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Gestörtes Verhältnis

Harald Haack – Welche Frau träumt nicht davon? Einmal der deutschen Kanzlerin Merkel ganz dicht zu sein – mit einer geladenen Beretta-Pistole in der Handtasche! Ein prickelnder Gedanke?

Einer belgischen TV-Reporterin gelang es, nicht nur die Schusswaffe samt Munition, sondern auch noch Teile einer Bombe in jenes Hotel zu schmuggeln, in dem Merkel und Frankreichs Staatschef Chirac während des EU-Gipfels vergangene Woche in Brüssel nächtigten.

Die offensichtlich karrieregeile Reporterin habe drei Tage als Gast in dem Hotel logiert und sei dabei so dicht an Merkel und Chirac gekommen, dass sie beide hätte erschießen können, berichteten die belgischen Zeitungen „Het Laastste Nieuws““ und „Het Belang van Limburg“.

Unklar ist, ob die Reporterin als nächstes einem belgischen Kinderschänderring beitritt. Dass sie dafür eine perverse Ader haben könnte, hat sie mit ihrem Terrorspiel im Hotel bewiesen und den Ruf der Presse geschädigt. Es ist nicht Aufgabe der Presse führenden Politikern zu beweisen, wie sehr sie gefährdet sind.


Für Anschläge auf Politiker müssen Journalisten nicht in die Rolle von
fiesen Schurken schlüpfen. Das machen Politiker unter sich aus:
„Fantômas“ Berlusconi und Jacques Chirac als Kommissar Paul Juwe.

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Irak-Kriegsgegner nach viereinhalb Jahren Protest festgenommen

LONDON – Nach mehr als viereinhalb Jahren Dauerprotest gegen den Irak-Krieg vor dem Westminster-Parlament in London ist der 56-jährige Brite Brian Haw festgenommen worden. Die Londoner Polizei wirft ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt vor.


Haw hatte versucht, Polizisten daran zu hindern, das Spruchband einer anderen Demonstrantin herunterzureissen.

Mit einer gesetzlichen Neuregelung hatte das britische Parlament bereits 2004 versucht, Haw seine Dauer-Demonstration direkt gegenüber vom Parlamentsgebäude zu verbieten. Aber der Londoner High Court hatte entschieden, dass die Neuregelung nicht rückwirkend gelten könne.

Ab dem 2. Juni 2001 erlangte Haw eine gewisse Berühmtheit, da er Tag und Nacht in der Nähe der Statue des ehemaligen Regierungschefs Winston Churchill gegen die Politik von Premier Tony Blair, die Politik des Westens gegenüber den arabischen Staaten und später dann gegen den Irak-Krieg demonstrierte.

Für Haw änderte sich durch die Demonstration vor dem Parlament das ganze Leben. Er wurde von seiner Frau geschieden und sah seine sieben Kinder nicht mehr. Bei drei Gelegenheiten wurde er von Zeitgenossen verprügelt, einmal so heftig, dass seine Nase zu Bruch ging.

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Der Tod ist ein Grinsemann

Harald Haack – Alle Menschen haben wenigstens eines gemeinsam, auch wenn sie künftig keine natürliche Geburt mehr haben werden – was gegenwärtig schon anklingt wie das zarte Ping eines beschwipsten Mauerseglers, der die Kurve nicht kriegt und gegen eine Kirchenglocke prallt. Der Tod erwartet sie alle – Mauersegler mit gebrochenem Genick und Menschen, die wussten, wann sie den Kopf einzuziehen hatten.

Geburt und Sterben sind die intimsten Augenblicke des Lebens. Sie wurden aber nicht so lukrativ vermarktet wie der Zeugungsakt, der in Abermillionen mehr oder weniger schmuddeligen Fotos und Filmen wie auch in archaischen Darstellungen früher Zivilisationen immer wieder dargestellt wurde. Die Brutalität von Geburt und Tod jedoch ist alles andere als inspirierend.

Wer seinen letzten Atemzug tat und zum Fraß von Maden und Bakterien wurde, der grinst in seinem dunklen Grab; nicht gerade für die Ewigkeit, aber manchmal länger als ein Menschenleben.

Doch nicht alle Toten grinsen in ihrem Grab. Wer während seines Lebens andere Menschen erheiterte, fürchtet sich offenbar vor diesem Dauergrinsen als Toter, will sich nicht mit Grinsspangenträgern der Stars der Schlager- und Volksmusikbranche in einen Sarg bzw. in ein Massengrab werfen lassen; irgendwann muss die Volksbelustigung, mit der man sich seinen Lebensunterhalt einst verdiente, zu Ende sein. Auch ein Komiker hat schließlich das Recht auf Würde nach seinem Ableben.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, dass ich mich an keinen exzellenten Komiker und Unterhalter erinnere, der sich jemals während seiner Sketche entwürdigte.

Wer sich aber entwürdigte, kann kein Komiker sein; oder er ist ein Versager wie Adolf Hitler, der als Despot nur wie ein Komiker wirkte. Charles Chaplin, der ihn persiflierte, war ein dagegen ein Komiker, der Menschen zum Lachen brachte und keineswegs zum Weinen. Hitler aber trieb Menschen in den Tod und entwürdigte sich. Chaplin blieb dagegen Mensch und bewahrte sich seine Würde, wenn auch die amerikanische Justiz ihn verfolgte.

Komisch ist das Unerwartete. Ephraim Kishon war einer dieser Meister des Unerwarteten – desgleichen die Erwartung mit jeder seiner Satiren stieg. Und er lehrte uns: Komisch ist nicht nur das Unerwartete, sondern auch die Leichtigkeit, mit der uns das Unerwartete dargeboten wird. Wer sich jemals wie Kishon an komischen Erzählungen versucht hat, weiß, wie schwer diese „Leichtigkeit“ sein kann. Vom deutschen Showmaster Peter Frankenfeld, dessen einziger Makel sein Grinsen war (aber zugleich auch ein Sympathie tragendes Element für seine Zuschauer) wurde überliefert, wie sehr er sich mit dem Unerwarteten plagte. Auch von Heinz Ehrhardt, dessen Grab ich übrigens regelmäßig besuche, wenn ich mit dem Fahrrad über den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg radle, ist bekannt, dass er für sich selbst zu einem Despoten seiner witzigen Verse wurde. Millionen von Fernsehzuschauern und Kinobesuchern ahnten nicht, wie dieser Mann in der Erstellung dessen gelitten hatte, was anderen Menschen die Mundwinkel in die Höhe trieb und was gemeinhin als Grinsen verstanden wird. Die Natürlichkeit und die Menschlichkeit des Unerwarteten, der Komik, wurden zu seinem Markenzeichen.

Nicht immer musste ein Sketch neu sein, um bei Zuschauern im herzhaften Lachen zu zünden. Aber die Art und Weise wie dieser Sketch gespielt wurde und wie leicht und unvermittelt das vor allem wirkte, sorgte für den Erfolg. So gab es einst einen Sketch mit Dean Martin und Jerry Lewis. Für streng konservative und kreuzlahme amerikanische Fernsehzuschauer der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts war es der Brüller, als der „Tölpel“ Jerry Lewis seinen als Harlekin agierenden Dean Martin eimerweise auf der Bühne mit Wasser überschüttete und dieser dann den „Spieß“ umdrehte.

Im deutschen Fernsehen tauchte der Gag in einer der Shows von Rudi Carrell in den Siebziger Jahren wieder auf. Heinz Ehrhardt spielte den liebenswerten Tölpel während Rudi Carrell den klügeren Harlekin verkörperte. Rudolf Wijbrand Kesselaar, so Carrells niederländisch-bürgerlicher Name, verstand es, über den bloßen Klamauk hinaus, Sinnlichkeit, Herz und Seele in den Sketch einfließen zu lassen. Heinz Ehrhardt musste als Dummchen ein Regen-Lied singen und wurde nass geregnet. Rudi Carrell dagegen, ganz der glänzend-kluge Harlekin, durfte ein Sonnenschein-Lied singen und blieb trocken. Die Poente jedoch bestand in der Beibehaltung des Prinzips, obwohl beide die Rollen aufgrund des protestierenden, den Dummen spielenden Ehrhardt tauschten. Dem „Dummen“ traf es doch wieder.

Heinz Ehrhardt wurde in einem Erdgrab bestattet. Wahrscheinlich grinst sein Schädel, falls noch erhalten, im Grab vor sich hin; so wie dies allen Totenschädeln zu Eigen ist.

