SATIRE

Angela Merkel: Deutschland, ich melde mich aus dem Urlaub

Dr. Alexander von Paleske — 27.7. 2011 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox

Angela Merkel
Bundeskanzlerin
z. Zt. im Urlaub

Hallo Deutschland,

ich melde mich schon kurz nach meiner hochinformativen Bundespressekonferenz am vergangenen Freitag (23.7.) mit ein paar Ergänzungen zu meinen / unseren folgenden, allseits ermutigenden Plänen, Feststellungen und Wahrheiten:


Urlaubsfreuden gestern: Society-Aufgalopp bei Wagners in Bayreuth – Meine Freunde von BILD mit dabei .

Wir arbeiten nicht nur einfach mal weiter mit unserer schwarz-gelben Koalition, unseren Kürzungen im Sozialbereich, unserem Waffenexport, unserem schwarzen Humor, nein, wir fangen erst jetzt so richtig an.

Ein paar Eckpunkte
Deutsche, uns geht es besser als je zuvor – allerdings nur vorübergehend – denn für den Erhalt des Euro werden wir zahlen müssen, aber da will ich die Katze noch nicht voll aus dem Sack lassen, um die Deutsche Urlaubsstimmung nicht zu verderben .Nur ein paar Eckpunkte seien hier verraten:

– Die Zeche werden vor allem die einfachen Steuerzahler zu zahlen haben.

– Wir werden einfach die Inflation anheizen durch Gelddruckerei

– die Kosten im Gesundheitswesen werden wir drastisch senken, bestimmte Behandlungsmethoden werden von der Erstattungspflicht ganz ausgenommen, indem wir sie einfach als unbewiesen, als experimentell oder als nicht ausreichend erfolgversprechend, und schließlich als schlicht zu teuer klassifizieren.

Diese Behandlungen stehen dann nur denen offen, deren Geldbeutel das zulässt. Einen Anfang hat der gemeinsame Bundesausschuss (GBA) erfreulicherweise bei der Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie mit Stammzellen gerade gemacht.
Nur bösartige Kritiker würden das als Zwei-Klassen-Medizin bezeichnen.

– Die Renten bleiben auf dem jetzigen Niveau, schließlich sind die Rentenempfänger ja nicht mehr produktiv tätig, und auch die Einführung eines Mindestlohnes kommt überhaupt nicht in Frage, notfalls muss eben Hartz IV beantragt werden, das erzieht zur Bescheidenheit.

Bankensektor Herzensangelegenheit
Mir liegt das Wohlergehen des Bankensektors besonders am Herzen.Mein enger Freund und Lehrer Josef Feldherr Ackermann hat mir noch einmal gedankt, wie gut wir die Banken auf unserem Krisengipfel in Brüssel haben davonkommen lassen, insbesondere haben wir so gut wie nichts an den Bedingungen zum Betrieb ihrer Haupteinnahmequelle geändert: dem Spielkasinobetrieb, auch Investmentbanking genannt.

So bleiben natürlich die Credit Default Swaps (CDS) in vollem Umfang bestehen, also die Ausfall-Versicherungen auf die bedenkenlos von den Banken herausgegebenen Kredite selbst für zweifelhafteste Kunden.

Die drohende Erklärung bzw. Feststellung des „Versicherungsfalls“ im Falle Griechenlands hätte dazu geführt, dass CDS-Zahlungen von insgesamt 1 Billion Euro fällig gestellt worden wären. Eine kleine Wiederholung der Lehmann Pleite-Geschichte sozusagen. Aber das haben wir durch ein paar Taschenspielertricks verhindert, die natürlich keine endgültige Lösung bringen, aber das Problem uns für unseren hochverdienten Sommerurlaub erst einmal vom Hals schaffen.

Natürlich sind diese Credit Default Swaps wirtschaftlich gesehen nichts anderes als potenzielle Massenvernichtungswaffen, aber sie stellen ein wunderbares und sehr einträgliches Spekulationsinstrument für meine Bankerfreunde dar, und sie sorgen ausserdem dafür, dass über die damit ermöglichte bedenkenlose Kreditvergabe auch gleichzeitig Exporte Deutscher Waren in den Euroraum vorfinanziert und angekurbelt werden, obwohl diese Länder sich das prinzipiell gar nicht leisten können.

Wenn es mit den Schafskäse / Paella / Spaghetti-Ländern dann schiefläuft, müssen bei denen eben die Mehrwertsteuer erhöht, und völlig überflüssige Ausgaben im Sozialbereich gekürzt werden.

Die sollten sich wirklich ernsthaft mal überlegen, wieder Armenhäuser, Armenspeisungen und Armenspitäler einzurichten bzw. die vorhandenen Einrichtungen dahingehend umzuwidmen.

Es ist ja gerade das Schöne, wenn man etwas gut gestalten kann, wie ich auf der Bundespressekonferenz feststellte.

Schlechte Umfragewerte vorübergehend
Die schlechten Umfragewerte für unsere Super- Koalition halte ich für völlig vorübergehend.

Deses ständige Gequatsche in der Presse von Meinungsverschiedenheiten in der Koalition ist lächerlich. Wir ziehen gelegentlich gemeinsam an vielen Strängen.
Beim Strangziehen diskutieren wir gleichzeitig, und dass wir da oftmals nicht einer Meinung sind, ist doch absolut natürlich.
Unser Motto: „Jetzt arbeiten wir einfach mal weiter an den Projekten, die vor uns liegen.“

Als nächstes werden wir die Grünen in Stuttgart vorführen und zeigen, dass selbst sinnloseste Projekte auch gegen den Willen dieser Sandalenschlurfer durchgezogen werden können.

Warte auf Entscheidungsreife
Dümmliche Gegner werfen mir immer wieder vor, ich warte zu lange mit Entscheidungen. Das ist blanker Unfug. Ich entscheide Dinge dann, wenn ich alleine weiss, dass sie entscheidungsreif sind und spekuliere wenig.

Deutsche, wie Ihr seht macht mir die Arbeit Spass. Ich sorge durch Rüstungsexporte in Spannungsgebiete und in Länder, die das Waffenzeugs überhaupt nicht brauchen, dafür, dass auch dieser Exportzweig nicht vernachlässigt wird.

Ich bin eine leidenschaftliche Sozialingenieurin und wenn es nach mir ginge, könnte ein Tag 48 Stunden haben.

Schließlich: Ich bin ich eine „leidenschaftliche Europäerin“ und mit Leidenschaft sorge ich dafür, Probleme an der Wurzel zu packen – eine „merkelsche Leidenschaft“ sozusagen.

Ich glaube fest daran, dass die SPD einen blassen Kandidaten für das Bundeskanzleramt ins Rennen schicken wird. Vielleicht ja auch die Grünen ihren (über-)gewichtigen Joseph Martin (Joschicka) Fischer. Aber gegen mich / uns haben die keine Chance.

Schönen Urlaub Ihnen allen

Angela Merkel
Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Keine Satire
Zur Swapserei
linkCredit Default Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher

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