Krieg

Kampf gegen somalische Piraten – nun mit Söldnern

Dr. Alexander von Paleske — 5.3. 2012 —-Söldnerfirmen, die im Irak und Afghanistan im rechtsfreien Raum operier(t)en, deren „Mitarbeiter“ im Irak Zivilisten wie Hasen abknallten, haben offenbar ein neues Terrain ausgemacht: Somalia.

Söldner als bewaffnete Begleitung
Auf Handelsschiffen reisen sie bereits als bewaffnete Begleitung mit, jedenfalls für Reedereien, die es sich leisten können und zwar auf Schiffen, die nichts Explosives oder brennbares Gut wie Gas oder Erdöl an Bord haben. Da wäre ein Gefecht zu riskant.


Söldner auf einem Schiff im Golf von Aden Screenshot: Dr. v. Paleske

Trotz Einsatzes der internationalen Marineeinheiten im Golf von Aden und am Horn von Afrika gelingt es den Piraten immer wieder, Schiffe zu kapern

Piraten sollen an Land bekämpft werden
Damit soll nun Schluss sein. Die Piraten sollen auf dem Festland, in ihren Basen, angegriffen, und in den Häfen am Auslaufen gehindert werden. Das planen offenbar mehrere europäische Regierungen.

Eine zweifelhafte Kampftruppe ist bereits vor Ort: Die Sicherheitsfirma Saracen. Eine Firma, die zum Dunstkreis der inzwischen geschlossenen Söldnerfirma Sandline, des britischen Öl-Barons Tony Buckingham gehörte – oder noch gehört.

Buckingham, Sandline & Co
Tony Buckingham ist Chef und Mehrheitseigentümer der britisch-kanadischen Ölfirma Heritage Oil, über deren Machenschaften, insbesondere in Uganda, wir bereits mehrfach berichtet haben.

Die Söldnerfirma Sandline heuerte seinerzeit ihre Söldner über die südafrikanische Sicherheitsfirma Executive Outcomes an, die ihre „Mitarbeiter“ aus den ehemaligen Terror- Mörder- und Zerstörungskommandos Apartheid –Südafrikas rekrutierte: dem 32. Buffalo Battalion, den 1.-5. Reconnaissance Commandos, der 44. Parachute Brigade, Koevoet, und der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau (CCB)

Immer die gleichen Namen
Im Zusammenhang mit diesen Söldnerfirmen tauchten immer wieder die gleichen Namen auf:

Simon Mann, Mitarbeiter Buckinghams in Sandline, der versuchte durch einen Coup den ölreichen westafrikanischen Staat Äquatorial Guinea zu kapern um Multimilliardär zu werden, zusammen mit Sir Mark Thatcher, dem missratenen Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

Tim Spicer, OBE, Ex-Oberst ihrer Majestät, Chef der Söldnerfirma Aegis, Obersöldner im Irak, der sich dort eine goldene Nase verdiente, und in dessen Firma der ehemalige Botschafter Ihrer Majestät und Ex-Linker Paul Boateng einen gut bezahlten Unterschlupf gefunden hat

Eeben Barlow, seinerzeitiger Gründer und Chef der südafrikanischen Söldnerfirma Executive Outcomes , davor Mitglied der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau, davor Offizier in der Terror-Einheit 32. Buffalo Battalion

– und Lafras Luitingh, ebenfalls seinerzeit Mitglied der Todesschwadron CCB und dann von Executive Outcomes. Er war persönlich verantwortlich für die Ermordung des Wissenschaftlers Dr. David Webster am 1. Mai 1989 in Johannesburg, und des Rechtsanwalts Anton Lubowski in Windhoek am 12 Oktober 1989, kurz vor der Unabhängigkeit Namibias. Auch er wechselte zu Executive Outcomes, als die Apartheidzeit Südafrikas sich ihrem Ende näherte und die Dienste einer Todesschwadron nicht länger gefragt waren.
.
Lafras Luitingh zusammen mit Simon Mann, Tim Spicer, Eeben Barlow und unter Führung von Tony Buckingham waren mit den Firmen Sandline / Executive Outcomes immer dort zu finden, wo es Schürfrechte gab, und der Bürgerkrieg tobte: also in Angola, Sierra Leone, und auf der anderen Seite des Erdballs in Papua Neu Guinea.


Söldner-Erinnerungsfibel

Eine Sicherheitsfirma namens Saracen
Und weil Sicherheit ja immer etwas Kostbares ist, gerade in Ländern, wo sich ein ehrbarer Kaufmann ohne Flinte nicht aus dem Hause traut, wurde flugs auch noch die Sicherheitsfirma Saracen gegründet. Inhaber: Tony Buckingham.

Die Firma hatte Ableger in Kenia und insbesondere in Uganda.
Tony Buckingham hatte seinerzeit als Partner für Saracen sich Salim Saleh, alias Caleb Akwandanaho, den Halbbruder des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni, ins Boot geholt, einen Politiker, Tagedieb und Betrüger, was wiederum nützlich war, um an Schürfrechte für Erdöl heranzukommen, wir berichteten darüber.