Rudi Carrell lebt offenbar noch – wahrscheinlich schläft er – in diesem Moment, in dem ich diese Gedanken in den Speicher meines Computers tippe. Er zählt zu jenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die ich trotz aller Anfeindungen, die solchen Menschen entgegen gebracht werden, gerne einmal persönlich „kennengelernt“ hätte. Leider aber sind sie alle, als sie reif genug für mein Bedürfnis waren, weggestorben.

Zur größten Anfeindung gegenüber von Rudi Carrell zählt wahrscheinlich sein „holländischer“ Akzent, obwohl er Niederländer war. Nun gut, Chris Howland, ein britischer Spassmacher des Deutschen Fernsehens, bemühte sich auch um den Erhalts seines muttersprachlichen Akzents – wenn auch ihm dies mit den Jahren immer schwerer fiel. Aber besonders Niederländer zählten zu den Carrell-Hassern, weil er es ihrer Meinung nach nicht fertig brachte ein gutes Deutsch zu sprechen und somit einen „dummen“ Niederländer, einen „Käskop“, verkörperte. Gerne würdigen sie ihn zu einem Holländer herab. Niederländer verstehen unter einem solchen „Holländer“ eigentlich jene Menschen, die im Land Holland leben und reichlich „unterbelichtet“ sind – vielleicht deshalb, weil sie sich von der naiven „Frau Antje“ und deren Käse-Consorten so platt, wie das platte Land der Niederlande, haben vermarkten lassen.

Deutsche kennen Holländer dagegen als Hardcore-Wohnwagen-User und haben diese wegen ihrer Geselligkeit lieb gewonnen. Ein ziemlich blödes Klischee. Und dies nur, weil etliche Niederländer ihre Wohnwagen über deutsche Autobahnen ziehen. Das hat sich zwangsläufig auf Rudi Carrell, auf „unseren Rudi“, übertragen. Er musste sich vieles gefallen lassen, und wahrscheinlich hat er sich die Plattitüden selbst auf den Leib geschrieben.

Also Rudi! Sagen Sie uns, wie das wirklich war. Sagen Sie es uns, solange Sie noch unter den Lebenden weilen. Es schmälert Ihren Ruhm nicht, wenn Sie zugeben, dass Ihr Job harte Arbeit war, dass Sie sich stets gespielt haben. Klar, Arbeit kann auch Spaß machen, aber immer das Attribut „Ausländer“ angeklebt zu kriegen, ist bestimmt nicht das, was man sich nach dem Tod erhofft. Sie gingen nach Deutschland mit viel Hoffnung und Sie sagen, dass ihre Hoffnung nicht enttäuscht wurde. Danke dafür, dass Sie uns Deutsche unterhalten haben. Ich hoffe, Deutschland hat sie nicht enttäuscht.

Sie spüren den Tod kommen. Sie wollen, dass ihr Leichnam verbrannt wird. Asche grinst nicht mehr. Ihre Entscheidung in allen Ehren! Auch ich, der wie Sie gegenwärtig die Nähe des Todes spürt, muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass dann, wenn es denn das endlich war, er verbrannt wird und damit seinem Tod das Grinsen genommen wird.

Mit dem Tod verlieren wir unser Leben. Es ist aber unsere Entscheidung, ob wir über unser Leben hinaus unserer Mutter Erde – und wenn es nur im dunklen Erdreich ist – ein Grinsen schenken. Über mich muss ich ehrlich sagen, dass mir der Ort, wo meine Asche verstreut wird, wichtiger ist als ein Grinsen, das Ewigkeit vorgaukelt, aber tatsächlich nicht so lange hält. Sterben Sie sanft, Rudi Carrell. Und: Nochmals Danke für die unterhaltsamen Stunden, der Ihr Lebensunterhalt war und uns zum Grinsen und Lachen brachte.

Rudi Carrell: Mehr Angst vor Jacob Sisters als vor dem Tod

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Gesundheitsschädigungen mittels eines unnötigen Zusatzstoffes in Arzneien

ARD/Harald Haack – Wer ständig unbeirrt alle Pillen und Kapseln schluckt, die ihm von Ärzten verschrieben oder vom Apothekern empfohlen werden, sollte wissen, dass sich selbst in pflanzlichen Arzneimitteln ein unnötiger Zusatzstoff befinden könnte, der gesundheitsschädlich ist. Wie das ARD-Fernsehmagazin [plusminus berichtete, greifen schwangere Frauen und Eltern aus gesundheitlichen Gründen gerne auf pflanzliche Arzneimittel zurück, die die Chemikalie Dibutylphthalat (DBP) enthalten. Die Hersteller dieser Medikamente behaupten fälschlicherweise in Beipackzetteln solcher Medikamente, es gebe praktisch keine Nebenwirkungen. Doch DBP wird von der Weltgesundheitsorganisation und der EU als „frucht-und entwicklungsschädigend“ eingestuft. In wichtigen Bereichen des menschlichen Lebens, in Babyartikeln, Kosmetika und Spielzeug ist es inzwischen verboten. Doch nicht in Arzneien. Als so genannter Hilfsstoff in den Hüllen von Medikamenten ist DBP weiter zugelassen.


Der Duden habe sich noch nicht mit Phthalaten auseinandergesetzt und wenn man das Wort auszusprechen beabsichtige, sollte man auf sein Gegenüber achten. Es könnte feucht werden. Mit dieser Bemerkung leitete der [plusminus-Moderator zu den Gefahren der Chemikalie über.

Beispiel GeloMyrtol® forte: Im Beipackzettel des Herstellers G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG. ist nachzulesen, dass GeloMyrtol unter die sonstigen Bestandteile wie Rüböl, Gelatine, Glycerol, Hypromellosephthalat und Sorbitol auch Dibutylphthalat (DBP) enthält und „auch in der Schwangerschaft nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ohne Risiko eingenommen werden kann.“ Laut [plusminus ist dies die halbe Wahrheit. Der Wirkstoff der Arznei selbst sei harmlos, doch in der Kapselhülle stecke die gefährliche Chemikalie DBP.

Prof. Andreas Lischka vom Wilhelminenspital in Wien fand Hinweise, das DBP bei ungeborenen Kindern zu Missbildungen der Geschlechtsorgane führt und sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt hat: „Wir finden neben dem Hodenhochstand noch weitere Missbildungen, vor allem die Größe des Genitales kann betroffen sein, aber auch sehr schwere Missbildungen wie eine Harnröhre, die an der Unter- oder Oberseite des Penis’ wie eine Rinne verläuft. Wir sehen heute Zusammenhänge … bei denen vor allem Phthalat eine Hauptursache sein kann.“

Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel gab sich vor der Kamera von [plusminus bigott: „Wir meinen, dass von den Phthalaten in den Mengen wie sie in Arzneimitteln verwendet werden, kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher ausgeht.“ Doch gerade solche Meinungen über chemische Produkte sind es, mit denen viel Geld verdient wird – egal, ob medizinische Erkenntnisse längst Fakten lieferten, die solche „Meinungen“ als niedrige Beweggrund entlarvten und gleichfalls egal, ob Menschen dadurch geschädigt werden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Skandal um das Schmerzmittel Contergan, das Schwangeren verschrieben wurde und das schwerste Missbildungen ihrer Kinder verursachte.


Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel gab sich vor der Kamera von [plusminus bigott.

[plusminus untersuchte gemeinsam deshalb mit dem Institut für Umwelt- und Arbeitsmedizin der Universität Erlangen Urinproben von neun Männern und Frauen auf die Konzentration des gefährlichen Weichmachers DBP in ihrem Körper. Er bewirkt, dass sich die Inhaltsstoffe des jeweiligen Medikaments noch nicht im Magen auflösen. Jeweils ein freiverkäufliches pflanzliches Mittel gegen Erkältung nahmen alle Testpersonen ein. Das Ergebnis der Untersuchung ist erschreckend: Der Grenzwert der Europäischen Lebensmittelbehörde für die Langzeiteinnahme von DBP wurde bis zu 63-mal überschritten. „Dies ist eine Größenordnung, bei der man mit Gesundheitsschäden zu rechnen hat“, bewertet Prof. Dr. Jürgen Angerer das [plusminus-Testergebnis.

