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IMF-Boss Dominique Strauss-Kahn – Skandale pflastern seinen Weg

Dr. Alexander von Paleske 15.5. 2011 —
Ein Fressen für den Sensationsjournalismus: Der Chef des Internationalen Währungsfonds und Sozialdemokrat Dominique Strauss–Kahn, außerdem aussichtsreicher Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr, ist gestern aus dem Flugzeug heraus in New York verhaftet worden.


Dominique Strauss-Kahn (R) vor Gericht in New York – Screenshot: Dr. v. Paleske

Schwere Vorwürfe
Vorwurf: Verdacht der versuchten Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Das Ganze soll sich in einer Suite des Sofitel-Hotels in New York abgespielt haben (Übernachtungspreis 3000 US Dollar)

Ein Skandal nach dem anderen
Es ist nicht der erste Skandal, in den Strauss-Kahn verwickelt ist, aber es könnte wohl sein letzter als IMF-Boss sein.

Dabei wird in den heutigen Sensations-Presseberichten gerne unterschlagen, dass die bekannte Skandalchronik bereits in das Jahr 1990 zurückreicht, als DSK, wie Dominique Strauss- Kahn abgekürzt genannt wird, in einen riesigen Waffenexportskandal verwickelt war: Es handelte sich um die Lieferung von sechs Kriegsschiffen (Fregatten) an Taiwan. Ein Auftrag, den die französische Firma Thomson CSF (heute Thales) an Land gezogen hatte. Auftragswert: 2,8 Milliarden US Dollar,angeblich darin 350 Millionen US Dollar Schmiergelder versteckt.

Aber der damalige französische Außenminister Roland Dumas hatte , weil dieser Milliarden-Auftrag außenpolitische Verstimmungen mit der Volksrepublik China zur Folge haben würde, dagegen sein Veto eingelegt.
Dieses Veto wurde von der Firma Thomson CSF auf zwei Wegen bekämpft:

Einmal beauftragte sie die französische Erdölfirma Elf- Aquitaine (heute. TotalElf Fina ) Dumas zu bestechen. Die Beauftragung von Elf lief über eine Geliebte des Außenministers namens Christine Deviers Joncour, „Hure der Nation“, die mit dem Elf-Vize Alfred Sirven bekannt war.
Thomson bestach Joncour, die daraufhin mit Alfred Sirven redete und auf Dumas einredete.

Elf bestach im Auftrag von Thales dann Roland Dumas, der schließlich umfiel und sein Veto zurückzog.

Außerdem soll Strauss-Kahn als damaliger Außenhandelsminister bestochen worden sein. Strauss- Kahn war seinerzeit auch Vorsitzender einer obskuren französisch-taiwanesischen Freundschaftsgesellschaft, deren Personal wiederum identisch mit dem der Studentenkrankenkasse MNEF war, die wiederum Strauss-Kahn für seine angeblichen „Beraterdienste“ bezahlte, und zwar aufgrund von vordatierten Rechnungen. Wie schön.

Der Strafprozess gegen Strauss-Kahn verlief gleichwohl im Sande, weil die Angestellten der MNEF für ihn die Schwurhand hoben.

Über die weiteren Detail dieses Skandals, in dessen Folge auch ein taiwanesischer Offizier, der sich quergelegt hatte, ermordet wurde, und der vormalige französische Präsident Chirac offenbar ebenfalls Millionenbeträge kassiert haben soll , siehe hier.

Capable of anything
Die nächsten Strauss-Kahn-Skandale liegen bereits im sexuellen Bereich:

Gegenüber der sozialistischen Abgeordneten Aurélie Filipetti wurde er sexuell handgreiflich, und die sorgte anschliessend dafür, dass sie nie mehr mit ihm allein in einem Raum war.

Im Jahre 2002 versuchtte DSK angeblich, mit einer Journalistin namens Tristane Banon, die ihn interviewte, Sex zu haben. Inwieweit es sich hier um sexuelle Belästigung oder mehr gehandelt hatte, ist nicht ganz klar.
Angebliche Details hier.
Die Journalistin, Patentochter von Strauss-Kahns zweiter Ehefrau, beschrieb DSK bei anderer Gelegenheit als aggressiv und gewalttätig, als „geilen Schimpansen“, und der bekannte französische Schauspieler Roger Hanin pflichtete ihr bei: „He is capable of doing anything.“

und Interview aus dem Jahre 2008 hier:

Ein diesbezügliches Kapitel in ihrem Buch musste Tristane Banon auf Verlangen des Verlagshauses herausnehmen.


Tristane Banon – Screenshot: Dr. v. Paleske

Eine Anzeige erstattete Tristane Banon gleichwohl nicht. Begründung: Angst vor Rache und Zweifel, dass ihr überhaupt geglaubt würde. Hinzu kam, dass auch ihre Mutter, Anne Mansouret, die mit Strauss-Kahn gut bekannt war, ihr von einer Anzeige abriet, was sie heute zutiefst bedauert, denn monatelang nach diesem Ereignis war ihre Tochter traumatisiert, und litt an Depressionen.


Anne Mansouret … meine Tochter war traumatisiert – Screenshot: Dr. v. Paleske

Dieser Skandal kam deshalb erst heraus – fand aber keine weitere Aufmerksamkeit – als ein neuer Sexskandal im Jahre 2008 Schlagzeilen machte: diesmal mit einer verheirateten ungarischen IMF-Angestellten namens Piroska Nagyn. Nun meldete sich auch Tristane Banon zu Wort..

Die ursprünglich erhobenen Vorwürfe wegen Missbrauchs einer Abhängigen (Piroska Nagyn) seitens Strauss-Kahn wurden aber nach einer internen IMF Überprüfung fallengelassen. Strauss-Kahn blieb im Amt.

Die jetzt erhobenen Vorwürfe wiegen jedoch ungleich schwerer. Aus der Luft gegriffen sind sie aber wohl nicht.

Offenbar war Strauss-Kahn in Paris für seine „Eskapaden“ längst bekannt, einschliesslich Besuchen in „Swinger Clubs“. Und nur noch sehr wenige Journalistinnen gingen zu einem Interviewtermin
mit ihm ohne Begleitung.

Zahltag für französischen Rüstungkonzern oder: wie schmiert man eine Republik/Provinz

Elf – oder Sprit für Bestechungen im Grossformat

Clearstream ein Megaskandal in Frankreich

Ein Berg von Korruption und ein Maulwurfshügel von Strafverfahren- Oder: Keine Aufklärung des Leuna-Skandals zu erwarten


David gegen Goliath: Französischer Journalist Denis Robert obsiegt im Verfahren wegen übler Nachrede gegen die Deutsche Börse-Tochter Clearstream.

2 Gedanken zu “IMF-Boss Dominique Strauss-Kahn – Skandale pflastern seinen Weg

  1. Sicherlich ist DSK kein Unschuldslamm. Möglich wäre aber auch eine kleine Intrige seitens Sarko und seiner Renseignements généraux. 2012 ist wieder Wahl…

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    1. Unwahrscheinlich Halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber für extrem unwahrscheinlich.
      Was sich wieder einmal zeigt: es rächt sich, wenn man nicht den Anfängen wehrt.

      Und Vergewaltigungen, müssen zur Anzeige gebracht werden, trotz all der Probleme die mit einem Strafverfahren für das angebliche Opfer verbunden sind, auch wenn der angebliche Täter ein Prominenter ist.

      Gruss
      Dr. v. Paleske

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