haben, dass arme Bevölkerung keinen Zugang mehr zu Wasser hatte.

Die Aufstände, die in Bolivien bereits zwei Präsidenten zum Rücktritt zwangen und zuletzt zur Wahl des Indio Ivo Morales geführt hatten, waren u.a. auf genau diesen Vorgang dort zurückzuführen. Der französische Suez-Konzern hatte alle Wasserechte bekommen und die arme (vor allem indigene) Bevölkerung hatte keinen Zugang mehr zu Wasser, weil sie die horrenden Preise nicht zahlen konnte.

So verbreitete denn auch die bolivianische Delegation am Ende des Wasserforums eine alternative Erklärung, die das Grundrecht auf Zugang zum Wasser festschreibt.

Als die UNO 1946 die Erklärung der Menschenrechte proklamierte, war darin weder das Recht auf Nahrung noch auf Wasser noch auf Atemluft enthalten. Anscheinend aus dem Grunde, weil sich niemand vorstellen konnte, dass diese menschlichen Grundbedürfnisse je als solche in Frage gestellt werden könnten und jemals der ausreichende Zugang zu Nahrung, Wasser und Luft zur Disposition stünde. Dies hat sich als Täuschung erwiesen. Der Kapitalismus ging und geht über Leichen, wenn er das für profitabel hält und so hätte man bereits vorhersehen müssen, was wir heute erleben: Es werden bereits wesentlichen Teilen der Menschheit ausreichende Nahrungsmittel vorenthalten – man schätzt etwa 800 Millionen Hungernde weltweit und Millionen von Toten jährlich aus diesem Grund. Jetzt hat der Kapitalismus zum Sturm auf das Wasser geblasen und es wird nicht mehr lange dauern, wie wir auch über grosse Zahlen von Verdurstenden weltweit hören werden. Bis jetzt hat man sich noch nicht an die Atemluft gewagt, aber das kommt auch noch.

Die Argumentation der Wasser-Privatisierer, angeführt vom früheren Bundesminister Töpfer, der auf einen Drückerposten bei der UNO abgeschoben wurde, lautet – und das kennen wir doch schon: Zur Sicherstellung der Versorgung mit Wasser seien riesige Investitionen erforderlich. Die könnten die öffentlichen Hände aber nicht aufbringen, denn die haben ja in allen Ländern und immer leere Kassen. Daher müsste hier die Privatwirtschaft einspringen und es sei daher ideal, öffentlich-private Zusammenarbeit zu betreiben.

Wie immer, wird dabei unterschlagen, warum denn die öffentlichen Kassen nichts mehr hergeben. Zuerst hat man den Konzernen die Steuern gestrichen, dann hat man ihnen Milliardensubventionen in den Rachen geschoben und dann gab es natürlich noch so viele andere Ausgaben; man muss ja den Religionsgemeinschaften Geld geben; man muss den Banken die Zinsen und Zinseszinsen für die Verschuldung zahlen; man muss Bankrott gegangenen Landesbanken Geld hinterherwerfen, man muss Israel U-Boote schenken, man muss ja Kriege führen und vorbereiten, man muss für die Europa-Argrar-Subventionen Milliarden locker machen, die am Ende bei Konzernen landen, man muss die Politiker von vorne und hinten mit Geld eindecken und noch so vieles mehr.

Kein Wunder, dass die Kassen dann leer sind, nur ist das eben keine unabweisbares Schicksal, sondern von der geldgierigen Politikerkaste so gemacht. Selbstverständlich wäre auch in Deutschland genug Geld für alles da, was nötig ist und keinerlei Privatisierung aus Mangel an Mitteln wäre nötig, wenn man die Konzerne und Grossbanken mit einer sinnvollen Abgabe als Prozentanteil ihrer Umsätze belegen würde.

vermischtes

Treibhauseffekt – Meeresspiegel

Karl Weiss – Das Abschmelzen der grönländischen und Antarktis-Gletscher geht weit schneller vor sich als noch vor wenigen Jahren geglaubt. Forscher kamen zum Ergebnis, dass nur noch etwa zehn Jahre Zeit bleibt, um den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu stoppen, dann wird der Prozess der Klimakatastrophe wahrscheinlich unumkehrbar und selbstverstärkend. Dies ist bereits die zweite Warnung führender Klima-Wissenschaftler innerhalb der letzten Wochen, dass nur noch 10 Jahre Zeit sind.


Warme Winter im Norden

In der Zeitschrift Science (Bd. 311, S. 1747 und S. 1751) wurden jetzt zwei Untersuchungen von Gruppen von Wissenschaftlern veröffentlicht, die das Schwinden der Eisabdeckung Grönlands und der Antarktis beobachten.