Insgesamt gibt es in Deutschland 51 Arzneimittel, in denen der Hilfsstoff DBP enthalten ist. Rund die Hälfte davon ist frei verkäuflich. Bei den Präparaten handelt es sich zum Beispiel um Medikamente gegen Erkältungen, Bronchitis, Asthma, Schlafstörungen, erhöhte Cholesterinwerte oder Eisenmangel. Einige davon sind im Beipackzettel ausdrücklich als für Schwangere geeignet gekennzeichnet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn will die [plusminus-Untersuchungsergebnisse nun „prüfen und dann über eine Einschränkung der Anwendung oder über neue Hinweise auf den Packungsbeilagen von DBP-haltigen Arzneimitteln entscheiden“.

Die Wiederholungstermine der [plusminus-Sendung vom 7.3.:

EinsExtra, Dienstag Nacht, um 01.20 Uhr
Das Erste, Dienstag Nacht, um 05.05 Uhr
EinsExtra, 08.03., 15.30 Uhr
EinsExtra, 11.03., 15.05 Uhr
EinsPlus, 12.03., 20.15 Uhr

[plusminus veröffentlichte zum Sendebeitrag eine Liste mit Arzneimitteln, die Phthalate als Hilfsstoffe enthalten.

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Coca Cola bald pleite?

Harald Haack – Droht dem Coca-Cola-Kern weltweit die Pleite? Oder ist es nur eine deutsche Kränkelei, die den Konzern veranlasst in Deutschland ein Drittel von insgesamt rund 9.000 Stellen zu streichen?

Fest steht, obwohl nach Angaben des Unternehmens noch keine Entscheidung gefallen ist, dass es Schwund bei Coca Cola geben wird. Acht Abfüllbetriebe, die in Lizenz von Coca-Cola arbeiten, will der amerikanische Konzern bündeln, um damit die Kosten zu senken. Standortschließungen seien nicht geplant, sagte der Konzernsprecher, aber nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) wackelt jeder dritte Job bei der deutschen Coca-Cola-Tochter Erfrischungsgetränke.

Als Grund für den möglichen Stellenabbau nannte Coca Cola die bevorstehende Änderung des Pfandsystems. In Deutschland wird von Mai an ein einheitliches Rückgabesystem eingeführt. Sämtliche Einwegflaschen müssen von Händlern zurückgetauscht werden. Elitäre Lösungen wie von Aldi und Lidl, nur selbst ausgegebene Flaschen zurückzunehmen, werden dann der Vergangenheit angehören. Da dann angeblich weniger Personal benötigt wird könnten nach Angaben von Experten bei den Abfüllern viele Stellen wegfallen. Die rot-grüne Regierung hatte das Pfand für Einwegflaschen eingeführt und Arbeitsplätze geschaffen, aber unter der rot-schwarzen Regierung werden demnach Arbeitsplätze vernichtet. Ob der Coca-Cola-Konzern die Kostenersparnis an die Verbraucher weitergeben und die Preise für seine Getränke senken wird, wurde bislang nicht bekannt. Falls es keine Preissenkung gibt, muss es wohl kritisch um Coca Cola stehen.

Die Welt ohne Coca Cola? Ist das denkbar?

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Erneute Warnung vor gefährlichen Folgen des Klimawandels

Karl Weiss – Zwei ‚Institutionen’, die sich bisher nicht gerade dadurch ausgezeichnet haben, in der Frage des drohenden Klimawandels zur Panikmache zu neigen, haben nun in ungewöhnlich deutlichen Worten zu einem Umdenken aufgerufen, um die großen Gefahren des bereits stattfindenden Klimawandels zu verringern: Die ‚Welt’ und Tony Blair.

In der ‚Welt am Sonntag’ vom 5.2.06 heißt es in einer Überschrift: „Ausmaß und Folgen der globalen Erwärmung sind dramatischer als bislang vermutet. Wie viel Klimawandel erträgt die Menschheit?“ Tony Blair schreibt im Vorwort zu einer Studie zum Klimawandel: „Die Studie zeigt, dass die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken größer sind, als wir bisher angenommen haben.“

Laut der Studie sind bereits jetzt bestimmte Folgen des Treibhauseffekts durch die großen Mengen an Kohlendioxid-Ausstoß nicht mehr rückgängig zu machen. So müsse man von einem schon nicht mehr zu verhindernden Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur von zwischen 1,4 Grad bis zu 5,8 Grad ausgehen. Die Folgen davon sind nach dieser Studie ein Anstieg des Meeresspiegels, verheerende Hitzewellen und Dürren, ein starker Anstieg von Niederschlägen mit der Folge von Überschwemmungen und eine Verstärkung von Wirbelstürmen der verschiedenen Arten. Dies alles, wohlgemerkt, wenn ab sofort drastische Maßnahmen zur Einschränkungen der Kohlendioxid-Erzeugung durchgesetzt würden, was ja nicht einmal am Horizont in Sicht ist.

Die Wissenschaftler der Studie schweigen sich darüber aus, was geschieht, wenn ohne Einschränkungen so wie bisher fossile Brennstoffe verfeuert werden. Es wird aber klar, dass dies bisher noch kaum vorzustellende katastrophale Folgen haben würde. Einer der Wissenschaftler drückt das so aus: „Wir haben es mit einem erwachenden Riesen zu tun.“

Ein besonderes Sorgenkind der Polarforscher ist in diesem Zusammenhang die Eiskappe auf der westlichen Antarktis. Sie enthält mehr Eis als das gesamte schwimmende Nordpol Eis. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Eiskappe ins Meer abrutscht oder aber in einem längeren Prozess abschmilzt. In beiden Fällen würde das den Meeresspiegel um etwa 1,5 Meter ansteigen lassen.

Einer der Forscher erklärte, er habe „kein Verständnis für Vertreter aus der Wirtschaft, die konkrete Konsequenzen aus den Ergebnissen der Klimaforscher mit der Begründung verweigern, diese seien zu unsicher. In der Wirtschaft werden täglich Entscheidungen auf sehr viel unsichererer Informationsgrundlage gefällt.“

Eine besondere Art von Fachleuten auf diesem Gebiet sind die der Münchener Rückversicherung. Die Rückversicherer sind nämlich jene Institutionen, auf die auf lange Sicht gesehen die Kosten von Umweltkatastrophen zukommen. Die Experten gehen bereits jetzt von einer erheblich erhöhten Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen aus. Einer rechnete vor, dass z.B. die Kosten einer Überflutung der ganzen Londoner Innenstadt auf etwa 60 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.

Um eine Vorstellung zu haben, von was genau die Rede ist, wenn man von einer weltweiten Umweltkatastrophe redet, hier noch ein Zitat aus einem früheren Artikel der Berliner Umschau: „Was charakterisiert nun die globale Umweltkatastrophe? Neben anderen Erscheinungen … besteht sie im Wesentlichen aus dem Anstieg in Intensität und Häufigkeit von Unwettern sowie dem Anstieg in Intensität und Häufigkeit von Dürren. Beide Effekte gemeinsam werden einerseits zur Ausdehnung bestehender und dem Entstehen neuer Wüsten und Steppen führen … und andererseits werden die gewaltigen Regen-Sturzbäche den Humus, den Boden, auf dem Pflanzen wachsen können, in zunehmendem Maße weg- und ins Meer spülen. Beides wird auch die Möglichkeit des Zurückhaltens von Regenwasser vermindern, so dass es immer schwieriger werden wird, noch Trinkwasser zu finden. … Im Endstadium gibt es kaum noch Trinkwasser und kaum noch Pflanzen. Es braucht nicht näher erläutert zu werden, dass dies das Ende der Menschheit bedeutet, wie wir sie kennen.“

Klima-Spezialist der NASA: Sie wollen mich zum Schweigen bringen

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Klima-Spezialist der NASA: Sie wollen mich zum Schweigen bringen

Karl Weiss – In einer Anzahl von Interviews in den letzten Tagen hat der oberste Klimaexperte der NASA (US-Weltraum-Behörde) die Bush-Regierung angeklagt, ihn zum Schweigen bringen zu wollen, weil die hinter Bush stehenden Industrie-Interessen mit der Wahrheit über die weltweiten Klimaänderungen durch den Ausstoß an Treibhaus-Gasen nicht leben wollen und können.

Der Wissenschaftler, James E. Hansen, 63, war für viele Jahre der Chef des Goddard Instituts für Weltraumstudien der NASA. Er ist Physiker und seit 1967 bei der NASA. Er ist einer der renommiertesten Forscher über Computermodelle, die Klima Veränderungen aufgrund des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen versuchen zu simulieren. Er gilt als der Top-Klimaexperte der USA.


