Wirtschaftskrise

Goldman Sachs, Industriekreditbank (IKB) und Schrottpapiere

Dr. Alexander von Paleske — Das führende US- Investmenthaus Goldman Sachs ist offenbar von seiner Derivate-Vergangenheit eingeholt worden

CDO’s weltweit
.Die einstmals erste Adresse in der Wall Street verkaufte Im Jahre 2007 besondere Wertpapiere an Kunden weltweit. Nicht Aktien, sondern durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere, auch Collateralized Debt Obligations (CDO’s) genannt.

Und sie hatte offenbar keine Probleme, diese Papiere loszuwerden, weltweit, auch in Deutschland. Hier kaufte die Industriekreditbank( IKB),damals noch eine Tochter der Staatsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), in grossem Stil ein gegen Bares. Eine Bank, die eigentlich den Mittelstand finanzieren sollte, aber nun das grosse Rad drehte, wir berichteten mehrfach darüber.

Jeder, auch Geringstverdiener, konnten in den USA damals Hausbesitzer werden, bis die Blasé platzte, der Markt zusammenbrach, und die Subprimekrise auslöste. Die Papiere sausten in den Keller.

So schön, so gut, das haben andere auch gemacht, ohne von der Börsenaufischt SEC belangt worden zu sein, oder sollte man besser sagen: noch nicht?

Verkaufen und Wetten
Das Pikante im Fall Goldman Sachs daran ist, dass dieser CDO-Verkauf angeblich mit einem Hedgefond namens Paulson & Co ausgeheckt, man könnte auch sagen “ausgehedgt” wurde, der gleichzeitig auf den Verfall dieser Wertpapiere wettete, und diese Wette haushoch gewann.

Es besteht damit der Verdacht, dass Goldman Sachs diese Papiere seinen Kunden angedreht, also selbst nicht an den anhaltenden Wert dieser Papiere geglaubt hatte und das wäre dann Betrug.

So sieht es jedenfalls die US-Bankenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) und erhob Anklage.
Schaden: insgesamt 1 Milliarde US Dollar. Das Resultat: die Bankaktien und nicht nur die, aber die besonders, fielen vorgestern kräftig.

Schlafmützigkeit allenthalben

Allerdings musste man schon recht leichtgläubig damals gewesen sein, um derartige Papiere zu kaufen, denn grosse Banken wie die Deutsche Bank, die offenbar einen besseren Durchblick hatten, warfen sie paketweise aus den Tresoren, und die Deutschbanker fanden ebenfalls in der IKB einen dankbaren Abnehmer für diesen Schrott.

Auch die österreichischen Bundesbahnen (OeBB) waren weiterer Abnehmer, wir berichteten im Rahmen einer Satire darüber..

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und William Sharpe, sowie der Yale-Professor Robert Shiller, alles ausgewiesene Finanzexperten, erklärten auf einem Institutional Money Congress in Frankfurt im Februar 2008, dass die Subprime Krise, die zum Absturz der CDO’s geführt hatte, vorhersehbar gewesen war.

Offenbar aber nicht für die Schlafmützen bei der IKB und den Finanz- Schaffnern der OeBB, nicht bei der WestLB, der BayernLB, der SachsenLB u.s.w. Die kauften freudig weiter ein, als der Zug bereits dem Finanz-Abgrund entgegenraste..
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BaFin soll prüfen
Nun soll die deutsche Finanz-Aufsicht BaFin prüfen, ob Schadensersatzansprüche gegen Goldman Sachs geltend gemacht werden können.

Die BaFin? – Man möchte sich die Augen reiben. Die BaFin hatte bis zum bitteren Absturz der IKB das Institut als unproblematsich bezeichnet. Die Presse bezeichnete deren Präsidenten, Jochen Sanio, als Dampfplauderer.

Nicht zu spassen mit der SEC – nur der Beginn?
Mit der Börsenaufsicht SEC in den USA ist, anders als mit der BaFin in Deutschland, nicht zu spassen.
Es könnte daher der Fall Goldman Sachs der Beginn, nicht das Ende, weiterer Ermittlungen sein, auch gegen andere Banken.

Dass mit der SEC nicht zu spassen ist, zeigte sich auch in einem weiteren Fall von Aktienbetrug, in den die Deutsche Bank und der Waffenhändler Adnan Khashoggi verwickelt waren und der Anfang diesen Monats zum Abschluss kam: Der Genesis- Intermedia Skandal.

350 Millionen US Dollar legte die Deutsche Bank, nachdem ihre Verwicklung aufgeflogen war, auf den Tisch zur Schadensbegleichung, ohne Anerkennung einer Schuld versteht sich, wir berichteten ausführlich darüber.

Jetzt wurde mit Waffen- Khashoggi und einem weiteren angeblichen Betrüger namens Ramy El-Batrawi eine aussergerichtliche Einigung erzielt. Beide dürfen die nächsten 5 Jahre nicht Firmen besitzen oder in Firmen arbeiten, die mit Wertpapieren handeln.

Hypo-Alpe-Adria-Bank und Khashoggi
Ob dies den saudischen Multimillionär, der seinerzeit knietief in den Iran- Contra- Skandal verwickelt war, allerdingss noch grösser treffen wird, ist fraglich. Er hat sich mit 75 Jahren vermutlich weitgehend zur Ruhe gesetzt.

Khashoggi, war auch, wie wir berichteten, peripher in die Vorgänge um die ehemalige BayernLB-Tochter und Skandalbank Hypo-Alpe Adria (Skandalpe) verwickelt. Von Wien aus organisierte Khashoggi offenbar mit einer Crew von Berufskriminellen Aktienbetrug weltweit in grossem Stil über die mittlerweile geschlossene Wiener Privatbank General Commerce Bank,vormals WMP-Bank, wir berichteten darüber.

Bis heute gibt es kein Ermittlungsergebnis, geschweige denn eine Anklage. ….Tu felix Austria….. pardon …Tu felix Khashoggi.

Zentraler Artikel für alle bis Dezember 2008 angelaufenen Hypo-Alpe Skandale
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale

Update-Artikel
linkSkandal-Update: Hypo-Alpe-Adria Bank (Skandalpe)

Zur BaFin
Finanzkrise, Bankenkrisen, Kleinanlegerbetrug – Hat die Finanzaufsicht BaFin versagt?
Finanzgauner, ihre Opfer und die BaFin
linkDie Grossbanken und der Staatsanwalt

Zur Industriekreditbank IKB
Noch mehr Milliarden Euro Bürgschaften oder: Vorwärts mit der IKB
Der IKB-Prozess in Düsseldorf – oder: hat die Staatsanwaltschaft kapituliert ?

Zu Khashoggi
Prostituierte, Parties, Pferderennen, Penny Stocks, Deutsche Bank in Toronto und Khashoggi
linkSöldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Ganoven, Goldgräber, Geheimdienste und Diplomaten

Wirtschaftskrise

Credit Default Swaps – Banken verschärfen die Krise in Griechenland

Dr. Alexander von Paleske — Die Banken decken sich zur Zeit mit Credit Default Swaps ein, nicht mit irgendwelchen Credit Default Swaps, sondern solchen, welche die Anleihen für Griechenland absichern. Das ist vergleichbar einer Lebensversicherung auf einen Menschen, der an einer tödlichen Krankheit leidet. Ein sehr aussichtsreiches Bombengeschäft.

Credit Default Swaps sind aber einer der grössten Mitverursacher der Weltfinanzkrise im Jahre 2008.Wir hatten bereits im Juni 2008, also drei Monate vor deren Ausbruch in einem längeren Artikel davor gewarnt.

Daher, aus gegebenem Anlass, zunächst noch ein Blick auf diese „finanziellen Massenvernichtungswaffen“, wie der US-Investor Warren Buffet sie bereits im Jahre 2002 nannte.

