USA

MLM-Firma Herbalife und eine Schlammschlacht zwischen Wallstreet-Spekulanten

Dr. Alexander von Paleske — 20.2.2013 —
„Schlammschlacht der Wall Street Könige“ titelte das Handelsblatt vor etwas mehr als zwei Wochen einen Artikel. Die verbale Schlammschlacht fand vor knapp drei Wochen zwischen zwei Wall- Street Spekulanten statt: Carl Icahn (76), und Hedge-Fond Manager Bill Ackmann (46).

Derartige Auseinandersetzungen, selbst in der pöbelhaften Sprache, der sich die beiden Kontrahenden befleissigten, interessieren uns hier aber nicht weiter.

Unser Interesse gilt einzig dem Gegenstand ihrer Auseinandersetzung: Der Multi-Level-Marketing-Firma Herbalife, in dem Artikel auch als „Pharmafirma“ bezeichnet.

MLM – nicht zum ersten Mal
Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit diesen MLM-Firmen beschäftigen, die Millionen Haushalte weltweit mit dem Versprechen gelockt haben, leicht nebenher Geld zu verdienen.

Die Firma Herbalife, in den USA beheimatet, verkauft seit Jahren Mittel zur Nahrungsergänzung, Pflege und Diät, und zwar nicht über Grosshändler an Einzelhändler, und diese dann weiter an Kunden, sondern im Direktvertrieb über rund 2,3 Millionen Verkäufer in 80 Ländern.


Herbalife-Werbeträger: Fussballer David Beckham. Screenshot: Dr. v. Paleske

Zu diesen MLM Unternehmen gehört auch die US Firma Amway, und mittlerweile sind auch chinesische Firmen wie Tiens auf den MLM Zug gesprungen.

MLM-Prinzip
Das Prinzip ist immer das Gleiche: die Verkäufer dieser Produkte sind Einkäufer, Lagerhalter, Auslieferer, Werbeperson und Rekrutierer weiterer Verkäufer – alles in einem.

Das Werbe- und Schulungsmaterial muss von den Verkäufern ebenfalls in der Regel eingekauft werden, und wird nicht etwa kostenlos zur Verfügung gestellt.

Richtig Geld verdienen lässt sich jedoch nur, wenn eine grosse Zahl weiterer Verkäufer rekrutiert werden, die dann wiederum weitere Verkäufer rekrutieren.

MLM in Deutschland
Auch in Deutschland vertreiben Tausende von „Beratern“ die Produkte von Herbalife, Amway und anderen MLM-Firmen, auch chinesischen mittlerweile.

Ansprechen lassen sich natürlich leicht Menschen, die bereits in finanziellen Problemen stecken, und glauben, mit diesem Direktverkauf ihre finanziellen Probleme zu lösen, oder zumindest zu verringern.

Ein Hedge-Fond- Manager bläst zum Angriff
Nun hat der Hedge Fond Manager William Ackmann zum Angriff gegen Herbalife geblasen,

Er erklärte:

Herbalife sei keine anständige Firma, sondern ein sozialschädliches Betrugsunternehmen, das in Wirklichkeit keinen echten wirtschaftlichen Wert besitze

– diese Firma einen enormen finanziellen Schaden verursache, gerade bei denen, die finanziell ums Überleben kämpften

Gleichzeitig kündigte Ackmann an, dass er Leerverkäufe der Herbalife-Aktien vornehme, weil mit einem kräftigen Kurssturz zu rechnen sei, sein Gewinn an dem Absturz der Herbalife-Aktie würde er aber nicht einstecken, sondern wohltätigen Organisationen zur Verfügung stellen.

Bereits zuvor hatte ein anderer Hedgefond-Manager, David Einhorn, öffentlich Zweifel an dem Geschäftsmodell von Herbalife geäussert.