Von NASA Offizieren gemassregelt

Nach seinen Angaben wurde er nach einem kürzlich öffentlichen Auftreten gemaßregelt, bei dem er die Notwendigkeit der drastischen und sofortigen Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen anmahnte, um katastrophale Auswirkungen der weltweiten durchschnittlichen Erwärmung zu verhindern.

Offiziere im NASA-Hauptquartier sollen, so sagt er, angewiesen worden sein, in Zukunft jeden seiner Artikel, alle seine Interviews und andere Veröffentlichungen von ihm zu überprüfen, bevor sie an die Öffentlichkeit kommen.

Für die Behörde nahm ein gewisser Mr. Acosta Stellung. Nach seinen Angaben handelt es sich nicht um eien Maulkorb für Dr. Hansen, sondern um eine seit vielen Jahren bestehende Regel in öffentlichen Institutionen der USA. Regierungs-Wissenschaftler dürften frei wissenschaftliche Erkenntnisse in der Öffentlichkeit diskutieren, wenn es aber daran ginge, politische Konsequenzen daraus zu ziehen, so müssten sie dies den Politikern überlassen. Außerdem sei die NASA angewiesen, alle ihre öffentlichen Stellungnahmen zu koordinieren. Damit bestätigte er allerdings, was Dr. Hansen moniert hatte.

Dr. Hansen sagte in einem Interview, dass diese Regeln, die Wissenschaftler daran hindern, die notwendigen Maßnahmen zu benennen, die sich aus ihren Forschungen ergeben, bereits in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass die Öffentlichkeit nicht korrekt informiert wurde. „Es gibt mächtige Interessen, die in diesem Punkt verhindern wollen, daß ein Finger in die offenen Wunde gelegt wird.“ sagte er sinngemäß. Er erklärte, er werde sich nicht an die Restriktionen halten.

Seit 1988 ist Dr. Hansen einer der wichtigsten Warner vor ungebremstem Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid, das unweigerlich bei der Verbrennung von Kohle und Öl freigesetzt wird. Er hat unter anderem auch herausgefunden, dass die in gleichem Maße ansteigende Erzeugung von Feinstaub ebenfalls wesentlich zum Treibhauseffekt und damit zur Erderwärmung und den damit einhergehenden Klima Veränderungen beiträgt. Das Weisse Haus hatte versucht, diese Erkenntnis gegen die über Kohlendioxid auszuspielen und Maßnahmen gegen Feinstaub angekündigt, um von der Frage der Verbrennung fossiler Rohstoffe abzulenken. Tatsächlich gibt es aber überhaupt keine Verringerung der Feinstaub-Erzeugung.

Seit Anfang Dezember war Dr. Hansen mehrfach an die Öffentlichkeit getreten mit Alarmrufen, dass nun unmittelbare und drastische Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes unternommen werden müssten. Er warnte davor, dass die Erde ein „anderer Planet“ werden würde, wenn dies nicht durchgesetzt würde. Im gleichen Zeitraum habe man gezielt und mehrfach versucht, ihn in dieser Sache zum Schweigen zu bringen, sagte er nun.

Sein unmittelbarer Vorgesetzter, ein Dr. Einaudi, bestätigte, dass wiederholt das Einhalten jener Regeln gefordert worden sei. Er persönlich halte diese aber nicht unbedingt für angebracht.

Am 15. Dezember hatte Dr. Hansen die Erkenntnis publik gemacht, dass das Jahr 2005 nach allen vorliegenden Messungen das wärmste Jahr seit Beginn von Wetterbeobachtungen auf der Erde war. Danach seien mehrfach Anrufe von NASA-Offizieren gekommen, dass er mit schwerwiegenden Konsequenzen („dire consequences“) rechnen müsste, wenn er weiterhin solche Stellungnahmen in der Öffentlichkeit abgäbe.

Jene Offiziere hätten nicht selbst angerufen, sondern hätten ihre Botschaften über die Öffentlichkeits-Stelle der NASA weitergeben lassen. Die dortigen Beamten bestätigten auf Anfrage, dass sie diese Aussage an Dr. Hansen weitergegeben hätten.

Verschiedene Interviews, die mit ihm vorgesehen waren, wurden von der NASA abgesagt, sagte Dr. Hansen. Einer der Offiziere, die dafür verantwortlich sind, ist ein gewisser Mr. Deutsch, der erst kürzlich als Verbindungsoffizier Öffentlichkeitsarbeit in der NASA vom Weissen Haus eingesetzt worden war.

Frau Mc Carthy, eine Verantwortliche des Goddard-Instituts für Öffentlichkeitsarbeit, hat notiert, was jener Herr Deutsch zu ihr gesagt hatte bezüglich der Absage eines Interviews, das das „National Public Radio“ mit Dr. Hansen führen wollte. Dieses (öffentliche) Radio sei eine der liberalsten Radiostationen des Landes, bemängelte er und gab als seine Aufgabe an, dass er den Präsidenten (Bush) „gut aussehen lassen müsse“.
Frau McCarthy sagte, man habe ihr durch die Blume gesagt, Dr. Hansen sei illoyal.

Nun sind wir also so weit, dass die Politiker die Wahrheit nicht loyal finden – kein Wunder, da sie doch in ständigem Kampf mit ihr liegen – so wie damals der Papst, als er von Galileo Galilei verlangte, seine Erkenntnisse zu verleugnen und zu bestätigen, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Dazu hat es die Aufklärung gegeben, die bürgerliche Revolution, die Erklärung der Menschenrechte, dass wir uns nun im 16. Jahrhundert wieder finden. Wissenschaft ist ab sofort nicht mehr das Suchen nach Wahrheit, sondern nach Loyalität mit Politkern. Der Verwesungsgestank dieses System reicht bereits zum Himmel.

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„Ich habe kein Leben“ oder: Wie unsere Zukunft in der beginnenden kapitalistischen Barbarei aussähe

Elmar Getto – Ein erschütterndes Dokument über das Leben im Kapitalismus (oder eigentlich schon in der kapitalistischen Barbarei): Ein 12-jähriger in Rio de Janeiro wird von der Polizei festgenommen und verprügelt. Er hat beim Drogenhandel geholfen und ist Schmiere gestanden, als die Drogenhändler einen Polizisten umbrachten. Der Reporterin, die ihn befragt, als er freigelassen wird: „Warum bist du in dieses Leben eingestiegen?“, sagt er: „Ich habe kein Leben.“ Und „Das war meine einzige Möglichkeit zu überleben.“

Wie wird es aussehen, wenn es uns nicht gelingt, den Kapitalismus zu besiegen und den wahren Sozialismus zu errichten, wenn der Kapitalismus in die kapitalistische Barbarei übergehen wird? In einigen Entwicklungsländern, so wie in Brasilien, kann man jetzt schon sehen, was kapitalistische Barbarei IN DEN ERSTEN ANSÄTZEN heißen würde:

In wesentlichen Teilen des Landes herrscht nicht mehr die Staatsmacht, sondern eine Doppelherrschaft zwischen Staatsmacht und kriegsmäßig bewaffneten, mafiaähnlichen Banden, die sich vor allem durch Drogen-, Frauen- und Waffenhandel finanzieren. Der Drogenkonsum (illegale Drogen) hat sich tief in die Gesellschaft eingeführt, vor allem die Unterdrückten versuchen ihre elende Lage im Rausch zu vergessen, aber auch die Droge der Schickeria, Kokain (auch in Form von Crack), spielt eine bedeutende Rolle. Nicht einmal mehr ein Viertel der Einwohner hat regelmäßige bezahlte Arbeit.

Dies sind Zustände, wie sie in Brasilien schon heute in bestimmten Teilen herrschen. Besonders in der größten Stadt der südlichen Hemisphäre, São Paulo und in Rio de Janeiro ist dies bereits für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung Realität. In Rio auf den Hügeln, in Sâo Paulo an der Peripherie.

In den Armenvierteln, den sogenannten Favelas, herrschen 60, 70, 80, 90% Arbeitslosigkeit bei den Männern und männlichen Jugendlichen. Die einzige Aussicht für die meisten ist, den kriminellen Banden beizutreten, Drogen zu verkaufen und Hilfsdienste zu leisten. Die Polizei, schlecht bezahlt und in lächerlicher Weise unterbewaffnet gegenüber den Kriminellen, die über jede Art von Kriegswaffen verfügen, hat keine wirkliche Kontrolle mehr über diese Regionen, denn sie kann dort nur noch in großer Anzahl bei seltenen „Suchaktionen“ auftreten, die üblicherweise von den lokalen Politikern als Beweis ihrer phantastischen „Bekämpfung der Kriminalität“ angeordnet werden.