Swaps, oder wie man mit Wetten Geld macht
Es handelt sich bei diesen Finanzprodukten um eine Kombination aus traditionellem Bankgeschäft, nämlich dem Ausleihen von Geld, einer Versicherung, in diesem Fall eine Versicherung gegen den Ausfall des Kredits, und einem Wettbüro wie bei einem Pferderennen oder einem Hunderennen, wobei auf ein Ereignis gewettet wird, nämlich dass das Pferd A oder der Hund B gewinnt.

Das traditionelle Bankgeschäft
Um sich gegen die Fäulnis von Krediten, die ja im Riskobereich der Bank lagen, abzusichern, unterhielten die Banken bis Anfang der 90er Jahre aufwändige Kreditabteilungen, die sich der Mühe unterziehen mussten, die Bonität der Kredit nachfragenden Kunden zu prüfen, um damit zweifelhafte Kunden auszuschliessen bzw. grosse Risiken so weit wie möglich zu mindern. Das war bei Kleinkunden recht einfach, mit Hilfe einer Auskunftei, Schufa genannt, bei Grosskunden musste schon ein genauer Blick in die Bücher geworfen werden, bis dann schliesslich die grüne oder rote Lampe aufleuchtete.

Offenbar war das war nun für viele Banken viel zu aufwändig, also weg damit. Die Abteilungen der Banken, die sich mit der Kreditwürdigkeit von Kunden beschäftigen, wurden bis zur Unkenntlichkeit verkleinert, stattdessen her mit einer Versicherung gegen die Fäulnis von Krediten. Und wie bei den Subprime Hypotheken wurden überhaupt keine bzw. völlig ungenügende Prüfungen der Objekte, der Zahlungsfähigkeit der Kunden etc. vorgenommen.

War ja alles – hoffentlich – versichert
Damit wurde der natürliche Teil des Bankgeschäfts völlig auf den Kopf gestellt, denn es ist ja gerade die Bank, welche die Risiken des Ausfalls eines Kredits als Teil ihres Geschäftsbetriebes tragen muss, genau so wie jede Firma das Risiko von Verlustgeschäften bis hin zum Konkurs trägt, und sich nicht dagegen versichern kann.

Für diese neuartige „Versicherung zur Kreditabsicherung“ in den 90er Jahren von den Banken erfunden und hochtrabend „Credit Default Swaps“ genannt, muss die Bank an eine „Versicherung“ zahlen, und zwar dauerhaft, halbjährlich oder vierteljährlich, und diese Versicherung ist meistens wieder eine Bank oder, wie in den USA vor der Weltfinanzkrise, der Versicherer AIG.

Aber nicht wie bei einer normalen Versicherung mit einem Versicherungsvertrag, sondern durch Ausstellung eines Wettscheins, der damit handelbar wird. Die kreditgewährende Bank ist das Kreditrisiko los, es hatte sich, wie durch einen Zauberstab berührt, in ein Zockerpapier verwandelt.

Das Ergebnis 40% der von den Banken vergebenen Kredite gingen damals als Resultat an nicht kreditwürdige Kreditnehmer, wie die Ratingagentur Fitch ermittelte. Im Jahre 2002 waren es erst 8%.

Verantwortungslosigkeit der Banken ein anderes Wort dafür.

Topp die Wette gilt
Ich, der Kreditgeber zahle die Prämien und Du, der Versicherer hoffst, dass das Ereignis, nämlich die Fäule des Kredits nicht eintritt. Und ich bekomme von Dir, falls das Ereignis eintritt, die Versicherungssumme.

Da diese Risiken von keiner normalen Versicherung übernommen worden wären, denn die Summen wären einfach nicht mehr versicherbar, geht die Sache nur so lange gut, wie sich die Schadensfälle, sprich Pleiten, in sehr geringem Rahmen bewegen. Sobald sich aber die Pleiten über einem gewissen Rahmen bewegen, bricht das ganze System zusammen. Und genau das geschah in der Weltfianzkrise, wobei insbesondere dann die AIG betroffen war und der Staat mit Riesenkrediten einspringen musste, denn die AIG war technisch pleite, und nicht nur AIG.

Im normalen Versicherungsgeschäft schützen sich Versicherungen bei Massenschadensfällen durch eine Rückversicherung bei einer Rückversicherungsgesellschaft, z.B. Münchener Rück, die gibt es aber bei diesen Swaps nicht und kann es auch gar nicht geben, da es schon eine traditionelle Versicherung selbst nicht gibt. Stattdessen gibt es dann Rückversicherungsswaps, also ein Swap auf einen Swap.

Es geht ein Zockerpapier auf Reisen
Nun sind wir beim dritten Teil des Swapgeschäftes angekommen, nämlich der Zockerei.

Diese Swaps sind handelbar, und deren Bewertung ändert sich täglich, das wäre bei einer Lebensversicherung so, als hinge deren Bewertung davon ab, ob der Versicherte gerade in einer Lebenskrise sich befindet, das Rauchen angefangen, bzw. aufgegeben hat….. Insofern ähneln die Swaps wieder Aktienkursen, die sich ja auch täglich andern, nur dass hinter Aktien Gesellschaften stehen, die produzieren oder Dienstleistungen erbringen. Hinter den Swaps steht aber nur ein sogenanntes Risiko, sonst nichts.

Und weil heute das traditionelle Bankgeschäft ja angeblich nicht genug einbringt, sondern erst die Zockerei, feiner ausgedrückt als Investmentbanking, wird gezockt, was das Zeug hält, auch nach der Weltfinanzkrise. Und die Investmentbanker müssen natürlich mit satten Boni fürstlich entlohnt werden – für solch harte Arbeit..

Mittlerweile war in der Swap-Abteilung des „Casinobetriebs“ Investmentbanking, vor der Weltfianzkrise die unvorstellbare Summe von 62.000 Millarden Dollar angekommen (62.000.000.000.000,–), das ist, wie die ZEIT seinerzeit schrieb, doppelt so viel wie der Aktienwert von 2500 Unternehmen, die an der New Yorker Börse gelistet sind.

Jetzt, nach der Weltfinanzkrise, befindet sich in der Abteilung „Derivate“ immer noch die unvorstellbare Summe von 50.000 Milliarden US Dollar.

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Auf den Konkurs spekuliert
Diese Swap-Risikopapiere lassen sich beliebig vermehren, sodass im Endeffekt die Auszahlungssumme im Falle des Konkurses einer Firma massiv höher liegen kann, als der Konkurs selbst an Miesen mit sich bringt.

Im normalen Versicherungsgeschäft ist das als „Überversicherung“ verboten. Beim Swapsen gelten andere Gesetze, bzw. gar keine.

Als der US Auto-Zulieferer Delphi seinerzeit in Konkurs ging, da betrugen, wie die ZEIT berichtete, die Konkursausfallkredite rund 5 Milliarden Dollar, die versicherte Gesamtkreditsumme aber 25 Milliarden Dollar – Casinobetrieb pur.

Das Swaps Gebäude – Ein Tollhaus
So genannte Hedge Fonds, oftmals Käufer dieser Credit Default Swaps, aber auch Banken mit grossen Casinoabteilungen, vornehm ausgedrückt als Investmentabteilungen, haben nicht selten ein brennendes Interesse daran, arbeiten gelegentlich auch darauf hin, dass der „Versicherungsfall“ eintritt, also eine Firma z.B.oder gar ein ganzer Staat bankrott geht, um dann die Versicherungssumme zu kassieren.

Im normalen bürgerlichen Leben zieht das „Herbeiführen des Versicherungsfalls“ die Leistungsfreiheit des Versicherers . gemäss Paragraph 81 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) nach sich, aber, wie gesagt, beim Swapsen gelten ganz andere Gesetze: Wild West–Gesetze.

Z.B. Griechenland
Und genau das sehen wir nun im Fall Griechenlands. Die Credit Default Swaps auf griechische Staatsanleihen steigen im Wert, weil der Staatsbankrott Griechenlands, bzw. das Nichtbedienen der Statsanleihen, wahrscheinlicher wird.

