SATIRE

Joachim Gauck: Jetzt rede ich und stelle klar

Dr. Alexander von Paleske — 26.2. 2012 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Joachim Gauck
Bundespräsident in spe
Berlin

Guten Tag Deutschland,

ich bin zur Zeit auf Vorstellungstour bei den Parteien, aber kaum hatten mich die fortschrittlichen Entscheidungsträger (Grüne, SPD, FDP und dann schliesslich auch die CDU/CSU) auf den Schild gehoben, da geht schon das Geschrei aus der linken und pseudoliberalen Ecke los, die mir mit irgendwelchen Zitaten kommen wollen, die meist auch noch aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Schweinejournalismus hat dies zu Recht mein lieber Freund, der Obergrüne Jürgen Flaschenpfand-Trittin, in der Fernseh-Talkshow Maybrit Illner bezeichnet.

Es ist daher an der Zeit, nun endlich direkt mich an meine zukünftigen Untertanen zu wenden, und mich zu all diesen lächerlichen und bösartigen Vorwürfen zu äussern:

Gestalter, kein Apostel
Am meisten habe ich mich natürlich über den Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom heutigen Tage geärgert:

Ich sei ein Apostel und kein Gestalter. Ich würde zwar von Freiheit reden, sie aber nicht gestalten.


Bin Gestalter

Völliger Kokoloris, das zeigt schon meine Lebensgeschichte.

Ich habe lange in der „DDR“ gelebt. Für mich sind die Kommunisten rotlackierte Nazis. Deshalb schrieb ich an anderer Stelle:

„Der Holocaust soll nicht in eine Einzigartigkeit überhöht werden“,

Keine „DDR“-Bürger, sondern Almosenempfänger
Wir waren in der „DDR“ Almosenempfänger, die sich über jede Geschenksendung aus dem Westen gefreut haben, die uns zeigte, dass wir nicht vergessen waren. Ich schrieb:

„Wir, die wir diese Bürgerrechte nicht hatten, waren zwar auch wertvoll und hatten auch unsere Würde – aber Bürger waren wir nicht.“

Und weiter:
Im Herbst 1989 wuchs ich Schritt für Schritt in eine politische Rolle hinein. (…) Binnen Kurzem nannte mich eine Rostocker Zeitung „Revolutionspastor“

Zwar stand ich nicht an der Spitze der Bewegung, war auch nicht einer der ersten, der den Zug zusammenstellte, aber als der Zug dann so richtig in Bewegung war, sprang ich drauf und wurde gleich einer der Lautstärksten.

Gestaltete in der / mit der Stasi-Aufklärungsbehörde
Die Tintenkulis von der Süddeutschen Zeitung werden alsbald erkennen:
Bereits in meiner Zeit als Chef der Stasi-Unterlagen Aufklärungsbehörde habe ich gezeigt, wie sehr ich gestalten kann, indem ich rückhaltlos gegen diejenigen Material zusammentrug, die mit einem „DDR“-Stasi-Rucksack, ob klein oder gross, belastet waren, sich im wiedervereinigten Deutschland Pöstchen holen wollten. Da bin ich mit der Löwenpranke dazwischengefahren.

Was anderes ist denn das, wenn nicht Gestaltung?

Natürlich hätte es auch ein anderes Modell nach der Wiedervereinigung gegeben: das einer Wahrheitskommission wie in Südafrika. Erst Aufklärung durch Anhören der Opfer, Geständnisse der Täter, Reue und , dann Vergebung.

Zwar wird dadurch eine wesentlich grössere Aufklärungsquote erreicht, als es nach der Wiedervereinigung hier der Fall war.
Vergebung ist ja auch ein sehr christliches Prinzip, und Versöhnung ein bedeutender gesellschaftlicher Faktor, aber für mich stand ein ganz anderer Bibelspruch im Vordergrund:

Mein ist die Rache sprach der Joachim, äh, ich meine der Herr (5. Mose 32).

Und so schrieb ich dann auch in meiner Lebensgeschichte „Frühjahr im Sommer, Herbst im Winter“:

„Wir waren stolz und froh, dass wir das Bedürfnis nach Aufklärung befriedigen konnten.“


Mein hervorragendes 4-Jahreszeiten-Buch

Vergebung und Versöhnen hatten hier nichts zu suchen.

Toleranz richtig verstanden
Insbesondere habe ich mich zum Toleranzprinzip verbreitert.
Zwar verstehen viele unter Toleranz auch Duldsamkeit, ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten, auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung unterschiedlicher Individuen.

Vor einer derartigen Toleranz steht aber zuallererst das, was ich in meinem Vier-Jahreszeiten-Buch schrieb:

„Es ist wichtig, zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt unserer eigenen Werte wieder vergewissern“.

Also erst einmal die Abgrenzung, bevor man überhaupt auf das Einander zugehen denken kann.

Gerade die Abgrenzung schärft ja auch den Blick für die Fehler und Schwächen der anderen. Insofern war es für mich selbstverständlich, dem professionellen Ab- und Ausgrenzer und hochintelligenten Gendatenbanker Thilo Sarrazin Mut zuzusprechen.

Freiheit die ich, Gauck, meine
Bei der „Freiheit“ halte ich es eher mit dem diffusen Freiheitsbegriff, der sich an den hervorragenden Philosophen Helmuth Plessner anlehnt:

Wir müssen lernen, dass wir immer die Freiheit der Wahl im Leben haben, vielleicht nicht immer jede, aber immer eine“,

wie ich in dem grossartigen Interview mit der Kundenzeitschrift „Alverde“ der Drogeriemarktkette DM ausführte.

