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Neuer Skandal um die Vatikanbank – böse Erinnerungen werden wach

Dr. Alexander von Paleske — 27.3. 2012 —
Gestern kam über den Ticker die Meldung, die Mailänder Filiale der US-Grossbank JP Morgan werde die Konten der Vatikanbank , die sich den etwas irreführenden Namen Institut für christliche Werke (IOR)</i> zugelegt hat, ab Ende März sperren.
.
.Auf der hohen Kante dieser in ihren Geschäften sehr weltlichen Bank befinden sich umgerechnet schlappe 5 Milliarden US-Dollar- für wohltätige Zwecke versteht sich.

Hintergrund einer unchristlichen Massnahme
Der Hintergrund für diese unchristliche Massname der US Bank:

– Verdacht auf Geldwäsche

– Verdacht auf Finanzierung dubioser Unternehmungen .

Auffällig war: Das auf das Vatikanbank-Konto eingezahlte Geld wurde oft genug – zu oft – binnen 24 Stunden wieder von dort weitergeleitet, wie bei einem Durchlauferhitzer. Also die übliche Chose der Geldwäsche. Der Zweck solcher Transaktionen: Den Einzahler zu verschleiern, und Spuren zu verwischen.

Alles schon mal dagewesen
Das alles hat es bei der Vatikanbank schon in den 70er und 80er Jahren gegeben, und endete in einem Riesenskandal, in dem vom Mord über Herbeiführen einer Bombenexplosion, Betrug, betrügerischer Bankrott, Verschwörung grössten Stils, Börsenmanupulation und Drogenhandel bzw. Finanzierung der und Geldwäsche für die Mafia alles vorhanden war. Die Vatikanbank mittendrin.


Ein Blick zurück oder: Die Katze lässt das Mausen nicht?

Die Hauptakteure in diesem Skandal waren

Michele Sindona, Rechtsanwalt sizilianischer Herkunft, eng mit der sizilianischen Mafia, der Cosa Nostra verbunden, aber ebenso in den Anfangsjahren mit dem US-Geheimdienst CIA. Später wegen betrügerischen Bankrotts verhaftet. Zog die Fäden im Hintergrund, machte Calvi mit dem Vatikanbankchef Marcinkus bekannt und dirigierte aus dem Hintergrund die betrügerischen Transaktionen.


Michele Sindona …..Mafia-Rechtsanwalt, Geldwäscher, Banken-Bankrotteur und Strippenzieher.

Roberto Calvi, Banker der später in Konkurs gegangenen Banco Ambrosiano, die eng mit der Vatikanbank zusammenarbeitete und wo der Betrug und die Geldwäsche sozusagen zum Tagesgeschäft gehörten.


Roberto Calvi……..täglich Betrug und Geldwäsche

Licio Gelli, ehemaliges Mitglied der Jugendorganisation der italienischen Faschisten, und der dieser braunen Gesinnung im Prinzip treu geblieben ist.

Gelli war der führende Kopf der grössten Verschwörergruppe Italiens in den 70er und 80er Jahre, auch er in der Anfangszeit vom CIA finanziert.


Licio Gelli …machte aus der Loge P2 eine rechtsradikale terroristische Vereinigung

Diese Verschwörergruppe firmierte als Freimaurerloge mit dem Namen P2 (Propaganda Due). Mitglieder waren: sämtliche Führungsoffiziere der Geheimdienste Italiens, 44 Parlamentsabgeordnete des Mitte-Rechts Spektrums, hochrangige Militärs (über 50 Generäle und Admiräle), hochrangige Angehörige der Justiz, katholische Kardinäle und Bischöfe und leitende Geschäftsleute, darunter auch der spätere Regierungschef Silvio (Bunga Bunga) Berlusconi – und natürlich Roberto Calvi und Michele Sindona

Zusammengehalten wurde dieser Verschwörerhaufen, auf dessen Konto unter anderem auch ein Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof Bolognas mit 85 Toten und 200 Verletzten geht, , durch den fanatischen Antikommunismus.
Gelli teilte mit, wann und gegen wen ermittelt wurde, und war vermutlich indirekt auch an der Ermordung des Ermittlungsrichters Emilio Alessandrini beteiligt, der das Verfahren gegen die Banco Ambrosiano führte.


Emilio Alessandrini ….ermittelte gegen die Finanzgangster und wurde ermordet.


Grabstein

– Ebenso an der Ermordung des Rechtsanwalts Giorgio Ambrosoli


Giorgio Ambrosoli

– an der Ermordung des Journalisten Carmine (Mino) Pecorelli.


Carmine Pecorelli

– und an der Ermordung des Polizeidirektors Boris Giuliano


Boris Giuliano

Ein Banker namens Erzbischof Marcinkus
Auf der Seite des Vatikans führte der Erzbischof Paul Casimir Marcinkus die (kriminellen) Geschäfte, in enger Zusammenarbeit mit dem Banker der Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, der nach dem Zusammenbruch der Bank von der Mafia ermordet,und an einer Brücke über der Themse aufgehängt gefunden wurde.


Paul Casimir Marcinkus …..Papst Johannes Paul I wollte ihn rauswerfen, sein Nachfolger, Johannes Paul II (hier ebenfalls im Bild) hielt ihn im Amt.

Die Vatikanbank musste schliesslich an die Gläubiger der zusammengebrochenen Banco Ambrosiano zahlen.

Es würde zu weit führen, hier noch einmal die ganzen Details auszubreiten.

Aber die Geschichte scheint sich offenbar jetzt zu wiederholen.

Wie gehabt
Erst vor wenigen Tagen hatten die US-Behörden den Heiligen Stuhl auf eine Liste von Staaten gesetzt, die wegen des Verdachts auf Geldwäsche beobachtet werden.

Erstmals taucht der Heilige Stuhl im jährlichen Strategiebericht des US-Außenministeriums zum Kampf gegen Drogenkriminalität auf. Der aktuelle Report bemängelt, dass sich der Heilige Stuhl an bestimmten internationalen Abkommen nicht, oder nur unter Vorbehalt beteiligt.

Herausgekommen ist das Ganze durch eine offenbar undichte Stelle im Vatikan selbst, die immer neue peinliche Details mitzuteilen weiss, und unter dem Namen „Vatileaks“ läuft.

Schon einmal wollte ein Papst einen Saustall von Vatikanbank ausmisten, und den seinerzeitigen Vatikanbankchef Erzbischof Marcinkus rauswerfen.
Sein Name: Papst Johannes Paul I. Er war nur 33 Tage im Amt, und starb am 28.9.1978.. Hartnäckig hielten sich Gerüchte, er sei ermordet worden. Feinde hatte er jedenfalls genug, einer davon war der Erzbischof Marcinkus.

Zur Verbindung Banco Ambrosiano und Deutsche Börse-Tochter Clearstream

David gegen Goliath: Französischer Journalist Denis Robert obsiegt im Verfahren wegen übler Nachrede gegen die Deutsche Börse-Tochter Clearstream.

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