Also decken sich die Banken mit diesen Swaps ein, insbesondere natürlich Goldman Sachs, der einstmals auch der US-Notenbankchef Ben Bernanke angehörte und wohl auch die Deutsche Bank, die das abstreitet , und dann noch Credit Suisse, UBS, Societe Generale, BNP Paribas.
Da somit die Kosten für die von Griechenland benötigten Kredite weiter steigen, die Absicherungen laufen ja über Credit Swaps und die steigen munter weiter in die Höhe, weil das Risiko der Fäulnis des Kredits steigt, gibt es kaum noch Kredite für Griechenland.

Die Banker, in deren Besitz sich derartige Swaps befinden, hoffen auf den Staatsbankrott, weniger allerdings die Commerzbank, denn deren Tochter Eurohypo hat jede Menge Griechenlandanleihen in den Tresoren und schon gar nicht die Pleitebank Hypo Real Estate, auch diese mit Griechenlandanleihen gut eingedeckt.

Obwohl Frau Merkel im September 2008 nach Ausbruch der Weltfinanzkrise Privatunterricht durch Deutschbanker Josef Ackermann erhielt, und dabei auch über die toxischen (Herr Ackermann würde eher sagen segensreichen) Credit Default Swaps aufgeklärt wurde, ist bisher nichts unternommen worden, um diese Zug um Zug zu verbieten oder wenigstens unter Kontrolle zu halten. Nicht einmal über Clearinghäuser müssen sie laufen, sondern werden nach wie vor unkontrolliert über den Tresen gehandelt.

Die nächste Krise kommt bestimmt
Und so ist die nächste Finanzkrise eigentlich wohl nur eine Frage der Zeit, Griechenland macht da offenbar nur den Anfang.
In der Warteschlange stehen schon Irland, Spanien und Italien.

Den anderen EU Staaten, insbesondere Deutschland, bleibt gar nichts anderes übrig, sie müssen Griechenland weiter kreditwürdig halten, notfalls durch Kreditgarantien.

Gleichzeitig will man aber den Einsatz so gering wie möglich halten. Also werden Griechenland die Daumenschrauben angelegt und dann angezogen. Die Griechen sollen die Zeche bezahlen. Dass die sich dagegen wehren, ist nur allzu verständlich.

Wie sagte doch Warren Buffett: Mit den Credit Default Swaps ist es wie mit der Hölle, man kommt leicht hinein, aber nur schwer wieder heraus.

Frau Merkel und ihre Crew haben noch nicht einmal den Einstieg in den Ausstieg begonnen. Die streiten sich stattdessen darüber, wie man den Hartz IV Empfängern am besten das Fell über die Ohren ziehen kann.

linkDefault Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
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Wirtschaftskrise

Kämpft, kämpft, kämpft — Gegen Obamas Bankenpläne

Dr. Alexander von Paleske — Im Jahre 1972 motivierte der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll im Rahmen der sozialdemokratischen Wählerinitiative die SPD-Genossen mit den Worten: „Kämpft, kämpft, kämpft Genossen, gegen die gottlosen Industriemilliarden“ (Peter Merseburger, Willy Brandt 1913-1992, S. 653)

Damals hatten sich führende Industrielle zur Unterstützung der CDU gegen den höchst populären SPD-Friedenzkanzler Willy Brandt und für die CDU unter Rainer Barzel zusammengeschlossen.

Jetzt sind Slogans ganz anderer Art aktuell, die an die dahintreibende Regierung Merkel/Westerwelle gerichtet sind, und etwa so lauten dürften: Kämpft, kämpft, kämpft für die (gottlosen) Bankenmilliarden und gegen Obamas Pläne zur Eindämmung der Bankenspekulation.

Obama zeigt die Zähne
Vorgestern hatte der US Präsident den Bankern die Zähne gezeigt, nicht zum ersten Mal.
Sein Plan sieht so aus, dass in Zukunft mit dem Geld der Sparer nicht mehr das grosse Spekulationsrad gedreht werden kann.

Bisher hatten die Banken die bei Ihnen untergebrachten Gelder rücksichtslos für Spekulationen im Grossmasstab einsetzen können, am schlimmsten in der Form der Collateralized Debt Obligations (CDO’s) und Credit Default Swaps (CDS’s) aber auch der Zinsswaps.

Dem will Obama nun einen Riegel vorschieben. In Zukunft soll das hinter dem Wort „Investmentbanking“ verborgene Spekulationsgeschäft der Banken nicht mit dem Geld der Sparer laufen. Zu diesem Zweck müssen die Banken aufgespalten werden, in konventionelle Banken einerseits und Investmentbanken andererseits. Wer also in Zukunft sein Geld bei einer Bank einbringt, der soll sicher sein, dass dieses Geld nicht in einer hochspekulativen Wette landet.

Wer umgekehrt das Geld bei einer Investmentbank unterbringt, der ist sich der Risiken bewusst. Sein Geld landet im Casino.

Bisher konnten also die Banken, in Deutschland allen voran die Deutsche Bank, mit „fremdem“ Geld „ins Casino gehen“ und die etwa erzielten exorbitanten Gewinne einstreichen, in Form von Ausschüttungen an die Aktionäre oder in Form von Boni an die Investmentbanker.

Und dicke Boni werden bereits wieder ausgeschüttet, in den USA aber nicht nur dort, und dies, nachdem diese „Spielcasinos“ die gesamte Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht hatten und ein Kollaps nur durch Milliardenzahlungen an die Banken verhindert werden konnte. Milliardenzahlungen, die den Steuerzahler teuer zu stehen kamen und noch kommen.

Kurssturz und Geschrei der Banker
Die Antwort auf Obamas Pläne kam prompt: Am Donnerstag und Freitag mit dem Absturz der Bankaktien an allen internationalen Börsen .

Aber nicht nur das, lautstark meldete sich gestern Deutschlands Bundesverband deutscher Banken (BdB) zu Wort und griff die Pläne Obamas an. Sie würden nicht zu einer Stabilisierung des Finanzsystems führen, sondern die Performance nicht nur der der Banken sondern der gesamten Wirtschaft einschränken.
Statdessen solle man den Finanzmarkt besser beobachten und notfalls dann einschreiten.

25% – mindestens
Die Deutsche Bank peilt für dieses Jahr wieder eine Rendite von 25% an, geradezu abenteuerlich, gemessen an der Entwicklung der Gesamtwirtschaft . Nur durch Spekulation im Grossmasstab lässt sich das erreichen.

Auch Deutsche Bank Chef Josef Ackermann meldete sich deshalb gleich zu Wort, weil er wohl seine Felle fortschwimmen sieht:

I believe the proposals to split up banks or to limit their size or their range of activities are misguided.

Leicht kommt man in die Hölle
Dabei sind die geplanten Massnahmen Obamas noch völlig unzureichend. Insbesondere das Problem der Credit Default Swaps, die seinerzeit eine der Hauptursachen für die Weltfinanzkrise waren, ist bisher in keiner Weise angepackt.

In der Abteilung „Derivate“ befindet sich immer noch die unvorstellbare Summe von 50.000 Milliarden Dollar, vor der Finanzkrise waren es 64.000. Milliarden. Also keine signifikante Aenderung (H. Buchter, DIE ZEIT 17.12.2009 S.27)

Es gilt, was der US-Investor Warren Buffett über sie sagte: Mit den Derivaten ist es wie mit der Hölle, man kommt leicht in sie herein und nur schwer wieder heraus. Bereits im Jahre 2002 hatte er sie als finanzielle Massenvernichtungsmittel angeprangert.

Wenn es nach den Banken geht, dann soll sich wenig ändern, damit alles beim Alten bleibt. Damit – in Abwandlung eines alten Bundesbahn -Slogans: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat selbstverständlich keinerlei wirklich durchgreifende Pläne in der Hand. Orientierungslos und immer noch mit erbärmlichen Fragen wie „Steuerersenkung ja oder nein“ bzw. mit Vergünstigungen für die Hotelunternehmer beschäftigt, spielen die wirklich zu lösenden globalen Finanzmarktprobleme offenbar keine Rolle.

Am Montag findet ein Treffen in London statt.. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt.

