Grossbritannien

Medienkrake Rupert Murdoch und die britischen Regierungschefs

Dr. Alexander von Paleske— 26.4. 2012 —
Ein chinesisches Sprichwort sagt: der Fisch stinkt immer zuerst vom Kopf her. Diese Weisheit trifft ganz besonders auf die britischen Regierungschefs zu, welche die Pressefreiheit zur Regierungs-Presseabhängigkeit verdrehten, und ihnen dann nachfolgend die Polizei offenbar kriminell-korrupte Zuträgerdienste an Murdochs Medien, allen voran an die inzwischen eingestellte „News of the World“, leisteten.

Kriminelle Aktionen
Mehrfach haben wir uns bereits mit dem Medienmogul Murdoch beschäftigt, zu dessen Imperium auch der deutsche Bezahlfernesehkanal Sky, vormals Premiere gehört, und dessen (Murdochs) Tintenkulis sich über geltendes Recht hinwegsetzten, als sei es für sie ausser Kraft gesetzt.

So wurden:

– Mobiltelefone gehackt, nicht nur die von Prominenten, sondern auch von Verbrechensopfern und aus afghanistan heimkehrenden Soldaten

– Die Handynummern von der Polizei an von den Murdoch-Medien beauftragte „Klempner“ weitergegeben, welche dann die „Drecksarbeit“ erledigten, und die illegal erzielten Infos gegen Bares an Murdochs Medien weiterleiteten

So haben:

– Hohe Polizeioffiziere von Scotland Yard – gegen Bares oder schöne kostenlose Urlaube – nicht nur interessante Infos weitergegeben, sondern eine ausserordentlich enge Zusammenarbeit mit Rupert Murdochs Statthaltern gepflegt. Korruption ein anderes Wort dafür.

Pressemacht verhinderte Einschreiten
Kein halbwegs anständiger Gesetzeshüter wagte es offenbar, dagegen einzuschreiten, bzw. diesen Sumpf trockenzulegen, weil es entweder als aussichtslos, oder sogar als gefährlich, zumindest aber karriereschädlich angesehen wurde, sich mit den Tintenkulis des Medienkraken anzulegen.

Als die unabhängige britische Zeitung „Guardian“ schliesslich den Skandal offenlegte, da stritten Rupert Murdochs Statthalter, an vorderster Front Rebekah Brooks und Murdoch-Sohn James jegliche Kenntnis über die kriminellen Machenschaften ab, obwohl die Indizien dagegen sprachen, insbesondere die Inhalte einer Unzahl von sichergestellten E-Mails.


Rebekah Brooks, Murdochs Statthalterin in Grossbritannien ….wusste angeblich von nichts. – Screenshot: Dr. v. Paleske

Fisch stinkt vom Kopf her
Aber der Fisch stinkt bekanntlich zuerst vom Kopf her, denn Murdoch selbst war häufiger und ausserordentlich gern gesehener Gast aller britischen Premiers: ob es Margaret Thatcher von den Konservativen, oder insbesondere Tony Blair von der Labour Party war: Alle wussten, dass es sich lohnt mit dem Pressemogul sich gutzustellen, um so eine „gute Presse“ zu haben. Rückenwind statt Gegenwind.

Eine Perversion der Pressefreiheit und der Aufgabe der Presse als „Vierter Gewalt“ im demokratischen Staat.

Jeder britische Premier wusste, dass es nahezu unmöglich schien, gegen die geballte Meinungs- Macht von Murdochs Medien einen Wahlkampf mit Aussicht auf Erfolg zu führen.

Kein Wahlerfolg gegen Murdochs Medien
Wer erst einmal das Trommelfeuer der Murdoch-Presse mit dem Flaggschiffen Sun und News oft the World auf sich gezogen hatte, der konnte seine Siegeshoffnungen begraben.

Wobei es eigentlich nur zwei Politiker gab, die Murdoch wirklich respektierte: Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan. Der Rest waren für ihn eher „Tempo-Taschentücher“ die man „benutzte“ und nach Gebrauch fallenliess.

Murdochs Geschichten
Gestern nun stand der 81-jährige Rupert Murdoch in der Leveson Untersuchungskommission Rede und Antwort.