Ich schrieb weiter an anderer Stelle:

„Es ist meine tiefe Überzeugung, dass die Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben ist und erst Freiheit unserer Gesellschaft Kultur, Substanz und Inhalt verleiht.“

Dabei habe ich vergessen, dass die Freiheit des Einzelnen von staatlicher Unterdrückung ein wesentlicher Punkt ist, aber das ist ja selbstverständlich, gilt aber natürlich nicht ohne Einschränkungen. So bin ich der Meinung, dass der Verfassungsschutz zu Recht Linke bespitzelt.

Wenn der Verfassungsschutz bestimmte Personen oder Gruppen innerhalb dieser Partei observiert, wird es dafür Gründe geben. Er ist nicht eine Vereinigung von Leuten, die neben unserem Rechtsstaat existiert und Linke verfolgt.“

Keine Freiheit ohne Verantwortung
Immer wenn ich von Freiheit rede, komme ich gleich zum Thema Verantwortung, das mir besonders am Herzen liegt, und sich insbesondere an Hartz IV Empfänger richtet::

„Ich nenne die Freiheit der Erwachsenen „Verantwortung“. Wenn ich für Freiheit als Verantwortung werbe, gerade bei Menschen, die nicht in politischen Ämtern stehen, mache ich das so: Wir können das eigentlich alle. Wir alle haben dies erlebt, wenn wir einen anderen Menschen lieben. Mit einem Mal bin ich mir selbst nicht mehr der Wichtigste, sondern will alles tun für den geliebten Menschen. (…) Am deutlichsten erleben wir das wohl, wenn wir ein eigenes kleines Kind haben“

Verantwortung, weil wir immer die Wahl haben: in die eine Richtung, oder in die andere. Ich nenne das „bürgerliche Ermächtigung“ (nicht zu verwechseln mit dem Ermächtigungsgesetz).

Für alle Hartz IV-Empfänger bedeutet dies: Nicht im Hartz IV-Dasein zu verharren, sondern die Wahl zu treffen, guten Mutes zu neuen Ufern aufzubrechen. Chancen gibt es an diesen Ufern ja mehr als genug.

Und so schrieb ich völlig zutreffend über BK Gerhard Schröder:

„Als Bundeskanzler Schröder einst die Frage aufwarf, wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen… Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder.“

Und diese albernen Montagsdemonstrationen gegen angeblichen Sozialabbau bewertete ich so:

„töricht und geschichtsvergessen, wenn der Protest gegen Sozialreformen unter dem Titel Montagsdemonstrationen stattfindet“

Nach Verantwortung der Schlag
Nach der Verantwortung kommt gleich der Schlag gegen die Kapitalismusfeinde:

„Ja, es gibt auch Mängel in unserer Demokratie und Marktwirtschaft. (…)Aber es ist ein lernfähiges System, das Vorbildcharakter hat.“

Zum angeblichen Raubtierkapitalismus habe ich mich nicht geäussert, weil es den gar nicht mehr gibt, dank der vielen Reformen. Deshalb finde ich auch diese Occupy-Bewegung so albern und lächerlich.

Friede, Friede, aber keineswegs gegen den Krieg
Insbesondere zum Thema Frieden habe ich eine zeitlos gültige Botschaft, die gerade im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Feldzug grosse Bedeutung hat, und die sich strikt an dem Bibel-Gebot orientiert: Du sollst nicht töten.

„Frieden ist zweifellos eines der ganz großen politischen Ziele und eine große theologische Vision. In konkreten Situationen aber kann Verzicht auf Gewalt auch bedeuten, der Gewalt von Unterdrückern und Aggressoren den Weg zu ebnen oder ihren Terror zu dulden“.

Deshalb habe ich mich zum Afghanistankrieg in klarer Weise so geäussert:

„Um es klar zu sagen, ich finde den Einsatz nicht gut, aber erträglich und gerechtfertigt., Er ist schon sehr merkwürdig, dass eine politische Richtung, die Jahrzehnte lang den bewaffneten Befreiungskampf in Afrika und anderswo bejubelt hat, nun einen Radikalpazifismus pflegt. Das ist ein taktischer, aber kein ethischer Pazifismus“.

Und deshalb war ich selbstverständlich auch ein Befürworter des Irakkrieges, wie Christoph Dieckmann in der ZEIT (vom 25.2. 2012 Seite 2) zutreffend sich erinnert.

So viel, liebe zukünftige Untertanen, erst einmal für heute.

Gute Nacht Deutschland

Joachim Gauck
Euer Präsident in spe

NACHTRAG 27.2. 2012
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz, ganz herzlich für den heutigen Kommentar des BILD-( Fäkalworte-) Starkolumnisten Franz Josef Post von Wagner bedanken!


Franz Josef Post von Wagner…… „Ich bin Deutschland“

Wunderbar, wie Franz-Josef insbesondere mit den Tintenkulis der Süddeutschen Zeitung Schlitten fährt, ihr Geschreibsel als „Faselei“ bezeichnet, und weiter:

Raben fallen mir ein. Wie sie auf den Ästen (Redaktionsstuben) sitzen und auf ein Opfer warten, auf das sie picken können. .

Besser hätte ich es auch nicht formulieren können.(Mehr zu Franz Josef Post von Wagner hier)

J.G.

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Zum Thema Wahrheitskommission – keine Satire – siehe auch Interview mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Karge
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