Im Zweifelsfall werden die bei der nächsten Krise anfallenden Verluste – die jetzige Krise ist dabei noch keineswegs vorbei – eben wieder sozialisiert, sofern das überhaupt noch geht..

linkDefault Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
linkVor einem Jahr: Lehman-Pleite am 15.9.2008 und Beginn der Weltfinanzkrise
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linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale
linkDie Finanzkrise, Casinos und Zockerchips
linkDie Krise am Finanzmarkt und Swaps

Und zu Josef Ackermann und Swaps aus der Abteilung Satire:
Deutschbanker Ackermann schreibt an CSU-Seehofer
Horst Seehofer antwortet Josef Ackermann
Deutschbanker Ackermann stoppt Swapserei mit Kommunen?

Wirtschaftskrise

Verlustbank BayernLB zahlt weiter: Noch eine Milliarde Euro an die Hypo- Alpe

Dr. Alexander von Paleske – — 13.11.2009 — Während Unternehmen wie Quelle mit Tausenden von Beschäftigten in die Insolvenz müssen, und anschliesssend dicht gemacht werden, gilt dies für Banken nicht. Nunmehr nicht einmal für ausländische Töchter deutscher Banken, wie z.B. die österreichische Hypo-Group Alpe Adria, besser als Skandalpe zu bezeichnen oder „Fass ohne Boden Bank“.

Nachdem die Staatsanwaltschaft im vergangenen Monat Hausbesuche in beiden Banken vornahm – es besteht der Verdacht der Untreue – kamen in dieser Woche neue rote Zahlen auf den Tisch: Die Hypo-Alpe hat einen erneuten massiven Verlust eingefahren, mehr als je zuvor: Diesmal deutlich mehr als als eine Milliarde Euro.

Aber anders als das Versandhaus Quelle, gibt es keine Insolvenz, sondern die BayernLB spielt den unerschütterlichen Zahlmeister – dank Steuergeldern.

Zur Erinnerung:
Im Jahre 2007 kaufte die Bayern LB die Mehrheit der Aktien der damals bereits skandalumwitterten Hypo Alpe Adria Bank für 1,6 Milliarden Euro.

Im Dezember gleichen Jahres waren weitere 441 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung und im Dezember 2008 weitere 699 Millionen fällig..

Nun ist eine weitere Kapitalerhöhung von „deutlich“ mehr als einer Milliarde Euro anstehend, um die Verluste in Südeuropa auszugleichen. Zahltag: 10. Dezember 2009.
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Dabei handelt es sich um Kapitalerhöhungen der besonderen Art: Sie bringen nämlich auf absehbare Zeit keinerlei nennenswerte Dividende.
Der Grund: Die österreichische Hypo Alpe hatte eine so geringe Kapitaldecke, dass sie Im Dezember 2008 unter den Bankenrettungsschirm des austrischen Staates schlüpfen musste. Der österreichische Staat überwies 950 Millionen Euro, verlangte aber im Gegenzug die Ueberweisung von Dividendenzahlungen an sich, sofern überhaupt welche anfallen.

Und in vier Jahren muss die Hypo-Alpe und damit die BayernLB den Betrag voll zurückzahlen.

Keine schwarzen Zahlen in Sicht
.Aber vorläufig stehen ohnehin keine schwarzen Zahlen auf der Tagesordnung.
Der Vorstand der BayernLB, Michael Kemmer, erklärte gestern, man werde mit den anderen Anteilseignern reden, also, mit dem Land Kärnten und der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Die sollen sich nach dem Willen der Bayern LB an der Kapitalerhöhung zu beteiligen.

Aber die denken selbstverständlich gar nicht daran. Hatte doch der seinerzeitige bayerische Finanzminister Faltlhauser bei den Verkaufsverhandlungen im Jahre 2007 sich schriftlich ausbedungen, dass die BayernLB jegliche Kapitalerhöhung alleine schultert. Man wollte so Zug um Zug die Bank ganz übernehmen.

Dieses Ziel dürfte nun bald erreicht sein, aber wohl anders, als man sich das von Seiten der Bayern LB seinerzeit vorgestellt hatte: vor allem einschliesslich der Schuldenlast.

In den Büchern der Bayern LB steht die Hypo-Alpe als Aktivposten mit einem Wert von 2 Milliarden Euro.
Dieser Fiktivwert passt gut in die gerade angelaufene Faschingssaison.

linkHypo Alpe Adria und BayernLB – Haben die Flick -Erben mitverdient?
linkHypo-Alpe-Adria-Bank – vorwärts abwärts
linkVon Milliardengrab zu Milliardengrab: BayernLB-Tochter Hypo- Alpe Adria hat neuen Vorstand
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale
Neues von der Hypo-Alpe und aus der Meinl-Welt“
Wolfgang Kulterer – vom „erfolgreichsten Bankmanager“ zum bestraften Bilanzfälscher
linkInvestmentbank Luxembourg (IBL) und der Air-Holland-Skandal
linkNeues von den Finanzskandalen, BayernLB, Hypo Alpe, Meinl
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.
linkJörg Haiders Hypo-Alpe (Skandalpe) auf dem Balkan
Kroat-Rechts-Rocker Marko Perkovic und die Hypo-Alpe-Adria Bank
linkEin kroatischer Rechtsrocker und die „Junge Freiheit“ in Deutschland
Kroatiens Rechts-Rocker Marko Perkovic – im Ausland unerwünscht
BayernLB – Verlustbank, Problembank, Skandalbank, Albtraumbank
BayernLB – Vom stolzen Adler zum „gerupften Suppenhuhn“
BayernLB-Tochter Hypo-Alpe, Bilanzfälschung und eine Frau mit Zivilcourage
linkRepublik Oesterreich – Finanzskandale ohne Ende
linkBayernLB, Hypo Group Alpe Adria und kein Mangel an Skandalen
Finanzkrise, Bankenkrisen, Kleinanlegerbetrug – Hat die Finanzaufsicht BaFin versagt?
Finanzgauner, ihre Opfer und die BaFin

Wirtschaftskrise

Vor einem Jahr: Lehman-Pleite am 15.9.2008 und Beginn der Weltfinanzkrise

Dr. Alexander von Paleske – War da was? Der Deutsche Aktienindex DAX schon wieder über 5400 Punkten, die Talsohle der Krise offenbar erreicht, die Deutsche Bank schreibt schon wieder Milliardengewinne.

Eine rhetorische Frage, denn schliesslich handelte es sich um die schwerste Finanz-und Wirtschaftskrise weltweit seit 1929 und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland werden in ihrer vollen Wucht erst in den nächsten Monaten zum Tragen kommen. Dann nämlich, wenn in grossem Umfang Kurzarbeiter entlassen werden.

Ausserdem halten sich angeblich Firmen mit Entlassungen vor den anstehenden Bundestagswahlen zurück, um damit die Chancen einer schwarz-gelben Regierung zu verbessern, wie die Financial Times Deutschland berichtete.

Aus den USA haben wir schon ein paar Zahlen, was die Krise gekostet hat:

– 5 Millionen Arbeitsplätze vernichtet

– 1 Million Häuser zwangsversteigert

– 26 Billionen Dollar an Ersparnissen vernichtet

– Der gleiche Betrag noch einmal in die Wirtschaft
gepumpt, um einen weiteren Absturz zu verhindern.

War sonst noch etwas?
Ja natürlich, dass die Politiker unisono erklärten, von der Krise überrascht worden zu sein. Das erstaunt, denn es gab ja einige Warnungen und genügend Warnhinweise nach der Subprimekrise, , u.a. haben auch wir hier mehrfach auf die bevorstehende Weltfinanzkrise hingewiesen.

Dann dass Frau Merkel sie zunächst einmal für ein rein US-amerikanisches Phänomen hielt, mit dem man selbst eigentlich gar nichts zu tun habe.

Dass beim ersten Rettungsversuch der Hypo Real Estate Worte fielen wie , „das dürfe sich aber auf gar keinen Fall wiederholen“. Und dass die Staatsbank KfW noch schnell 300 Millionen an die Lehman-Bank nach deren Pleite überwies – Peanuts in der Bankensprache.

