SATIRE

Hamburger Bordellbesitzer schreibt an ZDF-Programmdirektor zur Bett-Kultursendung mit Paula Lambert

Dr. Alexander von Paleske — 9.7. 2012 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Otto Anschaffer
Grosse Freiheit 6
Hamburg-St. Pauli

Herrn
Programmdirektor „Kultur“
des ZDF
Mainz 500

Sehr geehrter Herr Programmdirektor,

darf ich mich zunächst vorstellen: Mein Name ist Otto Anschaffer. Ich betreibe mehrere Freudenhäuser im Hamburger Rotlichtbezirk.

Ich möchte Ihnen mein tiefstes Missfallen über die gestrige Bett-Sendung mit dieser Paula Lambert ausdrücken, die sich in einem etwas zerwühlten Bett mit einem Mützen-Gast zur Verbalerotik traf.


Screenshot: Dr. v. Paleske

Erst glaubte ich, mich verzappt zu haben, als ich diese lüstern reinschauende Dame zu Gesicht bekam, ich hatte nämlich eine etwas gehobene Literatursendung erwartet.


Paula Lambert …. Erotisches Bett-Gebrabbel mit Mützen-Gast. Screenshot: Dr. v. Paleske

Auch wir Sex-Manager aus den Rotlichtvierteln möchten uns ja gerne mal kulturell aufrüsten, denn Sex – das ist ja unser täglich Geschäft, das wollen wir nicht auch noch nach Feierabend sehen.

Sex-Gebrabbele
Dann glaubte ich, in einer Cabaret-Show gelandet zu sein, bis ich zu meiner Empörung feststellen musste: Die versuchen tatsächlich einen auf Sex-Kultur mit Erotik-Gebrabbele im Bett zu machen.

Schliesslich habe ich mir den Begriff „Kultur“ pervers, also von hinten gelesen angeschaut, und so wird aus „Kultur“ das Wort RuTLuk und darin ist RTL verborgen.

Da ging mir ein Licht auf.

Lambert Sendung Kulturperversion
Es handelte sich ganz offensichtlich um eine Perversion des Begriffs „Kultur“ in Richtung Billigfernsehen, Unterschichtenfernsehen, Klamaukfernsehen.


Etikettenschwindel. Aber Rückwärts gelesen: RTL drin.

Als Mann vom (Sex-)Fach muss ich Ihnen sagen, dass diese Sendung aber auch den niedrigsten Ansprüchen an Unterhaltung nicht gerecht wird, von Kultur ganz zu schweigen: Nichts als ein Herumgeeiere um den kunstvoll praktizierten Sex.

Mit anderen Worten: ein Aperitif , auf den kein Menü folgt.
Ich halte nichts von derartiger Verbalerotik, die Appetit macht und Hunger zurücklässt.

Offenbar war der Raum auch noch ungeheizt, sodass der Gast sich eine Wintermütze aufsetzen musste.
Als Antiaphrodisaikum empfehle ich – statt Absenkung der Raumteperatur – Hängolin-Kaffee, wenn es denn sein muss.

Muss sich ändern
Sehr geehrter Herr ZDF-Programmdirektor, das muss sich ändern. Das können wir zusammen ändern.

Ich lade Sie ganz herzlich in mein gut geheiztes Etablissement ein: Dort wird nicht lange herumgelabert um den heissen Brei, sondern da heisst es: „Hosen runter, zur Sache Schätzchen“.

Das wird bei den Zuschauern wesentlich besser ankommen und die Quote nach oben treiben. Ausserdem halte ich diese Stossgebiete-Buchautorin Charlotte Roche für wesentlich geeigneter durch die Sendung zu führen, als diese Paula Lambert.

„Skandalnudel“ Roche mit der hohen Pieps-Stimme hat ja in ihrem Büchlein Stossgebiete durchaus lebensnah über einen Bordellbesuch mit Ehemann berichtet. Wie aufregend.

In den Zeiten der Doku-Soaps darf es einfach auch in Sachen Bordell keine Berührungsängste mehr geben.

Ich freue mich schon über Ihren Rückruf.

MfG

Otto Anschaffer

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