Medizin

Sollte es eine Zwangsimpfung gegen Masern geben?

Dr. Alexander von Paleske — 19.5. 2013 —-
Diese Frage stellt die internationale Medizinzeitung THE LANCET in ihrer Ausgabe vom 27.4. 2013, S. 1434f.

Should the UK introduce compulsory vaccination?

Der Hintergrund
In der Gegend von Swansea / England waren insgesamt 808 neue Fälle von Masern aufgetreten, 10% davon waren so schwer verlaufen, dass eine Krankenhauseinweisung der Patienten erforderlich wurde.

Im Norden Englands wurden 865 Fälle von Masern in diesem Jahr gemeldet.


Britische Zeitung The Telegraph 24.4. 2013 mit Sensationsschlagzeile

Die Krankheit
Masern sind eine typische Kinderkrankheit, keineswegs eine harmlose. Gefährliche Komplikationen dieser Viruserkrankung sind dabei Enzephalomyelitis (Entzündung von Gehirn und Rückenmark), Bronchitis und Pneumonie (Lungenentzündung), durch bakterielle Sekundärinfektionen kompliziert, sowie vorübergehende Immunsuppression.

Besonders gefürchtet sind Masern bei Kindern, die an Krebs leiden und deshalb einer Chemotherapie sich unterziehen müssen. In dieser Gruppe sind die Komplikationen ungleich höher.

Schwere Komplikationen und Todesfälle möglich
Aber schon unter normalen Umständen führen Masern bei 1 von 3000 Patienten zum Tode. Bei mangelernährten Kindern z.B. in der 3. Welt liegt die Todesrate deutlich höher, bei 1: 100O oder sogar noch höher.

Ausserdem tritt bei 1 von 1000 an Masern Erkrankten als Komplikation eine Enzephalo-Myelitis als postinfektiöse Komplikation auf, die bei 15% zum Tode führt, und bei nicht wenigen Überlebenden bleibende neurologische Schäden hinterlässt.

Als weitere, jedoch seltene Komplikationen können die subakute Einschlusskörperchen-Enzephalitis (bei Immundefekten), und nach 5-10 Jahren die stets tödliche verlaufende subakut sklerosierende Panenzephalitis auftreten.

Wirksame Impfung
All diese Komplikationen des Zentralnervensystems, und natürlich auch die schweren Atemwegsinfektionen, können durch eine Impfung sicher verhindert werden.

Vor Einführung der Masernimpfung im Jahre 1968 hatte praktisch jedes Kind Masern durchgemacht: Nach der Ansteckung über Tröpfcheninfektion wurde die hochansteckende Krankheit in 100% der Fälle auch manifest, mit dem typischen Masernexanthem.


Typisches Masernexanthem

Daher auch die recht zuverlässigen Daten über die Komplikationsraten.

Da der Mensch das einzige Virus-Reservoir ist, könnte, wie bei den Pocken, durch eine globale Anstrengung die Krankheit ausgerottet werden.

Von Ausrottung weit entfernt
Von einer Ausrottung der Masern ist jedoch selbst Europa – anders als die USA – noch deutlich entfernt.

In Europa gab es in den letzten drei Jahren insgesamt noch rund 90.000 Fälle, mehrheitlich in den einkommensstärkeren Ländern.

Deutschland hatte sich gegenüber der WHO verpflichtet, die Masern bis zum Jahre 2015 auszurotten (0,1% per 100.000), also insgesamt nicht mehr als 82 Neuerkrankungen pro Jahr. Das Ziel wurde 2010 mit 168 Neuerkrankungen jedoch verfehlt.

Dieses Jahr sind es bis zum 28. April bereits 82 Neuerkrankungen . Im Jahre 2011 waren es sogar 1600 Fälle nach einem Masern-Ausbruch in Berlin
Der Grund: Die Impfquote ist eindeutig rückläufig. So werden zum einen nicht alle Kinder zeitgerecht geschützt, im Jahre 2011 nur 18% aller 11 Monate alten, zum anderen aber nur 77% aller 14 Monate alten.

Gründe für fallende Impfraten
Der Gründe für diese gefährliche „Impfmüdigkeit“:

– Nachlässigkeit, vermehrt in sozial benachteiligten Familien (Prekariat, Familien mit Migrationshintergrund)

– Impfgegner, die sich vorwiegend aus der Mittel-und Oberschicht rekrutieren

– dazwischen Eltern, die durch die Debatte „impfen ja oder nein“ verunsichert sind, und deshalb eine eher abwartende Haltung einnehmen – bis es dann zu spät ist.

Argumente der Impfgegner
Die Impfgegner lassen sich in etwa so untergliedern:

– Totale Abstreiter jeglicher Wirksamkeit von Impfungen. Dieser grobe Unfug ist bereits durch die Ausrottung der Pocken durch weltweite Impfung widerlegt, ebenso durch die rechtzeitige Impfung als einzig wirksame Therapie der Tollwut, eine Viruserkrankung, die sonst unweigerlich zum Tode führt, aber auch die Verhinderung von Diphterie und Tetanus, und die nahezu vollständige weltweite Ausrottung der Kinderlähmung, deren endgültiges Verschwinden aber durch radikalislamische Impfgegner (Taliban) verhindert wird, die kürzlich in Pakistan auch noch mehrere Impfhelfer umbrachten
.
– Relative Abstreiter der nachgewiesenen Wirksamkeit bestimmter Impfungen.

– Verfechter des „Durchmachen der Krankheit ist besser als Vorbeugen“ unter Ignorierung und / oder Verharmlosen und / oder Abstreiten der möglichen gefährlichen Komplikationen des „Durchmachens“
.
– Impfung zwar wirksam, aber abzulehnen wegen nachgewiesener (seltener) Nebenwirkungen, oder behaupteter, jedoch nicht nachgewiesener Komplikationen.