Mittlerweile sind aus diesem ersten goldenen Rettungsanker für die HRE von 30 MilliardenEuro mehr als 100 Milliarden geworden – nur für die HRE alleine.

Die Gesamtstaatsverschuldung Deutschlands beträgt mittlerweile 1,65 Billionen Euro und wird weiter ansteigen, um mindestens 100 Milliarden Euro bis zum nächsten Jahr.

Selbstmorde als Folge
Das Elend, das in jeder Arbeitslosigkeit steckt und das in einigen Fällen zum Selbstmord der Betroffenen führen kann lässt sich in den oben genannten Zahlen kaum ausdrücken..

Am Montag hat der Vorsitzende des Nationalen Suizid-Praeventionsprogramms, Armin Schmidtke, aber darauf aufmerksam gemacht. Zwar nicht aus Deutschland, aber aus Frankreich lägen bereits diesbezügliche Suizid-Zahlen vor.

Nun hat die hochangesehene Medizinzeitung LANCET in ihrer Ausgabe vom 25.7.2009, (Vol. 374 Seite 315ff) eine Studie von Davis Stuckler et al. von der Universität Oxford veröffentlicht, in welcher diese vemuteten Zusammenhänge belegt werden. Als Beobachtungszeitraum diente ihnen die Zeit von 1970-2007, damit war die jetzige Krise natürlich noch nicht erfasst. Für die jetzige Krise erwarten sie schlimmere Auswirkungen, da abrupt einsetzend und tiefer gehend.

Ihre Schlussfolgerungen sind:

Rises in unemployment are associated with significant short term increases in premature deaths.

Wobei sich dann noch herausstellte, dass in Ländern, in denen gute soziale Programme bestehen, die auch die psychosozialen Folgen der Arbeitslosigkeit abfedern, wie beispielsweise in Schweden und Finnland, ein derartig deutlicher Anstieg der Selbstmordrate nicht zu verzeichnen war.

Wer kann zur Verantwortung gezogen werden?
Damit stellt sich automatisch auch die Frage, was haben eigentlich die Casino-Banker, die sich gerne Investment Banker nennen, strafrechtlich zu befürchten. Sie waren es ja, die mit dem Derivate-Handel, insbesondere den Credit Default Swaps, ganz erheblich zum Entstehen der Finanzkrise und ihr folgend der Wirtschaftskrise beigetragen haben?

Ich richtete diese Frage an den ehemaligen Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft, Generalstaatsanwalt a.D. Dr. Hansjürgen Karge im Rahmen eines Interviews vor wenigen Wochen.

Frage: Kommen wir auf die sich verändernde Kriminalität zu sprechen. Nun haben wir ja eine Finanz-und Wirtschaftskrise , die zum Teil durch verantwortungsloses Verhalten sprich: Zockerei ausgelöst wurde, mit enormen Schäden für die Wirtschaft mit konsekutiver Arbeitslosigkeit. Mit Schäden, die letztlich von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen, die aber, sofern man das jetzt beurteilen kann, meist nicht als strafbares Verhalten eingestuft werden können, auf der anderen Seite aber Tagediebe im Rückfall zu erheblichen Strafen verurteilt werden.
Führt dieses diskrepante Vorgehen, das aber den Strafgesetzen entspricht, nicht zu einer massiven Erschütterung des Vertrauens in Justiz und Staat?

Antwort: Doch, ich sehe das auch so, die Leute sind verzweifelt und geraten neben Verzweiflung in Zorn, wenn sie sehen, je höher man sitzt, und je weiter man agieren kann, und je mehr Geld man hat, umso mehr wird man von der „Eierdieb-Verfolgung“ der Staatsanwaltschaft verschont.
Man muss nur sich darüber im klaren sein, dass das Problem sich durch nationale Staatsanwaltschaften allein nicht mehr lösen lässt.
Das ist ein internationales Problem und internationales Ueberwachungsproblem. Ich bin sehr dafür, dass man nicht versucht, dies mit örtlichen Staatsanwaltschaften auf dem Lande zu verfolgen, sondern dass man die ja vorhandenen Kontrollmöglichkeiten, die nicht genutzt wurden, von denselben Staaten, die jetzt auf die Banker schimpfen, dass man diese Ueberwachungs- und Kontrollmöglichkeiten ausnutzt und wenn dann jemand dagegen verstösst, dann kann ihn auch die Staatsanwaltschaft verfolgen.

Dem kann man nur zustimmen.

Das vollständige Interview hier.

Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?
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Wirtschaftskrise

Noch mehr Milliarden Euro Bürgschaften oder: Vorwärts mit der IKB

Dr. Alexander von Paleske – — 5.7. 2009 — In den letzten Tagen kamen zwei Nachrichten über den Ticker, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben:
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Meldung 1 – Der Bundestag beschliesst eine Intensivierung der Finanzaufsicht.

Meldung 2 – Die Industriekreditbank IKB braucht und bekommt vom Bund eine Erhöhung der Bürgschaften um 7 Milliarden auf nunmehr insgesamt 12 Milliarden Euro

Und doch haben beide Meldungen sehr viel miteinander zu tun.

Die IKB war eine Art Ableger der Staatsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) , die zuletzt mehr als 90% Anteile hielt.

Zweck der Bank war und ist die Gewährung von Krediten an den Mittelstand.

Das lief viele Jahre so, bis die Bank das ganz grosse Rad drehen wollte, sprich Spekulation mit Immobilienderivaten, auch CDO’s genannt.

Da dies aber mit dem eigentlichen Zweck der Gesellschaft nicht vereinbar war, wurden sogenannte Zweckgesellschaften gegründet, die unter wohlklingenden Namen wie Rhineland Funding Capital, Rhinebridge, Conduit Rhineland Funding und anderen in grossem Umfang Immobilienschrott in den USA einkauften.

Aber nicht nur in den USA, sondern als die Deutsche Bank diesen Schrott paketweise in weiser Voraussicht, was da kommen würde, aus den Tresoren warf, da fand sie in der IKB mit ihren Zweckgesellschaften einen dummen Abnehmer.

Um diese Käufe zu ermöglichen räumte die IKB diesen wohlklingenden Töchtern satte Kreditlinien ein. So zum Beispiel für die Conduit Rhineland 8,7 Milliarden Euro.
Das alles hatte mit der Mittelstandsfinanzierung natürlich überhaupt nichts mehr zu tun.

Rien ne va plus – Nichts geht mehr
Im Juli 2007 war es dann vorbei, 10 Milliarden Euro Schulden waren angelaufen. Im normalen Geschäftsleben wäre der Konkurs fällig gewesen, oder, wie es modern heisst, die Insolvenz.

Aber die Bank durfte ja nicht pleitegehen, da sie als „zentral für das Wirtschaftsleben“ angesehen wurde.

Also begann jetzt die Aktion „Euro-Pumpe“. Als Pumpenmanager: Vorwiegend der Bund
Immer mehr Geld wurde in die Bank gepumpt. Hier die Details:

– November 2007 Risikogarantie der Banken über 350 Millionen Euro

– Jamuar 2008 Wandelschuldverschreibung der Mutter KfW über 54 Millionen Euro

– März 2008 Bundesverband der Banken spendiert 300 Millionen

– März 2008 KfW gibt 1,03 Milliarden Euro, durch den Bund abgesichert.

– März 2008 Verstecktes Darlehen über 1,25 Milliarden Euro, als „Kapitalerhöhung“ getarnt, von der KfW allein gezeichnet – wer hätte auch sonst diesen wertlosen Schrott gekauft

Nach der „Euro-Pumpe“: Weg mit Schaden
Nach der Aktion „Euro-Pumpe“ kam jetzt die Aktion „Weg mit Schaden“, der Verkauf an eine „Heuschrecke“, mit dem Namen „Lone Star“ , gemessen an den Geldbeträgen für die Aktion „Euro-Pumpe“ zu einem Trinkgeld nämlich läppische 137 Millionen Euro.

