Wirtschaftskrise

BayernLB-Ex-Tochter Hypo-Alpe-Adria-Bank (Skandalpe) – Das dicke Ende kommt erst noch

Dr. Alexander von Paleske — 1.5. 2011 Alle ehemaligen Top-Manager der BayernLB dürften ihre Zukunft wohl hinter sich haben, (es gilt die Unschuldsvermutung), denn die Staatsanwaltschaft in München bereitet Anklagen gegen sie vor. Vorwurf: Bedenkenlos-Einkauf der maroden austrischen Skandaltochter Hypo-Alpe Adria (Skandalpe) im Mai 2007, im juristischen Fachjargon auch Untreue genannt.

Verlust für die Bayern LB – und damit den Steuerzahler – bisher: 3,7 Milliarden Euro, wir berichteten mehrfach darüber.

Was oft genug übersehen wird: Die jetzigen Manager der BayernLB plus die Landespolitiker beten vermutlich, dass es der Ende 2009 für einen Euro zur Adoption an den austrischen Staat freigegebenen Skandalbank , die zur ungeliebten Stieftochter als „Fass ohne Boden Bank“ wurde, in den nächsten drei Jahren doch bitte, bitte besser gehen möge.

Der Grund: Die Hypo Alpe soll nämlich noch 3,1 Milliarden Euro aus Krediten und Darlehen bis zum 31.12. 2013 an die BayernLB zurückzahlen. Plus Zinsen versteht sich.

Diese Forderungen stehen bei der BayernLB in den Büchern und sind keineswegs abgeschrieben.

Aber: auch der BayernLB dürfte es mittlerweile dämmern, dass der austrische Staat sich auf die Hinterbeine stellen wird, wenn die marode Bank dies nicht aus eigener Kraft schaffen könnte, sondern der austrische Staat als Eigentümer dies aus dem Staatssäckel begleichen müsste. Und ganz danach sieht es jetzt aus. Für die Bayern LB könnten so aus 3.7 Milliarden Euro Verlust schliesslich 6,8 Milliarden werden.

Düstere Aussichten
Der Grund: Die Fass ohne Boden Bank Hypo-Alpe ist diesem Attribut weiter unverändert mehr als gerecht geworden, wobei einige der Miesen aus der von der BayernLB nach der Übernahme im Jahre 2007 forcierten und ungezügelten Expansionspolitik in Ost und Südeuropa stammen.

Motto seinerzeit::

ist der süd-ostländische Kreditnehmer auch noch so klamm,
er kommt spielend leicht an Hypo-Alpe Kredite ran.

Bisher hat der austrische Staat, nachdem die BayernLB 3,7 Milliarden Euro hinblätterte bzw. hineinsteckte, nochmals 1,55 Milliarden in den Hypo-Alpe-Schlund geworfen. Verständlich, dass die Hypo-Alpe darauf keine Zinsen zahlen kann, woher auch. Das Jahr 2010 wurde wieder tiefrot abgeschlossen, Wertberichtigungen für faule Kredite allein 1,3 Milliarden Euro, 2009 waren es 1,76 Milliarden Euro. Der Gesamtverlust lag 2010 bei 1,6 Milliarden Euro.

Die sogenannten Non Performing Loans (faule Kredite) lagen 2010 bei insgesamt 10 Milliarden Euro, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 25%.

Am 31. Dezember 2010 wurde eine Ausfallbürgschaft von 250 Millionen Euro vom austrischen Staat bereitgestellt, um das Verscherbeln von Immobilien in Südeuropa zu verhindern.

Die Rückzahlungsverpflichtungen der Bank bis zum Jahre 2017 liegen bei insgesamt 20 Milliarden. Da hilft auch kein Wirtschaftsaufschwung mehr, sondern eigentlich nur noch Beten.

Wie konnte es dazu kommen?
Viele der Projekte waren nichts als heiße Luft, oder unsolide, oder die Hypo-Alpe begab sich sogar noch der Sicherheiten.
Ein paar Beispiele:

Hühnerställe und LKW-Finanzierung in der etwas gesetzlosen Ukraine

Skulpturenpark in Wien

– Kredite für die marode Styrian Spirit (mittlerweile bankrott)

– Nobel-Tourismusanlage Novi-Spa, wo Kredite angeblich zweckentfremdet verwendet wurden

– Verkauf der Hypo-Consultants. Das waren, anders als der Name vermuten lässt, von der Hypo-Alpe finanzierte Immobilien. Diese Gesellschaft wurde verkauft , damit war die Hypo Alpe die Immobilien auch los, blieb aber auf den Finanzierungsverpflichtungen sitzen. Eine Geschichte die sehr an das Märchen vom „Hans im Glück“ erinnert.

Businesscenter „Rotonda“ in Laibach: Verkauf des Projekts an die Firma Vegard und Finanzierung des Projekts durch Kredite der Hypo-Alpe. Anschließend – nach dem Bau – extrem teurer Rückkauf von der Vegard.

– Verblasen von 50 Millionen mit Biogas in Deutschland

– Finanzierung von Geschäftsflugzeugen für die Investorengruppe Köck/Zöchling /Riefler, auserdem Erwerb von Aktien für diese Gruppe, die aber dann die Abnahme verweigerte, nachdem die Aktien im Zuge der Finanzkrise abgestürzt waren, und auch die Zahlungen für die Flugzeuge einstellte..
Das brachte die Bank in den Besitz von zwei Flugzeugen, deren Verwertung sich als schwierig gestaltete.

Freigiebigkeit als Geschäftsprinzip
Es gibt nicht viele Banken, die derart freizügig mit Geld umgingen, eine Freizügigkeit, für die jetzt der Steuerzahler die Zeche zahlen muss.

