Wirtschaftskrise

Sarkozy und Merkel: Die Lage war noch nie so ernst

Dr. Alexander von Paleske — 9.10.2011 —
Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, pflegte des öfteren zu sagen: „Die Lage war noch nie so ernst wie heute“. Dies war in der Regel eine masslose Übertreibung zu puren Wahlkampfzwecken.

Ernste Lage
Heute allerdings wäre seine Beschreibung zutreffend, denn die finanzwirtschaftliche Lage heute ist tatsächlich dramatisch, schlimmer noch, wie im Krisenjahr 2008, als die Welt am Abgrund stand. Am Abgrund einer Finanzkrise, die nur mit massiven Finanzspritzen an die Banken halbwegs unter Kontrolle gebracht werden konnte – vorübergehend, wie sich nun zeigt.
Aber die Bundeskanzlerin Merkel versucht den Ernst der Lage herunterzuspielen.

Wasser bis zum Hals
Insbesondere Frankreich steht mittlerweile das Wasser bis zum Hals, weil dessen Grossbanken Kredite gewährt haben, als wären es Smarties, die unter die Völker geworfen wurden..
Hier ein Überblick:


Gesamtausleihe durch Frankreichs Banken an „Problemländer“
653,4 Milliarden Euro – Screenshot: Dr.v. Paleske:

Als erste Bank stand die belgisch französische Bank Dexia in der vergangenen Woche vor dem Zusammenbruch. Sie konnte, wie weiland die deutsche Hypo-Real-Estate Bank, nur gerettet werden, indem der Anlageschrott in eine sog. Bad Bank ausgegliedert wurde. Der Dexia- Anlagen-Müllrucksack wird also von den Schultern der Bank genommen, und mit Steuergeldern entsorgt.


Belgisch-französische Dexia-Bank…..: Anleihe-Schrott satt.
Screenshot: Dr. v. Paleske

Ohne Konsequenzen in die nächste Krise
Diese Krisensituation ist die logische Folge von ausbleibenden Konsequenzen nach der Finanzkrise 2008.

Es wurde offenbar, dass die Credit Default Swaps (CDS), als eine der zentralen Ursachen für die Krise angesehen werden müssen. Mit diesen „Erfindungen“ aus den 90er Jahren hatten wir uns bereits vor der letzten Krise ausführlich beschäftigt, und diese Krise prophezeit. Eine Krise ausgelöst durch unverantwortliche Spekulation auf der einen Seite, und Kreditvergabe an nichtwürdige Kunden – seien es ganze Staaten oder Privatunternehmen – auf der anderen Seite.

Mehr noch, die CDS wirken in Krisensituationen wie „Brandbeschleuniger“, als quasi Kreditversicherungen, die,risikobedingt, ständig teurer werden – das gilt mittlerweile auch für CDS auf deutsche Kredite, im Konzert mit dem Downgrading der Ratingagenturen – und damit die Kreditzinsen in die Höhe treiben.

Darüberhinaus treiben sie in der Krisensituation auch Banken in den Zusammenbruch, die zwar keine Kredite vergeben bzw. Anleihen gekauft, aber dafür als „Versicherer“ für Credit Default Swaps aufgetreten sind, sobald der „Versicherungsfall“ eintritt, also die Anleihen nicht mehr bedient werden. Im Jahre 2008 traf es insbesondere den US-Grossversicherer AIG und die Lehman-Pleitebank.

Nun hätte man eigentlich erwarten dürfen, dass durchgreifende Massnahmen seitens der Regierungen getroffen würden.

Nichts jedoch. US-Präsident Obamas Versuche einer Finanzmarkt-Reform wurden weitgehend von den Republikanern verwässert, und in Europa gibt es bis heute nur Reformpläne, aber keine Reformen, die den Namen verdienen.

Bankenstressteste haben sich als blanke Makulatur herausgestellt, wie der Fall Dexia nur allzu deutlich belegt.
Weiter so Deutschland bzw. Europa war die Devise.

Und eine Kanzlerin Merkel an den Schalthebeln der Macht, die in völliger Blindheit der Lage seinerzeit im September 2008 äusserte, die Krise sei ein auf die USA begrenztes Problem, bis die Hypo Real Estate Stunden später zusammenzubrechen drohte, und bis heute insgesamt 100 Milliarden Euro zum Überleben brauchte und bekam.

Situation wieder da
Nun also ist „die Situation (wieder) da“, um noch einmal Konnrad Adenauer zu zitieren: Sarkozy zu Krisengesprächen in Berlin.


Sarkozy und Merkel heute …..Wasser bis zum Hals. Screenshot: Dr. v. Paleske

Es schält sich immer deutlicher heraus, dass letztlich die Banken, insbesondere die französischen, Hunderte Milliarden Euro zum Überleben brauchen, ansonsten drohen sie reihenweise zusammenzubrechen.

Aber anders als 2008 ist das Geld verbraucht Also bleibt nur noch die massive Gelddruckerei – und Steuererhöhungen, insbesondere der Mehrwertsteuer, frei nach dem Motto: Inflation ist besser als Insolvenz.

Die Auswirkungen werden erheblich sein: Die Inflation wird vor allem die Rentenempfänger, die unteren Einkommen, die Sparer und diejenigen treffen, die für ihr Alter eine Lebensversicherung abgeschlossen haben.

linkCredit Default Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher

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