Aber wer glaubte, dies sei das Ende, der sollte sich täuschen. Schliesslich ist Lone Star kein Wohltätigkeitsverein. Also jetzt erst einmal die Abfallbeseitigung.

Weiteren risikobehafteten Wertpapierschrott im einstmaligen Anschaffungswert von 600 Millionen Euro musste die KfW noch vorher in die eigene Abfalltonne umpacken.

Dann wurde eigens eine Abfallbeseitigungsgesellschaft von der KfW als Zweckgesellschaft gegründet, die den Rest-Wertpapiermüll entsorgte – durch Einlagerung.

Die bis dato grösste Wertpapier-Abfall-Beseitigungsaktion. Sozusagen das Vorspiel zur Causa der Hypo Real Estate.

Wer nun gedacht hatte, jetzt ist aber Schluss, der lag schief. Denn die Bank hatte ja nun kein Geld zum Verleihen an den Mittelstand mehr, und musste sich das Geld auf dem Kapitalmarkt borgen.
Nur, dieser Bank hätte niemand Geld geliehen.

Also musste der Bund wieder ran. 5 Milliarden Euro Kreditbürgschaft diesmal.

Aber auch das reichte nicht, also nun weitere 7 Milliarden Kreditbürgschaft, macht zusammen 12 Milliarden Euro.
So, wer glaubt, nun seien wir endlich am Ende, der mag sich erneut täuschen.

Was hat die BaFin damit zu tun?
Die Antwort lautet: Sie hätte das alles verhindern müssen und können, eingreifen müssen und können, , stoppen müssen und können, warnen müssen und können, als noch Zeit dazu war.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Bis zum bitteren Ende nannte die BaFin die IKB „unproblematisch“.Ein Schnarchverein hätte wohl nicht erheblich schlechter arbeiten können.

Wer solche Böcke schiesst, der sollte eigentlich nicht weitermachen . Eigentlich.

Der „Dampfplauderer“ Jochen Sanio, verkündete einstmals vollmundig : „Die Bafin wird beissen, solange ich Präsident bin“ das war – noch gar nicht lange ist’s her – im Jahre 2002.

Nichts davon. Unordnung und Betrug im eigenen Haus, Versagen beim Schutz von Kleinanlegern (siehe Phoenix, siehe Göttinger Gruppe, siehe DM-Beteiligungen, siehe Wohnungsbaugessellschaft Leipzig West, siehe AMIS u.v.m) , wir berichteten ausführlich darüber.

Es ist Zeit für einen Neubeginn
Nun hat zwar der Bundestag der BaFin mehr Rechte eingeräumt, aber wer nicht in der Lage war, den bisherigen Rahmen voll auszuschöpfen, der braucht zunächst einmal nicht mehr Rechte, sondern besseres Personal.

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Wirtschaftskrise

Die Arbeitslosenrate steigt, die Zockerei mit Swaps geht weiter

Dr. Alexander von Paleske – Nach der Weltfinanzkrise hätte man erwarten dürfen, dass unverzüglich gehandelt würde, um der Zockerei , insbesondere mit Credit Default Swaps (CDS), ein Ende zu bereiten oder wenigstens scharfe Kontrollen zu etablieren, gerade auch in Europa.

Die neuesten Meldungen zeigen jedoch genau das Gegenteil.

Wir haben uns in mehreren Artikeln mit diesen finanziellen „Massenvernichtungswaffen“ wie der Grossinvestor Warren Buffet sie bereits im Jahre 2002 bezeichnete, beschäftigt.
Nun ist die weltweit steigende Staatsverschuldung offenbar ein neuer Casinotisch, wo gezockt wird, was das Zeug hält, unkontrolliert versteht sich.

Zocken bis die nächste Krise kommt
Was hat die Staatsverschuldung mit Zocken zu tun und wie kann man aus der Staatsverschuldung Geld machen?

Die Antwort ist einfach: Während vor der Finanzkrise es einzelne Betriebe waren, wie zum Beispiel der US-Autozulieferer Delphi, dessen Kredite bzw Anleihen versichert wurden, sind es mit der globalen Finanzkrise Anleihen von Staaten, die nun versichert werden.

Der Hintergrund ist die enorm ansteigende Staatsverschuldung vieler Länder, um die Finanzkrise in den Griff zu kriegen. Und diese Staatsverschuldung macht dann aus vormals sicheren Staatsanleihen Wackelkandidaten. Und wo etwas wackelig ist, da kann gewettet werden. So könnte man das etwas vereinfacht umschreiben.

Versichert werden die Anleihen bzw. Kredite an diese Länder und im Fall der Pleite, bzw. Nichtbedienung, Island lässt grüssen,, ist dann der Versicherungsfall eingetreten.

Aber diese Kredite werden ja nicht nur versichert sondern auch überversichert, teilweise dutzendfach.
Und was ist schöner, als wenn man nicht auf den Versicherungsfall warten muss, sondern ihn durch aktives Handeln befördert, z.B. durch plötzliches Abdrehen des Kredithahns, Ausstreuen von Gerüchten etc.

Insbesondere für Hedgefonds, aber nicht nur für sie, könnte der Eintritt des Versicherungsfalls durchaus vorteilhaft sein. Der Verlust von Arbeitsplätzen interessiert hier niemanden. Raubtierkapitalismus ein anderes Wort dafür.

Es sind nicht selten diese Fonds, die auf der Insolvenz eines Unternehmens bestehen und nicht auf der Fortführung unter Zugeständnissen der Kreditgeber.

Die Staaten, welche als unsichere Kantonisten eingestuft werden sind nach Angaben der FTD: Ukraine, Venezuela, Lettland, Litauen, Kasachstan, Rumänien, Agentinien, Bulgarien aber auch der Kalifornien, der US Bundesstaat, in dem der Terminator Schwarzenegger Gouverneur ist und Dubai.

Wo es Gewinner gibt und keine win-win Situation besteht, und die gibt es nunmal bei Wetten nicht, da muss es ergo auch Verlierer geben.
Wer letztlich die Verlierer sind, das hat die Weltfinanzkrise nur allzu deutlich gezeigt: Es sind die Bürger, die letztlich die Zeche bezahlen müssen, durch Arbeitsplatzverlust, Einkommensverlust und schliesslich Steuererhöhungen..

Und so warnte jüngst der US Investor Soros erneut: „CDS sind Instrumente der Zerstörung… Der Handel mit ihnen sollte verboten werden.“

Und auch Warren Buffett bezeichnete in seinem Jahresbericht für seinen Hathaway-Fund die CDS erneut als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“.

Aber es darf weitergezockt werden, als sei nichts geschehen.

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Wirtschaftskrise

Gipfel in London – ohne die Länder der Dritten Welt

Dr. Alexander von Paleske – Am 2. April findet in London der Weltwirtschaftsgipfel, auch G20 genannt statt. Diesmal vor dem Hintergrund der schwersten Wirtschafts-und Finanzkrise seit dem 2. Weltkrieg.

Beschlüsse, die dort gefasst werden, betreffen aber auch Millionen von Menschen , die auf dem Gipfel praktisch nicht vertreten sind: Die Länder der Dritten Welt.

Eingeladen sind neben den führenden Industrienationen ein paar sogenannte Schwellenländer, dann noch der thailändische Ministerpräsident für die ASEAN Staten und der äthiopische Präsident für einen ganzen Kontinent, für Afrika. Der Rest bleibt aussen vor. Noch nicht einmal am Katzentisch dürfen sie Platz nehmen.

Auch bei den grossen Demonstrationen in Europa gegen den Gipfel fielen sie weitgehend unter den Tisch.
Dabei sind es gerade diese Länder, die bereits jetzt durch fallende Rohstoffpreise am stärksten von der globalen Finanz-und Wirtschaftskrise betroffen sind. Für sie geht es dabei um das nackte Ueberleben, bildlich gesprochen.

Aber auf dem Gipfel geht es nicht um die Weltbevölkerung, sondern darum, wie die führenden Industrienationen möglichst so weitermachen können, ohne grössere Blessuren zu erleiden.

