Krieg

Bundeswehr in Afghanistan: Der Abzug sollte rasch kommen

Dr. Alexander von Paleske— 29.2. 2012 —Wer die Wut und Empörung der Afghanen über die Koranverbrennungen gesehen hat, dem sind vermutlich letzte Zweifel, so vorhanden, genommen, dass die ISAF, zu der auch die Bundeswehr-Truppen gehören, von den Afghanen ganz überwiegend als pure Besatzungsarmee angesehen wird, und dass mittlerweile die bereits weit verbreitete Ablehnung in offenen Hass umgeschlagen ist.


Afghanen betrachten teilverbrannte Koranbücher


…..Demonstrationen danach – Screenshots: Dr. v. Paleske

Eingeigelt sitzt die Bundeswehr in ihren Feldlagern, unternimmt gelegentlich hochgefährliche Exkursionen, und die Soldaten haben längst realisiert, dass es dort keinen sinnvollen Auftrag mehr zu erfüllen gibt.

Eine Armee, die früher oder später den Abzugsbefehl erhalten wird und einen Scherbenhaufen hinterlässt

Ausbaden der politischen Fehlentscheidungen
Jeder Bundewehrsoldat, der dort noch stirbt, oder verletzt wird, badet die Fehlentscheidungen der Politiker aus. Politiker, die sich kaum noch in Afghanistan blicken lassen. Das gilt auch für die Mehrheit der Grünen, von denen die Obergrünen Jürgen Trittin und Renate Künast seinerzeit noch an den Anti-Vietnamkriegs -Demonstrationen in den 70er Jahren teilgenommen hatten, und es eigentlich besser wissen sollten…..sollten!

Erbärmliche Flüchtlingslager trotz Multimilliarden Dollar
Wer die Wut der Afghanen verstehen will, der braucht nur ausserhalb Kabuls eines der Flüchtlingslager zu besuchen, dort, wo afghanische Familien, die dem Kriegsgeschehen entgehen wollten, .nun hingeflüchtet sind.


Eingeschneites Flüchtlingslager am Stadtrand von Kabul. Screenshot: Dr. v. Paleske

Im bitterkalten afghanischen Winter sind sie nur notdürftigst in einfachen Zelten untergebracht, dem Winter weitgehend schutzlos ausgeliefert, und haben kein Geld für Heizmaterial. Sie erhalten nur eine völlig unzureichende Unterstützung von der durch und durch korrupten afghanischen Regierung. Die Kinder erkranken an Infektionen, nicht wenige sterben.

Dies enthüllte in der vergangenen Woche ein Bericht der BBC, der die Zustände in einem Flüchtlingslager in Kabul dokumentierte.

Skandalös gerade angesichts der mehr als 400 Milliarden US Dollar, die mittlerweile in diesen Krieg geflossen sind. Ein Betrag, der ausgereicht hätte, um gleich mehrere Länder aus der Armut zu befreien. In Afghanistan wurde hingegen mit diesem Riesenbetrag lediglich die Kriegsmaschinerie geölt.

Den einzigen Halt finden Aghanen unter diesen erbärmlichen Verhältnissen in ihrem Glauben, der jetzt mit der Koranverbrennung – ob absichtlich oder vesehentlich das sei dahingestellt – einen Fusstritt erhielt.

Wer gesehen hat, wie US-Soldaten auf tote Taliban urinierten, oder sich mit einer SS-Fahne fotografieren liessen, dem kommen allerdings Zweifel, ob es sich wirklich um ein reines Versehen gehandelt hat


US Soldaten in Afghanistan posieren unter SS-Fahne- Screenshot: Dr. v. Paleske

Ein US-Oberstleutnant packt aus
US-Oberstleutnant Daniel Davis, der in Afghanistan eingesetzt war, erfuhr aus eigener Erfahrung über tägliche Falschmeldungen und Lügen, die über die Lage in Afghanistan seitens der Militärs verbreitet wurden.


Daniel Davis im Interview – Screenshot: Dr. v. Paleske

Oberstleutnant Davis hatte sich nämlich selber kundig gemacht. Er besuchte z.B. ein angeblich befriedetes, von Taliban gesäubertes Gebiet. Davis musste jedoch feststellen, dass es sich um einen fabrizierten Bericht handelte:

Die Taliban kontrollierten das Terrain, und die afghanische Armee machte mehr offen als versteckt gemeinsame Sache mit ihnen.
Offenbar kein Einzelfall.

Oberstleutnant Davis brach jetzt in einem Interview mit der BBC sein Schweigen, weil er es nicht länger ertragen konnte, wie GI’s in diesem Krieg verheizt, und ständig Lügenmeldungen fabriziert werden..

Am Ende ohnehin der Abzug
Am Ende wird ohnehin der Abzug stehen, die Taliban werden an die Macht zurückkehren, und der einzige Verhandlungsgegenstand kann nur noch sein, dass Al Qaida keine Basen dort mehr errichtet.

Aber all das hätte sich bereits im Jahre 2002 durch Verhandlungen erzielen lassen. Stattdessen wurde der deutschen Bevölkerung die Mär von der Verteidigung Berlins gegen den Terrorismus mit Hilfe eines Krieges in Afghanistan untergejubelt.

Ein auch nur halbwegs anständiger Politiker in Berlin kann wohl kaum noch rechtfertigen, dass Bundeswehrsoldaten dafür auch nur für einen Tag länger ihren Kopf hinhalten sollen.

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