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Hypo-Alpe Adria Bank – Das dicke Ende rückt näher

Dr. Alexander von Paleske — 6.5. 2013 —
Im April 2007, Wochen vor dem erfolgten Verkauf der österreichischen Skandalbank an die Bayern-LB, haben wir uns in zwei Artikeln (siehe hier und hier) mit dieser austrischen Finanzinstitution beschäftigt, aus deren Poren bereits zur Zeit des Verkaufs an die Bayerische Landesbank, (BayernLB) der Mief etlicher Skandale kroch, und deren Geschäftsvolumen wie ein mit heisser Luft aufgeblasener Luftballon imponierte.


...viel heisse Luft und viele Skandale

Wobei diese heisse Luft teilweise aus windigen, teils aber auch kriminellen Geschäften bestand. Aber wie aus einem „Can of Worms“, einmal geöffnet, kamen immer neue Skandale an die Öffentlichkeit.

Einige der letzten bekannt gewordenen:

– die Geschäfte mit dem international gesuchten serbischen Drogen-Grossgangster Darko Saric, der insgesamt 1,7 Milliarden Euro im Drogenhandel verdient hatte, und seine Gelder angeblich auch über die Tochter der Hypo-Alpe in der Niederlanden gewaschen haben soll. Details siehe hier und hier.

— die Geldwäsche-Geschäfte mit, und Bestechungen von kroatischen Politikern bzw. politiknahen „Geschäftsleuten“ (Ivo Sanader & Co)

– die Finanzierung der maroden Luftlinie Styrian Spirit

– die Finanzierung von mafiösen Hühnerstall- und Lastwagenbesitzern in der Ukraine

– die Millionen-Euro-Vor-Finanzierung eines geplanten Skulpturenparks Paradiso in Wien von dem nur ein paar lädierte Skulpturen übrigblieben

– die Finanzierung von Yachten in der Adria und anderer Utensilien

Bereits vor 5 Jahren hatten wir die Fülle bis dato zusammengelaufenener Hypo-Alpe Skandale ausgebreitet und der Bank den Namen „Hypo-Skandalpe“ verpasst.

Nun aber scheint das Ende dieser Skandalbank endlich in Sichtweite zu sein: Brüssel will den Laden dichtmachen, (Schliessung oder Zwangsverkauf), und spricht eher verharmlosend von einer „unglücklichen Geschichte“ dieser Bank, die nun beendet werden müsse.

Vom betagten Küsten-Motorschiff zum Kreuzfahrtdampfer
Eine dieser „unglücklichen Bank-Geschichten“ soll zum Schluss nicht unerwähnt bleiben: ein besonders imposantes Heissluft-Geschäft: Die Finanzierung des Erwerbs und Umbaus eines 40 Jahre alten rostigen norwegischen Küstenschiffs in ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff durch die Hypo-Skandalbank.

Das lief so:
Eine kroatische Reeder-Firma namens D. hatte Kreditschulden bei der Hypo-Alpe in Höhe von 5,9 Millionen Euro. Die Reederei bestand aber offenbar lediglich aus einem alten Kahn namens MS Monet, der müde in internationalen Gewässern herumschipperte.

Als die Schulden sich als uneinbringlich herausstellten, hielt sich die Hypo Alpe-Bank im Jahre 2000 an dem betagten Kahn schadlos- besser gesagt: sie versuchte es, denn für den fand sich zunächst gar kein Käufer. So wurde die Hypo-Alpe Leasingtochter stolze Schiffs-Eigentümerin.

Der Dampfer wurde schliesslich weitergereicht an eine zur Hypo Alpe gehörende Firma namens „Westwind“.
Der Grund für diese Transaktionen war ganz einfach: Die Firma Westwind sollte von den Kroaten Mato Stanovic übernommen, und dieser Kauf dann von der Hypo Alpe finanziert werden. Damit war der rostige Seelenverkäufer aus den Büchern.

Mehr noch: Mato Stanovic und die Hypo -Alpe hatten zusammen noch grosse Pläne, vorgeblich jedenfalls.
Gesagt, getan: Den Westwind-Kauf finanzierte die Hypo Alpe mit einem Kredit über 4,5 Millionen. Geschenk wäre wohl ein besseres Wort dafür.

Aber es kommt noch dicker: Die Hypo-Alpe gab diesem Mato Stanovic bzw. dessen Briefkastenfirmen gleich noch 9 Millionen Euro zum Erwerb eines betagten, 40 Jahre alten eines norwegischen Küstenschiffs namens Harald Jarl , aus dem mit finanzieller Hilfe der Hypo-Alpe ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff namens Andrea werden sollte. Staun!

Kaum zu glauben, aber offenbar wahr: Dieser unglaubliche Vertrag und die Regelung der Rückzahlung wurden offenbar auch noch – wie früher auf dem Pferdemarkt – per Handschlag besiegelt. Motto. Wir vertrauen einander. Denn irgendwelche Kreditverträge liessen sich bei der Hypo nicht finden. Was sich finden liess waren die Belege über Millionen-Geldabgänge.