Auch die Volksrepublik China, selbst einst Land der dritten Welt, vertritt deren Interessen nicht. Eher vertritt es die Schwellenländer.
Allerdings dürfte China auf dem Gipfel eine erheblich bedeutungsvollere Rolle spielen, als bisher, auch wenn die Süddeutsche Zeitung am vergangenen Freitag in einem Kommentar meinte, dass China ein Teil des Problems sei, aber nicht seine Lösung, gemeint ist die Finanzkrise. Eine krasse Fehleinschätzung

Kapitalflucht und Verfall der Rohstoffpreise
Die Länder der Dritten Welt sind in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise von einer massiven Kapitalflucht und einem Verfall der Rohstoffpreise betroffen.
Anders als die Industrienationen können sie wegen ihrer dünnen Kapitaldecke keine Garantien und Milliardenbeträge zur Stützung von Banken und damit Börsen abgeben.

Diese Kapitalflucht aus der Dritten Welt wurde von den Regierungen der Industrienationen noch gefördert, wie George Soros, Spekulant und Philantropist, der immer wieder vor der Finanzkrise gewarnt hatte, in einem Interview mit der Financial Times beklagte.
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Soros ist einer der ganz wenigen, der die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Länder der Dritten Welt überhaupt thematisiert. Er fordert, dass der Internationale Währungsfond IMF die Länder der Dritten Welt vor einem Sturm bewahren müsse, der in den Industrienationen geschaffen wurde.

Der internationale Währungsfond, IMF, müsste kapitalmässig massiv aufgestockt werden, um Kredite an Dritte Welt Länder zur Verfügung zu stellen.

Aber die Industrieländer pumpen ihr Geld in marode Finanzinstitutionen wie die AIG in den USA und die Hypo-Real – Fass-ohne-Boden- Bank in Deutschland. Letztere hatte in der vergangenen Woche wieder mal ein neues Finanzloch entdeckt, nicht das erste und sicherlich nicht das letzte und erneut Milliarden Euro-Finanzbedarf bei der Bundesregierung angemeldet.

Aber selbst wenn es gelingen würde, was noch sehr fraglich ist, nämlich das Finanzsystem zu stabilisieren, so würden es die Länder der Dritten Welt schwer haben, an Kredite zu kommen, weil sie Sicherheiten nicht bieten können.

Im übrigen hat bisher lediglich China angekündigt, dem IMF 100 Milliarden US Dollar zur Verfügung zu stellen. Von den USA kommen hingegen nur laue Worte.

Was wird der Gipfel letztlich bringen?
Einige Massnahmen werden auf dem Gipfel beschlossen werden, die eine stärkere Aufsicht der Finanzmärkte zur Folge haben sollen. Einigen Hedgefonds dürfte dabei Luft ausgehen. Das alles dient aber mehr der Beruhigung der überall kochenden Volksseele, eine substantielle Aenderung ist das nicht.

Wenn man sieht, wie nicht nur in den USA sondern international und auch gerade auch in Deutschland die Finanzaufsicht versagt hat – wir berichteten ausführlich über das Versagen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin samt ihrem Präsidenten und ”Dampfplauderer“ Jochen Sanio – dann kann man diesem Massnahmenbündel nur ein müdes Kopfschütteln abgewinnen.

Zu wirklich durchgreifenden Massnahmen , zu denen auch und gerade das Verbot der Derivate insbesondere der Credit Default Swaps (CDS) gehören müsste und einen sofortigen Stopp jeglicher Zahlungen darauf , wird sich der Gipfel wohl nicht durchringen können.

Im Gegenteil. Barack Obama lud am vergangenen Freitag die Wall Street Elite zu sich ein, also die Damen und Herren, die für den Super-Finanz-Gau Verantwortung tragen. Nicht um mit ihnen Tacheles zu reden, sondern zum netten Schnack, getreu dem Motto: Wir werden nicht im Zorn regieren können.

Kein Abschied von den Derivaten
Bereits vor einem Jahr hatte der Wirtschaftsprofessor und Nobelpresitrager Stiglitz festgestellt „Die Menschheit hat 2000 Jahre ohne Derivate gelebt, sie kann auch in Zukunft wieder ohne sie auskommen“

Zu welchen Absurditäten die Weiterzahlung aus den Derivaten führt, das zeigten die Zahlungen der AIG an die Deutsche Bank in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar, bereitgestellt von der US Regierung.
Es handelte sich um Credit Default Swaps, sogenannte Kreditversicherungen.
Da diese Kredite oftmals ohne Bonitätsprüfung im Hinblick auf eine Kreditversicherung dann ausgegeben wurden, sollte hier das einfache Prinzip des Mitverschuldenes im Schadensfall wie im Versicherungsrecht Platz greifen. Bis zur völligen Leistungsfreiheit des Versicherers.

Stattdessen heisst es „Pacta sunt servanda“ Verträge müssen eingehalten werden – komme was da wolle muss man jetzt noch dazusetzen.

Die Regierung der USA hat sich nun entschlossen, alle diese toxischen Produkte aufzukaufen, um damit die Banken von ihren Zockerverlusten zu entlasten. Ein Freispruch erster Klasse sozusagen nach der Zockerei.

Man muss kein Prophet sein, um Zweifel an einem längerfristigen Erfolg dieser Massnahmen zu haben. Aber sie erfreuen die Wall Street. Oder wie es Nobelpreisträger Professor Paul Krugman, der jahrelang wie Soros und Warren Buffett (vergeblich) vor dieser Krise warnte es in einfache Worte fasste „Cash for Thrash“ frei übersetzt würde das wohl heissen „Geld für Dreck“

So starren dann die Länder der Dritten Welt auf den Gipfel, auf dessen Verlauf und Beschlüsse sie keinerlei Einfluss haben.

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Wirtschaftskrise

Nach Konjunkturprogrammen und Bankenrettungsaktionen die Gelddruckerei?

Dr. Alexander von Paleske – 100 Milliarden für die Hypo-Real Estate, 30 Milliarden Euro für die Bayerische Landesbank und Betriebe wie Infineon, die ebenfalls nach Staatsknete Schlange stehen, ein Schrecken ohne Ende.

Wenn auch vieles unklar ist, jedem vernünftigen Menschen ist klar, dass es so nicht weitergehen kann, dass dies alles kein gutes Ende nehmen kann.

Bang und bänger stellt sich die Frage, ob diese Phantasiebeträge die wirtschaftliche Krise überhaupt aufhalten können. Und daran muss man mittlerweile erhebliche Zweifel anmelden.

Das Limit für die 3% Staatsneuverschuldung im Euroraum ist Makulatur. Frankreich ist bereits bei über 4% angekommen und in Kürze wird es in Deutschland angesichts der horrenden Ausgaben nicht anders sein.

Mit anderen Worten: die Stabilität spielt schon keine Rolle mehr, nunmehr ist jede Finanzspritze recht um den wirtschaftlichen Kollaps irgendwie aufzuhalten.

Und immer näher rückt die Aussicht, dass zur Finanzierung die Gelddruckpresse in Gang gesetzt wird. Eine Inflation mit allen ihren Folgen wie der Entwertung der Ersparnisse der Rentenzahlungen und des Geldvermögens würde auf dem Fusse folgen.

Die Bundesregierung klammert sich an die Hoffnung, dass der Schrecken irgendwann in diesem Jahr sein Ende findet, und dann wieder Normalität mit Wirtschaftswachstum sich einstellt. Das dürfte wohl eine ziemliche Fehleinschätzung sein.

Ein Blick zurück
Um die Dynamik zu verstehen, ist ein Blick zurück angebracht.
Im Mittelpunkt stehen wieder einmal die Derivate, die zwar nicht die zyklische Rezession, wohl aber deren unfassbare Ausmasse erst ermöglicht haben.

Die Finanzderivate, an deren erster Stelle die Credit Default Swaps, die praktisch als Versicherungen auf Kredite fungieren, haben eine extreme Verantwortungslosigkeit der Finanzinstitute bei der Kreditvergabe und damit eine massive Ausweitung der Kreditkunden zur Folge gehabt („man war ja versichert“) .

