Grossbritannien

Britische Medienanstalt BBC gerät durch Missbrauchsskandal ins Zwielicht

Dr. Alexander von Paleske — 21.10. 2012 —
Es ist ein Skandal, der zur Zeit die hochangesehene staatliche britische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft BBC (British Broadcasting Corporation) erschüttert. Ein Skandal, der unter den Teppich gekehrt werden sollte, und nun mit voller Wucht die Reputation der BBC beschädigt.

Ein Moderator namens Jimmy Savile
Ein Skandal, in den ein ehemaliger prominenter Moderator der BBC namens Jimmy Savile verwickelt war, vor einem Jahr im Alter von 84 Jahren verstorben, von der britischen Königin 1990 in den Adelsstand erhoben, und der offenbar jahrzehntelang Minderjährige im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sexuell missbraucht hatte.


Jimmy Savile …offenbar jahrzehntelang Minderjährige sexuell missbraucht. Screenshot: Dr. v. Paleske

Aus eins mach zwei
Es handelt sich tatsächlich aber um zwei Skandale. Denn die Art und Weise, wie die BBC, aber auch die Polizei, die Infos unterdrückte, die Anschuldigungen nicht weiterverfolgte, hat sich mittlerweile zu einem eigenen Skandal entwickelt.

Aber der Reihe nach
Jimy Savile war jahrzehntelang Disc-Jockey, der die äusserst populäre Rundfunksendung Top of he Pops auf BBC 1 präsentierte. Der auch mithalf, Newcomer der Musikszene zu Popstars zu machen.

Ausserdem moderierte Savile die Fernsehsendung Jim ’ll fix it, in der er Wünsche von jugendlichen Zuschauern erfüllte.

Nach seinem Tode gab es nicht weniger als drei Retrospektiven über ihn in der BBC zu sehen, die insbesondere hervorhoben, wie er durch Wohltätigkeitsveranstaltungen und Spendenaufrufe insgesamt 60 Millionen britische Pfund für kranke Kinder gesammelt hatte.

Und natürlich auch, wie er die Karrieren von neuen Pop-Stars gefördert hatte.

Dunkle Seite
Allerdings gab es offenbar eine ausserordentlich dunkle Seite dieser gefeierten Ikone, der sich gerne mit Zigarre im Mundwinkel zeigte. Diese dunkle Seite leuchtete das Team der BBC-Sendung „Newsnight“ aus.


Jimmy Savile …..Zigarre und dunkle Seite. Screenshot: Dr. v. Paleske

Die investigativen Reporter fanden heraus, dass diese dunkle Seite des Jim Savile darin bestand, junge Mädchen, die sich natürlich danach drängten, ihn kennenzulernen, auf seinen Wohltätigkeitstouren dann in sein Auto einlud.

Am Zielort, nicht selten die Umkleidekabinen der BBC, Savile sie dann offenbar sexuell missbrauchte bis hin zur Vergewaltigung. Aber auch auf jugendliche mental Behinderte hatte er es offenbar abgesehen, wobei ihm der Kontakt zu dieser Zielgruppe durch seine Wohltätigkeitstouren, erleichtert wurde: im Stoke Mandeville Hospital stand ihm sogar ein eigenes Büro zur Verfügung da er nebenberuflich Spenden für staatliche Krankenhäuser sammelte.

Mehr als 300 Beschwerden
Wie Scotland Yard gegenüber der deutschen Ärztezeitung bestätigte, soll er Klinikpatienten und Pflegepersonal sexuell belästigt oder missbraucht haben, insgesamt 300 Beschwerden lägen vor.
10 seiner angeblichen Opfer waren bereit, vor der Kamera auszusagen. Die Sendung war damit fertig zur Ausstrahlung.

Was dann geschah war der Versuch der Verantwortlichen in der BBC, die Ausstrahlung unter allen Umständen zu verhindern.
Motto: Was nicht sein darf auch nicht sein kann.

Zunächst verlangte der BBC-Abteilungsleiter Peter Rippon von den Produzenten der Sendung Nachweise über Strafverfahren gegen Jimmy Savile zu erbringen. Das gelang: Gegen Savile war wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen bereits im Jahre 2007 aufgrund von Anzeigen von Opfern ermittelt worden.

Die Polizei stellte die Ermittlungen jedoch nach Einvernahme von Savile, der alles abstritt, wieder ein. Savile wurde geglaubt, nicht aber den Opfern

Ein weiterer Skandal entwickelt sich
Mit der Begründung, das Strafverfahren sei ja seinerzeit eingestellt worden, verbot Rippon die Ausstrahlung der Newsnight-Sendung.

Dies setzte den zweiten Skandal in Gang, denn die private Konkurrenzanstalt ITV </i>hatte Wind von der Sache bekommen, und strahlte nun Anfang dieses Monats ihrerseits eine Sendung aus, in der die Opfer zu Wort kamen und schwere Beschuldigungen erhoben.

Titel der Sendung:

The other side of Jimmy Savile.

In der Sendung wird auch behauptet, die Verantwortlichen der BBC hätten seit vielen Jahren von dieser dunklen Seite ihres Star-Präsenters gewusst, dessen kriminelle Aktivitäten offenbar bis in die Mitte der 60er Jahre zurückreichen, aber nichts unternommen, sondern offenbar einfach weggeschaut.

Nach Ausstrahlung der Sendung meldeten sich weitere Opfer. Auch sind Gerüchte über angebliche Mittäter aufgetaucht.

Der Skandal erinnert in gewisser Weise an den Missbrauchs-Skandal an der Odenwaldschule. Auch hier waren Medien seinerzeit informiert worden, auch hier wurden die Anschuldigungen nicht weiter verfolgt und offenbar ebenfalls nach der Devise gehandelt: „was nicht sein kann auch nicht sein darf“, wir bericheten darüber.

NACHTRAG 22.10. 2012
Die BBC hat eine hausinterne Untersuchung durch die Investigativreporter von „Panorama“ angesetzt.
Man darf gespannt sein, was an Gülle noch so hochkommt.

Der Abteilungsleiter Rippon ist gestern bereits zurückgetreten..

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