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Arzneimittelforschung: Der Schwerpunkt verlagert sich nach Asien

Dr. Alexander von Paleske — 28.5. 2012 —
Einstmals war Deutschland die „Apotheke der Welt“, dafür standen Namen wie Bayer und Hoechst.
Hoechst forschte erfolgreich im Bereich Diabetes und Infektionskrankheiten, brachte hochwirksame Medikamente auf den Markt, darunter das seinerzeitige Superantibiotikum Cefotaxim (Claforan).

Die Firma Hoechst existiert nicht mehr, sie wurde zerschlagen, aufgeteilt in eine Chemiesparte und in die Pharmafirma Aventis.
Aventis fusionierte mit der französischen Rhone-Poulenc und wurde dann von der französischen Pharmafirma Sanofi übernommen.

In Zukunft aus Asien
In Zukunft ist damit zu rechnen, dass Medikamenten-Neuentwicklungen eher aus dem asiatischen Raum kommen, aus Indien, aber vor allem aus China.

Bereits unter den schwierigen Bedingungen im China der 60er und 70erJahre gelang es der Forschergruppe um Tu YouYou das Extrakt Quinhao, die Ausganssubstanz für die heute wichtigsten Anti-Malariamittel Artemether, Artesunat und Artemotil, herzustellen. Die bis heute einzig noch wirksamen Mittel gegen die schwere Malaria, die jährlich rund 800.000 Menschenleben fordert.

Bis dato war die Firma Hoffmann-La Roche mit der Entwicklung von Antimalaria-Medikamenten (Fansidar, Mefloquin) führend, Malariamittel, gegen welche die Malariaerreger mittlerweile in grossem Umfang resistent sind.

Arzneimittelproduzent Indien
Heute stellt Indien bereits in grossem Umfang Arzneien her, vorwiegend diejenigen, deren Patentschutz abgelaufen ist.

80% der von den Nichtregierungsorganisationen eingekauften antiviralen Medikamente gegen HIV-AIDS stammen bereits von dort, ebenso die meisten Impfstoffe für die von der UN geförderten Impfprogramme.

Während ,meiner Arbeit in Botswana wurde ein Grossteil der Krebsmedikamente (Chemotherapeutika) aus Indien bezogen, weil sie dort am preiswertesten – ohne Abstriche an der Qualität – hergestellt wurden und werden.

In Europa und den USA weniger, in Asien mehr
Das wird in der Zukunft noch deutlicher werden: In Europa und den USA werden zur Zeit die Mittel für die Forschung insgesamt drastisch zusammengestrichen.
Im krisengeschüttelten Spanien wurden z.B. die Forschungsmittel um 25% gekürzt aber auch in den USA und Kanada sieht es nicht besser aus. Der Kongress in den USA kürzte die Mittel durch die Bank um 15%.

.Demgegenüber stockt die Volksrepublik China die Mittel für den medizinischen Forschungsbereich um 50% auf.

China investiert 1,3 Milliarden US Dollar in zwei Riesenprojekte: Zum einen in die Behandlung von Infektionskrankheiten, und zum anderen in die Pharmaforschung.

Nicht ohne Konsequenzen
Das wird Konsequenzen haben, denn für jeden Dollar, der in die Forschung investiert wird, kommen am Ende 7-8 Dollar wieder zurück.
Bereits heute ist China der weltweit zweitgrösste Investor in die Wissenschaftsförderung – nach den USA.

Parallel dazu hat China aber auch die Entwicklungshilfe drastisch aufgestockt, Jahr für Jahr um 25%
Im Jahre 2011 waren es umgerechnet 1 Milliarde Euro.
Insgesamt ist China mittlerweile in 48 afrikanischen Ländern involviert. Ich selbst habe mit ausgezeichneten chinesischen Ärzten in Botswana zusammengearbeitet.

Während in Deutschland die heissen Diskussionen um den Euro und das Abschaffen laufen, denken die BRICS-Länder (Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika) längst weiter in die Zukunft.

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