Selbstverständlich kam es nie zu einer Rückzahlung der Kredite, weder ganz, noch ratenweise. Aufgelaufener Gesamtschaden: summa summarum 35.8 Millionen Euro.

Die MS Andrea konnte schliesslich für 800.000 Euro versteigert werden – ein Trostpreis – und tuckert weiter auf den Weltmeeren umher, zwischendurch auch mal als Donau-Ausflugsdampfer, mittlerweile unter dem neuen Namen Serenissima. Einige Reiseberichte „begeisteter“ Passagiere , als das Schiff noch Andrea hiess, finden sich hier . .


Das 800.000 Euro Kreuzfahrt-„Schiffchen“ MS Andrea ……..seid verschwunden, Millionen.

An den Kragen
Nun aber geht es der Hypo Alpe an den Kragen: Die EU, genauer gesagt deren Wettbewerbs-Kommissar Joaquin Almunia, will die Hypo Alpe bis Ende des Jahres abgewickelt sehen: Entweder verkaufen oder dichtmachen.

In einem geharnischten Brief an die austrische Finanzministerin Maria Fekter, der über das Magazin Profil an die Öffentlichkeit geriet, hat er dies ummissverständlich klargemacht.

Da ein Käufer weit und breit für diesen „Laden“ nicht in Sicht ist, wird es aller Voraussicht nach zur Schliessung kommen. Gesamtschaden durch die Schliessung: rund 16 Milliarden Euro.

Für die skandalreiche Alpenrepublik, seit 2009 Eigentümer der Skandalbank (um sie vor dem Absturz zu retten), kein kleiner Happen. Zumal im Hintergrund auch noch der Fall „Kommunalkreditbank“ lauert, eine Bank, die ebenfalls den österreichischen Staat durch seinerzeitige windige Geschäfte mit toxischen Papieren wie Swaps und Asset-backed Securities einige Milliarden Euro gekostet hat, wir berichteten darüber.

Das wird den Finanzhaushalt der Alpenrepublik nicht unerheblich in Mitleidenschaft ziehen, mehr noch: eine Abstufung der Kreditwürdigkeit Österreichs durch die Ratingagenturen stünde ins Haus.

Es steht nicht gut
Es steht zur Zeit wirklich nicht gut um die Alpenrepublik.
Auch die grossen Skandale der letzten 13 Jahre sind bisher in keiner Weise strafrechtlich aufgearbeitet. Die Liste der Skandale siehe hier.
Zwar hat der ehemalige Chef der Skandalbank Hypo-Alpe, Wolfgang Kulterer, von dem ehemaligen austrischen Rechtsaussen Haider als der „erfolgreichste Bankmanager Österreichs“ bezeichnet, schon mehrere Strafurteile gefangen, aber nur eines davon ist rechtskräftig.

Die grossen Strafprozesse, darunter auch gegen den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser lassen weiter auf sich warten.

Prozesslawine rollt
Derweil laufen die zahllosen Zivilprozesse rund um den Kauf und die dubiosen Geschäfte der Hypo Alpe weiter:

– Da klagt die bayerische Landesbank (BayernLB) auf Anfechtung des Kaufvertrages und Rückabwicklung des Kaufs der Hypo-Skandalpe, und auf Schadensersatz.

– Da klagt ebenfalls die BayernLB gegen die Hypo Alpe auf Rückzahlung angeblich gewährter Kredite in Höhe von 2,3 Milliarden Euro.

– Da klagt die BayernLB gegen ihre ehemaligen Manager auf Schadenersatz wegen des „Einkaufs der Hypo-Skandalpe-Katze im Sack“.


Klagt und klagt und klagt und…….

– Da laufen auch in Deutschland Strafverfahren gegen ehemalige Manager der Bayern LB. Vorwurf: Untreue.

– Und da laufen oder sind beabsichtigt Prozesse der Hypo-Alpe gegen frühere Manager wegen Schadenersatz.

So ist aus dem von Anfang an absehbaren Desaster-Geschäft der BayernLB – noch dazu mit einem in Europa und anderswo weithin geächteten austrischen Rechtsaussen namens Jörg Haider, der aber gern gesehener Besucher bei Iraks Saddam Hussein und Libyens Gaddafi war – eine Schadens- und Prozesslawine geworden.

Bisher ist nur das Ende der Hypo-Alpe absehbar: Spätestens Ende nächsten Jahres, möglicherweise auch erheblich früher, je nach dem, ob es Ministerin Fekter gelingt, eine etwas längere Schonfrist auszuhandeln.

Fazit
Gott schütze Österreich (und Bayern) – vor solchen Bankern und Politikern! – Oder, um (abgewandelt) mit Konrad Adenauer zu reden „Mein Jott, wat soll aus Österreich werden?“

oder als Reim:

Gott schütze uns vor Sturm und Wind,
und vor Bankern und Politikern, die aus solchem Holz geschnitzet sind!