Da diese Studien auf das Abschmelzen der Eisabdeckung von Festlandeis fokussiert sind, sehen die Wissenschaftler vor allem einen Anstieg des Meeresspiegels voraus. „Ernsthafte Massnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen müssen innerhalb des nächsten Jahrzehnts beginnen. Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, sind wir einem Anstieg des Meeresspiegels von vier bis sechs Meter ausgeliefert“, sagte einer der Forscher, Jonathan Overpeck von der Universität Arizona in ‚Science’.

Die Ergebnisse werden mit den Umständen der letzten Zwischeneiszeit verglichen, die vor etwa 130.000 Jahren stattfand. Unter Zwischeneiszeit versteht man die Wärmeperiode zwischen den beiden letzten Eiszeiten. Zu jener Zeit habe sich nach Angaben eines der Forscher-Teams hauptsächlich in der Arktis und nur im Sommer abgespielt. Aber auch das reichte schon, um den Meeresspiegel eine Höhe von 6 Meter über dem heutigen zu geben. Heute dagegen ist die Wärme schon fast so hoch wie damals und die Erde erwärmt sich an beiden polen und über das ganze Jahr hinweg.

In Wirklichkeit würde man also mit noch mehr als den berechneten 4 bis 6 Meter höherem Meeresspiegel rechnen müssen. Zwar – so sagen die Forscher, dauert es, bis all dies Eis geschmolzen ist, aber das entscheidende ist, wann dieser Prozess unumkehrbar wird.

6 Meter höhere Dämme bauen?
Es ist offensichtlich, dass ein 6 Meter höherer Meeresspiegel nicht mehr einfach mit der Erhöhung von Dämmen, Deichen und Wehrmauern abgefangen werden kann. Die Vorstellung z.B., die Niederlande, die heute bereits im wesentlichen ein Meter unter dem Meeresspiegel liegen, könnten durch irgendeine Art von menschlichen Bauten sieb Meter unter dem Meeresspiegel weiterexistieren, ist wahrscheinlich Illusion. Das Gleiche würde für nicht unbedeutende Teile der norddeutschen Tiefebene zutreffen, ebenso für Städte wie Hamburg, Bremen, Kiel, Lübeck, Stralsund usw. Aber auch London, New York, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Bombay, Tokio und und und… wären in dieser Lage. Auch Bangla Desh und Teile Floridas würden von der Landkarte
verschwinden.

Dabei handelt es sich keineswegs um das ganze Grönlandeis und alles antarktisches Eis, das schmelzen müsste, um diesen Anstieg des Meeresspiegels zu verursachen, sondern nur der teil, der nach den neueren Berechnungen bis zum Ende dieses jahrhundert geschmolzen wäre. Insgesamt brauchen diese gewaltigen Eismassen nach Angaben der Forscher Jahrhunderte, um zu schmelzen. Allerdings muss das Eis nur vom Festlandeis abbrechen und ins Meer stürzten, um den Meeresspiegel zu beeinflussen, es braucht nicht vollständig zu schmelzen.

Dies ist die grosse Sorge von anderen Forschern, deren Ergebnisse die Berliner Umschau schon früher vorstellte. Sie sind vor allem besorgt, dass das Schmelzwasser die Strukturen der Eiskappe der West-Antarktis so untergraben könnte, dass sie als Ganzes oder in wesentlichen Teilen ins Meer rutschen könnte. Wenn alles Eis geschmolzen wäre oder im Wasser schwimmen würde, wären die Anhebungen des Meeresspiegels weit höher. Nach Angaben der oben erwähnten Forscher hat Grönland genug Eis, um den Meeresspiegel 7 Meter ansteigen zu lassen und der West-Antarktis-Rücken soviel, um ihn 6 Meter ansteigen zu lassen, das wären zusammen 13 Meter. Und das ist noch keineswegs alles Festlandeis auf der Erde.

Globale Auswirkung
„Obwohl der Fokus unserer Arbeit auf die Pole ausgerichtet ist, sind die Auswirkungen global“, sagte Bette Otto-Bliesner, Wissenschaftlerin am ‚National Center for Atmospheric Research’ (NCAR) in Boulder, Colorado. „Diese Eisdecken sind zuvor geschmolzen und die Meeresspiegel gestiegen. Die Wärme, die dafür nötig war, ist nicht viel grösser als unter gegenwärtigen Bedingungen.“

Dazu kommen die Erkenntnisse anderer Forscher, zum Beispiel des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (auch eine Stadt, die gefährdet wäre) und des norwegischen Polarinstituts. In der nördlichsten festen Forschungsstation, der Koldewey-Station auf Spitzbergen, rund 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt, wurden die höchsten Januar-Temperaturen seit Anbeginn der Messungen vor 15 Jahren verzeichnet.