– Und natürlich die verschiedensten Kombinationen dieser Argumente.

Impfpflicht oder nicht?
Die Frage bleibt: Sollte bei Masern die Impfpflicht eingeführt werden?
Zwangsimpfungen sind nur unter ganz engen Voraussetzungen zulässig, wenn sie nämlich das einzige Mittel darstellen, um einer Seuche Herr zu werden, und die Komplikationsrate der Erkrankung eine Höhe erreicht hat, die eine derartige Zwangsmassnahme rechtfertigt.

Davon kann jedoch bei Masern, anders als bei den Pocken, nicht die Rede sein.

Bleibt das Recht des Kindes auf Krankheitsschutz und adäquate medizinische Versorgung, hinter welches das Bestimmungsrecht der Eltern zurücktreten muss.

Das ist entschieden bei Krebsbehandlungen und notwendigen Operationen, wenn Eltern die lebensrettende Behandlung des Kindes verweigern.

Dieses Argument würde zwar theoretisch auch den rechtlichen Weg zu einer Impfpflicht öffnen, denn an den erheblichen Vorteilen der Masernimpfung besteht kein Zweifel. Auch wenn der Impfschutz, anders als bei einer durchgemachsten Maserinfektion nicht lebenslang anhält, sondern nur rund 20 Jahre, sodass eine Wiederauffrischungsimpfung erforderlich wird.

Diese Impfpflicht wäre jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schon deshalb abzulehnen, weil es bisher an der intensiven öffentlichen Überzeugungsarbeit fehlt, welche die Vorteile von, und deshalb Notwendigkeit der Masernimpfung herausstellt.

Der Verfasser ist Internist, Hämatologe, leitender Arzt und ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M)

NACHTRAG
Von den Impfgegnern sind die Impfkritiker zu trennen, die wissenschaftlich fundierte Bedenken gegen bestimmte Impfungen vorbringen – dies zur Klarstellung.

Wie Impfgegner das Problem Masern behandeln, einschliesslich verantwortungsloser Verharmlosung der Komplikationen, siehe hier:

http://www.impfkritik.de/masern/
http://www.impfkritik.de/pressespiegel/2013041601.html

Diese bei Impfgegnern populäre Website wird von dem Molkereifachmann U.P. Tolzin betrieben.

Es allerdings keine Überraschung, dass eine ganze Reihe von Impfgegnern auch Virusleugner sind.

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3 Gedanken zu “Sollte es eine Zwangsimpfung gegen Masern geben?

  1. Selten einen Artikel gelesen, in dem so krampfhaft versucht wird, irgendwie neutral zu wirken. Alle Impfgegner auf den Scheiterhaufen! Und natürlich Zwangsimpfungen. Alles moralisch vertretbar mit der Datenbasis, die uns die von der Pharmaindustrie bezahlten Impfstudien vorgeben. Doppelblindstudien über mehr als 12 Wochen? Fehlanzeige. Kontrollgruppe mit einem echten Placebo (NaCl) geimpft? Fehlanzeige. Aber das Ärzteblatt hat das ja alles nochmal geprüft, dem kann man ja vertrauen. Und nachplappern.

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    1. Die Selbstverantwortung der Menschen wird gerade reaktiviert. Das Vertrauen in das älteste Gewerbe der Welt – die Heiler – heute die Pharma ist erschüttert, da die tatsächlichen Ergebnisse schockierend sind. Da es nur und immer nur um Geld und nicht um Menschen geht, muß nun seitens der Pharma eine Gegenoffensive gestartet werden. Man benutzt nun wie auch schon ein Großteil der Wirtschaft die neuen Manipulationswege. TV-Spots guckt sich keiner mehr an. Die Tatktik ist dabei noch verwerflicher, wie hier mit dem Beitrag zu sehen. Man sagt nicht mehr, daß es Werbung ist. Man tut so, als ob es eine Meinung wäre. Man muß verstehen, daß die Pharma nichts weiter als ein Wirtschaftsunternehmen ist. Es sind private Gesellschafter als Kapitalisten, die Kapital machen wollen. Gesundheit ist nicht in Volkeshand und auch nicht mehr staatlich (kontrolliert). Gesundheit liegt garnicht in deren Interesse. Und warum sollte diese Wirtschaft, die hundertausende schon geschädigt & umgebracht(Studie über Toter Patienten durch Medikamente) hat nun mit der Wahrheit kommen und etwas anderes wollen, als weiterhin kranke Patienten???!!! Aufwachen!!! Nichts scheint wie es ist. Besonders im ungezügelten Kapitalismus nicht!!
      Ich schließe mich dem Vorredner an und weise noch einmal darauf hin, daß es überhaupt keine belegbaren Studien gibt. Aber was man weiß. Glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast. Stimmt, stimmt, stimmt.
      Wo bitte schon sind die – Beweise – ???
      Die Pharma könnte sich doch den ganzen Rummel sparen und alle Impfgegner mit einem Schlag hinwegfegen???!!!
      Sie hätten die Mittel und die Lobby. Was sie nicht haben, ist die Wahrheit!!! Wie immer!!!

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  2. gefährliche Zusatzstoffe Solange in den Impfstoffen gefährliche Zusatzstoffe integriert sind, die jederzeit weggelassen bzw. ersetzt werden könnten, scheint mir die Einnahmesituation der Pharmaindustrie bei solchen Aktionenen absolut im Vordergrund zu stehen. Oder warum belassen die Hersteller dieser Impfstoffe diese gefährlichen Zusatzstoffe in den Impfseren?

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