Um die Firma Saracen, anders als um Heritage Oil und Buckingham, von Simon Mann ganz zu schweigen, war es in den letzten Jahren etwas still geworden, nachdem Sandline von Buckingham 2004 dicht gemacht, und Executive Outcomes sein Namensschild in Südafrika abmontieren musste.

Dort war in der Zwischenzeit ein Anti-Söldner-Gesetz verabschiedet worden, was Söldnerfirmen und die Tätigkeit als Söldner bei Strafe untersagte.

Neues Geschäftsfeld: Somalia
Die Firma Saracen gibt es aber weiterhin, Totgesagte leben als Söldnerfirmen eben länger. Geschäftsführer ist jetzt Lafras Luitingh. Und die Firma Saracen ist jetzt dort aufgetaucht, wo der Bürgerkrieg tobt, wo Piraten ihr Nest haben, und wo Öl vermutet wird. Kurzum: wo es mit dem Einsatz von Söldnern und Waffengewalt viel Geld zu verdienen gibt. In Somalia. Ein ideales Pflaster also für diesen lukrativen, mörderischen Geschäftszweig.


Lafras Luitingh – …einmal Söldner, immer Söldner

Lafras Luitingh sitzt in Südafrika, auch Heimat vieler seiner „Mitarbeiter“, aber dort darf die Firma ja nicht beheimatet sein, wegen des erwähnten Anti-Söldner Gesetzes.

Ein Waschgang für Saracen
Also wurde die Firma ausgelagert, und zwar in den Libanon als Saracen Libanon (SAL), deren Mutterfirma wiederum so klein ist, dass sie in einen Briefkasten passt, zu finden auf den Virgin Islands einer herrlichen Steuer- und Briefkastenfirma-Oase
. .
Als offensichtliche Strohmänner im Libanon dienen der gebürtige Palästinenser mit ukrainischem Pass namens Jamal Muhammad Balassi. Dazu als weitere „ Direktoren“ zwei Herren, die zuvor wegen Finanzbetrugs unerquicklich in Erscheinung getreten waren.

Ein Söldner-Christ namens Erik Prince
Nähere Untersuchungen der UN zeigten, dass der palästinensisch-ukrainische Geschäftsführer wiederum einer Firma angehört die einem aus Söldnerkreisen bestens bekannten Herrn gehört: Erik Prince, bekennender Christ und ehemaliger Eigner der Söldnerfirma Blackwater (dann XE, jetzt Academi), mit der Bush-Administration seinerzeit bestens verbandelt, und dessen Söldner nicht nur durch Schiessübungen auf Zivilisten auffielen, sondern auch durch den schwunghaften Handel und Verkauf von Armeegerät, an „die andere Seite“ auch Feind genannt. Wie schön.

.Prince hatten wir zuletzt auf unserem Investigations-Radarschirm, weil er in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Söldner-Schutztruppe aufbaute, welche die Untertanen von dortigen steinreichen aber ungeliebten weil undemokratischen Potentaten vor der Infektion mit dem arabischen Frühlingsvirus schützen sollte.

Prince trifft Luitingh
Am 28.10. 2009 traf sich Lafras Luitingh in Washington mit dem Bibel-Princen-Erik, allerdings nicht zum Bibelstudium.
Das Gebot „Du sollst nicht töten“ hatte Prince offenbar schon lange zuvor in seiner Privat-Bibelausgabe unkenntlich gemacht – sondern dieses Duo infernale brütete dort einen Plan aus, wie den Piraten gegen Bares mittels Söldnern zu Land und zur See beizukommen sei.

Geld war kein Problem, denn spendable Araber, die um ihre Öl-und Gastransporte besorgt waren, gab es reichlich an der Zahl. Gesagt, getan.
Saracen rüstet nun Armee und Polizei im nördlichen Teil Somalias, auch Puntland genannt, aus, dort, wo die radikalislamistischen Al Shabab Milizen (noch) nichts zu sagen haben, wo es etwas friedlicher zugeht, und wo auch viele Piraten ihre Nester haben, und wo es offenbar auch viel Erdöl gibt.

Auftrag an Saracen: Aufbau einer Eliteeinheit der Armee, einer Präsidentengarde, und einer Piratenbekämpfungstruppe.

Saracen sorgt für Sicherheit, ballert auch schon mal (versehentlich) auf Zivilisten und bereitet den Boden für die umfassende Pirateneliminierung und die ungehinderte Erdölförderung.

Waffenembargos der UN interessieren Söldnerfirmen wie Saracen nicht, weder damals in Sierra Leone (Arms to Africa Affair) , noch jetzt in Somalia. Söldnerfirmen operieren grundsätzlich im rechtsfreien Raum.

Moderne Kriegführung: das Outsourcen an schiesswütige Söldner. Dass diese Herrschaften keine Friedensstifter sind, versteht sich von selbst .

Zum Söldnerunwesen
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Zum Ölbaron Tony Buckingham
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Zum Coup in Aequatorial Guinea:
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