Rupert und James Murdoch vor einer Untersuchungskommission.
Screenshot Dr. v. Paleske

Die Kommission hatte der unter Druck geratene Premier David Cameron auf dem Höhepunkt der Medienkrise im September 2011 eingesetzt, nachdem es bereits zuvor bereits jede Menge Rücktritte sowohl bei der Polizei, als auch in Murdochs-Medienreich gegeben hatte, wir berichteten darüber.

Der nächste Rücktrittskandidat ist nun offenbar der Kultusminister Jeremy Hunt. Auch er pflegte enge Kontakte mit Murdoch, und hatte gleichzeitig darüber zu entscheiden, ob Murdoch den sehr lukrativen Bezahlkanal BSkyB ganz übernehmen darf, bisher hält er rund 30% der Anteile.

Die Kommission wollte nun von Murdoch wissen, ob er jemals Premiers um etwas gebeten bzw. von ihnen erhalten habe – gegen eine gute Presse.


Rupert Murdoch vor der Leveson Kommission
……bezahlte angeblich nie, an niemanden, und für nichts.
Screenshot: Dr. v. Paleske

Gemütlicher Meinungsaustausch
Die Frage ist erstaunlich, denn Rupert Murdoch brauchte seine Anliegen gar nicht vorbringen, das hatten entweder seine Tintenkulis mit ihren Artikeln in dessen Medien längst getan, oder es war offensichtlich, wie bei Genehmigung der Übernahme der altehrwürdigen Times zur Regierungszeit Margaret Thatchers.

Die Treffen dienten wohl eher dem Zweck, sich auszutauschen und zu erfahren, was der oder die so denkt, und was ich davon halte. Pflege der Freundschaft und gegenseitige Bestätigung sozusagen.

Und so wies mit grosser Gelassenheit Murdoch alle Unterstellungen zurück, er habe bei seinen Besuchen in 10, Downing Street, dem Sitz des britischen Premiers, den er meist durch die Hintertür betrat, „Geschäfte“ – welcher Art auch immer – abgeschlossen.

Zitat:

“I have never asked anybody for anything”

Mehr noch: Nicht er habe sich den jeweiligen Premiers aufgedrängt, sondern umgekehrt: die Premiers legten Wert auf die Besuche und telefonierten angeblich häufig mit ihm.

Verhöhnung von Demokratie und Rechtsstaat
Mit den von allen Premiers aus purer Angst vor schlechter Presse offenbar nicht nur geduldeten sondern gesuchten Kontakten, Telefonaten und Besuchen verhöhnten die britischen Premiers nicht nur demokratische Prinzipien, sondern Murdoch mit den rechtswidrigen Aktionen seiner Medien schliesslich auch noch den Rechtssaat.

Es wird sich zeigen, ob der direkte Einfluss Murdochs auf die Regierung nun anhaltend zurückgehen wird.

Die von Murdoch angestrebte komplette Übernahme von BSkyB dürfte jedenfalls nicht nur auf kurze Sicht eine Fata Morgana bleiben.

Kein Grund zum Nase rümpfen
Es gibt allerdings keinen Grund, in Deutschland über diese Zustände die Nase zu rümpfen: der Pressezar Axel Springer ((BILD, Bild am Sonntag, Welt, Welt am Sonntag und noch einiges mehr), der Anfang der 80er Jahre sein Medienimperium an Murdoch verkaufen wollte, übte in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zu seinem Tode 1985 eine ähnliche meinungsbeeinflussende Wirkung aus, versuchte seine Überzeugungen mit Hilfe seiner Medien unter das Volk zu bringen, bekämpfte die auf Entspannung setzende Ostpolitik Willy Brandts, und schoss aus allen (Medien-) Rohren auf der 68er Studentenbewegung.

Und deutsche Regierungschefs hüteten und hüten sich, die Bildzeitung zum Feinde zu machen. Auch SPD-Kanzler Schröder gab ihr gerne Interviews.

Und dass Angela Merkel mit der Springer-Witwe und -Erbin Elfriede befreundet ist, dürfte ihr kaum zum publizistischen Nachteil gereichen.

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