Israel

Die Kriegsgefahr im Nahen Osten steigt

Dr. Alexander von Paleske— 7.8. 2011—Syriens Diktator Assad geht brutal gegen sein Volk vor, das seit Monaten gegen seine Herrschaft aufbegehrt, und sich weder von den Drohungen des Diktators noch seiner Armee, trotz des hohen Blutzolls, beeindrucken lasst.


Lässt auf sein Volk schiessen: Syriens Präsident Assad. Screenshot: Dr. v. Paleske

Mehr als 2000 Tote
Mehr als 2000 Menschen sind mittlerweile von seiner Armee ermordet worden, Tausende wurden verhaftet und gefoltert.

Die von ihm – angesichts seines immer aussichtsloser werdenden Versuchs, die Proteste zu unterdrücken – angebotenen, bestenfalls halbherzigen Reformen, werden von der Opposition als völlig unzureichend zurückgewiesen.

Mittlerweile verliert auch die Türkei langsam die Geduld. Der türkische Regierungschef Erdogan schickt nun seinen Außenminister nach Damaskus. Er dürfte kaum eine freundliche Botschaft überbringen, sondern Assad unmissverständlich auffordern, die Gewalt gegen sein Volk unverzüglich einzustellen.

Es ist zu befürchten, dass, wenn der Konflikt weiter eskaliert, und eine noch größere Flüchtlingswelle in die Türkei rollt, die Türkei militärisch eingreift, was sofort den Hauptverbündeten des Diktators, den Iran, auf den Plan rufen würde.

Israelischer Demonstrationsfrühling
Hinzugekommen ist seit zwei Wochen ein weiterer offener Konflikt: In Israel demonstrieren Hunderttausende gegen die sich ständig verschlechternden Lebensbedingungen. Gestern abend waren es rund 250.000 Demonstranten.


Tel Aviv, gestern abend. Screenshot: Dr. v. Paleske

Die Regierung Netanyahu pumpt alle verfügbaren Ressourcen in ihre aggressive Siedlungspolitik in Ost-Jerusalem und der Westbank – bedient damit ihre Klientel – und in die Armee, statt die soziale Lage der Bevölkerung insgesamt zu verbessern. Proteste dagegen wurden als „unpatriotisch“ bezeichnet.

Die soziale Lage – selbst der Mittelschichten – in Israel hat sich angesichts dieser „Siedler und Kanonen statt Margarine“ – Politik zunehmend verschlechtert.

Ein Beispiel: Ein Lehrer verdienst durchschnittlich umgerechnet 1600 Euro im Monat, die Miete für eine kleine Wohnung in Tel Aviv beträgt im Durchschnitt aber bereits umgerechnet 1000 Euro.

Die Mehrheit der Bevölkerung hat es jetzt satt, unter dem „Banner der äußeren Bedrohung“ den Gürtel immer enger zu schnallen.

Kibbuzim-Geist verflogen
Hinzu kommt: der Kibbuzim-Geist ist längst verflogen, die Schere zwischen Reichen und der Mittel-bzw. Unterschicht wird immer grösser. Das kann keine Freude auslösen.

Die Regierung Netanyahu hat jedoch keinerlei Mittel, sowohl ihre aggressive Politik fortzusetzen,und damit Klientel zu bedienen, als auch soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, zumal der Hauptverbündete, die USA, selbst tiefstens im wirtschaftlichen Schlamassel stecken.

Die ohnehin schon starke Neigung könnte daher weiter steigen, einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen, konkret: den Iran anzugreifen, um so das Volk hinter sich zu vereinigen, und die Atomanlagen des Iran zu zerstören, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Daran könnte sie nur gehindert werden, wenn die breite Volksbewegung gegen die Regierung Netanyahu auch die Friedensfrage auf die Tagesordnung setzt, und damit den Rückzug aus den 1967 besetzten Gebieten, so wie es einst die „Peace Now“ Bewegung forderte..
Das ist jedoch bisher (noch) nicht der Fall.

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Ein Gedanke zu “Die Kriegsgefahr im Nahen Osten steigt

  1. Sehr geehrter Herr Dr. von Paleske,

    volle Zustimmung zu obigem Artikel.
    Tatsächlich ist die Gefahr eines Krieges im Nahen Osten nicht von der Hand zu weisen.
    Ob die Türkei militärisch in Syrien eingreift ist fraglich. Da das Verhältnis zwischen dem Ministerpräsidenten und der Armeeführung einen neuen Tiefpunkt erreicht hat, will die Politik die Armee sicherlich nicht durch einen (erfolgreichen) Krieg stärken.

    Ein Angriff auf den Iran durch eine Koalition der politisch Angeschlagenen ist durchaus denkbar. Nicht nur Netanjahu benötigt dringend einen „patriotischen“ Befreiungsschlag, auch die 2012 Presidential und die Standard & Poor’s-Ohrfeige könnten der Wild-West-Sehnsucht einen erneuten Auftrieb verleihen.

    MFG
    Qman

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