Anstelle der üblichen rund minus 12 Grad kletterte das Thermometer auf plus 6,5 Grad Celsius. Auch der gesamte Monatsdurchschnitt lag rund 10 Grad über den Normalwerten. Gleichzeitig fiel dreimal so viel Niederschlag wie sonst im gesamten Monat.

Dies wird in Zusammenhang gebracht mit dem spezifisch arktischen Teil der globalen Erwärmung. Die polaren Eisflächen besitzen ein grosses Rückstrahlvermögen für Sonnenstrahlung, Albedo genannt. Vom Eis bedeckte Bereiche erwärmen sich daher deutlich weniger als unbedeckte Gebiete. Die globale Erwärmung führt zu einem Rückgang der Eisbedeckung, die Albedo sinkt und verstärkt damit die Erwärmung weiter.

Ein ähnlicher Rückgang des Eises wird auch von Grönland berichtet: Der Schwund der bis zu 3 km dicken Eiskappe hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt, wie eine auf Radar-Satellitendaten basierende Studie der NASA und der University of Kansas kürzlich enthüllte (Science, Bd. 311, S. 986). Alleine im Jahr 2005 verwandelten sich dort demnach unvorstellbare 220 Kubikkilometer Eis in Wasser.

In der Computer-Simulation, die eine wesentlich verbesserte Berechnung der Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung erlaubt, wird deutlich, dass vermindertes Rückstrahlvermögen des Eises offenbar der wichtigste Faktor für die polare Verstärkung der globalen Erwärmung ist.

Die Modell-Ergebnisse zeigen zudem eine Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis, welche die Nordatlantische Oszillation (NAO) beeinflusst. Damit ist die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden des Nordatlantiks gemeint.

Diese Luftdruckschwankungen gehen in der positiven Phase einher mit verstärkten West-Ost-Winden über dem Nordatlantik, wodurch vermehrt warme und feuchte Meeresluft nach Nord- und Mitteleuropa gelangt. In der negativen Phase schwächt sich die West-Ost-Strömung ab und es wird verstärkt kalte Polarluft nach Europa transportiert.

Kalte Winter hier warme Winter am Pol
Was nun beobachtet wurde, ist in den Wintern eine deutlich verstärkte negative Phase. Das führt zu kälteren Wintern in Nord- und Mitteleuropa, weil mehr Polarluft dorthin befördert wird. Dies bedeutet umgekehrt wärmere Winter in der Arktis nördlich von Europa.

Bei dieser ganzen Betrachtung ist aber eine Veränderung des Golfstroms noch nicht mit eingerechnet, der ja eine Art von Fernheizung für ganz Europa darstellt.

Ein britisches Forscherteam um Harry L. Bryden vom National Oceaonography Centre in Southampton (NOCS) warnte bereits letzten Dezember in einer Veröffentlichung der Fachzeitschrift „Nature“ (Bd. 438, S. 655), dass sich die Zirkulation des Golfstroms in den letzten 50 Jahren um rund 30 Prozent verringert habe. Der Grund wird in verstärktem Schmelzwassereintrag vom schmelzenden arktischen Eis gesehen.

Käme diese maritime Fernheizung gänzlich ins Stocken, könnte die nächste Eiszeit in Europa anbrechen. Doch da Byrden’s Studie sich nur auf punktuelle Messungen hauptsächlich aus der Gegend um den 25. Breitengrad stützt, sind verlässliche Voraussagen über das künftige Verhalten einer so gewaltigen Meeresströmung kaum möglich.

Laut Prof. Dr. Detlef Quadfasel vom Institut für Meereskunde (IFM) der Universität Hamburg, der einen Begleitartikel zur britischen Studie verfasste, konnte der andauernde Schmelzwassereintrag bisher nur zu einer minimalen Schwächung des Golfstroms beitragen. Allerdings gäbe es auch einen „Punkt ohne Wiederkehr“, bei dem der Golfstrom dann sehr rasch in einen Status wechsle, welcher Nordeuropa kaum mehr warmes Wasser zuführe.

Nun, dies alles ist auf die ansteigende globale Erwärmung zurückzuführen, die wiederum durch den Ausstoss von Treibhausgasen hervorgerufen wird, vor allem Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Gas und Erdölprodukten in Kraftwerken und Verbrennungsmotoren.

In den náchsten 10 oder vielleicht auch 15 Jahren wird sich die Zukunft der Menschheit entscheiden. Wir können schnellstmöglich all unseren Energiebedarf auf erneuerbare Energien umstellen und dabei auch noch viel billiger wegkommen – oder wir können uns weiter dem Diktat der Öl-, Energie- und Automobilkonzerne und deren Politikern beugen, die darauf bestehen, dass alle so weitermachen wie bisher – und lediglich ein paar Windmühlen zur Schau aufgestellt werden.