Die Polizei ist zudem – ständig in Angst, selbst erschossen zu werden – völlig brutalisiert und schießt auf alles, was männlich ist und sich bewegt.

Die kriminellen Banden sind zudem völlig skrupellos, wenn jemand eine erhaltene Droge nach dem Weiterverkauf nicht oder nur teilweise bezahlt. Derjenige wird ohne Ausnahme liquidiert. Dabei macht man sich nicht immer die Mühe, ihn allein abzupassen, sondern erschießt ihn auch schon mal in aller Öffentlichkeit und dann auch gleich alle anderen Umstehenden, um keine Zeugen übrig zu lassen. Z.B. so kommen im heutigen Brasilien Zahlen zustande wie die 40.000 Ermordeten pro Jahr, die höchste Zahl von Morden aller Länder (wenn man in diesem Fall einmal den Irak ausnimmt).

Der Schreiber dieser Zeilen hat Jahre in Barueri an der Peripherie von São Paulo gelebt und dort abends die Maschinenpistolensalven gehört, wenn solche Massaker angerichtet wurden. Ein Bekannter von ihm wurde bei einem erschossen. Als er später in Rio de Janeiro lebte, konnte man in manchen Nächten Schnellfeuergewehr- und Maschinenwaffen-Feuer hören, wenn sich verschiedene der Banden bekämpften oder ein Feuergefecht mit Polizisten stattfand.

Die Polizisten versuchen so lange wie möglich zu überleben in dieser Situation und nehmen kleine Bestechungsgelder an, hauptsächlich um damit den Führern der kriminellen Banden zu signalisieren, daß sie nichts von ihnen zu befürchten haben. Aber immer, wenn ein Polizist im Verdacht steht, irgendeine eventuell gefährliche Information weitergegeben zu haben, wird er von den Unterführern der Kriminalität zum Tode verurteilt und ein Hinrichtungskommando wird abgestellt, um das schmutzige Geschäft durchzuführen.

Das war auch in diesem Fall so. Ein Polizist wurde im vergangenen Mai in Niteroi, Großraum Rio de Janeiro, ermordet von einem Kommando der kriminellen Organisation der Favela, wo er zuständig war. Wie oft üblich, wurden von der kriminellen Bande, in diesem Fall den ‚Herrschern’ des ‚Morro do Estado’ in Niteroi, dabei auch Kinder mit in das Verbrechen einbezogen. Dadurch hat man diese später als Jugendliche in der Hand, denn man kann sie ja jederzeit anzeigen und so schafft man sich vor Angst schlotternde Untergebene, die selbst die unmenschlichsten Befehle ausführen.

In diesem Fall wurde ein 12-jähriger Junge einbezogen, der gelegentlich für 20 Real (7,50 Euro) pro Tag als Verkäufer von Kleinmengen von Marihuana an bekannten Punkten in der Nähe der Favela für die Drogen-Mafia arbeitet (daß wir auch in Deutschland bereits auf diesem Weg sind, kann uns jeder Ein-Euro-Jobber bestätigen. Zwar sind die hiesigen „Arbeitgeber“ offiziell noch keine kriminellen Organisationen, aber z.B. schon politische Parteien, was ja auch nicht sehr unterschiedlich ist). Der Junge wurde abkommandiert, Schmiere zu stehen beim Mord an jenem Polizisten. Dabei kam es zu einem Feuergefecht, bei dem sowohl der Polizist als auch einer der Mordbuben getötet wurden.

Wer sich in etwa ein Bild machen will, wie man sich das Leben und die Zustände in einer Favela vorzustellen hat, kann sich das Stück oder eine der beiden Verfilmungen „Orpheu Negro“ ansehen, ein Meisterwerk des brasilianischen Dichters und Schriftstellers Vinicius de Morais, heute leider schon verstorben, der u.a. auch die Gedichte (Texte) der weltbekannten Lieder „Garota de Ipanema“ („The Girl from Ipanema“) und „As Águas do Março“ geschrieben hat. Zwar ist diese Beschreibung schon Jahrzehnte alt, damals gab es diese Zustände erst in wenigen begrenzten Gebieten und die unglaubliche Brutalität der heutigen Zustände deutete sich erst an, aber das Prinzip bleibt das gleiche.

Die Polizei reagiert auf Polizistenmorde üblicherweise nicht damit, daß die Täter gefunden und der Justiz übergeben werden, sondern mit Rache-Unternehmen gegen diejenige Favela, die als Urheber des Mordes angesehen wird.

Im März dieses Jahres wurde ein Massaker bekannt, das Polizisten, die nicht im Dienst waren, in einer Favela in der ‚Baixada Fluminense’ angerichtet haben, ein anderer Bereich von Groß-Rio-de-Janeiro. 30 Personen wurden abgeschlachtet, einschließlich Frauen und Kinder, wahllos, offenbar weil die Polizisten eine Riesenwut hatten.

Es wurde in diesem Fall nicht aufgeklärt, ob es wiederum um einen Racheakt für einen Polizistenmord gehandelt hat oder ob die Angabe der Täter stimmt, sie seien erbost über eine unpopuläre Maßnahme eines ihrer Vorgesetzten gewesen.

Tatsache ist, daß die Täter, obwohl sie bereits innerhalb kurzer Zeit identifiziert werden konnten, bis heute keinerlei irgendwie geartete Strafe gefunden haben. Zwar wurden sie wegen des internationalen Aufsehens, das jenes Massaker hervorrief, für kurze Zeit in ein speziell für Polizisten vorgesehenes Gefängnis eingesperrt, aber sofort wieder freigelassen, als die internationale Aufmerksamkeit nachließ. Bis heute tun sie ihren Dienst in der Polizei und bis heute liegt gegen keinen von ihnen eine Anklage vor.

Die Aburteilung solcher Täter ist extrem selten, denn es finden sich praktisch nie Zeugen, die aussagebereit sind. Jeder weiß, wer gegen einen Polizisten aussagt, wird nicht allzu lange danach mit einer Kugel im Kopf aufgefunden.

Selbst das Nicht-Aussagen schützt dabei Zeugen wenig. Im Fall des Polizistenmordes in Niteroi gab es nämlich einen Zeugen, der sich aber aus Angst weigerte auszusagen. Trotzdem wurde seine Leiche kurze Zeit später im Kofferraum eines Autos gefunden.

Es gibt zwar in einzelnen Fällen Zeugenschutzprogramme, aber auf die vertraut inzwischen kaum einer mehr, denn neuer Name und Aufenthaltsort sind ja innerhalb der Polizei bekannt und bleiben vor anderen Polizisten nicht immer geheim.

Auf den Jungen, der 1993 das Candelaria-Massaker überlebte (6 Straßen-Kinder getötet, weitere 5 schwer verletzt) und sich bereit erklärte auszusagen, wurden 3 Anschläge verübt, die er wie durch ein Wunder überlebte. Er lebt heute unter neuem Namen in der Schweiz. Die Verurteilungen von Polizisten bzw. Ex-Polizisten wegen dieses Massakers (alle unterhalb der Strafe für Mord) wurden ausnahmslos von höheren Gerichten wegen angeblicher Formfehler wieder aufgehoben. Sie sind alle in Freiheit.

Staatsanwälte können praktisch keine Verfahren gegen Polizisten führen, denn die Polizei würde dann in den von jenem Staatsanwalt bearbeiteten Fällen die Aufklärung blockieren und der Staatsanwalt müßte abberufen werden. Als man einen Staatsanwalt nur für Polizisten-Kriminalität einsetzte, wurde er bald mit der berühmten Kugel im Kopf aufgefunden. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß dieser Mord nie aufgeklärt wurde.

Interessierte ultrarechte Politiker und Medien, speziell der Groß-Fernsehsender ‚Globo’, lassen immer wieder deutlich durchblicken, daß solche Massaker von Polizisten an Straßenkindern und Favela-Bevölkerung „im Grunde berechtigt“ und notwendig seinen, nur leider wegen der legalen Probleme nicht in der notwendigen Häufigkeit durchgeführt werden könnten.

Das geht so weit, daß reaktionäre Politiker mit bestimmten Codewörtern und -Zahlen sich zur Ausrottung von „potentiellen Straßenräubern“ und „Delinquenten“ bekennen und mehr oder weniger offen zur Wahl mit diesem Programm antreten. Speziell gilt dies für eine Anzahl von Politikern der PP (Partido Progressista), einer ultrarechten Partei in Brasilien, die Partei von Paulo Maluf, dem „Franz-Josef-Strauss Brasiliens“. Ein durch und durch korrupter und reaktionärer Politiker, der Kandidat der Militärs bei der noch nicht vom Volk durchgeführten Präsidentenwahl im Jahr 1985 in Brasilien am Ende der Militärdiktatur war.