Nicht überraschend
Das alles ist aber keineswegs überraschend. Bereits seit Jahren bekämpft Robert L. FitzPatrick diese Firmenstrategie, und veröffentlicht regelmässig Warnungen auf seinem Blog, Pyramid Scheme Alert

www.pyramidschemealert.org

Durch Prozess ans Tageslicht gebracht
Wie wenig für die Verkäufer am unteren Ende des Vetriebsweges – trotz der zeitaufwendigen und mühevollen Arbeit – letztlich finanziell übrig bleibt, das wurde in einem Gerichtsverfahren in Grossbritannien offenbar:
Nur 90 von 33.000 Netzwerkern der weltweit grössten MLM-Firma, AMWAY , erzielten ein Einkommen, das nicht nur die Kosten deckte, sondern als einträgliches Geschäft bezeichnet werden konnte.

Das sind weniger als 1%.

MLM-Kritiker FitzPatrick dazu:

– Die Rekrutierung von Netzwerkern in diesen Firmen
ähnele offenbar einem Pyramiden-Schema

– 99% der Netzwerker verdienten netto weniger als 10
US Dollar pro Woche

– Die Totalverluste der „Fusssoldaten“ beziffert er auf
rund 5 Milliarden US Dollar pro Jahr

-84% der Kommissionsgelder gingen an 1% der Netzwerker

– 60% aller Netzwerker seien neu rekrutiert was auf einen hohen „Turnover“ schliessen liesse

– 60-90% der Netzwerker gäben früher oder später auf

Die Konsumenten der Artikel sind nach seinen Feststellungen bei diesen speziellen MLM’s fast ausschliesslich die Netzwerker selbst, es gebe keinen eigentlichen nennenswerten Markt ausserhalb der Netzwerker, was zu immer neuer Rekrutierung von Verkäufer-Konsumenten zwinge.

Warum erst jetzt, warum nur Herbalife?
Zwei Fragen stellen sich:

-Warum erst jetzt dieser „Patriotismus“ und nicht schon wesentlich früher?

– warum nur Herbalife und nicht auch Amway und andere?.

Offenbar liess sich mit dem Spekulieren der Herbalife-Aktien und anderer MLM-Unternehmen gut Geld verdienen. Jetzt aber hat die die US-Börsenaufsicht SEC Untersuchungen über das Geschäftsgebaren dieser Firmen aufgenommen.
Wall-Street Spekulant Icahn möchte offenbar Herbalife nicht aus seinem Depot werfen, daher der Stunk.

Was bleibt?
Herbalife, Amway und wie sie alle heissen machen Wenige sehr reich, die Masse bleibt arm oder wird ärmer, trotz harter Arbeit.

Mehr noch, neben den finanziellen Schaden tritt der emotionale Schaden, das Gefühl des Versagens.

Schon vor vier Jahren schrieben wir dazu:

Nun bräuchte uns das nicht weiter zu interessieren, wenn jemand, sagen wir nach einigen Wochen, merkt, es läuft nicht. „Versucht und nicht geklappt“.
Aber das läuft bei vielen MLMs mit Verkäufergewinnung leider nicht so. Der Schaden sowohl emotional wie finanziell ist nicht selten beträchtlich.
Neben den finanziellen Verlusten gehen durch die Verdinglichung der Freundschaftsbeziehungen nicht selten auch lange Freundschaften in die Brüche und der Netzwerker, der ein Jahr oder noch länger dranbleibt, getrieben von dem Ehrgeiz es irgendwie zu schaffen, wird verständlicherweise versuchen, Druck auf seine Freunde auszuüben, seine Freundschaften nur auf den Gesichtspunkt der Nützlichkeit für sein Geschäft reduzieren. Und er wird, nachdem er viel Zeit und Aufwand in dieses „Unternehmen“ gesteckt hat, oftmals schlechter dastehen:. Geld weg, Freundschaft weg, Hoffnung weg.

Dazu findet sich in dem Handelsblatt-Artikel allerdings nichts. Vielmehr geht es dort um lediglich um die Schlammschlacht. Manch einer nennt das Journalismus.

Netzwerk-Multi-Level-Marketing: (K)ein Ausweg aus Arbeitslosigkeit und Finanznot?

Chinesische Firmen springen auf den MLM-Zug

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