Nun, freiwillig werden die nicht auf ihre Profite verzichten, aber mit machtvollen Aufständen, so wie jetzt in Frankreich, kann man die zu einigem bringen.

vermischtes

Deutsche Raser

Harald Haack – Wenn es um Geschwindigkeit geht, so sind Deutsche ganz vorn; zumindest im eigenen Land. Dabei ist es egal, wer und was sie sind. Adlige, Diplomaten, Testfahrer, Rentner oder Fahranfänger – sie alle gerieten in Radarfallen und wurden geblitzt. Sogar Polizisten zählen dazu.

Ausgerechnet in Frankreich, wo die Strafen fürs zu schnelle Fahren sehr hoch sind, ließen sich Deutsche erwischen, wie beispielsweise der Welfenprinz Ernst August, der auf einer französischen Autobahn mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt und daraufhin mit einem einmonatigen Fahrverbot belegt wurde. Aber das liegt Monate zurück.

Weil 42 Mal deutsche Diplomaten sich offenbar wie Gott in Frankreich fühlten und die Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht beachteten spottete vor einem Jahr das satirische Wochenblatt „Le Canard enchainé“: „Das diplomatische Korps Deutschlands, Vaterland des Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, überfährt ganz logisch als erster unserer europäischen Nachbarn die Ziellinie“.

Doch in Frankreich zählen die Deutschen nicht ganz zur Spitze der Raser, obwohl die deutschen Diplomaten unter den Diplomaten anderer Länder vorne liegen. Zu den vor zwei Jahren 6990 ertappten Verkehrssündern, die wegen ihrer diplomatischen Immunität ohne Geldbuße oder Strafpunkte davon kamen, zählen besonders Mitarbeiter der französischen Regierung und Behörden. Ausgerechnet aber ein Polizeiwagen erzielte den Geschwindigkeitsrekord. Die französischen Polizisten wurden auf einer Tempo-50-Strecke mit Tempo 160 geblitzt – vom Kollege Roboter, gerne auch Starenkasten genannt.

Nun, wo auch nach Deutschland der Frühling zurückkehrt, sind die Drängler und Raser wieder da, lassen sich erwischen und fallen häufig in sonderbarer Weise auf: So raste noch am Tag der erfolgreichen Prüfung ein Führerschein-Neuling auf der Bundesstraße 3 bei Hann.Münden in eine Radarfalle. Der 18-Jährige sei in einem Tempo 70-Bereich mit 134 Stundenkilometern geblitzt worden, teilte die Polizei stolz mit. Den Führerschein musste der junge Mann gleich wieder abgeben. Ihm drohen nun ein längeres Fahrverbot, vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei und 275 Euro Bußgeld.


Starenkästen dienen dem Artenschutz.

Ein rüpelhafter Rentner demolierte im Harz einen so genannten Starenkasten, einer Radarfalle, mit Steinwürfen. Dafür wurde der 75-Jährige aus Uetze (Region Hannover) vom Amtsgericht Goslar zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt. Wie ein Justizsprecher sagte, war der Mann bei Bad Harzburg in einem Tempo-60-Bereich mit 84 Stundenkilometern geblitzt worden. Obwohl dies keine Besonderheit unter den Ergebnissen der ertappten Raser darstellt, fuhr er verärgert zurück und warf Steine auf den Radarkasten. Erzeugte die hohe Geschwindigkeit der von ihm geworfenen Steine eine Blitzlichtorgie?

Staatsanwalt und Richter legten ihm zur Last, er habe vor Jahren bei Fulda sogar schon einmal mit einem Gewehr auf eine Tempomessanlage geschossen.


Dagegen hilft kein Blitzableiter, sondern nur die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindkeitsbeschränkungen.

Wem wundert es, wenn angesichts solcher Meldungen die Polizei aufrüstete. Neue Geschwindigkeitsmeßgeräte, Starenkästen mit verstärkten Stahlpfählen und vor allem schnittige Streifenwagen wurden angeschafft. Doch bei ihrer Hatz auf Verkehrssünder und andere Gauner wurden die Ordnungshüter oft selbst zum Straßenschreck. „Mit Blaulicht zum Schrottplatz“ lästerte der SPIEGEL im Mai 2005 und stellte fest, dass besonders Berlins Polizisten auffielen: „In den vergangenen zwei Jahren waren die Berliner Beamten mit ihren Einsatzwagen in 499 Unfälle verwickelt, 376 davon hatten sie selbst verursacht“.


Aus verständlichen Gründen verschwinden solche Fotos ganz schnell aus den Augen der Öffentlichkeit. Foto der Landesverkehrswacht.