Politiker dieser Partei benutzen ihre Parteinummer 11, um solche Anspielungen zu machen. In Brasilien haben alle Parteien feste Nummern. Die Präsidentenwahlen und Gouverneurswahlen (Ministerpräsidenten der Bundesstaaten) werden direkt mit diesen Nummern durchgeführt, die einzelnen Listen für Bundestags, Senator-, Landtags- und Kommunalwahlen fangen mit dieser Nummer an. Die Kandidaten dieser Partei hängen eine weitere 1 an die Parteinummer an und spielen mit der sich dann ergebenden Zahl 111 auf das Carandiru-Massaker an. Im Jahr 1994 war nach einer Gefangenen-Revolte im Großgefängnis Carandiru von São Paulo von der stürmenden Polizei ein unerhörtes Massaker unter den Häftlingen verübt worden. 111 von ihnen wurden exekutiert.

Weder wurde der verantwortliche Gouverneur Fleury bisher angeklagt (er ist weiterhin hochangesehener Politiker) noch erhielten die Polizeikommandeure oder die einzelnen ausführenden Polizisten irgendwelche Strafen. Stattdessen identifizieren sich bestimmte Politiker, z.B. ein gewisser Bolsonaro, mit dieser Nummer als „law-and-order“-Rambos, worauf allerdings weniger und weniger der ratlosen brasilianischen Wähler hereinfallen.

Im Fall des Polizistenmordes im Mai in Niteroi hatte die Polizei nun unter anderem herausgefunden, daß der Zwölfjährige beteiligt war. Sie holten ihn vom Verkaufsort der Marihuana ab (trafen natürlich bereits in Kleinpackungen aufgeteiltes Marihuana bei ihm an) und nahmen ihn mit aufs Revier, wo er kräftig verprügelt wurde. Interessant hier das Detail, daß die Polizei natürlich genau weiß, wo illegale Rauschgifte verkauft werden, diese Verkaufsstellen aber keineswegs ausräuchert, sondern dort alle gewähren läßt. In Brasilien haben diese Verkaufsstellen sogar einen eigenen Namen: „Boca do fumo“. Dies macht deutlich, wie verwoben bereits die Polizei und das organisierte Verbrechen sind, die man nur noch an der Uniform unterscheiden kann.

Jemand aus der Favela hatte gesehen, wie der Junge abgeführt wurde und die Mutter benachrichtigt, die als Tagelöhnerin arbeitet ( ja, Taglöhner werden in der kapitalistischen Barbarei natürlich auch wieder eingeführt, es wird nicht mehr lange dauern, dann haben wir in Deutschland auch die ersten). Die Reporterin einer Zeitung Rios schildert die Szene so, als sie auf der Wache ankommt: „Der Junge stand da, in Tränen aufgelöst, umgeben von zumindest 6 Polizisten mit Gewehren und Pistolen. Als die Mutter ankommt, wendet sie sich zuerst an den Jungen: „Du sagst jetzt gar nichts mehr! Sonst werde ich es sein, die dich mit Schlägen eindeckt!“ Dann wendet sie sich an die Polizisten: „Ihr habt kein Recht, einen Jungen festzunehmen und zu schlagen! Was ist das für eine Geschichte?“

Eine Zeit später hat sie sich schon etwas beruhigt und wird von der Reporterin befragt. Sie erzählt, daß sie außer dem Jungen noch 5 Kinder hat, zwischen 21 und 2 Jahren alt. Sie sagt auch, daß ein anderer Sohn 2003, 16 Jahre alt, von Leuten der konkurrierenden Rauschgifthändlerbande aus der Nachbarfavela verschleppt und bei lebendigem Leib verbrannt worden sei. „Es ist nicht gerecht, daß eine Mutter so ihre Kinder verliert. Keine Mutter verdient es, so etwas zu erleben!“

Danach befragt die Reporterin den Jungen. Er sagt, er braucht das Geld, das er mit dem Marihuana-Verkauf verdient, zum Überleben. Ja, er ginge zur Schule. Er habe einmal Arzt werden wollen. Aber an diesem Tag sei die Schule ausgefallen, weil die Lehrerin fehlte (Na, das kennen wir doch auch aus Deutschland, nicht?). Schließlich fragt die Reporterin: „Warum bist du in dieses Leben eingestiegen?“ und er sagt: „Ich habe kein Leben, Tante.“ ‚Tante’ und ‚Onkel’ sind die übliche Bezeichnung, mit der Kinder aus den Favelas außenstehende Personen ansprechen.

Der Junge hat bereits eine klare Sicht der Wirklichkeit. Männliche Jugendliche in den Favelas haben, statistisch gesehen nur etwa 50% Chance, das 30. Lebensjahr zu erreichen oder anders ausgedrückt, 50% Chance, vorher ermordet zu werden. Dieser Junge, so berichtet die Reporterin weiter, wird nun in ein Besserungslager für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren gebracht. Dort wird man ihm endgültig alles beibringen, was skrupellose Kriminelle für ihr kurzes Leben brauchen, denn es handelt sich um reine Aufbewahrungsanstalten mit brutalisierten Aufsehern und Folter.

So zieht der brasilianische Staat bewußt den Nachwuchs für die kriminellen Banden heran.

In der brasilianischen Öffentlichkeit wird es versucht so darzustellen, daß die Köpfe jener Banden die jeweiligen Machthabenden in den Favelas sind. Die sind in der Regel mit ihren Spitznamen bekannt und genießen in den Medien eine gewisse – und keineswegs nur negative – Aufmerksamkeit. So haben die brasilianischen Medien einen der Favela-Bosse, einen gewissen Fernandinho Beira-Mar, als öffentliche Persönlichkeit hochgejubelt, so als ob an ihm irgendetwas zu feiern wäre.

Wenn man allerdings seinen Menschenverstand zu Hilfe nimmt, so wird klar, daß die wirklichen Hintermänner dieser kriminellen Banden ja täglich Hunderttausende von Dollars an Gewinnen einstecken. Völlig undenkbar, daß diese Bosse in Favelas leben. Man wird sie wohl eher in den typischen Häusern und Wohnungen der brasilianischen Superreichen finden.

Da sind wir denn auch schon angekommen bei jenen Personen, denen all dies zugute kommt. Die brasilianische Gesellschaft ist dominiert von etwa 500 bis 1000 Familien (ein Leser meinte, es könnten auch 1500 sein), die alle Institutionen dominieren. Sie haben die Politik in der Hand, das Parlament, die Justiz, die Medien, die Polizei, die Armee, kurz: Alles.

Sie zeichnen sich vor allem durch zwei Dinge aus: Sie sind superreich – Vermögen von Milliarden von Dollar sind in Brasilien häufig – und sie sorgen dafür, daß wesentliche Teile der in Brasilien geschaffenen Werte in Form von Zinsen und Zinseszinsen für die überbordende Auslandsverschuldung an internationale ‚Finanzagenten’ gehen, also Banken, Großkonzerne und private Anleger.

Die Armut Brasiliens und der meisten Brasilianer ist also durch das Zusammenspiel der Superreichen Brasiliens (dort von den Medien – die ihnen gehören – gerne „Elite“ genannt) und der Imperialisten bedingt.

Dort, bei diesen Superreichen, sind dann auch die Hintermänner zu suchen, die letztlich die kriminellen Gangs in der Hand haben, die große Teile der brasilianischen Gesellschaft terrorisieren. Es gibt sogar klare Hinweise, daß ein Teil der Politiker, die in Brasilien etwas zu sagen haben, direkt oder indirekt mit diesen Mafiabanden verknüpft sind.

Ein Beispiel sei hier beschrieben: der in Brasilien bekannte Politiker Garotinho (im Moment gerade bei der Partei PMDB). Er wurde, damals noch bei einer angeblich linksgerichteten Partei, der PDT, zum Gouverneur von Rio gewählt.