NACHTRAG
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Verfasser im April 2007, als der Verkauf der Hypo-Skandalbank an die BayernLB sich abzeichnete, den leitenden Redakteur der mittlerweile eingestellten Financial Times Deutschland, Sven-Oliver Clausen, auf diesen sich anbahnenden Skandal aufmerksam machte. Als die Zeitung sogleich nachrecherchierte, brachten die Vertragsparteien ihre Anwälte in Stellung, und drohten unverhohlen mit einstweiligen Verfügungen und massiven Schadensersatzklagen. Die Zeitung zuckte zurück, die Vertragsunterzeichnung lief ungestört über die Bühne.

Zentraler Artikel für alle bis Dezember 2008 angelaufenen Hypo-Alpe Skandale
linkBayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Reicht mir die Hand, meine Skandale

Zur Hypo-Alpe-Adria Bank
linkHypo Alpe (Skandalpe-) Bank und BayernLB: Die schier unendliche Skandal- (Betrugs- Untreue-) Geschichte. Ein Update

linkHypo-Alpe-Bank und Österreich – Wenn eine Bank zum „Rattennest“ und ein Staat zur Skandalrepublik wird

linkKlage der BayernLB auf Rückabwicklung des Hypo Alpe (Skandalpe)-Kaufs: Viel Lärm um Nichts
linkBayernLB kann Schadenersatz für Hypo-Alpe (Skandalpe)-Debakel fordern – oder doch nicht?
Bayern LB pocht auf Schadensersatz für Skandalpe-Abenteuer: Viel heisse Luft, wenig Substanz
BayernLB-Ex-Tochter Hypo-Alpe-Adria-Bank (Skandalpe) – Das dicke Ende kommt erst noch

Zu Ivo Sanader & Co
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Weitere Hypo Alpe Artikel
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2 Gedanken zu “Hypo-Alpe Adria Bank – Das dicke Ende rückt näher

  1. Vor der eigenen Haustüre…. Bei Ihrem Standpunkt, dass die Hypo von machthungrigen, korrupten und dummen Politikern inklusive Bankmanagern (insbesondere des deutschen Tilo Berlin) an die Wand gefahren wurde und von noch dümmeren bayrisch-deutschen Bankern gekauft wurde, gebe ich Ihnen Recht. Doch der populistische Quatsch bezüglich der Finanzierung von Mafiosi etc.. und der vielen Skandale in Österreich ist einfach lächerlich. Auf Schweizer und Deutsche Großbanken bunkert natürlich kein Geld von Kriminellen und Mafiosi und UBS, Deutsche Bank etc.. machen natürlich nur saubere, intelligente Geschäfte. Desweiteren waren die Deutschen und Schweizer auch viel intelligenter als die Österreicher, den die investierten nicht in gefährliche Swaps und ABS und mussten auch nicht vom Staat unterstützt werden. Das bei der Hypo und bei der Kommunalkredit viel, viel Scheiße gebaut worden ist, ist nicht zu bestreiten, doch sollte man nicht so tun als würden diese Geschichten nur in Österreich so laufen. Man sollte zuerst auch einmal vor seiner eigenen Haustüre kehren. Doch damit kann man, im Hinblick auf das ins unermessliche, gesteigerte Selbstbewusstsein (durch Wirtschafts- und Fußballwunder) unserer deutschen Nachbarn, wohl nicht rechnen. Kurz gesagt, mich störte die präpotente Art des Artikels.

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    1. Nicht nur Österreich darf ich Sie auf die vielen Artikel verweisen, die auf diesem Blog, insbesondere zu den Machenschaften der Deutschen Bank, veröffentlicht wurden? Eine (unvollständige) Auswahl:

      http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/der-steuerfahnder-skandal-in-hessen-die-deutsche-bank-und-ein-folgenre/

      http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/unersaettliche-geldgier-zinsmanipulationen-britischer-banker-fuehren-z/

      http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/deutsche-bank-raubtierkapitalismus-staatskostensanierung-und-rechtswid/

      http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/deutsche-bank-und-cdos-oder-wie-man-schrottpapiere-losschlaegt-und-dab/

      http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/deutsche-bank-anlagemuell-und-die-zinswetten-mit-hochverschuldeten-kom/

      Leider sind auch die Finanzierungen von kroatischen Mafiosi keine Hirngespinste, sondern solide recherchierte Berichte von investigativen Journalisten z.B. in Kroatien ( z.B. in der Zeitung Blic veröffentlicht) und von der austrischen Zeitschrift Profil und der Tageszeitung Die Presse übernommen:

      http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1335233/Serbien_Geldwaesche-ueber-Raiffeisen-und-Hypo

      Auch Sreten Jocic, der Mörder des kroatischen investigativen Journalisten Pukanic, der die Zeitung Nacional herausgab, ist keineswegs ein Hirngespinst, sondern der steht in Belgrad vor Gericht.

      Siehe im übrigen auch den Artikel in der Wochenzeitung Die ZEIT:

      „Wie die Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria die istrische Riviera zu Geld machte – gemeinsam mit kroatischen Verbrechern“

      http://www.zeit.de/2007/25/Istrien

      MfG

      Dr. v. Paleske

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