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Huffington Post und seine Blogger-Zulieferer: Eine Zusammenarbeit endet vor Gericht

Dr. Alexander von Paleske — 14.4. 2011 —
Die werbefinanzierte US Internet-Tageszeitung Huffington Post, gegründet im Jahre 2005 von der umtriebigen Arianna Huffington, zieht mittlerweile 25 Millionen Besucher pro Monat an. Tendenz: weiter steigend.

Damit ist der Huffington Post etwas gelungen, was bisher keinem Internetauftritt von Tageszeitungen gelungen ist: ordentlich Geld zu verdienen. Der Grund: Wofür Medien bisher bezahlen mussten, nämlich die Artikel von Journalisten, das bekam die Huffington Post gratis.

Die Huffington Post erstellt die Artikel meist nicht selbst, abgesehen von Kommentaren, sondern bekommt sie angeliefert – kostenlos – von Bürgerreportern, Bürgerjournalisten, Bloggern und Prominenten, die sich freuen, wenn ihre Artikel und Bilder dort erscheinen. Jedenfalls bisher.

Die rund 200 von ihr angestellten Journalisten, darunter einige von renommierten Blättern wie der New York Times abgeworben, nehmen die kostenfreie Ware in Empfang, filtern Schwachsinn, Blödsinn und groben Unfug heraus, editieren, wenn nötig, und Juristen scannen die Beiträge auf Prozessverdächtiges, um es dann ggf. zu entschärfen bzw. rauszuwerfen.

Qual der Wahl – wie lange noch?
Die Zahl der Einsender ist riesengroß, die Huffington-Post-Leute können auswählen, auch Qual der Wahl genannt.

Das könnte sich jedoch bald ändern.
Das Wikipedia-Prinzip, nämlich kostenlos anzuliefern, funktioniert auf Dauer wohl nur, wenn der Verwerter ebenfalls von Altruismus getrieben ist, was ja nicht ausschließt, ein angemessenes Gehalt zu verdienen. Und davon sind wohl auch etliche der Artikel-Zulieferer ausgegangen.

Das sollte sich bei der Huffington Post jedoch als großer Irrtum erweisen.

Von Null auf 315 Millionen
Die HuffingtonPost wurde vor zwei Monaten an AOL für 315 Millionen US Dollar verkauft.
Von Null auf 315 Millionen in weniger als 6 Jahren. Wie schön.

Die Blogger, die mit ihren Beiträgen die Huffington Post erst zu dem gemacht haben, was sie heute ist, sehen allerdings von diesem Geld keinen Cent. Vorläufig jedenfalls . Der Verkaufserlös wandert ausschließlich in die Taschen von Arianna Huffington.

Verständlich, dass die Zulieferer sich hereingelegt fühlen, denn sie glaubten, dass die Huffington Post dem Modell Wikipedia näherstünde als den Geschäftsprinzipien eines Rupert Murdoch. Dass, nachdem die Huffington Post, wie zuletzt, Geld verdient, sie dann auch anteilig bezahlt würden. Mit einem Verkauf der Huffington Post hatte offenbar niemand gerechnet.

Dieser Irrtum könnte in Zukunft eine ganze Reihe von hochkaratigen Bloggern davon abhalten, der Huffington Post weiter zuzuarbeiten.

Endstation Gericht
Nun also hat der Blogger , Publizist und Gewerkschafter Jonathan Tasini die Huffington Post mit einer Class Action auf Zahlung von 105 Millionen Dollar verklagt.

Es wird sich zeigen, ob diese Klage Erfolg hat, man darf daran zweifeln. Wer statt einem schriftlichen Vertrag und ohne zumindest feste mündliche Zusagen auf das Prinzip Hoffnung setzt, dem steht bestenfalls ein Luftschloss zu – wenn überhaupt.

Auch in Deutschland gibt es erste Versuche seitens der Medien, sich kostenlos, oder zumindest billigst, Material zuliefern zu lassen, die Bild-Zeitung über die Leser-Fotos mithilfe der Vado-Kameras, der Internetauftritt der Wochenzeitung Die Zeit über Leserartikel.

Was fehlt – gerade auch in Deutschland – ist eine Internetzeitung wie die Huffington Post, aber als echte journalistische Plattform, welche verstreute anspruchsvolle Bloggerbeiträge sammelt, als Tageszeitung herausbringt und nicht dem „Geschäftsmodell“ der Huffington Post folgt.

Medienartikel
Frankfurter Rundschau – ein überregionales Traditionsblatt wird zur Regionalbeilage?
Murdoch, Huffington-Post und das Wikipedia-Prinzip

Eine Plage im Internet: Die Basher
Frankfurter Rundschau: „Kastration“ als Überlebensprinzip

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Zu Murdoch
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
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