Zunächst tat er etwas, das vielen Hoffnung gab, hier würde nun einer einmal wirklich versuchen, die Zustände zu verbessern: Er beschäftigte einen anerkannten Fachmann in Sicherheitsfragen und beauftragte ihn, die Zustände bei Polizei, Strafvollzug und Justiz zu durchleuchten und Vorschläge für Änderungen zu machen. Der war denn auch schon bei seinen ersten Untersuchungen fündig geworden. Er hatte herausgefunden, daß die gesamte Spitze der Zivil-Polizei im Staat Rio de Janeiro korrupt war. Er legte nach seinen eigenen Angaben den entsprechenden Bericht mit Belegen usw. bei einem kurzen Gespräch mit dem Gouverneur auf dessen Tisch.

Am nächsten Tag war die Story in allen Zeitungen und im Fernsehen. Die betroffenen Polizeioffiziere waren vorgewarnt, um eventuelle Beweise verschwinden lassen zu können. Der Sicherheitsexperte bekam Morddrohungen für sich und seine Familie. Er wurde kurz danach vom Gouverneur entlassen und mußte mit der Familie in die USA fliehen, um sein Leben und seine Familie zu schützen. Von den im Bericht genannten Offizieren (alle in den Rängen von Obersten und höher) wurden zwei versetzt, alle blieben im Amt und ansonsten betrieben sie weiter ihre „enge Zusammenarbeit“ mit den Verbrecherbanden. Die Zivil-Polizei ist in Brasilien jener Teil der Polizei, der für Ermittlungen und Vorbereitung von Anklagen zuständig ist, also die entscheidende Stelle, bei der man sich gegen eventuelle staatliche Verfolgung versichern kann.

Die nächste Großtat des Gouverneurs folgte kurze Zeit später. Es war gerade ein völlig neues Hochsicherheits-Gefängnis in Rio fertiggestellt worden, nach den modernsten Erkenntnissen des Umganges mit Schwerst-Kriminellen. Hier würden also die bereits Verurteilten mittleren Chargen der Mafia-Banden einsitzen müssen und auch zukünftig Verurteilte hineinkommen – dazu gehörte u.a. der oben schon erwähnte Verbrecher mit dem Spitznamen Beira-Mar.

Laut Angaben der ‚Folha de São Paulo’, der größten Tageszeitung Brasiliens, wurden alle wesentlichen Sicherheitseinrichtungen des Gefängnisses mit dem Namen ‚ Bangu 1’ nach der Übergabe des Baus an die lokalen Behörden außer Kraft gesetzt und abgebaut, noch bevor es eingeweiht wurde. Alle Türen und Absperrungen wurden entfernt, die sicherstellen sollten, daß es zwischen Häftlingen und Aufsehern wie auch zwischen Häftlingen und Besuchern -wie auch Anwälten – zu keinem physischen Kontakt kommen könnte. Ebenso wurde das gesamte Überwachungssystem mit Kameras usw. nie benutzt. Das Gefängnis wurde also so betrieben wie alle anderen Gefängnisse in Brasilien auch.

So hörte man denn auch schon kurz nach der Einweihung davon, daß die Insassen, soweit sie Sergeanten der Drogen-Banden in den Favelas gewesen waren, von dort aus per Handy ihre ‚Geschäfte’ weiter führten. Abgehörte Telefongespräche belegten, daß sie ungehindert Mordaufträge per Telefon gaben und ähnliches. Später bekam man sogar ein Video zu sehen, daß nach des Gouverneurs eigenen Angaben von Häftlingen erstellt wurde (man stelle sich vor, es konnten Video-Kameras in die Gefängnisse und die fertigen Videos herausgeschmuggelt werden), indem man sah, daß während der Zeit der Zellenöffnungen (alle Häftlinge konnten im Gefängnis herumlaufen, sich ungehindert miteinander verständigen) offen Rauschgift angeboten und verkauft wurde.

Doch damit waren die sehr speziellen Vorlieben dieses Gouverneurs noch keineswegs erschöpft. Er liebte es auch, sich mit Gestalten aus der Unterwelt zu umgeben. Er berief zum Sportminister von Rio de Janeiro einen Politiker, der bereits mehrmals aufgefallen war, weil er engste Beziehungen zu den Chefs der Terrorbanden in der Favela Mangueira hatte. Er besuchte z.B. den Boss der Mangueira-Bande regelmäßig im Gefängnis, als dieser verurteilt war. Nach Absitzen seiner Strafe durfte dieser Drogen-Unter-Boss dann sogar ein Amt in der Aufsicht des Maracanã-Stadions einnehmen, in das ihn sein Freund, der Sportminister, berufen hatte (Die Favela Mangueira liegt gleich neben dem Maracanã-Stadion).

Kaum glaublich war auch der nächste Skandal, der sich abspielte. Es war eine neue Direktorin berufen worden in genau jenes Spezialgefängnis, das oben bereits erwähnt wurde. Diese Frau war offenbar ziemlich unerschrocken und pflichtbewusst und wohl auch nicht bestechlich – bezeichnend, daß für so etwas anscheinend immer eine Frau kommen muß, die Herren der Schöpfung scheinen generell nicht unbedingt die Mutigsten zu sein. Jedenfalls ordnete sie an, daß ein Teil der speziellen Sicherheitsmaßnahmen des Gefängnisses wieder eingeführt wurden und auch spezielle Restriktionen für den Anwaltskontakt.

Dazu muß man wissen, daß diese Drogenbanden-Unter-Bosse mit ganzen Horden von Anwälten arbeiten. Der oben genannte Beira-Mar z.B. beschäftigte 14 Anwälte nur für sich. So hat er täglich Besuch von einem oder mehreren Anwälten (Es wäre übrigens leicht, anhand der Bezahlung dieser Anwälte den Weg zurück zu den Geldquellen der Verbrecherbanden und eventuell zu höheren Chargen zu verfolgen, aber das wurde noch nicht einmal versucht.).

Besagte Gefängnisdirektorin beschränkte nun die Zahl der Anwaltsbesuche pro Woche und ließ auch die Gespräche mit den Anwälten abhören. Allerdings begann sie bereits mit dem Abhören, als der zuständige Richter dies noch gar nicht genehmigt hatte. Sie staunte nicht schlecht, als sie eines der Anwaltsgespräche abhörte.

Der Häftling und der Anwalt sprachen die Einzelheiten ihrer (der Direktorin) Ermordung ab! Das entsprechende Band leitete die Direktorin direkt an den Gouverneur Garotinho und bat um speziellen Schutz. Der erklärte daraufhin, er könne nicht aktiv werden, denn die Abhöraktion sei illegal gewesen.

Wenige Tage später wurde die Direktorin erschossen aufgefunden. Sie war genau auf die Art ermordet worden, wie es auf dem Tonband beschrieben worden war. Der Gouverneur sagte, er habe mit den Ermittlungen zu diesem Mord nichts zu tun. Bis heute wurde angeblich nicht aufgeklärt, wer diesen Mord in Auftrag gegeben hatte, obwohl es jeder weiß.

Charakteristisch, daß dies zwar für drei Tage auf der Titelseite der Zeitungen und am Anfang der Nachrichten im Fernsehen kam, aber dann abrupt fallengelassen wurde und der nächste Skandal berichtet wurde. Alle diese Skandale werden von den Medien nicht verfolgt. Es werden keine Aufklärungen verlangt, nicht darauf gedrungen, daß die Parlamente, Staatsanwälte und die Polizei untersuchen. Die anfängliche Erklärung, es werde alles brutalstmöglich aufgeklärt, wird für bare Münze genommen und dann nicht mehr nach der Aufklärung gefragt (das kennen wir gut aus Deutschland, Roland Koch läßt grüßen). Das ist auch verständlich, denn die Medien sind ja eben in den Händen genau jener Superreichen Brasiliens, aus deren Kreisen die Hintermänner kommen. Die Medien kochen einen Skandal nach dem anderen hoch, in schneller Abfolge, so daß die einzelnen schnell dem Vergessen anheim fallen. So wird die Öffentlichkeit scheinbar informiert, doch in Wirklichkeit nur unterhalten, im Endeffekt düpiert.

Ebenso charakteristisch, daß diese Art von Skandalen in den Wahlkämpfen von den gegnerischen Kandidaten nicht benutzt wird, um diese Kandidaten anzugreifen. Die Krähen hacken einander…

Interessant, daß genau dieser Politiker Garotinho bei der ersten Runde der letzten Präsidentenwahlen in Brasilien auf den dritten platz kam – nach Lula und dem konservativen politiker, den er dann im zweiten Wahgang schlug. Auffallend, daß er in ‚seinem’ Staat Rio de janeiro über 70% der Stimmen bekam, ein kaum glaubwürdiges Ergebnis. Es besteht, nicht zuletzt auch aufgrund der späteren Wahlen auf kommunaler und Landesebene, der starke Verdacht, daß in Rio de Janeiro massiv Wahlen gefälscht werden.