Hinzu kommen noch die teilweise mehr als dubiosen „Kapitalerhöhungen“ , welche schließlich sich nicht als Kapitalerhöhung sondern als Kapitalvernichtung herausstellten.
Dies geschah, um den gesetzlichen Vorgaben und den Auflagen der staatlichen Finanzmarktaufsicht gerecht zu werden, wurde allerdings nur im Wege der „Scheinkapitalvermehrung“ erreicht..

Das lief so:
Scheinkapitalerhöhung Schiene 1:
Man gibt frische Aktien aus, und finanziert den Kauf selber, indem man den Käufern ein Darlehen gibt über eine Tochterbank (hier eine luxemburger Tochtzerbank), und Potzblitz, wie von Zauberhand ist die Kapitalbasis verbreitert.

Anschließend werden die Kredite zurückgezahlt, indem man der Tochterbank die Papiere zurückgibt. Karussellbetrieb ein anderes Wort dafür.

Scheinkapitalerhöhung Schiene 2:

Man gründet mit einer anderen Bank – bei der Hypo-Alpe war es die Deutsche Bank – einen Ableger, an dem die Hypo 51% hält. In der Bilanz taucht der aber vollumfänglich also mit 100 Prozent, als Kapitalbasis der Bank auf .

Dann werden von der Hypo Alpe 400 Millionen Euro eingezahlt. Die Deutsche Bank zahlt ebenfalls ein, kann aber diese Einlage ohne Haftung später zurücknehmen, weil die Hypo Alpe das volle Haftungsrisiko trägt, wenn die Papiere im Wert abstürzen. Wie schön.

Im März 2007, kurz vor dem Verkauf der Hypo-Alpe an die BayernLB wurden nochmals 400 Millionen Euro ab auf die Jersey-Insel gebracht. Macht zusammen 800 Millionen.

Schwer mit den Schätzen Österreichs beladen – auf Nimmerwiedersehen
Von der Deutsche Bank-Tochter in Delaware USA, werden nun Schrottpapiere mit diesem Geld eingekauft. Wir berichteten darüber. Verluste für die Hypo-Alpe rund 500 Millionen Euro, nachdem die Papere im Wert abstürzten. Gleichwohl: Für die Deutsche Bank ein schöner Gewinn, risikolos, um die 50 Millionen Euro.

Scheinkapitalerhöhung Schiene 3
Man gibt Aktien aus, und , da das Interesse nicht allzu groß ist, gibt man den Aktionären eine Art Rückkaufgarantie mit Call- Options. In der Zwischenzeit eine zugesicherter Dividende.
Auch hier ging die Sache schief für die Bank, denn derartige Dinge klappen nur, wenn die wirtschaftliche Entwicklung die AG wertvoller macht. Das war, wie wir wissen, alles andere als der Fall. Also musste die Hypo zum vereinbarten Termin den Schrott zurückkaufen. Zum Garantiepreis.
Aushebelung der Marktkräfte wäre wohl ein besseres Wort.

Weg mit Schaden
Um an etwas Geld ranzukommen heisst die neue Marschrichtung: Weg mit Schaden.
Begonnen hatte es gerade mit dem Schlosshotel Velden, einst von Deutschlands ersten und wirklichen Playboy Gunter Sachs in etwas baufälligem Zustand an die Skandalpe für etwas mehr als zwanzig Millionen Euro verkauft.
Rund 100 Millionen steckte die Hypo- Alpe in den Kasten, der einst dem Schulzensänger Roy Black als Drehkulisse für die gleichnamige Fernsehsendung diente.
Geld brachte das Hotel nie ein. Jetzt wurde es für 50 Millionen Euro verscherbelt..

Nach den Plänen des verstorbenen Rechtsaußen und Gaddafi-Freundes Jörg Haider, sollte dieses Hotel zu einer Art Trailblazer und Leuchtturmprojekt für den Tourismus in Kärnten werden.
Verlust: Alles in allem einschliesslich Betriebsverluste: 130 Millionen Euro.

Dort soll angeblich jetzt eine Art Kurklinik entstehen.
Vielleicht für die etwas betuchtere Gesellschaft, zum Beispiel um abzuspecken, oder dem Drang zum Alkohol etwas zu entsagen, auch Entziehungskur genannt.

Aber nicht nur das Schlosshotel, sondern Flugzeuge, Skulpturen, Golfplätze und Grundstücke warten auf das Verscherbeln.
Und im Jahre 2014 muss die Bank selbst privatisiert sein, fordert Brüssel..

Man braucht keine prophetischen Gaben, um vorauszusagen, daß es für die Hypo-Alpe wohl keine Zukunft mehr geben wird. Die Bank wird wohl in Teile zerlegt und verkauft – so sich überhaupt Käufer finden.

Aber die Manager hatten immerhin eine schöne Zeit, an die sie sicher gerne zurückdenken, einschließlich Lustreisen mit Ehefrauen zum Formel 1-Rennen in Silverstone, zum Urlaub nach Zadar/Kroatien mit Frau und Kindern, und nach Delaware in die USA. Alles „Geschäftsreisen“. Auf Kosten der Bank.
Ja, das waren noch Zeiten……

Die Mitarbeiter der Bank hingegen fürchten jetzt um ihre Arbeitsplätze, während die Personalkosten für ehemalige und gegenwärtige Top Manager der Bank sich im vergangenen Jahr von 3,7 auf 7,4 Millionen Euro verdoppelten. Wie schön.

Zentraler Artikel für alle bis Dezember 2008 angelaufenen Hypo-Alpe Skandale
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale

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