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Portugals Finanzkrise: Angola als Retter?

Dr. Alexander von Paleske — 27.11. 2011 —
Die Nachricht der vergangenen Woche muss man zweimal lesen, so wenig glaubhaft ist sie, aber dennoch wahr:
Portugal, dessen Staatsanleihen in der vergangenen Woche wegen des düsteren wirtschaftlichen Ausblicks auf Ramschstatus gesetzt wurden, darf nun offenbar auf Rettung durch Injektion von Geldern aus Angola, bis 1975 Kolonie Portugals, hoffen.


Angola

Nach Abzug: Chaos
Portugal hinterliess bei seinem Abzug 1975 eine ausgeplünderte Kolonie, keine nennenswerte Administration, es fand keine geordnete Übergabe statt, und was nun folgte war Chaos: ein 27-jähriger Bürgerkrieg (1975 bis 2002), in den die damalige Sowjetunion, Kuba, Südafrika und die USA eingriffen. Ein Stellvertreterkrieg, der das Land weitgehend zerstörte.

Ein Land, das aufgrund seiner Rohstoffreserven, insbesondere Erdöl, zu den potentiell reichsten Ländern Afrikas gehört. Es ist nach Nigeria der zweitgrösste Erdölexporteur Afrikas, besitzt ausserdem grosse Diamantenvorkommen, und das landwirtschaftliche Potential reicht aus, um ganz Westafrika mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Krieg, Zerstörung und Armut
Während des Bürgerkrieges wurden nahezu alle Einnahmen für Waffenkäufe und zum Anheuern von Söldnern verwendet.

Erst langsam wird die Infrastruktur wieder aufgebaut, die Eisenbahnstrecken zum grossen Teil mit chinesischer Hilfe repariert, und die Strassen erneuert.

Gleichwohl ist Angola weit von einem ausreichenden Gesundheitswesen und der Versorgung mit sauberem Trinkwasser entfernt. Die heruntergekommenen Slums in der Hauptstadt Angolas, Luanda, mit den regelmässig ausbrechenden Choleraepidemien, stehen im krassen Gegensatz zu den Enklaven der dünnen Oberschicht.

Weniger als 1 Dollar pro Tag
Zwei Drittel der angolanischen Bevölkerung leben von weniger als umgerechnet einem US Dollar pro Tag, und nur 25% der Kinder besuchen eine Schule (Zahlen von 2008)-

Rund 40% der Erdöleinnahmen, der wichtigste Devisenbringer, versickern in den Taschen der kleptokraten Elite.

Nun sollen nach dem Willen der Regierung Dos Santos die Einnahmen aus dem Ölgeschäft nicht etwa allein dazu dienen, das Land im möglichen und erforderlichen Umfang weiter zu entwickeln, die soziale Lage der Masse der Bevölkerung zu verbessern, sondern Anteile in den zur Privatisierung anstehenden Staatsbetrieben Portugals gekauft werden.

Einkaufen in Portugal statt Investieren in Angola
Angolas Präsident Dos Santos erklärte sich bereit, Portugal aus seiner akuten Finanznot zu befreien, und Teile seines Tafelsilbers zu kaufen. Portugal muss mit dem Verkauf eine Auflage des IMF, verbunden mit der Gewährung eines 113 Milliarden US Dollar Kredits, erfüllen.

In einer Pressekonferenz mit dem zu Besuch weilenden portugiesischen Premier Pedro Passos Coelho erklärte Dos Santos:

“ We are aware of the difficulties the Portuguese people have faced recently, and in such difficulties we must use our trump cards”.

Gemeint waren die Petrodollars.

Der portugiesische Premier Passos Coelho antwortete:

“This visit is of huge significance. It is a unique opportunity for building stronger and closer ties between the two countries”

Folgende Staatsbetriebe Portugals stehen zum Verkauf an:

Energias de Portugal (Energieversorgung)

REN, (Stromleitungen)

TAP – Air Portugal (Nationale Fluglinie)

Banco Portugues Negocios
Diese Bank geht zu einem Discountpreis von 40 Millionen Euro an die angolanische Banco BIC of Angola , die zum Teil der Tochter des Präsidenten Angolas und reichsten Frau Afrikas, Isabel dos Santos (32), gehört , (Details zu dieser Dame hier). Wie praktisch.

Isabel dos Santos nennt bereits knapp 10% von Portugals Banco Português de Investimento (BPI) ihr eigen, die wiederum Angolas Banco Fomento de Angola (BFA) managt.

Die Präsidententochter kaufte weiterhin den portugiesischen Kabel-Fernsehsender ZON Multimedia.

Die ebenfalls ihr gehörende Supermarktfirma Condis bandelte mit der portugiesischen Supermarktkette Sonae an.

Weiterhin gibt es bereits folgende Beteiligungen angolanischer Firmen in Portugal:

– 12% in Portugals grösster Bank, Millenium BCP

– Anteile in ESCOM, einer Minenfirma und Tochterunternehmen von Portugals Multi Grupo Espirito Santo

Einstmals brutale Kolonialherren
Das Ganze kann nur als erbärmlich bezeichnet werden, denn Angola – wie auch Mozambique – wurden während der Kolonialherrschaft von den Portugiesen, nach Strich und Faden ausgeplündert, und die nationalen Befreiungsbewegungen brutal unterdrückt. Die Portugiesen waren die schlimmsten Kolonialherren Afrikas, übertroffen nur noch von den Belgiern.

Aber derartige Überlegungen spielen für die kleptokratische Elite Angolas eh keine Rolle, denn das Interesse, das eigene Land zu entwickeln ist weit weniger ausgeprägt, als der Drang, in anderen entwickelteren Ländern nun mit an den Schalthebeln der Wirtschaft zu sitzen.

Und die Portugiesen, denen finanziell das Wasser bis zum Hals steht, handeln nach der Devise: erst kommt das Fressen und dann die Moral.

Einen Grund zur Freude, dass ein Land der EU bei einer ehemaligen Kolonie die Hand aufhalten muss, gibt es angesichts dieser Umstände wohl kaum.

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