Es werden die gleichen Wahlmaschinen wie in den USA verwendet, von denen bereits bewiesen ist, dass sie manipuliert werden können. Bei den Wahlen der Landtagsabgeordneten in Rio hatten eine Anzahl von Kandidaten bei den Zwischenergebnissen bereits eine höhere Stimmenzahl, als ihnen am Ende zugesprochen wurden.

Wie auch in den USA, gibt es bei diesen Maschinen ausserhalb des elektronischen Gedächtnisses keine Dokumentation auf Papier, was ein Nachzählen unmöglich macht.

Dies waren einige Eindrücke von den Zuständen, die bereits den Anfang der kapitalistischen Barbarei kennzeichnen, auf die wir auch in Deutschland zusteuern, wenn wir nicht vorher den echten Sozialismus errichten.

vermischtes

Winter-Olympiade: Schweizer räumen ab

Harald Haack – Die Olympischen Spiele haben gerade begonnen, aber jetzt steht schon fest, dass die Schweizer mehr als 5 Goldmedaillen kassieren werden. Dank der eBund-Umfrage ist das möglich.

Es sieht so aus, als wollten 173 Leser innerhalb von nur 8 Minuten das klägliche Ergebnis, demnach die Schweizer keine Medaille erringen werden, nicht gelten lassen. Immerhin waren 105 von insgesamt 220 Lesern, also 47,73 Prozent, extrem pessimistisch. Was für eine Schmach!

Natürlich sind die Schweizer keine solchen Schlappschwänze. Sie werden mehr als 5 Medaillen holen. Und was nun wie die Meinung von 173 Lesern aussieht, wurde mit 346 Mausklicks einer einzigen Computermaus erreicht.


Kein Hacken, nur Klicken: Das manipulierte Ergebnis der eBund-Umfrage.
2x oben im Mozilla Firefox am Samstag;
1 x unten im MSIE am Sonntag.

Es ist nicht das erste Mal, dass Manipulationen der eBund-Umfragen möglich sind. Nach dem großen Erdbeben in Afghanistan, vor nicht ganz einem Jahr, wollte die Web-Redaktion der Berner Tageszeitung „Der Bund“ wissen, ob die Schweizer für Afghanistan spenden wollten. Nach einer anfangs sehr zögerlichen Beteiligung an der Umfrage mit einem zunächst zustimmenden Ergebnis schnellte die Beteiligung in die Höhe und das Ergebnis ergab, dass die Mehrheit eine Spendenhilfe für die afghanischen Erdbebenopfer ablehnte. Wollten die eBund-Leser damit ausdrücken, dass sie alle Afghanen für Terroristen halten?

Die Bund-Redaktion stellte auch die Frage, ob es für die Leser überraschend sei, dass der Kanton Bern gemäß der Pisa-Studie in Sachen Bildung unter dem Durchschnitt liegt. Die Antwort war ebenso negativ wie niederschmetternd: Um 21.47 Uhr des 3. Mai 2005 meinten 57 von 73 Leser, also 78,08 Prozent, dies sei nicht überraschend. Halten sich die Berner für so dumm?


eBund-Umfrage: Auch dieses Ergebnis wurde manipuliert.

Nein, keines der Umfrageergebnisse stimmte: Es waren Hacker im fernen Hamburg, Mitglieder eines Clubs, die die Sicherheitslücke vom eBund entdeckt hatten. Ohne spezielle Computerkenntnisse konnte im Prinzip jeder Besucher der eBund-WebSeite das Ergebnis der Umfragen manipulieren. Dazu brauchte er die Seite nur noch einmal besuchen, neu abstimmen und schon hieß es: „Vielen Dank für Ihre Stimme!“

Doch es gab auch Umfragen, bei denen dies nicht möglich war. Wer ein zweites Mal abstimmen wollte, erhielt zur Antwort er habe bereits abgestimmt.

Am vergangenen Samstag versuchte nun ich ausnahmsweise mein „Glück“ bei der Umfrage der Schweizer Tageszeitung. Und, oh Wunder, ich musste nicht einmal den Browser schließen und neu starten. Mit Hilfe der neuesten Version von Mozilla Firefox gelang es mir, das für die Schweizer niederschmetternde Ergebnis in ein positives und damit optimistisches Ergebnis umzuwandeln. Am darauf folgenden Sonntag fand ich um die Mittagszeit viele 298 pessimistische Stimmen vor. 298 waren für „keine“. Doch auch im Microsoft Internet Explorer (MSIE) war es leicht die Stimmen für „mehr als 5“ auf 456 Stimmen anzuheben. Der Optimismus war wieder hergestellt. Kriege ich dafür nun einen Schweizer Orden? Oder einen Job als Aufmunterer für die Eidgenossen?

Falls in Deutschland, der Schweiz oder anderswo Wahlen auf diese Weise stattfinden, wird es ein Klick-Fest geben! Derjenige gewinnt, der die Klickerei ohne Muskelkrämpfe, Sehnenscheidenentzündung und Hirnschaden übersteht – vorausgesetzt, der Server bricht nicht schon vorher wegen der hohen Wahlbeteiligung, weil alle das Ergebnis manipulieren wollen, zusammen. Die Wahl, die eBund-Umfrage oder was es sonst noch geben mag – zum hirnlosen Klickspiel verkommen, weil Web-Programmierer gepfuscht haben?

vermischtes

Das Gift der PET-Flaschen

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Harald Haack – PET-Flaschen wurden Verbrauchern von der Industrie als gesundheitlich unbedenklich untergejubelt. Als Vorteile gelten immer noch die Bruchsicherheit und das leichte Gewicht. Doch ein Nachteil überwiegt gravierend, und was Skeptiker schon seit längerem ahnten, konnten Umweltgeochemiker von der Universität Heidelberg nun beweisen.


PET-Flasche: Giftiger als ihr Ruf

Normalerweise untersuchen sie Torf-, Eis- und Schneeproben, in denen sich Staub aus der Atmosphäre abgelagert hat. Dass sie nun den Beweis dafür liefern können, dass Antimon, das ähnlich giftig ist wie Arsen, aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat von PET-Flaschen an den flüssigen Inhalt abgegeben wird, ist mehr als ein beiläufiges Ergebnis. Bei ihren Messungen fanden sie Antimonspuren in Mineralwasser. Um ganz sicher zu gehen, füllten die Wissenschafter reines Wasser, von dem sie den Antomon-Wert kannten, in handelsübliche PET-Flaschen. Die natürliche Konzentration von Antimon in dem aus einer kanadischen Quelle beträgt 2 Nanogramm pro Liter; nach einem halben Jahr Lagerung in PET-Flaschen hatte sich die Konzentration um den Faktor 250 auf etwa 0,5 Mikrogramm Antimon pro Liter erhöht. Auch aus einer kommerziell genutzten Quelle in Deutschland entnahmen die Wissenschafter Proben. Dieses Wasser enthält natürlicherweise rund 4 Nanogramm Antimon pro Liter. Kauft man es aber im Supermarkt in PET- Flaschen, weist es fast die 100fache Menge auf, nach einer dreimonatigen Lagerung sogar die 200 fache. Untersucht wurden bislang noch keine PET-Flaschen, die Fruchtsäfte, Limonaden und andere säurehaltigen Getränke enthalten. Die Heidelberger Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass solche Getränke vermutlich noch mehr Antimon aus dem Polyethylenterephthalat herauslösen als Wasser. Und es ist so gesehen möglich, dass alkoholische Getränke wie Bier oder besonders Alcopops extrem ungeeignet sind für den Vertrieb in PET-Flaschen.

Bei der PET-Herstellung dient Antimontrioxid als Katalysator. Es wird dabei teilweise in den Kunststoff eingebunden. Pro Kilogramm PET enthalten einige hundert Milligramm Antimon. Der Kunststoff setzt das Gift nach und nach frei.

So dürfte der Wert, der von den Heidelberger Wissenschaftlern jetzt gemessen wurde, und der mit einem Mikrogramm pro Liter Wasser und dem Grenzwert der EU-Trinkwasserverordnung 5 Mikrogramm pro Liter lag, irrelevant sein und sollte nicht dazu dienen, die Gefahr herunter zu spielen. Besonders Verbraucher sollten nicht auf die Idee kommen und selbst hergestellte Limonaden in PET-Flaschen aufbewahren, schon gar nicht über längere Zeit darin lagern.