Nicht nur versichert wurden die Kredite, sondern gleichzeitig zum Teil zigfach überversichert, es gab ja gar kein Limit, wir berichteten darüber.

In diesen spekulativen Markt der Derivate, der auch wie gesagt, die Vielfachversicherung der Kredite,eine pure Zockerei, umfasste – im normalen Geschäftsleben als Ueberversicherung verboten, ist in den letzten 20 Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit „investiert“ worden, ein Markt mit einem Volumen von mittlerweile 64 Billionen Dollar, den wir als „Tollhaus“ oder „Casino unlimited“ seinerzeit bezeichnet hatten.

Der US Investor Warren Buffett bezeichnete die Credit Default Swaps bereits im Jahre 2002 als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“

Vor Beginn der Finanzkrise waren schliesslich nach Erhebungen der Ratingagentur Fitch 40% aller Kreditnehmer kreditunwürdig. Mittlerweile ist diese Zahl durch die Wirtschaftskrise weiter nach oben geschnellt.

Im Jahre 2002 also in der „“Frühzeit der Derivate“ waren es demgegenüber erst 8%.

Diese sorglose Kreditvergabe hatte zu einer erheblichen Marktvergrösserung, zu einer Vergrösserung der Absatzmärkte durch „Konsum auf Pump“ geführt, die Subprime Hypotheken in den USA sind das beste Beispiel dafür.

Mit der Kollateralisierung dieser unsoliden Hypothekendarlehen („subprimes“) durch Schaffung von zirkulationsfähigen Wertpapieren wurde die Spekulation mit diesen Papieren in einem nie gekannten Umfang angeheizt, ermöglichte den Banken Phantasiegewinne zu verkünden und die Investmentbanker zu den ungekrönten Königen im Bankbereich zu machen.
Alles „Kaisers neue Kleider“ wie wir jetzt wissen.

Megarezession als Folge
Das unvermeidliche Zerplatzen dieser Seifenblase musste notwendigerweise nicht nur eine zyklische Rezession auslösen, sondern eine Megarezession, die sich noch nicht einmal voll entfaltet hat.

Die ganzen nun aufgelegten Konjunkturprogramme zielen aber darauf, diesen Pump-Scheinmarkt weiter aufrechtzuerhalten, nach dem Motto „weiter so“ was einer Quadratur des Kreises gleichkommt.

Das Geld dafür will der Staat bereitstellen, sei es durch Steuererleichterungen, Einkaufsgutscheine und wie in den USA jetzt geplant, durch erweiterte Befugnisse der Konkursrichter, um eine Zwangsversteigerung der belasteten Häuser zu verhindern, vorhandene Zahlungsfähigkeit des Häuslebesitzers, zumindest im begrenzten Umfang, vorausgesetzt.

Dieses Stohfeuer soll dann so lange die Konjunktur wärmen bzw am laufen halten, bis die Konjunktur wieder voll angesprungen ist und dann alles wieder beim alten ist.
Man darf Zweifel anmelden, dass diese Chose läuft.

Welche Auswege?
„Lasst sie doch pleitegehen“„ fordert der Volkszorn für die Milliardengräber Hypo Real Estate und Bayern LB. Banken, die weit weniger als eine Milliarde Euro wert sind ist, aber mehr als 100 Millarden bzw. im Fall der Bayern LB 30 Milliarden Euro Kredit benötigen, um ans Ueberleben zu denken.

Das ist leichter gesagt als getan, denn dann würden nicht nur alle Verbindlichkeiten der Hypo-Real-Estate gegenüber anderen Gläubigern, vorwiegend ebenfalls Banken, sich in Luft auflösen, sondern auf einen Schlag die Swaps fällig werden, die auf den alten Krediten der Bank lasten.

Welche Folgen das hat, zeigt der Zusammenbruch der Lehman Brothers Bank nur allzu deutlich. Die Folgekosten unmittelbar und mittelbar würden bei weitem die jetzt bereit gestellten Gelder übersteigen. Also versucht die Bundesregierung mit allen Mitteln dieses Szenario zu verhindern. Ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust, den das Pleitegehen der Banken mit sich brächte, denn sofort würden in grossem Umfang Gelder auch von anderen Banken abgezogen, ein Dominoeffekt grössten Ausmasses wäre die Folge.

Also zahlt die Regierung und zahlt weiter und weiter und weiter , sie befindet sich in einer Art babylonischer Finanzierungsgefangenschaft

Globale Massnahmen erforderlich
Der vernünftige Weg wäre, international abgestimmte Massnahmen gegen die toxischen Finanzderivate zu treffen einschliesslich eines Moratoriums auf alle fälligen Zahlungen darauf.
Zunächst einmal zeitlich begrenzt, um in der Zwischenzeit zu langfristigen Lösungen zu gelangen.

Dies setzt eine grosse globale Koalition voraus, für deren Zustandekommen es offenbar an der nötigen Einsicht und Willenskraft fehlt.

Die USA müssten darüberhinaus ein Moratorium auf notleidende Hypothekenzinsen für eine begrenzte Zeit verkünden . In den USA stehen in den nächsten 4 Jahren 5 Millionen Häuser und Wohnungen zur Zwangsversteigerung an, weil die Eigentümer die Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen können.

Statt globaler Koalition versucht aber jede Regierung vor sich hinzuwursteln, ohne das Uebel bei der Wurzel zu packen. In Europa den USA und Japan durch Megakredite und direkte Zahlungen an notleidende Banken und Firmen, die vor einem Jahr noch unvorstellbar gewesen wären.

Allein in den USA wurden summa summarum mit dem am Donnerstag verabschiedeten Konjunkturprogramm in Höhe von 787 Milliarden in den letzten zwei Jahren 9,7 Billionen US Dollar bereitgestellt, um der Krise Herr zu werden. Ein Betrag, der ausreichen würde, um jedem Erdenbürger 1400 US Dollar in die Hand zu drücken, wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg feststellt.

Die Notenbank Federal Reserve allein stellte 3 Billionen US Dollar bereits bereit und weitere 5,7 Billionen in Aussicht.
Von den gesamten Riesenbeträgen wurden aber nur 1,7 Billionen von den Parlamentariern (Abgeordnete und Senatoren) verabschiedet. 8 Billionen werden ohne jegliche parlamentarische Kontrolle von der Notenbank Federal Reserve „gemanagt“.

Die Oeffentlichkeit weiss nicht genau wer, wann, wieviel bekam und bekommt und die Federal Reserve weigert sich, Namen und Zahlen zu nennen.
Dieser Betrag ist immerhin das 13- fache, was die USA an Kriegskosten im Irak und Afghanistan bisher gezahlt haben.

Allein für die Citibank, die nach ihrem Slogan nie schläft – citi never sleeps – jetzt kann man immerhin deren schlaflose Nächte verstehen, sind bereits 301 Milliarden bereitgestellt worden, bei der Bank of America immerhin schlappe 118 Milliarden US Dollar.

Da diesen Wahnsinnsbeträgen keine adäquate Wirtschaftsleistung gegenübersteht, wird wohl demnächst in grösserem Ausmass als bisher mit der Geldscheindruckerei begonnen werden, die Entwertung von Ersparnissen, Renten, Pensionen, Lebensversicherungen und von Geldvermögen wären dann die zwangsläufige Folge.

Auch Europa dürfte dann wohl mit einiger Verzögerung, bedingt durch die gemeinsame Währung, folgen.

Wesentlich schärfer trifft die Krise aber die Länder der Dritten Welt, die oftmals von dem Export von Rohstoffen leben und die nun wirklich keinerlei Verantwortung für das Entstehen der Wirtschaftskrise trifft.
Die Preise für Rohstoffe sind aber im Zuge der globalen Wirtschaftskrise, vom Gold einmal abgesehen, massiv gefallen, mit unmittelbaren katastrophalen Folgen für diese Länder.

E-Mail apaleske@gov.bw

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